Nr.27S tiMxM Lgstch mH entnehmt W fHe ^Gtetzenn famUltnblätler* •«*» Wm ^ßnjrurr* nennal ®ö «n> EternocudewL *. lee a t. •tefcak ulUirr die trtcttimtottttuwuee, (Dritter Tag.) Nbg. Hildradrand (Soz.): Der Verlauf der zweitägigen Ausspruche ist für die Arbeiter und kleinen Handwerker tief bedauerlich. Denn bie agrarische Mehrheit den Marine wird überseeisches Fleisch verwendet, warum verbietet man eS also für bie allgemeine VolkS- ernahrungk Das deutsche Volk wird bei den Wahlen die richtige Antwort geben. (Beifall links.) Staatssekretär Dr Deldrückr Dr. Wirmer wie» gestern darauf hin, datz der Staatssekretär deS Innern das verleugnet habe, was er als Oberbürgermeister bon Danzig einst vertreten hat. (Seht richtigl hnlft.) Ich kann miet) in biefeT Beziehung eigentlich damit trösten, datz Dr. Wiemer selbst gleich darauf betont hat, datz man bedauetlicherivrise auch mit dem LtaakSminiftet v. Miquel dieselbe trübe Erfahrung ge- macht bat. (Heiterkeit) Daraus ergibt sich eben, das — man konnte diese Beobachtung auch noch an anderen fetzt lebenden StaaiS- männern machen —. datz ein Minister, in dessen Hand bie Sorge für bie wirtschaftlichen Interessen eines ganzen Reiches vereinigt ist, diese etmafl anders an leben mutz, al» ein Oberbürgermeister, der in erster Linie berufen ist, die Interessen eines beschränkten Greises mit möglichstem Nachdruck zu vertreten. (Zustimung ) Ich nehme an, datz keiner der Herren, die meine früheren Äußerungen zitiert hoben, sich die Muhe gegeben hat, die Verhandlungen des oreutzischen Städtetage» von 1890 durchzulesen. Ich habe damals folgend Richtlinien für die Behandlung dieser Frage vorgeschlagen und in einer Resolution niedergeiegt, in der e- heitzt, datz die Vertreter der preußischen Städte die notwendigen wirksamen veterinär- polizeilichen Matznahmen gegen die Gefahr einer Seuchenein- schleppung aus dem Auelande anerkennen, und datz sie dieselben im aQgcuieinen Lande-,nteresse und auch im wirtschaftlichen Intereste der Städte selbst für geboten halten. (Hört! Hört! recht».) Weiter toirbjjeJagt, datz sie aber auch eine ausgiebigere Fleischverforgung der Stabte für notwendig erachten, in einem Umfange und einer Art, die eine entsprecktenbe Lebenshaltung der mittleren und niederen Volkskreisen gewährleistet. Ta sich in einer Anzahl Preußischer Städte die Fleischpreise feit geraumer Zeit auf einer Höhe hielten, die eine derartige Fieischversorgung der minder bemittelten Klasten in Frage stellen, wurde der Vorstand beauftragt, an den Reichskanzler die Bitte zu richten, dahin zu wirken, datz die zuständigen Instanzen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für eine ausreichende Versorgung der Städte mit Fleisch sorgen. — Ich glaube, datz die Grundgedanken, die dieser Resolution zugrunde liegen, sich im wesentlichen mit dem Stand- Punkt decken, den ich vorgestern hier vertreten habe. (Sehr richtig! rechts. Widerspruch links.) Auch der Reichskanzler und ich haben un» in erster Linie bemüht, festzuslellen. in welchem Umfange die Behauptung einer bestehenden Fleischnot oder einer bedrohlichen Fleischieuerung zutrifft. Datz das mit aller Objektivität geschehen ist. beweist die Denkschrift deS ReichögefundheitSamleS, von der ich nur wünschen möchte, datz sie auch von dem Redner der äufecr- ften Linken mit derselben Objektivität behandelt werde, wie sie au (gehellt ist. Der Abg. Hildenbrond hat sich darauf beschränkt, einige Zitate herauSzunehmen, die ihm posten, aber er hat verschwiegen, datz bie Darlegung diese Zitate ausdrücklich widerlegt. (Hört! hört! rechts.) Da» ReichSgesiindheitSomt kommt zu dem Ergebnis, datz ebenso wenig wie die Bchouptuiig einer Fleischnot gerechtfertigt erscheint, von einer vorhandenen oder drohenden Unterernährung des deutschen Volkes im allgemeinen gesprochen werden kann. ES ist nachgewiesen, daß tm grotzen und ganzen dasjenige Quantum Fleisch, doS jährlich durch- schnittlich auf den Kopf der Bevölkerung in letzter Zeit gebraucht wurde, auch vorhanden war. Ich gebe ohne weiteres zu, datz trotzdem einzelne Beschwerden berechtigt sind, und datz ein plötzlicher Rückschlag in der stark angelegenen Versorgung unsere» Volke» mit Fleisch für die ärmeren Klassen unerwünscht sein mutz. Dir wüsten hm, wo» In unseren Kräften liegt, um einen dauernden Rückgang in bei Fleischeinahrung bc» Volke» zu verhindern. Darin sind tute alle einig. Streit kann nur darüber herrschen ob e» Mittel gibt und insbesondere, ob bei Reichskanzler Mittel hat, die geeignet sind, bie Uebelstände, deren Vorhandensein niemand be st reitet, tn wirk- sanier Weise zu beseitigen. Hier setzt die Beurteilung der veterinär- polizeilichen Maßnahmen etn deren Beseitigung Sie von der Linken foibeitk E» fragt sich, ob deren Beseitigung unseren Markt mit hinreichendem und gutem Fleisch versorgen würde. Ruch sorgsamer Beurteilung der Dinge feiten» de» ReichStanzler» und bei ihm beigegebenen Sachverständigen mutz diese Frage verneint werden. Ter Reichskanzler steht auf dem Standpunkt, datz bie deterinärpolizeilichen Matznahmen zum Schutz gegen Seuchenein- schleppung aufrechierhaUen werden müssen. Mu Ausnahme der Einfuhr au» gruntrelch, wo ja auf Antrag ber süddeutschen Staaten entsprechende Konzession»^ gemacht werden, und mit Ausnahme derErleichterung bei derEmfuhr nusDänemark müssen wir an den bisherigen »Schutzmaßnahmen fest Hal len. Genuu so liegen die Dmge bezüglich de« § 12 de» Fleischvescl-augefetzc». Aus Grund der Erhebungen deSReichSgefiuidheitSamte« halten wir un» für verpflich- tet, einer Beseitigung biefr« Paragraphen zu widersprechen, nicht au» Freundlichkeit oder Gesälligkeit gegen einzelne Parieren, Betrachtet man dasErgebuiS derViehzählungen zunächst in den euro- päischen ProduklionSgebielen. so ergibt sich, datz bie meisten Staaten aar feine und nur ein kleiner Teil eine geringe Vermehrung deS Viehbestände» zu verzeichnen haben, mit Ausnahme von Deutschland. das enit erhebliche Steigerung sowohl auf dem Gebiete der SttHorire- wie der Rinderzucht michzuwerscn Der mag. Da» ist nur möglich gewesen, weil die Pioduklion in Deutschlunr durch die Schutzmogiegeln so lebhaft gefordert werden konnte. Wenn einzelne Teile SüddeutschlnnbS Mangel an Fleisch uufweisen. so liegt da» daran datz man sich dort aus die ausländische Zufuhr verlassen bat. Wir können unseren einheimischen Bedarf nur sicherstellen, wenn wir ihn selbst produzieren. Dazu bedarf e» be» Schuhe» ber Landwirt schall und be» Schutze» gegen die Euischleppung von Seuchen Auch bezüglich Amerika» gilt bei Satz, datz man sich keines, weg» darauf verlosten soll, datz Ainenka auf bie Dauer in bet Loge sein wirb, unS mit Fleisch zu versorgen Wenn ich blotz aus bie Vereinigten Staaten von Rordomerila hinwc'ise, so betrug hort bie Ausfuhr an Vieh und Fleisch in Prozenten ber Gesamt- ausfuhr 190U 10,6 Prozent, 1904 10,0 Prozent. 1905 9,2 Prozent 1909 6,9 Prozent, d. h. dotz sie in neun Jahren sich fast um die Hälfte vermindert Hal. Dies liefet sich auch für andere Teile deS amerifanifrfHn Kontinents Nachweisen, und e» ergibt sich daraus bafe Anierika, bie Vereinigten Staaten ihre Produktion immer mehr selbst brauchen. Sie werden in Kürze nicht mehr in ber Lage jein, ein irgendwie nennenswertes Quantum von Rindvieh oder edjwetncn auSzuführen. Nun ist sehr viel von Süd- a m e r i l a gesprochen worden. Gewife würde es möglich fein unter Hintansetzung der ernsten Bedenken, die wir haben müssen, au» Südamerika Fleisch für unsere Marktversorgung in grofeen Mengen zu beziehen. Äir dürfen aber nicht vergessen, dafe bei einem so grofeen Gebiet, wie Südamerika ist, mit seinen unüberseh- baren seuchenpolizeilichen deterinärpolizeilichen und sonstigen hier in Betracht kommenden Verschiedenheiten wir jederzeit mit der Möglichkeit rechnen müfelen, ba^ die Zulastung der Fleischeinfuhr auS Südamerika zu solchen Rückschlägen in unserer eigenen Viehhaltung und Produktion führen konnte, bafe wir bann in der Tat selbst nicht mehr in ber Lag« wären, für unseren eigenen Bedarf zu produzieren. DeShe nationalliberale Partei hat. in Verbindung mit anderen Parteien — insbesondere hat sich der verstorbene Herr; v Kardorff dabei ein Verdienst erworben — die billiges Futtermittel zölle herbeigeführt. Gestern hat zu meiner* Erstaunen Herr Rösicke es so bargestellt, als ob das ein Verdien^ de» Bundes der Landwirt« wäre! T«r hat für hohe Fut- lelmitkelzölle gestimmt. Nein, Sie verdanken eS nicht dem Bund Der Landwirte, sondern dem ruhigen und objektiven Aultreten bet anderen Staaten. Die Einzelstaaten sollten größer« Mittel aufwerrden all bisher zur Unterstützung der Zuchtbestrebungen. unb dann vor allem auch für bie innere 5T o l o n i f a 11 o n. Ich habe mit Vergnügen in der .Deutschs Tageszeitung' gelesen, bafe man durch Urbarmachung der Moore 70 000 Bauernfamilien ansiedeln könnte. Aber warum in die Ferne schweifen? Wir haben doch im Osten eine Bauernkolonisation im eminentesten Sinne bett Worte-, und da hat Dr. Wiemer durchaus recht, datz von den Führern bet Bundes der Landwirte diese Bestrebungen nicht unterstützt worden sind, sondern tm Gegenteil. 16 000 Grofegrundbesitzer im Osten haben soviel Grundbesitz wu 1% Millionen Landwirte im Westen. Wenn diese Kolonisation im bisherigen Tempo fortge* führt wird, wird der Grofegrundbesitz erst in 600 Jahren verschwunden sein. Mit allen möglichen Mitteln versucht der Bund der Landwirte der inneren Kolonisation Abbruch zu tun. Nicht direkt, aber indirekt! (Abg. Kreth ruft: Unwahrheit! Grotze Unruh» link» ) Eine derartige Bemerkung ift ein« Gemeinheitl (Oh« Ruse rechts, Beifall links.) Vizepräsident Vtßirltzr Da» verstößt gegen die Ordnung des HauseS. Ich rufe Sie znr Ordnung (Lelchajle Unruhe links. Zurufe: Und da» Won Unwahrheit?) DaS WoN Unwahrheit ist eine objektive Beurteilung. (Sehr richtig! recht», Widerspruch links, Le desto ur ruft: Sehr gut, datz ich das erfahret Grofe« Heiterkeit.) Abg. Wachhorft de öentt verweist auf Äußerungen des Deutschen FleischerverbcmdeS, die sich gegen ben Bund ber Landwirte richten. Die Nationalliberalen sind durchaus bouernfreundlich. Dr. Paasche hat ja auch gestern die Jnteresten deS Bauernstandes in einer so warmen Weise vertreten, wie sie wahrhastig nicht zu übertreffen ist. Wir Haven auch für den Zolltarif gestimmt und nehmen als liberale Partei für unS baS Verdienst in' Anspruch, den Gedanken do» Agrarstaat» tn weitesten Volkskreisen und besonders unter denIiitellektuellen po- puTfir gemacht zu Mafien. Der Bund her HaifbWTe aber YreWt'M Volk ins Lager des Freihandels und schafft Gegensätze zwischen Stadt und Land, die kaum noch zu überbrücken sind. (Lachen rechts.) Darum wurde der Deutsche Bauernbund gegründet, um die Schaden zu verhindern, die durch die fanatische Verhetzung des Bundes derLandwicte entstehen. (Sachenrechts.) WirtschaftSfragcn sind ZweckmäßigkeitSsragen, nicht polilische. Hätten die tiberalen Parteien das früher erkannt, dann waren wir weiter. (Zurufe: Fleischnoll Zur Sache!) ~ ' ( Vizepräsident Schultz untersagt diese Unterbrechungen. Der Redner T)nTt immer noch einen gewissen Zusammenhang mit dem Thema Mrecht, mehr wie andere Redner. (Heiterkeit.) ' Abg. Wachhorflr Auch in der Fleischfrage müssen gesunde dolkSwirtschastUche Grundsätze beachte, werden unter der Devise; Jedem das Seine! < Beifall b. d- Natl.) Abg. Kobekt (b. !. P.) t__ Ich will nur über die Fleischnot reden. (Heiterer Beifall.) Diel kommt ja bei der ganzen Aussprache nicht heraus. Wir haben eine Fleischnot. DaS spüren wir auch in der RcichStagSrestauration. Eigentlich sollte man von einer Viehnot sprechen, denn jetzt spannt man den Bauern die Ochsen vom Pfluge, weil sie ein selten schönes Stück Geld bringen. (Oho-Rufe rechts.) Das verstehen Sie nicht. (Zurufe: Wo ist das?) DaS werde ich Ihnen nachher ins Ohr sagen! (Heiterkeit.) Schon Herr v. Podbielkki sagte: Die Fleisch- not ist nur vorübergehend! Er scheint dieses Wort an alle preußischen Landwirtschaftsminister in Erbpacht gegeben zu haben. j(Sehr gut!) Denn jeder stellt sich her und erklärt: Nur abwarten, eS wird schon besser werden. (Sehr gut!) Herr Rupp sprach von dem Luxus in den Fleischerläden. Herr Rupp, decken Sie Ihren Le- henSbedarf in Läden, wo vorn eine Oellampe für 25 Pf. brennt? Heutzutage mutz eine gute Aufmachung da sein. Wer nicht den Zopf aus dem Nacken schneidet, wer nicht mit der Zeit fortschreitet, der kommt unter die Räder! Sie olle, die Sie sich hier versammelt haben (Heiterkeit), sehen doch mich auf ein gefälliges Aeutzere Nun wird imer auf das schöne Vieh hingewiesen. Ja. daS ist ganz nett, aber waS machen wir mit unserem vielen Speck? (Heiterkeit.) Den werden wir nicht loS. (Widerspruch rechts.) Wollen Sie mir billig ein paar Zentner abnehmen? (Grotze Heiterkeit.) Herr von Schorlemer hält die Fleischnahrung ^ür überflüssig. Ich weih nicht, ob er schon Vegetarier geworden ist. (Heiterkeit.) Gestern hat Herr Roesicke für die Warenhäuser und ihr billige« Fleisch Reklame gemacht. DaS war nicht schlau von ihm. Die Negierung sollte endlich rasch handeln, so lange eS noch Zeit ist. Damit der schon angerichtete Schaden nicht unheilbar wird. (Beifall links.) Abg. Linz (Rp.)' spricht im Interesse der westlichen Jndustriebezirke gegen den Freiherrn v. Gamp. Die Fleischnot ist zu einer wahren Kalamität geworden. Die Regierung vertritt mit ihrer Stellungnahme nicht daS Gesamtwohl des Volkes, sondern einseitige agrarische Interessen. Man sollte die holländische Grenze weit öffnen! Eine Revision des FleischbeschaugeseheS ist notwendig, der § 12 muh gemildert werden. Lebhaft bedauere ich die Schärfe der Aussprache durch die alten Streitereien zwischen dem Bund bnr Landwirte und dem Deutschen Bauernbunde. Gibt es denn im Reichstage keine sachlichen Debatten mehr? Die Behörden sollten eine Enguete an- stellen über die unmotivierte Spannung zwischen ProdultionS- kosten und Verkaufspreisen. ' ' Abg. Wölzl (Hospitant der Natl.)'? '' - Wir sind alle mit den Ausführungen unseres FtülllonS- rednerS Dr, Paasche völlig einverstanden. (Bravo!). Abg. Dr. Hahn (Dd. der Landw.)? ____4 Herr Wachhorst hat hier eine Rede zugunsten deS Banern- bundeö gehalten. Ich bin geneigt, darin eine Arbeit des fleitzigen Kollegen Dr. Böhme zu erblicken. Draußen im Lande redet er gan» ander« al- hier. Herr Dassermann hat Herrn Geheimrat Rictzer einmal al- Parteifreund bezeichnet. Der Honsa-Bund wird aber mit der heutigen Rede WachhorstS nicht einverstanden ^ein. Ich überlasse eS den Nationalliberalen, wie sie sich zwischen diesen beiden Freunden — Hansa- und Bauernbund — durchfinden werden. Für unS wird das Schauspiel sehr amüsant sein. Wahrscheinlich wird eS ein Eiertanz werden. Der Redner verteidigt die Haltung des Bundes der Landwirte in der Futter- rnittelfrage. Deutschland darf von ausländischen Futtermitteln Nicht abhängig werden, sonst wird eS auch von allem abhängig, was sonst im Auslande geschieht, von ollen Preistreibereien. Erleichtern wir die Einfuhr von Futtermitteln, so kommen wir zu einer Industrialisierung der Schweine. Mästerei. Dir"Häben dem Zollkarks nur mft Rücksicht auf vcke kleine Landwirtschaft zugestimmt, nicht mit Rücksicht auf die grotzen, die Ostelbier. Herrn WachhorstS Darlegungen über die innere ^olonlsatwn wimmelten von Unrichtigkeiten. Wir wollen ^.Kolonisation organisch vornehmen, aber nicht zum Wohle der Guterschlachter und Landgesellschasten. Die innere Kolonisation kann nur Erfolge aufweisen, wenn b?n «Regierung großzügig durchgefuhrt wird. Tie Rede des Herrn Wachhorst, die auSgearbeitet sein mag und von ihm hier vorgetragen worden ist (Unruhe links), stimmt mit der Wahrheit nicht überein. (Heiterkeit rechts.) Wenn der Bund der Landwirte mit den Nationalliberalen nicht mehr zusammen- gebt, so ist daS die Schuld der Nationalliberalen. (Rufe links: Zur Sache) Fleisckmotl) Die Herren sprechen hier immer klug, aber wenn es zur Abstimmung kommt, dann kommen .die höheren politischen Rücksichten", denen zuliebe die Rücksicht auf die Land- wirtschaft fallen gelassen wird. Wundervolle Worte, besonders vor den Wahlen, g do e s bei den National- liberalen immer. Herr Wachhorst de Wente bildet sich vielleicht in seiner jetzigen Umgebung auch seine .Meinung auf Zeit". (Heiterkeit rechts.) Es mag ja einige wenige Leute unter den Landwirten geben, die ihm das glauben, daß der Deutsche Bauernbund die richtige Vertretung des Dauern- stcndeS ist, aber die große Mehrheit der Landivirte wird das glauben, was Exzellknz v. Hammerstein-Loxten in Osnabrück gesagt hat. Exzellenz von Hammerstein hat eck mir zuerst auf dem Provinziallandtag in Hannover gesagt, daß man der Agitation des SauernbundeS entgegentreten müsse. (Heiterkeit links, Zuruf des Abg. Wachhorst de Wente.) Es fehlt mir der Parka- mentarische Ausdruck dafür, welche Schwierigkeiten eine solche Wahrheit, wie die soeben von Herrn Wachhorst bestrittene, daß Herr von Hammerstein^ seine Osnabrücker Rede nicht von mir suggeriert erhielt, zu überwinden hat, um in daS Innere des Abg. Wachhorst einzudringen. (Große Heiterkeit.) Herr von Hammerstein hat auch gesagt, die Kämpfe um die Zukunft der deutschen Landwirtschaft sind noch nicht zu Ende. ES ist die Frage, ob wir uns nach dem englischen Muster entwickeln, in der Richtung des ei iseitigen Exports, wobei die Landwirtschaft geopfert werden müßte. Auch im neuen Reichstag wird eS sich darum handeln, den ^richtigen Zolltarif festzusetzen und danach m den Handelsverträgen die Interessen der Landwirtschaft gti sichern. DaS Lebensinteresse der deutschen Landwirtschaft erfordert. daß olle Landwirte Zusammenhalten. Als wir 1902 anderer Meinung waren inbezng auf den Zoll- larif, hat uns das nicht gehindert, wie ein Mann mit Ihnen zusam- men den Zolltan,' zu machen. So sollten Sie auch in Zukunft handeln, wenn Sie wirklich ehrliche Freunde der deutschen Landwirt- schäft sein wollen. (Unruhe links.) Herr v. Hammerstein hat den Zusammenschluß aller deutschen Landwirte für notwendig erklärt. (Zuruf des Abg. Wachhorst de Wente: unter Ihrer Fühning?) — Ich bin bescheiden. (Schallende Heiterkeit links.) Ich maße mir keine Führung an, ich habe nicht den Titel .Präsi- d e n t". (Große Heiterkeit.) Ich glaube, die Konkurrenz, was Be- scheidenheit anlangt, mit Herrn Wachhorst he Wente will ich gut und gern aushalten. Heiterkeit.) Wollen Sie dem Rat des Herrn v. Hammerstein folgen, dann müssen Sie Asche auf Ihr Haupt streu-n. (Heiterkeit.) Dann müssen Sie in sich gehen, die Nationalliberalen verlassen und müssen ginn Bund der Landwirte kommen, denn das sind die Vorkämpfer der deutschen Landwirte. (Stürmischer Beifall rechts.) Abg. Emmcl (Soz.)r ' In den Kampf zwischen den deutschen Bauern msiche ich mich nicht ein. Kommen Sie unfl doch nicht immer mit Zitaten aus den „Sozialistischen Monatsschriften". Die Haltung dieses VlaiteS ist für unsere Partei ganz gleichgültig. Es ist schon oft genug auf den Parteitagen von unS abgeschüttelt worden. Auch der Kaiser hat schon einmal gegen den Brotwucher pro- testiert. Hat die Regierung da- ganz vergessen?, v Abg. Fegter (fortschr. Vp): DaS einzige Mittel gegen die Fleischnot ist die VerbiMgmig der Viehproduktion. Darum müssen die Futtermittelzölle sofort aufgehoben werden. Im Ernste ist der Bund der Landwirte sür die innere Kolonisation nicht zu haben. Seine Politik ist bauernfeindlich. Er will daS Eindringen der kleienn Besitzer in die KceiSvertretungen verhindern. Viel Erbitterung hat in Hannover daS Verhalten deS Bundes in der Klostermoorafsäre hervorgerfen. Auch dabei haben wieder ein paar Großgrund- besitzer ins Trockene gebracht. (Hört! hört! links.) Die AuSfüh- rungen des Freiherrn v. Wangenheim im Lande schlauen den Heu- tigen Worten deS Dr. Hahn einfach ins Gesicht. (Hört! hört! links.) Lösen Sie doch die Fideikommisse auf, dann brauchten die Bauern nicht zu darben! 2% Millionen Hektar Land sind in Fideikommissen angelegt. Dabei konimen in Betracht 26 regierende Fürsten, 36 StandeSherren, 28 andere fürstliche Personen, 85 Grafen, 46 Abilge und TITO WrflerW. " Immer zeigte sich, bah bei lofaf Getreidepreisen die Zahl der Fideikommisse stieg. Hohe Preise stärken also den Großgrundbesitz. Tas Gegenteil wäre aber not. wendig. Hier mutz gesetzlich vorgeschritten werden, damit diese Reste de e - F e u d a l st a a t e S aus der Welt verschwinden. Tiefe ficine Klique spielt gegenwärtig noch eine Rolle, ' die ihr weder nach ihrer wirtscl-astlichen Bedeutung zukommt, noch nach ihrer Intelligenz. (Beifall links. Oho-Rufe rechts.) Abg. Löscher (Rp.): DaS „Berliner Tageblatt" brachte kürzlich einen Artikel zur Fleischnot: ,ES mutz noch mehr gehungert werden!" Dabei wurden wir wieder hcstig angegriffen, und eS wurde jedem Landwirt eine genaue Buchführung empfohlen. Herr Rudolf Mosse hat drei R'ttergüter. Sicherlich hat er eine vorzügliche Buchführung. Ich erwarte nun, dah er öffentlich nachweist, welche Rente bei der Viehzucht rnb bei der Landwirtschaft eigentlich herauShängt. Du Redner spricht gegen seinen Parteifreund Linz. Damit schließt die Aussprache, da weitere Wort- Meldungen nicht vorliegen. ES folgen persönliche Demerlungen. Abg. Wachborst de Wente: Dr. Hahn hat mir unterstellt, daß ich meine heutigen AuS- führuiigen mir von Dr. Boehme hätte ausarbeiten lassen. Ich erwidere Herrn Hahn darauf, daß er vielleicht einige Erfahrungen auf diesem Gebiete haben mag (Heiterkeit links), die mir aber abgehen. Ich lasse mich nicht von anderen beeinflussen. Er bat weiter erklärt, ich sei einer von den nationalliberalen Abgcord- neten, hie ihre Meinung auf Zeit ha'en. Er wäre doch eigentlich der allerletzte, der iemand einen Vorwurf nach dieser Richtung hin machen könnte, da er mit derselben Ueberzengungstreue. mit der er angeblich heute der konservativen Partei dient, unserer Partei gedient hat. Abg. Dr.Nocsscke (Kons.): > Herr Dachhorst hat behauptet, ich hätte im Jahre 1903 in diesen Versprechungen gemacht, die ich nicht gehalten hätte. TaS entspricht nicht den Tatsachen. Abg. Dr. Hahn: * Ich habe meiner Verwunderung Ausdruck gegeben, ivie eS kommt, dah Herr Wachhorst heute eine andere Rede hält, als er sie sonst im Lande zu halten gewohnt ist. Ich habe nach den II r# fachen geforscht und habe geglaubt, daß biqc herrliche Ausarbeitung von einem anberen herrührt. Ich halte bas auft recht. (Unruhe b. d. Nationalliberalen.) Ich glaube auch, bag manche der Herren meine Meinung von bieser Möglichkeit teilen! Wenn Herr Wachhorst sagt, daß er sich nicht beeinflussen läßt, fj weise ich nur auf seinen Entwicklungsgang hin. In einem Schrei- ben an bafl Lanbwirlschaftliche Kasino in Osnabrück hat er fidj gegen eine Besteuerung bc5 ErbeS der Witwen unb Waisen aukfc- iprochen, unb später hat er boch dafür gestimmt. (Widerspruch deSl Abg. Wachhorst.) Tie Annahme, als ob ich jetzt für die konservative Partei mit derselben Ueberzeugung eintrete wie früher für die nationalliberale, entspricht nicht den Tatsachen. (Stürmische Heiterkeit links.) Ich bin nämlich nicht mit dieser angeblichen UeberzeugungStreue für bc5 politische Programm bet Rationallibcralen eingetrcten, sondern habe einen erbitterten Kampf gegen die Parteileitung der Nationalliberalen geführt im Interesse der Nationalliberalen auf dem Lande in Hannover, die fotzt konservativ sind, unb die mich auch gegen die offizielle Parteileitung in den Reichstag hineingebracht haben. Ich habe meine Meinung ebensoweiiig geändert toic meine Landsleute, wohl aber Herr Wachhorst und seine Freunde. .(Beifall rechts.) Abg. Nehbel (K?ns.): fterr Dachhorst hat mir unterstellt, daß ich ein Feind der fnne ■?r? :!0 u 'Vfa. (L>“/u Becker. K tz K 3 ;< 3 Stand-, Wand- und Wecker-Uhren, :: reizende moderne neue Muster :: fi 6 6 kaufen Sie nirgends besser und billiger als bei Georg Jnng VI., Uhrmacher, Leihgestern. Zimmer- und Haustürschloss anzubringen. •ieit«a«g«, tuen* Taschen-Linen Iuj llltdeW n»hM«6fi| Herren und Damen, Regulatoren, Sicherheitsschlösser bbp vollständig diebessicher, in jede s Korridor- 9iüe Auen jUöppelcien, Spitzen, Einsätze, Dreiecke, Läufer, Decken, Motive, Schals, Taschentücher, Schlosserei Christ. .Voll, West-An!atre 9. (Unübertroffen bei Drüsen, Skrofeln, Blutarmut, Engt Krankheit, Hals-,Lungen-Krankheit.. 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