Nr. 22S Zweites Blatt 160. Jahrgang Freitag SO, September 1910 Erscheint tü-lich mit Ausnahme de» Sanniag«. Die ^Eichener Fa«t!ie«dl8tter" werden dem e tintiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für de» Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Lett- fragte* erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesien Rotationsdruck und Verlag der «rühkffch« Universität» - Buch- und tztemdruckerei. R. Lange, Dießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: bchrrl- strahe 7. Expedition und Verlag: e^-sA bU 8Ubattiotue«il2. Tel.-Adr^ AnzeigerGieß«. ------- ?!!■■ Lin neuer deutscher Zolltarif. Die,-Deutsche Volkswirtsch. Korresp." schreibt: Unser fetziger Zolltarif ist ün Dezember 1902 Gesetz geworden, aber erst am 1. März 1906 in Kraft getreten. In die Zeit zwischen seiner Annahme durch die gesetzgebenden Körperschaften und seinem Inkrafttreten fällt der Abschluß der neuen Handelsverträge mit Rußland, Oesterreich-Ungarn, Italien, der Schweiz Belgien usw. Erst zusammen mit xn Verträgen wurde der-neue Tarif in Wirksamkeit gesetzt. Diese Verträge können frühestens im Jahre 1916 gekündrgt Derben mit der Wirkung, daß sie Ende 1917 ablaufen. Möglich wäre es, daß von diesem frühesten Kündigungstermin kein Gebrauch gemacht wird und daß dann die Verträge )vA länger als bis Ende 1917 laufen werden. Bei den früheren Handelsverträgen war das bekanntlich auch der M; sie hätten durch Kündigung schon im Jahre 1902 außer Wirksamkeit gesetzt werden können, blieben aber bis Ende Febr. 1906 bestehen. In Regierungskreisen scheint man aber Damit zu rechnen, daß die jetzigen Verträge das Jahr 1917 richt lange überleben werden, und gewisse Umstände scheinen Dieser Anficht Recht zu geben. Jedenfalls bereitet sich die Deutsche Regierung rechtzeitig vor, um zu den Verhandlungen über neue Verträge, die dann sMestens im Jahre L916 beginnen müßten, gerüstet zu fehl. Im Zusammenhang hiermit wurde vor kurzem gemeldet, zu diesem Zwecke neroc ein neuer Zolltarif vorbereitet, dessen Schick- al also von dem aus den nächsten Wahlen hervorgehenden Reichstag abhängen werde. Mese Meldung ist jedenfalls! verfrüht. Wir möchten sie öber auch insofern für unrichtig halten, als die Regierung vohl schwerlich daran denkt, für die kommenden Handels- lettragsver Handlungen einen ganz neuen Zolltarif aufzu- teil en und dem Reichstag vorzulegen. Die Vertragsver- U Handlungen können auch auf Grund des bestehenden Zoll- arifs geführt werden, nachdem dieser etwa in einzelnen- stositionen, soweit sich dies als notwendig erweisen sollte, rbgcändert worden ist. In diesem Falle würde es sich rur um eine Novelle zum Zolltarif handeln, und nur über riese hätte alsdann der kommende Reichstag Beschluß zu assen. Im allgemeinen würde dann der jetzige Zolltarif gestehen bleiben, und zwar,der Generaltarif, während aller- xings der Vertragstarif durch die neuen Handelsverträge reu geschaffen werden müßte. Die gesetzliche Festlegung tnseres künftigen Vertragstarifs erfolgt durch die Annahme )er neuen Handelsverträge von feiten des Reichstags. Die iSerträge kann aber der Reichstag nur entweder unverändert annehmen oder ganz ablehnen. Aenderungen an hnen kann er nicht'vornehmen, und die Gestaltung unseres , Luftigen Vertragstarifs ist sontttttm einzelnen seinem Ein- luß entzogen. Werden die neuen Verträge vom Reichstag mgenommen, so erlangen die darin von den vertrag- chliehenden Teilen vereinbarten Zollsätze Gesetzeskraft. J ^ehnt daaegen der Reichstag die neuen Verträge ab, so rt reten, sobald die alten Verträge durch die Kündigung ihre II Gültig Feit verloren haben, die Sätze unseres General-. ar iss statt der bisherigen Vertragszölle in Kraft. * Aus dem Strafprozehausschutz. 2 i:: Berlin, 29. Sepk j Der Strasprozeßausschvß befaßte sich am Donnerstag sehr ■ ängchend mit der Frage der Zuziehung von Schöffen U ji ber Berufungsinstanz gegen Urteile der Schöffengerichte und hi 3 eg en Urteile der Strafkammern. Die Mehrheit des Aus- di chusses toill von der Forderung der Zuziehung von Schöffen in >>tx. Berufungsinstanz nicht lassen, während die Regierung * unter Umständen hieran die Vorlage scheitern zu lassen Drohte. Der preußische Justizminister Sefeier trat mit 2 großem Nachdruck für bett Regierungsstandpunkt ein, wogegen L Redner der Volkspattei, der Sozialdemokratie und der Mehrheit Theobald Ascher in italienischer Darstellung. Zum Tode Theobald Fischers ergreift ein nicht genannter Geoaraph im „Giomale d'Jtalm" das Wort, um seinen italienischen Landsleuten die Bedeutung des Gelehrten für Italien llar zu machen. ,Lu unserer Schande müssen wir eingeftehen," heißt e$ hort, „bag dieser Marburger Professor die wissenschaftlich bedeutendste und literarisch beste Geographie Italiens geschrieben hat. Wir haben ihn am Werke gesehen, als er sic- nrit unserm Lande beschäftigte. Nachdem er die geographisch bemerkenswette sten Gegenden persönlich studiert hatte, nahm er eine eingehende Prüfung und Sictzung alles dessen vor, was italienische Gelehtte bisher auf dem einschlägigen Gebiete geleistet $ hatten, wobei er feststellte, daß in bezug auf Analyse durch das Jstitnto Geografteo Milttare, das Jftttuto Geologico, dem Corpo d Reale delle Miniere, die wissenschaftlichen Akademien und Gesellschaften alles aufs trefflichste und vollständigste getriftet worden k war. Es kam nunmehr darauf an, eine allgemeine Zusammen- T faffimg, eine Synthese des gesammelten Matettals zu schaffen. Das besorgte berat Theobald Fischer in großattiger Weise. Erst h datm entdeckten wir, daß das Unternehmen verhÄMismäßig nicht allzu schwierig war, und wie bedauerlich es fei, daß es nicht ein Italiener vollbracht habe. Aber leider haben die den Italienern so gesunden Bäder notwendiger akkurater Analyse nach dem früher d gewohnten seichten Dilettantismus dazu geführt, jede geniale synthetische Inspiration zu ersticken. Seit einiger Zeit gelingt es uns nicht mehr, in der Geschichte oder auf dem Gebiete irgend einer Wissenschaft eines jener allgemeinen Werke zu schaffen, welche anderswo den Stolz der wissenschaftlichen Literatur ausmachen. So ist es gekommen, daß wir, um eine vollständige geographische Beschreibung Italiens zu haben, Zuflucht zu dem deutschen Ge- lchtten nehmen müssen, dessen Hin scheiden wir soeben betrauern, und den Professoren Navarese, Rodizza und Pasanift — auch Vieser ist inzwischen verstorben — zu danken haben dafür, daß sie uns das Fischersche Werk in gutem italienischen Gewände ge- liefett haben. Es mag sonderbar scheinen — so schließt der Artikel —, daß wir den Tod des deutschen Geographen zum Anlaß gewählt haben, um auf einen Mangel der höheren italienisä-en Geisteskultur hinzuweisen. Aber der Fall dieses weisen Sammlers und Synthetikers einer von tausend der Unsttgen geleisteten Klerw- atbeit ist so typisch, daß wir ihn gern als Mahnung benuven möchten, die analytische Forschung als Selbstzweck ein wenig ernzuschenken zugunsten der synthetischen Arbeit, die allein der wahren Entwicklung des geistigen Lebens in Italien zu nutzen vermag." .*7- * ' i— Ausschußsrtzung des Deutschen Museums. a 5™ Feftsaale der Münchener Akademie der Wissen- ö schäften fand am Donnerstag vormittag unter dem Vorsitze des H der Zentrumspattei das ßaienelement in der Berufungsinstanz als unentbehrlich bezeichneten, sofern auf das Vertrauen der Bevölkerung in die Sttaftechtspflege Wett gelegt wird. Ein toetterer Streitpunkt war die Frage, ob die Berufungsinstanz gegen Strafkammerutteile beim Landgericht ober beim Oberlandes- gericht eingerichtet werden soll. Schließlich wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die Straffammer als erste Instanz mit zwei Richtern und drei Schöffen zu besetzen. Die Straffenave asl Berufungsgeruhte sollen nicht bei den Oberlandesgerichten sondern bei den Strafkammern eingerichtet werden. Mit 16 gegen 12 Stimmen wurde endlich die Zuziehung von Laien bei den Strafsenaten, und zwar mit drei Richtern und zwei Schöffen, beschlossen. Dann wurde die Weiterberatung auf Freitag vormittag vertagt. ________ ____________________ Die Relchsverstcherungsordnung. :: Berlin, 29. Sept. Der Reichsversicherungsausschuß setzte am Donnerstag die Beratung über die Landwirtschaftliche Unfallversicherung fort. Der Kreis der Versicherten wurde durch Ab- änberung des § 918 insofern erweitert, als zu den versicherten Arbeitern auch die Gehilfen, Gesellen unb Lehrlinge zu rechnen sind. Die §§ 919 bis 926 wurden im wesentlchen unverändert angenommen. Im § 927 wurde auf Antrag der Sozial- demokraten bestimmt, daß bei der Berechnung der Unfallrente für bereits teilweise Erwerbsunfähige mindestens der tatsächlich verdiente Entgelt zugrunde zu legen ist. Im § 930 wurde ebenfalls auf Antrag der Sozialdemokraten bestunmt, daß das Oberversicherungsamt den durchschnittlick)en Jahresarbeits- Verdienst nicht nur für Manner und Frauen getrennt festzusetzen hat, sondern auch ,,für Versicherte über und unter 16 Jahren, für solche von 16 bis 21 Jahren und für die, die über 21 Jahre alt sind". Vor Abgabe des Gutachtens hat das Versicherungsamt die hauptsächlich in der Landwirtschaft beschäftigten BersicheruTrgspflichtigen anzuhören. (Die gesperrten Worte sind auf Anttag der Konservativen neu eingefügt Die §§ 930 bis 962, die den Gegenstand der Versicherung, die Träger der Versicherung und die Mitgliedschaft unb Stinrm- berochtigung in der Berufsgenossenschaft regeln, wurden mit einigen unwesentlichen Abänderungen nach der Regierungsvorlage angenommen. Die Beratung über den § 964, der bestimmt, was die Satzung der Berufsgenossenschaften zu enthalten hat, mürbe einstweilen ausgesetzt, bie übrigen §§ 963,965 und 966 des Kapitels „Satzung" urrv er ändert angenommen. — Der Ausschuß vertagte sich hierauf bis Dienstag irachmittag 3 Uhr. Heer ttnfc Flotte. Abschaffung der Kürassiere. Eine große Ueberraschung wird, so lesen; .wir in der „Postt", bie Militär- Vorlage weiten Kreisen des deutschen Volkes bereiten. Wie wir nämlich von zuverlässiger Seite hören, wird sie auch die Abschaffung der Kürassiere bringen. Es ist ja längst bekannt, daß die Kürassiere für die heutigen Zwecke der Retterei höchst ungeeignet sind. Der heutige Kavallerist muß leicht und klein (ein, damit er auf flinken Pferden den Fettrd erfunden kann und unter Umständen mit Gewandtheit auch Lu FuH fechten tarnt. Hierzu aber sind die Riesengestalten ber Kürassiere mit ihren langen Stiefeln auf ihren schweren Artilleriepferden.unbrauchbar. Es wird also nur der Krieastüchtigkett des Heeres genützt, wenn sie vollständig abgeschafft werden. Allerdings hat man ein Zugeständnis gemacht. Das Gardedukorps-Regttnent, die Leibgarde der Kaisetün und noch ein Leib-Kürassier-Regttrvent werden beib eh alten. Wie demgegenüber eine Berliner Korrespondenz erfahren haben will, ist von einer Absicht der Heeresverwaltung, die Kürassiere abzuschaffen, nichts bekannt. Man werde demnach mit der wetteren Beibehaltung der Waffengattung, an die sich alte Traditionen knüpfen, rechnen können. Der der Neuzeit nicht mehr entsprechende Küraß wird bekanntlich mir zur Parade getragen. Soeben wird übrigens gemeldet, daß Prinz Oskar von Preußen auf ern Jahr zur Dienstleistung beim Pasewalker Kürassierregiment kommandiert wurde. 2. Deutscher Mendgerichtstag. 4 München, 29. Sept. Unter überaus zahlreicher Beteiligung von Richtern, ©taaffik anwälten, Lehrern, Polizeibearnten, Geisttichen beider Konfessionent Missionaren und den in der Jugendfürsorge tätigen Frauen trat heute vormittag hier die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge mit dem Sitz in Berlin zur Abhaltung des 2. Deutschen Jugendgerichtstages zusammen, der in dreitägigen Verhandlungen einen zusammensassenden Uederblick über den gegenwärtigen Stand, die! Organisatton und den weiteren Ausbau des JugendgerichtswefeoS geben soll. Nach den üblichen Begrüßungen berichteten an erster Stelle Amtsgerichtsrat Dr. Köhne (Berlin), Oberlandesgerichtsrat Dc. Warbanek (Wien), Professor Dr. Hafter (Zürich) und AmtsgerichtS- rat Dr. Fnedeberg (Weißensee) über den Stand der JügendgerichtK- bewegung in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und Englarcktl Daran schloß sich ein Vortrag des Anttsgerichtspräsidenten De. Becker (Dresden) über Organisation und Zuständigkeit der Jugendgerichte. Ta es sich im wesentlichen darmvl handele, dem richterlichen Spruche Inhalt und Wirffamkett int Sinne vormundschaftlicher Beaufsichtigung des Lebensganges deS Minderjährigen zu geben, so seiderVormundschaftsrichteV unzweifelhaft der gegebene Leiter der Jugendgerichte. Der vom Entwurf eingenommene Standpunkt, daß die Anflagebehörde bitf Notwendigkeit der Einstellung des Sttafversahrens zugunsten vvn- Erziehüngsmaßregeln prüfen und verfügen soll, erscheinen hier> nach als die gegebene Lösung. Man sollte nur mit dem Reuhs- tagsausschuß bestimmen, baß außer der Staatsanwaltschaft auch das Gericht ein selbständiges dahingehendes Verfügungsrecht bereits vor der Hauptverhandlung haben soll. Ferner sollte die Einstellung von Jugend ft rafkammern, wie dies eine Reihe von Bundesstaaten bereits jetzt getan haben, mit hierfür besonders! auszuwählenden Schöffen angeftrebt werden. Im Zusammenhangs hiermit möchte man aber dafür eintreten, daß die Zulässigkeit bec Ueberweisung von Sttaffammersachen an das Jugendgericht üt weiterem Umfange möglich werde, als es die Novelle vvrfieht. Der zweite Berichterstatter zum Thema: „Organisation und Zuftärrdigkett der Jugerchgerichte", Professor Dr. Kitzingett (München), schloß sich im wesentlichen den Ausführungen Dr. Beckers an unb unterbreitete der Versammlung eine Anzahl Leitsätze, in denen u. a. gewünscht wird, daß die Landesiustizverwah- tung bei einzelnen Amtsgerichten und Landgerichten besonders Abteilungen als Jugendgerichte bezw. Jugendstraffammern hüben! kann, ja muß, wenn an einem Amtsgericht mehr als ein Schöffengericht besteht. Diese Gerichte bezw. Kammern sollen auch für strafbare Handlungen Verwandter ober Pfleger gegen Jugendliche zuständig fein, auf Antrag der Staatsanwaltschaft durch Beschluß des Vorsitzenden auch für andere gegen Jugendliche verübte strafbare Handlungen unb für die strafbaren Handlungen von Personen, die zurzeit der ihnen zur Last gelegten Tat das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. Die Verhandlungen werden morgen fortgesetzt. Att» Stadt «nd Land. Gießen, 30. Sept. 1910. vom neuen StellenvermittlungSgesetz. Für Hessen sind bie Bestimmungen über den DollULA bes Gesetzes veröffentlicht worben. Danach beschließt über die Erteilung oder Verweigerung der Erlaubnis Kum Bo trieb des Gewettbes eines Stellenvermtttlers der Kreis-» ausschuß. Die Festsetzung der Gebühren der gewerbsTnäßi- gen Stellenvermtttler, mit Ausnahme der Gebühren der Stellerwermittler für Bühnen an gehörige, für die besonder« Vorschriften bestehen, erfolgt durch das Kreisamt, in dessen Bezirk der^Gewerbebettieb seinen Sitz hat. Die „zustündigp Polizeibehörde^' ist die Bürgermeisterei oder die an berenf Stelle besonders eingerichtete staatliche PolizeiverwaLttmg. Für die Untersagung eines vor dem 1. Okt. 1900 begonnen nen Gewerbebetriebs und für die Entziehung einer nachf § 2 des Stellenvermittlergesetzes erteilten Erlaubtris ist bett Provinhialausfchuß zuständig. Das hierbei zu beobachtend« Verfahren richtet sich nach den betreffenden Vorschriften der Vollzugsverordnung zur Gewerbeordnung. Die Fort-t Prinzen Ludwig von Bayern eine Ausschußsitzung des DeutschenMuseums statt, an der außer fast allen bayerische Miraftern der Staatsnrmistcr Graf Posaoowsky, Graf Zeppelin, Major Groß unb viele andere teilnahmen. Tas Museum, zu dem Kaistt Wilhelm II. gelegentlich feiner letzten Anwesenheit in München den Grundstein gelegt hat unb das von allen Kreisen des Handels, der Industrie und des Gewerbes, besonders auch seitens der Stadt München selbst lebhaft gefördert wird, soll eine Sammlung von Meisterwerken der Naturwissenschaft unb Technik werden. Ter Museumsbau tpirb sich auf der Münchener Kohleninsel erheben und eine der größten Museumsanlagen der Welt werden. Nachdem der Vorsitzende der Akademie der Wissenschaft, v. Heigel, die Versammlung' namens der Akademie unb Minister v. Bretteich namens der Staatsregierung begrüßt hatte, erstattete Baurat unb Reichsrat Oscar v. Miller Bericht über die Finanzen unb den. Neubau des Museums. Oberbürgermeister v. Borscht gab bekannt, baß die Gemeindeverttetung einstimmig beschlossen habe, dem Deutschen Museum in einem Neubau für alle Zetten Wärme und elektrisches Licht unentgelttich zu liefern, was einem jährlichen Aufwand von 160 000 Mark entspricht. R-eichsrat Maffei-München gab namens der vereinigten Firmen des deutschen Lokomotivbaus bekannt, daß diese für den Ehrensaal des Museums ein Borsigdenkmal stiften wollen. Sodann berichteten Geheimrat Dr. pa n Dyck-München unb Graf Zeppelin über verschiedene Verwaltungsangelegenheiten. Zum VorsitzÖiden des VorstandsDOtes wurde Dr. Hermann Blohm- Hamburg, zum Schriftführer des Vorsta^>srates Geheimrat B u n te-Karlsruhe neugewählt. Dr. Blohm gab eine kurze Schilderung von den Leistungen unb der Lage des deutschen Schiffbaues. Geheimer Marine-Olberbaurat Heßfelb übergab im Namen des Kaisers ein großes Schnittmodell des Linienschiffes „Rheinland", das der Kaiser im Museum bei dessen Grundsteinlegung zu gesagt hatte. Das im Versammlungssaal auf gestellte Schnittmodell, besten einzelne Teile elektrisch betrieben werden können, sand ungeteilte Bewunderung, die auch in herzlichen Tankeswotten des Prinzen Ludwig von Bayern und des Reichsrates von Mckler zum Ausdruck kam. Mit dem Museum wird auch eine Bibliothek verbunden sein, in der in erster Reihe wichtiges Urfunbenmatcrial über die deutsche Industrie, Technik unb Naturwissenschaft zu- fairanengetragen werben soll. Zurzeit befinbet sich die Sammlung des Museums noch in einem Interims bau, während das Erdgeschoß des Neubaues inzwischen im Rohbau fertiggestellt wor- bert ist. An den Kaiser wurde ein Tanktelegramm gefanbt. 1— Limburg als Kunststätte. Text von Lev Sternberg. Zeichnunge,: von Hans Aulmann, 4° 56 S. mit 14 Vollbildern in. Sepiadruck und zirka 40 Originalfeberzeichnungen Mark 3.—. Verlag bet Hof- und Univ.-Druckerei Otto Kindt, Gttße«. Zugleich Heft 4 der „Kunst unserer Heimat", Jahraang 1910. — Tas soeben erschienene Heft enthält zum erstenmal ein einhettliches Kunst- unb Kulturbild der alten Bischossstadü Limburg unb dessen überraschende Bedeutung als Kunsts statte. Ter Verfasser bietet eine kunstwissenschaftliche Abhandlung^ bie belebt wird durch geschichtliche uns kulturgeschichtliche Eiw? unb Ausblicke. So gibt er nicht etwa einen Führer, sondern td läßt die Stadt unb leine Kunstschätze auf historischem Boden vottl dem Leser aus ihrer Zett heraus entstehen. Auf die Illustration des Heftes ist besonderer Wert gelegt. Es bringt zahlreiche Ftt>ev- zeichnungen, Skizzen aus der malerischen Stabt, seinem herrlichm Tom unb dessen seltenen, vielfach unbekannten Schätzen. Dazu kommen Ausnahmen nach der Natur, bie in vortrefflichem Sepiadruck FÜHftterifcb wieder gegeben sind. Die Vereinigung zur FörderunA der Künste in Hessen hat sich durch die Herausgabe dieses vornehmen Heinen Kunstwerkes sicherlich Verdienste erworben. — Deutsch-fran-ösische Schülerreisen. Me tn Berlin erscheinende ftan^ösisch-e Zeitung „Jotutnal nragne" und die tn Parts erscheinende deutsche „Pariser! Zeitung^' -verden pon jetzt ab in jedem Jahr ein PreiK- ausschreiben ver anstatt en. Das „Journal d'AllemaMre^ stellt für die deutsche Schuljugend ein Thema für Auffätzs in ftanKösischer Sprache. Die 50 besten Arbetten werdeie mit einer zehntägigen kosterrbosen Reise nach Paris ausgezeichnet. Die „Pariser Zeitung" veranstaltet ein gleiches Preisausschreiben für die französische Schuljugend. Die beiden Blätter haben vorläusig Dafür einen Fonds von 12000 Mk. ausgesetzt. Die Reisen werden durch die AUA* schüfst für internationalen Schüleraustausch ausgefühtt. — Kokain gegen Hunger unb Durst. Die Frage- ob 'der Hunger wirfllch seinen Sitz im Magen unb der Durst den seinen in der Kehle habe, ist feit langem der Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen. Einen neuen Beitrag dazu liefert der ttalrenische Arzt Valenti, der in den „Archivi ttaliani dl bio- logia" über interessante Experimente berichtet. Es gelang ihm, das Hungergefühl durch Unempsindlichmachung des Schlundes zu unterdrücken. Diese wurde erreicht, indem man in die oberen Teile der Speiseröhre Kokain einspritze. Eül Hund, der auf biefe Art behandelt wurde, wies fünf Tage lang jede Nahrung, flüssige wie feste, zurück. Der Experirirelttator schloß aus dieser Tatsache, daß das Hunger- unb Durstgefühl lokalisiert ist. Diese Beobachtung stimmt völlig überein mit der uralten Tradition, der zufolge sich Hunger unb Durst durch das Kauen von Blattern des Koka^ strauches, die die oberen Partien der Speiseröhre unernvfindlüÜ machen, stttlen lassen. — Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft, Der Professor der Nervenheilkunde, Fulgence Raymonde ist im 66. Lebensjahre auf seinem Landsitze bei Portiers gen stör b en. ketzmvg töteS ohne Erlaubnis begirrbttiren Ververbebetrreb? sann nach Maßgabe der Bestimmungen der VollzjUgsvervrd- futtg zur Gewerbeordnung verhindert werden. Mr die Untersagung des Betriebs einer nicht gewerbsmäßigen Stellenvermittlung ist der Provrnzialausschuß zuständig. Die übrigen Bestimmungen beziehen sich auf die Füh- ixung eines Geschäftsbuches, die Bekanntmachung der Stellenvermittelung, Beschäftigung von Hilfspersonal, Erlaubniserteilung — das Wort „Konzession" scheint aus dem neuen Gesetz ausgemerzt zu sein —, Rechte und Pflichten der Stellenvermittler, den .Geschäfts!) etrieL und die Kontrolle -durch die Polizeibehörde. •• Naturwissenschaft l. Fortbildungskursus. Pom 19.—24. Sept, fand aus Einladnng der Schulabteilung de§ hessischen Ministeriums ein naturwisienschaftl. Fortbildungskursus für Oberlehrer am Realgymnasium Lu Darmstadt statt. Geh. Oberschulrat Nodnagel dankte über Stadt Darmstadt, die im Neubau des Realgymnasiums vorbildliche Ausstattungen geschaffen habe, so daß ein solcher Kursus möglich geworden sei, und schloß mit der Hoffnung, daß alle Teilnehmer eine solche Förderung erfahren möchten, daß die durch die Beurlaubung entstandenen Störungen des Schulbetriebs reichlich ausgewogen würden. Der Direktor deS Realgymnasiums, Geh. Schulrat Münch, kennzeichnete in großen Umrissen die Absichten, die bei Abhaltung des Kursus verfolgt werden. Vorträge und Führung hatten . ferner die Prof. Völsing, Schilling, Friedrich, Kalbfleisch, -Balser, Schnell, Scriba, Schneider und Schad aus Darmstadt, ferner die Prosefforen Hönig-Michelstadt, Erb-Gießen, ' Spilger-Bensheim und Schaum - Friedberg übernommen. Besichtigt wurden die Landw. Versuchsstation, das städtische MektrizitätSwerk, Telephonamt, Museum, Chemische Fabrik Don Merck, Gaswerk und Botanischer Garten. Schülerübungen tn Physik und Biologie wurden vorgeführt und eine Ausstellung von physikalischen Apparaten für Schülerübungen, von Modellen für den Unterricht in Stereometrie und darstellender Geometrie veranstaltet. Oberschulrat Bloch nahm 'fast an allen Vorträgen teil, auch der neue Vorsitzende der Schulabteilung, Geheimerat Süffert, besuchte die Veranstaltung. ** Eine Sitzung des Provinzialausschusses findet am Samstag den 1. Oktober, vormittags 0 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Enteignung von Ge- Lände in Gemarkung Schwalheim zur Erweiterung des Wahnhofs Bad-Nauheim; hier Ausspruch der Ent- -eigrnmg. 2. Gesuch des Handelsmanns Adam Hettche von Mainzlar um Erteilung eines Wandergewerbescheins. 3. Enteignung von Gelände zur Durchführung der Zu- sahrtstraße zum neuen Bahnhof in Vilbel. 4. Klage ver Gewerkschaft ,Luse und Ilsdorf gegen den Landwirt K. Reitz zu Stockhausen - wegen Enteignung von Gelände gemäß Artikel 131 des Berggesetzes. ** Aufhebung von Ausgabestellen für zusammen stell bare Fahrscheinhefte. Seit der Durchführung der Personentarifreform hat sich der Fahrpreisunterschied zwischen dem Preise der zusammenstellbaren Fahrscheinhefte und dem Fahrpreis- für den allgemeinen Verkehr verringert. Die mit den Fahrscheinheften verbundene Annehmlichkeit der öfteren beliebigen Fahrtunterbrechung hat nicht verhüten können, daß die Nachfrage bedeutend abgenommen hat. Ter in Zunahme begriffene Rückgang der Einnahmen aus Fahrscheinheften betrug im Jahre 1909 gegen 1906 für sämtliche beteiligten Verwaltungen 44,79 Prozent, für die Preußisch-Hessischen Staatsbahnen 57,63 Prozent. Infolge dieser bedeutenden Geschäftsverminderung ist eine Reihe dieser Dienststellen entbehrlich und zum 1. Oktober 1910 aufgehoben worden. Tie Dienstvorschriften sind solchen Ausgabestellen überwiesen worden, die für ein größeres Verkehrsgebiet eine -en- träte Lage haben, und von denen die Bestellscheme in kürzester .Zeit ausgefertigt und den Interessenten zugestellt werden können. 1L a. werden die Ausgabestellen für zusammenstellbare Fahrscheinheft« in Darmstadt und Mainz aufgehoben, deren Dienstgeschäfte auf die Ausgabestelle in Frankfurt a. M. (Amtliches Reisebureau im .Hauptbahnhof) übergehen. Tie Bestellungen von zusammenstell- baren Fahrscheinheften können jedoch auch künftig bei sämtlichen Fahrkartenausgabestellen eingereicht werden, die die Besorgung der Fahrscheinhefte ohne besondere Kosten und ohne Verzögerung zu übernehmen haben. "Die Schülerwerkstatt Gießen beginnt am I. Oktober ihre Kurse für erziehliche Knabenhandarbeit (Papp- und Holzarbeiten). Zur Beteiligung zugelassen sind nicht nur Volksschüler, sondern auch Schüler höherer Lehranstalten im Mindestalter von 11 Jahren. (S. Inserat). ** Eine luftige Steuerzettelgeschiehte. Zur FaftnachtHeit hatte das Komitee des H o fheimer Karneval- Vereins an die Bürgerschaft „St euer zettel" geschickt, um die Kosten zu einem Zuge aufzutreiben. Die Bürger zahlten alle gerne diese Steuern, nur dem Gendarmen, dem man ebenfalls einen Zettel zugeschickt hatte, ging die Sache wider den Strich! und er machte pflichtfchuldigst Anzeige. Die Staatsanwaltschaft verdonnerte drei der „luftigen Sieben" zu 1 Mark Gelchtrafe, sprach drei frei, während ftir den letzten noch eine besonders -Sitzung" abgehalten wird. § Ulfa, 29. Sept. Sei der heute hier vorgenvnrmenen Obstversteigerung Dsbe die Gemeinde allein aus Aepfeln über 1200 Mark, eine schöne Einnahme für den Gemeindesäckel, wenn man in Erwägung zieht, daß die Aepselbänme nur an Feldrainen und unbebauten Triften sieben. Der Doppelzentner Kelterobst kam durchschnittlich auf etwa 5 Mark am Baum, während Tafelobst je nach, Sorte sich auf 8—,11 Mk. stellte. Infolge des in diesem Jahre später angesetzten Versteigerungstermins ist das Obst vollkommener ausgebildet als in früheren Jahren. Von Händlern wird das Schüttelobft hier für 5 Mark das Malter aufgekauft. -4N. Friedberg, 29. Sept. Bei der Ankunft des um Uhr hier ein treffenden Eilzuges von Frankfurt wurde auf telegraphische Weisung hin ein Mann aus dem Zuge heraus verhaftet, der in Frankfurt einen Knaben entführt haben sollte. Der Mann wurde mit dem Kinde mach dem Polizeibureau gebracht, aber sofort wieder frei- gelassen. Er konnte nachweisen, daß es sich um seinen eigenen Sohn handelte, den seine Frau, die ihn verlassen hatte, ihm entführt hatte. — Bei den städtischen Obst- Versteigerungen wurden für Frühobst 800 ML und für das Obst in der Stadtgemorkung 3277,80 Mk. gelöst. In der Feldgemarkung ist der Ertrag der Obsternte noch nicht festgestelll, da noch nicht alles Obst abgeerntet ist. Man rechnet mit einem Betrag von annähernd 7000 Mk. )( Marburg, 29. Sept. Nachdem der Magistrat sein Projekt bezügliche des Um- und Anbaues unseres Rathauses auf einen anzuhängeudeu Westbau beschränkt hat, beschäftigten sich heute die Stadtverordneten mit dieser für unsere Stadt in finanzieller Beziehung wichtigen Frage. Dom Magistrat wurde geltend gemacht, daß die seitherigen Räumlichkeiten im Rathause zur ordnungsgemäßen Erledigung der Verwältungsgeschäfte nicht mehr genügten. Die Stadtverordneten stzmmten nach eyrgeheudW Bemüvtg dem Vorschlag zu, jedoch Mit dem Sretyifänen, ^ Ausführung von einem besonderen späteren Beschlüsse abhängig zu machen. Einschließlich der Mobiliarausstattung stellt sich der Kostenpunkt auf 120 000 Mk., die aus dem (^5d)ldneuball^ fonds gedeckt werden sollen. Die UrägööiTdncrKinöes. R. B. Darmstadt, 30. Sept. Vor dem Schwurgericht steht heute ein außergewöhnlich schwerer Fall zur Verhandlung. Die in Rudlos bei Lauterbach geborene 37 Jahre alte Eheftau des hiesigen Bahnwärters Ludwig Fries, Elisabeth, geb. Jäger, ist angellagt, sich durch fortgesetzte Mißhandlungen ihres vierjährigenStieftöchterchens Luise der schweren Körperverletzung mit tödlichem Erfolge schuldig gemacht zu haben. Die Straftat wäre bereits in der Junitagung des Schwurgerichts zur Aburteilung gelangt, wenn die Angellagte nicht inzwischen Mutter geworden wäre. Als sie am 18. Aug. 1907 ihren jetzigen Mann heiratete, brachte er ein Kind erster Ehe mit, daß die Veranlassung mancher Zwistigkeiten in der Ehe werden und auf so traurige Weise enden sollte. Die Stiefmutter behandelte das Kind trotz aller Ermahnungen ihres Mannes schlecht und vergriff sich an ihm in der gewalttätigsten Weise. Sie gibt .als Grund für die dem Kinde zugefügten Mißhandlungen Unreinlichkeit und die Absicht einer besseren Erziehung des Kindes an, obwohl jene angebliche Untugend der Kleinen von dritter Seite in keiner Weise bestätigt wird und auch keinesfalls ein derartiges unmenschliches Verfahren gerechtfertigt haben würde. Die schlechte Behandlung des Kindes erreichte, wie die Angeklagte tellweise zugibt, ihren Höhepunkt am 8. Februar d. ^J. An diesem Tage verschied das Kind und der nachträglich hinzugezogene Arzt Dr. Leydhecker fand eine so verdächtige Sachlage vor, daß er die Ausstellung eines Totenscheins verweigerte und die Behörde züm Einschreiten veranlaßte. Die Bedenken des Arztes fanden durch die gerichtliche Sektion der Leiche Bestätigung. Der Körper war mit älteren und neuen Spuren von schweren Mißhandlungen bedeckt: Beulen, Striemen, Kratzwunden, blutunterlaufene Stellen reihten sich aneinander und als un- mitelbare Todesursache erwies sich ein ausgedehnter Bluterguß in 1>as Gehirn, der durch Anwendung einer starken äußeren Gewalt aus den Kopf hervorgerufen worden war. Die Beschuldigte gestand zu, daß sie "toegen angeblicher Unreinlichkeiten in den letzten drei Tagen das Kind wiederholt mit dem kantigen Holzteil eines Handbesens geschlagen habe, einerlei, wohin sie traf. Sie setzte die Mißhaiü>lung fort, obwohl das Kind bereits am Tag vorher nach den Schlägen von Krämpfen befallen worden war. Die Angeklagte will früher nur einen, von ihrem Manne mitgebrachtes Stöckchen, später dessen zusammcngelegten ledernen Leibriemen und dann den erwähnten Handbesen benutzt haben. Das Kind habe ihr zuletzt .einen wahren Ekel eingefläßt. Im Gegensatz zu ihren Angaben ist nach Zeugenaussagen die Kleine ein stilles, braves und ordentliches Kind gewessn, das schon seit längerer Zeit einen völlig verschüchterten, ängsllichen Eindruck machte. Stets pflegte es selbst vom Hofe aus nach seiner Stiefmutter zu sehen, schluchzte oft leise in sich hinein und scheute sich, nach der Ursache gefragt, eine Antwort zu geben. War die Stiefmuter bei einer solchen Frage zugegen, so erklärte sie die Tränen und äußerlich sichtbaren Verletzungsspuren mit einem Fall oder bergt Die kleine Dulderin hat Niemand ihr Herz auszuschütten gewagt und erst, als sie durch den Tod erlöst war, trat der Sachverhalt, den man vorher und in geringem Umfang vermutet hatte, klar zutage. Die Anllage hält eine fortgesetzt vorsätzliche Körperverletzung für vorliegend, durch die der Tod herbeigeführt wurde. Zur heutigen Verhandlung waren über 30 Zeugen geladen. Die Anllage vertritt Staatsanwalt H o o s, die Verteidigung uhrt Rechtsanwalt Dr. Hoffmann II. Als Sachverständiger irngierte Medisinalrat Dr. Lehr. Die Verhandlung dürfte bis zu später Stunde fvrtdauern. Luftschysahrt. “ Flugwoche Trier—Metz. Trier, 29. Sept. Bei sonnigschwülem Wetter, das ne Flugbedingungen einigermaßen erschwerte, unternahm gestern Kapitän Engelhardt zunächst einen Probeflug, der jedoch schon nach 15 Sekunden endete. Der Pilot gab infolgedessen für den gestrigen Tag die Teilnahme am Wettbewerb auf. Kurz nach Engelhardt erhob 'sich Thelen, umkreiste mehrere Male die Flugbahn unb landete glatt nach 41/2 Minuten. Zur Befriedigung der ziemliche zahlreich erschienenen Zuschauer startete der unermüdliche Führer bald darauf um 4 Uhr 21 Min. von n eu em, ging mitt s ein em Passagier Oberleutnant v. Moßner in Höhen von 150 Meter und trat nach einigen Rundflügen die Reise nach Metz an, die er, wie schon gemeldet, bei Niederham 5 Klm. von Diedenhofen unterbrechen mußte, weil ein Bentildeckel ab geflogen war. Heute schien ftcfy der Wettflug in ein Kinderfest um- gewandett zu haben. Sämtliche Klassen der Volksschulen wurden gegen Entrichtung von 10 Pfg. zum reservierten Platze zugelassen. Die Nachricht, daß Thelen, der gestern in Niederham eine Zwischenlandung hatte vornehmen müssen, vom Exerzierplatz bei Diedenhofen um 3.50 Uhr aufgestiegen war, konnte fteilich bei den Kindern nicht allzu großes Jirteresse wachrufen. Umso gespannter ver- olgten die Erwachsenen das ruckweise-Sinken der Flug-, zeugnummer Thelens auf der Streckentafel. Endlich, um 4.30 Uhr, landete der Pilot mit Oberleutnant v. Moßner als Passagier in Metz aus einer Höhe von 200 Metern. Thelen hofft, durch diesen Flug mit Zwischenlandung die Anwartschaft auf den zweiten Preis von 4000 Mar? erworben zu haben. Er kehrt morgen nach Trier zurück, um die Fahrt zu wiederholen und Jeannin, wenn möglich, zu überbieten. Kurz nach 6 Uhr stieg Engelhardt mit seinem Flugzeug M. 1 auf. Der Motor arbeitete diesmal gut, und >er vom Mißgeschick verfolgte Whrer unternahm vor den taunenden Augen der Kleinen zwei wohlgelungene Probe- küge von 6,14 und 8,12 Minuten. Beide Male gelang die Landung glatt. Engelhardt hofft morgen die Fahrt nach Metz antreten zu können. Metz, 29. Septt Thelen, der auf seinem Apparat von Oberleutnant v. Moßner begleitet war, wurde um 4 Uhr 30 Min. vorn hiesigen Flugplatz gesichtet und landete dort glatt drei Minuten darauf. Im Namen der Stadt begrüßte Beigeordneter Jung den Flieger, der bei einer gegen heftigen Wind ausgeführten Fahrt eine Höhe vön etwa 400 Metern erreicht hatte. Mit Rücksicht auf die Windverhältnisse verschob Thelen seine Rückkehr nach Trier auf morgen. Metz, 29. Sept. Thelen war um 3 Uhr 50 Min. in Nieder-Jeutz ausgestieaen und überflog 4 Uhr 20 Min. Uettingen. Bei deut Flug hat er eine Höhe von etwa 400 Metern erreicht. — Engelhardt wird um 5 Uhr in Trier einige Schauflüge unternehmen. Haas wird heute nicht aufsteigen. Unfall des italieuischeu Lenkballons. Bracciano, 29. Septt Das Militärluftschiff Nr. 2 stieg heute früh 4i/2 Uhr zu einem Fluge nach Cam- palto (bei Venedig) auf, wo sich die Ballonhalle beftndet. Nachdem es unter Glockengeläute und dem Jubel der Einwohnerschaft um 9 Uhr über Arezzo hinweggeflogen war, mußte es vier .Kilometer hinter der Stadt, infolge eines Motorschadens, der eine Erneuerung der Schrauben nötig macht, landen. Die Landung erfolgte ohne ZwischentÄ Ar-eLiA0, 29. Septt. lieber prn Unfall des Mili- tarluftschifses Nr. 2 wird noch gemeldet: Das Luft, schiff entwickelte eine bedeutende Geschwindigkeit, als Plötz, lich einer der Verbindungsdrähte zwischen dem Bal- lonkörper und der Gondel zerriß und sich rn den Schrauben^ flügeln verwickelte, die teils abbrachen. Der Führer schritt sogleich zur Landung, die sich mit Hilfe der zahlreich versammelten Personen glücklich vollzog. Als die Gondel den Boden berührte, ließ der Führer das Luftschiff selber, um es vor Windstößen zu schützen, vollständig zur Erde herab- ziehen. Die Fahrt nach Venedig soll nach Beendigung de^Äusbesserungsarbeiten fortgesetzt werden. * Domvdossola, 29. Septt Das Leichenbegäng« nis Chavezs fand unter starker Beteiligung der ein- heimischen Bevölkerung statt. Es nahmen daran teil die Behörden und Vereine sowie die Teilnehmer der Mailänder Flugwvche. Auf dem ganzen Wege wurden Blumen auf den Sarg geworfen. AlleLädenwarengeschlosseu. Aus den Fenstern hingen Trauerfahnen. Die sterbliche^! Ueberreste werden-mit der Bahn heute abend nach Paris übergeführt. Die Cholera. Marienburg, 29. Sept. - Als choleraverdächttg wurde neuerdings ein dreißigjähriger Arbeiter und ein fünfviertel, jähriger Knabe hier eingeliefert, so daß im Krankenhause jetzt 41 Eholeraverdächtige liegen. Bei 18 wurden Cholerabazillen fest» gestellt. Spandau, 28. Sept. Nach einer Bekanntmachung der Polizeiverwaltung ist die Choleragefahr in Spandmi voll- st an dig be-s eit i g t. Witkowitz, 29. Sept. Hier wurde ein Todesfall an Cholera festgestellt. Ofenpest, 29. Sept. Seit fünf Tagen ist kein neuer C h 0 l e r a f a l l festgestellt worden Auch aus dem Mohacser Cholera-Gebiet wurde keine neue Erkrankung gemeldet. /Rom, 29. Sept. In den letzten 24 ©tunben ereigneten sich in Apulien drei neue Cholerafälle und ein Todesfall. In der Stadt Neapel kamen 24 neue Chvlerasälle und 14 Todesfälle vor; in der Provinz Neapel fünf Cholerafällc und drei Todesfälle. Rom, 29. Sept. Hier ereignete sich fern neuer Cholerafall. Tft nähere Untersuchung ergab, daß es sich in mehreveq öerbädftigen Fällen, die zur Anzeige gebracht wurden, nicht um Cholera handelt. jKonftantinopel, 29. Sept. Gestern wurden.hier 15 Erkrankungen und fünf Todesfälle an Cholera fe^, geftellt; außerdem ist ein Soldat unter verdächtigen Erscheinung« - erkrankt. Märkte. th. Gießen, 29. September. Der dieswöchige Viehmarkt hatte einen Auftrieb von etwa 1577 Stück Rindvieh, bäumtet etwa 400 Kälber und 248 Schweinen. Der Vorhandel war wieder recht lebhaft. Das Geschäft am Markttage war in Mittel. Ware wenig lebhaft. Die Preise für frischmelkende Kühe ftnb ju hoch, um den Handel zu Spekulationskäufen zu veranlassen Hierzu kam, daß die Käufer für Milchkühe aus Norddeutschland, besonders aus Thüringen nicht gekommen waren, ebenso fehlte1 es an der Kundschaft von jenseits des Mains, die sonst den Handel günstig gestalten. Trotz dieser ungünstigen Verhältnisse hielt der Markt die alten Preise für Milchvieh aufrecht. Jungvick war in wenig schöner JorM und Qualität aufgetrieben; es wurdl rn guter Ware gesucht. Der Handel in Fettvieh bewegte sich m den seitherigen Bahnen,, die Ware ist knapp und die Preis; hoch. — Das Kälbergeschäft wickelte sich recht langsam ab, bei Zu zahlreiche Vorrat war schwer unterzubringen, so daß bii Preise ab schlagen mußten. Der Schweinemarkt zeigte roiäxi ■ ein unbelebtes Bild, es fehlt an unseren Märkten an Auswahl und an Preisausgleich durch Konkurrenz des Handels und si sind auch diesmal die Käufer weggeblieben, so daß die Heim Anfuhr nicht ganz unterzubringen war. Gehandelt wurden Küh frischmelkend und tragend das Stück 1. Qual. 575 bis 650 Mk. (einzelne extra schwere Tiere bis 700 Mk.), 2. Qual. 500 bis 5o( Mk., 3. Qual. 380 bis 450 Mk. Jungtiere zur Zucht und Mast je nach Form und Güte 120 bis 170 Mk., bis 6/* Jahre alt 180 bis 220 Mk. Bezahlt wurde nach Schlachtgewicht für den Zentner: Fette Rinder 1. Qual. 84 bis 88 M. 2. Qual. 80 bis 83 Mk., fette Kühe 1. Qual. 69 bis 73-Mk. r 2. Qual. 65 bis 68 Mk., 3. Quatt 57 bis 63 Mk. Kälber 1. Qual 75—8 .1 Mk. (einzelne ertra gute Stücke bis 86 Mk.), 2. Qual. 65 öis 74 Mk., 3. Quatt 64 bis 68 Mk. Fette Ochsen werden dk Zentner Schlachtgewicht in 1. Ware mit 89 bis 92 Mk., in 2. Qual mit 87 bks 88 Mk., fette Schweine (Fleischware) mit 68 bis 69 Mk.' fette Ware mit 66 bis 67 Alk. in der Gegend bezahlt. Der Hande auf dem Schweinemarkt bot keine Norm für eine reguläre Preir bildung. — Nächster Markt ausnahmsweise Mittwoil den 19. Oktober Schweine- und Krämermarkt, Donnerst a, den 2 0. Oktober Rindviehmarkt. d. Bi« 8 t tt, 29. Sept. Auf dem heutigen Viehmar! stellte sich der Zutmeb auf etwa 400 Stück Großvieh und 50 Kälb« Schon auf dem Vormartt entwickelte sich ein sehr lebhaftes Ge schäft, das bei starker Nachfrage einen flotten Absatz nach sich zo< Auch heute war das Geschäft sehr rege und in früher Stunde rouri der Markt ausverkauft. Die bisherigen hohen Preise bliebch Für Zuchtvieh wurde bezahlt: 1/2- bis 3/4 jährige Kälber 7 bis 90 Mark, Jährlinge 95—110 Mk., junge Rinder 125 bi 210 Mk., junge Kühe von kräftigem Körperbau 320—480 Mk frischmelkende Kühe mit Kalb 350—480 Mk., ohne Kalb 30 dis 440 Mk., ältere, milchgebende Tiere 230—340 Mk., trächtü Kühe und Rinder 360—490 Mk., ältere, trockenstehende Kia 170—200 Mk., Fahrkühe 300—450 Mk. Das Paar Fahrochsr erster Sorte brachte 950—1050 Mk., zweiter Sorte 800—900 Mk dritter Sorte 650—750 Mk. Im Zentner Schlachtgewicht fom den für fette Trere erlöst, fette ausgemästete Ochsen 1. Qualktt 92—94 Mk., fleischige weniger gemästete 2. Qualität 83—85 Mk mittlere 3. Qualität 78—81 Mk., geringere 4. Qualität 74 bi 76 Mk., fette ausgemästete Rinder 1. Qualität 86—89 Mk weniger gemästete fleischige 2. Qualität 82—84 Mk-., mittlei 3. Qualität 78—80 Mk., geringere 4. Qualität 74—76 Mk fette ausgemästete Kühe 1. Qualität 82—85 Mk., weniger a mästete fleischige 2. Qualität 76—78 Mk., mittlere 3. Qualiü 72—74 .Mk., geringere 4. Qualität 68—71 Mk., fette gemäße Kälber 1. Qualität 96—98 Mk., fleischige weniger gemäfte 2- Qualität 92-94 Mk., mittlere 3. Qualität Z7-89M! geringere 4. Qualität 82—84 Mk. Schweine stellten sich in b ümg^una für ben Zentner Schlachtgewicht: fette 1. Qualiik auf 68—70 Mk., fleischige 2. Qualität auf 64—66 Mk D nächste Viehmarll findet anf Dienstag, 11. Oktober statt Harnsäure, Grundübel der Gichl Zeugnis. Ich bescheinige hierdurch pflicht- und Wahrheit flemafe, dah ich auf ärztliche Verordnung als Nachkur gegi Gicht und Blasenlelden St. GeorgSguelle aus Biskirchen d. Lahn im Mai 1903 zuerst getrunken und seitdem vom Frü * ia&r chs sum Herbst alljährlich beibehalten habe,- eß ist nie aHetn e*nJäjoneß Tafelwasser, sondern es trägt befände' Aur Beseitigung der unliebsamen Harnsäure im Körper bi dem Grundübel der Gicht. Ich habe seit dem Gebrau dieser Quelle einen Gichtanfall nicht mehr gehabt und glau! dies dem längeren Gebrauch der St. Georgsau°Üe verdank! zu können. n in Preis für 25 Flaschen Mk. 9- • „ — - " , » 5Q p „ 17.— (hV tnfl- Verpackung ab Station Stockhausen a. b. Lahm VISlTf\A R TEN ln Je(Ur beliebigen Schriftart und Kartonsori 1. . sowie mit Zirkeln aller studentischen Vt euugiutgen liefert zu mäßigen Preisen die BrühTsdu Univ.-Drucken : Ml-Hnl Mel 5372 r J. Pfeffer. Post Stockheim, Öberhessen. dem noch ein Schulgeld von 4 Mk. zu bezahlen.