Hie iflflllltl. WM t, SitjtL 8 Uhr, t .1 - fflt 117, über 1 toitiij. et. EsWwg em Coritänbt. gewünscht iinu.pre'tiwtr\ iMruektnL Wk z. Zeusn. PM' : ein. gr. Ziyan^ zwecks weitem Qunfl p. L är Lager. ' bote unter 016 : Anzeiger erb. Vi durchaus er lenb.StQrftnor mentbe Äelluiu Geschätt- bote unter Op ^Anzeiger erb. utwärter astigung- Tiäm- nb Gute M Zlngeboteu.'M rAnMerttbv b. bic SauW ,le besucht babM SS* B.H.V. M Mi««--» ,, .-iuUirtiiunfl Der Iorit-vb- "5-k 6 Närr iflU *S&ii und , schiller- ftfu icit 11 ©teucracicbc iurcditgefdiuflert, aber sie seien und als man sie ab^chaffen wollte, da w bergische und badische Regierung, die Sie „•tefcmr Kaiai Hendl älter" »erben be* .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, bal „Mrdsblatt fit ba Kreis Oietze," zweimal wöchentlich. Die „raatzwirffchaftllche« idb fragen" erscheinen monatlich zweimal. winden, aber man gab schließlich der Regierung nach, da man etwas Positives schassen wollte. Was bie Biersteuer, Brann! weinsteuer, Tabaksteuer und den Kaffeezoll anbetrifft, so besteht darüber nach der Meinung des Redners noch recht viel Unklarhc' So ist die Branntweinliebesgabe nur desbalb geschossen worden, damit die kleineren süddeutschen Brenner nicht ruiniert mürber, waren cs gerade die wurttem- für Fortbestand cintriten^ Eine Versammlnno der fortschrittlichen Bolkspartei. Die fortschrittliche Polkspartei hatte für Samstag abend ins Cafe Leib (Kolosseum) zu Gießen eine or»ent* licke Wählervcrsammlung einberufen, die außerordentlich >kark besucht war, weitaus überwiegend von Anhängern der Partei. Ten Vorsitz führte Justizrat Metz. Der Redner des Abends, Reichstagsabgeordnetcr K o p s ck - Berlin, ging in seinen Uus führungen von dem Wort des Fürsten Bülow aus „bet Entluwi sehen wir uns wieder". Er bezeichnete die letzten Nackivahlen als Stationen auf dem Wege nach Philippi und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Wahlen tu K em p l cn -I m me nN ad t und ®tcRctt^ Grünberg weitere Stationen auf diesem Wege würden. Tic Rc- aierung suche den Tag von Philivpi, die allgemeinen Neuwahlen soweit als möglich hinauszusch-icben, weil sic und die Rcicks- sinanzreform-Mchrheit hofften, daß die Wähler bis dahin die Taten dieser Mehrheit vergessen würden. Allerdings läge man, es solle geschehen, damit der Reichstag die ihm vorliegenden bezw. in Aussicht gestellten Gesetze noch erledigen tönnc, namentlich das Arbcitskommergesetz, die Reichsversicherungsordnung, die Vcr fassungsvorlagc in Elsa ^Lothringen und die Privatbcomten Versicherung. Aber die Hosrnnng, daß diese Gesetze von diesem Reichstag in brauchbarer Form erledigt würden, sei sehr gering und es sei viel besser, wenn sie vom nächsten Reichstag gemacht würden. Tie Reichssinanzrcsorm Hobe das nicht gebracht, was die fortschrittliche Volkspartei verlangt habe, nämlich eine ausreichende Heranziehung des Besitzes. Das sei gescheitert an dem Steuer- egoismus der Agrarier, die zwar für sich Vorrechte beanspruchten, aber das Bezahlen anderen überließen. Ihnen habe sich das Zentrum zugcsellt, daß dem Fürsten Bülow die Ausschaltung des Klerikalismus nicht verziehen habe. Ta beide Parteien nicht die Mehrheit gehabt hätten, hatte man noch Antisemiten ^und Polen gnädigst zugelassen zur Mehrheitsbildung. In zwei Tagen habe diese. Mehrheit 11 Steueraesetze zurechtgeschustcrt, aber sie seien auch danach gewesen. Auch bet dem Werlzuwachssteuergesetz habe sich der Steu,eregoismus der Junker und ihre Liebedienerei nach oben im schönsten Lichte gezeigt. Vier Kandidaten bewerben sich um das Gießener Mandat. Tic Antisemiten, die sich hier schäm Hasterweise „wirtsdraftliche Vereinigung" nannten, scheiden für hie Liberalen von vornherein aus, da sic reaktionär seien und den Beendigung der Ausstander in der Südsee. Berlin, 4. März. Der älteste Offizier der auf Ponape versammelten deutschen Streitkräfte, Fregattenkapitän Vollen- Ihun, meldet aus Guam: Die Operationen gegen die Aufrührer auf Ponape wurden am 22. Februar beendet. Der ganze Stamm Dschokadsch ist gefangen. 15 Mörder, die an dem Blutbade am 18. Okto- Montag, 6. März Ml Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Universiläts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Ließen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» strah« 7. Expedition und Verlag: 51. 3Ubaftion:e^l!2. Tel.-Adr.: AnzeigerDießen. Block anacnommmeit Steuern. Man suche bic kleinen und mttU lcren Gewerbetreibenden und Bauern mit der Behauptung graulich zu machen, die Sozialdemokraten wollen ihnen ihre '.bö^ dultionsmütel nehmen, aber daran denke in Wateten Fern Atenscv Ta<* Programm der Sozialdemokraten verlange nur die Ber-- gesüllschaftung der großen kapitalistischen Betriebe, also der Bergwerke, Hüttenwerke usw. Weiter ging, der Redner aus bic fvon)crimg einer Partei aus Einführung eines Milizheeres, ibre^im > nationalen Fricdensbestrcbungen usw. ein, um sie zum ^cvlun als die einzige in Wahrheit kulturiöid.-rnde Partei hinzupellen und die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten Beckmann zu cmv- T'cülen. . . Nachdem der lebhafte B.-nall, den die Parteigeno,,cn des Redners diesem gespendet hatten, und auch die Unruhe, bic durch den Weggang vieler Zuhöiuw entstand, sich gelegt Halle, ergriff der Reichstagskanbidat Beck m ann das Wort. Er führte eine Menge Zahlen über Steuererträge, Schulden, 5)ecres und Marino- kosten an, und wandte sich gegen die inbireftar Steuern und den Militarismus Svdann bezeichnete er unsere Rechrspsleg? unter Berufung aui den Essener Meinerdsprozcß, die Angel'genheil der Bonner Borussen und des Fürsten Eulenburg, als blassen iustiz. Er behauptete weiter, daß das Reichstagswahlrecht in Gefahr sei und verlangte, daß auch in den Einzelstaaten und Gemeinden, das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahl recht eingeführt werden soll. Er schloß seine in gewandtes Rede vorgetragenen Ausführungen mit der mit Beifall aus genommenen Aufforderung, sich dcr sozialdemokratifchen Partei,- anzuschließen. Wahlreden der Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg und Lattmanu. obersten liberalen Grundsatz der Gleichberechtigung aller nicht anerkennten. Ihr Kandidat Herr Dr. Werner habe nach einem ihm vorliegenden Zeitungsbericht gesagt, daß die Freisinnigen Atheisten und .Haeckelleute seien, die Gott abschaffen und an seiner Stelle den König Gorilla auf den Thron setzen wollten. Tas widerlege er nicht, denn das sei zu dumm (lebhafter Beifall). Tie F-nrrickrittlcr acht-'ten iebc religiöse u-herzenmnm, sie wollten nur nicht, daß die Hirarckie in das staatliche politische Leben ein griffe. Ter nationalliberale Kandidat wolle unter bic Vergangenheit einen Strich machen und empfehle nach des Reichskanzlers Beispiel eine Politik der Sammlung Wenn auch die Männer nicht mehr von den irteuertaten des schwarzblauen Blocks sprechen wollten, so würden dies die Frauen um so mehr tun, denn sie verspürten Tag für Tag die künstliche Verteuerung der Lebensmittel neu. Eine Sammlung mit den Agrariern, Antisemiten und Klerikalen könne für liberale Männer nicht in Frage kommen, wohl aber eine Sammlung aller liberalen Elemente, für die bic hcs- siscken Nationalliberalen allerdings nicht zu haben seien. Von der Sozialdemokratie trenne deren Klassenkampsstandpunkt die sort- schrittliche Volkspartei, ihre Alles- oder Nichtspolitik. Tie fortschrittliche Volksvarter wolle die gleichmäßige Förderung aller Berufsstande, volle geistige und politische Freiheit und Besserung der Verhältnisse durch allmähliche Resormen. Sie habe in Pfarrer Korell einen Mann ausgestellt, der zu den Besten des Hessen- landcs gehöre. (Stürmische Bravorufe.) Wer ihn am 10. März wähle, handle nach einem Wort des alten fortschrittlichen Vorkämpfers Waldeck, daß in das Weiß des deutschen Reichsbanners mit goldenen Lettern cinaeschriebcn werden müsse das Wort „Für Freiheit, Recht und Voltswohlfahrt". Ten Ausführungen des Redners folgte minutenlanger, stürmischer Beisall. Ta niemand zu der vorgesehenen Aussprache das Wort verlangte, schloß gegen j/Hl Uhr die Versammlung mit einem von dem Vorsitzenden ausgebrachten Hoch aus das Vaterland. Geaoffe Dr. Tavid in Gießen. Tie am Sonntag nachmittag abgehaltene Versammlung der sozialdemokratischen Partei im Cafe Lech war geradezu über- füllt. Auch aus nichtsozialdemokrattschen Kreisen waren mehrere hundert Wähler anwesend, die namentlich der Name des Hauptredners des Tages, des Abg. Dr. David, angezogen hatte. Tr. Tavid begann seine Rede mit dem üblichen Hinweis auf die Bedeutung der Wahl und die iLränberte volitisckie Lage gegen die letzten Hauvtwahlen und forderte das Reichstagswahlrecht Tür die preußischen Landtagswahlen. Tann ging er auf tue Einwendungen der anderen Parteien gegen das sozialdemokrattsche Programm naher ein. Den Einwand der Volkspartei, daß die Sozialdemokratie eine einseitige Klassenkampsvartei sei, suchte er damit zu entkräften, daß er sie als Die Vertretung aller Arbeiter, auch der Kopfarbeiter, Bauern, Handwerker usw. bezeichnete, wobei er zugebe, daß die feste Bosts der Partei der Stand dev Lohnarbeiter sei. Nattonallcheralc und Antisemiten bezeichneten sich den Sozialdemokraten gegenüber als die Vertreter des Mittelstandes, aber durch Die Ablehnung jeder indirekten Steuer zeige fim seine Partei als die bei c Vertretung des Mittelstandes. Auch die Konsumvereine wirkten in dieser Richtung, da die den Mitgliedern gewährten Rückvergütungen gerade dem gewerblichen Mittelstand wieder zuflössen. Wenn Der sozialdemokratische Antrag von 1906 zur Erbschaftssteuer angenommen worden fei, w sei dies in Verbindung mit der beantragten Aufhebung der Salz- und Petroleumsteuer besser gewesen, als. die vom schwarzblauen Die perfönlid)!eiten im Ministerium Monis. Nachdem nunmehr di« Zusammensetzung des Kabinetts feststeht, wird ei von Interesse sein, etwas über den Werdegang seiner Mitglieder zu erfahren. Wir entnehmen der „Nationalzeitung" folgende Ausführungen: . Antoine Emmanuel-Ernest Monis ist 65 Jahre alt, kräftig gebaut, „schlau wie ein Bordelais". Advokat, Weinproduzent und Fabrikant eines alten Kognaks, dessentwegen er angegriffen, aber glanzvoll mtf bet Verurteilung seiner Widersacher gerechtfertigt wurde. Er gehört seit 1891 dem Senat an, machte sich dadurch bemerklich, daß er das erste radikale Kabinett Bourgeois mnwari, bann im linksrcpublikanischen Kabinett Waldeck-Rousseau als Iustizrninister durch die wütenden Angriffe der Klerikalen und Antidrepfusiften zum Radikalismus bekehrt wurde und jetzt mit Emrlc Combes eng befreundet ist. Er ist kein großer Redner, galt aber stets als schlauer Gesck)äftsmann. Th 6 ovbile Dclcasse geht auch dem 60. Jahr entgegen, ist aber noch so lebhaft und elegant in seinem ewigen Gehrock, als ob er bic Dreißig nie verlassen werde. Tic kleinen Aenglein hinter dem Zwicker blinzeln spöttisch und mitunter etwas aggressiv, wie es die Worte sind, mit denen der nicht hochgewachsene Favorit Eduards VII. oft den Gegner von der Rednertribüne herab über den Haufen stürzte. Dann mitunter wieder so liebenswürdig, daß ein Fürst Radolin sich vergebens mühte, noch höflicher zu sein. Bon Geburt war Delcass6 Journalist: kaum Deputierter, berief ihn Ribot als Unterstaatssckrctär bet Kolonien in fein Ministerium; von 1898 bis 1905 leitete er dann die äußeren Geschicke Frankreichs in der bekannten Weise, kettete bald nach Faschoda die sanfte Marianne an den rauhen John Bull fest, und aus diesem ungleichen Bunde ging die Marolkokrisc in ihrer ganzen Schön- 11 Maurice Berteaux ist gleichaltrig mit Delcaff'6, sonst aber scht verschieden: mit großem Vermögen zur Welt gekommen, widmete er sich der feinsten Börsenspekulation. Groß, aalgewandl war es sein Ehrgeiz, es weiter als zum Rcservelcutnant zu bringen. Im Departement Seinc-et-Oise gewann er sich viele Freunde und den Teputiertensitz. Als Andr6 über den Angebertetteln gestürzt wurde, suchte Maurice durch Ucbcrnahmc des -riegsportefeuilles das Ministerium Combes zu retten. Seitdem bat er in der Kammer den Abgeordneten der Linken oft hilfreich beigestanden und sich insbesondere durch Mitwirkung bet der Diaienerhöhung auf 15 000 Franks unauslöschliche Dankbarkeit erworben. Eine chronische Heiserkeit macht ihn als Kriegsminister nicht redselig, aber er wird wiederum in Zivil zu Pferde steigen und bie Revue be5 Heeres abnehmen. Daneben wirb er für bte gründliche Befolgung Der Combeichen Politik Sorge tragen. CaillauP hat so viele Zahlen im Kopf, rote er Haare nicht mehr Darauf bat; Man nannte ihn respektlos eine Der „schönsten Spiegelscheiben" des Palais Bourbon. Schlank, elegant, fein Frauenfeind, Raucher türkischer Zigaretten, arbeitet er gern in Statistik und erschreckt bic Börse durch seine kühnen Rcform- orojekie des Steuerwesens. Er ist 1863 geboren, war Lehrer an Der Ceolc des Sciences polifiquc», wurde 1898 vom Sarthc- .Departement in die Kammer gesandt und war Finanzminister Walbeck Rousteaus sonne Clemenceaus. Jean C r n v p > ist mit 55 Jahren Advokat, nachdem er Den Purpurrock bes General-Staatsanwalts ausgezoge jjat. Clemen- «au hielt ihn für das Handelsministerium prädestiniert: in Wahrheit lockten ihn mehr die Schönen Künste, für die seine Gattin ein im Theater Antoine höflich abgelchntes Drama schrieb. Ta Cruppi einige Handclsabkommen zustandebrachte, Die diplo- mansche Begabung verrieten, glaubte man damit seine Ueb:r- licMung an ben Quai b'Orsav entschuldigen zu müssen, der er bie Bizepräsidentcnschaft in der Justiz vorgezogen hätte. Antoine Perrier, republikanischer Progressist im Senat, dem et nach einer sicbenjMr,igcn Deputicrien-Periobe in Der Mcnnmct seit 1900 angehört und der in letzter StunDe au stelle bet hochbetagten Senators Devclle das Justizministerium übernahm, ist ein scheinbares Zugeständnis an die gemäßigten Republikaner. IP er ri er aber hat in den letzten Jahren eine Heine Linksschwenkung vollzogen, dank der er zum Vizepräsidenten des Oberhauses gewählt würbe; er war auch einer der 'Rapporteure in der Enquete über bic Kongregationen, babei nicht zu milde für bie religiösen Orden. Viel weiß man in der großen Politik nicht von dcm neuen Sicgeloewahrcr Er ist 1836 geboren, schlug bic Rechtskarriere ein, würbe Bürger- meister vton Chambäry und glitt so weiter abwärts auf der schiefen Bahn, auf der man Minister wird. . . . Von den anderen neuen Männern, die nie Minister waren und ihre Berufung jetzt dem Mute Derbanten, mit dem sie ben großen Staatsmann Brianb attackierten, erhielt Charles Dumont bic Oefscntlickten Arbeiten, wo er sich mit der Neuorganisation der verstaatlichten Westbahn herumschlagen kann. Dumont, 1857 geboren, war Universitatsprofessor, bann Advokat und Deputierter 'des Juras. Er Hal sich als Geschästspolitiker etwas in ben Vorbcrgruiib zu schieben gewußt und wurde deshalb -Genertl- rapporteur des Budgets. — Jules Steeg, ebenfalls Universitäts- Prof eiior, Advokat intb Journalist, ist 1868 geboren und 1906 von Paris als sozialistisch-radikaler Abgeordneter ins Parlament gewählt, wo er sich oft durch kluge und starke Interventionen bemerkbar machte. Ihm wurde das wichtige Unterrichtsministerium zugeteilt. — Paul Boncour, geboren 1873, Advokat, war Privatsekretär Waldeck-Rousseaus und KabincttSdirektor des Arbeitsministers Viviani. Einer der vielversprechendsten und gescheitesten Köpfe unter den Jüngern des Parlaments, lieber das Budget der Schönen Künste hatte er einen ideenreichen Rapport geschrieben. Als ihm Monis das Arbeitsportcfeuille an trug, zeigte er sich so ungewohnt uneigennützig, als Vorbedingung seiner Annahme zu stellen, daß sein früherer Chef Viviani zunächst befragt werde — aber Viviani tat, als wolle er sich eine Weile feiner Advolatentäkigkeit widmen, während er in Wahrheit wohl sein Schick'al an daS seines von Monis vernachlässigten Freundes Millerand verknüpfte. — Adolphe Mess imt), der Kolonral- minister, halte sich bislang als Gegner kolonialer Ausdehnung bekannt gemacht! Er ist 42 Jahre alt, hatte es bereits zum Hauptmann im Generalstabe gebracht und verließ das Heer, um sich 1902 in Paris zum sozialistisch-radikalen Deputierten wählen zu lassen. Er war Rapporteur der Kolonial- und Kriegsbudgets; auch sein junges parlamentarisches Talent verdiente Berücksichtigung. — Louis Mass 6, Handelsminister, geboren 1870, Advokat und Journalist, ist seit 1898 Depniiertcr des Nievrc-Tepartements. — Jules P a m s, Landivrrtschaftsminister, gehört zu den „Alten" des Kabinetts: 59 Iahe^ Er stammt aus dem Weinland Perpignan, war Advokat, von 1895—1902 Deputierter und von 1905 an sozialistisch-radikaler Senator von C^ret; ein Ehren mnun, von dem noch nicht viel gesprochen wurde. Die am Sonntag nachmittag in Steins Garten von der vereinigten deutsch-sozialen und christlich-sozialen Partei einbe rufcitc allgemeine Wählerversammlung, in der bic Reichstags- abgcorbnctcii Liebermann von Sonnenberg unb Latttna.nu imachen, war besonders vom Lande sehr zahlreich besucht s)iachDcm der Vorsitzende, Lehrer Kling-Gießen, die Anwesenden begrüßt hatte, ergriff als erster Redner der Abgeordnete Liebermann von Sonnen - berg das Wort zu einer, öfters von Beifall unterbrochenen An- ivrachc. Er führte aus: Der erste Gedante müsse dem seitherigen Abgeordneten Kohlcr-Langsdors gelten. Seine echt deutsche, (einig- Inotriqc Nattir habe wohl öfter angestoßen, aber er habe es ehrlich gemeint. Es müsse indes gesagt werden, daß er der Stabt gegen über nicht immer bas unbefangene Urteil bewahrte. Das düne aber in der heutigen Zeit, wo der Bestand des Reiches durch die onschwellciide sozialdemokratische Gesahr stark gefährdet sei, kein Grund sein zur Trennung von Stabt und Land. Beide, überhaupt jede ehrliche Arbeit, sowie die einzelnen Stäpdc müßten sick» über Kleinigkeiten hinwegsehend, bic .Hände reichen im Hinblick auf des Reiches Wohlfahrt. Der von seiner Partei aufgestellte Kandidat Dr. Werner sei infolge seiner Herkunft, Stellung und seitherigen Tätigkeit der richtige Mann zur Ausgleichung der Gegensätze. Auch habe er bewiesen, daß er Rückgrat besitze, wenn es sich nm Hochhaltung dcr Ideale handele. Ganz Deutschland sehe zurzeit auf den Wahlkreis Gießen-Grünberg-Nidda, denn es werde die Nachwahl zeigen, ob die den Umsturz pr.digeiidc Partei siege oder eine staatserhaltende Partei. Es jei sehr bedauerlich, daß eine bürgerliche Partei, der Freisinn, erilän habe, in der Stichwahl für den Sozialdemokraten zu stimmen, denn nach feinem Dafürhalten sei bie Sozialdernolratie immer das größte llcbrl Mait solle den Streit über die Finanzreform endlich fallen lassen und den Parteien Dank wissen, die bestrebt waren, des Reicl-es Not ein Ende zu machen. Unser Ziel müsse sein: Wie schützen wir redliche Arbeit in Stadt und Land, wie sorgen wir für Kaiser und Reich'? Das wird am besten erreickst, wenn wir für den Kandidaten der deutsch-sozialen Partei ciirircten. Den anderen bürgerlichen Parteien aber wolle er jirrufen, den Wahlkampf rein sachlich zu führen, damit in der Stichwahl ein Zusammen - gehen aller bürgerlichen Parteien möglich sei. Der zweite Redner, Amtsgerichtsrat Lotlmann, hatte sich die Rcch.tsertiguna Der ReiKsffmwzreform und die Stellung seiner Partei zu dieser Reform zum Vorwurf genommen und betonte besonders, wie gerade die Freisinnigen fernen Grund unb kein Recht hätten, über die zu Gericht zu sitzen, die geleitet von dem Gebauten, dem Reich aus seiner Not ljcrauszuhclsen, bic Reicks iiitanjicfrom mitgemacht haben, um so mehr als bic fortschrittliche BoltSpartci bei der Kommissionsberatung für die einzelnen Steuern gewesen sei, foätcr aber nicht den Mut gehabt habe, im Plenum Dafür zu stimmen. Er führte im einzelnen aus: Von den 500 Nrillioncn Mark Steuern, die das Reich nötig hatte, sollten nach dem Kommissionsbeschluß 100 Millionen Mark Besitzfteuer und 400 Millionen Mark indirekte Steuern sein. Der Streit unter den bürgerlichen Parteien entstand durck die Art der vorgc-- schlagenen Steuern. Die Nacklaßsteuer der Regierung litt an Der sozialen Ungerechtigkeit, daß keine Rücksicht auf die Zahl der Kinder genommen worden sei Die Rcickscinlommenfteuer mußte von vornherein ausscheiden, da die Einzcfftaaten dagegen waren. ?lchnlich lag der Fall bei der Vermögenssteuer. Dazu kam noch, daß kein Unterschied in der Art der Vermögenssteuer gemacht werten sollte. Es ist aber durchaus nickt einerlei, ob diese Steuer aus Staatspapieren oder aus landwirtschaftlichen'oder gewerblichen Betrieben gezogen wird, ob sic Arbeit«- ober Reutenvermögen betrifft. Intencn waren die rechtsstehenden Parteien nicht do gegen, sie scheiterte an dem Widerstand der Einzelstaaten. Bei der Erbanfallsteuer sollte das einzelne Erbteil von 10 000 Mark an, bei einer Gesamtmasse von mindestens 20000 Mark, besteuert werten. Die wirtschaftliche Vereinigung erbot sich trotz grundsätzlicher, von dem Freisinn geteilter Bedenken, die darin bestanden, daß durch eine solche Steuer infolge des Eingriffs in Familienverhältnifse Mißstimmung und Beunruhigung erzeugt werte, für die Erbanfallsteuer unter gewissen Bedingungen zu stimmen. Diese Bedingungen wurden nur zum Teil erfüllt. Das Hinaufschieben ter unteren Grenze auf 20000 Mark gestand die Regierung nicht zu. Trotzdem wäre diese Steuer angenommen worden, wenn der Freisinn, wie das bei Leistung poiitivcr Arbeit immer geschieht, nicht versagt hätte. Der Ertrag dieser Steuer wird übrigens meistens sehr überschätzt, er kann auf ungefähr 55 MitlioneN-Mark veranschlagt werden, so daß außerdem dock nock andere Steuern hätten herangezogen werten müssen. Nun erklärten die Liberalen, nicht mehr mitmacken zu wollen. Ihre Ansicht ging dahin, bei Ablehnung der Reichsfinanzrcform eine Auflösung des Reichstags herbeizuführen, der die Reform in liberalem Sinne erledigen sollte. Doch ess sollte nicht dazu kommen. Die Finanzlage drängte zu einer schnellen Lösung. Ein Hingusschieben hätte die Erledigung der Beamtenbesoldungs- refomt sehr fraglich erscheinen lassen. So hätten sic sich gefreut, daß durch die Börsensteuer und Wertzuwachr-steucr, für Die sie früher vergeblich gekämpft hätten, nickt allein sehr ergiebige, sondern auch sozial gerechte Steuern einaefützrt wurden. Bei ter Umsatz- und SchAksteucr waren manche Bedenken zu über der beteiligt waren, wurden auf Grund der Urteile deS Bc zirkShauptmanneS am 24. Februar standrechtlich er chossen. Die übrigen Aufständischen, zusammen 4 26, wurden nach Yap verbannt. Sie werden dorthin von der Titania überführt. Fast alle im Befitze der Eingeborenen befindlichen Gewehre wurden abgelicfcrt. Die schnelle und gründliche Erledigung machte einen nachhaltigen Eindruck. Die Eingeborenen, bei denen eine starke Friedensneigung vorherrscht, empfinden die verhängten Strafen als gerecht. Der BezirkSamtmcmn und die Weißen dcr Kolonie halten die Anwesenheit deS Kondor für ausreichend und die übrigen Schiffe daher für entbehrlich. 130 Mann Polizeitruppen oleiben zurück. Die Nürnberg geht nach den ^.rukinscln (Karolinen^, um dort dg4 Urteil der Strafe bekannt zu machen. 91 ne Verwundeten befinden fich auf der Enidcn z»«r Uebersührung nach Tfingtau. Ihr Befinden ist gut. Sie befinden sich in Genesung und werden völlig wieder her- qefteat werden mit Ausnahme deS Obermatrosen Meyer, besten linkes Bein amputiert werden mußte. Die Agitation im wahttrei; Giehen-Grünberg-Nidda. 8t 55 Swett« Blatt M Jahrgang * ------gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhejfen (Sine Partei aber, bk wie her Freisinn durch ihren Wqeordncten Hormann statt der Kaffeesteuer eine Besteuermrg der Kaffee- furrogate beantrage, habe das Recht verwirkt, andern Parteien Vorwürfe zu machen. Uebrigens wirkten alle diese Steuern nicht in dem Maße, wie das wirklich der Fall sei, wenn nicht die Spekulanten und die Vertreter der Großbanken, die in dem Hansabund eine vorzügliche Stütze hätten, ihrerseits das,doppelte und dreifache der Steuern draufschlügen und sich auf Kosten der Abnehmer bereicherten. Als schlechteste Steuer bezeichnete er die Zündholzsteuer. Doch sie mußte wohl oder übel, aus Mangel an einem geeigneteren Steuerobjekt mit in Kauf genommen werden. Gegen ihre Abschaffung erklärten sich mit aller Bestimmtheit die Besitzer der Zündholzfabriken selbst, die ihren Betrieb darauf eingerichtet haben. Der sckwarzblaue Block bestehe nicht. Das Zentrum habe sich zur Mitarbeit angebot-en, nachdem die Liberalen versagt hatten. Von nationaler und religiöser Seite habe man sich nichts vergeben., Fürst Bülow habe kern Grund zum Rücktritt Vorgelegen. Fürst Bismarck habe in den achtziger Jahren, als er seine Schutzzollpolitik gegen die Liberalen mit Hilfe des Zentrums durchgeführt habe, anders gehandelt. Schon jetzt zeigten sich allenthalben die Segnungen der Reichsfinanzreform, wre die verschiedenen Handelskammern und Regierungen dies offen aussprächen. Den Volksrechten müsse man sich stets die Pflichten vor Augen führen und bei allen Maßnahmen an das Wohl des Vaterlandes denken. Die letzten Ausführungen des Redners litten sehr unter dem störenden Lärm eines Teils der Anwesenden, der in dem Augenblick einsetzte, als die Besucher der vorher abgehaltenen sozial- dernokratischen Versammlung den Saal betraten. Nach einer kurzen Pause meldete sich in der Aussprache Oberst Spohr als einziger Redner. Er war im allgemeinen mit den Ausführungen seiner Vorredner einverstanden und fügte noch an, daß die Genußmittelsteuer die gerechteste sei. In dem Schlußwort bedauerte Reichstagsabgeordneter Latt- mann, daß sich niemand zum Wort gemeldet habe, denn Aufklärung halte er für das beste Mittel, eine gerechte Sache zu fördern. Er schloß mit der Aufforderung, bei der bevorstehenden Wahl Dr. Werner die Stimme zu geben nnb brachte ein dreifaches Hoch auf das deutsche Vaterland aus. Aufstände in Marokko. 0 Paris, 5. März. Neue Verwicklungen in Marokko werden schon seit einiger Zeit mehr oder minder geheimnisvoll in mehreren Pariser Zeitungen angekündigt; es muß aber gleich bemerkt werden, daß nirgendwo Deutschland in dieselben hineingezogen wird, was immerhin sehr beruhigend ist. Es handelt sich nach neuesten Meldungen vielmehr um folgendes, nach französischer Manier wahrscheinlich etwas aufgebauscht: Die Stämme im Norden und int Südosten von Fez sind in voller Aufregung, so daß der Sultan, der srch nach Meguinez el Kser und Rabot begeben wollte, aus der Stadt sich nicht herauswagt und sich sozusagen als Gefangener hinter den Mauern seiner Nord- hauptstadt fühlt. Diese Revolten wurden durch die jüngsten Reformen hervvrgerufen, die Muley Hafid in der Organisierung seiner Armee eingeführt hat. Die Stämme fürchten, daß die Methode, deren sich die Sherifen- Behörden in allen Dingen bedienen wollen, den Maghzen bedeutend stärke. Ein starker Maghzen ist aber für diese Stämme, die einer fast unbestrittenen Unabhängigkeit sich erfreuen, das schlimmste aller Uebel. Im Süden stellt man ebenfalls eine Aufregung fest, die auf die gleiche Ursache zurückgeführt weroen muß. Kurz, die großen Lehensleute empören sich aus Haß gegen eine Zentralgewalt, die sich stärkt und die sie bedroht. Andererseits haben sich die Stämme um die Schouia herum, durch die Apathie der Franzosen keck geworden und überzeugt, daß diese ihre Toten nicht rächen, alles erlaubt. Die Ern- brüche in die von den französischen Truppen besetzten Gebiete mehren sich. Abteilungen der Baer sollen sich bis an die Mauern unserer Posten vorwagen. Die Waldgegend im Nordosten des Lagers von Boucheron ist von Plünderer- gruvpen dieses Stammes überflutet. — Natürlich wird deshalb seitens des neuen Ministers des Aeußeren ein kräftiges Vorgehen in Marokko verlangt. Von der Ostseitc Marokkos kommt dagegen eine für die Franzosen erfreuliche Kunde. Die Arbeiten für den Bau der Bahn von der algerischen Grenze nach Udjda und Taurirt, für die die Kammer einen ersten Kredit von einer halben Million bewilligt hat, werden sofort in Angriff genommen werden. Der Major Rofroignoy, die Hauptmänner Bachellory und Gilles in Begleitung mehrerer Leutnants und Unteroffiziere des Genie-Kvrps sind am 1. März in Udjda eingetroffen, um die Arbeiten zu leiten. Man hofft auf eine sehr schnelle Herstellung der ersten Strecke. Paris, 4. März. Eine halbamtliche Note erklärt, daß die Meldungen über die unter den Stämmen südlich von Tanger herrschende Gärung stark übertrieben sind. Eine sichtlich aus Regierungskreisen stammende Mitteilung über die Note der „Köm. Zeitung", betreffs der Fremdenlegion, besagt: Es ist richtig, daß ein Erlaß des Kriegsmintsters vom 15. Januar 1910 für den Eintritt in die Fremdenlegion die Altersbeschränkung aufhob und daß demgemäß die französischen Behörden sich seither geweigert haben, die von Ausländern unter 18 Jahren eingegangenen Anwerbungsverträge für ungültig zu erklären. Aber die „Köln. Ztg." scheint zu vergessen, daß dieser Erlaß durch eine Entscheidung vom 11. Febr. 1911 aufgehoben wurde und , daß demzufolge die gegen denselben gerichteten Beschwerden mmmehr gegenstandslos sind. Aus Stadt und Land» x Gießen, 6. März 1911. Säuglings» und Mutterschutz. Von der Zweig st elle Gießen der Großh. Zentrale für Säuglings- und Mutterschutz wurde ein Rundschreiben versandt, dem wir folgendes entnehmen: Die in der Versammlung vom 12. Dezember v. I. zum Ausdruck gekommenen Gegensätze zwischen der Stellungnahme der Z e n t r a I e und dem 23er ein für ©äug» lingssürsorge in Gießen sind, wie Ihnen bekannt sein wird, ausgeglichen, so daß dem Zusammenarbeiten aller in Betracht kommenden Faktoren nichts mehr im Wege steht. Der Arbeitsausschuß tagte am' 16. Februar d. I. und hat folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Es wird ein Ausschuß für Die Propaganda in den Arbeiterkreisen gebildet mit Herrn Professor Koevpe als Vorsitzender und den Mitgliedern: Christ, Fourier, ^rey, Muller und Stimmer. Die Herren tyaben die auf sie gefallene Wahl angenommen. 2. Beratnngs st eilen sollen zunächst nur in Gründer g und Lich eingerichtet und Der ärztliche Kreisverein um Vorschläge wegen der Besetzung dieser Stellen mit Äerzten ersucht werden. 3. Für die Vorarbeiten zur Einführung der Sammel- oder gesetzlichen Vormundschaft in der Stadt Gießen wird ebenfalls ein Ausschuß gewählt, dem folgende Personen angehören: Beigeordneter Kelter, Vorsitzender, Frau Mecum, Frau Glauc, Medizinalrat Haberlorn, 2elan Daher, Frau Professor HMpaum, Mbbuut Lr. Sauden PsarpW Schwube, Professor Dr. Koeppe. 4. Ebenso wird ein Ausschuß für die Organisation in d en Landgemeinden eingesetzt. Er besteht aus den Herren: Dr. Reiff, Vorsitzender, Professor Walther, stellvertretender Vorsitzender, Medizinalrat Haberkom, Bürgermeister Leun-Gvoßen-Lin- den, Sanitätsrat Dr. Dickore-Lvllar, Brauereibesitzer Jhring-Lich, Dekan Wagner-Grünberg. Die einzelnen Ausschüsse tagen selbständig auf Einladung ihrer Vorsitzenden. AIS Lokal wird von dem Vorsitzenden der Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zur Verfügung gestellt. Die Einzelausschüsse berichten von Zeit zu Zeit dem Arbeiterausschuß über ihre Tätigkeit. Die Zentrale wird den Mitgliedern der Zweigstelle demnächst die Richtlinien für die Organisation Auvomme» lassen. • ** In Audienz emp fangen wurden vom Groß- Herzog am Samstag il a Oberleutnant Freiherr von NoroeckzurRabenauin der Schutztruppe für Deutsch- Ostafrika, kommandiert zur Dienstleistung beim Leibgarde- Jnfanterie-Regt. (1. Hess.) Nr. 115, der Landgerichtspräsident Güngerich von Gießen, der Kommerzienrat C1 oos von Nidda und der Geheime Kommerzienrat Heichelheim von Gießen. Landkreis Gießen. = Lang-GönS, 5. März. Der Vertretertag zu dem am 10.—12. Juni vom Gesangverein Germania anläßlich feines 20jährigen Bestehens veranstalteten Gesangs- Wettstreit fand heute im Gasthaus zum Schwanen statt. Trotz der vielen in der Gegend geplanten Wettstreite war die Anmeldung über Erwarten groß. 33 Vereine mit 1200 Sängern aus Hessen, Hesien-Nassan, der Rheinprovinz und Bayern waren vertreten und die Verhandlungen wurden in Anbetracht der günstigen Bedingungen, die der festgebende Verein entworfen hatte, in etwa 2 Stunden zur Zufriedenheit aller beteiligten Vereine erledigt. Die von dem fest- gebenden Verein unter Leitung seines Dirigenten Sames oorgetragenen Chöre hielten die Versammlung noch einige Stunden in angenehmer Stimmung zusammen. Kreis Schotten. △ Schotten, 5. März. Die Genossenschaftsmolkerei „Hoherodskopf" hielt gestern in der Schützenhalle ihre Hauptversammlung ab, die von etwa 450 Landwirten besucht war. Nach Beprüßungsworten des Vorsitzenden, Bürgermeister Deubel- Rudrngstzain, erstattete der Direktor, Lehrer Link, die Rechnnngsablage. Der Ueberschuß betrug 17 000 Mk., die Zahl der Mitglieder stieg um etwa 35 auf rund 500, verarbeitet wurden über IV, Millionen Liter Milch. Der Antrag des Vorstandes auf eine neue Betriebsrücklage von 3000 Mark wurde nach lebhafter Aussprache abgelehnt unb die Rückvergütung an die Genossen für Liter gelieferte Milch von 0,6 auf 0,7 Pfennig erhöht. Beschlossen wuü>e, einen Futtcrlagerbau mit Pferdestall zu errichten. Das Gebäude soll massiv ausge- führt werden und ist zu 3500 Mk. veranschlagt, es wird 11,5 Meter lang und 10 Meter breit. Die Ergänzungswahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der m'sscheidenden Genossen: Boos-Michel- bach, Fuchs - Breungeshain, Dambmann - Rainrod und Repp-Betzenrod. Zu der Genossenschaft gehören Landwirte aus 12 Gemeinden in der Umgegend von Schotten. -r. Ulrich st ein, 4. März. Heute ertönte, zum erstenmal, seit langer Zeit, die Feuerglocke. Es brannte in der Wohnung des Johann Alt hier. Dem raschen Eingreifen der Feuerwehr ist es zu danken, daß der Brand bald gelöscht war. — Regenschauer, Sonnenschein, Schneegestöber, Frühlingsluft, Sturm, Nebel, Gewitter, so wechselt das Wetter in den letzten Tagen oft innerhalb einer Stunde. △ Wingershausen, 5. März. Das neue Pfarrhaus für die Pfarrei Wingershausen-Eichelsachsen wird im Laufe dieses Jahres erbaut. Das alte Gebäude wird gegenwärtig abgebrochen von einem Landwirt, der es für 820 Mk. gekauft hat. Der Pfarrer wohnt zurzett in Eichelsachsen, bis der Neubau int Sommer 1912 eingeweiht wird. Der untere Stock des Neubaues wird massiv, der 2. Swck erhält Fachwerk. Die Pläne hat Bauinspektor Witzler entworfen. Hessen-Nassau. sj Marburg, 5. März. Anläßlich deS gegenwärtig hier stattfindenden 50jährigen Jubiläums der freiwilligen Feuerwehr trägt die Stadt reichen Flaggenschmuck. Gestern abend gegen 8 Uhr marschierte die gesamte Feuerwehr in ihrer neuen kleidsamen Uniform mit Musik durch die Stadt nach den Stadtsälen, wo ein Festkommers sich anschloß. Ansprachen hielten Kommandant Heuser, Landrat Geh. Reg.-Nat v. Rege le in, Oberbürgermeister Tro je, Geh. Rat Prof. Budde, Vizebürgermeister a. D. Siebert und Fabrikant Metzler, sämtlich aus Marburg, sowie der Vorsitzende deS kurhessischen Feuerwehr-VerbandeS, Bo ppen Hausen-Kassel, und Kreisbrandmeister Simmen- Julda, namens der dortigen Feuerwehr, in deren Auftrag er auch eine Bowle überreicht. Dem Kommandanten Heuser wurde ein Ehrenbeil und 12 alteren Feuerwehrleuten Diplome überreicht. Heute fand im Anschluß an einen Festgottesdienst auf dem Marktplatz eine Hebung, anschließend Tafel und abends in den Stadtsälen Ball statt. Vom Westerwald, 2. März. DaS älteste Baudenkmal deS WesterwaldeS, die alte Pfarrkirche in Elsoff, ist abgerisien worden, um einem Neubau Platz zu machen. Ueberall bedauert man das Niederreißen dieser historischen Stätte, die zur Zeit deS 30jährigen Krieges im Kampf gegen die Schweden eine Rolle spielte. Unter der alten Kirche vermutet man geheime Gänge und wertvolle Funde. Das KultuSmmisterium hat über die Angelegenheit Bericht ein- gefordert. (Frkf. Ztg.). er im o« ♦ Zur Ermordung der Gräfin Trigona in Rom teilen mehrere Blätter noch Einzelheiten mit. Danach hatte sich die Gräfin mit ihrem Mann veruneinigt, und die Streitigkeiten nahmen so heftigen Charakter an, daß der Graf die gerichtliche Trennung von )einer Frau anstrebte. Die gesetzlichen Schritte waren so weit gediehen, daß der Gräfin dieser Tage die gesetzliche Trennungsforderung überreicht werden sollte. In diesem Att waren aber Begründungen so folgenschwerer Natur detailliert, daß gemeinsame Freunde sich ins Mittel legten, um den Ehegatten begreiflich zu machen, es wäre besser, wenn sie auf gesetzliche Trennung verzichteten und sich mtt spontaner Trennung begnügten, um nicht Dinge so delikater Natur der Oeffentttchkeit preiszugeben. Wie es heißt, hat Paterno Erpressungsversuche gegenüber dem Grafen Trigona gemacht. Es hat sich angeblich auch heraus- gestellt, bay zwr,chen Paterno und der Gräfin ein verzweifelter Mampf stattgefunden hat. Die Gräfin hatte ihrem Geliebten, der als ein ganz gewöhnlicher Zuhälter bezeichnet wird, große Summen geopfert und versuchte sich jetzt von ihm frei zn machen. — Zwei Schwestern der Ge- tnordct.cn )üii) übrigens bei dem Erdbeben von Messina lunä Ldvcn gcXommau Rektor 506 vor Gericht. Berlin, 4. März 1911. Vor der ersten Sttafkanrmer des Landgerichts I begannen heute die Verhandlungen in dem Prozeß gegen den Rektor Bock von der katholischen Mädchenschule in der Gneiscnaustraße zu Berlin, der sich wegen zahlreicher sittlicher Verfehlung:n an seinen Schülerinnen, zu veranpvotten hat. Den Vorsitz int Gerichtshöfe führt Landgerichtsdirektor Forstmann, die Anklage verttitt Staatsanwalt Braut. Der Angeklagte Bock wird durch die Rechtsanwälte Abramczyk und Salomon verteidigt. Neben Bock nimmt noch der Lehrer Kn ö fei aus der Anklagebank Platz, der der gleichen Verfehlungen beschuldigt wird. Seine Vetteidigung führt Justizrat Wronker. — Die Entdeckung der Vergehen des Hauptangeklagten Bock geschah im letzt?« Sommer. Es wurde damals auf eine anonyme Anzeige hin von der Polizei festgestellt, daß Bock sich in zahlreichen Fällen an Schülerinnen der ihm unterftellten Mädchenschule vergangen hatte und zwar nach einem gewissen System. Er lockte sie entweder in Absteigequarttere, deren er zwei besaß, und machte die Mädchen hier durch Alkohol und Süßigkeiten gefügig, oder er bestellte sie in sein Amtszimmer. Der Angeklagte Bock ist 49 Jahre alt; er ist ein mittelgroßer Mann mit ergrautem Schnurrbart. Seine Frau befindet sich unter den Zeuginnen. An Kindern besitzt er einen 16jährigen Sobn unb zwei Töchter. Bock lüacht fid? während der Verhandlung Notizen auf einen kleinen Zettel, während sein Mitangeklagter Knöfel ziemlich teilnahmslos dasitzt. Der Zeugenaufruf nimmt längere 3eit in Anspruch, da gegen 90 Zeugen und Zeuginnen geladen sind. Unter ihnen befinden sich die Kriminalkommissare Dr. Kopp und Toussaint, die die Untersuchung gegen die An- gellagten geleitet haben, Gutsbesitzer Bock, ein Bruder des Angeklagten. mehrere Rektoren, Lehrer und Lehrerinnen, Fabrikbesitzer, Kaufleute und eine ganze Anzahl ehemaliger Schülerinnen der 40. Gemeindeschule aus der Gneisenaustraße. Sie sind gegenwärtig meist als Kontoristinnen und Verkäuferinnen tätig. Nach der üblichen^ Vermahnung, die Wahrhett zu sagen, werden die Zeugen vorläufig entlassen. Der Staatsanwalt beanttagt hierauf, die Oeffentlichkeit während der ganzen Dauer der Verhandlungen auszuschließen, dagegen Regierungsrat Zacher, Stadtschulrat Fischer und Kreisschulinspektor Fischer als Verttetern der Schulbehörde die Anwesenhett im Saale zu gestatten. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende, daß den: Anttag des Staatsanwalts auf Ausschluß der Oeffentlichkett, auch für die Presse, statt- aegeben sei. Die Anwesenden müssen daher den Saal räumen. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit beginnt sodann die Vernehmung der beiden Angellagten, die sich beide für nichtschuldig erklären. In der Beweisaufnahme wurde u. a. ein Bekannter des Angeklagten Bock vernommen, der diesen einigermaßen entlastete. Bock habe wohl manchmal, wenn er ehemalige Schülerinnen auf der Straße traf, diese mit ins Cafe genommen und ihnen eine Tasse Schokolade angeboten, es sei aber nicht zu unsittlichen Vorkommnissen, auch nicht zu unanständigen Redensatten gekommen. Wetter wurden in der Vormittagssitzung eüitge Verwandte des Bock vernommen, um zu prüfen, ob vielleicht der strasausschließende § 51 Anwendung zu finden habe. Es wurde behauptet, daß Bock schon in der Jugend zu sexuellen Ausschreitungen neigte; auf dem Seminar hatte er deswegen einen unzweideutigen Spitznamen erhalten. pir ^irfdibcrn, Dachsbcrg, Bleinadt und Vebntovi öithd) ber ReisertShainer Chaussee in der Nähe der Eicheliachser—GIq&q utter KreiSstrahe angesaücne Brennholz einschlretzl des Dürr» u. Wtnd faÜbolM-^. Rm.: 550 Buche 1. Kl., 90 2. Knüppel, Rm.: 1-9 Buche, 4 Hainbuche, 20 Elche, 28 Stchie. 3. Gew. Reiser, Rm.: Buche, 26 Eiche. 4. klnüvvelrcüer, Rm..Ä8 Buche. 5. Ecw. Stöcke, Rm.: 230 Buche, 3 Eiche, 145 Fichte. Zusammenkunst: V0rm 111aas Ubr aus der Krcrsitratze Eichelsachsen-^laSbütten in der Nahe der Ziegelhütt^ Vorgezeigt wird nur das in Distr. Vcbntopf, Abt. 1b und Seif sitzende Scheit und Knüppelholz, alles übrige Holz kommt unvorgezeigt auf dem Zwiefalter Hof zum Ausgebot. Nähere Auskunft erteilt der Grohh. ^oritwart Trtetsch zu Eichelsachsen. Jagd-Verpachtung. 700 ha aroh, darunter 200 ba Wald, soll 'DhtthJOcb l>en 29. ©lata, 2 Ubr nachmittags, in der Gastwirtschaft Eckhardt dortselbst dffent- lich auf 9 a)aUrc verpachtet werden. . Die Pachtbedingungen liegen bet dem Unterzeichneten inr (5infi(6t offen. Der Jagdvorsteher: Schieferstein. Engels-Stiftung. Die Zinken dieser Stiftung sollen am 24. März an 10 arme und würdige Familien verteilt werden. Bewerbungen wolle man biö "rm ll. b. Mts. in jeder der vier Gemeinden an deren tsy y y'/ /V V. /VV / f # Todes-Anzeige. Verwandten,. Frennden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteüung, dass mein lieber, mivergeeshcher Uatte, unser guter Vater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Wilhelm Hönbach Bahnhofsvorsteher infolge eines Schlaganfalles gestern abend 10 Uhr verschieden ist. Niedernhausen i. Taunus, den 5. März 1911. Die trauernden Hinterbliebenen. L d. N.: Lina Haubach. Luise Haubach. Die Beerdigung findet Mittwoch den 8. Mira, nachmittags 4 Uhr, in Giessen vom neuen Friedhof an» statt. ______________ _ \ XN * 'A A % 'S* ^3 'n reuiger als 24 Stunden. ■ 50 Pfff. in Apotheken u. Drog. dervestattungsgenosscuschast der freien Schretnerveretnigung Sieben Fertige Kleider Neu aufgenommen in Wolle, schwarz und farbig r; Anfertigung nach Mass = Garantie :: Letzte Neuheiten in Kleiderstoffen Meyerhoff & Goslar vorm. S. Weimersheim flacht. 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