Crftw Blatt (50. Jahrgang auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: U Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz s für „FeuUle- ton", .Vermischtes* und Nr. 299 Der Siebener IwptptT erscheint täglich, auser EomuagS. — Beilagen: viermal wöchentlich »tebentr^amilicnbläher, Mittwoch, 2\. Dezember 1910 Vezv gspret»: monatlich75 'Bf., viertel- A A jährlich Mk. 2.20; durch JpTV Abhole- u. Zweigstellen B fl monatlich 65 Pf.; durch I B ÄJF M die Post Mk. 2.—viertel- 1 B Br M jährt, ausschl. Beslellg. Bk mg yJ Zeilenpreis: lokal 15Pf., |84r (Dienstag und Freitag); MM D|K M MM M W M W > M W W kSS«aLrIVIlVIlvv II |v' Ferniprech - Anschlüsse: K El ßEj für die Redaktion US, |\jr WLx *««MW für ®6er»e«tn Hir die laflHnunu’« Md Verlag der vr«l>I'sch«n Unio.'vllch- und Sleinörederti 8. £aige. Redaktion, Expedition und Druckerei: rchuistratze 7. A'.t‘bm bi« pomüttnas 9 Uhr. Expedition ffir vtidillgen: Rahnhofftratze 16a. - Telephon Nr. 50. Anz-ia'rnteii: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten. vcotsch niederlSndische Handelsbeziehungen. Holland will feinen Zolltarif wesentlich erhöhen, über, ftne es in den Zeitungen heißt, vom Freihandel zum Schutz- roll übergehen. Auf die deutsch-nieoerländiscl>en Handelsbeziehungen kann dies natürlich nicht ohne Einfluß bleiben. Wie bedeutend diese Handelsbeziehungen sind, geht daraus hervor, daß wir im Jahre 1909 für 253 Millionen Mark Waren aus Holland bezogen und für 4.54 Millionen Mark Waren dorthin geliefert haben. Dazu kommt aber noch unser Warenumsatz mit den niederländischen Kolonien; aus diesen haben wir für 186 Millionen Mark Waren eingeführt, wahrend die Ausfuhr dorthin an Wert auf 41 Millionen Mark sich beläuft. ES ergibt sich also eine Gesamteinfuhr von 439 Millionen Mark und eine Gesamtausfuhr von 495 Millionen Mark Wert. Die Bilanz ist für uns aktiv, soweit der Handel mit Holland selbst in Frage kommt, dagegen passiv, soweit es sich um den Verkehr mit den Kolonien, handelt. Was wir aus Holland beziehen, sind hauptsächlich landwirtscl)aftl'icl)e und Fischerei-Erzeugnisse, während wir nach Holland neben Steinkohlen, Roggen und Weizen vorwiegend Fertigfabrikate ausführen. Mit keinem anderen Lande hat Holland einen so bedeutenden Handelsverkehr wie mit Deutschland, was bei der geographischen Lage beider Länder zueinander auch ganz natürlich ist. Der sehr bedeutende Durchfuhrverkehr durch Holland von und nach Deutschland ist in den vorstehenden Wertzisfern noch nicht einmal enthalten. Dieser Durchfuhrverkehr bildet aber einen wesentlichen Bestandteil der beiderseitigen Verkehrsbeziehungen. Der deutsch-niederländische Handelsvertrag von 1851 befaßt sich in der großen Mehrzahl seiner Paragraphen mit der Regelung der Schiffahrt auf dem Rhein uno seinen Nebenflüssen und mit der Befreiung der Rheinschiffahrt von Schrssahrtsabgaben. Da es nun in der Absicht der beutfdjen Regierung liegt, Schiffahrtsabgaben wieder eilt* zu führen, so muß außer der Rheinschiffahrtsakte auch der deutsch-niederländische Handelsvertrag außer Geltung gesetzt, d. h. gekündigt werden. Die mit Holland wegen Der Einführung von Rhernschiffahrtsabaaben zu führenden Verhandlungen werden sich dann auf den Abschluß eines neuen Handelsvertrages zu erstrecken haben. Oder mit anderen Worten, um Hollands Zustimmung zur Aufhebung der Dbgabefreiheit auf dem Rhein zu erlangen, werden wir den Holländern wohl handelspolitische Zugeständnisse, u. a. auf dem Gebiete unseres Zolltarifs, machen müssen. In Wirklichkeit wird also die Sache darauf hinauslausen: 1. Durch die bevorstehende Einführung seines neuen Zolltarifs erhöht Holland seine Zölle auf deutsche Jndustrie- erzeugnisse. 2. Wir müssen den Holländern Zollerleichfe- rungen gewähren, z. B. eine Zollermäßigung für Holländer Käse, vielleicht auch Erleichterungen hinsichtlich der Einfuhr von holländischem Vieh und Fleisch nach Deutschland, o. Wir erlangen dafür die Berechtigung, Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein zu erheben. 4. Anderseits verlangt aber auch Holland die Berechtigung, die deutsche Schiffahrt aus dem Rhein und auf den Rheinkanälen innerhalb Hollands mit ^Abgaben zu belegen. Man ersieht hieraus, daß die Chancen bei den Verhandlungen für uns nicht sehr günstig sind. Außerdem geben wir mit der Kündigung des bestehenden Handels-- Alte Mädchen. Don Ludwig Speidel.*) Wie gewöhnlich, wenn die Weihnachtszeit herannaht, babe ich wieder eine Nase voll Tannenduft, und diese von der Kindheit her vererbte angenehme Gewohnheit, «die ich noch jetzt in jebcm Sinne grün nennen möchte, stimmt mich mitteiläm, soweit ein von Natur so kurz angebundener Mensch auf solche freigebige Bezeichnung Anspruch machen darf. Doch schäme sich des Kindes in ihm, wer da will — wir wollen nicht die Philister sein, die altklug von der Höhe ihrer Weisheit herabschauen, wenn unseren Kindern der Wald ins Haus wächst und in jedem Tannen- wedel das Harz sich rührt und das warme Gemach mit Wohlgeruch erfüllt. Tas ist der wahre Dust der Seligkeit, die Atmosphäre des Kinderhimmels. Das riecht nach Gluck und bringt es auch, erschiene es nun in Gestalt von funkelnden Diamanten oder vergoldeten Walnüssen. Ich höre es wieder in den Wänden rieseln, als ob tausend geschäftige Geister ihr Wesen treiben; die Türklinke knackt leise, ohne daß jemand in die Stube tritt, und ein Rascheln und Flüstern geht durch das Haus, welches man nicht allein dem geschüttelten Rauschgold zuschreiben möchte. Die Familiengeister gehen um, zumal der hundertsältig sich teilende Geist der Mutter, der jedes Bedürfnis rennt und wahrt, vom ausgezogenem Saume des zu langen Unterröckchens bis zum Seelenheile des kleinen Naturheiden, der ihrem Schoße entsprossen. Zwischendurch, wenn eine ferne Tür ausgeht, erschallt frisches Kinoergelächter, oder ein zärtlich fortgescholtenes neugieriges Gesicht guckt in das Zimmer herein. Aber die Heranwachsenden Mädchen sind schon vom Geiste der Mutter beseelt denn während die Gute selbst, jeden Wunsch bedenkend den Familienbaum rüstet, putzen sie für arme Kinder eine Reine Tanne, auf deren Spitze sie ein kleines Knäblein setzen, welches sehr gesund aussieht, und von dem in kindlichen Kreisen die Sage geht, daß es die Welt erlöst habe. Und die Sage hat recht, Kinder, kleine wie große — wenn sie groß geworden nennt man sie Genies — erlösen die Welt noch täglich, und am heutigen Kindertage, ihr Kleinen, ist unsere Seligkeit nur ein Abglanz der eurigen. Die kleinen Heilande blicken uns aus ihren *) Wir entnehmen dies gemütvolle Feuilleton dem soeben erscheinenden dritten Band der Schriften Ludwig Speidels. Das verhältnismäßig sehr wohlfeile Buch enthält eine Auswahl der schönsten Weihnachtsfeuilletons, die der Meister Ludwig Speidel tm Laufe von Jahrzehnten geschrieben. Eines seiner berühmtesten Weihnachtsblätter ist das Feuilleton, daS wir hier im Einverständnis mit dem Verlag Meyn U- Jessen, Berlin SW.) zum.Abdruck bringen. Vertrages auch einen Vorteil preis, der uns durch diesen Handelsvertrag zugesichert ist und der uns beim Abschluß eines neuen Handelsvertrages wahrscheinlich nicht wieder zugestanden werden wird. So veraltet nämlich auch der Handelsvertrag von 1851 im allgemeinen ist, so enthält er doch eine für unseren überseeischen Handelsverkehr sehr wertvolle Bestimmung, die darin vereinbarte Meistbegünsli- gung erstreckt sich auch auf unseren Handel mit den niederländischen Kolonien, und zwar derart, daß deutsche Waren beim (Eingang in die Kolonien im allgemeinen keinen anderen oder höheren Zöllen unterworfen werden dürfen als die gleidjartigen Waren des Mutterlandes. Dadurch sind Zolldisfetenzierungen in den niederländischen Kolonien zugunsten des Mutterlandes im wesentlichen ausgeschlossen. Wird uns Holland beim Abschluß eines neuen Vertrages dieses wichtige Zugeständnis erneuern? Nachdem fast alle übrigen Kolonialstaaten — außer Deutschland — dazu übergegangen sind, den eigenen Erzeugnissen und Fabrikaten Vorzugsbegünstigungen in ihren Kolonien und überseeischen Besitzungen einzuräumen, wird voraussichtlich auch Holland sich die Möglichkeit zu ähnlichen Maßnahmen offen halten wollen. Man sollte sich daher die Sache recht sehr überlegen, bevor man zu der Kündigung des Vertrages schreitet. Die Vereinfachung der hessischen Staatsverwaltung. R.-B. Darm stadt, 20. Dez. Der im vorigen Herbst auS Mitgliedern beider Ständekaminern gebildete Ausschuß zur Vereinfachung der Staatsverwaltung hielt heute nachmittag im Sitzungssaals der Ersten Kammer unter Vorsitz deS Staatsministers Ewald eine Beratung ab, der von der Negierung noch die Herren: Minister des Innern o. Hombergk und Geheimeräte Dr. Becker und Best, sowie der Präsident der Oderrechnungskammer Geh. Rat Dr. Ewald beiwohnten. Die Beratung drehte sich ausschließlich um die Frage der Umgestaltung der Oberrechnungs kämme r. Bei der vorjährigen HauShaltSberatl>ng war von beiden Kammern übereinstimmend an die Regierung das Ersuchen gerichtet worden, in Verbindung mit der Vorlage zur Vereinfachung der Staatsverwaltung eine Umgestaltung der Ober- rechnungLkammer durchzuführen und zwar nantenlllch unter dem Gesichtspunkte der Reorganisation, sowie der Anstellung von Revtsionsbeamten bei den Lokalverwaltungsbehörden zwecks Aufhebung oder Entlastung der zweiten Abteilung lIustifikatur). Infolge dieses Beschlußes hat nun auf Ersuchen deS Staatsministeriums die Oberrechnungskammer eine Denkschrift über die Organisation dieser Kammer angefertigt, in der sowohl über die Tätigkeit und die Ausgabe der Ober- rechnungskammer, wie über die ähnlichen Institute in den anderen deutschen Bundesstaaten ausführliche Angaben gemacht worden sind. Ueber diese Denkschrift, sowie namentlich über die von den Kammern angeregte Frage der Dezentralisierung erstattete nun in der heutigen Sitzung deS Ausschusses ein Mitglied der Ersten Kammer, der Fürst zu Isenburg-Birst ein, einen eingehenden Bericht, an dem sich eine allgemeine Besprechung anschloß, in der namentlich die Gründe für und gegen die Dezentralisierung ausführlich erörtert wurden. Während von der einen Seite die Durchführbarkeit der großen Kinderaugen erstaunt an; sie kennen die arge Welt noch nicht und spielen lächelnd mit einer Passionsblume. Wenn ich aber bei den Kindern dankbar zu Gast sitze und mich jm ihrer Seligkeit sonne, so muß ich jedesmal der Stiefkinder des Glückes gedenken, denen der Himmel nur graue Tage und öde Nächte beschert. Ich will nicht von den Armen reden, denn was ist arm und reich? Wir sind nie reich genug um den hohen Flug unserer Wünsche zu erreichen, und selten so arm, daß wir nicht tählicy einen Sonnenstrahl der Freude einfangen könnten. Ich will von wahrhaft armen Wesen sprechen, die so oft, wenn alles sich freut, traurig beiseite stehen, traurig und unbeachtet wenn nicht gar verachtet. Diese Aschenbrödel der bürgerlichen Gesellschaft, am Weihnachtstage, als dem Feste der Kinder doppelte Asck>enbrödel sind — das Wort will kaum aus der Feder — die alten Mädchen. Alte Mädchen! Mädchen und alt! Es besteht ein solcher Widerspruch zwischen diesen Wörtern, daß sie selbst erstaunt sind, so hart nebeneinander zu stehen. Mädchen — ein Geschöpf voll Verheißung, eine blühende Anweisung auf Leben, Genuß und Glück! Und alt — der Abgrund alles Unwünschenswerten! So grausam «aber diese Bezeichnung auch sein mag, sie ist nicht grausamer als das Geschick, der damit Bezeichneten. Ein altes Mädchen sein, heißt ein Schicksal tragen, an welchem eigene Verschuldung nur in den fettesten Fällen einen bedeutenden Anteil hat. Man ist meistens ein altes Mädchen, wie man ein Genie ist: ohne Verdienst oder Schuld, nur mit dem scheidenden Unterschied, daß dem Genie, weil es das selbstverständlich Göttliche ist, alles als Verdienst, dem alten Mädchen aber, weil es ein schicksalsvolles Unglück trägt, alles als Schuld angerechnet wird. Es gibt im strengsten Sinne notwendigerweise alte Mädchen: Natur und gesellschaftliche Verhältnisse wollen es so; was aber notwendig ist, gerade das an mir verspottet und verlacht zu sehen, ist das Unbarmfrengifte und Unerträglichste. Ein altes Mädchen fordert wenn nicht Mitleid, doch Mitgefühl heraus. Schon in frühen Zeiten hat die Frage der alten Mädchen die Geister beschäftigt. Mit seiner heiteren Anschaulichkeit schildert her Vater der Geschichte eine babylonische Sitte, die es mit unserem Gegenstände zu tun hat. „In jedem Dorfe," erzählt Herodot, „wird alle Jahre also einmal getan: Wenn die Mädchen mannbar geworden, so mußten sie alle zusammengebracht und auf einen Haufen geführt werden. Ringsumher stand die Schar der Männer. Sodann hieß der Ausrufer eine nach der anderen aufstehen und versteigerte sie. Zuerst die allerschönste; bann sobald diese um vieles Geld erstanden war, rief er eine andere aus, welche nächst dieser die schönste war, aber alle mit dem Beding, daß sie geehelicht würden. Was nun die Reichen unter den Babylonem waren, die da heiraten wollten, überboten einander, um die Schönste zu feelommcn; was aber gemeine Leute letzteren betont wurde, wiesen die ReglerungSocrlreter an der Hand der Darstellung in der Denkschrift auf die großen Schwierigkelten hin, die sich bet einer (Übertragung der Re- öifionSarbeiten auf die Kreisämter ergeben würden. Endgültige Beschlüße wurden in der heutigen Sitzung noch nicht gefaßt, es soll vielmehr im nächsten Monat eine wettere Beratung über diese Materie stattfinden. württembergische und sächsische Maßnahmen gegen die Zleischieuerung. Stuttgart, 20 Dez. Das Ge s a m tko lleg inm? der Zentralstelle für die Landwirtschaft, teiä' gestern in Gegenwart des Ministers des Innern über Maßregeln gegen die Fleischteuerunb verhandelte, hat, wie der „Schwab. Merkur" berichtet, einstimmig beschlvssm, zur allmählichen Ausschaltung des Zwischenhandels eine Viehverwertungszentrale für das ganze Land zu schaffen. Weiterhin wurde einstimmig eine Erllcirung angenommen, die von dem Standpunkte aus, daß die Zulassung fremden Schlachtviehs für die einheimische Fleischprodu^ tion nachteilig sei, die Regierting auffordert, diese Zulassung' bei Rindvieh allmählich, bei Schweinen tunlichst bald zurückzuziehen. Dresden, 20. Dez. Der „Sachs. Landesdiens^ meldet: Der sächsische Gesandte in Berlin wurde von der sächsischen Regierung telegraphisch angewiesen, bei des Reichsregierung zunächst die Einführung französischen Viehs für die Schlachwiehhöfe Dresden, Leipzig, Chemnitz, Plauen und Zlvickau zu beantragen. Lin Vertrauensvotum für vriand in der französischen Kammer. Paris, 20. Dez. In der französischen Kammer erklärte am Dienstag der Ministerpräsident Briand, auf tert Staatsbahnen werde keine Entlassung aufrecht erhalten, die nur wegen der Teilnahme an dem Streik ausgesprochen worden sei. Die Eisenbahngesellschaften versprachen ebenso vorzugehen. Don einem allgemeinen Straferlaß könne nicht die Rede fein, da man sonst Gefahr liefe, die Disziplin nachteilig yt beeinflussen. Die Regierung wolle einen ausgü»ehnten sozialen Fortschritt und um ihn zu erreichen, müsse sie Ordnung haben. Briand nahm sodann die Tagesordnung Rubi er an, die von den Erklärungen der Regierung Akt nimmt und ihr das Vertrauen ausspricht, daß sie beabsichtige, bei den Staatsbahnen eine Revisio-n der Kündigungen mit Wohlwollen vorzunehmen und in diesem? Sinne auch bei den Eisenbahngesellschaften vorgehen lvolle. Darauf stellte Briand'die Vertrauensfrage. Der Teil der Tagesordnung Rubier, der von der Regierungserklärung AkÜ nimmt, wurde schließlich mit 425 gegen 80 Stimmen, der Teil, der der Regierung das Vertrauen ausspricht, mit 354 gegen 106 (Stimmen, die gesamte Tagesordnung mit 405 gegen 90 «Seim* men angenommen. Das Ergebnis öer englischen Wahlen. L ondo n, 20. Dez. (6 Uhr abends^) DieWahlensind^ beendet. Heute wurden 1 liberaler, 1 Redmondist, 1 Dbricniflf gewählt. Die endgültigen Ziffern sind: Liberale 2 71 a Unionisten 27 2, Vertreter der ArbeiterpartqH 43, Redmondisten 74, Obrienisten 10. Die Unionisten gewinnen 28 Sitze und verlieren 29, die Liberalen gx winnen 23 und verlieren 26, die Arbeiterpartei gewinnt 4 von tert Unionisten und 1 von den Liberalen und verlieren 3 Sitze, btd Redmondisten gewinnen 2 von den Unionisten und 3 von tert Obrienisten und verlieren 2 Plätze an die Obrienisten. Das waren, denen es nicht um Schönheit zu tun war, die bekamen die häßlichen Mädchen und noch Geld dazu. Denn wenn der Ausrufer alle schöne Mädchen verkauft hatte, so mußte die Häßlichste aufstehen, und nun rief er diese aus, bis sie dem Mindest- sordernden zugeschlagen wurde. Das Geld aber kam ein von den schönen Mädchen, und auf diese Art brachten die schönen die häßlichen an den Mann. . ." So weit Herodot. Dieser^ babylonischen Methode, eine soziale Frage zu lösen, hängt doch» vom übrigen Bedenklichen abgesehen, ein großer Fehler an: sie legt einen schwankenden Maßstab zugrunde. Denn was ist häßlich? Es gibt immer noch eine Häßlichere, also keine unbedingt Häßliche. Häßlich sein ist noch kein Hindernis, reizend zu sein, und wie oft — es gehört zu den Geheimnissen der Liebe — werden die schönsten Männer von häßlichen Frauen beseligt. Häßliche Mädchen, die ihre schöne Seele nicht an den Mann gebracht haben, sind die Minderzahl unter den alten Mädchen. Man wird aus allen möglichen Gründen ein altes Mädchen, aber zumeist, weil die Natur die Geschlechter ungleich verteilt hat und weil die Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft nicht darnach angetan sind, das gesamte Liebeskapital der Mädchen fruchtbrinaend anzulegen. So sind die meisten alten Mädchen reine Opfer. Alle die verschiedensten menschlichen Motive spielen zwischendurch. Das alte Mädchen ist oft aller Romantik voll. Sie hat einen Roman gehabt, einen erlebten oder einen erträumten. Er ist ihr gestorben, er hat sie für eine untere verlassen, oder er hat ihr stilles Werben nicht bemerkt. Sie hat ihr Glück vielleicht versäumt, es unbedacht ausgeschlagen, ober es ist nie ft> nage an sie herangetreten, daß sie es mit betf Hand erreichen konnte. Sie sieht sich von der höchsten Aufgabe der Frauen ausgeschlossen, und der Kummer darüber geht ihr zeitlebens nach, wenn sie nicht zufällig eine Amazone oder eine »eilige ist. Manche nennen sie glücklich, denn wenn sie dir Freude nicht habe, so fehle ihr dafür auch das Leid. Daß sie aber auch die Freude des Leids nicht hat, das vergessen die meisten. Glück im höchsten Sinne zu gewähren, ist ihr benommen. Frauen können so beglücken, daß in ihnen ' selbst, sogar unter Kummer und Sorgen, eine Fülle des Glücks wohnen muß. Oder ist nur diese überschwängliche Fähigkeit, beglücken zu können, ihr wahres Glück? Ein unberührter Schatz von Liebe ruht oft in dem Herzen alter Mädchen und geht ungenützt mit ihnen zu Grabe. Ihre verfehlte Bestimmung können sie nicht vergessen, selbst wenn sie ihr Leid ins Kloster tragen. Die Nonne noch spielt mit der Liebe, mit der Ehe. Da ihr das nächste- nicht erreichbar gewesen, stteckt sie die Arme nach dem F-ermsteiu aus; aber nur, um eS ihren Bräutigam zu nennen. Schöner, liebt man alte Mädchen in irdischer Tätigkeit walten, indem ifc.i wenn auch innerlich verblutend, und ihre Tränen verschluckend | LU Schutzgenien ihrer jüngeren .Geschwister, jchrer Familien oder! Deutsche» Neich L4 war 'Parlament wird am 31. Januar iixfttmmcntreten. Die feierliche Eröffnung durch den König wird aber erst am 6. Februar stattfinden. gar fremder Kinder werden. Würden sie hassen, so hätten sie ihr Los verdient. Ich sehe erivaS Heiliges in guten alten Mädchen, wie über- Haupt im Unglück, wo über der eigenen Verschuldung falls sie vorhanden, eine höhere Macht entscheidend gewaltet hat. Man wird mich wohl am Ende als den Pindar der alten Jungfrau verlachen. Sei es drum! Tausende mögen mich verspotten wenn ich am heutigen Freudenlage nur einem jener Wesen, bie zu den Opfern der Ge,ellschast gehören, mit einem einzigen Wort wohlgeian habe. Angelo Neumann f. P r a g, 20. Dez. znrr Direktor des Deutschen Landestheaterö Angelo Neumann i|t heute früh an einem Herzschlag ge- jl o r b e n. Einer der charakteristischesten Köpfe in der deutschen Theater- Welt i|t in Angelo Neumann dahmg eg äugen. Am 18. August 18ö8 in Wien geboren, war Angelo Neumann ursprünglich für den Kaufmannsstand bestimmt, widmete sich bann aber der Sänger- lau j bahn, war als U-rischer Tenor in Köln. Krakau, Hamburg, Pcegburg und Danzig engagiert und kam im Jahre 1862 ans Wiener Hosoperntheater. Hier machte er sich auch mit den technischen und szenischen VerlMtniisen ber Bühne vertraut, denn rn ihm einten sich ein großes künstlerisches Wollen und ein Erkennen der praktischen Bedürfnisse, die das Theatcr erfordert. Lt August Ferner, einer unserer hervorragendsten Lehrer bei Schauspielkunst, einer der friniten Kenner des modernen Theaters, wurde auf bie Vorzüge bes jungen Sängers auimerksam, und als Förster die Direktion des Leipziger Stadttheaters übernahm, zog er Angelo Neumann a.s Mitleiter hinzu. An dieser Kukiitstäue konnte Neumaim in einer selbständigen Stellung seine ins Große gehenden Ideen verwirklichen. Unter seiner Leitung ging Nichard Wagners „Ring der Nibelungen", der in seiner Gesamtheit bis dahin nur im Bayreuiyer oestlpielhause gegeben worden war, im Jahre 1880 zum ersten Male in all seinen vier Teilen an einer normalen Theaterbühne in Szene. Als er später bie Direktion des Bremer Stabtthea.ers und dann bie des Deutschen Landestheaters in Prag übernahm, machte er durch feine theatralischen Unternehmungen auch außerhalb seines engen Wirkungskreises von sich reden, er wurde der Schöpfer der Maisest- spiele, die er auch unter Mitwirkung der hervorragendsten Kralle rn Berlin einzusühren versuchte. Angelo Neumann hat sich in der Theatergeschichte von heute einen ersten Platz erobert, und allein die Tatsache, daß er der Welt gezeigt hat, wie Wagners Riesenwerk jeder Opernbühne erschlossen lucroen kann, gibt seinem Wirken bas Gepräge des Aussergewöhnlichen. Aul das Kunstleben der deutschen Reichshauptitadt insbesondere hat, so lesen wir rm „Tag" Direktor Neumann im Lause der Jahrzehnte so oit, so mannigfaltig und so nachdrücklich euigewirkt, bau er hier nie- TnaU dlo em Fremder galt. War er es oou>, der die geiamie filmt» eitU119 M längere Zeit geplanten, inzmisä-ei» aber end» ßültiö begrabenen Projekts der Großen Oper am Lursürstendarnm übernehmen sollte. Ans iiii0 Lau0. (Sieben, 21. Dezember 1910. * * TageSkaleL>?r für Plutwoch, 21. Dez. Stadt- theater: »Den Köni^ der Schuh'. Aniang 1 Uhr. • * * Lehrerpe^i^n alten. llebertrage^ wurde dem Lehrer Hch Lorz AI. erishofen -Hoxhohl eine Lrhrer- stelle an der Gemeind, schule zu Kleestadt. * ** Lehrkräfte gesucht. Da- Ministerium hatte für unsere Vvlkssckmle einige Lehrer- und Lehrerinnenstellen ausgeschrieben, ju besehen sind sieben Stellen, darunter eine mit einem katholischen Lehrer und eine mit einem israelitischen Lehrer, sowie eine PräsenlationSstelle. Für die leistete haben sich 10 Bewerber gemeldet, während für die übrigen Stellen 25—30 Meldungen vorliegen. Die städtische Verwaltung hatte beantragt, sämtliche Stellen nur mit Lehrern zu besehen, dagegen will das Schulniini- sierium mindestens zwei Stellen mit weiblichen Lehrkräften besehen. Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter trifft am Mittwoch inMünchen ein, um sich dem Prinzregenten vor- zustellen. Mittags um 12 Uhr wird der Staatssekretär vom Prinzregenten in Audienz empfangen und nachmittags zur Tafel geladen. Am Donnerstag abend findet ihm zu Ehren bei dem Minister v. Podennls ein gröberes Essen statt. Der Entwurf über die Privatbeamtenversicherung wird Anfang Januar dem Bundesräte zugehen und veröffentlicht werden, nachdem die Beratungen der preußischen Ressorts über diese Materie beendet sind und im allgemeinen der Entwurf ihre Zustimmung erhalten hat. Beabsichtigt ist, den Entwurf im Buiidesrat noch im Laufe des Januar zu verabschieden, so daß er dem Reichs- tage voraussichtlich schon (me Januar wird zu gehen können. Die Verhandlungen der Provinzialvorsiände der nationalliberalen und fortschrittlichen Volks- Partei der .Provinz Hannover über ein gemein- lames Vorgehen bei den nächsten Reichstagswahlen wurden ergebnislos abgebrochen, weil der Vorstand der Nationalliberalen erklärte, daß, abgesehen von dem im fortschrittlichen Besitz befindlichen Wahureis Eutden, er keinerlei Konzessionen machen könne. Tie „Berliner Korrespondenz^ erklärt gegenüber der Zeitungsmildung, daß in maßgebenden Kreisen her preußi- "BeschaffungdeSSaatguteSfürdledeut- schen Wälder. Ain SamStag sand in D a r m st a d t eine Versammlung statt, die über bie Frage beriet, wie bie Beschallung von Kiefernsaatgut zum Walbbau auf rationelle Weise zu rrfcJgen habe. Nachdem bereits in der Versammlung des Deutschen Forstwirlschafisrates, und am 2. September in Ulm durch einen engeren Ausschuß die nötigen Vorarbeiten getroffen worden waren, die bann zu der Ulmer Entschließung für die deutschen Prioaiklenger führten, traten diese zur Festlegung von Grundsätzen zusammen Ferner wohnten dec Versammlung bei: Ober» |orftrat Hem als Vertreter des hessischen Ministeriums, die Forstbeiräte der Landwirtschastskammern für Brandenburg, Provinz Sachsen, Pommern und Westfalen, sowie Besitzern von ersten beiu)d>en Privatklenganstalten und Forst- baumschulen. Die beiden Jnteressenlengruppen verpflick)- leten sich, im Sinne der ausgestellten Satzungen zu arbeiten. Die Verhandlungen, die sich bis zum Abend ausdehnten, nahmen einen befriedigenden Verlaus für sämtliche Beteiligte. Die Erfüllung der getroffenen Vereinbarungen wird von höchster sorslwirtjchastiicher Bedeutung für bie Zukunft des deutschen WalbeS sein, da den deutschen Privatkleng- anstalten em gesicherter AbsaY für die Produktion ihres Kiesernsaatguts an deutsche Waldbejiher gevoten werden soll. ♦♦ Der Guyot-Stiftung für bie Zivecke bet evangelischen G e m e i n b e p f l e g e in Hessen sind dis jetzt 715,03 Mk. einmalige Beiträge überwiesen worocn, während an Jahresbeiträge!» 124 M. für 1911 bezahlt oder m Aussicht gestellt wurden. Der erste Bericht über bie bisher emgegangenen Beiträge sindet sich int Anzeigenteil unseres gütigen Blattes. Möchte die Weihnachtszeit aud) diesem Liebeswerke Herzen und Hände reichlich öffnen. ~ Al l deut scher Verband. Tie hiesige Otisgruppe des Alldeutschen Verbandes hielt gestern eine Mitglieder- Versammlung ab, in der der Vorsitzende über die gelegentlich öc5 KoibeavendS getroffenen Maßnahmen Bericht er- Hottete. Die anwesenden 'Mitglieder spräche»» einflimmig ihre Billigung zu diesen Maßnahmen auS. - S la btt Heal er. Tie für die Feiertage bestellten Karten werden vom Freitag an für alle dre» Feiertage ab- ökgeben. Bemerkt sei, daß in bet Vorstellung , lieber die Hf oft* am 25. Dezember Gutscheine Giltigkeit hal n — Au, 5 ontag,. S. Januar, findet em einmaliger BorttagSobend oon 'Marzcll Salzer statt, über den noch Näheres bekannt gegeben wird. Todesfälle. In Darmstadt ist der Kommerzienrat Karl Schenck, der Begründer der weltbekannten automatischen Wagenfabrik Karl Schenck, G. m. b. H., gestorben, der namentlich auch auf dem Gebiete der Woh- uungsjürsorge für Arbeiter hervorgetreten ist. — In Offenbach starb der Stadtv. Herm. Roos en; er war als Mitglied der Handwerkskammer ein eifriger Förderer des hessischen Hanowerks. ** Arbeitslose nzählung. Nach einer Zählung, die sur unsere Stadt gleid^eitig mit der Volkszählung vorgenommen wurde, betrug die Zahl der Arbeitslosen am 1. Dezember 49. Es handelt sich in allen Fullen um vor- überßeijcnbe Arbeitslosigkeit. ** Fo nbs zu r Geivährung von Beihilfen bei Ueb er schwemm un gen. Nach ben Vcröfsentlichuugen über bai Ergebnis der Verlvaltuna des hesstschen Fonds zur Gewäh- fuug von -betIjdien bei Hebeildjaocmniunaen für das Berichtsjahr 1009 lind /037,37 Mk. vereinnahmt, davon Kässenvorrat aus lrlihcren Jahrm 154U,L4 Mk., Jiapitalsinicn 4039.Ü3 Mk, »u- tttdgejablte Äapitalieii 1948,60 Mk. Ti- Ausgaben bet'niaen b m?anl nru ausgelichene Kapitalien und 6 5 3 0,66 Ma c k B c > h > l i e n. Das ueriinsliche Kapital- pcrmogcn des Foirds betrug Ende Mar, 1910: 117 900 Mk. *Dte Mattl-und Klauenseuche ist in Ibers- heim, Kreis Worms, feftycftcllt worden,- Schutz.nagnahmen mb angeorbnei. Neue Ausbrüche bec Seuche finb ferner ßemclbet aus: Kirchberne, Regierungsbcrict Arnsberg, bit HÜndleroie.-; Königslutter, Herzog 7.m Braunschweig; Azmannsborf, Grofth. Saaiien. Weimar. " KreiS Alsfeld. △ Eiornborf, 20. Tez. Für bie Orte Ltorndorf Dirlaiumen unb lllieiche« soll ein Äruppenwasjerwek^. Major Domini» f. Berlin, 20. Tez. a i o r Dominik von der Schutztruppe für Kamerun ist nach einer telegraphischen Meldung aus Eona..ry, in franzosisd) Wesiajrda, am Lu. Dezember an Bord des Tampsers „Eleonore Wörmann", der den Sd)werrranken nad) bet He»»nat bringen sollte, an akuter Herztlappenentz ü»»bung gestorben. Maior yans Dominik, cAbuten am 7. Ma» lö/U zu KUlm, Negievuugsöczirk Marie nm e^i>er, als Sohn bcö uciiioibcnen Ober- stabS- unb Regimentsarztes Dvmmik uno icina m Berlu» lebenben Gaiiiu Katharina, geb. Lömeuberg, trat nach dem Besuck) der Gymnasien zu Potsvam unb Schioedt an der Oder, sowie bet Ptiluar-Borbereüungsanstatt bes Dr. Wepers in Verlm ün Aprd 1869 in das Grenadierregiment Prinz Karl von Preußen (2. Brandenburgisches) Nr. 12 ein. Er wuroe 1HJ0 zum Seloiideleuiiiai»» besörderi. Drei Jahre später erfolgte zivecks Vermendung im Schutzgebiet Kamerun seine Komincurdic^ag zur Dien|Ue»stung beim Auswärtigen Amt unter Stellung ä la suite seines Rrgi- merit5. 1897 wurde Dommik unter Benetzung zum Grenadierregiment 9ix. 4 (ä la suite desselben) unb U tter Belassung in dem Kommando beim Auswärtigen AnU zum Prennerleuinarck be- förbert Als solcher trat er nach feinem Ausscheiden aus dem Heere im August 1897 zur Schutztruppe ?;r Kamerun (ro*. /T' v*i ä la suite derselben) über. Im Jahve iLoO kehrte V«.* storbene — als Oberleutnant im Jnsanteriu-Regiment Srncral- feldmarsck>all Prinz Friedria.) Karl von ,^ßen (8. Brandenburgisches Nr. 64 — zur Armee zurück .rb war vom Cfiobct 1900 bis Mitte 1901 zur Kriegsakademie kommandiert. Aber bereits Ende Mai 1901 trat er — unter gleichzeitiger erneuter Kommandierung zum Answärtigen Amt — wiedenum zur Schutz- trnppe für Kameru . über, wurde im September 1904 zum Haupt- mann befördert uni 1907 vorübergehend ben. 1. Scebatalllon überwiesen. Im Llpril 1908 würbe er abermals, und zwar unter Enthebung vom Kommando beim Auswätt'^rn Amt, in bie Kameruner Schutz truppe eingereiht, in der vr am diesjährigen Ge- bnrtslagsfeste des Kai» rs den Charakter al8 Major erhielt. Major Dominik, dessen verdienstvolle Tätigkeit bei der Niederwerfung des letzten Maka-Ausstandes noch in frischer Erinnerung steht, hat über zwanzig größere Expeditionen geführt und ist auch mehrfach verwundet worden. Seine greßen Erfolge im kolonialen Kriegsdienst sind von Allerhöchster Stelle mehrfach durch Verleihung von OrdensauSzeichnungen mit Schwertern anerkannt worden. Die ,.Nordd. Allgem. Z.g." schreibt: Die Betriebseinnahmen der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahnen betrugen im November gegenüber November 1909 int Personenverkehr 2.6 Mill. Mark gleidj 6.77 v. H., im Güterverkehr 9.3 gleich 8.05 v. H, insgesan: einschließlich Mehreinnahmen auS sonstigen Quellen 13. pleich 8.24 v. H. Tie Zahl der Sonn- und Werktage ui beiden Jahren gleich fdjrn FinanzpoNttk gegenwärtig der P^an erwogen werde, für die untersten vier Stufen die Einkommensteuer demnächst fallen zu lassen, also Einkommen bis 1500 Mark von der Besteuerung au entbinden, daß Erwä- gunaen der angedeuteten Art schon aus rein finanziellen Gründen bei der preußischen ö^lltt^5üer^Ql* tung nid)t in Frage gekommen sind 21USU1HO. Erzherzog Franz Ferdinand begibt sich am 27. Dezember nach Ofenpest, um als Vertreter des Kaisers am 29. Dezember die beißen Delegationen feierlich zu empfang en nno die Thronrede zu halten. Der „Times" z.folge melden indische Zeitungen, daß Schira) von der Außenwelt völlig abgeschnitten sei. Der Postdir^st sei gestört, Briefe von JSpahan brauchten 26 Tage. Das Judeiiviertcl fei gänzli^' zerstört, »vor.irdcr auch der Har.del erns'l'ch Not leidet. , Köln. Ztg." meldet tC Tanger: Gegenüber dem Vorhaben einer fi.arzfischen Ges.ldchast in Easa» b l a n c a dort unter Umgehung der AlgeciraSacte ein städtisches E l e k t r iz i t ä t 2 w e r k zu err’ hten, hat, r.U i-rv L-^'espondent der „Köln. Ztg." hört, die fran- zösV>7»! ^Licrung ersreulicherrveiie den m dieser Sacha vei- trele-^ Standpunlt dos hiesigen deutscki-n Gesandten, wonad) jedwede öffentliche Anlage d.n Djuti- lationsbeslimmungen der Atte v. n Algeciras un.eewarfen sein soll, getettt und in diesem Sinne Weisungen ergehen iasjen. erbaut werden. Dieser Tage weilten Vertreter deS HreiS*' omt§ unb bet Kulliirinspektion Gießen in MeicheS, um mit dem ©emeinberot zu verhandeln. Tas Wasser will man am Kälberberg bei Engelrod holen. Die Vorarbeiten sollen baldigst beginnen. Kreis Lauterbach. rii Lauterbach, 20. Tez. Welche K o st e n die M a n ö v er -einer Tivision verursachen, zeig» nachstehende Statistik: Für den Kreis Lauterbach ro-irben anläßlich der diesiahrigen Herbstübungen der 25. Tioision von dem Gencralkomulanbo beS 18. Armeekorps 11901,25 Mark ausbezahlt. Hiervon entladen allein aus - Flursck>äden 70 2,95 Mark und für geleisteten Vorspann 4858,50 wiark. Tie Kosten für Flurschäden ver'.Klen sich auf 28 Orte des Kreis. Z. An erster Stelle stehen Hörgenau mit 1830 und Engelrod mit 1432 Mark, da hier der Zusammenstoß ber 21. unb 25. TOision erfolgte und die meisten Flurfchäden entstanden. An dritter Stelle Eommt Maar mit 700 Mark, wo daZ Scharsschießen der 25. Feldartilleric-Brigade und des g-ub^rtillerie- Regimeius * * * * s 6Jri. 3 statt,and. Tie Kosten für geleisteten Vorspann verteilen sich auf 128 Fuhnverksbesitzer und wirö diesen obiaer Betrag in ben näcl, sten Tagen als Weihnachtsgeichenk burd) bie ©»mcinbccinnebmer au-'bezahlt werden. Tie Quauicrgelbtr finb in obigen Zahlen nicht enthalten ebenso bie Kosten der Flurschäden, die in den Streifen ArSselb, Gersfeld und Fulda während ber Briga^cübungcn ber 49. unb 50. Jnsamerie-Brigade cntftarü>cn sind. Letztere erreichen jedoch die qjöl,. der im Kreise Lauterbach verursachten Flursck-udcnkosien nicht, da sich die Hauptübungen in diesem Kreise abspielten. Für ei.ie Division sind 2500U Mark für Flursck)ädcn vorgesehen und nu^ obigen Angaben die vorgesehenen Mittel bei wertem nicht eifVxi. was sich hauphäch- tich durch die übertriebene Sparsamkeß L.i Sitzung bec Flurschäden ertlärt. Bei letzterer konnte man auch bie berechtigte llnzusriebenheit ber geschädigten Laubwirtc wah^nehmen, bie sie auch in lauten Acußerungen (unbgaben. Durch bie vorzügliche Aufnahme und Bewirtung der Soldaten, hauptsächlich während dec durch die schlechte Witterung verursachten ÄLo»quartiere, wär« auch von feilen der Militärverwaltung ein Entgegenkommen bä btt Flurabschätzung scbr erwünscht geweicn, um den Landwirten durch bie uncnigeltliche Verköstigung bet Soldaten eine Ertt> schäbigung zu bieten. Kreis Schotten. ---Schotten, 2o. Dez. Im nächsten Jahre findet hier durch ben LanowirtschaftSiammer-AuSschuß für ben Hrei5 Schotten eine BezirkSauSflellung von Erzeugnissen des Ackerbaues, d.c Viehzucht und deS Obst- daueö statt. X Groß-Eichen, 20. D?z. In nicht allzu ferner wird auch unsere Gemeinde die Wohltaten einer Wasserleitung genießen. Die Quellen zur Speisung deS poch^chätterS sind sehr ergiebig unb hegen bei Wohnfeid. Tie Nachbargemeinde Sellnrod erhält einen Teil des WasierS zur eigenen Leitung und durfte bie ganze Anlage einen Kostensatz von ca. 63 000 Mark beanspruchen. ZX Wohnfeid bei Ulrich'lein, 2ü. Dez. Ein großes Gruppen-Wasserwerk, besten Quellgebiet in unserer Gemarkung liegt, wurde vor zwei Jahren für die Orte Lardenbach, Sellnrod, Schmitten, Weickartshain, Groß- und Klein-Eichen angeregt. Die Orte haben sich nun in zwei Gruppen getrennt und beide Werke werden nächstes Jahr ausgeführt und zwar durch die Kulturinspektion Gießen. Weickattshain ist auSgeschieden unb erhält gegenwärtig schon jein Wasser oon der Dieberggruppe. Die eine Gruppe bilden die Orte Klem-Eichen und Lardenbach, welche den FritzgeS- brunnen bei Wohnfeid erworben haben. Sellnrod unb Groß- Eichen bauen das andere Werk, besten Quellen in ben Gemarkungen Babenhausen II unb Wohnfeid liegen. KreiS Friedberg. -m Friedberg, 20. Dez. Gestern abend wurde im Burghotel durch Gendarmerie-Wachimeister Dietz ein lang, gesuchter tzochita hier, Dieb und Betrüger in der Person deS Hubert Kiafke auS Tüsteldorf festgenommen. Klafte bat durch die Ausführung seiner Diebstähle und fein sichere- Auftreten bei feinen Schwindeleien es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Für seine Person interessieren sich besonders die Staatsanwaltschaften Koblenz, Bmgen, Lllainz, Frankfurt, Wiesbaden, Hornburg, Gießen usw. In Oder- Ros b ach, wo er bei dem dortigen Poithalter einen Dieb- >iahl amtlicher Gelder beging, sowie auf dem nahen Wald- schlößchen, auf dem er mehrere betrügerische Handlungen auS- !ährte, erreichte ihn sein Schicksal. Wachtrnetsler Tietz, dem noch gestern abend Anzeige erstattet wurde, nahm mit Erfolg die Fährte auf, bie schließlich zur Verhaftung führte. Klaffe hatte sich im Burghotel auf 14 Tage eingemietet. Tn. Bad-Nauheim, 20. Dez. Als 1902 das DolkS- schulgebäude mit feinen 16 Sälen eingeweiht wurde, glaubte wohl niemand, daß nach 8 Jahren das Gebäude schon au klein sein werde. Schon jetzt hat eine V o l k ss ch u l k l a s f e in der Ernst- Ludwig-Schule Unterkunft ges. nden. Mit dem 1. April muh infolge der vermehrten Schülerzahl wiederum eine neue Schulsielle, die 18. errichtet werden. Der Bau eines weiteren SchulhauseS bczw. rin Anbau an das vorhandene wurde in ber letzten Sitzung der Sladtverordneten z»var zurückgestellt, doch wird die Gemeinde bald an den Umbau herantreten müssen. — Die Stadtvervrdneterv- versammlung und bie Hanbelskammer Friedberg sprachen sich für Errichtung eines zweiten Vollpostamtes in dem neuen Bahnhofsgebäude aus. Heute abend sand im Stadthause eine Besprechung betreisend Errichtung eines öffentlichen Arbeitsnachweises für das Gastwirt- und Hotel-Gewerbe, bei zahlreicher Beteiligung ber Interessenten statt. Es wurde befchlosien, den Nachweis am 1. April n. I. ins Leben treten zu lassen. Die vorbereitenden Schritte wurden der Bürgermeisterei und einem Ausschuß übertragen. (Eine einzige Frankfurter Vermittler-Firma bezog seither für Hotel- unb Wittschastspers'onal allein etwa 10000 Mark Provision in ber Saison.) — Mit Hinterlassung von Frau und vier Kindern unb vielen Schulden und unter Mitnahme eines hiesigen Busettfräuleins ist der seit längeren Jahren hier angestellte Schutzmann Lycker verschwunden. — Gegen den Besitzer deS Prioathotels „Lindenhos", Sanitätsrat Dr. Wechenseld, dessen Zusammenbruch mit l1/, Million im Herbst d. I. so großes Aufsehen erregte und der seit dieser Zeit verschwunden ist, ist Anzeige wegen Betrugs und Wechfelfälschung bei der Staatsamvallschaft eriiattet worden. Weu/enseld hat außer einet großen Anzahl hiesiger Geschästsleute mit Beträgen von 500 biS 15 000 Ml., haupp«ach!i
ein hat, zu verantworten. Er geriet, Mitte September Ix I. mit seiner frxeu in Streit und verließ die Familie, um sich in Bad-Nau- heim einzumieten. Dort schwindelte er einem unter Kuratel stehenden Dtädchen vor, er heiße Gg Wienold, sei Oberiverk- picisier in der Eisenbabnwerkstälte zu Stendal und habe 6000 Mark Vermögen unb 280 Mark Rknalsgehalt; er suche ein braves, ordentliches Mädchen zur Fra-r. Das Mädchen behändigte ihtn prü Freuden die zur Aushebung der Entmündigung angeblich erforderlichen 60 Mark, um dann weder Bräutigam noch Geld ^ederzusehen. Nachdem er sich inzwischen mit einem weiteren fxädchen verlobt hatte, mackne er die Bekanntschaft eines aus Oderschlesien stammenden NiädchenS, daS ebenfalls in Bad-Nau- Veua diente. Diesem gab er an, er habe 2500 Mark Vermögen »nb sei Beamter in Dlagdeburg, wo sie hin heiraten wollten. Das Mädchen schob 35 Mark Reisegeld vor und in der Heimat zagekommen, verlangte er 600 Mark zum Ankauf von Möbeln in Iflagbibura, nachdem er zum Zeichen der Verlobung dem Mädchen feinen Ehering behändigt batte. Er konnte aber nur 300 Mk. beknnnicn; als Ersatz stahl er fern Dkädchen noch 125 Mark, die rt in seiner Handtasche trug, und verschwand spurlos. Auch in brauksurt und Bruchenbrücken trat er in Beziehungen zu Dienst- piübdien, ohne baß es ihm aber gelang, sie zu beschwindeln Qm Generalanzeiger barte er inseriert, dab ein junger Beamter mit Niädchcn zroecks Heirat in Briefwechsel treten wolle, woraus ihm eine grobe Menge Offerten zugingen. In Bad- -rauheim verlieb et seine Wohnung ohne Zahlung der Miete, nid)t ohne zuvor die Wirtin, der er einen falschen Namen an» Beben hatte und in Eisenbahneruniform mit Achselstücken er-
enen war, anyeborgt zu haben. Sckstießlich hat er sich in Fried- g einen billigen Zylinderdut oersck)asft, indem er sich als dort roolyitenber Kurgast aus Bad-Nauheim ausgab, der plötzlich trauer bekommen habe und sich den Hut nur leihweise besorgen Krolle, da er sofort abreisen müsse. Der Hut wurde ihm für eine Lr-ihgebühr von 50 Psg. überlassen, aber nicht wieder zirrückgebrockst. Vei seiner Verhaftung in Bad-Nauheim bediente er sich bei Polizei gegenüber eines falschen Namens. Das Gericht biftiertr dem vielfach bestraften Angeklagten wegen Betrugs in vier Fällen unb eines Diebstahls Einzelstrafen in Gesamthöhe von 7 Jahren Sucht Haus zu, die es auf eine Gesamtstrafe von 5 Jahren
u ch t h a u S zurückführte. Weiter wurde auf vier Geldstrafen von \t 150 Mark erkannt und wegen der falschen Namensangabe erhielt er 6 Wochen Haft. Ferner wurden ihm die bürgerlichen Efecn- rechte auf 10 Jahre abgesprochen. Die Haststrafe und ein Monat lltttersuchungsl-aft gelten als verbüßt. Da die von dem Angeklagten getragene Uniform nicht die eines öffentlichen Beamten Ivar, ihm Mim mindesten dieses Bewubtsein gefehlt hat, erfolgte in dieser Beziehung Freisprechung.
Unter Ausschluß der Oeffentlichkelt
hnrrbe gegen den Artisten O. P. W. aus Stettin und den Landwirt G. Sch. von Nieder-Eschboch wegen Vergehens aus 8 175 bezw. Erpressungsversuchs verhandelt. Die Angeklagten batten sich zu Frankfurt a. M. kennen gelernt und W. bcfiufec &