Er. 500
Donnerstag, 22. Dezember 19X0
Erstes Blatt
160. Jahrgang
General-Anzeiger für Oberhessen
Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: Auqust
Goetz; für .Feuilleton", „Vermischtes" und
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Die heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
Prinz Max von Sachsen, Rom und der Orient
Die „Köln. Volksztg." bringt interessante Auszüge aus dem bereits ermähnten Aussatz des Prinzen Max von Sachsen in der Zeitschrift „Roma e l'Oriente" und man sieht daraus, daß der Prinz vor einer bitteren Kritik der abendländischen Kirche nicht zurückgeschreckt ist. Da der Fall wohl noch weiter von sich reden machen mird, wollen wir einige Hauptstellen gleichfalls wiedergeben.
Die lateinische Kirche ... hat der orientalischen ihren Be- ariss von der Union auserlegt, ohne lang zu! fragen, ob diese Auffassung die Billigung ihrer Schwester finde. Sie hat sich immer auf den Standpunkt gestellt: Ich habe die Gesetze Lu machen... Für die abendländische Kirche war die Union immer gleichbedeutend mit völliger Unterwerfung. Die morgen ländische Kirä^e wurde immer als rebellische Tochter der römischen Kirche angesehen... Für die orientalische Kirche aber ist die Union Freundschaft, Eintracht, Schwestertichkeit, nicht Unterwerfung. Sie betrachtet die zwei Zweige der Christenheit 1'3 z'woi Silvestern, gleich einander an Würde und Recht. Sie hat auch die Auffassung, daß, um zur Wiedervereinigung zu kommen, man auf den Ausgangspunkt zur Zeit der Trennung zurüctgehen müsse. Die beiden großen Hälften der Christenheit müßten dieselben Wahrheiten glauben, w.lche sie vor der Trennung geglaubt haben . . . Die orientalische Kirche betrachtet die Lehren des lateinischen Mittelalters und außerdem die im 19. Jahrhundert dogmatisierten Wahrheiten als Abirrungen . . . Es würde also nötig sein, daß die abendländische Kirche sich frei mache von den Lehren, welche der Union und der schwe st erlichen Eintracht binderndirn Wege st ehe n. In dem Augenblick, in welchem sie dieses Opfer bringen würde, würde die Einigkeit, welche sie durch diese Neuheiten zerstört hat, wiederher gestellt sein.
Ich verstehe nicht unter dem Namen Union eine vollständige Unterwerfung, welche als ein Widerspruch gegen den Begriff selbst erscheinen würde. Selbst im Abendland hat man nicht vollständig den Gedanken verloren, daß die Wiedervereinigung der morgenländischen Kirche mit der abendländischen sich anders troll# tzichen müßte als diq Rz'ickkehr vion gewissen Häretikern . Die Union darf keineswegs betrachtet werden als eine Beugung der morgenländischen Kirche unter das Joch der lateinischen.. . Diese zwei Zweige des Christentums sind durchaus Schwestern, die eine der anderen gleich in jeder Beziehung. Es existiert kein Privileg, kein Recht der Gesetzgebung der abendländischen Kirche als solche.
Seit dem 9. Jahrhundert ist die kirchliche Dersassung im Grund aus geändert worden im Abendland. Die Kirche wurde eine absolute Monarchie und wurde ähnlich einem Staat, welcher in Provinzen geteill ist . . . Dieses System hat teilweise seinen Ursprung genommen aus den Delretalen des Pseudo-Isidor, welche in jener Zeitperiode erschienen sind. Dieses System war gewiß aut und nützlich im Abendlande. Es hat die Einheit und Einigkeit der Sitten gestärkt, aber man wollte es von Anfang an der morgenländischen Kirche ausdrängen, und dieses war sicherlich eine der Hauptursachen, welche zur Trennung der Kirchen führte . . . Wenn man vom christlichen Altertum redet, stellt man sich immer dieselbe Gestaltung vor, welche die kirchliche Verfassung von heute hat. Wenn man den Orientalen auf der einen Seite ihre Riten läßt, unterwirft man sie gleichzeitig vollständig der päpstlichen Jurisdiktion und selbst der einer römischen Kongregation. Sie müssen vielen ä'russchließlich lateinischen Gesetzen folgen und der ganzen lateinischen Theologie in jeder Beziehung. Sie sind in Wirklichkeit nichts als Lateiner mit griechischer Gewandung — mancknnal nicht einmal mehr in dieser — und mit orientalischen Gebeten, aber keineswegs vollgültige Vertreter der wahren orientalischen Kirche. Sie find eine lebendige Verneinung der ganzen Kirchengeschichte des Altertums und des Orients. Weit entfernt,
die Frage der Union überhaupt zu fördern, dient das Vorhandensein dieser Unierten vielmehr dazu, sie zu verzögern.
Aber um die morgenländische Kirche in Wirklichkeit zu gewinnen, muß man ein ganz anderes System als das bisher verfolgte befolgen. Die orientalische Kirche muß wirllich bleiben das, was sie ist. . . Es ist eine ungerechte und jeder Geschichte widersprechende Auffassung, in der orientalischen Kirche nur eine Fraktion, eine Provinz der römischen zu sehen. . . Die Beziehungen Rom gegenüber müßten wieder solche werden, wie sie bestanden int ängstlichen Altertum vor der Trennung. Die orieu- tali)d>e Kirche würde sicher nicht zögern, dem römischen Papste die Rechte zuzuerkennen, welche er gehabt hat und ausübte in jener Zeitperiode.
Im Anschlüsse .daran stellt der Prinz die Forderung, daß Rom auf das Taxenwesen den orientalischen Kirchen gegenüber verzichten müsse, damit den Orientalen nicht die Meinung käme, Rom handele aus Selbstsucht, und sucht dies des näheren zu begründen. Der schwierigste Punkt, um zu einer Einigung zu gelangen, liege in der Regelung der dogmatischen Differenzen, welche seit Jahrhunderten zwischen beiden K rchen beständen. Als solche führt er an die Lehre vom Hervorgehen des hl. Geistes aus dem Sohne, die Lehre vom Fegfeuer, die unbefleckte .Empfängnis Mariä usw., und stellt die Frage:
Ist es gerecht, daß man seiner morgenländischen Schwester Gedanken aufdrängt, wie es die abendländische Kirche getan hat zu Lyon und Florenz? Nein, nochmals nein, beim damit unterstützt man die Heuchelei und man läßt Leute Dinge bekennen, welche ihnen falsch erscheinen . . . Man müßte beweisen können, daß es unter iljncn wenigstens in vieler Beziehung keineswegs eine wirkliche Glaubensdifferenz gibt, sondern nur eine solche hinsichtlich der theologischen Formeln ... Es wäre Pflicht der abendländischen Kirche, der morgenländischen zu beweisen, daß ihre Definitionen nur Gestaltungen von Konklusionen sind, die aus dem chrisckichen Altertum bekannten Prämissen gezogen wurden. Die morgenländische Kirche wird diese Art zu sehen als gut und rechtmäßig anerkennen, ohne sich selbst verpflichtet zu erachten, alle diese Dogmen zu predigen, und so wird man in Frieden leben, die eine an Seite der anderen, ohne sich gegenseitig zu beschuldigen . . . Wenn später einmal ein allgemeines und freies Konzil der ganzen Christenheit zustande kommt, wo selbst die Orientalen, ohne durch irgendeinen moralischen Zwang gedrängt zu sein, sich vollständig überzeugen würden von der Wahrbeit der abendländischen Lehren, und sie .fiormell anerkennten, alsdann werde die orientalische Kirche auch dieselben ausdrücklich predigen und verkündigen . . . Das ist der Sinn, wie ich das Wort Uniny . Ich
wUl weder die Lateiner noch die Orientalen -tamchn, indem ich sie glauben mache, daß ich eine andere Sache unter diesep Auffassung begreife.
Interessant ist es, was dazu das rheinische Zentrumsblatt bemerkt:
Es ist nicht zweifelhaft, daß für viele, wenn nicht für die meisten Leser, die in dem Artikel zur Frage der Wiedervereinigung der Kirchen vorgetragenen Anschauungen des Prinzen Max manches Befremdende enthalten. Treffend wird aber in einem Artikel der Neuen Züricher Nachrichten (Nr. 342, Erstes Abendblatt) mit der Ueberlchrift Der Osservatore Romano und Prinz Max bemerkt:
Es kann nun nicht unsere Aufgabe, noch unsere Absicht sein, den Inhalt des fraglichen Artikels zu rechtfertigen, und wir müssen die Verantwortung dafür voll und ganz dem Verfasser überlassen, der als Katholik und Priester am besten lveiß, was er nun zu tun haben wird, dem es aber jedenfalls völlig fern lag, damit etwas anderes als einen guten Zweck zu verfolgen. Man muß nämlich wissen, daß Prinz Max die Vereinigung der großen Kirchen des Morgen- und Abendlandes zu seiner Lebensaufgabe schon seit Jahren gemacht hat und daß er unaufhörlich in Wort und Schrift, durch Reisen und
sonstige Betätigung an der Verwirklichung dieses großen und wahrhaft katholischen Gedankens arbeitete und feine Anstrengung und kein Opfer scheute, das diesem Streben dienlich sein könnte. Auch seine großen Sprachkenntnisse, feine Vertrautheit mit der Literatur des Orients, wie sein hoher Rang kommen ihm dabei zustatten und verschafften ihm ein besonderes Ansehen bei den Vertretern! der griechischen Kirche! Wenn er sich nun Entgleisu ngen zu schulden kommen ließ, so dürfen diese nicht einer unkirchlichen Gesinnung, sondern einem U e b e r ei f e r für die Angelegenheit der Orientalen, die ihm Herzenssache geworden ist, auf Rechnung gesetzt «wvrdeii. Seine Abstammung und bisherige Wirksamkeit, seine makellose Vergangenheit und seine exemplarische Frömmigkeit, sein aszetischer Lebenswandel und sein verzehreirder Seleneifer, seine beispiellose Mildtätigkeit wie seine beschämende Demut, sollten ihn vor dem Verdachte unkirchlicher Gesinnung schützen: Ketzer pflegen aus anderem Holze geschnitzt zu sein! Um so mehr mußte es Aufsehen erregen, daß der Osservatore mit unnötiger Schroffheit gegen den Verfasser des „ketzerischen" Artikels loszog, und zwar war es niemand anders, als der. Redakteur der Zeitschrift Noma e l'Oriente selbst, Msgr. Pellegrini.
Au» Hessen.
Ueber das Genehmigungsrecht derAufsichtS- behörden nach Art. 47 der Landgemetnde- ordnung hat der Abg. Köhler-LangSdorf folgende Anfrage in der Zweiten Kammer eingebracht!
Es ist ein alter guter Brauch der Gemeinden seither gewesen, die durchaus unzulänglichen Eingnartierungsgelder durch einen ireiwilligen Zuschuß aus der Gememdekasse zu ergänzen. Es kam dies den mniberbemittellen Quartiergebern nicht allein, sondern auch dem Militär durch die möglich gemachte bessere Verpflegung zu gut. Das Großh. Kreisamt Gießen Hal nun in mehreren Fallen, von denen mir aus meinem Wahlkreis direkt Lich, Bellersheim, Bettenhausen usw. genannt wurden, die Auszahlung dieser Zuschüsse verboten und im Falle von Lich ihre Auszahlung von einem Besmluß des Kreisausschusses abhängig gemacht. Selbstverständlich trägt dieser tatsächliche Eingriff des KreiSamts in die Selbstverwaltung der Gemeinden ziir Ruhe und Zufriedenheit in der Oeffentlichken nicht bei und verschärft die Gegensätze, die bestehen. Gewiß hat der Kreisrat das „Recht* nach Art 47 der ßanbgenteinbeorbnung bte Auszahlung dieser .Schenkungen" (Ziff. 5 des Art. 47) zu verbieten; aber, daß das Vorgehen des Kreisrats im Interesse der guten Staatsverwaltung All ..billigen* sei, das ist die Frage. — Ich frage deshalb die Großh. Regierung:
1. Ist ihr bekannt, daß der Kreisrat zu Gießen aus Grnno des Art. 47 Ziff. 5 der Landgemeindeordnung der Stadl Lich, den Gemeinden Bellersheim, Belltnhailsen usiv. die Auszahlung der seither gebräuchlichen Einguartieriinsgelder-Zuschüffe aus der Gemeindekaffe verboten hat?
2. Billigt die Großh. Regierung das Vorgehen des Kreisrats zu Gießen in diesem Fall, und au§ welchen Gründen?
± Lauterbach, 21. Dez. Hier wurde am 19. d. M. eine Vereinigung der fortschrittlichen Volkspartei gegründet.
Darmstadt, 21. Dez. Der Ausschuß für Vereinfachung der Staatsverwaltung, der gestern nachmittag unter Vorsitz des Staats Ministers Ewald im Sitzungssaal der Ersten Kammer stattfand, beschäftigte sich an zweiter Stelle auch noch mit einer vorliegenden Denkschrift über dieVereinsachungirnStrasvollzugs- wesen. Infolge der vorn Ministerium der Justiz auf dem Gebiete des Strafvollzubs getroffenen Maßnahmen wird im Rechnungsjahr 1911 erne Verminderung der S t a a t s z u s ch ü s s e an die Kassen der Gefangenanstalten und eine Ersparnis von jährlich rund 30 000 Mk. eintreten. Die Vereinfachungen bestehen im wesentlichen in der Aus-
Erlebnisse aus den Dezembertagen an der Loire vor 40 Jahren.
v.
Tie Nacht vom 8. auf den 9. Dezember ging langsam herum. Ta, wie schon erzählt, zirka sechs Kompagnien immer in den Straßen von Cravant unter Gewehr standen, um sofort die Feldwachen, die dicht vor dem Dorf standen, unterstützen zu können, so hatten wir reichlich Zeit, den gestirnten Himmel bei der grimmigen Kälte betrachten zu können. Wir froren zwar, aber wir freuten uns der Kälte, denn einen solchen deutschen Winter konnte die feindliche Armee vor uns nicht vertragen, die Kälte war uns ein guter Bundesgenosse. In den frühen Morgenstunden löste uns eine Kompagnie ab, wir gingen ijt die nächsten Häuser, lagerten uns um die flackernden Kamine auf Matratzen, die Burschen walzten wieder auf dem Tische die Kaffeebohnen platt und stellten den grünlichbraunen Trank her.
Ta wurde es in der Vorpostenlinie lebhaft. Erst fielen vereinzelte Schüsse, daran entzündeten sich andere und mit den blasser werdenden Sternen ging der Gefechtsspektakel wieder los. Nun wurden auch wir wieder in Reihe und Glied gerufen, die Chassepotkugeln zischten durch die Straßen. Jeder, der noch gedüst halte, wurde nun ganz milunter. Ter Feldwebel der 2. Kompagnie — er ist von cd. 14 Tagen in Friedberg als pensionierter Bahnhofsassistent begraben — meldete dem Bataillons- führev: Tie 2. Kompagnie hat feinen Offizier. Wer ist der älteste von den Herren? Ich trat vor. Dann übernehmen Sie die 2. Kompagnie!
Wir rückten aus dem Dorfe den Feldwachen zu Hilfe. Die gingen vor den ihnen entgegendrängenden feindlichen Schützenlinien feuernd zurück. Tie Bataillone nahmen sie auf und in langen Linien hinter den äußersten Gartenhecken stehend, erwarteten wir die auftauchenden feindlichen Kolonnen, die uns das Dorf Cravant entreißen wollten. Niemand feuert ohne Befehl! Unsere geschlossenen Abteilungen.standen regungslos, das Gewehr schußfertig in der Hand. Nun jLnd die feindlichen Kolonnen najje genug heran, beinahe Kernschuß für das Zündnadelgewehr — 250 bis 300 Schritte —, da ertönte das ruhige Kommando „Schnellfeuer", und nun glühen die vorher so dunklen Hecken. Die Gewehrläufe spritzen Feuer. Die feindlichen Kolonnen stutzen, schwanken, aber sie gehen trotz des mörderischen Feuers vorwärts. Bis auf 150 Schritte, wie ich später genau feststellte, waren sie herangekommen, dann ging der größere Teil in wilder Flucht zurück, andere warfen sich nieder. Jetzt mar es hell genug, um ganz genau zu zielen. Alle die Leichen nrte ich hier später sah, hatten Zlvpifchuß, sie lagen hinter den hohen Mittelrückvn der Aecker, die durch ständiges Zusammenpftügeu derselben entstanden waren und gute Deckung boten.
Nun stießen wir nach. Von Osten her drangen andere Truppen in das Dorf Cemay ein und wir gewannen das Dorf, um das wir schon zwei Tage stritten.
Alle unsere Truppen waren fast gleick>zeitig angegriffen. Auch für das 1. bayr. Korps, das freute früh in Reserve gestellt werden sollte, gab es wieder einen heißen verlustreichen Tag.
Alle unsere Schützenlinien hatten sich, nach der Wegnahme von Cernay vorwärts geschoben. Aber der Gegner drängte wieder heran. Das Gewehrfeuer kochte, brodelte wie überhitztes Wasser im Kaffeekessel. Da gab unsere Schützenlinie an einer Stelle in den Weinbergen nach. Das sieht aus, als wenn herandrängende Fluten den Tamm brechen. Zuerst ist es nur ein unbedeutender Riß, der sich aber ständig erweitert. Der Führer des Regiments sah den Schaden, er befiehlt mir, mit der 2. Kompagnie das Loch zu lbopfen. Im Laufschritt in Reihen rechts um führe ich die Kompagnie dahin, so, daß ich nur der gelockerten Kompagnie „halt Front" zu kommandieren brauche. Ich rufe einem Offizier und den Soldaten zu, nun stehen zu bleiben, da Hllfe da sei!
Meine Leute knien zwischen den noch angebundenen Reben. Ich suche ein Ziel und finde keins. Die Geschosse schlagen unheimlich bei uns ein. Wenn sie durch die Luft vorbeizischen, dann macht das wenig Eindruck. Wenn sie aber neben einem in Bäume oder Mauern einschlagen, dann ist es etwas anderes. Hier zerschmetterten und zersplitterten sie die starken Weinbergspfähle ans Eichenholz. Das macht Eindruck. Ich suchte mit meinen scharfen Augen das Gefechtsfeld — lauter fast ebene Weinberge — ab. Kein Pulverdamps, kein feindlicher Soldat zu sehen, und doch immer das regelmäßige Einschlagen der feindlichen Geschosse in meiner unmittelbaren Umgebung. Das Feuer mußte aus großer Entfernung kommen und die Treffer waren Zufallstreffer. ^Jch mochte wohl so zehn Minuten aufrecht stehend beobachtet haben. Links von mir fochten etwas sicherer stehend die drei anderen Kompagnien des Regiments. Ich sah, wie ein mir sehr bekannter Offizier zurückgeführt wurde, wie er mit den Armen in der Luft herum[ufa — die feinblirfye Kugel hatte ihm den linken Unterkiefer zerschmettert und zersplittert — nach drei Tagen starb er in Orleans. Vergebens suchte ich für meine Gewehre ein Ziel. Das lßalte der T ... . auS, sich so untätig mit Feuer übersckchtten zu lassen. Ich kommandierte: Den Himmel anfassen! unt> drei Salven! Wenn das ein hoher Vorgesetzter gehört hätte, ein solch verrücktes Schießen. Aus 'welch hohem Bogen mögen die Geschosse zur Erde niedergekommen feilt. Aber was ich selbst nicht zu hoffen gewagt hatte, die drei Salven hatten gewirkt. Hatten unsere Geschosse auch rein zufällig den richtigen Weg gefunden: das feindliche Feuer hörte sofort auf, wenigstens wir an dieser Stelle wurden nicht mehr erheblich belästigt.
So pinfl der Lag Lm binMtcnb geführten vorüber. Ja wir tarnen sogar schon am hellen Nachmittag in Cravant in Quartiere, um am Wend wieder die Vorposten zu übernehmen. In unserem Quartier, in einer großen freundlichen Bauernstube, fanden wir zwei Bayern vor, die sich am Kaminj zu schaffen machten. Wir dachten gar nicht daran, die armen Jungen herauszuwerfen, wozu wir wohl das Recht gehabt hatten. Wir richteten uns ein. Ich lag auf einem Bette neben deut Kamin und sah den Bayern zu. Der eine rührte in ‘einen Pfanne einen Wasferteig an, der andere goß in diesen steifen Brei aus einer Flasche Oel. Unter ständigem Umrühren des TeigS ließen sie das Oel allmählich in den Teig hineinbacken. Ich fragte, was denn das für ein Gericht sei und erhielt zur Antwort^ das nenne man bei ihnen 311 Haus eine Schmorra. Unsere Burschen ließen sich von den Bayern, die aus der Umgebung von Augsburg stammten, erst satt füttern, bann erst aßen die Bayern selbst.
In der Wenddämmerr,mg bezogen wir die Vorposten am Nordwestausgang von Cravant, an der Straße nach Binas, ich' stand mit der 2. Kompagnie in einem Gehöft am Ausgange des Dorfes zur unmittelbaren Unterstützung der Feldwachen, neben dem Gehöft war die Sttaße gesperrt durch eine mächtige Barria kade, die aus allen möglichen landwirtschaftlichen Jnvent ar stücke»^ auch aus Hausmobiliar errichtet war.
Feldwebel, Ordonnanzen halfen mir die leidlich warme Stubq füllen — zurückkehrende Patrouillen meldeten und waren froh^ einige Zeit in dem durchwärmten Zimmer zubringen zu können. Ich mußte nur immer um meine Barrikade besorgt sein, daß sie nur nicht von Wärmebedürftigen auseinander getragen wurde, d.nns es steckten auch Mattatzen und anderes Bettzeug darin. So verging auch diese Nacht fast schlaflos, da man das gelegentliche Tösen nicht Schlaf nennen kann.
Wenn wir die Meldungen unfercr Kavallerie von diesem Wend' gekannt hätten, Meldungen $u beiden Kavalleriedivisionen, die an unserem äußersten rechten Flügel standen und deren Schwadronen weit vorwärts und am Loir aufwärts schweiften und den Gegner beobachteten! Deren ?Roldnngen besagten, daß starke Infanteriekolonnen vorn Marche Moir^ her im ununterbrodh Anmarsch seien, dann wäre uns der Schlaf in dieser Nacht ganz und gar vergangen.
Auch der Kriegsminister und Advokat Gambetta hatte beute in Johnes dicht hinter der Schlachtlinie mit dem General Chanck eine Unterredung gehabt. Sie waren überein gekommen, weiteren; Widerstand zu leisten, uns womöglich zu werfen.
Aber auch für die Armeeabteilung, die der 2. Soirearmeq unter dem General Chaney gegenüberstand, d. h. einer üier-^ fachen Uebermacht, wurde auS dem großen Hauptguartier in- Versailles gesorgt. Man kannte dort die bedrängte Sage der,
ÄM S. Lesember, morgeuL IQ Uhr, tdcgru-v
DaS Adreßbuch der
gescunten KreiS QUefjen bienen können. Dec Umsang Bucl-es ljat wiederum unt einige Seiten zugenommim.
in Hessen nicht aus. Darmstadt hierher Franko iS mit fünf im ,Grostheizog von
den
deS
Kreises Gießen für 1911 ist in derselben Ausstattung und Anordirung, wie die seitherigen Ausgaben waren, er* schienen. Da bad umfassende, darin enthaltene Material sehr fürg’HHg durchgesthen und bearbeitet ist, wird 'auch das neue Adreßbuch al6 ein zuverlässiges Nachjchiagebuch für
Hundeschlachtungen weist die Stattstlk
- Einen UebungSritt von unternahm gestern Generalmajor v. Stabsoffizieren. Tie Herren stiegen pefitn* ab.
21m» £>tabt und Land.
(Sieben, 22. Dezember 1910,
Hcer unO Flotte.
München, 21. Tez. Der Prinzregent Luitpold richtete an den Kriegsminister Frhrn. v. Horn ein Handschreiben, in dem eS heigt:
vierzig Jahre sind verflossen, feit Me bayerische Armee in schweren ruhmreichen KLmpsen mwcrgäirgllche Bewerfe von KiiegS-
•• Ordensverleihung. Ter Grobherzog hat dem Lrofcssor Theodor Fischer in München daS Ehrenkrcuz des Verdienstordens Philipps dcS Grostmüt'gen verliehen.
— Ernannt wurde dec Karl Bügel nietet in Grünberg zum Schreibgehilfen bei dem Amtsgericht Grünbcrg.
— Major ä la suite. Der Grobherzog hat den Major a. D. Freiherrn o. Schaucoth, seither bum Stabe deS Gard.-Tragoner-^cgimentS (1. Hess.) 9k. 23, mit seinem bisherigen Patent zum Major ä la euite der Grotzh. Kavallerie ernannt.
*• Finanzpersonalien. Der Oroßherzog Hal den HauptileuerainlSaisisienten bei dem Ha"ptslcueramt Darm» itadt, Fiiedr. Kraus; zu Darmstadt, zum RevisionSlontrotleul bei dein Hauptsteueramt wlamz und den ginanzaspiranten Karl Metz autz Nlcter-Lstcldcn zumHauptsteueraMlSasslslenten ernannt.
** Russische Gesandtschaft. Der russische Minister* Präsident Baron v. Knocring in Darmstadt, hat am Dienstag einen mehrwöchigen Erholungsurlaub angelreten. Während der Dauer der Beurlaubung werden die Geschäfte der russischen Gesandtschaft durch LegalionSsekieiär Baron ßlkar von Pilchau alS Geschäftsträger geführt werden.
— Fleischbeschau in Hessen. Im brüten Viertel* iahe stellt sich die Zahl der Schlachttiere, die der Fleisch* beschau unterzogen wurden, wie folgt: Pferde mb andere Einhufer 256 (gegen 262 im zweiten Vierteljahr), Ochsen 4314 (4211), Bullen 444 (353), Kühe 9937 (10819), Jung* rinder 11 262 (9590), Kälber 20 128 (21 821), Schweine 86791 (75 296), Schafe 8303 (1979), Ziegen 2432 (12 756).
Starkenburg und Rheinhessen.
Main^, 21. Dez. Heute feiert der seU 1667 in Mainz alt Pfarrer tätige Geh. Kirchenrat D. Lubw. Frohnhäaser, der auch aid Erzähler und Geschichtsschreiber im Hesienlande allgemein bekannt und gefdjätü ist, in voller Frische des Geistes und Körpers seinen 70. Geburtstag.
Kreis Wetzlar.
— Dutenhofen, 21.Dez. Eine rege Bautätigkeit scheint nut nächstem Jahre hier emzusetzen. Nachdem die Zusammenlegung der Gemarkung beschlossen worben ist, ist auch die Platzfrage für die neue Schule zu vier Klassen und entsprechenden Lehrerwohnungen erledigt. Dem im Fahre 19u6 auSgcsührten Erweiterungsbau der uralten Kirche wird nunmehr auch em Pfarr hauö-Neu bau folgen. Tie hiesige Pjarrwohnung, ursprünglich ein Bauernhaus, sieht zum Verkauf. DaS neue Pfarrhaus kommt in bte Nähe der Bahn >n den groben Pfarrgarten zu stehen; gleichzeitig wird ein Konfirmandensaal für die vereinigte Klrchengemeinde Münch» holzhauscn-Dutenhofen angebaut. Dutenhofen hat sich in jüngster Zelt sehr zu seinem Vorteil verändert und zählt jetzt 1257 Einwohner gegen 1102 tm Jahre 19u6.
Hessen-Nassau.
Marburg, 21. Dez. Dec weltliche Kurator der evangelischen Landeskirche in Siebenbürgen, Sparkassendlrektor Karl Wolff in Hermannsladt, wurde aulützlich seines 2äjährigen AmtSjubiläumS in Anerkennung seiner Verdienste um da« Deutschtum zum Ehrendoktor der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität ernannt.
[J Wetter, 21. Tez. Ein wild gewordener Ochse treibt sich in dem Burgwalde umher. Ta« Xier, das zwischen hier und Nofcnthal vor Wochen einem Händler auSrist, konnte biS jetzt noch nicht wieder emgefangen werden.
-Erledigt sind zwei evang. Lehrerstellen an der Gemeindcfchule zu Bad»9kanheim.
** Vom Roten Kreuz. Der Vorstand und He Mit- gliedervcriammlung der BezirkSiparlasse Lorsch hoten aus Aulast deren 75iäl)cigen Bestehens und der 40jährigen Ge* benFicier der glorreidxn Tage in den Kriegsfällen 1670/71 m dankbarer Erinnerung an oen Heldenmut unietet braven Kriegs* invaliden dem Ve||i]d/en Landesvercin vom diuien Kreuz (als Lantes^Berem der Kaiser-Wlll-elm*Siifnuig für teull'dx Invaliden) den Betrag von ciniaufeuD Mark zur geeigneten Verioenbuirg überiuieien. Der Bor stand des LanteoocrcinS wird dem in der Weife nadrfommen, dast er sämtlichen bebü rt i ig e n he ss i- schen Kriegsinvaliden, welche zurzeit vom Verein ständige Beihilfe beziehen, zum bevorstehenden Weihnuchlsiest als „Jubsiaumsgäbe der Bezilkssparkafle Lor>ch" je 10 Mart -u- lummen lägt. Da die wirkliche Zahl der bedürftigen Invaliden im Lande hundert übersteigt, schiebt ber LandeSvecrsii den hierzu erforderlichcu Mehrbetrag auS seiner Kasse zu.
** Weihnachtsfeier in* Knabenhort. Am Montag abend beging der Knabenhort in der Turnhalle der Stadtlnadenschule seine Weihnachtsfeier, der eine große Anzahl der Eltern der dem Hort anvertrauten jbiaben bei»
2iu»iaiiy.
DaS ö st erreichi s ch e Herrenhaus Nahm die Vorlage betreffend die Schaffung eines Wohnungssü rsorgesvndS an. Im Laufe der Aussprache begrüßten Farrn reit der und Ez- vilnlster Klern die Vortage, die tiog verschiedener Mangel den ersten Schritt zur Lösung der sozialeu Frage, der Beiäuip,uirg der Wohnungönvl bilde. Rach Annahme einig.r bereits vom Abge* ordnetenhause angenommener Vorlagen ivuibe die Sih -ng ge- tchtossen.
Bei der Besprechung der äußeren Politik der Türkei führt der in Konstantinopel erscheinende „T a n i n" aus, alle das Atter- land liebenden Ottomanen seien höchst befriedigt über Deutschland, das durch den Anleiheabschluß ber Türkei einen siegreichen Ausgang bei dem Kampse um die Wahrung feiner Würde und Unabhängigkeit sicherte. Dieses könne andere Machte nicht verstimmen und die Gefühle diesen gegenüber feien durch die jetzige Stellung Deutschlands im Orient nicht geschwächt. TaS Blatt meint, die von feiten der Türkei erstrebte neutrale Politik nahm jetzt die tiuMige Form an, weil die erste Ber* fafsungSüra mein einer Tripleentente zuneigte, wahrend die letzten Ereignisse bewiesen, daß die Türkei auch von Seiten des Dreibundes Freundschaft erwarten könne, und betont, die Wahrung beS so erzielten Gleichgeioichts hänge von der Befolgung der gleichen Politik durch die beiden Mächtegruppen gegenüber der Türkei ab. — Aus Konstantinopel wird rociier gemeldet: Der Vakufminister naf/in seinen Abschied, wie mnttich ogrlmtlet, aus Gesundhcitsrüctsichlen. Zu seinem Nachfolger wurde der Vizepräsident der Kammer E he i r i ernannt. Die Stellung des M i n i st e r s d e s Z n n e r n gilt als erschüttert. Zu fernem Nachfolger wurde der Obmaiui der ju.igrurkiichcu Partei eauinnL
Zn der Universität Odessa wurde am Mittwoch früh eine Unerlaubte Studentenversammlung abgehallen. SKUtagd erschien die Polizei und forderte die Studenten auf, aus- tüuuibn zu gehen. Die Studenten leisteten nicht Folge. Em Student schost. Polizei und Ko>alcu umitelUai baraui die Universität.
Aus Barcelona wird gemeldet: Als am DieicStag abend Handeltreibende und Industrielle eine Widerfpruchsversammlung gegen die städtischen Steuern abhielten, veranstaltete eine grobe Bollsmenge eine Kundgebung gegen die Tellnchmer an der Versammlung. Ls kam zu einem Tumult, der in eine Schlägerei auSaricte. Die Menge durchzog darauf die Strasten und bewarf bi« Magazine, an denen Auiruse gegen die Steuern angevracht waren, mit Steinen. Gendarmeriepatrouitlen zerstreuten die Ruhestörer, von denen einer verwundet und mehrere verhaltet wurden.
Der chinesische Reichsausschütz enuoars eine Denkschrill, in der er beiürnxoucte, daß die härtesten Straien, mu Ausnahme der Todesstrafe, gegen das Opiumrauchen verhängt und Belohnungen für diejenigen ausgesetzt werden sollen, durch deren Miitellungen die (htgrciiuiig der Schuldigen ermoglicht wud Die Dcutichnst, in der die Mitglieder des Grützen Rats angellagt werben, wurde als nicht scharf genug verworieu und der Eutwurj einer neuen Denkschriit angeordnet.
phierte General Gras d. Mollke an den Prinzen Friedrich Karl nach Orleans: dast auf Befehl Seiner Majestät des Königs die Armceabtcilung bei dem überaus wichtigen Vordringen au, Tours fo fchnell al- möglich durch mindestens eine Tioifiou aus dem rechten Loiro-User zu unterstützen sei.
Bun all diesen Vorgängen wussten wir damals nicht-: Dast Nch die uns gegenüberftebenbe Armee feit dem Spätnachmittag beS 9. Dezember verstärke und dast die Hecreslellung um uns besorgt war. Man redete nur allerlei und wunderte sich, dast vnsere durch unaujhörliche Kämpfe dezimierte Armee den frischen Mub um daS vierfache überlegenen SiAflat des General Ehancu in bu Arme getrieben wurde.
' ^ Deutsche Zeitungen im AuSlanve. Bei ©e*
legenheit der unlängst geäußerten Wünsche der deutschen 81 n- ficdier in Palästina nach einer eigenen Heilung für alle in Syrien ansässigen Deutschen, Oesicrreicher und dcuifchcn Schweizer ist e§ von Interesse, auf die erfreuliche Tatsache hinzuweiieli, bau bereits eine ganze Reihe deutscher Zeitungen in der Levatste bestehen. Die grösste ist der in Konstant simpel feit 1908 erscheuietid.' ^Osmanische Lloyd", der an die Stelle der früheren „Neuen Türker'' getreten ifl; am Basporus liegt ferner die Nedaktion des „Konstantinopeler Handelobtattes". In Kairo buben in jüjig- Oer Beit die fest drei Jahren bestehenden „Aegypiischen Nach- richteii" einen weiten Leserkreis gewonnen, während in Tanger bte ^Deutsche Marokkozeitung" unsere Jnteresstn vertritt. In Llalien ericheint das „Niviera-Tageblatt" (San Ncmo), in Du!* ganen und in Rumänien je eine Handelszeitung und m Bukarest ber .,s)tuniänische Lloyd". Ein eigenartiges kleines deutscl-es Blau vn Kaukasus ist die in TifliS beraubgegebene „Kaniasilche Post" - sie ist das Organ der vor 150 Jahren aus Franken und todfwaben auggoüanbenen und im Kaulasus angesiedelten Kolonisten eiuucrbem erscheinen in Rustlanü noch 17 andere Zeitungen von Venen die bekannteste die „St. Petersburger Zeitung'' fein dürste. Deutsche Blätter gibt es ferner noch in Europa in Luxemburg (16), in Belgien (7), in England (4), in Frankreich (1), "den Sllederlanden (2). Bon den in England erscheinenden Plättern deuticher Sprache sind alS jüngstes die „Manchester Nachrichten" zu erwähnen, die erst feit tiefem November be- pehcn. ^m fernen Osten finden wir in Schanghai den „Diiafiatu* l-en Lloyd" und den „fernen Osten", in Tientsin das „Tage- b alt für i)Lordchina" und in Japan die „Deutsche Japan Zeitung" Bon den in deutschen Kolonien erscheineiiden 12 Blättirn sehen toir hier ab; ^lr müssten sonst die „Tsingtauer Nachrichten" ober Vie vielen deutschen alrikanischen Blätter, die sich leitet oft gnmniig befehden, aufzählrn. In Australien Sidney) haben wir nur eine Zeitung, die „Deutscli-australische Post", während in Argentinienfünf und in Brasilien drei deutsche Blätter bestehen Chlle und Mexiko haben je eine deutsche Ztttung, Kanada dagegen, das früher nur die Deutsche Zeitung" besäst, hat in den letztin Jo^cn allein vier Blätter gegründet. Den utterrrichbaren Ristord stcltcu frcllich die Bereinigten Staaten nut 51 d.ätschen, z. T. sehr groben Heilungen, auf; die grösste und bekannteste ist die „Neti>- vorker Staatszeitung', die letztes Jahr ihr 75iähriges Bestehen feiern konnte.
tüchtigkeit und hingehende OpferwsMgkeik erbrachte und MntnirA sich die stete Dankbarkeit des Vaterlandes sicherte. Wenn ich jetzt in meinem neunzigsten Lebensjahre auf jene Zeit zurückblicke, drängt sich meinem Herzen daS Bedürfnis auf, auch meinerseits dem Gefühle der Dankbarkeit, sowie meiner vollen Anerkennung für die im Kriege und Frieden bewährte Pflichttreue ber Dffü» ziere und Mannschaften ber Armee einen erneuten sichtbaren Ausdruck zu geben. Darum stelle ich hiermit den Betrag von 2 0 0 0 0 0 Mark zur Verfügung und bestimme, bau 100 000 Mk. zur Unterstützung bilfsbedürftiger Krieg-Veteranen ans dem Feldzi"'»e 1870/71, sowie aus den Fcld;üg"N unb Kämpfen früherer und späterer Jadre, 100 000 Mark alS Grundstock einer Stiftung zur Errichtung ein-*# Erholungsheims für Offiziere, llnleroffiziere und Mannschaften Verwendung finden sollen.
WeihnachtSurlaubtr-Züqe. Heute nacht passierten vier Sonderzüge mit Soldaten, die in Weihnachtsurlaub gehen, unfern Bahnhof: Metz-Hannover 12Uhr 50 Min, Berlin-Giesten 1 Uhr 18 Min, Frankfurt a. M. - Kafsel 3 Uhr 18 M:n. und Strastburg-Han- n over 8 Uhr 62 M^n. Hier Verl eßen natürl.ch zih'.r.iche Mannschaften die Züge, um die Anschlüsse nach Overhesfen, nach dem Lahn- und Dillgebiet zu benutzen. Es war ein buntes, allerdings sriedlimes B ID, das Die Mannschaften aller Wasiengattungen in Den W.irleräumen d?S BahnyosS boten. Heute nacht passieren wieder vier Militätfondcr- züge und -war Mörch Ingen- Han nover 12 Uhr 5° Min, Berlin-Trier 1 Uhr, Berlin-Frankfurt a. M 1 Uhr 16 Min. und Frankfurt a. M. - Kasfel 3 Uhr 18 Min. den Bahnhof. Tie Sonderzüge halten zehn Minuten unb länger in Giesten.
• • Verzollung von Postpaketen. Am 25. Dez. (1. Weihnachisfeiertaa)ist oaß Ha u p 1 steueram tzurVerzolliing der ringegangenkn Pakete mit zollpstichtlgcm Inhalt morgens oon luX biS 12 Uhr geöffnet.
** Sch ollerdienst und Paketbeftellung an den Feiertagen. An den b vorjtt-h^nd.'n Fiertagen (Weihnachten und Neujahr- sind die Postschalter wie an Sontiiagen geö.suet. Eine Palet b.st.llung .ludet nur am -5., eine Geld bestcllung nur am 2Ü. D^z uiber statt. Tie Land bestell ung ruht am Giften Weihuachtsseiertag gänzlich.
* * Dlaul* und Klauenseuche. Neue Ausbruche der Seuche sind gemeldet auS: Gut Rum, GrohherzogtuM Mecklenburgr rDieilschnitz, Hcr-ogtum Koburg.
Landkreis GicFrn.
* Beuern, 21. Diz Borgestirn abend brachten die beiden Gesangvereine, s-wi.' der K r i e g e r v e r e i n mit ihren Fahnen unter Beteil.gung der ganzen Bttvohner- schaft, Pfariveiwalter B u ch h o 1 d einen F a ck e 1 z u g zum Abschied. Herzliche A^schi.dswocte und Absch^ds.ttde.: loutben dem jungen Geistlichen, d.r stch In b:c kurzen Zeit von vier Monaten die Herzen unserer Beuerer eviöOtben hat, zuteil und fanden ebenfo herzliche Ertoiderung.
* * Billingen, 21. Dez. Der htesige Klub .Einigkeit^ hält am 2. WeihnachtSieiertag hier einen Bail ab»
Kreis Büdingen.
• 1-. Büdingen, 20. Dez. Der Militär- und Veteranen verein Büdingen htelt am Montag abend eine Mitgliederversammlung ab. Der Vorstand (Prof. Dr. Krämer, Vorsitzender), wurde wiedergewählt. Ter Verein verfügt über einen Lassenbestand oon ca. 3000 Mark und tonnte im abgelaufenen Jahre über 300 Bit. Unterstützung an bedürftige Mitglieder bewilligen. Am 8. Januar soll eine Famillensestlichkett nut Theater stuttsinden.
KrciS Lauterbach.
th Maar, 21. Dez. Seit einigen Tagen ist ein Ober- seuerwerler deS Artilleriedepots Fuida hier mit der Unter- Iuchung auf Die Defährlichkeit der Geschos t b> ichäftigt, die verschobene Bewohner nach dem Schars,chiesten der 25. Artillerie-Brigade und deS Fustariillerie-Negimeitts Nr. 3 am 2. September in hiesiger Gemarkung gefunden und nach Hause gebracht hatten. Die Annahme, dast sämtliche Geschosse ungejährlich feien, hat sich nicht bestätigt, denn es wurden noch 14 unter 70 Geschossen vocgesunden, die nicht vollständig auSgeblasen waren unb daher leicht einen UnglÜrtSjall hätten hecbeiführen können. Diese werden llu freien Felde durch den obigen Beamten durch Sprengen unjä-ädlich gemacht, während die übrigen Ge- schosse nach der Geschogfabrik Siegburg verbracht werden. Da immer noch etwa WO Geschos,e fehlen, ist anzunehmen, dast sich diese ebeti.allS acösttenteils in Prwathanden befinden und auch unter diesen eine Anzahl sein dürsten, die nicht vollständig ausgebiasen find. Es wird deshalb aus die Gefährlichkeit dec Geschosse aufmerksam gemacht, damit ein leichtfertiges Ausbewahren oder Behandeln vermieden wird.
KreiS Schotten.
r. Sckotten, 21. Dez. Die Weihnachtsfreude der Wintersportler scheint zu nichts zu werten. Zwar tragen Die Höhen heute einen Anflug von Schnee, aber Aussichten auf eine Schneeichuhbahn sind vorerst nicht vorhanden, eher kann von einer Belebung der Vegetation gesprochen werten, so milde ist Die Witterung.
r. Rainrod, 21. Dez. Tie WanderhauShaltungS- schule im Ktteise Schotten beendete heute hier einen Kursus und kommt jetzt nach Ruppertsburg. Die Leistungen ber Schule unter der Leiterin Frl. Römhelb finden allseitig Beifall.
Kreis Friedberg.
L. Ockstadt, 21. De-. Unserer großen neuen Kirche sehlen noch die neuen Bänke. Sie sollen stllvoll hergcstellt werden und eS haben biS jetzt versck>iedene Enf- cunßtrn solcher Bänke stattgcfunden. Am zweiten Weiy- nachtstage wird der Krieger- und Gesangoeretn, sowie der Jüngiingsverein eine g-eiec veranstalten, deren Ertrag zur Anschaffung solcher Bänke dienen soll. Eine Bank kommt über 100 Mark zu stehen.
wohnten. Was die Krndcr auf dem Gebiete deS Ehor- gefangeS und der Dellamal-ivn leisteten, gereicht Lehiern ime Schülern zur gcöstten Ehre. Auch die Ausführung der beiden Weihnachlssesljpieie war geeignet, besonders unter Den Kindern selbst eine rechte Wethnachtsstllnmulig hervor- zudringen. Der Leuer des KuabenhortS, Hauptleyrer Knautz, hielt eine Anspcaä-e an die beifammcUen Baler unb Mütter der Kinder. Er mied darauf hin, wie mit dieser segensreichen Einrichtung den E'tecn, die sich augerhalb ihres Heims um daS tägliche Brot für die Familie au* mühen müßten, die Sorge adgenommm sei, was während der Zeit mit ihren Kandern geschieht. Die Einrirhtuug soll den Kindern einen Ersatz für bie Familie bieten, indem man die Knaben zu allem Guten anhatt. Der Nedner schil- derte, wie man Die Zöglinge deS Horts beschäftigt, und sie an Ordnung und teernlichkeit gewöhnt. Die Eltern sollten sich darum kümmern, waS die Kinder zu Hau,e lesen. Ebenso gefährlich wie böse Gcfellschast und der Ein- flusr der Strasie für unsere Jugend, sei daS Lesen der sogenannten Schänd- und Schundliteratur. Durch diese RäubcrgeschiU)ten werde der Keim gelegt zu allen Schlechttg* feiten und sJL)l;eiten, die dann später zu Verbrechen jähren. Hiergegen Front zu madjen, sei heillge P,licht der Eltern. Wenn ein Knabe lesebedürftig fei, dann biete »ich den Eltern bei Geburtslagen unb zu Wetynachten Gelegeiiheit, ihren Kindern für wenig Geld guten Lesestoff in die Hand zu geben, Bücher anzujchassen, die das Gemüt veredeln und belehrend wttken. Wer Rat brand}!, welche Bücher für die Jugend geeignet sind, der wenoe sich vertrauensvoll an einen Lehrer, der gern Hilst, dast die Schundliteratur, die schon so viel Ung.üu herbeig^führt habe, aus dem Han,e verschwzndet. And) diesmal wieder hätten edle Spender den Knabenhort in die Lage versetzt, dast er seinen Zöglingen auster Baawerk usw. auch pratt.sche Weihnachtsg.schenke geben könne. Er verwes ferner darauf, dast auf einem langen Tisch Arbeiten ä la Fröbel und aus Ton gesormte Figuren, Leistungen der im Hort untergcorachlen Knaben, zur Ansicht austtegen und wünschie eaie frö.-liche Wechnacht' Daraus traten Die 12J Knaoen nacheinander, ohne sny zu drängen, an Den Gaoenuich^ um ihre .Geschente zu emp» fangen.
Hebung ber Weiberstrafanstalt In Main», Verlegung ber Abteilung für jugendliche männliche Gefangene, bie eine Freiheitsstrafe von mchc als 14 Tagen zu ver- büsten haben, au8 dem Provinztalarresthaus in Darm- ltadt in die Zellenstrafansialt za Butzbach, sowie in ber Bereinigung ber GcsckMe des Gerichtsoollzie.)erS, Gerichts- dieners und Gefangenwärters tuniuljft in einer Person an [old^cn mittleren und ff einer en Am tSge richten, an denen Vakanzen eintreten und wo die Berhällnisse es frii(affen. — In ber nächsten, Mille Januar ftaitfinOenben Sitzung des Ausschußes soll die vom Ministsrium deS Jnnent auö* gearbeitete Denkschrift über die Organisation d e s Gendarmeriekorps beraten wcroen.____________
ZUId),
In München sand am Nllttwoch zu Ehren bei Staatssekretär! v. L iderlen-Wächter denn Pimziegenten gröbere Hostafel statt, zu dec u. a. geladen waren der prcichlsch. Gesandte v. Schlözec und Gemahlin, der PlmlstcrpräsidclU v. PodewüS und Gemahlin und Finanzmmn'ier v. Pfaff.
Stadt und deS
v Vlebenk»hf, 81 De» Mk Rücksicht traf Re sdve Bapt bei Osterfestes im Jahre 1911 ordnete die Negierung an, buu m allen ihrer Aussicht unterstellten Schulen daS lausende Schuljahr mit dein 3 1. März geschlossen wird, und hab tot neue Schuliahr am 1. April zu beginnen hat. Tie Lage der Osterferien bleibt davon unberührt.
Lln Splonagcprojeß gegen englische Offiziere.
Leipzig, '21. Dez.
Eteute vormittag begtnrn vor dem vereinigten zweiten vnd dritten Strafsenat deS Reichsgerichts bcr Prozeß gegen den englischen Kapitän Trend) und den fearlneleutnant Brandon Rach A frus und Br- eibigung der Zeugen und des Dolmetschers durch den Dor- iyrnden Dr Menge wurde der Erössnunysbeschluß vcr- e)en. Die Angeklagten werden beschuldigt, im A. g st 1910 n verschiedenen Orten des Deutschen Reichs Zeichnungen und andere ®eg nftänbe, b Uhr bie Sitzung auf morgen früh 9 Uhr.
öcricbtsfaaL
R. B. Darmstadt, 21. De». Das Krieg-aericht der 25. Division verhandelte heute nachmittag einen Manövrrvor- fall, der in der oberhessischen Qtegeiib damals er ne gewisse Aufregung hervorgerusen hatte und auch in der dortigen Presse erörtert worden war. Angeklagt war der 37 Jahre alte Gen- darmeriewachttneisler Johann Krüger aus Marnz, wegen Mißbrauch- der Amtsgenmlt und unzulässigen Austretens gegenüber dem Zimmermeister Karl Bausch von Langsdorf, dem dortigen Bürgermeister Sck)iele und dem Abg Köhler-Langsdorf. Es war am 17. September d. 3-, als voS Manöver bei Langsdorf eine größere Anzahl von Zuschauern, darunter auch Bausch altgezogen hatte. Ter als Landgendarm zur Aussrcht herango- -ogene Krüger, nach Zeugnis ferner Vorgefetztt-n ein ruhiger Beamter mit bester sZ-ührung, hatte im Lause des Tages wiederholt seine Mühe, das Publikum zur Verhütung von Flurschaden, fernzuhalten. Hierbei betraf er den Bausch nebst anberen aus einem Korwsfelacker und verwies ihm dies, worauf Bausch vom übrigen Publikum auSgelacht wurde. Der G ndarm sch-int dies aus fick bezogen zu haben, ries den Bausch nochmals heran und befahl ihm. vor fernem Pferd her nach dem On zu gehen Da Bausch hierzu nicht gleich Ddiene machte, sagte Krüger: Wenn Sie nicht gehorchen, werden Sie mal sehen, wie ich mit Ihnen Schlitten fahre. B. gina nun mit und begegneten sie unterwegs dem Bürgermeister von LangSdors. AlS der Bürgermeister Schiele fragte, waS loS sei, erhielt er von dem Angeklagten die barsche Antwort, er feil aus sein Bureau gehen, er werde ihn den Mann vorfuhren. Baulsh hatte gleich seinen Namen angegeben, und der Gendarm iah, nach einer kurzen Wegstrecke von feiner übereifrigen Absicht ab. Dem Abg. Köhler batte er aus dessen Frage kurz erwidert, er solle ihn nicht in seinem Dienst stören. Das Kriegsgericht falue den Fall milde auf, erblickte darin nur eine unzulässige Behandlung von Zivilpersonen und ließ es, in Anbetracht der bisherigen Führung Krügers, unter F-reisprechung wegen des Verhaltens gegen den Abg Köhler, für die beiden anderen Fälle bei insgesamt drei Tagen gelinden Arrest beroenben.
F C Wiesbaden, 21. Te». Bei der hiesigen Siaats- Qnroaltfcbnft ist ein Verfahren anhängig gegen den Vorstand der Nassauischen Dauernbank (Bank des Nasfauischcn Bauernvereins, Gkiwssenschast m. b. $). in Nicderlahnstrin) wegen wissentlich falscher Liersicherungs-dlbgabe an die zuständige Gerichtsbehörde, d. h. an das Amtsgericht Nicderlahnstrin (Vergehen aus § 147 des Reichs-Genossenschafts-GeseyeS) Der Vorstand besteht untrer anderem aus dem Generalsekretär Peter Kirchen in Psasfendorf der Niederlahnstrin, tzospachler W. ä Wengen in Marrenberg bei Camp, Arthur Stachly, $>of Offenthal bei St. Goarshausen.
Oldenburg, 21. Dez. Das Schössengericht verurteilte einen Z a h n a r »t, der einer Verkäuferin anstatt, wie sie wünschte, einen Zahn zu plombieren, Zähne ausgezogen hat, wegen K ö r- DerD^rlPhunq *ii zwei Monaten Gefängnis. In einem anderen Falle wurde er zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt, weil ei eine PaiieNlin gegen ihrer Willen nartotiiierte und ihr mehr Wurzeln entfernt hatte, als sie wünschte. TaS Ger'cht nahm an, datz der Zahnarzt aus Gewinnsucht gehandelt habe und hielt deshalb mildernde Umstände nicht für gercchlserligtt
(Ein schwer« Grubenunglück.
Ein schweres Grubenunglück, das noch nicht völlig aufgeklärt ist, ereignete sick im Boltoner Kohlenbergwerk. Seither gingen uns darüber folgende Meldungen *u:
Manchester, 21. Dez. In der Kohlengrube des »uton- bergwerks in Bolton find 290 Arbriter dadurch eingeschlos - f e n, daß fick die Förderfchalen in den Schacht einklemmten. Die Luftzufuhr ist behindert. Es wird eine schwere Katastrophe befürchtet. Bisher wurde ein Arbeiter gerettet. Nach einer anderen Meldung ereignete sich eine folgenschwere Explosion, der fast alle eingeschlosseneir Arbeiter zum Opfer fielen.
Manchester, 21 De». Die Ex ploston im Boltoner Kohlenbergioerk wurde vermutlich durch Anzünden eines Zündholzes ober Zerbrechen einer Lampe heroorgerufen, da die Grube rire der sichersten des Landes Ist. Ein Unterdirektor, der versuchte, ohne Apparat sich an den Rettungsarbeiten zu beteiligte, ist erstickt. Ein Mann der Rettnngsabteilung sprach die Ansicht aus, daß fast keine Hoffnung besteht, bie eingeschlossenen Bergleute zu jetten. Der Rettungsmannschaft ist eS unmöglich, in die Grube einzudring^n Die Zahl der zur Zeit der Explosion in der Grube befindlichen Bergleute wird auf 350 geschätzt. Der RegicrungSinspektor ist nach Prüfung der Sachlage zu der Ueder- zeugung gelangt, daß alle in der Grube befindlichen arbeitet nmgekommen sein müssen.
Kleine Tageschronik.
In Verlin wurde ein Mann sestgenommen, der Über die LebenSverhälttiisse der ermordeten Frau Dossmann genau Bescheid wußte und stets Zutritt zu ihrer Wohnung hatte. Er wurde gestern bis in die späten Nachtstunden Hinern in den Räumen der Frau Loffmann einem eingehenden Verhör unterzogen und in Polizeigewahrsam genommen.
In der tzaarbeatbeitunassabrik in Köln wurde ein* gebrochen und Haare und Zöpfe im Werte von 15 000 Mk gestohlen. Don den Dieben fehlt jede Spur.
Der verstorbene Bergwerksbesltzer Adolf Schn erd er hinterließ, wie au« Teplitz gemeldet wird, für die Errichtung eines WaifenHauses testanlentarisch vier Millionen Kronen.
Oberbürgermeister Pabst von Weimar ist cm einem Herzschlag gestorben.
In Zittau starb die ältesteFran Sachsen - Eleonore Geier, geb. Decker^ kurz vor der Vollendung Ihres 105. Lebensjahre-. Sie war bi- kurz vor dem Tode geifdg und körperlich rüstig.
Am Mont Plane bei Schluderbech wurde eine Militärpatrouille, auS einem Osfizier und sechs Soldaten bestehend, von einer Lawine verschüttet. Der Offizier konnte sich retten, während die Soldaten getötet wurden.
In Hannover erichvh sich ans Fvräü vor einem schlechten Zeugnis ein Untersekundaner im Stadttvalde.
Als am Mittwoch nachmittag gegen 5'/, Ubr der nach Bremen fahrende Personenzug Nt. 703 den Eifenbahnübergang in der Bo ha nn isst raße in Hemelingen passierte, hoben vier auS cmelingen stammende Mädchen im Alter von neun biS dreizehn Jahren einen Schrankenbaum eigenmächtig hoch und versuchten, trotz des warnenden Zurufes deS auf der anderen Seite deS Eisenbahnüberganges stehenden Wärters das Geleise zu Überschreiten. Der in diesem Augenblick von Bremen kommende Eilgüterzug Nr. 6012 erfaßte die Kinder, von denen drei durch Ueberfabren auf der Stelle getötet wurden, während das vierte schwer verletzt wurde und inS Iktankenhaus gebracht werden mußte.
Die Geineindeverwalkung von Dijon ließ daS deutsche Kriegerdenkmal, daS vor einiger Zeit von Böswilligen beschädigt worden war, sofort wieder in Stand setzen.
In dem Konkursverfahren des Besitzers des Seebades Hei- l i g e n b a d John M a r l i 11, beschloß daS Gericht, die gänz- lidye Einstellung des Verfahrens, da keine Aktiva vor* handcn sind. Nicht einmal die entstandenen Kosten Fbiuien gedeckt werden.
Bei dem Einsturz eine- Getrridesprichers in Nikolajew wurden dreißig Arbeiter verschüttet. Bisher wurden fünf Leichen geborgen.
In Pompeji wurde tne v ersteinerte Leiche einer Frau auSgegraben, die mit der rechten Hand eine Anzahl Juwelen hielt und zwei ganz mit Icrlen geschmückte Ohrgehänge von wunderbarer Fein heck.
Vet etrtfln Brande in TtneinNattl, der einen Häuserblock im Fabrikviertel zerstörte, sind zwei Mensche« umgekommen. Der Schaden beträgt etwa zwei Wckliouat Dollars. ,
Der Stand der Cholera auf Madeira gibt »u Besorgnissen Anlaß. Bis letzt sind 300Ö Todesfälle vorgekonr- rnen. In der Stadt Machiat griff die Menge die öfseitttiche« Gebäude und die Apotheken an und vernichtete die neuzeitlichen Medikamente, bis ankommende Truppen, die mit scharfen Patronen feuerten, sie auseinander jagte. Auch in Funchal und Santa Cruz kam es zu Zusammenstößen von Einwoh- neht und Militär.
Gestern abend überfielen auf der Bahnstation Pabianice vier bewaffnete Männer die Güterbahnkasse und raubten etwa 7000 Rubel, worauf sie spurlos entkamen.
Nach einer Meldung aus Newyork sprang im Brooklyner Theater während der Aufführung rin Wolf, der mit* zuwirken hatte, in den Zuschauerraurn und biß neun Pertönen; schließlich trieb ein Schutzmann das Tier auf die Bühne zurück, wo es eingefangen wurde.
DauöcL
Berlin^ 21. Dez. Der Vorstand' des Kalisyndikats teilte in brr Gesellschafter Versammlung mit, daß der Absatz im November 2,7 Millivnen Mark höher sei, als im aleichcn Monat des Vorjahres. Der Mehrabsatz in den ersten elf Monaten 1910 beträgt 4,3 Millionen. Tas Dezembergefchäft, besonders nach Amerika, hat fich sehr gunftig entwickelt, |o daß mit einem PluS von reichlich drei Millionen gerechnet werden darf; der gesamte Mehrabsatz der Syndikatswerte im Jahre 1910 muß danach auf 7—8 Millionen angenommen werden. Wie schon früher bekannt gegeben wurde, kommen die außersyndikatlichcn Verladungen, welche zu SyndikalSpreifen berechnet werden und sich auf rund 25 Millionen belaufen, hinzu. Die Gesellfchasterversammlung beschloß einsttmmig die AusnalMe der Gewerkschaft „Amelie" mit der durch die Vertrilungsstelle zugewiesenen Dcteiligungsziffer. Ferner genehmigte die Ver)animlung Die Verträge mit Den ^ouDeilabnteiLi — In letzter Zeit feien in der Presse Statistiken erschienen, wonach der Kaliobfatz nach einigen europäischen Ländern äuriidgegangert sein soll. Diese Angabeti feien unrichtig. Fast nach alten Ländern Europas, besonders nach England und Rußland, erfuhr der Absatz eine befriedigende Steigerung.
sc. Französisches Vieh. Man schreibt uns: Gelegentlich Der Hauptversammlung des Mitteldeutschen Vichhändler-Ver- einS in Frankfurt a. M. äußerte sich ein Frankfurter Großvich- bäubler zu ihrem Berichterstatter über die Einfuhr französischen Viehes folgendermaßen.- Ich habe, nachdem die Einfuhr franzö- fischen Viehes in verschiedenen deutschen Bundesstaaten gestattet war, dreimal den Viehmarkt in La Billete bei Paris besucht, große Transporte dort angetauft, nach München und Nürnberg überführt und an genannten Orten abgesetzt. Tie beiden ersten Male ging das Geschäft leidlich, aber als ich am 15. Dezember den Markt besuchte, waren infolge einer Heberschwemmung desselben mit deutsck-en Händlern und Metzgern die Preise so gestiegen, daß von einem Nutzen die Rede nidit mehr fein konnte. 3023 Stück Rinder waren angetrieben, 1200 weniger als acht Tage zuvor^ Ter Aufschlag für das Stuck betrug 50 bis 60 Franken, gegen bat am vergangenen Markttag gezahlten Preis. Die Käufer waror aus Straßburg, Metz, Mühlhausen, Karjsnihe, Mannheim, Mainz, Ludwigshafen, Münchai, Nürnberg und Darmstadt, Händler und Metzger, letztere von ihren Innungen gesandt, meistens Leute, die der französischen Sprache nicht mächtig, wenig vertraut mit den Verl)ättnissen, weshalb sie beim Handel außer dem Groß- kommftsär noch verschiedener Untcrkvnimissäre beDürfen, wodurch jedes Stück Vieh sich um 15 Franken erhöht. Die Qualität der französischen Rinder ist erstklassig, vollsleischise ausgemästet« Ochsen höchsten Schlachtwertes, die sich vorzüglich schlachten, wie ich mich bei einem Metzger in der Rheinstraße in Wiesbaden, der auf dem Maiirzer Markt einen 15 Zentner schweren französischen Ochsen erstaiiden unb geschlachtet hat, erkundigte. Vorteil« lehixi) bringt uns Händlern sowie Metzgern und Konsumenten die Eiiifuhr des französischen Viehes nicht. Daß infolge der De ff* nung der Grenzen nach Frankreich ein Abschlag des Fleisches bezw. ein Rückgang der Viehpreise ein getreten, muß verneint werden. Die Baissebeiocgung nämlich l-atte bereits eingesetzt, bevor franzöiisä-es Vieh auf dem deutschen Markt erschien. Ich muß beinerien, daß, als ich am 15. Dezember in Paris weilt«, mir ein Großgrundbesitzer au- der Magdeburger Gegend eine« großen Transport Ochsen prima Qualität telegraphisch nach Franö* furt hin anbot unb zivar 3 Mark bni Zentner billiger, als ich Ock-sen auf dem Marche aux bestianz gezahlt hatte. Wir Händler haben erfahren, daß es besser getvesen wäre, die Grenzen mären geschlossen geblieben und unseren Gescl-äften daheim nachgegangcn, als das Geld nach dem Auslande zu tragen. Also die Grenzen zu zum Schutze unserer blühenden heimischen Diehztlcht, dagegen weniger rigorose Bcsttmmungen bei Vorkommen von Seuck-cn^ So existiert eine Verordnung auf dem Frankfurter Viehhof, die einzige derartige im Königreich Preußen, die besagt, daß Lieh aud) dem ganzen Beobachtungsgebiet, wo Maul- und Klauenseuche herrschen, in Frankfurt nicht aufgetrieben werden darf, also auö Orten, die eventuell weit entfernt vom Seud-enHerde liegen. Sy mar zum Beispiel bei Ausbruch der Seuche in Fechenheim verboten, aus dem entfernt liegenden Wachenbuchen, das im Sperrgebiet lag, Vieh nach Frankfurt auf den Markt zu bringen. Durch solche Bestimmungen rnird der Handel ersdpvert und zahlreiches Vieh ihm entzogen, es herrscht dadurch Viehknappheit.
Märkte.
L. Friedberg, 21. Dez. Ter Schweinemarkt war mittelmäßig befahren, da nur Tiere auS dem Kreise Friedberg zu Markte gebracht worden toaren und in Butzbach heute auch ein 'Biehmadi abgthatten wurde. Immerhin toaren einige hundert Ferkel aufgetneben, meistens gesunde, schöne Ware. Die Raufet waren zahlreich erschienen und eS entwickelte sich ein lebhafter Handel. Ganz kleine Ferkel kosteten das Paar 30 Mk., größere Ferkel und Einleger das Paar 40 und 6o Mt. Ter Viehmaikt iDuröe erst gegen 1 Uhr geräumt. Der Krämermarkt war seit langen Tlonaten nicht so gut rote die-mal. Auch sonst herrschte in Den Läden der Ltadt lebhaftes Treiben.
Amtlicher Wetterbericht.
Deffentlicbc Wetterdienststelle Gießen.
WetterauSückten in Hessen am Freitag dem 23. Tez. 1910: Heiter bis nebelig, noch etwas kälter, trocken.
Letzte Nachrichten.
AuS der Zweiten Hejfischerr Kammer.
R.B. Darmstadt, 22. T«z. Die heutige Sitzung bet Zweiten Kammer begann um i/8U Uljr bei sehr schwach besetztem Hause. Die noch ausstehenden Anikel Der La n d ge - meindeordnung wurden ohne BesprodMng nach den Anträgen des AussclZusseS angenommen. Ein von Abg. Leun zu Artikel 84 gestellter Antrag wegen der Festsetzung des Zeitpunktes der Stichwahl, wurde zurückgczogeii, nacktem der Ausschuß ein Ersuchen an die Regierung beantragt hatte, daß bie engeren Wahlen so bald alS möglich angesetzt werden sollen. Mit der Annahtn« dieses ErsudZeils war die Beratung der Landarmerndeordnunyt erledigt. — ES begann sodann die Dera tun g Der Regierungsvorlage über die Verwaltungsrechtspflege. Staatsminister von Homberak eröffnete sie mit einigen allgemeinen, Bemerkungen. Der Berichterstatter Abg. Tr. G u t f l e i s ch sprach sich für die Annahme des Gesetzentwurfes aus, der einen fonschriu- lrcheu Charakter trage.
Nach kurzer weiterer Aussprache wurde die ganze Vorlage angenommen, worauf sich die Kammer um s/*12 Uhr auf uickestimmtc Zeck vertagte.
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Paris, 22. Dez. Ministerpräsident Briand wird dta Gese^entwürse zur Unterdrückung Der Eisenbahn-Ausstände heut« der Kammer vorlegen. Sie kommen aber erst nach Erledigung des HauShoUS, also ntzcht vor März nächsten Joh-es, iut LcratunL
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