Et. 78 Dritter Blatt löl. Jahrgang .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« j) L « H E SL^L, JL B E M B wLB ^L, fi „KrelsMett ffr i i c Leber traf, nieder und gab auf den am Boden Liegenden noch weitere vier Schöffe aus einer BrowninaviNole ab. Holthaus war tu wenigen Minuten eine Leiche. Das Motiv der Tat ist gekränkte Eitelkeit. Hofmeister halte sich um die Schwester Holthaus beworben, der Bruder erhob jedoch gegen den Freund, den er von Jugend auf kannte, entschieden Widerspruch. Tie Verhaftung des Mörders erfolgte wenige Minuten nach der Tat. Tie Hausbesorgerin hatte den Schuß gehört, war schnell auf die Straße geeilt und hatte das Gerichtssaal. Berlin, 30. März. Hauptmann Pfeil hatte sich heute vor dem Kommandanturgericht Berlin wegen Mißhandlung und Beleidigung Untergebener u.nd wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt zu verantworten. Nach sehr eingehender Verhandlung wurde der Angeklagte auf Antrag des Vertreters der Anklage und der Verteidigung von einer Strafe und den Kosten sreigesprochen. Haustor abgeschlossen. Als ein Schutzmann, den sie hetbcigerufen, bas Tor öffnete, Itanb ber Mörder, vor Erregung der Sprache nicht mächtig, die Pistole in der Hand, im Hausgang. * Die Selb stmordepidemie in Rußland. Zn Rußland sind in 41/, Jahren — vom Juni 1905 bis Dezember 1909 — nicht weniger als 9105 Fälle von Selbstmord und Selbstmordversuch bekannt geworben. Schon 51 in Der von 8—16 Jahren stellen einen erheblichen Prozentsatz, nämlich 506. Tas Maximum lag bei den nicht viel älteren Individuen von 19—25 Jahren, nämlich 47 Prozent. Dies ist um jo erstaunlicher, als in anderen Kulturländern das Greisenalter infolge feiner Disposition zu Melancholien den Selbstmord am häufigsten au'weist. Diese Verschiebung ist wohl der augenblicklich herrschenden Haltlosigkeit der russischen Jugend auf Rechnung zu setzen, die, au5 einem Extrem ins andere fallend, sich bald am Ende findet und die Waffen streckt. In, einzelnen finden sich diese Verhältnisie der Selbstmordstalistik z. B. in Mostan wieder. Während zwischen 1890 und 1900 durchschnittlich nur 78 Menschen im Jahr Hand an sich legten, flieg die Zahl im Jahre 1908 auf 152 und 1909 auf 154 vollendete Selbstmorde. Dazu famen noch 405 und 443 Versuche. In Moskau lag die größte Selbslinordzahl schon bei Individuen uon 15—20 Jsüren. Eharakleristischeriveise ist es hier die zu schnell mit westeuropäischen Anschauungen bekannt gewordene halbgebildete Kaste der Kleinbürger, die an 100 Selbstmorden mit 83 beteiligt ist. Kleine Tageschronik. Als in einer Versammlung des Holzarbeiterverbandes ht Hamburg, ber etwa 400 ausgesperrte Holzarbeiter beiwohnten, ein P 0 l i z e i b e am t e r in Zivil die bei Massenversanunlungen vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen koittrollierte, wurde er plötzlich von hinten an gef al I en und mit einem Schlagring niedergeschlagen. Schwer verletzt und bewußtlos mußte er aus dem Saale geschasst werden. Der Täter ist in dem in der Versammlung entstandenen Tumult unerkannt verschwunden. In der Nacht vom 29. zum 30. März geriet vor Kiel daZ Torpedoboot „S. 121" bei den Angrisfsübungen des als Zielschiff dienenden und bei der Hochseeflotte als Tender verweis betör kleinen Kreuzers „Heia" vor das Bug. Bei dem Zusammenstoß erhielt „S. 121" in der hinteren Hälfte btä Bootes ein Loch. „Heia" beschädigte sich die Ramme. „S. 121'z ging in die Werst. Verletzt wurde niemand. „Hela" wird nach kurzer Ausbesserung wieder fahrbereit sein. Ein au5 dem Jrreuhause als ungefährlich eittlassen.es 26jäbr. Mädchen, das in der Nähe von Mauriac wohnte, geriet mit feiner Großmutter in einen heftigen Streit, in dessen Verlauf, sie die alle Frau zu Boden warf und würgte; mit einem Küchen- mcsfer schnitt die Wahnsinnige der alten Frau die Zunge ah^ Der Zustand der 72 Jahre alten Frau ist hoffnungslos. Bei einem Automobilausflug der Familie Edmund R 0 st a ndS verunglückte in der Nähe von Biarritz des Fahrzeug. Ein Sohn Rostands wurde mir leicht verletzt, während die übrigens Insassen mit dem bloßen Schrecken davonkamen. läßt sich beim Gebrauch von Scotts Emulsion bald feststellen, eine ganz besonders in der Genesungszeit, bei Abmagerung oder gestörtem Wohlbefinden wünschenswerte Wirkung. Erwachsene jeden Alters tun daher gut, in solchen Zeiten den Körper durch den Gebrauch von Scotts Emulsion zur Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit wieder aufzufrischen und zu kräftigen. 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Händlerschweine sind aus- geschlossen. _______________________________________________________ Eine Gewichtszunahme die allgemeine geistige Entwicklung gesunden, mußte die Beibehaltung der altfränkischen Kleider der Väter zu einem Widersinn werden. So besteht denn schon heute in weiten Gebieten des Deutschen Reiches eine Volkstracht im eigentlichen Sinne nicht mehr. Sic hat sich nur noch in einigen Gegenden erhalten, vor allem in Hessen, im Schwarzwaü), dem Spreewald, in Oberbayern und Tirol. Einzelne Trachteninseln ragen ans weiten Landgebieten, in denen auch ber Bauer schon unsere moderne Tracht angelegt hat, hervor, so auf Rügen, in Hinterpommern, in der Lausitz, in Mtenbnrg, im bayrischen Franken und im Elsaß. Das Voll sagt sich instinktiv los von der Tracht der Ahnen, weil sie ihm als ein trauriges Wahrzeichen seiner eigenen Mck- srändigkeit erscheint, und die Begeisterung, die die Städter für die alten Kostüme an den Tag legen, trägt nur dazu bei, sie dem Bauern innerlich immer mehr und mehr zu entfremden. Symptomatisch ist dafür eine Geschichte, die ein Trachtenforscher von der tschechischen Tracht in der Täufer Gegend berichtet: „Ich habe gehört, daß chodische Männer, denen man ihre Tracht lobte, ihnen sagte, sie mögen sie beibehalten, schätzen und in Ehren halten, sich äußerten: Ihr Herrenleute wollt, dnß wir ewig die dummen Bauern bleiben. Was Ihr anzieht, können wir auch tragen. Kleiden sich die Städter in Volkstracht, um derjelbeu Schätzung zu erweisen, so sagen manche Bauern: Seht Ihr, man macht sich aus uns einen Narren." Neben diesem allmählichen Schwinden der bäuerlichen, in sicl) abgeschlossenen Eigenart und des bäuerlichen Selbstgefühls sind es Ursachen mehr lokaler Art, die das Aussterben alter Trachten bewirken. Tie Herstellung einzelner Trachtenstücke wird nicht selten ängsllick) als Geheimnis gehütet, und mit dem letzten Kenner, der letzten Kennerin dieser Kunstfertigkeit sinkt ein solcher Teil des Kostüms für immer dahin. So war z. B. in einer Gegend des Schwarzwalds nur eine einzige Person imstande, die dort üblichen Bollenhüte anzuferttgen, und alle Versuche, sie dazu zn bewegen, eine Schülerin in ihre Wnste cinzuweihen, scheiterten an der Furcht vor der drohenden Konkurrenz. Aber der alte Spruch: „Sclbstges von neu, selbst gemacht. ist die beste Baueruiracht" verliert überl>anvt immer mehr an Geltung. Das Spinnen und Weben zu Hause ist der leistungsfähigeren Maschine unterlegen; die billige Fabrir- ware siegt über das selbstverfertigte Kleid. Der Hausierer bringt wohlfeile Dutzendsachen ins Haus, und seine bunten Tücher, seine Bänder und Modestoffe verdrängen den Schmuck, den noch die Großmutter mit fleißigen Händen sich selbst zu schaffen wußte. Schon Moser hat im 18. Jahrhundert in seinen von Goethe gepriesenen „Patriotischen Phantasien" gellagt, daß die „Packenträger" die guten, einfachen Sitten des Landvolkes auch in der Kleidungsweise verdürben. Diese danials in den Anfängen begriffene Entwicklung ist heute im wesentlichen vollendet: an die Stelle des kleidsamen „Stülpchens" ist das bunte Kopftuch, an die Stelle des Mieders die städtische Bluse getreten. Wie sich das Schwinden der Volkstracht allmählich voll-- zieht, erläutert der Verfasser an einem Vorgang in seinem heimischen B^iri, dem Kreise Biedenkopf. Die hier ursprünglich herrschende Tracht ist die hessische oder Marburger. In einem gewissen Zeitpunkt wurde es aber Mode, dir Haartracht zit ändern. Während bis dahin das Haar nach oben gekämmt war und die Zöpfe auf dem Scheitel in einem fuge nannten „Schnarz" zusammcngelegt wurden, trug man nun das Haar in der Mitte gescheitelt und die Zöpfe am Hinterkopf aufgesteckt. Infolgedessen konnte das kleidsame, aufrecht stehende Mitzchen („Stülpchen") nicht mehr getragen werden. An seine Stelle trat ein einfaches Kopftuch, und bahiit war schon die ganze'Erscheinung vollständig verändert. Nun ging die Umbildung langsam weiter. Die Röcke wurdet: zunächst in bei- Sonn tagsklcidung verlängert, bie Jacke änberte ihr Aussehen unb würbe schließlich zur stäbtifchen Bluse. Die zunächst so geringfiigige Umformung ber Haartracht hatte also bas Verschwinden der Volkstracht zur Folge gehabt. In anderen Fällen brechen die Bauern raiutal mit ber Bolksrtacht unb legen Mobekleidung jin; Reste erhalten sich bann noch in ber Trauer tracht ober ber Abenbrnahlsklcibung ober in einzelnen Meibungsstücken. Franko-Lieferung nach auswärts! 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