Nr. S87 Erscheint tlflUdl mit Ausnahme deS Conntogt. Die ..Giehencr $eintllenblätlti" werden dem .Slnieiger- etfrmal wöchentlich beigelegl. da» „KrcUblatt fir »en Krets »letzen" zweimal wöchemlich. Die „randwtrrfchafUtchen Seit- fragen" erlchemen monatlich zweimal. 161. Jahrgang Mitttvoch, 6. Dezember 1911 Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejjen Rotation» brüt! and Certao der Brükllchea Unroenuäl» • Luch- und 6iemöni(fertL ffL Lange. Gießen. Redaktion. ExvedMon und T ruderet: ©Aul- ftTQBe 7. CrpeDmon und Verlag, fcfl® bL Redaktion: 112. Td.-Adk.:A»r»eigcrGleßen. Mb. Deutscher Reichstag. werden, ohne daß daß Wort zur Begründung genommen wird, angenommen. 217. Sitzung. DienStag. den 6. De ze m be r. Am Tische de» Bundesrat»: Delbrück. Wermuth. Da» Hau» ist zu anfang schwach besetzt. Präsident Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 10 Uhr 15 Minuten Tie dritten Lesungen der RechnungSsacheu, die gestcrii debatleloS in zweiter Lesung genehmigt wurden, iverden durch Aufruf de» Präsidenten in drei Minuten erledigt. Ter elfte Punkt der Tagesordnung ist die Fortsetzung der durch die gestrige Beschluszunfähigkeit zum Abbruch gebrachten zweiten Les u n g der o st a f r i k a n i f ch c >l Bahn Vorlage. Die Tißkussim wird wieder eröffnet, es liegt aber keine Wortincldung vor. Es wird sofort in die dritte Lesung eingetreten und die oft afrikanische Bahnvorlage auch hier ohne jede Erörterung end. gültig verabschiedet. In dritter Lesung werden sodann der Reihe nach der deutsch-japanische Handelsvertrag, der deutsch, englische AuSlieferungsvertrag bezüglich gewisser britischer Pro- tektorate, die deutsch-japanische Konsulatövereinbarung. da» deutsch-britische HandelSprovisorium erledigt. Nm 10H Uhr ist man beim 16. Punkt der Tagesordnung der dritten Lesung des ßausarbeifsgefefjes. Auch hier meldet sich in der Generaldiskussion niemand zum Wort. AIS § 17 a wird auf Grund cineß gemeinsamen Antrages aller Parteien, dem Abg. B e ck e r - Arnsberg (Zentr.) kurz be. gründet, folgcnbc Bestimmung in das Gesetz eingefügt: Ter den HauSarbeitern gewährte Entgelt ist Vergütung für Arbeiten oder Dienste, welche auf Grund eines Arbeit», oder Dienstver- l>ältniffeö geleistet werden im Sinne deS Gesetzes 6etr. die Be- ichlagnahme des ArbeitS. oder Dienstlohnes. Dieser Antrag soll den Gedanken eine» in zweiter Lesung gestellten Anträge» Stadt. Hagen durchführen, wonach baß Arbeitsverhältnis in der Lau», inbuftric al» Dienst, und nicht als Werkvertrag gelte» soll, zum Schutz des Lohnes, soweit eß sich um einen wirklichen Heimarbeiter, und nicht um eine Art Kleinindustriellen handelt. Da» HauSarbeitSgesetz wird verabschiedet, sodann unter An. nähme einer unwesentlichen Aenderung die kleine Gewerbenovelle betreffend die Lohnbücher und ArbeitSzettel. eine nervöse Gefdidffsordnungsdebatfe. Abg. Dr. Müller-Meiningen (Bp.) macht nachträglich darauf aufmerksam, daß er zum elften Gegenstand, der ostasrikanischen Bahiworlage, noch eine persönliche Bemerkung aus Anlas; der gestrigen Debatte habe machen wollen. Der Präsident Hobe aber sofort die Vorlage zur Abstimmung gestellt. Prästdent Graf Schwerin-Löwitz: Ich babe da» getan, nach, dem mir auf meine Anfrage der Schriftführer mitteilte, daß eine Wortmeldung nicht vorliege. Das habe ich dann konstatiert. Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.): ES scheint also ein Vcr- sehen deS Schriftführers zu fein. Auch Herr Erzberger wollte, soviel ich tocift, noch eine persönliche Bemerkung machen. Abg. Erzberger (8ben zweckmäßigsten bezeichnet unb nur eine anbere Fassung vorgcschlagcn. Wir haben infolgebeffen f ü r bic aktuellen Verträge davon abgesehen, ein Mitbestimmung-recht dcc Reichstages herbeizuführen, wir wollen aber eine Sicherung nach dieser Richtung hin für die Zukunft. Mein Antrag ist in Der Kommiffion einstimmig angenommen worden. Ti. Kommiffion hat also bcschloffcn. dah in Zukunft bei Erwerb odo Veräußerung von Schutzgebieten die Zustimmung des Reichstages und Bundesrats cinzubolen ist. - Die Kompetenz deS Reichstag» soll sich aber nicht auf kleinere unbedeutende Grenzrcgulicrunge» erstrecken. Uchcr den Begriff .kleinere Grenzregu- lierungcn" ist in der Kommission nod> näher diskutiert worden. Die Regierung hat aber zufriedenstellende Auskunft gegeben. Reichskanzler Dr. v. Vethmann Hollweg: M. H., ich ergreife unmittelbar nach dem Berichterstatter daß Wort, um zunächst festzustellen, daß die verbündeten Regierungen bereit sind, bem Anträge a u f Abänber ung beß Schutz - gebictßgcsctzeß zuzu stimmen. Mit Ihnen halten wir cß nicht nur für zweckmäßig, fonbern auch für wünschenswert bah Aenberungcn in bem Bestaub unserer Schutzgebiete nur durch Reichßgesetz erfolgen. Ferner möchte ich mich vorweg zu dem Vorwurfe äußern, der in der oft gehörten Frage liegt, warum bie Regierung nicht mehr für bie Information ber öffentlichen Meinung getan habe: warum ist sic nicht bet Nieder- gefchlagenheit, bem Unwillen, ber weite Kreise erfüllte, früher irrigeß berichtigens bunklcS aufflärenb, entgegengetreten? Der wahre Grunb war nicht bureaukratifche Geheimtuerei, bie in diesem Falle ganz besonderß töricht wäre, ber wahre Grunb ber geringen Aktivität ber Regierung gegenüber biesem Mißbehagen lag anberSwo unb beruhte auf f o r g f ä l • tiger Ucberlegung. Die schwierige Natur unserer Ver- hanblungen, bie Geheimhaltung, bic wir von Frankreich forberten, bie leibenschaftlichc Erregung, die durch bie Haltung Eng- [ a n b ß hervorgerufen worben war. legte unß große Zurück- fjaltung auf. Dadurch ist bem Volke aüetbingß eine schwere unb harte GebulbSprobe auferlegt worben (Sehr richtig!), aber worauf mußte eß unß in ben kritischen Momenten ankommen? Doch barauf, mit Frankreich, unb mit Frankreich allein, zu ber von unß gewünschten Berftänbigung zu gelangen. Diesem obersten Zwecke muhten wir alleß anbere unterorbnen, auch baß ungebulbige unb wohlbegreifliche Verlangen nach mehr Licht über bie biplomatischen Vorgänge. Hätten wir aber, wie baß in bet Kommission verschiedentlich verlangt worden ist, auf öffent- lichc Aeuherungcn, die in England geschehen waren, öffentlid) geantwortet und hätten wir bie Verwahrung, bie wir beim Sonboner Kabinett eingelegt hatten, aller Welt luabgetan, bann hätten wir ben Weg zu unserem Ziele nicht freier unb leichter gemacht; im Gegenteil, wir hätten ihn bet- barrilabiert Inßbesonbcrc muhten wir auf bic Rückwirkung auf bic öffentliche Meinung Frankreichs Rücksicht nehmen (Unruhe recht»), unb ich glaube nicht, daß e» bann ber französischen Regierung noch möglich gewesen wäre, ben Wider- stand gegen ein Einvernehmen mit unß auf der von unß gewünschten Bafiß zu überwinden. Und. vergessen Sie nicht, dah wir mit unserer Aktion ein sehr schwieriges Werk begonnen und eine sehr große Verantwortung auf unß geladen hatten. Frei- lich, und daß haben wir von vornherein voraußgefagt, muhte bei unserer Zurückhaltung bie Stimmung im eigenen Lanbc immer erregter unb ungcbulbigcr werben, bie Stellung beß Volkes gegen bie Regierung immer kritischer. Taß ist ein groheß unb schwer z u tragenbeß Uebel gewesen, aber wir haben cß auf unß genommen unb haben eß getragen in ber Hoffnung, dah eß uns nach bem Ablchluh beß Geschäftes mit Frankreich gelingen werbe, bie patriotische Erregung unb ben kritischen Eifer auf baß rechte Maß zurückzubringen. Vielleicht werben Sie mir einwerfen, bei ber Vorlage beß Abkommens an ben Reichstag fei eß Zeit ge» wefen, all bas zu sagen, waß nachher in der Kommission durch den Staatssekretär aufgeklärt worden ist. Ich will nicht mit Ihnen darüber rechten, ob die von mir hier im Plenum abgegebenen Eröffnungen und Andeutungen nicht genügend waren, oder ob sie überall richtig und unbefangen gewürdigt worden sind. Hätte ich vorausgcsehen, was während des Verlaufs der Kommissionsverhandlungen in England über gewisse Vorbereitungen im September gesagt wurde (Bewegung), und was die Erregung bei uns allerdings sehr steigern mutzte, dann hätte ich freilich mit der jetzt erfolgten Publikation nicht mehr länger zurückgehalten. Es ist nicht unsere Schuld, wenn wir nunmehr zu der Veröffentlichung haben schreiten müssen, die wir aus wohlüberlegten Gründen lange zurückgehalten hatten, und ich konstatiere mit Befriedigung, daß man auch in England dafür Verständnis gefunden hat. Meine Herren, wie nun der Verlauf Ihrer Kommissionsberatung zeigt, hat bei allen diesen Verhandlungen über unsere Abmachungen mit Frankreich unser Verhältnis zu England einen breiten Raum eingenommen. Nunmehr liegen auch die Erklärungen der englischen Herren Minister vor, und ich erkenne gern an, daß sie in versöhnlichem Tone gehalten sind. Ich meinerseits will auf die Vergangenheit nicht wieder zurückgreifen, als cs für die Beurteilung der Zukunft notwendig ist. Der englische Minister des Auswärtigen hat ganz offen von den Besorgnissen gesprochen, die durch die Entsendung des „Panther" nach Agadir und durch die Pläne unserer Marokko. Politik überhaupt eingeflößt worden seien. Der Zug der Fran- zosen nach Fez und das Vorgehen Spaniens hat anscheinend bei England keinerlei Besorgnisse über die Beeinträchtigung ihrer marokkanischen Interessen hervorgerufen. (Zustimmung und Heiterkeit.) Worauf sich die Annahme Englands stützt, daß wir uns am Atlantischen Ozean eine Flottenbasis schaffen wollten, ist mir nicht bekannt. Was wir wirklich mit Agadir wollten, wußte England aus der in der Kommission bekannt gegebenen Instruktion an unseren Botschafter in London vom 30. Juni d. Js. Wir hatten also von unserer Seite keinen Grund zu Zweifeln gegeben, auch hatte das doch zunächst interessierte Frankreich und das mit diesem verbündete Rußland niemals Mißtrauen in unsere Pläne gesetzt. Frankreich aber stand — Sir Edward Grey hat das mitgeteilt — während des ganzen Verlaufes der Verhandlungen in intimem Meinungsaustausch mit England und erbat bei allen Fragen, die englische Jntereffen berühren konnten, Englands Rat. Es ist bei dieser Sachlage schwer verständlich, wie England seine Interessen bedroht sehen konnte. Sie konnten ja, da wir mit Frankreich verhandelten, nicht ohne Frankreichs Wißen gefährdet werden. Wenn aber trotz alledem bei England Zweifel enfftanden, fei es auf Grund von Gerüchten unter den Eingeborenen in Agadir, auf die sich der englische Minister bezogen hat, sei es auf Grund von Preßäußerungen, so wäre ich jederzeit bereit gewesen, auf eine Anfrage der englischen Regierung diese Zweifel zu zerstreuen. (Hört! Hört! rechts.) Der'englische Mi- nffter des Auswärtigen hat von der Periode des Schweigens vom 4. bis 21. Juli gesprochen. Nun, dieses Schweigen war ein beiderseitiges. (Hört! Hört!) Einzig und allein am 12. Juli hatte der hiesige englische Bot- schafter dem Herrn Staatssekretär gegenüber von der Möglichkeit einer Verhandlung über Marokko zu dreien ge- sprachen, zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien, und hat daran die Bemerkung geknüpft, daß das von England peinlich empfunden werden würde. Dem Herrn Botschafter ist noch an demselben Tage als amtliche Aeutzerung der deutschen Regierung erwidert worden, daß eine solche Absicht niemals bestanden habe. (Hört! Hört!) Trotz ihrer negativen Form hatte diese Erwiderung den sehr positiven Inhalt, daß eine etwaige Besorgnis Englands grundlos war, als beabsichtigten wir, eine Teilung Marokkos mit Spanien und Frankreich. Ebensowenig ist unser Botschafter in London in die Verlegenheit gekommen, auf eine Anfrage der englischen Regierung Auskunft zu erteilen. Sir Edward Grey führte in seiner Rede aus, daß er bei seiner Unterhaltung mit dem Grafen Metternich am 4. Juli die Entsendung des „Panther" nach Agadir als neue Situation bezeichnet habe, und daß die englische Regierung wegen einer künftig die englischen Interessen direkt berührenden Entwicklung beunruhigt sei. Wir konnten in dieser Aeußerung eine zu beantwortende Frage nicht erblicken. Was auf sie zu erwidern gewesen wäre, hat Graf Mettermch an demselben Tage von sich ■ aus gesagt. In seinem Bericht vom 4. Juli heißt es: „Ich erwiderte dem Minister, daß nach meiner Auffaffung die kaiserliche Regierung keineswegs den Wunsch habe, England von einer Neugestaltung der Dinge auszuschließen oder von einer etwaigen Wahnehmung der englischen Interessen in Marokko abzuhalten." Selbst wenn diese Erwiderung nicht genügend erschienen wäre, hätte bis zum 21. Juli, bis zum Tage der nächsten Unterredung zwffchen Sir Edward Grey und dem Grafen Metternich und der Rede des englischen Schatzkanzlers durch eine Rückfrage bei uns leicht eine weitere Aufklärung gegeben werden können. Ich bin weit davon entfernt, Beschwerde darüber zu führen, daß dieser Weg nicht gegangen worden ist. Für die Wahl der Wege ist nur das Interesse des eigenen Landes, hier also das englische Interesse, bestimmend. Ich kann aber an Wirkungen, wie sie sich hier darstellen, nicht vorübergehen, und da muß ich allerdings sagen, daß die tatsächlich eingetretene Spannung und die Verschärfung der Situation nach meiner Ueberzeugung hätte vermieden werden können, wenn unseren Erklärungen vom 1. Juli größeres Vertrauen geschenkt worden, und wenn die Periode des Schweigens nicht von englischer Seite durch eine öffentliche Kundgebung eines hervorragenden Mitgliedes des englischen Kabinetts unterbrochen worden wäre. (Vielfaches Sehr wahr!) Meine Herren! Ich will nach dem guten Beispiel der englischen Minister nicht in Rekriminationen verfallen; denn sie nützen für die Zukunft nichts. Darum will ich auch nicht auf die Wirkung der eben erwähnten Kundgebung in der öffentlichen Meinung Deutschlands zurückgreifen. Ich habe über diese Stimmung vor drei Wochen selbst gesprochen, unb sie hat in Reden aus Ihrer Mitte noch leidenschaftlicheren Ausdruck gefunden, in Reden, die — darin kann ich Sir Edward Grey nicht folgen — nicht in Parallele gestellt werden können mit den tatsächlichen Angaben eines englischen Abgeordneten über Kriegsvorbereitungen in England. (Hört! hört! rechts.) Der englische Herr Minister wird der Stimmung, die weite Kreise unseres Volkes beherrscht, nicht dieselbe Berechtigung zuerkennen können, wie eS bei uns ge, schicht, aber er wird sie angesichts der öffentlichen Erklärung der englischen Regierung doch zum mindesten verständlich finden. (Sehr gut!) Daran möchte ich noch eine weitere Bemerkung knüpfen, Seil fte, wie mir scheint, für die Gestaltung der zukünftigen Verhältnisse nicht ohne Bedeutung ist. Sir Edward Grey hat gesagt, der Schatzkanzler Lloyd George habe mit seiner Rede ohne Provokation feststelleu wollen, daß, wo englische Interessen berührt wurden, England nicht behandelt werden dürfe, als ob es nicht mitzähle; käme der Tag, wo das nicht mehr klar ausgesprochen werden könne, dann würde England aufgehört haben, als Großmacht zu existieren. Mein Herren, ich nehme das gleiche Recht für Deutschland in Anspruch. (Lebhafter Beifall.) Wenn ich aber in die Vergangenheit zurückblicke, so finde ich, daß die marokkanischen Wirren um deswillen entstanden sind, weil dieses Recht Deutschland nicht immer eingeräumt werden sollte. (Lebhaftes Sehr richtig!) Das Jahr 1904, in dem England und Frankreich über Marokko disponierten, ohne Rücksicht auf das Interesse, das Deutschland (Sehr richtig! rechts.) an der Lösung des Marokkoproblems hatte, war das proton pseudos. Wir gingen erst nach Algeciras, dann nach Agadir, das heißt, die Notwendigkeit, unsere wirtschaftlichen Jntereffen selbst zu wahren und der Welt zu zeigen, daß wir fest entschlossen seien, uns nichtbeiseite sch-eben zu lassen (Hört, hörtI und Beifall); wenn als schließliche Folge hiervon angebliche oder wirkliche Kriegsbereitschaft in England entstanden war — was von beiden zutrifft, kann ich nicht entscheiden — und weiter ein hochgespannter Erregungszustand, den der englische Minister politischen Alkoholismus genannt hat, so können wir das nur mit Bedauern registrieren. Aber wir lehnen die Verantwortung dafür ab. (Lebhaftes Sehr richtig!) Ebenso wie wir es ablehnen mußten, uns von einer Bahn abdrängen zu lassen, die uns die Wahrung der deutschen Interessen und der deutschen Würde vorgeschlagen hatte. (Lebhafter Beifall.) Jener Erregungszustand hat zum Spielen mit dem Kriegsgedanken geführt. Wer nüchtern blickt, der muß aber doch von deutscher Seite aus folgendes erkennen: worüber verhandelten wir bei dieser Frage? ließet die Einräumung größerer politischer Rechte an Frankreich — das stand mit den englisch-französischen Abmachungen von 1904 nicht im Widerspruch; über die erhöhte Sicherung unserer wirtschaftlichen Jntereffen in Marokko, nicht nur unserer Interessen, nein, aller Mächte, auch der englischen, nach dem Prinzip der offenen Tür, die das Grundprinzip englischer Staats- und Rechtsauffassung gewesen ist; über koloniale Kompensationen in Afrika, und Minister Grey hat ausdrücklich erklärt, England denke nicht daran, uns in den Weg zu treten, wenn wir friedliche Vereinbarungen mit anderen Mächten betreffend Afrika treffen wollen. Unsere Verhandlungen mit Frankreich sind auch in den schwierigsten Momenten von beiden Seiten mit dem unveränderlich dokumentierten Willen geführt worhen, zu einer friedlichen Verständigung zu getan g en. Auch das war in England nicht unbekannt, denn Sir Eward Grey hat erklärt, ihm sei der Abbruch der Verhandlungen niemals wahrscheinlich gewesen. Und endlich: wir haben, wie ich das am 9. November ausführlich nachgewiesen habe, das Ziel erreicht, das wir uns von Anfang an ge st eckt hatten. Dieses Ziel berührte keine englischen Interessen direkt und enthält also in sich eine Widerlegung der englisch e n Be s o r g n is s e. (Sehr richtig!) Der beste Beweis dafür liegt darin, daß uns England amtlich seine Befriedigung über den Abschluß seiner Verhandlungen ausgesprochen hat. (Hört! Hört!) Und trotzdem und trotz alledem hat sich ein Zustand entwickelt, der englischen Augen einen Krieg gegen uns, d. h. einen Weltkrieg naherückte. Wenn sich alle Lager so heiß laufen, so muß die Maschine einen argen Defekt haben. Die englischen Minister haben übereinstimmend den Wunsch nach besseren Beziehungen mit uns ausgesprochen, und ich schließe mich diesem Wunsche, der auch von den übrigen Rednern im englischen Parlamente geteilt worden ist, durchaus an. Aber ich finde, daß dieser Wunsch in den letzten Jahren auf beiden Seiten schon vielfach und auch von dieser Stelle aus geäußert worden ist. (Sehr richtig!) Und doch mußten wir erleben, was wir erlebt haben! Man hat in England meine Bemerkung aufgegriffen, daß durch die Erledigung der Marokkofrage in dieser Beziehung auch in unseren Beziehungen in England reiner Tisch gemacht worden sei. Der Engländer spricht von Slate, von reiner abgewischter Schiefertafel. Auf dieser Tafel ist in der jüngsten Vergangenheit mit hartem Griffel geschrieben worden und der Schiefer hat Schrammen davon getragen. Soll die Tafel mit klarer Schrift bedeckt werden, dann darf es nicht Mißtrauen sein, das den Griffel führt. (Sehr richtig!) Mit Recht sieht der englische Minister des Auswärtigen hinter der wachsenden Stärke Deutschlands keine aggressiven Pläne, und ich begrüße es, daß in Uebereinstimmung mit ihm der englische Premierminister jeden Gedanken an Neid oder Mißgunst gegen unsere aufstrebende Nation von sich weist. Auch wir, meine Herren, wünschen (mit starker Betonung) aufrichtig Frieden und Freundschaft mit England. Aber mit diesem Wunsche wird die tatsächliche Entwicklung guter Beziehungen zwischen unseren Ländern nur insoweit Schrrtt halten, als die englische Negierung bereit ist, das Bedürfnis nach solchen Beziehungen auch in ihrer Politik in positiver Weise zum Ausdruck zu bringen. (Lebh. Bravo!) Meine Herren, mit der Vorwärtsentwicklung Deutschlands müssen auch die anderen Nationen rechnen. (Sehr loahr!) Sie läßt sich nicht niederdrücken. In welchem Geiste sich diese Entwicklung vollzieht, dafür geben die letzten 40 Jahre deutscher Geschichte den Beweis. Wir werden in demselben Geiste fortarbeiten können, wenn wir uns stark halten; denn auch darin stimme ich Sir Edward Grey zu: Die Stärke Deutschlands ist für sich selber eine Garantie, daß kein anderer Staat mit uns Streit suchen wird. (Lebhafte Zustimmung.) Meine Herren, lassen Sie mich zum Schluß an ein Wort erinnern, daß ich neulich ausgesprochen habe. Ich sagte: Der Grundton der leidenschaftlichen Stimmung, die in weiten Kreisen herrscht, ist der Wille Deutschlands, sich mit seinen Kräften und mit allem, was es vermag, in der Welt durchzusehen. Und ich fuhr fort: Das war die gute, die große Erscheinung, die wir erlebt haben und die mich gestützt hat. Auch wenn sie sich in Worten gegen mich wandte. Jetzt gilt es, diese Stimmung frei zu machen und ihren Grundakkord festzuhalten. W i r sind durch eine schwere und ernste, durch eine bedrohliche Zeit h i n d u r ch g e g a ng e n; das hat das Volk richtig gefühlt. Möge es jetzt auch klar erkennen, was es sich selbst schuldig ist; daS ist weder niedergeschlagener, noch herausfordernder Hochmut (Sehr richtig! links.), sondern: freier Blick, kaltes Blut, ruhige Kraft, feste Einigkeit in großen nationalen Fragen! (Lebhafter Beifall.) Abg. Graf Westarp (Kons.): An unserer staatsrechtlichen Auffassung über die Stellung des Reichstags zu dem Marokkoabkommen hat sich durch die Kom- missionsverhandlungen nichts geändert. Nach unserer Meinung konnte die Regierung die Verträge dem Reichstag auch nicht freiwillig vorlegen. Denn die Bestimmungen über die Abgrenzung per Kompetenzen der gesetzgebenden Faktoren sind öffentlich recht- kicher Natur, sie gehören zu den Grundlagen unseres Vccfassungs. lebens und von diesen Rechten darf der einzelne nichts preis- geben, besonders in solchen Fragen, bei denen eine solche Preis- gäbe von prinzipieller Bedeutung sein würde. Dem von der Kommission vorgelegten Gesetzentwurf über die Erwerbung und Veräußerung von Kolonialland seht ein Teil meiner Freunde Bedenken entgegen. Zum Teil sind diese Bedenken sachlicher Natur. Sie meinen, daß cs nicht zweckmäßig ist, auch die Erwerbung von Kolonialland an die Zustimmung der Reichsgesehgebuna zu knüpfen und sic gehen dabei von der Voraussetzung aus, daß unser Kolonialbesitz erheblich geringer sein würde, als er heute ist, wenn diese Bestimmung in den letzten Jahrzehnten schon Gesetzeskraft gehabt hätte. Ein anderer Teil meiner Freunde hat Bedenken gegen die formelle Behandlung dieser Frage. Er hätte gewünscht, daß eine so wichtige Ver- fassungsänderung nicht gewissermaßen aus einer parlamentarischen Situation heraus, als Gelegenheitsgesetzgebung gemacht würde. (Sehr richtig! rechts.) Trotzdem wird die Mehrheit meiner Freunde dem Gesetzentwurf zustimmen. Wir alle sind der Ansicht, daß es an sich zweckmäßig ist, die Veräußerung von Kolon Mailand an die Zustimmung der Reichsgesetzgebung zu knüpfen. Die zahlreichen Opfer an Mühe und Arbeit, an Gut und Blut, die in unseren Kolonien gebracht worden sind, haben eine Entwickelung herbeigeführt, dre es angebracht sein lassen, in dieser Beziehung die Mitwirkung des Reichstags nicht zu entbehren; und wir glauben,daß, wenn 1870 bereits eine derartige koloniale Entwicklung vorhanden gewesen wäre, dann schon damals eine solche Bestimmung in die Verfassung ausgenommen wäre. Wir meinen, daß es sich hier nicht um eine prinzipielle Abänderung der Fundamente unserer Verfassung, sondern um einen sinngemäßen Ausbau derselben handelt. Wenn in der bisher besprochenen Frage die Meinungen meiner Partei verschieden waren, so Bin ich nun in der Loge, die Einstimmigkeit der Ansichten vorzutragen, die meine politischen Freunde ohne jene Ausnahme teilen. Bezüglich der Beurteilung der Verträge Dom 4. November d. Js. haben wir das Urteil, daß Herr v. Heydebrand damals aussprach, wohl im einzelnen ergänzen können; solche Ergänzungen hat unser Redner schon damals als erwünscht bezeichnet, in dem er darauf hinwies, daß das vorliegende Material für eine lückenlose Information noch nicht vollkommen ausreichend erscheine. Zu einer Aenderung der damals ausgesprochenen Meinung haben wir keine Veranlassung. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Im Gegenteil, wir haben in den erneuten Verhandlungen nur eine erneute Bestätigung für unseren Standpunkt gefunden. (Beifall rechts.) Nun das Verhalten Englands während des letzten Sommers! Klarer noch, als wir am 9. November übersehen konnten, hat sich durch die weiteren Verhandlungen herausgestellt, daß England während des ganzen etwa 8jährigen Verlaufes der Teilungsaktion den Ausschluß Deutschlands von diesem Geschäft als Ziel seiner Politik verfolgt hat. Nachdem noch 1899 der Minister Chamberlain eine Festsetzung Deutschlands in Marokko als diskutabel erklärte, sind in den Jahren 1904 und 1905 die Verträge zwischen Frankreich, Spanien und England abgeschlossen worden, in denen biefe Mächte über bie Teilung des nördlichen Afrikas unter Ausschluß Deutschlanbs untereinander sich verständigt haben. In werteren Kundgebungen dieses Sommers öffentlicher und vertraulicher Art ist dasselbe Ziel der englischen Politik aus Ausschluß Deutschlands von der Festsetzung in Marokko und auf Ausschluß Deutschlands von der Erwerbung eines Kriegshafens deutlich zum Ausdruck gekommen. Sir Edward Grey hat ebenso, tote der Premierminister Asquith hervorgehoben, daß England bei seinem wiederholten Vorgehen zwei Zwecke verfolgt hätte: die britischen Interessen zu wahren und die übernommenen Vertragsverpflichtungen gegen andere Mächte zu erfüllen. Geht man aber den Darlegungen Greys im einzelnen nach, so zeigt sich in jeder einzelnen Phase, daß das britische Interesse mehr ein negatives als ein positives war. Solange es sich darum handelte, daß Frankreich unb Spanien auch unter Ausschluß von England Rechte in Marokko erwerben wollte, kam das britische Interesse nicht in Frage. Sobald aber die englischen Minister glauben annehmen zu müssen, daß Deutschland, sei es im Wege der Verhandlungen mit Frankreich, sei es nach Abbruch der Verhandlungen, versuchen wollte, Land oder einen Kriegshafen in Marokko zu erwerben, ist das britische Interesse berührt. (Zustimmung rechts.) Auch nach unserer Ansicht vergleicht der Minister Grey sehr mit Unrecht die Rede des englischen Kapitäns Faber mit den Reden der deutschen Parlamentarier. Er erblickt den Vergleichspunkt darin, daß beide Reden Aufregung verursacht hätten. Aber er fühlt nicht, daß der englische Redner Tatsachen enthüllt hat, und zu den tatsächlichen Behauptungen, bie er aufgestellt hat, gehört, daß die englische Regierung Ende August und im September alle Maßnahmen getroffen hatte, um sofort angriffsbereit zu sein. Dieser Behauptung hat der Minister Grey in keiner Weise widersprochen. (Hört, hört! rechts^) Sie ist auch sonst nicht dementiert worden. Sie entspricht allen Beobachtungen, die in der Öffentlichkeit zu jeder Zeit gemacht worden sind. (Hört, hört! rechts.) In indirekter Weise wird diese Behauptung auch durch Darlegungen des Ministers Grey sogar bestätigt, denn er wies darauf hin, wie zu jener Zeit die Spannung außerordentlich scharf gewesen sei. Der Mahnung englischer Blätter, diese Maßnahmen der englischen Regierung wieder der Vergessenheit zu übergeben, vermögen wir Deutsche jedenfalls nicht zu folgen. Das ist nicht politischer Alkoholismus, sondern das ist eine sehr nüchterne unb pflichtgemäße Erwägung (Sehr gut! rechts), bie dazu zwingt, diese Tatsachen ruhig und offen hn Auge und hn Gedächtnis zu behalten. Lebhafte Zustimmung rechts.) Was ergibt sich nun für die Zukunft? Friedensbeteuerungen und freundschaftliche Erklärungen mancher Art haben wir in letzter Zeit jenseits des Kanals gehört. Wir zweifeln nicht an den ehrlichen Absichten und an dem guten Willen. Wir verzeichnen auch mit Befriedigung die Erklärungen Sir Edward Greys, daß England mit Deutschland auf dem Fuße absoluter Gleichberechtigung zu verkehren beabsichtigt unb daß eS nicht bie Absicht habe, Deutschland in den Weg zu treten, wenn eS mit anderen Ländern Vereinbarungen über Marotto treffe. DaS letzte ist eigentlich selbstverständlich, denn selbst bei genauester Prüfung vermag man keinen Rechtstitel zu entdecken, der England eine Art Generalvormunoschaft über nnS oder über andere Staaten gibt. (Vielfaches sehr richtig!) Alle diese Worte von englischer Seite können aber für unser fernere! staatsrechtliches Verhältnis zu England kaum von auSschlag- gebender Bedeutung sein. Wenn Sir Edward Grey ausgeführt hat, Deutschland müsse sich wegen deS Maßes seiner Rüstungen eine besondere Vorsicht auferlegen, um nicht in den Verdacht aggressiver Tendenzen zu kommen, so mutet das nach den Er- scheinungen des letzten Sommers eigenartig an. (Sehr richtig! rechts.) Wir meinen, die Geschichte der letzten 40 Jahre müßten jeden üerbzeugen, der sich überzeugen lassen will. Die Meinung, daß England unserer Entwickelung Schwierigkeiten zu machen beabsichtigt hat, ist nun einmal im deutschen Volke tief eingewurzelt. Worte allein, so gut gemeint sic fein mögen, genügen da nicht mehr. Auch das bessere gegenseitige Verständnis des Volkscharakters wird zu ihrer Beseitigung kaum beitragen können. Erst wenn der Fall eintreten sollte, daß England unserer Betätigung in der Welt nicht mehr hindernd in den Weg tritt, wenn diese Fälle sich wiederholen, und wenn sie zum Grundsatz englischer Politik werden, erst bann werden wir erwägen, ob wir unsere Auffassung über das Verhältnis zu England redigieren und ob wir hreraus praktische Folgerungen ziehen können. (Beifall rechts.) Abg. Bebel (Soz.): Als der Vorredner seine Rede ablas, fragte ich mich, * er etwa zu jenen Persönlichkeiten im Hause gehört, die bet deutschen Sprache nicht mächtig sind. (Heiterkeit links, große Unruhe rechts. Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Das Wiesen von Reden zu rügen, ist Sache des Präsidenten. Bei Verhand- in der Budgetkommission nicht so erschöpfend waren, wie wir :zcn Truppen rtraru- chr genötigt sein, die Abg. Basiermann (Natl.)' zu rren im Vorstande, zum mindesten der (ihm auswärtiger Angelegenheiten ist es tmmer »blich gewesen, aJ,< längere Ausführungen schriftlich zu fixieren. Deshalb habe Ht eme Veranlassung gehabt, den Redner zu unterbrechen.) Ick hab- nicht die Abfickt gehabt, da» Verhalten de» Präsidenten ober de» Vorredner? zu rügen, aber jedenfalls ist el mir in meinem langen parlamentarischen Leben noch nickt vorgekommen, daß fine so lange Rede abgelesen wird. Tie Rede des Grafen Westarp wo: also von seiner Fraktion sehr genau abgewogen. Ern teil davon mutzte sa alleroingS den Anschein erwerken, al« ob er zu- nächst ein Privatissimum beim Reichskanzler ge- »ort hätte. (Heiterkeit links, Lachen rechts.) Abg. Bebel geht dann auf die einzelnen Punkte der Rede de» Reichskanzler» ein und erklärt, noch eher al» in Frankreich und England sei in T utsckland Erregung entstanden, und zwar durch die Emsen- düng de» „Panther' nach Agadir, vor noch nicht allzu langer geil bat ein notionollibfraler Abgeordneter hier im Hause an den Staatssekretär de« AuSwüi' gen Amte» eine Anfrage ge» richtet, weil ein französische« Kriegsschiff in den nach der Alge- riraS-Akte ges.chlostenen Hafen von Agadir eingelaufen war. Ter Staatssekretär antwortete damals, datz die fran-ösische Reg'e. rung in zuvorkommendster Weise Aufklärung gegeben habe; da« Schiff hatte nur einen Schmuggler verfolgt, und noch Erledigung seiner Aufgabe den Hafen wieder verlosten, von der zur Reckt, fertigung de» PantbersprungS behaupteten Gefährdung der Teut» schen in der Gegend von Agadir hatte man vorher und nachher können, und weil in seinem '----- Ä dürfen. (Beifall.) Präsident Graf v. Cchwerin-Löwitz» Run hat da« Wort der Herr Reichskanzler. Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollwegr Ich habe dem hohen Hause eine allerhöchste Botschaft Herr Bebel erwähnte, Fürst BiSmarck selbst habe Frankreich auf Afrika verwiesen. Damals waren aber die verböltniste ander» al« heute. Frankreich ist jept zu einem Kolonialreich in Afrika gemacht, an dem wir nicht acktloS vorübergehen können, weil der wirtschaftliche und auch politische Einfluß Frankreich» dadurch gewachsen ist. ebenso sein Einfluß in der iSlamitn'ckcn Seit — sehr zu unserem schaden. La» ist ja einer der Gründe. we»halb meine Freunde fick dieser Marokkopolitik gegenüber ablehnend Verhalten hoben; mit ibr war eben eine Ber- scklechr„rung unserer Orientpolitik verbunden. Nachdem wir durch die Reden de» Kaiser» und anderweit un« auf den Standpunkt gestellt batten, die Unabhängigkeit de» Sultan» und de» marokkanischen Reiche» mäste aufrecht erholten werden. hakten, ist keine Schwächung, ist eine Stärkung. Da» deutsche Volk ist der Meinung, datz e» notwendig gewesen wäre, da« Ab» kommen un» zur Genehmigung vorzulegen. Dir haben darauf für diesmal nickt bestanden. E» ist eine Stärkung der Regierung, wenn sie die Volksvertretung und da» Volk hinter nck hat. Unsere Regierung scheint da» vielleicht au» alter Gewohnheit zu vergessen; vielleicht wird e» ibr aber jetzt klar sein, datz e» unter allen Umständen nötig ist, die öffentliche Meinung auf ckrer Seite zu haben, vielleickt wird d,e Regierung fich heute darüber klar sein, datz e» ein protzer Fehler war. Die Marokkopolitik hat meinen Freunden nicht gefallen, von vornherein nickt: aber wir können setzt nickt mehr zurück. Ter Vertrag von 1909 bat unser Uninteressiertsein an Marokko auSdrütklick ausgesprochen. Wir stimmen dem Abkommen zu. Die Hauptsache ist. datz e» dazu führt, den Streit zu beseitigen; dahinter mutz der Inhalt de» vergleich» m zweiter Linie stehen. Cb die Entsendung de» Pantber nach Agadir notwendig war. will ich nicht näher erörtern; ich kann e» nicht einsehen Eine Drohung wäre nickt nötig gewesen, richtig angewandt, bitte Deutschland» Mackt und Autorität auck ohne solche Geste genügt, um >a» zu erreichen, wa» zu erreichen war. (Beifall bei den Frei» innigen.) darum an der Lösung der Marokkofrage zweifellos stark intec- estiert. Wa« hätte man in Deutschland gesagt, wenn man un« zur Lösung der Marokkofrage nickt herangezogen hätte? (Sehr wahr! b. d Soz.). Minister Grey hat sckon ansang« Juli dem deutschen Botschafter erklärt, datz die englische Regierung die Entsendung de» „Panther' al» sehr wichtig betrachte, und der deutsche Botschafter hat al« Ziel die Lösung der Marokkofrage crfiärt. Fürst BiSmarck hat Frankreich rubig Marokko gegönnt, da e» dann weniger stark in Europa dastehe Aehnliche Aeutzerungen finden wir in den „Memoiren' befl Fürsten Hohenlohe. Wenn wir Landerwerb in Marokko in AuSsickt genommen hätten, wäre der Vertrag von 1009 widersinnig, dem der Abg. Basiermann und die übrigen Redner zugestimmt haben; denn in dem Vertrag haben wir erklärt, datz wir keine politischen, sondern nur wirtschaftliche Jntereffcn in Marokko haben, datz wir aber Frankreichs politische Interessen dort anerkennen. Ta« Protektorat Frankreichs über Marokko lag gewistermatzen schon m dem Abkommen von 1909. Die Anwesenheit des „Panth-r' in Agadir sollte eine st a n - dige Drohung sein. Tie sollt« besagen: Frankreich, nimm dich in acht! Die R-de Lloyd Georges war ein ungeheurer po- litischer Fehler; aber auch die Haltung de» Kanzlers und de« Staatssekretär« war nicht» weniger al« englandfreundlich, t-rebler sind hüben und drüben gemacht worden. Graf Westarp sagte: England habe seit Fahren schon Schwierigkeiten beabsichtigt! Wo denn? Wie denn? Wir halten an einer friedlichen Verständigung mA England durchaus fest. Ueberall aber wird gerüstet, überall bringt di« imperialistische Politik vorwärt», in Marokko, in Persien. Weihnachten steht vor der Tür. „Ehre sei Gott in der Höhe!" (p-ißt e» setzt überall. Diese» Wettrüsten lätzt aber auf wenig christliche Liebe schlietzenl Tie Diplomatie sckafft ständig neuen Krxgvstoff. Wir wollen aber keinen Krieg. (Beifall b. d. Sozialdemokraten.) Abg Schrader (Dp.): Fch bin mit diesen Scklutzworten deS Vorredners einher- standen, aber seine zielbew-r-!- Politik scheint mir eine Macht- oolitik zu sein. Worauf e« ankommt, da» ist der Grund,atz einer Politik de» Recht«. An diesem Grundsatz feftzu. 1 Tag vor Katastrophen st e hen nfolgedessen jede» Volk auS ...em eigenen Selbsterhaltungstriebe Herrn» sich da» Heer und die Flotte schaffen mutz, die seinen nationalen Interessen en11 pricht. (Lebhafte Zustimmung.) Tas sind unabänderliche Tatsacken. Die sind denn die großen Friedensbewegungen ausgelaufen? Do ist denn die Fdcc geblieben, datz nunmehr jede internationale Streitfrage vor dem Haager Schiedsgericht zum Austrag gebracht wird? Davon ist heute nicht mehr die Rede? Ich danke für die freundlichen anerkennenden Worte und den zustimmenden Beifall de» Hauses. Wenn c» mir bi» zu einem gewissen Grade gelungen ist, die Geschäfte de» Hause« zu fördern und die Würde de» Hauses zu wahren, so verdank« ich da» ganz und gar der gleichmäßigen übereinstimmenden Unterstützung, die ich bei allen Seiten de» Hauses gefunden habe. Ich dank« von " ' danke auch ganz nie etwa» gehört. .... - England hat in Marokko viel grötzere Handel-interessen al« Abg Fürst Hatzseldt (R-.): Die Erklärungen des Staai»sekrelär« in der Kommission haben eine ctireulidx Klärung gebracht. Bon einer Scheinpolitik lann nicht mehr die Rede sein. Trotzdem will mir scheinen, datz e» bester gewesen wäre, wenn wir die Verhandlung» nicht 0 lange mit einem geheimnisvollen Schleier bedeck: hätten der schließlich von anderer Seile gelüftet wurde. Wir wollten Marokko nickt erobern, aber da» deutsche Volk hatte ein Recht darauf, zu wisicn. wohin die Reise gehtl Hierauf sprach Abg. Lattmann. Abg. Frbr. v. Hertling (Zentr.)k Unsere Stellungnobme zu dem Abkommen selbst hat sich nicht verändert. Ich mutz auch mein B> dauern hier wiederholen, datz die Regierung seinerzeit nicht nut bir nötigen Energie ben fallen Nachrichten ber Crffentl idjteit entgegen gewesen »st. An- dcrcrseit» hat un? heute ber Reichskanzler die Gründ« angegeben, welche die Reick-le.tuna ,u ihrer Haltung bewogen hat. Wir wisten jetzt, wie ernst die Situation war, und wir tellen auch fest, datz der Reichstag bemüht war. die Situation 'urckatis nickt weiter zu verschärfen Um so mehr müssen wir eö beklagen, datz auf ber anberen Seite b e gleiche Reserve nicht beachtet worden ist. D ' e R e d e G r e h » ist. mutz ich sagen, für uns c 1 n e E n 11 ä u s ck u n g gewesen. (Sehr richtig!) Kaltblütig, im Bewutztsein seiner Kraft, gestutzt auf sein gute» Heer und sein gute» Recht, wirb das deutsche Volk der Zukunft entgegensetzen. Beifall.) , Ein Schlutzantrag wird gegen die Sozialdemokraten angenommen. Die Anträge der Kommission werden ein« limmifl angenommen, nur gegen die Bestimmung, datz auch die Erwerbung von Kolonialiand der Zustimmung de» Reichstages unterliegen soll, stimmen fünf Konservative. Damit sind die Marokkoabkommen erledigt, und die Tagesordnung ist aufgearbcitet. Präsident Graf Schtverin (nimmt da» Wort): Wir sind am Ende unserer Tage». n r b n u n g an^elangt, und, wie ich annehmen darf, nicht nur am Ende unserer gegenwärtigen Tagung, sondern gleichzeitig unserer ganzen Legislaturperiode. Ich will nicht, wie da» wohl bei gL 'Her Gelegenheit hier geschehen ist. eine detaillierte Uebersicht über die Leistungen geben, die der Reichstag in ver- schiebenster Hinsicht in ber äußeren unb inneren Politik, in wirt» schastlicker und namentlich in sozialer Hinsicht vollbracht hat. Si« alle wissen, wie grotz diese Arbeit gewesen ist. Ich wünsche, datz diese große gesetzgeberische Arbeit trotz aller Mängel, die bei jedem Mcnsckenwerk vorhanden sind, im großen und ganzen als ein guter Fortschritt in unserer vaterländischen Entwicklung sich erweisen und unserem geliebten deutschen Volke zum Segen gereichen wird. (Lebhafter Beifall.) Abg. Basiermann (Natl.): Wie wir soeben gehört haben, ist das End« unserer Tätigkeit herl>eigetommen. Wir sieben am Schlüsse einer arbeit-reichen Session und Legislaturperiode, die an un- all«, aber besonder» an unseren verehrten Präsidenten, hohe Anforderungen gestellt bat. Ehe wir auSeinandergehen, gestatte ich mir daher, dem Präsidenten den Dank deS Hause» für seine gerechte und jederzeit wohlwollende Führung der Geschäfte auSzusprechen. (Lekchafter Beifall.) Präsident Graf Schwerin: mitzuteilen. (Ta» Hau» erhebt sich, die wenigen noch anwesenden Sozialdemokraten verlasien den Saal): „Dir Wilhelm, von Gotte- Gnaden Deutscher Kaiser und König von Preußen tun kund unb geben hiermit zu wiffen, daß wir unseren Reichskanzler von Bethmann Hollweg ermächtigt haben, gemäß Artikel 12 der Verfassung für da- Deutsche Reich di« gegenwärtige Sitzung de- deutschen Reich-tage» in Unseren unb der verbündeten Regierungen Namen am 6. Dezember 1911 zu schließen. Urkundlich besten Unsere eigenhändige Unterschrift unb beigedrucktes kaiserliche- Jusiegel. Gegeben zu Pletz am 6. Dezember 1911. (gez.) Wilhelm. (gez.) v. Bethmann Hollweg. Ich habe die Ehre, die Urschrift dieser Allerhöchsten Botschaft dem Prästbemen zu überreichen. Auf Grund der mir von Sr. Maiesta: dem Kaiser erteilten Ermächtigung erkläre ich im Namen bet verbünbeten Reg leruuge» ben Reichstag hiermit für geschlossen. Präs. Graf v. Schwerin-Löwitz: Dir aber, meine Herren, stimmen, tote immer, am Schluffe ber Tätigkeu eines ReichStaae» ein in ben Ruf: Se. XRajtftät ber Kaiser lebe hoch!! Der Reichstag stimmte dreimal ein Präsident: Ich schließe die Sitzung Schluß: W Uhr. i de- Sauses gefunden ganzem Herzen (Lebhafter Beifall.) besonders für die treue Mitarbeit der . der Schriftführer und Quästoren, und nii, _ überaus anstrengenden hingehenden Arbeit unserer treuer Beamten. (Erneuter Beifall.) Ich stelle Mr« Zustimmung fest unb bitte Sie, ben Tank auf meine Mitarbeiter au-behnen finb wir mit Notwenbigkeit auf die Konferenz von Algecira» gekommen. Wir waren von ber Hoffnung burchdrungcn, daß nunmehr ein wirtschaftliche- Zusammenarbeiten von Deuifchlanb unb Frankreich stattfinden wird, aber wir haben sehen inüsten. wie die deutschen Unternehmungen nicht vorwärt» kamen, und wie Frankreich zu einer weiteren Beseitigung seine» Einfluste» im Lande überging. E» ist nicht richtig, busi die Entsendung de» Panther nach Agadir eine Verletzung der Verträge war. denn die Verträge waren schon Durchbrochen. Die Entsendung tefi Schisse» war also an sich berechtigt, ob sie politisch klug war. ob nicht andere viel kleinere Mittel bester gewesen wären da» liegt auf ganz anderem Gebiete, da» ist lediglich eine Opportunität», trage. (Sehr richtig!) Meine Freunde und ich verdickten in wmnHemirrrncn aw diesem Stadium darauf, nach den gründlichen Untersuchungen in darum an btt Lisun, ter«WiMIc. fr" inter. Jg-ß*.»« ** m a .__irr. -. Xi (a v*\AT»T< Yni» mir Bei allen Reden dc» Abgeordneten Bebel über auswärtige Politik, auch bei der heutigen, habe ich immer den Einbruck. daß er die Methode befolgt, sich zu sehr in die Seele unserer Gegner zu versenken (Sehr richtig! 0. d. Natl.), um dann eine Anklagerede gegen großkapitalistische Weltpolitik und imperialistische Soft Hf, der nach seiner Ausfastung Deutschland verfallen ist, zu Balten. Er sucht sich in dem Bestreben, Bier eine Anklagerede zu konstruieren, seine Argumente in dem gegnerischen Lager. (Sehr richtig! b. d. Natl.) Da» ist eine falsche Methode, und e» wird im Interesse unserer ganzen Entwicklung sehr zu begrüßen sein, wenn die Sozialdemokratie diese Meihobe ausgeben wurde. Die auswärtigen Fragen und die nationalen Interessen haben doch heute in einem Maße die Volksseele Deutschlands und auch in anderen Ländern erregt, wie es manchem kaum glaublich erscheint in einem Zeitalter, wo so starke wirtschaftliche und soziale Fragen sich in den Vordergrund schieben. Wir muffen in allen diesen Dingen ausschließlich von dem deutschen Stand- punkte au» sprechen (Lebhafte Zustimmung.), von dem Grundsätze: Recht oder Unrecht, -» ist mein Vaterland! der ewig wahr bleiben wird. (Beifall.) So kommt eben der Abg^ ordnete Bebel nach seiner Methode zu völlig falschen und auch nicht logischen Schlüffen über bat Verhältnis von England ,u uns, von bem wir ja auch bebauern, baß cs sich so verschlechtert hat. Der Abgeordnete Bebel hält unS hier vor, baß Englanb ja überall in seinen Kolonien uns die offene Tür gewährt im Gegen- sah zu anderen Nationen, vor allen Dingen von Frankreich. In demselben Atemzuge deduziert unS aber Herr Bebel, daß vielleicht dock auch die Zeit kommen könnte in einem Zeitalter der Rüstungen, wo England von dem Freihandel zum Schutzzoll übergehen könnte. (Sehr richtig!) Dann stehen wir eben nicht mehr vor der Tatsache der offenen Tür, sondern dann müssen wir damit rechnen, daß un» der Zugang zu den englischen Kolonien versperrt ist. Herr Bebel we,tz ja, wie in den englischen Kolonien heute schon eine starke Stro- mung für den Schutzzoll vorhanden ist. Äon «8 Edu- ardö ganze Politik ging ja auch dahm. Deutschland zu isolieren ober einzukreisen. Da» sind lwch große Entwick- langen einer zielbewußten englischen Politik, die auf emer tahr- hunderHangen Tradition beruhen, einer Tradition, die üto tm letzten Ende immer gegen den mächt 1 asten K 0 n 11 n e n t a l- float richtet. (Lebhafte Zustimmung) Da» ist Deutschland etzt. Unb wenn man bie Rede deS Minister» Grey lieft, dann tommt man doch auf den Gedanken, daß man d,esc Politik fort- etzt. Fede Zeitung, jeder Tag bringt neue Ereignisse. Wir sehen, wie die W e l t e n a u f t e i l u n g si ch i m m e r w e i t e r v oll- r.iebt, wie heute die persische Frage tm weitesten Umfange auf. gerollt ist. Ta» find alle» Entwicklungen, die un» da» eine klar macken müssen: da» wir die Augen auf und unser Schwert sckarf halten müssen (Lebhafte Zustimmung), werl eben die Äonfhrtc bei dieser Weltentwicklung jeden Taa kommen konnew Da» kann Herr Bebel nickt ändern, do« können wir nicht andern. Daran ist doch auch ber Grotzkapitali-mu» gar E s-bulb. (sehr richtig! bei ben Nl., Wiberspruck bei den Soz.) Da« bat ganz andere Gründe. Da- liegt doch daran, datz die Kulturvotkerja kolossal zunebmen an Menschen, daß sie mfolgedessen mrhr b'naus müssen mit d-rn Ervort. den Jndustrieprodukten und den v,eien Menschen, die fick eben im AuSlande betätigen wollen. (Zuruf bei den Soz.: Ostpreußen!) In den Ostprovinzen können wir bie Industrie auch nicht aus dem Boden stampfen. Diesen Snt- wicklungSweo der Kulturnationen können Sie (zu den soz.i nickt hindern und nickt unterbinden, der heute lebe ^ilturnahen auf den großen Weltmarkt hinauSführl. um neue Gebiete und Einflüsse zu gewinnen. Der Abgeordnete vebel bat vielleicht nur in dem einen Punkte recht, daß eine solche Periode interessen- wirtfckoftlickcr Entwicklung, deS Aufeinanderplatzens der ,in- teressenoegensähe ber Völker, verbunben sein muß auch m,t großen Rültungen, weil eben bie ReibungSfläcken sehr stark vermehrt sind, weil wir jeden Ta " * - * - " »•*•« wohl erwartet hätten. E« ;ft un« in der Kommission von der Unterredung mit dem Botschafter in Lonoon vom 4. Juli keine Mitteilung ^gemacht worden. Zu einer erschöpfenden Kritik wäre un» da» bester auch mitgeteilt worden. Wir begrüßen eS al» ein erfreuliche» fuHat dieser Debatten, daß künftig Kolonialland nur im Wege , de» Reichsgesetze» erworben und veräußert werden kann. Da» Volk hat ein Jntereste Daran, daß seine berufene Veriretuna be, solchen Dingen mitzusprechen hat. In dieser Neugestaltung , liegt auch keine Schwächung der Regierung, im Gegenteil, dieser engere Zusammenhang zwischen Regierung und Parlament kann ihr sehr förderlich sein, denn w,r haben ja auch au» den Erklärungen der Regierung efl durckklmgen hören, wie gerade die Tatsache der notwendigen Zustimmung de» französischen Parlament« in den Händen der franzostschen Unterhändler zu einer Waffe wurde Im übrigen kann ich namens meiner Freunde erklären, daß sick u n s eir Urteil vom 9 November über bie Deutsche Mar 0 k k o- Politik nicht geänbert hat. Auch bie schwarze Gefahr ist burch bic Mitteilungen be» Kommissar- in ber Kommiision nur in ein helleres Lickt gerückt worden, benn er sagte, wir würben unS beizeiten auf Diese Verstärkung ber schwarzen Truppen Frankreichs einndilcn müssen. Wir werben nunmehr genötigt sein, Die neuen Lanbstrecken, bie wir bekommen haben, wirtschaftlich zu entwickeln, unb bnS wirb natürlich auch an bie Reichsfinanzen erhebliche Anforderungen stellen. Aber nach ben gestrigen r o s a • roten Darleg ungen DeS SchatzsekretarS über die Finanzlage, bie in ber Wahlbewegung eine große Rolle spielen werben, ist ja Gelb genug bazu vorhanben. (Heiterkeit.) Ein Wort zu unseren verhaiiblungen mit Fran k ce ich. ES 'st ja ein Novum gewesen, was wir Vorüber in der Kommission erfahren haben, und wir crlcnncn gern an, oaß die deutsche Regierung die englische Elnmischu n g, die sich nicht auf Marokko beschränkte, ruckgewiesen hat. ES bleibt aber bei dem Endresultat, daß daS Ergebnis der Handlungen mit Frankreich doch im großen ganzen Dem ent- spricht, was England für zulässig erachtet hat, eine relativ ge- ringfügige Gegenleistung für Die große orleiftung. d'e wft gemacht haben, die Anerkennung des franzostschen Protektorats. D«n Tarleguiigen des Vorredners, daß es richtig war. so zu handeln, wie unsere Regierung geg en über der öffentlichen Meinung gehandelt hat, kann ich nicht fol gen. (Lehr richtig!) Tie deutsche Presse muhte naturgemäß schließlich ihren Lesern die Mitteilungen bringen, die auS Fram- reich und au, England tarnen, unb bei unS haben bie Informationen gefehlt, (Sehr wahr) Es war bic „geringe Aktivität , bie der Tat ein Maß von Mißmut, Entrüstung unb Empörung auch in nationalen Arenen bervorrief. Hreruber geben ja un« die Äußerungen hervorragender Politiker der verschiedensten Parteien genügend AuSkunsL Dav hat dieses Maß von ©äbrung erzeugt und dem 9. November Set, der so leicht in ber parlamentarischen Geschichte Deutsch nicht vergessen werden wird, und der den Eharakter e 1 ne t Katastrophe gehabt bat. Auck wir muhten rechtzeitig über Ziele und Wege der deutschen Politik in Kenntnis gesetzt werden tSehr wahr!) Eine Entspannung im politiichen -even auch nur eine Minderung der ganzen Gegensätze wie sie sick durch die Marokkosrage entwickelt haben, i st nicht etnflc^ treten. Der Glaube, daß, nachdem reiner Tilch m Marokko gemacht ist, nunmehr die Periode der Völkerverbrüderung ein- treten werde, war eine Illusion, die den Tatsachen nicht stand- aebaltcn hat. DaS zeigt die Rede von Sir Edward Sr er Die Auffassung in den Kreisen unlereS Volke« darüber too vielfach eine andere, al« die deS Reichskanzlers; man hat sie m weiten Kreisen al» eine sehr trotzige — herauSfordernbe will 16 niebt sagen — aber dock jedenfalls schr 0 f f e E r k l a r u n- angesehen. (Sehr richtig!) £6 b.ese Tonart ob diese ganze englische Deutschland unfreundliche Politik England nützlich ober schab!ich ist. lasse ick dahingestellt. Wir können nicht mit weiterem Zorn in die Zukunft blicken, um so mehr, al» 1« unme neue Probleme in die Ersckeinung treten. WaS wir wünschen, und waS wir als die richtige Antwort auf diese so unsreund liche Politik England« ansehen möchten, da« ist. daß die deutsche auswärtige Politik eine wohlvorbereitete, von Im provisa tionen sich frei haltende kBeifall.) u n d z i e l b e w u ß t e sein möge, eine Politik, die sick leden «upen- blick bewußt fein möge der gewalrigen Machtmittel, die wir besitzen (Scbbafter Beifall.), und für die unse Volk gern die großen Opfer bringt. Ick bin ber Letzte, der Kon- flikte sucht; wir wollen aber, wo fie un« aufgedrungen werben auck Konflikten nickt auSweicken Dir verlangen baß jeder versuch, un6 in unserer felbstwirtschaftlichen Entwicklung zu hindern ober zu unterbinden, jeder Eindruck b Schwache der erweckt werden kann, bah wir auf bieiem ®- biete zurückweichen, auf da» Entschiedenste zunückaewiefen wird. Dir können n i ch t d u l d e n. daß von irgendeiner Nation eine internationale Vorherrschaft erstrebt, begehrt, Verlangt wird, die fich zum arbiter mundi aufwirft. (Beisall. Eine solche Politik wird am besten geeignet sein. Die deutsch, nationalen Interessen, deutsche» «nseb n und deutsch« Ebre zu wahren; sie wird aber auck geeignet sein, un» ben ffielt- fri-ben zu erhalten. Denn niemals wirb der Friede m-br gefährdet sein, al» bann, wenn anbere Nationen zu der Meinung kommen, daß Deutsckland nicht fest auf sem-n Füßen Hebt unb fick jeden Augenblick zurückdrängen läßt. Eine solche Politik, so hoffe ick wird für alle Zukunft vermieden werden, unb für eine klebe kraftvolle, zielbetoußte Politik, aber nur für eine solche, wirb bie beutscke Regierung das Volk stet» an itar Seite finden. (Lebh. tgeifen.) Billiger Möbelverkauf 7131 Pie fk. CRVNEBAVM Bahnhofstrasse 35 KlöbeSmagazin Bahnhofstrasse 35 ht n Dien Weiteste und grösste Werkst&tte für geschmackvolle und für geschmackvolle und bekannt billigen Preisen $ stilgerechte Einrahmungen zu bei solidester Ausführung im s - Ein AUFRUF! Carl 5chunck Seltersweg 52 Seltersweg 52 H Wörter & 'Beckstein Neustadt 4, 1^1^484 7(ß: K3U*9IIN9N9 2 ßaushalhmgswäfdie 2 2 ..4 Färbe zu Hause Verein Deutscher Nähmaschinen-Fabrikanten. Verein Deutscher Nähmaschinen-Händler e.V. nm 38 grosse jfusiHahl in "ßildern gerahmt u. ungerahmt. Wiesecker Kunsttöpfereien. Neu auf genommen: Körbchen und Kassetten aus den Karlsruher kunstgewerblichen Werk' Stätten :: Weihnacht s-Aufträge erbitte möglichst frühzeitig i Moderne Tafel- und Kaffee - Service \ 'Waschgarnituren u. Küchen-Einrichtungen 1 Grösste Auswahl:: Geschenkartikel v. Billigste Preise - nurmit echten Heitmann?Farben Schutzmarke: fuchskopf im Stern. als Rollwälche behandelt wird Falt Fdirankfertlg geliefert. Sauber gewaläien und blendend uteih ilt diele Art Ausführung nur in meinem Betrieb möglich und deshalb konkurrenzlos. Berichtigung meiner grofjltädtikhen Anlage fit jedem meiner werten Kunden gerne geltatfet. Eines jeden Deutschen Gewissenspflicht ist es, bei Anschaffung einer Nähmaschine dem deutschen Erzeugnis den Vorzug zu geben; denn auch in soliden deutschen Geschäften erhält man bei grosser Auswahl kostenfreien, gründlichen Unterricht im Nähen, Sticken und Stopfen und gewissenhafte Garantie. Sie von Den < reichem Maße g freutuimsvollen '< 1 öfienllidjer Ml I übenragen. Ta 1 gegebenen Merkt | Handes roeijen ei haben sich die B als erfolgreich ! finbel sich in 2üi Deutsche Bürger und Bürgerinnen! Wollt Ihr Euer deutsches Vaterland finanziell schädigen? Sicherlich nicht. Deshalb darf keine amerikanische Nähmaschine in ein deutsches Haus! loiibers werwou .irlung vor Dein richtszeit mehr d« amenbinden das Dtzd. von 70 Pfg. an Leibbinde« L empfiehlt [6397 C. Pattberg, Seltersweg 60. M jlfjSZ fdieW®”' tu M"! • « nlP 20 Prozent Skonto wegen vorgerückter Saison auf Petroleumöfen ==: SpIrltUSÖf6H erstklassige Fabrikate Jiunstfandfung Otto fächstatter Seltersweg 56 — Ecke Volksbad £ 1 hat erheblich z fc 1 flusfunititeUen Hk'T®!!1'' | Dampfwalchanlfalf Edelweiß 2 Stehen . Kroldorfer Strafte 12 y Celephon 487 70M Cetephon 487 51 nchiszeu mty 63 mr Übertretung •4 • • OUilnrf 2er Siet"".11 «.chlsauskunsil^ isss und an, J 214.6 Tie Auscu mjnderbennltelte, enter Linie zu g> und sozialen1 W Unter Den b i «echt Des Arbeite „cht und das ü- MW“ B. h. C. ; berget Höhe leine ö. ülereinsiv netein Äeae (id Ral§inunt, ti Oberndorfer ^bnk lür land, «»! ° °i'riger wai vriilmnct zu Den ötanmei« i Lemem bcitlidjeu Glieder «ich ,lni8e stunden 1 ö " WM mm J®« verhinderte Kiu Wen; fcben |e,n. Tsi ■jMtt SoIm, An alle deutschen Bürger! Aus Unkenntnis werden heute vielfach noch amerikanische Singer-Nähmaschinen von sonst deutsch fühlenden Hausfrauen deutsch denkenden Arbeitern deutsch gesinnten Beamten deutschen Lehr-Anstalten, deutschen Klöstern, deutschen Behörden, deutschen Fabrikanten usw. gekauft. Hierin liegt eine Verletzung deutscher Wirtschaftsinteressen. Die amerikanische Singer - Compagnie ist und bleibt trotz der in unserem Vaterlande in Wittenberge bei Potsdam errichteten Fabrik ein amerikanisches Unternehmen. Wer daher eine Singer-Nähmaschine kauft, schädigt das deutsche Nationalvermögen, weil der Gewinn der Gesellschaft in die Taschen der amerikanischen Aktionäre fliesst; er schädigt die deutsche Industrie 1 nd die deutschen Arbeiter. Die deutsche Nähmaschinen-Industrie beschäftigt rund 50 000 Arbeiter, schafft also Unterhalt Hunderttausenden von deutschen Staatsangehörigen. Vertreter vonDeutschlandsNähmaschinen-Industriegibtesin allenStädtenunseresVaterlandes. Wenn trotzdem die amerikanische Nähmaschinen-Industrie in Deutschland noch Absatz erzielt, so beruht das vor allem auf ihrer echt amerikanischen Reklame und Verkaufsart. Die deutsche Nähmaschinen - Industrie fabriziert jährlich über eine Million Nähmaschinen und sendet ihre Erzeugnisse nach allen Teilen der Welt. Nur die Vereinigten Staaten von Amerika verschliessen durch einen horrenden Wertzoll von 30% ihren Markt den deutschen Nähmaschinen. Die amerikanische Gesellschaft preist ihre Maschinen als die besten der Welt an, obwohl durch Erhebungen mehrfach bewiesen wurde, dass die deutsche Nähmaschine der amerikanischen an vollendeter Bauart mindestens gleichkommt, in Bezug auf solide Ausführung und sorgfältige Justierung ihr zum Teil weit überlegen ist. Iss13/!! Daher gebührt der deutschen Nähmaschine der erste Platz. leichten Gang, liefern tadellose Arbeit, solide Ausführung Katalog Pflugfabrik Union, G.m. b.H., Homburg (Pfalz) drMgenr W nach Amerika Mail, einige n 'Berlin und ho? Amerika ütirei gebautes Nid überführt, m i 1 kreuzer M12 ( einen 2*eib naß bau Larsel übet eine vebeki KM dieses Q Volore entroide! Passattvindes bei mäer in der St Art der „Lud Luftschiffes im 5 endgültigen Erg tischer Zurückha trauensvolle un kaners ihm in Wegen Neuherrichtnng meines Geschäftslokals und um den dazu erforderlichen .. . . Platz zu gewinnen, verkaufe ich von heute bis .. **^tg Weihnachten * zu bedeutend herabgesetzten Preisen. feA