Montag, 13 Februar 1911 161. Jahrgang Beschwerdeverfahren Verhältnisse kleinen Ban!i Nr. 37 Wdx* eefl» m* ea*ne6nw M 8*"** DU «Otetznie» famtfieubiatter* eetix» de» gtLnjetger4 rtrrmal «Schenllich betgdegl bet "xretsblafl ffr W» Kitts Wette* «roetmei »üchentl'ch DU ^QmdwMlchaNltcht» bett' hager «scheine» «oaatUch yeeunaL «nie» be «^«bl^chW Uetecriudtf • vuch- en> 6iembnidu<4. ÜL Sttfce». gehen. Nun sagt man, von der St. Paul-Anleihe sollen nur 4 Millionen Dollar» aufgelegt werden: ist das aber erst geschehen, dann kann niemand das Emissionshaus hindern, nachher uns so viel aufzuhalsen, als es will. Das gleiche gilt für die Frisko-BondZ Unsere Interpellation hat keine feindselige Spitze gegen Amerika, aber wir haben auch keine Veranlassung, es zu bevorzugen. Wir werden von den Amerikanern auch nicht nur als liebe Freunde behandelt. (Sehr wahr! rechts.) Im vorigen Jahre haben sie unS den Payne-Tarif aufgczwungen, die schikanösen Zollschikancn erneuert. Wir haben schon eine beträchtliche H a n d e l S un t erbt l a n z gegen Amerika. Die Kalifrage lasse ich jetzt bei Seite; ich werde sie bei Beratung des EtatsdesAuswartr- gen Amts erörtern. Nun zu dem wichtigsten Punkt: Welche Mahregeln sind zu ergreifen, um unseren Geldmartt mehr als bisher gegen die Invasion mißliebiger Ausländer zu schützen. In der Börsenenquete hatte ich den Antrag gestellt, daß eine Zen - kralemissionSbe Hörde speziell für alle ausländischen Werte errichtet werden solle, die für alle deutschen Börsen zu- s'ändig sein soll. Der damalige Reichsbankpräsident Koch uutcr= nützte diese Anregung lebhaft. Ich weiß nun nicht, ob gegenwärtig Neigung zur Revision deS Börsengesetzes vorhanden ist. An die Zulassungsstellen müßte jedenfalls die Anweisung ergehen, daß bei Emission ausländischer Werte folgende Grundsätze zu beachten sind: 1. Emissionen ausländischer Werte sind nur nach voller Deckung des iiiländischeii Kapitalbedarfs zulässig. (Heiterkeit links.) 2. Sie dürfen nur Mittel zur Erreichung nationaler Ziele sein imb sich in den Dien st der nationalen Arbeit stellen. 3. Auch selbst unter diesen Voraussetzungen muß nach den seinerzeitigen Erfahrungen Argentiniern, Spaniern, Serben nsw. mit größter Sorgfalt vorgegaugen und zwischen den einzelnen Ländern und Werten unterschieden werden. Diese Richtlinien entnehme ich dem Buch des Geh. Rats Dr. R i e tz e r, des P r ä s i d e n t e n d e S H a n s a - bunds (hört, Ijörtl rechts) und ich befinde mich daher in einer für den Abg. Mommsen unangreifbaren Position. (Große Heiterkeit.) Streng muß auch darauf geachtet werden, daß nur solche Papiere eingeführt werden, die einen internationalen Markt haben, also auch im Heimatlande. Es muß eingeschritten werden, solange es noch Zeit ist. (Beifall rechts.) ftebtitten, ExptdMo» en> Dnttfertti strotz« T. fcpeötnoB and Vertag; &L Redaktton: ^»»112. ZeL-to>v ÄnietaKÖiebe» stnd völlig abhängig. Als ein solcher mit dieser Interpellation in Verbindung gebracht wurde, wurde ihm der Boykott ange- drobt. eS wurde kein Ultimogeld zur Verfügung gestellt werden. Mit solchen Mitteln arbeitet man! Bei der Einführung der St. Louis soll eine Minderheit in der Zuloffunasstelle e.Aebliche Opvosition gemacht haben, aber von einer Besckwerd bat man nichts gehört. Die Forderung der Errichtung einer Zentral' c m i f f i c n 3 ft e 11 c unterstütze ich dringend: erst dadurch Eichener Anzeiger Eeneral-Anreiger für (Dbertjefjen scheu Tageszeitung" und den Vorgängen, bie dieser Publikation vorauSgegangcn sind. AuS diesem Grunde glaube ich, können Sie entnehmen, daß der H a n d c l 6 m , n l st e r sick seiner Verantwortung vollkommen bewußt ist und Sie können entnehmen, daß die beftebenben gesetzlichen Bestimmungen besonders der r-tz 1 und 36 des Bocsengewtzcs die notwcndigcn Handhaben geben, um un gegebenen ta geradezu sprunghaftes Steigen des Umsatzes von auölanD,scheu Wertpapieren. Daß die Warnung der „Nordd. Allg. Ztg. vollauf gerechtfertigt luar. Eine derartig hohe Anlage deutschen Kapitals in ausländischen Wertpapieren muß naturgemäß eine Steigerung des inländischen Zinsfußes zur Folge haben und das kommt im Anleihekurs zum Ausdruck. Herr Lentze erklärte im Abge- ordnetenhaufe, sämtliche Sackverständige hatten ihm geraten, nut der Begebung der preußischen Anleihe zu warten. Natürlich, Die Emissionöhäuser bringen lieber Frisko-Bonds auf den Markt als preußische Staatvvapiere,, bei Denen nicht sechs Prozent zu verdienen sind. Untere PsanDbriefe stehen ebenso schlecht; wer im Wege des PfandbriefdarlehcnS feinen Kredit befriedigen will, muß von vornherem 16 18 Prozeß verloren geben. Bei der flbwanderung Deutfchen Kapitalv nach dem Auslande sind auch Verluste deS deutschen Publikums nicht auv- geschlossen. Zu gleicher Zeit wurde Die Provinzanleihe Buenos- Ayres zu SB Prozent, Die Stadtanleihe BnenoS-Ayres zu 98 Proz.. also 10 Prozent höher, aufgelegt. Ueb.r Die Ve-Ha msie der Ehikago-Milwaukee-Bahn maße ich mir kein urteil äu- diese Sl. Paul-Bahn hat ihren Aktionären bisher sieben Prozent bezahlt, aber in den Zeitungen habe ich die Bemerkung gefunden. Diese DwidenDe sei aufreckterhaltän. um die Unterbringung in Deutschland nid)«- zu biskreditieren Es ist cm offenes Geheimnis, Daß ein großer Nachsckmb nmerikcmiicker Babn- 1 verte zu erwarten und unterwegs ist. WaS die St. Louiv-St. Franzisko-BonbS anlangt, so stehen sie, bei 5 Prozent auf 83. Darum stoßen Die Amerikaner sie ab. Die Amerikaner haben dock hid mehr Geld als wir. allein 2800 Dollarsmillionäre! .Die Zula s s n n g s st c I l e Hal aud) nicht immer die wirtsihaftlichcn Vorteile in8 Auge gefaßt, die aus der Placierung deutschen Kapitals im Auslände unserer Industrie erwachsen. Bei Der s.affccbaloriiatinn hat man lediglich erzielt, Daß DaS Deutsche Publikum 60 Millionen Mark mehr als bisher ins Ausland zahlen muß. (Hört! Hört! rechts.) Unsere Industrie wird auch von Den amerikanischen' Bahnwcrtcn nickt den geringsten Vorteil faben, nicht ein Lot deutschen Eisens wird Deshalb nach Amerika Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Fragen der Interpellation sind in neuester Zeit nicht Gegenstand der Erörterung der verbündeten Regierungen gewesen. Ich kann sie also zunächst nur vom Standpunkte des Herrn Reid)Skonzlers aus beantworten. Ein Mittel, die Bank- Welt und den einzelnen Kapitalisten zu hindern, sein Geld in ausländischen Werten anzulcgcn, gibt cs nicht. Ein gencrclleL Verbot, unter gewissen Voraussetzungen inländisches Kapital in ausländischen Werten anzulcgcn, wurD» ein Versuch m 11 untauglichen Mitteln sein und foahrscheinlich nur zu unerträglichen Erschwernissen unseres Wirtschaftslebens führen. Auf der anderen Seite sind wir m der Lage, die Einfuhr ausländischer Papiere zu erschweren, indem wir sic zum Börscnhandel zulassen und ihnen damii alle Erleichterungen versagen, die mit dieser Zulassung verbunden sind. Die Versagung der Zulassung liegt in der Hand der Zulassnugsiielle. ^ie Zu» lassungöstelle ist ein Organ der Börse, und die Börse untersteht staatlicher Aussicht. Daraus ergibt sick. daß Die Landes- rcgicrungcn in der Lage sind, die Zulaifungöftellc über Die Handhabung ihrer Befugnisse mit Anweisungen zu vergehen, und zwar nicht nur unter rechtlich formalen, sondern aud) unter Zweckmäßigkeitsgründen. Es ergibt sich daraus aber auch, daß die Verantwortung für die Durchführung deS Borfcnge,etzcs beim Reichskanzler liegt, der in Uebercinstimmung nut den verbündeten Regierungen die Landesregierungen über tue Interpretation dieses Gesetzes, wie auch alle anderen Gesetze zu informieren bat. Nun enthält § 36 deS Börsengcsetzes eine Reihe von Vorsckriften über die Voraussetzungen, unter denen die flu? lassung erfolgen oder nickt erfolgen darf. Darunter befindet nch auch die Bestimmung, daß solche Emissionen nicht zuzulaffen iswahl Marnbach Babulioütr. 2;. !l huShtiB Eleklr. Beine: I llntiert tx Lehandlunz I le Wäjchl y dastiiags 9 errcu-Wäickc i 11 Bfiibruiii). ■ Leinen I und ver- •üh i'Sen* Ls eine Tasse i.Tee !iani«o tzAß jungen unu (i_. f uiMh** i bei Büsten it, Bronchial rh, Asthma. entzs Hamm, < Mttstreitiqkeij, wochentt. Uebersicht der TobesMe t.0. Stadt Eietzen. 5. Woche. Vom 29. Januar dis 4. Februar 1911. Einwohnerzahl: angenommen zu 31,000 (infl. 1600 ntanu Mi Ist ar) Sterblichkeitsziffer: 21,6 °/01, nach Abzug von 7 Orlsttemden: 10,0 70r. Die Soji* Die gestern Di - mrialdenwkra Im d-nm di- ■fetalen weif' ■et Dirncr-B" »kchlten Diele Hel IW Herrn ftrumm I ^fälschten sozra |>en" Besitzer Wie die Züsch M.U Bemerkung r ■i'iflt, hat er sich i | -iittefn aufgeregt, DOtkenner seines ■ mzeuge für die I Hasser des Art 1 ntüt an. Doch,5 ■ iiamm und best ■ nben getan hat, d ■ dodultionsmittel, ■ Ä Werheugc Hei »s* «Sä’® W einem ;ua'- ^andliin»' N Oeib«, mUn9 bet ' i Satbe be} afrlt '«ftt S®« ort; «fei M wir x WS KK Summa 13 ^7) A nm.: !4....... Todesfälle in V.v biirei stimmung 5c§ Grafen Kanitz mit dem Geheimrat Rießer tu dieser Frage ist ja erfreulich. Hoffentlich folgt dieser partiellen lieber« emstimmung die Uebereinstimmung in anderen Volkswirtschaft, i licken Fragen. Die „Deutsche Tageszeitung" hat kür ckich Geheim rat Rießer angegriffen, der als Leiter der Darmstädter Dank in seinem Geschäftsinteresse deutsche Staatsbürger durch den Import fauler Portugiesen um viele Millionen ge- schädigt habe. Geheimrat Rießer ist in das Direktorium erst cmgetreten, als die faulen Portugiesen längst in Deutschland waren und bat sich im Gegenteil bemüht, die Interessen der deutscben Gläubiger zu verfechten. Hoffentlich nimmt die „Deutsche Tageszeitung' mimnehr ihren Angriff zurück. Solange oer Jnlandsmartt seine Bedürfnisse befriedigen kann, liegt in der Anlage deutschen Geldes in outen ausländischen Werten keine Gefahr. (Beifall.) Abst. Raab (Wirtsckj. Vst.)': Ich hoffe, daß die Regierung aus der einmütigen Haltung, die der Reichstag in dieser Frage cinnimmt, nicht den Schluß ziehen wird, daß sie mit der offiziösen Warnung in der „9?orbb. Allg. Ztg." zuviel getan hat, sondern ich erwarte, daß sie in Zukunft ebenso berfahr en wird und möchte ihr -,urufen: Bravol Da capol (Sehr gut! rechts.) Bedauerlich ist es nur, daß. man nickt in gleicher ^Weise gegen andere amerikanische Papiere vorgeht. Aber freilick scheint man der Deutschen Bank, die diese Papiere bei uns eingeführt hat, nicht wehe tun zu wollen. Die Einführung so vieler ausländischer Werte ist ein wirtschaftlicher und politischer Fehler gewesen. Die Verantwortung dafür trifft ebenso die Firmen, die die Einführung veranlaßt haben, wie Bleichröder, Schröder, Warbm-g und Betb- mann, wie das Auswärtige Amt, das es nicht verhindevt hat, daß solche Werte ins Deutsche Reich eingelassen wurden. Die Reichsbank sollte verstaatlicht werden. Dann könnte sie selbst bei den heutigen Zuständen schon manche Besserung schaffen. Man sollte auch Bankdirektoren vom Besuch der Börse aus schließen, wenn sie foitTe Papiere auf den Markt bringen. Von der Presse haben wir wahrhaftig wenig zu erwarten. Mit den schönen GrundsäHen des Herrn Rießer ist wenig getan, ebenso wie mit den Doveschen Kommentaren. Abg. Dr. Hahn (Kons.): Ich habe mich über die entgegenkommenden Erklärungen des Staatssekretärs gefreut. Die Notiz in der „Norddeutschen Allgemeinen" hatte aber noch früher erscheinen sollen. Durch eine geschickte Mache werden bei uns exotische Papiere umgesetzt, die aus Staaten kommen, deren Namen man kaum noch von der Schule her kennt. Diesen Menschenbeglückern sollte das Handwerk gelegt werden.. Leider hat uns der Staatssekretär keine Abwehrmittel in Aussicht gestellt. Auf den guten Willen der Banken kann man sich nicht verlassen. Das nehmen wir ihnen nicht übel, denn Bankdirektoren sind keine Idealisten. Es müssen harte Realpolitiker sein. , Es sollte aber eine Zentralstelle geschaffen werden, die die Tätigkeit der Emissionsbanken kritisch überivacht. Man sollte im preußischen Abgeordnetenhause vom staatlichen Börsen- t'ommissar eine Uebersicht über die Tätigkeit der Berliner Banken fordern. Wir werden uns dort beim Handelsetat eingehend mit der Berliner Börse beschäftigen. Mit deutschem Gelde fördert man die ausländische Industrie. Wie lange wird es noch dauern, und die asiatische Konkurrenz macht sich in unserem Wirtschaftsleben ernstlich bemerkbar! Hatten wir ausländische Werte von unserem Martic fern! Vor allem darf deutsches Geld nicht an unsere politischen Gegner verborgt werden, nicht an Staaten ohne Zukunft, ar Staaten mit einer großen Pumpwirtschaft. D i e Seehand- lung sollte endlich Depositenkassen errichten. Tann wäre der Schatzsekretär nicht wie jetzt den Großbanken auf Gnade und Ungnade ausgeliefert. 2(1) ■ _-~.ii an, gäranBcten Förr 'Sem Dorsontzesetz Sen' richtigen Vollzug. Ich gebe zu, daß ein (Singriff der amtlichen Stelle gewissermaßen als ^Abstempelung des ausländischen Papreres angesehen werden könnte, aber diese Bedenken, lassen sich wohl wegräumen. Hoffentlich ziehen die, die es angeht, die Lehre aus dieser Interpellation. (BeisM rechts und im Zentrum.), Abg. Dr. Frank (Soz.): Die Konstrvativeu Pflanzen sich auf, wie der Ritter cm: dem berühmten Bilde: Kavitalisten Europas, wahrt Eure heiligsten Güter! Die -Deutsche Tageszeitung" schrieb, die Besprechung der Interpellation werde zur Folge haben, daß wir am nächsten Oktober-Termin vor einer Handelskrisis und einem achtprozentigen Bankdiskont bewahrt werden. Das ist ein Wechsel auf die Leichtgläubigkeit des Publikums; die Handelskrisis hängt aber selbst von einer konservativen Interpellation nicht ab. _ In ihrer chauvinistischen Blechmusik sind sehr viele falsche Töne. Nickt nur das Finanzkapital, auch das in der Landwirtschaft und SchwereisenIndustrie investierte ist vaterlandslos. In der Lanöwirtschaftskammer von Ostpreußen hat sich ein Mitglied darüber beklagt, daß die Regierung ihr Versprechen nicht gehalten habe beim Bau des masurischen Schifffahrtskanals keine inländischen Arbeiter zu beschäftigen und in Mannheim hat sich der Direktor einer inländischen Schiffswerft bitter darüber beklagt, daß das Eisensyndikat den fremben Werften billiger liefert als den deutschen. Die Rechte sollte auch eine Interpellation gegen die aniinätiouale Syndikatspolitik einbringen. Recht wertvoll wäre eine Denkschrift übet die Beteiligung deutschen Geldes an ausländischen Unternehmungen. 1908 wurde sogar eine Frankfurter Stadtanleihe von Newhorker Geldleuten übernommen. Wenn die Kapitalisten gegenfeitio in den verschiedenen Ländern ihr Geld anlegen, so sichert das den Frieden. Denn niemand kümmert sich so zärtlich um einen Kavalier als seine Gläubiger. (Heiterkeit.) Freilich die Kriegsgefahr ist nicht absolut ausgeschlossen. England schickte Kriegsschifse nach Venezuela, um dort die Zinsen für seine Gläubiger einzukassieren. Manches Bankgeschäft ist eine Aktion zugunsten der heimischen Industrie. So gab die Dresdener Bank eine Anleihe an Bulgarien nur unter Der Bedingung, daß so und soviele Millionen für deutsche Kanonen bezahlt werden. Das ist internationaler Sachwucher! Nun hat Graf Kanitz eine Revision des Börsengesetzes gefordert. Das ist nicht verwunderlich. Die kurze Block ehe ist gelöst, und da verlangt man die Verlobungs- und Morgengeschenke zurück! (Heiterkeit.) Wer ist eigentlich die Aufsichtsbehörde im Börsenhandel, die Deutsche Bank ober die Reichsregierung? Die öffentlichen Jntereßen müssen gegen dieses Institut gewahrt werden, der Staat kümmert sich ja sonst um jede Kleinigkeit. Die Berliner Großbanken aber haben schon vier Milliarden mit Beschlag belegt. Das sst schon keine private Formation mehr. Wir verlangen * Des Kaisers Strecke. Kaiser Wilhelm hat im Jahre 1910 erlegt: 1880 Rothirsche, 90 Rottiere, 17*:8 Tamschnnfler, 98 Damtiere, 12 Elche, u Wisente, 3076 grobe Sauen, 316 gtiuigc 3aueti, 931 Rehböcke, 121 Gemsen, 3 Remitiere. 3 Bären, 17 963 Hasen, 2117 Kaumchen, 439 Füchse, 6 Dächse, 1 Marder, 10s 2!uei> Hähne, 24 Birkhähne, 3 Bronzepuier, 33 637 Fasanen, 856 . "eb- hühner, 95 Grouse (schottische Moorhühner), 4 Waldschnepfen, Die Regierung hatte schon die Initiative ergriffen, ehe diese Interpellation eingebracht wurde. Graf Kanitz wollte wohl nur der Regierung den Rücken stärken. Bei der gedrängten Geschäftslage hätte es wohl genügt, die Fragen beim Etat zu erörtern. .Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Regierung im Börsengesetz die Möglichkeit hat, gegen eine zu weitgehende Ueberschwemmung des deutschen Geldmarktes mit ausländischen Werten vorzugehen. Eine Revision des Börsengesetzes ist daher nicht notwendig. Kann man nun iberhaupt sprechen von einer Ueberflutung unseres Marktes mit remden Papieren? Nach unserer Meinung kann man nicht von 'nwm fortgesetzten Ansteigen sprechen, sondern die Anlage deut- chen Geldes in ausländischen Papieren bewegt sich in Wellenlinien. Auch mutz hervorgehoben werden, daß in auieren Ländern sich dieselbe Erscheinung zeigt wie bei uns. Natür- kich kommt in erster Linie das Bedürfnis der heimischen Industrie in Betracht. Aber gerade hier muß die Bedeutung des deutschen Welthandels helLorgehoben werden. Graf Kanitz hat nur die Schattenseiten her Anlage deutscher Gelder in ausländi- chen Papieren hervorgehoben. Die Lichiseiten sind, daß die Möglichkeit bestellt, durch deutsches Geld mit dem Ausland Berührungspunkte zu gewinnen. Wir danken dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes für die Plazierung der tü-rkischen Anleihe in Deutschland. (Beifall.) Diese Hilfe, dargebrackl einem emporfieigenden Staate, hat sicher mit beigerragen zu dem uns günstigen Umschwung der Stimmung am Bosporus. Also nicht so pessimistisch! Ein französischer Nationalökonom Hai kürzlich darauf verwiesen, daß Frankreich 1871 die Kriegsschuld nicht hätte bezahlen können, ohne seine starken Forderungen an das Ausland. Es ist also nicht nur graue Theorie, wenn wir sagen: die Verbindung eines Landes mit dem Weltverkehr ist für den Kriegsfall von großer Bedeutung. Die Ueberein- ein Aufsichtsamt für das Bankwesen. Gewiß würde der Reichskanzler dabei von den Großbanken oft uber§ Ohr gehauen werden. Mit stiller Heiterkeit haben wir von den Dankschreiben des Reichskanzlers über sogenannte Hilfsaktionen der Großbanken gelesen. Diese Herren machen keine Geschäfte ohne Prosit. Das verdenken wir ihnen nicht. Aber der Reichskanzler ist ja nicht lebenslänglich angestellt. Vielleicht bildet sich schon in der Stille einer Bankdirektion ein neues A^chE^rtalent. Wir würden das nicht bedauern. Also: Der Abfluß deutschen Geldes kann nicht verhindert werden, aber bie Regierung ,oll ihn nicht fördern! (Beifall bei den Sozial- oeyrorrctten.1 Abg. Dove (23bJ'S , , Nach der Ouvertüre in der agrarischen Presse wird' mancher Wer die heuttge Verhandlung enttäuscht sein. Aus der Fanfare rst eine Chamade getoarben. Nur von den Konservativen gilt nodj Goethes Wort: Sie sitzen sckon mit hohen Augenbrauen, und jebermann erwartet sich ein Fest!" Sonst erwartet niemand etwas Besonderes. Ich habe hier einen Kommentar zum Börsengesetz. Da wird klar gesagt, daß bei nngünftiger Lage des heimischen Martts dre Zulassungsstelle die Emission ausländifchM Werte untersagen kann. Das Buch ist vom Neichstagsabgeordneten Dove. (Heiterkeit.) In der Beziehung sind wir also mit dem Grasen Kanitz einig. Sonst freilich nickt, obgleich er ein sehr gelehrter Mann ist, allerdings ein wirtschaktNcher Präraffaelit. (Heiterkeit.) Die Bankinstitute sind doch nicht lediglich zum Geldverdienen da. Sie sind unentbehrliche Instrumente des Wirtschaftslebens. Gegen das Geldverlieren gckt's kein Rezept. Es wird Geld verloren im Auslande, auch im Jnlande. Jedenfalls aber ist es ganz unangebracht, hier im Parlamente bestimmte Papiere zu charakterisieren. Wenn ich über Wertpapiere im Reichstage spreche, so tue ich es nur im Privatgespräch M meinen Parteigenossen, wenn sie Rat brauchen. (Heiterkeit.) Sie sind stets gut dabei gefahren. Ein Mittel, das Publikum zu bevormunden, gibt's gar nicht. Jeder muß schon selbst die Augen Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.)D Auch henke findet wieder, wie fast an jedem Sonmckend, die Sitzung fait unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Es sind nur etwa 20 Abgeordnete im Saal.) Man sollte am Schluß über die nächste Tagesordnung namentlich abstimmen, das würde eine schöne Einnahme ergeben. Auf die platonischen Aeußerurmen, die hier laut wurden, pfeife ich. Ick brauche auch den guten Rat des Herrn Dove nicht, ick lasse mich auf faule Anleihen überhaupt nicht ein. Auck die Börsenvresse nimmt ia schon gegen die ausländischen Werte Stellung und klärt das Publikum auf, in erster Linie die ^Frankfurter Zeitung". (Hört! Hört! rechts.) Auch aus dem ^Berliner Sägeblatt" kann man ersehen, daß es diese Papiere nicht gar so schön findet. Deutsches Geld braucht uberhauvt nicht abfließen, denn kein Land bietet so viel Möglichkeit zur Anlage. Aber kann man sich über diesen Abfluß wundern, wenn man auch an deutschen Konsols erhebliche Verluste erleidet? Wir danken dem Direktor Havenstein, daß er die Goldbestände der Reichsbank mit allen Mitteln geftärft hat. Wo wären wir geblieben, wenn man die frühere Bankpolitik weitergeführt hätte? Daß die Großbanken allgemeine Interessen über die eigenen stellen, das traue ich ihnen nicht zu. Sie kennen nur Dibidendeninteressen. Die Banken haben nur ein Interesse daran, das Geld im Jnlande zu verteuern. Der jetzige Zustand sst eine Privilegierung auslan bischer Aktien-; Unternehmungen. Man sollte eine ständige Kommission für Vank-- ange’Iegenbeifen einsetzen, die zu einem Drittel aus Reichstagsabgeordneten, zu zwei Dritteln aus Fachleuten, Volkswirtschaftlern usw. besteht. Jedenfalls war es ein verdienstvolles Werk des Grasen Kanitz, oiese Aussprache herbeigeführt zu haben. Die Gegensätze im Reichstage sind gar nicht so groß, wie man draußen immer annimmt. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Stresemanu (Na'tl.^