Mittwoch, 1. Februar 1911 10L Jahrgang konnte uns die Zustimmung t l'chen Regierungsvorlage aUti Hotantm«»Twd ** «erta« W» UlOU]Uät* - ent ^irinbtuduft K •*B« Rebaftten ErvedMo» enl t*vucfrrei Uroy, 1. ErpeviNoi» anfc ßerloQ fcHN bL SU£>afrujru «eäflw 111 ieL-tlbu tbyemeritiuBt* Die Sozialdemokratie Hot fick die Arbeit sehr le,LI gemacht Sie hat sich jeder praktischen Arbeit enthalten. Dir haben uns bemüht, die Vorlage so zu gestalten, daß in der Tat der unverdiente Wertzuwachs getroffen wird. Als die Vorlage kam, schien es einen Augenblick, als ob Nr. 27 Grfch«« Mg9ch eB Mnsnahm» M EjiiMt.Hl. ^Oietzene» LaustlieudlStter^ eett>e» dem Ln-etger^ rtennal »Lchentstch bttgdegt. da» JkeUbleO flb *» Krtb «leftt«* tnxxmM M-cdknst,ch f)te ^QmbwMIchastltch«, Vfr Hegel* «stchewe» «wiaUu» n»«m«L Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberheffen für verpflichtet halten, wenn das Gesetz obgefertigt wird, ihnen die Beträge zuzuwenden, die im (Etat für sie in AuS sicht genommen sind. Eine Abhängigkeit dieser 8 u • wenvungen vom Ertrag des Gesetzes tritt n i d)t € i n. (Lebhafte Zustimmung.) Dafür sind die verbündeten Regierungen verantwortlich. Aber Sie müssen erwägen, ob nicht durch weitere Abschwächungen der ganze Zweck des Gesetzes gefährdet wird. Vorläufig kann ich noch nicht behaupten, daß diese Grenze überschritten ist. Auch Sie haben alle« Jnteress- daran, das Gesetz wirksam zu gestalten. Ohne eine Erledigung dieses Gesetzes in diesem Sinne kann unsere Finanzppolitik nicht in der bisherigen Weise fortgeführt werden. Abg Dr Weber (Natl.): Da wir doch eine Mebrhei t imHause finden müssen, konnte uns die Zustimmung der Sozialdemokraten zur ursprünglichen Regierungsvorlage allein nicht genügen. UebrigenS fürchte ich. daß auch nicht alle Sozialdemokraten für die Vorlage gestimmt hätten, denn in der „Leipziger Volkszeitung", die doch auch sozial- Wachssteuer. Abg. Trimborn (Zentr.) hat mehrere Anträge zugunsten der KestungSstädte eingebracht. ES findet zunächst eine GeueraldiSkussion statt. Abg. Dr. Jäger (Zentr.): Wir begrüßen mit Genugtuung, daß nach der mühevollen zweiten Lesung eine Verständigung über bie wesentlichen Punkte zustande gekommen ist. (Beifall.) Abg. Dr. Arendt (Sfoj: Der Behauptung, daß eine gründliche Beratung stattgefunden habe, muß ich entschieden widersprechen. Im Gegenteil von An- fang an war d i e g r ö ß t e E i l e. Man stand namentlich in erster Lesung in der Kommission unter dem starken Eindruck, daß bot Gesetz unter allen Umständen noch vor der Vertagung fertig, gestellt werden mühte; es wurde einem geradezu verübelt, wenn man das Wort nahm. Bei der zweiten Lesung hier im Plenum wareinederartigeVerwirrung, daß man zum Schluß überhaupt gar nicht mehr wußte, worüber man ab- stimmte Tas finanzielle Ergebnis wird eine große Ent- 1 ä u s ch u n g bringen. Die Beseitigung der rückwirkenden Kraft auf einen Teil deS Jahres 1910 bedeutet einen weiteren Ausfall von 10 Millionen. Erst in später Zukunft wird vielleicht ein Ertrag aus dieser Steuer blühen. Für diese ferne Zeit brauchen wir aber keine Vorsorge zu treffen. DaS wird auch Nicht der Herr Sä-atzsekrctär behaupten wollen, der ja jetzt immer in sehr geistreicher Weise sich gegen mich wendet. ES ist mir unmöglich, diesem Gesetze zuzustimmen. Denn es ist ein Gesetz zur Abwehr einer richtigen Kommunalbesteuerung gegen die Bodenspekulation. Die ganze Steuer ist ein Lufthieb ohne jegliche Wirkung. Ab?. Dr. Südekum (Soz.): Als ich den Kompromißantrag zum ersten Male erblickte, traute ich meinen Augen nicht. Ties Kompromiß ist vom Standpunkt der Linken ein leonidischer Vertrag. Der Löwenanteil des Vorteils liegt natürlich auf feiten der Rechten. Die Freisinnigen haben fluchtartig die alten Fahnen verlassen und schließen sich dem schwarzblauen Steuerblocke an, weil ihnen die Courage zu einer glänzenden Einsamkeit fehlt. Herr Cuno bringt das Opfer seiner persönlichen Intelligenz, offenbar weil eß ihm graust, allein gegen ein Gesetz zu stimmen, dessen Schwächen und S 1 ä d t e f e i n d l i ch k e i t er genau so gut kennt wie wir. Jetzt fehlt nur noch die Steuerfreiheit der Fürsten, bann hat die Rechte alles erreicht. Warten wir ab! Jedenfalls werden wir mehrere Anträge auf namentliche Abstim- m u n g e n stellen. Die Herren, denen die funkelnagelneuen Orden als gänzlich unverdienter Wertzuwachs auf der Brust glänzen, können dann ihre Dankbarkeit bezeigen. Diejenigen, die bisher leer auSgingen, können sich in empfehlende Erinnerung bringen. Der Kompromißantrag bringt nckue Ermäßigungen, neue Ausnahmen, neue Vergünstigungen. Wird mit ihm das Gesetz weiter verschlechtert, so werden wir gegen die ganze Vorlage stimmen. Wir hatten den Grundgedanken freudig begrüßt. Die Re- gierungSvorlage war zwar kein Meisterstück, aber brauchbar. Man bat einen politischen Entwurf daraus gemacht, einen Schutzschild für die Blauschwarzen. Nachdem Herr Wermuth aus Versehen Schatzsekretär geworden war, hat er viel und rasch gelernt, aber leider hat er sich ganz in den Dienst des Steuerblocks gestellt. Wozu soll der geringe Ertrag dienen? Für militärische Bedürf- nisse. Die Militärmusik auf der einen Seite und die wehmütige Drehorgel deö Veteranen Abg Dr. Sudekum (Soz.): Die Rechte braucht dieses Gesetz als Entschuldigung für die von ihr ins Werk gesetzte Reichsfinanzreform. Dieses Gesetz bringt eine Besitzsteuer in Gänsefüßchen. Daß die Konservativen für daS Steuergesetz stimmen, macht eS vor vornherein verdächtig. Damit schließt die GeneraldiSknüton. Die 58 1 bis 9 bleiben unverändert. Beim '8 10 begründet Abg. Trimborn (Ztr.) seinen Antrag zugunsten der F e st u n g S st ä d t e. Schatzsekretär Wermuth lehnt den Antrag ab, ist aber mit dem die gleiche Frage behandelnden Kompromißantrage zu § 12 einverstanden. . Dieser Kompromißantrag wird unter Ablehnung des Antrages Trimborn angenommen. Danach wird bei Grundstücken in FestungSrahonS, denen keine Ravonenlschädigung gewährt wurde, die durch Einführung der Rayonbeschränkung verursachte Wertverminderung hinzugereckmet. Die §§ 11 bis 15 werden nach den Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. Als § 15a schlägt der Kompromißantrag vor, daß dem Veräußerungspreis Entschädigungen für eine Wertverminderung des Grundstücks nach dem 1. Januar 1911 hinzu- gerechnet werden. ... _ Abg. Dr. Potthoff (Vp.) bemängelt, daß daS Wort „ E r - werbspreiS" an verschiedenen Stellen deS Gesetzes in verschiedenem Sinne angewendet sei. Abg Graf Westarp (Kons.) bestreitet die Inkongruenz. Er- werbspreiS im Sinne des Gesetzes ist die ausgemachte Summe mit den An- und Abrechnungen, die der Art des Geschäftes ent- sprechen. § 15 a wird angenommen. 10—19 bleiben unverändert. Im § 20 wird nach dem K o m p r o m i ß a n t r a g der Absatz 2 dahin gefaßt, daß die Steuerermäßigung für iedes vollendete Jahr des für die Steuerberechnung maßgebenden Zeitraumes e i n Prozent beträgt; ist das Grundstück vor dem 1. Januar 1900 erworben so beträgt die Ermäßigung für bie Zeit bis zum 1. Januar 1911 1^6 Prozent jährlich (In bet Regierungsvorlage war es durchweg ein, nach den Beschlüffen zweiter Lesung 1% Prozent.) § 21 bleibt unverändert. Die Steuerfreiheit b e 6 Landesfürsten. Zu tz 22 beantragt Abg. v. Normann (Kons.) u. Gen., bie Steuerfreiheit des Lanbesfürsten unb der Landesfürstin, bie in zweiter Lesung gestrichen war. wieder herzu- stellen. „ „ Reick>ssck>oßserrl>far Wermuth: Ich bitte, dem Anträge Normann zuzustimmen. Sie verlangen, daß wir als Ihre Motive baS annehmen, waS Sie angeben. Gewähren Sie unS das gleiche Recht. Ich erkläre nochmals nachdrücklich ohne jede Einschränkung, baß für bie Haltung bet Verbündeten Regierungen keinerlei vermögensrechtliche Interessen der Fürsten in Betracht kommen, sondern ausschließlich verfassungS- unb staatsrechtliche Bedenken. Ich bitte, biefe Erwägungen, vor benen auch ber Steuerbebarf Halt machen muß, nochmals zu prüfen unb nicht bloß Gründe vorzu- bringen, die bloß imponieren sollen. Der Reichskanzler hat in der Zeit zw'ischeue der zweiten und dritten Lesung Gelegenheit ge. nommen, durch eingehende RechtSgutachten bie Sache noch weiter aufzuklären. Diese Gutachten haben bie Annahme bestätigt, daß die Landesfürsten dem Steuerrecht deS Reiches nicht unterstehen. Der Schatzsekretär zitiert ein Gutachten von Rönne. Die ständige Rechtsprechung der preußischen Gerichte folgt dieser Auffassung. Duck die englische Gesetzgebung bestimmt ausdrücklich die Steuerfreiheit des Landesfürsten. Wenn die Bundes- fürsten in ihren Staaten steuerfrei sind, steht es dem Reich nicht zu, diese? Vorrecht für das Reich zu beseitigen. Es wäre dies mit der Reichsverfassung unvereinbar. Wir stehen der Vorlage svmpathisch gegenüber unb sinb über bie schroffe Stellungnahme bet Sozialdemokraten sehr erstaunt. Die Behauptung beS Abg. Dr. Subekum, baß wir eS hier mit einem agrarischen Gesetz zu tun haben, ist unrichtig. Daß bie Sozialdemokratie gegen diese Besihsteuer stimmt, ist mir unfahlich. Wenn Sie den Grund unb Boden ver- staatlichen wollen, so mußten Sie sich auf ben Boden dwser Vorlage stellen. Mit ber Begrünbnng, baß Sie gegen baS Geietz stimmen, weil ber Ertrag für die HeerSvorlage verwendet werden soll, werden Sie draußen Fiasko machen, denn kein Arbeiter wird verstehen, daß aus diesem Grunde die Grundstücksspekulanten frei bleiben sollen. DaS Gesetz bringt eine Besitzsteuer im Be- trage von 40 Millionen. Abg. Cuno (Dv): _ _ die Wahlen direkt vor der Tür standen, so sehr legte man sich für eine Besteuerung ber Gewinne der Grundstücksspekulanten inS Zeug. Allmählich aber Iwß die Begeisterung nach a(5 man fand, daß auch mancher solide BürgerSmann recht gern einen Gewinn aus dem Umsatz von Grundstücken einsteckt. Man bat sich bemüht, b t e L and - wirtschaft schonend zu behandeln. Wir hatten daher die Pflicht, dafür zu sorgen, daß auch der städtische Grundbesitz schonend behandelt wird. Ich stehe nicht auf dem Standpunkt des Abg. Dr Südekum, der sagt: weil daS Gesetz nicht allen meinen Wünschen entspricht, lehne ich eS ab. Die Sozialdemo- fratie stellt sick nur deshalb auf ben ablehnenden Standpunkt weil sie sieht, daß die übrigen Parteien ernstlich bestrebt sind, das Gesetz zustande zu bringen Wenn wir die Umsatzsteuer und die WertzuwachSsteuer dauernd nebeneinander bestehen ließen, so würden wir Steuern auf Vorrat bewilligen. Der Reichstag sollte ben Gemeinden keine Vorschriften über die Höhe ber Zuschläge macken, sondern bie Beschlußfassung hierüber ben Stabt- berorbnetcnberfammlungen überlasten. demokratisch ist, konnte man lesen, daß die Regierung? vor- läge so schlecht mar, daß man meinen konnte, ein Militäranwärter hätte s i e verfaßt. (Große Heiterkeit.) Tie Behauptung, daß zwischen ländlichem unb städtischem Besitz im Gesetz so große Unterschiede gemacht werden, ist nicht richtig. Tie einzige Verschiedenheit, die sich auf die Anrechnungen bezieht, ist gar nicht aus landwirtschaftlichen Kreisen angeregt worden. Die Anregungen dazu, die im Zusammenhang mit einer Reihe von Anträgen gegeben wurden, haben sich ganz gleichmäßig er- streckt auf alle Interessentenkreise. Freilich habe ich mir häufig überlegt, ob durch die Anträge nicht die Grenze überschritten werde, bis zu welcher man gehen durfte. Aber man kann doch nicht ein fad) behaupten, daß das Gesetz in feiner fetzigen Gestalt wertlos ist, weil es nichts mehr einbringen werde. Hinsichtlich der Veteranen möchte ich nochmals betonen, daß wir uns Die DunbeSfürsten hätten bann nicht einmal baS gleiche Recht wie bie bei ihnen wirkenben Diplomaten anberer Staaten Wir tarnen durch bie Beseitigung der Steuerfreiheit zu Schwierigkeiten mit einzelnen B u n b e 8 it a a t e n, bie in feinem Verhältnis zu bem etwaigen Ertrag aus dieser Besteuerung deS Bunbesfürsten stehen. BesonberS bedeutungsvoll sind die Verhalt- niste in Baden. Wollte man dort den ganzen Tomänenbesiy alS Eigentum deS Landesfürsten ansehen, so würde Beiden sehr benachteiligt. weil man dann den ganzen Tomänenbefitz zur «teuer heranziehen könnte. Es mußte auch, wenn die Zivillifte nach Ver- äußerung eine« Grundstückes um die Steuer geringer wurde, bie Zivilliste um die gleiche Summe in bar erhöht werben, sodann bie Steuer ütstießlich bem Staat zur Last fiele. Verfchiedene Par- leien fürchten, bah bie Steuerfreiheit brr Fürsten agitatorisch au 6 g e b e u t c t werben wirb DaS kann nur burch einen Mißbrauch geschehen, dem wir mit aller Energie entgegen treten würben. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Neumann Hofer (Dv.): Tie staatsrechtlichen Ausführungen beS SchatzsekretärS waren — entfdiulbigcn Sie — recht schwach unb wenig wirkungsvoll. Unsere Grünbe, bie Fürsten zu besteuern, wiegen schwerer. ES väre ein staatsrechtlicher Fehler, wenn wir bie Landes. Herren befreien wollten Sie mästen ja auch alle anberen in. direkten Steuern bezahlen, wie Brau-, Brenn- und Huckerfteuer, den Schlußicheinftempel ufw. Sollen wir alle bisherigen ftaat». rechtlichen Grundsätze verletzen? Dazu darf sich der Reichstag nicht hergeben. (Beifall liniS.) Abg. Möhre (Soz.): Rechtsgutachten sind wohlfeil wie Brombeeren. Damit kann uns der Schatzsekretär nicht kommen. Die Landesfürsten hatten am besten getan, wenn sie offen erklärt hätten, daß sie freiwillig auf eine Ausnahmestellung verzichten. Die Zentrumsarbeiter werden es dem Zentrum nicht vergesten, daß es auch jetzt wieder die Vvlksinteresten opfert. Dasselbe gilt auch von den Polen, wenn sie sich wirklich breit- schlagen lasten sollten. Abg. Dr. Weber (Natl): Der überwiegende Teil meiner Fraktion wird ebenso wie in der zweiten Lesung gegen bie Steuerbefreiung stimmenI (Beifall links.) Der Schahsekretär hat uns nicht über« zeugt. Schwierigkeiten, bie sich in einzelnen Bundesstaaten er« i geben sollten, können leicht durch Landesgeseh geregelt werden. 1 Für und handelt es sich vor allen Dingen um den freien Besitz der Landesfürsten, über den sie frei verfügen können. Den bei ' einem Kauf erworbenen Wertzuwachs kann der Fürst frei tiet- 1 wenden und neu anlegen. Darum soll dieser Besitz auch besteuert ■ werden. Die Gegengründe des SchatzsekretärS waren nicht stich- ' haltig. Nun hat die «Deutsche Tageszeitung" erklärt, • die Abgeordneten, die gegen die Steuerbefreiung seien, hätten eine auf ber anderen Seite, das gibt einen ärgerlichen Klang. Von Cuno bis zu Westarp werden neue Abschwächungsanträge gestellt, und die Veteranen sollen wieder leer ausgehen. Das ist ein ganz verhunztes, durch nichts zu rechtfertigendes Gesetz. Könige, Fürsten, Grafen, Barone lasten sich die Millionen wohlschmecken, Herr Sydow nannte das Branntweinsteuergesetz in einer offenen Stunde ein Fürsorgegesetz. Diese Fürsorgezöglinge sacken sich die Taschen voll, die Veteranen aber speist man mit Redensarten ab. Mit großer Meisterschaft hat es die Rechte verstanden, die Großgrundbesitzer völlig steuerfrei zu machen. Reickisschatzsekretär Wermuth: gewisse antimonarchäsche Gesinnung gezeigt. DaS möchte ich auf daS allerentschiedenste zurückweisen, (Lebh. Beifall links.) Gerade diejenigen, die gegen die Steuerbefreiung sind, haben wohl ein besseres monarchisches Gefühl als der Chefredakteur einer Tageszeitung die schon manches Unheil in unserem Volke angerichtet hat. (Beifall links.) Abg. Tove (Vv.): Mich wundert nur, daß man nicht auch heute den preußischen Finanzminister und den Staatssekretär bei Reichsjustizamtes herbeigeholt bat. Der Schatzsekretär stützt sich auf landesrechtliche Verhältnisse. 7ie sollten aber endlich geregelt werden. Das Volk versteht solche Ausnahmen nicht. Halten Sie am Beschlüsse zweiter Äsung fest. (Beifall links.) Reichsschatzsekretär Wermuth: Ein großer Teil von bem, was ich hier vorgebracht habe« stammt wörtlich aus einem Gutachten deS Staatssekretärs Dr. Cisco. (Heiterkeit unb hört, hört.) Ich vermisse eine Wiber- lcgung meiner Ausführungen. Niemanb hat erklärt, wie es benn kommt, baß in England eine Ausnahme besteht. (Heiterkeit und Hört, hört!) Wir brauchen uns nicht auf Haarspaltereien einzw- lassen, aber es liegt doch auf ber ßanb, baß bie Sphäre des Bunbesfürsten sich nicht erschöpft in dem beweglichen Eigentum, das er besitzt, sondern daß sie untrennbar verbunden ist mit den Grundstücken. EL wäre der größte Fehler, diese historische Ent« stehung der Fürstenhäuser nicht zu berücksichtigen. Sie wollen daS aber mit einem Federstrich tun. Sie würden durch einen Beschluß dieser Art eine sehr schwere Verantwortung übernehmen. Ich erkläre ausdrücklich, daß dadurch Verhältnisse und Schwierigkeiten geschaffen würden, die sich gar nicht übersehen lasten. Ein solcher Beschluß ist bu n d e s r e ch t l i ch gar nicht durchführbar. (Beifall rechts. Widerspruch links.) Abg. Dr. Junck (Notl.): Ich halte es für meine Pflicht, biefe Ausführungen zurück- ruweisen. Für uns kommt nur die ReichSverfastung in Be- eracht. (Beifall links.« Die englischen Verhältniste sind nicht maßgebend. Die Gutachten, die uns leider nicht amtlich bekannt geworden sind, kommen mir sehr auffällig vor. Der Grund- satz, die Bundesfürsten in ihrem Lande nicht zur Steuer heranzu« ziehen, ist längst durchbrochen worden. Die ReichSverfastung steht der Besteuerung nicht entgegen. Welche Best mmung der ReichSverfastung widerspricht bet Besteuerung der Bundesfürsten? Ich bitte, sie mir zu nennen. Mit dem Hinweis auf den Geist deS Gesetzes kann man nicht Bestimmungen hineininterpretieren, von denen man möchte, daß sie darin stehen (Beifall links). Wir wissen ja noch gar nicht amtlich, tote der Bundesrat s i ch zu der Frage st e l lt Der Schatzsekretär hat vor der agitatorischen Ausnutzung der Frage gewarnt. TaS war unnötig. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn der Schatzsekretär mit seinen Kollegen seine Politik, die er hier vertritt, auch in der Agitation im Lande vertreten würde. (Heiterkeit und Beifall links.) In namentlicher Abstimm n ng wird der Antrag Nor- mann mit 166 gegen 138 Stimmen bei 17 Enthaltungen angenommen. Dafür stimmen die Konservativen, die Reichs« Partei, das Zentrum und von den Nationalliberalen die Abgg. Pansche. Beck (Heidelberg). Everling b. Schubert, Vogel, Wölzl und Hagemann. Die Polen enthalten sich mit blauen Zetteln der Stimme. Die Steuerfreiheit her LandeSfürfien ist also wieder hergestellt. Abg. Dr. Neumann Hofer (Vv.) beantragt einen neuen Zusatz au § 22, wonach durch LandeSgesetz Ausnahmen von der Steuerfreiheit der Landesfürsten zugunsten der Gemeinden gemacht werden können. Wo solche landesgesehliche Bestimmungen bereits bestehen, behält es dabei sein Bewenden. Der Antrag wird fast einstimmig angenommen unb mit ihm der ganze § 22. Weiterberatung: Mittwoch 12 Uhr, außerdem Pelt i t ione n. Schluß 6% Uhr. mb. Deutscher Reichstag. • 118. Sitzung, Dienstag, den 3L Januar. Am Tische be8 Bundesrats Wermuth, Kühn. Präsident Graf Schwerin-Löwitz «öffnet bie Sitzung um 1 Uhr 1° Win. mit taubem * a *tuj• Ich erhalle soeben die traurige Nachricht, daß einer unserer ältesten Mitglieder, der Abg. Singer, heute mittag gestorben fft. er lat bem Reich-Iage feit 1884, atfo feit 27 Jahren, -maehgrt. Sie haben sich zum Gedächtnis des Verstorbenen von den Platzen erhoben; ich stelle baS fest. Die dritte Ueiung des Zuwadisifeuergeiefzes. Zur dritten Beratung liegt ein von allen Parteien mit AuS. nähme der Polen und Sozialdemokraten unterzeichneter Ko m - promihantrag Graf Westarp vor, der über eine Reihe der hauptsächlich strittigen Punkte Vereinbarungen trifft Außerdem beantragen die Konservativen in einem A n« trage von Normann wiederum die Befreiuna des L a n d e S f ü r st e n und der L a n d e S f ü r st i n von der Zu- Der wirtlen das Mehr ( + ) bezw. Weniger ( —) gegenüber Roggen (— ( (- (4- (— (■ (-17=) Gedenket der hungernden Vögel! ) l— ) Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 2^4.25 3-eßott maoRt^o! (- (- 200 201 194 196 193 199 200 (- (+ ( + (- s t- (- 1) 1) 1) ) 1) 3) ) ) ) 198 (— 198 (— 200 (— ) ) 1) 5) 4) 4) 1) 1) 1) 1) 1) 3) 1) 2) 2) 1) Klammern () Königsberg Danzig Stettin Voten Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig Dressen 196 193 2o0 199 19 i 202 205 215 (- ) 215 (4-2% > 226 (- ') der Vorwoche in Haler lolgt: 143' 147 145 142 144 149 148 152 151 152 155 150 152 150 173 171 170 167 164 172 154 170 175 170 153 165 165 16- 168 Braunschweig Rostock Kiel Hainbnrg Hannover Dilsjeloor» Frank'nn a.M. wlaniibeim Sliittgart München - UtzAtz. ■ der Billigkeit von VTK-a M&lb / ^rtiwr6 Melzksstk ist das ersparte Geld, ^as man am Ende des Jahres im Beutel hat, wenn man täglich Kathreiners Malzkaffee trinkt. — Das ist irr diesen teuren Zeiten von größter Wichtigkeit! 151 142 118 154 152'/, 154 162'/, 162% 167% 170 - ) <+ 2) Dcrtnijcbfe». • Verw endung von Aluminium als Mü nz- metall. Die französische Negierung geht mit der Absicht um. Scheidemünzen aus Aluminium herzustellen. Man ist letzt auf der Luche nach einer passenden Legierung, da man sowohl das reine Aluminium wie auch die bis jetzt bekannten brauchbaren Legierungen für zu leicht hält. Ein triftiger Grund dürfte das übrigens nicht sein. Jin Gegenteil die große Leichtigkeit, die sich wesentlich ron der des Goldes und Silber unterscheidet, macht es möglich, den Stücken die Giöße des Silbergeldcs zu geben, ohne daß die Gefahr einer Verwechslung vor liegt. „ * D.i e Gesamtbevölkerung des britischen Weltreichs beläuft sich auf 343 748 000 Personen. Im Jahre 1891 betrug die Gesamtzahl 307 474 000. Mit dem raschen Wachstum der Bevölkerung halt die Tätigkeit der Post gleichen Schritt. Während des Wahres 1909 betrug die Anzahl der von 18 399 indischen Postämtern bestellten Briefe und Postkarten 767 922 723, der Zeitungen, Buck-patele inib ivnsrigen Zirkulare 101 192 285, außerdem wurden noch 6 140 819 Pakete uns 13 244 097 Telegramm, bcltent Zn Australien betrug die Anzahl der bestellten Briefe mr denielben Zeitraum 372 501313, Zeckungen usw. 201 839 873, Pakete 2 917 464, Telegramme 13 890 277, beigefügt ist, tote Weizen Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschastsrats vom 14. bis 30. Januar 1911. Die abgelaufene Berichtswoche brachte dem Getreidegeschäft keine bemerkenswerte Aenderung. Die amerikanischen Kursschwankungen fanden wenig Beachtung. 'Argentinien hat diesmal etwas mehr exportiert, aber infolge eingeschränkter Leistungen seitens Rußlands und der Donau behielt der Weltexport immerbut mäßigen Umfang. Die argentinischen Forderungen lauteten raubet etwas niedriger, dagegen zeigte Rußland kein Entgegenkommen, trotzdem die besseren Transvortverhältnisse größere Zufuhr ermöglichten. In den Bedarfsländern bestand auch diesmal wenig Unternehmungslust. Für Deutschland fiel besonders der Umstand ins Gewicht, daß Frankreich mit feinen Anschaffungen vorsichtiger geworden ist, so daß von neuem Export diesmal wenig zu hören war. Die Nachfrage seitens des Inlandes hielt sich in bescheidenen Grenzen, aber auch das Angebot, namentlich in feinen Qualitäten, hatte nur geringen Umfang. Immerhin mußten sich Käufer hier und da mit etwas ermäßigten Preisen abfinden. Im Lieferungsgeschäft verlor Weizen bei stillem Verkehr I1/2 bis 1% Mark. Im Gegensatz zu Weizen hatte Roggen sehr feste Tendenz, da sich für diesen Artikel sowohl im Jnlande als auch an der Küste ziemlich gute Kauflust zeigt, während die Provinz ihre Forderungen^ hoch hält. Infolge des Mangels an guten Qualitäten findet russischer Roggen andauernd Beachtung, und es haben auch in der Bertchtswoche wieder größere Geschäfte darin stattgefunden. Im Lieferungsgeschäft stellte sich Roggen um Vr bis 1 Mark höher als vor 8 Tagen. Hafer erfreut sich int Jnlande guter Nachfrage, die sich aber meist mehr aut 'Die spärlich offerierten feinen Qual täten erstrebt. In Berlin gestaltet sich das Hafcrgeschäst infolge unlohnender Konsumpreise fajraierig. Für die etwa % bis 3/4 Mark betragende Besserung der Lieferungspreise war in der Hauptsache die Festigkeit der russischen Offerten maßgebend. Russische Gerste war infolge umfangreicher Deckungen namentlich für nahe Ware sehr fest. Vcnis war trotz ungünstiger argentin scher Ernteaussichten von Amerika und Rußland zu wenig veränderten Preisen am Markte. Es stellten lieb die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark vro 1000 kß- je nach Qualität, wobei (- 1.75), Bi,daveil 'Avril 194.75 (4- 1.9 ); Paris Jan. 221. 0 (- 1.35); stiverpol Marz 159 15 (— 00.65) Chicago Ala, 150.05 (— 2.70). Roggen: Berlin Mai 157.00 (-{- O.öU). Hafer: Bersin Mai 155.50 (+ 0.50) Alk. ,. Mgstliä Migutig zivis Mlreich jonbe , >ris,l. M kündigt Mhung Suii' ,ie Iffjtti, rat Stylen m Die m W meyr 5^4 jt“?' 1. V- °<°n her < k S einem i, 8en)ijjeUnnlcu “ui unb b-?elde > *<%e di! (ßcricbtsiaaL FC. Wiesbaden, 30. Jan. Der Polizeihund als Hauptbeweis. In der Nacht vom 17./18. Oktober v. Js. wurden in den Anlagen auf der Kaiserstraße in Wiesbaden sechs Mnsa- und vier Lorbeerpyramiden im Werte von ungefähr 400 Mark um gefügt. Die Polizei setzte auf die Spur des Täters den Polizeihund Luchs, der schon verschiedentlich Proben seines Könnens abgelegt hatte. Dieser nahm sofort Witterung und verfolgte die Spur durch die August-Wilhelm-, Goethe-, Herder- straße, Luxemburgplatz nach der Riehlstraße, vor dem Hause Nr. 22 machte er Halt und lief, als ein Postbote die Tüt öffnete, schnur- tracks in dasselbe. Vor einer Tür im vierten Stock verbellte« er die Spur. Der Schutzmann Huse, der kaum dem Hunde zu olgen vermochte, stellte fest, daß in der Wohnung der Hausbursche Philipp Schiller domilizierte. Schiller wat nicht zu Hause, nur eine Frau. Diese sagte, daß ihr Mann in der vergangenen Nacht daheim gewesen. Eine von dem Schutzmann eingehend vorgenommene Untersuchung fn der Wohnung nach einer Säge ober sonstigem Handwerkszeug war ergebnislos. Ermittelungen ergaben, daß Schiller früher in städtischen Diensten als Gartenarbeiter gestanden unb am 20. August v. Js. den Dienst verlassen mußte, weil er kurz vorher zwei Fuchsienstöcke aus den Anlagen am Gutenbergplatz entwendet hatte und dafür am 27. September 0. Js. vom Wiesbadener Schöffengericht mit sechs Mark Geld- trafe belegt worden war. Infolge der Arbeit des Hundes wurde Anklage gegen Schiller wegen SachbesflKdigung erhoben und heute hatte sich die Strafkammer mit dem Falle zu beschäftigen. Schiller bestritt die Tat begangen zu haben. Er gab an, zu der fraglich n Seit zu Hause unb überhaupt nicht im Stande gewesen zu sein, in der angegebenen Zeit eine Säge zu führen, da er von einer schweren Lymphgefäßentzundung an beiden Händen befallen. Durch zwei Zeugen wurde jedoch festgestellt, daß Schiller an dem fraglichen Abend um 10% Uhr das Haus, in dem er wohnte, verlass n habe und der ärztliche Sachverständige erklärte, daß die Krankheit, an der Schiller an den Händen gelitten, ihn doch in der redestehenden Zeit befähigt habe, Arbeiten mit der Säge und dergleichen vorzunehmen. Das Gericht verurteilte Schiller zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten. Es führte aus, daß, wenn der Beweis auch nur durch Indizien geführt, ei dieser doch völlig lückenlos. Vor allem habe der Hund die Spur des Täters in so staunenswerter Weise ausgenommen und bis vor die Tür der Wohnung des AngeÜagten verfolgt, daß es keinem Zweifel unterliege, daß Schiller allein als Täter in Betracht kommen Auch habe der Angeklagte ein Motiv zu der Tat gehabt. Die Anlagen müßten vor solchem Frevel bewahrt bleiben, der, wenn er begangen, nicht hart genug geahndet werden könne. — Bemerkt sei, daß Schiller heute wegen Dicb- tahls von Linoleum im Werte von über 100 Mark vorher in eine Gefängnisstrafe von einem Jahr genommen worden war und daß die beiden Strafen in eine Gesamtgefängnisstrafe von zwei Jahren zusammengezogen worden waren. WRI ANW man empfindlich. Rasch ist eine Erkaltung da und die Stimme ist öfter belegt und heiser als frei. Das lästige Gefühl der belegten Stimme vergebt, sobald man ein paar Wybert - Tabletten zu sich nimmt, die immer zur Hand sein 1 o , müssen und in allen Apotheken iß] ark pro Schach el kosten. Bei Erkältung lindern sie den Hustenreiz und br .gen den Katarrh schnell'zum Schwinden. Depot in tiies ,en: Pelikan-Apotheke, Kreuz 2. [ss®/8 Attr Stadt «nd Land. Gießen, 1. Februar 1911. ** Ordensange legen Helt. Der Großherzog hat dem Vorsitzenden des Vorstandes der Landesversicherungsanstalt Großherz-ogtum Hessen, Geh. Regierungsrat Dr. Dietz in Darmstadt die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des chm von dem König von Preußen verliehenen Rvten «Adler-Ordens 3. Klasse erteilt. — Der König von Preußen hat aus Anlaß seines Geburtstages die Rote Kreuz-Medaille 3. Klasse dem Vorsteher des städtischen Armenamts Heinrich Holzem er in Offenbach, dem praktischen Arzt Dr. med. Theodor Raiser in Worms und dem Hauptmann der Reserve, Rentner Hch. Wilh. Wa l- lau in Mainz, verliehen. ** Tuberkulose-Museum. Vom 6. bis 22. Jan 1911 war das hessische Wander-Tuberkulose-Museum in Kassel ausgestellt und von insgesamt 11000 Personen besucht worden. Die Ausstellung erfolgte aus Veranlassung des dortigen Vereins zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr. Sie fand in allen Schichten der Bevölkerung ungeteilten Beifall. Besondere Anerkennung und Dank gebührt der Kasseler Aerzteschaft, die cs fertig brachte, daß 33 volkstümliche Vorträge über alle möglichen, die Tuberkulose und verwandte Erscheinungen betreffende Fragen gehalten wurden, die ganz besonders gut besucht waren. Es ist kein Zweifel, daß die Ausstellung ihren Zweck, zur Aufklärung der Bevölkerung hinsichtlich des Wesens der Tuberkulose beizutragen, in hervorragender Weise erfüllt hat. ** Dvette Guilbert mit der <5 0 c i e t e d e C 0 n - certs d'Autrefois am 11. Februar in der Aula. Man schreibt uns: Während man schon immer für den hohen Wert alter Bilder und klassischer Statuen ein Verständnis hatte, während alte Bilder, Stiche, Nippsachen usw. mit Eifer gesammelt wurden, hatte man vor der alten Musik eine Art respektvoller Scheu. Die großen Werke Bachs und Haendels, von Chor- und Orchestermassen vorgetragen, sprachen zwar für sich selbst durch ihre überwältigende Wucht, aber die etwas kleineren Nebengötter jener großen Periode hielt man für verstaubt unb abgetan. Vollends heute, wo nur ein übergroßes Orchester die Menge interessiert, konnte man sich gar nicht vorstellen, daß die süßen Meister einer galanten Periode das Publikum fesseln könnten. Und doch wie wundervoll und überraschend war die Wiedererweckung jener so wunderbar harmonischen Musikepoche. Das Verdienst, die Komponisten des 18. Jahrhunderts neu belebt zu haben, gebührt vor allem Frankreich unb seinen feinfühligen Musikern. Nur Frankreich baut heutzutage noch Instrumente, bic den alten Klang überlegen, bennoch all jenen Reiz in sich bergen, den wir auf Frago- nards unb Lanerets Bilbem finden. Nur Frankreich bildet Virtuosen aus, die diesen schwer zu behandelnden Instrumenten süße Klänge zu entlocken vermögen. Unter den verschiedenen Gesellschaften zur Pflege alter Musik nimmt die Societs de Concerts d'Antrefois unstreitig einen der ersten Plätze ein. Jeder, der französische Orchester kennt, weiß, daß mit dem Klang der dortigen Holzbläser sich kein anderes Orchester messen kann. Unter den Pariser Künstlern nun ist Louis Fleury, Flötist, eine der bekanntesten Persönlichkeiten. Louis Bleuzet, Solo-Oboist her großen Oper in Paris unb der Konzerte des Konservatoriums, der in dem Ensemble die wunderbar weiche Hauibois d'Amour vertritt, ist ja heute wohl der beste Oboist Frankreichs. Ein merkwürdiger Virtuose auf dem dreisaitigen Kontrabaß ist Eduard Nanny. Ihnen schließen sich R. Michaux mit der Viola d'Amour — dieses Instrument ist als Vorläufer des modernsten Saloninstrumentes, der Violine besonders zu lieben, — als „Gambist", Beherrscher einer zahllosen Menge von in Quarten und Terzen gestimmter Saiten — Georges Desmonts — ebenbürtig an. Wenn die feinfühligen Künstler sich zu einem Werk von Grätry, Sachini, Couperin oder Mozart zusammentun, und über ihren weichen Tönen die Ar- peggien des von Frl. Marguerite Delcourt meisterlich beherrschten Clavecins ertönen — dann schließe man die Augen und träume sich an den Hof Ludwigs des XV. ** Der Kaufmännische Verein hält nächsten Samstag im Gare Leib sein Winterfest ab. Er bietet durch Engagement des Herrn Hans Fredy aus Berlin einen luftigen Abend Wer ist Hans Fredv? Tas ist nicht so leicht zu sagen. Er selber gibt seine Biographie knapp und bündig: Ich war bei der Gründung des Wolzogenschen Ueberbrettel dabei, bin Schau- scheler. kann Tenor fingen und ganz gut Klavier spielen. Und lern Programm! Gibts nicht! Oder doch, wenigstens ein Universalprogramm mit der Devise: Lachen ist gesund! Die Schalk- heit, der Spott, die Satire und der Humor sitzen ihm im Nacken, nnb feine Vasallen. Man ist von ihm eingenommen, ehe er begonnen hat, man ahnt vorher, er ist ein ganzer Kerl. Was er bann bringt, ist Kunst in feinem Stil, keine groben Geschütze, lonbern allerliebste Sächelchen, bie er deklamiert, rezitiert unb Nngt — UeberbrettelFunft aus ihrer besten Zeit. Freby ist kein Humorist unb Komiker der Alltags-Varieteebühne, kein Effekt- Hascher er weiß seine Vorträge wirken ohne Künstelei, und doch ist auch seine Mimik eigenartig, so selbstverständlich, beinahe ungezwungen; man lacht, sobald Hans Fredv lacht und man schüttelt sich vor Lachen, wenn er des Lachens fein Ende findet. Aber — iQ selbst: Lachen ist gesund! Soll da vielleicht jemand ernst bleiben wenn Fredy am Klavier sitzt und bayerische urwüchsige Volkslieder singt, wenn er bie Parodie auf Heines „Fichte und Palme" vortragt? Wie tragikomijch ist nicht seine Geschichte von den „Drei Traumen"", wie humorvoll bie von „klein Evchen", dem enfant terrible. Dann erzählt der Künstler aus seiner ©d)au= Wiekriaufbabn ergötzliche Schnurren voll Schalk unb Humor, tllleruebjt sind auch ,bie kurzen Epigramme, „teils von ihm selbst, teils von einem andern"; stimmungsvoll ist sein Hymnus auf die „fußen Frauen"". Der lustige Schalk sitzt ihm wieder im Nacken, wenn er das in seiner Pointe so wirkungsvolle „das Kind von heute" .oder die „Gardinenpredigt"" vorträgt. , Der Liebe Fluch" betitelt sich eine vieraktige Oper von „ihm", die sich in fünf Minuten abspielt. Trotzdem ist ihr ein voller Erfolg beschieden Neben Herrn Fredy wirkt die hiesige Regiments- J00*1 uvter Leitung des Herrn Univ.-Tanzlehrers Will wird den zweiten Teil des Festes bilden. Landkreis Gießen. Bersrod, 30. Jan. Gestern abend hatten sich viele Bewohner unserer Gemeinde zu einem Familienabend eingefunden, an dem auch der Krieger- und Gesangverein und die alteren Schulkinder teilnahmen. Nach einleitenden Morten des Lehrers Wolf, worin er an den 18 und 2/-, $-a2u?er erinnerte, trugen abwechselnd Gesangverein und Schulkinder Chore vor. Dazwischen waren Gedichte eingestreut, von denen eins in Wetterauer Mundart (von Geibel) große Heiterkeit erweckte. Was den Abend aber besonders genußreich gestaltete, war die Anwesenheit des Doppelquartetts des „Bauerschen Gesangvereins" von Gießen. Die Herren hatten einen Ausflug nach hier unternommen. Auf Anregung des Lehrers Wolf betrieben sie bls zum letzten Zuge und trugen einige ihrer prächtigen Chöre vor. Nein in Aussprache und Tongebung, zart in Ausdruck und Empfindung, mit innigem Verständnis, so fong die kleine Schar unter Leitung ihres jugendlichen Dirigenten, Herrn C o st. Solch Singen hatten unsere Dörfler nw gehört Tief ergriffen lauschte man den harmoni- ' lajen Klangen, besonders bei Liedern mit tragischem Inhalt e. Tragak als Grundton in fast allen Volksliedern durchrlingt. Das war besonders bei dem in hiesigen Spinnstuben viel Gelungenen „Ich hört ein Vöglein pfeifen" der Avll. ckuch das Landvolk versteht wahre Kunst zu würdigen erst recht, wenn sie so auf Herz und Gemüt einwirkt Leider mußten bie Herren dach scheiden. Das war andere Kost als die oft abgeschmackten Theaterstücke und sonstigen Mätz- Märkte. Gieße». 31 Jan. Dlarktv ericht. 9(uf heutigem ^Soeben« markte foitete. j uiter vr. PW. 0,90—1.00 Mk., Hühnereier 1 St. 10—11 xVfg., Enteneier 1 Stück 0 Big., Mäfe pr. St. 6—8 Pf., Käsematte pr. St. 5—6 Psg., Tauben pr. Vr. 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. et 1,00—1,60 Ack., Halmen vr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten vr. et. 1,80-2,20 Mk^ Gänse das Psb. 75-80 Psg., Ochsen- fleikb vr. Psb. 84-92 Pfg., Rindfleisch vr. Pfund 84—«8 Pfg,. Knvfleisch 70 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—96 Pfg., Kalbfleisch vr. Pfd. 84—88 Psg., Hammelfleisch vr. Psd. 60—84 Pfg., Kartoffeln vr. 100 Kg. 7.50 bis 8.00 Plk., Weißkraut das Stück 20 bis 30 Pfg., Zwiebeln per Ztr. 8,00—10,00 Pik., iliilci) das Utter 20 Pfg., Birnen per Pfd. 15-20 Pik., Aev'el per Ztr. 10 bis 15 Mk., Nüsse 100 Stück 50—60 Pfg., ver Ztr. 0—00 Mk^ Bohnen per Psd. 00—00 Pig. Marktzeit von 8—2 Uhr. — Karloffelmarkt-Bericht vom 30. Januar 1910. Dort« wund: Magnnm bouum 3.30-0.00, weiße runde 2.70—0.00, Welbfleifdnge weiße O.00—0 00, rote Mk. 4.00-0' 0. Krefeld: Rote Daber Mk. 0.00—0.0', andere rote Sorten 0.00—0 00, Mcnmnm bonum Alk. 2.80—3.00, (Selbfleijcbige rote Alk. 2.80 bis 3 0, weiße Alk. 2.80—3.00, Plaidt: Rote Daher 0.00 bis 0.00, andere rote Sorten 0.00 bis 0.00, Magnnm bonum Mk. 3.10—0.00, weiße runde 3.10, Gelbfleischige rote 3.30-0.00, weiße Mk. O.OO—O.i'O Frankenthal: Rote Sorten Alk. 2.50—0.00, Magnnm bouum Bit. 3. 0-3 40, weiße runde Mk. 2.50-0.00. toelbfleud)tge blaue Mk. 3.50—0.00, rote 3.50—0.00, weiße 3.50 bis 0.00. Regensburg: Rote Sorten Mk. 2.10—2.20, Magnnm bonum Alk. O.oO-O.uO, weiße rmibe Mk. 0.00-0.00, Gelbfleischige blaue 0.00—0.00, rote 0.00—0.00, weiße 9)lf. O.-jO—0.00. (Alles für 50 Kg.) chen. Nachdem die Sänger geschieden, yielt Pfarrer Hofmann-Winnerod einen Vortrag über: „Was ein deutsches He^ betrübt und erfreut; Erlebnisse aus Oesterreich". Er schilderte, oft von Humor» gewürzt, die übertriebene österreichische Höflichkeit und chre Wurzel, sprach über religiöse und kirchliche Verhältnisse, über das Deutschtum, und wie es komme, daß man ,in Oesterreich von Deutschland als einem Paradiese rede. Nach herzlichem Dank an Pfarrer Hofmann schloß Lehrer Wolf den schön verlaufenen Abend. = Burkhardsfelden, 30. Jan. Der Krieger- v er ein feierte gestern in der Wirtschaft der Witwe Hoffmann hier Kaisers Geburtstag. Im Mittelpunkt der Feier stand ein Vortrag unseres Lehrers Rausch über die französische Fremdenlegion. In seinen l^stündigen Ausführungen schilderte der Vortragende Wesen und Charakter dieser Einrichtung und die Leiden und Klagen der Legionäre. Durch den wirkungsvollen Vortrag zog fich wie ein roter FaHen das Bestreben, die deutschen Jünglinge von dem leichtsinnigen Streich eines Eintritts in die Legion ahzu- halten. Durch Ansprachen des Präsidenten Blei, Bürgermeisters Hoffmann und Gemeinderatsmitgli.des S ch e p p kam die vaterländische Gesinnung des Vereins zum Ausdruck. Gesang, musikalische und humoristische Vorträge jeglicher Art gaben der erhebenden Feier den schönsten Verlauf. -ch- E b e r st a d t (Kr. Gießen), 29. Jan. Gestern abend feierte der hiesige Krieger verein in seinem Vereinslokal dem „Gasthaus zum Löwen" Kaisers Geburtstag und das 40jährige Bestehen des Deutschen Reiches. Der Vereinspräsident Äug. G ö r l a ch eröffnete die Feier mit einer Ansprache und einem Hoch auf das hohe Geburtstagskind. Alsdann begann der Vortrag des Verbandsredners Lehrer Jakob aus Gonterskirchen bei Laubach, der die deutschen Freiheitskriege und den Krieg 70—71 behandelte und durch Lichtbilder erläuterte. Er schloß mit einem Hoch auf die hiesigen Veteranen. Bemerkt sei, daß nur noch vier hiesige Veteranen am Leben sind: Hch. Holler I., der bereits im 83. Lebensjahre steht und am badischen Feldzug teilnahm, ferner Hch. Reitschmitt, Ph. Görlach I. und Joy. Weil, die sämtlick) 70—71 ins Feld zogen. Das Vereinsmitglied Wilh. Weckmann II., das sich in längerer Rede über die Entwickelung des Deutschen Reiches, feiner Neugründung verbreitete, regte unter allseitiger Billigung die Ernennung der Veteranen zu Ehrenmitgliedern an. Das weitere Beisammensein nahm einen recht gemütlichen Verlauf. --Rabertshausen, 30. Jan. Unter sehr starker Beteiligung fand am Sonntag abend die Geburtstagsfeier unseres Kaisers im hiesigen Kriegerverein statt. Bis zum letzten Platz war der Saal des Gastwirts Scherer von Männern und Frauen besetzt. Ein ganz besonderer Genuß wurde den Feiernden geboten durch den interessanten Vortrag des Pfarrers Schlosser über feine Englandreise. Reicher Beifall lohnte den Redner. gttittd01 weiten «ai Fleischhauer päpstlichen- gehen. Das n das größte Intel es sich in erster die päpstlich gastlichen' üben tnerbc. cenbi der Bise abgegeben hatte, die staatlichen U habe der Miste angenommen, t» treffen würde, der Bischof beste für die Zukunft Senn auch die. gahiltät bisher sicht auf den Zw unterliege« tvirl freien Fors geforderte Eid 0 itätfung serfen wird läge unsere: Staat wird sich bildung der G sazichlen und Äer auch die Kii iie Fühlung mii Eren. Tas ton Köln ist alle 3age in bebaue mch dieser Kuu imahren. tkMu ' mödiei S-äfc SifÜ 5«. $;S llf öle ; q $ vormittags 9 "®ic heick