Samstag, 2. Dezember (9U 16b Jahrgang Erstes Blatt 5' c 3’J Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten« L auf ein anderes Tier zu übertragen, von dein man weiß, daß Hexe verbirgt, wurde von einem nachgeahinten Bogel ausgeführb p e s* = =' l > ■ ”8» Z sein Serum dem menschlichen Höroer nichts schadet. Nach einer Zeit von neun Monaten war es Tr. Flcxncr gelungen, vom Pferde das entsprechend^ Serum gegen die Genick- ,'tarre zu gewinnen, und auch dieses Serum erwies sich an Ässen als vollkommen wirksam, so daß nach fünfjährigen Versuchen Flexner die Anwendung auf den Menschen unbedenklich wagen konnte. Seine Erfolge sollen überraschend gut gewesen sein, denn wie es heißt, iinb tausende von Fällen von Genickstarre damit behandelt ivorbcn, wobei die Sterblichkeit etwa 10 v. H. h s s h Ist -.c Nr. 28$ ter rtetzener Snjetget eddirim läflhdi, anuer eonniag«. - Beilagen: pirrrnnt wöcheniiich 6indFreitac,»; jN'tiinal motmtl. tanb- wirischaftlicheLeitsra^en ^eraipiech-AnIcklnsfe: für die Redaktion 112, Verlern u. Gxpedtt'on bl Slbtefle Hit Teoeschcn: Hitielflrr Stießen. fl: .h * 3? 5* Nachdem die Neugierde über die xicrfui-igcn Mitspieler durch tie eriic Szene geiattigt war, wand:- man iuh mit Ö/iio größerer Äu'mcrliamleit der Musik zu, die b?r -chövser von „Hänsel uno Gretel" geschaffen hat. Ste findet bei t;r Kritik allgemeinen Anklang: man rühmt ihr den »sreiluftcharakicr und den WalDcs- Cim, die den Meistern der deutschen Lper eigen sind", na di. Ter Komponist wandle auf den Spuren iü!agnerc', aber er habe leine eigenen innigen Harmonien gefunden Weniger zufrieden ist man mit dem Text, der hinter „Vämel und Gretel" zurück- nehe uno des eigentlichen Marchencharatiers entbehre, -R- ungen nurce in Rutscher Sprache: das Orckester leitete Schalk in vor- 8« = M Ss^ ?’ d-sAs anjeigea Hototlonsörud und Verlag der vrühf'fchen Univ.'vuch- und Zkeindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerei: Zchulitratze 7 bis Doniuuafle’ti'iiiir. vudingen: Fernsprecher Nr. 269 Scschüftsstclle vahnhofstrahe 16a. Persiens letzte Stunde. So sehr man uua> Den wuiti) für die fehl in Persien herrschende allgemeine Verwirrung ni seiner Erhebung zu HZ- betrug. Gleichzeitig wird auch über eine neue Behandlung von Brustfellentzündung berichtet. Ausgehend von der in der neueren Immunttätsforfckung erworbenen Erkenntnis, daiz der Lrganismus sich nicht nur gegen Infektionen durch Bildung von Seyutzswffen — den sogen. Antikörpern — wehrt, sondern solche auch hervorbnngt, wenn krankhafte Neubildungen im Laufe einer Krankheit entstehen, hat man in der iünjften Zett erfolgreiche Versuche unternommen, die Ergüsse, die sich bei der Brutt- und Riovensellentzünduiig bilden, durch eine „A u t o s e rot h e r a - Die", bei der itd) also das Serum iclbft bildet, zum ^tfiromben ;u bringen, indem man den Erkrankten Pleuraflüssigkeit, welche die nötigen Antikörper enthält, unter die Haut spritzt. Tiefe Behandlungsmethode soll eine rasche Aufsaugung der krankhaften Flüssigkeitsansammlung zur Folge haben. Ein besonderer Vorzug dieser Therapie besteht darin, daß sie völlig ungeiährlich iit. * — Ter 29. Deutsche Kongreß für Innere Medizin findet vom 15. bis 18. Avril 1912 in Wiesbaden statt unter dem Vorsitz des Geheimerats Stintzing Jena. Tas Hauotthema, das am ersten Sitzungstage zur Verhandlung kommt, ist: Tao Röntgenveriahren r.n Dienste der Erkennung und Behandlung der Magen Tarmcrkrankungcn Reierent iit Rieder München. Zu dem Thema Haden noch Vorträge zu- gesagt' Professor R. Magnus .lltretbij: Tte experimentellen Grundlagen der Untersuchung des Magen-Tarmkanales und Professor Quervain ^Basel): Ehirurgtsche »Erfahrungen mit der Radiologie des Magen-Tarmkanales. _ yuuipercin u - „xönigslinde i" in London. Tie grotc Sen'atwn bei der Erstaufführung von Humperdincks „Konigslineeeit", d:c am üJloiuaj aw.. j in dee Eoe-em viaröen- Cocr naufanb, waren — die Gan e. Man hatte von diesen ge- siederten Akteuren so viel erzählt, und nun ircuie , man sicy, mic geidiidt ne ihre Rotten ipuiten. Freu ich d.e >?auptgans, ine au[ Liefehl der Prinzen in die Krone des Prinzen vor der )cr°V ■e;a - tfl» 5 5 8^ Iw* V ■8=- sSL° ‘»’S12*5" WV- ® n I »yo'C 9 » * sg s yft?' hrtit Tic Londoner Staa.vtunfr. a. dann, al.-•bi? n dil g.rade liebenswürdigen englisch-deutschen < i präche b endet waren, Dufür gesorgt, daß die deutschen Bäume roc ?cr in Marokko noch am Kongo in den Himmel wuchsen. Tie deutsch-sran- zosischen Verhandlungen haben lange gedauert, und Sie Herren (Drei) und Ä.quith mCgen in ihrer Liebe zu Frant- reich und i.,rer Verärgerung gegen De^t chland dann e.was weiter gegangen sein, a.s die realen englischen Interessen cs erforderten. Cb sie aus Ber.in einen 'Truck ausüben wollten, um es dann mit einem Flottenaükommen desto leichter lincinlegen zu können? Tie Meinungen in England ge.-en, wie die Pariaiueut^verhand.u..gen g.z.igl haben, über diesen Punlt auseinander. Wer in Tcut.tt)- land bisher vielleicht noch von einem Flvtienabruslungs- oder Einschranlungsabcommen g. schwämmt ha., beejoub seht doch wohl immer mehr baoon ab*.ommen. Mit Sentt- mciitcui.ä.cn wiro in solci.cn Zachen nichts crr.i.yt. S.nd wir denn etwa durch die B.r.iiier mo.oiuci ver.rage Fuan.- rcich auch nur um einen Schritt näher gekommen? „Wo eines Plas nimmt, must das andere rüden, wer nicht vertrieben sein will, must vertre.ben; da herrsch, d.r streit, und nur die Star.e siegt." Tie Wor.e Friedlands kiui- zcichncn heute auch die deutjch-engl.sche Lage, ^ir Creij ege. Al,o ein Appetl an un,ere Bescheidenheit. Als ob wir in bett letzten 20 Icchren etwas errungen ha.ten, das mit den englischen Eroberungen während dieser Zeit auch nur an* näycrnb in vergleich gebracht werden konnte! Tann gestand der engaiaic Staatsmänn un.> g.täoigst „srcund^ch..st- liche Abmachungen" in Afrila zu, das heipt, sur unser gutes Geld burjen wir, während Eng.ano Aegypten uno die Hul,te Per,iens in die Ta.che steclt, uns auch ein Stückchen Neuland laufen. Und, |v sagte Sir Erey dann bcinahe höhnisch noch: „Tie Haupt,ache bei der Besserung unserer Beziehungen zu Teut,chiand mutz jein, dag wir leine unserer biö* verigen Freundschaften op,ern." Wir werden uns also schon auf die eigene Starte ver.asten massen. Nicht nur England gab es Poseidon, schnelle, hurtige Schisse zu bauen, jjer Reichseauzrer i,at visher noch leine Uebcr.icht des Re ich s- voranschiags sur 1jx2 hcrausgegeben. Es heipt, der neue Voransch.ag mache nur einen Anieihebedars von C.0 Millionen erforderlich, während im Jahre 1911 noch 103 Millionen gebraucht wurden. Bei der üverall ängstlich geübten Sparsamkeit, über die Herr Wermuth wach., braucht man über die „fortschreitende Sanierung unjerer Reichs,inanzen" darum noch keine Iubclii.der aiizusttmmen und Die R.tchs- siiiatizresorm nicht zu üeryimmeut. Wir werden abwarten, wie der neue Voranschlag im einzelnen aussieht, und dann wird man auch wieder ein neues Urteil über Herrn v. Bet.stnann unb jeine Helfer fällen können. Tag der .Heeres- und Marine.,aushalt eryvhte Ansorderungen stellen must, davon wird man nach den Ereignissen des Sommers in allen Voliskreisen überzeugt sein. ~2 " 2«3 2.' »s monntiidi?! Est^ viertel- lähdub Mk. 2.20; durck» ilbbolf- u. Zweiastcllen monatiicfi 65 Pi.; durcd die Post Mk.2.— viericl- rnbrl. auoldiL BesteUq. 3filenprcie: loLUlölM^ ewiuärH 2U Pfenniq. Tlrefredakteur: A Gocn. VcrantivortNch für den polui|d)cn itd: Auausl (Böen, für ,Fe»ill«- ton', ,'1‘fmit,d'irJ* and .Wevidiidfaar. H. Neu- rmh; für ,otabi und Vnnbe: E.Heu; für den Änzetaenteil: H. Beck. ntglicher Weife. C. Ä. Eine Ausstellung „Stätten der Arbeit". Eine eigenartige reizvolle Idee liegt Dem Plan einer Ausstellung zugrunDc, Die unter Dem Titel „Statten Der Arbeit" zunächst im yjtari 1U12 in Lresoen in Der waieric Ermt UriioiD cruifnet werDen unb Dann eine längere Tournee durch Teutschland antreten toll, wobei sie befonoers in Eisen sich einer Ausstellung „Tie Industrie in Der bilDenden Kunst", die aus Anlaß Des tunbertfährigen Jubiläums Der Kruvv'chen Gußstahlfabrik im Kunstmuseum Der Stab: veranstaltet roirD, anglieoern mirD. In Der Welt Der Hochöfen, in Den »äien unb auf Den Lagerpia^n hat Der bildende jtünüla unserer Tage Dantoare Motive für sein Schaf,en geiunDcn, und bie Ausstellung soll zeigen, welchen Ein lus; die Statten der Arbeit auf Die moderne stnnst gewonnen haben und wie umgekehrt Die künstlerische Schöpferkraft Die Schön beit Dieser neuen Motive als Ausdruck für den Geist unseres Jahr hunderts erkannt hat. Tas Programm ist so weit ats möglich gern Et "■ alle Eeoieie der oild no.u vunii au-:tr ur üirdnti-iur sind einbe;ogen, unb die Beteiligung soll sich nicktt allem auf Teutschland beschränken. Tas 'Amt Der Jury für die Einsendung^ haben übernommen: Lovis Eorintb, Präsident Der Ber iner Sczeision, Ernst Gosebruck, Ttrektor des Kunstmuseums d.. stabt Eisen a. D. R., Prof. Freiherr v. Habermann, Jra i- Dent bet Nlünchener Se;es>wn, Pros. Arthur .stampf, Pra i Dent Der Berliner Königlichen ÄtaDemie Der Künste, Tr. Ernst Posse, Tirerwr der .stöniglichen Gemäldegalerie in Tre-den, Tr. Georg Bier mann, Herausgeoer des „Cicerone", Berlin, Ludwig W. Gutbier, Tresden. — 1 .n- schäft. In Meiningen ist der Kgl. Ärchivdieelwr a. D. Oieb. Archiorat Tr. phil. Richard T o e o n e r im b«J. Lebens- lahre gestorben, Lin Seium gegen die (oenidjiarre. AuS dem Rockeseller-Jnstitut für Medizin in y? euyork, Dem die Heilkunde bereits manchen wertvollen Fortschritt verdankt, kommt Die Nadirickt, daß des en Leiter Tr. Limon Flexner ein Serum gegen Die Genickstarre hergestellt hat, das auöcrorbcntlid) wirksam sein soll. Tie Lterblichtett bei der Genickstarre Ivar bisher außerordentlich hock», betrug gegen 80 v. H. unb erreichte bei envachsenen zkranken noch höhere Werte; durch das Serum von Flexner soll es möglich sein, sie auf 10 v. H. herabzusetzen. . . _ Tie Schwierigkeit bei der Gewinnung des serums gegen die Genickstarre lag, wie ein Bericht im „Neuyork American" über diese wichtige Erfindung auSeinanberictit, Darin, baß eö mnadnt ‘ durckiaus nickt gelingen wollte, die Genickstarre vom Menschen auf Tiere zu übertragen. Weder Meerschweinchen, iwck Marne, nod) Kaninchen, nod) Ässen, an denen sonst Die Bakteriologen ihre Versuche zu mackien pflegen, erkrankten nach der Einimviung der Erreger Der Genickstarre, der Meningokokk e n. irntweder riefen die Impfungen bei den Tieren überbauet feine Verande- rungen hervor, oder eS zeigte sich ein Kraiikheitsbiid, das von der memchlichen Genickstarre Durchaus verschieden roav. ■sdmcblid’ gelang cs jedoch, an As,en die Erscheinungen Der Genickstarre durch Meiiingoloiienunviung vervvrzu^u.eii, iabe..i tthr gro(e -i'it'iigai mgeweiidet wurden. Tie Einspritzung erfolgte bei Den Ancn stets in Den Rückenmarkkanal. Ter zweite schritt, der zu tun war, bestand darin, daß Flexner Af .en unemvlinblich gegen das G.tt der Genickstarre zu machen suchte. Tas wurde _am dem bekannten Wege erreicht, Daß er mit ganz geringen xoien bc-j giftigen Stof es begann, so daß fick- Das Vermcksuer ganz allmählich an das Gift gewöhnen konnte, bis es schließlich die zehn- bis pvölffache Menge einer Injektion vertrug, die ein unvorbereitetes iier getötet hätte. Es Dauerte Monate dis dieser Zustand der Immunität bei verschiedenen Affen erreicht war. Xrei Sffcn wurden mit Meiiingokokken infiziert. Ter erste erhielt gleickzcttig eine Scrumeinspritzung, der zweite erst, nachdem die Genickstarre bei ihm zum Ausbruch gekommen war, und der Dritte wurde unbehandelt gelassen. Tas Ergelmis war, baß das erste Ver,uchs- tier überhauvt nicht erframte, daß das zweite in kurzer Zeit gesundete, und Daß das dritte nach wenigen Tagen starb. Tas Ecrum ijatte also alles geleistet, was man nur verlangen konnte. Natürlich konnte Tr. Flexner nun nicht e.wa daran DenLn, ron Den '.inmuit gemachten As en Serum zu gewinnen und es Menschen ,zu injizieren, Die an Genickstarre erkrankt waren, denn er mutzte damit rechnen, daß Af>enierum vom mensch.ichen Körper vieUeicht nicht vertragen wird. Er machte sich daher daran, die Immunität einem konstitutionellen SlaatSwescn sehen mag, für Die Persien eben nod) nickt reif war, unb so sehr man auck daraus zurückverweisen mag, bas; bie zerrütteten persischen Finan-verl.ültnis.e auch heute noch Schulb baran tragen, wenn das Land der Grotzlönige noch immer auf einem unglaublich tiefen Niveau steht, — bas eine wirb man nicht leugnen können, daß im MedschliS Männer sitzen, >ie, von einem ehrlichen Patriotismus beseelt, fdion lange Den eigentlichen Grund für bie persischen Mißstände erlangt haben. Wie bie Großmächte ber jungen Türkei bis zu ihrem Heber fall burch Itaucn Zeit liegen, ihren inneren Neuaufbau zu volsziehen, so hatte bas, wofern man es rcbliü) meinte, aua; Persien gegenüber ge.chehen müssen. Aber weit aeschlt: Englanb unb Rußland jchlo.sen im Jahre 1907 ihr Abkommen, m dem sie zwar die „Integrität" PersienS anerkannten, sich aber im Süden und Norden des Lanocs „Einflußsphären" zuwie.en, so baß bie Integrität Perlens sich genau genommen nur auf das zw.schon beiden Sphären gelegene Gebiet beschränkte. England hat daraus den größten Vorteil gezogen, indem es durch dieses Abkommen einmal Rußland auf seine Seite brachte, bann aber auch durch bie Errichtung eines Pufferstaats im mittleren Persien ben Lormar.ch ber Russen nach Inbien, wenn |ie wieder zu ihrer historischen Englandfeindschaft zurück- rchrten, verhinderte bezw. erschwerte. Unter dem Gesichtspunkte „Frieden mit Rußland um jeden Preis" ist es nur allzuoerstandlich, daß England, das fiü) sonst so gerne den Anschein gibt, der Hort der Schwachen zu jein, feinen Finger rührte, um dein Vordringen Rüglands unb seiner Einmischung in die persischen SerbäUniJe irgendwie Halt zu gebieten Möglich, baß es hierbei auch von ber Befürchtung geleitet war, Rußlanb tonne, faUs Englanb sich seinen Crrocilerunge-' beftrebungen in Persien widersetzte, das mit Teutschland in Potsdam abgeschio.sene Abkommen über Per,ien zu einer Annäherung in Europa erweitern, was natürlich die Treimäck.e-En.ente sehr empfindlich abge^chwächl hätte. Genug, England machte, nachdem es sich unter dem Vorgeben, in Südpcrfien fei ber Hanbel burch Räubereien loriwährend gestört, seinen dortigen Anteil gesichert hatte, Rußland leine Schwierigkeiten, als im Juli dieses Jahres ber von den Periern verjagte Schah Mohameb Ali einen Bürgerkrieg zu entfesseln suchte, um sich als Kreatur Ruß- lanbs wieder auf den 21)ron seiner Vater niederzulaisen. ^Tas Unternehmen mißlang zwar, aber war Rußland nicht aus inbireftem Wege zum Ziele gekommen, so schlug es int Oktober b. Js. ben direkten ein, indem es rnjOfdje Truppen bei Enseli am sta.pischen Meere landen ließ, angeblid) nur zu dem Zwecke, die stonsulatswache in Rescht abzulösen. 2chon damals sagte man sich, daß diese Angabe unmöglich der Wahrheit entsprechen könne. Und seit Mitte dieies Monats hat Rußland auch bie Maske fallen lassen, inbem es einen recht unbebeutenben Vorfall znm Anlaß nahm, Persien am 13. November ein Ultimatum zu überreichen. Ter persische Finanzbeirat, ber Norbamerilaner Mor g an Shu ft e r, hatte nämlich ein einem Bruber bes früheren Schahs geyöriges Lanbgut, bas an rufüsche Untertanen verpachtet war, beschlagnahmt unb war dadurch in Konflikt mit dem rustifchcn General- lonful geraten. Tie penische Regierung forderte deshalb eine gemeinsame Untersuchung des Falles, Rußland ließ sich aber gar nicht daraus ein, sondern verlangte Genugtuung, und erklärte, daß, wenn Persien diese nicht gewähre, es sich Maßnahmen zum Schutze feiner Untertanen Vorbehalten müsse, ja, es drohte mit dem Abbruch der diploma- Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberyefsen v*» i 5.0 30**2 J 1*55» - Jg - q. • - 2 ' = = u? 3.3 <*3.5 S” politische Wochenschau. G.eßen, 2. T^zember. Im Reichstag soll in der nächsten Woche nochmals eine Marokko-Besprechung stattsinden. Wird es darauf hinauöfommen, daß nach ben geheimen Ausschußvcrhanb- hingen — Enbe gut, alles gut — ber Regierung ein Vertrauensvotum bargcbracht wirb? TaS wäre vcrschwe:ibctc Zeit. Tie schönen, seligen Tage bes Marokko-Traumes liegen enbgühig hinter und, unb bis unsere Abgcorbnctcn bie fünf Kilometer Kongo-User, bie uns geworben finb, »um Ziel neuer Unternehmungen machen werben, bis bahin hal's noch gute Wege. Unter ben obroaltenben Umständen war nicht mehr zu holen, so hat der Kanzler versichert. Wir haben durch deS englischen Ltaatsieccetärs Rede die obwaltenden Umstände noch etwas näher kennen gelernt, und unsere gatae auswärtige Politik muß aus bie Frage eingestellt werden: Wie regeln wir unser Verhältnis zu England? Wenn unsere Regierung fetzt, nach der Rede Sir GreyS, in der halbamtlichen Pces.e die englischen S.aats- männer jchelten läßt, sie hätten uns nichts gegönnt und sich alS Friedensstörer aufgcipiclt, so stehen Diese Lciilungcn auf einer ähnlichen Höhe, wie all die arnllichcn Presfesun- ben ber letzten Zeit Mit solchen Rebcnsarlen wird weder bie bei ber Marokkoakiion bewiesene beutle S.aaiskunst im Ansehen gehoben, noch bem Volke auf feinen Zukunfts- toegen vorangeleuchtet. Ter Aerger unserer am.licyen Aus- kanbspolitifer über bie englischen Betccrn ist ja nicht unbegreiflich: hat boch Sir Grey wieber lächelnb Darauf hin- gewiefen, bas enaliiche Eingreifen unb sogar auch bie pol- ternbe Rebe Lloyd Georges l-atcen bem Wel.frieden gecicnt. Apf ber einen Seite erreichte Zwecke, auf ber anberen bas Nachsehen. Ueberblidt man heute noch einmal bie Neichs- tagörebe des Reichskanzlers, so mutz man lachen über seinen wieber einmal bestätigten politischen Formalismus. Er hatte sich ungefähr so geäußert, batz Enaland nach unseren Beschwerben über bie eiigli,chen Trohrebcn nicht mehr darauf bestanden habe, an den Verhandlungen tcilzunehmen. Auch ein Erfolg! War England denn ausgefchaltet? Grey hat versichert, England habe während der ganzen Tauer der Verhandlungen mit Frankreich in iiuimcr Berührung gestanden. Und jedesmal, wenn Albion mit dem Finger winkte, schrumpfte die kong0iompen,ation, die ursprünglich daS ganze französische kongoreich umfassen fpiLe, weiter zusammen. Vlber England hat, das ist Bethmanns Trost, an Den Verhandlungen nicht direkt teilgcnommcn. Wollte die deutsche Regierung auf einen so mageren Vergleich hinaus, wie er am Ende erreicht worden ist, so brauchte man sich gar nicht so pedantisch darauf zu versteifen, England bei den Verhandlungen auszuschalien. Man konnte ihm, alS Signatarmacht von Algeciras, sagen, waS man wollte. Aber vielleicht wußte Herr v. Miherien selbst nicht recht, was er letzten Endes wollte, als er ben Panther nach Agadir schickte. Stätte sich in London nichts geregt, so wäre man vielleicht doch fo kühn gewesen, in Süd- Marokko zu bleiben. Man durfte aber bie englische Einwen- Dung mit ziemlicher Sicherheit erwarten. Ob bie eng- lischen Intereisen am Enbe fo groß gewesen wären, um bei einer schnellen unb kühnen Be,etzung marokkanischen Bobcns burch bie Deutschen einen Krieg zu beginnen, bleibt fraglich. Tie deutsche Regierung aber hat, das erkennen wir jetzt, nicht kühn, sondern kurzsichtig gehandelt. Als Wisserin des enalisch-französisckcn Abkommens von 1904 und nach den Erfahrungen von Algeciras hcittc fie fo nicht vorgehen dürfen. _______________________________ I Hl” 52^0^2 IplsSfs ! « rt» k H tf ; 3 (P? ®2 3 si ?t! W «3'4 -2 2 -2 : • ■"2.° --3J - Z" t. ■ 3 e, - tischen Beziehungen, wobei es Persien eine Frist vvn sage intb schreibe 48 Stunden stellte. Tiefem Uebermut wollte sich aber das persische Kabinett nicht beugen, und so trat es am 15. November zurück, ja, es war sogar die Nachricht verbreitet, auch der Regent Nasr ul Mulk wolle abdanken. Dazu ist es nun freilich bisher nicht gekommen, da Rußland und Persien die Vermittelung Englands annahmen, d. h. Persien klein beigab, indem es die Zurückziehung der Gendarmerie von besagtem Landgut verfugte und sich bereit erklärte, Rußland um'Entschuldigung zu bitten. Desto mehr Schwierigkeiten machte aber die Bildung eines neuen Kabinetts. Da erklärte Rußland gestern plötzlich in Form eines neuen Ultimatums, in dem es die Beschwerden gegen Shuster wiederholt und dazu noch neue gegen den belgischen Finanzbcirat Lecoffre vorbringt, daß es die Absetzung dieser beiden Finanzratgeber verlangen müsse, wofern es den Vormarsch seiner in Persien stehenden, inzwischen auf 6000 Mann angcwachse nen Truppen einstellen solle. Auch müsse sich die persische Regierung verpflichten, ohne vorherige Einwilligung der russischen und englischen Gesandtschaft in Teheran keine Fremden in ihre Dienste zu nehmen und die Kosten der russischen Expedition nach Persien zu tragen. Eine solche Anmaßung schlug natürlich, zumal der persischen Regierung hier ebenfalls nur eine Bedenkzeit von 48 Söunden gegeben war, selbst dem Faß der orientalischen Geduld der Perser den Boden aus. Man sah jetzt mit aller Deutlichkeit, welche Pläne Rußland Persien gegenüber verfolgt. Standen bisher die Demokraten jeder Kabinettsbildung durch Samsam es Saltaneh ablehnend gegenüber, weil sie Machenschaften der von ihm in Aussicht genommenen Kabinettsmitglicder mit dem ehemaligen Schah befürchteten, so fand das Ultimatum das Medschlis einig, das Kabinett Samsam kann unter kleinen Abänderungen zustande und wurde vom Parlament auch anerkannt. Ob dieses neue Kabinett Rußland gegenüber die nötige Kraft besitzt, das russische Ultimatum zurückzuweisen, will uns sehr fraglich erscheinen. Denn der persische Löwe vermag weder dem russischen Bären, noch dem in seinem Gefolge einherziehenden britischen Leoparden irgendwelchen ernstlichen Widerstand entgegenzusetzen. Ob eine der Mächte einschreiten wird, um die Zerstückelung Persiens zu verhüten? Wir glauben es kaum, nachdem sogar Deutschland, wie es heißt, seine Zustimmung zu dem Vorgehen Rußlands in Persien gegeben hat, um die Ergebnisse des Potsdamer Abkommens nicht in Frage zu stellen. Ob das klug lvar, mag dahingestellt bleiben. Der deutsche Handel mit Persien ist zwar sehr unbedeutend, sein Anteil b^iffert sich in der Ausfuhr nach Deutschland nur auf 2 Prozent, in der Einfuhr nach Persien nur auf einhalb Prozent, aber wir wollten doch durch das Eisenbahn- abkommen mit Rußland in Nordpecsien, durch die Stich- bahn zur Bagdadbahn unfern wirtschaftlichen Einfluß in Persien heben, und wenn erst England Südpersien, Rußland Nordperfien, was ja der Zweck der ganzen Hebung war, eingesteckt hat, wird man Deutschland dann nicht die Tür vor der Nase zuschlagen? Denn der Protest der Union wegen der Behandlung ihres Staatsangehörigen Shuster durch Rußland wird Persien herzlich wenig nützen. Es mag unter den Knutenhieben Rußlands zucken, wie es will, es mag im Lande der Großkönige zu weiteren inneren Unruhen kommen — sein letztes Stündlein ist wohl nicht mehr fern. Unnachgiebigkeit Russlands. Köln, 1. Dez. Die „Köln. Ztg." meldet aus Teheran vom 30. dLovember: Rußland verweigerte eine Verlängerung der Frist für Beantwortung des Ultimatums. Im -Garten des Parlaments hatte sich eine große Volksmenge versammelt, die gegen das russische Verlangen Einspruch erhob und viele aufgeregten Reden hielt, die auf das Schlagwort „Freiheit ober Tod" hinausliefen. Ein Abgeordneter mahnte, ruhig zu bleiben und bis morgen zu warten. Darauf ging die Menge ruhig auseinander. Das Parlament und das Kabinett hielten geheime Dauersitzungen ab und telegraphierten fleißig an die Provinzen. W e der Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" erfährt, wird versucht werden, Shuster zu halten, wenn auch mit beschränkten Vollmachten. Dasselbe Blatt meldet aus Teheran vom 1. Dezember : Soeben wurde ein Attentatsversuch gegen A l a edDaul eh gemacht. Es ist nicht zu erfahren, ob er selbst getroffen ist oder irrtümlich sein Sachwalter, der in seinem Wagen saß. Der Beschluß des persischen Parlaments. London, 1. Dez. Die „Times" melden ans Teheran : Das Medschlis lehnte einstimmig ab, dem russischen Ultimatum zu entsprechen. London, 1. Dez. Das Reuterbureau meldet durch Telegramme, die es von der persischen Regierung erhalten hat, daß das russische Ultimatum die Forderung einer sofortigen Regelung sämtlicher zwischen den Mächten schwebender Fragen enthalte. Die persische Regierung habe ote guten Dienste der britischen Regierung erbeten zu dem Zwecke, daß die Zeit für die Antwort auf das Ultimatum verlängert werde, oder wenigstens Rußland veranlaßt werde, sein weiteres Vorgehen für ein paar Tage einzustellen, so daß das persische Kabinett die Frage in Erwägirng ziehen könne. Teheran, 1. Dez. Sir Edward Grey hat die englische Gesandtschaft telegraphisch angewiesen, der persischen Regierung dringend anzuraten, die russischen Forderungen zu erfüllen. Teheran, 1. Dez. Der Petersburger Telegravhen- Aaentur zufolge ist infolge der Ablehnung des russischen Ultimatums durch oas Medschlis der Mtnisterdes Aeu- ßern zurückgetreten. Der Vormarsch der Russen. Petersburg, 1. Dez. Das Ministerium in Teheran teilte heute mittag der russischen Gesandtschaft mit, daß das Medschlis die russischen Forderungen abgelehnt hat. Die russische Regierung erteilte infolgedessen der in Rescht zusammengezogenen Truppenabteilung ben Befehl, nach Teheran vorzurücken. Berlin, 2. Dez. Der Berliner „Lokalanz." meldet aus Teheran: 250 russische Soldaten sind in Kaswin eingeh-offen. Kaswin, das an der Straße Resolt- Deheran liegt, ist nur 150 Kilometer von Teheran en tf ernt Mordanfchläge in Te eran. Teheran, 1. Dez. Der frühere Gouverneur von Fars Ala ed Dauleh, der heute früh beim Verlassen seines Hauses ermordet wurde, stand im Verdacht, mit Sepahdar im geheimen Einverständnis zu sein, um die Rückkehr des. früheren Schahs zu ermöglichen. Der Mord wurde heute vormittag um 10 Uhr durch drei Männer verübt, die mehrere Schüsse abgaben. Teheran, 1. Dez. Der Exgroßwesir M u s ch i r- es-Saltaneh wurde, während er auf der Straße vorüberfuhr, von einer Fidaigruppe überfallen und leichtverwundet. Teheran, 1. Dez. Msir-ed-Dauleh, der seinerzeit die Einführung des konstitutionellen Regims bekämpft ijatte, ist ermordet worden. Eine Vorstellung der Vereinigten Staaten. Neu York, 1. Dez. Wie „Neuyork Herald" aus Washington meldet, hat das Staatsdepartement zufolge von Rachrichten, nach denen das LebendespersischenGe- n er a l f ch a tz m e ist e r s Shuster bedroht sei, be- chlossen, bei Rußland Vorstellungen hinsichtlich des Schutzes Shusters als amerikanischer Bürger zu machen. Der Nachfolger öes Herrn v. Lindequist. Berlin, 2. Dez. Die „Tägl. Rundsch." schreibt: Wie mit Bestimmtheit verlautet, ist die Entscheidung über die Rachfolge des Herrn v. Lindequist gestern gefallen.. Der bisherige Gouverneur von Oftafrika Dr. Frhr. Albrecht von Rechenberg soll zum Staatssekretär des Reichskolonialamts und an seine Stelle Dr. Sols zum Gouverneur von Ostafrika ernannt werden. Deutsches Nerch. Der Vorstand des Reichstags setzte den Arbeitsplan für die nächsten Tage folgendermaßen fest: Vorausgesetzt, daß die Privatbeamtenversicherungsvorlage morgen erledigt wird, würden auf der Tagesordnung am Montag die dritte Lesung von Rechnungsfachen gesetzt werden. Die Marokkvfache würde am Dienstag juir Verhandlung kommen, der Schluß des Reichstages am Mittwoch spätestens zu erwarten sein. Im Reichstag wurde am Freitag abend die Nachricht verbreitet, der Reichskanzler habe in den letzten Tagen mit verschiedenen Parteiführern Besprechungen über die kommende Marokkoaussprache gepflogen. Di Reden sollen allem Anschein nach kurz fein. Das Zentrum sei bereit, durch Freiherrn von Hertling nur eine kurze Erklärung ab zu geb en. Die Reichspartei werde sich am Samstag darüber schlüssig werden, wie sie sich bei den -Marolkoverhandlungen verhalten soll, und die National- liberalen wollen dies am Montag tun. Von verschiedenen Seiten wird die Nachricht verbreitet, daß der Reichskanzler nicht das Wort ergreifen wird und dies dem Staatssekretär des Auswärtigen zu überlassen gedenkt. Der Bundesrat überwies die Entwürfe der Kaiserlichen Verordnungen betreffend 1. den Geschäftsgang und das Verfahren des Reichsverficherungsamtes, 2. die Gebühren der Rechtsanwälte im Verfahren vor Sicherheits behörden den zuständigen Ausschüssen. Der Vorlage betreffend die Aenderung der Anlage b zur Eifenbahnverkehrsordnung wurde zugestimmt. Dem Kriegerverein in Windhuk und dem Männerturnverein in Swukvpmund wurde Rechtsfähigkeit verliehen. Unterstaatssekretär im Reichspostamt, Franck, wurde seine Versetzung in ben Ruhe staub bewilligt unb ihm der Charakter als wirtticher Geheimer Rat mit dem Präbi- kat Exzellenz verliehen. Der Dttektor im Reichspostamt, Grunzow, wurde zum Unterstaatssekretär im Reichspostamt ernannt. Zur 2. Beratung des Versicherungsgesetzes fürAnge stellte beantragt die slortschrittliche Volkcpartei bes Reichstags in einer Entschließung, den Reichskanzler Alt ersuchen, beim Erlasse der Wahlordnung auf Grund oer Paragraphen 111, 135, 150, 162, 165 des Verficherungs- gesetzes für Angestellte tunlichst die geheime Abstimmung und die Sicherung des Wahlgeheimnisfes anzuordnen. Der Berliner Magistrat beschloß, allen verheirateten, in städtischen Diensten stehenden Personen, deren Verdienst zweitausend Mark nicht übersteigt, eine einmalige Teuerungszulage von vierzig Mark zu gewähren. Es kommen 12 500 Personen in Betracht, so daß etwa eine halbe Million Mark erforderlich sind. Der Stadtverordnetenversammlung geht unverzüglich die entsprechende Vorlage zu. Der OldenburgischeLandLag bewilligte 700 000 Mark zu Kolonisierungszwecken sowie 4 365 000 Mk. zu Bahnumbau- und Betriebszwecken. Ferner genehmigte er ein selbständiges Oberversicherungsamt. Bei der Präsidentenwahl wählte er endgültig den Abgeordneten Schroeder zum Vorsitzenben und Tanzen-Stollham zum Stellvertreter. Ausland. Der ungarische Unterrichtsminifter Graf Zichh unterbreitete den gesetzgebenden Körperschaften eine Vorlage betreffend die Gründung von Universitäten in Preßburg und D e b r e c z i n. In Preßburg wird eine medizinische, eine juristische und eine mathematisch-naturwissenschaftliche Fa- kultat, in Debreczin eine reformierte theologische, juristisch und philosophisch-philologische Fakultät errichtet. Außer den von den betreffenden Städten gewidmeten Fonds roerben vorerst für zehn Jahre jährlich zwei Millionen Kronen für die neuen Universitäten in das Budget eingestellt. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Infolge vorgekoin- mener Fälle von Maul- Und Klauenseuche verbot heute das Land Wirtschaftsmini st erium jegliche Ausfuhr von Klauentieren aus Seeland, Fuenen, Laa- land, Falster, Langeland und Aeroe sowohl nach ben noch nicht gesperrten Teilen Dänemarks wie nach dem Auslande. Die schwedische Regierung beschloß, vier Ausschüsse zu ernennen, um über die finanzielle Leisi ungsfähig- keit des Landes unb einem ihr angepaßten wirksamen Landesverteidigungsplan zu beraten. Aus Stadt und Land. Gießen, 2. Dezember 1911. Advent. Am ersten Adventssonntage wird in den christlichen Kirchen das Evangelium vom Einzuge Jesu in Jerusalem verlesen, und die Prediger variieren je nach ihrer und ihrer Gemeinden Eigenart das Thema: Siehe, dein König kommt zu dir. Die feiernde Gemeinde versetzt sich an diesem Tage in die Stimmung, die einst die Suchenden unter dem Menschengeschlechte in der Zeit, die dem Kommen Jesu unmittelbar oorausging, erfüllte. Alte Provhetenworte, Worte voll von Kraft und Trost werden lebendig. Die Zukunftshoffnung des unter die Zwingherrfchaft der Römer gebeugten jüdischen Volkes, die Hoffnung auf einen König, der fein Volk zum Siege führt, wacht wieder auf. Man redet auch von den Gottsuchern unter den ernsten Heiden, die von ihrer Kultur völlig unbefriedigt waren unb ihre heitere Götterwelt in Trümmer zerfallen sahen, und man matt aus, wie in diese ab sterb ende, kleinmütige und ideallose Welt hinein Jesus kam und sie mit Geist, Kraft, Trost unb Leben erfüllte. Aber die Christenheit freut sich in der Abventszeit auch des gegenwärtigen Heils, gewiß baß Jesus auch in unsere unruhige Welt „mit ihren tausend Plagen unb großen Jammerslast" Kräfte des ewigen Lebens einfließen läßt. Darum sttmntt sie in dieser Zett frohe Iubellieder an. Unsere Adventslieder sind voll von wunderbarer, gottinniger (Stimmung. Wenn man auf sich wirten läßt, was Paul Gerhardt, Benjamin Schmolck unb Friedrich Rückert zum Preise des einziehenden Messias gesungen, jaben, so glaubt man in eine Sommerlandschaft hinauszuschauen, ui eine Landschaft mit blauen Bergen, wogenden Kornfeldern und weißen Wolken am Himmel. Es hat im Verlauf der Geschichte, besonders im Verlauf des letzten Jahrhunderts, oft genug den Anschein gehabt, als ob Jesus abgetan sei und in der Geschichte nur noch als eine Größe der Vergangenheit weiter lebe. Der Religion, die von ihm ihren Ursprung genommen hat, hat man häufig in aller Form den Todesschein ausgestellt. Gerade vor 100 Jahren war die Paulskirche in Frankfurt am Main baufällig. Ein hoher Beamter wurde um ein Gutachten über die Reparatur angegangen; er faßte sich urz und sagte, eine Reparatur fei nicht nötig; denn es jerrfefje ein solcher Widerwille gegen das Christentum, daß Die Menschen ben Gottesdienst überhaupt nicht mehr besuchen wollten. Vor vier und fünf Jahrzehnten wollte ich der Materialismus an die Stelle der geoffenbarten Religion setzen, unb in unseren Tagen macht ber Monismus Den Versuch, dem Christentum die Palme streitig zu machen. Auch die Anhänger dieser Bewegungen werden zugeben, daß ihre Bestrebungen keinen sonderlichen Erfolg haben. Weder ist das Christentum tot in unserer Zeit, noch ist die christliche Kirche ihrem Untergänge nahe. Die Gottesdienste .int) in Stadt und Land noch immer weit besser besucht als Versammlungen irgendwelcher Art. Jesus ist auch unter uns eine lebendige, erfahrbare Wirklichkeit. Alle Bücher veralten. Wer liest heute noch Klopstock ober Jean Paul- Tas Neue Testament bagegen, das von Jesus redet, ist ein Gegenwartsbuch ohnegleichen; es bringt ben „Herrn der Herrlichkeit", wie ein Abventslied sagt, allen, bie nach ihm suchen, nahe. Die Traurigen hören ihn trösten: meine nicht! Den Sorgenvollen ruft er zu: Sorget nicht für den andern Morgen! Die Stolzen trifft fein Wort: Wer sich .elbst erhöhet, der wird erniedrigt werden. Die Mütter freuen sich, daß er die Kinder gesegnet hat. Unendlich viele, Die leiden, seufzen, sterben, fassen Mut, wenn sie aus- ichauen zu seinem Kreuze, und die Adventsgemeinde singt frohbewegt, während der Orgelton die weite Halle des Gotteshauses durchzieht: Mein Herze soll dir grünen in stetem Lob und Preis und deinem Namen dienen, so gut es tann und weiß. H. B. ** Tages ka lende r. Stadttheater. Sonntag nachmittag 3ho Uhr: Meyers, abends 7H» Uhr: Polnische Wirtschaft. Militärkonzert auf ber Liehigshöhe. Sonntag nachmittag 41/2 Uhr. Kolosseum: Täglich Vorstellung. Kinematograph: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich Vorstellung. Anlagemusik vormittags 111/2 Uhr nt der Süd-Anlage - l i der •tt", m ? V $IM", r mbella", teil (neu), von t| ch (neu), vr I leit, wenn ihre Borführungen nid>t die Exaktheit aufweisen, wie Direktor Ohm und seine Gattin bei dem EröfinungSprogramm —nejen hat. Lianzani und Natali, ein kuitigeS Mu- fitamcnpaar, macht sehr nette musikalische Spaßchcu mit )ia- iagnetten, Tamburinen, Kuhglocken und einer musikatischen Leiter, ücitg Blankenburg, eine gute Humoristin, tragt mit Temperament und Geschmack vor und erfreute sich emeS starken Beifalls. Winkler-Venturini, Loslünstler des Ex-SullanS Ädul Lamid, führte einige verblüjfendc Zauberstücke vor, die leb- pGllcii Interesse sanden. Tas Erscheinen einer Dame im gla- , lernen Koffer, daS Verschwinden einer brennenden Kerze und viele- andere erregte große Verwunderung und trugen dem ge- P schickten Zauberkünstler starken Beifall ein. Viel Beachtuirg fand auch Marina Flevesor als Mädchen vom Montmartre, indem | sie in mancherlei Kostümen verschiedene Lieder ovrtrug. $u- i .elnde Heiterkeit weckte das köstliche Raab-Trio als bayerische dauern mit ihren witzigen, gut pointierten Vortragen. Es mutzte ' sich zu Zugaben verstehen. Jerry Hallock erwies sich als vor- | 'üglichcr rvunslschütze. Ob er zwei Menschen nun eine kleine f Hügel zwischen den Nasen weg schoß, ob er zwischen seinen ■■ Leinen hindurch oder mit tzilfe eines Spiegels rückwärts zielte, immer traf er mit verblüffender Sick-erheit. Auch als Speerschütze _ ind Messeriverser lat er sich sehr hervor, indem er — u. a. F bei brennenden Stielen — eine Dame mit den Wurswafscn an ein ihett sestheflete. Ein Humorist von bedeutenden Vorzügen und I hervorragendem Witz ist Walter Bährmann, der zum ununterbrochenen Ergötzen der Zuschauer seine selbstverfaßtcn, fein 'uaespitzten Kouplcts fang und immer und immer wieder gerufen wurde. Großes Interesse erregte auch die letzte Nummer, ■ai vorzügliche Lins-Trio alS Kunst-Radfahrer. Besonders i -er junge Mann, der auf seinem Fahrrad die verwegensten [ t.‘unffftüde mit größter Exakth.it vollfiihrt, fand außerodentiich« f Anerkennung. AlleS in allem em Spielplan, der sehr empfehlens- | oert ist. — OrtSgewerbeverein. Tie für Montag vor- | ersehene MonatSoersainmlung muß um einige Tage verschoben I Derben. Sie soll u. a. em Referat über die neue Slädte- erbnung bringen. •* DaS von dem Stenographen-Verein Stolze- llchrey für morgen vorgesehene Wettschrelden ist nur für die hiesigen Vereine bestimmt. ** Die ltudentische Resormverbindung Adelphia, L V.e seit 1870 beliebt, hat einen Bauplatz an der Staiier-Sllke L fCflenüber dem Lärchenwäldchen erworben und wird darauf koch Plänen des Architekten Hans Meyer ein eigenes I. frei in errichten. — Vom Raturheilverein wird uns geschrieben: Ein | 'khr interessanter Vortrag wird im Jiaturheiloerem Rtontag. | 4 Tcz., von Herrn Raturhcillundigeu E ucker auS Fulda I schalten werden. - Die Loch schule deS AliceoercinS hat sich eines IP starken Zuspruches zu erfreuen, daß wiederholt junge * tarnen, die sich für den LursuS meldeten, zuruckgewiesen 1 Serben mußten. Man hat deshalb beschlossen, einen Anbau 1 ^Szuführen, um die Schüleimnenzabl steigern zu können. M Für rund 1/i Rtillron Mark K u pf erd raht n die Stadt gestern zur Ausführung der Ueberlanb- Og hatbenhf' iie ' ttat Adolf btto tairinj Cbrfl t.?qerid)t8raltC| mM 0ie&M Bad-Naiihnr.s ndtts in ■ 11 Wi: ^fihitl^»'1 tor leb; £ I Dnen bot C nn auiM ,e in frX Würbe uy j iastiS notig: btn-* ^’tentuni"^ nicht mebl, ^ehnleu tr-'. 1 drr Rovi-Lj M M, noch ch kl Gottes, besser beschul ? ist auch-J Lt. Stn der Jean k IU5 tebet, b- den „VmtJ en, die nach H trösten: rJ ;et nicht fvtz Wort: Sait. Sie ffiJ Unendlich, | - wenn fit; I tsgemeindk» I veite Halle J l dir grüne?» Jienen, so gir;s Hk r. Sonraaq tt» U: Mr:-. t.km, - iÄ textil non tt- ;,N* ih’.tt- den Gerichts | >g nicht st ckr cir' I innt. je neben bet Künstel niveriiU!* .er Buchkm*! SannnlM - en. Diese-lt- ft, Blätter ijl c i tinig")»*! Darsl-ll« ' | bföriftl** Ad im 15- M, jntmtilwi ■ d-- die >ert, 6'« ,« in bett iut» ;» D°! »* ^atenfl‘f.r -M tliche SS i)ie i’f- tW&i' d-K * «idlti in- i Ä", V Keloh^r 5)oitn die + -X * * J nichttechnischen Eisenbahndienst ist den Unter-Asiistenten Lang und Drommershausen im Bezirk Rhinffurt beigelegt, 'lnßerordentliche Belohnungen für die Abwendung von Be- tr ebSgefohren erhielten die Cchrankenwärlerinnen Groth in .tlSseld unb Lesselbach im Bezirk Frankfurt. •• Pfarrpersonalien. Ter Großherzog hat den von dem flammerberrn Tr. Freiherrn v. Lonhardi auf die ,oang. Psarr'telle zu Laichen präsentierten Psarrassislenten Karl Oretn zu Bretzenheim bestätigt. - Musikmeister-Ernennung. Ter jüngste Musikmeister der Armee ein Gießener Lmd. Am 1. Tezember lourbe der Musikmeister-Aspirant Ernst Krauße, der Sohn des früheren Musikdirektors unseres Regiments, zum Muuk- .iieister im Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm II. (1. Schlesisches Nr. 10, Garnison Schweidnitz) ernannt. - Der Llutomobilklub Gießen und Umgebung ersucht unS, um darzutun, daß die von ihm geplante V.ohl- t-tigkeitS-Veranstaltung im Januar ein Entgegenkommen des TheatcrbauoeremS in der Ueberlastung des Stadttheaters wohl verdient hätte, um Wiedergabe des von ihm ausgestellten Jrograinnifl: 1. Ouvertüre: Entführung au* dem Serail*, Mozart. (Orchester- verein). 2 Prolog, tt. Zweiter coq (vargljeito) ou» der ziociien 6qiiwt)onie, Beelhoocn. (Orchesiervcrein.j 4. Arie aus ,van6 veiling-, Herr Kammersänger Lieber. (Mit Crchefterbegleuimg.) b. xhaiuafie auf .Imuibnu ec*, A-agner. lOrchesteroerem.) 6. Rezitation. lverr Max Bayrhammer.) 7. Eornct k inton, 11. Lnmmel, loorgetragen vom HonwoniNeii). 8. Samson und Tilila, tt. Akt, erste Szene, Ge'ängni- in Gaza; in szenischer Ausfubrnug. v. Krommgs- i iatirt) au« ,Tie SoKungev*, Rreticbiner. — Panse. — 10. Llaviiche ktapsodie, Friedemann. 11. Arie au« d. ,Dla4fenlaUe. a» Leitrickcndes liegt un Kiang ihrer lubecyellen Stimme, in ihrem Lachen, in ihrem grazioieu, katzchenweichen Bewegungen, in ihrer ganzen anmutvollen Erfcheinung. Es i|t eine Lerzetis- und Gefuhtürunst, mit der sie ihre Hörer gefangen nimmt — aber die Natur hat ihrem Reichtum an Euip.uidung auch Laren, ' k.ug abwagendcn Verstand, kuniileriichen Takt u.id reiche Vr- cv<.chtung-gaoe -ugeicllt. Vortretfiiche sprachtechml und gewissen- Haftes öiiunum untersiützen die reichen Mittel, mit Knen Muien und Grazien sie schon in der Wiege beschenkten." ** 3 m Kolosseum begann gestern abend der neue Spiel- plan, der wieder recht hervorrageiides bietet. Rose und Henry Bello ng führen dresiterte Ponnys, Alien usw. vor und erzielen vor allem mit dem humoristischen Hindernisrennen viel Deiter- : itr al e in Auftrag gegeben. ** Jagdkalendcr. Mit dem 1. Dezember beginnt im "llherzogtum Lessen die vegezeit für Feldhühner. Sie -ert bis zum August 1912. ** V o g el s ch u Y v e r ci n. Am 11. T-zenibcr findet u a l n z die M i t g l i e d e r v e r s a m m l ü n g des Bo- St:lschutzoereins für Hessen statt. Voraus geht eine Be- sickstigumA der ornithologischen Ablcllung des Mainzer na- turhiftorischen Mu enmS unter Führung deS foerrn Professors Tr. von Reichenau; nachmittags wird der ge- schäslliche Teil im Wartburg'aal deS Restauranls „Zum heiligen Seift" behandelt und später hält Professor Tr. «chwangart auS Neustadt a. d. h. einen Vortrag über „Ten Schutz der Nützlinge im Weinbau". Luch Nichtmitgltcdern ist die Teilnahme gestattet. — Der Verband obeckhessischer Kaninchenzüchter halt nächsten Sonntag un .Darmstädter haus' seine Haupt versa m mlung ab, um besonders über die Ver- banb6au6UeUung in 1912 zu beraten. Die diesjährige VerbandSauSiteUung mußte wegen der Ceuchengefahr au6- ioUen. Neu angemeldet haben sich die Vereine zu Leihgestern und Stangenrod. *• Leichenländung. Tie Leiche der seit 2. v. MtS. vermißten Marie Weiß wurde gestern auS der Lahn geländet. •• In der Rendeler Bluttat steht Termin gegen den Weitzblndermeister Hch. Müller von Dheberborielbeu vor der hiesigen Lltaflammer am 19. Dezember an. Zu der Verhandlung sind 20 Zeugen geladen. Ter Angeklagte ivub durch Rechtsanwalt unb Notar Stahl in Bab-Nauheuu vertreten. Landkreis Gtefzen. = Großen-Linben, 1. Tez. Im Gemeindebad wurden im Monat November abgegeben: 26 Wannen- und 63 Brausebäder. AreiS Büdingen. cq. Echzell, 1. Tez. Ter neue Zweigverein Echzell deS Vogelsberger HöhentlnbS wählte geuern abend einen Vorstand. Vorsitzender wurde Herr A s s e r l - Grund-Schwalheim. Zu den 18 ersten Mitgliedern haben sich 15 neue gefunden auS den Orten Echzell, ®er|iabt, Bingenheim, Gettenau, Grund-Schwalbeim und Reichelsheim. Sonntag, den 8. Dezember, findet die erste Wanderung statt, deren Ziel der Hoherodskopf ist. w. O r t e n b e r g , 30. Nov. Nach einer vor einigen Wochen unter dein Vorsitz des Grasen Kuno zu Stolberg-Noßla in Crten- bcrg abgehaltenen Besprechung von Mitgtiedern der kirch- lid)»pofitiDcn Vereinigung hielt gestern abend Konsistorialrat Vorwerk von Roßla im „Mauergarten" zu Or.enberg einen Vortrag über das Terna: „Jesus als Menschenkenner und Menschenerzieher". Zu dem tiefgegründeten und für den einfachsten Mann verständlia.en Vortrag waren so zahlreiche Zuhörer aller Stände zusammengcströmt, daß der geräumige Saal nicht alle zu fassen vermochte. Tie andächtige Stille, mit der Die Venammclleii Dem u.uum 1'2 Siu.w.li u^hrriiuen Vortrag lauschten, bewies wieder so recht, wieviel religiöses Bedürfnis in unserem oberhessischen Volke noch zu finden ut. Der Eindruck deS Vortrages war tief. Gras Ituno sprach dem Vortragenden Namens der Versammlung herzlichen Tank aus. Der Ober- Mockstädter Posaunenchor, der die Versammlung mit dem Luther- licb: Eine feste Burg eröffnet hatte, schloß mit dem Choral: Christus, der ist mein Leden. MreiS Alsfeld. = Homberg a. d. O., 1. Tez. Durch das Ableben des Bürgermeisters Rcpp ist eine Bürgermeister-Neu- iva hl nötig. Ranbibaien sind der Beigeordnete Spamer und der Rechtskonsulent Eduard Gaub. Kreis Lauterbach. ~ Ouccf, 1. Tcz. Em heiß umstritkeneS Amt ist das deS hiesigen Beigeordneten. Stachdem schon 411111 brüten Rial in diesem Jahre um dieses Mandat gekämpft und auch vor dem LreiSatisschuß verhandelt wurde, scheint die letzte Wahl, m der der seitherige Beigeordnete, Posiagent Hch. Straft 111. hier mit 46 gegen 31 Stimmen als Sieger hervorging, von demselben Schicksal betroffen zu sein wie die vorhergehenden. Eine Anzahl Wähler der Gegenpartei haben gegen diese Wahl abermals Einspruch erhoben, da es angeblich beim Wahltermm nicht ordnungsmäßig zugegangen fei. Falls die Reklamation von dem StreiSaiiSschug für begründet erachtet werden sollte, haben die wahllustigen Bürger zum vierten Mal das Vergnügen, an der Wahlurne zu erscheinen. kreis Friedberg. L. Friedberg, 1. T:z. Nächsten Sonntag, den 3. Dez., nachm. 4V, Uhr, findet im Hotel Trapp das zweite Skonzert des Musikverei.is (Ätademischen Gesangver.inS) in diesem Winter statt. Diesmal werden gemi,ck).e Chöre, uinzei^ieoer und Frauenchöre miteinander abwecyieln. Den 10. Januar wird der Stijlungs.ag abgehallen. Später werden dann noch zwei Konzerte folgen, in denen größere Musikwerke zur Ausführung gelangen. Starkenburg und R Pein Hessen. rrn. Bensheim, 1. Dez. Bei der gestrigen Stadt- Verordnetenwahl wurde das Ergebnis er,i nach Muternacht festgestellt. Zum ersten Mal tourbe auai ein Sozialdemokrat gewählt. Er erhielt 624 Stimmen, während die höchste Sümmen- zahl der Rechtsanwalt W. Hemmes (804! erhiell. 23euer wurden gewählt: Fabrikant W. Euler jr. (7dö), W.inyckndler Josef Sck^ber (6U3), »rankenkassenrechner Franz Ltoß, Soz. (624), Tünchermeister Leonh. Hochnng (6u8), Zr. B. Weitz, LandwiN (Ö2U) und Kaufmann Hch. F.eck mit 512 Stimmen. rm. Wald michelbach, 1. Dez. Vom Amte suspendiert wurde gestern der Amtsgerichtsdiener I. Lichtens eis hier wegen Beseitigung und Fülsa,ung von Urkunden. L. hatte einen guten Ruf und galt als solid, doch reichte das verhältnismäßig kleine Einkommen bei seinen 8 Kindern nicht aus, so daß er in Geldverlegenheit geriet. Er suchte dies dadurch zu beieiligen, daß er die gegen ihn erlassenen Zahlung-lnfehle und andere damit zusammenhängende Allen befeuigte und ab- änderie. Kreis Wetzlar. m. Lützellinden, 1. D*z. TaS Gemeindeback - haus wurde 1909 durch eine ijeuerßurunü eingeäschert. An leme Ste^e ist letzt ein nalliich:r Neubau geuuen, der zugleich eine geräumige V/emeinMral&i'iUwe wwie ei.ie Gr -ngnüseue ui ,ich birgt. Ter Kostenpunkt dürste sich rund auf löOüO Ml. neuen. — T.e für v.e aiteiten Schulmädchen eingerich.ele Koch. 1 chule hat >:ch bis letzt sehr gut bewährt, dazu irlll mit nächster Woche noch eine länd.iche Fvrto.ldung^ichuie, sur die «ich oO Lchu.er angemelbet haben. Q trr 0 1 00 rf, 1. Tez. Tie hiesigen Gerichtstage sind für das Jahr 1912 wie folgt fcstge etzt: 8. Januar, ö. Fe- oniar, 4. März, 15. April, 6. Mai, 3. Juni, 1. Juli, 16. September, 7. Oktober, 4. November und 2. Tezember. Hessen-Nassau. w. Wiesbaden, 1. Tez. Ter 2 9. Deutsche Kongreß für innere Me dtzin findet vom 15. bitz 18. Llpril 1912 in Wiesbaden unter dem Präsidium des Geheimrat Profefior Tr. Stmtzmg.Jena statt. <9cricbt5faaL Paris, 1. Tez. Bei einer Verhandlung des Liller Kriegsgerichtes gegen einen der Gewalttätigkeit gegen einen Lorgctetzten anget.agten Soldaten roari ein Zeuge geladener Tragoner Beuz-öock sein ll^ppi dem Vorsitzenden Obetiien an den Kopf und stieß dabei die größten Beschimpfungen gegen daS Gericht au5. Ter Oberst ordnete eine sofortige Verhandlung an, in der der Tragen.*! z u m Tode verurteilt wurde. Bö rscn'Wochcn bericht. — Frankfurt a. M ., 1. Dez Tie Börse feg eite in die« er Woche ieitroeife wieder stark im Fahr wasser der vausse. Nachdem me ULimoliqui- dation beendet uno dank der Flüssigkeit am Geldmärkte von Schwierigkeiten nichts ;u merken mar, l>emäd)ii,Ue |id> der Spekulation neue Unternehmun.^Slu 1, tnc dao Geschäst an der Börse merklich belebte und dre Kurse auf den meisten ükjuten in steigende Richtung brachte. Ter wverfichtlichen Stimmung kam allerdings sehr zu ftatt:nf daß sich die Wogen der politischen Erregung nach der viel beioroa:enen Rede be3 englischen S.aatS- sekretärö wesentlich glätteten. Trotz der bestehenden Gegensätze zwischen Teutschland und England konnte sich die Zuversicht befestigen, daß in absehbarer Zeu eine Besserung der deutsch- englischen Leziehungen ciniretcn werbe, bau überhaupt politische Störungen in den nächsten Monaien einer Taucr bet Aufioäris- bemegung nicht hinderlich fein werden und daß die politische Beruhigung auch der weiteren Besserung der industriellen jtonjunftur iörderlich fein wird. Andere politische Momente, wie der türlisck>-ttalienische Krieg und die Wirren in Eh.na, wurden auS dem Kreise der für die Entwickelung des Börsengeschäfts maßgebenden Betrachtungen völlig ausgeschallet. Die günstige Stimmung kommt der Finanzwe.t natur gern 16 sehr ac- legen, benn sie hat wahrend der üoranpegangenen politija) bewegten Zeit viel Ware aufnehmen müssen, die sie nun wieder los werden kann. Ta man überdies den Bilanzarbeiten ent- gegengcht, besteht ein gewisse- Interesse daran, daS gute Börsenwetter zu erhalten. Tie optiniistische Llufiassung der Situation findet inzwischen weiter reichliche Nahrung m den überschväng- lichen Nachrichten auS der Industrie, namentlich au5 der Montanindustrie, um die sich ja alles dreht. Auch in dieser Woche hat es an animierenden Meldungen nicht gefehlt. Ter belgische Stahlwerksoerband hat die $>alb$eugpreife erhöht, der Verein deutscher Eisengießereien hat sich zu der gleichen Maßnahme betreffs der Gußprelse entschlossen, auch der Zinkhütten verband Hal eine abermalige Preis-tzeraussetzung angeordnet und nach den glänzenden Schilderungen, die über den Siand der Beschäftigung bei den einzelnen Werken täglich einlaufen, muß man auf eine weitere Dauer der steigenden Preisbewegung rechnen. Dazu kamen noch bessere Berichte vom amerikanischen Eisen- markt, günstige statistische Angaben vom Kupfermarkt und fortgesetzt b. friedigende Meldungen vom heimischen Kohlcnmarkt. Die verschiedenen Gerüchte über bevorstehende neue Fusionen, Angliederungen unb Interessengemeinschaften taten baS ihrige, um die Spekulation zu umfangreichen Deckungen unb Meinung-^ kaufen zu veranlassen, die sowohl für Lütten- al« Kohlenaktien erhebliche Preissteigerungen zur Folye hatten. Neben den Aktien rh.'inischer Werke erfreuten sich die als etwa- zurückgeblieben geltenden oberschlesifchen Werke reger Kauflust, zumal die Lösung der Erztariffrage für Oberschlesien bevorstehen soll. Daneben waren Elektrowerte stürmisch begehrt, da man mit dem Unterbleiben einer Metallarbeiter-Aussperrung bestimmt glaubte rechnen zu können. Da sich jedoch In letzter Stunde neue Schwierigkeiten bei den Verhandlungen ergaben, mußten Elektrowerte ihre erzielten Kursgewinne zum Teil wieder hergeben. Andere Jndustriepapiere lagen vorwiegend fest, doch etwas ruhiger. Am Bankenmarkt kam die beruhiatere politische Auffassung ebenfalls zum Ausdruck, besonders, nachdem aus der Ultimoregulierung erkennbar wurde, daß in diesen Werten vielfach noch Stückemangel besteht. Bahnen und Schiff- fahrtswerte waren gleichi'alls befestigt, ebenso heimische und einzelne fremde Fonds. Privatdiskonto 4»/< Prozent. Handel. Tie ®5ttinger Bank in Konkurs. Göttingen, 1. Dez. lieber da- Vermögen ber am 29. September zahlungsunfähig gewordenen Göttinger Bank ist auf Betreiben eine* ytcd)lt>aiuua-tj i>er Konkurs eröffnet worden. Ter Prüfungstermin findet am 29. Februar statt. KtanSesaintsnachrichten. (Nachträglich eingegangen.) Heuchelheim. Geborene: November 2j. Dem Taglöhner Fredrich xgll- helm Gllbcrt eine Tochter, Alma. — Dem am 22. Oktober 1911 verstorbenen Former Fru^rich Volkmann eine Tochter, Wilhelmine. Amtlicher wetlerbertcht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. WeileranS'icvteii m peilen am Sonnlaa, Den 8. Tezember 1911: Wechselnd berocih, trocken, Temperatur wenig verändert, Nachckrost. Letzte Nachrichten. Tie meckl:nburgifche Setfaflunglfragt. Sternberg, 2. ^ez. Tie Landscpaft lehrte mit 28 gegen 13 Stimmen die Grundzüge der Regierungsvorlage iuiiDcrum als ungeeignet ab. Die Ritterschaft fetzt die Beschlußfassung ihrericits auS. Sie wird ziveiselloS sich zu Verhandlungen auf dem Boden der Grundrüge bereit erklären. Bei der Meinungsverschiedenhi.it der beiden Stände aber ist die Vorlage nochmals geschellert. Ein Erdstoß. Ebingen bei Balingen, 2. ^ez. Heute vormittag ^7Uhr wurde hier ein Erdbeben gespürt, das von einem unterirdischen Rollen begleitet war. Ter Erdstoß war fast so swrk wie am 16. SZaöember. * Paris, 2. D«. In dem SchnellzugBordeaux- Paris spiel.e sich heute nacht einentsetzlichesDrama ab. Ein Verbrecher namens Lalanne sollte nach Paris gebracht werden. Er entsprang auf die Platt- iorm, um von da aus den Zug zu oerlaffen. Ein Gendarme- riewachimeiirer wollte ihn zuruckhalten und geriet mit dem Ölüajiling in einen Ringrampf. Beide stürzten von oem Zuge und verunglückten tätlich. Bombay, 2. Tez. Tas englische Königspaar ist heute hier cingetroffen. FVucksachen aller Art liefert in jeoer gewünschten Ausstattung oreiswen aie Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. 7 Beste Fabrikate konkurrenslos =billig = Carl Schundt5"«”11 Der Vorstand. Biograph 09861 Plockstrasse 12 Plockstrasse 12 Wir halten scharfeAuslese unter ßrelcheis Nur? Atom Eintritt frei. D’7u Eintritt frei. von Frau Wolff-JaffS, Mannheim: D»/u Kinematograph Babnbosstrabe 54 (09856) Babnbosstrabe 54. llidjt o-/,- Der Vorstand. Ter Vorstand. V2/|3 W M ” in c/> kofiei V2/11 Offizielle Verkaufsstelle: °D. Kaminka, Marktpi.ii. Tages-Ordnung: 1. Ersatzwahl des Vorstandes 2. Wahl der Wohnungsprüfungskommission 3. Statuten-Aenderung (§ 30) 4. Bericht von den Krankenkaffentagen in Dresden, Bingen und Darmstadt. G iessener Konzert-V er ein Sonntag, den 3. Dezember 1911, 51/. Uhr, in der neuen Aula Viertes Konzert — Zweiter Solisten-Abend Herr Prof. Fred. Lamond, Berlin («er) Männer - Turn - Verein. Sonntag, 3. Dezember Turngang Rödgen, Trohe, Alten-Buseck nach der Karlsuhe; daselbst Familienzusammenkunft. Abmarsch um 2 Uhr nachm. vom LudwigSplatz. Bringt Mufik. aus: Oper Operette Konzen Variete Vorführung uLPreisJiffe bereihvUlig^ Das idealeWeüinadits tiemEkeirBBs. Religionswissenschaft). Vortrag 2 Neue Aula der Universität. Mittwoch, den 6. Dezember, abends 8l/4 Uhr: Professor Schian: Modernes Christentum u. geschichtliche Ueberlieterung Eintrittskarten zu 75 Pfg. für den einzelnen Vortrag, zu 60 Pfennigen nur iür die Galerie in der J. Hicker’schen Buchhandlung. Der Reinertrag ist zu gleichen Teilen für das Evangelische Schwesternhaus in Giessen und den Hessischen Diakonie- verein bestimmt. D1410 Verein Thalia. Sonntag, den 3. Dezbr. d. I. «der öcg 10. LtiMilaSsestes bei Mitglied Gcrlicher, Restaur. Ostend. Verbunden mit Konzert und Tanz. 09878 ES labet erg. ein Der Vorstand. Tora-firao m 1846. Heute abend 9'/» Ubr auf der Turnkneivc Müiiats-Pkchmmliillg Wir bitten namentlich auch die älteren Mitglieder um zahlreiches Erscheinen. Montag, den 4. Der. S’/3 Ubr. Mmts-VttMinlM im Versammlungslokal, frühere Gewerbeschule lAiterweg'. Vortrag über Fencrlöichwesen. B2/i<* Das Kommando. Eine Tragödie eines Primaners in 2 Akten, 600 m lang. Inszeniert von dem bekannten dänischen Schriftsteller Viggo Larsen. Der Todessturz am Niagara, Änderbares Tontolinis Ständchen, eine Posse im Bilde. Kinematographische Berichterstattung zeigt Bilder aus alter Welt. Bobby, der kleinste Detektiv der Welt Burleske. Wenn der Walzer erklingt, Tonbild. Oeffentliche Verlammlung Montag, 4. Dezember, abends 81/* Uhr in Steins Garten: Prof. vr. Rich. Graf du Moulin-Eckart, München. »niarokkopolitikar Diel I* Lankina, i. < I^^hügel, die letz, K genommen IL bei Gn-ad W-8.eben, da diese D^'^de'AeL ^uslÄisch v^mbennieberiQi DLL- LI Sleii I *«t;t I*‘'n I