Nr. 56 ichters iend 861 )ld >nk, Drama. traut »g Dnzert Eintree frei. 704' Lin Ehrentag des Untcrstaalslckretärr Georg v. Mayr. Unterstaatssekretär •$. D., Professor Dr. Georg von Mayr in München, begeht am 12 Februar b. ,3- seinen 7 0. G e b u r t s t a g. Das Wolfsche Bureau begleitet diese Notiz mit folgenden Bemerkungen über den verdienst- Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Oietzener ZamlliendlStter" werden dem ,3huetflcr* viermal wöchentlich beiqelcflt, daS „Kreisblott für de« Kreis riehen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Leitfragen" erscheinen monatlich zweimal. vollen Mann: ■ Ueberall ist bekannt, daß er Theorie und Praxis der Statistik, ------ . „ - *- - - **--------r , Privav- Hus den Reichstagsausschüffen. :: Berlin, 10. Februar. Ter MililarhauShalt im Budqelaussch'iß. nit Schmerz« Künstlern QejpidL afe len. ich 's 75K'.- 5fr- iph P,ock»tr. u ^ogramnl. Hielt Kunfisilm. des ehrengerichtlichen Verfahrens pegen Offiziere sowie der Stel- (uiig der nicht dem aktiven Milltar,lande angehorenden Personen in diesem Verfahren in die Wege gelcüet wird. . Zur Besetz ungmilitarischerStellen nunmbtricgd» Minister von Seeringen auf die Ausführungen feines T5yc- gängers Bezug. Tie frrriönlidre Tüchtigkeit entscheide letzt schon ofne Rücksicht tun politische oder tomesnonelll Ueberzeugung. Svzialdemvtralen seien davon natürlich ausgenommen. Die geiell- schüftliche Stellung soll sich nach der Begründung des Antrages auf einen vermeintlichen Unterschied zwischen 111 el und Bürgertum beziehen: der ftriegsminmer letuit leinen Unterschied in der qesellschaftlichen Stellung adliger oder bürgerlicher Leute Auch im Ofsizierkorps werde da tem Untend'icb gemacht Tie Entschließung bedeute auch einen (imgriil M die Rechte des Kaisers und der anderen Kontingentsherren, ^tc erste Entschließung wird hierauf abgelehnt, die zweite anaenommen. Nächste Sitzung: Dienstag. ♦ Ter MahlvrüfunqSanSschuh erklärte die Wahlen der Abgg. Tr. Böhme (B. t F Marburg) und Riese berg (wirlsch. Bgg. Wanzleben) für gültig Ter Reichsverstcherung°a"8hchnh erledigte heute den Abschnitt über bat Verfahren bet Unfallsachen. Die aus ungefähr 50 Paragraphen bestehenden Einigungsanträge würben mit geringen Aenderungen angenommen. Nächste Sitzung Dienstag. Aus Stadt und Land. tti lenen. 11. ,>ebruar 1911. 2 U Landesuniversität. Der außerordentliche Professor Dr. med. Karl von Eicken hat den an ihn ergangenen Ruf nach Erlangen als Nachfolger des nach Halle berufenen Profeslors Alfred Denker ab- gelehnt. ♦* Qum Wohltätigkeits-Konzert am Sonntag geht nns aus Wiesbaden nachstehende Notiz zu: Zum erstenmal trat Fräulein Johanna Gets aus Berlin hier anfu nd hat es verstanden, sich auch stärkerem Wettbewerb gegenüber äußerst günstig zu behaupten. Die sunge xame, Dieser besondere Charakter der Faust-Dichtung gibt nun nicht zu übersehende Fingerzeige für^dte Buhnenetn- ricbtung des Werkes. Vor allem muß Goethe möglichst ungekürzt ru Worte kommen, xarum hat stch dte Direktion des totadttheaters bei der Inszenierung von dem Gesichtspunkte leiten lassen, den Faust als ernztg dastehende Dichtung und weniger als ausgesprochenes Buhnendrama vorzuführen. Im •allgemeinen wird Goethes LeLenswerk auf Provinzbühnen nur gegeben, wenn ein bedeutender Künstler als "Mephisto gastieren will. Dte 24 Bildernder -ragodie — ich spreche hier immer nur voni ersten -teile — sollen und müssen dann an einem Abend wohl oder übel herunter- gespielt werben. Daß das zu geradezu brutalen Kurzungen ober w übermäßiger Spieldauer führen muß, liegt aus der Hand. Eine einigermaßen zusammenhängende Vorführung der Tragödie beansprucht allermindestens 41/2 Stun- )en und dann wird dein Goetheverehrer noch mehr oder weniger gut zurecht gehauenes Stückwerk gezeigt. ^a lag denn der Gedanke sehr nahe, die Darstellung Mi en de zu verteilen, umso näher, da sich un- nptäir in der Mitte des Werkes bei der Verjüngung Fausts nieder Hexenküche ein organischer Einschnitt findet, -uejer Wea ist in der Tat von zahlreichen Regisseuren erster Rinnen beschritten worden, z. B. von Hermann Muller ü^"annooer (1877 . von Ad-ls Silbranbt in Wien (188.3 unb= neuerdings wieder vom Turmstädter Hostheater. ^ie Einwände, die gegen diese Teilung z. B. von Eugen Kilian vorgebracht werden, müssen nach Ansicht des Schreibers hMpr teilen vor der Bedeutung der oben dargelegten Grunde zurücktreten. Die Beilegung des Werkes in zwei Telle wird bei der hiesigen Aufführung umso weniger stören, als stets zwei aufeinander folgende Abende gewählt werden. . Kür die Zweiteilung spricht übrigens noch etn rem praktischer Grund. Eine mindestens llc- lehr..oft aber ö bis 6 Stunden dauernde Aufführung stecht nnnllich an aus der Schule von Etelka Gerster in Berlin hervorge- gangen, hat seltene Gaben und Vorzüge für ihre lauj- balm mitgebradit. War audi ihre stimme, ein Heller, kraftvoller, in a len Lagen gleichmäßig entwickelter Mizzo- sopran von sehr angenehmeni Mlang, in den ersten bern von einer Poraudgcgangenen Erkaltung noch nich« ganz freigesungen, so gewann dock) Stimme, wie Sicherheit und Wärme des Vortrages mehr und mehr, und die geschmackvoll ausgewählten Lieder von Brahms, Ammann, Weingartner, Franz u. a. „boten einen hoben Äe- nuf». Tie vorzügliche Schule und hervorragende totimm- begabung wird Fräulein Geis nock) zu großen Erfolge» führen; nud) sie wird uns, gleich ihren beiden ftunftgenosjen, stets willkommen sein. ♦* Alldeutscher Verband. Man schreibt uns': Während der Alldeutsche Verband 1910 daS Andenken an die Reichsgründung in festlicher W:ise beging, ifit er in bi; em Fahre 'm Rücksicht auf seine Beteiligung au der städtischen Feier von der Veransta.tung eines eigenen Abends zuiuck- actrctcn. Er beabsichtigt dafür, die B 0 r t r a g s a b c 11 de des ganzen Jahres in gewissem Sinn dem C4ebcn.cn an die Gründung des Reichs zu widmen, mdem er als Gegenstand dafür die Entwicklung der wichtigsten deutschen Stände unter den neuen dnrckf die Reichsgründung ge,chaf,e- neu Verhältnissen wählt. Ter erste Vortrag über die Entwicklung b er deutschen Landwirtschaft, bett Professor Dr. GisevinS übernommen lut, wird nächsten Donnerstag in Steins Garten st all finden. •• Alice-Frauenoeren für Krankenpflege. Auch m diesem Jahre wird der Alice-Franenverem einen VortragS-LursuS für Frauen und Diadchen i'bcr bie Pflege Verwundeter und Kranker unentgeltlich veranstalten. Die Kurie werden, für ade Teilnehmerinnen von gronent Nutzen sein; sie vermitteln Kenntnisse und prattischc Fertigkeiten, durch die sich die Teilnehmerinnen, auch abgesehen von jedem Slrieq und seiner Not, im bürgerlichen Leben, in der Familie oder sonstwie sich und ihren Nebenmenschen durch Rat und Beistand nützlich erweisen können. Ter Alice-Frauenverein für Krankenpflege betrachtet es al5 seine vornehmste Ausgabe, Beruiskrankenvflegerinnen auS- rubilden und anzustellen. Ta die AnstellungS-, Gehalts- und Pensionsverhältnisse der Schwestern deS Alice-FraucnvereinS recht günstig sind und sich gegenwärtig ein Mangel an Schwestern bemerkbar macht, so ist hier Frauen und Mädchen eme paßende Gelegenheit zur Erlangung einer Erwerbs. .tellung geaeben. Nähere Auskunft erteilt die Vereins- Vorsitzende Fran Geh. Justizrat Gebhardt, Bergstraße 3. ** Der Bäcker gesellen-Der ein „Früh aust^ begeht in diesem Jahre bie Feier seines 25jäf) r igen Bestehen^. Das Fest soll während der Cftcrfeicrtage in größerem Rahmen abgehalten tverben. Ter Fe,lauS- schu'ß ist ei r.q bemüht, eine schöne Feier zu veran a tcu uuv viele Fremde werben hierzu erwartet. Aus Frankfurt a. M., Mannheim, Mainz, Wiesbaden usw. haben stch bereits gletckn. Vereine mit größerer Teilitehmerzahl angernelbet, tote auch bie früheren Mi g.ieber bes Vereins, bie saft samtliui selbständig sind, ihm Zusage ,zur Teilnähme gegeben der Gntfd)H = fiun6?n. Da. Zentrum ersucht den Reichskanzler, dahui zu wirken, daß Gesuche um Besreiuitg von M 1 I t t ar pf I i fb 11 g e n vom »kliven Dienst aus Billigkeitsgründen, bewnders bei Gesuchen von Ditwen, möglichst wohlwollend behandelt werden.. Das. Rerchs- militärgcfcB soll dahin geändert werden, daß bet Villlgke ^runden die Befreiung Militärpslichtiger durch U.eberweifung. zum ~anb sturm ersten Au'aebots sowie bie vorzeitige GmtlaiJUuS bereif dienender Mannschaften durch die Erfatzbehorden dritter Jnft z zu verfügen ist. Von der Mllitärverwaltuna,und den Konservativen wird diese Entschließung als uberflusfig erachtet, von der Fortschrittspartei emvsohlen. L-ic wird schließlich angenommen unter Streichung der Worte „besonders bei Gesuchen von Witwen". In dieser Fassung erklärte Generalmafor Wandel die Resolution für unbedenklich. ~ Tw fortschrittliche Volk sparte 1 beantragt eine Ent- sckließung, die den Reichskanzler ersucht, daß bei der^ Besetzung militärischer Stellen allein die persönliche -tu m 11 g - leit ohne Rücksicht auf die volilische ober konfeslionelle Ueberzeugung oder die gesellscha'tliche Stellung entscheiden foll. llrne zweite Entschließung der BolkspaOtei verlangt unter Bezugnahme aus frühere Beschlüsse des Reiäistags, daß die Reform des gesamten Militär st rasrechts, des Beschiverderedits um haben. **DasUrteilgegenben Friedberger Bom-« benattentäter Werner rechtskräftig. Sie vom Rechtsanwalt Dr. Tuteur L, Kaiserslautern, dem Vertet-. biger Werners, gegen bas Urteil bes Gießener Schwurgerichts beim Reichsgericht eingelegte Revision ist durch Beschluß bieses Gerichts z u r ü ck g e w i e s en, weil der Verteidiger nur mit Einwilligung ber Ettern bes Verurteilten aber ohne Zustimmung bes letzteren bas Red)tsmtttev eingelegt hat. Das Reichsgericht sah von einer osfent- lidfen Verhanblung ber Sache ab, well ber junge Werner selbst gar nicht gewillt gewesen sei, bas Urteil auzusechten, sonbern ausbrücklich erklärt hat, baß er es als volllommei, aeredit annehme. Hiernach sei bie Revision als unzulasfig gegenstaubslos geworben. Ans ben Kreisen ber Juristen (jört man übrigens, baß bie Begrüubung, die Rechtsanwalt stuschaner wie Darsteller derart hohe Anforderungen, baß bort bie Aufnahmefähigkeit, hier bie Spannkraft unbebtngt erlahmen müssen. Wenn ber erste Abenb mit ber Hexenküche schließt unb ber zweite mit ber Gretchentragöbie einsetzt, so ist es möglich, bie 24 Bilber bes ersten Teils ohne größere Strick/e, ohne finnentstellenbe Zusammenziehungen ober illafion- störenbe Verlegungen bes Sd'.auplatzes in Vorstellungen von normaler Dauer vorzuführen. Daß ber Bühnenmög- Lid) feit immer gewisse Zugestänbillsse gemacht werben müssen, braucht wohl nicht besoiibers betont zu werben. Für bie hiesige Ausführung sinb Erfahrungen, die sich aus anberen Faustausfichrungeii ergaben, nach Möglichkeit benutzt worben; es kamen in Betracht bie Infzenierungen von Mar Reinharbt, von MartersteiA in Köln, von Kilian in Karlsruhe, vom Münchener Künstlertheater u a. Aber auch ber bestinformierte Regisseur kann nicht ohne weiteres an bie Verwirklichung noch so wohlbebachter Absichten gehen, er bleibt in gewisser Hinsicht abhängig von ben szenischen Mitteln, bie ihm sein Theater für cm derartiges Werk zur Verfügung stellt. Unb-^a darf immerhin gesagt werben, baß bie maßgebenben stellen ber yie- jiqen Bühne weber Anstrengungen noch Aufwendungen gescheut haben, um eine roürbtge Ausführung zu ermöglichen; so würbe z. B. für bie Walpurgisnadit eine befvnbere Effektbampfleitung eingebaui, unb bic Konstruktion einer etwas kleineren Hinterbühne soll sdfnelle unb offene V'r- wanblungen für ben zweiten Abenb erleichtern. . Die obigen Ausfühmngen beziehen fich lamliim auf ben ersten Teil bes Faust, ber hier vorläufig all?'- in ^ra95ürCe?ne Inszenierung bes zweiten Teiles, bie aber erst für eine ber nächsten Spielzeiten geplant ist, müßten anbere Gesichtspunkte maßgebend» sein, bereit Darlegung für später vorbehalten blecht. Hermann Steingoetter. ■internationale Statistik, gcsöidcrr hat, wie feiten einer. Zehn Fahre (1869—79, war er Leiter der amtlichen bayertfd^n ^tatilht. Was er damals geleistet, war grundlegend und bahnbred)end wr die folgende Entwickelung und ben l)eulh.en Stand der baperifchcn Statistik, namentlich die ReichZstatistik selbü ror.rbe ftark beeinüutzt u befruchtet. Trotz seines AussckcibcnZ aus seiner amtlichen statistischen Wirksamleit im Jahre 1879 hat er bis zum heutigen Tage ber Statistik bie Treue seiner regen Mitarbeit bewahrt. Bei allen beb entfernen Fragen, welche bie bcutsche Stalifttk zu Io, en hatte, hat er immer ein gewickstiges Wort mügefprochen — teils m Form von Anregungen ober Gutachten, teils durch ftritu bet fertigen Leistung, teils durch Mhandlungen, Schriften, Bucher, teils aus dem Katheder und durch sonstige Vvrttaae. . Uni dem Dank für die großen, blcibenben Verdien,te, die Georg von Mayr sich um alle EinzelgebiCte der Ltatillik erworben, würdigen Ausdruck zu verleiben, einigten ,ich zahlreiche ^deul'che Statistiker auf den Gedanken, dem Altmeister ber beut,dien Ätaiiltit zu seinem 70. Geburtstage eine Ehrengabe zu widmen. Als solche wurde ein Werk verbreitet, das „D ic Statistik in Deutschland nach ihrem heutig eii tot an d" zur 2 ar- stellnng bringt. Die Herausgabe des Werkes übernahm der Direktor des K. Bayerischen Statistischen Landesamtes Ministerialrat Tr. Friedrich Zahn in München, unb bg eme statrsliiche äahl von Fadynännern aus ber Reichs-, Landes-, ftommunal-, und Privatstatistik sich zur llcbernahme von Einzelb^ragen bereit erklärten wurde es möglich, das so umsa, sende Thema Mit einer Ausführlichkeit unb Gründlichleil zu erschöpfen, wie ne bisher wohl nicht erreicht war. Das Werk dm en Fcrttgftellung , owett nebief-'*- ist, daß es in wenigen Wochen auch im Buchhanbel (I Schweitzer Verlag, München, 2 Bände, rund 1800 toeilen) erscheinen kann, wird am 12. Februar dem Jubilar überreicht. Ult; stellt »■ ""TU*1* Zweiter Blatt lbf. Zahrgang ° Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gderheffen Goethes Zaust im Eichener Ztadttheater. Zur Aufführung des „Faust" im Gießener Stabttheater nm nächsten Dienstag unb Mittwoch wirb uns geschrieben^ Die Ausführbarkeit von Goethes Faust war von jeher ein Problem unb bie Meinungen barüber gehen 5um Teil heute noch auseinander. Ter Dichter selbst hatte ursprung- lid) an eine Aufführung seines Lebens Werkes nicht gebadzt unb er staub bem ersten Versuch einer solchen — 18-9 unter ftlingemann in Braunschweig — recht skeptisch gegen- Wenii 'heute wenigstens ber erste Teil ber Tragöbie sich Bühnenrecht errungen hat, so verbankt er bas Jemen rem dramatischen Qualitäten wohl erst in zweiter -ime. ~ _ Eugen Kilian, ber Qberreaisseur unb Dramaturg oc. Münchener Hostheaters, von bem eine eigene Buhnenmn- rid)tung ber Dichtung herrührt, behauptet sogar, baß oei Faust „sich in seinem weitaus größten Telle gegen tue theatralische Darstellung sträube unb baß er in feinem ausgesprochen ^nbramatischen unb nnthcatralifchen Eya ratter seines feinsten dichterischen Reizes auf dem Theater ^E^^Wenn^ biefe Meinung wohl auch zu weit geht, benr. den meisten Gretchenszenen ist boch eine unmittelbare bra- matische Wirkrmg kaum abzusprechen, so ist boch sicher bei außerordentliche Eindruck, den die Faustdichwng auch voii der Bühne herab, nack) einer nunmehr 80jährigen Erfahrung, stets hervorruft, aus anderen Gründen herzuleiten, als ans denen einer echt draniatif'dzcn Anlage. _ Dieser Eindruck beruht, mit kurzen Worten, auf dem Umstand, daß in dieser Dichtung eben einer der erlauchtesten Geister der Deltllteratur zum Hörer spricht. Heinrich Bulthaupt kann deshalb in seiner „Dramaturgie des tochau- spiels" mit Reckt sagen: „daß gerade diese Dichtung Goethes von jedem Gebildeten mit heiliger Scheu angefchaut werbe . Faust trägt in w vielen Worten unb Gebanken den Geniestem pel ewiger Geltung wie kaum ein zweites V>erk deutscher Zunge, und das verleiht ihm eine einzigartige Popularilat. i|ß Gißssßn. ggBtt ist ei|0fr1&£>'i Der Budget auSschuß bewilligte lieute im eriien Tat Jein er Sitzung die Mehrsorderungen des Haushalts sur ,-kUß- »rtiHerie unb lionierr ohne Erortcrunü, ©enetalnu or Wandel begründet die Forderung eines Kraftiahrbatailllms und führt auß: daß die Mannschaften dieses Balallwns nickt mir im technischen Dienst, sondern auch im insanteri,ttsd>en Gefechts dienst auägebilbft werden müssen. Dazu ist es erfordcrlid), daß die Komvagniesührer beritten sind. .. . - Von einem Abgeordneten werden Mitzbrauche in dir Bc- of- reitk des Fuhrunternehmers Marx, Wolkengasse 16/18, für 38 000 Mk. erworben. Die Käufer wollen die alten Gebäude, die aus dem nach der Straße zu offenen Hof- raum keinen sehr schönen Anblick gewähren, niederlegen lassen. '** W ahres Geschichtchen. „Daß dut's net mich, die Welt is zu schlecht — eih muß ’n Bollezeihund huu!" meinte jüngst der neuangestellte W a ch t m e i st e r eines Taunusörtchens. Und da ihm die Gemeinde keinen genehmigte, so verschaffte er sich selber einen. Stolz durchzog er mit dem vierbeinigen Beiwächter mit Spieß und Horn abends die Ortsftraßen und freute sich nicht wenig, wenn der wackere Luchs jeden Vorübergehenden anknurrte. Da nahm der Hund eines Abends plötzlich die Raft zu Boden, schnüffelte, wedelte und benahm sich so, daß sein Herr ganz aus dem Häuschen war. Einige Leute kamen hinzu. „Do is 'n Spitzbub in d' Gang!" sagte der Wächter der Nacht ganz bestimmt, „baßt entöl uff, den wern m'r gleich hawe"? Und er ließ den Hund von der Leine, der „die Spur sofort aufnahm" und, siehst de nicht hast de nicht, zu dem Hause seines Brotherrn eilte, wo er im Hose einen Fremden verbellte. Der Hüter der Ordnung und das übrige Publikum eilten herzu. „Wer biste und was willste hi e?" so schallte des Nachtwarts Stimme dröhnend in die Nacht den knorrigen Ziegenhainer schwingend. „Mach doch so kaa Bosse, kennste mich denn nit? Eich sein do un will das Geld for mein Hund, den ich d'r neilich verkaaft hab. Wenn eich mein Geld jetzt nit sofort krieh, nnmm eih 'n wirrer mit!" dröhnte es entgegen. Da der Nachtgewaltige gerade nur einen blauen Lappen hatte und niemand diesen wechseln konnte, so zog der „Spitzbub" mit „Luchs" ohne weiteres von bannen. — Jetzt geht der Nachtrat ohne Hund, nur mit Spieß und Horn, un es dut's ach su! Landkreis Gießen. — Lollar, 10. Febr. Der Radfahrer-Verein Lollar „189 5”, der 68 Mitglieder hat, hielt gestern abend in der „Germania’' seine Hauptversammlung ab, die sehr gut besucht war. Nach dem Jahresbericht hat der Verein im vergangenen Jahre wieder überall gut abqeschnitten und steht in seinen sportlichen Leistungen auf der Höhe der Zeit. Der Vorstand wurde meistens einstimmig wiedergewählt. Bei der Rechnungsablage wurde ein guter Kassenbeftand fest- gestellt, so daß von den Anteilscheinen, die zur Beschaffung von Saalmaschinen angelegt wurden, zehn ausgelost werden konnten. 2ich, 10. Febr. Nachdem da? Lißberger Projekt eines Elektrizitätswerks aufgegeben worden ist, wird dec hiesige Gemeinderat von den gewerblichen Jnter- effenten gedrängt, unter allen Umständen unsere Gemeinde recht bald mit elektrischem Licht und Kraft zu versorgen. Man plant, ein eigenes Werk anzulegen. Zu diesem Ende sind bereits Erhebungen im Gange. Kr. Muschenheim, 10. Febr. Das Volksbildungs- Wesen scheint in unserer Gemeinde wieder etwas aufzuleben. Vor einigen Wochen veranstaltete Pfarrer Doering und Lehrer Günther einen Lichtbildervortrag: Die ev. Mission m den deutschen Kolonien. Am Montag abend nun veranstaltete Lehrer Günther mit seinen Schulkindern eine sehr schöne Kaisergeburtstaasfeier. Der Saal des Gastwirts Roth war fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Lehrer Günther begrüßte die Erschienenen, und Lehrer R u p p e l brachte das Hoch 'auf den Kaiser aus. Hierauf hielt Lehrer Günther einen längeren Vortrag über die Königin Luise. In den Vortrag waren eingeflochten passende (Hyöre des Gesangvereins Liederkranz und Gedichte, die von den Schülern in schöner, verständnisvoller Wei'e vorgetragen wurden. Hierauf folgten noch einige Vorträge der Schulkinder, die auf Kaisers Geburtstag Bezug nehmen, ebenso noch mehrere dreistimmiae Schülerchöre. Die Feier verlief sehr schön und die Anwesenden waren von dem Gebotenen befriedigt, das bewies der gezollte Beifall. -Grünberg, 10. Febr. In einer gestern abend abgehaltenen Sitzung hat der Gemeinderat die am Mittwoch abgehaltene Jagdverpachtung der hiesigen Ge- metndejagd nicht genehmigt. Es wird infolgedessen m 14 Tagen zu einer nochmaligen Verpachtung kommen Es hatten gestern gesteigert: den 1. und 2. Jagdbezirk denen zum erstenmal der fiskalische Jagdbezirk „Hölzchen" in der Gemarkung Stockhausen beigegeben war, W Albers tn Laubach zum Preise von WO Mk. Gegner war Fabrikant Karl Repp in Grünberg; den 3. Jagdbezirk Karl Jäckel VI tn Grünberg und zwei Teilhaber für 70.5 Mk., Gegner war Rentier Ober von Frankfurt la. M., den 4. Jagdbezirk Rechtsanwalt Beilstein in Grünberg für 275 Mk., Gegner war Karl Dörr in Grünberg; den 5. Jagdbezirk Fabrikant Karl Repp in Grünberg für 200 Mk , ohne Gegner. Der Gesamterlös war geringer als seither. Dem Vernehmen nach sind Nachgebote eingereicht worden. Kreis Schotten. O Laubach, 10. Febr. Heute fand unter Vorsitz des Geh. Schulrats Nodnagel am hiesigen Gymnasium die mündliche Maturitätsprüfung statt, der sich 11 Schüler unterzogen. Vier waren infolge guter schriftlicher Leistung von der mündlichen Prüfung befreit, die übrigen sieben bestanden. Kreis Wetzlar. ---- Erda, 10. Febr. Ter vor Jahresfrist gegründete Männergesangverein zählt jetzt 60 Sänger und hat die Anschaffung einer neuen Fahne beschlossen. Der Verein in dem „Sängerbund am Dünsberg" beigetreten und hofft daher auf eine große Beteiligung an feinem Fahnenweihfesle am 16. und 17. Juli. 1. Sitzung Großherzoglicher Handelskammer Gießen für die Streife Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. Gießen, 30. Januar. . Anwesend sind die Herren: Geheimer Kommerzienrat Heichel- henn als Vorsitzender, Kommerzienrat Schirmer als 1. stellvertretender Vorsitzender, Kommerzienrat Grünewald als 2. stellvertretender Vorsitzender, Dürbcck, Friedberger, Jhring, Klingspor, 7?UI}fer, Roll, Ramspeck, Rinn, Röhr, Rühl, Stammler unb der Syndikus. Vor Eintritt tn die Tagesordnung bringt der Herr Vorsitzende ÄÄ" Begrüßungsworten die Bestätigungs-Urkunde des Grotzh. Ministeriums des Innern über die am Ende des ver gangenen Jahres stattgehabten Ergänzungswahlen zur Handels lammet zur Verlesung. rtJ--? "nstituierung der Handels kämme r. , rp,®cmao 25 des Handelskammergesetzes hat die Han «tu kmes jeden Jahres aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden, sowie einen oder zwei Stellvertreter desselben zu Wahlen. Bei der vorgenommenen Wahl wurden die Herren: Geh fe(l?;3eini Vorsitzender, Kommerzienrai Kommerzienrat E. Grünewald Zllsseld alS 2. stellvertr. Vorsitzender wiedergewähll. Als Rechner der Kammer wurde der Kaufmann E. Röhr ebenfalls wiedergewählt. Ferner beschließt die Handelskammer, da sie eine Ersatzwahl für ihr verstorbenes Mitglied, Herrn Kommerzienrat L. Heyligenstaedt, für erforderlich hält, an Großh. Ministerium des Innern die Bitte zu richten, in Gemäßheit von Art. 19 Abs. 5 des Handelskammergesetzes die Vornahme dieser Ersatzwahl anzuordnen. 2. Lesungitder Einleitung zum Jahresbericht für 1910. Ter Entwurf der Einleitung zum Jahresbericht für 1910 wird einer ausführlichen Besprechung unterzogen und mit einigen Abänderungen genehmigt. 3. Eingänge. a) Wanderlager, Hausierwesen,Detailreisen. Der Verband der Rabattsparvereine Deutschlands strebt schon seil Jahren ein gesetzliches Verbot der Wanderlager bezw. eine Einschränkung derselben durch schärfere steuerliche Heranziehung sowie eine Beschränkung des Hausierwesens und Tetailreisens durch Einführung des Bedürfnisnachweises an und erbittet hierzu die Unterstützung der deutschen Handelskammern. Tie Handelskammer erkennt im„ Prinzip die Bestrebungen und Forderungen des Verbandes für berechtigt an, hält aber ein Vorgehen ihrerseits in der gedachten Richtung zurzeit für aussichtslos, zumal erst durch Gesetz vom 1. April 1910 in Hessen eine stärkere Besteuerung der Wanderlager stattgefunden habe. b) Gesetzentwurf betr. Mißstände int Heil- g e werbe. Der Deutsche Drogistenverband hat um Unterstützung einer Eingabe an den Reichstag gebeten, in welcher er sich int besonderen gegen die Fassung des § 6 des Gesetzentwurfs betr. Mißstände im Heilgewerbe wendet. In diesem Paragraphen wird nämlich der Kreis der Fabrikate, deren Verkauf beschränkt oder Untersagt werden kann, außerordentlich weit gezogen, so daß eine schwere Schädigung des Drogisten-Gewerbes befürchtet werden muß. Ferner bestimmt § 6, daß dem Bundesrat eine aus Rechtskundigen und aus dem Gebiet der Medizin, der Tierheilkunde und der Pharmazie entnommenen Sachverständigen bestehende Kommission beigegeben werden soll. In dem Umstande, daß das Drogistengewerbe in dieser Kommission überhaupt nicht vertreten sein wird, erblickt man eine Zurücksetzung des Standes. — Die auf leine entsprechende Aenderung des § 6 hinzielenden Anträge des Verbandes finden die Zustimmung und Unterstützung der Handelskammer. c) Tarifierung von Wild und Geflügel. Der Deutsche Wilb- und Geilügelhäiidler-Verband bittet um Unterstützung seiner Bestrebungen, welche auf eine Beförderung von Wild und Geflügel als Eilgut zu gewöhnlichen Frachtgutsätzen durch Einreihung des Artikels Wild in den Spezialtarif für be- Itimmte Eilgüter hinzielen. — Tie Handelskammer erkennt die Forderung grundsätzlich als durchaus berechtigt an, beschließt aber bei der Tragweite des Antrages noch weitere Ermittelungen anzustellen. d) Internationales U eb er ei nk o m m e n über den Eisenbahn-Frachtverkehr. Nach Artikel 18 des internationalen Uebereinkommens über den Eisenbahnfrachtverkehr ist bei dem Vorliegen eines unüberwindlichen Transporthinüer- nisses die Eisenbahn nur verpflichtet, den Absender, nicht aber den Adressaten, um anderweitige Disposition über das Gut anzugehen. Die Handelskammer stimmt einem Vorschläge zu, wonach Artikel 18 des Uebereinkommens dahin ergänzt werden soll, daß außer dem Absender auch der Empfänger entsprechend zu benachrichtigen ist und ihm anheim gegeben werden soll, in den Frachtvertrag einzutreten bezw. das Gut an Ort und Stelle abzunehmen. e) Prüfungsordnung für den Einjährig- Freiwilligen-Militärdienst. Der Deutsche Verband ür das kaufmännische Unterrichtswesen hat beim Bundesrat und der Reichsschulkommission eine Aenderung der bestehenden Prü- rungsordnung für den Einjährig-Freiwilligen Militärdienst dahingehend beantragt, daß 1. künftig junge Kaufleute an den Handelsrealschulen als Extraneer zum Einjährig-Freiwilligen-Eramen zn- gelassen werden und 2. die bestehende veraltete Prüfungsordnung nach dem Vorbild der bei den höheren Schulen für die Erwerbung der Einjähriy-Freiwilligen-Berechtigung gestellten Anforderungen reformiert wird. — Die Handelskammer, welche dem genannten Verbände als körperschaftliches Mitglied angehört, stimmt diesen Anträgen zu. f) Vorgehen gegen N ahrungsmittelv erfäl- chung. Eingaben verschiedener Verbände über das Vorgehen gegen Nahrungsmittelverfälschung geben Veranlassung zu einer Aussprache, bei der festgestellt wird, daß auch im Kammerbezirke lebhafte Klage über die Mängel des Verfahrens vor der Erhebung der, öffentlichen Anklage geführt wird und daß eine Reform auf diesem Gebiete dringend notwendig sei. Die Handelskammer beschließt, in dieser Angelegenheit noch weitere Unterlagen zu sammeln und alsdann entsprechende Schritte zu unternehmen. 4. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben: a) D er Wagen- Und Zolldienst am Güter- Gießen hatte einer größeren Anzahl von Interessenten Anlaß zu Klagen gegeben. Um ihre Unterstützung in dreier Angelegenheit angegangen, hatte sich die Handelskammer mit einer entsprechenden Eingabe an die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. gewendet. Daraufhin ist ihr von der genannten Behörde der Bescheid zugegangeit, daß die Uebertragung des Wagen- dienstes tn Gießen an den Bahnhof (Personenbahnhof) versuchsweise zur Beschleunigung des Wagenumlaufes eingerichtet worden sei. Tie Versuche seien noch nicht abgeschlossen, w paß zurzeit noch nicht angegeben werden könne, ob die Wiedereinrichtung der früheren Verhältnisse möglich sein werde. Hinsichtlich der beklagten Nichtbereitstellung der mit Zollgut beladenen Wagen am Zollschuppen an i>en Viehmarkttagen Jollen für die Folge auch an diesen Tagen die Zollwagen, die bis 6 Uhr morgens eingehen, sofort am Zollschuppen bereit gestellt werden. An besonders stark befahrenen Viehmarkttagen könne cs jedoch vorkommen, daß einzelne Zollwagen nicht unmittelbar vor die Tore am Zollschuppen bereit gestellt werden sondern tn demselben Gleis, aber etwa 30 Meter von den Toren des Zollschuppens entfernt, an der Ladebühne der Güterabfertigung ab^estellt werden müssen. b) Es ist in Anregung gebracht worden, den Ausnahme- ^^tf.für Braunkohlenbriketts vom rheinischen, hessen- nassauischen und oberhessischen Bezirk, der jetzt nur zum Betriebe der Generatoren der Siemens-Martinöfen nach den Stationen Getswew uiw. gilt, auf die Bezüge zum Betriebe der Generatoren von Puddel- und Schweißöfen des sogenannten Notstandsgebietes auszudehnen. — In ihrem gutachtlichen Bericht an die Kgl. Etsenba.hndirektwn Frankfurt a. M. hat die Handelskammer sich gegen dielAusdehnung dieses Tarifes ausgesprochen, weil dadurch die Wettbewerbsverhältnisse weiter zu Ungunsten der oberhessischen Braunkohleuindultrie, welche schon an sich gegenüber der rheinischen Braunkohlenindustrie im Nachteil ist, verschoben werden würden. . . ,,c) Iii einer gutachtlichen Aeußerung an die Kgl. Eisenbahndirektion _A-ranfturt hat sich die Handelskammer im Interesse der in igt^m -öeäirfe eingesessenen Seifenindustrie dahin ausgesprochen, daß Palmöl, wie bisher, so auch sernerhin den Vorzug des Ausnahmetariss S 25 genießt. di Einen bei der ständigen Tarifkommission der deutschen Eisenbahnen gestellten Antrag auf Aufnahme von Eisenbetonwaren in den Spezial tarif III hat die Handels- tammer bet der Kgl. Eisenbahndirektion Kattowitz befürwortet. _ d ,Irt Gemeinschaft mit der Handelskammer Friedberg hat die .vanrelskammer Schritte 'wegen Einführung eines Vieh- expreßzuges unternommen, der, in Hamburg abgehend, in H an.n oü er die Dlehtransportc von Bremen,Oldenburg, Leer, in • et en len das Vieh von Berlin über Kassel, in Gießen ne Viehwagen der Strecke Fulda—Gießen für den Viehho' Dachsenhausen ausnehmen und in Frankfurt-Sachsen bauten einmünden.würde. ^£uf eine an die Kgl. Eisen bahiidirektion Frankfurt a. M. ge- cia>tete Bille, für eine unbedingte Sicherstellung zwischen den Zügen I z 513 (Ankunft in Gießen 11.59 vormittags aus der Richtung Gelnhausen—Gießen) und D 78 (Abfahrt von Gießen 12.03 nachmittags in der Richtung Gießen—Frankfurt) besorgt zu fein, ist der Handelskammer der Bescheid zugegangen, daß bei der Ausstellung des Fahrplans für das Jahr 1911/12 in Erwägung gezogen werden soll, den Zug 513 wieder in seine frühere Sage (Gießen an 11.41 vorm.) zu bringen. g) Einem Anträge der Handelskammer auf eine Verlängerung des Fernsprechdienstes beim Postamt in Romrod konnte die Kaiserl. Oberpostdirektion Darmstadt nicht entsprechen, da sie hierfür ein allgemeines erhebliches Bedürfnis nicht anerkennen konnte. h) Vom Deutschen Tabakverein ist dem Reichsschahamt ein sehr ausführliches Gutachten über den Entwurf von 3iga = retten ft euer-Ausführungsbe st immunden erstattet worden. Die Handelskammer hat das Großh. Ministerium des Innern gebeten, die unveränderte Annahme dieser Anträge an geeigneter Stelle zu befürworten. i) Die Handelskammer hatte in einer Reihe von Fällen Gelegenheit, sich zu Anträgen auf Bewilligung eines zollfreien Veredelungsverkehrs gutachtlich zu äußern. k) Der Frühjahrsverkehr auf den Eisenbahnen wird auch in diesem Jahre voraussichtlich wieder hohe Anforderungen an den Güterwagenpark stellen, so daß die rechtzeitige Bestellung aller angeforberten Wagen nicht immer möglich sein wird. Sehr schwierig wird es insbesondere auch wieder werden, die für Düngemittel angeforderten Wagen nach den Wünschen der Versender und Empfänger unverzüglich und stets vollzählig zu stellen. Einem Wunsche der Kgl. Eisenbahndirektiou Frankfurt a. M. entsprechend, richtet daher die Handelskammer an die beteiligten Kreise, insbes. an die Verfrachter und Verbraucher von Düngemitteln, die Bitte, die Bestrebungen der Eisenbahn- verwaltiingen auf eine glatte Abwickelung des Verkehrs nach Kräften dadurch zu unterstützen, daß sie die zur Frühjahrsbestellung erforderlichen Düngemittel und sonstigen Bedarfsgegenstände möglichst bald einkaufen und noch vor Beginn der Feldarbeit beziehen. Dabei müsse von allen Sellen darauf gehalten werden^ daß die Wagen umgehend be- und entladen werden, sowie datz das Ladegewicht — namentlich bei den Wagen mit 15 Tonnen; Ladegewicht — voll ausgenutzt wird. 1) Von unterrichteter Seite liegen der Handelskammer noch Mitteilungen vor über zweifelhafte Firmen in Großbritannien, Niederlanden, Rußland, Serbien, Spanien, Asiatischen Türkei, ferner über wirtschaftliche Verhältnisse in Sibirien, Beteiligung an russischen Ausstellungen, ständige Lehr-Ausstellung für die Fortschritte der Maschinentechnik in Dresden. Nähere Auskunft hierüber wird auf dem Sekretariate der Handelskammer erteilt. Außerhalb der Tagesordnung wird auf Antrag des Herrn Vorsitzenden noch beschlossen: 1. wegen Aushebung des Verbotes der Viehmärkte in Gießen eventuell in Gemeinschaft mit der Großh. Bürgermeisterei Gießen beim Großh. Ministerium des Innern vorstellig zu werden; 2. zwecks Vorberellung einer Eingabe an das Reichsbankdirektorium wegen Umwandlung der hiesigen Reichsbanknebenstelle in eine Reichsbank st elle und wegen Bereitstellung hierfür geeigneter Räumlichkeiten die erforderlichen Unterlagen zu beschaffen; 3. eine auf den 1. Februar nach Rod heim einberufene Versammlung zu beschicken, in welcher die vorbereitenden Schritte für ein Bahnprojekt Gießen — Krofdorf — Rodheim — Bieber — H ohensolms — Gladenbach, — Sieben« köpf — Battenberg unternommen werden sollen. <ßcricbt$faaL R. B. Darmstadt, 10. Febr. Eine interessante Ge« richtsverhandlung mit stark politischem Hinter« gründ fand heute, vor der hiesigen Strafkammer statt. Am 11. November v. I. hatte in Offenbach im Gewerkschastshaus eine sozialdemokratische Versammlung stattgefunden, in der gegen die Errichtung einer Fabrikkrankenkasse der Firma Theodor Böhm protestiert wurde. Im Anschluß daran fand bann der bekannte große Kimdgebungszug statt, der unter wüstem Schreien, Johlen und Pfuirufen unter Führung des Redakteurs Georg Kaul vom sozialdemokratischen „Offenbacher Abendblatt" durch die Straßen zog unb vor der Wohnung des Stadtverordneten Böhm eine Zeitlang die ärgsten Schmährufe ausftieß. Der genannte Redak' teur war deshalb des Vergehens gegen die Art. 7 unb 19, Abs. 1 des Reichsvereinsgesetzes und bes Art. 360 (Groben Unfug) ange» klagt, aber nur wegen des letzteren Vergehens zu 40 Mt. Geldstrafe verurteilt worden, wobei der Amtsanwalt Dr. Aull noch ausdrücklich das Verhalten des Angeklagten öffentlich belobte. Der Amtsanwalt legte aber doch sofort Berufung ein. In der heutigen umfangreichen Verhandlung wurde nun durch Zeugen nachgewiesen — was der Angeklagte Kaul hartnäckig bestritt daß er tatsächlich der Leiter und Führer des Zuges gewesen fei unb daß er auch vor der Wohnung des, Stadtv. Böhm durch seinen angeblichen nur einmaligen Ruf „Pfui Böhm" das Zeichen zu den weiteren Schmährufen gegeben habe. Staatsanwalt Schreiber geißelte scharf das Treiben des Angeklagten, der als gebildeter Mann sich der Konsequenzen bewußt sein mußte, die sein Beispiel mit dem Pfui-Ruf nach sich zog. Die Straße sei zum freien Verkehr da und dürfe nicht zum Tummelplatz wüster De» monstrationen gemacht werden. Ter ganze Aufzug fei einem ober- bayerischen Haberfeldtreiben vergleichbar gewesen, bei welchem der Angeklagte die Leitung hatte. Der Staatsanwalt bean« tragte für die beiden Delikte, das Vergehen gegen das Reichs« Vereinsgesetz und den durch die Demonsttationen verübten groben Unfug, je 3 Wochen Haft. Das Gericht gab der Berufung stall unb verurteilte Redakteur Kaul wegen des Vergehens gegen das Reichsvereinsgesetz zu 30 Mk. Geldstrafe unb wegen bes groben Unfug zu 14 Tagen Haftftrafe, sowie zur Tragung bei Kosten beider Instanzen. Die Haftstrafe hat das Gericht für angemessen gehalten wegen des gefährlichen Charakters der be- gangenen Ausschreitungen. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer auf einen Ausspruch des Ma. Ulrich in der Stadtverordnetenversammlung hingewiesen, daß ein Blutbad nur verhindert worden sei, well sich die Polizei in keiner Weise zum Einschreiten herbeiließ; auch her Verteidiger des Angeklagten hatte aus- gesührt daß es zweifellos zu Tätlichkeiten gekommen wäre, wenn Kaul den Demonstrationszug nicht abgelenkt, sondern ihn zv der Wohnung des früheren Krankenkassenrechners Greb hätte marschieren lassen. Anwesen lchaftSbauS, mit oder für Waren» (icfcbäft geeignet, in bicf. fflcarnb bei bober »nAnblitna zu kaufen gesucht. 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StaatsaM^ des Ängeklagten. t wmßt sein mte,b., Die Strafet rn» mmelplah wüster llufzug in nnem L gewesen, bet W* Staatsanwalt , I Serif« W lat'das^Ä £ iwaUafl&tDr, 9eK?bern in " ne interessante @e« tischem hinter' ifkammer statt. 8n m Gewerkschaftshaus funden, in der gem firma Theodor vöbm d dann der bekannte cm Schreien, Joblen :§ Georg Saul oam ** durch bic Strafen J orbntitn 3M eine I ftr genannte t 7 und 19, W l iroben Wti W •lu! »'.'S« 1* L A . ^.KL1,8O H ÄtzlLL ieit |’s Hae'natogen xe5.äq Ä ?,u vermieten - ,i parterre, 8 Räume, per Avril .. vermieten Silbelmftrabe 3. 9 Näheres 2. Etage._____________ Lehrmädchen gegen sofortige monatL Vergütung zu Ostern O(L früher gesucht. (01065 A. Goldschmidt, Giessen. IlausburNche mer tf Zimmer 110/2 Dos JLAden etc. U.Sptt mit ttuouuuufl per v Ü 0 C ll i. iiipril zu venmet. Miterroen 1. Sekretariat. das 5 Zimmer k? Zimmer 4 Zimmer | Möbl. Zimmer | Eintritt frei Eintritt frei a»e zwei 631. In angenehmer chlap ictjönc dimmet (Wohn- u. 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Für die Erhaltung der Wehrkraft unserer Nation, siir die gleichmäßige Förderung unserer werktätigen Stände in Land und Stadt, ;?,runbitürfe) - Ge j. der Regatten nit anderen 'I Ätlausenden Numr Nensolge durch sc Jedes der erwä Äe und drei Abt Ln Miteigentümer dieser Personen ode 'klhältnisses bestim 2ie erste A! kiae und der dens Äs-achl usw.; f( Qi bas Eigentum iura zustehenden iittiluiig vermerk In die ziveii mer tzMhe! tums- ober i\h Urkunde^, cÄ/rOtoEfll[lt Mr Behörde. je “ä:* - Www Ein freies Volt im starken Staat! Gegen den Rassenhaß der Antisemiten und I gegen die einseitige Jntcreffenpolitik des Bundes der Landwirte, gegen die kulturfeindliche Zentrumsherrschaft u. feiner Verbündeten, gegen polizeiliche Bevormnndung des freien Bürgers und gegen ungerechte Stcucrvcrteilung, gegen den Klassenstandpunkt der Sozialdemokratie. AK in eiwlNt bi W I tii Erössnung des i «da bic Anordnun I , Die dritte 9 *ien, Grundbuchsc Äinnach vnew mb Belastung l« d!» f ™ig getrennt ge A- k»W bi i» en* litgtnbt I feÄ S, öypothele Zenbeiten^ Wit einem kurz Muchs oerlnül kSÄ? Der Tod des Abgeordneten Köhler ruft die Wähler des 1. Hessischen Wahlkreises Gicßen-Grünberg-Nidda kurz vor den allgemeinen Wahlen noch einmal zur Urne. Die Neuwahl entscheidet über den Besitz des Mandats nur für eine kurze Frist. Aber eine Kraftprobe gilt es, bedeutsam auch für andere Wahlkreise unseres Landes, verheißungsvoll für den Ausfall der Wahlen im Herbst. Darnm bitten wir alle liberalen Männer, mögen sie bisher organisiert sein oder nicht, zu der Fortschrittlichen Volkspartei zu steheu, mit uns zu arbeiten und uns dadurch zum Siege zu verhelfen. Znm erstenmal feit langer Zeit gehen hier die Linksliberalen selbständig in den Kampf. Mit gutem Mute! Die letzten Jahre haben uns in Gießen wie in ganz Hessen einen großen Aufschwung gebracht. Denn die Volkspartei war die einzige Partei, die in hessischen Angelegenheiten, vom Fall Eißnert an bis zn der noch schwebenden Wahlrechtsvorlage hin, gegen die konservative Führung der hessischen Nationalliberalen liberale Politik getrieben hat, und auch in Angelegenheiten des Reiches hat sie sich als einzige bürgerliche Partei erwiesen, die den schwarz-blauen Block, unter fceffen Herrschaft unser Volk leidet, wirklich bekämpft, während die Nalioualliberalen sich in Alzey-Bingen mit dem Zentrum (!) verbrüderten und sich auch in unserem Wahlweise um die Hilfe des Bundes der Landwirte (!) bemühten Siele neue Freunde haben wir gewonnen. Mögen sie sich mehren und mögen sie zu kräftigen Mitstreitern werden für unsere Ideale: Freiheit, Fortschritt, Gerechtigkeit! Pfarrer Adolf Korell in Königstädten. Er ist in Lollar ausgewachsen und kennt unsere Gegend von Jugend aus. — Seine Parole ist: An die Wühler to RMsWmWlkiskS GiOiHMmMi