Nr. 174 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. Redaktion. Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^ol. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen- Die Gießener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" Biennal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. — Kurze Nachrichten aus Kunst u. W i s s c n s ch a f t. Der o. Prof, für römisches Recht an der Universität Würzburg, Geheimrat Dr. Hugo v. Burck Hardt, tritt mit Schluß des Sommersemesters in den Ruhestand; er ist 72 Jahre alt. — Der Schriftsteller und frühere Generalintendant des Stuttgarter Hoftheaters, Dr. der Philosophie Julius v. Werthcr, ist in Pertisau am Achensee in Tirol im Alter von 72 Jahren gestorben Werthcr begann in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts als Schauspieler und Regisseur in Weimar, leitete dann in den 60er Jahren das .Hof- und Nationaltheater in Mannheim später von 1873-1875, das Hoftheater in Darmstadt urch wurde nachdem er in den 80er Jahren inzwischen noch einmal 7 Jahre hindurch an der eW der Mannheimer Buhne qt* ftanben hatte, im Jahre 1884 Generalintendant des Stuttgarter Hostyeaters. Dichter fehlten nicht, und für den Tasso bezeugte er eine große Vorliebe. Die besten neuen Reisebeschreibungen waren auch vorhanden . . . nicht weniger hatte er sich mit den nötigsten Hilfsmitteln umgeben, mit Wörterbüchern aus verschiedenen Sprachen, mit Reallexika, so daß man sich also nach Belieben Rat erholen konnte, sowie mit manchem andern, was zum Nutzen und Vergnügen gereicht." Das mit trefflichen Gemälden geschmückte Heim am Hirschgraben in Frankfurt machte dem ästhetischen Empfinden des Kaiserlichen Rates alle Ehre. Er liebte es, die damaligen Künstler der Mainstadt um sich zu versammeln und ihnen Aufträge zu erteilen. Mit großem Interesse verfolgte er die schriftstellerische Entwicklung seines Sohnes und tat willig für ihn Sekretärdienste. Freilich wollte er den Sohn auch nicht in den Armen eines brotlosen Literatentums sehen, deshalb drang er auf ein geordnetes Studium. Er hatte oft den Leichtsinn des Sohnes zu tadeln, ließ ihn aber auch in seinen „Possen" gewähren und hielt ihn zu allerlei schönen Künsten an. Der große Sohn in Weimar hielt es nicht unter seiner Würde, sich um häuslickte Angelegenheiten zu kümmern. Auch den Vater erkennen wir aus dem von Ruland herausgegebenen Haushaltungsbuch (biber domcsticus) als verständig sorgendes Familienoberhaupt. In diesem eigenhändig geführten Ausgabenbuch notierte Rat Goethe gewissenhaft alle Ausgaben, die int Jahr durchschnittlich 2570 Reichsgulden betrugen. Einen nicht unbedeutenden Posten im Jahresbudget nehmen Geschenke und Almosen ein. Besonders gut honorierte,Rat Goethe die Lehrer seiner Kinder. Das Mobiliar ließ er oft durch Ankäufe bereichern. Regelmäßig besuchte er mit seiner Gattin Konzerte und Theater. Sein Sohn erhielt während der Leipziger Studienzeit den für damalige Verhältnisse sehr anständigen Monatswechsel von 200 Mark. Fast dieselben väterlichen Mahnungen, mit denen der Dichter aus dem Elternhause entlassen wurde, begleiteten den jungen Studiosus August Goethe von Weimar nach Heidelberg. Das große Ereignis im Leben deö Kaiserlichen Rats war seine Reise nach Italien, von der er oft und gern erzählte. Einen Teil der Aufzeichnungen seiner Reiseerlebnisse besitzt das Goethe-Schiller-Archiv in Weimar. Aus diesen wichtigen Schriftstücken erkennen wir, wie der Vater gleich dem Sohne das Typische im individuellen und das Einzelne km allgemeinen betrachtete. Alle Erscheinungen des vielgestaltigen italienischen Lebens wollte er zu eigenem Nutz" in sich auf- nehmen. Wir sehen ihn umherschweifen und mit dem Sammeln von Naturalien beschäftigt. Wir sehen aber auch den Kunstfreund, der sich für italienische Malerei und Plastik begeistert. Die prächtigen Kirchenbauten und pomphaften Paläste Venedigs flößen ihm „heilige Ehrfurcht" ein. Auch die Musik Italiens zieht ihn an. Gleich am ersten Abend nach seiner Ankunft in Venedig erfreut er sich an der Oper „Adriano in Siria." Er haupMrsammIung der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst. 4- Görlitz, 25. Julw Unter zahlreicher Beteiligung von Gartenarchitekten sowie privaten, städtischen und staatlichen Gartendirektoren aus alten Teilen Deutschlands trat hier die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst zu ihrer .2 3. Hauptversammlung zusammen. Eingeleitet wurden die Beratungen mit einer Vor- standssitzung, in der interne Angelegenheiten verhandelt wurden. — In der ersten öffentl. Versammlung hielt nach den Begrüßungsansprachen Gartenarchitekt Hoemann (Düsseldorf) einen Vortrag über Zweck und Ziele der Verschönern ngsvereine^ Der Redner ging davon aus, daß die Verschönerungsvereine überall den redlichen Wunsch haben, die Heimat zu verschönern, und daß trotzdem gerade von Verschönerungsvereinen so viel Unschönes, ost geradezu Abstoßendes geschaffen wird. Wenn jemand etwas verschönern wolle, so müsse er vor allem wissen, was schön tfL Diese Vorbedingung wird von den Vereinen meistens nicht erfüllt. Das liegt daran, daß wir in unserem Baterlande noch keine gemeinsame Welt- und Lebensaussassung haben. Erst wenn das her Fall sein wird, werden wir wieder einen einheitlichen volkstümlichen Stil als Ausdruck unserer Zeit gewinnen. Die erste Aufgabe der Verschönerungsvereine ist daher, sich über den Begriff des Schönen überhaupt zu unterrichten. In dieser Beziehung fallen die Aufgaben der Verschönerungsvereine mit denen der Bildungs- Vereine, von Schule und Haus zusammen. Durch Vorträge muß die echte rechte Heimatliebe und der Heimatschutz gefördert und gestärkt werden. Jeder Mensch muß sich der Pflicht bewußt sein, daß Sträucher unb Blumen in der Nähe der Stadt im Interesse der Allgemeinheit geschätzt sind. Jeder Mann muß selbständig diesen Schutz ausüben, jede Mutter muß hierzu ihre Kinder erziehen. Parallel mit dem Blumenschutz muß der Tierschutz gehen. Es ist nicht nötig, daß jeder hohle Baum beseitigt wird, wodurch zahlreichen Vogelarten ihre natürliche Nistgelegenheit verkümmert wird. Eine weitere Aufgabe der Verschönerungsvereine bildet die Erhärtung der Schönheit der heimatlichen Landschaft. In dieser Beziehung ist erfreulicherweise, namentlich imRheinlande viel geschehen. Ucberall gibt es eigenartige Schönheiten zu erhallen: die Linde am Bauernhaus, den Schlehdorn am Raine, Haselnuß und Eberesche am Waldesrande, den Hollunderstranch an der Arbeiter- Hütte. Leider räumt unsere intensive Forstkultur mit diesen beiten immer mehr unbarmherzig auf. Auch der jetzt viel be- Iteuer seitens des Reiches erhoben werden sollte, dieser Zuschlag' auch noch nach Einführung der Zuwachssteuer unb neben derselben weiter erhoben werden sollte. Die im vorigen Jahre eingeführte Talonsteuer ist anstatt zu einer Besitzsteuer zu einer Schuldnersteuer geworden, die den kreditbedürftigen Hausbesitzer belastet. Auf dem Geldmärkte trat gegen Ende des Jahres 1909 wiederum eine merkbare Verschlechterung ein. Die Zinssätze haben weiter eine steigende Tendenz gezeigt, so daß zum Schlüsse des Geschäftsjahres Zinssätze von 4Vs bis 4Vr Prozent auch für allerbeste Beleihungen die Regel bildeten. In maßgebenden Kreisen glaubt man an eine Geldversteifung im Herbst. Daß die Verhältnisse des Geldmarktes im vergangenen Jahre noch keineswegs befriedigend waren, geht auch aus dem Umstand hervor, daß die Zahl der Zwangsversteigerungen nur in sehr wenigen Städten in nennenswertem Umfange zurückgegangen ist. Auch wenn man voraussetzt, daß teilweise andere Verhältnisse die Ursache der Zwangsversteigerung gewesen sind, so wird doch wohl in der Mehrzahl der Fälle die Nichterneueruna einer gekündigten Hypothek die Ursache des wirtschaftlichen Zusammenbruches gewesen sein. Abgesehen von der Schädigung des Volksvermögens liegt hierin aber auch eine solche Fülle von Tragik, daß die Schaffung von Organisationen für den Realkredit auf landschaftlicher Grundige als die allerwichtigste Aufgabe nicht nur des Hausbesitzes, ' ?ern auch der öffentlichen Gewalten erscheinen muß. Die Bau- - u t i g f e i t ist trotz der mancherlei Schwierigkeiten der letzten Zeit im verflossenen Jahre im allgemeinen verhältnismäßig lebhaft gewesen. Infolgedessen hat auch die ohnehin schon sehr hohe Zahl der leerstehenden Wohnungen eine erhebliche Vermehrung erfahren. Für Groß-Berlin wurde sie anfangs des Jahres auf insgesamt 40 000 geschätzt. Sehr bedauerlich ist es, daß auch das Reich fortfährt, Baugenossenschaften mit Darlehen unb billigem Gelände zu unterstützen an solchen Orten, wo ein übergroßer Vorrat von leerstehenden Wohnungen das gesamte Wirtschaftsleben an sich schon äußerst ^nachteilig beeinflußt. Es steht dies im Widerspruch mit den Zusicherungen, die dem Reichstage seinerzeit bei der Bewilligung der in Frage kommenden Gelder gegeben worden sind. Goethes Vater. (Zum 29. Juli.) Von Herman Krüger, We'stend (Othmarschen). In der Beurteilung von Goethes Vater, der vor 200 Jahren, am 29. Juli 1710, geboren wurde, ist in früheren Jahren viel gefünbigt worden. Man hat kritiklos die Urteile der Zeitgenossen (Karl Alexander, Herzogin Amalie, Merck, Lavater, Wieland) übernommen, die in Johann Kaspar Goethe nur einen zähen Sprößling dos Kleinbürgertums mit halsstarrigem Wesen erblickten. Erst eine selbständige Nachprüfung hat ergeben, daß her Mann, ber über bie Jugend des großen Goethe .wachte, durchaus unserer Bewunderung würdig ist. Dieser Mann verfügte über höhere Eigenschaften als Bildungstrieb, Pflichttreue und die landläufige Ehrenhaftigkeit. Ja, bei näherer Betrachtung ^drängt sich die Aehnlichkeit im Charakter zwischen Vater und Sohn überzeugend auf. Der starken individuellen Persönlichkeit des Kaiserlichen Rats ist bis auf den heutigen Tag niemano gerechter geworden als der Sohn. Wer mit unbefangenen Augen die Schilderung in Dichtung und Wahrheit liest, wird gestehen müssen, daß 'Rat Goethe nicht nur über eine gründliche wissenschaftliche Bildung verfügte, sondern auch ein für alles Schöne urtb Erhabene begeisterungsfähiger Kunstfreunb war. Seine Ordnungsliebe und Sammlerleidenschaft finden wir beim Sohne wieder. Auch war I. K. Goethe kein Haustyrann, der die heitere Lebenssonne der Frau Rat trübte. Der zärtliche Gatte und sorgsame Vater hatte nur die besten Absichten für seine Familie. Als Kind seiner Zeit ließ er sich in Erziehungsfragen von strengen Prinzipien leiten, die freilich mit dem stürmischen Drängen des jugendlichen Wolfgang nicht immer in Einklang zu bringen waren. Hätte der Vater die Zügel aus den Händen gegeben, wer weiß, was aus dem kleinen Wolfgang geworden wäre. Frei von dem Zwange eines Berufs, erblickte Rat Goethe in der Erziehung seiner Kinder feine Lebensaufgabe. Und man kann nur sagen, daß er sie mit ber glücklichsten Hand gelöst hat. Die allseitige Ausbildung der Persönlichkeit war für ihn daS erstrebenswerteste Ziel. Sein Ideal sah er darin, ein von Kunst unb Wissenschaft erfülltes Dasein zu führen. Seiner Doktorarbeit über den Erbschaftsantritt nach römischem unb vaterländischem Recht brauchte sich auch heute noch fein Jurist zu schämen. Ständig sorgte der Rat für Vervollständigung seiner umfangreichen Bibliothek. „Er besaß," wie der Sohn berichtet, „bie schönen hollänbischen Ausgaben der lateinischen Schriftsteller, welche er ber äußeren lieber- einstimmung wegen sämtlich in Quart anzu sch assen suchte; sodann vieles, was sich auf die römischen Antiquitäten unb oie elegantere Jurisprudenz bezieht. Die vorzüglichen italienischen schreibt: „Ich war starr, als ich in bie Oper von San Chry- sostonw eingetreten war; bie Musik, bas Orchester, etwa 40 brs 50 gute Spieler, die Kostüme der Hauptpersonen, alles sehr prächtig und besonbers glänzenb der wohlersonnene Aufbau" Tie Primadonna Fumagalli findet seine höchste Bewunderung Auch dem Schauspiel widmet er ein eifriges Interesse Die bekannte Miniatur-Pastellmalerin Rosalba ((tarriera) wird mit fol- genbem Lob bedacht: „In ihren Gemälden ist Leben und Kunst und Natur über alles Maß nachgeahmt, so daß, wer sie sichte sie immer zu sehen wünscht." Goethes Vater machte in Italien die Bekanntschaft vieler berühmter Männer. Den alten Dichter Apostolo Zeno hat er wiederholt besucht. Er notierte sich 'Inschriften an Bauwerken, Monumenten und Grabstätten. Ueberall offenbarte er fein großes Kunstverständnis, seinen scharfen Sinn und sein kritisches Vermögeii. Er bereicherte seine Sprachkenntnis und drang mit Verständnis in das System des venetianischen: Staatswesens ein.. Während des Karnevals in Venedig ver- pnügte er sich auf Bällen und plauderte mit schönen Damen bis -zum Anbruch des Morgens. .. Dieser alte Herr war gewiß kein Philister. In allen seinen Auszeichnungen, die einmal vereinigt werden müssen zu einem großen umfassenden Lebensbild des Kaiserlichen Rats, drängen sich die verwandten Beziehungen zwischen Vater unb Sohn auf. Die festen Grundlagen seines universellen Wissens verdankt ber Sohn der Einsicht des Vaters. Vom Vater wurde der Grundstock zum Goetheschen Lebenswerk gelegt. Von ihm hatte der Sohn Nicht nur die Statur und des.Lebens ernste Führung, sondern auch bie grundlegenden Züge seiner Wesens- unv Charaktereigenschaften als Erbstück übernommen. Wovon die Menschen hauptsächlich leben. Die „Deutsche volksw. Korrcsp." schreibt: Unentbehrlich geworden sind ber Menschheit drei Gattungen von Felbfrnchten: Brotkorn, Kartoffeln und Reis Die Er- nährung der meisten Menschen beruht auf diesen Früchten. Gewaltige Mengen davon werden alljährlich geerntet, im Jahre 1907 beziehungsweise 1908 von den wichtigsten Staaten ber Erbe ins- ^antt rund 129 Millionen Tonnen (zu je 1000 Kilo) Kartoffeln, 74 Millionen Tonnen Weizen unb dazu 39 Millionen Tonnen Roggen, enblich 80 Millionen Tonnen Reis. In einem Jahrhundert, in dem der Dampf König war, ferner durch die Erfindung ber Arbeitsmaschinen und der Elektrizität, mit Hilfe der modernen Verkehrsmittel unb ber Wunder ber Technik fnib große Industriestaaten entstanden und sehen sich genötigt, sehr beträchtliche Mengen von Nahrungsmitteln einzu- führen, ote_ von den großen Agrikulturstaaten erzeugt werden.« Dennoch läßt sich noch heute aus ber heimischen Ernte ber euro- PäNchcn wie ber außereuropäischen Länder ersehen, welche Art von Feldfrucht von ber Bevölkerung bevorzugt wird. Der W e i z e n ist namentlich in Form von Gebäck bie Grundlage für bie Ernährung ber Englänber, Franzosen und Spanier, ferner für bie Süditaliener, während in Norditalien der Mais starker hervortritt, auch für die Madjaren, und herrscht ausschließlich m Amerika und Australien. Weizen wirb zwar auch von den Deutschen Mitteleuropas verbraucht, aber durchaus nicht so überwiegend ober gar ausschließlich wie in ben genannten Ländern. Im deutschen Mitteleuropa bevorzugt man Roggenbrot nicht ans Armut, wie manche Englänber glauben, fonbern weil man es wohlschmeckender findet. In Rußland wird vielleicht aus jenem Grunde das Roggenbrot bevorzugt. Deutschland ist das Land ber Kartoffeln und des R o g - gens. Im Jahre 1908 erzeugte cs 46 Millionen Tonnen Kartoffeln, mehr als ein Drittel der gesamten Welternte, erheblich mehr als irgend ein anderes Land, selbst als Rußland, dessen Erzeugung an Kartoffeln sich in Europa auf 29 Millionen Tonnen belief. Auch Oesterreich unb Frankreich haben mit je 14 Millionen Tonnen eine beträchtliche Kartoffelernte. In diesen Ländern ist die Kartoffel am beliebtesten, wird stark bevorzugt unb gehört zu den unentbehrlichen Lebensmitteln, namentlich da, wo, wie in ben deutschen Mittelgebirgen, Getreide weniger gut gedeiht. Auch bie Bewohner ehemals keltischer Gegenden wie außer in Nord- srankreich, in Belgien, Holland unb Jrlanb sind noch heute Kar- iofielener. Dagegen ist bie Kartoffel in anderen größeren Kultur- staaten. namentlich in Enaland, Italien und Svanien, in Amerika Asien und Australien entweder nur als eine verhältnismäßig seltene Zuspeise oder aber gar nicht bekannt. Die meisten asiatischen Völkerschaften leben wesentlich von Reis. Er ist in Indien, China. Japan, Siam, Java usw. das überwiegende Nahrungsmittel. Nur verhältnismäßig unbedeutende Mengen kommen nach Europa. Deutschland bezog im Jahre 1907 noch nicht ganz 300000 Tonnen Reis. Ehedem war die Hirse in Europa stark verbreitet und die tägliche Speise der Massen, ist aber allmählich zurückgedrängt worben unb wird heute noch von den Slawen im Osten unb auch von ben Negern in Afrika viel gebaut. Ein Hirsebrei wars, ben vor 300 Jahren die Züricher in einem Tage auf einem Kahn rhein- abwärts nach Straßburg noch im warmen Zustande brachten. Als Brei wird heute noch der Reis zumeist genoffen, und sicherlich wurde auch das Getreide als Brei zubereitet, bevor man dazu kam, es zu Brot zu verbacken. Der König von Italien und die LinschrSnknng der Rüstungen. 0 Paris, 26. Juli. Bei einer Besprechung der verfchiebenen Bemühungen, den ins Unermeßliche steigenden Wettbewerb der Nationen in Rüstungen einzuschränken, kommt Senator Gervais im „Matin", ohne die Quelle anzugeben, aus einen Plan des Königs von Italien, der darauf abzielte, den Marinevergrößer- ungen Einhalt zu gebieten. Seiner nicht ^anz glaubwürdigen, besonders in dem durchsichtigen Hinweis auf das ablehnende Verhalten des deutschen Kaisers vielleicht gefärbten Darstellung zufolge hatte Viktor Emanuel III. folgende Ansichten entwickelt: Für jede Kategorie von Fahrzeugen sollten Ziffern des Tonnengehalts, der Geschivindigkeit, der Ausrüstung usiv. em -für alle Mal ieftaeleqt werden; über diese dürfte nicht binmeggegnnqeii werden. Jede Nation konnte nach 'Maßgabe ihrer Mittel eine beliebige Anzahl von Fahrzeugen jedes Tyuus schaßen. Nur das Hasten nach immer größeren Schiffen, nach immer furchtbarerer Geschwindigkeit, nach immer stärkerer Ausrüstung sollte gehemmt werden. Der König war überzeugt, daß eine derartige Anregung den Weltfrieden fördern müßte, und liefe sich darüber an den geeigneten Stellen vernehmen, aber erfolglos. Denn er erklärte Vertrauten: ,,3d) habe die Idee dem unterbreitet, der durch seine Stellung meiner Auffassung ihre ganze wirtsame Kraft geben konnte; aber man hat mich nicht verstehen wollen". Uebrigens soll sich der König in Privatgespröchen immer als echter Demokrat bekunden und noch vor kurzem gesagt haben: „Wie hoch schätze ich das Ansehen, das die Tatsache verleiht, von dem Volke ausgezeichnet, erkoren und gewählt zu werden." Natürlich findet der Herrscher Italiens mit einer derartigen Haltung die freudigste Beistimiuung des republikanischen Senators. Die Lage des städtischen haus- und Grundbesitzes. 4 Braunschweig, 26. Juli. Zu der bevorstehenden Tagung des Zentralverbandes der städtischen Haus- und Grunbbcsitzer-Bereme Deutschlands hat der erste Stellvertreter des Verbandsdirektors Justizrat Dr. Baumert (Spandau) einen Bericht über die Lage des städtischen Haus- und Grundbesitzes erstattet, der unter anderem folgende Angaben enthält: . Die Befürchtungen, mit denen der deutsche Haus- unb Grundbesitz in bas vergangene Jahr eingetreten ist, haben im verflossenen Jahre leider vollkommene Bestätigung gefunden. Von einer Besserung der Lage, und fei es auch nur in gewisser Hinsicht, ist feine Rebe, noch weniger aber von derjenigen Schonung unb Rücksicht, welche ber private Hausbesitz als nützliches und notwendiges Glied im heutigen Wirtschaftsleben, besonders in steuerlicher unb rechtlicher Hinsicht wohl ein Recht zu erhoffen hätte. Allerdings darf man vei Beurteilung der allgemeinen Lage die Lage nicht unberücksichtigt lassen, wie sie anfangs des Jahres einerseits durch gesetzgeberische Maßnahmen, andererseits durch die herrschenden Anschauungen und Strömungen gegeben war. Diese Lage war derart, baß für bie nächste Zeit mit weiteren steuerlichen Belastungen des Hausbesitzes acredjnct werben mußte. Aber niemanb konnte auch nur ahnen, daß bie Reichs- regierung den Privatbesitz mit einem so außerordentlich harten, allen Grundsätzen gerechter Steuertheorie direkt hohnsprechenden, lediglich von bobenresormerischen unb' fiskalischen Anschauungen getragenen Z u w a ch s ft e u e r g e s e tz zu strafen die Absicht haben würde, eine Absicht, bie zunächst allerbings an ber Einsicht des Reichstages gescheitert ist, insofern, als ber Ausschuß des Reichstages bereits bie schlimmsten Härten unb handgreiflichsten Unmöglichkeiten „des Gesetzentwurfes beseitigt hat, ohne baß es dadurch indessen allen billigen Anforderungen gerecht worden wäre. Es barf heute schon als sicher angesehen werden, baß das Gesetz in der Fassung ber Regierungsvorlage vom Reichstage nicht gutgeheißen werben wird. Diese Regierungsvorlage hat aber das eine Gute gehabt, daß sich enblich einmal weitere Kreise mit bent Problem der Besteuerung des unverdienten Gewinnes am Grunb und Boden etwas eingehender beschäftigt haben, und sich infolgedessen manche, vor dem lediglich auf Grund der hoben* reformerischen Lehren gebildete Meirnmg gewandelt, mancher Irrtum eine Richtigkeit gefunden hat. Insbesondere ist dies auch in ben Kreisen ber Politiker ber Fall gewesen. Fortwährend wirb das Problem noch, erörtert, so daß es noch keineswegs ausgeschlossen ist, daß ein Reichszuwachs st euerge setz überhaupt nicht zustande kommt. Uebrigens hat das Gesetz bereits feine Schatten vorausgeworfen. Die vom Zentralverbande schon immer betont worden ist, führt bie, wenn auch nur teilweise Fortsteuerung des Gewinnes dahin, daß die Terraingesellschaften künftig ihr baureifes Land einfach nicht mehr verkaufen, sondern es selbst bebauen und die Häuser auch selbst verwalten. Dahin- gelienbe Besprechungen haben bereits unter den Leitern der großen Terraingesellschaften stattgesunden. Bezeichnend für die Zumutungen der Regierung an den städtischen Grundbesitz ist auch die Tatsache, daß im Gegensatz zu der klaren Bestimmung im § 90 des Reichsstempelgesetzes, wonach der Zuschlag von 100 Prozent vom Reichsumsatzstempel nur bis zur Einführung der Zuwachs- Zweites Blatt t«V. Jahrgang Donnerstag »8. Juli ßkSk A JkxSk AA aa a aa a Rotationsdruck und Verlag der Brühlfcheu I Hwi OlToM mV St O Unwersitäts - Buch, und Steindruckerei. VJivfjvNvl alljviya e General-Anzeiger für Sberhesten fttcScnß Sa t f o n=* u n d F e nfl e r s Hm u ck irrare für die Ber- Ischöncrungsvereine ein dankbares Thema. Es soll die Blumen- ‘liebc aber nicht gefördert werden, um damit nach außen hin zu '-prunken, sondern um ihrer selbst willen. Der Wettbewerb, der in einigen Städten zur Pflege der Balkons eingerichtet worden ist, -ist nicht vonnöten und entspricht nicht dem gewollten Zwecke. Wünschenswert ist, daß nicht nur die Verschönerungsvereine, sondern auch die tzeimatschutzvereine, die Waldschutzvereine, die Tierschutz- und die Verkehrsvereine, die Kunst- und Gewerbevereine sich der Frage der Verschönerung der Heimat annähmen. Alle diese Vereine müßten sich zusammenschließen und zweckmäßig eine Zentralstelle schaffen, um eine richtige Arbeitsteilung vornehmen zu können. Sie müßte beraten werden von Künstlern und Fachleuten, die sich gewiß freudig in den Dienst der Allgemeinheit stellen werden. Dann können wir wieder wie einst eine hohe kulturelle Schönheit in deutschen Landen erstehen sehen. (Lebh. Beifall.) In der Aussprache über den Vortrag wurden Zweifel laut, ob die hohen idealen Ziele des Vortragenden auch in der Wirklichkeit durchueführt werden könnten. Von anderer Seite wurde verlangt, daß bereits die Schule den Sinn für Naturschönheiten bet den Kindern wecken müßte. Leider stehe heute die Pflege von Naturmerkwürdigkeiten zu sehr im Vordergründe. politische Tngcsschnri. Eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung. Unter dem Titel „Eine Verleumdung" brachte die „Konservative Korresp." kürzlich eine Warnung vor einem Gerücht, das den konservativen Landtagsabgeordneten Frhrn. v. Richthofen-Mertschütz betraf. Es wurde dabei aus eine Meldung der „Deutschen Journalpost" Bezug genommen, die int Zusammenhang mit der Affäre des 'Hauptmanns Grafen Hans v. Pfeil darauf hingewiesen hatte, daß gegen den Freiherrn v. Richthofen-Mertschütz ein Strafverfahren wegen angeblicher großer Steuerhinterziehungen beantragt worden sei. In der „Konservativen Korrespondenz" hieß es dann: „Es handelt sich anscheinend um Verleumdungen seitens eines vom Herrn Freiherrn v. Nichthofen entlassenen Wirtschaft s be a m t e n , gegen den bei der Staatsanwaltschaft in Licgnitz die Untersuchung wegen Untreue und Unterschlagung schwebt. Herr Freiherr v. Richthofen-Mertschütz wird gegen alle diejenigen Blätter, die die obenerwähnte unwahre und verleumderische Mitteilung veröffenllicheu, unverzüglich Strafanzeige erstatten." Die „Journalpost" veröffentlicht darauf eine auf Aussagen des Wirtschaftsinspektors K a r l Kaste n gestützte Aufstellung der angeblichen Einnahmen und der Steuerdeklarationen des Landrats a. D. Frhrn. v. N i ch t h o f e n - Mert- schütz, Mitgliedes des Hauses der Abgeordneten. Hierzu ist die „Kons. Korr." zu folgender Erklärung ermächtigt: Die durch viele Zeitungen gehenden Mitteilungen des Wirtschaftsinspektors Karl Kasten über die Steuerdeklaration und die Einkommensverhältnisse des Landrats a. D. Freiherrn v. Richt- hofcn-Mertschütz, M. d. H. d. Abg., sind falsch. Herr Freiherr v. Richthofen-Mertschütz hat am Montag vor der Veranlagungskommission des Landkreises Liegnitz auf Grund genauester Buchführung den Beweis erbracht, daß er sein Einkommen mit peinlichster Gewissenhaftigkeit deklariert und niemals einen Pfennig an Steuern zu wenig gezahlt hat. Selbstverständlich wird Herr Freiherr v. RickUhoscn-Mertschütz gegen den Verbreiter der Mitteilungen über seine Einkommens- Verhältnisse die erforderlichen Schritte unternehmen. Was das von verschiedenen Zeitungen erwähnte Zeugnis anlangt, das vom Freihcrrn v. Richthofen-Mertschütz am 14. Dezember 1909 dem Wirtschaftsinspektor Kasten ausgestellt worden ist, so steht fest, daß dem Kasten in der Tat mehr als sieben Jahre lang vom Freiherrn v. Richthofen-Mertschütz volles Vertrauen geschenkt worden ist. Dieses Zeugnis ist indessen z u r ü ck gefordert worden, seitdem gegen den Wirtschaftsbeamten die Untersuchung hat eingeleitet werden müssen. * Deutschfeindliche Stimmen aus den Reichslanden. Der „Messager d'Alsace-Lorraine" veröffentlicht in seiner neuesten Nummer einen äußerst anmaßenden und gehässigen Artikel, „Commemoration", der mit den Worten beginnt: „Die Deutschen schicken sich an, in vierzehn Tagen mit jener steifen Feierlichkeit, die ihr Geheimnis ist, die 40. Wiederkehr ihres Sieges zu feiern. Sie haben zu dieser Kundgebung den nach Sprache, Ucbcrlieferung und Sitten französischsten Teil des elsaß- lothringischen (Gebietes ausgeivählt, wo selbst das plumpste Dladi- denken sie verstehen lassen müßte, daß sie alle Enipstndungen der Bevölkerung beleidigen werden. AVer vielleicht ist es gerade dieser Gegensatz, der ihnen gefällt. Wenn sie in eine Gegend kommen, deren Einwohner eine andere Sprache sprechen, betonen sie mit mehr Kraft und Nachdruck das Recht der Eroberung und setzen gewaltsam die Tatsache ins Helle Licht, daß die Annektierten nicht .Brüder" desselben Stammes sind." Noch eine andere Stelle verdient niedriger gebangt zu werden : „Wahrend Deutschland den Erfolg seiner Waffen feiern wird, werden die Elsaß-Lothringer alle Einzelheiten des Dramas wieder vor Augen sehen, deren Bühne ihr Laiid vor 40 Jahren war. Es ist gut, fiel) zu erinnern und kaltblütig die Ereignisse im Abstand von 40 Jahren zu beurteilen. Elsaß-Lothringen,' das das Lösegeld der Niederlage mar, muß ebenso wie Frankreich den schrecklichen Lehren der Vergangenheit das Ohr leihen. Pente, wo es im Begriffe steht, sein moralisches Erbteil wieder herzustellen, ziemt es sich, daß es wisse, durch welche Umstände, durch ivelche sträfliche Schwäche einer Dynastie und — wagen wir's, es zu sagen — einer Nation es ein „Reichsland" geworden ist." Man siebt, mie vorsichtig man noch in der Beurteilung der reichsländischen Politik zu fein hat! * Die rote Flut. Das Internationale sozialistische Bureau in Brüssel veröffentlicht, wie der „Tägliche Korrespondent" meldet, eine Statistik der sozialistischen Stimmenzahl unter den Stimmberechtigten der einzelnen Länder. Danach verfügt die Sozialdemokratie in Deutschland über 31/* Millionen bei 60 Millionen Einwohner, Frankreich über 1,1 Mill, bei 42 Mill. Ein- wohner, Oesterreich über 1 Mill, bei 46 Mill. Einwohner, in den Vereinigten Staaten über 0,6 Mill, bei 84 Mill. Einwohner, England über 0,5 Mill, bei 34 Mill. Einwohner, Belgien über 0.5 Mill, bei 7 Mill. Einwohner, Italien über 339 000 bei 34 Mill. Einwohner, Finnlad über 337 000 bei 23/4 Mill. Einwohner, Schweiz über 100 000 bei 3,3/4 Mill. Einwohner, Dänemark über 99 000 bei 23/4 Mill. Einwohner, Norwegen über 90000 bei 2^ Mill. Einwohner, Holland über 82 000 bei b1/, Mill. Einwohner, Schweden über 75 000 bei 51/, Mill. Einwohner. Keine Auskünfte hat das Bureau erhalten von Rußland und Australien, ferner keine bestimmten Notizen von den letzten spanischen Wahlen. (Der einzige span. Sozialdemokrat, der gewählt wurde, Iglesias, erhielt über 40 000 Stimmen in Madrid). In Serbien wurden von den Sozialdemokraten bei den letzten Wahl?» 30 000 Stimmen, in Bulgarien 3000, in Argentinien 5000 gezählt. Auch in Japan macht sich eine sozialistische Bewegung geltend; aber Steuerbestimmungen und andere (Wahlrechts-)Einschränttmgen hindern vorläufig die Entwicklung; dasselbe trifft für Rumänien und noch verschiedene andere Länder zu. Nach der Rechnung hätte Detitschland, nicht nur absolut genommen, die meisten Sozialdemokraten. Aus Stadt und Land. Gießen, 28. Juli 1910. • * Forst Personalien. Die Forstwartaspiranten Phil. Kirschner aus Roßdorf und Ferd. Lohfink aus Bingenheim wurden zu Forstwarten der Forstwarteien Thomashütte und Alsfeld ernannt. * * Lehrerpersonalien. Ernannt wurde der Schul- verwalter Emil Wolf zu Worms zum Lehrer an der Vorschule der Oberrealschule zu Worms unter Belassung in der Kategorie der Volksschullehrer. * * Den Nachweis der Befähigung zur Ueber- uahme eines Kirchenamts haben erbracht die katholischen Geistlichen Karl Neundörfer aus Wöllstein und Hch. Weber aus Eppertshausen. * * Das Patent als Geometer 2. Klasse erhielten für den Kreis Gießen Otto Müller aus Hungen und Karl Schäfer aus Bettenhausen. ** Zinsscheine als Zahlungsmittel. Mau schreibt uns aus unserem Leserkreise: Im allgemeinen Interesse möchte ich Sie auf einen Uebelstand aufmerksam machen, der in letzter Zeit leider sehr zugenommen hat, nämlich das vorzeitige Abschneiden von Zins- scheinen (sog. Kuvons) seitens der Besitzer von Wertpapieren und ihre Ausgabe in Zahlung. Jetzt im Juli sind mir von verschiedenen Geschäftsinhabern hier Kupons gezeigt worden, die erst in 3, 4 und 5 Monaten (bis 1. Januar 1911) fällig werden und trotzdem haben diese Leute die Kupons genommen aus Besorgnis, einen Kunden zu verlieren. Da fällige Kupons schon an und für sich ungeeignete Zahlungsmittel sind, weit tut Augenblick oft gar nicht der wirkliche Wert festgestellt werden kann (das Wertpapier könnte ja inzwischen ausgelost ober notleidend sein), so sind nicht fällige Kupons geradezu minderwertig und sollten nur unter Vorbehalt der Nichtigkeit und auch nur dann in Zahlung genommen werden, wenn sie spätestens in 14 Tagen zahlbar sind. In jedem Falle sollte aber der Namen des Vordermannes sowie Datum des Empfanges darauf geschrieben werden. * * Von öen neuen 25-Psennig-Stücken, die sich bekanntlich im Publikum feiner besonderen Sympathie er- reuen, werden in diesem Jahre für 2 709 500 Mk. neu ausgeprägt. Daß auch die Geschäftswelt sich mit den neuen Geldstücken wenig befreundet hat, geht u. a. daraus hervor, daß bei einzelnen Stellen der Neichsbank die 25-Pfennig- Stücke keine Abnehmer finden, diese vielmehr im Tresor unberührt liegen bleiben. An Kupfergeld werden in diesem Jahre zum ersten Male wieder nach längerer Pause Zweipfennigstücke neu ausgeprägt, und zwar im Gesamtbeträge von 108 300 Mk. ** Der Verband Mittelrheinischer Volksbildungsvereine gedenkt seine Hauptversammlung am 20. und 21. August in dem reizend gelegenen, durch seine Stahl- und Moorbäder bekannten Badestädtchen L a n g e n s ch w a lb a ch abzuhalten. Im „Russischen Hof" daselbst wird am 2. Bersammlungstage nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten Professor Nover- Mainz einen Vortrag über „Volksbildung" halten. Da ja >er Zutritt zu den Verhandlungen jedermann frei steht, o ist zu hoffen, daß der Besuch recht zahlreich wird. Viele dürfte auch noch der Umstand anziehen, daß sich mit dem Besuch der Versammlung eine Fußwanderung durch den Taunus oder an den Rhein recht bequem in Verbindung bringen läßt. Auch Lang en schwalb ach selbst wird seine An- ziehungskraft iricht verfehlen, zumal unter fachkundiger Führung eine Besichtigung des Kurhauses, der Kuranlagen owie der Umgebung des Städtchens vorgesehen ist. Anmeldungen zum Besuch der Hauptversammlung erbittet der dortige Volksbildungsverein an seinen Vorsitzenden W. Becht bis zum 15. August. ** Studen tinn enh eim. Wir werden um Ausnahme der folgenden Notiz gebeten: Vor Schluß des Sommersemesters werden die studierenden Frauen, die nach Berlin zu gehen beabsichtigen, auf das Studentinnenheim in Berlin NW., Siegmundshof 6, aufmerksam gemacht. Das Heim ist kein geschäftliches Unternehmen; es ist, dank der Mithilfe weiterer Kreise, ins Leben gerufen worden lediglich im Interesse der Studentinnen selbst. Aufnahme finden die an den Hochschulen Berlins und Charlottenburgs eingeschriebenen Frauen. (Legitimationspapiere erforderlich.) Der Pensionspreis ist vorauszuzahlen und wird von 85 Mk. an monatlich berechnet. Am Mittagstisch tonnen auch außerhalb des Heims wohnende Studentinnen teilnehmen. Meldungen sind schriftlich zu richten an Frau Dr. Proelß, Berlin W., Gossowstr. 4 oder an Frau v. Pfaff, Exzellenz, Berlin W., Ausburger Straße 30. ** Hundeausstellung in Friedberg. Man chreibt uns: Die in Friedberg vom „Verein der Hundefreunde Wetterau" abgehaltene Kreisschau für Hunde aller Rassen war außerordentlich gut besucht. Das zahlreich ausgestellte Material (es waren über 150 Hunde gemeldet) war größtenteils recht gut. Auch Gießen war dabei wieder erfolgreich vertreten. Die Boxer des Herrn Krämer erhielten verschiedene erste Preise in beiden Klassen; die auch bei der Polizeihundprüfung ausgezeichnete Dobermann- Hündin des Herrn Klös konnte in offener Klasse den 2., in der Jugeirdklasse den 1. Preis behaupten. Der deutsche Schäferhund Prinz von Starkenburg (Bes. Apoth. Eck er lin) wurde in der offenen und begrenzten Klasse mit je einem ersten und Ehrenpreis ausgezeichnet. )-( Ruppertenrod, 27. Juli. Unsere K i r ch e wird in diesem Jahre zweihundert Jahre alt. Sie wurde im Jahre 1710 im einfachen Renaissancestil erbaut. Mitten int Dorfe auf dem Straßenkreuz stehend, das von den zwei Hauptstraßen Gicßen-Lauterbach und Gießen-Alsfeld gebildet wird, zeichnet sie sich durch ihren eigenartigen, schönen, achteckigen Turm aus, der in diesem Stil kaum noch bei einer anderen Dorflirche Oberhessens vorkommt. Bei dem großen Brand des Jahres 1884 schwebte sie, da der Feuerherd in ihrer nächsten Nähe sich befand, in höchster Gefahr. Nur den großen Anstrengungen der Löschmannschaften gelang es, das Feuer von ihr abzuhalten. Im Jahre 1892 erhielt die Kirche an Stelle der zwei alten Glocken, von denen eine zersprungen war, ein neues Dreiglockengeläute. L. Bad-Nauheim, 27. Juli. Mit dem 1. August verschwindet ein Stück Alt-Nauheim von der Bild- läche. Die seit uralten Zeiten bestehende Salin en werkln e i st e r w o h n u n g wird an diesem Tage geräumt und dann abgerissen werden; verschwinden werden auch die daran grenzenden früheren Gewächshäuser und zuletzt die sogen. Trinkhalle, um der neuen, großen Trinkkuranlage Platz zu machen. — Unserer Einwohnerschaft wurde eine lieber- raschung zuteil. Die hiesigen Metzger gäben einstimmig bekannt, daß Ochsen- und Rindfleisch 5 Pfg. mehr denn seither kosten, 90 bezw. 85 Pfg. Die Bäcker-Innung hat dagegen einen Preisabschlag eintreten lassen. ? G.ar henhe lm, §5. Juli. Nach nahezu zto?nähriger Bauzeit steht nunmehr unsere neue Schule vollendet da und soll anfangs August ihrer Bestimmung übergeben werden. Sie ist für zwei Klaffen und zwei Lehrerwohnungen eingerichtet uni) hat Gas- und Wasserleitung. Es ist die erste Schule des Kreises Wetzlar, die eine vollständige Badeeinrichtung besitzt, in der auch Dampfbäder verabreicht werden können. Infolge der steten Zunahme der Bevölkerung wird auch die bisherige, noch ziemlich neue Schule weiter ihren Zweck erfüllen. (!) Königsberg, 25. Juli. Während unsere Höhen schon seit Jahren eine vorzügliche Wasserversorgung für Rodheim und Bieber abgeben, konnte jetzt erst für unser Städtchen die Wasserfrage gelöst werden. Tie Ouellen liegen in der Nähe. Kreisbaumeister Achenbach-Biedenkopf hat das Projekt ausgearbeitet, während die Erdarbeiten durch einheimische Arbeiter besorgt wurden. In Hohensolms, dem höchstgelegenen Torf des Kreises Wetzlar, ist dagegen die Wasserfrage noch nicht gelöst. )( Marburg, 27. Juli. Tie „Arminia", die älteste Burschenschaft Marburgs, die im Jahre 1860 aus schon seit 1818 bestehenden studentischen Vereinigungen sich bildete, begeht ihr 50jähriges Stiftungsfest und zugleich auch die Einweihung ^des im Arminiagarten gm Wehrdaer Weg erbauten neuen Vereinshauses. Den Glanzpunkt der Veranstaltungen, die am Montag ihren Anfang nahmen, bildere der Festzug, der sich heute abend durch die Stadt bewegt. Berittene Arminen bildeten die Spitze, in 6 Wagen saßen je 4 der ältesten Semester, meistens weißhaarige Greise und dann folgten Hunderte buntbemützter alter Herren, denen sich die Aktiven anschlossen. Für Ende nächster Woche steht noch ein größeres Stiftungsfest, das 85jährige Bestehen des Korps „Teutonia" in Aussicht. Landwirtschaft. -a. Aus dem Vogelsberg, 27. Juli. Daß die Bienen mitten im Sommer gefüttert werden müssen, unb daß sogar Völker, wie Schwärme, aus Nahrungsmangel verenden — das ist eine Erscheinung, wie sie während eines Menschenalters nur selten vorkommt. Wenn es allerdings zwei Monate hindurch wie gegenwärtig jeden Tag mit weniger Unterbrechung regnet, bann wird ein solches Vorkommnis erklärlich. Schon der diesjährige Frühling hemmte die Bienen in ihrer Entwickelung, so daß es wenige, auf manchen Ständen gar keine Schwärme gab. Erst im Juli, also zu spät, fielen Schwärme. Diesen jungen Völkern war nun jeber Ausflug unmöglich; sie mußten da, wo keine Fütterung geschah, elendiglich zu Grunde gehen. Das ist in der Tat häufig genug vorgekommen. Aber auch alte Völker, die schwach oder die man beim Schleudern etwas hart gefaßt, besuchen sich in Nahrungsmangel. Es muß deshalb jetzt im Sommer zur Darreichung von Futter geschritten werden. Hierfür gibt es kein besseres und billigeres als den Fruchtzucker, wie ihn Gürttler in Frankfurt a. M. herstellt. Als jahrelanger Imker haben wir die besten Erfolge damit zu verzeichnen. Er ist nicht nur billiger als gewöhnlicher Zucker, sondern auch müheloser in seiner Verabreichung und der beste Ersatz für echten Bienenhonig. Berlin, 27. Juli Die Landwirtschaftsverbände der Rhein Provinz und Westfalen sowie in Hannover haben beschlossen, in Verbindung mit der westfälischen Zentral- genossenschaft tu Weilmünster, dem westfälischen Bauernverein unb der Berliner Zentrale für Viehverwertung in Essen in der Form einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung eine Viehverkauss- Itelle einzurichten. — Die«Getreideernte-Aussichten in Frankreich werden, so schreibt man uns aus Paris, jetzt etwas weniger ungünstig geschildert als vor einigen Tagen, da der ewige Regeii nachzulassen scheint. Indessen bleibt die Temperatur trotzdem so ungewöhnlich niedrig, daß das Reifen besonders in den nördlichen Gegenden fast gar keine Fortschritte macht. Jedenfalls siiid die Getreide- und damit auch die Brotpreise in Paris bereits empfindlich in die Höhe gegangen, was zu heftigen Klagen der ärmeren Bevölkerung Anlaß gibt. Tie Aussicht auf Futter- not veranlaßt weiterhin zahlreiche Züchter zu großen Verkäufen, die den Preis des Schlachtviehs für den Augenblick zwar herabdrücken, aber eine F1 eischnot für die kommenden Zeiten erwarten lassen. Besonders empfindlich wirkt der Ausfall in der Obsternte in der Umgegend von Paris, wo taum der dritte Teil eines Normaljahres eingeheimst werden konnte. wandern und Reisen. ** Fefte Rund'r ei se ka rte n z u ermäßigten P r e i s e n B a d e n — S ch w a r z w a l d — S ch w e i z. Reisende, die mit einer Reise nach der Schweiz aüch einen Besuch des Schwarzwaldes verbinden wollen, dürste es interessieren, daß zu diesem Zweck von badischen Stationen feste Rundfahrkarten zu ermäßigten Preisen ausgegebeu werden. Z. B. beträgt der Fahrpreis für eine Rundxeise von Heidelberg über Basel nach dem Berner Oberland und zurück über Luzern— Zürich! und die Schwarzwaldbahn II. Klasse 47,70 Mark, III. Klasse 31 Mark für alle Züge und 60 Tage gültig. Fahrtunterbrechung ist beliebig oft gestattet. Ermäßigte Rundfahrten bestehen u. a. auch nach dem Vierwaldstättersee, nach der Ostschweiz und dem Engadin (einschl. Bodensee). Ein Verzeichnis der badisch-schweizerischen Rundreisen ist durch die amtliche Auskunftsstelle der Großh. Badischen Staatseisenbahnen im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14, kostenlos erhältlich. Durch die gleiche Stelle sind ab 29. d. M. auch ausführliche Fahrpläne mit Preisangaben für die am 13. August von Berlin, Halle, Hamburg und Bremen abgehenden badischen Ferienzüge nach Basel, Schaffhausen und Konstanz zu beziehen. vermischtes. * Noch ein Märtyrer der X-Strahlen. Erst vor toenigen Tagen ist in London Dr. Cox als ein Opfer der X-Strahlen nach langem, qualvollem Leiden dahingerafft worden: nun wird aus Philadelphia berichtet, daß auch die amerikanische Wissenschaft in kurzer Zeit den Verlust eines eifrigen Forschers wird beklagen müssen: im Jefferson-Hospital liegt Dr. Mihran K Kassabran tm Sterben. Er war einer der ersten Gelehrten, die in Amerika die Erforschung der gefährlichen X-Strahlen begannen, und wie Dr. Cox stirbt auch er an den Folgen her geheimnisvollen .Strahlenvergiftung. Ter heroische Gelehrte hat seine Leiden mit der größten Sorgfalt verheimlicht und erst jetzt wird der Ursprung und die Tragweite seiner Erkrankung bekannt. Die Aerzte geben zu, daß es sich um eine Art Hautkrebs handelt, der durch die Verbrennung der Haut durch X-Strahlen entstanden ist. Bereits im vergangenen Jahre hatte das unaufhaltsame Leiden bedrohliche Fortschritte gemacht, der ganze linke Arm war in Mitleidenschaft gezogen, die Drüsen hatten sich erweitert, unb man schritt zu einer Operation. Der Chirurgieprofessor an dem Jefferson Medical College entfernte die Drüsen, aber die Wunden heilten nicht, und der Zustand wurde immer schlunmer. Man wußte bald darauf zu einer zweiten Operation Zuflucht nehmen. Alle größeren Muskeln der linfcn Brustseite wurden vor etwa 4 Monaten durch diesen neuen chirurgischen Eingriff entfernt. Aber die Erhoffte Erleichterung ist ausgeblieben, alle Mittel der Wissenschaft, das liebet zu bekämpfen, waren fruchtlos. Die Aerzte neben jetzt zu, daß feine Hoffnung mehr bleibt und daß Dr. KassabiaTt als ein zweites Opfer der X-Strahlen nur durch den Tod binnen kurzem Erlösung von seinen mannhaft erduldeten Qualen finden kann. * Ein Pferdemuseum soll, wie uns aus Paris berichtet wird, in dem schönen Schlosse von Saumur, das von einem ziemlich steilen Felsen die ganze Stadt beherrscht, neben der berühmten Kavaklerie-Schule eingerichtet werden. Das Komitee ist bereits gebildet und zählt neben dem Senator Gervais und dem Abg. Etietine mehrere hohe Offiziere und Rennstallbesitzer zu seinen Mitgliedern. In diesem eigenartigen Museum soll alles, was auf Pferde Bezug hat, also Aufzucht, Hip^loaie, Reitkunst, vertreten sein. Die Malerei und die Bildhauerkunst kommen dabei, auch zu ihrem Rechte, da von allen hervorragenden Darstellungen der „größten Eroberung des Menschen", unr mit Buffon zu "reden, Abgüsse oder Kopien dem Museum einverlcibt werden sollen. Man wird die Porträts aller berühmten Rosse zu sammeln suchen, von den Kampfgenossen der großen Helden der Geschichte bis zu den berühmten Cracks, die auf den Rennfeldern triumphierten. Auch ethnographisch wird das Museum interessant werden, d-a es die Reitersitten und Gewohnheiten aller Länder der Welt von dem entferntesten Altertum an in Darstellungen, Bildern und Sätteln, Zaumzeugen, Bügeln, Striegeln usw. vorführen wird. * Ein italienischer Hauptmann von Köpenick. Auch Italien hat sich jetzt seinen Hauptmann von Köpenick geleistet. An einem der letzten' Tage des Monats Juni stürzte ein Herr von vornehmem Aussehen ui die Kaserne der Karabinieri zu Rammacca in Sizilien und beschwerte sich bitterlich, daß kein Wagen ihn an der Station erwartet habe. Er bestand darauf, den Bürgermeister zu sehen, dem er verschiedene Dokumente zeigte, die ihn als Regierungsinspektor legitimierten, der gesandt sei, um den in der Gegend ihr Wesen treibenden Viehdieben aus die Spur zu kommen. Dann machte er sich in Begleitung einer Anzahl von Gendarmen auf die Suche nach den Dieben. Er stattete verschiedenen Bauern Besuche ab und wußte sie unter allerlei Vorgaben zur Be- . zahlung von Geldsummen von 40 bis 2400 Mark zu zwingen. Dann verhaftete er einige Bauern und schickte sie unter Eskorte der Gendarmen zurück nach Rammacca. Am nächsten Morgen war er verschwunden und die Polizei sah zu spät, daß sie einem Gauner in die Hände gefallen war. Handel. •• Konkurse in Hessen, lieber das Vermögen des Küsermeisters Pbil. F i l 1; i n g e r von Mainz wurde am 19. Juli das Konkursverfahren eröffnet. Amvaltsbureauvorsteher W irth in Mainz wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konknrs- iorderungen sind bis zum 10. August bei dem Amtsgericht Mainz anznmelden. — lieber das Vermögen des Bäckers Val. K i r ch n e r I. in Viernheim wurde am 21. Juli das Konkilrsveriahren eröffnet. RechtSamvalt Schmitt in Lampertheim wiirde zuni Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zuni 10. August bei dem Amtsgericht Lampertheim anzumelden. — lieber den Nachlaß der in G a u - A t g e s h e i m verstorbenen Witwe Karl Schäifer, Eva geb. Klumb, winde am 22. Juli das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Reidel in Cber- Jngelheim wurde zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs- 'orderungen sind bis zum 10. August bei dem Amtsgericht Ober- Jugelbeim anziunclden. — lieber den Nachlaß des Friedrich knicket, Fuhrwerksbesiher in O f f c n b a d) wurde am 16. Juli das Konkursv"riahren eröffnet. Rechtsanwalt Dr. Guggen - heim zu Offenbach wurde zum Konkursverwalter ernannt Kon- kurssorderungen sind bis zum 18. August bet dem Amtsgericht effenbarf) anzumelden. — lieber den Nachlaß des am 2.'April Dcrftorbenen Kaufmannes Herm. Z a n e t t l von Mainz wurde am 20. Juli das Konkursverfahren eröffnet. Aktuar i. P. Klein in Mainz lunrbe zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforder- nngen sind bis zuni 25. August bei dem Amtsgericht Mainz anzu- melben. mäßige Auffahrt. Deshalb herrschte auch flotter Handel, so daß ein sehr rascher Absatz erzielt wurde. Wer da vermeinte — diese 2luffassung herrschte —, die seitherige ungünstige Wetterlage würde die Preise für Jungschweine abschwächen, der lourbe hier eines anderen belehrt. Die Preise hielten sich ganz auf der seitherigen Höhe. Man bezahlte für das Paar Ferkel geringster Sorte 50—55 Mk., mittlerer 60—70 Mk, bester 70—85 Mk.: Läufer kosteten per Paar 90—100—118 Mk. Der Rindviehmarkt hatte die gewöhnliche schwache Befahrung. Die Preise waren auch hier hoch, obwohl etwas gedrückt. s. Ulrichstein, 27. Juli. Der G r o ß v i e h m a r k t am Montag war besser befahren wie im vorigen Jahre. Es herrschte ein flottes Geschäft. Besonders hohe Preise wurden für Ochsen und Stiere erzielt. Am Vormittag fand eine Prämiierung von Großvieh statt. Besondere Anerkennung fanden hierbei die wirklich großartigen Tiere der Züchter aus Unter-Seibertenrod. Ter gestrige d) iu e lneinarkt war gegen die Vorjahre etivas zurückgeblieben. Tie Preise waren normal. Ter heutige Krammarkt ist als gut zu bezeichnen, trog des falten nebeligen Wetters Tie Be- ivohtter der Nack)barorte lassen sich durch fern Welter abhalten, den Jakodimarkl zu befudjen. x Kirchhain, 27. Juli. Auf dem Ri udvieh markt standen rilnd 100 Kühe, Rmder und Kälber zum Verkauf. Tie Preise bewegten sich in seitheriger Hohe, der Handel ging flott. — Der S ck) w e i n e m a r k t haue eine Zufuhr von 650 Ferkeln und Läufern. Erstere kosteten 36—55 Mk., letztere 60—120 Mk. das Paar, je nach Alter und Qualität. Es wurde fast ausverkauft. Limburg a. d. Lahn, 27. Juli. Fruchtmark!. Turch- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauischer) 17,25 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten - 00,00 Mk., Korn 11,25 Mk., Gerste: Futtergerste 0,00 Mk., Braugerste 00,00 Mk.. Haier 7,75 Alk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln, neue, 8,00-0,00 Mk. F.C. Wiesbaden. B i e h h o f -M a r k t b e r i ch t vom 27. Juli. Austrieb: Rinder 73, Kälber 261, Schafe 29, Schweine 378. Tendenz: Rinder mittelmäßig, Kälber und Schafe geräumt, Schweine gedrückt. Preis Durch- pro 100 Pfd. schnittspreis redend. SLiachl, pro 100 Pfund O chs en. Veoent”©äiw. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten v°n-vlsvon-vl- ccwidjt Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 46—50 84—87 48 85 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete...... 42—45 79—82 43 80 Mäßig genährte junge und gut genährte ältere......... 37—40 74—77 38 75 Färsen, K ü h e. Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst. Schlachtwertes........ 44-49 80—86 46 83 Vollsleischige ausgemästete Kühe höchst. Schlachlivertes bis zrl 7 Jahren. . 39—43 75—78 41 76 Aellere ausgemästete Kühe iniD wenig gilt entwickelte lüngereKühe u. Färsen 35—38 68—72 36 70 Mäßig genährte Kühe nnö Färsen . . 29—34 58-68 31 63 Kälber. Feinste Mast- (Vollmildimast) und beste Saugkälber......... 57-60 95—100 58 * 97 Mittlere Mast- und gute Saugkälber . 52—56 87—93 54 90 Geringere Sangkälber..... 44—50 73—83 47 78 Schale. Masllämmer und jüngere Masthammel 41—00 82-00 41 82 Schwei n e. Vollfleischige Sck)weine brs zu 2 Zeiitner Lebendgewicht........ 55—56 70—72 55 71 Vollfleijchige Schweine über 2 Zeiitner Lebendgewicht........ 55-56 70—72 55 71 Fleischige Schweine . ...... 54—55 68—70 54 69 Märkte. § Grüuberg, 27. Juli. Unseren heutigen „Ja ko b i m a r ff' begleitete endlich einmal besseres Wetter nach den seitherigen unaufhörlichen Regentagen. Ter Schweinemarkt zeigte eine mittel- Geburten: Herrn Professor Dr. Dolp in Friedberg eine Tochter. — Herrn M. ed)Iciincc in Friedberg ein Sohn. — Herrn Engelhard Leukroth in Marburg ein Sohli. Verlobte: Fräulein Elise Geißler in Dorf Gill mit Herrn Wilhelm Weisel in Gambach. — Fräulein Anna Spanier in Bad Naiiheun mit Herrn Eugen Metzger in Frankfurt a. M. — Fräulein Marie Warner mit Herrn Wilhelm Lahm, beide in Münster. — Fräulein Elisabeths Stumpf in Maulbach mit Herrn Heinrich Schneider in Frankfurt a. AI. — Fräulein Elise Scharch in Ermenrod mit Herrn Otto Geiß in Ruppertenrod. — Fräulein Helma Pflug mit Herrn Heinrich Engel, beide in Obcr-Gleeu. — Fräulein Enuna Rhein in Brühl i. Baden mit Herrn Moritz Simon in Pfungstadt-Echzell. — Fräulein Johanna Hotz in Rimbach mit Herrn Friedrich Hinkel in Schlitz. — Fräulem Minna Levy in Ehringshausen (Dill) mit Herrn Jakob Rosenthal II. in Wenings. —Fräulein Maria Höllerbach in Aschaffenburg mit Herru Peter Jäger in Nidda. — Fräulein Elke WinkelstrÜter in Hannover mit Herrn Joses Eollosens in Marbnrg. — Fräulein Grete Noack in Friedberg mit Herrn Gustav Friederich in Kassel. — Fräulein Margarethe Michel in Gladenbach mit Herrn Eugen Born in Leipzig. Gestorbene: Fran Barbara Kniß, geborene Zehner, in Büdingen. — Herr Johannes Altvatter in Bellmuth. — Fran Wilhelmine Schneider, geb. Schniidt, in Alsfeld. — Herr Gottfried Christoph Desck) in Laubach. — Herr Joseph Jakob, Frau Elisabetha Reinig, geb. Füg, beide in Lattterback). — Frau Wilhelmine Fischs geb. Fraiike, in Butzbach. — Frau Luise Baur, geb. Siebert, Frau Emilie Scheich, geb. Hausse, beide in Darmstadt. — Herr Karl. Bonn in Groß-Rechtenbach. — Fran Nika Simon, geb. Oppenheimer, in Ebringshausen. — Frau Auna Marie Gäbel, geborene Fischer, in Billertshausen. — Fräulein Ida v. Skopnik, Frau Jolianua Langhoff Witwe, geb. Zeller, beide in Marbnrg. — Herr Jobs. Schmidt VI. in Steinperf. — Herr Philipp Basiert in Biedenkopf. — Fräulem Marie Lyncker in Selters (Westerwald). — Frau Wilhelmine Schneider, geb. Schmidt, in Alsfeld. Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinse. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlages Sanistag den 30. Juli 1910: Vorabend 7.45 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr: Jugendgottcsdienft mit Predigt. Sabbatausgaug 9.05 Uhr. Israelitische Neligionsgesellschast. Gottesdienst. Sabbatfeier am 30. Juli 1910: Freitag abend 7.50 Uhr. Sanistag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ansgang 9.05 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.00 Uhr, abends 7.30 Uhr. Verantwortlich für „Feuilleton" und „Vermischtes": I. V.: A u g u st G o e tz. Meteorologische Beobachtungen der Station Sieben. Juli 1910 Aaröineter auf 0e reduziert Temperatur der Luft Absolute Fetlchtigkeit Relative Feudstigkeil Windri d)timg 1 Windstärke I (Btib d-r Dnsölkung in Zehntel der stchlb Himmelsfl. Wetter 27. 2»e 750,3 18,0 10,6 69 S 4 9 Bew. Himmel 27. 9 ’ä 750,2 14,9 10,9 87 S 2 9 28. 71t. 749,0 10,6 8,8 93 NE 2 10 Nebel H ochste kemperr rtur a m 26. bis 27 t Jnli — - - 18,9 eC. Niedrigste , , 26. * 27 = - - 12,5 °0. 380 bis 1700 Mk. 1000 bis 3300 Mk. Pianola, Phonolannd Phonola- Piano 2150-2650 Mk. 1250 und 950 Mk. Große Reparatorwerkstätte für Flügel, Pianioos u. Harmoninms M Nur anerkannt gute Fabrikate :: Höchster Bar-Rabatt Kleinste Raten Langjährige Garantie :: Probe-Lieferung überallhin HARMONIUMS 33 bis 1000 Mk. Gespielte Pianinos, Flügel und Harmoniums sind meistens in größerer Zahl vorrätig (30 bis 1200 Mk.) Vertretungen: Sechsteln, Berdux, Kaps, Knauß, Mand, Schiedmayer, Thürmer, Hof berg, Mannborg. :: Aufpolieren von Pianos Klavierstimmen Pianos zu vermieten auch Harmoniums; monatliche Mietpreise 2 bis 12 Mk. Bei Ankauf eines gemieteten Instrumentes Gutschrift der Miete laut besonderen Bedingungen. WILH. RUDOLPH Großh. Hess. Hoflieferant Giessen Seltersweg 91 rernspr. 389 K 38/10. (By8/7 Donnerstag, 1. Sept. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die den Ludwig Wacker Eheleuten in Gießen zu- geschriebene, nachstehend verzeichnete Parzelle versteigert: 1/463 ---- 39 qm Ho freite in der Schloßgasse. Gießen, den 27. Juli 1910. Großherzogliches Ortsgericht. Gros. 25/10. (B"7J Donnerstag, 1. Sevt. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die demSommerlad, Heinrich Anton und Ehefrau geb. Schütz in Gießen zugeschriebene, nachstehend verzeichnete Parzelle vcritetgert: 1/747 — 82 qm Hofreite in der Löwengaffe. Gießen, den 27. Juli 1910. Grotzherzogliches Ortsgericht. _________Gros._________ K 32/10. (BI4/7 Donnerstag, 25. Ang. 1910, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die den Louis Becker Eheleuten in Gießen zugeschrie- benen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 3/119 = 47 qm Hofreite am Brennofen, stößt auf die Wiesen. 3/121 637 qm Hofreite daselbst. 3/120 —1*242 qm Grabgarten das. 3/122 — 439 qm Hofreite daselbst. Gießen, den 12. Juli 1910. Großherzogliches Ortsgericht. _________Gros._________ K 23/10. (B“/7 Donnerstag, 25. Ang. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die zurKonkursmasse der Christian Duill Eheleute in Gießen gehörige, nachstehend verzeichnete Parzelle versteigert Fl. 18 Nr. 14s/io = 921 qm Hofreite, neben der Grünberger Chaussee. Gießen, den 11. Juli 1910. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros._________ K 78/10. (B30/6 Donnerstag bett 4. August 1910 nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die den Friedrich Zutt u. Theodor Zutt, trübere Inhaber der Firma Gcor. Zutt, zugeschriebenen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 26/169 — 1579 qm Acker auf dem Fcuthgraben, nach der J-eldbereinigung 21/667/lfl — 1016 qm: ferner die den Schuldnern zustehende Hälfte von 23/62 = 926 qm Acker neben der Chaussee auf dem Grenzweg: 23/63 — 1393 qm Acker daselbst: nach der Feldbereinigung 23/157 = 2475 qm. Gießen, den W. Juni 1910. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. _________Gros._________ Freibank. Heute: Kubflcisch 45 Pfg. (BM/7 Ich Anna Csillag mit meinem 185 cm langen Riesen Loreleb Haar, habe solches infolge 14 monatlickicn Gebrauches meiner selbstersundenen Pomade erhalten. Dieselbe ist als das einzige Mittel gegen Ausfallen der Haare, zur Förderung des Wachstums derselben, zur Stärkung des Haarbodens anerkannt worden, sie befördert bei Herren einen vollen, kräftigen Bartwuchs und verleiht schon nach kurzem Ge brauche sowohl dem Kopf- als auch Bartbaar natürlichen ^lanz und Fülle und bewahrt dieselben vor frühzeitigem Ergrauen bi£ in das höchste Alter. Jeder kann sich bis ins Hobe Alter nach Gebrauch der von Frau Anna Csillag felbsterfundenen Haarwuchs- Pomade sein Haar dickit und lang erhalten. Kein anderes Mittel besitzt soviel Haarnahrftoff als die Csillag-Pomadc, welche sich mit allem Recht einen Weltruf erworben hat, indem die Damen und Herren schon nach Benützung des ersten Tiegels Pomade den besten Erfolg erzielen, da das Haarausfällen schon nach einigen Tagen gänzlich aufhört und neuer Haarwuchs zum Vorschein kommt. Preis eines Tiegels 2,3,5 und 8 Mk. Postversand täglich bei Voreinsendung des Betrages ober mittels Postnachnahme nach der ganzen Welt aus der Fabrik Anna Csillag,Wien I., Kohlmarkt II wohin alle Aufträge zu richten sind. [C16/6 Versteigerung. Freitag den 29. Juli, nachm. 4 Uhr, sollen im städtischen Pfandlokale Seltersweg 11 dahier verschiedene Mohiliargegenftände, wie Sofas, Schränke, Vertikos, Schreibtische, Spiegel, 1 Lüster und eine neue emaill. Badewanne, letztere bestimmt, versteigert werden. (4109 Gemmecker, Pfandmeister. Neue Kartoffeln la. Wetterauer Ware, Perle von Erfurt, pro Zentner 3^— Mk. inkl. 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Alle diejenigen, welche rechtmäßige Ansprüche aus jene Einschreibung erheben zu können glauben, werden hiermi aufgefordert, ihre Ansprüche binnen 2 Monaten von Einrückum dieses bei unterzeichnetem Gericht anzumelden, widrigenfall die Löschung der Hypothek verfügt werden wird. Auftragbürsten ... 3 Stück 10 Pfg. Abseifbürsten St. 35, 25, 20,15,10 Schrupper St. 40, 30, 25, 20 u. 18 eeufltyrat m,f OmmalWedi Bekanntmachung. Die am 1. l. Mts. füllig gewesenen Zinsen von Darlehen aus unserer Kasse können nur noch bi- zum 2. August d. I. ohne Kosten bezahlt werden. b«/t Gießen, am 25. Juli 1910. ' Bezirkssparkasse Gießen. Aufforderung. Ansprüche an die nachstehend näher bezeichneten, den beibemerkten Besitzern in den Grundbüchern zugeschriebenen Liegenschaften, die teils veräußert, teils überschrieben werden sollen, sind so gewiß binnen vier Wochen vom Erscheinen in den Blättern gerechnet, dahier gehörig begründet geltend zu machen, als sonst die Verträge bestätigt, die Beschränkungen gelöscht und die Einträge in das Mutations- verzeichnis verfügt werden. Gemarkung LaunSbach-Wißmar. 1. Abel, Georg, von Wißmar Flur 1 Nr. lu/ioo* Beschränkung vom 18. Dezember 1861. Gemarkung Gießen. Bekanntmachung. DaS im Licker Stadtwald noch lagernde Nutz- und Brennhol mutz bis zum 20. August L I. abgefahren fein. Lick, den 27. Juli 1910. 5. Mandler, Karl Ehefrau geb. Krach, zu Heuchelheim Flur 21 Nr. 73 und Flur 1 Nr. 727. Beschränkung vom 6. August 1881. Gemarkung Lollar. 6. Klinkel, Ludwig III., und Ehefrau geb. Kreiling zu Lollar Flur 2 Nr. 148. Beschränkung vom 21. Oktober 1879. Gießen, den 22. Juli 1910. . 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