161. Jahrgang Erstes Blatt Nr 264 Erstes Blatt 161. Jahrgang Donnerstag, 9. November 19U ZGietzenerAiizeige- M'“*#1™V Lr wLr »olitWn $«l: Stupuft tzEWi General-Anzeiger für Oberheffen LLSL Annahme von Anzeigen Rotationsörud und Verlag der Vrühl'lchen Ukliv.-Vuch- und Zteindruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition und Vntckerel: §chulstrahe 7. Land'.:^L.ve^;"ür "en bi! vormittag" s"ühL Büdingen: Fernsprecher Nr. 269 Seschästrftelle Bahnhofstraße 16 a. Anzeigenteil: £>. deck. Die heutige Nummer umfaht 10 Seiten. vor der Marollorede des Reichskanzlers. Der deutsche Reichstag erledigte am Dienstag den Han- delSv-rtrag mit Japan in erster und zweiter Lesung und tiofjm den Auslieserungsvertrog mit England an. Das war vorauszusehen, nur war der Sitzungssaal fast leer, weil sich eben die meisten Abgeordneten in den Wandelgängen aufdielten, wo das Marotkoablommen und der damit in engstem Zusammenl/ im Reichstag Anträge gestellt worben von den Nationalliberalen: einen Gesetzentwurf eutjubringen, wonach unter Klarstellung ober Aenberung der Reichsverfassung ausgesprochen wird, daß die Erwerbung und Veräußerung von Schutzgebieten der Form der Di e i ch s - gesctzgebung bedarf. Von der Fortschrittlichen Volkspartei: Dem Reichstag ein Weißbuch vorzulcgen über die Verhandlungen mit Frankreich und einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den das versa ssungsmäßigeRechtbes Reichstages, bei Erwerbungen und Abtretungen von Schutzgebieten mitzilwirken, tlargcftclll wird. _________________________________________ Vom Zentrum: Tas SchutzgebietSgesetz im § 2 durch die Bestimmung zu ergänzen: Tie Grenzen eines jeden Schutzgebietes können nur durch ein Gesetz geändert werden. Von den Sozialdemokraten: Tie deutsch'frainö- fHeben Abkommen zu der verfassungsmäßigen für ihre Gültigkeit er- forderlichen Genehmigung vorzulegcn und ein Weißbuch em- zubringen, das die aus ?lnlaß der Abkommen mit Frankreich gewechselten Noten enthält und noch in dieser Session einen Ge- setzentwurf vorzulegen, wodurch der Artikel 11 der Reichs- Verfassung dahin abgeänbert wird, daß alle Verträge mit fremden Staaten zu ihrer Gültigkeit die Genehmigung dcö Reichstages erfordern. Tie Stellung der ReichZtagSfraktionen. Man schreibt unS auS Berlin: Die Fraktionen des Reichstags hatten am Mittwoch Fraktionssitzungen abgchalten, um Stellung zum Marokko- vertrage zu nehmen. Tie Stimmung ist durchloeg dem Vertrage ungünstig, wie sich überhaupt eine starke Mißstimmung gegen die Regierung bemerkbar macht. Nach dem Verlaufe der heutigen Fraktionssitzungen zu urteilen, dürfte die Regierung im Reichstage einen schweren Stand haben. Die Affäre Lindequist ist in den Fraktionssitzungen ebenfalls zur Sprache gekommen und wird auch im Plenum gestreift werden. Die Stimmung in den Fraktionen tüirb am besten dadurch gekennzeichnet, daß man über den Wunsch des Reichskanzlers, am Mittwoch seine Begrün- dungsrede anzuhören und die Erörterungen alsdann erst am Donnerstag aufzunehmen, glatt zur Tagesordnung übergegangen war, weil man die Ausführungen des Reichskanzlers nicht 24 Stunden lang unwidersprochen sein lasten wollte. lieber den Verlauf b er Marokkoaus- spräche steht bis jetzt folgenbes fest: Der Reichskanzler wirb als erster Redner das Wort nehmen, worauf die Fraktionen zunächst ihre Hauptredner vorschicken werden. Ta die Anfragen nicht auf der Tagesordnung stehen, so sind die bisherigen Tispositionen der Fraktionen über ihre Redner abgeänoert worden. Die Parteien werden durch folgende Redner vertreten sein: Das Zentrum durch Frhr. v. Hertling, die Konservativen wahrscheinlich durch Frhr. v. Richthofen, die Freikonservativen durch Fürst Ha tz f eld t, die Nationalliberalen durch Bassermann, die Freisinnigen durch Dr. Wiemer, die Sozialdemokraten durch Bebel. Ein englisch-französischer Gebietsaustausch? Paris, 8. Nov. Zu einer Reutermeldung über den zwischen England und Frankreich geplanten kolonialen Gebietsaustausch berichtet der „Temps", daß derartige Verhandlungen schon 1904 beabsichtigt waren. Während der letzten deutsch-französischen Besprechungen seien zwischen Paris und London neuerdings verschiedene Pläne erörtert worden, hauptsächlich zu dem Zwecke, um eine Verbindung von Gabun mit dem nördlichen Kongo aufrecht zu erhalten. Zu wiederholten Malen sei auch die Kombination ins Auge gefaßt worden, daß England außer Born u auch nod) Sokoto, den nördlichen Teil der Goldküste und Gambien an Frankreich abtrete. Frankreich hätte dafür den Engländern das Charigebiet, die meisten Städte in Französisch-Indien, und die neuen Hebriden üb er lass en, doch scn. diese letzte Kombination niemals Gegenstand eigentlicher Verhandlungen gewesen. Auf dieses ersterwähnte Projekt habe Ministerpräsident Caillaux in seiner Rede am Sonntag angespielt, er ljabe jedoch niemals jene Hypothesen im Sinne gehabt, welche in der belgischen Preise Beunruhigung hervorgerufen hätten. Berlin, 9. Nov. Der „Lokalanzeiger" meldet aus Paris: Nach Mitteilungen aus dem französischen Ministerium des Aeußern würde es sich bei dem beabsichtigten Austausch von Gebieten zwischen Frankreich und England zunächst darum handeln, daß Frankreich ein a u 5 Nigeria z u schn eidcnocS Dreieck mit dem Tschadsee, Polo und Binder erhält, dagegen den Osten dcZ C h a r ijxe b i e t S, das heißt die nördlich von Belgisch-Kongo gelegenen Strecken an England ab- tritt. Die englisch sranzöni'chen Verhandlungen könnten aber, io wird versichert, bei beiderseitiger dauernder Gkncigtbeit größeren Umfang annehrncn. Schon lange ersehne England den Besitz von Französisch-Indien, namentlich von Pon- dichäro und ben neuen Hebriden. Dafür und für die Eharigegend würde England Lokoto, den Norden der Golfküste und Gambien atlrclcn. Wenn Frankreich darauf eingeht, obwohl die Kammer diesem Abkommen ziemlich skeptisch gcgenüberstelit, erwartet es dafür, daß England seinen ganzen Einfluß auf Spanien aus- üben wird, daß dieses auf seine Marokkorechte zugunsten Frankreichs verzichtet. Der spanisch französische Geheimvertrag über Marokko. Paris, 8. Nov. Ter „Matin" veröffentlicht heute den Wortlaut des spanisch-französischen Geycimvertrags über Marokko, der am 3. Oktober 1904 in Paris von dem bama- ligcn Minister des Aeußern Delcassv und dem spanischen Botschafter Eastillo unterzeichnet wuroe. Der Vertrag, dessen Inhalt übrigens im wesentlichen bereits feit langem in die Lefsentlichleit gedrungen ist, umfaßt 16 Artikel. In Artikel 1 erteilt Spanien der sranzöstsch-engtischcn Er- klärnng vorn 1. April 1904 über Marokko und 'Aegypten seine Zu- Itimnumg. Artikel 2 bestimmt die spanische Einflußsphäre, die durch eine der Küste last parallell von Larrafch über El Ksar zunr Mulujafliiß laufenden timte begrenzt ist. Spanien verpflichtet sich, seine Aktion in dieser Einflußfphure nur nach vorherigem Einvernehmen mit Frankreich innerhalb einer 15 Jahre nicht überschreitenden Periode auSznüben. Während dieser Periode verpflichtet sich Frankreich, über seine etivaige Aktion beim Sultan von Marokko betreffs der spanischen Einflußsphäre vorher die spanische Regiermig zu verständigen. Im Artikel 3 beißt es, kür den Fall, daß der politische Zustand MarolloS nicht mehr sortbesteheu oder durch die Schwäche der schcrist- schen Regierung die Ordnung nicht auEecht erhalten werden könnte, oder laUs auS irgend einem anderen Einverständnis feft- zustcllenden Grund die Autrechlerhaltung deS etatas gao unmöglich wurde, konnte Spanien lerne Aktion in seiner Einflußsphäre frei ausüben. Artikel 4 und o bestimmen, daß das Territorium der nn Jahre löou von Marokko an Spanien abgetretenen Vlicbec- lassungen von Iffni den tiauf deS Tazeronalt-FlusseS nicht überschreite und daß Spanien sich dort nur nach vorherigem (im- vernehmen nut dem Sultan nicberlaffeii könne. In Artikel 7 verpflichtet sich Spanien, sich keines der Territorien auch nur vorübergehend unter welchen Formen auch immer zu entäußern. In Artikel 9 heißt es, bic Stadt Tanger wird ihren besonderen Charakter behalten, den der Aufenthalt des diploniatischen llorps, loivie ihre munizipalen und sanitären Einrichtungen ihr verleihen. Tie übrigen Artilel enthalten Bestiimnungen über Bergbau, Schiffahrt und Schisfereien, Eeldum.aus usw., durch die die bezüglichen Rechte der Spanier geivährletslet werden. Paris, 8. Nov. Dem „Journal des Däbals" wird aus Madri.d gemeldet, die spanische Regierung habe die französische Mitteilung betreffend den deutsch-sranzösischen Marolkovertrag mit einer Empfangsbestätigung und der Erklärung beantwortet, daß sie sich ihre Zustimmung bis zum Abschlüsse eines neuen Abkommens über die Spanten durch beu Vertrag von 1904 juerfannten Rechte Vorbehalte. Die Zukunft Muley Hafids. Paris, 8. Nov. „Siöcle" will wissen, daß die französische Regierung dem Sultan Muley H a f i d bereits einen Vertrag vorgelegt habe, durch welchen die Stellung des Sultans sowie seine Beziehungen zu den französischen Behörden geregelt werden. Dieser Vertrag beziehe sich mehr auf persönliche und Etikettfragen als auf die Organisierung der Verwaltung Marokkos. Gieszener Sta-ttheater. Judith von Friedrich Hebbel. Gießen, 9. 9lob. Als Hebbels Judith zuerst auf der deutschen Bühne erschien, ba war es eine Tal, denn es war der erste komplizierte Frauen- charattcr in einem deutschen Drama. Darüber hinaus aber war seine Wirkung nur gering, und nach den ersten stüriniscycn Erfolgen in Berlin und Hamburg flaute^ der Beifall rasch ab und man wartete ungeduldig auf neue größere Werke des Richters. Man halte rasch zwischen der Wirkung deS S.ückes unterschieoen und seinem inneren Werl. Tie Größe des Dichters war o fenbar, aber nicht die Größe des Werkes. Tie unheimliche Wucht des Dramas zwang, aber nur solange, als der Vorhang noo) nicht niedergegangen war — und eL ist wohl kaum etwas, waS davon in uns nachwirkl, wenn die Lampenlichter erloschen imb. So hat es sich denn allgemach gegeben, daß die Judith nur leiten noch auf dec Bühne ericheint, obwohl man sich von 3eit zu Zeit gern wieder einmal mit den blutroarmen Jugendideen deS stürmischen Dithmarschen beschäftigt. Es war daher ein begrüßenswertes Ereignis, daß man uns das Werk durch die Berliner Gaste aufführen ließ, aber der Eindruck, der zurückblieb, ist denn doch sehr ge.eüt. Zunächst brachte man die Dichtung in der von Hebbel zwar gutgeb.'lßeneii, aber trotzdem unlogischen Bühnenbearbeitung heraus, von der man eigentlich schon längst loSgekommen sein sollte. Im roeiteren waren die kleinen Rollen, mit Ausnahme des Samara (Herr Cmrich H a n u s) und seines blinden Bruders (Herr Paul Pauly) nur ganz unzulänglich besetzt, so daß die ganze Austührung der Einheit und der Rundung entbehrte. Wenn das Stück mit unseren hiesigen tt'räjtcn gespielt worden wäre, ich glaube, daß eS von einer größeren Geschlossenheit, einer harmonischeren Ausgeglichenheil gewesen wäre. Aber schließlich ist ja auch der Begriff von Angehörigen „erster Berliner Bühnen" äußerst dehnbar. An dieser sprunghaiten Darstellung litt auch die Judith der Frau Rosa Poppe; sie ließ die Einheit des EharakterS oft bedenklich vermissen und vermochte nicht die zerklüftete Seele der Jüdin so zu beleuchten, daß sie uns menschlich und natürlich eri'djicnen wäre. Bedeutend war ihre Erzählung von der Brautnackjt, und bedeutend war sie auch im zweiten Teile der Dichtung — aber eine Musterleistting war ihre Judith nicht, ganz davon abgesehen, daß uns die Hofth.'atermanier nur wenig gefallen will. Ihre stimmlichen Mittel sind erstaunlich und machten auch bei den Zuschauern im Verein mit ihrer prächtigen Dühnenerschcinung den vorauszusehendcn Eindruck, aber einen kuustierislyen Stil kann man dadurch nicht ersetzen. Zudem, und das ist vielleicht l;a Su.ücruu.m, biuiu Poppe umiag uns majt mehr eine knapp zwanzigjährige Judith vorzutäuschen, wir glauben ihr schlteßliaj ihre ypittne, mir giauocu lyr oas Gewaltsame rn^ ihrem Eharakter, aber wir glauben ihr nicht il,we unberührte Jugend — vielleicht auch, weil sie an die großen Räume gewohnt ist und sich in unserem kleinen, mehr für intime Wjrkungen geschaffenen Theater übernahm. — Mehr Stil hatte Herr Georg Molenar als HoloferneS, wenngleich er sich Von vornherein auf eine zu hohe Stufe stellte und sich deshalb nicht mehr steigern konnte, was ich namentlich in seinem letzten Auftritt sehr vermißte. Mehr Betonung patte ich auch den phiioivp^nchen Renexionen gewünscht. Er halte den Nachdruck auf das Tierische, Wilde «gelegt und bildete mit mächtigen Müteln einen HoloferneS von geradezu zyklopischen Formen — sein gewaltiges Organ geriet eabei lewer oft ins Murren und Knurren, so daß er manchmal Taft unverständlich war. — Aber trotzdem, feine Darstellung hatte Reife — und vor allem Stil. Der (rnolg war yrog, icgr groß sogar. Immerhin wäre uns eine Aufführung mit unteren heimischen Darstellern lieber gewesen. Vielleicht macht die Direktion die Probe. K. N. • Neue Anschauungen vom wesen der Elektrizität. Tie 5rrungemd;auen des 19. Jahrhunderts auf dem Gebitte der Physik lassen sich in einfacher Weise an den Grundgedanken knüpfen, daß die Naturvorgänge auf mn mechanische Bewegungs- erschcinungcn und Kraftäutzerungen zurückzuführen ,rno. Tie belebenden Faktoren unserer organischen Welt: Licht, Wärme, Schall, Elektrizität und Magnetismus, sind unteren Sinnesempsindungcn gegenüber zwar ganz verschieben und von spezifischem Eharakier, im Grunde aber nur verschiedene Energiearmen. Physik und Technik bieten uns die Möglichkeit, diese Naruräußerungen in- cinaiider uni) in handgreifliche Bewegung selbst uberzu'uhren. Dte gegenteilige Verwandelbarkeit der Arbeitsformen in jeher Hinsicht Tcftgcftellt zu haben, ist daS Verdienft d:r großen Elekrro- Physikcr Faraday, Maxwell und Hertz. Die gegenteilige Berwaiidtung m.r Arbeitsformen windet im täglichen Sieben utnrolie Aiiwendung: die Dampfmaschine vcr- (panöeir Warme in Bewegung, die Dynamomaichtne Ut>itre in Elettrizita:, die ihrerseits ein vorzügiiavs Hcizmütel ober eine t'id iquc-le sein kann, eiter aber nach umivonblung m Magnetismus jum Anineb von 'Jlooren uiw jeder maiGjtnelien Ernnchlmuz dienen kann Die Elektrizität spielt gewissermaßen die Rotte der „Vermittlerin zwischen den Naturkraften" und oermöge ihrer vielseitigen Umwandlungssähigkeit und der Eigenschaft, sich durch Leitung streng lokalisieren zu lassen, kann sie sür eine große Reihe von praktisäjen Zwecken durch keine aridere Energioart ersetzt werden. Sie ist uns zwar nirgends von Natur aus in direkt verwendbarer Form geboten, kann aber auf vielfache Weise erzeugt, geleitet und verwettet werden. Wir sind imstande, der Elettrizität die Wege vorzuschreiben, die sie zu nutzbringender Arbeit einschlagen muß, und wir können durch Versuche und Berechnungen immer noch neue Wege ersinnen, auf denen sie uns neue ungeahnte Vorteile bringt. Die in den Diensten der Menschheit stehende Elettrizitäh tritt uns meist in anderer Energieform und nur unter ganz bestimmten Bedingungen entgegen. Wir können sie aber auch Cann nodj nicht direkt wahrnehmen, da wir für Elektrizität lein spezielles Sinnesorgan haben, wie das Auge für Licht, das Ohr Tür Schall, das Gesühl für Wärme. Statt eigener Sinnesorgane müssen wir andere HllTsmittel anwenden, sinnreich konstruierte Apparate, die uns nicht nur das Vorhandensein der Elektrizität an$eigen, sondern auch durch ihre Wirkungen die Menge, Spannung und Leistung zu messen geitatten. Tie praktischen Anwendungen der Elektrizität häuTen sich gcgenwättig Derart, daß man sich allmählich daran gewöhnt, sie, ivie Licht und Wärme, als eiroad ganz selbstverständliches entgegenzunehmen. Für bav wissen- ichaTtlichen Forscher und benfenben Laien liegt jeboch etn fteter Ansporn und Reiz in bem Bestreben, ben gehnnrniSvollen Ütaiten Der Elektrizität nachzuspüren und tue Frage „was ist Denn eigentlich das Wrien dieser Kraft?" einer befricoigenixm üoiung eiu- gegen zuführen. Tie vielseitige Verknüpfung Der Elettrizität mit anderen physikalischen Vorgängen legte den Gedanken nahe, überall dort, wo erner unmittelbaren Beobachtung durch die Sinne Grenzen gezogen sind, zur Erklärung und Teutung mechanische Hilisoor- Heilungen hiiizuzuzühen. Zwecks einer einheitlichen Zusammenfassung und Erklärung aller elektrischen Erscheinungsgediete konnte lid) txe Etettriziunslehre daher ebensowenig einer Bildung gc- roin'et Grundvorstellungen entziehen wie die Physik miß EHernie, Die beide zu der auch jetzt noch unentbehrlichen mechanischen Vllf^ovrftellung der SJtolefüle und Atome gedrängt wurden. Diese .vuipboritellungen haben natur ließ auf elektrischem und magnetischem lpebitt, ebenso wie auf jo:m anderen, eine gewisse Entwicklung durchgemacht und sich je nach dem Stano der Erfahrungs- tal>achen uuö Der Tortschr eiten den wissenschaftlichen Erreniituiß ,ehc erheblich geändett. Man unter,jrüher in der Physik eine große AnzM gehören. Vier Jungtiirken ermordet. Mch'le Markt findet i Uesküb, 8. Nov. Aus Ipek wird die Ermordung von vier Mitgliedern des Komitees für Einheit und Fortschritt gemeldet. N nidjt fonberlid) i 8u fein. Ihr Meten das Pfund U hin und bespricht die entgegenstehenden Bedenken. Der Inhalt des Blattes muß bodenständig sein und alle eine Gemeinde bewegenden kirchlichen Fragen von hoher Warte behandeln. An- -eigen gehören nicht hinein, um die öffentlichen Anzeigenblätter nicht zu beeinträchtige. Nach ihm sprach Pfr. Heß- Michelstadt in anziehender Weise über das im Dekanat Erbach eingeführte Gemeindeblatt für das ganze Dekanat, das alle vier Wochen unter dem Titel „Monatsbote" erscheint. In • der sich an die beiden Vorträge anschließenden sehr anregenden Aussprache, an der sich u. a. auch Superintendent D Petersen-Darmstadt beteiligte, wurde allgemein der Wert eines solchen Blattes von der einen oder der andern Art, zur Belebung der kirchlichen Gemeinschaft anerkannt, ohne daß dadurch den Tageszeitungen Abbruch getan würde. Der Vorsitzende hofft zum Schluß, daß die Verhandlungen d n Erfolg haben würden, auch in Oberhessen die Gemeindeblätter aufleben zu sehen. In dem um 6V2 Uhr in der Stadtkirche abgehaltenen Festgott es dien st, den der hiesige Kirchengesangverein und ein Knabenchor durch ihre Mitwirkung verschönerten, predigte Pfarrer Wissig von Bad-Nauheim. Im Anschluß an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Luc. 10, 20—37) sprach er herzerwärmend über das Geheimnis der christlichen Nächstenliebe, was sie sei und was sie wirkt. Ein äh ^•ssen 111 y*ä,’ -i- Wenina? c ^ 'efige Gemeinde t 12800 J Jlefi?en Landwirte Sä* *5 ®e* lieber die -Kolportage in Oberhessen berichtet, sodann an Stelle des erkrankten Vereinsgeistlichen Psarrer G l 0 ck - Nieder-Ramstadt. Die wirksamste Kolportage, die wirklich ihren Zweck erreicht, ifr die seit einem Jahr in verschiedenen Dekanaten betriebene Gemeindekolportage, die allen Gemeinden als ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung der Schmutzliteratur zu empfehlen ist. Ein neuer Weg, gute Bücher unter das Volk zu bringen, ist der Versuch des Lehrers Hassinger-Alzey, öffentliche Ausstellung guter , Bücher, zu veranstalten, ähnlich wie die von Pfr. Meisinger- ; Fränkisch-Crumbach eingerichteten Bilderausstellungen. Lehrer j Eül er - Annerod befürchtet von den Gemeindekolportagen eine i Schädigung der Volksbibliotheken und bittet um Unterstützung fi dieser so segensreichen Einrichtungen. Ihm gegenüber stellen j Pfr. Glock und Buchhändler B 0 h r n s - Darmstadt fest, daß die Gemeindekolportage keineswegs die Volksbibliotheken schädige, viÄmehr beweise die Erfahrung, daß beide Einrichtungen sich gegenseitig unterstützten. — Ein weiteres Mittel für die innere Mission, der Gemeinde mit dem Evangelium zu dienen, ist das Gemeindeblatt, dessen Einrichtung Pfr. Mei sing er- Fränk.-Erumbach in eingehendem interessanten Vortrag empfiehlt. Er weist auf die Notwendigkeit und den Wert des Gemeindeblattes mständlich fehlen d svrderlichen Sicherhk Westen Stand der iind. Tas gilt ganz ,-cheren Gewölbe ti Meßfächer für Pr Äl. Der Zugang do Tide abgeschlossen u übrigen Sicherheitst I folgt die hiesige Reil jinit diesem Neubau w Eine Ehr tkanstgewerbemuseum schreibt, gegenwärtig Lrteidigung von ükslellt, die für die ■ cauer-Düffeidorf ge leften W. Spahr i dronze von Herman goffen ist. ** Vom Mar der gestrige Kran schwachen Bchch, ■ laben mir wenige Ä Aus Stadt und Land« Gießen, 9. November 1911. " Tageskalender für Donnerstag, 9. Nov. Frei- b e n f e r - e r e i» i fl u n q : Oeffentl. Vortrag von Schristßeller E. Vogtberr: Der Zusammenbruch des Glaubens. Abends 87, Uhr tm Hotel Einhorn. * ” Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Lehrer Ferd. Weitz zu Dorheim das Ritterkreuz 2. Klaffe deS Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. . ** R^dttheater. Mrs die Ausführung von „Pol- nr > ch e W tri s ch a ft am nächsten Sonntag abeno bei kleinen Fersen I« besonders hrngewiesen, da das Werk an den zwei nächsten Sonntagen, an denen keine Musik zu haben ist, nicht gegeben werden kann. ** D er V erein der D etaiNisten hielt gestern abend seine ordentliche Hauptversammlung ah. Aus dem von dem Vorsitzenden Rohr erstatteten Geschäftsbericht entnehmen baß die Tätigkeit des Vereins auch im letzten Jahre recht rege war. Die Geichafte wurden erledigt in acht Borstandssitzungen, einer ordmtlichen und einer außerordentlichen Hauptversammlung; tn Versammlung wurde zu der Handelskammer-Ersatzwahl Stellung genommen. Ferner fanden noch mehrere Sitzungen in der dem Verein angeschlossenen Rabattsparvereini- Erstand nahm an fünf Ausschußsitzungen des hessischen Detailisten-Verbandes teil und war durch mehrere Mitglieder auf,dem Verbandstaa in Bingen vertreten. Die Tagesordnungen auf den Ausschußsitzungen sowie dem Verbandstag waren für den Detaillistenstand von besonderem Interesse. Er- walnu sei hier nur u. a. die Filialsteuer und deren Einführung, die Warenhaussteuer usw. Mit dem Ablauf dieses Jahres scheidet w ..rx retTkirtf?,ß? feiner Kündigung aus dem Süd- und West- deutichen ^etaillisten-Verbande aus; er gehört jetzt nur noch dem Hessischen Detaillisten-Verbande an. Infolge des Austritts nrm erstgenannten Verbände tritt auch in dem Verbandsorgan eme Aenderung ein, indem an Stelle des „Detaillist" das vom hesfttchen Verbände herausgegebene Blatt „für Handel und Gewerbe tritt Das GesO betr, den unlauteren Wettbewerb gab Gberhessijches Hliffionsfeft. Gießen, den 8. November. Tie Verhandlungen des 3 3. Jahresfestes des Oberhessischen Vereins für innere Mission wurden mit einer Versammlung der Synodal Vertreter für innere Mission im oberen Saale des Gemeindehauses der Matthäus- gemeinde eröffnet. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen wurdm die Ergebnisse der vorjährigen Verhandlungen über Volksbibüo- theken und die Bestrebungen zur Vermittlung evangelisch-kirchlicher Nachrichten an die öffentliche Presse besprochen. Weiter wurde darauf hingewiesen, daß die Arbeit der inneren Mission in unseren Gemeinden immer mehr als Gemeindearbeit angesehen und erkannt werde. Am Nachmittag fand eine gut besuchte Mitgli eder ver- sammlung statt. Nach einigen kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, Kirchenrat D. Schlosser hier, berichtete Pfarrer Schwabe hier über den Stand der Landkrankenpflege in Ob er Hessen. Er kann feststellen, daß diese dem Land so nötige Einrichtung in allen oberhessischen Dekanaten gute Fortschritte macht. Die von dem Verein in Angriff genommene Ausbildung von Nothelferinnen nach dem Vorbild der Preuß Frauenhilfe hat der Verband Hessischer Frauenvereine übernommen,, der die, Sache weiter ausbauen wird. Das Diakonissenhaus Elisabethenftist-Darmstadt will die berufliche Ausbildung der Nothelferinnen übernehmen. .. £5"'?- 8. Mm« " für SkuA1?1 4^ **£ verschiedener Naturgebiete, zwischen denen man irgendwelche Zusammenhänge noch nicht feststellen konnte. Erst allmählich gelang es der experimentellen Forschung im Laufe der letzten Jahrzehnte, gewisse Naturkräfte auf andere zurückzuführen und durch andere zu erklären, und so das System der gesamten Physik immer mehr zu vereinheitlichen. Alle Erscheinungen der Physik konnte man zurückführen auf drei Urkräfte: Mechanik (d. h. Stoffbewegung), Thermodynamik (Wärme) und Elektrodynamik (Elektrizität tm weitesten Umfange des Begriffs). Doch auch bei dieser Dreiteilung haben die Physiker noch nicht Halt gemacht. Das mittlere dieser drei Gebiete, die Thermodynamik, läßt sich unter die beiden anderen restlos aufteilen, so daß heutzutage die Physik nur noch die Mechanik und Elektrodynamik als zwei gewaltige Teilgebiete gelten läßt. Tie im letzten Jahrhundert entwickelten Vorstellungen über das innere Wesen der Naturvorgänge sind immer noch nicht genügend geklärt. Das Problem, das Wesen einer Naturkraft zu erkennen und zu präzisieren, stellt die Physik vor eine sehr schwierige Aufgabe. Beim Schall z. B. wurde das Problem endgültig gelöst durch die Erkenntnis: das Wesen des Schalls ist Bewegung von Stoff; beim Licht durch die Einsicht: das Licht ist ein elektromagnetischer Vorgang. Allgemein heißt das Wesen einer Naturkraft ermitteln nichts anderes, als sie auf eine andere Naturkraft zurückzuführen, sie durch eine andere Naturkraft erklären. Daraus ergibt sich zunächst die Folgerung: die Frage nach dem Wesen der Elektrizität ist gleichbedeutend mit dem Problem, die Elektrizität durch irgendeine andere Naturkraft zu erklären. Früher ging man von der Voraussetzung aus, der unsichtbare Stoff, der den elektrischen Erscheinungen zugrunde liege, sei em unwägbares, alles durcl>dringes Medium. Die Erschei- nungen des Lickstes und ihre Deutung als Schwingungen eines elastischen Mediums führten den holländischen Physiker Huyghens zuerst zur Annahme dieses Stoffes, den er den „Weltäther" nannte. Der Wettäthw ist die Bahn für die Strahlungserscheinungen, wie z. B. rur das Licht. Maxwell, Helmholtz und LoreutA ^a.n^n zu dem Schluß, daß die Schwingungen des Aelhers elek- trisck>er Natur sind, und erklärten das Licht für eine elektromagnetische ^lttberi.chnnngiuig von sehr geringer Schwingungsdauer, deren Schwingungszahl jedoch pro Sekunde, je nachdem es ftch um rotes oder violettes Licht handelt, 400—800 Billion betragt. Tie etwas langsameren Schwingungen, die wir nicht Mehr als Licht zu eriennqi vermögen, das Ultrarot, äußern sich Eine Sitzung der türkischen Kammer. Konstantinopel, 8. Nov. In der heutigen Kammersitzung antwortete der Minister des Aeußern auf die Interpellation betreffend dieitalienischenGrausam- t eit en in Tripolis. Der Minister erklärte, die ersten Nachrichten über die Grausamkeiten der Italiener, die von der Presse gebracht wurden, seien durch amtliche Berichte bestätigt worden. Die Pforte richtete an die Mächte eine Protestnote gegen die Grausamkeiten,- die für Italien einen unauslöschlichen Schandfleck bedeuteten, und bat, ein Ende zu machen. Am 3. dLovember habe die Pforte eine neue Protestnote an die Signatarmächte der Haager Konferenz gerichtet. Es sei zu hoffen, daß dieser Schritt auf Entgegenkommen stoßen und den Grausamkeiten der Italiener ein Ende machen werde, die in der ganzen zivilisierten Welt lebhafte Empörung hervorgerufen hätten. Inzwischen werden wir, schloß der Minister unter Beifallsrufen der Kammer, furchtlos unser Gebiet gegen den Feind verteidigen. Die zivilisierten Nationen haben das Urteil über Italien gefällt. Die Kammer fand die Erklärungen des Ministers für ausreichend. Der frühere Minister Talaat rief unter Beifall der Kammer „Tod und Verderben den Barbaren!" Hodjcr Said verlangte, daß die Regierung alle Italiener unter Befolgung der gesetzlichen Modalitäten a u s - weise. Die Deputiertenkammer erörterte daraus in Anwesenheit des ganzen Kabinetts die Angelegenheit Lutfi Fikris, der Einzelheiten zu dem Versuche seiner Verhaftung erzählte. Der Kriegsminister protestierte in der Antwort, oft unterbrochen, gegen die Anschuldigung, daß er die Verfassung unterdrücken und Diktator werden wolle. Er erinnerte daran, daß er seine Macht nach dem 13. April nicht mißbraucht habe und protestierte gegen die Beschimpfungen der Opposition, die auf die ganze Armee zurücksielen und jeden rechtschaffenen Mann verhindern könnten, das Portefeuille zu übernehmen. Es gebe augenblicklich eine einzige Macht, bas Komitee für Einheit und Fortschritt; selbst bei den neuen Wahlen werde das Komitee gewinnen, da es organisiert sei. Zum Schluß erklärte der Minister, er weise die Behauptung zurück, daß er während des Besuches in Deutschland dem Kaiser gesagt haben solle, die ottomanische Armee werde der deutschen im Falle eines Krieges gegen Frankreich Helsen. Wie hätte er eine derartige Erklärung abgeben Hinnen, welche die äußere Sicherheit des Staates als Wärme, Wärmestrahlen, wie wix sie von der Sonne erhätten. Die etwas schnelleren Schwingungen, die wir ebenfalls nicht sehen, das Ultraviolett, wirken chemisch z. B. auf die photographische Platte, sind also chemische Strahlen. Die von Hertz untersuchten langsamen Schwingungen, deren Schwingungszahl allerdings noch etwa 100 Millionen pro S.künde betrugen verhalten sich ganz wie Lickst, nur wie unsichtbares Licht, und finden m der drahtlosen Telegraphie ihre Anwendung. . Es liegt demnach nahe, anzunehmen, daß auch das Licht durch elektrische Schwingungen verursacht wird, und zwar durch Bewegung von tn der Lichtquelle vorhandenen elektrisch geladenen Atomm oder Jonen, die etwa ein Tausendstel des Gewichtes von Wasserstoftatomen haben sollen. Der wahre Träger aller elektrischen Erscheinungen sei der Aether: die Kraftlinien die für die Erklämmg elektrischer Vorgänge und auch für die Praxis Die größte Bedeutung gewonnen haben, sind die sichtbaren Zeugen für die Misbr^itung der unsichtbaren elekttischen Kräfte in2^ Medium, dem Aether. Zugunsten der Annahme des Aethers spricht nur, daß sie eben etwas erklärt, was man sonst nicht erklären kann. Nachdem sich jedoch die Voraussetzung, daß der Weltäther kontinuierlich sei, als unhaltbar h^rausgesteNt hatte, mußte man die ganze Aetherhypothese fallen . Eine ganz vorbehaltlose Antwort kann die Wissenschaft, die ewig tm Fluß ist, auch heute noch nicht auf die Frage nach dem eigentlichen Wesen der Elektrizität erteilen. Man kann nur sest- [te ^So[“n9 DEems zurzeit von der Mehrheit der Physiker für die wahrscheinlichste gehalten wird, und kommt hierbei zu folgendem Schluß: Das Wesen der E ektrizität besteht physikalischen Sinne des Wortk^ nicht besitzt, das heißt, daß sie selbst nicht erklärbar ist durch andere Naturkräfte. Dafür aber ist sie Diejenige letzte Urkraft bie die Erklärung der ganzen physikalischen Welt in sich schließt' Gelingt es nachzuweilen, daß die Elektrizität das Wesen aller anderen Nattirkräfte bildet, so werden hiermit auch die beiden Teilgebiete der Physik, die Mechanik und Elektrodynamik auf eme einzige Urkraft zurückgeführt, und der Monismus (Einheit) aller physikalischen Erscheinungen ist begründet. P , — Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen» sch a ft. In Straßburg i. Els. ist der Romanist, emer. ord Zroftssor "der trügen philosophischen Fakultät Geh. Reg.- Gröber tm 68. Lebensjahre gestorben. Er war 1909 tn den Ruhestand getreten. Der italienisch-türkische Krieg. Die neuesten italienischen Schlachtberichte geben zu, trotz der formellen Einverleibung die Zustimmung de^ Kriegsgottes noch aussteht. Bei Tripolis und bei Homs haben wieder schwere Gefechte stattgefunden. Besonders auffällig ist es, daß der italienische Bericht über die Kämpfe bei Tripolis nur die Zahl der italienischen Verwundeten angibt. Die Zahl der türkischen Toten wird dagegen prompt beziffert. Das läßt tief blicken! Und wie die Dinge in Homs stehen, davon kann man sich ein Bild machen, wenn man in dem amtlichen italienischen Bericht, der den Ernst der Lage nicht bestreitet, durch die Zeilen zu lesen versteht: Wieder ein Kampf bei Tripolis. Tripolis, 8. Nov. (Agenzia Stefani.) Gestern mittag fand ein weiterer kleiner Angriff auf die achte Kompagnie des 93. Infanterie-Regiments statt, die von Ha- midie zur Rekognoszierung einen Vorstoß nach Schara- s ch a t unternommen hatte. Die Kompaanie, die plötzlich auf dem rechten Flügel angegriffen wurde, machte Front gegen den Feind, während g.eichzeitig auch von rechts die siebente Kompagnie desselben Regiments gegen die Flanke des Feindes vorrückte. Alsbald wurde auch der Rest des Bataillons in den Kampf verwickelt, wobei die Truppen von je einer Batterie Gebirgsgeschützen, Schnellfeuerlanonen und von der Schiffsartillerie unterstützt wurden. Der Kämpf war sehr lebhaft und dauerte über eine Stunde, bis der Feind sich ^urückzog. Er ließ etwa 80 Tote auf dem Platz. Die Italiener hatten 15 Verwundete. * Die Ereignisse in Homs. Bei dem italienischen Oberkommando sind folgende Meldungen aus Homs über die Ereignisse vom 23. und 28 Olt. eingegangen. Am 23. morgens rückte eine Aufklärungsabteilung bestehend aus acht Kompagnien und vier Landungsgeschützen auf Margheb vor, das angesichts des Feindes besetzt wurde. Der Feind unternahm sofort mit 500 Mann einen Gegenangriff und drang bis etwa 400 Meter gogen die italienische Stellung vor. Nachdem dieser Angriff abgewiesen war, trat ein italienisches Detachement gegen Mittag den Rückmarsch auf Homs unter Zurücnassung eines Bataillons in Märgheb an. Gegen 2 Uhr mittags erschien der Feind mit etwa 1500 Mann von neuem vor Margheb und versuchte die italienische Stellung zu umgehen. Sechs Kompagnien eilten von Homs zur Unterstützung herbei. Gegen 6 Uhr abends befand sich der Feind wieder auf dem Rückzug. Die sämtlichen italienischen Abteilungen trafen wieder um 10 Uhr in Homs ein. Der Verlust auf Seite der Italiener betrug drei Tote und 18 Verwundete, der des Feindes war viel größer. Am 28. Üktover morgens griffen die Türken mit ungefähr zweitausend Gewehren die italienische Verteidigungslinie Hvms Plötzlich von mehreren Seiten gleichzeitig an, schloffen sie vollständig ein, drangen bis gegen die Schützenlinien vor und schossen besonders auf die Landungsbatterien. Der Angriff wurde von dem Mutessarif persönlich oeleitet. Gleichzeitig brach in einigen Teilen der Stadt Rebellion aus, die sofort durch eine Abteilung Truppen und zwei Abteilungen Matrosen unterdrückt wurde. Der Angriff war aegen sechs Uhr abends endgültig a b.g e s ch l a g e n. Die Italiener hatten drei Tote und z.weiVerwundete. An den folgenden Tagen bombardierten die Kriegsschiffe Sliten, von wo ein Teil der Feinde anrückte. Von nun ab verbesserte sich die Lage um Homs immer mehr. Jetzt, nach Ankunft der Verstärkung, ist sie ruhig. Rach der „Einverleibung". Tripolis, 8. Nov. (Agenzia Stefani.) In Dadjurah hängten die Türken einige arabisHe Häuptlinge, welche die Unterwerfung unter die Italiener gepredigt hatten. Auch Kundschafter der Italiener, Die ergriffen werden, werden gehängt. Die Leichname bleiben zur Schau hängen, nachdem man ihnen das Erkennungszeichen, das die Kundschafter von den italienischen Kommandanten erhalten und das ihnen ungehinderten Durchgang durch die italienischen Linien gewährt, am Arm befestigte. Gestern um 2 Uhr nachmittags verkündete General Caneva die Einverleibung von Tripolis und Cyrenaika in das Königreich Italien, sowie die volle und ganze Souveränität Jta.iens über die annektierten Länder feierlich in Gegenwart §af)un Paschas und hundert arabischen Häuptlingen. Unter Beifallskundgebungen hörten diese das Dekret an, das ein Dolmetscher übersetzte. Mit der Nationalhymne schloß die Feier. Beschwerde eines deutschen Forschers. Der Afrikaforscher Adolf Krause, der insbesondere mit dem Studium der Negersprachen beschäftigt ist, telegraphierte der „Kölnischen Zeitung" aus D s ch e r b a unterm 8. November: Mein Haus in Tripolis ist, während ich abwesend war, von den Italienern gewaltsam erbrochen und alle wissenschaftlichen Manuskripte und Bücher, 30 000 beschriebene Lexikonzettel, druckfertige Manuskripte, Grammatiken und Wörterbücher bisher unbekannter zentralafrikanischer Sprachen, sind chaotisch durcheinander geworfen und fortgeschleppt worden. Die italienischen Grausamkeiten im österreichischen Abgeordnetenhaus. Wien, 8. Nov. Am Schlüsse der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam der slowenische Abgeordnete Ryb ar in Form einer Anfrage an den Präsidenten auf die in- und ausländischen Berichte über die Grausamkeiten italienischer Soldaten an arabischen Frauen, Kindern und Wehrlosen zu sprechen. Er fragte den Präsidenten, ob er geneigt sei, sein Bedauern über diese Greueltaten auszusprechen. Der Präsident erwiderte, wenn Greueltateu vorgekommen seien, so seien sie unter allen Umständen zu bedauern. In diesem Falle liege kein authentischer Bericht vor; daher könne er sich nicht äußern. Uebri- aens Babe der Abgeordnete Breyter heute eine Anfrage 0er)einen Angelegenheit beim Ministerpräsidenten eingebracht. Die Regierung werde also Gelcg mheit haben, darauf zu antworten. In seiner Anfrage fragt der Abg Breyter Den Ministerpräsidenten, ob er geneigt sei, den Minister des Aeußem zu veranlassen, wegen der barbarischen Art der Kriegsführung Vorstellungen zu erheben. 3 er Zmpchenfall in Tunis. Paris, 8. Nov. Nach einer Blättermeldung aus Tunis sind bei heute vormittag neuerdings zwischen Ara- b ern und Italienern ausg:brochenen S chlägereien ein Araber und zwei Italiener getötet worden. Durch einen Erlaß des Bei wurden mehrere arabische Zeitungen suspendiert, welche angeblich an den gestrigen Ruhestörungen die Hauptschuld tragen. Amtlich wird erklärt, daß die unter den Eingeborenen herrschende Gärung einen ausgesprochen antiitalienischen Charakter habe und auf einen kleinen Teil des Eingeborenenviertels beschränkt sei. in Frage stelle? Schließlich erklärte der Kriegsminister daß er aus Patriotismus auf seinem Posten bleiben werde. Der Kammer stehe es frei, ihm sein Vertrauen oder Mißtrauen auszusprechen. Das Komitee für Einheit und Fortschritt beschloß nahezu einstimmig, dem Krieg sMinister sein Vertrauen auszusprechen. Eine Gegenerklärung der Pforte. Konstantinopel, 8. Nov. In einer an die Großmächte gerichteten Protestnote gegen die Annexion von Tripolis erklärt die Pforte, sie betrachte die Annexion für null und nichtig und ohne jede Bedeutung sowohl vom Standpunkte des Rechts als von dem der tatsächlichen Verhältnisse aus, weil sie den elementarsten .Grundsätzen des Völkerrechts zuwiderlaufe. Türkischer Boykott. Saloniki, 8. Nov. Das Boykottkomitee veröffentlicht einen Aufruf, in dem es gegen jene italienischen Staatsangehörigen Stellung nimmt, die jetzt fremden Schutz genießen und ungestört ihren Geschäften nachgehen. In dem Ausruf wird die Bevölkerung aufg-fordert, oiese Geschäfte zu boykottieren. Das Komitee beginnt mit der Veröffentlichung einer Liste der betreffenden Firmen, die fast ausschließlich Spaniolen abgetanen. MK I W u vt Lersich I iW1^ $ 6>ege II M Lei MM IÄ asgr 'm Sitzen ehrten, Aersaminlung mr LW SwW den die seühenM ^hiner und außeror 1 gebaut, so daß Z A Großstädten so W danken selten zu M stattliche Gckuu M einen guten / M das eigentliche unb vornehm tn em Menßische,, Biigtag Un9 ein guter Besuch " In Berlust b°ch, ^llertshqus «Pparat. Die Kan 6cm breit. S,e besä Der Finder n flln‘ z» melden. Bor . ''verhaftet. ,on im wegen Blutsc e "Z" derMitt SeS !ei "'gleich ^eranslaltlmg 00([i 6 cm breit. Sie befand sich in einem schwarzbraunen Leder I etuis. Der Finder roirb ersucht, sich bei Großh. Polizei Vor Ankauf wird gewarnt. Gellern nachmittag wurde ein Arbeiter Zu der Mitteilung über die sog. Dien st manne r Am ^Ermord,.. "eessürLil! '• temc Ehrung hessischer Tapferkeit. Ju> fliinftgcrocrbcmufeiim zu Düsseldorf ist, wie man uuS schreibt, gegenwärtig eine Erinnerungötasel an die siegreiche V rteidigling von NheinselS 1692 durch die Hessen ausgestellt, die für die Burg RheinfelS von Dr. phil. Th. Cauer-Düsieldorf gestiftet, nach einem Entwürfe deS Architekten W. Spahr in Marburg, auS französischer Geschützbronze von Hermann Börnper in Herborn bei Dillenburg ge- ßoffen ist. •• Vom Markte. Trotz deS günstigen Wetters zeigte der gestrige Kram er markt auf OswaldSgarten äußerst schwachen Besuch. ES fehlte die Landbevölkerung, dazu luden nur wenige Buden zum Verkaufe ein. Zwiebeln waren auch nicht sonderlich begehrt, der Bedarf scheint größtenteils gedeckt zu sein. Ihr Preis stellt sich nach wie vor hoch, sie |ofielen daS Pfund 12 Pfg. und im Zentner 11 Mk. Der Nächste Markt findet in 14 Tagen statt und fällt mit dem preußischen Bußtag zusammen, wodurch bei günstiger Witterung ein guter Besuch zu erwarten steht. Kreis Alsfeld. -1. Alsfeld, 8. Nov. Ter Volksbildungsverein wird am 2. Dezember 1911 durch daS Rhein-Main-Ver- bandStheater für Volksbildung .Minna von Barn- Montag wurde im hiesigen städtischen HochzeitshanS die landwirtschaftliche Winterschule eröffnet. Bis jetzt sind 57 Schüler angemeldet. Diese Zahl ist noch nie erreicht worden. §§ AuS dem Kreise Alsfeld, 8. Nov. Tie Kreis- Derrooltuna ist ständig bestrebt, überall neue SchulbauS- tterkreuz, 2-»1 Kirmes sei mitgeteilt, daß die meisten hiesigen Dienstmänner drr Veranstaltung vollständig fernstandeir. Kreis Büdingen. - r- WeningS, 8. Nov. Vor etwa Jahresfrist kaufte die hiesige Gemeinde die außer Betrieb besindliche Kratz'fche Molkerei für 12 800 Mk. Dank deS regen Interesses, das die hiesigen Landwirte, sowie die von Kefenrod, HetterSrod. Illnhausen und Kirchbracht dem jungen Unternehmen entgegenbringen. hat eS m der kurzen Zeit für die landwirtschaftliche Bevölkerung schon recht segensreich gewirkt. Nur der M o l k e r e i WeningS ist es zu verdanken, daß die vom Verkehr etwas abseits liegende Gegend einigermaßen annehmbare Milchpreise •ijielen konnte. beim* als Schülervorstellung aufführen lasten. • anschließenden -q auch Supmn^ : allgemein bn- der andern L . kannt, ohne ürbc. T I rrtc behandeln. ..... o.., ichen MjeiMv | omt zu melden. t einaciiÄl ** Verhaftet. Gestern nachmi -alle vier £■-' I von hier wegen Blutschande verhaftet. feft. -u 8- November i 7.stcs bti Ob J llron ttnirbai N Ureter für üfe|| ules der Kanu II Mitteilungen II m über Bolksb^ll evangelisch.kiE'11 ^chen. Weit« ^11 eren Mission in J| arbeit angesehen -11 Mitgliederde^ II rgrü^ingSmvncn II er, berichtete PfrrrV dkrankenpileM i; diese dem San? ■ 'ekanaten gute fcfl Angriff gtnomcal Vorbild der frauenvercine fite I cd. Das Diakonie fliche Ausbildung k fiel sodann an • ock-Nieder-RamQ ihren Zweck errr.r: Dekanaten betri tt i ein wichtiges JWwI empfehlen in. irm | bringen, iii der J ie Ausstellung 5Uis| vn Pst. Meifingn' I leltimgen. Lehr I inbetolportngen tc I ■ um llittnfLdA I i gegenüber. ÜetÄl ^armftabt ifü | oibliothelen I Em Deckbett mit 7 Pfund hoppelt Bereinigten neuen [yebern gefüllt Mk. 9.50 12.— 14.70 16.50 22 — rc. 1/icQpn mil 2 Pfund Federn gefüllt Mk. 3.- 3.60 4.40 6.20 rc. Vollständige Betten Schlafzimmer - Einrichtungen Seilzahluugeu nach Ucbercinkuuft gestattet. Gebr. Weil Neustadt 10 GIESSEN Fernspr. 506 GSL anS. . sfiow* c> Nov- trag c§ Glaubens. ^Nsch. • • I n Verlust geriet auf der Wagensahrt über Climbach, Allertshausen, Londorf ein Photographie- Apparat. Die Kammer ist 16 cm lang, 10 cm hoch und gtffc im abgelausenen Geschäftsjahr wiederholt Beranlastimg zum Gtäfcbrriten wegen vorgekommener Verstöße. Der Verein hat weiter verschiedene Eingaben, die Stande-- und Tinteres'enfragen zum Gegen ft arw hatten, an Behörden, Bürgermetsleret. Landein fammer ufro. eingereitöt; er hat sich auch gutachtlich geäußert zur ',3rage der Berficherung der Privatbeamten, zur Fortbildungs- idiulpflimt der toeidlichen Angestellten in kausmännucken Gc- fd)aiint u. dgl Gegen eine wettere ftüriung der sog. Ausnahme- tage hat sich der Verein ablehnend verhalten, indem er sich aus oen von der Stadtverordnetenversammlung im vergangenen Jahre zu dieser Frage eingenommenen Standpunkt stellte. Tie Ber- trmi.ifi der Mitglieder auf dem Genossenschaftstag der Lagerei- beru'^genossenfchast hat £)r. Kalbsuß, der derzeitige 1. Boriiyende dee del fischen Verbandes, übernommen. Die Zahl der Mitglieder hat sich wiederum erhöht, sie beträgt jetzt weit über 100. Tie Zunahme der Mitglieder hat. wie in der Versammlung ausdrücklich feftgeftellt wurde, hauptsächlich ihren Grund in der guten Entwicklung der Rabattsparvereinigung, die beim Publikum immer bessere Aufnahme findet. Bei der vorgenommenen Vorstands- ersabwahl wurden die auSscheidenden Herren Aug. Noll, Wilh. Mades und Sigm. Herzberger wiedergewählt, während neugewählt wurde Herr Karl Herbert. An Stelle des im letzten Jahre verstohlen en Hm. Kaufmann Nassauer, dessen ersprießliche Tätigkeit für den Verein von dem Vorsitzenden besonders hervorgehoben wurde und befien Andenken die Anwesenden durch Erheben von ihren Sitzen ehrten, trat Kaufmann Karl Schulze. Der Besuch der Versammlung war gut. • • Eilt neues g ro ßstäd ti scheS GeschäftS- lokal wurde dieser Tage hier in Benutzung genommen, nämlich die Geschäftsräume des Bankiers I. Grünewald, Ecke der Bahnhofstraße und West-Anlage. Unter der kundigen Leitung des Architekten Hans Meyer wurden die seitherigen unscheinbaren Geschäftsräume in vornehmer und außerordentlich zweckentsprechender Weise um* gebaut, so daß ruhig gesagt werden kann, daß selbst in Großstädten so hübsch und zweckmäßig eingerichtete Privatbanken selten zu finden sein werden. Schon äußerlich macht daS statkliche Gebäude durch seinen gefälligen neuen Verputz einen guten Eindruck, her sich noch steigert, wenn man das eigentliche Geschäftslokal betritt, das gediegen und vornehm in einheitlichem Stil ausgestattet ist. Selbstverständlich fehlen die gerade bei einem Bankgebäude erforderlichen Sicherheitsvorrichtungen nicht, die nach dem neuesten Stand der Technik in reichem Maße angebracht sind. Tas gilt ganz besonders von dem feuer- und diebessicheren Gewölbe tm Kellergeschoß, das die bekannten Schließfächer für Private, Arbeitsräume für sie ufro. ent- l)ält. Der Zugang dazu ist durch eine Stahltür von y< Meter Dicke abgeschlossen und in ähnlichen Dimensionen sind die übrigen Sicherheitsvvrkehrunaen gehalten. — Hoffentlich ’ folgt die hiesige Reichsbankstelle bald dem Beispiel, das ihr ; mit diesem Neubau ein Privatbankier gegeben hat. fit ru 'NM bauten nut geräumigen Schulstuben und Ledrerwohnungen zu erbauen. Im letzten Jahre mürben solche Neubauten in ZlSdorf, Storndorf, Hainbach, Udenhausen und OhmeS vollendet. Im Rohbau fediggefteüt sind die bchulhöuser zu /ltzenhain, Nieder-Lfleiden und AlSfeld. Während die beiden ersten zweitlassig sind, erhalt der Neubau in AlSfeld 18 Klaffensäle. Sturm- und Seenot. Emden, 8. Nov. Der Emdener Deringslogger „Rostock" wurde heule mittag von dem Nordenhammer Dampflogger Nr. 9 hier eingeschleppt. Der Dampflogger fand ihn am Montag morgen in der Nordsee treibend vor. Er hatte bei dem Sturm vom Sonntag zum Montag alleSegel verloren. Drei Mann der Besatzung wurden über Bord geschlagen. Tie Kapitäne beider Logger berichten, daß in der Nordiee sehr viele Masten und sonstige Schiffsteile herumschwimmen, so daß noch mehr Berichte über Unglücksfälle zu erwarten sind. — Der Logger „Brandenburg" ist vorgestern nacht gestrandet. Die Mannschaft wurde von einem englischen Dampfer gerettet. <5crid?tsiaaL 0 Marburg, 8. Nov. Die 42 Jahre alte Witwe Christine Schmidt ans Elnhausen im Kreise Marburg stand heute wegen Körperverletzung mit tödlichem Erfolg vor dem Schwurgericht. Es wurde ihr jur Last gelegt, am Abend des 15. Jult ihren Gatten, den Weißbinder Schmidt, so mißhandelt zu haben, daß dessen Tod herbeigeführt wurde. Die Angeklagte gab an, daß ihre 20 jährige Ehe infolge der Trunksucht ihres Mannes unglücklich gewesen sei, er habe sie oft mißhandelt und mit dem Tode bedroht. An dem Abend sei er wieder zum Gespötte der Leute vor der Türe umhergetaumelt und bei ihrem Bemühen, ihn ins Haus zu bringen, sei er hingestürzt und am anderen Tage gestorben. Mehrere Zeugen wollten jedoch gesehen haben, daß der Mann infolge eines kräftigen Swßes von der Frau so hin- gestürzt und dann noch mißhandelt worden sei. Kreisarzt Prof. Hildebrandt bekundete, daß der Tod infolge des Sturzes auf den Hinterkopf eingetreten sei. In der Verhandlung wurde ferner sestgestcllt, daß Schmidt schon einmal auf der Trinkerliste gestanden und auch schon einmal das Entmündigungsverfahren gegen ibn geschwebt hatte. Die Geschworenen verneinten die Schuld- fragen, worauf Freisprechung erfolgte. Kreis Schotten. st. Schotten, 8. Nov. Gestern wurden hier auf telephonisches Ersuchen der Gendarmerie in Ulrichstein drei polnische Juden, die in Verdacht stehen, einem ihrer Glaubensgenossen in Ulrichstein, der sie beherbergt hatte, 200 Mk. gestohlen zu haben, fest genommen und zur Untersuchung nach Ulrichstein verbracht. Starkenburg und Rvrtnlieffen. d. Mainz, 8. Nov. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde von Oberbürgermeister Dr. Gö11elmann über die weitere Auflassung der Fe st ungS umwallung von Mainz und Kastel Mitteilung gemacht und dabei bemerkt, daß keine Aussichten aus Aufhebung des Forts Weisenau und der Festunaswerke auf der Petersaue bestehen. — Ein Antrag der oürger- lichen Parteien, die Gehalter der städtischen Angestellten, Lehrer und Beamten, monatlich im voraus zu zahlen, wurde an den Finanzausschuß verwiesen. — lieber die mangelhafte Aufstellung der Wählerliste bei der verflossenen Landtagswahl wurde allseitig Klage geführt und die Bürgermeisterei ersucht, in Zukunft Abhilfe au schaffen. Daß auch Wahlkouverts ohne den amtlichen Stempelaufdruck vorhanden waren und zur Ungültigkeit der abgegebenen Stimmen führte, wurde bedauert, die Couverts waren vom Minist.rium an die Stadt abgeliefert worden. Der Vorsitzende bemerkte zu den Beschwerden, in Zukunft werde dafür gesorgt, daß derartige Fehler vermie- den würden. Nicht weniger als 26 Anbestellte hätten an der Aufstellung der Bezirkslisten gearbeitet und denkbar sei es, daß etniae der Beauftragten nicht mit der nötigen Sorgfalt verfahren wären. — Zur Sicherung des un- aehinderten Verkehrs her Fahrzeuge der Feuerwehr und der Sanitätswache wurde Dem Erlaß einer Polizeiverordnung zugesttmmt. d. Mainz, 8. Nov. Ein entsetzliches Drama spielte sich heute abend im Eisenbahnzug dritter Klasie von Wiesbaden nach Mainz ab. Aks der Zug auf der Kaiserbrücke sich befand, zog ein gutgekleideter älterer Herr plötzlich einen Revolver hervor und schoß sich fünf Kugeln in den Kopf. Die Passagiere der Abteilung waren anfänglich starr vor Entsetzen, sie rogen nach der Tat an der Notleine und der Zug kam mitten auf der Brücke zum Stehen. Der Herr wurde aus dem Abteil gebracht und mit der Tragbahre in die Auskunftsstelle des Hauptbahnhoses überführt, von dort holte ihn die Sanitätswache und brachte ihn inS Rochushospital. Als er dort ankam, war er noch bei Bewußtsein und wurde sofort einer Operation unterzogen. Der Selbstmordkandidat ist der 60jähriae akademisch gebildete Privat- lchrcr Auaust T e n n b u s ch aus Münster in Westfalen, er hatte zuletzt in Köln wissenschaftliche Botträge gehalten. — Der Bilderdieb von Bingen, der Buchbinder Raab aus Kreuznach, wurde heute hier verhaftet. Er hatte in einem Hause eine goldene Damenuhr und Bargeld gestohlen. 91 aab bat auch in anderen Orten vielfach Diebstähle ausgeführt. Hessen-Nassau. sj M a r b u r g, 8. Nov. Bei den heutigen Stadtver- ordneten-Ersatzwahlen der dritten Wählerktasse gaben von 2170 Wahlberechtigten 869 ihre Stimme ab. Es erhielten Postsekretär F r e n s e 486, Redakteur Pörsch 387, Gastwirt Hildemann 316, Kupferschmiedemeister Klee 244 und Gastwirt Dietrich nur 233 Stimmen. Frehse und Pörsch sind gewählt, während zwischen Hildemann und Klee Stich- tvahl stattfindet. Der seitherige Stadtverordnete und Vorsitzende des Bürgervereins Dietrich, der von 5 Vereinigungen aufgestellt war, ist durchgefallen. — Eine gestern abend im Pfeifferschen Saale abgehaltene Bürgerversammlung besck)äftiate sich mit oer elektrischenStraßen- bahn, deren Fertigstellung, die schon am 15. Oktober erfolgen sollte, immer iwd) auf sich warten lasse. Es wurde gewünscht, daß die Arbeiten beschleunigt uno möglichst die Straßensperrungen bald aufgehoben würden. Eingesandt. tFür Form imb Inhalt aiiei aiiici ouiei jliibriT stehende» Artikel dbctnunml bte Redatuon dem Pudlckum gegenüber keinerlei Bcrannoortung.) (Sieben, 9. November. Aus die beiden Ginaelanbt in der gestrigen Nummer deß Gießener 9ln|etqeve lei böflutm erwibeit: Tem Wunicve des ersten EuigelandlS nach einer Wiederholung von pQaubenlerdje* wird gern entiprodMn weiden Zum zweiten llingelandk sei bemeitt, daß chstler» Stüde zum eisernen Bestand jeder ernflba• » Otto Görlach Friedr. Görlach Jul. Habermann z. Z. Breslau XIII. Charlottenstr. 20. Justizrat und Professor der Kgl. Universität Breslau (Herr E. Laux) ( „ »» ) Geheime der Rechte an Hotel zum Einhorn Täglich Künstler - Konzerte des ungarisch611 Salon-Quintetts Kälman Die Beerdigung findet Samstag, 11. November, nachm. 3 Uhr, von Dr. W. F. Bruck Privatdozent aus Giessen 6855 Automobile Tourenwagen, Stadtwagen Gesohäftswagen, Lastfahrzeuge Motordroschken 12. Novembers Bieber-Schluft — Hohensolms- Hermannstein —Wehlar. 4'/r Std. Abfahrt IO10 V. nach Bieber. fv'Vi Gerhard Koch, Gastwirt Familie Döll. Pauli Anger er Beer Thelen Schauss Richard Wagner Alex. Dorn Angerer Fleischer Pauli Wengert J. v. Eichendorf Paul Hoppe Seibert Böhme Sektion Giessen D. &. Oe. A.-V. motoreo Gas-, Benzin-, Benzol-, Rohöl (Diesel)- und Petroleummotoren. Sauggasanlagen für Anthrazit, Braunkohlen-Bnketts, Holzkohlen u. Torf. Fahrba- e Motoren für landwirischaftl. Zwecke und für Betrieb von Baumaschinen, Bandsägen, Kmematographen etc., Beleuchtungswagen. 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Volkslied #tinei4 ÖiihinfenTu vlerfl Ui SÄ dl- N mäh iä,*, in v? ßeele WK ÄViS? fcsKe Nit/- ^ßenivelt z Äacht h J°Nt -^r g, k WA **■*•"! „ „«uff«« „KrtUMa« 1*^ Hahrnagsbcrg Bebaanngsplan. Die Anlieger vom Nahrungs» berg werden zu einer Versammlung für Montag, den tS.Nov., abends 9 Uh int Kaiscrbof hiermit Höft. eingeladen. — Bericht über den Erfolg der Eingabe voni 16. "März a. c. Beratung über weitere Maßnahmen. !68ol Zahlreiches Erscheinen erwünscht C*™«e(49800 Ken Flächeninhl * % MU Was den ivirtschasi nichts, daß dleiemge Miete bisher gehörte! EU’rö’l * SSÄ Teil des Landes nu an Konjeillonsgese W Msko gemacht Hal u. Mge kaum beziveift einigen Jahren das S 1911 ist eine Elnigun ichasten zustande gckoi mürbe von nicht ga^ 1910, und die der P fies) auf 116 vermel 2050000 Francs beti bisherigen Angaben r mthandel, der in t ergeben hatte, ist 19 nun ein Teil dieses 0 einerseits ihre Naturv dem deutschen Kautsch dem deutschen Aussul beträchtlichem Umsanc Firmen werden m neue Gebiet dem bei Vv ist zu erwähnen, leichter ist es, I an Orten zu । des Ausstandes bevöllerung haben, zum Beispiel das Bo das in dos afyutntei itlntn toirb nod) bem bad tvit abtreten, gch Logone. Jür bad abgt valent, anzusehen, das m östlichen Arme des . n-Ostgrenze eingesch Ivnders bei Lom-Lau mit erheblichem Ackerb stuchlbare rechte Ufer °?Ns ut dem [infen U Mn des westlichen L getretenen Stück nach," W eichen. Ter Tals reck des Landes (den deutsch) verliert, steht MrJS S1»« Uitbiny ^lust an ireftiflp ; S9 des Sultans du Mnatsvonm" V ausgeglichen. u?ri9cn Gebi ^^dem Gebi iebigshöhe Am Sonntag, den 12. November Militär-Konzert ausgeführt von der Kapelle des hiesigen Inf. - Regts. „Kaiser Wilhelm unter persönlicher Leitung des Obermusikmeisters , Herrn W. Loder. Anfang 4*/i Uhr. Eintritt 4» 1 *<•' Der FLÜGEL ist aus dem Pianofortelager des Hoflieferanten Herrn W. RUDOLPH in Giessen. FhltriitekuriPn • L Platz Mk. 1.50, II. Platz Mk. 1.- III. Platz Mk. 0.50. Karten im Vorve.r- JjllHimbKdl lvll . knuf. In d(,r Musikalienhandlung E. Challier. Für Vereine: Herr Georg Todt. Zigarrengeschäft. Plockstrasse 11 und Herrn Karl Wagner. „Zur Wagnersruh“. Neuenweg 31. Magnesia - Düngekalk. Vtcferunfl durch unsere Vertreter oder waggonweise direkt ab Ct.eerteffenfcidl Gewerkschaft Weissenburg. Morgen Freitag Metzelsuppe Vormittags Wellfleisch mit Kraut. Karl Rösinger, JÄäflnr-Gcsaagferein „Mozart“ Ziege» Leitung: Herr D. Sanner. Sonntag, 12. November 1911, nachm. 5 Uhr, in der Neuen Aula der Universität zu Giessen KONZERT unter gütiger Mitwirkung des Herrn Musikdirektors Kreutzer und des Herrn E. Laux (Bariton) aus Siegen. Stets frisch zu haben In allen einschlägigen Geschäften. 'M M V M sind die als Butter- Ersatzmittel unübertroffenen Van den Bergh'schen Margarine-Marken Cleverstolz und Vitello Statt besonderer Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dass unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Magdalene Rauher gestern abend 9 Uhr im 78. Lebensjahr sanft entschlafen ist. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Wilhelm Räuber, Rechnungsrat Johannette Lehr mund geb. Räuber Giessen (Wiesenstr. 1), 8. November 1911. Die Beerdigung findet Freitag, den 10. November, nachm. 3^/z Uhr, vom Portale des alten Friedhofs aus statt. 6849