161. Jahrgang Zweiter Blatt Nr. 82 Erscheint tS-kich mit Ausnahme deS Sonntag». erhielten. Die Abg. Raab und Reh treten nochmals für die Wiederherstellung der Regierungsvorlage ein. Bei der Abstimmung wird Artikel 47 nach dem Ausschußantrag mit 20 gegen 19 Stimmen angenommen: es bleibt also bei dem Beschluß der Ersten Kammer, d a ß V o l k s s ch u l l e h r e r in den Landgemeinden nicht passiv wahlberechtigt sind. Gegen den Ausschußantrag stimmten die Abg. Tr. Glässing, Dr. Osann, 'Sari?, Best, Mer, Molthan, Nebel, Tr. Zuckmeyer, die Freisinnigen und die Sozialdemokraten. Abg. Bach hatte inzwischen noch einen Antrag eingebracht, nach welchem der Passus II, 2 „im Amt befindliche Vollsfchul- Idjrer" gestrichen werden sollte. Die „Giehener SamfllenbBtter4* werden dem ,Anzeiger^ otermal wöchentlich beigriegt, da- „Krdsblatt für ben Krei« «letzen" jreetmal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit, fragen" erscheinen monatlich jroeunoL TaS Arbeitskammergesetz mürbe in zweiter Lesung beraten. dürfte aber wegen schwerwiegender Meinungsverschieden, heiten zwischen Regierung und Parlament nicht mehr zur dritten Lesung gestellt werden. Tie zweite Lesting dec Straf- Prozeßordnung wurde teilweise gefördert und soll erst im Herbst zu Ende geführt werden. Die Entwürfe zur Bekämpfung der Kurpfuscherei, betr. Erhebting von Schifsahrtsabgaben, die elsaß-lothringische VerfassiingSvorlage wurden in erster Lesung beraten und dem Ausschuß überwiesen. Der übrige ait§ dem Frühjahr 1910 vorliegende Stoff (ReichSoersicherungSordnung, HaiisarbeitSgesetz, Ge,verbeordnungsnovelle) wurden in der Zeit zwischen tteitmachlen und Ostern mir in den Ausschüssen beraten. Reben einigen wenigen Anträgen wurden die Anfragen über die Bekämpfung der Redschädlinge, Bekämpfung der Lebensmittelteukrung und Aushebung deS Zündwarensteuergesetzes besprochen Der Antrag Bach ttrirb mit geringer Mehrheit abgelehnt. Die folgenden Artikel 66, 80 usw. werden ohne Debatte angenommen. Art 223 behandelt das Tiecht des v ochst bett euer ten aus Sih und Stimmet m G e m c i n b e r n t Dicfcs Reckt war im Regicrungsentwurf satten gelassen worden, xie Er'le Kammer 'halte dasselbe iedoch tm -lrt. 223 wieder dergestelll und der Ausschuß beantragte mit allen gegen eine sttmme IMttm- ntung zu diesem Beschluß. . , ... Abg Tr Wolf- Gonfenhemi bemerkte hierzu, er tonne man darin zustimmen, daß slandesherrliche Vertreter oder der Bevollmächtigte irgend einer Fabrik ohne weiteres eit} und stimme im Gemeinderat haben sollte. ~ . Abp Dr Weber erklärt, daß er nut leinen Freunden den Ausschußantrag ablehnen werde. Dagegen bringt Tcöner mit -0 andern Mitgliedern einen Antrag ein, den jöi3d))tbcucuertcn in der Gemeinde nur eine beratende Stimme cnuuraumcn. Abg. Reh erklärt sich gegen den Antrag Dr. Weber. Er habe sich gefreut, daß dieser alte Zopf inbetreft der Vochübctzcucrtcn abgeschafft werden solle und die Regierung ,tehe wohl am dem gleichen Standpunkt. . . . M ,, Minister v. Hvmbergk erftärt, daß das fragliche Reckt nur in 178 von 1000 Gemeinden bestehe und daß es tatsächlich nur in 57 Gemeinden ausgeübt werde. Tie geringe,Bedeutung bicier Bestimmung habe auch die Regierung veranlaßt, Dem Befchlutz der Zweiten Mantmer beizutreten, doch glaube er, daß die Erste Kammer aus ihren Beschluß bestehen werde. Nachdem sich die Abgg. Ulrich, Bach und Reh noch gegen das Recht der £>öd)ftbcfteucrtcn ausgesprochen, wird der Au^chuß- antrag angenommen und dazu der Antrag Weber, wonach also die Löchstbcsteuerten nur beratende Stimme im Gemcimerat Haven ’°nt2ic dritte Vorlage, betr. die 93erlualtungstechts- pflege wird ebenfalls ohne Debatte dem AuSschnßantrag entsprechend angenommen. . . T . .. qrVi Es folgt die Beratung der Regierungsvorlage, betr. die .w änberung Der Kreis- und P r ov i nz i a lo r dnu n g vom 12 huni 1871 und in Verbindung bannt die Abänderung des Gesetzes b'tr. die Anstellung und die Diftiplinarv-erhälknme der Kreisbeambcil 6om 27. S-Vt. 1899, fomie die Aenderung dcs Art. 56 des Gesetzes, betr. die Städteordnung vom 13 3 uni 1874. Abg. Reh begründet kurz den Ansschuhantrag, der aus Annahme der drei Vorlagen hinnelt und betont, daß b.eie Entwürfe infolge der Annahme der drei Verwaltungsge,etze notwendig g^wo^jEinzelnen Artikel der drei Entwürfe werden darauf ohne Donnerstag, 6. April 1911 Rotationsdruck und Verlag der vrühlfchea Unwersuäts - Buch- und Siembruckerei. 9L Lange. Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: E>L Redaktion:112. Tel.'AdraAnze,gerGieben. Debatte angenommen. „ _ , Es folgt die Beratung der Rückäußerung Erster Kammer, betr. den Gesetzentwurf über die Abänderung des Gesetzes betr. der Ausübung den Schutz der Fi schere, vom 27. April 188iL In Verbindung damit werden die Vorstellungen des bemfmen Anglerbundes, des hessischen Fischerervereins, der ^vortangler Don Frankfurt und Offenbach, sowie der ^isck.reipachter von Gernsheim nsw. berat:n. Der Ausschuß beantragt, dem Ab- änderungsbeschluß der Ersten Kammer zu Art. 3b und 62 Nicht beizutreten, dagegen dem Beschluß der Ersten Kammer zuzusammen, daß der Zeitpunkt des Inkrafttretens deS Gesetzes durch landesherrliche Veordnung beitinunt und das Ministerium des Innern mit der Ausübung beauftragt wird. 3f, ?Lbg. Dr. O s a n n erklärt, daß er sich nicht für den Auvschnß- antrag entscheiden könne. Es werde zu viel Sportliebhaberer getrieben und die Fisch reipächter hätten den Schaden davon Dies habe die Erste Kammer bei ihren Abänderungen in Betracht gezogen und er kömie ihr nur darin zustimmm. Nach seiner .In-’ sicht sollen Angelkarten nur mit Zustimmung der Pachter aus- gegeben werden. Daß Jedermann auf dem Alttheru überhaupt angeln kömie, fei eine ganz merkwürdige Freiheit, für unberechtigtes Fischen müßte eine Bestrafung eintreten. Abg Lang schließt sich der Ansicht des Vorredners nn, während '2£bg. Reh die Annahme des Aussckußaickrages befur- wortet Von den großen Schaden, von denen Abg. Cjann sprach, sei dem Redner nichts bekannt. Die Leute die die Fischerei aus Sport betreiben, seien meistens erholungsbedürftig und da soll man ihnen diese Erholung gönnen Mg Raab bemerkt, das; sich hier Pachter und Sportangler gegenüberständen. Abg. Osann habe hier Tinge vorgebracht, die sich tatsächlich so verhielten. Es liege ein allgemeines Interesse vor, die Fischzucht zu schützen, die durch die L-Portanglerer tm Altrhein sehr gesährdtt werde. _ Abg Senßselder unterstützt gleichfalls die Ausführungen Tr Osanns Es werde im Altrhein durch den Angelsport eine direkte Raubsischerei getrieben. Die Fischer müßten Pachtgeld zahlen und deshalb hätten sie ackch ein Recht, bei der Ausgabe von Fischlarteii durch die Kreisämter mllzusprechen Redner empfiehlt, den Ausschußantrag abzulehnen und den Beschlüssen der Listen Kammer beizutteteu. ... Abg W olf-Stadecken erklärt sich für den Ausschutzantrag. Ministerialrat Lolzingcr bemerkt, die Regierung sei der Ansicht daß Dem Schutze der Fischerei in Lessen besser gedient sei wenn den Beschlüsseii der Ersten Kammer zugestlinmt werde. Tie im Art. 62 festgesetzte Ordnungsstrafe sei notwendig und er könne auch einen soeben eingebrachten Antrag Dr. Osann nur empfehlen. Mg Dr O s a n n weist die Ausführungen des 9Cbg. Reh zurück und legt nochmals Die Notwendigkeit des Schutzes der Fischerei am Altrbcin dar. Wenn Dtc Sportangler ihren Sport ausiwcn wollten, so könnten sie dies auch am Main tun. Man habe in Lesseii gar kein Interesse, den Franksurtern ihre Fische umsonst zu liefern. (.Heiterkeit.) Redner erläutert dann einen von ihm gestellten Antrag, der dahin geht, daß den Angelsportliebhabern am Altrhein nur mit Zustimmung der Fischereiberechtigten eine Angelkarte ausgehändigt werden darf. Bei der ALsttmmung wird alsdann der Ausschußantrag ab- gelchnt und somit den Beschlüssen der Ersten Kammer zugestimmt. Ter Antrag Dr. Osann wird mit großer Mehrheit angenommen. Efync Debatte gelangt alsdann noch der Gesetzentwurf betr. die Abänderung des Gesetzes über die Einrichtungen und die Befugnisse der Oberrechnungskammer, dem Ausschußantrag entsprechend, zur Annahme. Kreiskljrertonferenj. △ Gießen, 5. April. Rund 300 Lehrer und Lehrerinnen aus dem Kreise Gießen vereinigten sich gestern zur Kreislehrerkonfe- r e n z in Steins Garten. Regierungsrat W e l ck e r, der die Versammlung leitete, wies auf die seit der letzten Kreis- konferenz eingetretene Veränderung in der Leitung der Kreisschulkommission hin. Die gestrige Konferenz war bte erste Kreiskonferenz unter dem neuen Kreisfchulinspektor Profeffor Tr. Alles. Dieser machte Mitteilungen über die Vereinfachung des schriftlichen Verkehrs zwischen Lehrern und Behörden und über den Beschluß der Kreisschulkommission, nach dem für die Oberklassen der Fortbildungs- schulen Zeugnisse eingeführt werden sollen. Für die Sammlung der Flurnamen werden innerhalb des Kreises Gießen noch Sammler gesucht für die Orte Lich, Lumda, Stockhausen, Weickartshain und Ober-Bessingen. Auf die Schrift- „Was müssen wir von unseren Kolonien wissen", wurde besonders aufmerksam gemacht. Zwei Vorträge wurden hierauf gehalten. Lehrer Bert-Gießen sprach über das Thema: „Tie Fortbild ungsfchulefürMädche n". Nach dem lebhaften Beifall, den der Redner erntete, fand eine rege Aussprache statt. Folgende Leitsätze fanden allgemeine Zustimmung: 1. Tie allgemeine obligatorische Mädchenfortbilbungs- schule ift ein pädagogisches, soziales und wirtschaftliches hessische Zweite Kammer. R.B. Darmstadt, 5. April. Dm Regierungsttsche: Minister des Innern v. Hombergk, Geh. Rat Best. „ ... Vizepräsident Dr. Schmitt eröffnet die Sitzung um 9»,. Uhr Das Laus tritt sofort in die Tagesordnung ein: Rückautzerung der Ersten Kammer über den Gesetzentwurf, betreffend die Slädteordnuug Der Sonderausschuß für die Verwaltungsgesetzgebung bean- tragte bekanntlich die Annahme der Abänderungsbeschlüftc der Ersten Kammer mit nur unwesentlichen Aenderungen. Da zu der Latiptaussprache über den Gesetzentwurf ntemanb das Wort nimmt, wird sofort in die Einzelberatung tingetreten. Die abgeänderten Artikel 2,_ 12, 15 und 25 werden ohne Aussprache genehmigt. Bei der Abänderung zu Artikel 30, die ebenfalls nur redaktioneller Art ist, konstatiert der Ausfckuß- bcriritcrftattCT, Abg. Dr. Glässing, eine durchaus erfreuliche Ueb er ein ft-immun g mit dieser und den folgenden 9lbänbcrungcn der Ersten Kammer, woraus auch Die sämtlichen weiteren Ab ändern ngsbcscklüssc dem Antrag des Ausschusses entfprechend, gegen die Stimmen von drei anwesenden Sozialdemokraten angenommen werden; nur gegen die Abänderung in Artikel 30 stimmen autp zwei Freisinnige. , . Zur Beratung gelangt daraus die Rückaußerung der Erften Kammer, betreffend den Gesetzentwurf über die Landgemeindeordnung. Auch hier lvird eine Lauptaussprache nicht beliebt. In der Eriizelberatung werden die von der Ersten Kammer abgeänberten Artikel 2, -1, 12, 25 unb 30 ohne Aussprache genehmigt. Beim Arlikel 47, in welchem der Kreis der nickt Wählbaren festgesteltt wird, führte Abg. Reh (Freis.! aus, die Zweite Kammer habe ftri) -Z. aus bat St-andpunkt gestellt, baß es Unrecht fei, ein.,eine Gemeindemitglieder von der Wahl auszuschlietzcn Man mufic jedenfalls den Volksschullehrern das paoive Walilrccht bei affen, Henn es sei doch nicht richtig, diesem großen Kreis fein politifches Hledji zu fdpnälem. Der Rediicr wendet sich^gegen deü BIchluf. der Ersten Kammer, der die Volkssri-uUehrer aus dem Mns der passiv Wählbaren gestrichen wissen will und bittet, auch dem Ausschußantrag nicht beiiutreten, sondern der Fassung des Artikels nach der Regierungsvorlage zuzustimmen. Abg Dr. Osann schließt sich den Ausführungen des Vor- TrimerS an. Tic Bestimmungen über die Zmammensetzuna der Lmidgcmeinde-Vorstänbe ließen in so manckm Punkten die richtige Konsequenz vermissen: so z. B. sollten Attuariatsafsiltenten das Wahlrecht haben, die Aktuare aber nicht. Der Redner trut dafür ein, daß sowohl Die Geistlichen, wie die Volksschullehrer das passive Wahlrecht behalten sollten. Abg. Best schließt sich den Ausführungen des Abg. Ar. a ch tritt ebenfalls für das passive Wahlrecht der Lehrer »in und weist auf den Widerspruch hin, den Lehrern in dev Städteordilung daS Wahlrecht zu gewähren, in der Landgememde- oTbnung aber nicht. Die Lehrer hätten ja durch ihren Beruf schon einen gewissen Einfluß auf die Gemeinde und bemgenräß auch eine Verantwortung. Man solle ihnen deshalb auch das passive Ans dem vittschriftenausfchuh der Reichstags. Der Bittschristeiiaiissckmß des Reickfstages hat eine Bittschrift deS Vereins deutscher Straßenbahn- und Kleinbabii- Verwaltungen, auf gesetzgeberischem We^fe eine Gleichstellung der auf öffentlichen Straßen betriebenen Straßenbahnen und KliM- baljieu mit den Kraftfahrzeugen hinsichtlich ihrer Haftpflicht für Körperverletzungeii herbeiführen zu wollen, Dem Rerck-skanzler als '".ü eriil überwiesen. Tie Antragsteller halten die gegenwärtige Gesetzeslage für unhaltbar. Die Straßenbahnen untcntdKn bat la iiurucn Lafipfliatworschriften im Gegensätze zu den ^-uhrwer^- betrieben, roef-fe Liner Sonderhaftpflickl unltT(icgcn. 2,e Eleich- stellung der Sttaßenbahnen mit den. Eiscnbabncn wird als, un- qerecktfcrtigr betracinct. xim Ausschuß wurde ausgeführt, daß tut Interesse des Publikums eine Verminderung der ^astpflickt der Straßenbahnen nickt zu wünschen sei. Der steigende VerkehlZ bringe für Die Sttaßenpanamen steigende Gefahren, gegen Die ein energischer Schutz notwendig sei. Eine Vermindetting der Lastpf'lickjt der Straßenbahneli bedeute auch eine große auf Grund des neuen Gesetzes auszugebenbcn kleinen Aktien an beutsckeii Börsen nur unter denselben Beschränkungen rote ausländische kleine Aktien zugelassen werden dürfen. 3n den Bilt- schristen wurde aufrichtig bedauert, daß der Reickstag eine bres- bezüglicke Vorlage abgelehnt hat, und damit den deutichsn, iiibustriellen Bestrebungeii in Ostasien die Möglidikeit einer erfolgreichen Konkurrenz mit denen der anderen Nationen ein für allemal genommen hat. Die deut scheu Gesellsdiaften seien dadurch gezwungen, sich in China als englische Gesellschaften emtrageil (Siebener Anzeiger General-Anzeiger für Osecheffen Vizepräsident Tr. Schmitt teilt mit, daß er nunmehr die Verhandlungen abbrechcn werbe und das Laus die übrigen Be- rati'.ngsgcgenslänbe in einer etwa den 23. Mai beginnenden Tagung erledigen könne: auch bas Gemeindeumlagengesetz solle alsdann nod) vor Pfingsten in Beratung genommen werben. Die gesetzgeberische Arbeit der Reichstags bis Wem. Ter Reichstag steht am Ende eines arbeitsreichen Zeitraums unb ist in die wohlverdienten Osterferien gegangen. Reben dem Haushalt wurden endgültig erledigt das Zuwachssteuergesetz, das NeichSdesteuerungsgesetz, der Entwurs betreffs Patentaussührungszwang, der Entwlirf betreffend Regelung der Tagegelder und Umzugskosten der Kolonialbeamten, das Friedenspräsenzgesetz, der Entwurf betreffend Schutz des zur 'Anfertigung von Reichsbanknoten verwendeten Papiers, unb einige kleinere Vorlagen. Wahlrecht lassen. r., . rt Abg. Tr. Heidenreich ist gegenteiliger Ansicht und bittet, dem Ausschußantrag zuzustimmen. Die Stellung cmes Lehrers btuf bem Lande sei eine ganz andere, als die in der «tadl. Er halte dafür, daß die Lehrer viel mehr nützen können, wenn |tc nicht Sitz und Stimme im Gemeinderat haben. Abg. Raab stimmt den Abg. Reh unb Dr. O,ann zu unb erklärt, daß seine Partei gegen den Ausschu,rantrag stimmen werbe In einer so wichtigen politischen Frage sollten die Parteien doch einig sein und nicht, wie bei ben Nationalliberalen, ber nnc für und der andere dagegen sprechen. . Abg. Bähr spricht gegen den Abg. Reh. Nach feiner Meinung verliere ein Lehrer seine Unparteilichkeit, wenn er im Gcmclnbe- xat fitze. Ter Lehrer solle über den Parteien stehen unb beshalb werde er für den Beschluß der Ersten Kammer stimmen. Minister v. Lombergk erklärt: Tic Regierung steht noch immer aus dem Standpunkt, daß man den Kreis der nicht Wählbaren tunlichst beschränken soll: fic hält deshalb an ber Regierungsvorlage fest. Namentlich hinsichtlich ber Lehrer möchte ick bas, was Abg. Reh gesagt hat, unterfhiben. Ich würde es für bedauerlich halten, wenn man in den Städten die Lehrer für passiv wahlberechtigt erklärt, die Lehrer in den Landgemeinden aber nicht. Man sollte doch hier unter den Lehrern keinen Unterschied machen und ick) bitte deshalb, den Ausschußankrag abzulehnen und für die Wiederherstellung der Regicruiigsvorlagc einzutreten. Abg. Tr. Wolf-Gonsenheim hält es ebenfalls für verkehrt, die Städte anders zu behandeln, als die Landgemeinden. Die letzteren mürben ohnehin schon in manchen Dingen anders bc handelt, denn wenn einer dort abends um 11 Uhr noch beim Bier sche, schicke ihn der Gendarm nach Hause. Er empfehle deshalb dis Ablehnung des Ausschußantvages. . Abg. Ulrich verlangt, daß die Zwecke Kammer auf ihrem frühereil Beschluß beharreii solle. Er wundere sich über den Standpunkt des Ministers, der ja scheinbar für die Anschauung der Zweiten Kammer gcsprvcheii habe. Wenn Abg. Bähr die genüge Ueberlegenheit der Lehrer fürchte, so halte er im Gegeitteil diese Ueberlcgenhcit für das Beste, was cs gebe. Tas „Linterbeiikulissen- arbecken" ber Lehrer müsse aus Hörem Als der Redner bann bemerkt, daß der vom Minister vargctragenc Standpiinkt die erste vernünftige Handlung der Regierung fei, — über die er feine Freude aussprecke —, wird er unter Heiterkeit des Hauses vorn Präsidenten gerügt. Der Redner erklärt dagegen, die Regierung handle wohl öfter vernünftig, aber dies sei die erste vernünftige Handlung, die er mit Freuden begrüben könne. Minister v. H o m b e r g k verwahrt sich dagegen, daß er in der Ersten Kammer anders gesprochen hätte, als hier im Hause: er habe sich stets genau im Sinne der Regierungsvorlage ausgesprochen. Abg. Molthan erklärt sich ebeiifalls gegen ben Ausschuß- tmtrag. Die Gemeinden hätten es ja immer in der Hand, die Lehrer durchsallen zu lassen, die ihnen nicht passen. Abg. B a ch hält es nickt für gerechtfertigt, eine ganze Klasse von Gememdcbürgerii von der Wahl ausznschließen. Der Redner glaub i nicht, daß Abg. Bähr bei seiner Haltung das Interesse der Lehrer im Auge haöe. Es sei mir gut, wenn die Lehrer namentlich in kleineren Gemeinden Einfluß auf die Gemeindemitglieder zu lassen. ___ Der Fall Kcrrer in -er spanischen Kammer. Ata brib, 5. April. In ber gestrigen K'ammersitzung erklärte Azcaratc, bte Republikaner wollten die Ferrer- angelegenheit ungehindert, ohne daß irgendwie ein Truck ausgeübt würbe, erörtern. Sie glaubten, baß bic Armee einer Mimsteriri.se vollstänbig fernstehe. Canalejas lobte bte Armee, bereit Disziplin vollkommen sei. Der frühere Minister Lacierva nahm wieber das Wort zu der Ferrerangelegenheit unb bemühte sich, nachzuweisen, baß bie Zeugen gegen Ferrer Weber falsch noch widerspruchsvoll ausgesagt haben. Der Rebner bejahte sich mit Ferrers Vergangenheit, ber birekt ober inbirekt an den revolutionären Erhebungen in Spanien unb an den Anschlägen gegen Canovas unb Alfonso XIII. in Callemaxyor, owie gegen Alfonso unb Loubet in Paris beteiligt gewesen ei, und burch seine Propaganba unb persönliches Eingreifen zu ben Vorgängen in Barcelona im Jahre 1909 auf gereizt unb beigetragen habe. Lacierva griff chars bic Republikaner unb Sozialisten an, bic er befchul- >igte, ben Namen Ferrer als Banner benutzt zu haben, um unter ihm, im Auslanbc unterstützt burch anarchistische Elemente, einen ungerechten Felbzug gegen bie konservative Regierung zu führen. Schließlich verteibigte Lacierva energisch das Kabinett Maura, das streng tm Rahmen ber Gesetze seine Pflicht getan habe, sowie ben Gerichtshof, ber Ferrer auf materiell unanfechtbare Beweise hin, ohne baß rrgenb ein Druck ober eine Beeinflussung ausgeübt worben wäre, verurteilte. Der Urteilsspruch fei gerecht, billig und gesetzlich gewesen. Die Rebe Laciervas würbe oft von ben Republikanern unterbrochen, von ben Konservativen mit lang anhalten- bem Beifall ausgenommen. Die Sozialisten waren besonbers empört über ben Vorwurf bes Rebners, baß sie sich mit auswärtigen Elementen gegen ben Fricben unb baS Wohlergehen Spaniens verschworen hätten. Mutter- und Säuglingsfürforge zu veranstalten, ist fast °!e 3a9l der lährlrchen Geburten b-etoegt sich zwischen 24 überall im Lande freudig ausgenommen worden Ueberall 30- Es wird wohl niemand bestreiten können, daß für haben sich nunmehr die definitiven Ausschüsse der einzelnen diese Geburtenzahl eine Hebamme vollkommen ge- Kreise gebildet und in allen Städten und in den meisten nügt. Auch von einem Vergleich zwischen Arzt und Heb- Landgemeinden bestehen örtliche Ausschüsse zu seiner Durch- amme kann in diesem Falle keine Rede sein. Das Arbeits- 60 90 . 60—52 90—95 . . 40-43 34—87 48 85 81-82 43 . 38-36 64-68 106-114 . 42-00 84-00 42 47—48 60—62 47 61 47-48 60—62 47 61 46 59 Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 9*5. «Q Wetter L e* Bew. Himmel d ^ochste Temperatur «17. Sanatorium l„1___rx„___ Jl. TT ..' .1.11_____ IAA 1___1 L - fischen Darmstadt—H eidelberg, 400 m hoch herrL gelegen. («”/“ TURK-PABSTs 74—77 68-72 82 76 9 3 6 81 75 70 85 92 und Treue geleisteten er» vom 1. Juni 1911 ab in 48 48 60 80—84 75—78 Kurhaus Lindenfels 45 51 5. 5. 6. 45 41 110 106 92 86 84 745,9 747,3 748,1 38 84 66 63 55 56 II mehr als 6Ojährigen, mit Eifer spneßlichen Dienste mit Wirkung den Ruhestand verseht. 4,4 4,0 3,6 April 141 bis 5. April r ö. , Voll fleischige Schweine bis zu 2 Zentner ^evendgeivicht........ Vollfleischige Schweine über 2 Zentner ^everrdgeivrcht........ VoUfteischige Schweine über 2'/, Zentner NE NE NE H- 2,3 6 J. - 4,8 "O. Aiäßig genährte Kühe mib Färse,» . M d l 0 c C. feinste Wiastkälber Konservenfabrik in der Nähe, was betreffs der Verwaltung nur günstig sein könne. Um eine definitive Entscheidung des Kriegsministeriums für das Mainzer Gelände zu bezwecken, hält man es für nötig, eine Abordnung unter der Leitung des Oberbürgermeisters Dr. Göttelmann nach Berlin zu senden. Schale. Weidemaslschase . . . Schweine. Lebendgewicht 46—47 60 —61 fleischige Schweine unter 80 kg Lebend- ** Von Allend orf a. d. Lumda, 4. April, wird uns geschrieben: Der Verfasser des Artikels im Gießener Anzeiger von gestern scheint nicht genügend über die Größen- und sonstigen Verhältnisse Allendorss orientiert zu sein. Er schreibt: „Der Größe unserer Stadt wäre es entsprechend, wenn hier noch eine zweite Hebamme ansässig wäre." Unser Städtchen hat nach der letzten Volkszählung 1181 Einwohner; es Aus Stadt unö Lanv. Gießen, 6. April 1911. Hessischer Blumentag. Doll fleischige ausgemästete Färsen höchst. Schlachtivertes 46—50 DoUfleljchlge auSgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bis zu 7 Jahren. . 42—45 Sichere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngereKühe u. Färsen 37—40 Mittlere Ata st- und beste Saugkälber . 62—65 104-108 Geringere Mast» und gute Saugkälber 53—67 89-95 Geringere Saugkälber 60—53 88—89 Schlachtivertes, höchstens 6 Jahre alt 49—51 89—91 Junge, fleischige, nicht ausgemäsle und ältere ausgemästete 44—47 84—87 Hessen-Nassau. Marburg, b. April. Durch Einsturz einer Decke wurden in Leidenhofen drei Kühe im Stall getötet. [] Marburg, 5. April. Die Metzger in den Kreisen Marburg, Kirchhain, Frankenberg und Biedenkopf beschlossen, beim Einkauf von Schlachtvieh nach Lebendgewicht 5 Prozent in Abzug zu bringen. L ü. Land e?Universität. Der Großherzog hat den Universitätssekretär Geh. Kanfteirat Friede. Schäffer in Gießen auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner V-------FRAIS KFU RT- MAI N------ Feinste Mayonnaise Anchovy-Raste & Sardellen-Butter Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtivertes . 44—46 Vollfleischige, jüngere . . . . tzärien, Kühe. 4 6 0.2 1.7 2,5 E R Asrche nnd Schule. Der Fall Jatho. Man schreibt uns: „Angesichts des drohenden Spruchverfahrens gegen den Pfarrer Jatho in Köln fühlt sich der Vorstand der Freien Landeskirche lichen Vereinigung für das Gr o ß her z o g t u in H.e s s c n zu der öffentlichen Erklärung verpflichtet, daß nach seiner Uebcrzeugung das neue preußische Lehrzuchtgesetz, obwohl es gegenüber dein früheren Zustand in Preußen einen unleugbaren Fortschritt bedeutet, doch für den deutschen Protestantismus eine beschämende Erscheinung bleibt und mit der evangelischen Glaubens-* anschauung grundsätzlich unvereinbar ist, insofern jede Feststellung sogenannter Irrlehren verhängnisvolle Präzedenzfälle schafft, der formal-juristischen Auffassung von Glaubensfragen Vorschub leistet und die Entscheidung über solche dem plumpen Zufall der Mehrheitsbeschlüsse ausliefert. Mögen auch die theologischen und philosophischen Ausdrucksweisen Jathos sehr anfechtbar sein — keiner von uns würde sie sich ganz au eigen machen wollen —,- so ist doch seine tief wahrhaftige, innerlich erlebte christliche Frömmigkeit selbst von seinen theologischen Gegnern bisher nicht in Zweifel gezogen worden. Der Versuch, diesen um die Mehrung und Vertiefung christlichen Lebens anerkannt hochverdienten Geistlichen von seiner teuren Gemeinde, deren Vertrauen, Verehrung und Liebe er sich in ungewöhnlichem Maße erworben hat, gewaltsam zu trennen, würde jedenfalls weithin als ein unerträglicher Eingriff in die Gewissensfreiheit empfunden werden: er müßte zur Zerrüttung dieser Gemeinde führen, den Lebenskräfte» der evangeltschen Kirche einen unberechenbaren Schaden zufügen und den verderblichen Irrtum nun befestigen helfen, als ob der evangelische Glaube in erster Linie die Zustimnmng au einem fertigen Lehrgesetz sei, während gerade für ihn das beherzigenswerte Wort gelten sollte: „Nicht, was wir meinen, siegt; nein w i e wir's meinen, das nur überwnrdet." Die Anregung unserer Landesfürstin, einen allgemeinen he, fischen Blumentag zum Besten der Mutter- und Säuglingsfürsorge zu veranstalten, ist fast .. --------- am 4. Niedrigite , „4. Niederichtaq: 4,8 mm. T & P’s Mayonnaise erspart Zeit und Geld! 'UQ darcruf gesehen werden müssen, Gelder durch Stiftungen, Vermächtnisse, Schenkungen u. bergt zu gewinnen. Zur Förderung der Angelegenheit soll so bald als möglich eine Organisation geschaffen werden. Hoffentlich blerbt daun dem Unternehmen, das ja die ganze Provinz zu umfassen trachtet, die tatkräftige Unterstützung aller interessterten Kreise nicht versagt. •• Stadttheater. Mit dem Kadelburg'schen Schwanke „Der Weg zur Hölle* kommt in der Freitags-Abonne- ment-Vorstellung noch einmal daö heitere Element zur Geltung; der Schwank darf als einer der lustigsten der neueren Literatur angesprochen werden. — Durch die der Osterstimmung an- gemeßenen „Faust"-Aufführungen, mit denen nächsten Sonntag die diesjährige Spielzeit schließt, wird auch einmal Gelegenheit gegeben, den ganzen ersten Teil deS „Faust" an einem Tage zu genießen. Niemand, der die hochintereffanten 9htffübrungen noch nicht gesehen hat, sollte die Sonntags- Vorstellungen versäumen, da in den nächsten Jahren „Faust" kaum wiederholt werden dürfte. •• D i e Submission wegen Lieferung deS eisernen Schutzgitters an der Lonystraße entlang der angelegten Böschung von der Ble'chstraße an hatte fünf Angebote gebracht. Von den Bewerbern verlangte der Höchstfordernde Mk. 902,—, der Mmdeslfordernde Mk. 637,—. Letzterer erhielt den Zuschlag. Landkreis Gießen. Lollar, 5. April. Bei der heutigen B e i g e ordne t e n st i chwa hl wurde Gemeinderat und Gastwirt Karl Ger lach mit 207 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Geißler erhielt 93 Stimmen. Acht Zettel waren ungültig. Die Wahlbeteiligung hatte sich gegen die Hauptwahl nur um etjrc Stimme vermehrt. — Dre dem Fuhrmann Joh. Agel dahier gehörige Hofreite ging durch Kauf in den Besitz des Kaufmanns Samuel Löwenstein über. Der Kaufpreis beträgt 3600 Mark. selb bes Arztes behnt srch oft stunben- und meilenweit aus, der Wirkungskreis der Hebamme ift aber in ber Regel nur auf ihren Wohnort beschränkt. gewicht ... .... x . 46—47 60—61 46 60 Ueberstand: Rinder, Kälber, Schafe und Schweine geringer Ueberstand. Airchleche Nachrichten. luhywiisgenitiiioe. Gotterorenst in der Synagoge (Süd-Anlages SamStag den 8. April 1911: Vorabend: 6.45 Uhr. Morgens: 9.00 Uhr. Nachmittags: 3.30 Uhr. Schrifterklärmrg. Sabbatausgang: 7.55 Uhr. 2rraetm,cye neuglousgejellschafl. Gottesdienst. Sabbat^eier am 8. April 1911: Freitag abend 6.40 Uhr. Samstag morgen 8.30 Uhr. Predigt. Samstaq nachmittag 3.30 Uhr. Sabbat-Ausgang 7.55 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.45 Uhr, abends 6.00 Uhr. Ungejochte .... Bullen. Ideal, dessen Verwirklichung unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse jeder deutschen Landschaft zu erstreben ist. 2. Der Begriff der allgemeinen Bildung, wie er unser Schulwesen heute noch beherrscht, ist für die Mädchenfortbil- dungsschule als irrtümlich und irreführend abzulehnen. 3. Die Fortbildungsschule sür Mädchen muß vielmehr eine Berufsschule fein. Und zwar haben alle Mädchen einen doppelten Beruf zu erlernen. Einmal müssen die Mädchen den Wirkungskreis der Hausfrau gründlich kennen lernen, und dann stellt unsere Zeit an sie auch noch die Forderung, daß sie — wie die Küaben — sich für einen bestimmten Erwerbsberuf vorbereiten. Haus Haltungskunde muß daher in der obligatorischen Fortbildungsschule von allen Mädchen erlernt werden. Für die Ausbildung in einem gewerblichen oder kaufmännischen Berufe sind Berufs kl ass en zu bilden. 4. Eine drei- oder vierjährige obligatorische Mädchenfortbildungsschule mit mindestens 4 bis 6 Wochenstunden ist als das wünschenswerte Ziel der ganzen Bewegung zu bezeichnen. Als zweiter Redner behandelte Lehrer Keil-Klein- Linden „Die französische Fremdenlegion". Der Vortrag behandelte den deutschen und französischen Heeres- ersatz, das von der Fremdenlegion eroberte französische Kolonialreich, die Werbuna und Herkunft der Rekruten, die Ausbildung zu den grausamen Märschen, den Tod Weißrocks, Arbeit und Lohn des Legionärs, die brutalen Strafen, die fortgesetzten Desertionen, die blutige Geschichte der Legion und endlich die Vorschläge der deutschen Behörden, um die deutsche Jugend vor dem Höllendienst in der Legion zu bewahren. Hierzu sollten Vereine, Biblrotheken, Fortbildungsschulen und Volksschulen mithelfen. Nach allgemeinem Beifall sprach Professor Dr. Alles den Rednern den Dank ber Konferenz aus. An die Kon- ferenz schloß sich ein gemeinsames Esten, bei dem Regierungsrat Welcker einen Toast aus den Großherzog aus- brach te. \ \ Erlangen Sir ausdrücklich: Kreis Lauterbach. ~ Lauterbach, 5. April. Wegen Mißhandlung und Vernachlässigung durch seine Eltern mußte ein hiesiger vierjähriger Knabe in das Krankenhaus ausgenommen werden. Bei der Untersuchung war der Körper des Kindes ganz mit blauen, blutunterlaufenen Stellen bedeckt. Da sich die Eltern den ganzen Tag nicht um das Kind kümmerten und ihm auch nichts zu essen gabenz stillte es seinen Hunger durch Essen. Gegen das Elternpaar ift Anzeige erstattet worden. ~ Schlitz, 5. April. Trotz der strengen Vorsichtsmaßregeln ist in zwei Ortschaften des Schlitzerlandes die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen, und zwar haben sich diese die betreffenden Landwirte selbst eingeschleppt. Von einem Händler aus dem preußischen Orte Niederjosfa bezogen Landwirte auS Rimbach und Unter-Wegfurth junge Schweine, die die Seuche mitbrachten. Die nötigen Absperrungen sind bereits erfolgt. P. Schlitz, 5. April. Die Bewohner unserer Stadt wurden heute mittag gegen Vsl Uhr durch Fen er lärm alarmiert. In dem Ä 0 h n h a u s e des Metzgers A. Schwab war im Schlafzimmer Feuer ausgebrochen. Ein schlafendes einjähriges Kind konnte nur mit größter Lebensgefahr gerettet werden. Dem tatkräftigen Eingreifen der Bewohner, sowie der Feuerwehr ist es gelungen, das Feuer trotz des herrschenden orkanartigen Sturmes aui seinen Herd xu beschränken: die Feuersbrunst wurde nach zwei Stunden vollständig gelöscht. Ueber die Entstehung des Brandes weiß man bis jetzt nichts Genaues, doch vermutet man, daß er durch Kurzschluß entstanden ist. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt. X Schlitz, 5. ?lpril. Diese Woche hat der Unterricht in der zurzeit sich hier befindenden Kochschule in der Turnhalle seinen Anfang genommen. Der Kursus soll etwa» 6 Wochen dauern. Es nehmen 24 junge Mädchen daran teil. Kreis Schotten. OV 0 m Vogelsberg, 5. April. Die schlechte Kartoffelernte im letzten Herbste, die nicht einmal den vollen halben Ertrag Der vorausgegantzenen lieferte und sehr schlechte Qualität der Knollen gezeitigt, bringt es mit sich, daß gegenwärtig die Nachfrage nach neuen Sorten von Setzkartoffeln außergewöhnlich lebhaft ist. Dabei sind die Preise sehr hoch; sie betragen fast das Doppelte ber vorjährigem. Der Doppelzentner gewöhnlich gangbarer Sorten wirb mit 9 Mk. bezahlt, neuere Arten sogar, wie „Vater Rhein", „Böhms Erfolg" u dgl., 10 Mk. Es ist in diesem Frühjahre dringend geboten, bei der im vorigen Herbste erzielten schilechten Qualität der Kartoffeln einen Wechsel vorzunehmen. Starkenburg und Nheinheffen. m. Offenbach a. M, 6. April. Mit dem Abschluß eines Tarifvertrages beschäftigte sich gestern eine gut besuchte Holzarbciterversammlung. Die Versammlung stimmte einstimmig dem Abschluß eines Tariftertra es zu, der eine Verkürzung der Arbeitsstundenzahl von 56 aus 53 in der Woche fordert; ferner soll der Stundenlohn sofort um 3 Pfg., im nächsten Jahre abermals um 3 Pfg. und in dem darauffolgenden Jahre um 1 Pfg. erhöht werden. Der Tarif schreibt einen Mindestlohn von 48 Pfg. bis zu dem 20. Lebensjahre vor, der danach aus 55 Pfg. erhöht werden soll. Der Tarif soll auf eine Dauer von 4 Jahren abgeschlossen werden. Mit diesem Beschluß der Mitglieder des deutschen Holzarbciterverbandes erklärten sich die in dem christlichen Holzarbeitcrverband Organisierten einverstanden. ’ M ainz, 5. April. Wegen der Errichtung deS Korps- bekleidungsamteS haben die Vereine Neustadt, Altstadt, Mainzer Schutzverband und Bürgerverein .Mainz-Mombach an die Bürgermeisterei eine Eingabe gerichtet. Darin wird der Bau des Korpsbelleidungsamtes und seine Lage als gegenwärtig wichtigste Fraae für die Weiterentwicklung der Stadt hingestellt und gebeten, sich an das Kriegsministerium zu wenden, daß es den Bau in Mainz und nicht in Mainz-Kaste! errichte. Das Kriegsministerium habe sich zuerst selbst für Mainz entschieden, und nachdem es Hanau nun endgültig fallen gelassen habe, fei es sicher möglich eine Entscheidung zu Gunsten des Mainzer Geländes herbeizuführen, zumal dann eine direkte Verbindung mit dem Hasen und der neuen Militärbahn vorhanden wären. Außerdem befänden sich das Proviantamt, die Bäckerei und die Kgl. Landgemeinden bestehen örtliche Ausschüsse zu seiner Durch führung. Naturgemäß muß ja die Durchführung eines solchen allgemeinen Blumentags sich ganz den örtlichen Verhältnissen anpassen und in Stadt und Land deshalb verschieden sein In den Städten ruht der Schwerpunkt der ganzen Veranstaltung in dem allgemeinen Blum en verkauf auf den Straßen Zn den kleineren Landorten läßt sich dieser natürlich nicht überall durchfuhren. Dort werden an vielen Orten gemeinverständliche Vorträge von Aerzten, Geistlichen, Lehrern oder anderen geeigneten Personen über die Mutter- und Säuglingsfürsorge gehalten, bei denen am Eingang gegen ein paar Pfennige Eintrittsgeld Maßliebchen überreicht werden. In anderen Orten sollen populäre Konzerte oder ähnliche Veranstaltungen abgehalten werden. Wiederum in anderen Orten werden die Schulkinder, festlich gekleidet, mit Kränzchen int Haar und dem Blumen- körbchen in der Hand, unter Leitung der Lehrer in den Häusern herumgehen und ein kleines Derschen aussagen, um jedermann zu einer kleinen Gabe für die Kleinsten der Kleinen au ermuntern. In der Bergstraße werden Knaben und Mädchen mit der Zupfgeige in der Hand und Volkslieder singend, die Blumen ausbieten. Es ift eine Freude, zu sehen, wie in vielen Orten förmlich ein Wettbewerb von Anregungen entstanden ist und wie keine Gegend unseres Hessenlandes hinter der anderen Zurückbleiben will. Kommt doch auch der Ertrag allen Gegenden des Landes und der gesamten Bevölkerung gleichmäßig zugute. Alle die bereit sind, in irgendeiner Weise in den Dienst der guten Sache zu treten, werden aufgesordert, sich ohne besondere Aufforderung an den Ausschuß ihres Kreises (Adresse: Großh. KTeisamt) zu wenden Jedermann ist willkommen! ** Eine hochwichtige Entdeckung. Ueberall wütet eben die Maul- und Klauenseuche, ungezählte Millionen an Schaden verursachend, und die Hauptschwierigkeit der Bekämpfung der Krankheit besteht darin, daß man bisher ihre wahre Natur nicht kennt. Vor drei Monaten nahm der Berliner Forscher Dr. Siegel an frisch erkrankten Rindern Blut- und Milzuntersuchungen vor, er fand auch ein Lebewesen, das als Erreger der Seuche an- aesprochen werden mußte, das sich aber nur auf den Üblichen Kulturen nicht züchten ließ. Dr. Siegel ist die Züchtung auf Reinkulturen nun gelungen und in der soeben erschienenen Tierärztlichen Wochenschrift bestätigt ein zweiter Gelehrter, Dr. Nicolaus, die Befunde seines Kollegen voll- ständig. TanaÄ erscheinen die neuen Bazillen stets im Blute der an der Seuche leidenden Tiere, sobald diese fiebern. Der Gelehrte nennt sie Cytorrhyctcs Coccen Ihre wahrnehmbare Vermehrung auf Bouillon-Kulturen erfolgt erst nach 14 Tagen, besser gelingt die Züchtunlg auf Agar, und Dr. Nicolaus bestätigt ausdrücklich, bafc die auf Agar gezüchteten Coccen mit den im Blute ber kranken Rinber zirkulierenden völlig identisch sind. Mit Unterstützung bes Landwirtschaftsministeriums werden nun eingehenoe Weiterforschungen getrieben und wenn nicht alles täuscht, wird man dank ber Entdeckung Dr. Siegels bald in systematischer Weise gegen die Maul- und Klauenseuche vorgehen können ür bestehen viele Vorbi.der anderswo: besonders interessant ind die zwei nach der Königin Marie benannten Heime in Dresden, in denen 40 Damen wohnen. Sie erhielten sich von Anfang an ohne Zuschuß. Doch wäre es nicht möglich, ein solches Unternehmen in kleinerem Maßstab ohne Kapitalgrundlage zu beginnen. Daher wird zuerst Martte. F. C. Wiesbaden. Diehl) o^-Marktbericht vom 5. April. AnÜrieb: Rinder 100 (Ochsen 42, Kühe 58, Bullen 0), Kälber 337, Schcne 6, Schweine 484. Tendenz: Rinder mittelmäßig, Kälber und Schale lebhaft, Schweine mittelmäßig. Preis Durch- pro 100 Pfd. schnittspreiS tebenb. «»lacht. pro 100 Pfund A c P?'u d,t ,. . XXbenb» Schlacht» O chs en. von-blSvon-br- ßeu>i4t Vollfleischige, auscmnästete, höchsten P- ** Heime für alleinstehende Damen ber gebilbeten ©tänbe sinb längst an vielen Plätzen eingerichtet, — unsere Provinz besitzt noch nichts derartiges. Da aber auch stier schon mehrfach eine solche Einrichtung gewünscht wurde, so sinb eine Reihe von Frauen und Männern ber Frage nähergetreten. Sie nahmen die Grün- >ung eines interkonfessionellen Damen Heimes ür die Provinz Oberhessen in Gießen in Aussicht. Da ür bestehen viele Vorbi.der anderswo: besonders intereffani ! Seit 16 Jahren in Deutschland ein^eführt und beliebt. ! dieser Nur Schutzecht marke. mit hv*/,) Gießen, 5. April 1911. [02756 Danksagung 2209 Krosdorf, den 6. 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Die Arbeiten und Lieferungen der Materialien zur Herstellung eines Dienstwohngebäudes in Km 2,8 der Strecke Gieften— Gelnhausen nebst ^Nebengebäude getrennt nach LosI Erd-,Maurer-, Asphalt-, Steinmetz-, Staker-, Schmiede- und Eisenarbeiten Los II Zimmerarbeiten Los III Dachdeckerarbeiten Los IV Tischler-, Schlosser-, Glaser- it. Anstreicherarbeiten sollen vergeben werden. d4/« Verdingungsunterlagen find bei dem unterzeichneten Betriebsamte einzusehen und können, so lange der Vorrat reicht, auch gegen postfreie Einsendung von: 1,50 Mk. für Los I 0,80 Mk. für Los II 0/50 2ttk. für Los III und 0,90 Mk. für Los IV m bar von dem Betriebsamt 1 in Gieften bezogen werden. Angebote mit entsprechender Aufschrift sind bis zum 15. Avril 1911, vormittags 11 Uhr, einzu- reichen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gieften, den 1. Avril 1911. Grofth.EiseiibahN'Betriebs-Amt2 K 26/11. 8^ Donnerstag, 20. Avril 1911, nachmittags 3 Uhr, werden in unterem Amtszimmer die dem K. W. Henrich in Gieften zugeschriebenen nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 38/Nr. ab 113®a/IOo *= 355 qm Host reite hinter den Schiehgärten an der NodheimerStratze nahe der Feldbereinigung alt 38/113«'/,°o - 400 qm neu 38/72s/io — 450 qm. Gieften, den 27. März 1911. Grobherzogliches Ortsgericht. _______ G r o s.________ K 20/1t Donnerstag, 4. Mai 1911, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die dem Joh. Lein und Ehefrau geb. Hofmann in Gieften aunef ilmebenen, nach- nehend verzeichneten Parzellen versteigert: 1/1305 — 178 qm Hofreite in der Flügelsgasse. 1 1323 — 137 qm Hofreite in der I Walltor strafte. 22'14 — 1750 qm Grabgarten auf dem Rodt. Gieften, den 22. März 1911. Grotzherzogliches Ortsgericht. GroS. K 22/11. lB®/e Donnerstag, 27. Avril 1911, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die dem Gustav Weiniar u. Ehefrau geb. Quinting in Gieften zngeschriebenen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 4/348,0 = 200 qm Grabgarten am untersten Riegelvfad bei der Superintendentenwiese. 4/348,8 = 160 qm Hofreite daselbst. Gieften, den 22. März 1911. Groftherzogliches Ortsgericht. Gros. K 31/11. B8/4 Donnerstag, 27. Slvril 1911, nachmittags 3 Uhr, werden in unserem Amtszimmer die dem K. 9L Henrich in Gieften zuge- schriebenen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 1. alt 38/113“‘7ioj — 400 qm Hofreite hinter den Schietzgärteu an der Rodheimer Strafte neu 38/723/ln *= 450 qm 2. alt 38/113°^/lm --- 355 qrn Hofreite daselbst neu 38/725/IO = 399 qm. Gieften, den 3. Avril 1911. Grofth. Ortsgericht Gieften. _________Gros._________ K 30/11 . B6/* Donnerstag, 27. Avril 1911, nachmittags 3 Uhr, werden in unserem Amtszimmer die dem Karl Wilhelm Henrich aus Grvften - Linden zugeschriebenen nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: Nach der Feldbereinignng: Fl. 38 Nr. 723/,o — 450 qm Hofreite hinter den Schieftgärteu an der Rodheimer Strafte Fl. 38 Nr. 72*710 = 399 qm Hofreite daselbst «Neubauten Rodheimer Strafte 51 und 53). Gieften, den 5. Avril 1911. Grotzherzogliches Ortsgericht. Oster Postkarten feine Ausführung, für Wiederverkauser sehr billig solange Vorrat. 2050 H. Stübn, Pavicrhandlnvg.