Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^@5L Redaktion. 112. Tel.-Abru AnzeigerGießen. Samstag 30. Juli 1910 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Nr. 176 Drittes Blatt 160. Jahrgang । «rschkinl »glich mit Ausnahme der Son»I°gS. A AAA AU ? >> - Die „eicfiener ZamMenblätter« werden dem gT W || || /W O |r /Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das \rLJf W 0 sä Wv „Kreisblatt für den Kreis Eichen" zweimal W O V ■ V ▼ H V ▼ ▼w ▼ V wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen 5etb f < fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Oberhessen ■—rin—m i ■ ub——b, Handelsgesellschaft, da diese Bank größeres Interesse an der§ Niederdeutschen Bank besitzt und größere Verluste erleiden dürfte^ Andere Banken erfuhren nur kleinere Abschwächungen. Vow T r a n s p ort ansta l t en stellten sich amerikanische Bahnen inti Einklang mit Newyork niedriger. Orientalische und Schantung-s bahn blieben behauptet. Matter lagen Mcridional und Lombarden, während Oesterr. .Staatsbahn sich befestigte. Schiffahrts-r aktien abgeschwächt. Am Montanmarkte kam der günstig beurteilte Quartalsausweis der Harpener Gesellschaft Kohlenaktien! zugute, während Hüttenaktien unter der Ungewißheit über das Zustandekommen des Roheisen-Syndikats zu leiden hatten. Andere. Jndustriepapiere lagen meist schwächer, nur Elektrizitäts- aktien verfolgten neuerdings anziehende Tendenz. Heimische und, fremde Fonds meist Bruchteile niedriger, .Privatdiskonto 3V» Prozent. ging, da die Einschränkung der Produktion in den meifien Hallen durch Verkürzung der Arbeitszeit oder Entlassung von Kolonnen auf beschränkte Zeit herbeigeführt wurde. Landwirtschaft. — ueber die Ernteaussichten in England lauten die Mitteilungen wenig günstig. Falls nicht bald reichlicher Sonnenschein eintritt, werden, so schreibt man uns aus London, die Saaten sowohl in Qualität wie in Quantität recht viel zu wünschen übrig lassen. Mit der Kornernte wird wohl erst in der zweiten, vielleicht sogar erst in der dritten Augustwoche begonnen werden können. Wurzelpflanzen leiden unter dem Mangel an Sonnenschein und ihr Futterwert wird nur gering sein. Kartoffeln sind ausnahmsweise schwer, aber nicht von einer Qualität, die gute Preise erwarten läßt. Für O b st b a u e r find die Aussichten noch schlimmer. Die Hauptobstarten werden spärlich sein, und der Markt hängt ganz von der Zufuhr von auswärts ab. (ScrkbtsfaaL ** Darf man Beamten mit Beschwerden an die vorgesetzte Behörde drohen? Es gibt viele Leute im Publikum, welche im dienstlichen Verkehr mit Beamten sehr anmaßend und herausfordernd auftreten, und ihnen mit Beschwerden an die vorgesetzte Dienstbehörde drohen, sofern sie ihren meistens noch unberechtigten Wünschen nicht sofort Rechnung tragen. Das Oberlandesgericht zu Köln hat sich nun in einer am 20. Mai d. I. gefällten Entscheidung in Uebcreinstimmung mit den Vorinstanzen grundsätzlich dahin ausgesprochen, daß Drohungen gegenüber Beamten mit einer Anzeige an die vorgesetzte Dienstbehörde, um sie zu zwingen, eine Amtshandlung vorzunehmen oder zu unterlassen, eine strafbare Nötigung im Sinne des § 114 Str.-G.-B. sind. Demgemäß wurde,die im vorliegenden Fall vom Schöffengericht ausgesprochene Gefängnisstrafe von 5 Tagen bestätigt. politifdic Lagcsjctznrr. Die Lage in der Tabakindustrie. Auf die von uns in Nr. 172 wiedcrgcgebenen Aus- ühcungen der „Köln. Ztg." erwidert die „Süddeutsche Tabak- -eituna*, indem sie zunächst ihrer Verwunderung darüber Ausdruck gibt, daß die „Köln. Ztg." anscheinend für die Arbeit dec Reichstagsmehrheit eintrete, wenn die Veröffent- ’idjung nicht amtlichen Ursprungs sein sollte. Sachlich heißt ,Z dann weiter: Im ersten Abschnitt wird mit einigen statistischen Zahlen über die Einfuhr ausländischen Rohtabaks der Nachweis versucht, daß dank der Aufnahmefähigkeit des deutschen Konsums" die Einfuhr von Rohtabak nach Eintritt der Steuer das erwartete Maß weit überholen werds. Heute möchten wir nur ausführen, daß 1909 im ersten Halbjahre 431 164 dz 1910 in der gleichen Periode 305 063 dz mithin in 1910 weniger 126 101 dz einqesührt wurden. Als Erklärung für den Rückgang der Zigarren- pwduktion wird angeführt,7daß bei Eintritt der ©teuer die Fabri- fniion ihr gesamtes Lager, welches einer dreiinonatlichen Produktion entsprechen soll, mi den Handel abgesetzt habe, dieser aber wiederum em normales Lager für drei Monate halte, so daß eigentlich die Industrie hätte sechs Monate feiern können, bevor die gelernten Vorräte verbraucht worden wären. Fürwahr, derjenige, welcher solche Dinge behaiiptet, ist nur als offiziös sachkundig, aber beileibe nicht als Fachmann anzusprechen. Wer da behauptet, daß die Zigarrenfabnkation in normalen Zeiten einen der Produktion eines vollen Quartals gleichkommenden Lagerbestand unterhalten fönne, der kennt die Branche nicht. Woher sollen denn die Fabrikanten das Geld Nehmen, um derartige Läger zu unterhalteii? Leider lassen sieh zahlenmäßige Nachweise über die Läger von ^ertigfabrikalen nicht erbringen, aber wir dürfen auf Grund zahlreicher Erkundigungen feststellen, Zmß beute die Lagerbestände im Zigarrenhandel den normalen, diejenigen der Fabrikation aber einen — Gott sei's geklagt — ganz gewaltig größeren Umfang haben als vor Inkrafttreten der Steuer. Diese Angelegenheit ist an dieser Stelle in letzter Zeit so eiitgehend behandelt wordeii, dis; wir heute von einer Wiederholung des früher Gesagten ab- f.hen dürfen. Zur Frage der Arbeiterentlassimgen bemerkt baS Fach- blcüt weiter: Wäre die Behauptung richtig, daß Betriebsverlegungen in be- werkens/vertem Umfange stattgefunden haben, so müßte doch der Ausgleich durch die statistischen Nachweise der Tabakberufsgenossen- schaft Dargetan werden. Hierüber wurde aber von bereit Dorsuzenden, Herrn Geheimen Kommerzienrat Schmidt in der lungften Generalversammlung des Deutschen Tabak-Vereins folgendes vorgetragen: „In dem gleichen Maße wie der Absatz an Tabakfabrikaten ist zunächst nicht auch die Herstellung zurückgegangen, denn in den ersten Monaten nach dem Inkrafttreten der neuen Steuer haben, wie zweifelsfrei feststeht, sehr viele Betriebe noch voll weitergearbeitet, und erst im Jahre 1910 sind starke Einschränk* ungen erfolgt. Ties lehren auch die Zahlen der Arbeiter- nrZfcbäbiguug. Es sind vom 15. August bis Ende Dezember 1909 etwas über l1/, Millionen Mark Entschädigungen an durch die Steuerwirkung geschädigte Arbeiter im Tabakgewerbe gezahlt worden, in den vier ersten Monaten des Jahres 1910 aber fast 21/, Millionen. Es hat somit die Steuerwirkung zur Folge gehabt, daß im Jahre 1910 noch stärkere Betriebseinschränkungen eingetreten sind wie in den vier letzten Monaten des Jahres 1909. Würde man nun annehmen, daß nichts dazwischen gekommen und die Herstellung von Zigarren im Jahre 1909 bis zum Schluß in aller Höhe wie im Jahre 1908 fortgeschritten wäre, so würde sich für bie 4 letzten Monate bes Jahres 1909 in ber Zigarrenindustrie eine Lohnsumme von 26 095 000 Mk. ergeben haben. Es sind aber laut den vorliegenden Nachweisen nut 23 057 000 Mark verausgabt worben. Dieser Rückgang ist aber auch ein Beweis gegen die Behauptung, daß leichtsinnige Entlassungen ftatlgeiunben fjätten, wenn man dabei bie Zahlen der an arbeitslose Zigarrenarbeiter aus Reichsmitteln gewährten Entschädigungen betrachtet." Was soll denn eigentlich mit der Vergleichung der von der ^abak-Bernfsgenosienschaft versicherten Arbeiter nach deren Kopfzahl aus den Jahren 1908 gegen 1909 bewiesen werden ? Die Wirkung des Steuergesetzes trat doch erst im letzten Drittel des Jahres 1909 em, und diese zeigte sich in dem oben angeführten Lohnausfall von rund 3 Millionen Mark — ca. 11,5 Proz. Es ist doch leicht erklärlich, daß die Zahl der Arbeiter nicht in gleichem Maße znrück- Börsen-Wochcnbericht. --- Frankfurt a. M., 29. Juli. Ungeachtet der ungünstigen Einwirkungen, denen die deutschen Märkte in dieser Woche wieder ausgesetzt waren, hat sich ihre Grundstimmung nur wenig verändert. Die Unternehmungslust bleibt beschränkt, indessen ist eine bemerkenswerte Widerstandskraft nicht zu verkennen. Das hängt äußerlich damit zusammen, daß die Märkte ziemlich entlastet sind und wenn auch weitere Abwickelungen vorkommen, so sind diese nicht mehr so umsangreich, daß die Unterbringung, Schwierigkeiten bereiten könnte. Diese Wahrnehmung macht die Börse gegen ungünstige Einflüsse weniger empfindlich. So kam es, daß weder die neuen Erschütterungen an der Newyorkec Börse noch der Zusammenbruch ber Niederdeutschen Bank die deutschen Märkte stark in Mitleidenschaft gezogen hatten. Wohl wurden Realisationen ausgeführt, aber das Material wurde ohne stärkeren Kursdruck ausgenommen und nach Beendigung der Ultimoliguidation kam eine feste Stimmung zunr Durchbruch. Der neuerliche Preis st urz in New- Po rk brachte die deutschen Börsen nicht außer Fassung. Die Ursachen für die großen Kursschwankungen in Newyork sind börsentechnischer und wirtschaftlicher Natur; man wird aber erstere Gründe vielfach auf die Verschlechterung in der wirt sch« st - l i ch e n Lage der Union zurückzuführen haben. Die geschäftliche und gewerbliche Lage gilt drüben als unbefriedigend, besonders hat sich das Eisen- und Stahlgeschäft verschlechtert, weil die Bahnen bei den Schwierigkeiten, ihren Geldbedarf zu decken, mit Bestellungen zurückhalten. Das ging aus dem Quartalsansweis des Stahltrustes hervor, der erkennen ließ, daß der Auftragsbestand trotz der niedrigeren Roheisenpreise sehr stark zurückgegangen ist. Da aber die Gewinnziffern des zweiten Quartals die des ersten und auch die der entsprechenden Zeit des Vorjahres noch überschreiten, betrachtete man an der Börse den Ausweis als befriedigend, zumal auch die Newhorker Börse festere Haltung zeigte. Von günstigem Einfluß auf Wallstreet waren spater auch Meldungen vom Kupfermarkt, daß eine Verständigung unter den Kupferproduzenten in Aussicht stehe. Waren dies Momente, die den deutschen Börsen eine gewisse Stütze verliehen, so veranlaßte der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank doch Zurückhaltung. Das Ausbleiben des Prüfungsberichtes ließ kernen Zweifel darüber, daß man sich aufs Schlimmste gefaßt machen müsse. Man war daher beim Eintritt der Katastrophe nicht sonderlich überrascht; die Beseitigung der Ungewißheit wirkte vielmehr auf die Stimmung der Börse beruhigend, nachdem die Angelegenheit der Niederdeutschen Bank in der letzten Zeit mit dazu beigetragen hatte, die Börse unter Druck zu halten. Einen Kursrückgang von 2 Prozent erfuhren nun die Anteile der Berliner Spidplan der Kurhaus-Theaters vad Nauheim. Direktion: Hermann Steingoetter. Sonntag, 31. Juli: „Wenn der junge Wein blüht." Montag, 1. Ang.: „Die Dollarprinzessin." Mittwoch, 3. Aug.: „Das Konzert." Freitag, 5. Aug: „Der fidele Bauer." Verantwortlich für „Feuilleton" und „Vermischtes": I. V.: August Goetz. Ein nützlicher Rat. Alle, welche während der heißen Jahreszeit keine ordentliche Eßlust haben, können sie durch den Gebrauch von Scotts Emulsion wieder anregen und dem Körper Nur echt mit dieser Warlr—dcmFischer — dem Garantie- Leichen des Scott» schen verfahrensl gleichzeitig in leicht verdaulicher Form eine Reihe wertvoller Nährstoffe zuführen. Im Scottschen Verfahren wird der Lebertran, vor dem die meisten Menschen einen berechtigten Widerwillen haben, nicht nur vollständig leicht verdaulich, sondern auch wohlschmeckend gemacht. 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