Spanien und der Vatikan. Das - Zerwürfnis der spanischen Regierung mit dem Vatikan scheint nach der folgenden Meldung immer ernster $u werden. Madrid, 28. Juli. Zu der Meldung des Blattes „Liberal", die den Bruch mit dem Vatikan als Folge einer eingegangenen unversöhnlichen Note des Papstes als bevorstehend bezeichnet, erklärte Ministerpräsident Canalejas, ohne die Meldung richtig zu stellen oder zu bestätigen, die Regierung habe eine Note des Vatikans erhalten, die besage, die Verhandlungen über die Beschränkung der religiösen Orden könnten unmöglich fortgesetzt werden, wenn nicht die Regierung ihre letzten, in der religiösen Frage getroffenen Anordnungen rückgängig mache. Canalejas fügte hinzu, er werde bei den Verhandlungen mit dem Vatikan alle Mittel der Klugheit an- wcnden, aber er sei entschlossen, den von dem Land eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen. Empfindlichkeit und Aengstiichkeit der Engländer. Mit welch ängstlichem Interesse die englischen Parlamentarier die Ereignisse in der Welt verfolgen, geht wieder aus folgenden neuen Anfragen im Unterh'ause hervor: London, 28. Juli. Im Verlaufe der Donnerstag- Sitzung im Unter Hause fragte Paver den ersten Lord der Admiralität, Me. K e n n a, ob er Kenntnis davon habe, daß erstens, während das sch wer st e Geschütz der englischen Marine nur Geschosse von 1250 Pfd. feuere, das neue deutsche Geschütz solche von 1600 Pfund feuern würde, daß zweitens, während bei der englischen Marine das Gewicht der von den schweren Geschützen der Breitseite abgefeuerten Geschosse nur 147 900 Pfund betrage, bei der deutschen Marine sich dieses Gewicht auf 161 000 Pfund belaufe und drittens die neuen mit vierzehnzölligen Geschützen auszurüstenden Schiffe der deutschen Marine 8000 Tons größer seien, als die ursprünglichen englischen „Dreadnoughts". Mc. Kenna erwiderte: Ich kann für die Richtigkeit der Frage und die angegebenen Zahlen die Verantwortung nicht^übernehnlen. Stewart (liberal) fragte Grey, ob er feilte Aufmerksamkeit der Errichtung eines Kolonialamts in Japan zugewandt habe, dessen Aufgabe es sei, die Angelegenheit von Korea, Formosa und Japanisch-Sachalin zu überwachen und ob die britische Regierung Grund zu der Annahme habe, daß von Japan ei ne formale Annexion Koreas beabsichtigt sei und ob ferner die Regierung in diesem Falle Schritte tun werde, um die kommerziellen Rechte der englischen Kaufleute in Korea zu schützen. eie Edward Grey erwiderte, seine Antwort auf die erste Frage bestätigend, im Falle der Annexion Koreas sei beschlossen worden, daß die britische Regierung sorgfältig über die besten Mittel sich klar werde, ihre kommerziellen Interessen in Korea zu schützen. jL o n d o n , 28. Juli. Die von deut Premierminister Asquith vorgeschlagene Fassung der Erklärung des Königs bei der Thronbesteigung wurde mit 244 gegen 54 Stimmen an g en o mm eit. Aus Marien bad wird gemeldet: Staatssekretär von Kid erlen-W achter ist am Donnerstag abend i/29 Uhr nach Berlin ab gereist. Graf v. Aehrenthal begleitete ihn an den Bahnhof, wo auch der Vizebürgermeister, .Stadtrat Rubritius erschienen war. Ans Stadt nnd Larrd. Gießen, 29. Juli 1910. " Hessische Schlachtungsstatistik. Nach der amtlichen Statistik über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau wurden in Hessen im April, Mai und Juni 1910 (bezw. 1909) geschlachtet: 262 (254) Pferde, 4211 (4340) Ochsen, 353 (418) Bullen, 10319 (9069) Kühe, 9590 (10 266) Jungrinder über 3 Monate alt, 21 821 (24 076) Kälber bis 3 Monate alt, 75 296 (78 435) Schweine, 1979 (2113) Schafe und 12 456 (11591) Ziegen. ** Dein Vergleich wegen des Eigentums des Stadt- kirchturmes und der Fri ed h ofs kape lle ist jetzt auch die unbekannten Faktoren werden erst durch den Flug über den Ozean geklärt: ob die Ballonhülle durch die transatlantische Atmosphäre geschädigt wird, ob die Wmdström- ungen günstig sind und überwunden ivecden können. Aus alle Fälle wird Ende September die Fahrt angetreten. Die „Amerika" führt einen Apparat für drahtlose Telegraphie an Bord, durch den Wellmann die Gefahren des Fluges auf ein Minimum zu reduzieren hofft. Er will sich bei dem Fluge möglichst an die Routen halten, die die Passagierdampfer benutzen. so daß Hilfe im Notfälle leicht zu erlangen wäre. Darum hält Wcllmann auch das Unternehmen keineswegs für so gefahrvoll, wie das Publikum im allgemeinen glaubt. * . r- Narkotisierende Wirkung des „elektrischen Schlafes". Die Elektrizität macht immer weitere Eroberungen auf dem Gebiete der Heilkunde, wie Dr. Schnees interessante Mitteilungen in der Elektro- techntschen Zettschrift über Versuche, Gefühl- und Bewußt-, lostgkett mittels elektrischer Ströme herbeizuführen, beweisen. Tie vorgenomntenen Experimente gingen darauf aus, dte sonst übliche Aerher- oder Chloroformnarkose durch eine rem physikalische, in diesem Falle also elekrrophysi- kaltsche, zu eiffetzen. Im Jahre 1902 hatte schon Professor Ledue aus Nantes in Bern auf daraufbezügliche Erfolge aufmerksam gemacht. Dieser Arzt bediente sich zur Erzielung anästhesierender^ und narkotisierender Wirkün- aen des „elektrischen Schlafes", eines besonders gestalteten Gleichstromes hoher Frequenz, der auch nach ihm Leduestrom genannt wird. Die auf diese Weise künstlich aufgehobene Gehirntätigkeit soll nach Unterbrechung des elektrischen Stromes sofort aufhören, d. h. der Patient erwacht alsbald. Folgeerscheinungen oder Nachwirkungen der Narkofe sollen nicht auftreten. — Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissen sch aft. Wie wir hören, ist am 20. Juli der Privatdozent an der Tech- ngcheu Hochschule in München Dr.-Jng. Martin Näbauer zum ordentlichen Professor für Geodäsie an der Technischen Hoch- lchule zu Braunschweig ernannt worden. Er tritt dort o? Stelle von Prof. H-ohenner, der nach D a r m st a d t über- uchelt. — Dem Vernehmen nach hat der Privatdozent an der Unit)erntat Straßburg i. Els. Dr. Ernst Stadler den Ruf out den neuerrichteten Lehrstuhl für deutsche Philologie an der llnmecntat B r u s s e l angenommen. — Aus M a r i e u b a d wird gemeldet: Der Geheime Baurat uird ordentliche Professor für ^ngenlcurwesen an der technischen Hochschule in Dresden, August Frühling, ist hier, 63 jährig, gestorben,. . ,, , da§ Oberkonsistorium beigetreten. Die Genehmigung der Stadtverordneten steht noch aus, doch ist an deren Zustimmung nicht zu zweifeln. Der Turm wird unter gewissen Bedingungen Eigentum der Kirchengemeinde,'die alte Fnedhofs- kapelle dagegen bleibt Eigentum der Stadt. Erledigt ist eine mit einem cvang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Groß- Rohrheim. Studentische Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeamte. Sonntag, 31. Juli, findet ein Familien-Ausstug nach dem Heuchelheimer Mühlchen statt. Der Sängerkranz veranstaltet am Sonntag am Ludwigsbrunnen ein Wald fest, zu dem hübsche Unterhaltungen, namentlich auch für Kinder, vorgesehen sind. , ** Das 29. mittelrheinische Kreisturn- fest, das von morgen ab in Kreuznach stattfindet, wird aus dem ganzen Kreisgebiet ungemein zahlreich besucht werden und die turnerischen Wettkämpfe werden bei ungewöhnlich starker Beteiligung vor sich gehen. Zum Ver- einswetturnen, das in drei Starkeklassen vor sich geht, haben sich 203 Vereine gemeldet, darunter aus dem Gau Hessen die beiden Gießener Turnvereine und Tgm. Marburg mit Rwgen am Reck, Tv. Butzbach an 3 Pferden, die Tv. Wetzlar, Marburg und Ak. Tv. Marburg am Barren. 23 Vereine bieten Sondervorsührungen, darunter der Gau Hessen Freiübungen (50 Mann > uno die beiden Gießener Turnvereine mit Fechtriegen. Außerdem findet Einzekwett-urnen im Sechstampf und Drei kam Pf, Wettfechten, Hindernis laus en, Wettspiele und Wettschwimmen statt, sowie ein Turnen der geübteren Turner des Kreises. Als allgemeine Heftungen sind diesmal Keulenübungen gewählt, für die man mit 2000 Teilnehmern rechnet. w Homburg, 28. Juli. Bei dem Offiziers-Tennis- turmer errang den K a i s e r p r e i s der L e u t n a n t von Haugk^vom Grenadierregiment Nr. 100 in Dresden. ** Spieler-Bezirksfest. Kommenden Sonntag indet auf dem neuen Sportplatz des Gießener Sportvereins von 1900 an der Rodheimer Srraße das Bezirks fest des 8. Bezirks des Westdeutschen Spielver- ftandes statt. Die olympischen Spiele, die aus diesem Anlaß veranstaltet werden, stehen unter Aufsicht der deut- chen Sportbehörde für Athletik. Gleichzeitig kommen sämtliche Bezirksmeisterschaften im Laufen über 100, 400, 1500 und 110 Mir. Hürden-Hochsprung, Weitsprung, Diskuswerfen usw. zum Austrag. Eine starke Beteiligung bei dem Fest ist sicher. Bis jetzt sind 112 Meldungen und 10 Stafettenmannschaften angemeldet worden. Besonderes Interesse dürfte das Austragen der Meisterschaft der 400 Meter- Stafette zwischen dem Turnverein Jahn-Siegen und dem Gießener Sportverein von 1900, welch letzterer mit Clarins, 91:6061, Wenzel und Noll eine gute Besetzung aufzuweisen hat, erwecken. *’ Schülerwetturnen. In diesen Tagen wurden den einzelnen Schulen Ehrentafeln mit den Namen derjenigen Schüler, die an den zehn ersten Preisen jeder Gruppe beteiligt waren, übergeben. Ebenso erhielt die Oberrealschule eine Ehrenurkunde, in welcher ihr der Besitz des Ja husch il des für 1910 bestätigt wurde. Die eingerahmten Urkunden sind in dem Schaufenster des Leib'schen Einrahmgeschäftes (Kirchstraße) für einige Tage ausgestellt. * * Stadttheater. Tie Aufführung der „F örster - christl", mit der die Operettengastspiele dieses Jahres schließen, gilt als Mustervorstellung des Emser Kürtheaters. Der Herzog von Anhalt, der als kompetent gelten darf, da er sich an seinem Hoftheater in Dessau mit regdm Interesse und aktiv an der Regie beteiligt, wohnte jüngst in Ems einer Aufführung des Werkes bei und sprach am Schluß Direktor Steingoetter die lebhafteste Anerkennung über Darstellung, Zusammenspiel und Ausstattung aus. * * Besitzwechsel. Das Haus Wilsonstraße 15 wurde von dem Restaurateur Bez für 23 000 Mk. an den Werkmeister Männche von den Hassia-Werken verkauft. * * D i e Erntefericn nehmen in den Landorten jetzt ihren Anfang, ist doch allenthalben die Getreideernte in vollem Gang. Eine lange Schulzeit liegt seit Ostern hinter der Schuljugend. ** Wahres Geschichtchen. Ein heiteres Erlebnis wird von einem Mimen des Darmstädter Hoftheaters mit- geteilt, der während der Sommerferien mit verschiedenen Kollegen zur Besserung der nicht allzugünstigen Gagenverhältnisse Konzerte veranstaltet. Zu diesem Zweck befand er sich in einem größeren Landstädtchen bei Darmstadt, als er an einem Vormittag den Besuch einer nett und einfach gekleidten Frau erhielt, die ihn bat, in der von ihrem Verein veranstalteten „Freischütz"-Vorstellung den „Kaspar" zu übernehmen, die anderen" Rollen seien von Vereinsmitgliedern besetzt. Dem sonst humoristisch veranlagten Künstler wurde schwül bei diesem Gedanken, zudem das kleine nette Frauchen ihm auch noch einige Verse der „Agathe", die sie selber spielte, ;mit Pathos vortrug. Er machte sie darauf aufmerksam, daß der Freischütz doch einige Schwierigkeiten biete. Im Interesse K. M. v. Webers bat er sie, davon abzusehen und ein leichteres Stück zu wählen vielleicht eine kleine Operette von Offenbach. Ta sprach die kleine Frau verlegen: „Ach — ich sein ja (elfter von — Offe-bach!" ** Die Pilz zeit ist da und hat die Zahl der wirklich nahrhaften Gemüse um ein weiteres vermehrt. Es sei darauf hingewiesen, daß auch genießbare und sonst bekömmliche Sorten wohl geeignet sind, eine Pilzvergiftung herbeizuführeu. Selbst der beste Speisepilz ist der Gesundheit schädlich, sobald er sich in Zersetzung befindet, ivas besonders bei warmer imd feuchter Witterung vorkommt. Darum lasse man beim Einsammeln alle schon alten, ausgewachsenen, übelriechenden ober von Maden schon zerfressenen und durch Regen erweichten Pilze stehen; beim Einkäufe achte man darauf, nur junge und vollkommen gesunde Pilze zu erwerben. Man reinige sie sofort und lasse sie nicht ungereinigt bis zum anderen borgen stehen. Es gibt nur ein unfehlbares Kennzeichen, giftige Pilze von guten, unschädlichen zu unterscheiden, das ist die genaue Kenntnis der einzelnen Arteii und Unterscheidungsmerkmale der einander ähnlichen Speise- und Giftpilze. Die gewöhnlich angegebenen Merkmale giftiger Pilze bei der Zubereitung: das Schwarzwerden einer mit den Pilzen zusammen gekochten Zwiebel ober das Braunwerden eines in die kochenden Pilze hineingehaltenen silbernen Löffels sind keineswegs ein sicheres Beweismittel dafür, daß keine Giftpilze vorhanden sind. * * Zehn Gebote für Fuhrleute. 1. Du sollst immer auf der rechten Straßenseite fahren. 2. Tu sollst überholende Gefährte immer links vorbeilassen. 3. Du sollst entgegenkommenden Fahrzeuge immer rechts aus- weichen. 4. Tu sollst immer eine Laterne mitführen. 5. Tv sollst bei Tunkelheit deinen Wagen immer so beleuchten, i daß die Laterne von vorne und hinten gesehen werden kann. 6. Tu sollst nie auf deinem Wagen einschlafen. 7. Du sollst die Kinder belehren, daß sie nicht mü Steinen nach Wagen und Automobilen werfen. 8. Du sollst in eine Querstraße nach rechts immer möglichst kurz einbiegen. 9._ Du sollst in eine Querstraße nach links in möglichst großem Bogen auf die rechte Seite der Quer, straße einbiegen. 10. Tu sollst auf die Warnungssignale der Autonrobile achten und sie befolgen, auf daß kein Unglück geschehe, du auch nicht zur Anzeige gebracht und bestraft wirst. ** I rr Amerika gestorbene Hessen. In Newhock Ccky starben Montz Vogel, 71 Jahre alt, aus Nieder-Saulheim und Joh. Jak. Schmidt, 72 Jahre alt, aus Zwingenberg. In Rom der in Columbus ansässige Ludw. S i e b er t, 80 Jahre alt In Hopetowio Adam Gärtner, 86 Jahre alt. In Chicaag Elis. Kempf, geb. Vömel, 66 Jahre alt, aus Vilbel. Milwaukee Jos. F. De ntz, 60 Jahre alt, aus Vilbel. Mara. S i t t i g , geb. Schäfer, 37 Jahre alt, aus Daubringen, in Rockwell Iowa. Marg. Gräuel, 50 Jahre alt, in Newark. Witwe Marg. Weller, 71 Jahre alt, aus Villingen in Oberh., » Erie. Jak. Decker, 76 Jahre alt, aus Albig, in Erie. Konr Althaus, 57 Jahre alt, in Museatine. CH. Betz, 64 Jahralt, in Denver. Konr. Kunkel, 79 Jahre alt, in Chicago' — Heuchelheim, 29. Juli. Der Turnverein Heuchelheim hält am Sonntag, 31. Juli, in dem Garten des Gastwirts Ludwig Kröck fein Abtnrnen ab. Das eigentliche Abturnen ist vormittags, während nachmittags Schauturnen und daran anschließend Tanz stattsindet. = Großen-Linden, 25. Juli. Der hiesige Ka- ninchen-undGeflügel-Zucht-Verein hält am 7. Aug ferne 3. Ausstellung in den schön gelegenen Räumen de- Gastwrrts H. Fischer ab, verbunden mit Prämiierung, Preisschießen, Konzert und Tanz. △ Lich, 28. Juli. Eine Versammlung, die sich mit dem Elektrizitätswerk Lißberg befaßte, fand heuti im ^Holländischen Hof" statt. Ihr wohnte bei Provinziab direktor Dr. Usinger, Oberingenieur Müller, Ingenieur Schiss, mann, zahlreiche Bürgermeister und Interessenten, besonders auch die in Betracht kommenden Großabnehmer. Die erstgenannten Herren gaben Aufklärungen über die Absichten bet Provinz; die Versammlung war sich in dem Wunsch einig, daß das Elektrizitätswerk bestimmt und bald zustande kommen möge. Die Herren Sehrt-Grünberg, Bürgermeister Fendt« Hungen, Bürgermeister Dörmer-Lich und Bürgermeister Niklaus- Steinheim wünschten, daß die Provinz die noch fehlenden 600 000 Mk. — wenn irgend möglich — auch noch auf, bringen möge, doch solle hieran das Projekt nicht scheitern. s. Ulrichstein, 28. Juli. Eine Frau aus Eichelhain wurde dabei ertappt, wie sie auf dem Markte ein Paar Hosen an einem Stande ohne Bezahlung mit* * nehmen wollte. Nicht genug damit. Als man ihr die Hosen wieder abgenommen und die Frau ohne weiteres lausen ließ, machte sie sich an einem andern Stand zu schaffen und ließ ein Taschenmesser in ihren Korb verschwinden. Der Besitzer des Standes merkte den Diebstahl und verständigte einen Gendarmen, der die Personalien der Frau feststellte. m. Bad-Nauheim, 28. Juli. Gestern abend fuhr der Müllerssohn Heinrich Kremer von Nieder-Mörlen von Friedberg über Bad-Nauheim nach Hause. Kurz nach dem 1. Gradierbau kam ein Automobil von Friedberg hinter ihm hergefahren, erfaßte den Unglücklichen und schleifte ihn eine Strecke weit mit. Der Chauffeur ließ ihn in seinem Blute liegen und fuhr ruhig in die Autogarage. Ein benachbarter Bahnwärter, der die Hilferufe des Unglücklichen hörte, eilte herbei, wusch den- Mann ab und gab dem am Bahnhof stehenden Schutzmannposten Nachricht. Dieser veranlaßte die sofortige lieberfüftrung des Mannes in das Nauheimer Krankenhaus, wo er kurz nach der Einlieferung starb. Ein amerikanisches Automobil, das von einem jungen französischen Chauffeur geleitet war, hatte das Unglück verursacht. Heute nachmittag fand die Tatbestandsaufnahme durch die Staatsanwaltschaft Gießen und das Amtsgericht Bad-Nauheim an der Unglücksstelle statt. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, daß der Verunglückte erst vorschriftsmäßig rechts, dann aber, nachdem er sah, daß das Autonwbil ihm immer mehr auf die Fersen kam, links ausbog. Wer die Straßenverhältnisse zwischen Friedberg und Nauheim, auf der von Automobilen und sonstige« Fuhrwerken vielbefahrenen Straße, kennt, muß sich wundern, daß bei der rasenden Schnelligkeit, die besonders die ausländischen Automobile in , ber Nachtzeit einzuschlagen pflegen, nicht schön öfters Unglücksfälle vorgekommen sind. Der junge Mann, der durch den Leichtsinn eines Chauffeurs sein Leben lasten mußte, war der Vorsitzende des Nieder-Mörler Turnvereins, Heinrich Kremer. m. Schwalheim b. Bad-Nauheim, 28. Juli. Bei der heutigen Gemeinderatswahl fielen die seitherigen Ge- meinderäte durch und die sozialdemokratischen Kandidaten wurden gewählt, nämlich Welßbin.dLr Georg Bopp mit 57, Packarbeiter Joh. Findling mit 55 und Friedr. Nikolaus mit 52 Stimmen. Von 157 Wahlberechtigten machten 108 von ihrem Wahlrecht Gebrauch, aufgestellt waren sieben Kandidaten. m. Ober-Mörlen, 28. Juli. 'Nächsten Samstag findet die Wahl eines Beigeordneten statt. Der seitherige Beigeordnete amtiert nun schon seit 27 Jahren und ist jetzt zum vierten Male aufgestellt. Die hier sehr stark vertretene sozialistische Partei hat nun einen eigenen Kandidaten ausgestellt in der Person des Landwirts Johs. Hch. Born. Es wird dem seitherigen Vertreter schwer fallen, seine Stellung zu behaupten, da er ein Gegner der projektierten Bahnlinie Bad-Nauheim—Usingen ist, die unserer Gemeinde zwar viel Geld kostet, aber für die Arbeiterbevöl- kerung von größtem Vorteil sein würde; täglich benutzen etwa 400 Menschen den Weg über den Johannesberg, (im zur Arbeitsstätte nach Nauheim und Friedberg zu gelangen. w. Wetzlar, 28. Juli. Es dürfte von Interesse seim welche Beträge die seit dem Jahre 1906 eingeführte Kreisumsatzsteuer bisher erbracht hat, und wie sich dieselbe verteilt. Im Jahre 1906 ergab die Kreisumsatzsteuer (füx 2 Vierteljahre) 74 586 Mk., 1907 36 290 Mk., 1906 22 428 Mk., 1909 22 415 Mk. (letztere nur für 3 Vierteljahre). Von diesen Beträgen fielen für bas Jahr 1906? Stabt Wetzlar 5476 Mk., Stadt Braunfels 459 Mk., ßanbl gemeinde 68 561 Mk., 1907: Stabt Wetzlar 9689 Mk.,! Stabt Braunfels 792 Mk., Landgemeinde 25 908 Mk., 1908: Stadt Wetzlar 8079 Mk., Stadt Braunfels 1261 Mk., Laub-' gemeinde 13 088 Mk., 1909: Stadt Wetzlar 9430 Mk., Stabt Braunfels 1376 Mk., Landgemeinbe 11 608 Mk. Auf industrielle Werke entfielen von diesen Summen 1906: 60 983, 1907: 8275, 1908: 459 und 1909: 1550 Mk. b. Biedenkopf, 28. Juli. .Am Montag, 8. August, wird hier die Bezirksschau im Zuchtbezirk II für die Vogelsberger Rasse (umfassend den Hinterland- und Dillkreis) >abgehalten. Es kommen Staats- und Vereins- Preise z:lr Verteilung für Rindvieh, Schweine und Ziegen. Mit der Bezirksschau ist eine Verlosung verbunden. .Als AusstellungsplaH !wsurde der Seewasen gewählt. Nr. 175 Erstes Blatt 160. Jahrgang Freitag SS. Juli 1910 Der Lietzener Anzeiger VeznqSpretS: erscheint täglich, außer ö ' x Ml W monatlich 7öPf., viertel- Intdnw® sggWIVQVIlVl all) WIJVI s§ W8-' General-Ameiaer für NLerheße« Effis Annahme von Anzeige« V w T Äff u.Land" und „Gerichts- bis DornS's’u^ «otatkonrdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.-Such- und §teindnickerei E. Lange. Redaktion. Srpedition uns Druckerei - Schulstratze 7. Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten. Die Deutschen in Rußland. Aus Rußland kommt eine Reihe von Rachrichten, die auf das Anwachsen einer entschieden deutsch-feindlichen Stimmung im Zarenreiche schließen lassen. So wird berichtet, daß eine Anzahl deutscher Kolonisten aus Wolhynien ausgewiesen s«, allein deshalb, weil sie sich weigerten, die russische Staatsangehörigkeit anzunehmen. Es wird weiter gemeldet, daß die Gouverneure der Grenz-gebiete angewiesen sind, die politische Gesinnung der reichsdeut^- schen Kolonisten zu erforschen, weil dem Premierminister Stolypin schon seit längerer Zeit amtliche Berichte zugegangen sind, die die Deutschen als ein politisch gefährliches Element schildern. Drittens aber wird mitgeteilt, daß der Duma int Herbste ein Gesetzentwurf zuaehen soll, der die in Rußland lebenden Isländer, bei denen es sich doch in der .Hauptsache um Deutsche handelt, unter eine Art Ausnahmegesetz stellen, und sie in mannigfacher Beziehung, namentlich Hinsichttick) des Erwerbs von Grundbesitz, soviel als möglich einengen soll. Wenn man bedenkt, daß in den Tagen Peters des Großen und Katharinas, ja, bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinein die Deutschen das eigentliche Ku l tur elem en t Rußlands darstellten, von dem die Slawen lernten, so wird man diese Nachrichten leider als das nehmen müssen, was sie in der Tat bedeuten, nämlich als einen Umschwung der Stimmung, als eine offene Erklärung der Feindschaft gegen alles, was deutsch ist Gleichzeitig'aber auch als ein Akt der Undankbarkeit gegen die deutschen Kulturelemente in Rußland, denen das Zarenreich doch im Grunde genommen seine Entwicklung zu einem Halbwegs zivilisierten ©taate verdankt. Es mag ja sein, daß man in gewissen echtrussischen Kreisen das intellektuelle und wirtschaftliche Uebergewicht der deutschen Kolonisten fürchtet, daß sie aber jetzt als politisch gefährliche Elemente hingestellt werden — dafür gibt es auch nicht den geringsten Beweis. Waren es doch gerade die Deutschen, die in den Jahren der russischen. Revolution treu zur Regierung standen und sich aller Putsche, aller Bombenattentate usw. enthielten. Wie allso will man danach an ihrer staatstreuen ©efinnung gegenüber ihrem Adopttvvaterland zweifeln und zum Beispiel den Märchen eines Gorski und Bobrinski Glauben schenken, daß im Jalle eines kriegerischen Konflikts zwischen Deutschland und Rußland die im Zarenreich lebenden Deutschen einem Einmarsch deutscher Truppen in die Westgouvernements Vorschub leisten würden! Eine Behandlung, wie sie jetzt unseren Stammesbrüdern in Rußland gegenüber seitens der russischen Regierung beliebt und mit ihrer angeblichen landesverräterischen Gesinnung entschuldigt wird, verdienen diese nicht. Man will in St. Petersburg durch das beabsichtigte Ausnahmegesetz nur die Massen des xussischen Volkes für die Regierung gewinnen, indem man den Deutschen das Fortkommen erschwert und dadurch den russischen Gewerbetteibenden und Bauern den Deutschen gegenüber konkurrenzfähiger zu machen sucht. Daß es sich hierum Und nicht, wie die russische Regierung vorgibt, um die Bekämpfung einer Rußland int Innern drohenden deutschen Gefahr handelt, geht zur Genüge aus der Begründung des neuen Fremd enge s e tz e s hervor, wo es ausdrücklich heißt, daß die deutschen Kolonisten, nachdem sie einmal festen Fuß gefaßt hatten, als das wirtschaftlich stärkere Element Die russischen Bauern rasch überflügelten und sie jetzt von ihrem Lande zu verdrängen suchten. Wenn aber in der Denkschrift außer- dem geltend gemacht wird, daß die Deutschen das int Jahre 1887 erlassene Gesetz, welches allen Ausländern den Erwerb von Grundeigentum in 21 Gouvernements des westlichen Rußlands untersagte, dadurch umgingen, daß sie russische Staatsangehörige wurden, ohne ihre Nationalität aufzugeben und ohne sich mit der russischen Bevölkerung zu verschmelzen, so mag das für die russische Regierung, insoweit es ihr Bestreben ist, die fremden Elemente zu russifizieren, bedauerlich sein, rechtfertigt es aber keinesfalls, daß man jetzt daran geht, die Deutschen in Rußland in ihren Rechten noch mehr zu beschränken. Es ist ein überaus tüchtiges Element, das diese nicht nur für Rußland, sondern überhaupt darstellen. Brachten sie es doch fertig, nachdem man ihnen durch das Gesetz vom Jahre 1892 den Erwerb von Grundeigentum noch weiter erschwert, dieses Gesetz aber 1895 wieder aufgehoben hatte, allein im Gouvernement Wolhynien während der Jahre 1902—04 14300 Deszjatineu Land zu erwerben, ja, von 1905—1908 sogar 36 000 und allein im Jahre 1909 deren 21598, so daß die deutschen Kolonisten in Wolhynien jetzt im ganzen 700 000 Deszjatinen ihr eigen nennen und 12 Proz. des Gouvernements in ihrem Besitz haben. Solche wirtschaftlichen Erfolge gehen natürlich auf das Konto des russischen Bauern, gleichzeitig aber lernt er auch von den Deutschen, wie man es machen muß, um rationell zu wirtschaften. Und eine solche Unterweisung, mag auch der russische Bauer dafür noch so viel Lehrgeld zahlen, ist nicht zu unterschätzen. Sie muß früher oder später der russischen Landwirtschaft zugute kommen, so daß Rußland sich in sein eigenes Fleisch schneidet, wenn es jetzt unter dem Vorgeben, die Deutschen in Rußland seien politisch-gefährliche Elemente, ihnen das Fortkommen durch ein speziell auf sie zugeschnittenes Ausnahmegesetz erschwert, sie unter gewissen Voraussetzungen sogar des Landes verweist und sich dadurch tausender fleißiger Arme beraubt. Deutschland und vor allem seine Kolonien werden den Strom deutscher Auswanderer aus Rußland, den das neue Gesetz wahrscheinlich im Gefolge haben wird, mit offenen Armen aufnehmen. Das Zentrum und der Reichskanzler. Anscheinend in völliger Nichtachtung der abenteuerlichen Eisenbahn-Enthüllungsgeschichte, die durch die „Germania" verbreitet worden war, bespricht Julius Bachem im „Tag" das undurchdringliche Schweigen des Kanzlers, die „Rätsel der Sphinx Bethmann", Bachem kommt zu folgenden Schlüssen: Er wird sich schwerlich int Sinne des alten Kartells engagieren, ehe er sieht, ob die Vorbedingungen dafür gegeben, ob namentlich die Mehrheitsverhältnisse im Reichstage einigermaßen danach sind. Das wird sich aber erst im nächsten Jahre zeigen, und darum/ wird wohl Herr v. Bethmann bis dahin weder viel reden und noch weniger in der einen oder anderen Richtung sich feftiegeru Das sollte ihm niemand verdenken. Im Zentrum verdenkt man es ihm auch sicher nicht. Dort wartet man ruhig ab, was werden wird. Man tut Herrn v. Bethmann schwerlich unrecht, wenn man annimmt, daß er dem Zentrum weniger freundlich gegenüberstehe als Fürst Bülow in den ersten Zeiten seiner Reichskanzlerschaft und Ministerpräsidentschaft. Daraus folgt aber noch nicht, daß Herr v. Bethmann Antizentrumspolitik treiben werde. Das wird zum guten Teil davon abhängen, wie die entscheidenden parlamentarischen Faktoren sich demnächst gestalten, und namentlich wie das Zentrum in dem allgemeinen Kuddelmuddel sich behaupten wird. Darum hat auch die Zentrumspartei meines Erachtens viel weniger Interesse an der Erforschung der politischen Psyche des Reichskanzlers als daran, daß durch ihr umsichtiges und energisches Eingreifen in die nächste Wahlbewegung die innerpolitische Situation sich so gestaltet, daß der leitende Staatsmann, auch wenn er gern möchte, eine ausgesprochene Antizentrums- Politik nicht treiben kann, sondern das Zenttum als den anderen Parteien, auch etwaigen Lieblingsparteien, gleichberechtigten, in den wichtigsten Fragen unseres parlamentarischen Lebens mit» bestimmenden Faktor gelten lassen muß. * Die Erweiterungsbauten am Nordostfeekanal. Die Erweiterungsbauten am Nordostfeekanal haben der östlichen Kanalmündung ein völlig verändertes Aussehen gegeben. Zwei gewaltige Bauwerke sind, so wird der „Köln. Ztg." aus Kiel geschrieben, neben der Kanalerweiterung im engeren Sinne im Entstehen: die neuen Ostfeeschleusen und die Holtenauer Hochbrücke. Die Gutehoffnunghütte hat die Ueberspannung des neuen Kanals schon so weit gefördert, daß die lichte Höhe über dem Kanalwasserspiegel deutlich erkennbar ist. Die Ueberbrückung geschieht im freien Vorbau, es werden keine Gerüste, die die Schiffahrt behindern würden, im Kanalbett errichtet. Die Hochbrücke bei Holtenau wird als erstes Monumentalwerk des Erweiterungsbaues in Betrieb genommen werden. Die Fertigstellung erfolgt 1911, und c§ heißt, der Kaiser werde der Einweihung in der Kieler Woche 1911 beiwohnen. Baggergeräte, Pumpwerke, Kräne umgeben die Baustätte der neuen Schleusenkammern, die die größten der Welt sein werden. Es wird hier eine Tiefe von 24 Metern ausgebaggert. Jede Schleusenkammer erfordert; 400 000 Kubikmeter Mauerwerk. Um die vorgesehene Bauzeit für den Kanal einzuhalten, wird mit Tag- und Nachtschicht gearbeitet. Das große Unternehmen soll in allen seinen wesentlichen Teilen Ende Dezember 1914 fertiggestellt sein, so daß im Frühjahr 1915 die feierliche Eröffnung erfolgen kann. Bisher haben die Arbeiten einen sehr guten Verlauf genommen; abgesehen von einzelnen kleinen Rutschungen und Dammbrüchen sind Störungen nicht Dorgefommcn, die Schiffahrt hat noch keine einzige Stockung erlitten. Handelsschiffe befahren nach wie vor den Kanal. Für die Kriegsstotte sind Kanalfahrten im Geschwaderverband nur dadurch unmöglich gemacht, daß die Blücher- und die Nassauklasse der Hochseeflotte einverleibt worden sind. * Vom Vierwaldstätter See über die Wolga nach Sirdbrafilien. Ein charaktenstisches Beispiel über die Wanderungen deutsch-bäuerlicher Kultürpioniere, bei dem es sich um Deutsch- Schweizer handelt, entnehmen die Mitteilungen des Vereins für das Deutschtum im Ausland einem Bericht aus dem brasilianischen Staate Parana. Es heißt darin: Gute deutsche Landsleute trifft man auch in der Nähe voir Lapa. Dort finden sich zwei Kolonien mit den so recht heimatlich klingenden Namen Mariental und Johannesdors. Mehrere deutsche Familien haben sich dort vor zirka 30 Jahren niedergelassen, nachdem sie ihre früheren Wohnsitze an der Wolga in Rußland verlassen chatten. Hier wie dott lebten sie stets treu nach dem Beispiele ihrer Väter. Vor 150 Jahren waren ihre Vorelterw von Luzern (Schweiz) an die Wolga gezogen, um dort deutschen! Fleiß und Sinn weiter zu entfalten. Durch Ukas der Kaiseriw Katharina war den Ansiedlern für 120 Jahre Befreiung vom Militärdienst zugesichert. Nach Ablauf dieser Frist zogen es! manche Familienväter, die zahlreiche mllftärpflichtige Söhne hatten, vor, von der Genehmigung der Regierung zur Auswanderimscr Gebrauch zu machen. Sie wandten sich nach Südbrasilien. Trotz der anderthalbhundertjährigen Abwesenheit vom Vaterland leben jetzt noch deutsche Sitte, Sprache und Charakter unter ihren Nachkommen dermaßen rein und unverfälscht fort, daß man glaube^ möchte, in einer Gegend des ursprünglichen Mutterlandes zu ferm dem war er ein Mann, der selbst bedenklichere Situationen überlegen zu beherrschen verstand. Davon erlebte Werther ein besonders hübsches Beispiel. Er konnte der Tacitus- Lektüre kein besonderes Interesse abgewinnen und schmökerte dafür während des Unterrichts heimlich im Shakespeare, der damals seine leidenschaftliche Teilnahme erweckt hatte. Plötzlich hörte er Meinecke sagen: „Keiner von Ihnen hat die Stelle richtig übersetzt; jetzt werde ich mal einen fragen, der sich eben mit ganz fremder Lektüre beschäfttgt, der wird sie übersetzen können, nämlich Werther." Blitzschnell führ Werther auf und warf den Shakespeare unter den Tisch. Alle lachten. Dann stieg der Professor zu ihm heran und sagte leutselig ironisch: „Hier, mein Bester, halten wir, nun lesen Sie sich den Satz erst durch unh dann übersetzen Sie ihn!" Wertster schämte sich, aber es ging, so daß der Professor ausrief: ,,^ch wußte ja, der kanns, obwohl er weder ausgepaßt noch sich zu Hause präpariert hat." Zum T h e a t e r ist Werther auf einem großen und ganz merkwürdigen Umwege gekommen. Der Tod seiner Mutter warf ihn so völlig aus dem Geleise, daß es ihm wie eine Erlösung war, in ganz andere Verhältnisse, nämlich auf das Kueiphöfische Gymnasium in Königsberg, versetzt zu werden. Dort war sein Onkel Chemiker an der Universität, und dieser, sowie fein Freund und Kollege, der später weltberühmte Helmholtz, gewannen auf den jungen Werther solchen Einfluß, daß er das Studium der Natur- wissenschaften, insbesondere das der Geognosie und des höheren Bergfachs wählte. Der innere Ruf freilich fehlte völlig, aber er absolvierte doch ganz ord^- nungsmäßig 5 Jahre des Studiums an der Berliner Universität uno der praktischen Tätigkeit im höheren Berg- fache, machte auch fein Bergexspektanten-Examen und den Dr. Phil. Als aber dann sein Vater gestorben war, da konnte er dem alten in ihm schlummernden Drang zur Bühne nicht mehr widerstehen, hing seine ganze Karriere an den Nagel und fuhr nach Wien zu Laube, der damals das Burgtheater leitete. Laube war früher manchmal Gast im Werth ersehen Hause gewesen, ihm schüttete Wertster jetzt fein Herz aus und fragte ihn um Rat. Laube prüfte ihn und riet darauf besttmmt zu. Mit einer wahren Leidenschaft Aus den Erinnerungen eines Theatermannes. Julius von Werther, der verstorbene Theaterveteran, der durch feine Wirksamkeit als Generalintendant der Stuttgarter Hofbühne weit bekannt geworden, und, wie wir schon kurz mitteilten^ auch in Darmstadt noch nicht vergessen ist, hat noch kürzlich in der „Münchener Allgemeinen Zeitung" Erinnerungen aus seiner Jugend veröffentlicht, die auf den Werdegang des geistvollen Mannes interessante Lichter werfen. Seine Kinderjahre verlebte er auf dem väterlichen Ritter gute Thüringen bei Roßla, das in der Goldenen Au am Fuße des Kyffhäusers lag. Dort war er mit Unterricht nicht sehr geplagt worden: ein Hauslehrer hatte ihm das Abc und was so drum und dran hängt beigebracht und der junge Werther sah sich daher in eine völlig neuq Welt versetzt, als er mit 9 Jahren in die Oberquinta des durch seine hohen Ansprüche bekannten Joachimsthal- schen Gymnasiums in Berlin eintrat. Dort hatte er nun allerlei Erfahrungen zu machen. Zunächst sah er sich wegen seines thüringisch-sächsischen Dialektes oon seinen Berliner Mitschülern verspottet. Das Thüringische hat er sich später abgewöhnt, aber das Berlinische ist ihm, wie er beinahe mit Befriedigung her vor hebt, nie gelungen. Der junge Werther hatte aber noch eine andere Eigenschaft, die ihn der Quinta des Joachimsthalschen Gymnasiums merkwürdig machte; er hatte nämlich bereits ein Tr a u erspiel versaßt. Dieses scheint einige Ähnlichkeit mit Schillers Räubern gehabt zu Haden, denn Werther erinnert sich, wie er mit feinen Kameraden eifrig Tüten klebte, deren Aufknallen am Abend die Pistolenschüsse der Räuber vorstellen sollte. Bei derartigen Interessen war es ganz natürlich, daß das „Pennal" bis zur Untertertia für Werther ein Passions- Weg war. Später aber kam er in die Hand von Lehrern., die ihm das Leben der Geschichte und Die Schönheitswelt des Altertums zu eröffnen wußten. Es waren dies der spätere Historiter der deutschen Kaiserzeit, Giesebrecht, der nachmals so berühmt gewordene Philologe Kirchhoff, endlich und vor allem aber der Direktor Meinecke, der den Homer glänzend den Schülern nahezubringen wußte. Außerstürzte sich Werther in das neue Fach, das seine alte Liebe war, und war nicht aus dem Burgtheater herauszubringen. Zwei Jahre später nahm Dingelstedt ihn nach Weimar als Jntendanturlehrling, uud.'damit hatte nun Werther die Laufbahn gefunden, auf der er sein Bestes im Leben leisten sollte. Wellmann über seine Ozean-Luftfahrt. Mit wachsendem Interesse verfolgt Amerika die umfangreichen Vorbereitungen, die in der kühnen Luftfahrt gipfeln sollen, in der Wellmann im Herbst mit seinem Lenk» baIton „Amerika" den Atlantischen Ozean überqueren und in Europa landen will. Der unternehmende Amerikaner, der seinerzeit durch seine unglücklichen Versuche, mit einem Lenkballon den Pol zu erreichen, bekannt wurde, hat sich in „Atlantic City" über die Aussichten seines Vorhabens geäußert. Sein jetziger Versuch sei ein Echo des Planes, den Nordpol mit dem Luftschiff zu erreichen, den er damals, den Spuren des unglücklichen Andre folgend, gefaßt habe. Die „Amerika" ist von Paris bereits unterwegs und in 14 Tagen werden die Versuchsfahrten beginnen, die das Wagnis des Ozeanfluges vorbereiten. „Ich weiß nicht, ob ich mein Ziel erreichen kann, aber versuchen können wir es. Die „Amerika" kann 17 000 Gallonen Gasolin mitiühren. Wir könnten wenigstens 33 englische Meilen m der Stunde zurücklegen, was schneller wäre wie die Fahrt bei „Maurelania". Aber das ist nur eine theoretische Erwägung: in Wirklichkeit werden wir langsamer fliegen müssen, weil sonst unser Heizmaterial zu schnell erschöpft wäre. Bei günstigem Winde werden wir mit 17 englischen Meilen in der Stunde zufrieden sein; sollte das Wetter uns wirklich günstig gesinnt sein, dann erst würden wir beide "Diotoren benutzen, um größere Geschwindigkeiten zu erzielen. Mit meinen Gefährten trage ich die Verantwortung, unä wir tun alles, um die gefährliche Sache auf möglichst gefahrloses und sichere Wege zu leiten. Vielleicht gelingt es uns, vielleicht endet alles mit einem Mißerfolg; aber wir haben keine Angst vor dieser Möglichkeit, zu scheitern und ausgelacht zu werden." Daß die „Amerika" imstande ist, eine 3000-Meilenscrhrb zu vollbringen, sollen in den nächsten Tagen die Landflüge bei Atlantic City beweisen. Aber die entscheidenden Fragen/ der Schulen bis 10. August geschlossen wurden. Bis jetzt sind Kinder erkrankt. 200 Die Verschärfung des spanifch-vatikanischen Streites. dem Kleine TageSchronik. In Berlin FenSt Uv extra billigen Preisen. 06247 Kanzleiberg 7, am Brand Tel. 575 3557 MKW ffWUr. Verkauf von Taschenuhren, Regulatoren, Freischwingern, Weckern,Schmucksachen Brillen, Zwickern und Opcrn-tiläsern zu Wundungen durch hatten, figurieren Seebäder. er am Herzschlag gestorben oder Dom Waden- unb ertrunken sei. Auch einige schwere Ver- glftige Fische, tne Blutvergiftung zur Folge m der neuesten Unsallschronik der englischen w* Vanau, 29. 3uli. (Tel.) Die Verhandlungen, die unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Gebeschus gestern abend zwischen der Verwaltung der Straßenbahn und den ausständigen Bediensteten stattfanden, führten zu einer Einigung. Heute früh wurde der Verkehr wieder auf- genommen. iMWTWTwiiiiBwnwiiiiTinTWTiniH iiM mmm » im— gerahmt u. ungerahmt Türschoner billigst Wilhelm Schmitt, Ghsermeister Originai-DrahtmeldunzzeNch 200 Kinder an Haarschwund erkrankt! Schwerte, 29. Juli. Unter den Volksschülern ist Haarschwund epidemieartig ausgetreten, so daß die CattdrotrffdiafL . Ä Karlsruhe, 28. Juli. Die statistischen Mitteilungen für das Großherzogtum Baden bestätigen den schlechten Stand der Ernte infolge vierwöchcittlichen Regens und Ucborschwem- mung. Verlauf der Witterung seit gestern früh: Tie westliche Zyklone i|t langsam, aber stetig ostwärts uorgebrimgen. Aul ihrer Cfifeite hatten wir gestern bei südöstlichem Winde heiteres und warmes Wetter. Ueber Nacht entwickeln sich jedoch kleine Nand- wirbel, die einzelne meist geringe Regen, bringen. Unter dem überwiegenden Einfluß des ozeanischen Lustwirbels ist trübes und regnerisches Wetter in Aussicht. Wetterausfichten ui Hessen am Samstag dem 30. Juli 1910: Meist wolkig, Regen, etwas kühler. Verkauf auf Abbruch. Auf Grund des Ministerialerlasses vom 16. Juni 1893 soll der Abbruch der alten Trinkhalle und der Werkmeisterwohnung in 2 Losen vergeben werden. Los I Abbruch der Werkmeisterwohnung (zweistöckig in Bruchsteinen). Los II Wandelhallen mit den beiden Pavillons und Musiktempel (einstöckige Gebäude in Backsteinen, teilweise offene Hallen mit gußeisernen Säulen). Beschreibung sowie Bedingungen können auf unserem Amt (Zanderstraße) eingesehen werden. Die Angebote sind verschlossen mit der Aufschrift „Angebot auf Abbruch- bis 13. August vormittags 11 Uhr bei uns einzureichen, woselbst alsdann die Eröffnung der Angebote in Anwesenheit der erschienenen Bewerber erfolgt. Der Zuschlag kann auf jedes Los einzeln oder auf beide Lose zusammen erteilt werden. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Bad-Nauheim, den 29. Juli 1910. D2e, övo&O. Baubehörde f. d. Neubauten in Bad-Nauheim. Jost. - . . würbe am Donnerstag abend ein perlen» bieb in der Friedrichstraße verhaftet, als er den Versuch machte em etwa aus 300 Perlen bestehendes fünfteiliges Kollier zu ver- setzen. Man glaubt, daß dem Verhafteten mehrere in der letzten legen finb ^u6rüI)run9 ^brachte Perlendiebstähle zur Last zu Madrid, 29. Juli. Der Ministerpräsident bestätigte Korrespondenten des „Matin", daß die Note des Vatikans die Fortsetzung der Verhandlungen für unmöglich erklärt. Die spanische Negierung hat sich nach dem Ministerpräsidenten keineswegs geäußert, daß sie mit dem Vatikan überhaupt nicht verhandeln wolle, sondern nur erklärt, daß |ie in gewissen Fragen keine andere Souveränität als die des Staates anerkenne. Aus Oberhausen meldet man: Der Geschäftsführer her Oberhausenschen Grundstückverwaltungsgesellschaft und Inhaber der Eisweric K n i e g c verübte Selbstmord, nachdem er seinen achtjährigen Sohn erschossen hatte. Der Grund der Tat soll in finanzieller Zerrüttung zu suchen sein. Den Metzer Zeitungen zufolge hat die Ruhrkrankheit unter den Soldaten der Metzer Garnison in letzter Zeit erheblich zugenommen, so daß ein Wirtschaftsoerbot für das Militär bis zum Feldwebel erlassen worden ist. Die Krankheit verläuft ziemlich milde. Schwere Erkrankungen und Todesfälle sind bis jetzt noch nicht zu verzeichnen; auch ist eine Ansteckung von Zivilisten noch nicht vorgekommen. Nach einer Meldung aus G e n f ist im Saleve der aus Weimar gebürtige Schuhmacher Gribner a b g e st ü r z t. Er war sofort tot. — Aus St. Moritz wird berichtet, daß im Fextale eine aus Petersburg gebürtige Dame namens Elisabeth Dediatschenko und auf der Alp Nora ein schweizerischer Postbeamter durch Absturz nms Leben gekommen sind._________________________ Handel. --3 um Zusammenbruch d e r Niederdeutschen Bank meldet das Wolfssche Bureau: Wie seinerzeit mitgeteilt, machten in Sachen der Niederdeutschen Bank die zusammenge- tretenen Banken bei grundsätzlicher Geneigtheit zur Einleitung einer Hilfsaktion die Fassung fester Beschlüsse von dem Ergebnis einer durch die Treuhandgesellschaft und zu diesem Zwecke gewählte kleine KommNNon vorzunehmenden eingehenden Prüfung abhängig Da die Prüfung ergab, daß die Lage der Bank eine ganz hoffnungslose ist, mußte von der in Erwägung gezogenen Hilfsaktion Abstand genommen werden. Die Bankengruppe hat nunmehr beschlossen, den kleinen Gläubigem der Niederdeutschen Bank durch möglichjt baldige Herauszahlung eines Teiles ihrer Forderungen zur Hilfe zu kommen und wegen der hierzu zunächst erforderlichen Feststellung der einzelnen Gläubigerposten das Geeignete in die Wege.geleitet. Märkte. fc. Frankfurt a.M., 29. Juli. Heu- und Strohmarkt Angesahren waren 13 Wagen Heu und 0 Wagen Stroh Man notierte: Heu (neues) 3,30—3,80 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 0,00 vis 0,00 Mk., Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft gut. Die Zufuhren waren ans Oberhessen und dem Kreis Dieburg. , ^DiemoderneOperalsSchreckenskammer In ; London macht jetzt die auch in Berlin gegebene Oper ,Habanera" . von Laparra einiges Aussehen und zwar hauptsächlich wegen der hier angehäuften furchtbaren Ereignisse, die das Theater wirklich zur „Schreckenskammer" machen. Ein Mitarbeiter der Daily Mail nennt diese Oper die „düsterste von allen" und nimmt sie zum Ausgangspunkt, um überhaupt von der Vorliebe zu sprechen, die die Komponisten für Schreckensfzenen haben. Er läßt die wichb- tigsten modernen Opern nut Ausnahme der Werke Wagner-, deren mythologische Themen der Verfasser ausscheidet, deren Reihe nach Revue passieren und bringt dabei wirklich eine Unzahl von Verbrechen und Schreckenstaten zusammen. „Hugenotten": Held und Heldin sterben zusammen. „Troubadour": Held hingerichtet Heldin nimmt Gift. „Traviata": Heldin stirbt an der Auszehrung. „Rigoletto": Heldin aus Mißverständnis ermordet, ihr Vater ist daran schuld. „OtlMo": Held ermordet Heldin und begeht Selbstmord. „Lucia von Lammermovr": Heldin erdolcht ihren Gatten und stirbt an gebrochenem Herzen, Held ersticht sich selber. „Faust": Heldin verursacht den Tod ihres Bruders, wird wahnsinnig, tötet ihr Kind und stirbt. Ihr Liebhaber wird vom Teufel geholt. „Aida": Held und Heldin werden lebendig begraben. „Lakmö": Heldin nimmt Gift. „Romeo und Julia": Held nimmt Gift und Heldin ersticht sich. „Bajazzo": Held ersticht Heldin und ihren Geliebten. „Madame Butterfly": Die verlassene und betrogene Heldin begeht Harakiri. „Toska": Held wird zuerst gefoltert, und dann erschossen. Der Bösewicht des Stücks wird bon Heldin erdolcht, die sich ihrerseits über eine Brüstung her ab stürzt. „Carmen": Heldin betrügt einen ihrer Liebhaber und wird von ihm erstochen. „Habanera": Hauptcharakter ermordet seinen Bruder und wird wahnsinnig. Der Geist des Ermordeten kehrt lvieder und vcrusacht den Tod der Heldin. U-lese Vorliebe für furchtbare, nerveiiausreizende Ereignisse geht Nicht von dem Komponisten aus, denn Gonnod sowohl wie Verdi und Pueeini sind durchaus keine tragischen, dem Düsteren zu- neigenben Künstler und haben auch für das Heitere und Komische eine ausgezeichnete Begabung. Es ist der Geschmack des Publikums, der die Oper zur Schreckenskammer umwandelt. .. Zunahme der Meerungeheuer. Wer gelegentlich die Berichte darüber liest, wie es in den westindischen, brasilia- Nischen und asiatischen Häfen von Haifischen wimmelt, hat wohl meistens ähnliche Anwandlungen wie der Bürger aus dem Osterspaziergange im „Faust" und tröstet sich mit dem Gedanken, daß nur draußen weit iit Oft und West die Haie auf die Menschen uurzen. Zu,einer recht erheblichen Ernüchterung führt die Tatsache, daß erst im vorigen Jahre im Golf von Ouarnerodad ein grober Haifisch erlegt worden ist, der in Fiume ausgestellt war daß noch zwei andere große Haie in der letzten Zeit in den istrianisch-dalmatiNifchen Küstengewässern getötet wurden. Zu all oeni,kommt noch, daß die österreichische Regierung einem Erfinder kürzlich ein kleines Kriegsfahrzeug zur Verfügung gestellt hat, wn emen Apparat praktisch zu erproben, mit dem dieser jeden Haifisch binnen zwei Minuten ins Jenseits befördern will Tie feste Umgitterung vieler Badeplatze dort unten dient auch nicht nur dem Zwecke, die Badenden an dem Ueberschreiten einer gewissen Meerestiefe zu verhindern, sondern sie vor Gefährlicherem'zu bewahren, weil auch ein kleinerer Hai von etwa zwei Meter Länge imstande ist, entern Menschen die Beinmuskulatur bis auf die Knocken herunterzustreifen und tödliche Verletzungen beizubringeu. Schlimmer als in der Adria scheint die Gefahr in den englischen Seebädern zu sein, wo sich die. unaufgeklärten Unglücksfälle beim Baden m unheimlicher Weise vermehrt haben. Man fetzt sie zum Teil auf Rechnung von Haifischen, denen in der letzten Bade- saison mehrere Personen nur mit knapper Not entgangen sind zum anderen Teil aber auf jene unheimlichen Riesen aus der rvamilie der Kopfsutzler (Kephalopoden), den Oktopoden, die mit ihren langen, schlangenähnlichen Armen den Badenden in' die Biese zu ziehen suchen, von dem dann, wenn er unter geht verbreitet wird, daß — — —f-r-' " - 9 krampf überrascht . Reparaturen Einrahmungen Spiegel, Bilder SZT" 20 c/r, Rabatt auf sämtliche Artikel. Koch, Ohrmacher inid Optiker Bahnhofstrasse 14 Ecke Tiefenweg bür jede Uhr 2 Jahre schriftliche Garantie Lin Unfall des P 5. 3 re Bla u, 28. Juli. Als das Luftschiff „P 5" heute nachmittag in der Umgebung des Flugplatzes von Wilhelu,s. ruh manövrierte, riß plötzlich der Manometerschlauch und fiel auf den Propeller, wobei sich ein Flügel »erbog. Der Führer sah sich deshalb gezwungen, du-ch Ventilz^ehung die Landung mittels Schleppseils zu bemerk, slelligen, die nut Hilfe herbeieilender Leute auch glücklich gelang. Das Luslschiff ist unversehrt und nimmt morgen seine Fahrten wieder auf. von der Regierung bereits Verpflichtungen in bezug auf andere Ausstellungen ctngegangen worden seien, die in diesem und im nächsten Jahre ftattfinden. * Nene Funde ans dem Palatin. Aus Nom wird berichtet: Durch die Freigebigkeit eines Kunstfreundes, der eine stimme von 150 OUO Lire zur Verfügung gestellt hat, sind jetzt die nusgrabungsarbeilen an der östlichen Seite des Palatins fortgesetzt worden. Das Ziel des großen Unternehmens ist die Herstellung des ursprünglichen Hugelprosils; dann sollen die antiken Stätten der bvzantimschen Kirchen von San Teodora und Santa Anastasia wieder freigelegt und isoliert werden, und schließlich die 1opo° graphischen Probleine des Lieus Tuscus geklärt iverden. Nachdein der Fels der Luperkalien, der van dem Tempel bei Mao-na mater beherrscht wird, nunmehr freiliegt, werden die sogenannten Favissae durchforscht. Diese horizontalen Galerien, die lies in die sandige ^anerde eingegraben sind, weisen zahlreiche Lnftschachie auf, durch d>e man in die alten Bauwerke eingedrungen ist. In den Favissae hat man bereits eine Fülle wertvoller alter Gegenstände gefunden etruskische Töpfereien, Terrakotten und allerlei Weihetafeln- mehrere van ihnen zeigen den jugendlichen Kopf des Attis mit der phrygi- schen Mütze, andere Gegenstände halten die Widmung: „Matri Deurn Salutari.“ «Ein Briefträger mit 50 000 Mark durchgegangen! Berkin, 28. Juli. Der beim Postamt 17 am Schlesischen Bahnhof beschäftigte Briefträger Ludwig Bergmann unterschlug 50 000 Mark Bargeld, das er aus dem Packraum des Postamtes nach der Briefausgabe bringen sollte, und flüchtete. Von dem geflohenen Briefträger hat man bis fetzt noch keine Spur gefunden. Man weiß nicht, ob er sich noch in Berlin aufhält oder die Stadt bereits verlassen har. unter den Anzeigen, die auf die Bekanntmachung der Ober- postdirektion, i>ie 1000 Mark Belohnung aussetzte, entliefe«, befindet sich auch die: ein Mann sei aufgeregt an den Billettschalter an dem Lehrter Bahnhof getreten und habe dort ein Billett nach Hamburg gelöst. Meiningen, 28. Juli. Das Luftschiff „M III« überflog um 9 Uhr die Stadt in dec Richtung aus Coburg In Eisenach führte es vor der Abfahrt eine Schleifenfahrt um die Wartburg ans. Gotha, 28. Juli. Das Luftschiff „LI III" ist um 12-y. Uhr glatt bei der Ballonhalle gelandet. Loburg, 28. Juli. Wie Major Grob auf eine An- frage des „Coburger Tagebl." milteilt, ist die Rückfahrt des ,M III« am morgigen Freitag direkt von Gotha nach Berlin beabsichtigt. Ein schrecklicher Familienmord. Köln-Ehrenfeld, 29. Juli. In der Wohnung des Wiegemeisters Weber, Lichstraße 64, fand man die Leiche der Fr a u Weber erhängt am Bett, ferner vor dem Bette die entkleidete Leiche der 33 Jahre alten Tochter und in einem anderen Zimmer die Leichen von drei Enkelkindern. Man nimmt an, daß Frau Weber die Morde und den Selbstmord in einem Wabnsinnsanfall gegangen hat. Ihr Mgnn und ihr Schwiegersohn befanden ich anf einer Reise. * x. Berlin, 29. Juli. Die Königsberger Hartungsche Zer-» tung läßt sich von hier telegraphisch melden, die neue Hecresvorlage sei vorgesteril deil Bundesregierungen zugegangen. Die Mehrforderung betrage 34 Millionen Mark. Dermifcbtcs. * Heber die 3 0 0 - I a h r f e i e r der Stadt Elber- f elhjmrb gemeldet: Nachdem Mittwoch abend die 300-Jahrfeier der etabt Elberfeld durch einen Festakt im Rathaus und eine Illumination eingeleitet worden war, begannen Donnerstag vor- mittag die auf drei Tage berechneten Feierlichkeiten der Stadt Elberfeld durch einen Festgottesdienft. Am Vormittag fand eine Festsitzung des Stadtverordnetenkollegiums statt, an dem als ghrengälte unter anderen teilnahmen: Der Minister des Innern, Cberhrafibent der Rheinprovinz, Regierungspräsident Dr. Kruse, ^.andebhauptmanil Dr. Renvers, Eisenbahnpräsident Höft, der Prästdent der Handelskammer, Geheimer Kommerzienrat Jung, zer Oberbürgermeister der Stadt Elberfeld hielt eine Rede, in - ? mc -Wnltc herzlich willkommen hieß und einen Rückblick am die Gerichte der Stadt Elberfeld gab^ Zum Schluß verlas der Redner ein an den Kaiser abgesandtes Huldigungstelegramm und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Anwesenden begeistert cinjtimmten. Der Minister des Innern überbrachte die Glückwünsche der Regierung. Nach der Festsitzung des Stadtverordnetenkollegiums wurde das Alterspflegeheim, das aus Anlaß der iilberneii Hochzeit des Kaiferpaares von der Stadt unter Bei- tjilfe Privater Stiftungen errichtet wurde, eingeweiht und der Armenverwaltung übergeben. Die Baukosten und die Kosten der Inneneinrichtung des Heims, dessen Baugrmrd ein Geschenk der Stadt ist, betragen nahezu 800 000 Mark. ♦ Dasbritische Komitee für die Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 gibt bekannt, obgleich jedes andere Land von Bedeutung offiziell vertreten fei daß daö Auswärtige Amt eine Teilnahme endgültig abgelehnt habe. Das Komitee roerte versuchen, eine britische Abteilung ohne Hilfe der Regierung durchzuführen, ihr Erfolg fei icboch zweifelhaft. — Auch im englischen Unterlaufe ist am Donnerstag die Sache zur Sprache gekommen. — Hugh C e e i l fragte an, ob die englische Regierung es abgelehnt habe, an der Atz^^ationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1911 teilzunehmen *?tr Edward Grey antwortete bejahend und setzte auseinander die Regierung habe berücksichtigt, daß es nicht wohl angängig let, eine offizielle Ausstellung in Dresden zu veranstalten, weil die britifchen Jndu'.tnellen sich dagegen sträubten, die großen .Kosten auf |ich zu nehmen, welche mit der häufigen Teilnahme an großen internationalen Ausstellungen verbunden seien und weil AMlliche BklMiilkNHlMSttMtHietzell. Stadt. Arbeitsnachweis Gießen, -lsterwea 9. Es können eingestellt werden: ß»» . n. bei hiesigen Arbeitgebern: 1 Glaser, 1 Schreiner, 1 Schuhmacher, 1 Ausläufer, 2 Weiß- bliiderhandlanger. 1 Dienstmädchen, 1 Ladenmädchen, 1 Laus madchen, 1 Putzfrau. Lehrlinge: 1 Tapezierer und Polsterer. . b bCI auswärtigen Arbeitgebern. l@d)reiner, 1 Tapezierer, 1 Schuhmacher- 1 Bäcker, ein ^a'chinenichloner, 1 Wagner, 1 Sattler, 2 Schmiede, zwei landw. Knechte, 1 Ziegeleiarbeiter, 1 Dienstmädchen. Lehrlinge: 1 Schmied. Es suchen Arbeit: 1 Spengler, 1 Kupferschmied und Installateur, 1 Schmied, ein -Tapezier und Polsterer, 1 Eisendreher, 2 Schreiner, 1 Zigarren- macher, 1 Buchbinder, 5 Weißbinder und Anstreicher, 1 Heizer und Maichlmst, 2 Schlosser, 3 Hausburschen, 7 Arbeiter, ein Fuhrknecht, 5 Putz- und Laufsrauen, 2 Waschfrauen, eine Krankenpflegerin, 1 Dienstmädchen, 1 Büglerin, 1 Schreiber _____Lehrlinge: 1 Kaufmann.________________________ Stadt. Wohnungsnachweis Gießen, Afterweg 9. 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