Nr. 143 Erscheint kögllch mit Ausnahme des Sonntags. kommende«, (9 ’len. ic», Dn|» Mill. Tir. WM-'M . 1043,0 Tcc Anteil der Kosten auf ;fpauen >ohn geboren g und Frau S UM'ö.Wiesb|^ Preußen. . Bayern . . Sachje» . . Wiirtlemberg Baden . . Hessen . ehe zu iie sich „SEIFIX- neeweiß 'ing'sten. ‘zeugt. für nric Tie amtliche Verösieatlichung neuer Handelsverträge. Anläßlich des Abschlusses des neuen deutsch-schwedischen Handelsvertrages hat der Han del s vertrag sverern dem Herrn Reichskanzler in einer Eingabe verschiedene Anregungen unterbreitet. Ter Verein erachtet es als unzu- reichend, daß sich die amtliche Veröffentlichung eines neuen Handelsvertrages stets nur beschränkt auf den Wortlaut des Vertragstextes und der Vertragstarife unter Hinzu ügung einM mehr oder weniger ausführlichen offiziellen Begründung Er schreibt: „Wenn man )ich über die wirtschaftliche Bedeutung des Vertrages im ganzen oder über bestimmte Einzelheiten ein Urteil bilden will, so ist es unerläßlich, daß sowohl der neue ^ertragstext mit dem Wortlaut des bisher gelten- Die „Gießener $ami!ieahl8tter* werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, dar „Areisblatt ffir den Kreis «lehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit, fragen" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Truckerei: Schul« srraße 7. Eroeditwn und Verlag: 5L Redakliom^HA 112. Tet-AdruAuzelgerLießen. 229,3 120,6 67,2 79,4 37,8 den Kopf aus den Kops Alk. 25,9 33,2 24/3 27,5 36,8 29,1 Die Zeuerbestattungbvorlage im Herrenhaus. Berlin, 20. Juni. Eine iait fünfstündige allgemeine Aussprache widmete heute das L'aus der preußischen Granden der F c u c r 5 e ft 21 l u uqS- Vorlage. Ein stellenweise recht heitre Knnp- her Geister/ zweifellos auch mit bemertenswerten Höhepunkten. Aber rm politische Tagesschau. Ti-^Kostcn dcr Staatsverwaltung in den einzelnen deutschen Bundesstaaten sind von recht verschiedener Höhe. Vergleicht man die sechs bedeutend fte» Bundesstaaten Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden und Hessen miteinander, so scheint die Staatsverwaltung am tostsvieligsten in Baden z,l sein. Nach den Voranschlägen für 1910 «teilt -sich nämlich der Bedarf für die Staatsverwaltung im engeren Sinne, d. i. der Aus- Mittwoch, 2b Juni WU Rotationsdruck und Verlag der Vrüblfchea UniversuätS - Buck- und Kleindruckerei. 9L Lange. Gießen. he bei Wetzlar tabel eiBKerkkte Joseph Kreie, ÄÄ1 io an HvldwotddÄ» Müil. ftreie- Von hmnierWvtmnug B der Bevölkerung schwantt hiernach zwischen 24,9 Ml. «.Sachsen und 36,8 Ml. (Baden'. Tas ist ein sehr bedeutender Unterschied in Baden trag eingetretenen ^ollermaßigungen von bloßen 3ollbtn* düngen, sowie die durch den Vertrag neu gemachten Konzes- sioneii von solchen unterschieden werden, welche dem Vertragsstaat ohnehin traft Meistbegünstigung Zufällen, cutt- lich die Vertragsvositioncn der beiden Zolltarife mit den entsprechenden jtficrii der Außenhandel' 2tatiftif verglichen werden. Tann erst würde eine sachgemäße Beurteilung des Vertragsentwurfs möglich sein. Dieses Material haben die amtlichen Stellen geordnet und übersichtlich in Händen Es wäre daher nur eine geringe Mehrbelastung für sie, es bei der Verössentlichung des Vertrages in angemessener Weise zu verwerten, wie das bereits in gewissem, ober unzureichenden Umfange geschieht. Solche Unterlagen bedürfen aber dringend all die zahlreichen Personen, die genötigt sind, sich alsbald nach Veröffentlichung eines neuen Handelsvertrages ein Urteil über ihn zu bilden und eventuell öffentlich Stellung dazu zu nehmen, - ivie Parlamentarier, volkswirtschaftliche Beamte, Journalisten der Tages und Fachpresse, vor allem die am Geschäftsverkehr mit dem betreffenden Lande beteiligten Finnen. Jedenfalls entsteht jetzt für diese mreife eine unnötig große ^Arbeitsbelastung, wenn sie sich ein einigermaßen zutreffendes Urteil ft bei den Vertrag bilden wollen. Und auch das ist trop aller Mühe nicht immer möglich." Tie Vorschläge des Handelsvertragsvereins, die darauf abzielen, diesem Uebelstande abzuhelfen, dürften wohl die Zustinimuug aller streife ftnden, die sich mit zoll und handelspolitischen Fragen zu befassen haben. nicht durchsichtige, in ihren Folgen nicht ;u übersehende Bewegungen ausgeschlossen werd»:: Es sei sehr bedauerlich, wenn man eine Trennung gerade durch die wichtigsten Wc biete hindurchlegen wollte „Im nationalen Interesse ist eine weitgel ende Tifierenzierung der preußischen Gmnnasien von den deutschen Gymnasien außerhalb Preußens sorg faltig zu vermeiden' 3um Schluß möchten wir noch eins hervorheben Auch bei dieser Gelegenheit tritt deutlich hervor, ein wie schwerer Mißstand es in, daß Preußen nicht wie andere deutsche Bundesstaaten ein Unter: iciu sgesctz beicht. Es widerspricht doch dem modernen Bewußtsein und Empfinden durchaus, daß in einem großen Staate die wichtigsten Bildungs und Miilturfraflcn lediglich im Verordnung) und Berwaitungs- wege, ohne Mitwirkung der gesetzgebenden .Körperschaften, entschieden iverden iönnen. Wir denken darum nicht gering von dem guten Willen und der Leiftungsfähigkeil unserer Regierung, aber sie ift durch manche Ruasichten gebunden, für sie ist die Ausgabe zu groß und verantwortlich. An gelegenheiten von so tveilgreiseuder Bedeutung wie eine Umgestaltung des Schulwesens gehören vor das Forum des ganzen Volkes. Ein großer Kreis von Berufenen und Sachverständigen, der nicht einseitig und willkürlich, sondern unter Berücksichtigung aller Richtungen zusammengesetzt ist, muß in Gemeinschaft mit der Staatsleitung bestimmen, wie die Bildungsbedürfnisse der Zeit zu befriedigen sind. So nur wird Gewähr gegeben, daß Zustände geschaffen werden, die längere Tauer verheißen. Tas Gymnasium hat in den letzten drei Jahrzehnten drei „Reformen" durchgemacht. Es hat allen Anspruch da raus, nun einmal in Ruhe gelassen zu werden. Mit Recht warnte neulich der Abgeordnete Siebert vor dem zu vielen „Experimentieren". „Wenn irgend eine öffentliche Einrich tung Ruhe nötig hat zur Sammluiig und zur geordneten stillen und regelmäßigen Arbeit, dann sind es tue Schulen." Uns scheint, dieser so wünschenswerte Beharrungszu- stand wird erst bann eintrcien, wenn unser ganzes -äkml wesen auf gesetzliche Grundlagen gestellt und dadurch vor Ueberraschungen gesichert ist. Var „englische" Gymnasium. Von sehr geschanur Seile werden wir um Abdruck o.es nachstehenden Artikels der „Boss. Stg." gebeten, der fid) gegen die angeblich beabsichtigt' wahlweise In- lauung ocr englischen an Stelle der griechischen Sprache ui den preumimen Glunnasien beschä'ligt. Während der Pftng'twoche haben mehrere Beniner Leitungen Artikel gebracht, die die Berufung einer Schn Ikon- irren*, ms bevvineliend bezeichneten Man beabsichtige, um die schiller zu entlasten, den altsprachlichen Unterricht 51t verkürzen, namentlich das Griechische gan > oder teilweise zu beseitigen. Rach den diesjährigen Verhandlilngen des Landtages nber den Kultusetat, bei denen die Regierung und alle Letten des >?auses große Jufriebenhfit mit der ciiüinrfelnng und dem jetzigen Zustande des hHeren Schulwesens an den Tag legten und zuglelcli stark betonten, daß maii am huinaniftischen Gyninatium festhaltkn wolle, kommt diese .stunde höchst überraschend, fast wie ein Tonnen fd)fag aus heiterem Himmel. Soeben hat nun die „Post" etn Temeuli gebracht: sie habe im Kultusministerium erfahren, die „Angaben entsprächen den Tatsachen" nicht. Wir sind gleichwohl geneigt, jene Nachricht für nicht ganz unbegründet zu halten, schließen aber aus dem Dementi, daß wenigstens für die allernächste Zeit keine allgemeine Resorm- to uferen 5 zu er matt en ist. Tic „Post" rät von weiterer Verbreitung des Gerüchtes ab, um nicht die „Oesfentlichkcit zu beunruhigen". Unseres Erachtens mürbe eine noch stärkere Beunruhigung der Leffentlichkeit eintreten, wenn sie uuf einmal vor vollendete Tat lachen gestellt würde, ohne eint .stcniitnis davon bekommen zu haben, daß sich etwas Ten artiges uorbcrcile. Ta einmal das „englische" Gymnasium Gegenstand der Besprechung in der Presse geworden ist, so möchten auch wir unsere Bedenken dagegen nicht verschweigen. Das Wort ist nicht neu; es ist auf der Junikonserenz 191)0 geprägt worden, und zwar von einem der Regierungs- Vertreter. Tamals stand es, wie bekannt, auf des Messers Schneide, daß das Griechische wahlfrei würde. Und Männer wie Harnack, v. Wilamowitz, stofer, .stropatscheck, Jäger, Albrecht u. a. mußten ihr ganzes Ansehen und ihre ganze Beredsamkeit aufbieten, um ihm den verbindlichen Eharakler zu erhalten und damit das Gymnasium zu retten. Denn das trat schließlich mit greifbarer Teutlichleit allen vor Vlugcn, daß es sich um nichts weniger als die Existenz deS Gymnasiums handle, v. Wilamowitz gab damals das Votum ab: „Es erscheint ausgeschlossen, anstelle des Griechischen das Englische wahlfrei zuzulassen, weil es das Gymnaiiiiin zerstören würde." Und in der Diskussion nannte er den Vorschlag eine „Ungeheuerlichkeit", es sei ihm gewesen, als käme jemand und wollte ihm ein paar Ohrfeigen geben Harnack erklärte gleichfalls, wenn beirt Griechischen ber obli gatorische Eharaktcr entzogen würde, so bedeute das die Sprengung des Gymnasiums überhaupt. „Werden in denselben oberen Massen solche unterrichtet, die Griechisch treiben und nicht treiben, so ist das Griechische tatsächlich ausgestoßen. Tenn wenn der Lehrer im Lateinischen, im Deutschen und im Geschichtsunterricht griechische .stenntnifse nicht mehr vorausfetzen kann und darf, so ist das zusammengestürzt, was das Wesentliche des alten Gymnasiums ist, nämlich Latein, Griechisch und Deutsch als Sprache, als Literatur und als stnltur sich gegenseitig bc leuchten zu lassen und den inneren Gang der Geschichte als Geschichte des Geistes von hier aus und an seinen Quellen kennen zu lernen. Tas Griechische für wahlfrei erklären, heißt da: humanistische Gymnasium abschaffen und eine andere Lehranstalt an die Stelle setzen. Es ist eine Täuschung, zu meinen, durch Lateiu, Teutjch und Geschichte den Eharakter der klassischen Bildung bewahren zu können. So wie jene drei Fächer in den oberen Klassen des Gymnasiums behandelt worden sind und behandelt werden müssen, haben sie das Griechische - nicht nur den „Geist", sondern die Sprache — zur Voraussetzung." Darum ist es auch sehr begreiflich, daß die Nachricht — die wie gesagt nicht ganz aus der Luft gegriffen sein wird —, es bereite sich wieder ein Ansturm auf das Griechische vor, alle Freunde des Gymnasiums, die weit zahlreicher sind als gemeinhin geglaubt wird, m die lebhafteste Aufregung und Besorgnis versetzt. Gehört doch das Griechische, gerade seitdem durch die neuen Lehrpläne ihm die Bahn freigemacht ist, zu den erfreulichstcu Unterrichtsfächern, das vom Lehrer am meisten begehrt wird und auch auf den' Schüler bei einigermaßen vernünftigem Betriebe starken Eindruck zu machen geeignet ist. Viele der tüchtigsten und einflußreichsten Lehrer wurden um den besten und schönsten Teil ihrer Wirksamkeit gebracht sein und ihre Freudigkeit verlieren, wenn dem Gymnasium das Griechische genommen würde. Stofer hat auf der Junikonferenz 1900 darauf hinge- lviesen, baß Wilhelm 0. Humboldt nicht bloß zur ästhetischen Erziehung des damaligen Geschlechts das Gymnasium gegründet habe, sondern vor allem aus politischen und nationalen Gründen, um der „Gemeinheit des Zeitgeistes" ein Gegengewicht zu verschaffen. Seit einem Jahrhundert hat das Gymnasium in diesem Sinne gewirkt. Es wäre eine schlimme Jubiläumsgabe, wenn man die Sck)öpfung Wilhelm 0. Humboldts und der Seinen jetzt so schwer verstümmeln wollte. Tie Gymnasialfrage hat doch auch heute eine starke politische Seite. Wenn Preußen mit der Abschaffung des Griechischen voranginge, würden ihm die anderen Buiides- staaten, zumal die großen süddeutschen, folgen? Wohl schwerlich, wenn man bedenkt, welche dominierende Stellung und welches festgegründete Ansehen das alte Gym nasulm in Bayern, Lachsen, Württemberg, Baden hat. Tann würde aber auf dem Gebiete des höheren Schulwesens sich eine Kluft auftun, die nicht leicht überbrückt werden könnte. Es würde Anlaß zu allerlei Mißstimmung und Erbitterung gegeben, eine „geistige Mainlinie" geschaffen und dem Partikularismus neue Nahrung geboten werden. Tavor hat schon der Vertreter von Elsaß Lothringen aus der letzten Schultonferenz, Geheimrat Albrecht, gewarnt. Er meint, Preußen könne die ihm gebührende Führung in den Schul fragen nur dann wahren, wenn plötzliche, in ihren Gründen lommen auf den Mop) fast 50 Proz. mehr an Staatsverwal tungslosten als in Sachsen. So find zum Beispiel die Ausgaben für die Jinanzverwaltung ihrem absoluten Bc trage nach in Baden genau ebenso hoch als in Sachsen, trotz dem Sachsen eine weit mehr als doppelt so große Be- uöKcrung hat als Baden. Tie Ausgaben für die innere Verwaltung betragen in Sachfen 33,4 Mill. Mk., in Baden 29,4 Mill. Mk., die für Kultus, Wissenschaft, Schule usw. in Sachsen 33,8 Mill. Mk., in Baden 20 Mill. Mk. Für die innere Verwaltung hat Baden fast 10 Mill. Mk. mehr Aufwendungen als das Königreich Württemberg. Wenn die Voranschlagszru.ien Der verschiedenen Bundes- taaten auch nicht gen&u vergleichbar sind, so können sie >och als Unterlage für einen allgemeinen, rohen Vergleich dienen. Es ergebe», sich natürlich noch viel größere Unter chiede in der Mopiquote, wenn man auch die kleineren Staaten zum Vergleich R)eranzieht. In den obigen Zahlen ind die Ausgaben anr die Erwerbseinkünfte, z. B. der Bedarf für die Verwaltung der Tomänen, Forsten, Bergwerke, Staatseisqpbahnen u,w. nid), enthalten. Diese Ausgaben stellen sich auf den Mopf in Preußen auf 50,1 Mk., Bayern auf 51,9 Mk., Sachsen auf 49,6 Mk., Württemberg auf 52,3 Mk., Baden auf 57,8 Mk., Hessen auf 45,8 Mk. Auch hier lveist Baden die höchste Kopfquote auf. Hessen ist mit der niedrigsten Quote vertreten. Was den Bedarf ür die Sli der 2. Kammer über bic Gemeinde- umlagenvorlage beschäftigt. Der Berichterstatter Frhr. »ent An Herrnsheim stellt fest, daß die 2 Kammer in den gründ-, läßlichen Fragen an ihrem früheren Standpunkt festgehalten habe. Tie Gründe für dieses Festhalten erschienen indessen nicht geeignet, die Auffassung des Ausschusses von der Zweckmäßigkeit und Turchführbarkeit seiner Vorschläge zu en ichiittcrn. Bezüglich der Grundstcu cr habe der Aus- schußbericht den '.ft'achweis erbracht, daß die Besteuerung Der landwirtschastlich genutzten Grundstücke nach dem Er- tragslvert in der Wissenschaft als richtig und gerecht anerkannt worden sei und sich auch gesetzlich in den meisten Staaten Bahn gebrochen habe. Auch in Bayern sei eine starke Strömung dafür vorhanden und in Preußen sei die Turch- führborfett dieser Besteuerungsart durch den Abschluß der ersten Veraulagungsarbeiteu erwiesen worden. In Hessen könnten saft in allen Geinelndeu Durchschnittspachtprcise fcstgestellt werden und in Preußen wurden ausdrücklich zur Feststelluug der Reinerträge die Pachtpreise her an- gezogen. Betreffs der Gewerbesteuer habe die 2. Kammer deu Beschlüssen der ersten Kammer nicht zugestimmt, weil bei deren Annahme den Gemeinden zu große Steuerausfälle entstehen würden. Es müsse der gerechte A»si bau Der Steuer unter Berücksichtigung der Verhältnisse unserer Nachbarstaaten in den Vordergrund gestellt werden und evtl, eintretende Ausfälle bei dieser Steuer tonnten durch Erhöhung des Koefsizieiitetl ohne Benachteiligung der 97ur-Eintommensteuerpflichtigen wieder wettgemacht >ver- den. Da auch der von der 1. Kammer angenommene Tarif im wesentlicheti den Vorschlägeti sämtlicher hessischer Handelskammern entspreche und Abweichungen nur int Interesse des Mittelstandes und des Kleingetverbes erfolgten, jo habe für den Ausschuß keine Veranlassung vorgelegen, von den früher gefaßten Befchlüffen abzugehen. Im einzelnen beantragt der Ausschuß Zustimmung zu dem Beschluß der 2. Kammer zu Art. 3, Ziffer 4, Beharrung auf Art. 1 (Grundsteuer5 Art. 9 und 10 (Gewerbesteuer-, 18 und 21 l Lar en Haus st euer), 23 und 24 (Fi l io l steuer- und 61 (Schluß- bestimmungen) sowie Zuftimtnuug zu dem Autrage Tr. Cl'ann, wonach bis 1919 den Ständen eine Tenkschrtst über die Wirkungen des Gesetzes auf die Gemeindefinciuzeu usw. vorgelegt werden soll. Bei dem Art. 8, 14 und 39 hat der Ausschuß eine abgeänderte Fassung beantragt. • R B. Darmstadt, 20. Juni. Ter 3. Ausschuß > er 2. Kammer hielt heute ezne Sitzung ab. Es wurden zunächst die Ausschußberichte über die Vorstellungen ber Privatange st eilten, betr. die Anfertigung von Privatarbeiten, fowie die Vorstellung von Landwrrten in Ulrich- tein, betr. die staatlichen Aufforstungen daselbst und die Vorstellung des Fabrikanten .v>einrid) Klein-Beus- )eim, betr. die Entschädigung für abgebrannte Äebäude Detlefen (über die Beschlüsse ist bereits nach der vorigen Ausschußsitzung berichtet worden). Weiter kam noch die Vorstellung des Landwirts Franz Becker in Oppenheim zur Beratung. Becker hatte Anfang Juni v. I. zwei Graslofe für 706 Mk. zu Kornfand ersteigert, das Heugras aber nicht cmemten können, da das l^anze am 18. Juni durch Hochwasser zerstört wurde. Auch seine Vor- tellung bei der Abteilung für Bauwesen war ihm die Hälfte der Summe erlassen worden; er gab aber an, daß er wegen Nichtmnvesenheit des Dammwärters, der die lieber- setzung über den Älrrhein durch 9^achen zu besorgen hat, an >er rechtzeitigen Abmöhung verhindert nmrbe. Während Abg. Tr. Winller für Erlaß der ganzen Summe ein trat, bc- chloß der "Ausschuß, es bei Rückzahlung der Hälfte des Steigerungspreises bewendem zu lassen. 5 ä sS e acltc.Ut au- ' «SÄ Wd? beivE nllc n'^Lro-eriE tiiiricrt- Zweites Blatt 16(. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oderhesfen itzÄkmr Han ?>ar. Lick Ifflge-ProsDfJtx.- thalUhlt^RüS o- f'1’’ M o_Nervcnk-rank-K — inn- Krankh. den Vertrag, . wie Die Zollsätze de neuen VcrtragStarifs mit Den In -!. r geltenden Veruoa .ölten und außerdem mit der bei Nichtabsck)luß des Vertragt zur Auwendung craltariisäpen beider Länder verglichen werden. Tabei mußten die Durch Den Vertrag vereinbarten Zusätze ober Aenderungen im Wortlaut des Tarnichema» besonders 1 eivorgehobeii weiden, weiter die durch Den Ver- ( Das neue £. 3. Stuttgart, 20. Juni. Wie der Schwab'. Merkur" aus Friedrichshafen erfährt, soll das Luftschiff „Ersatz Deutschland" L. Z. 9 bis Samstag flugbereit hergefteM werden, so daß am Sonntag die erste Probefahrt gemacht werden kann. Schon für oen folgenden Tag ist dann die Fahrt nach Baden-Baden vorgesehen. Nach acht Tagen Aufenthalt soll das Luftschiff nach Friedrichshafen zurückkehren und von dort aus Passagierfahrten unternehmen. — Gestern nachmittag fand in Friedrichshafen eine Sitzung des Aufsichtsrates der Drachenstation statt, bei der Vertreter der Reichsregierung und der süddeutschen Regierungen anwesend waren. Abends waren die Teilnehmer von dem Grasen Zeppelin zu einem Essen eingeladen. nationaler Deutscher Rundflug. Die Kieler Flugwoche. Kiel, 20. Juni. Ter vierte Tag der Kieler Flugwoche war durch ungünstiges Wetter stark beeinflußt. Trotz böigen Windes stieg gleich nach 4 Uhr der Flieger Max Nölle auf einem Grade-Eindecker auf und sicherte sich damit den Frühpreis. Er landete jedoch bald wieder. Nach 8 Uhr klärte sich das Wetter etwas auf, der Wind flaute ab, so daß sich kurz hintereinander neun Flieger zur Fahrt entschlossen. Sie führten prächtige Fluge auf dem Flugplätze aus. Marine-Oberingenieur Loew beschädigre seinen Fritsche-Eindecker beim Landen tun Vorderteil. Hirth, der 8,21 Uhr auf seinem Rumpler-Apparat. aufgestiegen war, stellte mir 2200 Metern einen neuen deutschen Höhenretord auf. Er landete nach 35 Minuten, von der Zuschauermenge mit stürmischen Jubelrufen begrüßt. Der Einjahrig-Freiwillige Reichardt hat in Kiel zwei neue Euler-Flugmafchinen berüstet und trat gestern wieder in Konkurrenz. Er flog in großer Höhe zum Kieler Hasen, in welchem zurzeit der größte Teil der deutschen Flotte in Erwartung des Kaisers zur Kieler Woche liegt. Reichardt umkreiste die Kriegsschiffe dicht über dem Wasser unter dem Jubel der Marinesoldaten, während die Flieger Büchner und Lindpaintner im Motorboot dem schnellen Fluge ihres Kollegen zusahen. Auf dem Rückfluge überflog Reichardt die breiten Schleusen des Nordostseekanals. * Aachen, 20. Juni. Der Ortsaussch uß Aachen für den Deutschen Rundflug beschloß von der für Ende Juni geplanten Beteiligung an dem Rundfluge Abstand zu nehmen. Statt dessen soll int Herbst eine selbständige Flugwoche stattsinden. Lustschiflahrt. Paris, 20. Juni. Auf Antrag der Gemeindevertretungen von Carthagena in Spanien und Oran in Algerien soll ein W etts lug über das Mittelmeer für die Strecke Carthagena—Oran veranstaltet werden. Handel. * Gewerkschaft Klöserweide in Philipp st ei 'n bei Braunfels. Nach dem Jahresbericht der Gewerkschaft für 1910 gestalteten sich die Aufschlüsse wenig befriedigend, als sich herausstellte, daß der Abbäu einer früheren Betriebsperiode eine größere Ausdehnung angenommen hat, als man auf Grund der vorhandenen Grubenrisse annahm. Infolgedessen blieben die erwarteten Ausschlüsse teilweise aus und die Aus- und Vorrichtung konnte, besonders im zweiten Halbjahr, mit dem Abbau nicht gleichen Schrill halten. Die Förderung sank von 30105 T. im Vorjahr auf 27 100 T. Abgesetzt wurden 25 398 T. und es verblieb am Jahresschluß ein Bestand von 2436 T. Für Neuanlagen waren 1910 2080 Mark, für Grunderwerb 4158 Mark nötig. Tie gesamten Aus- und Vorrichtungstosten wurdet: dem Betrieb zur Last gesetzt. Ter Betriebsverlust beträgt 13 102 Mark und erhöht sich durch 30 000 Mark Abschreibungen auf 43 102 Mk, so daß unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus 1909 von 23 996 Mark ein Verlust von 19 105 Mark auf 1911 vorzutragen ist. X. Hanau, 19. Juni. Die Generalversammlung der A.-G. Konrad Deines jr., Z i g a r r e n k i st ch e n - und Z i - garenWickelformen-Fabrik, hat beschlossen, aus dem nach den Abschreibungen 46 000 Mk. (i. V. 44 600 Mk.)' betragenden Reingewinn wiederum 6 Prozent zu verteilen. * Schwindelhafte Hypothekenangebote aus dem Ausland. In letzter Zeit werden durch ertreter aus Süd- unb Norddeutschland Gelder zu äußerst günstigen Bedingungen offeriert. Schreibt ein Tarlehnsuchender darauf, so wandern diese Briese nach Paris und ein angeblicher Bankier oder Finanzier teilt prompt dem Darlehnsuchenden mit, er sei bereit, das Hypothekenkapital — meistens noch mehr als verlangt wird — zu geben; er müsse aber die Bedingung daran knüpfen, daß sein Vertrauensmann die Grundstücke besichtige. Würden sich bei der Besichtigung seine Angaben als zutreffend erweisen, woran er nicht zweifle! — so stehe der Auszahlung des Geldes nichts im Wege. Zur Prüfung dieser Objekte verlange er für den Fachmann einen Vorschuß 'von 400 Mark — öfters auch mehr — und die Kosten für Billett 2. Klasse ab Paris und zurück. Erkundigt man sich näher über den „Bankier", so erfährt man, daß er in einem Winkel in Paris ein kleines Schreibzimmer besitzt und daß dessen Ernährungsquelle in der Öffentlichkeit unbekannt sei. Mit einem Wort gesagt, die Geldanpreisungen beruhen auf glattem Schwindel; denn erstens, wenn die Vorschüsse eingezahlt linb, bleibt gewöhnlich der angebliche Fachmann in Paris, oder erfolgt die Besichtigung, so kommt ganz zweifellos nach einigen Tagen prompt der abschlägige Besckteid. Diesen Leuten ist es nur darum zu tun, Darlehensuchende um Vorschüsse zu prellen; an eine ernste Tarlehensbewillignng denken sie nicht im Entferntesten. Es kann daher nicht genug vor solchen Anpreisungen gewarnt werden. Märkte. fc. Frankfurt a. 9)1., 20.Juni. Heu- und Str0hNiarEt. Ungefähren waren 9 Wagen Heu und 2 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 2,70—3,20 Alk., Stroh (Kornlangstroh) 2,30 bis 2,50 Mk., Wirrstroh 0,00—0,00 9)1 f. Alles für 50 Kilo. Geschäft langsam. — Tie Zufuhren waren aus Oberhessen und dein Kreis Dieburg. 'großen und ganzen hatte doch der Berichterstatter Oberbürgermeister Tr. R i e v e - Halle recht, wenn er zum Schluß ironisch bemerkte, man hätte glauben können, daß von der Vorlage nickt nur der Bestand des preußischen Staates, sondern auch der Kirche abhängig sei. Als G e g n e r der Vorlage traten auf Graf Haeseler, Kardinal Fischer, Graf Droste zu Vischering, D. Graf von Zieten- Schwerin, Oberhospredigei D. Dryander und Graf v. Strachwitz. Für die Vorlage verwandten sich neben dem Minister v. Dallwitz, Oberlandesgerichtspräsident Kronsyndikus Tr. v. Plehwe, Dr. Graf Porck von Wa.nenburg,. Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Waldeyer und Prof. Dr. Adolf Wagner. Tie gegnerischen Reden hatten, wie der Graf Aorck sehr richtig bemerkte, das gemeinsame Eharakteriftikum, daß sie alle gegen die obligatorische Feuerbestattung ■angingen. Schon die Ausführungen des Grafen Haeseler, die sich int übrigen von den sogenannten kirchlichen und religiösen Argumenten sreihielten, krankten an diesem Irrtum. Was der alte Feldmarschall über die weihevolle Stimmung, die die Kriegergräber auslösen, sagte, war sicherlich sehr schön, aber es war auch ebenso sehr übertrieben, wenn man künftighin mir noch einen Gedenkstein zu sehen glaubt, an dem geschrieben steht: „Hier wurden die für Ehre und Ruhm des Vaterlandes Gefallenen verbrannt!" Tie Stellungnahme des Kardinal Fischer wunderte wohl weiter niemand, eher schon die des Vertreters der evangelischen Kirche, des Lberhospredigers T r stand e r, der im allgemeinen gemäßigt sprach, aber doch die mit der Erdbestattung zusammenhängenden Gemütswerte uni nichts gemindert wissen wollte und deshalb die Vorlage ablehnte. Von den Ausführungen der Freunde der Vorlage waren wohl am bemerkenswertesten die des Präsidenten v. Plehwe. Er schied das religiöse und politische Moment völlig aus und rückte die Rechtsfrage in den Vordergrund. Er zitierte den alten ^atz, daß das von Menschen geschriebene Recht lein ewiges und bleibendes sei; es habe sich zu allen Zeiten angepaßt den Bedürfnissen der Menschen und werde dies auch in Zukunft tun. Sonst werde das Wort Wahrheit: Es erben sich Gesetz und. Recht wie eine ewige Krankheit fort! Tie Professoren Waldeyer und Wagner, ebenso Gras P o r ck v. W a r t e n b u r g appellierten an die Toleranz; man dürfe die eigene Ueberzeugung andern nicht aufoftroieren; auch hier müsse gelten in dubiis libertas! In der Einzelberatung sprach dann zu § 1 Gras Oppersdorf, dessen Rede gekennzeichnet ist durch den einen Satz: das Gr b grab hat Preußen groß gemacht! Glücklicherweise machte die Abstimmung der Weiterspinnung dieses Fadens ein Ende. Sie war namentlich: § 1 wurde mit 9 2 gegen 8 6 Stimmen angenommen. Nunmehr drehte sich der Kampf um die zahlreichen Abänderungsanträge der unterlegenen Minderheit, die ab gelehnt wurden. In der Gesamtabstimmung wurde das Gesetz mit 91 gegen 84 Stimmen angenommen. Aus JstaOt fcaiiO* Gießen, 21. Juni 1911. •* Bei dem zweiten Abonnements-Konzert unserer Regimentskapelle, das morgen abend in Steins Garten stattfindet, ist wieder ein Gast Zugezogen worden. Diesmal ist es ein ganz junges Fräulem, Erna Finke aus Berlin, die das für eine Künstlerin ungewöhnliche (Dornet ä Piston meisterhaft bläst. Es können da interessante Vergleichungen zwischen dem gereiften Virtuosen des ersten Abends und der jugendlichen Rivalin des zweiten gezogen werden. Außerdem sind die weiteren Darbietungen wieder sehr geschickt ausgewählt, so daß auch der morgige Konzertabend bestens zu empfehlen ist. ** Wanderausstellung zu Kassel. Da die Beteiligung der Landwirte an dem in Aussicht genommenen Sonderzug nicht so zahlreich ausgefallen ist, daß mit Sicherheit auf die Erzielung des von der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. verlangten Garantiebetrages von 1600 Mk. gerechnet werden kann und ferner bei der vorhandenen Teilnehmerziffer nur für die im Sonderzug zurückgelegte Hinfahrt eine Fahrpreisermäßigung gewährt wird, sah sich der Land- wirtschaftskammer-Ausschuß zu seinem Bedauern genötigt, von der Beantragung des Sonderzuges Ab stand zu nehmen. Kreis Lauterbach. -r. Lauterbach. 20. Juni. Der Handelsverein hielt gestern eine Sitzung ab, in welcher über die Einführung des Achtnhr-Ladenschlusses und die Neuregelung der Sonntagsruhe in hiesiger Stadt beraten wurde. Nach Mitteilung des Vorsitzenden, Fabrikant Dürbeck, hat man bereits im Dezember 1909 beschlossen, allerdings nur bei teilweiser Vertretung der hiesigen Geschäfte, den Achtuhr-Ladenschluß einzuführen und die Verkaufsstunden an den Sonntagen auf vormittags 8 — 9 und nachmittags 12—3 Uhr zu verlegen. Man hat die Sache inzwischen nicht weiter verfolgt, weil man eine baldige reichsgesetzliche Regelung erhoffte. Neuerdings sind wieder an den Handelsverein bez. Wünsche von den Interessenten gestellt worden, wobei darauf hingeiviesen wird, daß inzwischen sämtliche Nachbarstädte die fragliche Angelegenheit geregelt haben. Es wurde beschlossen, um die Sache besser in Fluß zu bringen, daßder Vorstand des Handelsvereins vorerst sich nut den Vorständen sämtlicher hiesiger Jnnimgen, sowie mit dem Gewerbeverein in Verbindung setzen soll. — Weiter ist aus den Verhandlungen hervorzuheben die Mitteilung, daß auf Antrag eine Verbesserung der ZugVerbindung mit Frankfurt dadurch in Aussicht steht, daß der Zug ab Frankfurt 827 abends, an Fulda 1054, an den Zug Fulda—Lauterbach 10-8 Anschluß erhalten soll. Dadurch wird eS möglich, eine Stunde länger in Frankfurt verweilen zu können wie seither. Weiter will die Eisenbahndirektion Frankfurt die Einlegung des schon lange gewünschten neuen Zugpaares Gießen — Fulda und umgekehrt für 1912/13 in Erwägung ziehen. — Die hiesige kaufmännische Fortbildungsschule, eine 23er- anftaltung des Handelsvereins, zählt jetzt 31 Schüler. Kreis Friedberg. o Rosbach v. d. H., 18. Juni. Die Kirschcnerute schreitet rüstig fort; bis in die späten Abendstunden herrscht aus dem Kirschberg reges und gr,n^i'iigcs Treiben. 'Auswärtige Händler, die täglich hunderte von Körben verladen, sind letzt in großer Zahl anwesend. Ten Höhepunkt der Ernte bilbet das Kirsch- s e st, das immer viele auswärtige Besucher anloctt uno dieses Jahr am nächsten Sonntag aus dem Waldkchlößchen am Taunusrand veranstaltet wird. — Gestern hielt auf dem Waldschlößchen der Bezirtslehrerverein <• j < epbcrg -Bad-Nauheim bei zahlreicher Beteiligung von Lehrersfamilien aus der ganzen Umgebung em Sommerfest ab, das nuch im Zeichen der Kirschen- ernte stand. Mit Kaffee und Kirschkuchen wurde die Familienfeier eingcleitct, gesellige Unterhaltungen und Tanz schlossen sich an. Zur Unterhaltung trugen besonders Seminarlehrer Kuhn, der durch den Vortrag einiger Lieder erfreute, Frl. Tiemer und die Lehrer Muth und Weinert-Friedberg bet. Der Obmann Koch- Friedberg hielt eine Ansprache. Kreis Wetzlar. w. Wetzlar, 19. Juni. Im Zusammenhang mit der Veränderung der Gleisanlagen unseres Bahnhofs ist jetzt die Ucbcrführung der Siegener (Hermannsteiner) Straße in Angriff genommen. An Stelle der von der Bildfläche verschwundenen früheren Güterabfertigung wird ein Damm aufgeschüttet. Die von den Beteiligten zu den Kosten der Ueberführung zu leistenden baren Beträge betragen rund 70000 Mk. Hessen-Nassau. [] Marburg, 20. Juni. Die Vorbereitungen zudem vom 1.—3. Juli hier stattfindenden 12. Hessischen Athleten. Verbandsfest sind im Gange. Mit dem Aufbau der Festhalle wurde bereits begonnen. An den Wettkämpfen werden sich etwa 200 Sportsleute aus allen Teilen Heffen-Naffaus und Heffens beteiligen. Ein besonders scharfer Wettbewerb dürfte sich um die Erringung des Verbands-Wanderpreises entspinnen. — Kirchhain, 20. Juni. Heute mittag gegen ^2 Uhr wurde ein Arbeiter aus Röddenau bei Frankenberg, der in der Stuhlfabrik in Frankenberg beschäftigt war, beim Ueber- schreiten des Geleises während des Rangierens in der Fabrik von der Lokomotive überfahren und in zwei Stücke geteilt. Der Tod trat auf der Stelle ein. Der 38 Jahre alte Verunglückte ist verheiratet und kinderlos. X Breitenborn, 20. Juni. Auf dem hiesigen, der Akticn-Gefellschaft Mitteldeutsche Hartsteinindustrie Klein-Stein- heim gehörenden Basaltwerke sind bei zwei italienischen Arbeitern die schwarzen Pocken festgestellt worden. Tie übrigen italienischen Arbeiter sind sofort der Schutzpocken- impfimg unterzogen worden. 'J----- .. . -J-J-1.'1"___ , ... """ ..'S Mutterschutz und Säuglingrsürsorge in Hessen. R. B. Darmstadt, 20. Juni. Die Zentrale für Mutterschutz und Säugling s f ü r f o r g e hielt heute ihre Jahresversammlung ab. Den Vorsitz führte Finanzminister Braun, der den Zweck der Versammlung und die Tätigkeit der Zentrale kurz beleuchtete. Dann gab der Verwaltungsdirektor der Zentrale, Regierungsrat P i st o r , den Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Ter Hauptgedanke der Tätigkeit der Zentrale sei die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und die Stärkung und körperliche Entwickelung der Säuglinge, sowie der Mutterschutz in der kritischen Zeit. Dabei wolle man aber keine armenrechtlichen Verpflichtungen übernehmen und auch nichts, was mit Armenunterstützung verwandt ist, grundsätzlich auch keine Geldunterstützung gewähren. Das Arbeitsgebiet solle nämlich das ganze Land und auch die kleinste Landgemeinde bilden. Es sei überall gleichmäßig die Förderung des Stillens, die Förderung einer vernünftigen Kinderbehandlung und die Förderung der Einsicht in den Wert eines Kinderlebens notwendig. Dies solle erreicht werden zunächst durch Verbreitung von Drucksachen über Stillregeln und Merkbüchlein (39 000 Geburten) und deren Verteilung durch Aerzte, Schwestern, Hebammen und sonstige Vertrauenspersonen, deren Mitarbeit und Aufklärung äußerst wichtig sei. Im ganzen kommen in Hessen ca. 50 Beratungsstellen in Betracht, über deren Einrichtung der Redner eine ausführliche Schilderung gibt. Solche Beratungsstellen sind eingerichtet in Friedberg, Heppenheim, Tieburg, Groß-Gerau, Bretzenhain, Alsfeld, Hernsheim > Lauterbach, Hechtsheim, Viernheim, Kostheim, Birkenau, Alzey, Oberroden und Bingen. Ferner bestehen mehrere Beratungsstellen in Mainz; je 2 in Darmstadt und Gießen, eine in Offenbach, eine in Worms. Weiter wird die Errichtung beabsichtigt, in Lampertheim, Pfungstadt, Eberstadt, Weisenau, Bürstadt, Gonsenheim, Lorsch, Groß-Zimmern und Wimpfen. Besonders auf dem Land müsse die Organisation noch ausgebaut werden, so daß in jeder Gemeinde Vertrauenspersonen vorhanden sind. Zu erstreben sei vor allem Stillpropaganda, Stillbeiträge und ärztliche Beratung. Zum Schluß richtet der Redner an alle Interessenten, besonders die Geistlichen aller Konfessionen, die Schwestern aller Richtungen, sowie an alle Aerzte, Hebammen und die für das Wohl des Volkes bedachten Frauen die Bitte, mitzuhelfen an der Aufgabe der Zentrale. Nach dem im Anschluß daran erstatteten R e ch n u n g s b e r i ch t belaufen sich die Ausgaben für 1910 auf 20 024 Mk., die Einnahmen auf 37 415 Mk. Das Gesamtvermögen der Ernst Ludwig- und Eleonoren-Stiftung und der Zentrale beläuft sich nach dem Stande vom 1. April 1911 auf 247 101 Mk., davon sind rund 50 000 Marl für Schulden zu rechnen, so daß ein Ueberschuß von 197101 Mk. verbleibt. Nach dem Voranschlag für 1911 sind die Einnahmen mit 25 291 Mk. und die Ausgaben mit 65 660 Mk. angenommen, so daß ein Zuschußbedarf von 40 374 Mark erforderlich ist. Für das Eleonoren-Heim stellt sich die Einnahme auf 1230 Mk., die Ausgabe auf 10 500 Mk. Für die beiden Beratungsstellen und die Milchküche in Darmstadt beträgt die Gesamtausgabe 6500 Mk. Die Versammlung erteilt dem Rechner Entlastung. Es folgt die Berichterstattung der einzelnen Beratungsstellen. Dr. H o 11 i - Worms berichtet über die Entwickelung der dortigen Beratungsstelle, zu welcher die Stadt 6000 Mk. Zuschuß zahlt. Kreisrat v. Hahn- Heppenheim macht nähere Angaben über die dortige Organisation, die Minister Braun als typisches Bild für alle anderen Beratungsstellen bezeichnet. Regierungsrat Stenger-Dieburg berichtet über die dortige Kreis- und die Stadtfürsorge, die eine dankenswerte Schöpfung des Herrn Ministerialrat Dr. Kratz seien. Kreisrat Dr. Heinrichs- Alsfeld berichtet, daß bei der dortigen Stelle alle vier Wochen ein Aerztewechsel stattfinde; die Säuglinge seien im allgemeinen gesund. Minister Braun bemerkt, daß ihm die hohe Zahl der Kinder dort nicht sehr gefalle. Dagegen sei. der schnelle Wechsel der Aerzte zu empfehlen. Med.-Rar Tr. Hebel» Friedberg führte aus, daß im Kreis Friedberg bis jetzt acht Beratungsstunden stattfanden, der Bestand sei 43 Säuglinge, darunter mehrere größere; der älteste Säugling war 6 Jahre alt. (Heiterkeit.) Ein Kind wog nur zwei Pfund und wurde einer Frau in Pflege gegeben, die im ganzen vier Kinder stillt; hier wurden 20 Mk. bar als Unterstützung gegeben. Gegen den Aerztewechsel hat der Redner nichts einzuwenden. Provinzialdirektor Tr. U sing er berichtet über den Kreis Gießen und besonders über die beiden Beratungsstellen in Gießen. Wecker würden zwei Beratungsstellen in Grünberg und Lich beabsichtigt. Tr. Bach- Mainz schildert die Tätigkeit der Mainzer Vereine. Es beständen dort eine Krippe, die täglich mit zirka 33 Kindern belegt sei, ein Säuglingsheim mit durchschnittlich acht Säuglingen und außerdem ein Wöchnerinnenheim. Daneben sei die Mutterschutz-Beratungsstelle und neben der Krippe des Vereins noch^zwei weitere Krippen vorhanden; die Stadt Mainz leiste für die Säuglingspflege einen Zuschuß von zirka 12 000 Mk. und es seien in der Stadt alle die Ideen durchgeführt, die Regierungsrat Pi stör als notwendig bezeichnet habe. In ideeller und materieller Hinsicht sei aber noch ein engerer Zusammenschluß mit der Großh. Zentralstelle zu erstreben. Bürgermeister Tr. Schmidt-Mainz führt ans, daß der amtlichen unb privaten Fürsorge im Mainzer Bezirk etwa 1000 Kinder unterstehen; die private müsse der amtlichen Fürsorge angeschlossen werden. Für die Ziehtinderfürsorge seien Damen mit einem Gehalt von 800 bis 1200 Mark pro Jahr angestellt. Kreisrat Dr. Fresenius-Worms bemerft, day dort eine Zweigstelle und Ortsausschüsse gebildet würden, die zu bestimmen haben, ob ein Arzt zu bewilligen sei usw. Tie Kassenärzte sollen die Kinder besuchen; dadurch würden auch Differenzen zwischen Laiid- und Stadtärzten vermieden. Weiter berichteten noch Kreisrat B ech- t ho l d-Bensheim und zwei Krantenschwestern über die Verhältnisse in Gernsheim bezw. Groß-Gerau, Alzey, Echzell und Bretzenheim und eine Krankenschwester über die Darmstädter Kinderfürsorge. — Nachdem die beantragte Ergänzung des Aus- schusses bis zur nächsten Generalversammlung zurückgestellt wor- den war, schloß Finanzminister Braun die Sitzung mit Tank | an Alle, die den Bestrebungen der Zentrale ihre llntcrftü*umg leihen. Verantwortlich für den politischen Teil i. V.: 9t. Sange. Meteorologische Beobachtungen der Station Siegen. 2L Niederschlag: — 0,5 nun. 14,7 8S 5 SN £ 11,6 eC. 9,6 10,3 747,1 750,8 = 3 Sd T. 13,5 9,8 86 SSW c c 744,11 17,0 83 I W 67 ! W l 4 10 -c c 10 10 20,1 2” | 20. । 2,b; — d 5« sr.L Juni 1911 !I I II. Höchste Temperatur am 19. bis 20. Ium Niedrigste , „ 19. , 20. , ■Klndermehl •Krankenkost Bestbewährte gesunde und magen- tiarmkranke Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene Kinder, Rolir M btn^ klärte sich ^.iitz6tr> fn& fö6ttr” EBtringenitiu JJ Juib:n W «•MmS ,ntuen deutschen 1/ von der Zu! I« jw M ,^eder ui 1 fielet Losen, EU Flotte in M. Reichordl N wer dem Buchner und rt Kuge ihres 3 Reichurdt die >hr Wo,1, &■■ 06 ®ftoZ tz Aachen für ®®e 3uni ge> ud in ndimcii. e Flugivoche indevertretungen lgerien soll ein Strecke Torlha Babnhosslratzc «15 11. 341/ Weit Anlagc 6. Aiierweg 29. Alte Post, NMerjtr.Üf Mittl. Stock, 7Zimmer m. Zub.. alöbald zu vermieten. Näheres Ludwigstratze 1$> elegante Parterrewohnung, sechs Zimmer, Badezimmer und altern Zubehör, Wartenanteil, z. 1. Ctt. cocntL früher au vermieten. Fran 2(. Petri Wwe., 38151_____Neuen Baue 29 I. Ecke Ludwig und Bismarck,'tr. schöne nerduni. « Zimmerwodn. preiswert anderiveitig zu uerm. 050421 Näheres Bismarckstr. I I. 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F Ischen ' umgebe sich vol schäft b feine 3 {tätigen Men 2 und W' 1764. danken gorteÄ> ehrung Vuud n Lolk. 7 und de König - das göl feit ni'i Lcukuiu den Bu Als Vorbeugungsmittel gegen Lalldiv. SliPtgemfseilschllst för Obtchtfsn Lelkphsn 309, Friedbergi.H.,L«qttl>Ws, siniMchttstr.il Die ausgestellten Sattdampf- und Patent Vorprüfungen d«r D. L, - 0,: 1910: 0 re tu bronzen» Donkmünzo für Silbileinlegtr Wolf 1909: Groit« silberne DenlrmOnzi für Dreschmaschine Wolf Die sogenannte „Fahrradindustrie“ hat es vor mehreren Tagen für nötig erachtet, die Qualität des Prestorades herunterzusetzen, weil bei einem kleinen Strassenrennen einem Benutzer der Marke. „Presto“ die Holzfelge gebrochen sein sollte. Ich möchte fast bezweifeln, dass der Inhaber der sogenannten „Deutschen Fahrradindustrie“ Fachmann ist, denn sonst müsste er wissen, dass einerseits kein Mensch der Welt für Holzfelgen eine bestimmte Garantie übernehmen kann, andererseits aber die Holzfelge auch kein Bestandteil des Fahrrades ist, welcher in der Fahrrad- Fabrik erzeugt wird. Holzfelgen werden in Spezialfabriken hergestellt und keine Fahrradfabrik fabriziert die Holzfelgen selber. Das weiss jeder Radfahrer. Wenn Herr Breuer aber glaubt, mit solcher Reklame, wie er sie im Giessener Anzeiger erlassen hat, das Prestorad herunterzusetzen, so irrt er gewaltig. Presto-Fahrräder sind die besten der Welt. Die Marke Presto ist nicht von heute und gestern. Presto- räder besitzen Weltruf, der sich gründet auf die Lieferung eines vorzüglich gleichmässigen Fabrikates seit mehr denn 16 Jahren. Viele Meister der Rennbahn und der Landstrasse fahren ausschliesslich Presto. Der zur Zeit schnellste Dauerfahrer der Welt Viktor Linart, die berühmten MeLrerfahrer Huybrechts, Vanderstuyft, Gebr. Przyrembel, Willy Arend, Weltmeister Neumer, Rudel, Tadewald, Münzner usw. fahren nur „Presto“. Die Helden der Landstrasse Schallwig, Gebr. Suter, Marx, Hübner, Wiencziers, Pollen, Schiargen usw. fahren ausschliesslich „Presto“. In ausserordentlich vielen grossen Wettbewerben gingen die Prestofahrer als Sieger hervor. Die Beschaffenheit der Prestomaschinen gestattete und gestattet ihren Benutzern grosse Triumphe. Die Presto-Fahrräder sind leicht, stabil, schnell und dabei vollständig bruchsicher. Das beliebteste Fahrrad der Gegenwart ist „Presto“ und ganz besonders das Modell „Wien- Berlin“ 51 E mit Aussenlötung und HumbeiTagcr ist ein Triumph der deutschen Technik und Fabrikation. Wie steht es aber mit den von der deutschen Fahrrad-Industrie empfohlenen Rädern. Wir lassen Präzisionsmotoren für Gas, Benzin, Sph-ites Dieselmotoren, lieber 109 000 PS. im Betrieb tclalte ßeretf)h etwas । Zeit, toi Großen dingun Protest nach d< Thron drönnn has au gefit au tische ä- ivardv i auf dem NI Ei Lehne, i Volz we< kanten, ^cstnnr ^eruhm Macht 1296 Q| heimge block: i Facob 'n Irl, wurde. Könige knüpfe, üch all, 'davon ( lteit ist Achen i tischen । eine ebc * cngi üeinb Q, Nterd Mt enh, . Abe Indern 'Nciche druck. < überseeis !°»teren- 'h? die- »e,t verte wursten Spit ?ot «u, s^indeu Lroßcn • üende ß ^'e in i ^ngen f "Uentalj ,EN tsä *«b!i I da am besten die Ra.dwelt reden: dojt steht in Nummer 125 vom 15. Juni 1911 geschrieben: „Das von der Ortsgruppe Hannover der V. T>. S. in Szene gesetzte Rennen Hannover-Magdeburg-Hannover über 310 Kilometer gestaltete sich zu einem scharfen Kampfe. Der Starter entliess morgens 3 Uhr 50 Minuten 28 Fahrer, die sofort ein äusserst scharfes Tempo vor!egten, wodurch sich bereils nach einigen Kilometern eine Spitzengruppe bildete. Das erste Opfer des Kampfes wurde Rosellen; er erlitt bei Braunschweig Gabelbruch und musste aufgeben!“ Also an dein von meinen lieben Konkurrenten besonders empfohlenen Cito- Rad brach bei einem wirklich grossen Rennen, einem wirklich grossen Fahrer, der die ersten Aussichten auf Sieg hatte, die Gabel, ein wesentlicher Bestandteil des Fahrrades, der von den Fahrrad-Fabriken selbst erzeugt wird. Hätte Rosellen ein Prestorad,benutzt, so würde er, um die Worte meines lieben Konkurrenten zu gebrauchen, „sicher und schadlos“ ans Ziel gelangt sein. So aber brach ihm die Gabel und er musste das Rennen aufgeben. Ich denke, da ist jeder weitere Kommentar überflüssig. Deshalb fahren aber auch heute so unendlich viele Radfahrer „Presto“, weil sie wissen, dass bei einer Prestomaschine derartige Defekte nicht vorkommen. Wollen Sie also bei Strassenrennen „sicher und schadlos ans Ziel gelangen“, so fahren Sie nur die bewährte Marke „Presto , wie es ja so viele und bedeutende Meister der Rennbahn und der Landstrasse regelmässig tun. Ich lade die verehrlichen Einwohner von Giessen und Umgebung freundlichst ein. die Prestoräder bei mir ohne jede Verbindlichkeit einmal in Augenschein zu nehmen, Sie werden dann schon ohne weiteres sehen, wie vorzüglich ein Prestorad ist. Der kluge Radfahrer kauft nur Presto, weil er weiss, dass Presto eine Maschine ist, die von keiner anderen in der Welt übertroffen wird. Ich sichere meinen Kunden beste und entgegenkommendste Bedienung zu und hoffe, dass die vorstehenden Ausführungen wohl dazu beitragen, dem Publikum die Augen über die Ankündigungen der sogenannten deutschen Fahrrad - Industrie zu öffnen. 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