Sönftes Blatt Nr.84 lbf. Zahrgang Gießener Anzeiger Erscheint 12-Uch mit Ausnahme des Sonntags. General-Anzeiger für Gberheffen Die „Siehener FamlNenblStter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krtisblait ffir den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monaUich zweimal. Samstag, 8. April I9fl Rotationsdruck und Verlag der BrühNichen UnioerfuätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuf- straße 7. Expedition und Verlag: e=8®> 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.:AnzergerGießen. Die auswärtige Politik Im französischen Senat. Die gestern schon mitqeteilten interessanten Auseinandersetzungen im französischen Senat tverden durch folgende Meldung ergänzt: Paris, 7. April. (Senat. Fortsetzung.) Samar-’ teile (Rechte) führte aus: Die Annexion Bosniens und der Herzogewina bedeute die Rückkehr zur Politik Bis nrarcks. In Potsdam erhielt Deutschland die Unter stützung Rußlands in der Bagdadbahnfrage, und es stehe im Begriff, seine Hand auf jene reichen Gegenden zu legen, 'Tdo es der englischen Produktion Konkurrenz machen werde. !T>ie Bagdadbahn ziele aus Aegypten und Indien hin. Neber 1 baS zukünftige Gleichgewicht der Welt werde in Konstant! nopel entschieden. England habe die Partie verloren und seine Niederlage hingenommen. Lamarcetle kam dann auf die letzte Rede des Reichskanzlers zu sprechen und führte aus, die Schiedssprechung für alle vitalen Fragen sei völlig ausgeschlossen Neberall wachsen die Kriegsbudgets, ilber- all bestehen drohende Anzeichen für einen Krieg. Der Durchstich des 'Isthmus Panama kann leicht zu einem schrecklichen Kriege führen. In Europa besteht außer der etf aß- lothringiscken Frage die Orientfrage, ein englisch- deutscher Konflikt ist unvernrcidlich. Der Augenblick ist schlecht gewählt, um über Pazifismus zu sprechen. R i b o t legte Verwahrung gegen den Pessimismus Lamarcetles ein. Das Bündnis mit Rußland bestehe und werde im Interesse Frankreichs weiter bestehen. Das Bündnis und die Entente cordiale seien für Frankreich eine Quelle der Kraft. . Wenn es wirklich den Anschein hatte, als ob sich das Bündnis mit Rußland lockern werde, so sei es unnötig, das zu unterstreichen. Die Tragweite der Potsdamer Begegnung habe man übertrieben. Man wies daraus hin, daß Rußland sich zum persischen Golf wende um nach Indien zu marschieren. Das seien Einbildungen: die Dinge lägen einfacher. Die Bagdadbal)n interessierte Rußland immer, und es sei ganz natürlich, daß es sich mit Deutschland hinsichtlich Persiens verständigte, ebenso wie Frankreich mit Deutschland hinsichtlich Marokko es getan habe. Was Marokko angehe, sei die richtige Politik die, den Sultan zu halten und ihn mit Geld und Instrukteuren dabei zu unterstützen, die Ordnung in seinem Lande aufrecht zu eryalten. In Europa fei die Lage ruhig; Italien, Oesterreich Ungarn und Deutschland seien freundlich gesinnt. Die Streitigkeiten wegen der Fremdenlegion seien oberflächlich. Bezüglich der Schiedsspreckiung führte der Redner aus: Frankreich sei friedfertig, es Dürfe es aber nicht zu taut sagen. Man müsse Frankreich stark und entschlossen machen, um seinen Rang in der Welt zu behaupten. Mit dem.Bündnis und d>er Entente cordiale könne Frankreich eine große Rolle in der Welt spielen unter der Voraussetzung, daß cs sein Selbstvertrauen bewahre. Der Mi nist er des Aeußern, Cruppi, führte aus: Trotz des Wechsels der Minister bewahrte unsere auswärtige Politik ifrre Stetigkeit und befestigte dadurch in hohem Maße die Sicherheit und Größe unseres Landes. Als ich die Geschäfte des Ministeriums übernahm, bot die Lage Frankreichs hont Gesichtspunkt der auswärtigen Politik gewisse Schwierigkeiten, aber es wäre starke Uebertreibung, von Beklemmungen oder selbst von Besorgnissen zu sprechen. Mein höchstes Ziel wird daraus gerichtet sein, daß Frankreich in der Welt stark ba|‘tef)t. Wenn die Lage in Fez schwieriger werden sollte, so loerden wir im Rahmen der Algeciras Akte alle Maßnahmen treffen, die notwendig sind, um die Sicherheit der Europäer unb unserer Landsleute zu gewährleisten. Unser Bündnis mit Rußland besteht unverändert fort. Die Entente Cordiale ist weiterhin eine der 5?auptgrundlagcn unserer auswärtigen Politik. Rufe: Sehr gut!) Mit Deutschland befolgen wir eine Politik des Zusammenwirkens überall da, wo wir gemeinsame Interessen haben, wo wir unsere besonderen Interessen zu verteidigen haben, werden wir cs mit Mäßigung und Festigung tun. In der Türkei werden wir fortfahren, uns den liberalen Einrichtungen des neuen Regimes shstcmatifch gegenüberzustellcn. Wir sehen keinen Uebelstand darin, wenn die sranzösifckxm Ersparnisse im Orient angelegt werden, unter der Bedingung, daß es in einer Weise geschieht, die mit unseren Interessen in jenen Gegeitden übereinsirmnten, die auch übereinstimmt mit beit moralisck>en Verpflichtungen, die uns unsere Lage in Europa auferlegt. t Sodann betonte der Minister, einen wie großem Anteil Frankreich an der Jubelfeier Italiens nehme und drückte die brüderlichen Gefühle FrankreiM für Italien aus. Der Abg. Lamarzelle bebauerte, daß das Haus keine Antwort auf bestimmte, an die Regierung gerichtete Fragen erhalten habe und verlangte eine genaue Auskunft über die als Instrukteure in Marokko tätigen französischen Offiziere. — Der Minister dcS Aeußern, Cruppi, verlas hierauf eine Note Pichons, ivelchc die Stellung dieser Offiziere regelt und fuhr fort: Wir haben eine Militärmission in Fez. Unsere Offiziere sind Instrukteure und führen die Truppen int Kampfe. Tas Heer des Sultans befinde sich gegenwärtig etwa 8 Stunden von Fez entfernt mit 20 bis 30 Instrukteuren, die die Kämpfe leiteten und heldenmütig ihre Pflicht täten als französische Offiziere, die glcid> zeitig Zivilisatoren seien. Der Senat nahm schließlich mit 253 gegen 26 Stimmen die Tagesordnung an, in der die Erklärungen der Re gierung gebilligt und ihr das Vertrauen ausgesprochen wird, daß sie eine den Bündnissen, Freundsckrasten und Interessen Frankreickfs entsprechende, kluge Politik befolgen werde. Aus Stadt unö Land. Gießen, 8. April 1911. 2.11. Landesuniversität. Professor Dr. Ludwig Schlesinger, der als Nachfolger des ordentlichen Pro fessor-? * * * * s-'r Mathematik Geh. Hofrat Dr. Pasch mit Wirkung vom inmenden Sommersemestcr an unsere Universität bc- rusen ist, /vird in diesem Semester folgende Vorlesungen halten- Synthetische Geometrie, dreistündig: Einführung in die Theorie der elliptischen und automorphen Funktionen, vierstündig: Hebungen des mathematischen Seminars, einstündig. •• 4 u n ft o er ein. In der Gemälde-Ausstellung am Brand hat wieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde statt- gesunden. Profesior HanS v. V ol km a n u - Karlsruhe hat eine Kollektion Landschaften ausgestellt. Mit einer stattlichen Serie interessanter Dorfszenen aitS dem Schwälmer Grund ist Thielmann-Willingshausen vertreten. Ernst Eimer- Frankfnrt zeigt dieseSmal einige schöne Interieurs, Landschaften, Blumenstücke und Märchenbilder. Nach langer Pause hat wieder Richard Scholz die Ausstellung mit einem großen Gemälde beschickt und Karl Oenike-Berlin hat schöne Aquarelle, Motive auS der Niederlausttz, aufzuweisen. Auch die einheimische Künstlerin Marie Felchner, hat fvieder ein schönes Porträt ausgestellt. Die diesmalige Ausstellung ist sehr vielseitig und zeigt außer Oelgemälden Aquarelle, Radierungen und Zeichnungen. Ihr Besuch kann aufs angelegentlichste empfohlen werden. Gleichzeitig sei daraus hingewiesen, daß einige von den neu ausgestellten Bildern nur big zum Montag und ein großer Teil anderer nur über die Dflerfeiertagc ausgestellt bleiben können. ** Stadttheatcr. Nochmals sei auf die morgigen Ausführungen von „FaustK hingewiesen, die die ores- jährige Spielzeit beschließen und zugleich den Abschied für einige Mitglieder bedeuten, wie z. B Fräulein Koch, die nach Leipzig geht. ** Dem Oberhes fischen Bienenzüchter verein wurde von dem Großherzog zu feiner bevorstehenden Jubi- läums-Wanderversammlung ein Ehrenpreis zugesaat. Tie Festoersammlung findet am 16. und 17. Juli d. I. in Gießen auf der Liebigshöhe statt und ist mit einer Ausstellung und Prämiierung lebender Bienen, bienenwirtschastlichen Erzeugnisse, Wohnungen, Geräten, und apiftischer Literatur verbunden. Pro vinzialdirektor Dr. Usinger hat den Ehrenvorsitz über die Veranstaltungen gütigst übernommen. In Abteilung 1 und 2 werden nur oberhessische Bienenzüchter zugelassen, während in 3, 4 und 5 auch Aussteller außerhalb Oberhessens zugelassatt iv erbat. •• D ie Eisbereitung in der neuen Schlachthofs- aulage hat nach mehrfachen Versuchen gestern begonnen. DaS erste Eis, das nur aus Brunnenwasser hergestellt war, wurde glatt von unseren Metzgermeistern abgenommen. ** Die Sand g ässe, die bis zur Kirchstraße durch- gelegt ist, wird jetzt, soweit der neue Teil der Straße in Frage kommt, befestigt und hergesteblt. Wenn der neue StraßenMq erst bis zur Neustadt reguliert ist, hat man eine fehr bequeme Verbindung geschaffen, die jedenfalls gern benutzt werden wird. "Die Osterferien beginnen heute an allen unseren Schulen. Durch die frühe Lage des Osterfestes im vergangenen und die späte Lage des Festes in diesem Jahre bat das abgelaufene Schuljahr sich um mehrere Wochen grien sonst verlängert. Der diesmalige FeiertagSurlatlb für unsere Garnison ist vom 12.—20. dieses Monats festgesetzt. Außer den Mannschaften für die nötigen Wachen re. werden die Mannschaften sämtlich über Ostern zu Muttern entlassen. ** Der Bund der Versicherungs-Vertreter Deutschlands ,E. V., der in Deutschland bereits mit 40 Verbänden arbeitet, beabsichtigt, wie man uns schreibt, die hier ansässigen Versicherungs-Vertreter aller Branchen zu einem Verbände zusammcnzuschließen. Mit dem Versand des Propaganda-Materials an die hiesigen Vertreter ist bereits begonnen und außerdem wird der Generalsekretär des Bundes demnächst die Gießener Herren über das Wesen und den Zweck des Bundes durch Vortrag aufklären. ** Tas Verbrennen der Hecken und Raine im Frühjahr ist eine Unsitte, die gar nicht genug bekämpft werben kann. Unsere Singvögel 1 verben ihrer Nistgelegenheit beraubt, dazu lüirD den vielen Hecken- und Rainbewohnern wie Igel, Eidechse, Blindschleiche, Kröte u. a., meist der Garaus gemacht Mit allen Mitteln muß bas Verbrennen bekänchft und in Schule unb Haus dahin belehrend gewirkt ioerben, baß balb etwas mehr Natursinn unb Verständnis für des Menschen Freunbc aus der Tierwelt Platz greift. Leiber sieht man auch Erwachsene Den kleinen Sangern unb Ungeziefervertilgcrn ihre Schutz- uno Wofrw stätten zerstören. ** Postanweisungsformulare. Die Mitteilung, daß mit der Einführung der Formulare zu Postanweisungen mit an- hängendem Posteinliesernngsschein die älteren Postanweisungs- Formulare beseitigt werben sollen, trifft, wie wir von zuständiger '£>eitc erfahren, nickst zu. Die Formulare ohne Posteinliefcrungs- schcin, die zum Preise von 50 Psg. für 100 Stück bei allen Post- anftalten zu haben sind, können vielmehr auch Kinftig verwandt werben, wenn Postanweisungen auf Grund von Einlicscrungs- bü-chern ober Verzeichnissen eingetiefert werben, wogegen die neuen Formulare mit anhängendem Posteinlieferungsschein in erster Linie für Einzahlungen gegen Einzelcmittung bestimmt sind. Landkreis 'Stetten — Lich, 7. April. Die diesjährige Schlußfeier oer landwirtschaftlichen Winterschule 0 a frier wurde wieder wie früher in Dem Saale des Marienftiftes abgehackten und hatte sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen. Der Kursus war von 48 Teilnehmern besucht. Die Prüfungsordnung zeigte eine Neuerung, die darin bestand, daß die Prüfungsgegenstände erst unmittelbar vor der Prüfung vom Regierungsvertreter, bestimmt wurden. Trotz dieser Erschwerung nahm die Prüfung einen flotten Verlauf unb es wußten bic Schüler alle Fragen zu beantworten. Der Schlußfeier wohnten Lanbes-Oekonomierat M ü l l e r von Darmstabt unb Regierungsrat D r. Merck von Gießen bei. Nack>dem bie schönen Schulräumlichkeiten unb sehr reichlichen Lehrmittelsammlungen besichtigt waren, schloß bie Feier mit einem geselligen Zusammensein im Hollän bi selten Hof. Kreis Schotten. O Saubacfr, 7. April. Die nahezu 60 Jahre stehende alte Turnhalle wurde von Landwirt Kreiker in Wetterfeld zunr Preise von 100 Mark gesteigert. Sie wurde von diesem abgebrochen und soll als Scheuer bei seiner Wohnung wieder errichtet werden. vom schönen Rhein. Am freien deutschen Rhein bereiten sich Ueberraschungen vor. Schon seit längerer Zeck blickt man dort mit einiger Beängstigung nach der heiteren Elisenlwhe bei Bingen, wo im Angesicht der Niederwalbgermania ein Bismarckbcnkrnal errichtet roerben soll. Die Geschmacklosigkeit der ganzen Idcc lag von vornherein ziemlich offen zutage und wurde kaum durch bie Anteilnahme erster Künstler an bem Wettbewerb um bas Denkmal gcmilbert Auch nicht burch bic Prämiierung erster Künstler. Hermann Hahn-München erhielt zwar beit ersten Preis: doch dürfte man darin kaum mehr als eine Beschwiclstiguugsplänkelei für gutmütige Optimisten sehen. Tie Reserve allem gegenüber, was Kunst freit!t, konnte man deut lich aus den Worten des Herrn von Rheinbaben hcrausbören, die gelegentlich der Eröffnung der Ausstellung der Entwürfe in Düsseldorf fielen. Herr v. Rfreinbabcn betonte vor allem: „Von einem Nationaldeickmal für Bismarck müssen wir verlangen, daß cs direkt 3um Herzen des deutschen Volkes spreche, baß es keines Kommentars bedürfe. Es bars also kein Denkmal sein, bas ans Allegorien ober Sinnbolen besteht, sondern ein solches, dessen schlichter Anblick sofort in bas Herz bringt." Da aber Hahns preisgekrönter Inng-Siegsricd nun einmal eine symbolische Figur ist, so hat er damit seinen Hagcnstich an der verwundbaren Stelle weg. Herr v. Rheinbaben empfiehlt — ein Probedenkmal aufzustellen (Bitte, nicht lachen!) in billigem Material, aber in der Größe des beabsichtigten Originals. Unb darüber sollen bic Leute — das ganze Deutschland soll es sein! — ihr Urteil abgeben. Denn er will ,,mrr ein Denkmal, bas ber Zustimmung des ganzen Volkes Intb nicht mir eines geringen Teiles desselben fafra!) sicher sei". Herr v. Rheinbaben kennt auch bereits den.Gcsäpirack des Volkes, wie wir aus der Acußerung ersehen: „Das deutsche Volk verlangt (!), daß das Denkmal vor allen Dingen in'Harmonie stehen soll zu dem Denkmal Kaiser Wilhelms am Deutschen Eck unb zum Germaniadenkmai am Nicberwald." Herr v. Rfreiubaben meint auch, Bismarck hätte „als Erster" diese Forderung erhoben. Wir wissen nun leider nicht, wie Bismarck über Nationaldenkmäler dacktc, aber wir können uns nicht gut denken, baß -er je als Erster die Forderung erhoben hätte, dem vclbcnmädchen vom Nieberwalb gegenüber Schildwacke zu stehen. Was übrigens „bie Zuftim- ntuug des ganzen Volkes" betrifft (nric mag sich das nur Herr b- Nheiitlmbcn denken!\ so kontrastiert damit sonderbar bie offizielle Rachrickn, daß die endgültige Entscheidung über bie Wahl bes Entwurfs in Wiesbaden zur Zeit der Maifestspiele getroffen wer- den wird. Die gesamten Entioürfe, zurzeit in Düsseldorf, werden naaj Wiesbaden wandern und dort von Seiner Majestät besichtig! werben. Sobann wirb die Baukommission im Verein mit dem Kunstausschuß unb bem Preisgericht bort bie Entscheidung fällen. Vielleicht wenden sich die Dinae, so schreibt ber Türmer, bahin, daß mir mit ber Zeit am schönen grünen Rhein eine Filial- Siegesallee bekommen werben. — lieber Fahrscheine plauberte jüngst im „Neuen Wiener Tagblatt" anregend unb unterhaltsam Oskar Bespalee, ber ein Sammler von Fahrscheinen ber Straßenbahnen und Omnibusse ist und zutreffend bemerkt, baß man an den unscheinbaren, wertlosen Papicrchett allerlei Interessantes beobachten tarnt: benn in biesen prägen sich intime lokale unb sogar nationale Eigenschaffen aus. Dem Aufsatz seien einige Einzelheiten entnommen: bic farbenfreudigsten Kärtchen sind die ber ueapolitanisck)en Straßenbahn. Ta gibt cs herrliche blaue Tinten, bie unverkennbar ber Färbung bes Meerwassers im Golf von Neapel abgelauscht sinb, leuchtendes Rot springt einem in bie Slug eit (Ausbruch bes Vesuvs!, verschiedene gelbe Töne kommen vor (Drangen und Zitroneni, sattes Grün (Lorbeer und Myrten) usw. Wie blaß sind dagegen diejenigen ber Straßenbahnen von ganz Mttteleuropa! Und gar erst ber Norben. Grau, grau und wieder grau, höchstens, baß sich noch bic eine ober andere Stabt zu einem matten Ocker, zu einem Sepia aufschwingt.Unter ben verschiebenen Fahrscheinen gibt es lakonische unb rebfelige, solche, die ganz offen unb arglos auftreteu, unb hinterhältige, mitunter kommen sogar lehrhaft veranlagte vor wie bic von Hamburg—Altona, bic für gewisse Strecken folgcnben Text haben: „Hamburg—Altonaer Zentralbalm — Quittung über 2x 5= 10 Jsfg." Manche Scheine geben ineb- liefe Rätsel auf. Beispielsweise finbet sich ba ein älterer Fahr schein einer Trambahn, ber folgenbe rätselhafte Inschrift enthält: „.Hülfeertarte oder Ergänzungskartc zur Fahrt in ber I. Klasse Als solche mir gültig mit einer hierzu gehörigen Fahrkarte II. Klasse zur Fahrt in ber I. Klasse (?)." Was noch besonders aufsällt, ist die Verschicbenhcit ber Formate. Tas winzigste Kärtchen ist jenes ber Omnibusse in Florenz (2x4 Zentimeter), bie größten sinb bic der Wiener Elektrischen (6,5x15 Zentimeter). Eine Art Fahrschein ist auch ber Uebcrfnhrscheiii der „fliegenden Brücke zwischen Kornenburg und Klosterneuburg" mit folgendem Text: 5 Kreuzer. — Diese Fahrkarte gilt für 1 Person, 1 Sckxff, 1 Ziege, L Reh, 1 Bock, 1 Lamm, 1 Schwein, 1 Hund — 1 volle Butte oder Krcunze, 1 volles Faß, 1 Velozipeb, 1 Schubkarren, 1 Kiste, 1 Koffer । voll ober leerk — Hier ist offenbar bas Ideal allepMeich- heitsschwärmer verwirklicht. — Tas alte Piaftenschloß zu Glogau. Manchem Reisenden, der die alte Oberstadt Glogau auf ber Eisenbahn be rührt hat, werben bie wuchtigen Mauern bes alten Piast e n - schlosses, das der Stabt ein charakteristisches Gepräge verleiht, ausgefallen sein. Das Gebäude wird in nächster Zeit allein der Militärverwaltung zur Verfügung stehen, während es bis jetzt außer der .Wohnung des DivisionskouWapdeurs auch noch das. Landgericht beherbergt hat. Für dieses ist aber ein Neubau errichtet worden, ber bemnächft bezogen werben wirb. Das Schloß stammt aus dem Jahre 1260 und wurde von Konrad II. erbaut, nachdem Glogau zur Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums ernannt worden war Schloß und Stadt haben im Laufe der Zeit mannigfache Schicksale durchgemacht. Eine Zeitlang gehörte die Stadt feen Herzögen von Sagan, bis sie 1476 an Jöüfrmen fiel. Einer dieser Herzöge von Sagan, Herzog Hans, ließ in feem noch stehenden Hnngerturm sieben Glogauer Rotsfrcrrcn verhungern. Anfang des 17. Jahrhunderts „bekehrten" Liechtenfteinsche Dragoner die inzwischen protestantisch geworbene Bevölkerung. Im ersten schlesischen Kriege wurde die Festung vom Erbprinzen Leopold von Dessau mit stürmender Hand genommen, bie auch von bem Schlosse Besitz ergriffen. Friebrich ber Große unb nach ihm Napoleon haben in bem Schlosse Wohnung genommen. In oen Befreiungskriegen würbe die Festting von einem französischen General lange tapfer verteidigt, so baß fie erst im April 1814 in bic Hänbe ber Preußen und Russen fiel. T-as Sck-loß wird also in Zukunft lediglich militärischen Zwecken dienen. Ts ist bekannt, daß sich gerade der Milftärfiskus manchmal mehr als alten Bauwerken förderlich ist, nur von Sparsamkeit leiten läsk Das hat z. B. das alte Piastcnschloß zu Brieg erfahren, bas durch die Benutzung als Fouragemagazin nicht gerate an Schönheit gewonnen hat. Hoffentlich erinnert sich bie Militärverwaltung, baß sic eines ber historisch interessantesten Gebäube Schlesiens in Benutzung hat. — Ein Denkmal für König Ebuarb in Cannes. Ter Ansschuß für bie Errichtung eines König Ebuard-Tenkmals in Cannes, bessen Vorsitzenbe ber Großherzog Michael von Rußland unb ber Bürgermeister von Cannes sinb, hat nun ben Platz für das Werk endgültig an der Esplanade des Kasinos festgestellt und dem französischen Bildhauer Denys Puech ben Auftrag erteilt, zwei verschiebene Entwürfe für eine Statue einzureichen, von denen die eine den König in Lebensgröße stehend barstellt, br anberej eine Büste bes venkorbenen Herrschers zeigt mit einer allegorischen Figur ber Stadt Cannes, bie ihm eine Blumcnspenbe barbringt. Tic Liste hat bereits eine Summe von 20 000 Mark ergeben. — K u r z e N a ch r i ch t e n c - s Kunst u. W i s f ens ch a st. Ter Geheiine Hofrat Prof. Dr. phil. Marimil'an Kunze, Vertreter der Forsnnathematik und Vermessungskunde an der Kgl. sächs. Forstakabemie zu 2 fraranbt ist in den Rus sland getreten. Prof. Kunze steht im 74. Lebensjahre. - Das Gerichtsverfahren gegen Leo T o l st o i s W i t w c soll wegen Veröffentlichung von laut Gesetz von ber Veröffentlichung ausgeschlossenen Briefen unb Artikeln Leo Tolstois eingeleitet werden. . J-----—«■ - Meteoro!ogische Beobachtungen der Station Gietzerr. Wetter ■e £ COä 9 3,5 1 2,9 8,i 5*1 748,3 | April --- - II I I Höchste Temperatur am B» Ira-SduiHelel Boxcalf ff Boxcalf ff ff w ff Telephon 435 HaB- Sektersweg 26, Telefon 820. 2204] 176 634 638 [400] 80 [5001 87t 031 83 97500 83 620 U 7, 7, 527 940 752 754 343 863 474 675 M3 910 538 953 «37 568 403 837 700 733 830 883 616 sowie bei sämtlichen anderen besseren InstallationsgeBchäften 2 2 2 4 6 10 Walltorstr. 35 Dammstr. 6 80» 565 Schwarze flera-Älielel Schwarze Bero-ScMrstielel 848 203 628 809 «19 762 Sonnenschein Bew. Himmel Bed. Himmel 84 463 511 637 72 898 4K3 754 70010 233 730<*S 198 243 648 817 27 979 19044 18« 40« 80090 221 April h 1911 Je echt Chevreanx 650 91 93 849 933 [500] 115017 21 284 338 523 920 116176 202 4 935 117195 21» 789 818 58 68 907 11844 5 888 980 bis 7. , 7. 78 ei sa 497 19» 88» L. Mootz. Rud. Rüdiger 7.50 7.80 7 SO 7 SO SSO 3.50 5.75 «e 2“ 749,1 ' ti“j| 748 8 | EXE NE N 1. Ziehung 4. Kl 224. Kgl. Pretiss- Lotterie. Ziehung vom 1. April 1911, vormittag«. Nur die Gewinne Ober 192 Mark sind den betreffende» Nummern In Klammern beigefügt Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Lote 6 9322 443 828 955 [500| 947 71040 72055 199 525 70 54 6 870 74126 811 7 5 20 76900 985 77827 78223 693 686 778 831 109308 606 38 54 741 60 801 950 110061 [400[ 89 <00 21 602 61 87 708 111099 340 112354 400 61 83 [400] 894 98 [500] 937 113008 (400) 197 234 427 609 80 730 45 972 114026 [400] 279 63» 9 2 2» 031 92 16O05 354 619 555 SO 890 962 164101 264 608 943 9«2 166194 75 168034 180 88 65 637 884 1 6 1087 [5001 181 162191 219 313 682 9^8 163l9> 65 [400] 74 87 «94 1 6 5008 73 158 256 68 713 167280 873 754 93 812 9? Sä 360 456 918 169120 423 4- 7,0’1 - 3,8 *0, 49 65 : 79 i Bf 00194 702 934 91315 8* 421 603 746 949 [400] «! 92077 28» 311 38 466 [400] 525 650 793 9 3588 604 7M 9422 477 878 82 909 9 5156 210 92 697 772 9 6002 6. 6. Hallers Spar-Gas-Kocher sind die billigsten, da dieselben am wenigsten Gas verbrauchen. Nur echt, wenn auf der Platte obiger Name eingesessen. 35 726 73 89 93 170003 165 753 1. Ziehung 4. Kl. 224. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vorn 2. April 191L nachmittag«. Kor die Gewinne Ober 19» Mark alnd den betreffende» Nummern in Klammern beigefügt. Die Gewinne fallen auf die bezeichneten Lose beider Abteilungen. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 418 33 7 48 927 1 27» 375 455 845 718 2431 535 812 19 3067 315 23 696 792 816 4525 J?”Lf ° Rio?1 «U 4M 748 49 983 6518 833 7004 257 318 534 8107 219 453 Schulstr. 10 ae/4 l'A x>iov 5 LtzKL 120573 661 761 121194 201 57 782 807 92» 12 2305 56 487 548 641 705 887 1 23 218 862 [9000] 552 65 602 700 4 84 874 948 1 24884 490 950 1 2 5023 508 95 80» 126187 [3000] 455 58 660 67 127781 12 8075 141 77 262 899 833 129071 127 238 662 66 89 130121 758 901 91 131125 49 82 858 [4O0J 519 24 132199 751 905 133658 001 69 134529 66t 715 92 MT, «5 135008 289 884 88 558 69 741 ” 875 136011 14001 153 689 782 978 1 37274 331 785 898 138265 654 13901» 3,8 3,9 0,6 1,1 797 [500] 102260 711 103145 335 563 76 699 798 49 104-52 90 531 699 105248 435 512 106336 -- 620 718 * 2 1 07055 OS 123 415 84 869 98 1 08216 80 TAPETEN! M • HAU jBEJITZERH 25»RBBA1T • ’ . ■ 1 ■.! 4«9 850 2 9081 241 699 793 30232 559 721 922 31016 24 [500] 98 248 873 49- 750 3 2184 94 848 429 818 23 33585 681 3420» 892 555 3 5 298 428 728 896 9«1 36027 108 [ 400] 350 493 96 [5001 503 18 618 889 054 69 3 7 083 1 34 201 65 787 3 8475 5® 94? 3971S8 EM löööXL *• LUT<- - £■80 139888 W Luftschiffahrl. ' Mainz, 7 April, lieber das fcuer^ und absturzsichere Luftschiff Von Seigneur und Brackelsberg hielt Herr Brackels- berg im Rundsaale der Stadthalle einen Vortrag, der sehr viel Interessantes bot. Der Ballon wird ans fünf mit pncumaMchev Reifen verbundenen Zellen gebilbet, die durch sogenannte Man- cbetten leitend verbunden sind. Die Gondel, die zugleich, als Flugmascliine eingerichtet ist, ist mit einem länglichen, eiförmigen Schirme versehen, der beim Äusseren der Motore ein lang]Es Riedersinken bedingt. In Kiellinie sind zwei Motore angebracht, die zwei Luftschrauben in Bewegung setzen. Durch eine einzige Landbewegung wird das Luftschiff in eine Flugmaschine verwandelt, wie der Redner zeigte. Dann wurde ein Apparat gezeigt, dessen Konstruktion ein Umkippen der Flugmaschinen bei stürmischem Wetter verändert. Er ist nämlich so hei^cstellt, daß die Tragflächen immer wage recht bleiben müssen. Eine andere Flugmaschine ist dem Vogelfluge nachgeahmt: außerdem wurde noch ein Flugapparat mit Doppelschraube vorgeführt, dessen Seitenflächen bei Sturm eine ständige Gleichgewichtslage bedingen. j)ie Vorführungen fanden lebhaften Beifall und Lerr Dr. Gottelmann wünschte den beiden Herren alles Glück bei der Ausführung ihrer $Lrb cüen. Börsen Wochenberrcht. ---Frankfurt a. M., 7. April. Die Börse zeigte etwas unregelmäßige Haltung, wenn auch die fefte Grundstimmung vorherrschend blieb Die Spekulation beobachtet seit einiger Zeit erhöhte Zuruckhaltung und machte Versuch-, durch Vorverkäufe ein Gegengewicht gegen die aufsteigende Kursbewegung zu schaffen, allein in rtieiteren Kreien ist die Zuversicht auf die Andauer der Koniuuttur noch so W gewurzeit, daß diese Versuche ergebnislos blieben und 10 hat sich nach Erledigung der Quartalsanspruche eme neue Auswarts- bewegung cingesteNt. Dabei hat sich die Aufmeryamkett nur auf bevorzugte Wertpapiere gerichtet, während die übrigen vernachlässigt blieben. Es fehlte allerdings an durchgreifenden Anregungen. Die Berichte aus der heimischen M o n t a n i n d u st r re lauten weiter befriedigend. Darf man auch annehmen daß die Regierung ihr Schwergewicht für die Erneuerung be§ Mlew; sgMkats geltend machcm wird, so ist doch hiniichtlich des Stahlwerksverbandes noch gar nicht abzusehen, wie eine Verständigung über die Beteiligung angesicksts der gewaltig gestiegenen Pro- duktionsfähigkeit der Werke zu erzielen sein wird Die Spekulation ist zurzeit wenig geneigt, den dev Montanindustrie drohenden Schwierigkeiten Beachtung zu schenken, sie hat ihr Augenmerk unverwandt auf die günstige Geichaftslage gerichtet. So ist cs möglich gewe]en, daß die neue Aufwartsbewegung, die sich in Montanpapieren vollzog, jetzt schon mit Dividenden- gerüchten begründet worden ist. Das war namentlich bei Phönix, Bochumer und Gelsenlirchener der Fall, aber auch oberschle]ische Weite waren begünstigt besonders auf die Verlängerung des ostdeutschen Roheisen-Verbandes. Von anderen Industrie- Datieren standen Clektrizitütsaktien im Voroergrunde, namentlich waren Schuckert-Aktien gefragt und hoher, trotz des Hinweises, daß die von der Spekulation für die Hoherbewertung ' dieser Aktien angeführten Momeitte schon längst rn Rechnmig gezogen worden sind. Für die Steigerung der Aktien der Ge- 915 , , M3 766 81113 M 316 [400] 54 — ui «2503 743 [400] 869 74 982 84238 4« 507 (5000] 707 «7 85«3 26« 430 77 [4(S| M4 U«®} ’4 M 7tt 961 FGoei <100] 98 447 862 Sir 81 87215 SSO 660 B8W W 78 te 400 3» W 9U 89116 8» 580 ! Aug. Schneider ----------- . Max Weissbäcker, Süd-Anlage 23 Airchttche Nachrichten der evangelische» Gemeinde Büdingen. Sonntag Palmnrum, den 9. April: Landes-Buß- und Bettag. Vormittags 10 Uhr: Piarrer Göbel. Mitwirkung des KtrchengesangvereinS. Nachmittags 2 Uhr: Piarrer Schäfer. Kollekte tür die hesstscheu Diaspora-Gemeinden. Tie Amtswoche hat Pfarrer Schäler. Katholische GotteSdienftordnung. Sonntag den 9. April 1911: Büdingen: ^9 Uhr. Nidda: 11 Uhr. Ihe näch7 Ä «ind am Sonntag dem 9. April stellenden *av4 £lv von V. Uhr mittag« bia 12 Lhr nacuts nur für dringende Fälle sicher anzutreffen: D e/4 Dr. Floch, Asterweg 34. — .Dr. Waele, Alicertr. 11. sellschast für elektrische Unternehmungen kam die Entwicklung der ifrr nahestehenden Gesellschaften in Bettacht. Auch Die Aktien uon Siemens u. Halske wurden in Die Bewegung hincmgezogen, während Edison-Aktien infolge der bei ihr entstandenen Lohnbewegung in den Hintergurnd traten. Zu den bevorzugten Werten gehörten die Attien bon Bau- und TerrLinaesell-' schäften sowie von Z e me n t fabr i k en im Hinblick auf die lebhaftere Dausaison. Auch die Aktien der Mitteldeutschen Gumml- oarenfabrik Louis Peter wurden von erster ^eite aus dem Markte genommen, wobei verlautete, daß mit einem ersten Unternehmen Fusionsverhandlungeu im Gange seien. Die.Aktien der Fahrzeugfabrik Eisenach gingen weiter zurück,^ da die AbschlußziNern den hohen Erwartungen nicht ganz entiprachen. Eme grauere Steigerung hatten wieder Äeyer-Aktien, Rußfabrik Wegelin und Schlinck Speisefett, letztere auf die Erwartung eurer höheren Dividende. Bankaktien lagen ruhig, doch fest. Von Transportanstalten waren Canada Paeifie und Baltimore mehr gefragt. Schiffahrtsaktien lagen infolge de» Rückgangs Der Auswandererziffern matter. Heunuche und fremde H-onds sind wenig geändert. Geld ist wieder etwas leichter geworden. Privat-Diskont 216/16 Prozent. [50001(720 9«^^ 7 528 785 808 89 88 1 9146 438 605 945 8t 1802OW 45! 535 606 [400] 21155 522 46 22277 434 716 OQ7 23722 920 24168 285 821 62 [400] 453 -84 rlJol Ml 940 74 2 5045 826 40 2 6063 112 284 494 ^175? 926 527V 27143 [400] 245 28208 17 338 615 30™ 31(i3W289504491541 61« 759 950 32014 [30001 746 3 3048 230 359 51« 680 873 3 4225 449 00 2?| 1001 3 5775 81 864 3 6087 61 68 246 [400] 690 A & «75 878 38102 89 446 554 [1000] 744 Eingesandt. Für Form und Inhalt aller unter Dieier Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung ' Gießen, 8. April. Die „Errichtung eines Heimes slir all ei n steh endck Damen der gebildeten Stände" wird in Nr. 82 Ihres Blattes vorgesMagen. Der Bedürfnisnachweis beschrankt sich auf die Bemerkung: „unsere Provinz besitzt noch nMs derartiges, da aber auch hier schon mehrfach eine solche Einrichtung aewunM wurde . . . Für ein Damenheim liegt aber m Gießen ganz und gar kein dringendes Bedürfnis vor. Seine Schafsung und Erhaltung wäre insofern sogar nachteilig,, als.dadurch die Mittel für andere dem Gemeinwohl nnftmhg m viel höherem Grade dienende Einrichtungen geschmälert würden. Einzelnen Damen können jetzt schon in besonderen Fallen die Schwesternhäuser und besonders das Siechenhaus zu Gebote stehen. allgemeinen aber ist Gießen glücklicherweise noch nicht iw Dem Maße (Aoßstadt, daß einzelne Damen nicht in einem gutbürgerlichen oder Beamtenhauw Wohnung finden könnten, ohne zu den sittlich mürbertoertigat Personen gezählt zu werden, oder mit [olchen in Berührung zu kouimen und wie diese sehr hohe Mieten zahlen M mu]sew Unter hiesigen Verhältnissen bietet sich sogar vielfach nebenbei Gelegenheit zu angenehmem Familienanschluß. — tfür die Befriedigung wirklicher Bedürfnisse wirdia hier reichlich gezapft an den vermögenden Einwohnern. Wer aber noch Geld übrig hat für ,,Sttftungen, Vermächtnisse, Schenkungen und dergl. und vielleicht auch noch Zeit und Arbeitskraft, dem bietet ich etn wntes Feld nützlicher Betätigung an schon vorhandenen und m der Ent- stehung begriffenen Wohltätigkeitsanftalten, auch wenn die Präsidentenstellen bereits besetzt sein sollten: so z. B. an den uberMis segensrechen Haushaltungs- und Kochscknlen, für welche die Betriebsmittel noch reckst knapp fließen. Die Anführung weiterer Beispiele scheint unnötig, um den Gießener Gebilhete-Damlmhnm- schwärmern das zutreffende Wort Mrufen zu durien: ,.Wollt Ihr immer weiter schweifen. Seht das Gute liegt so nah.__________ IHärtte. Gießen, 8.April. Marktbericht. Auf heutigem Wochen» markte kostete: Butter pr. Pid. 1,20-1.30 Hühnereier 1 St. 7—8 Big., Gäusceier 1 Stück lb-20Psg.. Käse pr. St. 6—8 Pf^ Kasematte pr. St. 5—6 Big.. Tauben pr. i'V. O'^O l.OO A Öübner vr. St. 1,(»0—1,60 Hahnen pr. Stuck 0,80—1,80 Litten pr St. 1,80-2,20 Gänse da? Psd 75-8O Pfg. Ochsen- fleisch vr. Vid. 84-92 stiindsleisch pr. Pfund 84—88 Pfg^ Kupfleifch 70 Psg., Schweinefleisch vr. Pfund 70-90 Psg^, -stalb- fleisch pr. Psd. 88—92 Psg., bcmnnelsteisch pr, Pkd 60—88 Psg., startosfeln vr. 100 Kg. 8.00 bis 9.00 Mt., Weißkraut das Stuck 20 MS SO Ä Swiel-eln per Z400 86 8S 148119 93 »85 336 408 5»7 [400] 657 95« 149159 85» M1 l95O068 130 449 64 «83 [l-VOO] 737 93«_ M 790 982 84 1 5 2022 120 78 261 839 407 [5nn1 ß21 720 29 45 915 1540,0 275 802 16 77 660 155140 M7 736 71 805 25 34 56 156004 824 NH 980 1 5 7098 181 474 158262 842 400 596 878 1 5969» 85 7i0«O095 107 228 49 «60 49 161111 ««7 «88 [400$ nQ. JßSXr; fl [400] 82 90 902 1 6 3305 580 52 OH J6?5 16447« «60 90 92 442 1 6 5090 151 441 M« a 1 flRMfi 1M 19 828 424 51 55 686 758 941 167041 fSoO] S44 418 [400] 558 60? 982 1 74250 5G3 686 «15 Kntfl 175168 *25 327 «4 64« 176188 248 756 177M« L >77 84 6« «9 178574 970 179424 585 74» 8» IRnOM «98 181087 «92 337 1 82117 472 Ml W| 711 183108 893 442 [500] 709 37 49 87 879 18413« 4M 69 97 27- 312 985 1 8519» 9» 305 414 551 788 1S638»| 497 5,7 810 1870^ 48 215 M2 485^87n M W» Sicher nn«l schmerzlos wirkt das echte Radlauer iche Hühner anaenmittel. Fl. 60 Pfg. Nur cdjt aus der Kroueu-Apotheke- Eerlin W. 8. Devot in den meisten Apotheken und Drogerien. (sl”Z« 90190 214 »44 45, 54 «6» 905 99 (400) 91010 92857 509 9 3 240 94 683 9» 820 913 50 94172 95064 435 78 79 87 684 917 27 9 6164 9 7183 218 «54 88 67 703 30 858 [MO] 59 931 [500] 98003 59 «14 927 99146 219 58 [400] 305 488 509 [400] 19 602 883 100118 277 745 86» 10 1 076 122 246 495 792 809 102041 »82 805 501 58 668 898 1 03 31» 423 51 [1000] Ml 8 741 814 1 04060 321 512 88 839 1 05108 265 396 “5 688 771 88 813 1 06193 537 831 924 1 07261 964 108016 129 500 789 849 71 109055 128 209 94 888 110171 79 995 111261 02 849 689 112120 813 [400] M9 113195 296 518 707 98 824 93 |4Ml 1 14448 512 115152 221 116292 503 631 75 991 117343 554 WO 778 118521 79 631 772 119223 445 657 67 936 12O023 253 91 872 121169 318 58 957 122003 605 24 1 23UOO 345 510 W 618 94 815 31 124090 129 59 (4001 62 272 580 660 844 920 1 2 5086 101 256 849 432 66 789 1 2 6082 290 94 [500] 840 511 «87 127175 12829« SSO [5000] 41 SO 498 876 956 1 29.85 346 U00113Ol5« Ä MO L 70 409 88 662 80 739 1 3 1 082 339 513 132437 536 680 133839 830 134094 141 521 18 868 968 13558» 640 961 136459 613 14 791 954 137424 82 658 96 755 812 138353 414 536 610 781 852 S53 1 3 9201 33 55 825 519 50 834 97 92» 140013 68 156 254 74 52» k!18 «0 S3 7A) 820 1 4 1072 408 45 1 4 2034 156 630 890 994 143214 91 743 861 036 80 1 44032 09 639 [5V] 145078 499 583 745 50 92 9« 817 146147 58 «88 3M 99 493 514 777 1 47 211 593 14R019 10« 258 448 1 49330 31 439 [400] 48150041 131 48 505 «2 800 1 5 1 082 |400] 05 246 47- ... 15 2026 64 542 «62 735 862 1 53932 93 ... r .nnl *54 78t [400] 15 5040 156 71 291 J^V”] l, 156116 79 Ml 8 650 743 81 157014 506 318 «08 158006 [400] 168 319 526 66 755 lo9177 886 294 996 370 928 Niedrigste , ■ Niederschlag: -- 0,0 mm. 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