9lt. 49 Zweites Blatt 16V. Jahrgang Montag 28. Februar 1910 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener Kamilienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Lreirblatt für den Hreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 3eit-- sragen" erscheinen monatlich zweimal. Scheer Anzeiger Eeneral-Anzeiger für Cberhessen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e=a©51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Lin kritischer Tag für England. Am heutigen Montag, wo das englische Parlament nach seiner kurzen Vertagung wieder Zusammentritt, wird es sich entscheiden, r$b das liberale Kabinett Asquith am Ruder bleibt oder stürzt, nnb zwar nicht wegen des Widerstandes der Konservativen gegen sein Budget, seine Finanzbill und die Reform des Oberhauses, sondern wegen der Forderungen, die irische Nationalisten und Arbeitsparteiler stellen, mtb die Asquith sich bisher weigerte, zu erfüllen. Um dieses zu verstehen, muß man sich klarmachen, daß die Liberalen nach den jüngsten Wahlen gegenüber den Konservativen im Unterhausc nur eine Majorität von einer Stimme besitzen, also auf die Unterstützung der 82 irischen Nationalisten und 11 Arbeiterpartei!er durchaus angewiesen sind, die sich diese Lage baut auch zunutze machten und schon vor Beginn der eigentlichen Parlamentssession forderten, daß die Reform des Oberhauses, die nach ihrer Ansicht in einer Abschaffung des Vetorechts der Lords überhaupt gipfeln müßte, v o r dem Budget im Unter- Hause Mr Beratung gestellt werden sollte. Beide Parteien, ja, sogar der linke Flügel der eigentlichen Liberalen selbst, hat nun die *ja Freilich gerade in, dieser Frage recht unklare Thronrede vom 21. Februar aufs äußerste enttäuscht, und ein Sturm gegen Asquith war um so unausbleiblicher, als dieser — das mußte er bei der Besprechung zugeben — gar nicht die königlichen Garan- tieen für die Oberhausbill in der Tasche hatte, wie er, wenn auch frt zweideutigen Worten, während der Wahlkampagne sich geäußert hatte. So war die Lage des Kabinetts Asquith von vornherein eine recht prekäre. Zwar erklärte Asquith sich bereit, während der Budgetberatung eine Reihe von Entschließungen über die Reform des Oberhauses fassen zu lassen: an die eigentliche Vetorechtsfrage aber wollte er erst nach Verabschiedung des Budgets etwa Mitte April herantreten. Ein solches Entgegenkommen genügte aber den Führern der irischen Nationalisten und der Arbeiterpartei, Redmond und Barnes, nicht. Sie bestanden vielmehr auf ihrem Willen und setzten Asquith und die Liberalen dadurch in die größte Verlegenheit, daß sie bei der Abstimmung über das Schutzzollamendement Austin Chamberlains sich der Stimme enthielten, das bemgemäfc nur mit« ganzen 31 Stimmen abgelehnt wurde. So war schon am Donnerstag die Lage des Kabinetts Asquith äußerst bedenklich geworden. Wohl wurde am Freitag ein zweites Amendement zur Adresse an die Thronrede, betreffend Einführung von Schutzzöllen, mit 228 gegen 154 Stimmen abgelehnt, aber die Schwierigkeiten der liberalen Regierung luaren darum nicht gehoben. Denn erstens hatten die Lords inzwischen eine Gegenaktion unter Lord Rosebery eingeleitet, um durch Einbringung eines eigenen Antrags auf Reform des Oberhauses den liberalen Vorstoß zu parieren; zweitens aber zeigte es sich, daß, ganz abgesehen von der liberalen Partei, im Schoße der Regierung selbst Meinungsverschiedenheiten vorhanden waren über Art und Maß des ja nunmehr als unumgänglich nottoenbig anerkannten Entgegenkommens gegenüber Nationalisten und Arbeiterparteilern. So konnten am Freitag allen Ernstes Gerüchte auftauchen, daß das Kabinett Asquith regierungsmüde fei; das einzige, was es vorläufig noch, d. h. bis zur Ausschreibung von Neuwahlen und bis zum Zusammentritt des neuen Unterhauses am Ruder hielt, war die Erwägung, daß ein konservatives Ministerium Balfour sich schwerlich angesichts der Minorität der Konservativen und vor allem angesichts einer infolge der Nichtannahme des Budgets völlig ungesicherten Finanzlage jetzt zur Uebernahme ber Regierung entschlossen hätte. Asquith will, wie es heißt, gelegentlich seiner Steuerbewilli- gungsacklräge am Montag über die Vetoentschließungen Erklärungen abgeben und diese unmittelbar nach der Bewilligung ber Steuern zur Beratung stellen. Zwar sollen aus zeitlichen Gründen diese Entschließungen noch nicht die Vetobill selbst enthalten, aber sie sollen inhaltlich weit über den Rahmen der Campbell-Banner- man'schen Anträge hinausgehen. Dabei wird aber nicht nach Rosebery'schem Muster an eine Reform des Oberhauses bezüglich seiner Zusammensetzung gedacht, sonbern es ist tatsächlich die Abschaffung des Vetorechtes des Oberhauses unter gewissen Bedingungen, mit der sich diese Enschließungen beschäftigen sollen. Dem radikalen Flügel der Liberalen aber, ber ihn seit ber Parlamentseröffnung mit Mißtrauen verfolgt, will Asquith durch eine Umbildung seines Kabinetts nach der in der Vetofrage entschiedenen Stufung entgegenkommen. Asquith hat also seinen bisherigen Standpunkt, daß es vor Bewilligung ber Steuergesetze und des auf ihnen fußenden Budgets verfrüht sei, sich mit der Oberhausfrage zu beschäftigen, verlassen: er hat sich zur Bejahung der Abschaffung des Vetos, vielleicht unter irgendwelchen Bedingungen, entschlossen und will Bubgetfrage unb Vetofrage im Unterhause gleichzeitig, behandeln lassen, wenn auch natürlich zufolge ihres in die ganzen staatsrechtlichen Verhältnisse Englands eingreifenden Charakters die Vetobill ihre endgültige Erledigung erst nach den Steuergesetzen und dem Budget finden kann. Ob Iren unb Arbeiterparteiler sich mit ber Festlegung des Asquith'schen Standpunkts in der Oberhausfrage gleichzeitig mit seinen Steuererklärungen zuffieden geben werden, ist überaus fraglich. Versteifen sie sich auf ihren Standpunkt: erst Veto, dann Budget, und genügen ihnen die Erklärungen Asquiths hinsichtlich der Oberhausfrage nicht, so werden sie zweifellos Steuern und Budget ablehnen und damit nach den parlamentarischen Grundsätzen Englands das Kabinett Asquith zu Fall bringen. Enthalten sie sich ihrer Stimme, so ist zwar, vorausgesetzt das; alle 274 Liberalen zur Stelle sind, dem Kabinett Asquith der Sieg sicher, aber es merkt doch, daß es heute auf die Unterstützung der ungekrönten Könige Englands, Redmond und Barnes, durchaus angewiesen ist, wenn es nicht gegenüber irischen Nationalisten unb englischen Sozialisten konservative Unterstützung annehmen will. Ob Balfour ihm diese gewährt? Die Konservativen haben augenblicklich in Anbetracht der parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse und ber budgetlosen Finanzwirtschaft Englands keine Lust, an die Stelle ber Liberalen zu treten. Und wenn sie, oder die Nationalisten und die Arbeiterpartei das liberale Budget einschließlich der Steuergesetze bewilligen sollten, so geben sie damit dem Kabinett Asquith nur eine Gnadenfrist, um später, also etwa Mitte April, wenn die Vetofrage in allen ihren Einzelheiten zur Erörterung steht, mit ihnen Deutsch zu sprechen. Das Kabinett Asquith ist, wenn es nicht die Ansprüche, namentlich ber Iren — die Arbeiterpartei scheint nicht aufs Ganze gehen zu wollen — voll erfüllt, im Absterben begriffen. London, 26. Febr. Der heutige Mini st errat dauerte drei Stunden. Später verließ Asquith London, wohin er am Montag zurückkehren wird. London, 26. Febr. Premierminister Asquith hatte heute vormittag eine halbstündige Audienz beim König; im Anschlüsse daran fand in Downing Street ein Ministerrat statt. Die Balancierung des hessischen Staatsbudgets für lM. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Tie überaus schwierige, aber dankenswerte Aufgabe, den hessischen Steuerzahler vor einer übergroßen Steuererhöhung zu bewahren, ist den gemeinsamen Beratungen der beiden Finanzausschüsse glücklich gelungen und, wie schon in der Samstags-Nummer des Gieß. Anz. angedeutet, die Erhebung einer um 15 Prozent erhöhten Einkommensteuer, sowie einer von 75 auf 95 Pfennig für je 1000 Mark erhöhtes Vermögens steuer beschlossen worden. Es wird nicht uninteressant sein, zu vernehmen, auf welche Weise es gelungen ist/ den anfänglichen Fehlbetrag von rund 5 Millionen Mcark im Staatsbudget so bedeutend zu ermäßigen, daß mit den erwähnten Steuererhöhungen nicht nur das Gleichgewicht hergestellt, sondern auch noch ein stattlicher Ueberschuß in Reserve gehalten werden kamt. Durch die von beiden Ausschüssen beschlossene Verschiebung befc Schuldentilgung, für welche der Finanzminister 1710 000 Mark in den Haushalt als Ausgabe eingestellt hatte, ist dieser Betrag für die Verwendung zu allgemeinen Staatszwecken frei geworden und somit der rechnerische Fehlbetrag von 4 975 214 Mark auf 3 265 214 Dtark reduziert worden. Es sind alsdann als Mehrertrag an direkten Steuern, was auch von der Regierung in dem Exposee über die Stellungnahme der ersten Kammer aus« drücklich für zulässig erklärt mürbe, 200 000 Mark mehr in Einnahme gestellt und die zu erw'artenden Eisenbahneinnahmen ton, 12 Millionen analog der .Schätzung des hessischen Anteils im preußischen Etat auf 12 650 000 Mark erhöht worden, wovon jeboch ein Betrag von 300 000 Mark für die gesetzlich feftgdegte Tilgung ber Eisenbahnschuld der hessischen Ludwigsbcchn wieder in Ausgabe gestellt worden ist. Des £3eiteren haben die Ausschüsse die Regierungsvorlage angenommen, irach welcher die Kosten der. zweiten Justifakatur der Oberrechnnngskammer für die Prüfung! der nicht staatlichen Rechnungen durch eine von den Gemeinden usw. zu erhebenden Gebühr wieder eingebracht und dafür ein Betrag von rund 154 000 Mark als Einnahme eingesetzt werden konnte. Ferner hatte der Ausschuß der Zweiten Kummer bereits vor der gemeinsamen Beratung rund 150 000 Mark Ersparnis durch die schon im einzelnen mitgeteilten Abstriche erzielt. In den Ausgaben konnten infolge der Nichtbewilligung der vom Finanzministev angeforderten Steuererhöhungen ein auf 300 000 Mark bemessener Betrag für Steuerausfälle gestrichen werden (bei den neuen Steueransätzen sind bereits die Nettoerträge eingestellt worden). Hierauf ergibt sich eine Gesamtersparnis von 1150 000 Mark, wodurch! der Fehlbetrag auf 2115214 Mark zusammen^ schmilzt, die durch Steuererhöhung zu decken bleiben. Ter Ertrag der beschlossenen 15 Prozent Einkommensteuererhöhung unb- der Vermögenssteuer um 20 Pfennig für je 1000 Mark ist nun von der Regierung auf etwa 2 510 000 Mark berechnet worden und es ergibt sich danach beim Abschluß des Blichgets für 1910 ein Ueberschuß von rund 400000 Mark. Es War nun! zuerst im Ausschuß die Anregung gegeben worden, diese Summo zur Bewilligung von Teuerungszulagen für die unterem Beamtenkategvrien zu verwenden, doch kam man schließlich davon wieder ab, da diese Teuerungszulagen doch nur sehr minimal hätten bemessen werden können und auch eine gerechte Verteilung sehr- schwierig gewesen wäre. Zudem war zu bedenken, daß im nächstem Jahr mit einem Ausfall des Anteils an der Reichserbschaftssteuer int Betrage von 550 000 Mark gerechnet werden muß und bei Eröffnung der neuen Irrenanstalt inGießen weitere 150 000 Mark erforderlich Werden. Der Ausschuß hielt es deshalb für geboten, die 400 000 Mark Ueberschuß zur teilweisen Deckung dieser Mehransorderungen für 1911 in Reserve, zu halten. Es wäre somit bei Bewilligung einer auch nur einigermaßen befriedigendem Verbesserung der Beamtengehälter absolut notwendig gewesen, die, jetzt festgesetzte Steuererhöhung von 15 Prozent noch wesentlich hinaufzuschrauben und dafür glaubte der Ausschuß angesichts der immer noch recht ungünstigen Lage ber allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse die Verantwortung nicht auf sich nehmen zu können. Die Befriedigung der berechtigten Forderungen der Beamten unb' Lehrer soll daher auf bessere Zeiten verschoben Werden. 21 us Stadt und Land. Gießen, 28. Februar 1910. Alkoholmißbrauch und Trinkerheilstätte. Die Bestrebungen zur Schaffung von Wohlfahrtseinrichtungen im Kampfe gegen den Alkoholmißbrauch und das Trinkerelend werden häufig noch nicht in ihrer Bedeutung erkannt und bewertet. Nur langsam bricht sich die UeberFeugung Bahn, daß auf der schiefen Ebene des Alloholismus eine ganz unschätzbare Menge von Volkskraft verloren geht. Man braucht dabei noch nicht einmal daran zu denken, daß nahezu die Hälfte aller Verbrechen und Vergehen auf die unmittelbaren oder mittelbaren Wirkungen des Alkohols Aurückzuführen find, und daß ein hoher Prozentsatz der Insassen unserer Irrenhäuser den eigenen oder den Alkoholmißbrauch ihrer Voreltern durch unheilbare geistige Leiden büßen. Wie oft wird nicht auch sonst die Gesundheit des einzelnen, seine geistige und körperliche Hans Sachs in Sao Nauheim. Mit vier Schwänken des alten guten Meistersingers von Nürnberg verabschiedete sich am 26. Februar das Rhein-Mainische Verbandstheater für diese Wintersaison von Bad Nauheim. Und es war ein passender und wirksamer Abschluß. Passend: denn der ganze Sinn dieser Verbandstheater-Einnch- tung kann nicht besser getroffen werden, als durch das, was Hans Sachs mit seinen Stücken feinem Volke hat geben wollen: Belehrung und Erziehung, Stoff znm ernsten Nachdenken bei aller derben Komik, bei aller bunten Handlung. Wirksam: denn die Handlung und der Sinn dieser Fastnachts- schwänke ist so anschaulich und einleuchtend, so kurz und bündig, daß der einfachste Mann aus dem Volk alles daran bequem in sich aufnehmen kann. Der literarisch Gebildete aber wird sie mit historischem Verständnis als lehrreiche Verkörperung einer wichtigen Epoche deutschen Dichtens würdigen. Und aus alle in gleicher Weise wird unmittelbar der aus reicher Welt- und Menschenkenntnis hervorsprudelnde Humor wirken, der seinen ethischen Wert wie seine Durchschlagskraft nie verlieren wird, solange die Menschen mit ihren großen und kleinen Schwächen, mit ihrer Habsucht, Eitelkeit, Neugier, Schwatzhaftigkeit usw. Menschen bleiben werden. r Oft ist dieser Humor derb, sehr derb sogar — aber niemals gleißnerisch-schlüpfrig, niemals verführerisch. Immer gesund, wie kräftiges Bauernbrot und frische Luft. In „Gottes verborgenen Gerichten" zeigt der Engel dem Eremiten, wie selbst in niedrigen, ja entsetzlichen Taten weise Absichten Gottes sich erfüllen. In rührend naiver Form zieht der alte Einsiedler die Konsequenz, daß er sich von nun an still in das über alles menschliche Denkern so erhabene Weltregiment fügen werde. Schließlich — was kann der gelehrteste Forscher anderes tun? „Untreue schlägt ihren eigenen Herrn". Eitel Undank erntet der reiche Kaufmann, der noch zu seinen Lebzeiten seine ganze Habe unter die Söhne verteilt. Er wird erbärmlich behandelt, bis et ihnen etwas vormacht von einem Schatz, den derjenige erbeit solle, der den Vater am liebreichsten pflege. Nach seinem Tode finden die Habgierigen in der geheimnisvollen, heißumstrittenen Truhe — ein Häuflein Sand und Kies. Dem „Doktor mit der langen Nase" gegenüber versucht der Narr immer wieder vergeblich die rechten sckwnenden Worte zu finden, bis er endlich einsieht, daß es in solchem Falle am besten ift, gar nichts zu sagen. Und endlich der Streit um den „Krämerskorb", an dessen bloßer Erzählung sich dann der zwischen dem Junker und seiner zärtlich geliebten jungen Frau, und auch noch der zwischen dem Knecht und der Köchin entzündet, weil es in allen drei Fällen keine Partei mit ihrer Ehre vereinbar glaubt, auch einmal nachzugeben. Hans Sachs war für seine Zeit ein sehr belesener, ein gebildeter Mann, denn da wurde die Bildung noch nicht nach Berechtigungsscheinen bemeffen. Wir staunen, wenn wir von ihm hören, wie er außer den deutschen Volksbüchern theologische Streitschriften und Ueberfcfcungen lateinischer oder italienischer Literatur in seiner Bücherei hatte. Aber mehr wie aus den Büchern sind ihm die Stoffe zu solchen trefflichen Genrebildchen gewiß aus dem Leben zugeftossen, aus seinen jungen Wanderjahren, die ihn weit herum- führten, bis an den Kaiserhof in Wien, und wohl am allermeisten aus dem, was er in seinen reiferen fJahren in seiner heimat- städtischen Umgebung sah und hörte. Man kann ihn sich noch ordentlich vorstellen, wie er vergnüglich schmunzelnd Teil nahm an all den kleinen, an sich flo unscheinbaren Alltagserlebnissen seiner bürgerlichen Umgebung und wie er kraft seiner wundervollen! ^Begabung aus ihnen fallen den Honig seines fröhlich spottenden Humors sog. Ich bin früher wiederholt mit dem Gießener studentischen Dürerbund aufs Land hinausgezogen und da haben wir mit überall gleichem, großem Erfolg Hans Sachsens Schwänke aufgeführt. Hier sahen wir sie nun von Berufsschauspielern dar- gestellt. Und ich muß sagen: Man lernte daraus, daß diese Stücke es wirklich wert sind, daß rechte Künstler sich ihrer annehmen. Gar mancher Scherz, gar manche Feinheit kann durch sie noch herausgeholt werden. Und das Publikum zeigte alles Verständnis dafür. Bei manchen Szenen wollte das fröhliche Gelächter überhaupt nicht wieder abreißen. Und weiter konnte man sehen, wie viel der große Künstler mit wenigem äußeren Apparat zu wirken versteht. Wie willig gab sich das Publikum der künstlerischen Illusion hin, wenn durch dreimaliges Klopfen ein Aktschluß verkündet und durch einen 'in entsprechend primitiver Art vertretenden) Schauspieler der neue Ort der Handlung vermeldet oder manchmal auch gar durch Versetzen einer Bank oder eines Tisches angedeutet wurde. Tas Publikum ließ dem köstlichen Humor zu Heb, seine Phantasie bereitwilligst bald hierhin, bald dorthin kommandieren. Ja, unser Publikum! Dasjenige, für das eigentlich Hans Sachs geschrieben hat unb das Rhein-Mqinische Verbandstheater unter großen Schwierigkeiten und Opfern der Beteiligten ins Leben gerufen worden ist, das war auch diesmal wieder nicht da. Leer gähnen einen immer wieder die Stühle der billigen Sitz-' reihen an. Wo steckt dieses Pttblikum? In einem anderen Wandertheater gewöhnlicher Art, da kann man die Leute finden: da wird ihnen in mangelhafter Ausstattung und mit noch mangelhafterer gesanglicher Darbietung — die „lustige Witwe" geboten! Män denkt an Schillers Auffassung der Schaubühne als moralischer Anstalt. Man denkt!a'n den treuherzigen, ftöhlichen gefunben Hans Sachs. Und man sieht, wie weit unser Volk zum großen Teil von der Richtung abgekommen ist, die wahre Künstler ihm gerne weisen möchten. Dr. Strecker. Hk. E i n st einzeitliches Götterbild. Aus dem seit Jahrzehnten als Fundort vorgeschichtlicher Altertümer bekannten Gelände von O 11 i tz bei Natibor wurden in diesem Jahre :«etaf das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und Alter^.iner in Breslau unter Leitung von Johannes Richter umfaKgretche Ausgrabungen vorgenonunen, die 15 H ü 11 e n p l ä tz e der Steinzeit treilegteii. 91 ad) der „Umschau" ist unter den zahlreichen Fundstücken das interestanteste ein nacktes, weibliches, aus Ton geformtes Götterbild von 10 em Höhe. Mit seinem 4000jährigen Alter ist es d i e ä 11 e ft e f i g ü r l i ch e D a r st e l l u n g des mensch- l i ch e n K ö r p e r §, die bisher aus Deutsck)land bekannt geworden ist. Leider ist es nicht oollstäudig. Figuren ähnlichen Typus kennt man aus den neusteinzeitlichen Ansiedlungen von Blutmir bei Serajewo, an5 Jablomea und aus verschiedenen Orten Ungarns Galiziens bis nach Krakau hin. Eine zweite Gruppe saldier Idole findet sich in prämpkemschen Gräbern Griechenlands, der Zykladen und Aegyptens. Welche Fundgrube ältere Bildnisse enthält, blieb bisher unentschieden. Es ist wahrscheinlich, daß man mit der Omner Figur eine mütterliche Nalurgottheit darstellen wollte, eine Herrin der Erde, die ihr Fruchtbarkeit verlieh und die Toten in ihrem Schoße aufnahm. — Die italienische geographische GeseNschafr verteilte ihre Preise für 1909. Die goldene Medaille erhielten S h a ck l e t o n und P e a r y. B e r 1l c t, der Peary bis zum 88. Breitengrad begleitete, erhielt die silberne Medaille, der H erzog d e r A b r u z z e u für die Erforschung des Korakorumgebirges eine silberne Plakette und seine Begleiter erhielten eine silberne Medaille. Die Gesellschaft ernannte außerdem verschiedene Ehrenmitglieder, unter diesen Norden skjoeld. sich der Fackelzug wieder zurück nach der Wirtschaft Weber, wo der Wahltag Evangelische Lie. Bräunlich aus Halle a. d. S. über brennende Pfarrer- Fragen erklärt hos b. Gießen in den Räumen des Werkbureans abgehaller mcinbe vergessen werde. Hiernach bewegte HandeU th. Gewerkschaft Gießener Braunsteinberg werke, vor m. Fernie. In der am Samstag auf dem Ober Der Eintritt ist frei. Nidda, ‘26. Fcbr. Gestern abend hielt dec Verein Fragen der cvang. Kirche. Für musikalische Darbietungen zu sorgen, haben sich in beiden Gemeinden Gesangvereine bereit VoIk 8 abende werden am Montag, 28. d. M., in der evang. Kirche zu Allen darf a. d. !2da. und am Dienstag, 1. März, m der hiesigen Kirche stattfinden. Auf beiden Beran- ftaltungen spricht der Generalsekretär des Evang. Bundes, ** Hand w e rkerschulkommission. Ani Sams-- tag, 23) April, nachmittags 3 Uhr, beabsichtigt die Zentralstelle für d ie Gewerbe eine Versammlung der Direktoren und Leiter der gewerblichen Unterrichtsanstalten, sowie der Mitglieder der Handiverker- schul-Kommisjion im Gebäude der Landesbaugewerlschule zu Darmstadt abzuhalten, verbunden mit einer Ausstellung von Schiilerarbeiten mit anschließender Besprechung. ** Turnkursus. Vom 21. März bis 9. April findet an der Großh. Turnlehrerbildungsanstalt zu Darmstadt wieder ein Turnkursus statt, der in erster Linie dazu bestimmt ist, Handarbeitslehrerinnen und Leiterinnen an Frauenabteilungen Gelegenheit zu bieten, sich mit dem Mädchenturnen vertraut zu machen. ** Besitzw echsel. Das Anwesen Neustadt 30, Ecke der Sandgasie, dem Zigarrenhändler PH. Mootz gehörig, ging für 32 000 Mk. zu Lasten des Stadterweiterungsfonds m den Besitz der Stadt über, die damit den Schlüssel zur Verbesserung der Verhältnisse in der Sandgasie erworben hat. — Leider harrt immer noch das halbe Haus Neustadt 9t r. 16, die neueste Kracheburg in jenem Straßenzug, des Ankaufs durch die Stadi. Der Fremde und der Einheimische schüttelt den Kopf, daß die Nachbarschaft sich die Verwahrlosung des Hauses ruhig gefallen lassen muß. ES wäre endlich an der Zeit, daß das Haus, das Schmerzenskind des ganzen Stadtteils, von der Bildfläche verschwände und dadurch besiere Straßenverhältnisse geschaffen würden. ** U e b c r deutsch-evangelische Rcttungs- «arbeit in den ö st erreichischen Karpathen- tän der n wird am Mittwoch, 2. Mürz, Pfarrer Z ö ck l er aus Stanislav in Galizien, ein Sohn des bekannten Theologieprofessors, . im K'onfirmandensaal oer Johannesge- meinde sprechen. Ter Redner steht seit einer Reihe von Jahren in der Arbeit unter den gleichzeitig in ihrem Glauben und in ihrem Deutschtum bedrohten evangelischen Deutschen Galiziens, und so wird sein Vortrag nicht nur vom evangelischen sondern auch vom deutsch-nationalen Gesichtspunkte aiis von großem Interesse sein. th. Leihgestern, 27. Febr. Anfang Februar wurde in einer stein zeitlichen Niederlassung am Südende unseres Ortes beim Äusschachten resp. beim Fnirdarnenlieren eines Hauses ein neolithisches Grab angeschnitten, in dem -ein vollständig erhaltenes Skelett ruhte (Hockergrab), das Wohl 5000 Jahre alt sein mag. In der Umgebung der Be- .ftattung fanoen sich Tiertnochen, Gefäßteile und ein Steinbeil. Das Grab wurde, wie schon frühere interessante Funde, von dem Besitzer des Grund und Bodens, Ehr. Faber, als .Geschenk dem Gießener Museum überwiesen. -st Reiskirchen, 27. Febc. Kommenden Monat findet hier Bürgermeisterwahl statt. Die Wählerliste liegt bereits zur Einsicht offen. Wie man hört, sollen außer dem seitherigen Bürgermeister noch drei Kandidaten aufgestellt sein. --- Kesselbach, 26. Febr. Heute fand die Wahl unseres Bürgermeisters statt. Von den beiden Kandidaten, Landwirt Kaspar Schwalb und Küfermeister Jakob Becker, erhielt der erstere den Sieg mit 54 gegen 36 Stimmen. Von 92 Wählern machten 90 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die siegende Partei (die „Schwarzen") veranstalteten sogleich nach der Wahlverkündigung einen Umzug durch den Ort, *ys^an ritten drei Maskierte. Auch die besiegte Partei (die „Rotett^H ließ sich dies nicht nehmen und bewegte sich ebenfalls gegen Abend geschloffen durch das Dorf. Ein reges Treiben gab'dann m den Wirtschaften. Abends gegen 8 Uhr brachten die Wähler dem neuen Bürgermeister ein Ständchen. Herr Jak. Schomder III. hielt eine kurze, lernhafte Ansprache, worauf Bürgermeister Schwalb dankte und den Wunsch äußerte, daß die Parteilichkeit in der Ge« glieder (334) mitteilte, sowie die Tatsache hcrvorhob, daß 1909 die von dem Stadtvovstaud zum provisorischen Krankenhaus überlassene Kleinlinderschule nunmehr mit verhältnismäßig geringen Kosten eingerichtet sei. Das Haus entyält außer der Wohnung des Hausverwalters .zunächst 2 Zimmer, die teilweise durch Schenkungen, Stiftungen von Betten praktisch eingerichtet sind und schon verschiedentlich mit Kranken belegt waren. Rechner Ruppel trug hierauf die Rechnung vor, die 1664.03 Mk. Einnahme und 1584.12 Mark Ausgabe ergab, worunter sich zugleich ausgeliehene Kapitalien befinden. Der Verein hat zunächst eine Schwester angestellt, die auch stets in Anspruch genommen wird. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder: Vorsitzender Stork, stellv. Vorsitzender Pfarrer Werner, Rechner Ruppel und Sparkasjenrechner Ringshausen wurden wiedergewählt. Ein von Herrn W. Cloos geschenktes wertvolles Bild wird zum Besten des Vereins verlost werden. Durch reichliche Zuwendungen von verschiedenen Seiten ist der Verein in Stand gesetzt, der Bürgerschaft und auch, wenn möglich, der Umgegend ersprießlick) zu dienen. fc. Bad Nauhelm, 27. Febr. Die direkte Zugverbindung vom Rhein: Wiesbaden—Homburg v. d. Höhe—Friedberg—Bad Nauheim über Kastel — Höchst a. M. mit Umgehung Frankfurts wird vom 1. Mai an wieder in gleichem Umfange vorhanden sein wie im vergangenen Jahre vom 1. Mai bis 1. Oktober. Es werden lediglich Eilzüge verkehren, da für Schnellzüge noch kein Bedarf ist. Für gute Anschlüsse an die Züge ist an den Endpunkten gesorgt. Auf die von Jnteresienten gewünschte Einlegung von Personenzügen auf der Strecke glaubte die Eisenbahnverwaltung zunächst nicht eingehen zu sollen, da ein Bedürfnis dafür kaum vorhanden sein dürfte. — Friedberg, 27. Febr. Der landespolizeilich genehmigte Entwurf für die Erweiterung des Bahnhofs Friedberg hat in verschiedenen Teilen eine Abänderung erlitten: Der Güterbahnhof wurde um rund 50 Meter von dem Gräflich Solms-Rödelheimschen Hofgute im Stadtteil Fauerbach nach Sud westen hin abgerückt, jedoch ist an der Gesamtanordnung des Bcchnhofs nach dem ursprünglichen Entwürfe auch in dem neuen Projekte festge- haltcn worden. An einzelnen Stellen, z. B. bei der Loto- motivschuppenanlage, wurden Aenderungen, die sich als notwendig herausstellten, vorgenonimen; weiter ist zur Ersparnis an Erd ar beit en die Höhenlage des Bahnhofs teilweise verändert. Eine wesentliche Veränderung wurde im neuen Entwürfe außerdem hinsichtlich der Weganlagen, die in Fortsetzung der Görbetheimer Hohl bei km 1,8 der Friedberg-Hailauer Bahn die ganzen Bahnanlagen von Nordosten nach Südwesten lreuzeu, vorgenommen. Die geplante Anlage erstreckt sich um 100 Meter Länge auf die Gemarkung Bruchenbrücken, woselbst u. a. die Verschiebung eines bestehenden Seitenwegs und die Herstellung eines Röhrendurchlaftes vorgesehen ist— Die Bürgermeisters des Kreises, in deren Verhinderung die Beigeordneten, werden vom Kreisamt zur Besprechung verschiedener Verwaltungs-Angelegenheiten auf Donnerstag, 3. Mörz, vorm. lly4 Uhr, in den Saal des „Hotel Trapp" in Friedberg cingelabcir Im Anschluß an die Versammlung findet ein gemeinschaftliches Mittagessen statt. l. F r i e d b e r g, 27. Febr. Erhebende Stunden waren es, die den Besuchern der ersten Aufstihrnng der Werning- schen Festspiele am Freitag im Saatbau bereitet wurden. Nahezu 700 Kinder maren aus der Umgebung Friedbergs herbei geströmt. Mit leuchtenden Augen -und lebhaftem Beifall verfolgten sie die Bilder der deutschen Geschichte, die so wahrheitsgetreu an ihrem Auge voruberzogen. Die Königin Luise, chr Gemahl, ihre Kinder, Napoleon I., Theodor Körner, Wilhelm I., Napoleon HL, Bismarck, Mvltke, die Jahre 1813 und 1870 wurden in glänzender Weise wiedcr- gegeben. Die Vorführung war recht dazu angetan, in den Herzen von klein und groß echte Liebe zu Kaiser, Vaterland und Heer zu erweden. Direktor Werning, die veranstaltenden Vereine, die mitiuidenben Damen und Herren Friedbergs, die alle große Opfer bringen, verdienen vielen, herzlichen Tank. d Mainz, 27. Febr. Der Hansabund hielt heute nachmittag im Kvnzcrtsaal der Liedertafel eine eindrucksvolle Kundgebung ab. Der Saal war schon vor Beginn der Versammlung überfüllt. Von Darmstadt, Offenbach, Worms, Wiesbaden, Bingen, Oppenheim und Alzey waren zahlreiche Teilnehmer erschauen. Ter Präsident des Hansabundes, Geheimrat Prof. Dr. Rießer- Berlin sprach in sünfviertelstündiger Rede über die Aufgabe n des Hansabundes. Ter Hansabund sei während der Reichs- sinanzresorm, aber nicht wegen dieser geschaffen worden, die Not, die ihn schuf, wäre nicht eine damals besonders schlechte Lage von Handel und Industrie, sondern die offenkundige Absicht, weder beim Erlaß, noch bei der Ausführung von Gesetzen die dabei beteiligten Kreise zu hören und zu beachten und damit die feste Uederzeugnng, daß sich Deutschlands Handel, Gewerbe und Jn- dustrie aus eigener Kraft die Macht erringen müßten, die zur Schaffung einer ihrer wirtschaftlichen Macht entsprechenden Stellung im Staate erforderlich sei. Tie harte Arbeit von Handel, Gcivcrbc und Industrie, das mobile Kapital, sei. es vor allem gewesen, die Deutschland gestattet habe, die großen Kulturaufgaben zu Wasser und zv, Land durchzuführen. Tie Stellung des er- wcrbstätigen deutschen Bürgers sei trotz seiner kolossalen Steuerbeteiligung geradezu kläglich. So seien Handel, Gewerbe und Industrie im Reichstage nur mit 16 v. H., im preußischen Abgeordnetenhause nur mit 10 v. H. und im Herrenhause, nur mit 2,8 v. H. der Gesamtzahl der Mitglieder vertreten. Der Hansa-- bund erstrebe die Erringung einer gleichberechtigten Stellung im Staat, die Steigerung des Stolzes und des Standesbewußtseürs des erwerbstätigen deutschen Bürgertums. Das deutsche Bürgertum müsse wie ein Mann aufstehen, mit Zweiflern und Kritikern könne man keine Schlachten schlagen, vorwärts marschieren heiße die Losung! Mit nicht endemvollendem Beifall wurde dem Redner gedankt. — Komnrerzienrat Dr. Ortenberger brachte Geheimrat Dr. Rießer zum Dank ein dreifaches Hoch aus. Fabrikant Scholz sprach namens der Industrie, Schreinermeister M a s ch - mann namens des Handwerks, Stadtv. geerbt als Vertreter des Detailhandels, Prokurist Grundmann namens der kaufmännischen Angestellten und Frl. K l o m a n n namens der weiblichen kaufmännischen Angestellten, sie sordertcn alle zum Beitritt in den Hansabund auf. Syitdikus M e e s m a n n sprach der Großh. Regierung den Tank zu ihrer Haltung in der Frage der Schiffahrtsabgaben aus. Zum Schlüsse der Versammlung forderten noch Verwalter Lang und Kommerzienrat S i 11 nt a n n ■ Oppenheim zum Beitritt in den Hansabund auf. — Ter Schiffer Wilh. Sander aus Mühll>eim a. d. Ruhr wollte am Samstag abend auf sein bei Amöneburg vor Anker liegendes Schiff gehen. Als Sander schon die Mitte des Gangbretts erreicht hatte, wurde er von der Gewalt des Sturmes i n d e n R h e i n g e s ch l e u d e r t. Obwohl sofort Hilfe vorhanden war und Sander aus dem Rheine geholt wurde, war der Tod eingeritten, ein Herzschlag hatte ihn gctöleß „Krankenpflege" seine gut besuchte Generalver- .. .... ... _. o..z fallt m lang iin Gasthaus zur Krone ab. Vorsitzender! Gewerkenveriammlung waren 789 Kuxen durch 12 Gewerken nee - 2. t or t gab den Jahresbericht, der eine Zunahme der Mit-1 treten. Nach Erteilung des Rechenschaftsberichts der Berwattung Kraft in einer Weise herabgemindert, daß hierdurch seine geschäftliche und berufliche Existenz gefährdet wird, auch wenn er im übrigen nicht mit der bestehenden sozialen Ordnung in Widerstreit gerät. Hier wirken insbesondere Trinker- Heilstätten segensreich, in denen der Alkoholiker von seiner krankhaften Neigung zum Trünke geheilt werden kann. Eine solche Heilstätte befindet sich seit Anfang b. I. in landsck>aftlich herrlicher Lage am Fuße des Frankensteins, zwischen den Höhen des Odenwalds und der Bergstraße. Umgeben von Wald, Wiesen und Gartenland, in einem von sprudelndem Gebirgswasser durchflossenen Tale, abseits von der großen Verkehrsstraße bietet der Ort bei ärztlicher Leitung und sachkundiger Pflege dem aufgenommenen Krauten die Möglichkeit, seinen meist geschwächten Körper zu kräftigen und sich so zu erholen, daß er nach erlangter Heilung körperlich gesund, geistig fftifch und willensstark dem Leben zurückgegeben werden kann. Anmeldungen zur Aufnahme sind zu richten an die „Heilstätte Burgwald" zu Nieder-Ramftadt bei Darmstadl. Auskunft erteilt auch der Vorsitzende des Bezirksvereins Gießen gegen den Mißbrauch geistiger Getränte. Von besonderem Interesse wird ferner ein Vortrag sein, den im Laufe des nächsten Monats Prof. Dr. Voit hier als hervorragende Autorität auf dem Gebiete der inneren Medizin auf Veranlassung des Bezirks Vereins zu halten die Gute haben wird. Wenn sonst von den in sozialer Beziehung mehr hervortrekenden liebeln des Alkoholmißbrauchs die Rede ist, so wird hier der Hörer den Einfluß des Alkohols auf die inneren Organe des Körpers, insbesondere Herz und Magen, kennen lernen. Tie Erkenntnis der Alkoholwir- lungen auf diesem Gebiete wird ebenfalls den Bestrebungen der Mäßigteitsvereiuc förderlich fein, über die auf der nachfolgenden Hauptversammlung des Bezirksvcreins Gießen berichtet werden wird. * "TageSkalender für Montag, 28. Febr.: Versammlung des Hansabundes abends 81/, Uyr in Steins Gatten. Vortrag von Dr. Moltat aus Siegen: Der Hansabund in seiner Bedeutung für Deutschlands Gewerbe, Handel und Industrie. sein Ende fand. D. Treis a. d. Lda., 26. Febr. durck» den Vorsitzenden des Grubenvorstands, Juftizrat'' G i ü ii. . wald, wurde die den Gewerken bereits zugegangene Jahres- redjming sowie die Bilanz ohne Debatte einstimmig genehmigt. Als Rechnungsprüfer wurde Bonkdirektor Barthelmeß-Düsseldori wieder- und Fabrikant Karl Weiß-Siegen ncugewählt. Ter von Dr. Wüst-(>)obesbcrg bei der Gewerlenversammlung im vergongeneii Jahre gestellte Antrag, wegen Aendcrung des $ 19 des Statins betreffend die Vergümng des Grubenvprstandes, würde zur Debatte gcstellr. Fabrikant Weiß-Sicgen und Bankier Grünewald Gießen stellten den Antrag, in Rücksicht aus die umfassende ,cu raubende Tätigkeit, die die Vorstandsmitglieder im Interesse des Werkes leisten müssen, den betreffenden Paragraph der Statuten dahin abznändern, daß dem Vorhände 5 Prozent von der Ausbeute, mindestens aber statt seither 20000 Mark für die Folge jährlich 30 000 Mark als Renumerarion zufallen. Ter Vorsitzende bemerkt, daß Tr. Wü'sk seinen Anttag s. 31. gestellt hat. uni eine Herabsetzung der Vergütung des Vorstanbes herbeizuführen, daß der Grnbenvorstanb aber hiergegen sich gewehrt haben würbe, weil er ben seitherigen Betrag schon für zn knapp erachtet habe. Bei ber Abstimmung, bei ber die Mitglieder des Grubenvorstanbcs sich für ihre eigenen Kuxe der Stimme enthielten, wurde die Erhöhung ber Rennmeration einstimmig angenommen. Die aus- scheibenben Grubenvorstandsmitglieber Justizrat Grünewalb-Gießen und Ab. Kernpten-Wickerath würben einstimmig wiebergewählt. X Krofdorf, 26. Febr. Tie Brennholz preise sind mich bedeutend herunter gegangen. Während der Raummeter Buckeso>eitlwlz bei ber GemeindenersteigLrung durchschnittlich mit 10 Mark und darüber bezahlt wurde, kostete er am Freitag bei ber herrschaftlichen Versteigerung nur’ bis zu 8 Mark. 'T^merttwrccbmd waren auch Rollscheiter und Reisig weit billiger zu haben. Die Kauflust war sehr rege. LLngssaudt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantworttmg.) In Nummer 42 des Gießener Anzeigers wünscht ein Eingesandt eine Veröffentlichung der Gutachten, die die badischen Oberlehrer über die gemeinschaftliche Erziehung von Knaben» u n b M ä bcbc n erstattet haben. Ter Schreiber dieses kennt diese Gutachten und kann mitteilen, daß dieselben durckraus nicht in dem Maße ungünstig lauten, wie man nach fcnn Eingesandt annehmcn könnte. Es kommt eben darauf an, was man von der gemein- schastlichen Erziehung erwartet. Auch wer sie uichi durchweg einführen will, wird anerkennen müssen, baß cs unter Llmfrinbcn große Vorteile bieten kann, wenn Mädchen ,31ml Besuch ber höheren Knabensckmlen zugelassen werden. Bckonntlich bleibt das Ziel unserer höheren MädchLnschulen hinter dem der Realschulen und Oberrealschulen zurück, der Gymnasien und Realgymnasien gar nicht zu gedenken. Damm wirb man aber nicht die Mädchen von der Bildungsstufe ausschließen wallen, welche auf den höheren Knabenschulen erworben wirb unb bic Grundlage eines erfolgreichen Hochschulbesuches bildet. J-ür einen 95camten, ber in einer kleineren 2habt ohne höhere Viädchenschulc lebt, ist es bringend erwünscht, daß seine Töchter an dem Unterricht der an bem Ort befindlichen höheren Knabenschule teilnehmen können. Sogar für manche Schulen, deren Daseinsberechtigung bisweilen an- gezweifelt wirb (z. B. bic Gymnasien in Lau hach und Bübingen», kann cs wichtig sein, ihre BesuchSziner durch Mädck?eii zu erhöhen. Der Zustrom in bie größeren Städte hat dach bedenkliche Seiten. — Alle diese Vorteile der gemeinschaftlichen Erziehung sind durch, die Gutaästen der badischen Oberlehrer nicht in Frage gestellt worden. Eine gewagte Annahme ist es allerdings gewesen, bic Erfolge darin zu suck-en, baß bie Jungen zum Lernen angespornt unb sittlich geadelt würden. Tarin ist die sogenannte Koedukation, non manchen Anhängern überschätzt worben, unb cS ist begreiflich, daß bic badischen Oberlehrer das Ausbleiben dieser — fast wunder baren — Erfolge feststellen mufften. Als die Summe ber nach den badischen Erfahmugm ausgesprvchamen Meinungen ergibt sich aber, daß die gerneinschafttiche,Erziehung, wo sie angewendct worben, Nachteile nicht gebracht Hal unb darin liegt auf einem Gebiete. welck)es eine so sorgfältige Bchandlimg erfordert, eine große B' deutuug. Meleorologischeveobachtungen Ser Station Sichen. Febr. 191u Barometer auf 0® reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Wind, richtung Windstärke Gerd her Vcuvlkung in ßebntel der sichlb. Himmelafl. Wetter 27 2” 737,3 6,2 3,7 5,7 81 SSW 2 6 Sonnenschein 27. 9“i 741,5 5,2 87 w 2 4 28. 7" i 746,4 2,3 5,0 93 s 2 9 I Hö 1 1 1 chste Temperatur am 26. bis 27. Fel tu ar = -- + 7,0 °C. TeSe'uomsche Kursberichte des Giessener Anzeigers, mitgeteilt vou der Rank für Handel und Industrie^GJessen. Frankfurter Börse, 26. Februar, 1.13 Uhr. 3’/,% Reichsanleihe . . ^3-90 do. . . 85.00 3'/»°/, Konsols 1'3.90 3°/„ do. " • 84^5 3'/,0/0 Hessen 92-20 Oberhessen •. ■-. _-=?•. 92-00 4°/„ Oesterr. Goldrente . 100 20 4‘/s°/n Oesterr. Silbenentc. —«— 4°/0 Ungar. Goldrente 95.95 4°/0 Italien. Rente . '. .. 105-20 3°/0 Portugiesen Serie I .■ 65.15 3°/0 Portugiesen „ III . 66.40 4V.°/0 russ. Staatsanl. 1905 100.00 japan. Steatsauleihe 98.30 40/8 Couv.Türken von 1903 94.80 Türkenlose 177.40 4ofo Gricch. Monopol-Aul. . 47.70 4° 'n äussere Argentinier /. 91.90 3% Mexikaner . . -.u 69.10 Chinesen . 100.05 Aktien Bochum Guss «r.-sr 243.70 Buderus E. W. <. . ..-.111-00 Elcl.triz. Lahmeyer . . 112.00 Elcktrix. Schackert . . . 134.00 Esch weil er Bergwerk . . — (Gelsenkirchen Bergwerk . -Io 00 Hainbnrg - Amerik. Pak elf. 138.75 Harpener Bergwerk . . . -00.00 Lanrahüttc . . • 176.75 Xordd. Uoyd . . - - . 105.90 Oberschics Eisen-Industrie 106.00 Berliner Haudelsges. . . 18^.50 Darmstadter Bank . . . 137.75 Deutsche Bank .... 253.UJ Deutsch-Asiat. Bank . >. 156.00 Diskonto - Kommandit . . 197.60 Dresdner Bank .... 166 00 Kreditaktien -12.4U Baltimore- und Ohio- - Eisenbahn ...... . 115.10 Gotthardbahn Lombard. Eisenbahn . k. >-.?. 23.4 Oesterr. Staatsbahu ■ . . 162.00 Prince - Henri • Eisenbahn •. 134.00 Tendenz ruhig. Berliner Börse, 26. Februar, lafart'stfu. Kanada E. B Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Dortmunder-Union C. -. . Dresdner Bank . . Ten Nicht in b® "dl anncbmci l. dtt gemein» >chl durchmez irr Umftünbtt tf: bet böberff I, nbl bas Zi«s k ’tiiMen mtb hmnaiien gar Mdchen rot I den höhrro, eines erfolg. i, bet in einet t es bring® bet (Ui^bar, önnen, ZM bisweilen an- nb Ängar. m üu erhöhen nkliche Seiten mg sind i)w Frage geW > geiveien, iw im ongeswrr.' tc Koebulalv' in begrriflii - fast MM mmc der M gen ergibt fit xnhetroork. 'nem ÄM-e nt großes I Ion SW Mtt ionnenichew .4. 7,0 'C. ihte 1k rar Hand > Uhl ar. • rt. ■ rerk ■ 112.0' 134.0. — . 2160) •WLS rk‘ ■ ' 176.fi • • • 'M .1*1*5 & • ' 137.fi i1 • 253.W • u ' / W ans • jy7,p ndit ■ ‘j|j(f ■ ' 2110 ■ ifan^^ 162-* ^bibn'' ^W» M 0^ HK- ' M' : 3 Heute san im Verstorbenen i: ' Bekannten sanft entschlafen ist. trauernden Giessen. 1240 dankend verbeten. Allen Verwandten, Freunden . Febrüar abends i Giessen, Goethestr. nach längerem Leiden ie traurige und Onkel abzusehen. 1233 nach langem, getragenem Frau, unsere den 26. Februar 1910 tarnen der trauernden Hinterbliebenen: Konrad Becker« Zahlmeister. ie Beerdigung findet Dienstag den 1. März. , auf dem alten Friedhof statt. Mitteilung, dass unser lieber Sohn, Bruder, Schwaj schwerem, mit grosser Geduld und Hingebu Leiden meine liebe, gute, stets treusorgend« liebe Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin Beerdigung findet auf Wunsch der Stille statt. Blumenspenden und Kondolenzbesuchen Neue Automobil-Gesellschaft Berlin i Weier Ihr Giessen und Umgegend: A. iCircher, Bleiehstrasse 15, Schalstrasse 6 Giessen Schnlstrasse 6 MM 95 WerM S sind noch viele, ganz besonders billige und schöne Serien zusammengestellt. ot., ttpppe des Males für den tos Giessen Montag den 28. Februar, abends S1^ Uhr in Steins Garten Seffent! Eintritt frei. DI9A Freie Zlusjprache. Referent: Herr Haiidelskamiirersyndikus Dr. Mollat-©legen: „Der Haosabund in seiner Bedeutnng für Deutschands Bewerbe, Handel u. Industrie“. Jedermann ist freundlichst eingcladen. Auch Damen sind willkommen. taMa-iup blau und schwarz moderne Fassons billigste Preise Kader & 8«Mni Neuenweg 17 Neuenweg 67 „Ich war am ganzen Leibe mit Flechten behaftet, welche mich durch das ewige Jucken Tag u. Nacht nicht in Ruhe liehen. 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