161. Jahrgang viertes Blatt Nr. 106 Erscheint täglich mit Ausnahme deZ Sonntag». Die „Gießener ZamilienbläNer" werden dem „Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Leit« fragen" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger sür Vberhesjen Somstag, 6. Mai 1OQ Rotationsdruck und Verlag der Vrühllschen Universität« - Buch- und Sreindrurkerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Tnicfectü ftrofee 7. Expedition und Verlag: ^48 bl. Redaktion: 112. Tel.-Adr^AnieigerViefeen, Zum Tode Adolf IDoermanns. Adolf ISocrntann, der Chef der Woermann-Linie unb der bekannten Rcedereisirma C. Woermann, der, wie wir gestern berichteten, in der Nacht zum Donnerstag in Sam bürg gestorben ift, hatte ein arbeits* und erfolgreiches Leben hinter sich, kfr war am 10. Dezember 1847 in Ham bürg geboren. 1868 reiste er, so entnehmen wir der „Voss. Ztg ", auf einem Segelschiff nach Singapur und machte bann eine einjährige Reise durch Indien, China, Japan, Kuba inib die Vereinigten Staaten. 1870 zurückgekchrt, unternahm er in den folgenden Jahren ztvei Reisen nach der Westtüste Afr-ikas und hielt sich längere Zeit in Liberia aus. Ende 1872 kam er von dort wieder in die Heimat zurück und blieb seitdem dauernd in Hamburg. Im Jahre 1871 wurde er Teilhaber des Geschäfts seines Vaters (S. Woermann und trat nach dessen 1880 erfolgtem Tode an die Spitze der Firma. Adolf Woermann hat sich auch im politischen Leben sowohl seines engeren Vaterlandes wie auch des gesamten Deutschen Reiches eifrig betätigt. Er war Mitglied der Samburncr Bürgerschaft und gehörte von 1884 bis 1890 dem deutschen Reichstag als Vertreter des Wahlkreises Hamburg 3 an Er war in ihm Mitglied der nationalliberalen Partei. Seit langen Jahren Mitglied der Hamburger Handelskammer, war er zuletzt deren Vorsitzender. Mir Mols Woermann, auf den Bismarck das Wort vom „königlichen Kaufmann" prägte, ist eine der markantesten Persönlichkeiten Hamburgs und einer der bedeutendsten Kaufleute Deutschlands dahingegangen. Adolf Woermann und feine Firma E. Woermann find für die Entwicklung der deutschen Kolonien in Afrika von bahn brechender Bedeutung gewesen. Die Firma legte als erste Handelsfirma eigene Faktoreien und Plantagen in Kamerun, Gabun und Liberia an. Adolf Woermann, der im Jahre 1874 in die väterliche Firma eintrat, richtete seine ganze Tatkraft fcuf Westasrika 1880 gründete er die Afrikanische Dampfergesellschaft, die heutige Woermann-Linie, zwecks einer regelmäßigen Verbindung zwischen Deutschland imb Westafrika. 18 84 erwarb er d as Mündun gs-- g e b i e t d e s K a m e r u n - F l u f s c s und stellte es dem Deutschen Reiche als Schutzgebiet zur Verfügung. Die Handelsbeziehungen des Ex- und Jnrports der Firma dehnten sich dann über ganz Dentsch-Südwest- a fr i t a aus. Seit einem Jahre hatte Woermann sich von der Leitung seiner Unternehmungen zurückgezogen und diese seinem Bruder Eduard überlassen. Ferner legte er seine Aemter in den Aufsichtsräten verschiedener hamburgischer Gesellschaften nieder: nur dem Verwaltungsrat der Hamburg- Amerika. Linie und der Deutschen Ostafrika-Lmie gehörte er bis zuletzt an. Woermann war schon seit längerer Zeit schwer leidend. Die Ueberanstrengungen früherer Jahre und Tropenkrankheiten haben seine Kräfte vor der Zeit aufgericben. Am Dienstag war er von einem Schlaganfall betroffen worden. __________________________________ Auf dem Gebiete der Reederei war er eine Groh macht, bereu Einfluß weithin reichte. Seine hart kauf mcknmsche Geschästsgebarung trug ihm viele Angriffe ein, die, soweit es sich B. um die Tarifpolitik der Wocr- mann-Linien nach Miseren Kolonien handelte, durchaus nicht unberechtigt waren.' Die schärfsten Angriffe wurden nach dem Herero-Aufstand gegen ihn gerichtet. Es wurde damals gegen ihn der Vorwurf erhoben, daß er eine Mono- p o l ft e i l u n g errungen und zu seinem Vorteil ausgebeutet habe. Es kam zu Prozessen, die teilweise zu seinen Ungunsten entschieden wurden. Diese Affären, zusammen mit der Angelegenheit Tippelskirch waren die wesentlichsten Ursachen bafüri baß damals so laut und vielstimmig die Forderung nach einer von kaufmännischem Verständnis getragenen Verwaltung unserer Kolonien erhoben wurde. Die Aera Ternburg war die Folge. Vermischtes. * Der patriotische Volkbart. Aus London wird berichtet: Tie an und für sich schöne und erhebende nationale Begeisterung, mit her ganz England einmütig bem weihet Tage der Königskiönuiig entgegen geht, nimmt mit der Zeit Formen an, die von einer gewissen Momit nickt ganz frei sind, und doch als ein interessantes psychologisches Merkmal für das britische Volkscmpsinden ihre Bedeutung haben. Ueberall kennzeichnet daS öffentliche Leben dieselbe Erscheinung, die für den ruhigen Beobachter aus bem immer wieder aus tauchen den Schreckgespenst einer „beutfeben Invasion" hervortritt: die Tendenz, alle nationalen Empfindung en auf die Spitze zu treiben, eine Nervosität, die in der Freude wie in der Furcht alle gesunden Matze verliert und sich in höchst seltsamen Ausschweifungen brr Gefühle ergeht- Die große nationalistische Presse Londons behandelt jetzt mit einem Ernst und einer feierlichen Würde, die einer wichtigeren Sache wert gewesen wären, den patriotischen Vorschlag eines vcrabschiedetni Marinelapitäns, der ben_ Krönungstag dadurch zu einer gewaltigen Kundgebung der Königstreue und des britischen Gefühls machen will, daß alle echten Engländer an diesem Tage im Dollbart mebtirten sollen. Der begeisterte Vortämpscr bieier Kundgebung, Kapitän George Moll- waine, crlärt: „Was könnte es Schöneres geben: das ganze britische Reick in Bärten, und fein Mann, gleichviel, ob alt oder jung, ohne diesen patriotischen Sdnnuck! Man ist sich in England noch nickt endgültig darüber klar geworden, in welcher Weise man das Andenten unseres nerftotbenen Königs Eduard ehren soll. König Eduard begünstigte den Bartwuchs, trug selbst einen Bart, ermutigte seine Umgebung zum Barttragen, und in diesem Vnickte teilt auch der jetzige König die Ueberzeugungen. seines Vaters." Und darum sollett alle britischen, Männer zum Beweise ihrer treuen Liebe zu ihrem Königshanse die Rasiermesser beiseite schleudern und als wackere bärtige Männer am Krönungstage durch die gesunde Kraft ilwes natürlichen Bartwuchses der ganzen Welt die nationale Begeisterung Old Englands bar tun. Und dieser Plan wird in London mit tiefem Ernste «rhrogen und besprochen, und mit einem Unterton Patriotischer Trauer redet man von der Möglichkeit des Scheiterns dieser bärtigen Massenkundgebung. Adan befragt führende Per- sönlichkeiten um ihre Meinung, und ist voll banger Zweifel, ob der schöne Vorschlag des patriotischen Kapitäns nicht vielleicht etwas 5it spät kommt und ob die wenigen Wochen bis zur Krönung noch ausreichen werden, um die zur Mehrzahl glattrasierte britische Milon mit einem königstreuen Urwald üppiger Barthaare »4 beschenken. vüchertisch. •• DaS Reichszuwachs slcuergesetz ist am 1. April in Kraft getreten, ohne daß damals die iiinfongreichen AusfühningS- bcinmnuinacn bekannt waren. Es wird deshalb in weiten Kreisen mit Interesse begrüßt werden, daß in der Sammlung .Deutsche Rerchsgefe tz e in Einzel-Abdrücke n' (herau-Sgcgcbcn von Geh. Justiziar Dr. Karl G a r e iS-München, Verlag von Emil Roth in (fhefeen) diese AusführungSbcstinunungen nunmehr er schienen sind. (Preis brofch. 1 Ml., gebunden 1.30 Alk) Die Broichstre, die mit einem ausführlichen Inhaltsverzeichnis versehen ist, enthält außer dein gefaulten Text der Attsführuttgsbeslininiungcn auch Muster für die benötigten Formulare usw. Sie wirb allen, die mit der Zuwachsstcuer zu tun haben, wesentliche Dienste Der Strom, die neue, bei Oesterheld u. Eo.,'Berlin iV 15, erscheinende MouatSfchritt, die von Engelbert Pcrnerstorfer, Stefan Großmann und Arthur Rundt Herat,^gegeben wird und die gute Literatur nut Unterstützung hervorragender Mitarbeiter in breitere «rede tragen foll, enthält in ihrer ersten, soeben erfchieuencii Nummer folgende interessante Aussätze: .Theater und Demokratie' von Engelbert Pernerstorfer, .lieber Theaterbau' von Professor Csfnr Kaufmann, .2. Anzengrubers Polizeiakt' von Anton Betkel- heim, .Organisiertes Publikiu-n' von Arthur Rnudt, .Bollätinnlicke Pkustkpstege' von D. I. Bach, .Jugendbildnis Gerhart Hauptmanns' von Stefan Gronmann. Ferner einen Aukfatz von Her- maiiii Bahr über den ainerikanifchen Dichter Walt Whitmann, einen Beitrag von Karl Sdiönherr .Ter Student' und von Schmidt- tzouu: .Ter Flieger', alsdann eine reichhaltige Rundfchau. — Stecher ts Armee-Einteilung und Quartier- liste des deutsäwn Rcichsheercs und der Kaiserlichen 9J2arinc, nach dem Stande vom 1. April d. Js. Verlag von Karl Sicgis.- mund, Hosbuchhandlung, Berlin SW, Dessauer Strotze 13. Die Stechcrtsche Armee-Einteilung, die wieder bedeutend erweitert und um einen ganzen Bogen vermehrt wurde, bringt in der neuen Ausgabe folgende neue Angaben: Tie Mommanbcurc der Bezirke fommandos: die etatsmäßigen Stabsoffiziere, Platzmajors, '.'ld- jutanten der Kgl Prinzen und deutschen Fürsten, ferner Beschreibung der eingetretenen Uniformänderungen, sowie als wichtigste Neuerung: eine Altersliste der Generalität, der Obersten und Oberstleutnants, Niafore der .Kavallerie und Feldartillerie, soweit sie RcgimentS--Kommandeure sind. Tie Abteilung „Malier- licke Marine" enthält die Personalien des Reichsmarine Amts, die Lbcr Kommandos und Inspektionen, die Küsten-Bezirke, Vcrwal' tungsbehörden, Schutztrupven sür die Kolonien und eine genaue Liste Sr. Majestät Kriegsschiffe nebst Tcplacemcnt, Pserdekrastcn una Besatzungs-Etat. Dr- Zucker s Koblcniäurcbädcr mit den Kiffen find nach den neuesten vergleichenden Untcrfudjungcit von Profefwr Dr. Junghahnund Or. Baedcckcr Berlin ein chtMflartigcv ooll- wevtiaer Ersatz der Bäder in 91 a u b c t m, Kislinae,i ulw. ihv*/, Kassenschränke Fr. Krogmann Balinhofatrassc 30 D*°/3 Ferneprechcr 101 Stan-esamtsnachrichten. Gießen. Aufgebote: April 29. Ehristian Groh, Hilfsweichensteller in Sprendlingen, Kreis Offenbach, nut Katharine Elisabeth Wisse- mQnn in Gießen. Karl Becker, Fuhrmann, mit Katharine Walter, beide in Gießen. — Karl Gutbub, Schuhmachermeister, mit Karoline Sclnnitz, beide in Gießen. — Karl Glyrift,^äder in Grüuberg, mit Emma Ohly in Gießen. — Mai 2. >>ohann Stadelmaun, Stationsschafsner in Neumünster (Schlesnng-Hol- ftein , mit Anna Katharina Harttnann in Alsseld. - Heinrich Wagner, Schlosser, mit Sibnlle Wurm, beide in Gießen. 3. H-.'inrick Friedrich Julius Gehrke, Schlosser, mit Lina eduner, geb. Morell, beide in Friedberg Hessen). — 4. Ludwig Phil'vv .Hermann Lenz, Kaufnrann in Gießen, mit Katharina Viei'ier in Heuchelheim. — Karl Mandler, Postbote in Gießen, mit Emma Abel in Krofdorf. Eheschließungen: Mai 3. Arnold Tamm, Landwirt- schaftslehrer in Lick, mit Anna Schlüter üt Gießen. _ Geborene: April 24. Tcm Buchhalter Karl edmcibcr rin Marl August. 26. Dem Elektrotechniker Egon Bundesmann eilte Tochter, üilbegarb Elisabeth Martha. — 28. Dem Lokomottvhei-er Adam Weber ein Sohn, Abam. — 29.^-i.cnt Wagenführer Heinricki Schmitt ein Sohn, Heinrich Li.bwig rvned- rich Philivv. — 30. Tem Hoboist und Sergeanten ^ohann Friedrich Wilhelm Girod eine Tochter, Anna Ottilie Elisab.tb. — Dem Fabritauten Ernst Pletz Zwillinge, Hübe unb Lilly — Ter 3600 scbiiltxx. Direktor Kraue«, \n bell ital. Nußbaum, im. engl. Fasson: 2 Bett- stellen, 2 Patentrahmen, 2 Wollmatratzen mit Keilen, Kleiderschrank, Waschkommode mit Marmor und Spiegelaufsatz, 2 Nachtschränke mit Marmor, 2 Stühle, Handtuchhalter; WUhttthnnitf & Nußbaum pol.: Plüsch-Divan, Ausziehtisch, ZvvljUzlMMtl- Vertiko m. Spiegelaufs., Sofaspiegel, 4Stühle; SÜujt Küchenschrank, Tisch, Stuhl, Ablaufbrett. Franko-Lieferung nach auswärts! Illustrierte Kataloge gratis und franko! Job. Heänr. Helberger Frankfurt a. BI. Vilbeler Strasse 29 pt., I., II., III. und UL Etage. Telephon 2295. Gegründet 1829. R 746 sehr mod. Form mit reicher Schnitzerei, mittel fa vU|lu|jlUlliliL 9iußb., innen gew. Eiche. Spieaelschrank mit K Kristall-Facetteglas, Waschkommode mit mod. Marmorplatte K mit 5kristall-Facettespiegel, 2 Nachtschränke, 2 Bettstellen, L 2 Stühle, Handtuchhalter, 2 Patentrahmen u. zwei 3-teilige g Wollmatratzen mit Keilen; Maburimmitt» in amerikanisch. Nußbaum, Büfett mit Messing- 0 | verglasung, 1 voll Zugtisch, 4 moderne Stühle, gt 1 Serviertisch, pa. Plüschdivan; J K.ichn mod. Form mit Messingverglasung, Büfett, Anrichte mit IQ B oluusll Topfbrett, Tisch, 2 Stühle, Ablaufbrett. | Einrichtung für Mark 1100.-1 ital. Nußbaum pol., innen „Eiche", mit reicher ffi lim Jntarsieneinlage, großem 3-tllrigen Spiegel- B schrank, Waschkommode mit modernem Spiegelaufsatz und ßj | Marmorplatte, 2 Bettstellen, 2 Nachtschränke, 2 Stühle, H 8 1 Handtuchständer; 1 Wshn- und Locisezimmec „W‘ S? «Ä in gediegener Ausführung, mit schwerem, oornehni wirken- H dem Büfett. Umbau mit Spiegel und Seitcnschränken mit B Messingverglasung, moderner Divan, 1 geschlossene Kredenz E mit Türen, Auszugtisch, 4 schwere Lederstühle. 1 KW in „Nntur-Kiefernholz" verglasung und Kachel- || einsagen^-^l,großes Küchenbüfctt, 1 Anrichte mit Aufsatz, Einrichtung für Mark1600.“ italien. Nußbaum, innen „Eiche", mit sehr aparten Intarsien, großem, 3-türig. Spiegelschrank mit Wäscheeinteilung u. vornehm wirkenden Kristallspiegel-Verglasungen, Waschkommode mit modern. Marmorplatte und Sviegeltoilette, 2 Bettstellen, 2 Nachtschränken, 2 Stühlen, 1 Handtuchständer. 1 Treisezimer,Me" dnnkcl gebeizt Nodell ge- H diegener Arbett: Büfett mit aparter Kristallverglasung und reich geschnitztem Umbau mit großem Spiegel, Divan mit modernem Bezug u. prima Polsterung, 1 Zugtisch, 4 massiv eichene Lederstühle. 1 Hemuziimer „W* gebeizt SSSÄ Sroßer Bücherschrank, mod. Diplomat, 1 runder Mitteltisch, 1 Lederschreibsessel, 2 Rohrstühle, 1 Chaiselongue mit Decke. j Mibe „Natur - Kiesernbalz" ÖM'äfi | großes Küchenbüfett, 1 Anrichte, 1 Aufsatz mit Schränkchen ffi und Schubkasten, 1 Tisch und 2 Stühlen. I Elegante Einrichtungen £ 2067-r 2690- Bestehend aus einem sehr gediegenen | Schlafzimmer in Mahagoni oder Goldbirke. I Schweres Spcifcaimmer, ffiSÄ Vornehmes Herrenzimmer ÄÄ Moderne Pitch pine Küche "" NE"v