Nr. Stt5 Dritter Blatt 1G1. Jahrgang Freitag. 10. November 1911 Lffcheint täglich mit Ausnahme des Sonntag». Li, „Gießener ZamiliendiSNer" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Hüllblatt für ben Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die „landwlrtfchaftltchen Leit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Cberheffen Rotationsdruck und Verlag der Vrüblichen Universität- • Buch- und Sterndruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul« strage 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktwnr^sSHL. LeU-Adr--AnzeigerGieven. Mb. Deutscher Reichstag. 201. Sitzung, Donners tag. 9. November. Am Tische des BundcSratS: v. Bethmann Hollweg, b. Kiderlen-Wächter, Delbrück. LiSco, Wermuth, Kraetke. v. Ti'pitz. v. Breitenbach, Dr. Sol f. Die Tribünen füllen sich schon eine Stunde vor Beginn der Sitzung. Diplomaten- und BundeSratöloge sind zuerst überfüllt. In der Hofloge u. a. Prinz und Prinzessin August Wilhelm, Chef des MarinckabinettS von Miller. Der Andrang dcS Pttbli- kums an den Portalen ist gewaltig. Präsident Gras Schwcrin-Löwiy eröffnet bei sehr stark besetztem Hause die Sitzung um 1 Uhr tv Minuten Auf der Tagesordnung steht zunächst die Interpellation der Sozialdemokraten betreffend Entlassung von Arbeitern der Reichs- eifenbahnen tocgcn Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen. Auf die Frage des Präsidenten erklärt Preußischer Minister v B r e i t e n b a ch , er sei bereit, die Interpellation im Laufe der nächsten Woche zu beantworten. Damit ist diese Interpellation einstweilen erledigt. Nunmehr beginnt die Besprechung des dem Reichstage „zur gefälligen Kenntnisnahme" vorgelegten deutsch-französischen Abkommens über Marokko und Hequaforlal-flfrika. Präsident Graf Schwerin-Läwitz teilt mit, daß fünf Anträge eingegangen sind. Wenn niemand widerspreche, werde er sie mit zur Verhandlung stellen. Ter Zentrumsantrag. der einen Gesetzentwurf enthält, könne natürlich nur zur ersten Lesung gestellt werden. Ein Widerspruch erfolgt nicht Die Anträge stehen also mit zur Beratung. Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg: Zur Beurteilung der Ihnen vorliegenden Abmachungen wird eS zunächst von Wert sein, Ihnen die letzte Entwicklung der marokkanischen Frage und einiges Wesentliche auS ben# getroffenen Abmachungen vorzutragen. Die Akte von Algeciras war bestimmt, die Selbständigkeit Marokkos aufrecht zu erhalten, um da- Land zugunsten des Handels aller dabei beteiligten Mächte wirtschaftlich zu entwickeln. ES zeigte sich bald, daß eine wesentliche Voraussetzung hierzu fehlte: ein das Land tatsächlich beherrschender Sultan, imstande, die vorgesehenen Reformen durchzuführen. Auch der Sultan Mulay Hafid vermochte c8 trotz seiner persönlichen Eigenschaften nicht. Er geriet immer mehr in fremde Abhängigkeit und wurde eben deshalb von den Stämmen seines eigenen Landes immer leb- Hafter befehdet. Dies führte zu immer größerem Einfluß Frankreichs. denn von den vier Mächten, welche feit den 70er Jahren vertragsmäßig Militärmifsionen am Hofe des Sultans unterhielten, hatte sich nur die französische Mission durchzusetzen ver- macht. Ebenso war Frankreich seit langem der Geldgeber Marokkos. Die Lage des von feindlichen Stämmen hcdrängten und in Fez cingeschloffenen Sultans wurde schließlich so prekär, daß Frankreich den Mächten erklärte, es muffe für das Leben und Eigentum feiner am Hofe des Sultans befindlichen Offiziere und der europäischen Kolonie ernste Besorgnisse hegen. Frankreich erklärte deshalb, Truppen nach Fez schicken zu wollen, um die Europäer nach der Küste zurückzuführen. Wir hatten keine so bedrohlichen Nachrichten aus Fez und erklärten deshalb, daß fremde Hilfe für unsere Kolonisten nicht erforderlich sei; da wir aber natürlich keine Garantie für das Leben der anscheinend 6c- drohten Franzosen übernehmen konnten, so erhoben wir keine Einwendungen gegen den Zug nach Fez zur Zurückführung der bedrohten Franzosen nach der Stufte. Wir knüpften aber daran den ausdrücklichen Vorbehalt, den wir auch öffentlich bekannt- gaben, daß wir uns unsere Handlungsfreiheit vor- behielten, sobald die französische Expedition den angegebenen Zweck überschreite, und dies auch dann, wenn daS DarüberhinauS- gehen lediglich eine Folge der sich aus der Expedition ergebenden äußeren Umstände sein sollte. DieS traf, wie vorauSzusehen war, zu. Frankreich schaltete vermöge seines allmählich absolut gewordenen Einflusses auf den Sultan ziemlich unbe- fchränkt als Herr im Lande. Dadurch war die Voraussetzung der AlgeciraSakte eines selbständigen Sultans hinfällig. Es ist zwar eingewendet worden, der Sultan habe ja die Franzosen selbst zu Hilfe gerufen, aber wer fremde Truppen zu Hilfe ruft, wer sich nur auf fremde Bajonette stützt, der ist nicht mehr der selbständige Herrscher, den die AlgeciraSakte zur Voraus- fetzung hatte. Wir gaben dies zu erkennen und legten Frankreich eine Verständigung nahe, wobei wir natürlich Frankreich die Initiative zuschoben. In allgemeinen Umrissen deuteten wir unser Programm dahin an, daß wir bereit seien, der durch die veränderten Verhältnisse bedingten veränderten französischen Stellung Rechnung zu tragen, daß wir aber dafür genauere Garantien für die uns zugesicherte Gleichheit auf de mGe biete des Handels und der Industrie insonderheit in öffentlichen Unternehmungen verlangen müßten, außerdem Kompensationen für diejenigen Rechte, die sich Frankreich ohne vorherige Verständigung mit uns über Buch, staben und Sinn der AlgeciraSakte hinaus zugelegt hatte. Während sich die französische Militärmacht in Marokko immer mehr ausbreitete und sich allmählich die Fiktion festzusetzen be- on-ju nuS *n Frankreich, sondern auch bei den anderen Machten, als handele Frankreich infolge eines europäischen ^°"datS, als daher deutsche Interessen infolge der Ereignisse in Marokko bedroht erschienen, entsandten wir ein Kriegsschiff nach Agadir. Tie Entsendung dieses Schiffes hatte zunächst den Zweck, Leben und Eigentum unserer Untertanen zu schützen, (^autes Lachen bei den Soz.) Sie war aber gleichzeitig eine deutli che Kundgebung unserer Berechtigung und unseres Willens, unsere Untertanen (Stürmische Ruse bei den Eoz.: Es gibt keine Untertanen!) ebenso gut selbständig zu schützen, wie Frankreich die seinigen, so lange letzteres sich nickt anderweitig mit uns verständigt haben würde. Dieser Zweck der Entsendung unseres Kriegsschiffes und ihre Beschränkung auf diesen Zweck ist unmittelbar vor Eintreffen des Schiffes den Mächten durch unsere bei ihnen beglaubigten Botschafter und Gesandten kundgegeben worden. ES ist also eine unwahre Behauptung, wenn in der Presse, in der fremden Presse, die Schiffssendung nach Agadir als Provokation und Drohung dargestellt wurde. (Stürmisches Gelächter bei den Soz.) Wir p r o Dotieren und bedrohen niemand (Lautes Lacken links.), ober wir wahren unsere Rechte, und wir werden uns darin durch niemand beirren oder behindern lassen. Danach kam es zur Aussprache mit Frankreich. Vom rein formellen Standpunkt aus konnten wir die W i e d e r h e r st e l l u n g des Status q u o a n t e, b. b. des Status von 1906, fordern, vom theoretischen Standpunkt aus wäre das richtig gewesen, p r a k t i s ck war c8 unmöglich. CS war kaum möglich, ohne innere Wirren befürchten zu müssen, Marokko wieder jong von fremden Truppen zu entblößen. Außerdem wäre die restitutio in integrum nur eine höchst unvollständige gewesen, weil der nachhaltige Eindruck, den das Vorgehen Frankreichs hervorgerufen hatte, auck nack Zurückziehung der Truppen bestehen geblieben wäre. Schließlich wären wir auch nur, und zwar unter für uns ungünstigen Umständen, zu einem Punkt zurückgelangt, der der AuSgang jahrelanger Reibereien gewesen wäre, deren Beseitigung von beiden Regierungen gleichmäßig gewünscht wurde. Tie Behauptung. daß die Entsendung deS „Panther" nach Agadir Landerwerb in Marokko bezweckt hätte, ist unrichtig. Schon durch das Februar-Abkommen Den 1909 war Landerwerbung in Marokko ausgeschlossen; unser bereits lange vor Entsendung des Kriegsschiffes festgelegtes Programm bewegte sich in derselben Linie. Sie Unrichtigkeit der Behauptung wird auch durch die Erklärungen bargetan, welche wir den fremden Mächten unmittelbar vor Eintreffen des SckiiffeS in Agadir gegeben haben. Sie folgt^endlick auch aus den Erklärungen, die wir beim Eintreffen des Schiffes durch die Organe der Presse in die Oeffentlichkeit haben gelangen lassen. . Es ist im hohen Grade beklagenswert, daß diese unnötige Behauptung auch bei un8 dazu benutzt worden ist, um in un- patriotischer Weise daraus ein Zurückweichen der Kaiserlichen Regierung und eine Demütigung des Landes zu konstruieren. (Vereinzelte Bravo rechts ' Heiterkeit links.) Bei den Verhatrdlungen mit Frankreich war der letzte leitende Gedanke der, daß sich die Unmöglichkeit ergeben hatte, daß die Marokkaner aus eigener Kraft die Ordnung in ihrem Lande Herstellen und aufrecht erhalten, daß es dazu des Eingreifens einer fremden Macht bedürfe. Dies konnte für den überwiegenden Teil Marokkos nur Frankreich sein. Je größer die Freiheit war, die Frankreich hierbei erlangte, desto mehr kam es in die Lage, die Bürgschaft und Verantwortung für die Ordnung zu übernehmen. Dagegen haben wir weitergehende und detailliertere Garantien für bic Gleichberechtigung beö nicht ftanzösischen HanbelS, ber nicht französischen Jnbustrie für die Rechte ber in Marokko toeilenben nicht französischen Staatsangehörigen erhalten. Die Einzelheiten ersehen Sie aus ben ihnen vorliegenden Vertrag. Wir haben es uns insbesondere angelegen sein lassen, der Ein- und Ausfuhr die Gleichberechtigung zu sichern, besondere Bürgschaften für die Gleichberechtigung bei Vergebung öffentlicher Arbeiten zu erhalten, unserer Schifferei die Schiffahrt zu sichern, unserem Handel die Benutzung aller Verkehrsmittel zu Wasser und zu Lande zu gewährleisten. Die Konsulargerichtsbarkeit und bas Recht des Schutzes von Eingeborenen sind soweit gesichert, als es bie Zu- stänbe bieseS Gebietes gestatten. Ein besonderes Augenmerk ist der Frage der Erzgewinnung gewidmet worden. Ob die Hoffnungen erfüllt werben, bie barauf gesetzt werben, vermag ich nicht zu entscheiben. Wir haben aber bic Möglichkeit großer Erzfunbe bei ben Verhanblungen nicht aus ben Augen verloren. Wir haben ben Deutschen bie freie Konkurrenz im Bergbau gesichert, wir haben unS nach Anhörung von Sachverständigen über bie Bestimmungen geeinigt, bie ber Belegung von TerrainS ohne Abbau entgegentoirfen, unb wir haben bafür gesorgt, daß bie gefundenen Erze frei bleiben unb nur mit bestimmten vertraglich feftpclegten Abgaben belastet werben.^ Für verkehrspolitische Verpflichtungen ber wahrscheinlich hauptsächlich in Betracht kommenden Minengebicte unb für bie Beförderung bes ProbukteS von Minen nach den staatlichen Eisenbahnen ober nach den nächsten Hafenplätzen sinb vertragliche Bestimmungen getroffen. Ich glaube, baß mit allen diesen Bestimmungen u n - seren wirtschaftlichen Interessen in Marokko ein guter Dienst geleistet worben ist. Ich komme zu ber Frage ber Kompensationen. Dabei will ich zunächst über ben Rücktritt b es Herrn von Linbequist sprechen. Der Herr Staatssekretär beS Reichs- kolonialamteS toiberftrebte von Anfang herein bem Erwerb eines größeren Kolonialbesitzes, wie er unS jetzt zugefallen ist. (Hört, hört!) Er richtete vielmehr seine Wünsche auf kleinere, aber in ber Kultur vorgeschrittene unb deshalb leichter unb billiger zu verwaltenbe Gebiete. (Lebhaftes Sehr richtig!) Da sich bie Erreichung dieses Zieles als nicht möglich erwies, so redete er bloß Abrundungen unseres Kolonialbesitzes und Grenzberichtungen das Wort. Ich konnte auf diesen Gedanken nicht eingehen, da ich bie Erwerbung eines größeren fioIonialgebicteS für unsere Betätigung für nottoenbig hielt. Bezüglich bes Kongos, von dem bei früherem Anlaß in unverbinblichen Besprechungen mit Frankreich schon vor Jahren bie Rebe gewesen war, lag auch keine res integra mehr vor. Diese Meinungsverschiedenheiten unb die Anschauungen im Kolonialamt. denen kein genügender Einfluß auf die Richtlinien ber Verhandlungen gegeben wurde, hatten den Herrn von Lindequi't bereits im Sommer dieses Jahres bestimmt, um seinen Abschied zu bitten. Das Ab- schiedsgcsuch war von Sr. Majestät auf meinen Antrag während Schwebens der Verbandliingen abgelehnt worden. Die Wünsche des Kolonialamts sind in dem Ihnen vorliegenden Abkommen insofern erfüllt worden, als sich in dem uns zugefallenen Gebiete diejenigen Teile an der Süd- unb Ostgrenze von Kamerun be* finben, welche mir vom Kolonialamt als ersttebenswert bezeichnet worben toaren. (Hört, hört!) Gegen bie Abtretung deutschen Landes hatte Herr von Lindequist prinzipielle Bedenken (Stürmisches Sehr richtig! unb Bravo! auf verschiedenen Seiten.). Er erflärte mir aber schließlich selbst, da efl ohne solche Abtretung nicht zum Abschluß gekommen wäre, bic Abtretung dcS jetzt an Frankreich zedierten Gebietsteiles für erträglich. (Bewegung.) Am 28. Oktober tauchte in, der Presse daS Gerücht von der bevor- ftebenben Demission deS Herrn von Lindequist auf. ES ist mit Zustimmung deS Herrn von Lindequist dementiert worden; der Wortlaut deS Dementi» ba* ihm Vorgelegen. Um aber anderweitigen Ausstreuungen in der Presse entgegenzutreten, bemerke ich dabei, daß mir Herr von Lindequist die Wahrscheinlichkeit seines Rücktritts im nächsten Frühjahr erklärt hat. Aber glcchzeitig erklärte er, nach dem Abschluß der Reichstagsverhandlungen eine Inspektionsreise nach Sü^westafrika antreten zu wollen. Wenige Tage darauf wiederholte Herr von Lindequist sein Abschiedsgesuch. Er hatte vorhe, in einem schriftlichen Votum, scharfe Einwendungen gegen ben i h m vorgelegten Text deS projektierten Vertrages erhoben (Hört, hört! im ganzen Hause.) und war dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß durch die zu erwerbenden 275 000 Quadratkilometer auch nicht im entferntesten der Schaden ausgewogen werden würde der unserem Kolonialgebiet durch die Abttctung bet 12 000 Quadratkilometer unb bic Ncbcnabredcn deS Vertrage» zu- flcfügt würbe. (Lebh. Hört, hört! unb Sehr richtig!) Einige der Nebenabreben konnte«, auf bie Vorschläge deS Staatssekretärs des KolomalamtcS durch Verhandlungen mit Frankreich berücksichtigt werden. Immerhin nötigte mich bie in bem Votum eingenommene Stellung des Staatssekretärs, ihm bic Frage vorzulegen, welche Haltung er bei ber V erhand^ lung ber Angelegenheit i m Reichstage einzunehmen geben?e. Dabei ergab sich, bah Herr von Linbequist zur ressor'mäßigen Vertretung ber Abkommen im Reichstage nicht bereit war (Lebh. Hort, hört! unb groß« Bewegung im ganzen Hause.). Darin lag — bei aller persönlichen Hochschätzung l — eine Verkennung ber Sachlage (Heiterkeit). ES war Herrn von Lindequist nicht zugemutet worden, die Verantwortung für daS Kongo-Abkommen mit seiner Person zu decken. DaS Kovgo-Ab'ommea ist nur ein Teil deS gesamten politischen Abkommens üter Marokko und dafür trage i ch bie Verantwortung. (Allkeitigcs Sehr richtig!) ES war auch Herrn von Lindequist von mir nicht zugemutet worden, daS Kongo-Abkommen nach allen Richtungen hin zu verteidigen oder gar zu loben. Ich habe von ihm nur erwartet eine objektive Prüfung vom kolonialen Standpunkte aus, wobei auf bie Schattenseiten bcS Vertrages: auf bie Abtretung des LagoncgebieteS, bie Schlafkrankheit, bie großen Konzessionsgesellschaften unb bie teilweise ungünstige Konfiguration ausdrücklich hinzuweisen, nur aber bic Möglichkeit, bie Hoffnung einer zukünftigen Entwicklung nicht zu bestreiten sei. Herr von Linbequist verweigerte aber auch ein so zurückhaltendes Eintreten für meine Politik (Sehr gut!) unb reichte, wie ich schon erwähnte, beswegen fein Ab - schiebsgesuch ein. (Beifall.) Noch peinlicher als das AbfchiebSgesuch bieseS in langjährigen Kolonialbicnst bewährten Beamten (Lebh. Zustimmung.) war bic Tatsache, baß ungefähr gleichzeitig mit mir auch bie Presse von ber ablehnenben Haltung dcS Herrn von Linbequist tn bem erwähnten Votum Kenntnis erhielt. War dies auch zweifellos ohne Zutun unb gegen den Willen beS Herrn von Linbequist geschehen, so blieb mir boch nunmehr nichts weiter übrig, als durch eine schleunige Erl ebigung deS Rücktritts gesuchcS für eine Weiterführung ber Geschäfte bcö Reichskolonialamtes Sorge zu tragen, bie ber erforberlichen Einheitlichkeit unb Geschlossenheit ber Reiche- regierung nicht im Wege stand. (Heiterkeit.) Damit komme ich zu bem sachlichen Gegenstände ^rück. Ich habe soeben ausgeführt, daß unb weshalb ich unsere Kompensationsansprüche auf eine Vergrößerung Kameruns richtete; ich habe weiter ausgeführt, daß sich in bem uns zufallenben Teile biejenigen Lanbsrriche befinben, bie uns ton Kennern unserer Kolonien als erstrebenswert bezeichnet worben sinb. Ihr E r w e r b ist für bie Gegenwart wertvoll und rundet zugleich Kamerun in erwünschter Weise ab._ Wir mußten aber auch Wert darauf legen, an bie größten Ströme Afrikas, ben Kongo unb seinen Nebenfluß, ben Ubanghi, hcranzukommen. Auch bas ist uns gelungen. Ich bestreite aber nicht, daß wir babei auch Länder in Kauf nehmen mußten, bie weniger wertvoll sinb, bereu Entfaltung uns noch manche Sorge bereiten wirb. (Hört! Hörtl), Daß mir bieAbtretungvonLagone zum minbeften ebenso unangenehm gewesen ist wie bem Kolonialamt, brauche ich nicht hervorzuheben, aber ohne irgenb eine Art von LänberauLtausch war es unmöglich, baS zu erreichen, was wir erreichen wollten. Die neugeschaffenen Grenzen sinb, ba5 gebe ich zu, ginn Teil unbequem und für bie Verwaltung mit Schwierigkeiten verbunden. Aehnliche Schwierigkeiten haben aber auch schon an der bisherigen Kameruner Südgrenze und auch am Entenschnabel gestanden. Um die Schwierigkeiten zu mildern, ist der Kommission für bie Absteckung ber Grenzen ein weiter Spielraum gelassen. Sie soll nach Möglichkeit auf die natürlichen Grenzen und die Zusammengehörigkeit der Eingeborenen Rücksicht nehmen, sie soll auch das Recht haben, bald zugunsten des einen, bald gugunften des anderen Teiles, von den in großen Zügen im Verttagc festgelegten Grenzen abzuweichen, sie bat nur darauf zu achten, daß die Abweichung sich im Gesamtergebnis wieder ausgleicht. Für den gegcnseitigenDurch- gangsoerkehr find weitgehende Bestimmungen getroffen; wir haben uns Anschlüsse an die Eisenbahnen gesichert und können somit auch durch unsere Bahnen an die Strome herankommen. Wir gewähren ben Franzosen für ihr nördliches Kangogebiet eine Etappenstraße, ganz nach Analogie einer ihnen auch von den Engländern zugestandenen Etappenftraße, was auf beiden Seiten zu keinerlei Schwierigkeiten geführt hat. (Der Kronprinz erscheint in der Hofloge.) Ter Schluß, a r t i le I des Vertrages hat leine aftuelle Bedeu tun«. kann eine solche aber erlanger. f wenn im Kong»- ziehen, um Südmarokko zu erobern. punkt der Ehre und des Ansehens Deutschlands auch europäische Länder! Be« Gefahr st e t e unseren eine kann Deutschland gerade im Sinne einer Weltpolitik Abg. Frhr. b Hertling (Zentrum)! besser, Länder Heiterkeit bezug auf würde, die mit dem Wert des Landes nicht im Einklang stehen. (Oho! bei den Natl., sehr richtig! Bei den Soz.) Das ist bis in den letzten Sommer hinein die allgemeine Ueber- zeugung gewesen. (Erneute Zustimmung bei den Soz.) B i s- marck hat bekanntlich den Wunsch ausgesprochen, Frankreich möge sich Marokko aneignen. Sie werden mir vielleicht erwidern, daß sich seitdem die Verhältnisse geändert hätten (Sehr richtig!); aber auch nach Bismarck ist ununterbrochen die Ansicht vertreten worden, daß wir politische Rechte in Marokko nicht zu verfolgen hätten. Feierlich anerkannt worden ist diese Ansicht durch das Februarabkommen von 1909 und alle Parteien dieses Welt, vergiften müssen. Ich habe Ihnen dargelegt, daß wir durchgesetzt haben, was wir gewollt haben. Im gemeinen Leben nennt man das nicht Schwäche (Heiterkeit.), aber der V o r w u r f ging wohl nach dec gerade durch die besonderen staatlichen Verhältniffe dringlich ge« macht wurden. Auf politische Aspirationen in Marokko hatten wir verzichtet. Und jetzt? Wir haben in Marokko nicht aufgegeben, was wir nicht bereits aufgegeben hatten. Dafür haben wir die wirtschaftlichen Ga« r a n t i e n erlangt. Wir haben außerdem einen bedeuten- be n Kolonialbesitz erworben, der sich unter deutscher Der« waltung — des bin ich sicher — günstig entwickeln wird. Wir haben dies erreicht auf dem Wege friedlicher Ver« ständigung mit Frankreich. Zum ersten Male ist eS gelungen, sich über eine ernste und schwere politische Frage, die den Keim großen Unheils in sich bergen konnte, mit unserem westlichen Nachbarn im Vertragswege zu verständigen. Das ist das Fazit. Nun ist es an Ihnen, das Für und Wider dieser Politik abzuwägen. Wir erwarten kein Lob, wir fürchten aberauch keinen Tadel. ■ ' wie auf Marokko, auf an: links, So auch Beantragt zunächst Ueberweisung des Abkommens und der Anträge an die Budgetkommission und fährt dann fort: Ter Reichskanzler hat uns das Abkommen lediglich zur Kenntnisnahme übergeben. Das entspricht der Rechtsauffassung, wie sie in amtlichen Kreisen wohl ausnahmslos bestanden hat und die der Reichstag, wenn auch niemals ausdrücklich anerkannt, doch geduldet hat. Aber meine politischen Freunde sind der Meinung, daß hier tatsächlich eineirrigeAuffassung vorliegt. (Hort! hört! links.) Diese Frage muß jetzt ernstlich in Angriff genommen werden. Meine Freunde sind der Ansicht, daß auch die heutige Fassung der Verfassung bei richtiger Auslegung schon jetzt bei Verträgen von so außerordentlicher Tragweite die Genehmigung des Bundesrats und des Reichslags fordert. (Sehr richtig! im 3entr. und links.) Nun zur Sache langen versuchen, was wir erlangen können. Meine Herren, ich bin der festen Ueberzeugung, daß sich die günstige Entwicklung, die wir dank der Rührigkeit unserer Kaufleute, dank der Energie unserer Gouverneure und unserer Schutztruppen in Kamerun erlebt haben, auch in den neu erworbenen Gebietsteilen wiederholen wird. Wer Kolonialpolitik treiben will, der soll über dem G e g e n w a r t s w e r t nicht die Zukunfts- moglichkeiten vergessen. Wer hat in Afrika Recht behalten: die Spötter über Rhodesien oder die Tatkraft des Mannes, der dem Lande seinen Namen gegeben hat?! Alle Erfolge, welche große Kolonialvölker erzielt haben, sind nur dadurch erzielt worden, daß diese Volker nicht mit kurzen, sondern mit sehr langen Zeiträumen gerechnet haben, und daß sie den Mut gehabt haben, Schwierigkeiten der Gegenwart um der vielleicht in fernerer Zukunft zu erwartenden Vorteile willen gering zu achten. M. H., es ist auch nicht richtig, daß dieFranzosen froh sind, einen Teil ihres Kongogebietes los zu sein. Die französischen Staatsmänner haben die Erfolge, die sie in Marokko erzielt haben, hoch e i n- ge s ch ä tz t, mit Recht hoch eingeschätzt, aber es ist ihnen trotzdem nicht leicht geworden, große Teile von einem Gebiete abzutreten, dem ein Menschenalter lang bewährte Forscher und Offiziere ihre ganze Lebensarbeit gewidmet haben. Das sind die Ergebnisse und das ist der Hergang! Unser Programm lautete von An'ung herein: Zubilligung erhöhter politischer Rechte an Frankreich nur gegen erhöhte Sicherung unserer wirtschaftlichen Interessen in Marokko und gegen Kolonialerwerb, Landerwerb in Marokko haben wir in keinem Augenblicke angestrebt, Verhandlungen nur zwischen uns und Frankreich, nichtvoreinemJnternatio- nalen Kongreß, nicht unter Zuziehung Dritter. Dieses Programm haben wir ausgestellt, und wir haben es durch- g eh alt en. Durch nichts, durch keinen Einfluß von außen oder von innen haben wir uns von ihm auch nur um einen Schritt ablenken lassen. (Mit erhobener Stimme) All die Vorwürfe derSchwäche, mit denen wir diese Monate über bedacht worden find, der Schwäche und derNachgiebigkeit, das Gerede von einem neuen Olmütz und was dergleichen Dinge mehr waren, zerfallen in sich selbst, sie sind gegenstandslos gegenüber den Tatsachen. (Na, na! links.) Unsere Verhandlungen mit Frankreich sind ohne Unterbrechung auf beiden Seiten von dem Bestreben getragen gewesen, zu einem für beide Teile an» nehmbaren Geschäftsabschluß zu kommen. I n keinem Stadium der Angelegenheit ist von irgend einer Seite eine Sprache geführt ober ein Ansinnen gestellt worben, bas mit ber Ehre bes einen ober anbercn Teiles unverträglich gewesen wäre. Zu bem (mit der Hand auf den Tisch schlagend), was uns angeraten worden ist, ist auch nie ein Anlaß gewesen. Uebrigens halte ich auch von dieser drohenden Gebärde nichts. Ich würde im gegebenen Moment das nicht vorziehen. Wir leben nicht mehr in homerischen Zeiten, wo Loben und Prahlen ein notwendiges Rüstzeug jedes Kriegers waren. Deutschland ist stark genug, um auf diese Armaturstücke zu verzichten. (Beifall.) Deutschland wird, wenn die Stunde kommen sollte, schon sein Schwert zu ziehen wissen. (Lebh. Beifall rechts.) Nur auf dieser Grundlage ist auswärtige Politik möglich. (Sehr richtig!) Se. Majestätder Kaiser — ich muß das von dieser Stelle aus gegenüber irreführender Darstellung der in- und ausländischen Presse feststellen — hat bie strikte Durchführung beS bereits im Mai bieses Jahres feftgelegten Programmes in allen Phasen der Verhandlung geforbert in bcm vollen Bewußtsein, daß jebe politische Aktion einer Großmacht bie Schicksalsfrage: Krieg ober Frieben, herauf- beschworen kann, unb in ber festen Bereitschaft, für bie Shre ber Nation mit bem Schwerte einzutreten. Darin hat sich ber Kaiser mit bem Volke eins gewußt (Beifall), bas in biefer ganzen Zeit von bem festen Willen beseelt gewesen ist, seine Ehre unb seine Lebensinteressen gegen jeder- mann zu tierteibigen. Selbstverstänblich ist auch in keinem Augenblicke an ber absoluten Kriegsbereitschaft von Armee unb Flotte auch nur ber minbefte Zweifel entstauben. (Lebh. Beifall.) Die Gerüchte, die jetzt in ber Presse verbreitet werben, als sei in einer vertraulichen Beratung unsere Kriegsbereitschaft namentlich bie der Marine in Frage gestellt worden, diese Gerüchte (mit erhobener Stimme) sind frei erfunden, sie schlagen den Tatsachen ins Gesicht (hort, hort! und Beifall). Nun hat man gemeint, und das hat besonders tief im Volke gefressen, wir seien zurückgewichen. Dabei ist besonders eine Bankettrede des englischen Ministers Lloyd Ge- o r g e verwendet worden. In dieser Rede wird Deutschland nicht erwähnt (Lebhaftes Gelächter.); ich spreche jetzt ernste Worte, und ich darf bitten, daß Sie mich ohne Unterbrechungen aussprechen lassen. (Sehr richtig!) Ein hiesiges konservatives Blatt hat damals sogar hervorgehoben, indem es in der ganzen Rede statt England Deutschland setzte, wie die Rede, für sich betrachtet, anstandslos auch von einem deutschen Staatsmann hätte gehalten werden können. Eine Bedeutung gewann die Rede dadurch, daß die gesamte französische und ein großer Teil der englischen Presse sie in einer chauvinistischen gegen Deutsch- becken territorialische Veränderungen vor stcy gehen sollten, bei denen wir bann mitzusprechen hatten. M. H., gegen biesen Kongoerwerb hat sich nun in einem großen Teile ber Qeffentlichkeit ein Sturm ber Entrüstung erhoben. (Sehr richtig! links.) Man hat kein Wort gefunben, das scharf genug war, um die Arbeit der Regierung zu verurteilen, unb vor dem Ausland zu diskreditieren. Man kann aber zu einem richtigen Urteil nur kommen, wenn man nicht nur die schlechten, sondern auch die guten Seiten betrachtet. Gewiß — ich wiederhole — befinden sich unter den erworbenen minder wertvolle, vielleicht sogar schlechte Stücke, genau wie dies in allen Kolonien, die sich gegenwärtig in unserem Besitz befinden, ber Fall ist. (Hört, hort! bei ben Soz. Heiterkeit.) D i e Konzessionen sinb eine schwere Belastung (Sehr wahr! links.). Aber sie sind zeitlich begrenzt und sie werden deutscher Gerichts- und Verwaltungshoheit unterstehen, die uns vor Mißbräuchen schützen wird. (Na, na! bei den Soz.) Die Schlafkrankheit, die in einzelnen Teilen herrscht, ist eine böse Zugabe. (Heiterkeit und Zurufe links.) Auf der anderen 'Seite erhalten wir — das können auch die Herren, die mich durch Zwischenrufe unsicher machen wollen (Lachen links.) — nicht bestreiten — meine Herren, w i r erhalten auf der anderen Seite Stücke, deren Wert Sie nicht bestreiten können, die zu Kamerun durchaus günstig gelegen sind. Wir erhalten den Zugang zum Kongo und zum Ubanghi. Der Wert dieser Nachbarschaft wird sich erst in Zukunft realisieren, aber Sie werden nicht behaupten können, daß die Realisierung ausgeschlossen sei. Wir erhalten im ganzen ein sehr beträchtliches, neues Kolonialgebiet. Deutschland ist spät, leider viel zu spät, unter die Reihe der Kolonialvölker getreten. Da sollten Sie uns doch keine Vorwürfe machen, daß wir bei dieser Gelegenheit zu er» nur führen, wenn es sich auf dem Kontinent stark erhält. Nur das Gewicht, das wir als Kontinentalmacht einsetzen, ermöglicht Welthandel und Kolonialpolitik. Beide fallen in sich zusammen, wenn wir uns zu Hause nicht stark halten; erwerben wir Außenpositionen, zu deren Sicherung wir unsere kontinentalen Kräfte verzetteln und schwächen müssen, dann sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen. (Sehr gut! rechts.) Deshalb ist es von der deutschen Po- litik in den letzten Jahrzehnten richtig gewesen, daß sie keine politischen Aspirationen in Marokko verfolgte, und deshalb sind wir auch jetzt auf dem richtigen Wege gewesen, indem wir Landerwerb in Marokko von vornherein aus unserer Aktion ausschieden. Ich nehme es als ein Verdienst unserer Politik in Anspruch (Sehr richtig!), daß wir dem Anerbieten an Landerwerb in Marokko nicht nachgelaufen sind. (Schallende Heiterkeit bei den Natl.) Die Klage über schwächliche Politik stammt nicht nur aus den Kreisen derer, die ein Stück Marokko für uns haben wollten. Sie geht weiter. Soll diese Klage einen anderen Sinn haben, als der eigenen Negierung in auswärtigen Angelegenheiten Schwierigkeiten zu machen, dann muß sie doch ein greifbares Ziel zeigen. Ich spreche nicht von denjenigen, die im Sommer schlechthin den Krieg wünschten. Auch deren gab es. Und ihre Zahl war wohl nicht so groß, wie die Worte, die sie in den Mund nahmen. (Heiterkeit.) Andere wollten den Präventivkrieg, sei es gegen Frankreich, sei es gegen England, sei es gegen beide zugleich. Sie alle wissen, wie Bismarck über Präventivkriege dachte. Er hat gesagt: fein R a t werde nie dahin gehen, einen Krieg deshalb z u führen, weil er spater doch einmal geführt werden müsse. So konnte er der Vorsehung nicht in die Karten sehen. Auch siegreiche Kriege betrachte er immer als ein Hebel, das die Staatskunst den Volkern zu ersparen bemüht fein müsse. (Sehr richtig! auf der äußersten Linken.^ Diese Grundsätze hckben uns auch jetzt geleitet. Nie- ' UHU V C y uv V V ' v ----- (Sehr richtig! im Zentr. und links.) Nun zur selbst! Das Abkommen ist das Ergebnis der auf mehr als sieben Jahre zurückgehenden Marvkkopolitil, über die wir Ijicr W°n fiäufig mit einem Gefühl großen Unbehagens gesprochen haben. Es iji ja immer einemißlicheSache, auswärtige An- gelegenheiten zu kritisieren. Man läuft immer i»e- tn a n'b" kann tvisse rif ob Deutschland 5e r e t n Jt ein Krieg Geschieden sein wird. Für mich aber, der ich heute die Verantwortung zu tragen Ijabe, ist es Pflicht, die Geschäfte so zu führen, daß ein Krieg, der vermieden werden kann, der nicht von der Ehre Deutschlands gefordert wird, auch vermieden wird. (Sehr gut! links.) Tas sind die Grundsätze gewesen, nach denen die Marokkopolitik in ihrer letzten Episode geführt worden ist. Marokko war eine dauernd schwärende Wunde in unserem Verhältnis nicht nur zu Frankreich, sondern auch zu England. Ter Zug der Franzosen nach Fez hat ein akutes Stadium herbeigeführt und eine Operation notwendig gemacht. Wir haben sie unternommen, um bie Wunde z u heilen. Wir wären niemals zu den Ergebnissen gekommen, die jetzt vorliegen, wenn nicht beide Regierungen demselben Ziele zu- gesteuert hätten. Ich erblicke darin einen großen Gewinn, daß es Deutschland unb Frankreich möglich gewesen ist, fid? über eine s o heikle und latente Gefahren in sich bergende Frage, wie es die Marokkofrage ist, im Wege friedlickierVer ständigung au, einigen. Diese Tatsache ist mehr wert als alle Diskussionen über Schiedsverträge und über Abrü st u n g. Sie kann die Grundlage werden zur Anbahnung und Festigung eines Verhältnisses, wie es den wahren Interessen und dem Fortschreiten der beiden großen Nationen entspricht. Gewiß kann erst die Zu- kunft auf dieser Grundlage bauen. Aber es wäre eine Versäumnis der Gegenwart gewesen, wenn sie den E ck st e i n verworfen hätte, anstatt ihn zu legen. Ich sprach davon, daß d i e Marokkofrage auch unser Verhältnis zu England tangiert hätte. Auch darüber noch ein kurzes Wort! Kraft vertraglicher Abmachungen stand bei allen marokkanischen Differenzen zwischen Frankreich und Deutschland England auf Frankreichs Seite, zum mindesten diplomatisch. Insofern reinigt die Erledigung der Marokkoangelegenheit auch in unseren land gehässigen Weise interpretierte und daß dreier Interpretation von englischer Seite inkei n e r Weise entgegengetreten wurde. (Hört, hort!) Ich habe mich veranlaßt gesehen, diese Dinge durch den^aiser- lichen Botschafter in London zur Sprache bringen zu lassen. Meine Vorstellung ging dahin, daß wir dabei feien, die - ca- rokkoangelegenheit mit Frankreich zu besprechen, daß dadurch zunächst englische Interessen nicht berührt würden, und daß, sofern England durch das Ergebnis der Besprechung seine Jntereßen berührt glauben sollte, wir erwarten, daß seine Regierung dieselben bei den kontrahierenden Regierungen nur auf dem üblichen diplomatischen Wege zur Geltung bringen werde. D i e englische Regierung hat danach keinerlei Wunsch mehr zu erkennen gegeben, sich an unseren Verhandlungen mit Frankreich z u beteiligen. Immerhin bleibt die so unerwünschte Wirkung jener Rede bestehen, sie erzeugte insbesondere in der ihr durch die Presse gewordenen Interpretation in weiten deutschen Kreisen eine sehr bittere Stimmung, die natürlich auch mehr oder minder stark sich in unserer Presse kund gab. Ihrer Wirkung nach war also jene Rede für ein freundliches Verhältnis zu England nicht forderlich. (Sehr richtig!) So offen ich das bedauere, so bestimmt muß ich das zurück weisen, daß die Rede benutzt worden ist, gegen die deutsche Regierung den Vorwurf einer unsicheren schwächlichen Politik zu erheben. Tatsächlich ist unser Programm einer einverständlichen Auseinandersetzung mit Frankreich ohne Einmischung Dritter und auch unbeeinflußt von unverantwortlichen Preßtreibereien durchgeführt worden. Der englische Minister Sir Edward Grey hat vorgestern im englischen Unterhaus in einem Appell an die Presse beider Länder ernste Worte gesprochen und namentlich vor der Verbreitung unwahrer Nachrichten gewarnt. Ich kann mich dieser Warnung nur anschließen, damit sich in der beiderseitigen Volksstimmung nicht Ansichten festsetzen, die auf die Dauer die Beziehungen beider großen Länder zu ihrem beiderseitigen Schaden, und ich füge hinzu, zum Schaden der sich deutsche Auswanderer ansiedeln können. Ich will darüber sehen Deutschlands verlangt? Nein! Das Ansehen nicht streiten, wiewohl sich über eine marokkanische Siedelungs- Deutschlands als Großmacht verlangt, es nicht zu Politik mancherlei Anmerkungen machen ließen. Ich nehme an, dulden, daß ein internationaler Vertrag, wie die Tn de facto dem Einfluß der Franzosen verfallen. Dieser unklare Das sind phantastische unb verschwommene Zustand war für uns nach Tanger und S p i e l e r e i e n, und ich wundere mich nur, daß es immer noch Algeciras eine stete Gefahr in unseren Be- Männer im Auslande gibt, welche denen eine Bedeutung für bie ziehungen zu Frankreich. Tie offene Tür war auf dem deutsche auswärtige Politik zubilligen. Eine starke Politik $apier zwar da, aber es fehlten die besonderen Garantien, die Vorteile, den das eigene Land gewinnt. Eine Politik, die auf den Schaden des anderen sieht, ohne Rücksicht, ob ihr das selbst nützt, muß doch schließlich die Erbitterung, die sie erzeugt, in Zukunft dock) einmal bar bezahlen. Wer aber in dem Reichstages haben diesem Anerkenntnis zugestimmt. Woher soll Protektorat Frankreichs über Marokko einen derartigen Macht- sich nun mit einem Male die Angelegenheit geändert haben? zuwachs Frankreichs erblickt, daß dadurch die Existenz Deutsch- Süd-Marokko ist zweifellos ein schönes Land (Große Heiter- lands gefährdet wäre, kommt zu dem Präventivkrieg. Also wozu die feit); es soll sehr erzreich sein, fruchtbaren Boden haben, auf dem Wiederherstellung der Algecirasakte? Wurde sie von dem An« Vezie Hungen zu England den Tisch. Ich kehre zu dem Gedanken zurück, von dem ich vorhin aus- * ging. Der Mi ß in u t und der Pessimismus, der unser Volk anderen Richtung: daß wir hätten mehr, ein anderes erfüllt, und ber bie Regierung zu anderen Taten treiben wollte, hätten wollen sollen. (Heiterkeit.) Das habe die Ehre der mußte greifbare Ziele zeigen, Ziele, die gerade bei und das Ansehen Deutschlands gefordert: entweder Süd-Marokko Erledigung der Marokkoangelegenheit erreicht werden konnten, oder die Wiederherstellung ber Algecirasakte. Also: ein Ent- Weshalb wir nicht auf ein Stück Marokko ausgegangen sind, Weber oder. Ja, meine Herren, wem der Besitz von Süd-habe ich eben bargelegt. Dafür wurde dann besonders dringend marokko als ein Lebensinteresse Deutschlands gilt, der wird in verlangt, daß wir dann doch wenigstens die Verhandlungen der Nichtbeanspruchung dieses Besitzes eine Preisgabe des An- mit Frankreich hätten abbrechen, und daß wir auf die sehens Deutschlands erblicken, der kann kein „Oder" Wiederherstellung der Algecirasakte hätten bekennen, ber muß verlangen, baß wir in den Krieg stehen sollen. Der Abbruch ber Verhanblungen, ber wäre ein ziehen, um Sübmarokko zu erobern. Für ben fann Leichtes gewesen; noch leichter wäre es gewesen, bie Verhand- bie Wiederherstellung der Algecirasakte kein gleichwertiges Aequi-1 langen überhaupt nicht einzuleiten, aber die Herstellung der Algevalent fein. Mit dieser Formel ist also vom Stand- cirasakte? Ich erblicke kein Interesse Deutschlands punkt der Ehre und des Ansehens Deutschlands an der Wiederherstellung eines Zustandes, der an der nicht nichts anzufangen : aber auch nicht vom Standpunkt prak- mehr haltbaren Fiktion ber Selbständigkeit bes tischer Realpolitik aus. S ü d - M a r o H o war für uns um des- m a r o k k a n i s ch e n Sultans unb der Unabhängigkeit des willen nicht begehrenswert, weil uns seine Erwerbung, Scherifenreiches leidet. Wir haben doch diesen Zustand seit 1906 seine Sicherung und Verteidigung Opfer auferlegt haben genau genug gekannt. Er war moralisch und materiell für uns unbefriedigend. Der Beweggrund des Verlangens nach der Algecirasakte ist zum Teil auch ein anderer gewesen. Wenn wir nicht Südmarokko haben können ober haben sollen, so sagte man, bann sollen es wenigstens bie Franzosen nicht haben. So war es in biesem Sommer in ber Presse zu lesen. Für mich besteht ber Wert ber Politik nicht in bem Schaben, ber einem anbercn zugefügt wirb, fonbern in bem b e r e | Lassen Sie mich zum Schluß bas Fazit ziehen! Wie sah es große bor unb Agabir aus? Nominell war Marokko selbstänbig, es ist ein außerorbentlich wünschenswertes u n d Algecirasakte, ber unsere Unterschrift trägt, z u unserem erstrebenswertes Stück Erbe. Aber ich muß doch N a ch t e i l und ohne unsere Zustimmung einseitig a b g e ä n d e r t sagen: wer es für bie Ausgabe Deutschlands ansieht, erstrebens- j werde. Darum mußten wir handeln, im Notfälle werte Länder durch den Krieg zu erobern, der könnte^auchmitdemSchwert.sowiewirgehandelthaben, doch ebenso gut, wenn nicht vielleicht noch? und unser Vorgehen hatte Erfolg. verfallen. (Sehr richtig! bei ben Natl. unb rechts.) fahr, damit ni4jl tem Vaterland-, sondern den Fremden zn tienen oder zum mindesten die Schadensrcude freundlicher Nackbarn au», jiuläirn. Na» auch nicht erfreulich ist. Manche» spricht da» für bofj die heilige Verhandlung zueinergrotzen inner- politischen Aktion sich auSwacksen soll. Wir L^b'N enfcrerfeit» gar keinen Anlaß. ur« bnwn zu h/-»:ibgtn. (Sehr wahr! nn Zentrum.) 7»ck habe fcüh.'r zu einer Zeit wo weine Freunde allen Anlas? gch.il'» hätten um eine reckt leiden- frhofthdic Kritik an dem Scucr der auswärtigen Politik hier zu Eben, ausdrücklich den Grundsatz fc-irtlfn, das? bei Fragen der n""en n.it Feonkreich iu trefken. also einen anderen Weg zu beschreiten. Da» sind bedenkliche Schwankungen, bedenkliche Inkonsequenzen der Marokkovolitik Schon 1904 bat der verstorbene Ab- geordnete Graf R e v e n t l o w eine energische Marokkopolitik gefordert. AIS der damalige Reichskanzler ibn fragte, ob er denn wegen Marokko vom Leder ziehen solle, bat Graf Re"entlow erwidert, daran denke er nicht, aber er hätte gewünscht, bah die Verbanblungen. bic in bet Tat von feiten de» Reichskanzlers mit Frankreich gepflogen worben finb unb in benen bic Rebe von bcr Ueberlasiuna eines Hasen», einer Küste Marokko» war. mit mehr biplomatischern Nachdruck geführt worben wären. (?8 ist niemals eine Aufklärung über biefe Aeuherdng des bamalkgen Abgeordaeten erfolat. ob bamals wirklich Gelegenheit gewesen wäre, zu einer Verständigung mit Frankreich zu kommen. Dann ober sol' nach bcr Entlassung Delcall"» bcr frühere M i - nister Rouvier zu einer verstänbigung mit Teuti.-Hnnb bereit gewesen fein, unb er fall, was eines pikanten Beigeschmacks angesichts 'deS jetzigen Ergebnisses nicht entbehrt auf bie Kompensation in Kongo hingewiesen haben. Rach Gerüchten soll ein anbercr französischer Minister, Pichon, zu einer «mbcien Zeit z u weitergeh enbcm Anerbieten Deutschland gegenüber bereit gewesen sein auf Grund territorialer Abtretungen. Also unsere Politik entbehrt nicht bcr Inkonfeouenz, aber anbererfeits ber Stetigkeit, bcr Festigkeit unb bcr Voraussicht. Sie bat bie beutsche Polit'k auch für bic weitere Zukunft festgelegt. Wir bürfen nicht vergessen, daß wir uns von Anfang an gegen territoriale Erwerbungen in Marokko ausgesprochen hatten. Der frühere Reichskanzler hat in biefem Hause mitgeteilt, dah ber Kaiser dem Könige von Spanien ausdrücklich erklärt habe, er denke nicht an territoriale Erwerbungen in Marokko. Ebenso ist von diesem Hause stets betont worden, dah wir solche Erwerbungen nicht wünschen. Herr von Kardorsf. das leider verstör» bene hochgeachtete Mitglied dieses Hauses, hat 1905 ausdrücklich erklärt, er perhorreSziere territoriale Erwerbungen in Marokko. Dagegen ist immer die offene Tür und ber freie Wettbewerb des europäischen Handels in Marokko verlangt worden. Noch in dem Abkommen von 1909 hat Deutschland auf jedes wirtschaftliche Sonderrecht verzichtet. Wenn wir daS Ergebnis betrachten, das uns jetzt vorgelegt worden ist, so muffen wir sagen, bah c5 b i e Hinterlassenschaft bildet, die die Liquidatoren nach 1909 zu regeln hatten. (Zustimmung im Zentrum.) Der Reichskanzler hat uns vorhin mitgctcilt, wann unb warum e» notwendig war, bie Verbanblungen mit Frankreich aufzunehmen Nun haben diese Verhandlungen itattgefunben. Sie find in Deutschland begleitet worden mit wachsendem Mißbehagen, mit einem großen U n • mut, der weite Kreise unscreSVolkes wegen der ganzen auf Marokko gerichteten Politik durchwehte. Dabei kamen alle jene Irrungen unb vermeinten verpaßten Gelegenheiten der höheren Politik wieder in die Erinnerung, und daS vorhandene Mißbehagen, ber in weiten Kreisen vorhanbene Unmut, verwandelte sich in Helle Z o r n e S f I a m m e n , als jene bekannte ÜW i n i ft c r r e b c von jenseits des Kanals herül>erfchallte. Die Erregung, die damals weite Kreise unseres Volkes erfüllte, erinnert an die Bewegung von 1870. ES war in bcr_ Tat eine große nationale Bewegung, wie sie nicht häufig im deutschen Volke vorkommt. Der Unmut hatte sich gesteigert. Als der ^Panther" nach Agadir geschickt wurde, erschien es vielen von uns als ein erwünschtes Zeichen, einer jetzt ein- tretenden aktiven Politik. Dann kamen aber wieder Gerüchte, als ob auch dieses Vorgehen fehlerhaft gewesen sei, als ob man sich nachträglich auf etwas anderes besonnen hätte. Ich habe einige Fragen an den Reichskanzler zu richten, die er zum Teil schon beantwortet hat, ich wünschte aber, daß er noch ndähcr darauf eingeht. ES ist behauptet worden, daß die Entsendung deS -Panther" den Erwerb territorialer Striche in Marokko zur Ausgabe gehabt, und die Absicht sei infolge der englischen Drobung zurückge- stellt worden. Ich habe das niemals geglaubt. Wir haben auch vom Reichskanzler gehört, daß daS nicht der Fall war. Ich muß aber fragen, was denn geschehen ist. um j c_n e r englischen Provokation entgengutr et en. (Hört l Hörti). Man kann doch wohl aiinehmen, daß Deutschland die Drohung nicht ohne weiteres hingenommen hat. Es wäre nickt unerwünscht, wenn der Reichskanzler bestimmtere Mitteilungen darüber machen würde. Dann möchte ich fragen, was an jenen Gerüchten dran ist, über Verhandlungen, die wir mit Frankreich allein hätten cingehen können. Von dem verstorbenen Abgeordneten Graf Revcntlow ist darauf hingcwiesen, daß wir schon 1904 zu Verhandlungen vorteilhafter Art von Frankreich aufgef ordert worden sind. 1905 soll ein Anerbieten von Rouvier erfolgt fein, weitere Anerbietungen bann von Pichon. Der Mißmut deS Volkes mußte durch allerlei Gerüchte gesteigert werden. Ein Teil der Presse kann von dem Vorwurf nicht freigesprochen werden, daß er die schwierigen Aufgaben unserer deutschen Unterhändler noch außerordentlich erschwert hat. Die ausländische Presse ging natürlich voran. Aber ein Teil der deutschen Presse hat sich nur zu gern dazu hergegeben, aufregende Nackr'ckten zu kolportieren. Denn russische, französische, italienische Blätter etwas gu melden wußten don der Nachgiebigkeit der deutschen Regierung, oder wle e» gelungen fef, bic deutsche Regierung wieder zu übertölpeln. ra fanden sch oculiche Blätter, bic da» als Tatsache weiter verbreiteten. So ist bie unmutige Stimmung tc» deutschen Volke» immer mehr genährt worden, bis zum Schluß unb zum Uebcrdruß noch ber Rücktritt b c 8 Kolonial- staatesckretärs erfolgte, ber felbstvcrstänblich alt- ein voilstänvgeS Desavou dessen, wa» erreicht wo'den ist, gedeutet werden mußte. I.h will nur bic gründ- sätzl .che ,< rnge ff reift n unb darauf Hinweisen, baß wir scinerzcit negen bic Errickinna eines «ell-stänbigen Kolonialamtes schwere mit den leitenden Stellen de» Reiches vorouSsahen, und weil eine c nheitlicke Leitung der Pr-l>tik notwend g ist. Man wird ernstl ck cr'väzcn müssen, ob c5 nicht nützlich ist -u der früheren Einrichtung zurückzukebren und daß selbständige Ko- lonialamt au mu heben unb als eine Abteilung bcS Auswärtigen Amtes weiter bestehen zu lassen. (Hörti Härt! unb Heiterkeit.) Bei der bedauernswerten Angelegenheit des Herrn von Linde- auift ist auch von Indiskretionen in der Presse bie Rebe nctDcfrn. Ich hin der Meinung, daß die offiziöse presse durchaus nicht n uf bcr H56e der vi uf gäbe gestanden hat. (Lebhafte Zustimmung.) Sie bat eS burcbmiS nicht verstanden, bie öffentliche Meinung in der richtigen WcEe zu belehren un** im Sinne der Regierung auch zu dirigieren. Es ist eine unglückliche Einrichtung daß nur nickt ein. sondern drei PrcsscburcauS haben nämlich dos deS Auswärtigen Amts, daß deS Marineamt? und da» les RcickSkclonialamtS. ES kann gar nickt au »bleiben, daß die v-rickiedenen Strömungen und Richtungen in diesen getrennten Ressorts auch gegeneinander in der Presse zum Ausdruck kommen, und daß ein Kampf von Rcffort gegen Reffort stattstnbet. Dazu kommt die anßerordentlick ungleiche Bcbanblung die den Ze'fungen zuteil wird, bie Bevorzugung einzelner Zeitungen. Nun zum Abkommen selbst. ES entspricht dem Abkommen von 1909 neck ber wirtschaftlichen Seife nach bcr politischen aber nicht. 190g war auck von französischer Seife noch die Unabhängigkeit Marokkos anerkannt worben, bie ist heute nickt mehr vorhanden .Heute ist Marokko ein von Frankreich abhängiger Staat. Marokko ffebt unter französischem Protektorat Auck wir flehen mit gewissen Sorgen bem Abkommen gegenüber. Es ist ja eine Reibe von Bestimmungen getroffen, bic bie Gleichheit bcr Nationen verbürgen sollen bei der Ausschreibung von Arbeiten, aber sind wir denn sicher gegen eine stillschweigende Umgebung dieser Bestimmungen? (Sehr richtig!) Die Ausschreibungen sollen zwar so erfolgen, daß alle Nationen gleichmäßig davon profitieren können aber c5 bleibt doch möglich, daß durch die Art ber Ausschreibung zum Beispiel auck im Hinblick auf die Lieferungsfristen einzelne Nationen bevorzugt werden, es können in dieser Beziehung vielleicht geheime Abmachungen einen unheilvollen Einfluß auSüben. Auck bic Artikel 9 unb 12 sind uns bedenklich, weil sie, solange kein Rechtsweg gegeben ist, auf Schiedsgerichte und künftige Vereinbarungen verweisen. Ich fürchte, daß darin lcickt ber Keim des Mißtrauens unb von Streitigkeiten liegen kann zumal gerade wir bei Schiedsgerichten gewöhnlich nickt besonders gut abgescknitten haben. Noch eine an- bere Frage: Ick habe im „T e in p S" dem man ja Beziehungen zum französischen Ministerium nachsagt, gelesen, unb zwar in Form einer sehr bestimmten Angabe, daß Deutschland eine bevorzugte wirtschaftliche Stellung in Marokko ber. langt habe, daß diese Forderung aber von Frankreich fatego» risch zurückgewiesen fei. Es wäre erwünscht, darüber Aufklärung zu erhalten. Kompensationen waren natürlich nötig, wenn man Frankreich so freie Hand in Marokko lassen wollte. Am besten wäre eS vielleicht gewesen, sie in bcr Abschaffung mancher Zölle zu suchen. Ich weiß nickt, ob barüber Verhandlungen gepflogen sind, und wünsche auch hierüber Aufklärung. L a n v k o m> penfationen kamen natürlich nur in Afrika in Frage. Gerade über diesen Teil deS Abkommens ist ja die Schale bitterster Kritik über- ui b übermäßig ausgegossen worden, immerhin ist dock zu sagen, daß wir unterhalb des Entenschnabels ein wertvolles Gebiet erhalten haben, daS in unserem Zugang zu den großen Strömen ein großer Vorteil für unsere Schiffahrt unb den Handel liegt, wenn allerdings auch zuzugeben ist. daß wir auch einige weniger wertvolle Gebiete in den Kauf nehmen mußten, unb bah speziell in ber Schlafkrankheit unb in ben Konzessionen schwerwiegende Mängel liegen. Bezüglich der Konzessionen werden wir in ber Kommission nähere Auskunft foroern, wie sie sich mit bet Kongoakte vereinbaren lassen. Bezüglich der Etappen st raße wurde in den Zeitungen so getan, als ob es sich da geradezu um französisches Gebiet handeln werde, wo die französische Flagge gehißt würde usw. ES handelt sich doch nur um Magazin- und Verpflegungsstationen; aber die Gefahr besteht, daß sich wegen dieser Stationen Streitigkeiten erheben können, und es muß daher bei der Verpachtung der betreffenden Landstriche an Frankreich sehr genaue Vorsorge getroffen werden, daß solche Streitigkeiten nicht auskommen können. Als bie wichtigste Errungenschaft dieses Abkommens wird die Erzielung eines besseren Einvernehmens mit Frankreich hingestellt. Keiner von uns würde ein solches besseres Einvernehmen nicht von Herzen begrüßen. Wir alle wünschen, mit Frankreich in ein gutes Verhältnis zu kommen. Cb aber das Abkommen dieses Ziel erreichen wird, wer kann es wissen? Erst unter dem 7. November erschien in dem allerdings deutschfeindlichen „Eclair" ein Artikel, der solche Hoffnungen als ganz illusorisch erscheinen läßt. Dort heißt es, wenn man glaube, daß durch das Abkommen ein solides Fundament für freund- schaftliche Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland geschaffen sei, so irre man. WaS Frankreich verlange, sei n a ch w i c vor bic Erfüllung seiner Revanchegedanken. Das ist freilich eine einzelne Stimme, aber derartige Stimmungen bestehen nun einmal in Frankreich und man kann nicht wissen, wann sie die Oberhand gewinnen. Daß die heutige Regierung in Frankreich friedfertig ist, ist meine feste Ueberzeugung, und das haben auch die Verhandlungen gezeigt. Eins ist klar geworden durch die Marokkopolitik: daßdiewohlgemeinten Friedensbestrebungen und Verständigungsversuche recht wenig wirklichen Wert besitzen, sie scheitern an der Macht der Tatsachen, an den widerstrebenden wirtschaft, liehen Interessen, an dem steigenden Weltverkehr und den politi- scken Leidenschaften. Ist eS nicht eine Ironie des Schicksals, daß am SO. September ein Friedenskongreß nach Rom einberufen wurde (Heiterkeit.), der eine Fahri nach Konstantinopel unter- nehmen wollte, die freilich hinterher abbestellt werden mußte. (Heiterkeit.) Ick glaube, wir haben während der Verhandlungen etwas zu viel von unserer Friedensliebe gesprochen. Gewiß, wir sind ein friedliches Volk, wir find auch ein kräftiges Volk. Wir find nicht mehr das Volk der Hungerleider, als daS man uns so gern hinstellt. Wenn man glaubt, uns auf finanziellem Gebiete schlagen zu können, indem man auf bie Schwäche unserer Börsen und die Unsicherheit des Publikums, das die Sparkassen stürmt, hinweift, so find das törichte Hoffnungen. Wir sind finanziell gerüstet und dank unserer Reichsfinanzreform . . . (Großer Lärm, in bem die weiteren Worte des Redners untergehen.) Das sind Tatsachen, die Sic durch Ihren Lärm nicht aus der Welt schaffen. (Lebhafter Beifall recht» und im Zentr.) Wir sollten bedenken, daß wir mir unseren itetigen Friedensbeteuerungen im Ausland den Eindruck der Schwache hervorgerufen haben. Man glaubt, wir konnten keinen Krieg mehr führen. Lesen Sie doch nur die französischen Armeeblärter, bie von der Minderwertigkeit de» deutschen Heeres und der deutschen Marine sprechen. Leider haben diese törichten Redereien in der deutschen Presse einen Widerhall gefunden. Ich freue mich, daß mir der Reickskanzler schon darin zuvor- gekommen ist, zu erklären: es kann nicht die Rede sein, daß unsere Rüstung nicht mehr auf der vollen Höbe stünde, die notwendig ist, um mit aller Energie für die Weltstellung des Deutschen Reiches einzutreten. Es würde auch nicht schaden, wenn einmal auch von autoritativer Stelle gefagr würde, daß bic Aufrechteren! » tung des Frieden» zwar ein hoye» Gat ist, daß e» aber z u teuer erlauft wäre, wenn e » nur auf Kosten unserer 2S e 11 p e 11 u n g geschähe. (Lebhafter Bravo! im Zentrum.) Abg. Dr. v. .Heydtbrand unb ber Lase (Jtonf.)l Meine politischen Freunde hätten c» gern gesehen, wenn bie Vorlage mit einer ausführlicheren Begründung versehen worden wäre. Wenn sie auch nur zur Kenntnisnahme vorgelegt ist, fo fasse ich es ooch so auf. daß eS sich bei einem Gegenstand von solcher Bedeutung nickt darum fcinbeln kann, die Sacke einfach zu den Akten zu nehmen, sondern baß man auck erwarte, daß der Deutsckc RcickStag auck sein Urteil über eine solckc Angelegenheit auSsprickt. Die Begründung ist uns erst feit einigen Tagen bekannt (Lebh. Rufe: Seit beutel), unb bann ist eS ganz unmöglich, sich einen Gegcustanb von dieser Tragweite fo zu assimilieren, wie bas erforberlich wäre. Bi» heute wünschen wir eine weitere Aufllärung in größerem Umfang, und beshalb finb mir ber Meinung, baß e» sick boch rechtfertigt, wenn in einer Kommission ber ReichSrcgierung Gelegenheit gegeben wirb, noch mehr unb ausführlicher sich über ben .mnzen Hergang unb bas Für unt Wiber z u verbreiten. Wir finben ben Wunsch nach einer solchen Kommission natürlich unb treten ihm insofern bei. Wir haben auch nicht» bagegen baß in bieser Kommission bic heute gestellten Anträge mitbebanbelt werden Aber ick bezweifle schon jetzt, bah ein Teil bieser Anträge auck bie Zustimmung meiner Frennbe finben wirb. (Heiterkeit links.) Darüber, daß bie Begrenzung bcr Schutzgebiete ter Gesclmebung unterworfen werben soll, kann man nach meiner persönlichen Anschauung in bcr Tat verschiebener Meinung sein (Ironischer Beifall links.) Ein enbgültiges Urteil barüber bcha'tcn wir iin^cr Aber keine Kommission». Verhandlung wir ”u n S bar*» wankenb machen, bem Reichstag ein über ben gegenwärtigen RecktSzustanb hinauSgehendcs MitwirkungS- r c cfi t nicht zuzu weifen. (Lebhafte Rufe link»: Natürlich!) Nicht etwa, baß nack unserer Meinung bieser Forum etwa nicht volle Beachtung berbiente, sondern weil nach der Natur der Tinge, um die eS sich bei derartigen auswärtigen Verträgen handelt, nur eine Stelle mit einheitlichem Willen, mit ber nötigen Kenntnis unb Ucbcrsickt sämtlicher politischen Vorgänge solch« Vorgänge sackgemäß leiten kann. Hinter bcr Leitung solcher Tinge muß eine selbstänbige Verantwortlichkeit stehen. Im Interesse einer wirklich gedeihlichen Entwicklung ist cS ganz unmöglich, solche Dinge einer Körperschaft zu überweisen, wie sie ber Deutsche ReickiStag ist. (Zuruse bcr Sog.: Verfassungl Frankreich!) Nein, in bcr Verfassung steht baS nicht. Sie haben auch nicht baS Reckt, sick in bieser Beziehung auf baS AuSlanb zu berufen. In Englanb, Frankreich unb Italien, wo wir ja tolcbc Vorgänge eben jetzt vor Augen haben, finb berartige Ent- scheibungen von ben Negierungen allein getroffen worben ohne maßgebenbe Mitwirkung unb Genehmigung bcr Parlamente. Wenn wir auch burckaus nickt ganz cinvcrstanben finb mit bem, was uns hier vorgelegt wird, so sehen wir darin keinen Grund, die an sich richtige Verteilung der Kompetenzen zu ändern. Solche Fragen kann man nicht von einem Einzelfalle aus beurteilen, sondern nur, wenn man das Wesen der Dinge unb bie ganze Entwicklung bcr Zukunft ins Auge faßt. (Zustimmung rechts.) Die RcichSlcitung kann sich, in bcr Sache selbst, nicht wunbern über manche ihr unsachlich erscheinenben Einwänbe, nackbem sie uns in bic sehr schwierige Lage verseht hat, ohne tatsächliche Grundlagen urteilen zu müssen. Das ist um so schwerer, als eS sich um Gebiete hanbelt, bie nur sehr wenigen unter uns genug bekannt finb, um sie felbstänbig beurteilen zu können, unb als bie Vorgänge von einer Geheimhaltung umgeben waren, die ja wahrscheinlich im Interesse der Sache notwendig war, die aber dem Außenstehenden unmöglich machte, sick ein Bild von den Vorgängen zu machen. (Se$r richtig I rechts.) Außerdem kommt hinzu, daß der Mann, der vielleicht als einziger die Sache gründlich versteht, erklärt hat: Ich kann das mit meiner Verantwortung nicht decken. Dieser Rücktritt hat sich unter Begleiterscheinungen vollzogen, die uns nicht sehr erfreulich gewesen sind und die auch der Reichskanzler nicht ganz hat entkräften können. Ich habe zu meiner großen Freude von ihm gehört, daß er mindestens die Fähigkeit des bedeutenden Kolonialmannes anerkennt. Da» war um so notwendiger, als ja Prcßäußcrungen Vorlagen, die man in gewisse Verbindung mit Der RcichSlcitung zu bringen einen gewissen Anlaß hatte. (Sehr richtig!) ES müßte beinahe so scheinen, als ob die Reichsleitung von vornherein einen Mann in diese Stellung gebracht hätte, de: so ganz und gar unfähig gewesen wäre. (Hei- tcrkeit.) Ich freue mich, nicht bloß im Interesse der Reichsleitung, sondern auch dieses tüchtigen Beamten, daß dieser Vorwurf von ihm genommen worden ist. Aber ich hätte doch noch etwas mehr gewünscht. ES ist diesem verdienstlichen Beamten auch noch em anderer Vorwurf in offiziöser Form gemacht worden, nämlich, daß in seinem Amte schwere Verletzungen der Geheimhaltung wichtiger Staatsangelegenheit zu einer Zeit stattgefunden haben, durch die in der Tat daS Interesse des ganzen Lande» gefährdet sein konnte. Ich hätte mich gefreut, wenn ber Reichskanzler auch biefen Vorwurf in Abrcbe gestellt hätte »bcr baß, wenn man einen Vorwurf in dieser Beziehung zu erheben hat, man ben Weg bes Gesetzes beschritten hätte, baß man bie Disziplin narunterfudjung gegen ben Mann einleitet, ber sick berartiges hat zuschulden kommen lassen. Aber ich halte cS nicht für richtig, wenn eine offiziöse Deutung erscheint, bic baS ganze Amt in ein schlechtes Licht st eilt. (Lebhafte Zustimmung.) Nun zu bem Abkommen! Meine politischen Freunbe sind durch daS Abkommen nicht befriedigt, und wir lassen offen, daß mehr und auck Besseres sich würde haben erreichen lassen. WaS wir preisgegeben, was wir konzidiert haben, ist doch in unseren Augen ganz außerordentlich viel. Ter Reichskanzler hat selbst nicht in Abrede stellen können, daß bisher Frankreich doch immerhin gewissen Einschränkungen unt gewissen Vorbehalten gegenüberstand. Jetzt ist dagegen Marokko einfach politisch vollständig Frankreich überantwortet, und man kann von einem selbständigen Marokko einfach nicht mehr sprechen, unb baS geschieht mit bet, Zustimmung bes Deutschen Reiches! Ta5 ijt ein Akt von einer so kolossalen allgemeinen politischen Bebcutung, ist eine Konzession, bie eine weitreichende Wirkung haben kann und auch haben wird, daß man wohl erwarten darf und erwarten durfte, daß baß, waS wir ba- für eingetauscht haben, boch einen sehr hohen Wert in sich getragen hätte. Diesen hohen Wert können wir nur in bem, was hier gewonnen worden ist, zunächst nicht erkennen. Man hat bie wirt schäft licken Berechtigungen, bic uns bis bah in in Marokko zugestanben haben, näher präzisiert unb sie in eine ganz schone Reihe von Paragraphen gebracht, in benen allerlei Zusicherungen — wollen wir einmal sagen — gegeben werben. Aber jebermann weiß bock, daß derartige Zusicherungen besorckers auf administrativem und wirtschaftlichem Gebiete Dinge sind, die sich ändern können und die anders auSgelegt werden können, als man e» sich im gegenwärtigen Augenblicke denken kann. (Lebhafte Zustimmung.) Als letzte Sicherung haben wir bloß das Schiedsgericht, auf dessen Zusammensetzung Frankreich einen sehr maßgebenden Einfluß bat Im übrigen find bic Rechte, bie Deutfchlanb bekommt, auck bcr übrigen Welt zugestanden. Ao ist da die Sonderstellung des Deutschen Reiches nach diesen großen politischen Konzession? Sind wir bloß der Mandatar Europas? (Lebhafte Zustimmung.) Haben wir bloß dafür Cpfcr zu bringen? £ber hätten wir nicht auch erwarten dürfen, Cat; auch das Deutsche Reick ein Sonderrecht bekommen hätte? (Lebhafte Zustimmung.) Sicherungen unb Definiti um enthalten die Abmachungen nach unserer Auffassung nicht (Sehr richtig.) Rach unseren Informationen ist der unS zugewiesene Kongo doch ein dermaßen klimatisch, gesundheitlich, sanitär, wirtschaftlich fragwürdiges Objekt. (Sehr richtig! und Heiterkeit.) Wrr wollen und können natürlich nicht in Abrede stellen, daß diese Wüsten und Sümpfe nicht einmal schließlich entwicklungs- fähig sind. (Heiterkeit.) Aber wir sagen uns, was hier der St a a t s s e kretär des Kolonialamts gemeint hat, als er mcht geglaubt hat. die Dinge mit seiner Verantwortung vertreten zu kirnen, das ist uns eigentlich ungeheuer v e r st a n d l i ch. (Zustimmung und Heiterkeit.) Wir neigen des- wegen der Meinung zu, daß man aus der Situation doch mehr hatte herausholen sollen. Der Staatssekretär des Auswärtigen wird uns entgegenhalten: Kritisieren ist leicht, wie aber bester machen? Die Algeeirasakte konnte natürlich nicht aufrecht. k'Men. werden, denn sie war zerrissen. Aber wir hätten uns vollständig freie Hand für unsere Ansprüche in der Zukunft behalten sollen und hätten auch den Entschluß haben müssen, sie in gegebener Zeit zur Tat zu machen. (Sehr richtig!) Frank- rerch fühlt sich bei der Situation jetzt ganz wohl. (Lebhafte Zustimmung.) DurchNachgiebigkeitsichernwir Ulis ab e r Nich t den Frieden, sondern durch das deutsche Schwert. (Lebhafter Beifall und starkes Nicken des Kumprinzen in der Hofloge.) Wir müssen gewillt sein, auch das Schwert zu gegebener Zeit zu ziehen. (Beifall.) Hageldicht ist die Kritik auf unsere Regierung herniedergesaust. Wir halten es nicht für richtig, die Regierung vor dem Aus- Ian d e h er u n t e r z u re i ß e n. (Zuruf links: Breslau!) Wir wollen in diesem Augenblick doch nicht ganz unter den Tisch fallen lasten, daß unsere deutschen Unterhändler ein Maß von Geduld, Arbeitskraft, Opfermut und Pflichtgefühl entwickelt haben, das durchaus aner- lennenswert ist. Das entbindet uns aber nicht von der Pflicht, darüber hinaus ein scharfes Urteil zu Hollen, ob die Art, in der da verfahren worden ist, richtig War. Aber wir dürfen nicht ganz vergessen, daß die Regierung auch Positionen gegenüberstand, in denen sie nicht ganz frei war, und daß es nicht ganz leicht war, unter allen Umständen sich Vor- teile und Zugeständnisse zu sichern, wenn man sich Positionen gegenüber befand, die schon zum Teil aufgegeben waren. Das müssen wir im Interesse der Gerechtigkeit' und der Würde der Natron feststellen, gerade in einem so schweren Augenblick, wie im gegenwärtigen. Da muß man davon absehen, in der Vergangenheit herumzugraben und alle möglichen Schuldigen herauszuholen. Da müssen wir den Blick wieder nach vorwärts richten. (Beifall rechts.) Nun zu den Reden, die der Reichskanzler als „Tischrede n" bezeichnet hat. Wir und das ganze deutsche Volk legen diesen Reden doch eine etwas weitergehende Bedeutung bei als bloßen Tischredew Der Reichskanzler hat mitgeteilt, daß bei der Entsendung des „Panther" allen europäischen Höfen erklärt wurde, daß Deutschland keinen Landerwerb beabsichtige, worüber man an sich ja verschiedener Meinung sein kann. Also auch der englischen Regierung ist das mitgeteilt worden. Wenn man da nun einen solchen Ton hört, nicht bloß eine Tischrede, sondern eine Aussprache auf der Grundlage von Beratungen des ganzen Ministeriums in einer Sprache, die wir ganz einfach als eine Drohung, als eine Herausforderung und als eine demütigende Herausforderung ansehen müssen, dann handelt .es sich um andere Dinge als Tischreden. (Lebh. Beifall.) Das sind ganz sonderbare Tischreden, solche Tischreden verbittet sich das deutsche Volk. .'(Stürmischer Beifall.) Wenn es nun den Herren Engländern gefällt, diese Dinge zu vergessen, wenn sie nun angeblich nichts mehr davon wissen, nachdem es nicht gelungen ist, Frankreich und Deutschland in einen Krieg zu verwickeln, der vielleicht nicht zum Nachteile Englands gewesen wäre, so kann man das vom englischen Standpunkte aus verstehen. Aber wir Deutsche haben es noch nicht vergessen, und wir fragen uns, ob wir geträumt haben. Ist es nicht wahr, daß ein Botschafter an einem europäischen Hofe in einer Weise über uns sich ausgelassen hat, die uns die Schamröte ins Gesicht steigen ließ? (Lebh. Zustimmung.) Das kann man nicht aus der Welt schaffen. W i e ein Blitz in der Nacht hat das alles dem deutschen Volke gezeigt, wo sein Feind sitzt. Das deutsche Volk weiß es jetzt, wenn es sich in der Welt ausbreiten will, wenn es , den Platz an der Sonne haben will, wer dann derjenige ist, der über alles gebieten will. (Lebh. Beifall.) Das deutsche Volk wird in solchen Fällen eine deutsche Antwort zu geben wissen. (Erneuter Beifall.) Ich weiß nicht, welche Antwort die Regierung gegeben hat. Es handelt sich aber hier um die Existenz Deutschlands, so etwas läßt sich kein Volk und am allerwenigsten das deutsche Volk gefallen. Die Regierenden haben zu entscheiden, sie haben das Recht dazu, aber auch die Pflicht, und wir erwarten, daß sie von dem Gefühl der Ehre der deutschen Nation getragen werden. (Lebh. Beifall.) Ich erkläre aber, daß w i r Deutschen bereit sind, die erforderlichen Opfer zu bringen. (Beifall rechts. Stürmische Zurufe bei den Soz.: Aus den Taschen der Arbeiter! Großer Lärm rechts. Lebh. andauernde Unruhe.) Präsident Graf Schwerin: Wir müssen unter allen Umständen auf die Würde der Verhandlungen bedacht sein. Ich bitte, solche stürmischen Unter- brechungen im Interesse des Reiches und des Deutschen Reichstags zu unterlassen. Abg. von Heydebrand: Ich habe im Namen meiner politischen Freunde zu erklären, daß wir b e r e i t sind, wenn die Stunde und das Land und unsere Ehre es erfordern, nicht bloß Opfer zu bringen an Blut, sondern auch an Gut (Gelächter bei den Soz. und Zurufe: Erbschaftssteuer!); wir werden geben, was notwendig ist. Wir sind auch bereit, das Vermögen der Besitzenden auf dem Altar des Vaterlandes zu opfern. (Stürmisches Gelächter links und erneute Zurufe: Erbschaftssteuer!) Es soll das Vermögen der Lebendigen sein, nicht der Toten. (Großes Gelächter links und Rufe: Aha!) Man kann über die Erbschaftssteuer verschiedener Meinung sein. Aber nachdem wir gesehen haben, daß zwei Jahre lang wegen dieser Frage sich eine Kluft aufgetan hat in der bürgerlichen Gesellschaft, daß das Bürgertum gespalten ist von einem Ende zum anderen zum Schaden des Vaterlandes, dann sind wir der Meinung, daß nichteineneueKluft aufgetan wird, nicht ein neuer Streit angefacht wird, wenn eine nationale Tat geboren werden soll. Man mag nehmen, was notwendig ist, w i r ssindbereit.die Konsequenzen der ernsten Situativ n z u z te h e n; wir erwarten aber auch, daß die Regierung sich don denselben Gefühlen leiten läßt. Da gilt keine Regierung, kein Reichstag, kein Herr oder Knecht. Nichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr alles setzt an ihre Ehre. ssStürm. Beifall rechts.) Staatssekretär des Auswärtigen d. Kiderlen-Wächter: Auf einen Punkt der Ausführung des Vorredners muß ich sofort antworten. E§ ist in der „Neuen Freien Presse" ein Artikel erschienen, welcher dem englischen Botschafter Wien zugeschrieben worden ist. Wir haben bei der eng- tischen Regierung >ofort deswegen angefragt und die englische Regierung hat amtlich erklärt und uns ausdrücklich ermächtigt, diese Erklärung zu veröffentlichen, daß der Bot- ichafter weder zu der Veröffentlichung des Ar- trkelHin irgend welchen Beziehungen steht, noch °° ».die serArtikel durch irgend ein Mittel der ® 0 ? a U ? elT "Nutzt war. (Zuruf rechts: Wer weiß, ob les wahr ist.) Das ist doch die allermindeste nationale Co urtoi sie , daß, wenn eine Regierung uns eine amtliche Erklärung abgibt, wir ihr Glauben schenken, und man dann nicht von uns verlangen kann, daß wir in eine solche Erklärung ein Mißtrauen setzen. Abg. Bebel (Soz.): Wenn der Abgeordnete von Heydebrand' es für notwendig erklärt hat, daß in dieser Angelegenheit der Reichstag ein Urteil fälle, so kann das nur geschehen, indem der Reichstag in die Lage kommt, über die Vorlage abstimmen zu können. (Sehr wahr! bei den Soz.) In diesen Tagen wird das gleiche Abkommen der französischen Kammer zur Beschluß- fastung vorgelegt und mit ihm auch die in der Marokkofrage zwilchen den Regierungen gewechselten Noten, auf deren Vor- lage wir noch gar keine Aussicht haben. Herr von Heydebrand, der Sie so viel von der Ehre der deutschen Nation gesprochen haben, empfinden Sie es denn gar nicht, daß es eine Schmach u b en Reichstag i st, wenn ihm zu g e m u t e t wird, fr über diese Vorlage nur reden, aber kein Urteil über sie fällen! (Lebhafte Zustimmung bei den So^ £ e.r^ "..o" Heydebrand hat vom Standpunkt des velchrankten Untertanenverstandes gesprochen, der das, was die Regierung tut, auch wenn er nicht damit einverstanden ist, nicht ernstlich kritisieren darf. Aber auf der anderen Seite wollen Sie in der Regierung immer /Feauftrapte der herrschenden Klassen erblicken, wie das in der Breslauer Rede des Herrn von Heyde- brandt zum Ausdruck gekommen ist. Das ist ja auch weiter nichts, als eine Bestätigung dessen, was Marx und Engels schon 1847 im kommunistischen Manifest (Lachen rechts) geschrieben haben: •er9ierun6en sind nichts weiter als die Verwaltungsaus- aussckuste der besitzenden Klaffe. Die es mit Ihrer Opferwillig- teit ftent, haben Sie ja bei der Finanzreiorm gezeigt. Alles haben Sie auf bi e Sch ultern der Armen und Gien« i gewalzt (Stürmisches Oho rechts! Lebhafte Zustimmung iints.)- Und gegen eine gerechte Einkommen- und Erbschaftssteuer strauben Sie sich. Der Abgeordnete von Oldenburg hat ja erklärt, einem Reichstag, der aus dein allgemeinen Wahlrecht hervorgegangen ist, vertrauen wir unser Portemonnaie nicht (Hori! Hört! links) und Sie die dem preußischen Volke sogar das einfachste bürgerliche Recht, das allgemeine Wahlrecht verweigern, Sie sollten den Mund halten, wenn von C-Pfer Willigkeit geredet wird. (Sehr wahr! links.) Herr von Hehdebrandt bat nicht sagen können, was bester gemacht werden sollte. Seine Kritik läuft doch hinaus auf den .Krieg; denn, w en n kein Einverständnis zwischen Deutschland und Frankreich zustande gekommen wäre und man ohne Resultat auseinander gegangen wäre, dann wäre die toll st e Kriegs- h e tz e losgegangen. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) Wir haben unsern Antrag gestellt, weil wir es uns nicht länger gefallen lassen dürfen, daß der Reichstag als „quantite neghgeable behandelt wird. In diesem Sommer ist aus allen bürgerlichen Lagern dagegen protestiert worden, daß der Reichstag in den Hintergrund gedrängt wird, daß das Volk nichts zu sagen habe, aber nun, wo Sie die Gelegenheit haben, Abhilfe zu schaffen, da sind Sie die ersten, die sich weigern, gegen diese ^E^vgfchatzung des deutschen Volkes vorzugehen. England, Italien, Oesterreich, sogar die Türkei und nach dem Verfassungsentwurf auch schon das chinesische Parlament haben ,2".a;fkertrane zu genehmigen, aber der deutsche Reichstag nicht. (H°rtl Hort! links.) Herr von Hevdebrand hat die marokkanischen Zustande besprochen. Die Zustände in den preußischen provinz e n sind viel dunkler: d a s i st u n s e r M a r o k k o. (Große Heiterkeit.) Aber darüber regen Sie sich nicht ■ ’ ~c* Durch dieses Abkommen soll ein Stück einer Kolonie abgetreten werden, daß Deutschland bisher schwere Opfer verursacht hat. Wir aber sollen gar nichts darüber beschließen dürfen. Nehmen Sie doch unseren Antrag an, damit es anders wird. — Als dem Redner bei seinen weiteren e Forderung einer schärferen Marokkopolitik gerichteten Ausführungen von der Rechten zugerufen wird, daß er doch ganz t.Inne . Reichskanzlers spreche, erwidert er: Wir haben ja auch den russischen Handelsvertrag mit unseren Stimmen gerettet und die elsaß-lothringische Verfassung. Äch schrecke gar nicht davor zurück, an der c i t e der Regierung zu stehen, wenn sie einmal vernünftig ist. (Lebhafte Heiterkeit.) Wir beraten heute über einen Vertrag, der das Schicksal eines Landes bestimmt, über °a£ lvir gar kein Verfügungsrecht haben. Tie Regierung von Marokko ist gar nicht um ihre Meinung gekragt worden. Das ist zwar m der Form anders, aber in der Sache ganz dasselbe, wie die brutale Machtpolitik Italiens um Tripolis, das über das Land herfällt und es, ohne das geringste Anrecht darauf zu besitzen, für einverleibt erklärt. Es ist hier von dem Kolonialangebot gesprochen worden, das Frankreich seinerzeit dem Reichskanzler Bülow gemacht hat. Aber das war wenige Monate n der Reise des Kaisers nach Tanger, wo er erklärte, jederzeit für die volle Souveränität des marokkanischen Reiches eintreten zu wollen. Gerade so, wie er ja sieben Jahre vorher den Türken erklärt hat, daß alle Mohammedaner auf der ganzen Welt wissen sollen, daß der deutsche Kaiser immer ihr Freund sein werde. (Hört! Hört! vei den Soz.) Kurz vor der Marokkokonferenz gab Fürst Bülow hier die Erklärung ab, Deutschland verlange keine Gebietsabtretung, sondern nur Achtung der bestehenden Verträge und seiner wirtschaftlichen Interessen. Kein Mitglied der bürgerlichen Partei dieses Hauses hat gegen diese Erklärung Protest erhoben. (Hört! Hört! b. d. Soz.) Beim Februarabkommen 1909 wurde ausdrücklich erklärt, daß Deutschland in Marokko nur wirtschaftliche Interessen habe, daß aber die politischen Interessen ausschließlich Frankreichs Sache seien. In der Debatte erklärte damals Frhr. v. Hertling, daß es wegen Marokko keinen Krieg geben dürfte, und Abg. Bassermann erklärte sich vollkommen einverstanden mit jenem Abkommen, überzeugt, dah das französische Protektorat in Marokko segensreich, auch auf die Beziehungen Deutschlands zu Frankreich wirken werde. (Große Heiterkeit und lebh. Hört! Hört! b. d. Soz.) Die ganze Kolonialpolitik ist Kapital! st en^olitik. 1 Wir hätten keine größere Dummheit machen können, als uns m Agadir feftzusetzen Zwei Armeekorps hätten wir ständig in Marokko bereit halten müssen. Aber wie hat die alldeutsche Presse gewütet. In welcher Weise zog man die Person des Kaisers in d'e Debatte! Hätten sich sozialdemokratische Redakteure das erlaubt, sie hätten es mit jahrelangem Gefängnis gebüßt! Die tollsten Nachrichten schwirrten in der alldeutschen Presse umher, die doch Informationen vom Auswärtigen Amt be- zieht! Wie war das möglich? Wie konnte die Negierung das alles unwidersprochen lassen? Man spielte mit dem Gedanken eines auswärtigen Krieges, weil man glaubte, so am besten mit der Sozialdemokratie fertig zu werden. So machte es auch Napoleon III., der damit die Revolution heraufbeschwor. Das ist auch der Ton des Herrn v. Heydebrand, der erklärte, zu Opfern bereit zu sein. Keine größere Lüge, keine größere Heuchelei ist je dagewesen. (Lebhafter Beifall links.) Die Rechte und das Zentrum haben noch nie bewiesen, daß sie zu Opfern bereit sind. (Lebhafte Zustimmung links.) Tas Reich ist ein Reich der Neichen! Wir könnten nichts Vernünftigeres tun, als uns mit Eng- land verständigen, und aus dem Dreibund einen Vier- bund zu machen. Er hätte die Herrschaft der Welt. Aber jetzt gehen die Rüstungen weiter, und das Zentrum schluckt alles. Es geht mit ihm ständig rückwärts. Es wird auch eine neue Flottenvorlage, eine neue Militärvorlage und neue indirekte Steuern schlucken! (Der Kronprinz hat während der Rede Bebels den Saal verlassen.) Ich bin der Ansicht, daß von Frankreich nicht mehr herausgeholt werden konnte, als im gegenwärtigen Moment herausgeholt worden ist. (Hört! Hort!) Frankreich hat alle Macht, der Sultan von Marokko ist eine Puppe in seiner Hand. Ob Frankreich viel Freude an Marokko haben wird, ist die Frage. Es muß 60= bis 60 000 Mann stets in Marokko halten. Ganz Nordafrika wird in absehbarer Zeit in den Europäern den gemeinsamen Feind erkennen. Der Kongovertrag ist nichts teert. DaS ist schon dadurch bewiesen, dah ein sachverständiger Mann wie Lindequist dagegen ist. etn Mann, der sich auch nach unserer Meinung bemüht hat, Ordnung, Recht und Gesetz in den Kolonien zu schaffen. Wenn aber jetzt weiter gerüstet wird, dann kommt die Katastrophe. Auf den großen Generalmarsch aber folgt der große Kladderadatsch. (Gelächter rechts.) Er ist nur vertagt. (Heiterkeit rechts.) Sie treiben es auf die Spitze. Sie selbst haben die Götterdämmerung der bürgerlichen Gesell- schäft herbeigeführt. Das Totenglöckchen läutet. (Beifall b. d. Soz.) Abg. Bassermann (Natl.): Der Abg. Bebel hat heute wieder den bekannten Standpunkt der Sozialdemokratie pertreicn, dw alle Kolonialpolitik auf großkapitalistische Bestrebungen zurückführt. Ter Abg. Bebel und mit Am seine Partei wird die weltwirtschaftliche Entwicklung der Völker nicht ändern können. Taß sich daraus Reibungen ergeben, ist unvermeidlich, und das wird auch dos Programm der Sozial- demokratir nicht ändern. Frhr. von Hertling hat die lieber- Weisung der Denkschrift und der dazu gestellten Verfassungsanträge an die Vudgetkommission beantragt. Meine Freunde stimmen diesem Anträge zu und erwarten eine eingehende Er. örterung sowohl der Grundlagen des Marokko- und Kongo-Ab- kommens, wie sie auch die Erörterung der Verfassungsfragen für nützlich und notwendig halten Die Vorbereitung dieser Debatte ist durchaus ungenügend. (Sehr richtig!) Wir haben zuerst nichts bekommen als den Vertragstext und eine unzu- reichende Karte Tas Weißbuch, das uns über die 93er- handlungen mit Frankreich in allen Stadien Auskunft geben sollte haben wir nicht bekommen, auch keinerlei Schriftstücke über die Verhandlu igen mit England, die sich aus den wiederholten Ministerreden ergeben haben. Ich möchte auch wünschen, daß uns bezüglich der Verfassungsfragen, die ja auch seitens der verbün» beten Regierungen wenigstens bezüglich der Erwerbung und Veräußerung von Kolonialbesitz als zweifelhaft anerkannt werden, das Gutachten des Reichsjustizamtes zugänglich gemacht wird. (Sehr richtig!) Es wäre wünschenswert gewesen, daß man den Reichstag mit ausführlichem Material versehen hätte und nicht mit diesem dürftigen Material, wie es geschehen ist, was ja vielfach den Eindruck einer gewissen Mißachtung des Reichstages hervorruft. Diese ganzen Fragen haben die Reform- bedürftigkeit unseres Jnterpellationsrechtes u. a. auch erwiesen. So kann es nicht bleiben, daß es ausschließlich in die Hand der Regierung gelegt ist, wenn eine Interpellation beantwortet werden soll. Es wird Sache des kommenden Reichstags sein, auf diesem Gebiete des Jnterpellationsrechtes, aber auch darüber hinaus in bezug auf die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers Aenderungen zu schaffen. Uns scheint es, daß rechtlich das Marokkoabkommen der Genehmigung des Reichstags nicht bedarf. Wenn wir die Anregung im Seniorenkonvent gaben, es möchte dieses Abkommen zum mindesten hier vorgelegt werden, so lvar das in Rücksicht auf die Wichtigkeit der ganzen Materie. Es ist von Staatsrechtslehrern, u. a. von Laband, darauf hingewiesen worden, daß es selbstverständlich in jedem einzelnen Falle anheimgegeben ist, den Weg der Reichstagsgesetzgebung zu wählen. Fürst Bismarck hat 1884 erklärt, daß jede überseeische Politik nur mit Erfolg zu treiben fei. wenn sie von der Mehrheit des Parlaments getragen werde. So war also auch Bismarck der Meinung, daß die Kolonialpolitik getragen werden solle von dem Willen der Nation, der sich verkörpert in dem P a r I a m c n t. (Sehr richtig!) Aus dieser Auffassung ergibt sich die Konsequenz, daß es allerdings richtiger wäre, unter Verzicht auf verfassungsmäßige Bestimmungen den Weg der Reichsgesetzgebung zu beschreiten. (Zustimmung links.) Als die Reichsverfassung gemacht wurde, hat man an Kolonialgebiete noch nicht gedacht. Sßir haben aber weiter vom Reichskanzler gehört, daß das Konaoabkommen eine Reihe von finanziellen Folgen für Deutschland hat; da wäre es doch ein Gebot der Billigkeit, die Grundlage dieser Kosten vom Parlament genehmigen zu lassen. (Sehr richtig!) Lediglich in trockener Burcaukratenart sollte man solche Fragen nicht zu lösen suchen, sondern auch auf das Gefühl des deutschen Volkes Rücksicht nehmen (Lebhafte Zu- stimmung links.), daran denken, daß es auch ein nationales Empfinden gibt (Lebhafte Zustimmung.), daß unsere Nation mündig geworden ist und wir mitsprechen wollen auch als Gesetzgeber. (Lebhafter Beifall links.) Eine ausgiebige Kritik der au swä rügen Polü t i k, nachdem sie Monate durchs Land gegangen ist und die Erregung heute noch in den Herzen deutscher Patrioten nachzittert, erachte ich nicht nur als unser Recht, sondern auch als unsere patriotische Pflicht. (Zustimmung links.) Das Ansehen der Regierung wird durch sachliche Kritik nicht geschädigt. (Zu- stimmung.) Das richtet sich danach, ob sie es versteht, sich Achtung zu verschaffen. Und wenn wir hier mit Engelszungen den Reichs- kanzler loben, im Lande werden die Steine sprechen. Und es ist auch keine Parteisache, wie ein Redner meinte. Aus allen Parteien heraus, jedenfalls aus allen bürgerlichen, erschallt der Not» schrei über das, was wir in diesen Tagen erlebt haben. Herr von Heydebrand meint, man dürfe der Regierung nicht in den Rücken fallen. Davon ist doch nicht die Rede. Sachliche objektive Kritik und Abwägung dessen, was Deutschland genützt hätte und ihm im vorliegenden Fall geschadet hat, das verlangen wir. Auch Herr von Heydebrand bat ja in Breslau kein Blatt vor den Mund' genommen. (Hört! Hört!) Es ist gesagt worden, das Marokkoabkommen sei gewissermaßen der Abschluß der bisherigen Marokkopolitik. Ich kann diesem Gedankengang nicht folgen. Die deutsche Marokkopolitik war nach zwei Richtungen orientiert. Es ist nicht richtig, wenn Frhr. v. Hertling von einer Inkonsequenz, vor allem der B ü l o w s, in der Marokkopolitik spricht. Tiefe Bülowsche Politik mag in mancher Phase nicht richtig gewesen sein, aber konsequent war sie. Es ist die Bis- marcksche Politik weitergeführt worden, die da sagte, wir wollen uns freuen, wenn Frankreich sich Marokko aneignet, es bekommt dort viel zu tun. Es ist dies ein ganz bestimmter Gesichtspunkt aus der Zeit der siebziger Jahre, wo der Revanche- gebaute in Frankreich noch viel stärker lebte als heute. Bismarck wollte das Auge Frankreichs von der V o g e s e n g r e n z e ablenken. Ob er heute noch dieser Ansicht wäre, erscheint mir angesichts des großen Soldalenreservoirs in Ma- rokko zweifelhaft. Gewiß, einstweilen wird Frankreich Soldaten nach Marokko zu schicken haben, aber wenn das Land erst von französischer Herrschaft durchdrungen ist, und wenn dann dec ernste Moment der Abrechnung zwischen uns und Frankreich kommt, glauben Sie da nicht, daß es leicht fein wird, die kriege- rischen Stämme Marokkos auch für einen Krieg auf dem Festlande zu begeistern? Lesen Sie doch nur die französischen Bücher, und hat nicht auch Telcasse gesagt, daß es möglich sein werde, drei Armeekorps aus Marokko zu ziehen? Zum Zweiten konnte man damals nicht Voraussehen, welche wirtschaftlichen Werte in Marokko stecken, und endlich bleibt noch der eine große Gesichtspunkt, der auch in der Rede Caillaux' hervorgehoben wurde, Frankreich sei durch das Abkommen mit einemmal eine islamitische Vormacht geworden Also ob Bismarck heute noch so sprechen würde, tois damals, ist sehr fraglich, jedenfalls wurde in der Vülowperiode seine Politik konsequent durchgehalten. Er hat in vielen Reden in diesem Hause, so im Dezember 1905 und am 29. November 1907, immer wieder dieselben Grundsätze seiner Marokkopolitik auseinandergesetzt, die darauf hinauslief: Keine territorialen Erwerbungen, Anerkennung der Souveränität des Sultans und Integrität des Scherifischen Reiches, andererseits offene Tür für uns und Freiheit, uns wirtschaftlich dort zu betätigen. Das war ein ganz klares Programm des leitencen Staatsmannes Ed ist richtig, daß die großen Parteien dieses Hanfes mit diesem Proaramm einverstanden waren. Was die Kaiser- reife und die Kais-"-rede in Tanger anbetrifst, so habe ich bereits vor Jahren dem Zweifel Ausdruck gegeben, ob im die Regierung gegenüber diesen kinmffckung-rl der englififen StaaiSrnänner getan bat. Auch auS der heutigen Mitteilung de» Staatssekretär» bc8 Aeutzern können mir nur ersehen, das, der weiter, wie die ganze Aktion vorbereitet wurde. Hat uns < unser Botschafter unterrichtet oder sind wir voll- ständig durch die üble Stimmung, die in England einsetzte, über- ' rasckt worden? Dieselbe Frage- könnte man auch bezüglich der ; Tripolis-Affäre aufwerfen. Es ift doch nicht gut denk- ; bar. daß unser Botschafter, unser Militärbevollmächtigtcr und da» ganze Personal unserer Vertretung von den Vorbereitungen eines solchen Feldzüge» nicht die mindeste Kenntnis bekommen haben sollten. Die Mitteilung, daß wir keine territorialen Erwerbungen beabsichtigten, bat in Deutschland große Enttäuschung und Er- nuchtcrung hervorgerufcn. Ta« Nationalgefuhl war mächtig auf- geflammt, man rechnete mit der Möglichkeit erneS Kriege». Kaum jemals ging eine so entschiedene KriegSentschlossenbeit durch weite Kreise wie damals. Und plötzlich kommt die Mitteilung, wir suchten Kompensationen nicht in Marokko, sondern am Kongo! Hier muß ick in der Tat gegen die Preßabteilung de» Auswärtigen Amtes einen Tadel richten, daß man alle diese ertraüanganten Hoffnungen sich hat entwickeln und weiter spinnen lassen (Sehr richtig!). Und weiter muß ich fragen' ist da» wirklich alle» un- richtig, wa» von diesem oder jenem Beamten de» Auswärtigen Amte» gesagt wurde? Wir seben doch, wie Meldungen durch die Presse gehen, daß Leute unter ihrem Zeugeneide sich erbieten, die Wahrheit jener Behauptungen zu bekunden. Die Presscabteilung bat ihre absolute Unzulänglick-Ieit erwiesen. Da» bat die ..Kölnische Zeitung" betont, die „Deutsche TageSze'tung". die ganze nationalliberale und freisinnige Presse. Eine Reform ist durchaus notwendig. Nun zum Abkommen selbst. Eine freundliche ®cur- teilung bat e» nicht gefunden. Herr von Hertling hat eine Diebe von Zweifeln geäußert. Herr von Heydebrand hat mit vielen Ja und Aber, aber doch sehr kräftig, feine Schäden beleuchtet. Der einzige freundliche Kritiker war Derr Bebel. (Heiterkeit.) Wenn meine politischen Freunde diese» Abkommen zu genehmigen batten, so würden sic eS ab- lehnen. (Lebhafter Beifall.! ES scheint den deutschen Interessen nicht zu entsprechen und auch nicht der Würde des Reiche». (Bei- fall.) Frankreich erhält eine neue Provinz von der e» heißt, daß sie große Eisenerze besitzt und daß sie landwirtschaftlich auSge- beutet werden kann. Jedenfalls steht da», was wir dafür bekommen haben in gar keinem Verhältnis zu dem. waS Frankreich erreicht hat. Die großen Errungenschaften für Frankreich müßen ins Auge treten. Herr Bebel hat bei der Besprechung der wirtschaftlichen Garantien auch auf Dr. Seniler hingewiesen. Auch er ist der Meinung, daß ohne politischen Einfluß der wirtschaftliche Einfluß in Marokko sehr zweifelhaft ist. In dieser Hinsicht sind bittere Urteile der deu'schen Industrie laut geworden. Der alte Führer der Industrie, Kirdorf, sagte: Ich halte daS Abkommen für eine wirtschaftliche Niederlage. die Deutschland tatsächlich aus bir Reihe der Großmächte streicht. Das sind freilich Uebertreibungen. (Zuruf linkS: WaS sagt Stinnes?) DaS ist auch sehr flau; er sagt nur, eS könne aus ben Kongofetzen eventuell mal etwa» Gutes herauskommen. Ich könnte Ihnen zahlreiche Aeußerungen verlesen von feiten der deutschen Industrie. die alle sehr pessimistisch sind. Ich verweise auf die Resolution de» ZentralverbandeS Deutscher Industrieller, auf die Aeußerungen der sächsischen In. dustriellen und auch auf englische Blätter, die sagen: Wird Ma- rokko eine französische Kolonie oder französisches Schutzgebiet, so verschwindet die Möglichkeit für andere Nationen, sich hier wirt- schaftlich zu entwickeln, weil eS tausend Fußangeln gibt, den Fremden zu benachteiligen. Alle» in allem, auch wenn die Regierung bemüht war, «ine Reihe von flautelen zu schaffen, «in günstiger Vertrag liegt nickt vor, viel erreicht ist nicht. Nun zu den Kompensationen. Man darf die Sache nicht so behandeln wie der Reichskanzler, der nur erwägt, waS Frankreich erhält und was wir erhalten. Wir tnüffen doch in Berücksichtigung ziehen, sofort in dieser heftigen Weife den Einspruch England» auf den HotS brachte, gewiß ein unrichtige. Wir hätten wohl durch andere Mittel den Franzosen den Ernst der Lage klar macken können, und zwar mit Vorgängen in Europa, ongejicht» der Tat- lache, daß alle Streitigkeiten, btc zu einem Kriege mit Frankreich führen konnten, doch nicht in Ajrlka, sondern in Europa au»- getragen werden. (Sebr richtig.) Ick habe in den Ausführungen de» Reichskanzler» gefunden, daß doch in vielen Dingen hier eine gewifje Prlitik der Illusion hockschim» merl, die vor der rauben Wirklichkeit nickt Stand hält. Auch daß Frankreich eine neue Provinz gewonnen hat. (Lcbh. Zustimmung.) War es notwendig, deutsche Gebietsteile abzutreten. die nach sachverständigen Aeußerungen wertvoll sind? So- gar an der Schlafkrankheit findet der Verfasser der amtlichen Darlegungen etwas Erfreuliche». Er freut sich, daß wir nun wenig- sten» den Herd der Schlafkrankheit besitzen. (Große Heiterkeit.) Wenn man die Bestimmungen über die KonzessionSgesell- schäften lieft, dann muß man sagen, daß b t e Reibung»- r 1 ä d? e n auf der ganzen Linie vergrößert sind. Wenn wir den französischen Gesellschaften auf die Füße treten, werden sie immer sofort nach Paris laufen. Nun wird gerühmt, daß wir die Verbindung mit dem Kongo haben. Für alle diese Dinge bat das deutsche Volk aber sehr wenig Sinn. E» bestand nirgends im deutschen Volke ein Bedürfnis. Kongogebiete unseren Schutzgebieten anzugliedern. sLebh. Zustimmung.') Diese Erwerbungen sind keinesfalls baß wert, was wir dafür geben mußten. Früher klang es ganz anders. Da hieß es: Deutschland würde ein großes, abgerundetes, äquatoriales Reich erhalten. Jetzt sind bauen zwei schmale Zipfel Übrig geblieben, die vielleicht einen gewissen Wert haben mögen, vielleicht aber auch nicht. Bülowsche Politik sagen, einerlei, ob sie richtig oder falsch war, einerlei, ob es richtiger gewesen wäre, wenn Fürst Bülow in irgend einem Zeitpunkte auf Territorialerwerbungen in Marokko loSgesteuert träte : mit der Tatsache, baß Frankreich weder die AlgeciraS-Akte gehalten hat. noch daS Abkommen von 1909, waren die vertrage gebrochen, und eine neue Orientierung deutscher Politik fing in Marokko an, und auf neuer Grundlage konnte nun weilergearbeitct werden. (Sehr richtigl) Diese neue Phase hat ja allerdings die extravagantesten Hoffnungen erweckt und hat eine einheitliche Beurteilung zunackst gefunden bezüglich ihres Zweckes im Inlands und im AuSlande. Ein großer Schlag werde vorbereitet, so la» man da und dort, eine gänzlich neue Marokkopolitik, eine aktive Marokkopolitik werde damit anbeben. Das Aufsehen, daß das Erscheinen de» .Panther" vor Agadir auch im Vaterlande erregt hat, ist damit zu erklären, daß die An- fdbauungen über die wirtschaftliche Bedeutung Marokkos sich im Lause der Jahre geändert haben. Als Fürst Bülow mit hiesigen Finanzkreisen über den wirtschaftlichen Wert von Marokko und seine Ausbeutung konferierte, da war eigentlich die Meinung in diesen Kreisen noch ziemlich ablehnend. Aber später kam dann die ganze Erzfrage in Fluß, einmal durch die Detriebfam-- keit der Gebrüder Mannesmann, dann aber und weit darüber hinaus dadurch, daß Leute, wie Geheimrat Kirdo-'f, die Aufmerk- samkcit auf die Erschließung der Erzschätze in Marokko lenkten und offene Tür für Deutschland verlangten. Meine Freunde haben in diesem Stadium auf die Wichtigkeit dieser Sache hinge- wiesen, insbesondere war es mein Freund Stresemann, der eS verlangte, daß die deutschen Jnteresien mit größerer Energie ver- treten werden müßten, namentlich waren seine Ausführungen gegen den früheren Staatssekretär von Sckön gerichtet und gegen sein Weißbuch, von dem gesagt werden konnte, daß die deutsche Regierung hierin Material liefere gegen deutsche Ansprüche. (Sehr richtig!) Meines Erachtens war das eines bet unglücklichsten Schriftstücke, die jemals von unserer Regierung herausgegeben wurden. (Sehr richtig!) Ter Jubel über das Er- scheinen des .Panthers" bot Agadir machte bald Platz wackien- dex Entrüstung über die Angriffe bet englischen Staatsmänner. ES handelte sich hier in der Tat nickt um Tischreden, sondern um Drohungen. ES war ein schweres Gefühl, das auf Deutschland lastete, baß wir un» daS bieten ließen, und ich hätte wohl gewünscht, daß es durch öffentliche Kundgebung der Regierung zurückgewiesen worden wäre. Wit müssen ein Weißbuch erwarten, woraus wir ersehen können, was Bonckasicr keine Kenntnis von bet Leröffentlickung gehabt und die Veröffentlichung nicht bewirkt hat, ob et aber die fraglichen Aeußerungen nicht getan hat, da» wissen wir noch nicht. Tie ganze Einmischung England» ist eigentlich erstaun- I i ch. Wenn England mitgeteilt wurde, daß wir keine koloniale Besitzergreifung beabsichtigen, so war die Flut der Einsprüche der englischen Presie nicht zu verstehen, denn diese grün, bete fick doch gerade darauf, baß Deutschland — Süden Marokko» Land erwerben wolle. ES fragt sich der Vertrag mit Rußland bat uns eine große Enttäuschung gebracht, nachdem man vorher nach den Worten de» Reichskanzler» hier große Hoffnungen auf ihn gesetzt hatte. Auch dort fanden wir Verzicht auf Konzessionen für Eisenbahnen, für Wegebau, für Schn'iabrt. für Telegraph, und dafür wiederum «is dem Papier die Gleickb-recktigung de» Handel» ausgesprochen. An eine Verständigung mit Frankreich ist wenig zu denken. Der alle Groll Frankreich», der auf ben Verlust von Elsaß-Lothringen zurückzuführen ist. wird durch diese» Ab- kommen nicht verschwinden. Die Reibungsflächen sind ver« mehrt. AuS dem Kongoabkammen können eine Reihe neuer Streitigkeiten sich ergeben, zumal durch die absonderliche Besti m m »ng, daß wir in Kamerun d-n Franzosen Etappen st raßen einräumen, die allerdings nickt militärisch besetzt werden können, wo nur die Leute hinkommen dürfen, die mit der Proviantierung zu tun haben. Diese werden aber auch nicht mit Sonnenschirmen kommen (Heiterkeit), sondern sie werden Gewehre haben und werden unter Umstanden auch mit ihrer französischen Flagge durch deutsches Gebiet marschieren. Aus her Rede des französischen Ministerpräsidenten leuchtet auch der berechtigte Stolz über die Resultate hervor. In Frankreich besteht allgemein ein Tri u m p h. Die Ansprüche der Franzosen sind gewachsen, und so können sich die Verhältnisse zwischen den beiden Ländern verschlechtern statt verbessern. Wir lesen auch heute schon in der dortigen Presie. daß diese ganze Marokkopolitik nur ein Anfang ist, daß man versuchen wird, die französische Kolonialherrschaft weiter au-zudehnen. Aber abgesehen davon, ob unsere ©-.Werbungen in Kongo mm von großem Vorteil für Deutschland sind ober nicht, wir müsien doch auck die Folgen bedenken, die für bie allgemeine beutfdje Politik entstanden sind. E» ist ja in ben letzten Tagen mancher Tadel gegen den Fürsten Bülow laut geworden, aber al» er abging, da bat doch in der .Kreuz-Zeitung" und anderen Organen das Anerkenntnis gestanden, daß eS ihm gelungen sei, die allgemeine Politik so zu gestalten, baß Deutschland stark und mächtig in der Welt haftete. Da» war jene Politik, die ansckloß an die Vorgänge in Bosnien und der Herzegowina, wo Deutschland sich bereit erklärte, nötigenfalls fein Schwert in die Wagsckale zu werfen und im Kriegsfälle an Oesterreichs Seite »u stehen. Damit war btc frühere Einkrei s u ng«poli11 k zerrissen und Deutschland in einer starken politischen Position. Heute aber ist im Zusammenhänge mit der Aufrollung des marokkanischen Problem» und als Folge der Verabredungen zwischen Frankreich und Deutschland der Moment gekommen, der bisher hinauSgeschoben werden konnte, daß Italien seine Hand auf Tripoli» legte. Damit kommt die ganze deutsche Politik in eine schwi«r i ge Lage. Auf der einen Seite der Dreibundstaat, der ohne Rücksicht auf die Interesse.' seine» Dreibundgenosien seine Hand auf em mohammedanisches Gebiet legt und auf der anderen Seite die mühsam aufgebaute beuticke Pol^ik mit der Türkei, die in 20 Jahren konsequent dem deutschen Einfluß in der Türkei Eingang verschafft hat. Wir haben biefen Einfluß wachsen sehen, und da» ist jetzt alles ins Wanken gekommen. Wir lesen ja jetzt schon von Verhandlungen türkischer Staatsmänner mit England, und so kann man sagen: durch die Marokkopolitik. die Verhandlungen mit Frankreich si't unser: bisherige ganze Politik durchbrochen worden und man muß sich fragen: wäre es da nicht richtiger gewesen, die AlgeciraSakte unangetastet zu kaffen? Wir sind mit stolzen Schiffen nach Agadir gefahren, und eS ging ein Jubelruf durch ganz Deutschland, al» diese Aktion ins Werk gesetzt wurde. (Widerspruch der Soz.) Da» können Sie nicht leugnen, Herr Bebel, denn die Sozialdemokraten sind ja von solch n Fragen überhaupt ausgenommen. In der ganzen islamitischen Welt war der deutsche Name früher genannt worben al» Schützer ber Unabhängigkeit von Marokko. Wir stehen heute vor einer Niederlage, gleichviel, ob wir ba» hier aussprechen ober verschweig'n, e» steht zu lesen in ber ganzen deutschen Presie und diese Meinung geht durch alle deutschen Parteien, und in eine freimütige Kritik dieser Politik einzutreten. muß un» gestartet sein. Die auswärtig« Politik hat sick in allen diesen Stadien wenig um da» VolkSemvfinden gekümmert, sie ist ihren eigenen Weg gegangen und bat nickt nach dem gefragt, was ba» Volk gebacht hat. Wir mußten sehen, wie e» schäumte in Deutschland, wie viele Patrioten von tiefem Weh erfüllt waren, daß die Seften unsere» Volkes eS schmerzlich empfanden, daß von den Macht- Mitteln des Reicks» nicht der Gebrauch gemacht worden ist. den sie erhofften, daß wir aus dem Marokkostreit mit einer Gefährdung unserer bisherigen Allgemeinpolitik herauSgekommen sind, und daß wir uns mit einem mageren Ver g le i ch abfinden mußten. Ta wendet sich unser Blick unwillkürlich aus das deutsche Heer und die deutsche Marine. Wrr haben die volle Ueberzeugung, daß die Heere»- und Marrnever- maltung bereit sind, daß sich unsere Machtmittel in der Verfassung befinden, daß wir e» in jedem Augenblick auf Ernstfall ankommen lassen können. Wir muffen aber ben Wunsch ausspreckien, fall» Zweifel darüber vorhanden sind, ob nicht in Heer und Marine Lücken bestehen, wie jetzt zmn Beispiel auch der Flottenverein behauptet, daß hier eine ernste Prüfung der zuständigen Ressorts und btt gierung vorgenommen wirb und baß man ben festen Willen hat, unbekümmert barum, welchen Einbruck die e v e n t u c: l l e Vermehrung der Flotte im Auslände macht, diese Lücken auszufüllen. ,Lebhafter Widerspruch bei den ^oz.) Wrr müssen in der auswärtigen Politik eine feste Hand haben, die sich frei hält von theatralischen Effekten und großen Gesten, die schließlich nicht zu dem gewünschten Resultat führen. Erne energische Politik zu führen, ist für die deutsche Regierung leicht, denn sie ist. wie die Vorgänge dieser Monate gezeigt haben getragen von einem starken nationalen Empfinden. In alle dem Unerfreulichen, baß diese Monate zutage gefördert haben, ist etn großes nationales Moment: die Tatsache, daß rn biefen Monaten mit einem Schlage in ganz Deutschland ein starkes nationales Empfinden zutage trat, eine Kriegsbereitschaft, bei der, wenn eS jein muß. jeder em- zelne Gut und Blut einsetzt für die deutsche Nation und da» deutsche Vaterland. Diesen Gesichtspunkt möge sich auch daS Ausland merken. Es möge sich klar darüber werden, daß wrr unserer nationalen Ehre nickt zu nahe treten lassen und ixrt eS, wenn eß gilt, die deutsche Ehre mit den Waffen zu verteidigen, ein einiges Deutschland finden wird. (Lebhafter Beifall.) DaS Hau» vertagt sich. Freitag 1 Uhr, Weiterberatung. Schluß 6 Uhr. • nW in dieser Nelle ein zu weitgehende? Einsetzen und Erponieren ' Er. - e'lor zu finden sei. Ich habe fein Hetzt daraus gemacht, baß es nut lieber gewesen wäre, wenn die Reise unterblieben träte, aber was der Kaiser in langer sagte, war nur baß, wa, Fürst Bulow früher und später hier im Reichstage gesagt hat. Er har in feierlicher Form lediglich die Grundzüge unserer Ma- rokkcpolitik dargelegt. Daß diese Kaiserrede einen mächtigen Eindruck wachen mußte, vor allem in der ganzen islamitischen üb eit ist ja ganz selbstverständlich. Tie Resonanz war ba bis in die biiitetjten Winkel ber Lander, die keine Post und keine Telegraphen haben und wo dock derartige Worte mit WmdeSe le bekannt werden. Heute ist diese Politik bereits aufgegeben worden Wit haben Frankreich ein Protektorat über Marokko Äugcitanben und unsere Positionen geräumt, und da» Urteil im Islam wird beute ander» lauten al» damals. Und nunmehr jetzt die Tendenz ein. Die ganze Misere, bie sick in diesem Abkommen nnck unserer Auffassung widerspiegelt, auf bie frühere Periobe der Bülow sehen Ma- rokkopolitik zuräckzuführenl (Sehr richtig! recht».) Vor allem wirb bie Frage aufgeworfen, ob Bülow nicht 1905 einen großen historischen Moment versäumt habe. ES fragt sich vor allem, konnte er in biefem Jahre, al» DelcaffL gestürzt war und in dem Ministerium Rouvier eine friedliche Stimmung herrschte, ein Separalabkomwen zwischen Frankreich und Deulsch- lanb abschließen, ba» un» territorialen Gewinn verschaffte? Tic Frage ist zu verneinen unb auch vom Fürsten Bülow verneint toorben. Er hat ausgesprochen, baß ein solches Separatabkom, men angesickt» ber allgemeinen politischen Situation nicht möglich war. Zunächst war Deutschlanb durch die Rede des Kaisers feierlich auf sein Marokkoprogramm festgelegt. Aber ganz äuge (eben davon, unsere ganzen Beziehungen dem Islam gegenüber, unsere ganze Türkenpolitik oerbot-n eine Politik, die in der Aneignung eines territorialen Gebietes von Marokko bestand. Ta» war der große Gesichtspunkt des Fürsten Bülow, der in ber heutigen Rebe des Reichskanzlers nicht zum Aus- druck kam. ES gibt nickt n' r Kongofehen sondern noch eine große Politik, bie Deutschland im Orient zu verfolgen yat, die es zwanzig Jabre lang mühsam aufgebaut bat und die heute durch daS Kongoabkommen zerstört worden sind. (Sehr richtigl bei ben Natl.) Anbercrseits lag 1905 ein Angebot Frankreichs überhaupt nicht vor. Wenn in ber Presie etwas anderes behauptet wirb, so ist baS ein Irrtum. Unb wenn wirklich territoriale Gebiete angeboten toorben wären, glauben Sie benn, daß England zu jener Zeit, als noch Eduard VIl. regierte und die TorieS am Ruder waren, eß geduldet Hätte, daß wir uns an den Ufern bcS Atlantischen MccreS niedergelassen hätten? Mir erscheint da» sehr unwahrscheinlick. AuS diesen Gesichtspunkten heraus sind wir zur Konferenz von Algeciras gekommen, zu jenen mühseligen Verhandlungen, bei denen uns Spalten nn Stiche ließ, und in denen wir trotz der treuen Sekundantendienste Oesterreichs nicht zu dem Resultate kamen, das wir erhofft hatten. (Sehr richtigl) Aber eins muß man doch faaen: Tie AlgeciraSakte schob bet Tunilierung von Marokko einen Riegel vor ES war in ihr festgesetzt, daß die Unabhängigkeit beB fdKrififchen ReickeS aufrecht erhalten werden muh, ebenso die selbständige Existenz beS Sultanfl unb die offene Tur. Frankreich hat diese Algecirafl- akte als eine Unbequemlichkeit, als ein Hemmnis für fein Vor- bringen betrachtet und hat versucht, sie nach unb nach zu burch- löchern. Der Aba. Bebel hat in Jena baoon gesprochen, baß ich mich über das Abkommen von 1909 gefreut hätte, in dem nochmals die Unabhängigkeit des scherifischen Reiches und die wirt« schaftlicke Gleichberechtigung betont war. Bebel hat meine Aus- fühlungen nicht vollständig wiedergegeben. Kch habe gesagt: Frank, reich kann mit diesem Abkommen sehr tüogl zufrieden fein, habe aber genau fo tote Herr v. Richthofen eß zweifelhaft gelassen, ob wir auch eine große Freude an diesem Abkommen haben könnten. Von einer Freude über dieses Abkommen war bei mir nicht die Rede. Allerdings habe ich im Anschluß daran damals die Hoff- i nung ausgesprochen, daß nun ein friedliches Zusammenarbeiten deutscher und französischer Kaufleute in Marokko möglich werde. Diese Hoffnungen sind getäuscht worden. Die Franzosen haben sich um die Integrität des marokkanischen Reiches nicht sonderlich gekümmert. Sie haben verschiedene Eroberungen vorgenommen. Tann kam die Casablanca-Affäre und schließlich der Vormarsch nach Fez. Tie wirklichen Verletzungen der Algeciras- alte fallen in diese letzte Reit. Dor allem war es der eine Zeil- punkt, wo die französische Regierung entgegen der AI- gectraflafte einen Geheimvertrag mit dem Sultan abjchloß, in welchem die Sultan gegen die pekuniären Vorteile seine Unabhängigkeit Frankreich preisgab. Damit war mit einem Schlage die deutsche Politik frei geworden, eß war eine boll- ftä n btg neue Situation eingetreten. Da» haben wohl auch die Bemerkungen der »Norddeutschen Allgem. Zeitung" vom Frühjahr dieses Jahres erwiesen, die nicht anders aufzufassen waren, als daß nunmehr, nachdem die Verträge gebrochen sind, wir freie Hand auch für unsere eigene Marokkopolitik haben. (Lebhafte Zustimmung links), daß damit eine neue Phase dieser Marokkopolitit angebrochen sei. Wenn das aber so ist, dann muß man über die frühere nicht froTHe, weder 5'errifonaTgeh'inn, noch Md llnahhängtaTeU bei Süden», dann war die Entsendung bei Kriegsschiffe» überhaupt ein Fehler. (Sehr richtig!)', Die Regierung sagt, e* war notwendig, KrieaSschisfe nach Afrika zu entsenden, weil wir Den Frankreich keine Antwort mehr bekamen. In diesem Falle war aber eine Maßregel, die un» ES ist ja eigentümlich, daß gerade die Kolonialsachverstän- digen, die sich in der Deutschen Kolonialgesellschaft zusammen- finden, nickt über den neuen Kolonialbesitz erfreut sind. Was sehen wir da? Uebcrall Proteste, überall Ablehnung, überall Bebauern, daß wir unsere Stellung in Marokko vollständig geräumt hoben, daß wir sogar deutsche Schutzgebiete aufgeben. Nunmehr der Fall L i n d e q u i stl AuS den Ausführungen des Reichskanzlers entnehmen wir. daß der StaatSsekrerär von Lindequist sich in allen Fragen korrekt benommen hat. (Leb- hafte Zustimmung.) Er wollte von dieser ganzen Sache offenbar nickis wissen. Vielleickt wollte das ganze Slolomalamt davon nickte wißen, und wenn daS schließlich durcksickert. so ist daS nicht zu verwundern. Herr v. L'ndequist hat sich als charaktervoller, auftich- tiger Mann bewiesen (Beifall), der kein Streber ist, der baß Schiff deS Herrn von Selbmann in dem Augenblick verlassen bat, in dem er ben Kurs nicht als den richtigen erkannt hat. Tie Vorwürfe gegen Herrn v. Lindequist würden höchstens Vor- würfe gegen den Reichskanzler fein, daß er solchen Mann mit dem Amt betraut hätte. Das KriegSmomcnt ist erst in die Debatte geworfen worden, als ter .Panther" vor Agadir erschien, als man an Territorialerwerb dachte. (Sehr richtig!) Diese Meinung bestand jedenfalls im In- und Auslande. Ma- roHo war auck von Frankreich noch nickt vollständig besetzt. Tas SuSgebiet im Süden Marokkos war frei von den Franzosen. Konnten wir nun nickt die Unabhängigkeit te» Südens verlangen? ^aß wäre ein Programm gewesen, baS überall Zustimmung ge- sünden hätte unb bas, ba kein Territorialgetoinn damit hätte im Zusammenhang stehen sollen, auch keinen Widerspruch von Eng- lanb bervorrusen konnte, weil auch England dort seine wirtschaft-1 [idjc Freiheit hätte haben können. Wenn man aber das alle» ÖS 3® r >• <=i 3 Ö^c (s) ST LS do. sr v. J 5.M-<- 3 d°. cy 'j, S’roSK do. 3 -r ;5§® 9i. do 2'5 3 o S ss UV D a «*»3 » s §o §?Sr®’ t's 5 ®» 55 5T SStt »ito €2«? Ä L 3 3 n S8 r $ LS Ös LS Oö Ö-B? do. 3 «fiÜ Ö^Or 6, 189ß £03 KLSKLSKLOS a o o ö o s 3 'S' 2.2C-. iä>cS B 5 B 3. P s 2 2 Cto s -5 CB> 2 = 9 •33 p. 3 6» © ts DZ. B? 5» 2 3 2 Ub <7V Ä <$" LSLog LS SS (?) Ä> o- B ■rs^a ro w CT S-p LS S &• 2^5 q o q 2d h isus d,» er & ^3 « CD o 5 ö «u >ö> ~ «V P & U o Ö »<Ä CD § S=E" p L SS 00 B <=- LS en 3 cd S- CD ÖO^< B 3 » S 3 3 S LS <-. «$V B P äs s 3 5H, 2 3 S 9 s bD ö e VH.- 5 B RF^sa *&3& 5 3 § llu E. 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G. ®. unk. unL unk. unL unf. unL 69.70 101.- mitfleteill von der 4 Fulda 4 Wiegen bo. do. do. bo. do. do. do. 19u7 1893 1896 1897 1903 1905 amott. ab 1907 amott. ab 1910 80.10 92.50 90 30 86.- 3'/, 5 4 4 37, 6 ab 1901 1914 . b. 1910 b. 1910 ab ab ao 9)11000 3)1. 1000 5 8 ML® ftr. 91.60 87 — 79.70 96.- 89.— 4 4 4 3 3 3 3 3 3 3 3 3 4 5 <7, 37, 37, 4 4 ®. S. 103.« 0 99.50 68,25 112.50 77.50 90.60 90.60 9-.50 92.75 Oeft.-Ung.EtaoSb. L)esLSüdb.(Comb) 4 5 Rente do. Rente Rente 16 18 20 12, 15 87. 3 5 5 5 4*1. 1 6 5 8 M. b. p. 105.70 104.20 97.90 ö 4 Verzinsliche Prämien Serie II . v. 1887/89 . v. 1896 lünbb. v. 1903 unf. b. bo. do. 3 Hamburger v. 1865 . . 3 poüanbudje Komm. v. 1871 4 V, 47 do. do. v. 1884 tonn. v. 18.88 conv. v. 1895 . . Gotlharbbahn. ItaL Mittelme-t . Anatol. 6i|enb. . Printe Henri . . Prag-Dux SL Akt. I 4 k 65 10 67.60 92.50 101.80 92.70 92- 91.50 100.30 92.20 do. do. do. do. do. kündb. ab 1906 unk. b. 1911. u. S. 18 . unL b. 1912 99.80 4 4 37. lünbb. lünbb. lünbb. Fr. M. 140.60 202.10 132.- Elisabekh ft. Ferd. do unf. b. 1913 . lünbb. ab 1908 84 50 93.20 90.50 7h.G0 76.- do. do. do. do. do. 408/2040 . 2040c 91.— 93.40 90.50 90.20 90.20 9^.90 99.30 37. 4 37, 4 I 4 ft CtU.-Ung. Bank . . Lest.-Cauderbank . . Lcn.-ftrcbu-tinöaü. . Pfälzische Bank . . . Preug. Bodenkreditbank »r. M. Fr- Lire Hyp. do. do. do. 37. 37, do. do. do. do. do. do. 91.80 82.80 91^0 82.-0 do. Ung. do. v. löU7 v 1902 V. 1905 v 1901 lünbb. v. 1883 abgeil. n. Ib9.» lünbb. 1899-1901 . . . 1902 unL b. 1913 b. 1909. b. 1912. b. 1914. b. 1915. b. 1912. b. 1914. Meininger Pram. PsandbL Cefterr. 0, 1860 . . . Oldenburger..... Russische v. 1864 . . . Russische v. 1866 . . . do. bo. 90-50 OU.uU 90.50 1904 19 >1 1906 Rbl. Lire M. Pfandbriefe. , (vt. Ponunr., abgeft. 806/< do. Set. 14 0.P. M. 8 97, 8 D*k b 67, do. do. do. do. do. do. do. do. do. I Psdbr. do. bo. do. bo. do. bo. bo. do. V. 1888 v. 1895 .... v. 1898 lünbb. ab 1903 1905 87, 37, 31/, 3'/, 37, 4 Fr. M. Pes. Cstr. M. 11 67«. 7 10 67, 8 6 7 .9 77. 81.- 100.10 100.50 90.10 79.7') 82.40 101.20 94.- 500 200 500 1000 v. 1889 L Rg. v. 1MM9 11. Rg 3 3 4 VI. Vl, VI. 8 do. do. do. do. do» i. ®. D. 1903 1. ®. v. 1891 v. 1894 . . v. 1898 . Ser. 1 Ser. 8 Ser. 9 abgeft. lünbb. lünbb. 3'/. 37, o*l. 0 7, 235.30 142.50 137 30 90.50 9O.5u 99.60 v. 1900 . v. 1903 . v. 1896 . 170.40 210.50 163.50 103.- 121.40 4 4 4 37« 37, »7. 47, 4 4 166.60 106.— 133.80 87, 97, 8 67« 7- 107, 8 77. Ryälon stoSlow st euer fr. gar. . . do Uraiif fteucrfr. gar. 404*3020 Franken-Lllee, garanL v. Frankfurt Franks. Pos r. 105 .... Reue Boden r. 102 amott. do. do. omort. amott. v. 1896. v. 1898. M. Dir. l'i. Fr. 1 0.20 99.- 91.40 37, 37. 37, 37, 4 37, 37, 37, 4 37, 187.70 179.40 173.- 127 50 88.— 87.- 104.70 161.— 121.80 138.— 198.60 131.70 175.50 37. 4 37, 4 4 4 4 4 37« 37« 37, 47, 4 4 3*1. •3*1. •3*1. 4 4 67.60 9L30 97.— 102.80 SkoatL oder Drob inr. ulL 139.— ’ ftempl . . 124— e Liainzer ÄfL 199.— Weuenmeqer 120.— SterM-Overr.) zOO.— do. v. 1898 Kopenhag. v. 1901 unL 1911 2043c "4 Feri. Hvp.-Bk. % do. Frl. HYP..DL 4 do. * bo. 4 bo. bo. — - - Echwebische v. 1880 abgeft. do. V. 1890 . . Würzburg v. 1899 unk v. 1903 unk. 1895. . Cstr. Zements, «arlftabt 129.— C^em. «ad. Lnüin 501.76 Bieiu.Silb.Br. 120.— ' iKrieSh. ffieltr. z63.23 * Albert . . . 506.— DL ÄtL Telegraph 131.70 ffieltr. BSse Borz. —.— , Allgem. Berlin 270.70 e Cawuuqer . . 122-5' , Schmiert . . I 162.70 w Siem. L HalLkc — , Untern. Zürich ■ —.— Farbwerke Höchst. 558.-0 iduniiscideFfi.a^i., 102 — Dtafn. Stieger. . 451.— , Griyner . .281.90 Bauche Anleihe v. >901 bo. von 1892 n. 94 do v. 1902 unf. b. 1910 Rust. Staaisanl. v. >905 . . . . Conlolid^Anl. v. 1880 * . , 0 olb-ilnL v. 1889 . . . , ffoni. E. B. Ser. I il U 89 „ 6)olb»Änl. Em. III v. 1890 . „ Staat4»Rente v. 1898 . alt.ftr. Rbl. do. v. 1902 fteucrfr. 47, da. i. ®. (*. II ErqnLl 2040 3 Peng. L. B. v. 86 (Baira Batxa) . bo. v. 1886 . bo. v. 1895 . Lissabon v. 1886 . bo. bo. 37, Kastel abgeft. 37, Siifftngen v. 1886, 1888 il 1903 4 Köln v. 1900 4 v. 1908 Russische Südoft 97 fteuerfr. do. bo. 98 unf. 1909 stsr. gar. do. do. 1901 unco.b. 1915 ftf.g. 37, bo. v. 1898 37, Tarmft. abg. v. 79 CiL ü u. 81 Cit. A u.V v. 1838 il 1894 . . . . 3*1. bo. 3 bo. 47 Grs. Henckel Hg.v.Donn. r.* 1050.84 4 Fürstl. Solml-BraunselS v. 1880 . 37 bo. bo. v. 1886 . 37, Gräfl. SolmS-Couboch abgeft. . . 37, GrLfl. SolmS-RSdelhelm .... 37. Fürftl. Vfenb.u. Büd.«Birftein 0.1887 4 do. bo. «toachterSbach 0. 1884 Prag-Dux v. 1896 ftf. t. ®. - - - — - ch. Provinzial- nnd CommunaL Obligationen. Rbeinprovinz Äuig. 20 n. 21 unL b. 1902 do. , 22 u. 23 . do. . 10, 12-16. 24-26,29 57«. — 57, Rio be Janeiro v 1909 i. G. 67. Sofia do. 1887 ftf. gar. Franz-Iofei . . L S. 200/1000 Kaschau-Obrb. v. 1889 v. 1889 1. Mannheim lünbb. ob 1902 do. lünbb. ab 1907 bo. br. Cit. N-P . . . • • - Canbro. Kreditbank Psdbr. CiL Q-S . . fcamba Hvo.^vk. L.141-340kündb.abl90o *b0 do. S. 341-400 unL b.1910 4 bo* bo. 6. 401-470 unL b. 1913 37.Hambg. Hyp.-BL Ser. 1—190 u. 301-310 — bo. bo. Scr.311^50 unk. b. 1913 Mecklb. Hhp. n. tobt. Ser. I oett. 413 bo. Ser. 3 abgeft bo. Ser. 2 il 3 lünbb. ab 190o 1 Freiburg 3*1. & 3*1, »7. Schweiz, ff'dg. (A.-G.) unk. b*. 1911 4 Seid, amort. . 1895 (405) . . . 4 Span. au«l. Reute v. 1882 abgeft. Inländische. Braunschweig. Canbe--ff.-B. II E . . bo. bo. I E abgeft. . bo. bo. IIIE unk. b. 1905 Hhp^vk. Ser. 2 Ser. 6 bo. bo kommunal ..... toeftd. Bdkr. HhP. (Kdln) S. 1 n. 2 . . . Ser. d unL b. 1909 67. - 12-1. 127, 5 157, 6 6 97, ip 87, 3*1. do. bo. v. 91 bo. bo. v. 97 3* , l'iey p. 1903 unf. t>. 191. . . M. 4 München v. 19004)1 unL b. 191011 . ", Fao.LSchieich. 116^0 Schief. Berg-Zink Hamd.-^m.-Pcktft. 136.50 Wegelm A. Hudner Rorod. Lloyd . ., 100.40 tocaeregän ältaü Borz. tut, s 87, «Izey V. 1899 unL d. 1912 . . . 87, Rlchastenbiirg v. 1888 4 Äugsburg v. 1901 unf. b. 1908 . . 4 Babenhausen (Hesteu) 37, Baden-Baden v. 1898 lünbb. ab 1903 37, Bamberg v. 18ö8 37, Berlin 0. 1886/92 4 Bmgen v. 1901 lünbb. ab 1906 . 8 to. v. 1895 87 Frk. Hyp.-Bl. Ser. 19 37, bo. bo. Kommunal Ser. 1 unk. 1910 4 Irl. Hvp.-Kred.-Ber. “ e. 15-19,21-27,31,34,35-39, 42 bo. 6. 40 u. 41 unk. b. 1910 . Augsburger Braunschweig . • • . Ftnulandische • • . Freiburger . . • chenua ...... J/iailanbec liiailänber , , . • • l>ieininget • . • • • Deftr. v. 1864 .... Oeitr. Kredit v. 1858 . • Papenh. Grast. . . . . RudolsS-Stistung . • . Türkische do. . . . . Ultimo Ungar. Staats • , « • Beueuauer • • • • • Hypotheken-AkL-BL 1 flBf 807, abg. bo. I Hyp. B. Zs. lünbb. ab 190s. . bo. v. 1JUb . • Uni. abgeft. 4 bo. 27.. bo 27,Sm^iweißcnb.-Raab.®raj 27, da. bo. ef. be. Anrechts chet« . r. 1901 lünbb. ab 1906 . . abgeft v. 1887 v. 1891 abgeft. v. 1896 v. 189h v. 1902 6er. II kündb. ab 1907 v. 1901 lünbb. ab 1907 . . . bo. Hyp.-nlL-Bk. M. 600/1200 Rhein. KrcditbL Ui. 6u0,1000/1200 »(ein. Hhp.-Bank M. vOO/1200 A --- SR. 1000 -L MM. 600 ' J’ 5. ft. 200 «Q 6. ft. 200 | y 3 •/, bo. 37, bo. 37, Karlsruhe 37 bo. 8 bo. 101.— 89.30 89.50 89.50 89.30 89.30 90.10 91.20 bo. i. P d. 1898 kündb. ab 1908 Jnvest-AnL . . . 5 bo. 17, bo. StaatSb. 0. 83 , i. i-vni Em. , l IX (hn. „ L v. 1885 , L (ErgLnzgS.-N.) « t. v. 1895 ftf. >. ®. Rubolf ' bo. (Salzkgtb.)fts. i. G. . llngar.-chalizifche. sts. L G . . -« Vorarlberg . . «LG. « • 27j0 3tal.ftl.gar. ff. ©.6er. A-E- L®. . . 4 ItaL SDhttelnteer fteuerfr. l ®. . . 27„ CivoraeS. CiL C. D. u. D/2 500 4 tzard. Sec. ft fr. gar. I u. II 4 tzicilianische fteuerfr. 1. ®. v. 1889 4 bo. „ t. ®. v. 1891 1. Europäische. 411 Bosnien u. Hercegov.v. 1902 unk. 1913 . '• ... do. , . • . • 5 Bulgar. Tob. ÄnL v. 1902 i. ff1. . 17 chriech. ff.'P- 4390 fteuerfr. . " do. Monopol-Ant. v. 1887 . . 4 * Italienische Rente . . . » - * 07 bo. do L ®. . . . . «1 "0eft. SUber-Rentc <7* do. - do. cholb-Rente....«•» do etnbeui. Rent (conv.) . . . do. Staats-Rente . . . . . rrft E.-B. SL Lch.'Dersch. (tono. C ffufab. Cbl.) i ®- fteuerfr. . .Vst.® y/ Ctft ff.-B. St. ^ch.-Bersch. Iconv. 11 3ranS.J«f-t) ‘ e>l». a Fffurr. Volalb. (ücrftaatl.) . y, ”0. C^B. SL Sch.-Bersch. (abgeft. Elisod.-A.) »• fteuertr. P-- - • S ISortug umft&. ^tt", Jr * ’ do. uiiiNj. v. 19o2Ser.III . do. Spez. . Di. 10U0/3000 5.8?1 6.48 ’ " 9 9 6'Z.G'/. 11 t. ft. 2ÜU t. ft. 260 27' bo Ceft..Ung. St»b. 1873/74 L®. Brünn-814. 72 ftf. L ~ v*. 18H8, 92, *99* * ’bT bo v. 18-6'unl. 1912 . tz°' do. v. 1902 jmt. b. 1912 garantierte . 47, Javaner Ser. II 0. 1905 bo. v. 190s Mcstl. bo. bo. Bovr. ff »B.«ul nut b. 1906 do ff^B. n. All«. A°L. . do. Cande-Iuiiur-Rcnte . . Marktstrasse 17 Rittergasse lat ge der Vorrat, offeriert: Nur so Samstag, den 11. November Beachten Sie gefl. die 4 Schaufenster Aus allen Abteilungen kommen viele Artikel, welche einen höheren Wert repräsentieren, zum Einheitspreis von 95 zum Verkauf. Beginn r Des zu erwartenden Zuspruchs wegen, bitte ich die Vormitlagsfiiodett zum Einkauf k zu wählen. N Samstag, den 11. November Beachten Sie gefl. die 4 Schaufenster Wäsche Dumen-Hemden, ual. 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Lfenschirm,6em(l11 $fg 95 1 Luloukohleukusten,Bem,,lt $fg 95 1 Brieskasten__w 95 1 Kücheulumge,6unl bcm““cr95 4 Ltück Nudelbretter au(, yfg, 95 Ablausbrett ®,g. 951 Äermelbrett mt, Pi«„ci,en $fg. 95 Tonuenctugerc mit6a:ilnn,t,en$fg.95 kemürz- u. 1 kierschrank $fg 95 großer Spiegel s°-z--i-w°nd gg 1 Hausapothekeaule Sluäiil6,$;,a" 95 1 lluiljäugelirtttn,i*3 * * $3üri,cn $fg 95 1 Wäschetrockner10 £cilcn w95 1 Hackbrett u. 1 Wiegemesser L 95 1 Nudelrollenhalter Ä»95 1 Lchirmstäuder $fg. 95 1 Holztischchen Pfg. 95