Zweiter Blatt Nr. 302 160. Jahrgang Erscheint tS-Nch mit Ausnahme des Sonntag». Die „Gtetzener Famlllendlätler" werden dem viermal wöchentlich beigelegl, daS „KrtUbkrtt fUi den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „candwirtjchaftllchen Seit- fragen" erscheinen monatlich jroeunaL Giehener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesfen Zamrtag, 24. Dezember 1910 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersitätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion: ^-^112. Tel.-AdruAnzelgerGießen» Englands Abhängigkeit bei der Versorgung mit Lebensmitteln von der nordamerikanischen Union. SBet Begmn des Jahrhunderts hatte Englands Ad- 'yangigkert von der norbamerikanischeu Union in bezug auf die Versorgung mit Lebensmitteln bcn böchsten Grad er- rncht. Im Fahre 1900 bezog England rund 50 Mill. Dz, Merzen, davon 29 Mill. D§. aus der Union, 9 Mill, aus Segen tunen und nur 6 Mtll. aus seinen Kvlonien. Im 1909 tvaren Englands Weizenzusuhren auf nahezu 57 Mtll. Dz. gestiegen. Davon kamen aber nur 12 Mill aus der Union, 10 Mül. aus Argentinien, 9 Mill, aus Rußland und nahezu 23 Mill. Dz. aus seinen Kolonien Kanada, Australien und Ostindien. Englands Abhängigkeit von der nordamerikanischen Union i|t nicht nur bei der Versorgung mit Weizen, sondern aud) ber der Deckung seines Fleischbedarfs geringer geworden. Englands Einfuhr an Vieh, Fleisch, Speck und Schinken beläuft sich seit 1900 auf durchschnittlich 10 Mill. Dz. jährlich. Daran war die Union 1900 mit 5,8 Mill. Dz, beteiligt, 1909 aber nur mit 2,9 Mill. Dz. An Stelle der Umon ist Argentinien der Hauptlieferant Englands für Rindfleisch geworden. Die britischen Kolonien sandten 2,6 Mtll. Dz., darunter 1,5 Mill. Dz. australisches Hamrnel- jleisch. Gegenwärtig decken die britischen Kvlonien den Bedarf des Mutterlandes an Weizen mit 40, an Fleisch mit 25 Proz. und konkurrieren hauptsächlich mit der Union und mit Argentinien. Von der Union bezieht England 22 Prvz. seines Weizenbedarfs und 23 Proz. seines Fleischbedarfs. Noch erheblich größer ist der Wert der englischen Einfuhr aus der Union an Rohstoffen (Baumwolle, Petroleum usw.). Im Jahre 1909 empfing England von der Union für 2338 Mill. Mark Erzeugnisse und sandte dorthin für 435 Mill. Mk. Waren. Mit Rücksicht auf den jährlichen Umschlag von mehr als 3 Milliarden Mark einschließlich des Schiffverkehrs muß England eine jede kriegerische Verwickelung mit der Union vermeiden, ja unter allen Umständen und um jeden Preis verhindern, schon weil es die Union als unentbehrliches Bezugsland für seinen Bedarf an Lebensmitteln und Rohstoffen nicht entbehren kann. Nicht zuletzt aus dieser wirtschaftlichen Abhängigkeü ist Englands nachgiebige Politik gegenüber der aussteigenden Union zu verstehen. In Washington hat man alle englischen Liebenswürdigkeiten mit dem Bewußtsein des Stärkeren als etwas Selbstverständliches Eingenommen. Englands Anregungen auf Abschluß eines Bündnisses oder wenigstens einer Entente fanden in Washington keinen Un- klana. Nach der Ueberlieferuug soll die Union mit europäischen Mächten keine Bündnisse abschließen. Daran hält sie fest und wird in absehbarer Zeit schwerlich davon ab» gehen. Englands schwächste Stelle gegenüber der Union ist Kanada, ein Pfand im Besitze der Union für Englands Wohlverhalten. Wird Kanada einmal vom britischen Reiche losgelöst, bann erleidet dessen ganzes Gefüge eine ernstliche Erschütterung. Die Angliederung Kanadas, dieses großen Weizenlandes der Zukunst, ist für viele Unionspoli- tffer nur noch eine Frage absehbarer Zeit. In den englischen Befestigungen auf Jamaika erblicken die Unions- polittker eine Gefährdung ihrer Stellung am Panama- kanal. Kein anderer als der sonst so englandfreundliche Kapitän Mahan hat mit großer Bestimmtheit ausgesprochen, daß alle Besitzungen der europäischen Mächte auf dem amerikanisch eit Festlande und in dessen Umgebung der Union zufallen müssen. In diesem Sinne haben sich schon die hervorragendsten Unionspolüiker, darunter auch Roosevelt, vernehmen lassen. Für die englische Polittk ist es die wichttgste und schwierigste Aufgabe, mit der Union in Frieden und Freundschaft Bethlehem. Leise durch der 2iude Zweige Schwebt des Abends blasser Schleier, Aus der Aeste fraiden Schallen Steigt eiu Stern zu stiller Feier. Fern ist noch ein schrverer, harter Lallt, der ivie erschreckt verschlvmdet, Näber schwebt ein fainteS Flüstern, Tas zu meinem Herzen findet. Still nun sei, du irres Stürmen, Du ^erzwelleln nun und Silagen, Mas das Schicksal auf miet) legte, Stark, ergeben will ichs tragen. Presse, Hand, die Brüll, die wunde, Ibren Sen'zer sellznhallen. Glätte, Stirne, deine ichlveren, Teme heißen Sinmmer^alteit. Oben steht ein Stern, der leuchtet, Unten schivebt des Abends Frieden, Herz, auch dir ist noch ein Heilen, Noch ein irdischer Trost beschieden. Stiller Sterii in ewiger Ferne, Abendsegeii dir, 0 Erde *— Flügel fühl’ ich mich umrauschen, Mich umrauschen hör' ich: Weide! Wilhelm Holzamer. (Aus dem Nachlaß.) wie dar Ainü seine Weltanschauung beginnt. Von BertholdOtto. Aber das ist schon sehr früh gewesen, für mich wenigstens überraschend früh, daß die Helga norm Spiegel ihre Hand angesehen hat und dann ihre Hand im Spiegel angesehen hat Und dann ihre Hand hin und her gedreht hat unp dabei erst immer auf ihre Hand und dann auf die Hand im Spiegel gesehen hat und dann immer hin und her. Auch wenn ein anderer hinter mrs an den Spiegel kam, dann sah sie sich erst den im Spiegel an und dann sah sie sich n,rn. Aber das mit der Hand das machte sie immer wieder und nicht bloß an dem richtigen Spiegel, sondern vor jeder Glasfdieibe, wo sich etwas spiegelt. Wir haben eine doppelte Glastür, da geb: man durch nach der Glasveranda hinaus, da sieht man zwei Spiegel- oüder hintereinander, erst in dem einen Glas roch bann in dem zu bleiben. England steht unter einem Druck, dem es sich nicht mehr entziehen kann, und wird noch manche «Entsagung zu erleben haben. wie in Deutschland gespart wird. Zu Anfang des Jahres 1909 hat in sämtlichen öffentlichen und nichtöffentlichen Sparkassen Deutschlands — mit Ausnahme der Sparkassen im Herzogtum Braunschweig — das Gesamtaut- haben der Einleger 14 553 Mill. Mk. betragen gegen 13 921 Mill. Mark anfangs 1908. Auf den Kopf der Bevölkerung kommen hiernach durchschnittlich 231 Mk. Einleger-Guthaben gegen 224 Mark im Jahr au fror. Im Laufe des Jahres 1908 wurden neu eingelegt 56,40 Mk. pro Kopf: der Zinsenzuschlag hat pro Kopf 6,54 Mk. betragen. Dem stehen Rückzahlungen an die Einleger gegenüber im Bettage von 53,35 Mk. pro Kopf. Legt man als Maßstab das Einleger-Guthaben zugrunde, so wird am meisten gespart im Fürstentum Reuß jüngere Linie, wo durchschnittlich 713 Mk. EinlegerÄuthaben auf den Kopf der Bevölkerung kommen. Es folgen Schaumburg-Lippe mit 711 Mk., Lippe mit 680 Mk., Waldeck mit 525 Mk., Bremen mit 489 Mk., die Provinz Westfalen mit 421, die Provinz Schleswig- Holstein mit 405 Mk., die Provinz Hannover mit 396 ML, Reuß ältere Linie mit 346 Mk., Badert mit 339 Mk., Sachsen-Eoburg- Gotha mit 332 Mk., Sachsen-Meiningen mit 318 Mk., dos Königreich Sachsen mit 317 Mk., Sachsen-Altenburg mit 310 Mark, Hamburg mit 299 Mk., die Provinz Sachsen mit 280 Mark, die Rheinprovinz mit 266 Mk., die Provinz Pommern mit 261 Mk., ö elfen mit 247 Mk. Für ganz Preußen stellt sich das Einleger Guthaben pro Kopf auf 245 Mk. lieber dem Reichsdurchschnitt stehen außerdem noch Lübeck mit 238 Mk. und die Provinz Brandenburg (ohne Berlin) mit 235 Mk. Am wenigsten wird gespart in Ostpreußen, wo nur 78 Mk. auf den Kopf der Bevölkerung kommen. Gleich hinterher folgt Bayern mit 79 Mk.: dabei unterscheidet sich Rheinbayern mit 85 Mk. nur sehr wenig von den übrigen Bayern, wo der Turchschnittssatz 77 Mk. beträgt Für Elsaß-Lothringen stellt sich der Durchschnitt pro Kopf auf 89 Mk., für Oldenburg auf 91 Mk., für die Provinz Posen auf 98 Mk., für Mecklenburg auf 111 Mk., für die Provinz Westpreußen auf 112 Mk., für Berlin auf 153 Mk., für Schlesien auf 158 Mk., für Württemberg auf 179 Mk., für die beiden Schwarz- burgischen Fürstentümer auf 190 Mk., für Hessen-Nassau auf 207 Mk., für Sachsen-Weimar auf 220 Mk., für Anhalt auf 224 Mk. "■■■' 1 . M » Hf ■■ ■ । ■ ■ ■ ■ ■ffWmggMgMIgl Au» Ktaöt und Land. Gießen, 24. Dezember 1910. ♦* Aerzte und Sanitätsverein. Die ärztliche Vertragskommission hat das Verhältnis zum Sanitätsverein zum 1. April k. I. gekündigt. Der Verein wollte, um seinen Mitgliedern nicht erhöhte Beiträge abfordern zu müssen, aus früheren Ersparnissen das Aerztehonorar 1912 um 1 Mk. für Jahr und Familie und von 1913 an um 2 Mk. jährlich aufbessern. Die Aerzte verlangen nun, daß diese Zulagen schon von 1911 an gewährt werden Und weiter, daß jedes Mitglied des Vereins, dessen Einkommen sich auf über 2000 Mk. für das Jahr erhöht, aus dem Verein ausgeschlossen werden soll. Wenn diese Forderung autgeheißen wird, wäre das Fortbestehen des Sanitätsvereins sehr in Frage gestellt. Der Verein würde Mitglieder verlieren, die ihm Jahrzehnte lang angehören und neue Mitglieder unter dieser Bedingung schwerlich bekommen. ** Die Viehpreise, die unsere Metzger anlegen müssen, sind heruntergegangen, wenn auch der normale Preisstand noch nicht erreicht ist. Es werden gehandelt in Qualitäten, wie sie unsere Metzger taufen: Ochsen 84 bis 86 Mk., Rinder 78 bis 82 Mk., Kühe 64 bis 68 Mk., Kälber 70 bis 74 Mk. und Schweine 67 bis 70 Mk. Hoffentlich folgen auch die Fleischpreise bald den sinkenden Wieh- preisen. ** Anerkennung. Der Tierschutzverein ließ gestern durch den Schlachthofsdirektor Mobbe zur Anerkennung humaner Behandlung des Schlachtviehes nach- _Mk. überreichen: Fritz mtbem Glas. Das war nun wieder eine große Freude. Denn viele Wochen lang bleibt Helga immer bei denselben Hebungen. Unb fajon ehe sie ein halbes Jahr alt war, zeigte sie jganz deutlich, welche Hebung sie anstellen wollte. Sic benahm sich ganz so wie ein Reiter auf dem Pferd: sie drehte den Körper, Arme und Beine so geschickt, daß man immer ganz genau fühlte, wo sie hin wollte, wenn man nämlich acht darauf gab. Unb ich.benke mir, das werden wohl alle kleinen Känder so machen, bloß daß nicht immer acht darauf gegeben wird. Ich habe nun sehr genau acht darauf gegeben, denn ich wollte ja gerade sehr viel von meiner Helga lernen. Also eine Zeit lang mußte ich jeden Morgen mit ihr an die Doppeltür von der Glasveranda, und da wurde bann die Geschichte mit ber Hand probiert. Die wurde bin und hergedreht und angesehen, dann wurden die Spiegelbilder angesehen, bann aber wußte bie eine Verandatür aufgemacht werden, und dann gabs Spiegelbilder nach beiden Seiten, unb die mußten auch angesehen werden. Ein ganz besonderer Witz war es aber, wenn dann iemand dazu kam und sich hinter die eine Glasscheibe stellte, so daß die Helga hinter der Glasscheibe noch etwas anderes sah als ihr eigenes Bild. Dann griff sie sofort hin und griff natürlich die Glasscheibe. Unb wenn bann ber Andere, das war meistens die Irmgard, ganz dicht an die Glasscheibe heran kam und wohl gar die Nase darauf drückte und wenn dann die Helga nach der Nase faßte und doch nichts von Fleisch fühlte sondern; nur Glas, das gab einen ganz besonderen Spaß. Aber nicht bloß an dieser Glastür, sondern an allen Doppelfenstern mußte so etwas ausprobiert werden. Aber mit bem An fühlen da gab es noch etwas sehr Wunder- bares. Eins muß ich ba noch vorher erzählen. Schon in bev allerersten Zeit, wo sie mit den Häubchen zugreifen konnte, da habe ich jie immer an den Abreißkalender getragen, und da wußte sie das Blatt abreißen und das wird noch bis auf den heutigen Tag ebenso gemacht. Da sehen wir uns dann immer erst die Uhr au. Wenn ich dann „tick tack" sagte, oder tiod,1 genauer mit der Zunge nachzumachen suchte, wies die Uhr macht, dann sah sie erst die Uhr an und dann mich an unb bann lächelte sie, arab als wenn sie sagen wollte: „Ja, es ist wirklich ungefähr so". Nun, das hatte ich end) ja schon das vorige Mal erzählt, daß sie das auch bei anderen Gelegenheiten so macht, wenn ich etwa die Hühner oder den Hahn oder irgend einen Hund nachmache: wenn die Nachahmung zu unähnlich nnrrbe, dann kümmerte sie sich garnickst banim, aber wenns einigermaßen gelungen war, bann sah sie mich an unb läch-tte Unb so ließ sie bei ber Uhr auch das Ticktack gelten und das Abreiben erkannte sie auch wohl an dem lauten „Ratsch" Also wenn ich morgens mit ihr in die Stube bmeuiging, daun, sagte Schau ermann (bei Metzgermeister Klein), Peter Sommer (Schreiner), Louis Fremd (Meister) und Adolf Schwader (Möhl). ** Stadttheater. Dem Eharakter des Tages entsprechend ist für Sonntag, 25. Dezember, abends 8 Uf)rAf ein ernstes Stück Björnsons „Heber dieKraft" angesetzt worden.« Das bekannte ergreifende Schauspiel ist unter Leitung des Oberregisseurs Bakos neu einftubiert worben. Der zweite Feiertag bringt nachmittags den beliebten Schwank „Der bunkle $ u n f t" unb abenbs bie übermütige Posse „Das Opferlamm". Auf vielfachen Wunsch hrirb zu letzterem Stück noch zugegeben Ludwig Thomas neuer Bauernschwank „Erster Klasse", ber sowohl burch bie brollige Hanblung wie durch das eigenartige vorzüglich bargestellte Interieur eines rollenben Eisenbahnwagens stets stürmische Heiterkeit erzielt. Dienstag den 27. Dezember (bem sog. 3. Feiertag) wirb nachmittags bas reizenbe Märchen „Die M ä u s ekö n ig in" ober „Wie ber Walb in bie Stabt kam" unb abenbs die zugkräfttge Operette „Die Försterch ristel" gegeben, beide Aufführungen unter Mitwirkung der hiesigen Regimentskapelle. Sämtliche Weihnachtsvorstellungen, mit Ausnahme der des ersten Feiertages, finden bei kleinen Preisen statt. ** Die Wahl zum Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde (Muttergemeinde) hatte eine ausnahmsweise rege Beteiligung aufzuweisen. Von den eingeschriebenen 145 Wählern haben 121 ihr Wahlrecht ausgeübt. Wiedergewählt wurde mit 110 Stimmen Geh. Kommerzienrat Heühelheim. Neugewählt wurde Weinhänd- ler Kann mit 80 Stimmen, sein Gegenkandidat, Louis Rosenthal erhielt 41 Stimmen. ** Die Kracheburg in der Neustadt sollte umgebaut werden. Als man die unteren Gefache der alten Baracke entfernt hatte, zeigte sich, daß das Balkenwerk morsch und zerbrochen ist und für die Arbeiter die Tätigkeit an dem Bau äußerst gefährlich werden kann. Infolge davon wurden die Arbeiten durch ein Polizeiverbot eingestellt. So ruht nun bis auf weiteres die Sache. Das BerlehrShiuderuis in ber Neu stabt ist aber burd) ben Bauzaun und die weit in die Straße hineingestellten Stützen noch hinderlicher für den Verkehr geworben. **Die Weihnachtsbitte für bieHerbergezur Heimat hat eine sehr freundliche Aufnahme gefunden. Es sind außer an Kleidungsstücken und Naturalien (darunter 25 Pfund Fleisch durch H. W.) bar 140,50 Mk. (darunter an größeren Gaben 100 Mk. von N. N. durch die Post und 20 Mk. von Sch. R. H.) eingegangen. Es wurden davon Sttümpfe und warme Kleidungsstücke angeschafft. Der Rest soll für festliche Bewirtung mit Speise und Trank und für Weiterbeförderung solcher, die ds besonders bedürftig sind, verwandt werden. Von sonstigen Spenden an Geld wurde abgesehen, da das erfahritngsgemäß sich fast ausnahmslos in „Trinkgeld" im vollen Sinne oes Wortes verwandelt. Den edlen Gebern, die so geholfen haben, den „Brüdern von der Landstraße", wie der selige Bodelschwingh sie genannt hat, denen so schwer zu helfen ist, weil sie sich vielfach der richtigen Hilfe entziehen, wenigstens eine Weihnachtsfreude zu bereiten, herzlichen Dank! Kreis Friedberg. -l- B u tz b a ch , 23. Dez. Sitzung des Gern einder atS. Der Voranschlag der Stadt Butzbach für 1911, der mit einer Gesamteinnahme und Gesamtausgabe im Betrage von 217 350 Mark abschließt, wurde für richtig befunden. Die außerordciit- lichen Ausgaben betragen 22 700 Mk. und zwar find vorgesehen: 15 679,26 Mk. Kapitaltilgung, 1100 Mk. für Pflasterung eines Banketts am grünen Weg, 1950 Mk. für den Ausbau eines Teils der Römersttaße, 3600 Mk. für die Kanal- uxb Wasserleitunas-, anlage in ber Römersttaße, 200 Mk. für bie Verbindung ber Wasserleitung in der Ludwigsttaße mit der in der Kleberger Straße. Gegen die städtische Rechnung für 1909, die mit einer Gesamteinnahme von 323 182,12 Mk. unb mit einer Gesamt- ich schon, ehe ich bie Tür aufmachte „Tick tack, ratsch!" unhi dann strebte sie gleich nad) der Uhr und dem Abreißkalender hin^ Nun stand aber lange Zeit unmittelbar neben dem Abreißkalender auf einem größeren hölzernen Gestell ein GipskoA die Nachbildung eines pergamenischen Kopfes, von dem Bildhauer Kokolsky in Farben ausgeführt. Er sieht also nicht so grell weiß aus wie die andern Gipsköpfe, sondern viel lebendiger^ Und in ber Zeit, wo bie Helga allen Menschen ins Gesrcbt faßte — solch eine Zeit haben alle kleinen Kinber — ba faßte sie auch einmal nach bem pergamenischen Kopf, und ba zog fiel zuerst bie Hanb ganz schnell zurück unb sah mich felyr verwundern an. Da war sie offenbar verwunbert barüber, daß dies Gesicht nicht weich unb warm war wie alle an bereu Gesichter, sondern hart und kalt. Die nächsten Male hat sie dann den pergamcnifdtml Kopf auch immer ziemlich zaghaft angefaßt, garnicht so, wie sie, einen lebendigen Menschen anfaßte: und sie war aud> keineswegs immer in der Laune, den Kopf anzufassen. Vom Kalender zuv Glastür ging es alle Tage, aber beim pergamenischen Kopf wurdü nur ab und zu Station gemacht. Solch ein Rundgang im Zimmer ist bann mehrere Monate beibehalten worden, aber er wurde immer wieder ein bißchen anders, einiges wurde ausgelassen, anderes kam dazu. Dett Rundgang machte sie nämlich immer, wenn ich sie auf dem hatte, unb ich richtete mich ganz genau nach dem, was fie selber angab. Eine Zeit lang war ein sehr beliebtes Spiel daS Verstecken hinter der Gardine. 'Sann nahm sie die Gardine und hielt sie sich vvrs Gesicht. Ich hatte bann, wie's immeo bte Mütter mit ben kleinen Kindern machen, so in einem Ton, wie wenn man.ganz ängstlich fudrt, gerufen: „Wo ist das! Würmchen, wo ist bas Würmchen?" unb wenn sie bann bis Gardine auf einmal vom Gesicht wegriß, bann rief ich, als wenn ich lebhaft erfreut wäre: „Da ist bas Würmdien!" Tas wurde immer eine ganze Menge von Malen hinter einander gemacht, und jedesmal lächelte sie erfreut dabei. Aber dann kam anß einmal eine Abwechselung hinein. Unb bas muß halber gekommen fern, baß sie immer wieber versucht hatte, durch die Gla^sclicibe hindurch em Gesicht zu fühlen. Sie probierte nämlich nun aud), durch die Gardine hindurch mein Gesicht anzufassen, und da freute sie sich sehr, baß bas viel besser ging als bei ldep Glasscheibe. L^a mußte bas bann eine Zeit laug jeben Tag bei mehreren Gardinen auLprobiert werden. Ein alter Weihnachtsbrauch aus dem Kreis! Biedenkopf. Im sogenannten „Oberaericht" des Treiben- ba»*er GJrunbeö, hauptsächlich in ben Dörfern Steinperf Ober- unb Niedereiienhausen, hat sich bis in bie Gegenwart hinein ein früher allgemeui verbreiteter Brauch in ber Weihnachtszeit erhalten der Umzug >er im letzten Schuljahr stehenden meitiHdtai R- jgupoü) cm hettigen Abend mit dem van chnen geführten Christkind No. le von entern armen Mädchen aus einem seltener aus dem eigenen Dorfe, übernommen wird. Als Honorar Nogel einen Taler und von jedem der beteiligten Minder einen Schwarzmehlknchen, „Platz" geheißen Das Cbrin- L 11nT4n^5arJ^fr9cmt .Sein Ge^nd besteh?aus einet Unmenge, in Wochen langer Arbeit zusammen.«; enähter ! schmal er, seidener Bänder, wie sie zum Besatz der inbercKn^h !ublichen Trachtenstücke verwendet werden und wird, nachdem es ^semen Zweck erfüllt hat, ebenso sorgsam wieder in seine Einzelne standtnle zerlegt. /Den Kopf schmückt eine abenteuerlich aus- ff ons künsttichen Blumen, zwischen denen zahlreiche SSSSm Das ®ete ist mit cimm SchlKr Verhüllt, «on den fanden trägt das Cbriükind ^nrhA'^t ftum Anfbewahrrni der Geschenke und eine Rute zur Abwehr der (neugierigen Dorsbuben, die gar zu gern sein strena npmnhrtpä ^2- OONlw lüften wollen. Bänderverzierte Ruten schwingen ^auch '^CleLtCrinnat/-111^>. rochen, Wenns nötig ist, ausgiebigen gebrauch davon. So zieht die unternehmende Schar von HE Al-ell^elMile durch die dunklen Gassen, um ^en das Merkwürdige an diesem Christkindlein — .nuft Gaben auszuteckm, sondern zu empfangen. Und sie^fallen ^^er reichlich aus, so daß nach der Auslohnung der kleine ..Darstellerin immer noch em beträchtlicher Ueder schuß zur Be^ Iteiümg kommen kann. W ü ®uc ^lener Theaterbrief. Ein neues Mei-k hnn 'Schonherr. an schreibt uns aus Wien: In Karl Schön- cherrs neuester Dichtung „Glaube und Heimat" Se im '^e u t s ch e n V olkstheater ihre Uraufführung erlebte s nd ^zwei Urgefühle einer naiven Menschheit: Liebe zu Gott unb K'be zur Heimat, Himmel und Erde, Seele und Blut mit einer dichterischer ftraft gegeneinander gestellt, der in der ganzen Tia- a ^öttn Jahre nichts Größeres und nur wenig Gleich- Antbtt??.» m a gereiht werden kann. Diese tragische Anthttese ist aus der besonderen Art eines Volkes geholt in fe_ ?les lL feinenJ andern naturgeboren vorhanden Gegenreformation werden Protestairtm von den Kat^liken geschieden und vpn Grund und Haus getrieben Bauern wurden zu Vagabunden gemacht. Sie werden an ibr^ verwundbarsten Stelle getroffen: in ihrem Stolz emHtück ErL BLT» 8U nCKnnCTL M ist die Tragödie der Entwurzelns *deT' katholische Weib von dem lutherischen Mann gerissen, das unmündige Kind von seinen ff?rfbaf uebot des Landesherrn befiehlt, die Minder- SnPM11 ^^ruhalten, um sie dem Marienglauben zurückzugewinnen. In organischer Steigerung bringt die Tragödie zwischen Glauben und Heimat m den engeren und tiefer schneidenden Kreis: ßHttube und Familie, Glaube und Elternschaft ein, denn auch Linden, für deren Erleuchtung von neuem, auf beiden Seiten, gesorgt worden war, nachdem Brandenburger Tor; mehrere königliche Stallbediente mit Fackeln ritten nebenher. Der Zug tarn, bei Anbruch des Tages, in Charlottenburg an, wo die hohe Leiche beigesetzt wurde, und der Propst Herr Ribbeck, in Gegenwart Sr. Maj. des Königs, der mit den Prinzen, seinen et* lauchten Söhnen, von Potsdam herübergekommen war, zur Einweihung der Ihrer Maj. der verewigten Königin zum Begräbnisort dienenden Kapelle, eine passende Rede hielt. Das Schauspiel war an diesem Tage in Berlin geschlossen, und der ganze Hof, sowie mehrere andere, denen das Andenken an die beste Landesmutter noch im Herzen lebte, gingen schwarz. — Dem Publiko werden, wie es heißt. Tage bestimmt werden, an welchen ihm erlaubt sein wird, jene, die teuren Reste der königlichen Frau enthaltende Kapelle zu Charlottenburg zu besuchen." Zwei Jahre später fand dann Rauchs ergreifend schöner Marmor) arkophaa im Mausoleum Aufstellung, der noch heute das tägliche Wallfahrtsziel vieler Besuchet ist. , . — D e t u n m o r a l i s ch e B t i e f k a st e n. Der Postbrief- kaften, helfen Bedeutung man gerade um die Jahreswende recht eindringlich kennen zu lernen Gelegenheit hat, war noch vor einem halben Jahrbundert in verschiedenen Staaten Deutschlands nahezu unbekannt. An dem Hauptpostamt in Hannover war noch im Iahte kein Briefkasten vorhanden. Als ein vielgereister sachse den Mangel dieser Einrichtung im „Hannoverschen Volksblatt" beklagte, erfolgte sehr bald in dem gleichen Blatt eine geharnischte Entgegnung, durch die der Sachse über die moralische Verwerflich- kett der Briefkasten belehrt werden sollte: „Wer nur irgendeine Malice gegen jemand im Sinne hat, wer diesen verdächtigen, jenem einen Floh ins Ohr setzen, ein verlobtes Paar auseinander, bringen, Eltern und Kinder, Mann und Frau, Herren und Dienet usw. gegeneinander hetzen, überhaupt Zank und Argwohn säen will, von Schadenfreude und Tücke getrieben, der setzt sich hin, schreibt einen Brief voll Verleumdungen ohne Unterschrift und steckt ihn in den Briefkasten. Anderseits gibt solch ein Kasten auch eine vortreffliche Gelegenheit ab zu zärtlichen Mitteilungen, Liebesbriefen usw., die man sonst Mühe hat an den Mann zu bringen oder an die Frau oder Tochter. Daß damit der Anknüpfung von Liebeshändeln ein großer Vorschub geleistet werde, ist nicht zu verkennen. — Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft, ^ur eine neue holländische Expedition in das L>chneegebirge Neuguineas zur Vervollständigung der Ergebnisse der beiden Lorentffetzen Unternehmungen von 1007 und 1909 sind für das Jahr 1911 20 OoO Fres. von der Kolonialregierung auSgewor eu. Tie Führung wird nach dem »Globus* walirfcheuilich I. W. v a n Nouhuyö, dem Topographen der zweiten Loieutzscheu Expedition übertragen werden. die ist nur em Stück Mensch geworbene Erde; aus Erde kommen wir, zu Erde werden wir. Haus und Hof hat der Rott Christoph schon gelaßen, nun nehmen sie ihm auch den Buben, den Spatz Aber das lebendige Blut läßt schwerer von dem, von welchem es kam, als der dumpfe Boden von dem, der ihm die Frumt- barkett abrang Ter <-patz will mit seinem Vater, er ent- w'schk dem Soldatenhauptmann, der ihn zurückhält, er springt m denMu^bach, und der wirft ihn tot ans Land. Seine ganze Fruchtbarkeit laßt der Bauer hiitter sich, die im Boden und die im Sohn. Er ist heimatlos in der eigenen Heimat. Nun wird ihm seine Wanderschaft leichter In so primitiver Großzügigkeit ist das Drama Schonherrs gestaltet. In dieser primitiv heroischen fu tolIl es ^spielt sein. Allein von den ehrlich bemühten Darstellern des Volkstheaters langte nur Frau Hetsey an dieses Maß. Herrn Thallers Christoph war schlicht und gütig, aber nicht „fast über einen Menschen". Und so wurde es denn manchmal nicht ^chonherr oder Egger-Lienz, sondern Defregger. Aber vielleicht haben die Leute gerade darum so enthusiastisch geklatscht. Tr. H. W. tt *9 *5 e kotzte Fahrt. Die vielbeweinte Königin war nach ihrem Tode uznachst vorläufig im Berliner beigesetzt worden; aber von vornherein bestand der Wunsch ihr eine besondere Gedächtniskirche zu errichten, und Schinkel hatte den architektonischen Entwurf dazu bereits im Oktober 1810 ^r. Berliner Kunstausstellung, die auch eine Sammlung von Luisenbildern enthielt, ausgestellt. Der König aber hatte in der richtiger Erkenntnis, daß die Zeit und das Land für einen großen Kirchenbau zu arm sei, nach den Entwürfen des Hosbaurates Gentz das Grabmal im Charlottenburger Schlosse bauen Uffen Dorthin wurde der Sarg der Königin 1810 am •öabrestage ihres Einzuges in Berlin, am 23. Dezember in den En Morgenstunden übergeführt. Die von Kleist redigierten ;5?Erlmer Abendblätter" brachten über diese letzte Fahrt der Königin Luise den folgenden Bericht: ft-*. tcru um. 4 Uhr wurde der Leichnam Ihrer Majestät der verewigten Königin, ganz in der Stille, aus dem hie- slgen Dom, wo derselbe bisher gestanden, in die, zu diesem Zwecke erbaute, Kapelle nach Charlottenburg gebracht. Ter Sarg, auf welchem sich, wie an dem Tage der feierlichen Beisetzung, die Krone besand, wurde von einigen königlichen HauSofsizanten, durch eine Reihe von Garde du Corps, die in dem Tom aufgestellt war, aus den, vor tfem Tomportal haltenden und mit acht gerben bespannten Leichenwagen gebracht. Se. Exzellenz, der Gouverneur, Graf von Kalkreuth, die Kammerhcrren Ihrer ^^^igten Königin, und einige andere Herren waren bei dieser Feierlichkeit gegenwärtig. Von hier aus ging hS»k»X.ctner J111 en unb geacn das Ende regnigten Nacht, unter Bedeckung einer Kompagnie königlicher Fußgarde, tzurch feie an den Wrri ersetzt. Der Wirt' als Zeuge bemerkt, daß er bii ganze Sache für einen Streichs aber sicher nicht als Diebstahl aufgefaßt hat. Lück sei am Montag, als er seinen Rausch ausgeschlafen gehabt, unaufgefordert zu ihm gekommen und habe die Zigarren bezahlt. Der Wirt verwahrt sich dagegen, daß er. den Fall Mir Anzeige gebracht, es sei durch einen Polizeidienep geschehen, der ihn über den Fall befragt habe. Das Kriegsgericht erkannte in Ueberemftimmung mit dem Anträge des Anklagevertreters auf Freisprechung. Berlin, 23. Dez. In dem Mielt'schiener Prozeß wurden verurteilt: der Angeklagte Breithaupt zu 8 Monaten Gefängnis und 990 Mk. Geldstrafe, ober für je 15 Mk. einen Tag Gefängnis; Engel zu 3 Monaten Gefängnis und 460 Mk. Geldstrafe, oder 46 Tage Gefängnis; Wrobel zu einem Monat Gefängnis und 130 Mk. Geldstrafe, ober 13 Tage Gefängnis; Wendiand zu einem Mconat Gefängnis; Schüler und Langzu je 30 Mk. Geldsttafe oder 6 Tagen Gefängnis; R i e m - schneider zu 50 Mk, Geldstrafe oder 5 Tage Gefängnis. Tie Angeklagten Habedank und Brofinski wurden, freige- s p r o ch e n. München, 22. Dez. Das Schöffengericht verurteilte den Hofopernsänger Max G i l l m a n n, der den Opernkritiker der „Mün. Neuest. Nachr." Rechtsamvalt Dr. D i l l m a n n auf offener Straße mit einer Ohrfeige bedroht hatte, tvegen Beleidigung zü 120 Mk. Geldstrafe. ....... Gerichtssaal. r ®,le6 = i* l- 24. T-z. Kriegsgerichtder 21. Divi- ton. Am Dienstag verhandelte das Kriegsgericht in der alten Kaserne in zwei Fällen: Ter Gerichtshof war zusammengesetzt aus JJcaior v. Ro gues vom Bezirks ko mmando als Vorsitzender Kriegsgerichtsrat K r e h als Verhandlungsleiter, dem Hauptmann Z o l d a n und den Oberleutnant v. B o e l t z i g und W o l f s als Beisitzer. KriegsgerichtsratO b e n a u e r vertrat die Anklage. Leutnant Moeller war als Verteidiger anwesend. Angeklagt warendie Musketiere Winter und Jung von der 7. Kompagnie des 116. ^ns.-Regtin. wegen Achtungsverletzung. Jung, der sehr unsugsam ist und auch mit Kameraden Händel sucht, hat während ber Dienstzeit bereits 118 Tage im Arrest verbracht. Winter hat beim ölurreinigen in Unkenittnis des Dienstes übersehen, einem vorübergehenden Unteroffizier die Ehrenbezeugung zu machen ^>ung machte dem Winter darüber Vorhalt unb erklärte, daß er ibn anzeigen werde, wenn es der Unteroffizier nicht melde Es kam zu einem heftigen Wortwechsel; Winter hielt dabei dem Jung seine hausigen Bestrafungen vor und soll auch, wie Jung erklärte, geäußert haben, der Unteroffizier sei verrückt. Jung meldete seinen Kameraden wegen der angeblichen Bemerkung zur Bestrafung Gegen beide wurde nun die Anklage wegen Achtungsverletzung erhoben, die aber mit Freisprechung für beide endete. Tas Kriegs- glaubte dem Winter, daß er die Bemerkung, er ist „verrückt , nicht auf den Unteroffizier, wozu auch keine Veranlassung vorlag, sondern auf^ Jung, mit dem er sich herumhankte, gemünzt £-at?e" -r. un9 niußte freigesprochen werden, weil in der Tatsache allem, daß er den Vorfall gemeldet hat, eine Achtungsverletzung nicht erblickt werden kann. ~ zweiten Verhandlung, die sich gegen den Zjährig- Zreiwrlligen Lück vom 14. Tragoner-Regimertt Colamr wegen Diebstahl richtete, vertrat Kriegsgerichtsrat Heß die Llnklage. Knegsgerlchtsrat Obenauer funaierte als Verhandlungsleiter. Lück .an, daß er in Wetzlar Ende Juli mit 8 Bekannten eines Abends Icr Liter) und nock) einige Runden getrunken hat, er sei betrunken gewesen und habe ohne recht zu wissen, was er getan, von emem Bord in der Wirtsstube einige Kisten Zigarren genommen und diese an seine Kameraden verteilt, später aber den Wert derZigarren wie der Japaner zeichnen lernt. Die japanische Zeichenkunst und Malerei, die in den letzten Jahrzehnten den Künstlern Europas so große und fruchtbare Anregungen geschenkt hat, birgt auch für den Fachmann noch heute ihre technischen Geheimnisse, die zu ergründen schon mancher Praktiker versucht hat. Im „Art Journal" erzählt nun Sir F. T. Piggott, der jahrelang in Japan gelebt und im Dienste der japanischen Regierung gestanden hat, allerlei intime Einzelheiten aus der Werkstatt der japanischen Künstler und gibt dabei eine sesselnde- minutiöse Schilderung der Lehrmethode, mit der Japan seine Zeichenkünstler heranbildet. Für den europäischen Kunstfreund hat seit jeher die verblüffende Fähigkeit der Japaner, rasche Bewegungen in Linie und Form fest^uhalten, etwas Bewundernswertes gehabt; die fast spielerische Sicherheit, mit der die japanischen Künstler beispielsweise den Vogelslug auszudrücken wissen, schien immer aus eine ausgesprochen impressionistische Schaffensweise hinzudeuten, auf ein augenblickliches Festhalten des Gesehenen. In Wirklichkeit wird die überraschende Unmittelbarkeit, das gleichsam im Fluge erhaschte Leben dieser Darstellungen durch eine mühsam erworbene Routine im Detail erreicht, durch eine komplizierte Lehrmethode, die für europäische Kunstbegrisfe auf den ersten Blick sogar etwas Pedantisches und Schematisches haben mag. Ja, diese Kunstpädagogik gemahnt nicht wenig an die Art, wie bei uns den Kleinen das Schreiben gelehrt wird, wie sie in ihren Heften Seite um Seite zuerst mit Grund- und Haarstrichen anfüllen, um die Hand allmählich xwc Bildung von Buchstaben zu erziehen. Eng nebeneinander gepreßt kauern beim Zeichnen in Japan Lehrer und Schüler zusammen, man begreift kaum, daß der Schüler in dieser beengten und unbeguemen Stellung arbeiten kann. Der Lehrer bringt keine Modelle, keine Vorlagen mit, er trägt eine Modelle im Kops. Das Erste, was erlernt wird, ist die Darstellung eines fliegenden Sperlings. Der Schüler be- ;innt mit Uebungen in der Handhabung des großen Pinsels, )er am unteren Ende haarscharf zugespitzt ist. Blatt um Blatt wird dann gefüllt, nicht etwa mit einem Umriß des ganzen Vogels: nein, einzelne Teile werden unzählig oft wiederholt. Zuerst der offene Schnabel mit der zarten, einen Linie, oie die Zunge andeutet; dann ebenso oft das iluge, dann das Augenlio. Und nun, wenn diese Einzelheiten unendlich oft wiederholt sind, dann erst dürfen z. B. Schnabel und Auge zusammen geübt werden. Der Pinsel wird dabei mit .Wasser getränkt, die schwarze chinesische Tusche nur mit der feuchten Spitze von der Palette abgenommen. Der leichteste Druck läßt den Pinsel sich krümmen, und das Wichtigste ist auch die Gewandtheit und Er- ahrung in der leichten Haltung des Pinsels. Das ist nur möglich, wenn man den Pinsel auf japanische Weise hält, und ebenso wichtig für das Ganze ist dabei die kauernde Stellung, die der Japaner bei der Arbeit einnimmt. Für Kops und Körper des Vogels wird bann ein anderer Pinsel verwandt, der etwas dünner ist und dessen Spitze eine etwas geringere Biegsamkeit hat. Mit diesem Pinsel wird im Gegensatz zu dem andern die Farbe direkt übertragen, die Umrißlinien sind bereits dünn angegeben, unb nun folgen bie breiteren Striche, bie zunächst bte Febern wiedergeben — Mrche tutfc Schule. Ein Ausruf wegen des ModerniPeneides. Die Krausgesellschaft, die ihren Sitz in München hat, verbreitet zu Weihnachten 1910 folgenden »Ausruf an alle deutschen Volksgenoffen": Ter deutsche katholische Klerus sieht heute mitten m einer Katastrophe a l l e r s chw e r st e r A r t. Man nötigt ihn zu einem Eid, der gegen das Gewissen jedes vorurteilsfrei denkenden und an eine Fortentwicklung menschlicher Kutter glaubenden Katholiken gerichtet ist. Wohl haben viele Geistliche den Schwur schon geleistet. Vielen barg er auch keinerlei Schwierigkeiten. Auf eine kleine Schar indes darf man rechnen, die fest entschlossen ist, eher alle Drangsale zu erdulden, als sich mit einem Schwur zu belasten, gegen den ihr Gewissen sich sträubt. Weitere können noch im letzten Augenblick vor dumpfer Resignation bewahrt bleiben, wenn sie erfahren, daß sie nicht allein stehen, wndern daß ihnen httfreiche Hand geboten wird. Und manchem, der bereits den Eid geleistet hat, wird noch die Stunde der Erkenntnis kommen, daß dieser Schritt nicht die richtige Lösung des schweren Gewissenskonfliktes war. Auch ihnen soll nachträglich noch ein Ausweg eröffnet werden. Auch Kandidaten der Theologie unb Priefterseminarisien werden in Zukunft an der. Schwelle der Weihen ob des Eides sich vor die gleiche Ge- wiisensfrage gestellt sehen. Sie werden dann den Schritt zu geistiger und sittlicher Freiheit eher wagen können, wenn ihnen neue Lebensbahnen erschlossen werden. So fragen, wir denn unsere beutschen Volksgenossen ohne Unter)ebteb des Bekenntnisses, ob sie nichts übrig haben für biejen echt christlichen, nationalen und kulturellen Zweck, ob sie nichts tun wollen zur Unterstützung von Geistlichen unb Theologie- Ltudierenden, welche der Modernisteneid und die übrigen neueren, auch die etwa noch zu erwartenden vatikanischen Kundgebungen zum Verlassen ihrer geilttichen Stellung oder Laufbahn zwingen. Helft uns einen Fonds schaffen, der für Gegenwart und Zu- •utift uns in den Stand setzt, solchen Geistlichen oder Kandidaten mrch Stipendien und Darlehen neue Berufe und Existenzen zu erschließen und Einrichtungen für Vermittlung von Unterkommen zu schaffen. Nom, 23. Dez. Der katholische „Corriöre d'Jtalia^ veröffentlicht einen Artikel, der in der nächsten Nummer der „Revue Roma Oriente" erscheinen wirb. Im Artikel, der von der Direktion der bRevue" gezeichnet fein wirb, sollen bie Behauptungen des Artikels beS Prinzen Max v on Sachsen als irrig wiberlegt werben. „Corriöre b'Jtalia" sagt, man hoffe, baß infolge der Veröffentlichung dieses Artikels ber schmerzliche Zwischenfall, ben der Artikel des Prinzen veranlaßt hat, zur allgemeinen Zufriedenheit beigelegt sein werbe. Kreis Wetzlar. i ---- LaunSbach, 23. Dez. Unser Kirchlein war cheute abend bis auf ben letzten Platz besetzt. Um ben stattlich geschmückten Tcwnenbaum war Alt und Jung versammelt, um daS Weihnachtsfest würdig einzuleiten. Die won ber Schuljugenb vorgetragenen bekannten Weihnachts- llieber fanben auch in manchem alten Herzen frohen Widerhall. Die unter die Kinder verteilten Jugenbschriften bieten 'für bie Fest- unb Ferientage reichen Lesestoff. Hessen-Naflau. ^Marburg, 23. Dez. Nach dem jetzt vorliegenden .amtlichen Ergebnis der letzten Volkszählung hat /Marburg 21869 Einwohner gegen 20136 im Jahre 1905. /Die Zahl der Haushaltungen hat sich von 3547 auf 3911 junb die der bewohnten Gebäude von 1539 auf 1724 vermehrt. Von ben 21869 Einwohnern finb 10916 männlichen unb 10953 weiblichen Geschlechts. 4- Seelbach b. Lohra, 23. Dez. Bei einem Nach- treiben unseres JagLpächters Hartmann aus Heuchelheim, an dem sich acht Jäger beteiligten, würben 8 Stück Rehwild erlegt, darunter eine Geis, bie aufgebrochen 45Pfb. wog. Unsere Jagd wirb im Februar k. I. wieber leihfähiq. ,. Frankfurt, 23. .Dez. In der vorletzten Nacht wurde jin Klingenberg ent Einbruch verübt und ein größerer Betrag an Staatspapieren und Bargeld gestohlen. Der Einbruck)s- | bub ft am wurde der Frankfurter Kriminalpolizei mitgeteilt, die alsbald eine Sperre unb Ueberwachung der hiesigen Banken anordnete. Kaum daß diese Aiwrdnungen getroffen waren, fand sich auch schon der 30jährige Phil. Freyeisen von hier bei einer Bank ein unb bot dort einen Teil der gestohlenen Wertpapiere zum Verkauf an; er wurde sofort feftgebalten Ein weiterer Komplize, der 24 Jahre alte Peter Wetzel von hier bat sich etwa 1000 Meter von der Bank an einer Ecke auf- gestellt unb erwartete dort das Ergebnis. Ein Kriminalbeamter, dem ber Bursche bekannt war, nahm auch ihn fest. Die Hälfte der Wertpapiere, sowie auch von dem Bargeld fand sich in dessen Besitz. Der dritte, der 24 Jahre alte August Kilian von hier, wurde t der letzten Nacht gegen ein .Uhr in einer Wirtschaft der Altstadt unter fideler Gefellschaft heraus verhaftet.' Er trug ebenfalls noch einen Teil ber Beute bei sich. Sämtliche brei Verhaftete sind tnegm Einbruchs-Diebstahl, Zuhälterei und son- Jliiger Delikte mit Zuchthaus vorbestraft. — Aus Eisenach gelangte gestern abend die Nachricht nach Frankfurt, daß dort em Kroate verhaftet worden sei, der verdächtig ist, den Mord auf dem Griesheimer Exerzierplatz begangen zu haben, wett er eme Uhr trug, bie der von Biener ähnlich sei unb Kratz- wunden im Gesicht hatte. Er konnte aber, wie uns heute morgen em Privattelegramm meldet, sein Alibi für ben Tag des Mordes nachweuen. Die Uhr hat er, wie er eingestand, ge- Kohleen, aber nufa in Frankfurt. Auch gegen den Taglöhner «Knapp ift tat Verjähren eingestellt worden. J ‘torfgatte von 30t 107^58 Mk. okWoA fonitSe Nicht's zu erinnern gefunden. Tas Gesuch des Heinrich Heiser von 2ornl>olzl>ausen, Ankauf seines in ber Petersttiengasse hier gelegenen Wohnhauses 'für bie Stadt oder ben Armenfonds betreffend wurde abgelehnt. Tie Hebamme Frau Leyerzapf hat um ihre Pmisionierung unb Entlassung nachgesucht. Um die freigeworbene Stelle bat sich !bie Hebamme Frau Müller von Schwalheim beworben. Ta das Gesuch ber Frau Müller von dem Kreisgesundheitsamt Friedberg :zur Berücksichtigung empfohlen worben ist, wurde beschlossen,, sie , als Hebamme für Butzbach anzunehmen, unter der Bedingung, baß Frau Leyci^apf bei Diensteintritt ber Frau Müller ihre Berufs- tätigfeü vom Tage ihrer Pensionierung an einstellt. — Bad-Nauheim, 23. Dez. Die Verwalterskelle bes ^Genesungsheims für Angehörige ber Reichs -Post- unb Lelegraphenverwaltung in Bab-Nauheim ist zum fL April 1911 neu zu besetzen. Bewerber haben sich an bas 'Postamt in Bab-Nauheim zu wenden. Beamte mt Ruhestände ober -Witwen von solchen Beamten werben bevorzugt^ \ Starkenburg und Rheinhessen. d. Mainz, 23. Dez. Der 35jährige Goldschmied Emil /Loch aus Obersiein, der sich hier vorübergehend einlogiert chatte, wurde bin chdie Aufmerksamkeit eines Postbeamten '.von der Polizei verhaftet, als er einen bedeutenden jGeldbetrag, der postlagernd auf eine gefälschte Postanweisung angewiesen war, erheben wollte. Loch, der ♦an auswärtigen Postanstalten mehrere Tcrusend Mark auf gefälschte Postanweisungen, die ordnunasgemäß eingetragen .waren, erhoben hatte, verweigerte dem Untersuchungs- jrichter jede Angabe über seinen Mitschuldigen, ben er unbedingt bei ber Post an den Aufgabestellen gehabt haben muß. Die Reichspost ist durch die Betrügereien um mehrere Tausend Mark geschädigt. Eine eingeh.end.e Untersuchung äst ein geleitet, j Knnt Var Bet Maner ist \Vtt infefSaftung. Ein großer Teil des Armes und der Hand werben dabei steif gehalten; mit einer leichten Muskel- Zusammenziehung bewegen sich bann die eng Kusarnrnen- «gepreßten Finger mit säst rhythmischer Gleichmäßigkeit hin und her. Diese Flügelstudien werden mit großer Schnelligkeit ausgesührt, und gerade diese Geschwindigkeit, oie erst nach langer, mühsamer Arbeit errungen wird, ist das Haupt- clcment des Gelingens. Daher ist es auch unmöglich, javanische Zeichnungen zu „kopieren"; sie können nur ge- schasjen werden nach dieser eigenartigen Arbeitsweise und sind ein Ergebnis dieser spezifisch japanischen Methode des Zeichenunterrichts. Dermiicbrcs. ♦ Tet Krnematograph im Dienste der Polizei. Die Prager Polczei ist auf die Idee gekommen, den Kinemato- graph zu polizeilichen Ermittelungszwecken zu verwenden und kinemawgraphische Steckbriefe zu erlassen. Es sollen fortan in den verschiedenen Theatern einer Stadt neben den sonstigen Vorführungen auch die Bilder von Verbrechern mit genauer Beschreibung gezeigt werden, damit sie sich den breiten Massen im Gedächtnis einprägen, um dadurch einen Fortschritt im Ermittelnngsverfahren zu erreichen. * Falschmünzerei und Unterschlagung. In Zürich hatte der Chef des Postrestantbureaus einen für eine Firma in Wien bestimmten, irrtümlich nach Zürich geschickten Brief zurückgehalten, in dem ein Scheck eines kanadischen Geschäftes im Betrage von 37 000 Franks, der auf eine Londoner Dank ausgestellt nxtr, enthalten war. Er nahm Urlaub und kassierte den Scheck in London ein, wo er die Unterschrift fälschte. Er teilte die Beute mit einem Kollegen. Als eine Anfrage einlief, kam der Diebstahl heraus, dabei wurde entdeckt, daß die beiden noch weitere Unterschlagungen begangen hatten. Es stellte sich ferner heraus, daß ein württembergischer Rentner, der lange in Brasilien gelebt und in der Nähe von Zürich eine Villa getauft hatte, brasilianische Noten nachmachte. Der Brasilianer, ebenso wie die beiben Postbeamten, sind verhaftet worden. ♦♦ Mehrere Explosionen, durch die eine große Anzahl Menschen getötet oder verwundet wurden, ereigneten sich im Laufe des gestrigen Freitags. In der Fabrik von Johannes Maag in Augsburg explodierte bei Ausbesserungsarbeiten ein Dieselmotor; ein Werkmeister wurde getötet; ein Maschinenmeister erlag seinen Verletzungen; vier Arbeiter sind verletzt worden. Nach einer Meldung aus Regensburg erfolgte in der Zelluloidsabrik in Kelheim nach Mitternacht aus unbekannter Ursache eine furchtbare Explosion Zwei Arbeiter wurden getötet, zwei sind ihren Verletzungen erlegen, während wieder zwei andere lebensgefährlich verletzt wurden. Ein Arbeiter wird vermißt. In Dees (Ungarn) wurden durch eine Kesselexplosion in einer Spiritussabrik drei Arbeiter getötet und zwei tödlich verletzt. In Buscolde explodierte nach einer Meldung aus Mantua ein Acetylengasmotor; die Decke des Hauses stürzte ein, wodurch 15 Personen verschüttet wurden. In Strasch in brannte infolge Explosion eines Spiritusfasses ein Ver- grmgungshaus nieder. Ein Handlungsgehilfe, der durch eine brennende Lampe das Ungeschick verschuldete, wurde getötet. Aus Philippsville (Algerien) wird gemeldet, daß acht Kisten mit Feuerwerkskörpern beim Aus- laben auf dem Hafenguai explodierten. Zwei Per- f on en wurden getötet, 11 Personen, darunter neun Araber, schwer verletzt. • Der Perrückenbäu m. Der Reifende, der an elnew schönen Spätherbsttage mit der Simplon-Bahn fährt, wunden sich nicht wenig, an manchen Stellen, besonders in der Nähe der Station Turtmann, die grauen Kalkselfen in den feurigsten Farben, von brennendem Orange bis zum tiefsten Purpur, erglühen zu sehen Der Urheber dieser herrlichen Farbenpracht ist der wenig bekannte Perrückenbaum, über den in der „Schweizer Zenschriit iür Forstwesen* einiges mitgeteilt wird. Ter Perrückenbanm, m der Wissen- schalt Rbus cotinus genannt, gehört zu den aus den Mittelmeer- ländern etngewanderteii Dflanzen imb tritt in der Schweiz nur strauchartig aut Als größerer Busch kommt,er oih Monte San Salvcuore bei Lugano, als niedriger Strauch im Wallis vor. Er trägt ruiidlich-nierenförmige, langgestielte Blätter und trauben- förmige Blütenstände von kleinen, mifcheinbarcn Blüten. Er ist forstlich von ganz geringer Bedeutung, da er kaum schwache Brenu- yolzdimensionen erreicht. Interessant ist er hauptsächlich wegen der außerordentlichen, intenstven Farbcntöne, die er im Herbst annimmt. Er erglüht dann im feurigsten Pllrpurrot uub verrät so fernen Standort auch dem gleichgültigsten Beobachter. Sein Haupt- verbreitungsze>rtrum im Wallis, nebst dem Gebiet von Martinach, liegt an der rechten Talseite der Rhone zwischen Leut und Nieder- aampel, bet beni Werler Getwing, eben bei der genannten Bahnstation. Sehr auffallend ist die Tatsache, daß der Perrückenbaum, der ein Strauch des Südens ist, dieses ivilde Gebiet das sonst von wärnrebedürstiger Flora nicht besiedelt ist, ausgesucht hat. Daß rhrn auf dieseü kahlen Felsen die einheimisck'en Laubhölzer keine Konkurrenz zu nrachen verrnochten, mag wohl die Haupturfache seiner relativ starken Verbreitung bilden. • Das Mindestmaß der täglichen Nahrung. Während bie berühmten Physiologen Voit imb Brücke als mindesten täglichen Bedarr iür einen krä'tigen 2chährigen Arbeiter von 70 kxr Gewicht bei mäßiger körperlicher Tätigkeit 137 g Eiweiß, 173 g xett unb 352 g Kohlehydrate herausrechneten, kommt der amerikanische Professor Ebivard O'Lynch in neuen Untersuchungen zu wesentlich niedrigeren Zahlen, die er ohne Anwendung bestreitbarer Theorien aui rein experimentellem Wege geivonnen haben will. Er behauptet, daß alle bisherigen Angaben über die täglich erforderliche Nahrungsmenge f alfch [mb, weil sie zu viel Rücksicht auf die Ernährungsgewohnhelten der weißen Rassen nehmen, die sich seit Jahrtailsenden an eine den Körper nur belästigende Vielesserei gewöhitt hätten, die keineswegs zur Kräftigung führe, fondern auf die Dauer imstande fei, die Gesundheit zu schädigen und leben- verkürzend zu mitten. Besonders gelte dies von dem starken Verbrauch von Fleisch und allen anderen, eiweißreichen 9labrung5- Mitteln, die nur der Entstehung von Nierenkrankhelten, Gicht und anderen Stofsivechfelkrankheiten Vorschub leisten, ohne das Wohl- besiuden, das Kraitgefühl und die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Aus Grund von zivei Versuchsreihen, bie O'Lynch mit Stubenteu und stark arbeitenden Jndivibueu vornahm, fonunt er zu dein Schlußergebnis, baß 60 Gramm Nahiungseiweitz für alle Falle genügen. Etwas anders liege der Fall aber hinsichtlich der fetthaltigen Nahrungsmittel unb derjenigen, bie Kohlehydrate enthalten wie Brot, Gemüse, Kartoffeln unb Zucker. Von ihnen, die ast ausschließlich ihres Heizwertes wegen für die Ernährung in Betracht kommen, benötige der köiperlich schwer Arbeitende, besonders wenn er sich bei kalter Witterung im Freien betätige, selbstverständlich mehr als der Stubenhocker, aber auch hier finde eine durch nichts gerechtfertigte Materialverschwendung statt, die das physiologisch gerechtfertigte Maß bcbeutenb überschreite. Tie Theorie des amerikaiiischeii Gelehrten, die mit den Planen des englischen Lords übeteinfliinntt, der feiner Stute das Freffen abgewöhnen ivollte, führte zu dem Schluß, daß es selbst bei der heutigen Nahrungsmiktelteuerung einem Arbeiter in bet Großstabt möglich sei, seinen Nahrungsbedarf mit 50 Pfennig pro Tag zu bestreiten, leidet aber an zwei logischen Fehlern. Zunächst ist das Hungergefühl bei den meisten Menschen stärker als der Imperativ einer am Schreibtisch ausgeführten Rechnung, wie viel NahrungS- mitteleinheiten pro Kilogramm des lebenden Menschenkörpers erforderlich sind. Zweitens aber beweisen zahlreiche Beispiele aus allen Zeiten, daß ganze Rassen und Völker dem unaufhallfamen Niedergang preiSgegeben sind, wenn sie sich nicht satt essen können, hieran kann aber auch die Tatsache nichts ändern, daß viele Menschen, wenn sie es nicht besser haben können, mit sehr wenig Nahrung zu bestehen vermögen. Satt sein ist eben etwas anderes als der Zustand des Nichtverhungerns. MSrtte. Ctteßen, 21. Dez. Marktsericht. Auf heutigem ®oc6ett* markte kostete: Butter pr. Pib. 1,20—1.30 Mk^ Hühnereier 1 St. 10—11 Pfg^ Enteneier 1 Stück 0 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Käfematte pr. St. 6—6 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80—1,00 Mt., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk^ Bahnen pr. Stück 0,80—1,80 Dck., Enten pr. St. lM-2,20 Mk., Gänse das Pfd. 75-85 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfd. 84—92 Pfg., Rindfleisch pr. Pfund 84—88 Ptg^ Kuhfleisch 70 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 80—96 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 76—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 60—84 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kg. 7.50 bis 8.00 Alk., Weißkraut baS Stück 20 bis 30 Psg., Zwiebeln per Ztr. 5,00—6,00 Alk., Milch bas Liter 20 Pfg^ Birnen per Ztr. 12-15 Alk., Aepfel per Ztr. 8 bis 12 Mk., Nüsse 100 Stück 50-00 Pfg., per Ztr. 0—00 Mk., Bohnen per Pfd. 00—00 Psg Marktzeit von 8—2 Uhr. Die nach- A p r 7 t A sind ron 12 ühr mittag* bi* 12 Uhr stehenden Avl L l v nachts nur (ttr dringende Fälle sicher anzntreffen Du/W Sonntag; den 25. Dezember (1. Feiertag): Dr. Kipper, Wilhelmstr. 2. — Dr. Mueller, Liebigstr. 47. Montag den 26. Dezember (2. Feiertag) I Dr. Meyerhoff, Süd-Anlage 7. Dr. Steinreich, Neuen Däne 22. wöchentl. Uederficht öergoöesfälle L 0. Stadt Sieben. 51. Woche. Vom 11. bis 17. Dezember 1910. Einwohnerzahl: angenommen zu 31,800 linkt. 1600 Mann Militär)« Sterblichkeitszisjer; 18,0 °lw nach Abzug von 5 Crtäfreinöeu: 9,81 Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Tuberkulose 1 (1) Influenza 1 Lungenkatarrh 1 (1) Herzkrankheiten 2 (1) Scdlagflutz 1 Blinddarmentzündung 2 (1) Krebs 2 totl. Körperverletzung 1 (1) L Lebensjahr: 2.—15. ?iahr. 1 (1) - (1) 2 1 — — 1 fl) - - 2(1) - - 1 — — 2(1) - - 2 — — KD - - Sumina 11 (o) 11 (ö) — —- An m.: Dte ui itiuuiuiern geitviua Ziffern geben an, nne viel der Todesfälle in der betrerrenben Krankheit auf von auswärts nach Meteorologische Beobachtungen der Station Giehen. Dez. 1910 Barometer auf 0* reduziert t -aeinpemiui. der Luft II Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung tc K S Grad der Bewölkung In Zehntel der pchtb. Htmmelsfl Wetter 23. 23. 24. 2“ 9“ 7* Höck Ried 9üe 754,5 753.5 745,9 »sie Te rigste verichlc 1.6 1,6 4,5 mv erat rcr = 4,7 4,8 5,4 ur an 0,2 m 98 93 86 i 22. b 22. rn. 8 8 SW iS 23. . 23. 8 2 4 Dez 10 10 10 unber 9 Nebel Bed. Himmel Regen == 4" 3,0 *0, =• — 0,3 eC. Mundwasser Bouillon-Würfel liefert schnell und bequem eine Tasse bester Fleischbrühe Preis nur 5 Pfg t» Ntiieile Öüidjmaidjintn Preis Mk. 18.-. Alleinverkauf RodbeimerStr.40 ?sie«te Gebrauchsmuster Warenzeichen BW“ Nicht übersehen! Jeeg* Iy*ote erhalt. koetenL ausführlichen Prospekt der Landwirtschaft!. Lehranstalt u. Lehrmolkerei Braunschweig, Madamenweg 158. Gründl., gedieg. Ausbild, aum Verwalter, Recbnungefübr. u. Molkerelbeamt. KoetenL ßtellenvennittlg. Iw 17 Jahren Über 3400 Mehftler. Direktor Krause Erwirkung und Vertretung beim Kaiserlichen Patentamt. Ing. H. Brinkmann Bahnhofstr. 56. 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An Entschädigungen wurden von der Gesellschaft im Jahre 1909 gezahlt , 14,520,424.78 Seit ihrem Bestehen wurden von der Gesellschaft für Schäden überhaupt bezahlt 336,620,301.60 Die Summe der dem Fonds für gemeinützige Zwecke seit dem Bestehen der Gesellschaft zuqefloffenen Beträge beläuft sich auf . . . , 36,014,186.96 Die Gesellschaft übernimmt Versicherungen gegen Braud-, ExplosionS- und Blitz, schaden sowie WasserleitungHschäden, gegen die durch solche Schäden verursachten Miet' Verluste, ferner gegen Eiubruch-Diedstahl. Darmstadt, den 1. Oktober 1910. Die General-Agentur. H. Klein. Die Agenten der Gesellschaft. Biograph Ploekatr. 12 010442 Ploekstr. 12 Weilmachten 1910 Aus den Tropen Tsnbild: s Liebigshöhe I Steins Garten, Giessen •«geführt von der hiesigen Regiments - Kapelle unter persönl. T niinnft H AM AL - __ n • . _ * 1 es. Leitung des Oberonslkmeistera, Herrn Löber. Anfang 4 Uhr. (0049) Restaurant Metropol «973 Weihnachtsfeier -SjS?''' W KONZERT W Concordia Giessen Statt Karten v"/„ Der Vorstand. Gießen Klein Linden Klein Linden Gasthaus zur Deutschen Eiche ta bekannter Güte. 16873 6900 M 7. 8. Drama. 9 Ramraufnahme. Carl Stein V erlobte Giessen (010*18 Giessen Frankfurter Str. 94 am 2. Weihnachtsfeiertag den 26. Dezember 1910, abends prazts 8 Uhr, un BereinSlokal Cafe Ebel (oberer Saal). Zahlreiches Erscheinen erwünscht. Lina Kimmel Karl Speyer V erlobte Giessen, Weihnachten 1910 J Statt Karten! Recha Grünewald Sally Liebmann | Verlobte Giessen, 25. Dezember 1910 Statt Karten! Metrischen Lamberth -August Kneip Verlobte öusnefübrt von der hiesigen Regiments-Kapelle unter persönlicher Leitung deS Obermusikmelsters Herrn W. Löber. Düsseldorf 68 Gladbacher Str. 24 Statt Karten. Gretchen Germer Carl Weber Verlobte. Heuchelheim. Weihnachten 1910. ^Barkarole", Qu§ Hoffmanns Erzählungen. UWUUUWUUWW Anfang 4»/, Uhr.010397 Eintritt 45 Pfg _______ Eintritt 50 Pfg Turnverein Giessen ” tfA Montag, 26. Dezember (2. WeihnachtStag» Else Becker Heinrich Roth V erlobte Giessen, Weihnachten 1910 (018417 lliskr ImurrigtiitS Wkipchts-Prugnim. L Feiertag: Eine Leidensgeschichte grobes spannendes amerikanisches Drama. Das neugebackene Milchmädchen grobe amerikanische Komödie. Das neue hochinteressantePaths-Journal Die Dianrantenfälscher grobes spannendes Detektiv-Drama. Das Bukett, Komödie. Das Brautkleld, dramatisches Lebensbild. 2. und 3. Feiertag: Eine Tragödie in Byzanz hervorragender Sunstfilm, spannende dramatische Handlung. Nie Winter beim Nennen grobe Humoreske. Die italienische Schweiz, Zeit gegen Tod i grobes spannendes Drama. Auguste und die neue Mode, gJSESk ‘ Das neugebackene Milchmädchen i grobe amerikanische Komödie. 7 11 Des Malers Weihnachten, Dram». \l lonJili: Allotria. I [010449 Weihnachten 1910. Vr/I bestehend in Konzert, Tbeater, GefangS Vorträgen, turnerischen Sluffübruugeu Verlosung und Ball. Statt Karten. Marie "Ruppel Fritz Albold Verlobte Liederkranz. 21m 2. WeihnachtSfeiertag Abklld-ililttlljlillNij im Laf6 Leib. 'll_________________________________Der Vorstand. Beginn der Vorstellung Punkt 8 Uhr A L Platz 1.50 ... Die Direktion: Rösch. ‘ Dortmund Weihnachten 1910 Aune?nnrenbe berü6mte Ringer haben ihre Teilnahme bestimmt iMlivv Heb, bester Ringer von Mannheim q ^bristenscn, Meisterringer von Schweden «r.tcr ?/bie, Meuterringer von Rheinland 4. L