Nr. 255 Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten. A n spräche: Herr Präsident! Indem ich Ihnen das Schreiben überreiche, durch das der Kaiser, mein erhabener Souverän, mich bei Ihnen als Botschafter beglaubigt, möge es mir zunächst erlaubt sein, Jyuen zu sagen, wie sehr ich die Ehre der mir anoertrauten Mission empfinde. Entsprechend bestimmten Befehlen Se. Maje- diePost Llk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pft auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: 91. Goetz. Verantwortlich für den Dazivffchen ftaiU) ü/cozaiiS ewig junge ^uoivOuDertüre, umiahutt von C. Pt. Webers „Freifckpiv" „Wie nahte mit der Schluuunei. . .?") und Schuberts beliebter und überaus lieblicher Hirtenszene „der Hirt aus dem Felsen" mir Solo kl ar inet oe. Von jeher und immer wieder bis üi die neueste Zeit haben Kom- ponisten das grade durch seine Einfachheit und Schlichtheit |o wirkungsvolle Motiv der Hiitemnufik, der Sck-alinei und der Stimme, gesucht und verwendet; Sckuibert, dem die Lieder unerschöpflich quollen, hat nrmachahnilich den wechselnden zarten Gesühlston getroffen, ohne auch nur in einer Üiote sentimental zu werden. Die Freischützarie gehört, auch aus dem Duft der Szene herausgerissen und m den Konzerti aal verpflanzt, zu den Perlen der romantischen Gesangsliteratur. So war ein im besteii (Sinn wahrhaft klassisches Programm zusammeiigestellt, das sehr glücklich durchgeführt wurde. Das durch hiesige Kräfte verstärkte Orchester des Palvreng artens zu Frantfurl Ipielte unter der hingebenden, feinsinnigen Leitung Herrn Pros. Trauttnamts schwungvoll, sauber, mit guten Tongebung und unter verständnisvoller Hercmsarbeitung der Sa>önheiten derWerke. Ganz besonders sei der Soloklarinette des Herrn Diax Liitdl rül-mend gedacht, Frau Amra Mmpfert-Franlsurt a. M., die Solijiül des Abends, ist uns keine Fremde, nein, eine stets wieder mit Freude und Dankbarkeit begrüßie gute Freundin, zuletzt nod) vom Frühjahr vorigen Jahres her, wo fte das Jubelfest des Akademischen Gesangvereins mitfeierte und verschönte. So sei auch heute nur wiederholt bestätigt, baß die Wiedergabe der beiden Lieder alle Vorzüge ihrer schonen-Stinune und chrer vorzüglichen Schulung et tarnen ließ und stürmischen Beifall ausloste, dem die liebenswürdige Künstlerin durch eine ganz entzückend fein gesungene Zugabe, ein Wiegenlied, dankte. Das Orchester begleitete die Gesangsnummern diskret Md mit sorgfältiger Anpa ssung an Werk Md Künstlerin, m. — Grüne Haare. Daß es auch außer den Tragern ausgeblichener und schlecht aepflegter Perücken und denjenigen, die an ihren Haaren unglückliche Färbungsversuche machen, Menschen mitt grünen Haaren gibt, dürfte nur wenigen bekannt sein. Dem gegenüber verweist Dr. Antonio Barraras, leitenber Werksarzt an der Zamoramie in Mexiko, aus die Tatsache, daß eine intensive Grünsärbung der Haare bei denjenigen Bergleuten und gewerblichen Arbeitern, die sich andauernd mit der Gewinnung unb Bearbeitung von Kupfererzen beschäftigen, keineswegs zu bcn Seltenheiten gehört. Glücklick)erweise ist die Gefahr, sich diese höchst unnatürlich und schreckhaft wirkende Haarfarbe zu erwerben, nicht .besonders groß; beim unter je 1000 Bergarbeitern tonnte Barraras, der sich mit diesen UMersuchungen 11 Jahre lang beschäftigte, nur 27 mit grünen Haaren ermitteln. Besonders stark zur Grünfärbung neigen diejenigen, die sich mit den Süikatvarbin- Dungen des Kupfers beschäftigen, aber auch bei ihnen muß eine persönliche Veranlagung dazu vorliegen, deren Gründe nicht aus- geklärt Unb., Zweifelsohne handelt es sich um Kupfer, das auf Gietzeuer Nonzertverein. erster Orchepernveuo. Gießen, 30. DtL Vor mäßig besetztem Hause eröffnete der Äionzertverein seine Veranstaltungen mit einem Orchcsterabend; hatte mau doch — in zweifellos bester Absicht — eine Warnungstafel vor diesem Abend ausgerichtet, indem man ihn als „klajfischeu Abend" ankündigte, als gutschmackhafte Hausmannskost, wie sie der lange nnnitenttvöhnte Sommer zunäa-st verlange, an den pikanten Leckerbissen „moderner Musik" jick) den Magen zu verderben, biete bet Winter noch genug Gelegenheit. Also musikalische Diät; ist nicht ledermanns Sackfe. Gin Blick aufs Programm: 2 Symphonien, eine vom Großvater Haydn; gibts den immer noch? den hat doch ein Strauß-Mahler — ver----wöhnter Geschmack längst überwunden. Dann eine sozusagen unbekannte Symphonie von Beethoven, die 4- .? wird nichts rechtes sein. Also; schenken wir uns! , , , Ja, es war wirklich der Großvater Haydn, der echte alte liebe Vater Haydn mit Zopf unb Perücke, der den Anfang nrachte; und der Zopf hängt ihm auch richtig hinten, an den zwei letzten Sätzen ist er aufgeyängt. Man schließt die Augen, und gravllälisch drehen sich in zierlici-em Tanzschritt Paar auf Paar vor uns; biswellen muß der Tanzmeifter Ordnung schaffen, wenn sie vor lauter amour gar einen falschen Pas machen; kräftig klopft er dreimal mit dem Stabe auf und gesittet drehen sie sich aufs Reue, bis sies wieder einmal vergessen; gleich ist er wieder da. Darin ist der Tanz zu Ende unb nun beginnen im Presto die Dämlein ein gar eifrig Parlieren; es sck>eint der lieben Freundin zu gelten, denn sie überstürzen sich förmlich, jede wlll noch etwas von ihr wissen, und es ist ein Gewisper ohne Ende; hie unb da vernimmt man dazwischen ärgerliche Männerrede, aber die how wispernde Weiblichkeit siegt auf der ganzen Linie. Unter sich sind sie zwar bis zum Schlüsse nicht ganz einig; immer läßt sich wieder aus der und jener Ecke ein Sümmchen Höven: und grab, ich hab doch recht! Die beiden ersten Sätze stehen damit nur in losem Zusammenhang; sie sind musikalisch für sich betrachtet von großer Schönheit, namentlich der zweite, in romantischer Färbung gehaltene Das Gegenstück, Beethovens B-dur-Symphonie, die 4. ist tauni so ausgesprochen ein Beethoven, wie die Haydnschc ein Haydn; nach der Eroika eillstanden, ein Vorläufer der grandiosesten seiner Symphonien, der ö., der Schicksalssymphonie, mutet sie in ihrer „griechischen Schlankheit", ihrer Anmut, fast fremd an. Sie soll aus Beethovens schönsten Tagen stammen; wie ganz mit)erd, wie viel großartiger hat er aber Freude und Jubel in Tönen verklärt in der 7. und der 9.! Da allerdings selbst schon der Held der über allmenschliches Freuen unb Leiden erhabenen Schinsalskragöbie, die ihm ein Antlitz geprägt hat, so wie es uns Klinger gibt. Es sind im wesentlichen Ueußerungen enter liebenswürdigen ruhigen Freude, die Stimmung „eines, hellen imb Würm enden Sonnenscheins", wie Kretzschmar sagt. irgend eine Wei>e ins Koipeiinneie gelangt, in ein schwer lösliches, grünes Kupfersalz verwandell, duock) den ^-äftestrom in; die Haarzwiebeln verschleppt nnd in den Haarschäften abgelagert; wird. Ist es erst einmal dorthin gelangt, so ist es durch Wajck)en ober chemisck-e Behandlung nur schwer oder gar nicht mehr zu au* fernen. In den meisten Fällen verändern sich zuerst die Bart* haare, bann die Behaarung des Kopfes und seltener bie ic^rell* wachsenbeu, aber auch schnell wieder ausfallenden Haare der Augen* brauen und der Wimpern. Blonde Individuen lassert die Ver* färbung besser erkennen als brünette. Zuweilen verschwindet nach vielmonattichem Aussetzen der Arbeft mit Kupfer die Farbe> währeiid sie bei anbei en Arbeitern erst beginnt, nachdem sie sich schon längst einer anbeiat Beschäftigung zugewendet haben. Die Faibe oaiüeit im Ton von dem Hellen Lichtgiün bei keimenden Fiühlingsblättei bis zum '2)uiitagruii bei Nabel Hölzer. Auch Siete unterliegen bei Verfärbung. So berichtet Professor Lewin von einem Hammel, der in einem Messingwerke mehrere Jahre ben Kupserbämpsen ausgesetzt war unb, ohne eine Gesunbheüsschädigung zu erleiben, em sattgrünes Fell erhalten hatte. — Ein römisches Ulk-Museum. Man schreibt unss ans Nom: In vielen deutschen Städten gibt es Kneipen, die allerlei Plunder zu einem „Museum" oder Naritätenkabinett zusammengebracht haben unb das Zeug zur Ergötzung ihrer Gäste durch irgend ein Individuum „mit wenig Witz und viel Behagen" erklären lassen. Auf viel höherer Stufe steht das „hiswriickie Akuscum", das die ftühliche Laune deutscher und italienischer Künsller und Gelehrten in Rom geschaffen hat. Ein Wirt hatte un entlegenen Süden der ewigen Stadt ein Restaurant mit hallen* artigen Gewölben geschaffen und es Castello bi Eonstantino gc* nannt, obgleich bart nie ein Schloß Konstantins gestanden ljaL Trotzdem strömt viel Fremdenpublikum hfti und hat ie nach seiner Art unb Bildung Vergnügen an dem Museum oder Respekt davor^ Da verkündet ein altes Pergament, daß Constantin 1061 ab urbe condita (308 n. Ehr.) diesen Prachtbau gegründet habe, um vou [einer Terrasse aus „im beständigen Anblick der Stadt unb der chn umgebenden Jungffauen zu schwelgen". Eine Hauptsehens- toflrbigfeit ist Konstantins arg verrostetes Riesenschwerl. Ein von ihm selbst ausgestelltes Zeugnis bekundet die Echtheit der Waffe, unb daß er damit u. a. den Kaiser Maxentius getötet l>abe. Das Zeugnis ist so glaubwürdig wie bie Bescheinigmig, daß ein Lord ber Museumsverwaltung angeblich 2 MMionen Pfund füv die Waffe geboten habe. Nicht minder kostbar ist des Kaisers Hans* schlüssel, bei getabe einen Meter lang ist unb von ihm, wie eine In^, schrift betagt, stets „in bei Tasche" getragen würbe. Als, wie eins anbere Inschrift künbet, ,Deutsche Archäologen" in bas ^lufnini einbrangen, um Konstantins Helm, ber sfiäter vom Banda'en* könige Geiserich bemitzt würbe, zu rauben, schlug ber Kasteilan ne mit diesem Schlüssel in bie Flucht. — Das beste ist, biß viele Besucher, besonders Amerikaner, den IM! für bare Mün;< nci'uAt und die „Äterttimei" höchlichst bewundere Wxnm Der Amtsantritt des Zrhrn. v. Schoen. Ein interessantes Zwiegefpräa) zwischen dem neuen Botschafter in Paris und dem französischen Präsidenten übermittelt der amtliche Draht. Es sind höflich gespreizte Worte, beim Präsidenten vielleicht noch um eine leichte Schattierung zurückhaltender als beim Botschafter, der nach „bestimmten Befehlen^' des Kaisers Wilhelm sprach. Man erinnert sich, daß Herr v. Schoen vor wenigen Tagen an der Frühstücks täfel des Kaisers saß: Paris, 29. Okt. Bei der lleberreichung seines Beglaubigungsschreibens richtete der deutsche Botschafter Frhr. v. .Schoen an den Präsidenten Falliöres folgende gemacht, für besonders befähigte Leutnants und Oberleutnants einen dritten Jahrgang einzurichten Man hat diesen Plan aber fallen lassen und will statt dessen aus der Kriegsakademie einen neuen einjährigenLehrkursus einrichten, der für bereits absoivierte Kriegsakademiker, die sich im Besitz des GeneralstaLspatents befinden, also für bie sogenannten brevetierten Offiziere in der Stellung von Bataillonskommandeuren, Eskadronschefs und Oberstleutnants, zugänglich (ein nnd ihnen eine besondere Vorbereitung für ihre spätere Verwendung in den höchsten Chargen getoäljrleiften soll. Man hält dem entgegen, daß sich auch unter den nicht brevetierten Offizieren sehr brauchbare Elemente befinden, und hat daher, ebenfalls aus Abgeordnetenkreisen, den Gegenantrag ge[teilt, bie Korpskommandeure sollten alljährlich dem KriegSmiuister gmiz allgemein bie* Wenigen Stabsoffiziere namhaft machen, bie für die Generalstabsstreifen in Betracht kämen. Der Kriegsminister solle unter ihnen eine Auswahl treffen, [ie durch Mitglieder des obersten Krie^srats neun Monate lang auf der Kriegsakademie und im Generalstab durch Vorträge über Strategie und Taktik aus ihre späteren Aufgaben vorbereiten und sie an einer Generalstabsreise, sowie cm derr Manövern in besonderer Stellung teilnehmen lassen. Aber alle diese Vorschläge scheinen General Brun nicht genügt zu haben Er, der das „Fliegerkorps" zur vierten Waffe auszugestalten gebend, schmeichelt sich jetzt mit dem Ehrgeiz, den fianzösifchen Generalstab nach dem Muster des deutschen zu. reformieren, und hat einen entsprechenden Gesetzentwurf bereits dem Parlament unterbreitet. Es wird darin insbesondere bestimmt, daß der Generalstabsdienst sowohl durch Offiziere aller Waffengattungen mit Generalstabspateni, als auch durch solche ohne Generalstabspatent versehen werben soll. Die ersten finb etatmäßig, die letzten gelten nur als kommandiert, sollen aber, wenn ihnen auch im Generalstab bie Kanzleiarbeit zusallen würde, keineswegs von den hohen unb höchsten Kommalidostellen ausgeschlossen werden dürfen. Das klingt, da dann bie eigentlichen, etatsmäßigen Generalstäbler Zeit gewinnen würben, [ich mit den Vorbereitungen auf ben Ernstfall zu beschäftigen, und diese theoretischen Studien auch zeitweise im Frontdienst praktisch zu verwerten, zunächst ganz einleuchtend. Viur wird man sich dabei dar machen müssen, daß das Patent zum Generalstab in Frankreich nur zu oft nicht durch persönliche Tüchtigkeit^ sondern auf allerlei Hintertreppen erlangt wird. Wer in Frankreich einen Deputierten, Seimtor ober Minister zum Vetter oder gar eine tonangebende Dame zur Freundin oder Gönnerin hat, gelangt leichter zum Schmuck der weißen Straußenfeder auf dem Dreimaster und als Etatsmäßiger in die Bureaus der Rue .Saint Dominique als ein noch so tüchtiger Frvntoffizier, dem alle Konnexionen fehlen. Lassen schon diese Verhältnisse die Reform des französischen Großen Generalstabs nach deutjchem Piuster als einigermaßen fragwürdig erscheinen, so wird sie überhaupt in der Hauptsache so lange versagen müssen, wie Franrreich an der Unterftellung des Generaisiabschefs unter ben Kriegs- Minister festhält. Denn Kabinette fallen in Frankreich un Herbst wre bie Fliegen, unb der Wechsel im Kriegsmini- fterium würde auch stets einen Wechsel in der Leitung des Generalstabs mit srck) bringen müssen, was jede einheitliche jährlich Mk, 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch Arbeit von vornherein gefährdet. Macht man dagegen 'den Chef des Generalstabs vom Kriegsminister unabhängig, so wurden diese beiden Männer, wie das in Frankreich so üblich ist, sofort zu Rivalen werden unb sich ständig aneinander reiben. Ein Generalstab, wie ihn Deutschland besitzt,^ ist deshalb nur in einer Monarchie, unter einem obersten Kriegsherrn möglich. Frankreich mag Deutschland noch so [ehr in der Güte seines Kriegsmaterials gleichkommen, — den deutschen Großen .Generalstab kann es uns ebenso wenig nachmachen, wie unser Osfizierkorps, llnteroffizier- kori>s unb die gemaltige Zahl wohlausgebildeter, wirklich kriegstauglicher Mannschaften. Zur «esorw des stanzöflscheu Seneralftabr. Die Erfolge, die der preußische Große Generalsdaib im Kriege 1870/71 hinsichtlich der Ntobilisierung der deutschen Truppen und chrer Verwendung im Feldzüge selbst aufzuweisen hatte, legten es Frankreich nahe, diese Einrichtung ftrrz nach Beendigung des Feldzuges nachzuahmen. Aber fieilich war es eine recht schlechte üärchahmung: der fran- zöfisä)e Generalstob ist bis heute rüchts weiter als eine Abteilung des Kriegsrnrnisteriums geblieben, in der die dem Generalsbab angehörigen oder zu chm abkommandierten Offiziere allerlei geisttötende subalterne Bureauarbeit verrichten und so alles das verlernen, was sie auf der Kriegs- alabemie und im Frontdienst sich an theoretischer und Prak* tischer KriegswijjMschast angeeignet hatten. Es sehlt eben ber rege Wechsel zwischen Bureau und Front, wie er in Deutschland üblich ist und auf Generali tob und Truppe in gleicher Weise befruchtend wirkt. Das führte zu einer bureaukratischen Verknöcherung der fianzöfijchen Generalstäbler, die, da chnen auch in Frankreich die höheren Führerstellen fast ausnahmslos Vorbehalten sind, auf das Heer nicht ohne Einfluß bleiben tonnte. Hatten sie doch während chrer Generalftabszeit alle Vertrautheit mit der Führung eines größeren Truppen- lörpers eiugebüßt, well sie nicht, wie in Deutschland, durch Unterbrechung chrer Tätigkeit beim Generalstab von der Führung deiner Formationen zu der immer größerer auf* 1 liegen, oder wenigstens inzwischen dem Kommando eines Armeekorps als Generalfiabsofjiziere ungeteilt wurden. Stand es so in Frankreich mit der Generalität im allgemeinen schlecht, so war es womöglich noch schlimmer bei lenen Generalen, die als Mitglieder des obersten Kriegsrats berufen sein sollten, im Falle eines Krieges als Höchstkommandierende zu fungieren, al|u größere Armee- abteUungen gegen den Feind zu führen Auch sie werben In Frankreich viel zu sehr mit Verwaltungsarbeiten beschäftigt, als daß sie — trotz einiger Besichrigungsreisen und Hebungen in den Armeebezirken — sich mit der Führung der Truppen vertrant machen konnten, und das umsoweniger, als infolge von Ueberaltecung ihr Amt als Alltglied Oes obersten Lvriegsrats nur immer von kurzer Dauer i|L So sind z. B. allein in diesem Jahre innerhalo weniger Monate mehr als die Hälfte des augenblicrlfih 11 Mitglieder zählenden Kriegsrats ausgeschieben, unb in den nächsten Monaten scheiden noch die Generäle Mathis, Dalstein, Michal unb Barnez aus, da sie die Aliersgreuze von 6ö Jahren erreichen. Hm diese Unzuträglich reiten innerhalb des obersten Kriegsrats zu be)eiligen, juib von dem Abgeordneten Gervais und anderen mehrere Vorschläge gemacht worden, die alle darauf hinauslaufen, die Generalität zu verjüngen, um ein Verbleiben von mindestens 3 Jahren im oberpen Kriegsrat zu ermögllchen. Kriegsminiiier General Brun meint aber mit Recht, baß es damit allein nicht getan sei, man müsse die Axt an die eigentliche Wurzel des Hebels, nämlich an die unzulängliche Ausvirdung deS dtachwuchses der Generalität in Kriegsakademie und General stab legen. Bezüglich der Reform ber Kriegsakademie halle der fran- zöfiscye Kriegsminister belonnlliiy schon gelegentlich ber Beratung des diesjährigen Mlluär-HausHalls den Vorschlag ftät hat diese Mission die Aufgabe, die guten Bezieh u n g en, die in so glücklicher Weise zwischen Frankreich und Deutschland bestehen, zu erhallen und zu befestigen und die schon so zahlreichen gemeinsamen Interessen beider Länder zu fördern. Ebenjv wie meine Vorgänger, deren Mitarbeiter ich gewesen bin, werde ich nicht aufhören, alle meine Bestrebungen auf die Erreichung dieser so wünschenswerten Resultate zu richten. Ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich in ber Erfüllung meiner Aufgabe dahin gelange, Ihr Vertraue?, Herr Präsident, sowie Die Unterstützung der Regierung und der Republik zu gewinnen. Der Kaiser beauftragte mich, bei Ihnen der Dolmetsch der Gefühle der Achtung und Sympathie zu sein, die Se. SDlajeität in so hohem Grade für Ihre Person empfindet, und ^Zhuen bie Wünsche zu übermitteln, die er für die Wohlfahrt Frankreichs hegt. Ich habe die Ehre, Herr Präsident, meine ehrerbietige Huldigung für den ersten ■ Beamten der Republik hinzuzufügen. Präsident F a 11 i ö r e s erwiderte mit folgenden Worten: Herr Botschafter! Ich habe das große Vergnüge das Schreiben, das Sie als außeroroenllichen Botschafter und bevollmächllgten Minister des deutschen Kaisers beglaubigt, entgegenzunehmen und Sie willkommen zu, heißen Die Wunsche für die Auftechterhaltung und Be- Jefhgung der guten Beziehungen, die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, unb für die Entwickelung chrer gemeinsamen Jnteresjen, denen Sie soeben Ausdruck ge* Erft-S Matt 160. Jahrgang Montag SI. Oktober 1910 iil ©Waltet ÄNMPf für die Redaktion 112, ISgjF —-r.(, ZL General-Anzeiger für Sberheffen SS w Rotaffoittfrnt» und Verlag der SrühNchea ll»iv..v«ch. Md SttinDrntftrti B. taugt, vedaktton. Lxpediti«» und Druckerei! Schuistrahe 7. Beck. [taube ju herrschen: herzog hat den Generalmajor ä la suite der Kavallerie lest ein. von , wurde zum oiertenmal einstimmig wiedergewählt. Kreis Friedberg. en hat, in allen Annamhaften Künstlern, bei freiem Eintritt am 6. November, nachmittags 4 Uhr, ein Konzert in der Sommers eine neue Der und hier Chorschule, in Verbindung unterstützt von Sonntag dem 2luslanb. Aus Ofenpest wird gemeldet: Bei den Neuwahlen in Kroatien verlor bte oppositro nelle Stoat-v tionsportei von 55 Mandaten 28. Bonus konnte keine feste .Mehrheit zustande bringen. Die betreffenden Mandate ver- Mörlen) ist zu melden, daß heute abend wieder 25 Maurer nach dem Rheinland abgereist sind, um Arbeit zu suchen. Am Montag nehmen 20—30 Nichtorganisierte Maurer aus der Butzbacher Gegend die Arbeit der Streitlustigen auf; aus Ober-Mörlen und Umgegend kommen voraussichtlich noch 15 , Streifer* hinzu und mit Hilfe der Christlich-Organisierten ist es dann möglich die notwendigsten Arbeiten bis 1. April 1911 fertig-- zustellen. L Fauerbach v. d. H., 31. Okt. Einen interessanten Fund machten am SamStag hiesige Arbeiter beim Ebnen eines Ackers. Sie stießen auf zwei menschliche Skelette. Beide waren sehr gut erhalten, zerfielen aber an der Lust. Das eine war sehr groß, rührt nach der Schädelbildung von einem starken Mann her, während baß zweite bedeutend kleiner war. Letzteres lag quer über dem erstgenannten mit einem noch vollständig erhaltenen Arm mit sämtlichen Fingerknochen. An den Fingerknochen des größeren Skelettes sand sich ein noch gut erhaltener, schmaler, mit Grünspan überzogener Ring ohne Inschrift. m. Steinfurth, 30. Okt. Seit langen Jahren sind in unserer .Rosenstadt" keine so hohen Preise erzielt worden, wie in diesem Jahre. Früher wurden für 100ge- schnlttene Rosen durchschnittlich 2 Mk. gegeben, heute werden 4 Mk. und mehr gezahlt. Bei dem letzten Oktober- fest in München wurden von einer einzigen Firma nicht weniger als 30 000 Rosen geliefert. + Groß-Karben, 30. Okt. Heute sand die feierliche Beisetzung des hier am 27. d. M. infolge eines SchlagansallS verstorbenen Freiherrn Moritz v. Leonhardi statt. Gestern abend schon wurde die Leiche in der hiesigen, mit Kränzen und Guirlanden prächtig geschmückten Kirche aufgebahrt, da der Verstorbene Patron der Kirche war. Um 12 Uhr mittags öffnete man das Gotteshaus, um den Einwohnern Groß-KarbenS Gelegenheit zu geben, dem Wohltäter Kreis Lauterbach. ------- ------- a=^\ Fr- Lauterbach, 30. Oktober. Das Theater deS «US Hessen. IRH ein-Main-Verband es gab am 29. d. Mts. feine Im MrirLfteriu m ber Juftiz sind, wie die Dormst. erste Vorstellung in dieser Saison im vollbesetzten Saale dec MM d-Ä Wlck-ns des Herrn GehÄmc. Sp>cßturmh->llc. Zur Aufführung g-lungt- .Di-Anna- xats Puckel Äenderungen tn Auss-rcht genommen, btt vor- 9 j«c-« fpF.J ' i ” crussichtltch den WeVsall eines akadenchch gebildeten Beam- *2Jm c.n 91 9 ’P \ \ ™ Darsteller tat dieses MÄrrfheuruiuS zur Folge haben werden. Die Aen- relchen Beifall. — Em vor etwa 4 Wochen nach lderungcn werden im nächsten Haupwouanschlag zum Aus- Unterschlagung von über 1000 Mark hier fluchtig gewordener L«uick kommen. ' junger Kaufmann ist in Frankfurt a. M. feftgenom- jstalten korcsequent darrchgeführt werden. Wie verlautet, -m F r i e d b e r g, 30. Okt. Im Lause deö tzverde die gesamte hessische Obevlehrerschaft gegen diese 9äeue- hat die Aktienzuckerfabrik Wetterau hier rnng öltsch^edentm Protest erheben. Maschine angeschafft, die zur Erzeugung von Kohlensäure Deutidieft llrirb ~ bestimmt ist. Da nun ein viel größeres Quantum Kohlen- I säure erforderlich ist, als die neue Maschine zu erzeugen im- 3^'' bespricht in ihren stände ist, ist auch das Quantum Rüben, das täglich ver- ,,RuckblÄken"dle Frnanzpolrtrk Mrd s-M: arbeitet wird, von 7000 Zentner aus noch nicht 5000 zurück- Wehrkraft gerecht wird, so ist damit einsehrwichtiges Dezember chr Ende erreichte, bis nach Weihnachten, Programm durch die Lat verwirklicht. Der vielleicht sogar bis nach Neuiahr andauern, neue Etat wird zeigen, daß man dem Zickte der Gesundung . Friedberg, 30. Okt. Die hiesige der Reichsfinanzen ein gutes Stück näher gekommen ift die über tüchtige Kinderkräfte verfügt, wird Dies Resultat rechtfertigt zugleich die Annahme der Reichs- mit dem Männerchor ehemaliger Chorschüler, frnanzresorm trotz ihrer Drängel durch die Regierung. ' Die.Vorarbeiten zum Reichshaushaltsetat für 1911 haben zu einem, dem Frnanzplan für 1909/13 entsprechenden Ergebnis geführt. Die ungedeckten Motrickickarbeiträge werden auf 80 Pfennig pro Kopf gehalten, trotzdem sind die zur Fortenümclluirg des Heeres, der Marine sowie für Abbürdung des Fehlbetrages von 1910 erforderlichen Mittel in den Ausigaben vorgesehen. Dieser Abschluß war nicht ohne Schwierigkeit zu erreichen. Die Gesamt- eirmahme für 1910 wird den sehr vorsichtig bemessenen Voransäflag knapp erfüllen. So kann der Etat für 1911 die Zölle und Steuern rricht allzuviel höber schätzen als im ge^enwärtigerr Etat. Zur Herstellung des Gleichgewichts müssen auch die erhöhten Ueberschüsse der Reick)sbetriebc und die zu erwartenden Eimral)men aus dem dem Reichstag vorliegenden Zuwachssteuergesetz herangezogen wer- bcit Die Erträgnisse müssen auch herangerogen werden, um die Veteranen über das jetzige Maß hruaus zu versorgen. Trotzdem der Etat von 1911 für die Ausführung des Flotteuplaues, die Erweiterung des Kaiser-Wilhelm- Mnals, die Erweiterung des Fernsprechnetzes und für die Eisenbahnen namhafte Beträge erfordert, ist es gelungen, den Anlerhebetrag erheblich niedriger zu batten als 1910, und darin zeigt sich die wohltätige Wirnorg der neuesten Finanzgesetzgebuna. Diese Ergebnisse seien nur durch weitgehendste Sparsamkeit errungen worden. ,Erspar«isse «m hessifch^n Gchulhaushalt. men worden. Man schreDt der Offenb. Zbg.: Wie den Direktionen der Fr. Allmenrod, 29. Okt. Ein ehrendes Zeichen von IMwen LehrvnMten Hessens mitgetellt wird, sollen bis Einmütigkeit war die heutige Bür ger meisterwahl. Begtnm des neuen Schuljahrs etwa 20 Oberlchrer. ftit 1884 an der Spitze der Gemeinden Allmenrod ztcllen an den h-ssrschen höhere» L-h-r«nstaltcn etngehen. Sickendorf stehende Bürgermeister Georg Leach Das svll dadurch ermoglrcht Werder^ daß d-ce Bestlmmungen,' - - - - - ö - die das hessische Schu^esetz über die Höchststundenzahl der iakademisch gebildeten Cetinje, 29. Okt. Trotzdem die türkische Gesandt- Frei Herrn v. Heyl zu Darmstadt zum 1. Präsidenten der schast lviederholt um eine Intervention ersuchte, sürd Kriegerkameradschaft Hassia ernannt. die Zustände an der montenegrinischen Grenze unverändert. ** Stadttheater. Nochmals sei auf das heutige Seit gestern wird längs der ganzen Grenze leb- die Schlaftänzerin Madaleine Trilby hingewiesen. Haftes Feuer Awischen Montenegrinern unbGastspiel am Samstag in Marburg erzielte einen iürkischeuBlockhäuserumrt-rhalten. In Anbetiachr “u|erorb =n 1'n . Erf° g und «brachte den ' o ./ w Beweis, daß man es mit einer für alle Kreise Höcht d« ernsten Lag« w* bu: »e Maf f n un0 bet m°h a«- j^essanten und durchaus vornehm künstlerischen Darbietung >medanrschen G.renzdorser durchgeführt. Die _Ge-tun ° iscrndtschaft in Cetinje erklärte, fglls das Feuer nicht ein- KreiZ Büdingen. gestellt würde, erfolgxein regelrechter Angriff auf die monte- /k Ortenberg, 30. Okt. Der Ortenberger »Kalte- negrinische Stellung. Die Loge im Wilajet Skutani ist Markts der sich von jeher allseitigen Zuspruchs erfreut, gleichfalls ernst. Wan erwartet sehnsüchtig die «Ankunft hat wiederum zahlreiche Händler und Käufer hierher geführt, der Truppen. 1° daß schon heute alle Wirtschaften überfüllt ftnd. Leider Konstantinopel, 29. Okt Der Oberkommandant W bcr Markt durch das Verbot beS Schweine- und Vieh. Don Albanien meldet, daß bei Dibra ein Kampf mit Marktes einen schweren Schlag erlitten. Es findet am Montag einer Bande Albanes en stattgefunden habe. Sieben und Dienstag nur Pferde markt und Krämermarkt statt. Albanesen wurden getötet, einige verwundet Zahlreiche Zigeuner sind eingetroffen, die alljährlich den Markt Zn einem bulgarischen Dorfe bei Monastir wurden besuchen. Die Bahnbehörde hat auf dec Strecke Stockheim— 10 Dynamitbomben beschlagnahmt Gedern Sonderzüge eingelegt Knlonik ^W^-^ngs«. = Wols, 30. Okt. Dos Grundbuch für unser- Ge. I"einbe "unmehr f-rtigg-st-llt und gegenwärllg nebst den jserbijchen Schulen im Bezirke Sjenitza an. Die gehörigen Parzellenkarten uu OrtLgerlchtsbureau zur Em- fferbischen Gemeinden legten gegen diese Maßnahme Mo- slchtnahme offengelegt. geben haben, enllprechen kien Intentionen der Regierung I schwerhörig geworden. Man befüchtet, daß die kalte Wittv» und der RepublÄ. Es war mir umso angenehmer, den rung eine Verschlimmerung herbeigeführt hat Ausdruck dieses Wunsches aus Ihrem Munde zu ver- nehmen, als diejenigen, die den Dorzug gehabt haben, ANS Stadt und Land. Sie während Jl-res ersten .Aufenchalles m Frankreick) Gießen, 31. Oktober 1910 zu kennen, die (Besinnungen niM vergessen haben, welche ~ r qi 2i- stets -rr g^t h^en. M- Ihr hervor- , h n st?p i- i d-r EchlaL-rin M ad.l°in! ragender Brirganger, st' werden Sre ber uris nur dos bc- T r < I b y, vorher .Im weißen Roßte'. Anlang 8 Uhr. harrliche Vcstreben furden. Ihnen die -Aufgabe zu er- Zweiter Bortrag des Raufm. und des OrtSgewerbe- leichtem, deren Erfüllung Sw ^shre Bemühungen widmen Vereins: Syndikus Dr. M o l I a t - Siegen: Aus der Praxis des wolleu Als .Kaiser Wilhelm l^e zum treuen'Dolmetscher Handelsrechts. Abends 81/, Uhr tm Einhornsaal. seiner GedaTiken erwählte, konnte er nicht daran zweifeln, I * daß hier ein sympat^scher Emsffan^ Ihrer harrte. Ich -Die Stadt verorduetenwahl eu finden voraus' bin ganz besorck>ers empfänglick) für die Wünsche, die sichtlich am Dienstag, 22. November statt. Se. Majestät mir durch Sie hat übermitteln ^ssen, ebenso - In Audienz empfangen wurde vom Groß- die ^rm, m ^lch^.S^rhreMi.i fron wfulll haben, og am Samstag u. a. Kammerherr Amtsrichter Dr. Ich wurde Ihnen dankbar fein, wenn Sre Se. Majestät Becker von « x nhm stck meinen besten Wünschen meinen nnfrichttgen Dank .. V « rr ausbrücken wollen. Bros. Generalkonsul. Der zum Brasilianischen - I Generalkonsul für das Deutsche Reich mit dem Amtssitz in Die Wirren an der türkischen Grenze. Hamburg ernannte SuUy JosL de Souza, dem das Es ist seit sehr langer Zeit nichts Neues, daß „weit Neichsexequatur erteilt wurde, ist zur Ausübung konsularischer pulten" die Lölker aufeinanderschlagen; neuert^ngs scheinen Verrichtungen in Hessen zugelassen worden. an der türkischen WestgrenKe aber heillos verworrene Zu- ** Kriegskameradschaft Hassia. Der Groß- vieler Kranken und Notleidenden die letzte Ehre zu erweisen. Nachmittags 4 Uhr versammelten sich dann die Mitglieder des Gemeinderats, des Kirchen« und Schulvorstandes, der Gemeinde- Vertretung, der beiden Turnvereine und des Flottenvereins, sowie eine große Anzahl Leidtragender, unter denen sich auch Vertreter der obersten Behörden Hessens befanden, in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche, woselbst die eigentliche Trauerfeier abgehalten wurde. Da der Verstorbene auch Patron der Kirche Klein-Karden war, so hielt Pfarrer Vetter von dort zuerst einen liturgischen GotteSdienst ab, bei dem die Schüler der 1. Klaffe einen schönen dreistimmigen Grabgesang zu Gehör brachten. Hierauf bestieg der Ortsgeistliche, Pfarrer Andres, die Kanzel und gedachte in einer tief zu Herzen gehenden Leichenrede ber vielen Wohltaten und edlen Eigenschaften des Entschlafenen. Nach beendigten Trauerfeierlichkeiten in der Kirche bewegte sich dann der Trauerzug unter den Klängen eines Trauermarsches, aus- geführt vom Posaunenchor Burg-Gräfenrode, nach bei Begräbnis st ätte, die sich im freiherrlichen Parke befindet. Hier wurden eine große Anzahl Kranzspenden niedergelegt, die bewiesen, wie viele Bande der Liebe und Freundschaft von dem Verstorbenen in seinem Leben geknüpft worden waren, und wie er einem jeden, dec ihn bat oder um Rat fragte, mit seinem großen Wissen, als auch durch Unterstützungen, helfend zur Seite stand. Starkenburg und Nheinhessen. rm. Darmstadt, 30. Okt. Der Zar kam gestern Samstag mit dem Zarewitsch in Begleitung des Großherzogs im Auto aus Wolfsgarten hier an und machte in verschiedenen Geschäften Einkäufe. Die Zahl der Neugierigen, die die Lüden umlagerten, in denen der Zar war, war beängstigend. Heute früh besuchte das Zarenpaar den Gott es dien st in der russischen Kapelle auf der Mathildenhöhe. Herrnsheim, 28. Okt. Ein schreckliches Unglück er- eignete sich heute vormittag in der allernächsten Nähe unseres Dorfes an dem Eisenbahnübergang nach Osthofen zu, der trotz ber dort vorgefallenen fünf schweren Unglücksfälle die an dieser Unglücksstelle leider zu verzeichnen sind, immer noch feine Schranken hat. Der Bauer Karl Fuldnec von hier, wollte sich heute morgen mit seinem Fuhrwerk in das Feld begeben. Bei dem Eisenbahnübergang stieß das Fuhrwerk mit dem Zuge zusammen, der 9.17 von Gundheim hier eintrifft. Fuldner wurde nicht unerheblich verletzt. Außer schweren Hautabschürfungen erlitt er einen Unterschenkelbruch am linken Beine und einen Rippenbruch. Das Pferd wurde auch in Mitleidenschaft gezogen. Alzey, 29. Okt. Bei ber heutigen S tadtveror b- n etenwa hl wurden die Kandidaten beS vereinigten Frei- innS und der Sozialdemokratie, Reallehrer Bumann, Maschinenfabrikant Friedrich Wald, Oekonom Lubw. Stramm 1., Maurer Gruber und Zimmermann Lücke! gegen bie Liste bes unparteiischen Bürgerausschusses gewählt. Die Gewählten erhielten burchschnittlich eine Mehrheit von 450 Stimmen. AuSgeschieben waren 3 Nationalliberale, 1 Zentrumsmann unb 1 Sozialbemokrat; von ersteren hatte Justizrat Calman eine Wiederwahl abgelehnt. Lustschisfahrt. Vergeblicher Fernflug. Brüssel, 29. Okt. Oer Flieger Mahieu ist von Braine-le-Comte um 7 Uhr 15 Min. auf dem Flugfeld Ettecbeck eingetroffen. Mahieu scheidet aus ber K on kurrenz um den leberlandflug Paris-Brüssel aus, ba seine Maschine de- chädigt würbe. P. 6. Kiel, 29. «Okt. Parseval 6, ber 11.15 Uhr in Bor- ) esholm aus gestiegen mar, landete hier um 113/* uh^ Es finden bis auf weiteres tätlich Fahrten statt. Der neue Parsevalballon. Bitterfeld, 29. Okt. Der neue Lenkballon „Parseval 7" machte heute nachmittag seine erste Probefahrt; dabei ist die Kuppelung der Hinteren Bentilatorwelle gebrochen. Der Mon teur wurde an der Hand sch wer verletzt. „Clement Bagard" an England verkauft. London, 29. Okt. Wie die Blätter melden, ist das Luft- 'chiff „Clement Bagard" für die englische Armee um 18 000 Pfund angekauft worden. Tas Kriegsministerium zahlt 12500 Pfund, ber Rest soll durch freiwillige Spenden aufgebracht werden Die Länge des Ballons beträgt 251 Fuß, er faßt 247 000 Knbikfuß Gas, der Turchschnitt an der dicksten Stelle ist 44 Fuß und 4 Zoll, die Länge der Gondel beträgt 147i/s Fuß und ber Motor entwickelt 240 Pferbekräfte. Die Länge der Schrauben beträgt 19 Fuß und 8 Zoll. Die Form des Lustschifses ist bar eines Fisches ähnlich, die dickste Stelle ist dicht an der Spitze. Innerhalb der Hülle befinden sich zwei für die Aufnahme bed Gases bestimmte Ballons, die einzeln gefüllt werden können. Tas Luftschiff soll in ber Lage sein, eine Höhe von 6500 Fuß zu erreichen und 744 Meilen zu fahren, ohne wieder neues Heizmaterialaufnehmen zu müssen. Die Red. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf bet Witterung feit gestern früh: Flache Teilties^ haben gestern allenthalben starke Niederschläge gebracht. Bei östlichem Wurde herrschte heute überall dichter Nebel. Ta bei ZSland eine neue intensive Zyklone erschienen ist und ostwärts vordringt, wird das trübe regnerische Wetter anhalten. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag dem 1. November 1910: Niederschläge, östliche, später südöstliche Wmde, Temperatur wenig verändert^ Kieme kios^™ Türk. Tabak.& Clflar*H*n.Fahrll# A P RXkmA hka«Jan Man verlange Preisliste. 9 Letzte Nachrichten. Die entscheidende Sonntagfitznng der französischen Kammer. Paris, 30. Ott Die Nachmittagssitzung der Depu- liertenkammer wurde in Gegenwart sämtlicher Minister bei üb erfüllten Tribünen eröffnet Kammerpräsident Brisson verlaß mehrere Tagesordnungen; biejenige, welche Raynaud namens der demokratischen Linken einbrachte und welche der Regierung das Vertrauen ausspricht, sand besonderen Beifall. La n dr y (unabhängiger Sozialist) billigte die gestrigen Worte Briands. Dalimier (sozialistischer Radikaler) erklärte, sich nicht aus Briands Standpunkt stellen zu können. Briand betonte, der Lärm habe ihn gestern gehindert, seine Gedanke:! vollständig ^ur Kenntnis §u bringen. Heute, nachdem ich ernsten Ereignissen gegenübergestan- dcn, die ich nicht voraussehen konnte und angesichts deren die Regierung nicht aufgehört hat, ihren Willen zur Gerechtigkeit für alle zu bekunden, trete ich, nachdem trie Ordnung auf der Straße wiederhergestellt, vor Sie, ohne die Schranken der Gesetzlichkeit überschritten zu haben, ohne einen Tropfen Blut an den Händen und bitte Sie um Vertrauen. Verweigern Sie es, so wird der „Diktator" sich! beugen. Wollen Sie ihn aber stürzen, dann tun Sie es am hellen Tage. Die Deputierlenkammer hat die von der Regierung bekämpfte einfache Tagesordnung mit 384 gegen 155 Stimmen abgelehnt Guesde (Sozialist) forderte sodann die Kammer auf, das Werk heilsamer Gerechtigkeit zu vollenden und den Ministerpräsidenten in den Anklaaezustaud Zu versetzen. Seine in diesem Sinne gehauene Tagesordnung wurde mit 503 gegen 75 Stimmen abgelehnt. Hierauf bat Briand, über die Tagesordnung Raynauds abzustimmen und stellte die Vertrauensfrage hinsichtlich ihrer Priorität. Der Gegenantrag zugunsten einer Tagesordnung Ernest Hchchus, in welcher die Regierung aufgefordert wird, sich mit der Wiederanstellung der abgesetzten Ersenbahnangestellten zu beschäftigen, wurde mit 373 gegen 103 Stimmen abgelehnt Nach längerer Aussprache wurde die gesamte Vertrauen s ta g esor d nu ng für die Regierung mit 388 gegen 94 Stimmen angenommen. Die nächste Sitzung findet Donnerstag statt. Paris, 31. Okt Der Ministerpräsident wird sich morgen zur Erholung au fsLand begeben. Am Mittwoch findet eine Sitzung des Ministerrats statt, in der öer Nachfolger des Ackerbauministers Ruau ernannt wird. Ferner wird sich der Ministerrat mit den Fragen befassen, Die im Verlaufe der Jnterpellationsdebatte anaeregt wurden. Um 6 Uhr abends wurden bei der Pont oe lae Con- eorde etwa 15 Mitglieder der Liga Action Fran^aise und auf dem Boulevard de la Madeleine ungefähr 10 andere Personen wegen aufrührerischer Rufe verhaftet. Vom Gordon-Bennet-Fliegen. B e l m o n t p a r k, 30. Okt. Bei Beginn des gestrigen Wettfliegens um den Gordon- Ben net-Po tut fuhr Leblanc gegen einen Pfosten und zerschmetterte sein Flugzeug. Leblanc ist unerheblich verletzt. BrokkinS stürzte ab; er ist s ch m e r v e r w u n d e t. Moissant wurde von den: Winde aus der Bahn getrieben. Graham White ist Sieger geblieben. Die Windstärke betrug zunächst 20 Meilen die Stunde. Belmontpark, 31. Okt. Die Teilnehmer an der Flugwoche de LessepS, Grahani White und Moisant flogen heute über Brooklyn hinweg nach der Freiheitsstatue und dem Hafen New-Iorks, umkreisten diese und kehrten auf demselben sechzehnzweidrittel Meilen langem Wege hierher zurück, de Lesseps brauchte 44 Minuten 56 Sekunden, Graham White 35 Minuten 21 Sekunden, Moisant 34 Min. 38 Sekunden. • Abuschir, 31. Okt. (Bureau Reuter.) Der englische Kreuzer Fox landete in dem Hafenort Lingeh am persischen Golf 100 Mann, da ein benachbarter Stamm von 3000 Manu Stärke einen Plünderungszug gegen den Ort beabsichtigt und die Ortsbehörden Msahtg sind, die Fremden zu schützen. Todes-Anzeige. Tiefbetrübt teilen mir Verwandten, Freunden und Bekannten mit, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater und Onkel Wilhelm Jnderthal IV. im 67. Lebensjahre heute nacht naw kurzem, schwerem Leiden verschieden ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Rödgen, 30. Oktober 1910. Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag um 2 Uhr vom Sterbehause aus statt. (6025 Löwengasse 20. Oaunen-Deckbetten mit guten, grauen Daunen reichlich gefüllt, Stück 21 Mk. Feder-Deckbetten Stück 13.50 Mk. 15.50 Mk. 18.50 Mk. 21.50 Mk. u. s. w. Feder-Kissen Stück 4.75 Mk. 5.50 Mk. 6.25 Mk. 8 Mk. u. f. w. C. Röhr & Co. Bahnhofstrasse 44 Bahnhofstrasse 44 Mitglied der Rabatt-Spar-Vereinigung. 5246 Ziehung am 8 u. 9. Novbr. 1910 5 Gothaer eld-Lotterio du Rsnnvsreltis für MitleldeuUcblauu 3337 Geldgewinne u. 1 Prämie zusammen -50000 °U"25000 ä. 15000 10000 .hs 5000 : Los 1 M., Porto und Liste 20 Pf. extra, 5 Lose einschl. Porto und Liste nur 5 Mn auch gegen Nachnahme, empfiehlt Carl Heintze, Strassburg Els., Goldsohmledgasse und alle Lothandiungen. [5935] Zu vermieten V ! ________________- •' Neuzeit! eingerichtete 4-Zimm- Wohnung, Ecke Asterweg u. Stein- strahe, zu vermieten. 14764 Näheres bei Carl Stückrath, Seltersweg 38. Bismrckstratze 14. 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