X«e „Eiehencr Familienblätter" werden dem ,'2Injeiflcr* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Tie ..Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. m. 157 Zweiter Blatt 161. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag?. A W Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Mittwoch, (4. Juni 1911 Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universität^ - Buch- und StcinbnidereL R. Lange, Gießen. Redaktion, Gr Petition und Truckerei: Schul- braße 7. Groedition unb Verlag: Redaktion:^4AI l2. Tek.-?ldr.:AnzeigerGießen. Staatsminifter Gras posaöowsfy über die wohnungrftage. 3n Leipzig findet gegenwärtig der Z w e i t e d c u t s ch c D>ohnungskongreß statt, den der ehemalige Staate« fckretär Graf Posadowskv als Ehrenvorsitzender mit folgender bemerkenswerten Rede eröffnete: Wenn iic mich zum Ehrenvorsitzenden der gegenwärtigen Verhandlungen gewählt haben, io haben Sie das, wie ich annehme, in der Uebcrzcugung getan, das; ich mit Ihnen, jedenfalls in der Hauptsache, mit den sozialen Beweggründen Ihrer Tätigkeit, die bedauerlichen Zustände unseres Wohnungswesens im rociteftgehcit^ Alnne, ebenso mit dem Iweck Ihrer Bestrebungen, die schädlichen Mlszttande aus diesem (Gebiete durch Gesetzgebung, Verwaltung, Auttlarung und menichlickze Nächstenhilic zu beseitigen, durchaus cinomtanbcii bin. Indem ich Ihnen für dieses Vertrauen danke, bitte ich ^tc zugleich, mir einige Bemerkungen zu der uns alle bewegenden sozialen Frage zu gestatten, und zwar in der lnavvcn Aonn, die Durd) den sachlidien Ernst der Lage und den llmiang Ihrer Tagesordnung geboten erscheint. Um die Wohnungsirage zu fördern, das beifjt um die Möglichkeit zu schassen, unsere minderbemittelte Bevölkerung in einer den A n - forderungeil der Sittlichkeit und den M i n d e st - f o r d c r u n gen der Gesundheitspflege entsprechen - den Weise zu behausen, genügt es nicht, aus den normalen "Bau der Wohnungen zu drängen, man muß auf die inneren Ursachen der M i ß st ä n d e ein g e h en, um ihnen wirksam vorbeugell zu können. Von den großen Kulturländern Europas hat Teutschland die stärkste Bevölkerungszunahme zu verzeichnen. Und ,dieser Bevölkerungsanwachs drängt nach den Städten und Großstädten. Im Jahre 1816 lebte in Deutschland nur jeder 80. Mensch in einer Großstadt, im Jahre 1855 sckwn jeder 33., und im Jahre 1910 war schon mehr als jeder 5. Mensch ein Großstädter. Welche einschneidende Umwälzung der Lebensart unseres Volkes ist in diesen drei Zahlen verborgen, welche Entfremdung von der Natur, welche Beeinflussung durch eine immer versemerle technische Kultur! Bis zu dem großen wirtschasllichen Umschwünge, der den Kriegen von 1866 unb 1870/71 folgte, hatten Regierung und Volk alle Kräste zu sammeln, um sich von der 'Jlu5plünbernng durch die napoleonischen Kriege im Anfang dieses Jahrhunderts^ zu erholen. Man war viel zu arm, um, abgesehen von den Stein.'öardenbergschen Reformen, Wirtschaftspolitik zu treiben. Man erwartete die Wohliahrl des Volkes immer nur in einer merkantilen Politik nnb hatte deshalb auch keine Aufmerksamkeit für die bhgienisckscn Bedürfnisse der sich schnell vermehrenden, in festen Städten zusammcngedräng- ten Bevölkerung. Erst durch die deutsche Sozialpolitik ist man gezwungen worden, sich cingcbcnber mit den Lebens- bedingungen der großen Massen zu beschäftigen, besonders mit den Ursachen von Krankheiten und Tod. Dadurch entdeckte man und entdeckt man noch heute fast täglich Wohuungszustände, die auf der alten Bauweise beruhen und die allen Anforderungen der Sittlichkeit und Gesundheit widersprechen. Ich erinnere nur an die Statistik von Dr. Eberg in den Preußischen Jahrbüchern und an die der Ortskrankenkasse für Kaufleute zu Berlin. Um unsere süddeutschen Rcick-sgenosscn nicht zu übergehen, verweise ich auf die traurigen WohnuugSzustände in München. Als Musterbeispiel führe ich von Berlin nur an, daß dort int Jahre 1905 über eine halbe Million besetzte Wohnungen gezählt wurden. Davon haben, wie aus der Arbeit des Dr. Grünspan sieh ergibt, nur die S?älitc ein heizbares Zimmer, ein Siebentel war ohne Küche unb ein Drittel überhaupt ohne heizbares Zimmer. Dr. Grünspan fommt zu dem optimistischen Oicfultat, daß von hundert Berliner Kleinwohnungen mindestens sieben übervölkert sind und von hundert Familien wenigstens vierzehn, teils zu kleine, teils zu schlechte Wohnungen haben. Selbst in Einzelzimmerwohnungen sind oft noch Astermieter vorhanden, und von den Dreizimmerwohnungen haben 78 Aftermieter. Tie Statistik meldet einen ständigen Rückgang der Geburten und einen Rückgang der weiblichen Fruchtbarkeit. In Berlin z. B. betrug die Abnahme in den letzten drei Jahrzehnten mehr als 40 Prozent. Wir scheinen uns in den großen Städten wenigstens dem iran= zösisckzen Zweikindersystem zu nähern. Wie Dr. Maupb ausführt, ist infolge der Unterernährung ein Rückgang in der Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte eingetreten. Während sich die Gesamt- beuötterung jährlich um 850 000 Menschen vermehrt, mässen verschiedene Erwerbszweige sich ihre Arbeitskräfte aus dem Auslande versckwffen, B. um unsere Bergwerke noch ausnutzen zu können. Gleichzeitig hört man in den großen Städten dauernd über Arbeitslosigkeit klagen. In der Bevölkerung ist eine zunehmende Abneigung gegen schwere körperliche Arbeit zu konstatieren. die als minderwertig angesehen wird und damit hängt Abwanderung nach den großen Städten znsamm n, sich mehr Gelegenheit zu leichterer Arbeit bietet. Es nnd d.c aus ihrer Hände Arbeit angewiesenen Berufsklassen, die dem Rufe der Großstadt folgen, auch weite Kreise der wohlhabenden ■'Haffen glauben nur in den Großstädten Glück und Besriedignng finden zu können. Es sind viele tausende, die auf diese Weise in der Efroßstadt wie ein Sandkorn im Szeati verschwinden, während sie in einer kleinen oder mittleren Stadt wesentliche und beachtenswerte Dienste leisten könnten. In den Großstädten sindet die mittlere Bevölkern» Wohnungen ober kann die Mietpreise nicht erschwingen. Wenn man zuweilen lieft, daß in den Großstädten lausende von Woh nungen leer stehen, io sind die meisten davon nicht Wohnungen für die unteren Klassen. Ein wesentlicher Druck wird dadurch auf die Mietpreise nicht entstehen, da infolge der hypothekarischen Belastung eine Herabsetzung des Mietpreises nicht mögiidi ist. So sucht der kleine Mann die Mietrate seines Iahresgel-altcs herabzudrücken, indem er sich unb seine Familie in die flcinftcn Wohnräume zusammendrängt Dadurch roirb der Kindersegen zur geiürchtctsten Last, die Zusammendrängnng aller vhysischen und sittlichen Kranklwitskeimc zur Ursache von dauerndem Siechtum und verbrecherischen Neigungen. Siechtum des Körpers und der Seele erzeugen sich immer wieder von neuem Das Programm unserer Versammlung ist nun 'die Frage: Wie sind diese Mißstände zu bekämpfen? Tie größte Schwierigkeit liegt in der ungleichen Verteilung des deutschen Volkes über Xe deutschen Lande. Irgend tuet die Beschränkungder Frei zügigkeit scheidet natürlich aus. Eine Regierung, die dazu den kurzsichtigen Mut hätte, würde sich sehr bald von der Unmöglichkeit unb Unzweckmäßigkeit solchen Vorgehens überzeugen. Die Lösung unserer Arbeiter- und WohnungSsrage mnß aber bei dem sorNoähr enden Wachsen der Bevölkerung au gewissen Schnittpunkten eine Danaidenarbeit bleiben, wenn uns die (Gesetzgebung nicht zu teilte kommt. Wir brauchen ein Gesetz, welches den Polizeibehörden das Recht gibt, den Bau von Wohnungen zu überwachen und dasür zu sorgen, daß seine Erfüllung cintritt. Ohne solche Vorschriften lverden auch die besten Wohnungen immer wieder in schädlicher Weise überfüllt. Man denke nur an Crte mit größeren Saisonbetrieben, wo man sich kaum darum bekümmert, wo die Arbeitskräfte in der fraglichen Zeck Unterkommen. Mit dem Wohnungsgesetz muß auch die Möglichkeit eines Aufsichtsrechts zur Durch- sührung gegeben sein. Was nötig ist, das zeigen die typischen Vorgänge in Berlin, wo die Belegung von Dachwoh- nungen verboten ut u baut werden dürfen, unb bau Die darauf errichteten Däuser auch nur zu Kleinwohnungen bciiüur werden dürfen. Vom sozialpolitischen unb wirtschaftlichen Standpunkt aus ist es falsch, die minberbcmittelten Klassen, Deren Dienste die höheren Gesellschaftsklassen doch stets bedürfen, in rncit entfernten Vororten zusammen zusetzen. Durch den langen Arbeitsweg geht ein großer Aufwand von Kraft nutzlos ^verloren. Nicht alle Beteiligten können mit dem Fahrrad diese Schwierigkeit überwinden, ganz abgelegen davon, daß auch dies eine bedeutende Krastanstrengung erfordert und alle Vertehrsmitetl sind schließlich zu kostspielig. Tie beschränkenden Bestiinmungen, die man bei der Feststellung der Baupläne zum Besten des VÜlenbaues erläßt, sollte man darnach gerechter weise auch für den Bau von Kleinwohnungen amuenben. Für Die Vertretung bes Zwerwerbands Großberlin ist vom Abgeoro netenhause das Recht cingejügt worden, Gelände für Kleinwoh nintgcn zu erwerben und Kleinwohnungen darauf zu erbauen. Man scheint im Herrenl-ause diese Bestimmung streichen zu wollen (£>ört! Hört.'), das wäre ein sozialvolilischer Fehler. Dadurch, das; man den Bau von Kleinwohnungen zu verhinbern sucht, hindert man nicht ben Drang nach der Großstadt,- der Grund dafür liegt tiefer. Wir müssen hier eine Aenderung der leidigen Bcstimmnitgen des Bürgerlich/en Gesetzbuches über bas Erbbaurecht fordern. Meines Erachtens kann man zwar beute schon im Wege des Vertrags die Rechte des Grundbesitzes und des Psandgkaubigers an ErbpackKland sowie an ben auf diesem liegenden Gebäuden völlig sicher stellen. Reich, Staat und (^emeinb^ haben in dieser Weise schon große Flächen unter Erbbaurecht aufgetan unb bic auf diesem Grund unb Boden liegenden Gebäude belieben, ohne Geldverluste zu erleiden. Das konnte natürlich nur Den Reichs-, Staats- und Gemeindebamten zugute kommen. Wenn das Erbbaurecht ber deutschen Bevölkerung zugute kommen soll, muß sich das Großkapital beteiligen unb müssen sich Erb- baubanfen bilden. Für die Gier.- inben liegt in ?e. Anwendung des Erbbaurechts ein befonba.-? Mittel der Tätigkeit, aber frei» e Wohnnugen aniflcieilte Gel neuer mag eine gut? Finanzanelle sein, unb wäre sie mir in Der Stellung als Reicbs sdw tzi cl r et är eindringlich angeboten tnor . . aug< nommen Abc i t) 1 mich zurzeit nicht überzeugen Sehr richtia Ich fürchte, daß Die Mieter bic Zinsen zu tragen 1-iben werben Die oisencnt I ibeit sein Es gibt fciber sozialpolitische Freunde, Die auch imr der Aufgabe erschrecken unb erlahmen. Man hört auch ab und ?n das Wort: man solle mit der Sozialpolitik endlich einmal auilören. Tis kommt mir so vor, wie wenn man zu den handel und Indusirieirerbenben sagen wollte, sie sollten einmal mit handel unb Inbustric aufhören Deslwlb möchte ich zum Schlüsse allen Denen, bic zu innerer Arbeit mit Helsen, das Word zurufen: Lasset uns Gutes tun unb nicht müde iverben. LcbK. Beifall.' Ans Statt und fand, Gießen, 14. Juni 1911. " Im Sommer finden unsere Zeitungsträger vielfach verschlossene Türen, namentlich auch auf dem Lande, Da die Feldarbeit alle Familienangehörigen in Anspruch nimmt. Es würde sich deshalb empfehlen, Briefkästen an den Häusern anzubringen, damit die ZeitungSbestcllung nicht so zeitraubend und dabei doch zuverlässig ist. Auch die Briefträger würden das Vorhandensein von Briefkästen angenehm empfinden und den Empfängern von Briefen usw. würde damit mancher Verdruß erspart bleiben. " DaS erste Abonnements-Konzert unserer NegimeutSkapelle findet morgen statt. ES sei empfehlend darauf hingewiescn, hat doch Obermusikmeister Löber gerade dieses erste Konzert besonders sorgfältig vorbereitet und reich ausgeslattet. Kammermusiker Kümmel auS Darmstadt, ein vorzüglicher Künstler auf dem Cornet ä Piston und darum stets gern gesehener Gast, hat feine Mitwirkung zugcsagt, so daß also zweifellos ein großer musikalischer Genuß in Aussicht steht. Zu wünschen wäre dann noch, daß auch das Wetter ein freundliches Gesicht mache, ein wichtiger, aber nicht den Ausschlag gebender Faktor, da in SteiuS Garten ein geräumiger Saal zur Verfügung steht. " Stadttheater. Auch in diesem Sommer finden Gastspiele der Nauheimer Operette statt, und zwar wird die erste Vorstellung am Dienstag, 20. d. M., gegeben werden. Zur Ausführung gelangt LehärS .Graf von Luxemburgs, der für Gießen Neuheit ist und sicher außerordentliche Zugkraft auSüben wird. Interessenten werden deshalb gut tun, sich Plätze im voraus zu bestellen, doch wird gebeten, Bestellungen nur an die Kasse des Stadttheaters zu richten und nicht an die Direktion. Die Ausgabe der Billets für die Vorstellung sindet von Sonntag, 18. Juni ab, jeweils von 11—1 Uhr, an der Theaterkasse statt; am Aufführungstage auch von 3*/2—4 Uhr. Ein Abonnement auf die Operetten-Vorstellungen wird in diesem Sommer nicht ausgegeben; die Zahl der Aufführungen hängt vom Besuch der ersten Vorstellungen ab. Der Ern st-Ludwig-Verein, hessischer Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen, halt seine Hauptversammlung am Mittwoch, 21. Juni, zu Darmstadt ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Eröffnung der Versammlung und Begrüßung der Gäste. 2. Geschäftsbericht. 3. Kassenbericht. 4. Neuwahl von Vorstandsmitgliedern. 5. Antrag des Verstandes auf Abänderung der Vereinssatzung. 6. Vorträge: a) Wohnungsfrage und gemeinnützige Bautätigkeit (Bürgermeister Traut- mann-Nirnbach i. Odenw. und Pfarrer LooS-Butzbach); Das erste Austreten der Düse in Deutschland. Ter bekannte Pariser Impresario Schürmann, der feit Mehr als 30 Jahren im Theaterleben steht und die Kunstreisen vieler Berühmtheiten der Bühne durch Europa nnb Amerika geleitet hat, veröffentlicht jetzt in den „Aniiales" seine Erinnerungen, die eine Fülle fesselnder Einzelheiten und Anekdoten aus dem Leben bekannter Künstle ^enthalten. Das erste Kapitel ist der Düse gewidmet, und Schürmann erzählt dabei einen für das Wesen der großen italienischen Schauspielerin elmrakteristischen Zwischenfall, der sich zu Beginn einer der ersten großen Gastspielfahrten der Tragödin in Deutschland ereignete. Die von Schürmann zusammengestellte Truppe >var in Köln eingetroffen, aber der Direktor des dortigen ersten Theaters hatte durchaus kein Zutrauen zu der fremden, damals in Deutschland noch nicht bekannten Künstlerin und mcigerte sich, das Haus zu einer Abendvorstellung fretzugeben. ")iach langem Verhandeln erklärte er sich schließlich kopfschüttelnd bereit, dem Impresario der Düse das Haus ztt zwei Vormittagsvorstellungen zu vermieten, wobei er voll Mitleid warnel-.d darauf hinwies, das; man in Köln nicht am Tage ins Theater zu gehen pflege und daß man sicherlich vor einem leeren Hause spielen würde. Doch Schürmann ließ sich nicht abschrecken und bezahlte voll Seelenruhe die Miete für die beiden Vorstellungen. Die Einnahmen der ersten Aufführung erreichten nahezu 10 900 Ml, und noch am selben Tage wurden sämtliche verfügbaren Plätze für die zweite Vorstellung verkauft. Am Abend vor dem zweiten Gastspieltage empfing der Impresario ein Telegramm von der damals in Bonn nwhnenden Schwester des Kaisers, die auf jeden Fall und zu jedem Preise eine Loge haben wollte. Da das Haus ausverkauft war, mußte dicht au der Rampe eine kleine Loge improvisiert werden. Eine Stunde vor der Vorstellung ließ die Tn,e eiligst den Impresario ins Hotel rufen. „Es tut mir leid, aber die Vorstellung muß verschoben werden. Ich bin zwar nicht krank, aber ich fühle mich doch nicht wohl und würde meine Rolle nicht so spielen können, wie ich das wünsche. । Es ist daher besser, das Publikum nach Hause zu schicken." Schürmann protestierte, es sei unmöglich, und er wies da- ] rauf hin, daß die Kasseneinnahmen 10 000 Mk. betrügen. „Ach," sagte die Düse erstaunt, „10 000 Mk. eingenommen? Dann ist mein Entschluß unerschütterlich. Wenn das Pu- blitum so zahlreick) herbeiströmt, hat es auch Anspruch darauf, eine tadellose Aufführung zu sehen." Und sie sprach davon, daß sie die Zuschauer unmöglich betrügen dürfe. „Wieviel verdienen Sie persönlich bei einer solchen Tageseinnahme?" fragte sie ihren Geschäftsführer, und als der ihr 2000 Mk. nannte, antwortete sie sofort: „Ich werde Ihnen selbst diese Summe ersetzen. Sie sollen durch mich keinen Schaden leiden. Ich übernehme auch die Theatermiete und die Kosten der Trttppe." Aber Schürmann gab nicht nach und wies schließlich darauf hin, daß die Schwester des Kaisers aus Bonn eigens zu der Aufführung gekommen sei. Es wäre notwendig gewesen, sie vor Antritt der Reise von Bonn von einer Verschiebung der Aufführung zu verständigen." Aber die Düse meinte, die Prinzessin fei eine Zuschauerin wie jede andere und werde eben auch nach Hause gehen müssen. In dieser Weise ging das Gespräch eine ganze Weile fort, als aber Schürmann nicht uachgab, riet die Tragödin schließlich ärgerlich: „Sie bestehen also durchaus darauf, daß ich auf trete? Schön, aber ich künde Ihnen an, daß ich nachher 14 Tage aus- ruheu werde. Sie werden also das Fünffache der Summe verlieren, die ich Ihnen jetzt sogar persönlich ersetzen will." „Tas ist einerlei, mir kommt es vor allem darauf an, den Erfolg der Gastspielfahrt zu sichern, die Aufführung muß unbedingt stattfinden." Die Düse ging ins Theater und spielte die Magda in Sudermanns „Heimat". Ihr Erfolg war unbeschreiblich. Aber als Schürmann am Abend ins Hotel zurückkam, fand er einen Brief, der Düse, der lakonisch lautete: „Ich bin krank und kann 14 Tage lang nicht fpielen. Geben Sie der Truppe in 14 Tagen in Straßburg ein Stelldichein. Ich fahre inzwischen zur Erholung nach Italien." Dieser Entschluß war unabänderlich, denn er war schon ausgeführt: als der Impresario zu der Künstlerin eilen wollte, war ihr Zimmer leer und fie bereits int O Zuge auf dem We»ze in die Heimat. . . . r 1^ — Mexikos Gotteshäuser. Als vor wenigen Tagen die merilanische Hauptstadt von einem gewaltigen Erdbeben erschüttert und schwer beschädigt wurde, ergossen sich sofort Tausende von Menschen in die Kirchen: Polizisten suchten sie daraus zu vertreiben, denn die Mauern schwankten und drohten die Gläubigen unter sich zu begraben, aber sie hatten alles Zutrauen zu ihrem Heiligen und blieben im Schutz der Gotteshäuser, ein Vorgang, der lebhaft an die Szenen erinnert, die Kleist in seiner Novelle, „Tas Erdbeben von Chile", beschreibt. Man begreift das Verhalten, wenn man liest, was Harry Graf Keßler in seinen „Notizen über Mexiko" schreibt: Mehr noch als in Rom erfüllt in Mexiko die Gotteshäuser! beftänDii] Das Gemurmel der Betenden. 'Scharen von Männern und Weibern Inien immer vor bat SciligenbilDcrn, rniD gerade Die Manner überwiegen: Leute aus dem Volk, Deren Ponchos in dunklerem Rot neben dem Sckar^ch der Ehorknabengewander im Weihrauehnebel um den Altären leuchten Tas National- Heiligtum von Guadalupe ist der 9lilckgrat der mexikanischen Nationalität, das, was alle Provinzen und Stämme des Landes zilsammenhalt Bis in Die entfernten Gebirgstäler, bei Stammen, Die kein Spanisch verstehen und l.mm zum Ehristentum bekehrt sind, soll man die Kopien der blassen von einem mandelförmigen Glorienschein ganz umrahmten MaDonna treffen: und seitdem sie Hidalgo, Der erste Held des Befteiungskrieges, auf seinen Fahnen den mexilanii'chen Freiheitsscharen vorangetragen hat, ist sie and) für die liberale Partei das höchste Symbol des mcxilanischen Patriotismus geworden. Der Dom, in dem Das Wunderbild steht, liegt vor den Toren Der Hauptstadt, auf dem Boden, Den trüber ein weitberühmter indianischer Tempel, der Der Götter- niutter Der Azteken geweiht war, einnaym Schon jetzt, da kein Fest ist, füllt Die Kirche eine beständig weckiielnd: Menge., Fortwährend rutschen neue Prozessionen von buntlcn, inbrünstig blickenden Männern und Weibern, Kerzen haltend nno wie im Takte Gebete murmelnd, auf den Knien die Schif'e hinauf bi« ans massive silberne Gitter, das d.n Hockwltar und Das heilige Bild vom Volke trennt. Wie ein Bienensiimmen schweben bic Gebete über dem Pilgerschwarm, Der sich langsam vorwärts bewegt. Am 12. Dezember aber, am Tage von Guadaluve, ver sammeln sich hier jedesmal an Die hunderttausend Indianer aus allen, auch Den fernsten Teilen von Mexiko und führen in ben alten heimischen Federtrachten, von Den katholischen Priestern unbehelligt, ihre eigenen Riten unb Tänze in unb um iym Heilig tum auf. 2) 171 (— ) 171 (— ) (+ (+ (+ ) 218 (- 3) Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 205.75 (+ 0.25), Philipp Meteorologische Beobachtungen -er Station Gießen. Höchste Temperatur am 12. 12. Hm Dor g Zur Hauskur bei 3790 I eitlen mmcrun Nach dem am 10. d. M, cr|d)iencncn Blasen- Nieren- Gicht- > > 207 206 212 210 217V, 173 (— 184 (— (+ ( + 187 (+ 2) 188 (- ) (- (— Der durch dii angerichtet, durch günstige 2) ) 1) ) 2) ) 1) ) ) 1) 2) ) 2) 1) 1) 6) Haier 162 ( + 166 (— 183 170 186 192 173 190 185 199 Emaille- ST zu bedeut« lief er t Pet< Königsberg Danzig Stettin Polen Breslau Berlin Magdeburg Halle Leipzig Rostock Hamburg Hannover Düsseldorf Frankfurt a.M. Alannheim Wlnnchen 205 (— 202 (— 200 (— 203 (- 202 (+ 206 (- 205 (+ 202 (— 204 (- Weißbrot 2 Kg. 62 P»g. Schtvarzbrot 2 Kg. 54 Pig. (-27,) (—27«) standsbericht der Preisberichtsstelle des D. L.-R. hat der Roggen weiter gelitten: fast überall zeigten sich Schcinstcllcn und machten sich Anzeichen von Notreife bemerkbar, auch scheint der Körner- ansatz vielfach beeinträchtigt zu sein. Sehr ungünstig äußern sich die meisten Berichte anch über die Sommerhalmsrüchtc, die in vielen Gegenden derartig mitgenommen wurden, daß selbst günstige Witterung nicht mehr joiet .helfen kann. Im Gegensatz hierzu scheint man die Aussichten im Auslande günstiger zu beurteilen, namentlich in Rußland haben ausgiebige Niederschläge die Lage so weit gebessert., das; immerhin aus eine Mittelernia gerechnet -werden kann, während Amerika aus Grund seiner bedeutend vergrößerten Anbaufläche eine wesentlich gröbere Produi- tion als im Vorjahre erwarten lässt. Daraus erklärt sich zum Teil anch die geringe Unternehmungslust für Weizen, während für Roggen die erwähnten Besorgnisse anregend wirkten. Anderer^ seits aber drückte der in größeren Mengen herankommende russische Roggen, da sich dessen Absatz schwierig gestaltete und die Besitzer der Ware infolgedessen mehrfach LiesernngSabgaben vornahmen. Der Schluß war jedoch auf erneute Klagen und damit zusammenhängende Herbstkäufe recht fest. Das Hafergeschäft nahm trotz ungünstiger Berichte über die Saaten einen sehr w In gelt Ver- lafuf. Futtergerste stellte sich für vordere Sichten höher, für Herbst dagegen eher nachgiebiger. Mais war fest bei sehr kleinem Geschäft, da brauchbare Qualitäten fehlen. Es stellten sich die Preise stir inländisches Getreide am Weizen 100 Kg. 21.50-21.75 Mk. Roggen 100 Kg. 17.50-00.00 Alk. Getreide-Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 7. bis 12. Juni. Wandern und Reisen, Süder und Sommerfrischen. — Nordsee-Bad Büsu m. Die Fericnsonderzüge, die beim Beginn der Schulferien verkehren, erleichtern und verbilligen die Badereise recht bedeutend. Ab Berlin sind am 8. Juli, am 15. Juli und am 15. August nach Hamburg diese Züge vorgesehen und zwar mit zweimonatiger Rücksahrtdauer zum Preise 3. Klasse 13,50 Mark. In Hamburg werden gegen Vorzeigung der Sonderzug-Rückfahrkarten Anschlnß-Sonderrückfahrkarten nach Büsum für 6,80 Mark mit gleicher Zeitdauer verabfolgt. Dieselbe Erleichterung und Verbilligung wird auf den übrigen deutschen Eisenbahnen in den Feriensonderzügen bei Beginn der Schulferien ebenfalls gewährt. ** Reise n a ch der Wasserkante. Das Interesse an der vom 12. bis 18. Juli stattfindenden Flott en fahrt der Mainzer Kreisgruppe des Deutschen Flottenvereins nach Bremen, Bremerhafen, Helgoland, Hamburg und Kiel ist fortgesetzt sehr rege, wie die fortwährend einlausenden Anfragen und Anmeldungen beweisen, was übrigens auch bei dem erstaunlich billigen, alle Kosten einschließenden Preis von 95 Mark vorauszusehen war, so daß auch die diesjährige Fahrt sicher wieder eine recht stattliche Beteiligung aufweisen wird. Es dürfte sich deshalb für diejenigen unserer Leser, welche die Reise mitmachen wollen, empfehlen, ihre Anmeldung, welche an die .Kreisgruppe Mainz des Deutschen Flottenvereins zu richten ist, baldigst einzureichen. in jeder beliebigen Schriftart und Karton« iJmUlirirn sorte, sowie mit Zirkeln aller llndenlischen Vereinigungen, liefert ZU mähigen preisen Srühl'sche Universitäts-Vruckerei, Zchuljttütze 1 Durch Allerhöchsten Erlaß vom 6. Mai d. I, ist dec Maschinenfabrik A. Ventzki A. G. Graudenz Sie König- lich Preußische Goldene Staatsmedaille für gewerbliche Leistungen verliehen worden. Sept. 197.75 (+ 2.—); Budapest Oft. 197.50 (-|- 9.95); Liverpool Juli 152.65 (- 1.65); Paris Juni 221.45 ( - 6.55); Chicago Juli 136.75 (— 1.35). Roggen: Berlin Juli 168.75 (4- 2.00), Serteiuber 167.25 (+ 4.75). Haler: Berlin Juli 165.75 (+ 1.50), en Landesversicherungsanstalten, die auch für Wohnungsbauten Gelder zu niedrigem Zinsfuß hergäben. Die weiteren Betrachtungen des Redners galten der Aufstellung von Thesen für die Beleihung von Resthypotheken mit er- )öhtem Zinsfuß und größerer Amortisation und späterer Anlegung eines Reservefonds für diese Hypotheken aus den erhöhten Zinsbeträgen. Als Ort der nächsten Tagung wurde Büdingen bestimmt. Hessen-Nassau. -w. Katzenelnbogen, 12. Juni. Eine nicht geringe Aufregung entstand heute vormittag in unserem Städtchen, als nach einer seit Samstag am Röntgt. Amtsgericht statt- inbenben Revision der Amtsanwalt Hoffmann ttnb der Aktuar Hasenstrauch verhaftet und durch zwei Gendarmen in Untersuchungshaft abgesührt wurden. Hoffmann war bereits am Samstag vom Amte suspendiert worden. Die beiden Beamten sollen sich der Unterschlagung im Amte, sowie der Unterdrückung von Strafanzeigen schuldig gemacht haben. Auch gegen den Gerichtsdiener wurde ein Verfahren „eingeleitet Beide Verhafteten sind verheiratet; Hoffmann zählt 36, Hasenstrauch 26 Jahre. Kreis Friedberg. 0 Rosbach v. b. H., 11. Juni. Seit einigen Tagen hat hier die K i r s ch e n c r n t e begonnen. Aus dem Kirschberg herrscht jetzt täglich ein geschäftiges Treiben, auch heute, aut Sonntag, Wurde fleißig geerntet. Die Ernte ist trotz der ungünstigen Witterung im April außerordentlich reichlich und übertrifft wesentlich die des Vorjahres, die auch gut zu nennen war. Tie letzte so reichliche Ernte war vor drei Jahren zu verzeichnen. Täglich werden jetzt von auswärtigen Händlern hunderte von Stürben mit Frühlirschen verladen und nach allen Teilen Deutschlands, besonders nach .Hannover, versandt. Tie Spätkirschen reifen erst fin 2—3 Wochen. Für das Pfund werden hier eben 20 bis 25 Pfennig bezahlt, auf dem Bad-Nauheimer Martt erhalten die hiesigen Verkäufer noch 30 bis 35 Pfennig. Tie Kirschenernw ist für unseren Ort, dessen .Gemarkung zum vierten Teil mit Kirschbäumen bepflanzt ist, ein wichtiger Erwerbszweig. Man lucht deshalb die Ernte vop Schädlingen auf alle mögliche Weise zu schützen; Vogelscheuchen und Kirschklappern sind allenthalben angebracht. Starkenburg und Rheinhessen. M. Heppenheim a. d. B., 11. Juni. Unter dem Vorsitz des Geh. Justizrat Mickel-Darmstadt sand am Samstag hier die 16. Hauptversammlung des Hess. S p a r k a s s e n v e r b a n d e s statt. Als Vertreter der Regierung nahm Geheimerat B e st - Darmstadt teil. Im Mittel- Puntt des Interesses stand der Bericht des Bankrotts Reusch Wiesbaden, der zunächst die Frage der Hppo th ekc n - Uu t e r st ü tzu n g en im Kleinwohnung o wesen erörterte. Der Redner verbreitete sich dann über b) W°hnung?iragc und Jugend (Lehrer Storck-Alten- stabt in Oberhessen). , •• Die BolkLb ad-Aktie L. Nr. 67 über 200 Mk., früher Herrn Dr. Emil Heuser gehörig, ist zur Riiazahlung auSgelosl. Ihr unbekannter Besitzer wird um baldige Vorlage der Aktie bei der Stadtkasse ersucht. " Oeiientl'che Lesehalle. Im Mar wurden 1 7 77 Bände ans g c liehe n. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 896, Zeitschriften 262, Jugendschristen 184, Literatur- qeschichte 8, Verdichtungen und Dramen 27, Lander- und Völkerkunde 56, Kulturgeschichte 26, Geschickte und Biographien 93, Kunstgeschichte 11, Nalunvlssenschast und Technologie! 114, geet- und Seewesen 18, Haus und Landwirtschaft 22, Gesundheit^ lehre 15, Religion und Philosophie 4, -vtaatswissenschaft b, Sprachwissenschaft IG, Fremdsprachliches 20 Bande. Nach auswärts kamen 63 Bände. , . "Die üble Angewohnheit mancher Leute, beim Effen von Obst, besonders von Kirschen, die Kerne auf die Straße und die Bürgersteige zu werfen, hat schon häufig ernstere Unfälle zur Folge gehabt. Indem wir auf diese Ungehörigkeit Hinweisen, richten wir zugleich an unsere Leser die Bitte, ihre Kinder und Pflegebefohlene ' auf die 'gefährlichen Folgen dieses Tuns aiifmerksam zn machen. ** Die Mainzer Handelskammer versendet soeben ihren Jahresbericht über das Jahr 1910. Tie Lage der wichtigsten Jndnstrie- und Handelszweige des Kamm r- bezirks wird darin wie folgt geschildert: In der Schifffahrt war eine Zunahme der Geschäftstätigkeit festzu- ftetlen, hauptsächlich bedingt durch den günstigen Wassersttmd und durch die Zunahme des Exportes. Infolge der sehr günstigen Wasserstände und der fortgesetzten Zunahme an Schiffsraum war der Ertrag jedoch sehr gering, worunter namentlich die Partikulierschiffer zu leiden hatten. Tas Bestreben nach einer Einigung über die Frachten hatte für gewisse Strecken und Waren Erfolg. Das Speditionsgeschäft hatte eine ziemlich starke Zunahme des Verkehrs zu verzeichnen, doch wurde der Gewinn durch die Konkurrenz Und durch die gedrückten Frachten der Schiffahrt sehr beeinträchtigt, bczw. in Mitleidenschaft gegoren. Die ungünstige Lage des Weinhandels hat keme wesentliche Aenderung erfahren. Die schlechte Ernte der beiden letzten Jahre führte zu einer außerordentlichen Steigerung der Einkaufspreise, denen der Verkauf infolge starker Konkurrenz nicht folgen tonnte. Der Verdienst war dadurch geringer. Die ungünstige Lage kam auch in der Einstellung mehrerer Betriebe zuin Ausdruck. Gegen Herbst hob sich das Geschäft etwas. Das neue Weingesetz hat auf die Verminderung unreellen Wettbewerbs günstig gewirkt, im übrigen aber zu recht großen Unklarheiten Anlaß gegeben, namentlich bezüglich der Zuckerung und der Herlllnftsbezeichnungen. Der Handel in ausländischen Weinen hat zugenom- men; dagegen ist die Einfuhr ausländischer Spirituosen infolge Erhöhung des Einaangszolles auf französischen Kognak zugunsten der deutschen Kognatindustrie zurückae- gangen. In der S ch a u m w einino ustrie zeigte sich die im Jahre 1909 erfolgte Erhöhung her Steuer in einem Rückgänge des Konsums. Dazu kam die Konkurrenz der Obft- schaumwcinindnstrie, die durch das Steuergesetz noch begünstigt wird. Der Verdienst ging infolge der Erhöhung der Weinpreise zurück. Die Lage der Weinessigindustrie ist wenig verändert. Auch sie litt unter der Erhöhung der Weinpreise, ferner unter der Konkurrenz der Essigessenz. In dem Verbrauch ist aber allmählich eine langsame Zunahme zu beobachten. Wenig befriedigeno war die Lage der Konservenfabrikation infolge großer Mißernte für die meisten Früchtesorten, namentlich Steinobst, und der dadurch bewirkten Preissteigerung. Anch die abnorm hohen Zuckerpreise erschwerten das Geschäft. Ebenso war die Gemüseernte gering Die geringen Vorräte lassen für das neue Jahr eine Besserung erhoffen. Nur in einzelnen Artikeln, insbesondere Erdbeeren, war das Rohmaterial billig. Der Umsatz hat sich nicht wesentlich geändert. Der Export ist infolge der ungünstigen Zollver- hältnisse sehr erschwert. Im Sauerkrauthandel herrschte lebhafterer Verkehr. Die Preise waren besser. Landkreis Gießen. ch. Eberstadt, 12. Juni. Unser Gesangverein >,Li e d er kr anz", der znm ersten Male an einem Wettstreite teilnahm, errang zu Langgöns in der Abteilung B Klasse IIa den ersteu Preis und den Ehrenpreis. Dirigent des Vereins ist Müsiker Görlach. -m. Hungen, 13. Ium. Als heute nachmittag der hiesige Viehhändler S. Kahn auf einem auswärtigen Müller- fuhrwcrk von Nouneuroth hierher fuhr, wollte er unterwegs vom Wagen steigen, um einen ihm entfallenen Gegenstand wieder zu holen, dabei kam er jedoch so unglücklich zu Falk, daß er sich eine Beinbruch zuzog. Kreis Alsfeld. sch Alsfeld, 11. Juni. Der Frost in den letzten Nächten hat unsere Pflanzen in den Gärten empfindlich mitgenommen. Hauptsächlich sind die Bohnen und Gurken fast alle erfroren. sch Eifa, 12. Juni. Am Sonntag fand hier die Ein- weihimg deS zur Ehrung und Erinnerung an die gefallenen Krieger von 1870/71 errichteten Denkmals statt. Die Enthüllung erfolgt-, durch ben hessischen Kriegervereins- vorsitzenden Geometer Schabe-Alsfelb mit einer ergreifenden Rebe. Universitäts-Nachrichten. ।— 2 8. Bundestag dcs A. D. B. in Franken-' Hausen a. Kyffh. Die im Allgemeinen Deutschen Burschen- ibunbe vereinigten 25 Burschenschaften unb Altherrenverbände deutscher Hochschulen, die zurzeit rund 1500 Mitglieder zählen, hielten vom 3. bis 8. Juni in Frankenhausen am Khffhäusw ihren 28. Bundestag ab. Auf dem sehr arbeitsreichen Bundestage wurde erstmals als Neuheit ein großer öffentlicher Vortrag abgehalten, der auch von per Bürgerschaft sehr zahlreich besucht war. Es sprach Chefredakteur Dr. Keil-Stuttgart über die sozialen Strömungen der Gegenwart. Aus den Verhandlungen haben die folgenden Entschließungen auch für weitere Kreise Interesse: 1. „An allen deutschen Hochschulen ist die Einführung von Vorlesungen unb Hebungen zur rein sachlichen Einführung ber Stubenten in bas beseitige politische Leben unb zur Vertiefung ber Kenntnisse über staatsbürgerliche Rechte unb Pflichten wünschenswert/'' 2. „,Der A. D. B. ist ber Meinung, daß ber ständig wachsenbe Zustrom von Ausländern auf den deutschen Technischen Hochschulen die deutschen Studenten in ihrem Studium stark beeinträchtigt und eine immer größer werbende Gefahr für deutsche Industrie unb beutschen Hanbei bedeutet. Der A. D. B. hält es für notwendig, per Ausländerfrage an deu Technischen Hochschulen eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden." 3. „Der Bund hält eine Reform ber akademischen Disziplinarorbnung für wünschenswert. Insbesondere erscheint ihm bas vielfach noch eingeführte heimliche Strafverfahren unb bas Betufungsvcrfahren reformbebürftig." In ber Meusurfrage bleibt der Bund ausdrücklich auf seinem grundsätzlichen Standpunkte bestehen, nach dem Bcstimmungs-, Verabredungs- und Sportmensuren verboten sind. Es machte sich eine starke Strömung für gänzliche Abschaffung des Schlägerfechtens geltenb. Eine Anzahl Burschenschaften hat praktisch schon lange diesen Grundsatz durchgeführt. Zur Behandlung der Frage allgemeiner Ehrengerichte wurde ein Ausschuß eingesetzt. Auf der Tagung waren zum erstenmale auch Vertreter österreichischer Burschenschaften und Studenten anwesend, die über den Kampf des Deutschtums in der Ostmark berichteten. Hm die Verhandlungen gruppierten sich die üblichen festlichen Veranstaltungen, der Zug zum Kyffhäuser, ber Fackelzug zu ber bem A. D. B. gehörigen Frankenburg oberhalb Frankenhausens, feierlicher Kommers mit Lanbesvatcr, Ball nsw. hc. Marburg, 11. Juni. Auf eine 25jährige Tätigkeit als ordentlicher Professor -an ber Hnwersität Marburg kann bieser Tage ber Vertreter der klassischen Philologie unb ber Bcreb- samkeit Dr. phil. Theobor Birt zurückblicken. Professor Birt, ein geborener Hamburger (1852), erhielt seine Ausbildung in Bonn. In Marburg begann er feilte akademische Lausbahn als Privatdozent, wo er 1882 zum a. o. und Mai 1886 zum Ordinarius ernannt würde. 1 dies weniger - Ziemlich au! letzten Markttage in Mark pro 1000 kg je nach Qualität, wobei das Mehr (+) bezm. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist, rote folgt: Weizen Roggen Märkte. fc. Frankfurt a. M., 13. Juni. Hell- unb S t r o h m a r k t. D Angefahren waren 9 Wagen feen unb _> Wagen Stroh. Man notierte: Heu 2,80—3,20 Mk., Stroh (Kornlangslroh) 2,60 bi5 2,80 Mk., Wirrslroh 0,00—0,00 Mk. Alles für 50 Kilo. Geschäft scklepvend. — Die Zufuhren waren aus Oberhessen unb bem Streife Diebura, sowie dem Taunliskrels. — Hartoffelmarkt-Bericht vom 12. Juni 1911. Magdeburg: Role Taber Bik. 1.90—0.00, anberc rote Sorten Mk. 1.80 bis 19\ Magnum bonum 2.50—2.80, weiße runde 1.90 —2.05, Gelbflcischige rote Bit. O.oO, weiße 2.75—0.00. Allona : RoteDaber 0.U0, rote Sorten Alk. 0.00—0.00, Magnum bonum 9)1 f. 3.00, weiße runde Mk. 0.00—0.00, Getbfleijchige blaue Alk. 0.00—0.00, rote 0.00 bis 0.00, weiße 4.10 bis 0.00. D o rt m und: Rote Taber U.CO- 0.00, andere rote Sorten Alk. 0.00—0.00, Alagnnm bonum All. 3.80—0.00, iveiße runde 2.70—0.00, Gelbfleischige blaue 0.00—0.00, rote Alk. 3.25—0.00. Hagen: Rote Daber Mk. 0.00—0.00, andere rote Sorten 0.00—0 00, Magnnm bonum Alk. 0.00—0.00, iveiße runde Alk. 0.00—0.00, Gelbfleisck'ge rote Alk. 0.00—0.00, iveiße Alt 0.00 bis 0.00. Köln: Role Taber Mk. 0.00—000, andere tote Sorten Alk 2.40—0.00, Maqnllin bonum 3.70—0.00 Alk., weiße runde 2.50—2.70 Mk., Gelbfleisckige rote 3.80—3.90, weiße 0.0u—0.0 > Alt. Crefeld: Rote Sorten Alk. O.Ou-0.00, Magnum bonum Mk. 4.50—4.70, weiße runde Mk. 0.00 bis 0.00, Gelbfleisckige rote 4.50—4.70, iveiße Alk. 4.50—4.70. Saarlouis: Rote Daber Mk. 0.00—0.00, andere rote Sorten Mk. 3.40-3.70, Alagnlun bonum Mk. 0.00 bis 0.00, weiße runde Alk. 3.40—3.70, Gelbfletjchige blaue 0.00—0.00, iveiße 0.00—0."0. (Alles zu 50 Kilo.) Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießeuer Fleisch- uud Broipreise ' am 12. Juni 1911. bis 13. Juni = 4- 20,4 , 13. , = + 6,1 Witterung kaum noch gut zu machen. Es bezieht si auf Weizen, der 'den ungünstigen Einflüssen bishi widerstanden hat, als aus Roggen und die Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k f u r t a. Al. Fleifchpreise in Gieß en Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 93—97 Alk. ',,Kg. Schlachtgw. 93-100 Vi. 7? v 86-90 „ 7. Rg. 86-94 Pfg. 7, , 88—92 , 7, , 70-90 , Getreidepreise in M a n n h e i m Brotpreise in Gießen Juni 1911 | Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft H Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Drod toi Bewölkung j in gehnrel der fichib tzimmelsfl. I Wetter 13. 2" 740,2 19,1 8,0 49 W 4 9 Bew. Himmel 13. 9“i 740,4 12,7 9,0 83 NE 4 10 Bed. Himinel 14. 7" 742,4 12,2 7,4 70 ,WSW 4 2 Sonnenschein einzig und allein lunker&RuH J Gaskocher i Pianola, Phonolairi Phonola-Piano 2150 -2650 Mk 1250 und 950 Mk. 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