Nr. S7S MgNL mtf SuSnahm- H GonntagL Ote „•Itfienet FamtttendlSNer- werten dem llnjetaer* etennai a>öct)enthcb betgelegt, da» *Kretsblat1 ffti W» Kreis Stetze»' iroetmal ^-cd-ntl'ch. f)t* ^Ianö®trtfd)aftlid)ee Lett- liagci* tridjeinen monatlich zweuruU. 1(ZV. Jahrgang Donnerstag, 24 November 1910 Gieße«er Anzeige? General-Anzeiger für Gberheffen ItdteOnnfbviid •«» Neri aß bei VrÜbNche» Umeertuäte - flud> and Stemdrucleret. Ä. Song«, »leben» Nedoktton. Exvedttton enb Druckerei! Pratze 1. LxpedtNon unb Verlag: t>L Strtattisnie® 112. Tel^Adr» Anzeiger G letz«, mb. Deutscher Reichstag. 84. Sitzung, Mittwoch, den 23. November. Am Tische des BundesratS: Dr. Delbrück, Preußischer Landwirtschaftsminister Freiherr v. S ch o r l e m e r. L r e s e r, dichter. Präsident Graf Schwerin eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15. Minunten. Neu eingegangen find zwei I n t e r p e ll a t i o n e n der Nationalliberalen und des Zentrums über Matz- nahmen gegen die Rebschädlinge. Für den verstorbenen Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.) wird Abg. Dr. v. S a v i g n y (Ztr.) zum Quästor ernannt. Die Interpellationen über die Lcbensmittelteuerung. Auf der Tagesordnung stehen die Interpellation der Sozialdemokraten über die Lebensmittelteuerung und die Interpellation der Konservativen, betreffend Maßnahmen gegen die Verteuerung des Fleisches. Die sozialdemokratische Interpellation lautet: Was gedenkt der Reichskanzler zu tun, um der die Volksgesundheit schwer gefährdenden Lebensmittelteuerung zu begegnen? Die Interpellation der Konservativen hat folgenden Wortlaut: Es ist in den letzten Monaten eine bemerkenswerte und bedauerliche Verteuerung des Fleisches in vielen Städten eingetreten. Ist der Herr Reichskanzler bereit: 1. gegenüber dem im Zusammenhang damit in letzter Zeit vielfach hervorgetretenen Verlangen nach Leffnung unferer Grenzen für eine vermehrte Vieheinfuhr die schweren Gefahren darzulcgen, welche die Erfüllung dieses Verlangens a) für die deutsche Viehzucht im allgemeinen, b) für die Aufrechterhaltung des Veterinärschutzes und c) für eine nachhaltig ausreichende Fleischversorgung des deutschen Volkes mit sich bringen müßte? 2. Welche Maßnahmen hält der Reichskanzler für möglich, vm der bedauerlichen Steigerung der Kleinhandelspreise von Fleisch in den Städten zu begegnen? 3. Ist der Reichskanzler in der Lage, eine vergleichbare lieber» sicht über die Kleinbandelspreise von Fleisch in den wichtigsten Ländern Europas vorzulegen? Die beiden Interpellationen werden gemeinsam verhandelt. Staatssekretär Dr. Delbrück erklärt sich zur sofortigen Beantwortung bereit Abg. Emmel, (Soz.) begründet die sozialdemokratische Interpellation .Die Folgen der Krise sind noch nicht überwunden. D'e Arbeitslosigkeit ist noch groß, während die Kapitalisten große Gewinne einstreichen, lieber» bhwemmungen und die Mißernte m den Winzergebieten steigern den Notstand bei Arbeiterstand und Mittelstand. Und dazu die Lebensmittelteuerung! Regierung und Reichstag haben sie durch die Erhöhung der Beamtengehälter anerkannt. Auch der König don Preußen ist in eine Lohnbewegung eingetreten, obwohl et pro Tag. das' Jahr zu dreihundert Arbeitstagen gerechnet 52 000 Mark Zivilliste bezog. Die Arbeiter sind bei ihren Lohnbewegungen nicht so glücklich. Da versucht man durch Mobilisierung von allerhand Lumpengesindel den Kampf um Verbesserung ihrer Lage ihnen zu erschweren. Der Redner geht auf Getreidesoll und Viehsperre ein. Nur 281 Millionen hat das Reich nach Brentano aus dem Getreidezoll gezogen, während 2% Milliarden in die Taschen der Großgrundbesitzer gefloßen sind. Die Verschlechterung der Lebensweise degeneriert das Volk. Die Fleischverteuerung ergibt zwischen Berlin und London ganz ungeheure Preisdifferenzen. Der Redner gibt hier wie beim Getreidepreis eine Reihe von Einzelziffern. An der französischen Grenze laufen die Arbeiter stundenweit, um die 2 Kg., die zollfrei sind, zu holen (Ruf rechts: lei» der!). Der Redner gibt eine Berechnung der Berliner Volkszeitung, daß ein Arbeiter mit 1052 Mark Einkommen ein Zwölftel davon an indirekten Steuern abliefern muß, ein Fabrikbesitzer und Großgrundbesitzer aber, der 2070 Mark an Stevern aller Art zahlt, nur den 147ten Teil. In Dresden ist der Fleischkonsum um 19 Prozent pro Kopf zurückgegangen. Dafür steigt der Konsum an Pseroe- und Hundefleisch. Blutarmut und Unterernährung, sckon im Mutterleibe, sind die Folge. Da brauchte die Frau von Vopelius wahrhaftig nicht jenen Rat zu geben! Wer da von Fleischnotrummel spricht, macht sich einer Roheit schuldig. Die »Vossische Zeitung" hat nachgewiesen, wie sehr die Guterpreise gestiegen sind. Die Löhne der landwirtschaftlichen Arbeiter aber sind herabgesetzt worden. Das Volk leidet, aber die Taschen der Edelleute werden gefüllt. Oeffncn Sie die Grenzen und heben Sie die Zölle auf, solange die Teuerung besteht. Warum Nimmt man sich nicht Wien zum Mu st er, wo man argentinisches Fleisch eingeführt hat? Wie weit die agrarische Unverschämtheit geht, zeigt ein vertrauliches Schreiben von Mitgliedern des Bundes der Landwirte bei Frankfurt a. M., worin aufgefordert wird, nicht mehr neue Milchkühe einzustellen, damit der Milchpreis nicht sinkt. (Härt, hort! links.) Das sind Wuchergeschäfte und Preistreibereien schlimmster Art. Die agrarische Wucherpolitik ist ein Unglück für unser Volk. Die Mehrheit des Volkes mißbilligt sie, denn sie ist ein Verbrechen am Dolk. Darum sollte der deutsche Reichstag erklären: Fort mit dieser volksfeindlichen Brot- und Wucherpolitik! (Beifall links.) Abg. Rupp (Kons.): Alles ist schon dagewesen, auch dieser Fleischnotrummel. (Lärm links.) Tie Reichstagswahlen sind ja vor der Tür, daher die Mack)e. (Unruhe links, Rufe von Den Sozialdemokraten: Schämen Sie sich!) Ta heißt es: Nieder mit der deutschen Scholle, hoch der internationale Geldsackl So geht es durch die Presie der Linken, und auch die unparteiischen Blätter beugen sich vor dem Großkapital. Fleischnot und Fleischteuerung sind ganz verschiedene Tinge. Man lechzt förmlich nach dieser Fleischnot (Gelächter links.) Sie ist eine Fata Morgana, der man nachjagt im Interesse des Freihandels, des Großkapitals. Aon Fleischnot ist keine Rede. Tie Statistik beweist, daß der Fleischkonsum fortdauernd gestiegen ist. Schwankungen kommen vor und sind erklärlich infolge schlechter Futterjahre. Nicht mangelnde Produktion der inländischen Landwirtschaft ist schuld; ihre Produktionsfähigkeit hat sich gesteigert (Sehr richtig!) und wird sich immer mehr steigern, wenn ihr die Möglichkeit nicht beschränkt wird durch Maßnahmen, die der Freihandel anstrebt, der die deutsche Volksernährung im Frieden und im Kriege (Sehr wahr! rechts) abhängig machen will vom Auslande. (Sehr richtig! rechts.) Unsere Interpellation erkennt an, daß in vielen Städten Deutschlands eine bedauerliche Fleischteuerung eingetreten ist, und wir richten an den Reichskanzler die Bitte, daß er sich äußert, lvas die verbündeten Regierungen als Grund dieser Fleischte u e r q n g an sehen und welche Maßnahmen sie zu ergreifen gedenken, um sie zu beseitigen. Klarheit ist notwendig, damit Stetigkeit in der Produktion eintritt unb auch in Der Volksernährung; um so mehr notwendig, als gewisse Parteien die momentane Fleischteuerung zu Agttanonszwecken verwenden und alles Mögliche und Unmögliche vorbringen, um das Augenmerk von den wirklichen Gründen der Fleischteuerung abzulenken, eine gewissenlose Hetze gegen d i e Landwirtschaft treiben. Es handelt sich um eine ernste Frage. Einige Momente, die wir als wirklichen Grund der momentanen Fleischteuerung ansehen: die Ladenoerhältnisse in den großen Städten, der Luxus in der Ausstattung, die gesteigerten Ansprüche des Publikums, das provoziert die hohen Preise; das Publikum, das immer vom Besten das Beste haben will. Die Fleischverteuerer sind an anderer Stelle zu suchen als es auf der Linken dargestellt wird. Die Metzger habe ich nicht im Auge: im allgemeinen machen die Metzger ja auch--(Stufe links: Heraus damit! — Heiterkeit.) Aber z. B. die städtischen Schlacht- und Viehhofgebühren, das ist geradezu eine Umgehung des § 13 des Zolltarifgesetzes, dieser Ersatz der fortgesallenen Schlachtsteuer. Die Viehhaltung erfordert viel Arbeit und Kosten. Der Landwirt hat keinen richtigen Sonntag, er muß sehr viel arbeiten und oft erhält er gar nichts Dafür und muß sogar zusetzen, und wenn er das nachweist, dann heißt es: Ja, er har nicht alles eingesetzt — obgleich man ihm vorher die Buchführung empfohlen hat. (Sehr gut! rechts.) Die Landwirtschaft verdien: keine abnormen Preise, weder für Fleisch, noch für Brotgetreide, und sie will sie auch nicht, sondern nur stetige Preise, das beweist der Antrag Kanitz. Die Cef f nung der Grenzen würde die Preise nicht verbilligen, das hat das badische Beispiel mit der französischen Grenzöffnung gezeigt, und bringt die Ge- fahr der Einschleppung von Seuchen. Wie soll der Landwirt seine Viehhaltung vermehren, wenn er nicht Vertrauen zum Gesetz und zur Regierung haben kann? Ich bin fein Junker, ich bin kein Großgrundbesitzer, ich bin ein süddeutscher kleiner Bauer, aber das sage ich Ihnen, die bäuerliche Be- völkerung wird sich die Parteien merken, die hier so gegen ihre Interessen auftreten. (Lebhafter Beifall rechts.) Staatssekretär Dr. Delbrück: Der Herr Reichskanzler hat die Entwicklung der Vieh- und Fleischpreue mit Ernst und aroßer Aufmerksamkeit verfolgt und eingehend alle Diejenigen Maßnahmen erwogen, Die geeignet sein konnten, eine bessere Versorgung Der Markte mit Fleisch zu angemessenen Preisen hcrbcizuführen. Insbesondere bat Der Reichskanzler alle Diejenigen Anregungen zum GegenstanD sorgfältiger Erwägungen gemacht, Die von einzelnen BunDesregie- rungen in zahlreichen Eingaben, Durch öffentliche Korporationen und Verbände und von Privaten unterbreitet worden sind. Am lebhaftesten hat man in Der Öffentlichkeit eine Erleichterung Der Zufuhr von Vieh unD Fleisch aus Dem Ausland verlangt. Zu diesem Zweck wurden Die zum Schutz, unserer Konsumenten und unseres einheimischen Marktes bestehenden sanitats- und beten- närpolizeilichen Vorschriften abgeschwächt ober beseitigt werden müssen. Die Aenderung der Schutzmaßnahmen steht, soweit ,ie anitäts- und veterinärpolizeilicher Natur sind, Den Regierungen der einzelnen Bundesstaaten zu, während der Reichskanzler nur die Durchführung derVorschnften zu überwachen hat. Zwischen dem R e i chs k a n z l e r und den Bundesregierungen hat stets dahin Uebereinstimmung bestanden, daß Art und Maß unserer sanitäts- und veterinärpollzeUichen Maßnah- men jederzeit derart zu regeln sind, daß sie hinreichende Sicherheit gegen die Einfuhr bedenklicher Nahrungsmittel und gegen die Einschleppung von Viehseuchen aus den Produktionsgebieten des Auslandes bieten, so daß die danach notwendige Beschränkung der Vieh- und Fleisch- einfuhr nicht beseitigt werden kann, nur um den einheimischen Markt zu füllen. An diefem Grundsatz mutz umsomehr festge- halten werden, als in Anbetracht der geringen noch immer m Abnahme begriffenen Exportsähigkeit eines grotzen Teiles der m Betracht kommenden ausländischen Gebiete in dem Schutz unserer eigenen — von vorübergehenden Schwankungen abgesehen — dauernd steigenden Viehstände die wirksaniste Vorbeugung gegen die Gefahr einer Fleischnot erblickt werden must Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, ergibt sich zunächst für Ein- fuhrmöglichkeit von Vieh aus den verschiedensten Produkkionsge. bieten des Auslands folgendes: aus Rutzland dürfen an lebenden Schweinen in begrenzter Zahl höchstens 2500 in sieben schlacht- häufet LberschlesienS eingeführt werden. Eine weitere Er- leichterung dürfte sich nicht empfehlen, zumal das Kontingent niemals in den letzten Jahren voll ausgenutzt wurde. Aus Oesterreich.Ungarn dürfen Schlachtrinder in alle dafür eingerichtete deutschen Schlachthäuser, deren Zahl mehr als 100 be- tragt, eingeführt werden, Schlachtschweine in begrenzter Zahl trägt, eingeführt werden, Schlachtschweine in begrenzter Zahl jährlich 80 000 in die bayerischen und sächsischen Schlachthäuser. Den von verschiedenen Seiten gegebenen Anregungen, für diese Schweineeinfuhr weitere Erleichterungen herbeizufuhren, glaubt Der Reichskanzler feine Folge geben zu sollen. , Formell würbe eine solche Erleichterung eine Abänderung unseres Handelsabkommens mit Oesterreich-Ungarn zur Folge haben müssen Ob dieses Haus Damit einverstanDen wäre, mutz um so zweifelhafter erscheinen, als bei der jetzigen ungemein starken Ausbreitungder Maul - und Klauenseuche in Oesterreich.Ungarn, wo 62000 Gehöfte verseucht sind (hört! hört! rechts), solche Erleichterungen zurzeit erhebliche ve- terinär-polizeiliche Bedenken finden müßen. Dazu kommt, datz tn Oesterreich-Ungarn mindestens ebenso lebhaft geklagt wird, als wie bei uns. Aus der Schweiz war eine Einfuhr von Rindvieh und Ziegen wegen Der Maul- und Klauenseuche ganz verboten. Seit dem September Dieses Jahres ist eine Zufuhr aus Dem «Simmentaler Gebiete in beschränktem Matze möglich, weil in diesem Kanton Maul- und Klauenseuche, die dort überhaupt nur vorübergehend aufgetreten ist, sich seit Februar dieses Jahres nicht mehr gezeigt hat. In Frankreich bestand bis vor kurzem ein völliges Vieheinfuhrverbot, das ebenfalls wegen Der Maul- unD Klauenseuche erlassen war. Seit anDerthalb Jahren ist die Seuche in Frankreich völlig erloschen. Daher hat sich der Reichskanzler auf den Antrag der süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Hessen und Elsaß-Lothringen damit einverstanden erklärt, daß eine zif ernmäßig nach Wochenkontingenten begrenzte Zahl französischen Schlachtviehes, Rindvieh und «Schweinen, zur sofortigen Abschlachtung in solchen «Schlachthäusern zugelassen wird, die mit den vorschriftsmäßigen Einrichtungen versehen sind. Die Zustimmung ist außerdem an die Voraussetzung geknüpft worden, daß die Einfuhr wieder verboten wird, sobald die Seuchenverhältnisse Frankreichs sich in einer für unsere Viehbestände bedrohlichen Weise verschlechtern sollten, und daß ferner alle von dem Kaiserlichen Gesundheitsamte als erforderlich bezeichneten Vorsichtsmaßregeln befolgt werden. Die Reichsleitung ist mit dem Gesundheitsamt und den süddeutschen Regierungen der Ansicht, daß unter den bezeichneten Voraussetzungen eine Gefahr der Seu - cheneinschleppung durch Einfuhr französischen «Schlachtviehes nicht besteht. Aus Holland und Belgien ist die Einfuhr lebenden Schlachtviehes nicht gestattet. Auch dieses Verbot gründet sich auf Die Dort in großem Umfang herrschende Mauk- unb Klauenseuche. ES sind zahlreiche Anträge, namentlich von den Städten des westdeutschen Jndustriebezirks an den Reichskanzler gelangt, die die Aufhebung des Verbots wenigstens für Holland verlangen. Der Reichskanzler hat aber in Uebereinftim- mung mit dem preußischen Landwirtschaftsminifter und dem Kaiserlichen Gesund^itsamt Bedenken getragen, diesen Anregungen Folge zu geben. Holland war 1908 und 1907 unge- wohnlich stark verseucht. Noch immer treten einzelne Seuchenherde auf. Man muß also annehmen, daß der Krankheitsftoff noch immer im Lande vorhanden ist und daß er gerade an nicht verseuchten Stellen wieder ausbrechen kann. Die Einführung holländischen Viehes erscheint um so weniger gerechtfertigt, als frisches Fleisch von dort ohne jede Einschränkung eingefübrt werden kann und auch täglich in erheblichem Matze eingeführt wird. Im Jahre 1909 wurde allein für 11 Millionen Mark frisches Fleisch aus Holland eingeführt. (Hört! Hört!) Aus Dänemark ist die Einfuhr von Vieh auf dem Seewege mit zehntägiger Quarantäne gestattet. Die Rinder unterliegen Der Tuberkulinimpfung unD dürfen nur zur sofortigen Schlachtung, wie die österreichischen, den bestimmten Schlachthäusern zugeführt werden. Die entsprechende Bundesratsverfügung von 1898 hatte ihren Grund in der Beobachtung, datz unter Den eingeführten RinDern in hohem Matze Die Tuberkulose verbreitet war. Die Tuberkulinimpfung erschien als das einfachste unD sicherste Mittel, Diese Krankheit zu erkennen unD uns gegen ihre Einschleppung zu schützen. Inzwischen hat man sich leiDer mehr und mehr Davon überzeugen müßen, daß Die Impfung als Schutzmatzregel in mehrfacher Beziehung nicht einwandfrei ist. (Hört! Hört!) Es ist deshalb in Aussicht genommen, sobald Die Darüber schwebenden, mit grotzer Beschleunigung geführten Erörterungen zum Abschluß gebracht sind, die Impfung durch ein anderes vollkommeneres Verfahren zu ersetzen. Von verschiedenen Seiten ist eine Herabsetzung der Quarantäne für das dänische Vieh gefordert worden. Diese beträgt ohnehin statt vier Wochen nur zehn Tage. Eine weitere Herabsetzung wird sich nicht ermöglichen laßen, da sonst eine genaue gesundheitliche Prüfung und Beobachtung der Rinder nicht möglich ist. Die Einfuhr aus Amerika ist für Rindvieh gestattet mit vier Wochen Quarantäne. Hinsichtlich der Einfuhr von frischem Fleisch mache ich Darauf aufmerksam, Daß Schweine-, Schaf- und Ziegenfleisch aus allen Ländern eingeführt werden kann, ausgenommen Rußland und die Hinterländer Oesterreich-Ungarns, nämlich die Balkanstaaten in Vorderasien, Rindfleisch aus allen Ländern, mit Ausnahme Rußlands, der Hinterländer von Oesterreich-Ungarn» Belgien und Amerika. Diese Einfuhr ist ohne Einschränkung frei. Die Fleischeinfuhr aus Rußland ist wegen der Rinderpest verboten. Es dürfte sich nicht empfehlen, Da etwas zu ändern, da die Rinderpest im Kaukasus dauernd herrscht und sonst auch Viehseuchen in Rußland auftreten. Was Amerika anlangt, so muß die Fleischeinfuhr hier solange unterbleiben, als für diese Einfuhr die Bestimmungen des § 12 des Fleischbeschaugesetzes in Kraft sind. Die Kosten, die durch diese Bestimmung notwendig werden, sind aber so außerordentlich hoch, daß eine Einfuhr in größerem Mahstabe unpraktisch fein würde. Die Aufhebung des Einfuhrverbots würde nur dann einzutreten haben, wenn § 12 dcs Fleischbeschaugesctzes aufgehoben wird. Einer Aufhebung oder Aenderung des § 12 stehen aber nach der Auffassung der Reichsverwaltung, die sich auf das «Sachverständigengutachten des Kaiserlichen GesunoheitsamteS stützt und mit der Auffassung der preußischen Landwirtschaftsverwal- tuna in Uebereinstimmung steht, erhebliche Bedenken entgegen. Während daS inländische Schwein einer zweimaligen Untersuchung unterliegt, vor und nach der Schlachtung, kommt für daS ausländische Schwein nur eine einmalige Untersuchung nach der «Schlachtung in Frage. Sie muß deshalb auch besonders zuverlässig sein. Um aber ein solches Ergebnis zu erzielen, ist es insbesondere geboten, daß die inneren Organe nur im Zusammenhang mit Dem Tierkörper eingeführt werden, denn gerade die Untersuchung dieser Organe ermöglicht es erst, mit Sicherheit fest- stellen zu können, ob das Fleisch vom gesunden oder kranken Tier herrührt. Würben die Tierkörper ahne die inneren Organe eingeführt werden, so wäre die Erkennbarkeit gewißer Krankheiten, an denen die Tiere möglicherweise gelitten haben, überhaupt nicht möglich unb die Erkennbarkeit anderer Krankheiten wesentlich erschwert. Der gegenwärtige Schutz gegen die E i fuhr gesundheitsschädlichen Fleisches würde also durch Aufhebung durch § 12 wesentlich abgeschwächt. (Hört, hört! rechts.) Die inneren Organe getrennt vom Tierkörper zur Einfuhr zuzulaßen, erscheint aber deshalb nicht möglich, weil nicht mit Sicherheit festgestellt werden kann, ob daS Organ zum betreffenden Tierkörper gehört. Auch die Anordnung einer Stempelung würde die Möglichkeit einer Verwechslung oder Fälschung nicht ausschließen. tzs ist dann ferner angeregt, durch Ermäßigung oder Beseitigung der auf Futtermittel liegenden Zölle eine Herabminderung der Fleischpreise herbeizuführen. Dazu kann ich mich auf Die Erklärung beschränken: Der grundsätzliche StanDpunkt, den Die verbündeten Regierungen von Anbeginn eingenommen haben, unD an dem sie festhalten,^st Der, daß an dem wohldurch- Dachten, aus sorgfältiger Abwägung aller in Betracht kommenden Interessen beruhender Zollsätze nicht gerüttelt werden darf. Was Die Zölle auf Futtermittel betrifft, so darf ich daran erinnern, daß nach Dem Zolltarif von 1902 zollfrei sind: alle Rüben, Mohren, alle Kleiarten, ebenso Treber usw. unb schließlich sämtliche Rückstände der Branntwein-, Stärke- und Zuckerfabriken. Im übrigen ist trotz des Zolles die Einfuhr von Gerste gestiegen, unter Dem alten Zollsatz von 2 Mark von 7,8 Millionen Doppelztr. im Jahre 1900 auf 16,20 Millionen Doppelztr. im Jahre 1906, und unter Dem Zollsatz von 1,30 Mark von 15,21 Millionen Dopvelztr. im Jahre 1907 auf 23,92 Doppelztr. im Jahre 1909. Auch hier gilt Der Sah, daß Der sicherste Schutz gegen Die Gefahr eines Mangels an Fleisch in Der Stärkung und Erweiterung Der in hohem Maße erweiterungsfähigen eigenen ProDuktion besteht. (Sehr ridbtig! rechts.) Daher kann auf den «Schutz unserer eigenen Produkte nicht verzichtet werden. Endlich ist eine Ermäßigung der Eisenbahntarife für vife Futtermittel angeregt worden. Die Festsetzung dieser Tarife steht den einzelnen Bundesregierungen für Den Bereich ihrer Eisenbahnen zu. Für die preußisch-hessische Eisenbahnverwaltung kann ich nach Benehmen mit dem preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten folgendes bemerken: Die Eisen- bahnfrachtsätze für Tiere sind an sich niedrig. Der Staatssekretär gibt einzelne Ziffern, nach der kilometrischen Entfernung berechnet. Im übrigen war zur Verbilligung von Fleisch auf Den preußischen StaatSbahnen seit Der Teuerung 1906 bereits ein Aus- nahmetarif für frisch geschlachtetes Fleisch, eingeführt für die Zeit vom 1. Mai 1907 bis 81. Dezember 1909 und bis zum 81. Dezember 1910 verlängert worden. Die Beförderung von Futtermitteln, z. V. Kartoffel, Rüben, Kleie, Melasse, Hecksel, Heu, Stroh, Viehsalz erfolgt zum Rohstofftarif, SpeziaUarif III. 229 991 6236 927 481 449 955 990 I] 76 105152 1500] 107115 616 784 980 276295 585 [3000] 773 123102 .36 74 849 49 572 740 680 918 824 749 hP 523 815 079 94 281186 204 81 228 324 5.3g 584 5<6 588 363 627 97 954 822 517 606 .337 911 63 427 Tm Gewinn™ le verblieben: 1 Prümlo zu 300 000 M. 1 Gewinn zu LIO 000. 1 zu 100 OOO, 1 zu 80000, 1 zu 70000. 1 zu 60000. 3 zu 50000. 3 zu 40000. 7 zu 80000, 15 zu 1,5000 43 zu 10000, 83 zu 5000, 1193 zu 3000 1867 zu 1000, 2972 zu 500 13. Ziehung 5. KL 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 23. November Vormittage. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) 79 245 587 680 760 825 1 064 218 419 535 71 631 8al 38 [3000] 948 50 2158 60 237 384 709 33 816 3033 219 366 926 4832 918 [3000] 5447 525 768 920 6043 [500] *»<* 74 641 711 897 7 2 06 34 7 59 [ 500] 508 36 685 722 40 8035 97 186 551 79 634 822 993 9034 420 745 909 52 680 831 722 10299 858 [500] 421 75 680 761 822 11100 740 63 12345 422 612 41 733 802 1 3105 [3000] 250 64 8 752 964 80 [500] 14095 322 28 584 1 5 148 267 540 93 821 [1000] 16025 188 229 712 879 991 17035 200 57 439 895 94.3 18041 [500] 634 1 9031 47 217 98 318 52 545 61 78 [500] 917 20032 245 371 79 411 85 516 36 48 640 826 57 77 942 21111 630 [500] 42 785 825 2 2 127 443 589 2 3 021 211 358 419 46 781 838 933 4 9 2 4357 78 [500] 572 607 [3000 ] 58 722 903 2 5000 25 425 705 89 95 806 929 [3000] 26005 12 24 138 425 [3000] 80 519 939 92 2 7036 1S7 207 361 87 432 525 53 28006 215 87 400 505 8 847 80 928 37 64 2 9223 75 350 84 446 73 [500] 673 713 895 13. Ziehung 5. Kl. 223. Kgl. Preuss- Lotterie. Ziehung vom 23. November nachmittags. Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) (Nachdruck verboten.) AA? ?° 896 [10001 439 l-roOO] 951 8 1 500 82138 50 289 012 36 491 666 [500] 93 702 62 914 62 MW 465 677 011 [3000] 23 84226 896 421 31 [5000] 333 85°J2 123 [3000] 248 64 430 80 513 86190 383 87073 171 [1000] 76 475 860 [3000] 984 88070 [500] 148 ff1-?6«!® 854 953 8 9012 161 87 220 48 347 472 536 ■*» i u i DU , PrelSgestaMmfl bet ^iifTermTffet '"erfordert eine solche einschneidende Maßnahme im Frachttarif nicht. Sie ist für.Die Konsumenten besonders in den letzten beiden Jahren gunfftger geworden. Es kostete Futtergerste im Oktober 1905 günstiger geworden. ES kostete Futtergerste im Oktober 1905 108.75 ”o'im LAber 1906 108 Oft. 1907 143,07, Okt. 1908 121, 1909 mAlliger als im Laufe der ganzen Zeit. ,yur Mais find ähnliche Ziffern. 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Bei un* betragt der S ch w e i n e b e st a n d 22,1 Millionen, in DäuemZ ^,!^aaen, 111 Frankreich 7,2, in Oesterreich 4.6, in Unnarr “ to* foiPmen noch die Niederlande. Nor. ?egen, Rumänien, Schweden m Betracht. Diese acht Länder Cm?r!0 großen Schweinebestand tote wir, obtoohl stt ?A» doppelte Bevolkerungszahl haben. (Hört, hört! reckts.'» Wir h^n^an bon Fler]chnot reden? Eine weitere Absckwächuno ber ©perrmaferefieln ist nach allgemeinem sachverständiaen Urteü unmöglich Auch die Landwirtschaft hat fein Interesse^ an über- ?rnn man behaupten, daß die Zen. hnmspiesse die Arbeiterinteressen verhöhnt! Sie hat sich in der Fürsorge für d.e Arbeiter noch nicht Übertreffen la s n “ ^mfiften bon beu Sozialbemokraten. (Lachen b b Loz^ Hoffentlich wirb die heutige Ausfpracke Beruhigung in hie Kon. fumentenkreise bringen. (Beifall i. Zentr.) * r- n /s!! ? 77 ° 77 ist keineswegs in üe hnä V L 2B4im nutI) die Fleischpreise hoch sind" so sind t affig fAnnU^rfiP?°snh^ ?kuch hier gilt das Sprichwort: es 4r?ifVh$v?-r T1 bagewesen. Dazu kommt, daß sich die ,5 lei sch preise durchaus nicht überall int Gin. rJcfifÄ \ r? hpreisen befinden. (Sehr richtig» SMbreif^n ^ö'fchprelse folgen nur sehr langsam den sinkendes nrtn« ^br richtig! rechts.) Das beweist, daß hier eine anderer Faktoren mit im Spiele sind, für welcke die r@eB^ertArbiDirf^af! 717(61 verantwortlich gemacht werden kann es -nvnli« ist. eine rasche« und billigere Beförderung des Fleisches von Produzenten zum Äonfu, PE?m^^Jck"kannE"d ist eigentlich heute noch ungelöstes ^rotuem ^Zch kann den Landwirten nur raten so- menf&ruÄ -S 6 71 ° f f e 71 f 4 a f f 11 * e n 3usam° Be]ch,ckung einzelner größerer Schlachtvieh- tut^dgß^wir b?mit be»z''.tragcn, was vor affen not- schwankend-, sondern wirklich stabile fumenf^nh hn C na6en' l@?r mit denen der Kon- vertrete nnck w Probuzent bestehen kann. Ich k «.,* ’ä? ss Ä^TOiSSrsg's.'ggygiB ® r6enffetobe6eSfr7-b bCr ^rar,ier’. aIS 8-r-d- i m I N . / eu?r^ ne des kleinen Lanbwirts unb der Arbeitei-- evolfetung (gc. Unruhe b. d. Soz., Zust. rechts), die in die größte Deutschland nicht mehr in der Laae "SÄ1ÄT“"' "-> > «I» «- MMw >„ /.tm s «o2! Mi 761 Ä'TÄ 705 2180-8 276 78 620 ?2?^57^ 22R»n7 L^,2^1038 376 537 700 2222M j?- «J. **3207 703 927 >30000] 69 73 224(4° 7< 67 74 M 901 22R»Z°4o92o25091 >1000 ] 406 41 541'834 < 74 co 901 2 2 6242 92 3*7 99 569 7 >i Rßq qvn t>27t»4 965907? 2283,9 514 93 80 [500] 2qnisi 97 207 45 454 70 537 882 s? »HX9 m 5M87»?5,236185 ”wjl 520° ,791^l10^ 235 n^63 Ä bäS--»™ 150 219°R9R Sm°r 6CL7L 485 601 13001 19 8°6 2 4 1 040 95 5snf<2,4o?fl49:?88 436 48 515 52 840 868 8M® 8°W 64 «»V01..^57 642 E5i 252-3, 6« -q- ,ao r®4 )12 101 55 2^ 3035 259 364 71 2 5 402* 256™ 'M ™s«4S 6^,2 5 5 777 " i'Ä 43 663 9M »n O«,? ?° • 5°0] 711 863 911 25754? 2590.37 fiUT 53i58'01 " 547 665 [1000j 739 69 895 262onlO?i7 I?1 ?47 lLOOO] 249 975 261124 444 6M ?ß9244ftS 636 96 9M? OfiJJ1 458 693 736 690 263180 2651»» 35 qi L orA183 299 303 " 4.3R 66 641 900 43 659'705 oon ,26n?0^193 503 11 2 6 7036 43 511 260 81 ,11 66? 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Ein Interesse an den Preisickwan. 5*) 4m IM «V’ÄSoiJ18 9 3 207 82 208 506'c29 47 848 63 75 936 9-1045 90 [80000] 175 228 413 36 k? a^4 «r.8*3 906 4 4 9 5024 245 52 521 [1000] 49 716 54 Sf» Q«n59 r5°°i 97033 208 36 532 C46 702 [1000] INI 98043 "0 [5001 228 6-30 62 738 893 9 9090 [500] 161 (500] 436 50« 753 [500] 73 816 1OO4G9 558 022 [3000] 52 983 99 1 01 »06 95 xss 041 47 70 94 102038 [1000] 40 153 382 [5001 85 S Ink1???1..»1®3093 98 137 444 r50°l 378 808 104.5., 340 83 97 525 28 804 967 [500] 777 8 2 303 83 647 1 0 6091 289 557 855 [öOOJ 73 300 793 802 935 108042 194 393 -14 19 39 109204 339 87 404 519 [3000] 015 t- r1!?050 74 520 91 6131 800 24 91 111304 411 501 a' r 929 nfl 112149 82 56» 624 74 [5001 733 90 [500j 113356 406 3.3 114180 44 1 8.30 52 930 1 15l»9 47 359 411 58 [500] 605 116120 [500] 97 [5to] »85 iiRni^lu83..666 1170,1 7 1 206 585 ä 7 3 118111 99 211 66 80 306 520 958 [500] 72 83 119161 [1000] 384 400 719 802 30 41 [500] 119161 120195 923 1 2 1 064 193 29t) 316 80 607 35 1 22129 37 201 365 447 54 1 C.08 828 052 78 ----- 416 616 85 787 951 12 4096 909 14 33 139 93 907 [3000] 57 --- 110662 849 531 S81 111082 174 (80001 438 99 112074 8l> 187 ?9fl 8-16 911 1 13040 266 522 154)4)1 18ik1D0° 967 177 990 467 1500] 567 778 1 15111 3.37 457 626 [500] 828 116345 5)1 73 799 l10145,1^4141Qnii^1000J r954 .U8050 494 550 604 905 10 4i«V 119039 147 44I [5001 867 9.37 . _ 120'03 39 204 761 1210.59 75 248 58 424 99 500 900 122171 500 613 948 1 23(134 4 4 265 A8I n.qn 125OM 1,0001 855 '50nl ®-” Ä 5? 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