Nr. 82 Erstes Blatt 161. Jahrgang Donnerstag, 6. April 1911 Der Siebener »«zeige, Ä ZS Tpf W SichenerAnznge Fernivrech - Anschlüsse. MMW General-Anzeiger für Vberyessen Annahme von Anzeigen Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Unio.'Vuch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchnlstrahe 7. to XmZVTüt)" Büdingtn: zrrnsprecher Hr. 50 Seschästrstellc vahnhosftratze |6a. VeznqSvretS: monatlich 75 P'., viertel- jährlich 'IW. 2.20; burcb 'lbhole- iu Zweigstellen moimtüd) 65 lii.; durch die Post 'DIT. 2.— otcrtel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilmpreis: lokal 15 UU ausiväns 20 Piennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den poliilschen Teil: August Eoerz. für „Feuilleton'. .Vermischtes* und „GcrichtSfaal": K. Neurath. für „Stadl und Land": E.Heß: für den Anzeigenteil: H. Beck. aus dem Auslände beziehen muß und bic cs nirgends so vorteilhaft und bcquenr taufen faiut, als in Deutsch land. Anderseits ist die schloedische Ausfuhr nach Deutschland für das Wirtschaftsleben Schwedens von hervorragen der Bedeutung, und diese Ausfuhr besteht nicht, wie in der schwedischen Presse neuerdings vielfach behauptet wird, ausschließlich in Rohwaren, sondern umfaßt auch einen großen Teil Halb- und Fenigfabrikate. beide befreundete und verbündete Nationen unter der Leitung bet einen wie bei anderen Dynastie ihre Geschichte vollendeten, sind Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Der Handelsvertrag mit Schweden. Die deutsch-,chwedifchen Handelsvertragsverhandlungen, die im November und Dezember vorigen Jahres in Stockholm, nach Neujahr in Berlin geführt wurden, haben anfangs Februar eine kurze Unterbrechung durch den Zusammentritt des Wirtschaftlichen Ausschusses erfahren. "?iach- betn dieser handelspolitische Beirat über eine Reihe von g-ragen gehört worden war, die sich bei den Verhandlungen ergeben hatten, wurden Mitte Februar die Verhandlungen wieder ausgenommen. Inzwischen scheint man sich, so le,en wir in dec Deutschen volrskv. Korr., über den Vertrag so zut wie geeinigt zu haben, und es dürste nun Aufgabe der Regierung sein, dessen Vorlage an den Bundesrat und den Reichstag vorzubereiten. Ueber den Inhalt des neuen Vertrags ist bis jetzt nur belannt geworden, daß Deutschland, genau wie in dem Vertrage vom 8. Mai 1906, die zollfreie Einfuhr ton Werk- und Pflastersteinen zugestanden hat. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, daß deutscherseits auch die übrigen Zugeständnisse des bisherigen Vertrags erneuert worden sind. Vielleicht sind auch noch einige neue fronte,"।tonen hinzugekommen. Die Weiterg.'währung der Zoll,reiheit für schwedische Steine gibt der deutschen Steinindustrie zu Klagen Veranlassung. Diese hat unter dem Wettbewerb der schwedischen Steine schwer zu leiden, wird jedoch mit ihren gegen die Zoll,rciheit der schwedischen Einfuhr gerichteten Be,chwerden taum ctrocy erreichen. Welche Konzessionen wir von Schweden erhalten und wie sie m bewerten ,ind, wird sich erst beantworten lassen, wenn der genaue Wortlaut des neuen Vertrags bekanntgegeben ist. Bekanntlich hat Schweden einen neuen Zolltarif aufgestellt, der am 1. Dezember 1911 in Kraft treten soll. Dieser neue Tarif bildet die Unterlage für die von Schweden zu- xestandenen Vertragszollsätze. Man wird nun bei der Beurteilung der schwedischen Zugeständnisse nicht nur diese Vertrags,ätze zu prüfen haben, sondern auch feststellen müssen, welche Aenderungeii der neue schwedi.che Tarif noch außerdem für die deutsche Einfuhr nach. Schweden bringen wird. Was die Geltungsdauer des neuen Vertrags be- trijft, so wird ,ie wahrscheinlich so beme,seu sein, d^ß der Vertrag, ebenso wie unsere Zoll- und Handelsverträge mit Rußland, Italien, der Schweiz usw., frühestens zum 31. Dezember 1917 geiündigt werden kann. Ueber den Umfang unseres Hanoelsverkehrs mit Schwc- ben hat jetzt das Kai, erliche Statistische Amt die Einfuhr- und Ausfuhrwerte des Jahres 1910 veröf,enllicht. Unsere Wareneinfuhr aus Schweden hat betragen 1910: 103,8 Mill. Mart gegen 141,8 Mill. Marc in 1909,145,2 Mill. Mark in 1908, 1/2,0 Mill. Ml. in 1907 und 149,7 Mill. Mark in 1906. Die Warenausfuhr nach Schweden betrug 1910: 190,5 Mill. Mk., gegen 156,2 Mill. Mk. in 1909, 174,1 Mill Mk. in 1908, 186,6 Mill. Mk. in 1907 und 176,4 Mill. Mk. in 1906. Im lebten Jahre hat sich demnach, im Vergleich zum Vorjahre, die Einfuhr um 22 und die Ausfuhr um 34,2 Mill. Mk. vermehrt. Legt man dagegen dem Vergleich die Zahlen aus dem Jahre 190, zugrunde, so ist die Einsuhr um 8,2 Mill. Mk. zurück- aegangen und die Ausfuhr nur um 3,9 Mill. Mk. gewachsen. Uiiiere Ausfuhr nach Schweden war bisher stets etwas größer als unsere Ein,uhr von dort. In der Äns.uhr spielen neben den verschieoenaingiten Erzcugni.fen unserer Jnoustrie auch Getreide und son,.ige iaHjluir.|ü)aft i^e ft-.v m^e eine Hauptrolle. Es sind dies fast alles Waren, die Schweden Da; deutsche «ronprinzenpaar in Rom. Rom, 5. April. Ueber dw Ankunft des deutschen Kronprinzenpaares auf dem hiesigen Bahnhof wird berichtet: Als der Kronprinz den Eisenbahnwagen verließ, umarmte und küßte ihn der König zweimal sehr herzlich; die Königin umarmle und lüßte die Kronprinzessin ebenfalls sehr herzlich. Der König küßte der Kronprinzessin und der Kronprinz der Königin die Hand. Nachdem die Vorstellung der beiderseiKgen Gefolge vorüber war, hieß der Bürgermeister namens der Stadt das Kronprinzenpaar willkommen. Zum Empfange fand sich auch das Personal der deutschen Botschaft ein. Der Botschafter von Jagow und der Militärattache Freiherr vort Hammerstein-Equord waren dem Kronprinzen bis zum Kasino enlgegengefahrcn. In Rom waren die Straßen, durch welche die Fahrt nach dem Quirinal ging, von einer dichten Menschenmenge um- säunrt; auch die Fenster dec anliegenden Häuser waren von zahlreichen Besuchern be,etzt. Tie Musiktorps spielten die preußische und itaäenische Hdmne. Ana) nachdem die Fürstlichkeiten im Quirinal angekommen waren, dauerten die Huldigungsrufe an, so dag das Känigspaar fich mit den Gästen dreimal auf dem großen Vatron zeigten. Trotz des bedeckten Wetters boten die Straßen vom Bahnhof bis zum Quirinal ein ungemein festliches Bad. Die össentlichen Gebäude und die meisten Prtvathänser hatten geflaggt. Straßenvercäufer trieben einen schwunghaften Handel mit kleinen Fahnen in den italienischen und deutschen Farben, der Bahnhof war mit einem großen roten Baldachin, Palmen und anderen Blattpflanzen glanzend geschmückt. Während der König und der Kronprinz die Ehrentompagnie abschritten, unterhielten sich die Königin und die Kronprinzessin auf das Herzlichste. Ter Kronprinz und die Kronprinzegtn statteten der Königinwitwe Margarete in ihrem Palais einen einstündigen Besuch ab, der einen herzlichen Charakter trug. Eine zahlreiche Menge bereitete Kundgebungen. Nachher kehrte die Kronprinzessin in den Quirinal zurück, während der Kronprinz sich nach dem Pantheon begab, um an der Begräbnisstätte der Könige einen Kranz niederzulegen. Abends hatten die öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privathäuser festliche Beleuchtung angelegt. Während sich der Kronprinz nach dem Pantheon begab, besuchte die Kronprinzessin das Deutsche Hospital, wo sie sich eine Hache Stunde aufhielt. Später begaben sich die trouprinziichen Herrschaften nach der deut- Ichen Botschaft und empfingen dort Abordnungen der deut- Kolonie. „Po Polo Romano" schreibt: Der erste feierliche Besuch zur Jubelfeier des Königretchs Italien kommt von der deutschen kaiserlichen Familie in der Person des Kronprinzen und der Kronprinzessin. Kaiser Wckhelm konnte keine höhere, sympathischere Vertretung bestimmen, um in seinem und des deutschen Voltes Warnen unseren Souveränen und der italienischen Nation die Glückwünsche zur Fünfzigjahrfeier der Proklamation der Einheit des Vaterlanbes mit Rom als Hauptstadt zu überbringen. Wir Italiener, deren Herz im Einklang mit der Dynastie Savoyen schlägt, wie das des deutschen Voltes mit dem ruhmreichen Herrscherhause Hohenzollern, weil von größter Freude über die Anwesenheit des erhabenen Paares in Rom und von lebhaftester Dankbarkeit gegen den Kaiser und die Kaiserin erfüllt, die uns ihre vielgeliebten Kinder als willkommene Gäste des Quirinals gesandt haben. Die größte Genug tuung für Italien und Rom ist dieser neue Beweis der herzlichen Gefühle, welche der Kaiser in freudigen wie in traurigen Tagen für unser Land gehegt hat und die mit der unveränderten S»m pathie im Einklang stehen, die zwischen beiden Völkern von Au beginn der beiderseitigen Erhebung sich geltend machte. Für politische Betrachtungen ist dies nicht der Augenblick, seht, ivü das erhabene kronprinzliche Paar ankommt, darf nur das Gefühl gelten, das die römische Bürgerschaft treibt, den erlauchten Gästen die ehrerbietigsten und wärmsten Grüße entgcgcnzubringeit. „IVi e f | u g g e r p" Den>|fcmnait einen riiuuei seines Berliner Korrespondenten, in dem die Bedeutung des Drei bundes für Italien und Deutschland für die Vergangenheit und für die Zukunft dargelegt wird.____________________ Aus dem elsässischen Landesausschuh. Straßburg, b. April. Im Landesausschuß für Elsaß-Lotl,ringen bezeichnete bei der dritten Lesung des Haushalts in der Erörterung über die Verfassungsreform der Abgeordnete Laugel (Zentrum) es als Pflicht der Reichsregieruna, Elsaß-Lothringen die A u t o n o m i e zu gewähren. Es sei ein großes Unrecht gewesen, das Land ohne seine Zustimmung zu anneltieren. Um die Ungerechtigkeit wieder gut zu machen, sei es vor allem notwendig, die Meinungen des elsaß-lothringischen Volkes über die Berfassungs wünsche einzuholen, wosür er eine Assemblöe Constituante Vorschläge. Staatssekretär Zorn v. Bulach antwortete, daß Lau- gels Traum von einer Assembler Constituante sich nicht erfüllen werde. Das Schices al Elsaß-Lothringens sei mit dem Frankfurter Frieden endgültig erledigt. Im übrigen sei die angebotene Berfassungsvorlage eine ganz gewaltige Verbesserung, namentlich auch in den drei Bundesratsstim men. Sie ginge weit über das hinaus, was von den Mitgliedern des Ausschusses früher verlangt worden sei. Würde ,ie abgelehnt, so würde es noch Jahrzehnte dauern, bis eine Aenderung eintrete. Haus (Zentrum) verlangte die unabhängige Stellung des Statthalters gegenüber dem Kaiser, größeres Budget- recht für die Zweite Kammer und Aenderung der Wahl- srersei'.iteilung, Zugestä'tdnijse, ohne welche die Vorlage für seine Freunde unannehmbar sei. föeorg Wolf (liberal) verteidigte die Haltung der liberalen Partei im Reichs- tage. Das Heilmittel gegen die Beschwerden wegen der Wahlkreiseinteilung liege im Proporz. Wetter ls wollte nicht wahr haben, das; die früheren Anträge der elsaß- lothringiichen Abgeordneten durch die Ver,a,sungsreform befriedigt würden. Sie gäbe feine volle Autonomie, Bundescat und Reichstag wären bei den Verfassungsänderungen nicht völlig ausgeschaltet. Der konservative Vorstoß in der elsaß-lothringischen Ver- fassungsfrage hat in der Sitzung des preußischen Herrenhauses am Mittwoch seine Fortsetzung erfahren. Der Sprecher der Konservativen, Graf W e d e l l - Piesburf, versickerte indessen dazu, baß wegen bieser einen Frage ihr Vertrauen zum Ministerpraii beuten unb Kanzler in keiner Weise erschüttert sei. An des Ministerpräsidenten Stelle, Cer durch einen Trauerfall in der Familie am Erscheinen verhinbert ist, antwortet Herr v. Dallwitz, ohne jedoch sachlich auf die Frage einzugehen. Die Herren müssen fick' bescheiden mit dem Hinweis auf die Darlegungen des Herrn v. Bethmann im Abgeordnetenhaus. Nach dem Minister nimmt der ehemalige elsaß-lothringische Staats- Ise krctär v. Koeller das Wort, nm seinen von dem seiner Ein Papstbnes aus der Renaissance. Brief an einen Kölner Stadt schreiber vom Jahre 1445. Im Berlage Eugen Diederichs-Jena ist soeben der dritte Band des Quellenwerkes „Das Zeitalter der Renaissance" erschienen. Er enthält die Briese des für die humanisiifchc Bewegung so bedeutsamen Aeneas Silvius Piccolomini, des späteren Papstes Pius II. Wir geben in folgendem, ein für die Anschauungen der Zeit außerordentlich charakteristisches Schreiben wieder: An Johann Frunt, Stadtschreiber in Köln (Wien, 15. November 1445). Trostbrief über die Vergänglichkeit der Frauenliebe. Enea SUvio, kaiserlicher Sekrestär, grüßt herzlich Herrn Johann Fruntz, Sekretär der Stadt Köln. In letzter Zeit hab' ich dir öfters geschrieben: hoffentlich hast du meine Briefe erhalten, wenn sic verloren gegangen sind, wäre mir das sehr unangenehm, denn es stand manches darin, was ein Dritter nicht zu erfahren brauchte. Immerhin will ich dir noch ein paar Zeilen schicken, ist es doch freimdschastlich, Leid und Freud mit dem Freunde zu teilen. Der treffliche Johannes, der RatSschreiber von Nürnberg, der dich sehr wertschätzt, ist wieder bei uns und berichtet, er hotte dich in Trauer zurückgelassen. Es hätte dich ein schwerer Lckstag getroffen. Ich weiß nicht, was „aus dem Rathaus entflohen" sein soll, worüber du so außer dich geraten bist. _ Er erzählte, bei seiner Abreise wärst du so verstört gewesen, daß du nicht ein Wort herausgebracht hättest. Ich verstand den Mann gornicht, er sagte, er war aus dem Rathaus — dort war er oft, dort war er gern; „sic sind durchgegangen, er war ganz trostlos, man hat sie nicht mehr erwischt." Er sprach selber so verworren, ich konnte nicht herausbekommen, worum es sich denn handelte. Bloß daß du leidest, erfuhr ich und möchte dir Trost zusprechen. Lieber Johannes, was soll das nun fein! Ich habe dich als Mann gekannt, was in aller Welt kann bidbjo angreifeiL so verändern? Ein Manu muß doch auf alles gefaßt sein.^Was üfitmer geschehen kann, er muß cs voraussehcn und jedes Schick- solsschlags gewärtig fein, bann erträgt er fich leichter. Ist bir ein Freund gestorben — du mußtest wissen, daß er sterblich ist. Öaft du ein Vermögen verloren, — du mußtest wissen, daß ein Wink des Schichals genügt, es bir zu nehmen. Hat dich deine Geliebte betrogen, — bu mußtest die Unbeständig keil, bic Launenhaftigkeit der Weiber kennen. Nichts ist so trügerisch als der Sinn des Weibes. Nie ist ihre Liebe von Dauer. Das Weib ist ein falsches Tierchen, unzuverlässig, grausam, treulos, voller Tücken. Und sind die Weiber allen Männern ungetreu, den alten Leuten sind sie es am meisten. Tu, lieber Johannes, und ich, wir beide schreiten schon gegen Abend, und mit den Weibern sollten wir uns beide nicht mehr abgeben. Man lacht uns höchstens aus, witzelt über uns und keine hängt uns an außer des Gewinnes halber. Soll uns doch dieses verruchte Geschlecht vom Halse bleiben, es leert uns den Geldbeutel und zerreißt uns das Herz. Ist dir, lieber Johannes, deine Frau durchgegangen, so tut sie ja damit nicht dir weh, sondern plagt jetzt einen andern. Sei froh, daß du sie los bist. _ Ich spreche hiervon, denn das ist es, was ich den Worten des Johannes aus Nürnberg entnehmen konnte. Ich weiß ia nicht, ob es auch zutrifft. Ist es was anderes, so tröste dich selber Nichts ist so schlimm, daß cs von der Zeit nicht gelindert werden tömuc. Fasse dich, lieber Johannes, und sei nicht mehr traurig. Tenn wer einem Verlust nachtrauert, der peinigt sich bloß selber und erlangt das Verlorene doch nicht zurück. Wie man in Toskana sagt: Tausend Piund Traurigkeit bezahlen nicht eine Unze Schulden. Leb' wohl! Wien, den 15. November 1445. * _Ein Simrock-Ten km al in Honnef. Ans Honnef a Nh wird der Frks. Ztg. geschrieben: Tem großen Germanisten und rheinischen Dichter Karl Simrock soll hier bei GelegQlheit seines 110 Geburtstages ein Denkmal errichtet werden. Vtan hofft daß sich die Vorarbeiten dafür so schnell bewerkstelligen las)«r, daß die Enthüllungsfeier am 28. August 1912 statisinden kann. Simrock der sich 1840 in dem von Tr. Ernft Wcyden „^chweizer- tcck" genannten idyllischen Tale am Menzenberge hier ein Land- hans erbaute, das den Namen „Haus Parzival" führt, ftefjt in engen Beziehungen zu Honnef, zumal die Mchrzahl ferner wisicn- sckaftlichen und poetischen Werke in dem erwähnten Landlwuse entstanden ist. Tort empfing er auch seine Freunde: Alexander Kailsmonn, Gottfried Kinkel, Gustav Pfarrins usw. unb bewirtete sie u a mit dem von ihm selbst gezogenen Menzenberger Rotwein, dem sogenannten „Eckeichlut". Tas „Eckenblut" ist ein Legen- ftfid* zu dem bei Rhöndorf wach,enden „Trachcnblut". simrock behauptete daß Dietrich von Bern in den Menzcicherger Wcui- gärten den Riesen Eck erschlagen habe. Dessen Blut sei von dcr Erde aufgesogcn worden und nun gewipermaßen in dem Rebensaft enthalten. — In Menzenberg, wo jetzt ein Enkel Simrocks, der Maler Prof. Reifjersck:eid, das „Haus Parzival" bewohnt, soll auck) sein belanntes Lied „Warnung vor dem Ryein" gedichtet worden sein. — Der j ü ii g ir e dcutsme Professo r. Die Hochschul korrespondenz sck reibt aus Göttingen: Wie wir hören, ist der Kunsthistoriker, ord. Professor an der Universität Göttingen, Dr. Robert Vischer, beim Kultusministerium um seine Emeritierung eingekommen. Der bekannte Kunstforscher und Aesthetiker ist am 22. Februar 18 9 7 zuTübingen geboren. Wenn man nur die Liste seiner Werke dura,lieht, dann muß man lagen, daß der vierzehn jährige Professor schon eine ganze Menge geleistet hat. Göttingen darf also den giuhrn für |ia> in Anipruch nehmen, nicht nur den jüngsten Profen'or der zudem schon amtsmüde ist, sondern auch das einzige akademische Wunderkind an deutschen Universitäten zu besitzen. — Es feilte eigentlich 1847 heißen. kf. Der unsterbliche Kessel. Ein Wettbewerb in Bureaukratenstreichen ist leiacr bisher noch nicht veranstaltet worden. Sonst aber hätte sicher die französische Marineverwaltung Anspruch auf den, ersten Preis. Jüngst hatte sie sich nämlich folgenden Geniestreich geleistet: Tas .Ha^nkommando von Toickon meldete, daß eines der Unterseeboote neue Kessel brauchte. Tie Meldung wurde der richtigen Oberinstanz über wiesen und nachdem eine gewaltige Menge Papier und sehr viel Tinte verbraucht worden war, wurde der Auftrag einem Kessel- fcchrikanten übergeben, dem sämtliche besonderen Bedingungen mitgeteilt wurden, denen die Keisel zu entsprechen hatten. Tie Kesiel wurden auch richtig abgeliefert. Tann wurde eine technische Kommission mit ihrer Prüfung beauftragt, die einen Bericht abfaßte und Kessel und Bericht dem chemischen Laboratorium sandte, um das verwandte Metall an der Unterseite der Kessel auf seine Feuerbeständigleit zu prüfen. Tie Ehemiker entnahmen der Unterseite der Kessel Metallproben, untersuchten sie und schickten der technischen Kommission ausführlichen Bericht. Hiernach wollte die technische Kommission die Kessel gerade gutheißen, als sich herausstellte, daß bei der Entnahme der Metallproben der Boden der Kessel durchlöchert worden war, so daß sie unbrauchbar geworden waren. Alsbald wurden neue Kessel bestellt, ehe diese aber abgenommen werden, wird die technische Kommissioii sie wieder ans chemische Laboratorium zur Unter suchung senden und die ganze Geschichte kann sich beliebig oft wiederholen. — Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Helene A Q) t c r b e r g vom ^üjiuer^i/uner in Benin ist vom September 1911 ab an das Stadt-Theater in Halle a. S. als erste Heldin t pfli Prag beschloß, das deutsche Landestheater auf zehn Jahre an den Eyesredaiieur Heinrich T e w e l c s zu vergeben. politischen Freunde teilweise abweichenden Standpunkt zum Ausdruck zu bringen. Er ist aber ebenfalls ein Gegner dieser Reform, weil sie nicht den Reichslanden selbst zuliebe gemacht werde, sondern dem Zentrum und dem Liberalismus zuliebe. Noch gibt Graf Hoensbroech seiner Hoffnung auf ein Scheitern der Vorlage Ausdruck, dann bekennen sich als Freunde der Verfassungsreform Professor Dr. Sonin g * Halle und Prinz zu Schönaich- .C a r o l a t h. Der Ausstand in Marokko. Paris, 5. April. Wie amtlich verlautet, wurde der Vertreter bc§ Sultans in Tanger, El GebbaS, durch die von der marokkanischen Staatsbahn gewährten Vorschüsse bereits in den Stand gesetzt, die regelmäßige Auszahlung des Soldes an die gegen den Scheradaslamm ans- gebotene HeereStruppe zu sichern. Diese Maßnahme lasse erhoffen, daß unter diesen Truppen Mulay HafidS kein Abfall üorfommen werde. Der „Eclair" schreibt über die Ereigniffe in Marokko: Die iranzöffsche Regierung scheint keine Hoffnung mehr zu haben, daß der Sultan mit den Au'ständiicden ie»tig wird. Sie hat jetzt keinen Vorwand, itm vor Maßnahmen zurückzuschrecken, die sie bisher niemals auSpöühten gewagt halte, denn seit der unheilvollen Initiative Delcaffös bestand die Pollllk Frankreichs in der marokkanischen Uraqe lediglich darin, alles oui morgen zu verschieben. Jetzt gibt es keine Lösung mehr außer d e m Verzicht, der eine Feigheit, und n n 6 e r der E r - o b e r ii n g, die ohne die Z u st i rn rn u n g der S i g n a t a r- machte des Algecwasvertrages eine Unvorsichtigkeit wäre. Da dieser Vertrag bald erlischt, wäre es nicht ein günstiger Anlaß, die ganze Aiigelegenheit von neuern auis Tavet zu bringen und Den nordischen Knoten durchzuhauen? Es »st höchste Zeit, offen zu sprechen. Tanger, 5. April. Em aus Fez vom 1. April datierter Bries besagt, daß die Lage sert zwei Tagen fast unverändert sei. Mulay Hafid verfolge die Politik der Spaltung zwischen den Stämmen und reize die Beni Guild dazu, in das Gebiet der Beni Mter einen Raubzug zu unternehmen. Die Nachrichten von der Truppe, die im Gebiete der Scherarda lagere, sei zufriedenstellend. Deutsches Reich. Das amtliche Wolffsche Bureau bringt folgende Erklärung: „Patrie" behauptet, Staatssekretär v. Kiderlen- W achter habe dem französischen Botschafter Cambon erklärt, daß die deutsche Regierung durchaus entschlossen sei, das Tragen der geplanten französischen Kriegsdenkmünze nicht zu dulden. Dieses Abzeichen würde als aufrührerisch angesehen und jeder, der es trüge, vor Gericht gestellt werden. Cambon habe im Verlaufe seiner Unterredung mit Monis, Cruppi und Berteaux hiervon Mitteilung gemacht. Nach unseren Erkundigungen sind die Angaben unzutreffend. Die französische Regierung bereitet ein Gesetz über die Verleihung von Denkmünzen an die Kämpfer von 187O/71vor. Wegen der Frage, ob solche Denkmünzen an Elsaß-Lothringer, die 1870 in der französischen Armee gedient, gegeben werden können, setzte sich die französische Regierung mit der deutschen ins Benehmen. Von deutscher Seite wurden grundsätzliche Bedenken nicht erhoben. Aber es ist für angezeigt gehalten worden, daß die Denkmünzen auf diplomatischem Wege der deutschen Regierung übermittelt werden, damit sie' durch die Vermittelung der deutschen Behörden den Empfängern zugestellt werden. Die französische Regierung erklärte sich damit einverstanden. Die Mehrheit des Reichstags, die sich für die Heizerzulage entschied, setzte sich zusammen aus den Freisinnigen, Sozialdemokraten, Nationalliberalen, der Wirtschaftlichen Vereinigung und einem Teil des Zentrums. Der Hamburger Bürgerschaft ist in der Sitzung cm Mittwoch der Bericht des Senats- und Bürgerschaftsausschusses über die Vermehrung der Staatseinnahmen zugegangen. Der Bericht sieht folgende Vermehrungen vor: Zuschläge zur Reichs-Erbschaftssteuer, eine Besteuerung der Konsumvereine, eine Erhöhung des Stempels für Gesellschastsverträge zur Errichtung von Aktiengesellschaften und von 'Gesellschaften m. d. H., eine Erhöhung der Gerichtskosten, der Baüpolizeigebühren, u‘e§ Wassergeldes, der K'aigebühren, des Tonnengeldes, die Einführung einer Lustbarkeitssteuer, sowie die Ueberweisung 6er Zinsen des Reservefonds der Feuerrasse an die Staats lasse. Der Gesamtmehrertrag der Steuern wird auf 7 Millionen Mark geschätzt.___________________ ______________________ Ausland. Der „Figaro" will wissen, daß derfranzösischeKriegs- m in ist er die Absick/t habe, aus der republikanischen Garde eine Scl)wadron auszuwählen, die eine Art Leibwache für den Präsidenten der Republik bilden würde. In Andeville bei Msru (Departement Oise) rotteten sich die ausständischen Knopfarbeiter zusammen, um Arbeitswilligen den Zugang zu den Fabriken zu versperren. Kavallerie t.i.'b die Ruhe örer aus inander. Es he.ßt, die Behörden seien in dem, Besitz eines Schriftstückes' gelangt, nach welchem das Ausstandslomitee beschlossen habe, die Telegraphen- und Telephon-Leitungen zu zerstören und jene Fabriken anzugreifen, deren Besitzer sich bisher geweigert haben, den neuen gemeinsamen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen. Aus Smyrna wird eine VerschärfnngdesBoykotts griechischer Waren gemeldet, her sich auch gegen Petroleum, das von der Orieutbank eingeführt wird, richtet. Das Boylotv- Komitee macht neuerdings bekannt, daß es künftighin die Maßnahmen ffreng durchführen werde. Die Muselmanen begehen in ihrem Fanatismus unter den Augen der Behörden Ausschreitungen aller Art gegen die Griechen. Der Mali von Smyrna sprach sein Bedauern aus, keine Maßregeln dagegen ergreifen zu können. Nach einem weiteren Telegramm aus Smyrna begaben sich vor einigen Tagen bewaffnete Mitglieder des Komitees nach einem Dorf bei Smyrna, begossen dort griechische Olivenpflanzen mit Petroleum und steckten sie in Braud. Mit den Waffen in der Hand verhinderten sie, daß herbeigeeilte Bauern den Brand löschten, die §auze Oelbaumpslanzung wurde eingeäschert. Auch an den Dardanellen begann der Boykott wieder. Dem Präsidenten Taft ging aus Anlaß der Ratifizierung des Bandelsvertrages zwischen den Vereinigten taaten und Japan durch Vermittelung des amerikamschen Botschafters in Tokio eine in herzlichem Tone gehaltene Botschaft des Kaisers von Japan zu. Taft erwiderte, er schließe sich der vertrauensvollen Erwartung des Kaisers an, daß der Vertrag dazu führe, die Bande noch enger zu schließen, die die Völker der Vereinigten Staaten und Japan so lange schon in Freundschaft und Frieden vereinigten. Aus Washington wird gemeldet: Im Kongreß gelangte die Botschaft des Präsidenten Taft zur Verlesung, durch welche der Kongreß zu einer außerordentlichen Session ein* berufen wird. Sie behandelt ausschließlich das Gegenseitigkeitsabkommen mit Kanada und empfiehlt dringend, bald zur Entscheidung zu kommen. Nachdem die Botschaft des Präsidenten verlesen war, wurde sie von dem Senat dem Finanz- komitee vom RepräsentantLnhauS und dem Komitee für Mittel und Wege überwüfen. Aus Stafcf und Land. Gießen, 6. April 1911. •• Tageskalender für Donnerstag, 6 April: Dao O b e r a rn rn e r g a u e r P a f f i o n s f p i e l in Lichtbildern. Nach mittags o Uhr und abends 8 Uhr. * ’* Gießener Lehrer Personalien. Den Schul amtsaspiranten Friedr. Adam aus Weinheim, Otto Grüne bäum aus Partenheim, Hch. Lotz aus Ober-Hörgern, Hch. Walter aus Rendel, Karl Weiner aus Gau-Algesheim wurden Lehrerstellen und der Schulamtsaspirantin Ida Hoffmann aus Offenbach eine Lehrerinstelle an der Volksschule zu Gießen übertragen. ** Erledigte Lehrer stellen: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schutstelle zu Neckarhausen, eine mit einem evang. Selyrer zu besetzende Lehrerstelle zu Weiten- Gesäß, eine mit einem cvcmg. Lehrer zu besetzende Schulstelle §u Trais-Horlofs, eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Schulstelle zu Dauern heim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. ** Verwendung von mittleren Baubeamten. Infolge der von dem Verband der hessischen mittleren Baubeamten gegebenen Anregungen hat die Gemeinde Neu-Isenburg, sowie die O P e l s ch o V e r w a l t u n g beschlossen, eigene Baubeamten anzustellen und diese auS der Reihe der hessischen Baubeamten zu entnehmen, die infolge der Einschränkung des staatlichen Bauens zur Entlassung iommen. Mair rechnet bestimmt damit, daß noch weitere Gemeinde- und Fideikommiß- verwaltungen diesem Beispiel folgen, umsomehr, als es nicht zum wenigsten zu ihrem eigenen Vorteil geschieht. * * Erledigt find die Stellen der Oberförster bei Oberförstereien Jägersburg und Eichelsdorf. * • Nach OHaften. Oberführer Jünkler, der nahezu 5 Jahre dem Betrieb der Biebertalbahn-Werkstätte vorgestanden hat, siedelt demnächst mit Familie nach Tsingtau über. Durch Vermittelung einer Berliner Gesellschaft tritt er dort als Obermeister in eine Eisenbahn-Werkslätte ein. Jünkler hat sich für feinen neuen Dienst vorläufig auf 5 Jahre laut Kontrakt verpflichtet. • • Die Höhere und Erweiterte Mädchenschule wurde im abgelaufenen Schuljahre von 793 Schülerinnen besucht; davon gehörten 436 der höheren und 357 der erweiterten Schule an. Nach dem Wohnsitz der Eltern ent- fallen 709 auf die Stadt Gießen, 48 auf andere hessische Orte, 11 auf andere deutsche Staaten und eine Schülerin aus aas Ausland. Während die höhere Mädchenschule im abgelaufenen Schuljahre 14 Klassen zählte, umfaßte die erweiterte Mädchenschule 11 Klaffen. In dem Lehrpersonal der Anstalt trat keine wesentliche Veränderung ein. Die Ferien für dos laufende Schuljahr 1911/12 verteilen sich wie folgt: Öfter- •erien vom 9. bis 23. April, Pfiugstferien vom 4. bis 11. Juni, Herbslferien vom 6. August bis 17. September und Weihnachtsferien vom 24. Dezember bis 7. Jan. 1912. ** Statistik über Automobilunfälle. Das Verlangen nach einem Gesetz über die Sicherstellung des Ersatzes für die durch Automobilunfälle verursachten Schäden ist zurzeit bei den im Reichstag gepflogenen Verhandlungen zum Ausdruck gekommen. Das Reichsamt des Innern hat nunmehr bei den einzelnen Bundesstaaten angeregt, zur Beschaffung zuverlässiger Nachweisungen die im Jahre 1906 eingeleitete Statistik über die beim Betrieb mit Kraftfahrzeugen vorkommenden schädigenden Ereignisse auszugestalten und auch Erhebungen darüber vorzunehmen, ob der angerichtete Schaden ersetzt worden ist und der Ersatzpflichtige durch -eine Versicherung gedeckt war. Um diese Statistik zu ermöglichen, ist der den hessischen Verwaltungsbehörden von dem Ministerium des Innern im Jahre 1906 zugegangene Fragebogen umgearbeitet worden. Die neuen Fragebogen treten mit dem 1. April in Kraft. Sie werden vom Kaiserlichen Statistischen Amt für die Unfallstatistik verarbeitet. Ausgeschieden wurden die Fragebogen, die für die ergänzende Statistik nicht in Betracht kommen; z. B. wenn dem Eigentümer des Krastfahr- zeuges selbst, besonders am eigenen Automobil, oder an Sachen, die durch das Kraftfahrzeug befördert mürben, oder anderen Sachen durch eigenes Verschulden des Geschädigten Sachschaden entstanden ist: wenn Personenschaden entstanden ist: dem Führer und den Insassen des Kraftfahrzeuges: den Verunglückten dritten Personen durch eigenes Verschulden; Schaden verursacht ist durch unbekannt gebliebene Kraftfahrzeuge: es sich nur um geringfügige Schäden (unter 20 Mk.) handelt. Die übrigen Fragebogen werden den Verwaltungsbehörden zur Beantwortung der für die ergänzende Statistik notwendigen Fragen durch das Kaiserliche Statistische Amt wieder zugesandt und nach deren Erledigung wieder dorthin zurückgegeben. ** Die Hauptversammlung des Lesehallenvereins, die gestern abend unter dem Vorsitz des Professors König im Hotel Schütz tagte, war so zahlreich besucht, wie dies seit Jahren nicht der Fall war. Aus idem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht entnehmen wir, daß dem Verein 374 Mitglieder angehören und die Jahreseinnahmen 2858 Mk. betragen. Im abgelaufenen Jahre wurden u. a. verausgabt 1500 Mk. für Besoldungen, 365 Mk. für Zeitungen und Bücher und 318 Mk. für Buchbinderkosten. Man erzielte einen Ueber- schnß von 536 Mk., aber nur dadurch, daß man sehr sparsam wirtschaftete und wegen Raummangels nur für 100 Mk. neue Bücher an schaffte. Zu dem verfügbaren Betrag kommen noch 458 Mark, die dem Verein als Ueberschuß von den akademischen Vorträgen zugeslossen sind, und 300 Mk. aus früheren Jahren. Prof. König teilte mit, daß die Stadt der Lesehalle das Torhaus am Neuenweger Tor für ihre Zwecke zur Verfügung stellt und darin die gesamte Bibliothek und Buchausgabe untergebracht werden soll. Dadurch ist der Lesehalle die Möglichkeit gegeben, sich weiter entwickeln zu fönnen. Allerdings erwachsen dem Verein bei seinen bescheidenen Mitteln, die er bisher zur Verfügung hatte, Schwierigkeiten durch den geteilten Betrieb, die man aber zu überwinden hofft. Die Stiftung neuer Büchergestelle für das Torhaus am Neuenweger Tor sei bereits von einem Freunde des Vereins in Aussicht gestellt. Aber auch bte Einrichtung des Torhauses am Selterstor, das nur noch als Lesehalle benutzt wird, erfordert größere Opfer. Professor Dr. Sommer und dessen Gattin haben sich bereit erklärt, einen Raum auszustatten, der für künstlerische Betrachtungen dienen soll, und es iei zu hoffen, daß dieses Beispiel Nachahmung finde. Die Bezirkssparkasse hat in Aussicht gestellt, ihren Beitrag wesentlich zu erhöhen, und Fabrikant Klingspor stellt dem Verein jährlich einen größeren Betrag zur Verfügung. Man dürfe wohl auf das Entgegenkommen des Kreises und der Gewerbebank zählen, so daß zu hoffen ist, daß der Verein der finanziellen Schwierigkeiten Herr wird. Hierauf verbreitete sich Bibliothekar Dr. Fritsche über den Zweck, die Wirkung und das Ziel der Lesehallen und die Art, wie sie arbeiten füllen. Er verwies darauf, daß die Bibliothek 1910 27 082 Bände gegen 27 749 Bände im Vorjahr ausgeliehen hat. Auf Antrag des Stadtv. Dr. Ebel beschloß die Versammlung, daß der Verein dem Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung als Mitglied beitreten soll. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der seitherigen Mitglieder und die Neuwahl des Landgerichtsdirektors Schineckenbecher, der früher schon dem Vorstand angehört hatte. Im Jahre 1910 wurden aus der Bücherei des Vereins ausgeliehen: Erzählende Literatur 13 462, Zeitschri ten 4396, Jugendschristen 2973, Versdichtung und Dramen 449, Länder- und Völkerkunde 861, Kulturgeschichte 379, Geschichte und Biographien 1425, Kunstgeschichte 152, Naturwissenschaft und Technologie 1342, Heer und Seewesen 303, Landwirtschaft 193, Gesundheitslehre 148, Religion und Philosophie 333, Staatswissenschasten 141 und Fremdsprachliches 117 Bände. Nach auswärts wurden 1088 Bände verliehen. ** I m Krieg erve rein Gießen beginnt mit dem neuen Vereinsjahr wieder eine rege Tätigkeit. Am Dienstag and die erste M o n a t 8 v e rs a in m l n n g statt, in der baS Dfitglied ReoisionSbeaniter Grünig einen sehr interessanten Zortrag über die soziale Gesetzgebung hielt. Er be- ! uchtete eingehend deren Entstehungsgeschichte, ihren heutigen Ltand und ihre Körperschaften und erntete am Schlüsse seiner .Ausführungen lebhaften Tank. Noch vier weitere Vorträge iehen in Aussicht. DaS Sedansfest soll am 3. September als Waldfest im Philosophenwald gefeiert werden. * • Eigentümer gesucht. Auf dem Dachboden eines Hauses wurde eine Kiste mit folgenden, jedenfalls gestohlenen Gegenständen oorgefunden: 39 weißmetallene und zehn Messing-Ziehketten mit Porzellangriffen und der Aufschrift „Ziehen-, 53 kleine Metallringe, 66 Verschlußringe, 1 lange, 6 kurze großgliederige Messingketten, 100 Gumnn-Dichtungs- cinge und eine große Haarschere. Die Gegenstände sind offenbar in einem Jnstallationsgeschäft entwendet. Der Eigen- tinner kann sie auf der Kriminalabteilung des Polizeiamts in Empfang nehmen. Kreis Büdingen. = Büdingen, 5. April. Am Dienstag abend beschloß der Ausschuß für Büdingen, den Blumentag am Sonntag, 7. Mai, abzuhalten. Es sollen die Mädchen allerBevölkerungs- kreise im Alter von 14 bis 20 Jahren zu einer Versammlung auf Dienstag, 11. d. M., abends 8 Uhr, in den „Stern" eingeladen werden, um sich wegen ihrer Mitwirkung als Blumenverkäuferinnen zu erklären: ungefähr 40 bis 50 sind nötig. Wenn sich mehr einstellen, so wird das Los entscheiden: andernfalls müßten Einzelaufforderungen an geeignete Mädchen gerichtet werden. Der Verkauf findet statt morgens an den Bahuzügen um 8, 10 und 10>/3 Uhr, bann auf der Straße, rn Wirtshäusernl und Privathäusern und an den Nachmittagsbahnzügen von etwa V2I2 Uhr bis abends l/28 Uhr. Jedes Mädchen erhält seinen Bezirk zugewiesen. Außer Maßliebchen, der „Blume der Barmherzigkeit", werden Ansichtspostkarten feilgeboten. Die Mädchen erhalten ein Abzeichen, die nötigen Blumen und Karten und eine Sammelbüchse, die abends mit dem unverkauften Rest an den Ausschuß abzuliefern ist. Abends 1/29 Uhr ist ein sog. bunter Abend im „Fürpenhof" geplant, an dem die Vereine mitwirken werden und der sehr genußreich zu werden verspricht. Kreis Alsfeld. A Mücke, 5. April. Auf dem Lande ist der Geißlammbraten sehr beliebt und besonders gesucht auf das Osterfest. Wie alle Fleischpreise, so ist auch dieser Fleischpreis gestiegen. Zahlte man bisher 30 und 35 Pfg. für das Pfund, so beläuft sich dieser Preis jetzt auf 40 Pfg. Während der Preis für das Rindfleisch unverändert auf seiner Höhe stehen bleibt, ist er für die Schweine bemerkenswert gesunken. Es wird zurzeit nur 43 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht bezahlt, mithin em Abschlag um 10—14 Pfg. gegen Weihnachten. Kreis Friedberg. x Friedberg, 5. April. Der Lolat-Eisenbetow, Aktien-G es e ll schäft Gießen ist auf dem Bahnhofsgelände die Herstellung einer 17 Meter breiten und 190 Meter langen Betonbrücke von der Eisenbahnverwaltung übertragen worden, mit welcher Arbeit jetzt begonnen worden ist. Das Bauwerk erfordert einschließlich des Materialverbrauchs einen Kostenaufwand von 300 000 Mark. Die Bauzeit beträgt etwa 9 Monate. Es ist im Eisenbahn-Direktionsbezirk Frankfurt a. M. die erste Ueberbrücfung der Eisenbahn, die in Beton hergestellt wird. L. Friedberg, 5. April. Heute morgen wurde unfeti Lehrerseminar geschlossen, womit das seitherige Schuljahr seinen Abschluß fand. Das neue Schuljahr beginn!! Montag den 1. Mai, abends 6A Uhr, mit einer kurzen Feier. Den beiden Pavalleleklassen der Klasse 2 werden 43 Präparantxm aus Lick) und die den Donnerstag und Freitag die Prüfung be* stehenden Sckchler höherer Lehranstalten zugewiesen. 25 Präpa- ranbeit haben sich zu dieser Prüfung angemeldet. — Der seit Sonntag eingetretene kalte Nordwind, der über den Fluren der WetttcraH weht, hat bis heute der Vegetation gar nichts getan. Nur höher gelegene Aecker, die mit Klee besät waren und schon in der Keimung begriffen, litten etwas not. ---- Bad Nauheim, 5. April. Balthasar Hartmann aus Vollmerz wurde zum Elektromonteur bei der Badeanstalt Bad Nauheim ernannt. Starkenburg und Rhein Hessen. ---- Offenbach, 5. April. Mit Ermächtigung des Groß- Herzogs hat daß Ministerium des Innern bestimmt, daß die Oberrealschule am Stadthaus in Offenbach dem Großh. Ober* realschuldirektor Karg und die Oberrealschule am Friäwick-splatz in Offenbach dem Großh. Oberrealschuldlrektor ©eljeimen Schulrat Ja g er unterstellt wird und daß von dem settherigen Gesamtpersonal der letzteren Schule zugewiesen werden.: die Oberlehrer Professoren Volckmar, Storck, Kost, Götz, Roth, Enders und GroS; die Oberlehrer R. Reinig, Dr. Hammer, Dr. Büttner, Eckel, Bentz, Zinßer (katholischer Religionslehrer), Dr. Gräf, Dr. Münch, Bei- ling und Dr. Wagner; die Lehramtsassessoren Dr. Seiler und Grimm; die Reallehrer P. 9teinig, Stuhl, Thierolf, Kammer und Weiß und der Pedell Dieterich. Bischofsheim a. M., 4. April. Einen Gesamt- schaden von 30000 Mark hat die in hiesiger Gemeinde besonders hartnäckig und verheerend auftretenbe Maul- und Klauenseuche angerichtet, lieber ein Vierteljahr wütete die Seuche in dem hiesigen Viehbestände und erst am 1. d. MtS. konnte chr Erlöschen behördlich festgestellt und bekannt gegeben werden. Mehr als 30 Stück Großvieh und über 50 Stück Jungvieh und Ziegen fielen der Krankheit zum Opfer. <ßcridH»faaL ** Gießen, 5. April. Wegen Versäumung der FrühjahrS- und Herbstkontrollversammlungen 1908, 1909 und 1910 hatte sich heute der aus Battenberg, Kreis Biedenkopf, gebürtige Reservist Wilhelm Sommer, vom Landwehrbezirk Siegen, vor dem Standgericht des Infanterie-Regiments Kaiser WUHelmj Nr. 116 zu verantworten. Sommer, der sich 3 Jahre und 5 Monate der Kontrolle entzogen hatte, war dieserhalb am 24. März 1911 vom Dauptmeldeamt Siegen mit 8 Tagen Haft bestraft und außerdem gemäß 8 11,4 der Deutschen Wehrordnung in die Jahres- klasse 1905 zurückversetzt worden. Sein Fernbleiben von den Kontrollversammlungen entschuldigte er damit, daß er angab, aus Furcht, durch die Teilnahme ermittelt und dann bestraft zu werden, fern geblieben zu sein. Da in diesem Verhalten des Angeklagten ein vorsätzlches Fernbleiben zu erblicken ist, beantragte der Vertreter der Anklage auf 6 Tage mittleren Arrest zu erkennen. Das Gericht verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht auf feine bisherige gute und gänzlich straffreie Führung bent Anträge gemäß zu 6 Tagen mittleren Arrest und brachte die seit dem 1. April 1911 erlittene Untersuchungshaft auf die er Bannte Strafe in Anrechnung. Der Angeklagte erklärte sich bereit, die Strafe anzunehmen. Unit>crfitätd»nacbrid?tcn» hc. Marburg, 5. Avril. Ter Pro'essor der Archäologie an der hiesigen Universität, 65eh. Reg.'Rat Dr. L. 0. S y b e l. wird nut Ablani des kommenden Sominersemeners vom Vehramte zurück» ueten. Proieffor 0. Sy bei, ein gebotener Marburger, steht im 65. Lebensjahre. Dermifcbtc». * Englands Weindurst, lieber die Weineinfuhr Englands auS .Europa während des Jahres 1910 macht ein soeben Lu— ■ । ■ ■—nr'trw— — • ax* v *- *"•* G - MU Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. «Peilmtf der Witterung leit gestern früh: Tie Wetterlage hat sich nicht verändert. Im Bereich des ausgedehnten Hochdruck- nebietcS bat faft gant Europa ttir die Jahreszeit ungewöhnlich kaltes Weiter. TaS Tie! über Italien verflacht sich, so daß Mitteleuropa mehr in den Bereich deS hohen Druckes gelangt Es ist daher Fortdauer deS heiteren trockenen, aber zunächst noch kalten Wetters zu erwarten. _ „ eÄ WetterauSsichten in Hessen am Freitag dem 7 April 1911: Meist heiter und trocken, falt, nachtS schar'er Frost, östliche Winde. Die am 12. ds. Mts. stattfindende Eröffnung unserer Mllhut-Ausstelliing, sowie der ElnLanL sämtlicher Neuheiten der Saison in Damen- u. Kinderhüten (garniert u. ungarniert) Trauerhüten u. Reisehüten, Blumen, Bändern usw. beehren wir uns ergebens! anzuzeigen : Besichtigung ohne jeden Kaufzwang : Geschwister $ailer Putz-Salon Goethestrasse 36 p. (02679) Goethestrasse 36 p Badeeinriditungen U Em unregelmäßiges, aber pikantes oder oraztöseS Gesicht, em geist- reichcs Ange, ein sinnlicher oder frischer Mund wird im Leben die Bewerberinnen, die mit dem Diplom des ZentimeterniaßeS anrucken, in die Flucht schlagen. Frauenschönheit mit Zentimetern menen, j das gleicht ein wenig dem Versuche, den Wind in eine Puderbüchse ; sperren zu wollen. In England, wo man bei der Lenhert einer Frau eigentlich immer nur die Linie sucht, sind solche Bestrebungen , wie die obigen natürlich Es werden sich auch hier sicher die Bc- , wcrbermncn vollzählig iiifammcnitnbrt, und fckwnhettsdursttgc : Augen werden sich an dem Tbeatcrbilde des KriftallpalasteS weiden. Ucber eines beklagen sich allerdings heule Philosophen wie Kon- , fektionare gleicknnäßig, daß die Haltung der Engländerin so sehr nagelassen habe. Daran sei hauptsächlich die Mode der lebten Jahre schuld, der Humpclrock, der den Gliedern keine freie und stolze Bewegung des Körpers mehr gestatte. * Ein neuer Salomo. Wohl kein Rtcktcr Amerikas er freut sich in seinem Heimatlande einer so großen Populär tat, wie der ehrenwerte Hugh Harn, der in Bayonno im Staate Neuyork seit Jahren als Friedensrichter seines Amte« wallet. Kein Rechtsfall, wie verwickelt er auch liegen mag, kann die Ur- teilskrast dieics neuen Salomo trüben, und wo andere Nich-ter vielleicht in getreuer Befolgung des Buchstabens des Gesetzes grübeln und sinnen, nm ba8 Reckte zu treffen, setzt sich Hugh Harn entschlossen über alle juristischen Formalitäten hinweg und läßt seinen gesunden Menschenverstand entscheiden. Stand da vor kurzem ein Ehepaar vor den Schranken seines Gerichtes. Ttc Frau halte ihren Mann, Alexander Gall aus Bayonne, verhaften lassen wegen Bedrohung mit Was,en und wegen Verletzung icincr Unterhaltungspflicht. Der Salomo von Bayonne ließ sich den Fall erzählen. Der arme Ehemann berichtete, wie er Nets am letzten des Monats seiner Frau sein ganzes Monatsgehalt von 65 Dollar ausgeliefert habe: nur 15 Cents behielt er zuruck, um Tabak zu kaufen. „Und wegen dieser 15 Cents," so erklärte der Ehemann, „mazfcte meine Frau einen wü'iten Spektakel, wollte nichts mehr von mir wissen und weigerte sich, mir einen Kuß zu geben." Der Friedensrichter begriff die Lage sofort, und ganz im Gegensatz zu den sonst üblichen richterlichen^ Praktiken wandte er sich ernst und eindringlich an die Frau: „pran Gall, lieben Sie Ihren Mann?" „Aber gewiß,", begann bie Suagmn und wollte wohl weiter sprechen, doch Hugh Harn hatte sich lchon an den Gatten gewandt und stellte Ihm die gleiche bedeutungsvolle Frage: ,„Herr Gall, lieben Sie Ihre Frau?" „Trotz allem, ehrlich gesagt, ja ich liebe sie noch." „Dann," so entlchred der weile glicht er," „fordere ich Sie auf, sich jetzt zu küssen, Frieden zu schließen und nach Hause zu gehen." Und also geschah eS, daS Urteil ward sofort vollstreckt. * Schmeichelhaft. Junger Herr: „Also glauben Sie, daß das Zigarettenrauchen ungünstig aus den Verstand euiiotrrt ? — Fräulein: ,Ha, aber nicket bei Ihnen, Herr Meter! Kleine CageZchrontt. In Berlin wurde das Mitglied de? Herrenhauses. General der Infanterie z. D. von Leszcynski, in der Potsdamer Straße überfahren und an der Schulter schwer verletzt. 5cit Dienstag schneit cs in den höher liegenden Gegenden Obecitaliens. Am Lago Maggiore ist die Schneedecke 40 Zentimeter hoch. „ r . Der Generaldircllor der „Times , Mobcrly Bell tn London, ist im RedaktionSbureau der „Times" plötzlich gestorben. Bei M o d a n c, an der französisch-italienischen Grenze, tour» ! den 12 Häuser eines Weilers von einer Law i n e ver s chüt t e t. . Es gelang, die Lehrerin auszugraben, doch war fte , beinahe zum Tode erschöpft. Fünf Mitglieder einer Familie : wurden tot aus dem Sckmee herauSgeschafft. Vom Dienstag abend bis Mittnwch nachmittag brannte i das auf dem asiatischen Ufer liegende Stadtviertel Kadikoaj. , 300 Häuser find abgebrannt. Nur mit äußerster Anstrengung : gelang es, deS Brandes Herr zu werden. Der Schaden wird aur : 5 Millionen Mark geschützt. Vier Menschen sind um- l gekommen, mehrere werden vermißt. Wegen Verdacht der Brand- . ftiftung wurden 5 Griechen verhaftet. erschienene- amtliches Weißbuch interessante Mitteilungen. Danach < haben die englischen Weinsreunde im vergangenen Jahr in Fäßern i 12 003 299 Gallonen szu 4,54 Liter) und m Flaschen 1 '31 410 . Gallonen Wein aus Europa bezogen. An der Spitze der (mg- ' land versorgenden Wcinländer steht dabei Portugal rntt 3 787 282 I Gallonen: eS folgen Spanien mit 3 257 376, Frankreich nitt i 2 574 148, Australien mit 794 361, und an fünfter Stelle Deutschland mit 666 007 Gallonen. Hinter Deutschland ftgu- l Tieren Italien mit 291818, die Niederlande mit 51519 und ; Madeira mit 37 944 Gallonen. ~ w * Die Konsultation a u s d e r S t r a ß e. Wie George Clämenceau war auch Dr. Augagneur, der frühere Bürgermeister von Lyon und spätere Gouverneur von Madagaskar, Arzt, und ließ sich durch seine politische Laufbahn nicht hindern, seinen Beruf auSzuüben. .Kürzlich trafen sich ClSmcnccau und Augagneur in einem Vorzimmer der Teputiertenkammer, und als alte Aerzte sprachen beide von dem, wovon alte Aerztc eben sprechen: von ihren Erfahrungen mit Patienten. Clemenceau erzählte, und dann berichtete auch Augagneur ein amüsantes Erlebnis ans seiner ärztlichen Praxis. „Meine Patientin war eine alte Dame, sehr reich, aber beinahe noch geiziger alS vermögend. . Ich war damals noch junger Anfänger. Eine- Tages trefic ich sie in Lyon auf der Place Bellocour. Es war kalt, eS regnete, und ich war ohnehin schon erkältet. Doch die Dame hielt mich an, erkundigte sich nach meinem Wohlsein. Ich dankte, erwiderte die Frage, doch nun waren alle Schleusen ihrer Beredsamkeit entscstelt. Sie erzählte mir von ihrem Halse, wie schlecht cs ihr ginge, was sie nur tun solle. Ich erwiderte schließlich, sie möge doch in meine Sprechstunde kommen. Aber das war cs nicht, was sie wollte, sie sprach eilends weiter und verlangte ärztliche Ratschläge. „Schön," sagte ich schließlich, vom Regen durchnäßt, „ich werde Sie sofort untersuchen. Ziehen Sie sich bitte aus." Die Patientin verschwand, und ich sah sie nie wieder..." — Die vollkommeneFrauenschönheit. Wie man ftd) in England gern mit allen Mitteln zur Vervollkommnung der Körperkultur beschäftigt, so liebt man es auch, allgemeine Schemata aufzuslellen für bad, was die eigentliche Schönheit bei Mann und Frau ausmackst. Die in diesem Sommer bevor srehenden Feste werden Gelegenheit zu einer eigenartigen Ausstellung bieten, die im Theatersaale deS Kristallpalastes veranstaltet werden soll, und bei der man die Einflüsse einiger großer Modefirmen unichwcr voraus- setzen darf. Man will in einer Reihe von Lebenden Bildern dreitzig Damen auftreten lassen, die Typen der heute geltenden vollkommenen Schönheit darstelle-,i sollen; man denkt an Ausschnitte aus dem modernen Leben (also etwa: ein Sonntagmorgen iw Hyde Park oder ein Opern-Abend im Covent Garden). Die Zulaisung zu diesem Wettbewerb wird den Tomen nickst leicht gemacht. Fünf Richter werden streng wie Minos, AiakoS und Rhadamanthys entscheiden, waS schön ist und was nicht, und zwar nach den Grund- faßen, die Sandow, der in London ausschlaggebende „Professor" der chcsundhcit und Schönheit, ausgestellt hat. Was die Figur betrifft, so läßt sich hier die Schönheit -iffermäßig feMetzcn und zwar lauten ihre Forderungen: obere Halsweite 29Vs Zentimeter, untere Halsweite 30V» Zentimeter, Brustweite 90 Zentimeter, Taillenweite 59 Zentimeter, Schulterlange im Rücken 30 Zentimeter, Armlänge von der Schulter zum Ellbogen 35 Zentimeter, vom Ellbogen zum Handgelenk 27i/3 Zentimeter. Innenseite des Armes 60 Zentimeter, Außenseite des Armes 62-/2 Zentimeter, Vifidenlänge bis zur Taille 37i/3 Zentimeter. Es wäre tnterch'ant, Vies Schönheitsmaß von 1911 mit den uns aus der «ergangenlynt überlieferten Typen historischer Schönheiten zu vergleichen. Wie wenige würden da bestehen! Aber die Frage, ob die Venns von Milo, die Zocaiida und andere ihren Amorderungen gewachsen sind, interessiert offenbar Herrn Sandow und seine strengen Rickstcr nickst. Hic London, Ijic falta! Nationalbritische Ansichten über Frauenwohlgcstalt wird man uiizweiselhaft in dem obigen Schema finden; die geforderte Armlänge läßt auf ein Land schließen, wo man sich an Gliedmaßen gewöhnt hat, die ein bißchen langer sind als auf dem Kontinent, wo man eben nickst so viel Raum zur Verfügung bat. Schließlich besagen alle noch so genau berechneten Messungen für den Eindruck, den eine Frau macht, gar nichts. bringen die als Butter- Ersatz beliebten Van den Bergh'schen Margarine-Erzeugnisse, voran Ckverstolz undVlkllO bis an die Grenzen des Reichs. Stets frisch zu haben In allen einschlägigen Geschäften. Letzte Nachrichten. Tas Kronprivzlnpaar in Rom. Nom, 6. April. Der deutsche Kronprinz begab sich um 4v'.> Uhr nachmittags in Bcglcirnng des Generals Frugoni und dcS Leutnants von Zabeltitz ins Pantheon, wo er zwei prachtvolle Kränze mit frischen Blumen an den Grabern der Könige Victor Emanuel II. und Humbert I. niederlegte. Nicht nur die baupt- städtische, sondern auch die provinziale Presse widmet den Gästen Begrüßungsartikel. AuS der Rede des Bürgermeisters auf dem Babnhösc sei nachgetragen, daß der Bürgermeister den Kronprinzen als den Vertreter des Oberhauptes einer großen, dem Könige und dem Lande befreundeten und verbündeten Nation willkommen hieß und die Hoffnung ausdrückte, den Kronprinzen auch aus dem Kapitol begrüßen zu können, dock) drücke er ihm schon jetzt den tiefen Dank der Stadt Nom für seinen Besuch aus. Auch Fürst Bülow hatte sich aus dem Bahnhöfe eingefunden. Die Krvn- prinzlichen Herrschaften gaben nachmittags in der Villa Malta ihre Karten ab. Abends sand Familientafel statt. » Paris, 6. April. Die neuen Militäruniformen sind nunmehr ausgewählt und werden noch im Herbst bei den Manövern von einzelnen Abteilungen probeweise getragen werden Das Uniformtuch ist bellgraugrün, dazu wird ein leichter Stoffhclm getragen, der den Fcucrwehrhelmen ähnlich ist. Benueberg, Zürich Direkte Bezugsquelle von Seidenstoffen jeder Art Schon verzollt! — Verlangen Sie Muster! lD*,i Handel. Der Handelsvertrag zwischen England und Japan setzt die Ermäßigungen des neuen japanischen Tarif- zugunstm wichtiger Klassen von Tertiftabrikaten fest, die rur bte britische Industrie von besonderem Interesse sind. Die Zoll'ätze werden um em Drittel bi? ein Fünftel für die verschiedenen Klassen herab, gesetzt, die Sätze des neuen Zolltarifs für Eisen und istahlblem- platten um zwei Neuntel bis zwei Fünftel, für Roheisen um unge'ühr ein Sechstel und für Farben um ungefähr em Drittel ermäßigt. Der Wert der britischen Einfuhr der genannten Artikel nach Japan beläuft sich auf ungefähr 3'/, Millionen Pfund iäbrli'ch, und die britische Einfuhr beträgt mehr als 80 Prozent bet Gesamteinfuhr dieser Artikel. Ter Vertrag setzt ferner fest, daß 10 Klassen der japanischen Erzeugnisse wie bisher ioHfrct in Großbritannien zugelassen werden. Die Einfuhr dieser Erzeugnisse hat gegenwärtig einen Wert von 2150000 Pfund pro Fahr Ter Vertrag gewährt endlich den beiden Ländern gegen-- eilig bad Meistbegünstigungsrecht. ""märte.“ Limburg a. d. Lahn, 5. April, fintchtmarFL Turch- chnittSpreis pro Malter. Noter Weizen (nafieiuifdicr) 16,50 'Ult, vcn;er Weizen (anaebante Fremdlorte) 16,00 Mf^ Korii 11,60 Mk., (»erste: Futtergerste 0,00 Atf., Braugerste «0,00 Btt.. Hafer Mk. 7,85 Erbsen 0,00 9)1 f„ startosscln 7,00 —8,00 Mk. M “ I 4 frühjahrs in allen Abteilungen ist eröffnet. Auch jetzt biete wieder eine hervorragend grosse Auswahl in neuesten Formen und Farben. Entzückende Neuheiten in Promenaden-Stiefeln für Herren, Damen und Kinder in schwarz und braun Chevreaux - und Boxcalf und Lackleder •• Konfirmanden - Stiefel in allen Preislagen “«L Beraiarii ’T Mitglied d. Kabatt-Spar«Vereinig. Die KaufmännischerV erein u. Ortsgewerbeverein Für die Aufführung der morge» Donnerstag den 6. April in Steins Saalbau sieben unseren Mitgliedern nebst w. Angehörigen Eintrittskarten zu wesentlich ermäßigten Preisen bei dem Hausverwalter Rinn, Nord-Anlage 15, zur Verfügung. v*/4 Die Vorstände. Thür'mg. Bauernkäse Tliüring. Stangenkäse nllerseinste goldgelbe Delikaieb- ware, reinstesNaturprodukt. Poff- koUi Mk. 3.— franko Nachnahme. Beste Bezugsgueüe für Wieder Verkäufer. es30/’ Walter Fischer, Käserei, ______Buttstädt. Tbüring. Lästige Haare 786 im Gesicht, an d. Armen, entfernt Prof. »i-.Grunivald's Entbaar- ungsvuder. D- 1.50. Niederlage: Pelikan Apotheke, Kreuzplatz 2 03$ S5ll te 3Efl|8 Bgria? Klnematograph o o Babnbofstrafic 54. Babttbofstrake 54. (02750) Heute zum letzten Male 1 hB8K|ik 2ii Obnnierp | Oster-Ausstellun Psg. Psg. LttstellMseu von 3 Uhr noAittags bis 11 Uhr abends. Bilanz am 31. Dezember 1910. 2950.— 249.71 243 21^.78 Eintritt frei Anfang 8 Uhr [EichT und C18” Vertreter: Peter KronenberB, GIE55EN Telephon 680 5üd-Anla£e 7 Bv»/4 14 012.85 1660.91 W achstuc-he Bohnerwachs A.breibpolitur 295.25 7901 93 (2 Stets wird ihm ein leichtes, bruchsicheres Rad gute Dienste tun. Ein solches Rad Ist 221 900.98 2694.04 Einlagen auf laufend. Rechnung Saldo Reingewinn 2541.50 Preise der Plätze: 2. Platz 55 Psg., 3. Platz 35 und Militär ohne Charge: 2. Platz 30 Pfg., 3. Platz 20 Ferd. Nennstiel Plockstrasse 7. 700.— 1734.73 243 218.78 . . . 61 Spar-Einlagen Reservefonds Guthaben der Genossen abends 8 Uhr, freundlichst ein. Büdingen, den 5. April 191L Boeckmaun, Grotzh. KreiSral. 1. Platz 75 Pfg., Kinder 1. Platz 40 Pfg., Aktiva. Kassenbestand Ausgel. Kavitalten: a) gegen gerichtliche Stand der Mitglieder Ende 1909 In 1910 gingen zu . . . In 1910 gingen ab . . . Stand der Mitglieder Ende 1910 bietet bei allergrösster Auswahl entzückende Neuheiten in Oster-Hasen,Eiern, apart gefüllten Körbchen und Nestchen, eleganten Bonbonnieren und Attrappen. Ferner empfehle meine nur erstklassigen Marken in Schokolade, Tee, Kakao, Kakes u. Dessert Grösstesu.feinstesSchokoladeuhaus L» Weih! Schellfische aus Eis in feinster lcbeud- srischer Ware soeben etngetroffen und billigst bei August Walleusels, Marktplatz 17 Tclcvbon 262 Prompter Versand auch nach auswärts. 1*0 Mitglied des Rabattsparvereins. Ostereier Osterhasen in feiner Schokolade, Marzipan etc. Gefüllte Körbchen, Bonbonnieren und Attrappen empfiehlt in reicher Auswahl Fr. Richter Schokoladen-Spezialgeschäft Neustadt 8, nächst der Marktstr. Einladung. Am Sonntag den 7. Mai soll der Blumentag der Grob- herzogin im ganzen Lande stattsinden, an dem junge Mädchen in festlichem Kleide die „Blume der Barmherzigkeit" iMabliebch-m auf Stranen, Bahnhof und in Häusern verlaufen sollen. 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