Nr. Ä07 die setzen. Die „Geschäftsanweisung für die Rentmeister der Kgl. Kreiskassen" kann hierfür als Beispiel dienen. Die vordem gültige Geschäftsanweisung sprach u. a. von extraordinären Einnahmen, Requisitionen, Aktenrepositorien, Amtsutcnsilien, Duplikatsschlüs- seln, Jnventarienverzeichnis, Aversionierungsvcrmcrken und Ru- üriken. Statt dessen finden sich in dem neuen Erlaß die Worte: außergewöhnliche Einnahmen, Ersuchen, Aktenbehälter, Amts-- geräte, Schlüssel, Verzeichnis, Portoablösungsvermerk und Spalten^ Als weitere Verdeutschungen sind „mit Blattnummern oder Seitenzahlen versehen" statt foliieren oder paginieren, verfügbar statt disponibel, staatlich statt fiskalisch und abliefern statt deklarieren. Auch eine Verbesserung des Stils zeigt die neue Geschäftsanweisung. Der-, die-, dasselbe ist durch er, sie, es ersetzt, die falsche Umstellung nach „und" ist vermieden, unä Wörter wie „diesfällig, diesseitig, letzterwähnt" sind weggelassen^ Anstatt „im letzteren" heißt es „darin" usw. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: ^^112. Tel.*Adru AnzeigerGießen. I Mainz, 3. Sept. Heute nachmittag gegen 1 Uhr wurde ein Astheim er Milch fuhrwerk, als es den Bahnübergang bei Gustaosburg passieren wollte, von einer Maschine erfaßt. Der diensttuende Bahnwärter Kunz bemerkte die herannahende Lokomotive zu spät, um noch rechtzeitig die Schranke schließen zu können. Er siel dem Pferde des Wagens in die Zügel und suchte es zurückzudrängen. Bei diesem, Versuche wurde er selbst getötet und auch das Pferd geriet unter die Maschine. Der Kutscher blieb unverletzt. — Iw dieser Woche wurden abermals auf einen Posten, der am Pulverhaus 15 Wache stand, Schüsse abgegeben. Iw der Dunkelheit sah der Angegriffene drei flüchtende Männer und gab Feuer auf sie, ohne scheinbar zu treffen. — Dr. Pauö Falkenberg, Mitglied der Eisenbahndirektion Mainz, ist nach langem Leiden hier gestorben. Marburg, 3. Sept. In den Tagen vom Dienstag den 4. bis Donnerstag den 6. OÜober d. Js. findet in Mar- burg der dritte Ferienkursus für die akademisch gebildeten Lehrer der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck statt. Da die beiden ersten Kurse, die in 1906 und 1908 hier abgehalten wurden, nach dem Urteile der Teilnehmer ihren Zweck völlig erfüllt haben, dürfte auch diesmal zahlreiche Beteiligung zu erwarten sein. Die Themata der Vorlesungen sind folgende: 1. Philologisch-historische Abteilung Geh.-Rat Prof. D. Dr. Jülicher: „Der Untergang des griechisch-römischen Heidentums". Geh.-Rat Professor Dr. von der Ropp: „Innere Kolonisation Deutschlands". Pros. Dr. Kalbfleisch: „Die Kunst des Menander". Prof. Dr. Wechßler: „Die Weltanschauung Molißres". Prof. Dr. Schwarz: „Ausgewählte Kapitel aus der experimentellen pädagogischen Psychologie". 2. Mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung. Prof. Dr. Korschelt: „Die neuere Protozoenforschung in ihrer biologischen und praktischen Bedeutung". Prof. Dr. Richarz: „Neuere Anschauungen über die kinetische Theorie der Materie". Prof. Dr. Neumann: „Neuere Anschauungen über die Grundbegriffe der Mechanik und Physik" (Minkowski's Untersuchungen über Raum und Zeit). Prof. Dr. Diels: „Neuere Erblichkeitslehren". Prof. Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener Familienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeltfragen" erscheinen monatlich zweimal. — Mascaanis neue Oper ,,B s o b e I" wird, wie aus Newyork gemeldet wird, ihre Erstausführung im dortigen New Theatre erleben. Der Text der Oper, deren Inhalt eine Umformung der Legende von Lady Godiva ist, stammt von Luigi I l l i c a. Da die amerikanische Erstaufführung früher stattfinden wird als die Oper in Europa zur Aufführung gelangt, so wird Mascagni zur Leitung der Proben und der Erstaufführung irach Newyork kommen. — Eine Urkunde über die Belagerung von Jerusalem. Eine bedeutsame archäologische Entdeckung ist nach einem Bericht der Revue in Oberägypten gemacht worden. Es handelt sich um eine lateinische Inschrift auf einer H o l z f ü l l un g , die 50 Zeilen umfaßt: 35 davon sind deutlich lesbar Es ist, abgesehen von den aus Pompeji stammenden Täfelchen, das schönste Beispiel lateinischer Schrift, das man bisher gefunden Hot.- Eine besondere Wichtigkeit erhält der Text dadurch, daß er die Belagerung von Jerusalem.' unter der Regierung des Titus erwähnt. Er stellt die erst» authentische Urkunde über das Ereignis dar und bestätigt in. allem, die Erzählung des. Jofephus und der anderen alten Historiker. Berichterstatter hierüber war der Reichstagsabgeordnete M o l- lenbuhr (Deutschland). Er bezog sich in seinen Ausführungen mr wesentlichen auf die Ausschußverhandlungen, worauf die Entschließung zur Annahme gelangte. —. Ferner wurde nach eine Entschließung über das — Fremdwörter in amtlichen Erlassen. .Das preußische FinanzmmisteriuM ift besonders darauf bedacht^ 2lus Stadt und Land. Gießen, 5. Sept. 1910. *• Po st personalnachrichten. Die Postassistenten- prufung bestand der Postgehilfe Greb in Lauterbach (Hessen). Angenommen als Telegraphengehilfin die Aushelferin Mühlpforth in Bad-Nauheim ** Die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz unternahm gestern einen interessanten Uebungsmarsch Sie rückte um 7i/2. Uhr vom Depot ohne Tragen ab. Auf dem Schiffenberg gab der älteste Führer bekannt, daß hier eine Uebung statt- sirlden soll, der folgeirde Idee zu Grunde liege: „Unterwegs sei der auf dem Uebungsmarsch begriffenen Kolonne bekannt geworden, daß |OUT dem Schiffenberg ein Gebäude eingestürzt sei und mehrere Personen dabei schwer verletzt worden wären." Sogleich machte sich die Kolonne daran, alle möglichen Gegenstände zum '.Herstellen von zum Transport Verwundeter erforderlichen Einrichtungen zusammenzusuchen. Mehrere Tragen wurden unter Benutzung von Stangen, Bänken, Brettern, Reisern, Stroh usw. hergestellt. Stangen, Seile und Bretter eines im Hofe stehenden Weißbindergerüstes wurden dazu, und zur Herrichtung eines Leiterwagens zur Aufnahme der Tragbahren abgerüstet und verwendet. Nach kaum Vs Stunde konnten 6 markierte Verletzte notdürftig geschient Asylrech t angenommen. Sie protestiert dagegen, daß unter nichtigen Vorwanden verschiedene Länder das Asylrecht für politische Vergehen verletzen, besonders auf den Einfluß Rußlands hin. Namentlich bedauernswert sei es, daß auch England trotz aller Kräftigung der Volksrechte dieses verletzende Vorgehen ausgenommen habe. Ter Kongreß fordert das Proletariat auf, sich mit allen Mitteln gegen eine solche Aktion auch im Interesse der Unabhängigkeit des eigenen Landes energisch zu widersetzen. Am Nachmittag verhandelte der Kongreß über das Genossenschaftswesen. Hierzu wurde folgende Entschließung angenommen: „In der Erwägung, daß die Konsumvereine ihren Mitgliedern nicht nur unmittelbare materielle Vorteile bieten, daß sie berufen sind, hie Arbeiterklasse durch Ausschaltung des Zwischenhandels und durch Eigenproduktion für den organisierten Konsum wirtschaftlich zu stärken und ihre Lebenshaltung zu verbessern, die Arbeiter zur selbständigen Leitung ihrer Angelegenheiten zu erziehen und dadurch die Demokratisierung und Sozialisierung der Gesellschaft vorzubereiten helfen, erklärt der Kongreß, daß die Genossenschaftsbewegung, wenn sie auch allein niemals die Befreiung der Arbeiter herbeiführen kann, doch eine wirksame Waffe tn dem Klassenkampfe sein kann, den die Arbeiterschaft um die Eroberung der politischen und ökonomischen Macht zum Zwecke der Vergesellschaftung aller Mittel der Produktion und des Austausches führt, und daß die Arbeiterklasse das stärkste Interesse daran hat, diese Waffe zu gebrauchen. Der Kongreß.fordert daher alle Parteigenossen und alle gewerkschaftlich organisierten Arbeiter auf, tätige Mitglieder der Konsumvereinsbewegung zu werden und zu bleiben, und in den Konsumvereinen in sozialistischem Geiste zu wirken, um zu verhindern, daß die Konsumvereine aus einem wertvollen Mittel der Organisation und Erziehung der Arbeiterklasse ein Mittel werden könnten, um den Geist der sozialistischen Solidarität und Disziplin zu schwächen. Der Kongreß macht es daher den Parteigenossen zur Pflicht, in ihren Konsumvereinen darauf hinzuwirken, daß die Ueberschüsse nicht ausschließlich zur Rückvergütung an die Mitglieder, sondern auch zur Bildung von Fonds verwendet werden, die es den Konsumvereinen ermöglichen, zur genossenschaftlichen Produktion überzugehen und für die Erziehung und Bildung sowie ferner die Unterstützung ihrer Mitglieder zu sorgen, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse ihrer Angestellten im Einvernehmen mit den Gewerkschaften geregelt werden, daß ihre eigenen Betriebe vorbildlich organisiert sind, und, daß beim Bezüge von Waren gebührende Rücksicht auf die Herstellungsbedingungen genommen wird. Ob und inwieweit die Genossenschaften die politische und die gewerkschaftliche Bewegung direkt unterstützen sollen, ist der Entscheidung der einzelnen genossenschaftlichen Organisationen jedes Landes zu überlassen. Der Kongreß erklärt ferner, daß die Genossenschaften jedes Landes einen einheitlichen Verband bilden müssen und daß es im Interesse der Arbeiterklasse in ihrem Kampfe gegen den Kapitalismus er- orderlick ist, daß die Beziehungen zwischen den politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen immer inniger werden, ohne daß dadurch ihre Selbständigkeit angetastet würde." Unter großem Beifall wurde Wien als Tagungsort für 1913 gewählt. — Der Vorsitzende Vandervelde schloß den Kongreß mit einem Hoch auf die völkerbefreiende Internationale. — Die Kongreßteilnehmer verließen den Saal, indem sie Arbeiterlieder und dann zum Schluß gemeinsam die Internationale anstimmten. ulid verbundett aus den Wagen zur Beförderung nach Iden Kliniken/ in Gießen verladen werden. Nach der Abrüstung der Gegenstände und einer mrzen Rast ging es weiter über die Hochwart durch Annerod auf die „Annerüder Platte", wo für sämtliche Teilnehmer abgekocht wurde. Nach kurzer Zeit konnte die Erbsensuppe mit Buchsenfleisch verzehrt werden. Die Kolonne Hat gezeigt, daß, ste eine einmal befohlene Uebung trotz aller ungünstigen Witte-, rungsverhältnisse auch auszuführen versteht. ----- Unter-Schmitten, 3. Sept. Ein aufregenden -Vorfall beschäftigte gestern die Einwohnerschaft unseres Dorfes. Auf dem Weg von der Bahnhaltestelle nach der Weißmühle überfielen drei Strolche, welche von der Weißmühle herkamen, eine ältere Frau, die auf das Feld gehen wollten. Auf ihr Geschrei eilten Leute herbei, die die Kerle überwältigten. Zwei davon wurden in das (&> fängnis hierher abgeliefert. Es waren Dreschmaschinen^ arbeiter. ----- Nidda, 3. Sept. Die Manöver haben uns übergehend Einquartierung gebracht, Dragoner vom 24. Regiment. Die Manöver verlaufen ganz kriegsmäßig, die Mannschaften kommen zu ganz unbestimmten Zeiten, manche finden auch an ganz anderen Orten Quartier, als anfangs bestimmt war. An die Truppen werden die größtmöglichsten Anforderungen gestellt. = Kohden bei Nidda, 3. Sept. Am Sedantag wurde hier ein Veteran unter großer Beteiligung zur letzten' Ruhe gebracht, der für Fürst und Vaterland nicht bloß bekämpft, sondern auch geblutet hatte, der Kreisamtsdienep t. P. Georg Ludwig Klös. Hier geboren, hatte er sich nach seiner Pensionierung auch hier wieder niedergelassen. In dem Treffen bei Langfort und Frohnhofen 1866 beim 4. Re-s giment (jetzt 118.) dienend, hatte er einen Schuß durch die Lunge erhalten, war aber trotzdem wieder völlig geheilt worden. Er war ein ehrenhafter, gewissenhafter Beamter gewesen und hier und in der Umgegend allgemein geachtet und geschätzt. Der Kriegerverein Kohden gab am Grad die Ehrensalven ab. Sein Tod war infolge eines Schlage anfalls eingetreten, den er vor mehreren Wochen erlittew hatte. Gaüiffets tolle bei der berühmten Reiterattacke vor Sedan ist schon oft Gegenstand leidenschaftlicher Auseinander-« setzungen gewesen, bei denen sich besonders die durch ihre Gehässigkeit auszeichneten, die während der blutigen Mai-i Woche nach der Kommune unter der unbarmherzigen Faust dieses Generals zu leiden hatten. Daß Rochefort zu diesen gehört, ist selbstverständlich. Muß man demnach auch dem berühmten Pamphletisten eine unbestreitbare Voreingenommenheit zuschreiben, so ist doch die Darstellung, die er am Sedantage in der „Patrie" gibt, zu interessant, um mit Schweigen übergangen zu werden. Wir geben sie also ohne andere Bemerkungen wieder: „Ich bin über die Episoden des Dramas von Sedan, bei dem Galliffet nach dem Angriffe, den ein anderer befehligt hatte, Gelegenheit fand, sich selbst zum General zu ernennen, indem er das Kepi des gefallenen tapferen Margueritte aufsetzte, in sehr fesselnder Weise unterrichtet worden. Einer meiner Freunde, der vor zwei Jahren verstorbene Charles Haas, Mitglied des Jockeiklubs, verbrachte alle Jahre 14 Tage in Farnborough bei dec Exkaiserin! Eugenie. Ich war um jene Zeit selbst gezwungen, als Verbannter in England zu leben, und Haas versäumte nie, nach seinem Aufenthalte in Farnborough mir einen Besuch abzustatten. Bei einem dieser Besuche erzählte er mir folgendes, was er von der ehemaligen Herrscherin selbst erfahren hatte: Als der Exkaiser noch als Gefangener der Deutschen im Schlosse von Wilhelmshöhe sich aufhielt, kündete man ihm eines Tages einen Besucher an, dessen! Karte die Worte trug: „General de Gallifset." Napoleon, recht überrascht, fragte, wer dieser General sei, von dem er keine Ahnung hatte, da er Galliffet nur als einfachen Obersten kannte. Als dieser trotz der selbstherrlichen Titelverleihung von Napoleon empfangen tourbe, erklärte er, - ^en Vorsitz führte heute Jeppesen (Norwegen). An erster stelle berichtete Huggler (Schweiz) über die BetätigungderinternationalenSolidarität. Der Ausschuß hat hierzu folgenden Antrag der Schweden angenommen, der auch vom Kongreß genehmigt wurde: „Der Kongreß fordert die Arbeiter aller Länder auf, wenn ein Kampf zwischen Kapital und Arbeit solche Dimensionen angenommen hat, daß die Arbeiterschaft des Landes, in dem der Streck entbrannt ist, aus eigener Kraft denselben offenbar nicht burchfechten kann, die kämpfenden Genossen so kräftig als nur möglich moralisch und materiell zu unterstützen, um die gebieterische Pflicht der Arbeitersolidarität in dieser Weise in die £at umzusetzen. Der Kongreß stellt der gewerkschaftlichen Jnter- nationale^anheim, die zweckmäßigsten Formen der internationalen Arbeiter-Solidarität näher zu untersuchen und sestzulegen. Für die nächste Zeit empfiehlt der Kongreß: das immer nähere und dauerhaftere Zusammenwirken der gewerkschaftlichen Arbeiter-Or- ganiwtionen in jedem Lande und über die Grenzen hinaus: die Mänderung von solchen gewerkschaftlichen Satzungen, die einer iN^ellen und wirksamen internationalen Hilfsaktion hinderlich lern können: die Verbesserung und Erweiterung der internationalen Verbindungen ber_ sozialdemokratischen Arbeiterpresse. Besonders werden die sozialistischen Journalisten in dem Lande, in dem ein Aussicht steht oder schon begonnen hat, an die Verpflichtung erinnert, ihre ausländischen Kollegen über die Situation schnell und korrekt auf dem Laufenden zu erhalten, die ihrerseits verpflichtet sind, die Berichte, um das Interesse und! die Sympathie der Arbeiterschaft überall wachzurufen und um den allzu oft direkt erlogenen „Neuigkeiten", die, um die öffentliche Meinung zu täuschen, von im Dienste des Kapitals stehenden Leitungen und Bureaus verbreitet werden, rechtzeitig entgegen- zutreten, unmittelbar zu verwenden. Auch von diesem Gesichtspunkte aus ist es von höchster Bedeutung, daß in alten Ländern eine sozialistische Presse emporwächst, die Kraft genug besitzt, um die breiten Volkskreise von der lähmenden Einwirkung des »bürgerlichen Zeitungswesens freizumachen," Zur Arbeitergesetzgebung liegt folgende Entschließung vor: „Der Kongreß bestätigt die Resolutionen von Paris und Amsterdam und stellt fest, daß die herrschenden Klassen der verschiedenen Länder seitdem wenig auf diesem Gebiete geleistet haben, und daß das Zustandegekommene sich int allgemeinen als unzulänglich erwiesen hat. Alle möglichen Ausflüchte hat die Bourgeoisie gemacht, um ihren Mangel an gutem Willen und ihre Unfähigkeit, etwas großes füt die Arbeiterklasse zu leisten, zu verhüllen. So hat sie die Behauptung ausgestellt, daß die industriellen Konkurrenzverhältnisse der einzelnen Länder die Einführung einer guten Arbeitergesetzgebung verhinderten, falls nicht internationale Vereinbarungen getroffen würden. Die verschiedenen Regierungen haben aber schon seit langem Mittel und Wege gefunden, um sich international zu verständigen, so z. B. bei der Berner Konvention über die Nachtarbeit der Frauen. Aber von dieser Möglichkeit ist nur ein sehr unerheblicher Gebrauch gemacht worden, obgleich die Kapitalisten gewaltigen Mehrwert aus der Arbeit der Proletarier gezogen und Milliarden für militärische Zwecke vergeudet haben. Aus alledem geht klar hervor, daß die Berufung auf die Notwendigkeit internationaler Vereinbarungen und die Behauptung von dem Fehlen von Mitteln für die Zwecke der Arbeitergesetzgebung nur Vorwände sind, um sich den Verpflichtungen gegenüber der Arbeiterklasse zu entziehen und um diese fast unbeschränkt ausbeuten zu können. Das alles veranlaßt uns, mit aller Kraft gegen diese unverantwortliche Nachlässigkeit der herrschenden Klassen zu protestieren und die Arbeiterklasse! aller Länder aufzurufen, diese Taktik des Unternehmertums unermüdlich zu bekämpfen. Der Kongreß ruft den Arbeitern ins . Gedächtnis, daß nur durch kräftig organisierte Gewerkschaften, : die auf persönlicher, ernster und ausdauernder Opferwilligkeit < beruhen, auf die. Herrschenden ein genügend starker Druck aus- । geübt wird, um sie aus ihrer unverantwortlichen Lässigkeit auf- ; zuscheuchen." > Internationaler Sozialiftenkongretz. «4 Kopenhagen, 3. Sept. Die Schlußsitzung des Internationalen Sozialisten-Kongresses brachte die Erledigung der noch ausstehenden Themata: die Betätigung der internationalen Solidarität, die Arbeitsgesetzgebung, die Amnestiefrage und die noch ausstehenden Resolutionen. — Ein großer Teil der Delegierten ist bereits abgereist, da die Enttäuschung über den stimmungslosen Verlauf des Kongresses allgemein ist. Das Fehlen von Bebel und Singer ist nicht ohne Einfluß auf den Verlauf des Kongresses geblieben. So wurde auch der Besuch der Tribünen von Tag zu Tag spärlicher. Dazu kamen bann noch die Schwierigkeiten der gegenseitigen Verständigung, die anscheinend unlösbaren Differenzen zwischen Deutschen und Engländern über die internationale Betätigung und schließ- ..r L , wangelnde Disziplin bei den Delegierten der interessierten östlichen Länder. bte Reise ausschließlich zu dem Zwecke unternommen zu «bisher in ziemlich großer Fülle in den amtlichen Erlassen befind-- Haven, um den bet Sedan Besiegten zu bitten', ihm die lichen Fremdwörter durch entsprechende deutsche Worte zu er- Ernennung zum General zu bestätigen, indem er sie vor-' — ----- --- datierte. Napoleon ließ sich aber darauf nicht ein und Galliffet mußte unverrichteter Dinge nach Paris zurück-, kehren. Erst bei einer zweiten Reise des falschen Generals ließ sich der Kaiser erweichen und gab die erbetene Unterschrift. Da Galliffet nun mußte, daß es die fixe Idee dieses Halluzinierten war, seinen Thron wiederzuerobern, selbst wenn er dazu eine neue Boulogner Expedition unternehmen sollte, drang er in den Gefangenen, das Abenteuer zu wagen, und versprach ihm, seine Pläne zu unterstützen, indem er diesem Träumer einen triumphierenden Einzug in seine gute Stadt Paris verlockend vorhielt. Dank diesem Mittel setzte er alles durch, was er wollte. Hier verband er aber den Betrug mit der schändlichsten Treulosigkeit, Charles Haas versicherte mir, von der Kaiserin selbst den Verrat des falschen Generals erfahren zu haben, der sofort nach seiner Rückkehr Thiers, den Chef der Exekutivgewalt, aussuchte und ihn von der Absicht Napoleons in Kenntnis fetzte, baldigst eine Landung an der französischen Küste zu unternehmen. Diese Angeberei war schon an und für sich grundgemein, da Galliffet doch selbst den Gefangenen zu der vertraulichen Mitteilung veranlaßt hatte. Ader der Angeber ließ es dabei nicht sein Bewenden haben, er erbat sich! von Thiers den Ruhm ober richtiger die Schande, an dec Spitze seiner Reiter sich des Prätendenten zu bemächtigen, wenn er seinen Fuß auf französischen Boden setzen sollte. Das Hingt unglaublich und ich hätte selbst solche Hinterlist nicht für möglich gehalten, wenn Charles Haas, dessen Glaubwürdigkeit nfcht verdächtigt werden kann, mjr sie nicht enthüllt hätte." Zweites Blatt * 160* Jahrgang Montag 5« September 18IO A A Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Ea hSTST H Jp Mm ly ü lOT MM Universitäts - Buch- und Steindruckerei. VllvQvIlvl UllJviyVl Seneral-Anzeiger für Gberheßen Dr. Fries: „Einiges über die Chemie dec Kolloide*. Außer- dem sind Besichtigungen deS archäologischen ^lpparateS der Universität und des Wenkerschen Sprachatlas in Aussicht ge- nonuncn. Für die Teilnehmer in der mathematisch-natlir- wissenschaftlichcn Abtei img ist ein Nachmittag für eine ev. zu unternehmende Exkursion freiqehalten. 9lm Montag den 3. Oktober, abends 8^ Uhr, findet im Hotel Ritter ein? zwanglose Zusammenkunft statt. Die Teilnehmerkarten an dem Ktlrsus sind daselbst gegen 3 Mk. Einschreibgebühr in Empfang zu nehmen. Weitere Kosten entstehen diesmal nicht, da der Minister die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt .hat. Meldungen haben tunlichst bis zum 30. September bei dem Geschäftsführer, Herrn Pros. Dr. E. Neumann, Marburg, Schwanallee 9, zu erfolgen, wo auch jede weitere Auskunft gern erteilt wird. Airche uub Schule* -fm- Londorf. Dieser Tage taub im Saale der „Stadt Gießen" ein Vortrag über die e v n n g e l i s ch e B e w e g u n g in her Steiermark statt, der trotz der arbeitsreichen Zett für den Landwirt zahlreich besucht war. Der Redner, Pfarrvikar N ö m h e l d, ein ehemaliger Geistlicher der Pfarrei Londorf, erzählte höchst anschaulich von seinen Erlebiiissen in dem schönen Stelerland. In einem geographischen und geschichtlichen Ueberblick führte der Redner feine Zuhörer gnnäcbft in das echtdeutsche Alpenland, schilderte bann die kirchlichen Verhältnisse der Evangelischen in dem oberen Murtale und machte die Darstellung anzieheiid durch das Einstechten feiner persönlichen Erfahrungen in dem Vikariat Gudenburg. Diese ®emeinbc muß das Interesse der Evangelischen Hessens in bejonberem Dtaße erregen, da der hessische Hilfsausschuß für bie Evangelischen in Oesterreich sich die Pflege dieses Bezirkes seu -Jahren arigelegen sein läßt. Mit der Bitte um tätige Weüerhilie schloß der Vortragei,de. Der Ortsgeistliche sprach ein kurzes Schluß- wort. Die uernnftaltete Tellersammlimg erbrachte die Summe von 28 Mark. Vie Wunderdoktoren von Hartenrod. (Nachdruck berboten.) V., Marburg, 3. Sept. Die Verhandlungen begannen heute pünktlich um 8 Uhr. Troß dieser frühen Stunde hatten sich schon zahlreiche Zuhörer einefunden. Als erster Sachverständige wurde zunächst dec praktische Baunscheidtist Anton aus Leipzig vernommen. Er führte aus, daß er seit 30 Jahren die Baunscheidtsche Methode kenne. Der Baunscheidtismus sei ein altes Hausmittel seiner Vorfahren. Er entstamme einer Familie mit 10 Geschwistern und bei ihnen seien immer die bt'ftcn Resultate mit dieser Methode erzielt worden. Auch er habe als Kind an allen möglichen Krankheiten gelitten und er verdanke seine Gesundheit nur dem BannscheidtiSmus. Eine besondere Desinfektion halte er nicht für erforderlich. Er könne 30 Aerzte in Leipzig namhaft machen, welche den Baun- scheidtismus zuließen, in Leipzig besteht auch ein Verein für BaunsckieidtiSmuS. Der Sachverständige kam dann auf die einzelnen im Prozeß vorgekommenen Fälle zu sprechen und wies den Vorwurf zurück, daß der Baunscheidtismus eine Schinderei oder Quälerei fei. Seine Praxis erstrecke sich ja nur auf diejenigen Krannken, die von Aerzten und in Sanatorien erfolglos behandelt seien: er erziele die besten Resultate. Aus ärztlichen Attesten erwähne er nur, daß Sanitätsrat Prof. Dr. Hoffmann in Leipzig den Baunscheidtismus sogar seinen Studenten empfehle. Auf Befragen des Verteidigers, wie er die Krankheit erkenne, meinte Anton, daß dies ja die Patienten wüßten, weil sie immer in Behandlung der Aerzte gewesen seien. Er machte seine Behandlung auch von der Genehmigung der Aerzte abhängig, denn es gebe Menschen, denen die Behandlung nicht zusage. Prof. Hildebrand führte aus, daß die „Wunder" Dikomeits auf ihn komisch wirkten. Letzterer habe doch gar keine Vorbildung, die ihn zur ärztlichen Tätigkeit berechtige. Die Behauptung, daß er auch aus ausländischen ärztlichen Werken gelernt, sei wohl unwahrscheinlich. Das erwähnte chinesische Werk existiere jedenfalls nicht. Dikomeit wisse wahrscheinlich nur über die gröbsten anatomischen Kenntnisse Bescheid, int allgemeinen wisse et weniger wie jeder, her in einer Sanitätskolonne ausgebildet sei. Er ging bann über die Aussagen Dikomeits über das Wesen her Krankheiten ein und bezeichnete diese als kompletter Unsinn. Er spreche ihm auch die Fähigkeit, Krankheiten zu untersuchen, völlig ab. Daß jede Krankheit sich in der Bindehaut des Auges widerspiegele, sei ganz ausgeschlosien. Die ganze Geschichte, sei ein schlechter Ableger der Felkeschen Methode. Diese fet übrigens nicht so schwierig, er habe sie in einem Tag erlernt. Die Diko- meitsche Diagnose solle ja aus dem geheimnisvollen Buch stammen, das jedenfalls nicht existiere. Die Wissenschaft Dikomeits sei der größte Humbug, der ihm vorgekommen sei Man könne ihn nur mit dem Schäfer Ast vergleichen, der lvisse aber mehr, denn er kenne wenigstens die Krank- beiten der Schafe. Auf die falschen Diagnosen, die Dikomeit gestellt, seien die Sachverständigen gar nicht eingegangen. Die vielen Fälle Gehiruerlveilerung, die Dikomeit behandelt haben wolle, seien kompletter Blödsinn. Bei den Krebskranken sei es dasselbe. Diese Bielen hätten niemals an Krebs gelitten. Die Behauptungen mit dem grauen Star, der Zuckerkrankheit usw. seien gerade so. Daß zufällig einzelne Diagnosen gestimmt hätten, sei Zufall. Der Sachverständige verbreitete sich dann über die Kuren. Meistens habe man in Hartenrod Baldrian verzapft, das sei eiltfach. Mit dem Baunscheidtismus sei es gerade so. Er halte diesen für ungefährlich, wenn er richtig angewandt würde. Bei der Verhandlung hätten die Sachverständigen doch einige Fälle zugeben müssen, in denen er schädliche Folgen gezeitigt. Den Sachverständigen könne er zugeben, daß nmn ihn ruhig zu den Aerzten zählen dürfe, die in gewissen Fallen den Baunscheidtismus zugeben würden. Einen todkranken Menschen mit dieser Methode zu behandeln, sei eine* Schinderei und eine Körperverletzung. Wenn einer so viele Patienten behandle, würden auch viele gesund? Diese Erfahrung mache jeder Arzt und er hätte sich gar nicht gewundert, wenn noch viel mehr Geheilte gekommen seien. Viele seien aber auch nicht geheilt morben, wohl über die Hälfte. Der Sachverständige verbreitete sich bann über bie Wunder- kuren, die lebendigen Käfer im Kindesleibe und die Blindenheilungen. Das Mädchen, das hier gewesen, sei noch ganz blind gewesen, das habe jeder gesehen. Die Behauptung Dikomeits, daß er 4000 Kranke geheilt, sei wohl unhaltbar. Die Tätigkeit Dikomeits sei, wie der Sachverständige ausführte, gefährlich. Was näßten alle Gesetze zum Schutze des Menschen, wenn die Kurpfuscher alles umgingen Daß im weniger aufgeklärten Publikum ein Kurpfuscher Zulauf habe, sei leicht erklärlich, umsomehr, wenn er sich in inner Gegend wie Harrenrod niederlasse. Er hoffe, daß der Prozeß aufklärend gewirkt hätte. Ihm schloß sich Kreisarzt Dr. Tenbaum-Biedenkopf an. Dikomeit habe nicht einmal die Kenntnis eines einfachen Zeitungslesers. Die Verhandlung hätte je gezeigt, daß Dikomeit noch nicht einmal ein operiertes Auge erkannt habe. Von der Urin- diagnose hab? er, wie ja auch fein Vorredner ansgeführt, keine Ahnung. Dikomeit habe an die Sachen gar nicht geglaubt, denn er habe immer das Gegenteil der Aerzte festgestellt und nur dadurch zu imponieren versucht, baß er ben Kranken eine Krankheit vormachte. Es sei auch festgestellt, baß er bei der Benutzung ber Apparate niemals besinfisziert habe. Das sei ihm erst nach unb nach klar geworben Seiner Ansicht nach hätten bje Angeklagten ihren Zulauf vielfach ihrer Berufung auf Gott zu verbanken. Das vertrage sich wenig mit ihrer Handlungsweise. Es wurden bann bie einzelnen Fälle ber Reihenfolge nach durchgenvmmen, inwieweit eine strafbare Handlilng anzunehmen sei ober nicht. Hierauf im einzelnen einzugehen, mürbe zu weit führen. Von 1b besprochenen Fällen würben 2 nur als fahrlässige Körper- nerletzung angesehen. Ucbcr die übrigen waren bie Meinungen teilweise geteilt. 55.00-56.50 68.00-70.00 AUTOMOBILE Verkaufsstellen durch dieses Plakat kenntlich. Fabrikant: August Jacobi. Darmstadt. 55.00-57.00 55.50—57.50 54.00—57.00 R. Spitzner & Cie., Frankfurt a. M., Opernplatz 2. ss’/sl 69.00-72.00’ 72.00-74.00' 70.00—73.001 Schweine. Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgeivicht Vollfleischige Schweine über 21/, Zentner Lebendgewicht Fettschweme über 3 Ztr.Lebendgew. . Fleischige Schweine....... Die Cholera. Rom, 4. Sept. In ben letzten 24 Stunden wurden in Margherita d i Savoia zwei neue Erkrankungen und drei Todesfälle an Cholera festgestellt, in Trinitapoli drei Erkrankungen und drei Todesfälle, in San Ferdinando ein Todesfall, in Barletta sieben Erkrankungen und vier Todesfälle, in Trani zwei Erkrankungen und vier Todesfälle, in M o l f e11 a drei Erkrankungen, in Danosa bi Puglia unds Andria je eine Erkrankung. Petersburg, 3. Sept. In den letzten 24 Stunden sms in Petersburg 45 Personen an der Cholera erkrankt, 26 sind gestorben. Der Krankenbestand beträgt jetzt 677 Personen. Konstantinopel, 3. Sept. Heute nahm der zweite der beiden am 30. August gemeldeten choleraverdächtigen Fälle einen tödlichen Ausgang. „M ullt, noch mehr! Flammeri mit Pflaumen!" serviert mit frischen gekochten Pflaumen ist nahrhaft und erfrischend. Mondamin erhältlich in 60. 30 und 15 Pfg.-Paketen. Spielplan der vereinigten frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Montag, 5. Sept., abends 7'/, Uhr: „Ter Graf von Luxemburg/ Dienstag, 6. Sept.*): „Margarethe." Mittwoch, 7. Sept., abends 71/, Uhr: „Die Fledermaus." Donnerstag, 8. Sept.: „Das Rbeingold." Freitag, 9. Sept., abends 7V, ll^rj „Die geschiedene Fran." Samstag, 10. Sept.: „Der Prophet." Sonntag, 11. Sept., abends 6 Uhr: „Die Walküre." Montag, 12. Sept., abends 71/, Uhr: „Ein Walzertraum." Dienstag, 13. Sept., abends 6 Uhr: „Siegfried." Mittwoch, 14. Sept.: „Der Freischütz." Schauspielhaus. Montag, 5. Sept?): „Der große Name." Dienstag, 6. Sept.: „Im »veißen Rößl." Mittwoch, 7. Sept.: „Medea." Donnerstag, 8. Sept., abends 7'/, Uhr: „Der große Name," Freitag, 9. Sept., abends 71/, Uhr: „Der dunkle Punkt." Sainstag, 10. Sept.: „Ein idealer Gatte." Sonntag, 11. Sept., nachin. 3'/, Uhr:^„Das Konzert." Abends 7 Uhr: „Der große Name." Montag, 12. Sept.: „Medea." Dienstag, 13. Sept.: „Ein idealer Gatte." Mittwoch, 14. Sept.: „Rose Bernd." Donnerstag, 15. Sept., abends 7'/, Uhr: „Tas Konzert." (Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr). Tourenwagen - Stadtwagen - Kleine Wagen Lastwagen - Omnibusse - Geschäftswagen Bootsmotoren - Luftschiff- und Flugmotoren. BE^Z & Ci©! Rheinische Gasmotoren - Fabrik Aktiengesellschaft • Mannheim Dtzr Staatsanwalt. Der Vertreter ber Staatsanwaltschaft, StaatSanwaltschafS- rat Claaßen, ber kurz nach 11 Uhr das Wort nahm, nahm zunächst unlauteren Wettbetverb, Betrug unb fahrlässige Körperverletzung an unb schilderte die einzelnen Fälle, in denen ber Angeklagte falsche Diagnosen gestellt habe, baß der Angeklagte ab unb zu bas Richtige getroffen, sei wohl anzunchmen, in ben meisten Fällen habe er jedoch Krankheiten angebichtet. Er brachte bann die einzelnen Krankheiten der Reihe nach zur Sprache. Die Behauptung des Angeklagten mit den 70 Bänden chinesischer Heilkunde sei wohl ebensolche Einbildung wie die Augendiagnose. Er halte bei 10 Fällen fahrlässige Körperverletzung für erwiesen. Der Baunscheidtsche Apparat sei in den Händen der Angeklagten oft ein gefährliches Werkzeug gewesen. Es sei als ein Glück zu bezeichnen, daß das Heilinstitut nach kurzer Dauer aufgehoben sei. Die Mildtätigkeit, welche die Angeklagten gezeigt, seien als Unkosten des rentablen Geschäfts zu betrachten. Er beantrage für Di ko wert 2 Jahre und 1 Monat, sowie 1000 Mk. Geldstrafe unb für Zimmermann 1 Jahr unb 1 Monat Gefängnis. Die Verteidigung. Rechtsanwalt Schneider, welcher ben Angeklagten Zimmermann vertrat, wies darauf hin, daß unter ben vielen Tausenden, die behandelt worden seien, nur so wenige sind, die als strafbare Fälle bezeichnet würden. Viele Entlastungszeugen, die sich gemeldet, hätten auch nicht mehr geladen werden können. Was die Bekanntmachung im „Hinterl. Anz." anbelange, so hätten von ben vielen Zeugen nur zwei gesagt, baß sie diese gelesen, die anderen seien durch ihre Tätigkeit auf sie aufmerksam geworden, der unlautere Wettbewerb käme deshalb wohl kaum in Betracht. Durch die Zeitung seien die Patienten nicht zum Kommen veranlaßt worden. Seiner Ansicht nach könne auch von einer Bedrohung des Dr. Tenbaum bei ber Revision keine Rede fein. Er halte die Strafe durch die erlittene harte Gefängnisstrafe für längst verbüßt. Der Vorsitzende bemerkte, daß die Anträge aus Ladung von Zeugen deshalb für überflüssig erachtet würden, weil man ohne weiteres geglaubt, daß hier Heilungen erfolgt seien. Justizrat Dörfsler als Verteidiger Dikomeits bezeichnete bas Verhalten des Dr. Haun als höchst unwürdig. Letzterer habe sich jedenfalls mehr blamiert wie der Angeklagte. Seinen Angaben sei nicht viel Gewicht beizulegen. Was die Vorwürfe der falschen Diagnose anbelange, so sei festgestellt, daß bie Leute, die dort hingingen, ja schon wußten, tvas ihnen fehle. Das Examen, welches die medizinischen Sachverständigen mit Dikomeit anstellten, habe dieser zwar nicht gut bestandest, er fei aber ber festen lieberfreugung, daß Kandidaten ber Medizin auch nicht besser geantwortet hätten. In dem einzig von den Aerzten festgestellten Fall von Rückenmarkschwindsucht habe Dikomeit das Richtige auch getroffen. Er führte noch mehrere solche Fälle an. Der Angeklagte könne auch nichts dazu, wenn ihn die Leute Doktor genannt, ebensowenig wie man Studenten zur Rechenschaft ziehen könne, wenn sie von ben Personen als „Herr Dr." tituliert würben. Er halte die beantragten Strafen für viel zu hoch. Die Sitzung wurde um 1 Uhr abgebrochen unb auf Montag nachmittag vertagt. Ochsen. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht- lvertes, höchstens 6 Jahre alt Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete Mäßig genährte junge imb gut genährte ältere Bullen. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtiv. Färsen, Kühe. Vollfleischige au§gem. Färsen höchst. Schlachtiv. Vollfleischige ausgemästeteKühe höchstenSchlacht- ivertes bis zu 7 Jahren Aeltere ausgemästele Kühe und wenig gut ent- wickelte jüngere Kühe und Färsen . . . . Mäßig genährte Kühe und Färsen Gering genährte Kühe und Färsen Kälber. Feinste Mast-(Dotlmilchmast) u. beste Saugkälber Mittlere Mast- und gute Saugkälber .... Geringere Saugkälber . . ...... Schafe. Mastlammer und jüngere Masthammel . . . Aeltere Masthanimel und gut genährte Schafe Märkte. fc. Frankfurt a. M., 5. Sept. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") Amtliche Notierilngen ber heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 20.85—00.00, Kurhess. Mk. 20.75—21.00, nordd. 21 Mk., La Plata Kaiisas Mk. 00.00—00.00, Roggen (hiefigev) Mk. 15.15 bis Mk. 15.35,Gerste (Wetteranerl Mk. 16.00—16.75, Gerste Franken Pfälzer RiedAtk.16.50—17.50,Kleie Ark.00.00-00.00,vasertalter)16.25—16.75, (neuer) 15.00—15.25, Mais Mk. 14.50—00.00, Weizenmehl 0 Mk. 30.00 bis 30.25, 2. Qualität Mk. 23.75—00.00, 3. Qualität Mk. 22.25 bis Mk. 00.00, 4. Qualität Mk. 00.00-00.00, Roggenmehl 0 Mk. 23.00—23.25, 1. Qualität Mk. 19.00—19.50, 2. Qual. Mk. 00 00 bis 00.00, Weizenkleie 9)1 f. 9.00 bis Alk. 9.50, Weizenschale Mk. 00.00—00.00, Roggenkleie Mk. 9.50 bis Mk. 10.00, Malzkeime Mk. 00.00—00..10, Raps Mk. 23.00-00.00, Biertreber 12.25—12.60. . Alles per 100 Kg. ab hier. le. Frankfurt a.M. Viehhof-Marktbericht vom 5. Sept. Auftrieb: Rinder 1374, barunter 390 Ochsen (65 ans Oesterreich), 54 Bullen, 922 Kühe, 264 Kälber, 428 Schafe, 2058 Schweine. Teiidenz: Rinder gute Ware, weil teuer, langsam, Kälber mäßig rege, geräumt, Schafe ausverkauft, Schweine riihig. Preis pro 100Pfd. Lebend- Schlacht- Lustschiffahtt. Di« 20. tWt de» L. 3- VI. Vaden-«Baden, 3. Sept. „L. Z. VI" machte heute mit vollbesetzter Gondel feine 20. Passagier- fahrt, und diese nach Mannheim hin und zurück gehende Fahrt war sehr bemerkenswert. Ein regnerisches, böiges Wetter stellte hohe Anforderungen an das Luftschiff. Mit einer riesigen Geschwindigkeit, die bisweilen mehr als 90 Kilometer in der Stunde erreichte, wurde mit dem Winde die .Hinfahrt gemacht. In 55 Minuten war Heidelberg erreicht und eilte Stunde später lag das Luftschiff verankert in Mannheim. Die Rückfahrt erfolgte gegen teilweise sehr heftige böige Winde über Neustadt an der Liardt in starkem Regen und kräftigen, senkrechten Wirbeln. Nach dreistündiger Reise war die Luftschiffhalle wieder erreicht. Es waren zumeist Ausländer, Amerikaner und Franzosen, die diese glänzende Fahrt mitmachten. Die Leistungsfähigkeit des Luftschiffes wurde von ihnen in enthusiastischen Worten gepriesen. Die Durchschnittsgeschwiudig- keit des „L. Z. VI" betrug heute trotz des kräftigen Windes 50 Kilometer in der Stunde. Heidelberg, 3. Sept. „L. Z. VI" kam heute aus seiner Passagierfahrt von Baden-Baden nach Mannheim 10 Uhr 16 Min. in Sichjt bei kaum 200 Meter Höhenlage und fuhr eine Schleife über der Heidelberger Weststadt. Um 10 Uhr 26 Min. fuhr es in nordwestlicher Richtung gegen Mannheim. Mannheim, 3. Sept. „L. Z. VI" ist um 10 Uhr 35 Min. hier eingetroffen und überflog in langsamer Fahrt unsere Stadt. Nachdem es einige wundervolle Schleifen- fahrten über der Stadt uusgesührt hatte, nahm es die Richtung nach dem Landungsplätze auf der Friesenheimer Insel, wo es um 10 Uhr 45 Min. glatt landete. Die Besatzung bestand aus 11 Mann, Führer war Dberingenieur Dürr. An der Fahrt hatten sieben Fahrgäste teil-, genommen. Mannheim, 3. Sept. „L. Z. VI" ist um 1 Uhr zur Rückfahrt nach Baden-Baden mit neuen Passagieren aus- geftiegen. Es schlug die Richtung nach der Hardt ein. Ä a d e n - B a de n, 3. Sept. In der nächsten Woche findet noch eine Zielsahrt statt, und zwar von Baden- Baden nach Stuttgart, wo eine Landung auf dem Cannstatt er Wasen erfolgt. Der Fahrpreis wird 250 Mark betragen. Paris, 3. Sept. Im „Matin" legt der Zuavenleutnant Baud ein dar, er halte einen Flug von Algier nach Timbukttl für ausführbar; die Flieger müßten nur sicher sein, daß sie an gewissen Punkten ihre Benzinvorräte erneuern und im Falle von Havarien Reservebestandteile zur Ausbesserung ihrer Maschinen vorfinden könnten. General B a i l l o u d', Kommandeur des 19. Armeekorps, unternahm gestern auf dem Flugplatz von Bux unter Führung eines Offiziers einen Flug und sprach bei dieser Gelegenheit von der Möglichkeit, Flüge zwischen Algier und Timbuktu zu unternehmen. Paris, 3. Sept. Der gestern von dem südameri-, säuischen Aviatiker Bieluvucie in zwei Strecken ausgeführte Flug von Orleans nach A n g o u l i n stellt einen neuen We11sieg dar. Die in drei Stunden und 56 Sekunden durchmessene Strecke beträgt 295 Kilometer, 100 Kilometer mehr als Paulhan auf seinem Fluge von London nach Manchester in einem Tage zurückgelegt hat. Automobilunfälle. Froßwein, 3. Sept. Gestern abend gegen 8 Uhr stürzte in ber Nähe von Choren ein von Leipzig nach Tresben fahrenbes Automobil an einer Kurve in einen Steinbruch etwa 2 0 Meter tief hinab. Dem Chauffeur, der unter bas Automobil zu. liegen kam, wurde bie Hirnschale zerschmettert: er war sofort tot. Der Besitzer des Automobils, ein Weingroßhänbler aus Dresben, würbe herausgeschleubert. Er erlitt außer einem Beinbruch schwere innere Verletzungen. Er wurde noch in der Nacht ins Krankenhaus geschafft. Das Automobil ist zertrümmert. P a r i s , 3. Sept. Bei einem A u t o m o b i l u n g l ü ck wurde gestern einer der großen Schiffsreeder von Marseille, Vicomte von Montravel, in ber Nähe der Ortschaft Annenney getötet. Mk. Mk. 50—56 90-96 45—49 86-89 41—46 76-85 43—44 72—76 43-48 77—85 43-47 78-84 38-41 67-76 28-34 52—56 20—23 45—52 58-62 96-104 53-57 89-96 50-51 84—86 38-00 80-00 30-31 73-74