Nr. 174 Der Atetzeser 3n$tfgtr erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GlehenerZamHienblittter; zweimal wüchentl.Nreiz-. dlatt für den Kreis Liehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seltfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Exvedition öl Adresse für Depeschen Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeige» für bte Tagesunmmer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 28. Juli 1910 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhessen Rolattonrdruck unö Verlag -er Vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderet R. Lange. Reöaftion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. Bezugspreis: monatlich75Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausscht. Bestellg. Zeilenpreis: lokal IbPs., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für „Feuille- ton* und »Vermischtes* K. Neurath; für »Stadt u. Land" und „Gerichtssaal": C. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beck. Die heutige Nummer umfaßt 10 Selten. Ein Aufstand auf Kuba. Mie Meldungen crus Havanna besagen, ist auf Kuba wieder einmal, und zwar in der Nähe von Santiago, eine Insurrektion" ausgebrochen, deren Führer der seit einigen Tagen verschwunden gewesene „General Mi niet" ist Die Kubanische Regierung war auf diesen Putsch vorbereitet, da in der Bevölkerung schon seit einigen Tagen eine große Erregung herrschte und „General" Monocal, der bei den letzten Präsidentenwahlen unterlegen war, eine zahlreich besuchte Protestversammlung gegen die Präsidentenwahl und die Politik der Regierung abgehalten hatte. So kann man annehmen^ daß die Kubanische Regierung den kommenden Ereignissen wohl gerüstet gegenüberzutreten in der Lage ist und vielleicht den Aufstand niederschläat, ehe er größere Ausdehnung annimmt. Damit wäre die Republik Kuba wieder einmal gerettet. Ein anderes aber wäre es, wenn der Aufstand ganz Kuba ergriffe, und das Volk sich den unzufriedenen Soldaten anschlösse. Denn damit wären die Bereinigten Staaten gezwungen, auf Kuba einzuschreiten, und mit der selbständigen Republik Kuba, die die Union erst vor kurzem proklamierte, würde es dann ein schnelles Ende nehmen. Die Kubaner sind ein noch halbzivilisiertes Volk, dem das gehörige Verständnis für die idealen Aufgaben des Staates fast völlig abgeht. Sie haben zwar, wie das spanische Muttervolk, ein starkes Selbstgefühl, das man aber keinesfalls mit Nationalstolz verwechseln darf, weil der Gedanke, daß sich der Einzelne dem Staatsaanzen unterzuordne.r hat, und der Staat nicht zur Befriedigung der Habsucht und des Ehrgeizes der Einzelnen dienen soll, unter den Kubanern noch keinerlei Boden gewonnen hat. Hid das ist auch erklärlich, denn, wenn auch die Kubaner fahrelang um ihre Selbständigkeit kämpften, die rücksichtslose und jahrhunderte dauernde Ausbeutungsherrschaft der Spanier brachte es mit sich, daß sie an diesem europäischen Staat für alles, was sich staatliche Verwaltung nennt, das schlechteste Beispiel fanden. Sobald nur, wie das bei der lateinischen Rasse Südamerikas üblich ist, -irgend eine Partei auf dem Wege des Revolutionssporls zur Regierung gelangt, hält sie es für ihre unabweisbare Pflicht, sich in den Besitz aller Aemter, die auf Kuba zum großen Teil Sinekuren bedeuten, zu setzen und dem kubanischen Volk das Fell recht gründlich über die Ohren zu ziehen Und wenn dieses dann mit seiner „gottgewollten" Regierung unzufrieden war, und, wie jetzt auf dem Wege des Militärputsches, einen neuen Präsidenten aus j den Schild erhob, macht es diese neue Regierung ebenso. Von diesen unablässig wankenden und unsicheren Verhältnissen werden natürlich die besitzenden Klassen am härtesten getroffen. Die 1906 von der Union zur Unterdrückung der lubanischen Unruhen abgesandten Truppen fanden ein förmliches System von Erpressungen vor. So mußten sich, um nur ein Beispiel anzuführen, insbesondere die Besitzer der Zuckerplanragen, um sich vor Brandschatzung zu sichern, dazu verstehen, der Regierung ein nicht nur unverzinsliches, sondern sogar unzurückzahlbares Darlehen zu geben. Daß die Ordnung immer wieder hergestellt wurde, ist allein den amerikanischen Truppen zu danken, welche die ganze Insel in Streiskolonnen durchquerten und den von der kubanischen Regierung Verfolgten und Unterdrückten, also den Angehörigen der Minoritätspartei, ihren Schutz angedeihen ließen. Wie kritisch aber die Verhältnisse nach wie vor auf Kuba blieben, geht zur Genüge daraus hervor, daß im Jahre 1906, nur eine ; Woche nach der Zurückziehung der amerikanischen Truppen, sofort wieder ein Aufstand ausbrach, der allerdings sehr bald unterdrückt wurde. Die Vereinigten Staaten haben trotzdem die Selbständigkeit der Republik Kuba feierlichst proklamiert und garantiert. Ob aber diese jetzt, wenn der Aufstand aus Kuba größere Ausdehnung annimmt, von Bestand sein wird, ist eine große Frage. Denn daraus hat die Union niemals ein Hehl gemacht, daß man sich, wenn nochmals auf Kuba Wirren ausbrächen, die seinen Handel mit 'Amerika schädigten, nicht mit einer zeitweiligen Okkupation der Insel und mit der Wiederher- stellung des inneren Friedens begnügen würde. Was man in Washington will, tritt allerdings bisher nicht deutlich hervor. Jedenfalls will man keine Einverleibung Kubas in .die Union, weil eine solche nicht nur an dem Widerstände der Kubaner selbst, sondern auch an dem des Kongresses scheitern würde, der die Mischlingsbevölkerung der Vereinigten Staaten nicht weiter vermehren helfen will Und sich nur mit Mühe und Not zu einer .Herabsetzung des kubanischen Zolltarifs im Jahre 1901 bereit finden ließ. Was je^t, wo auf Kuba wieder Unruhen ausgebrochen sind, zur Erörterung steht, ist allein die Frage eines am er i- kanischen Protektorats über Kuba, mit einer Stationierung von etwa 5—6000 Mann amerikanischer Truppen. Eine solche Lösung des Kuba-Problems wäre der besitzenden Bevölkerungstlasse der Insel aus den oben genannten Gründen jedenfalls genehm, sie würde auch bei den Mächten auf keinerlei Widerstand stoßen, nur scheint sie für die Vereinigten Staaten, die in Fragen der Armee sehr zugeknöpft sind, zu kostspielig zu sein, um die Billigung des Kongresses zu finden. Man wird wahrscheinlich, um die Kosten zu umgehen, wenn sich jetzt ein Protektorat der Union Über Kuba notwendig macht, versuchen,.das kubanische Militär zu reorganisieren und es durch "Unterstellung unter amerikanische Offiziere zu einem gefügigen Werkzeug der Union zu machen. Ob das gelingt, will uns zweifelhaft erscheinen. Schon die Tatsache, daß unter dem nur 4500 Mann zählenoen „kubanischen Heer" ein Aufstand gegen die jetzige Regierung überhaupt möglich war, zeigt unseres Erachtens, daß sich schon unter dieser „Wachtparade" zahlreiche unzuverlässige Elemente befinden. Ist doch das kubanische Heer nicht einmal in der Lage, vor den Toren einer Stadt wie Santiago Ruhe und Ordnung zu halten, um wie viel weniger im Innern des Landes. So werden die Vereinigten Staaten nicht darum herumkommen, Kuba auf längere Zeit hinaus militärisch zu besetzen, wenn sie dort ihre politischen und wirtschaftlichen Interessen wahrnehmen wollen. Mit der Erklärung eines Protektorats der Union über Kuba unter sonstiger Aufrechterhaltung der kubanischen Selbständigleit ist es nicht getan. Man wird sich vielmehr in Washington dazu.entschließen müssen, nicht nur die Insel längere Jahre hindurch militärisch besetzt zu halten, sondern auch die Zivilverwaltung Kubas zu amerikanisieren. Die Frage ist nur, ob sich die Kubaner das gefallen lassen, ob sie nicht — und sie sind im Guerilla-Krieg geübt genug — den Vereinigten Staaten von Nordamerika eine harte Nuß zu knacken geben. Newyork, 27. Juli. In amtlichen Telegrammen aus Havanna wird mitgeteilt, das; die Regierung über die Insurrektion des Generals Mi niet nur die Tatsache erfahren hat, daß 'dieser mit einem Dutzend Leute aus unbekannter Ursache gemeutert und ins Innere geflüchtet ist. Die Meuterer werden von der Landpolizei und der Miliz verfolgt. Die Regierung erklärt zwar, daß der Vorfall ohne Bedeutung sei, es wird aber von der Öffentlichkeit darauf hingewiesen, daß der Präsident den Besuch seines Sommersitzes aufgeschoben hat. Man glaubt, daß die Regierung die Landung von Waffen befürchtet. Die Gerüchte über Unruhen in der Provinz Pinar del Rio finden bisher keine Bestätigung. Line Unterredung mit Uiderlen-wachter. Trotzdem eine Unterredung eines Redakteurs der Wiener „Neuen Freien Presse" mit dem Staatssekretär v. K'iderlen- Wächter bei dessen Durchreise nach Marienbad etwas sommerlich sensatronell aufgebauscht ist, geben wir einige Stellen daraus wieder, weil sie vielleicht für die Persönlichkeit unseres neuen Staatssekretärs bezeichnend sind. Die „Neue Fr. Pr." schreibt: Auf die Frage, wann die Begegnung mit Aehrenthal stattfinden werde, erwiderte der Staatssekretär: „Ich werde morgen noch im Laufe des Vormittags mit Aeyrenthal eine Unterredung haben. Wir kennen uns seit nahezu dreißig Jahren und waren vier Jahre zusammen in Petersburg. Jetzt habe ich den Grafen allerdings schon längere Zeit nicht gesehen. Ich gedenke, bis Donnerstag in Marienbad zu bleiben, wo sich auch meine Schwester zur Kur aufhält. Donnerstag ab-end trete ich die Weiterreise nach Berlin an, und noch im Lause dieser Woche werde ich die Geschäfte dort übernehmen. Wann ich nach Bukarest fahre, um dort mein Abberufungsschreiben zu überreichen? Voraussichtlich im September; bann werde ich möglicherweise einige Tage in Wien bleiben." „Beabsichtigen Exzellenz bei dieser Gelegenheit auch eine Audienz beim Kaiser Franz Josef zu nehmen?" — „Das wird sich erst später entscheiden." „Es ist davon gesprochen worden, daß Exzellenz noch im Laufe dieses Jahres eine Zusammenkunft mit Iswolsky haben werden?" „Ich werde mit dem russischen Minister nicht zusammen- kommen. Es ist kein Anlaß dazu vorhanden, denn Freiherr v. Schoen hat schon eine Begegnung mit ihm gehabt. Auch mir Marchese San Giuliano werde ich nicht zusammentreffen, da der Reichskanzler mit ihm gesprochen hat. Es werden also feine weiteren Entrevuen in diesem Jahre stattfinden." Auf die Frage, wie der Staatssekretär die Lage auf dem Balkan und insbesondere die letzten Vorfälle in Mazedonien beurteile, die zu divlomatischen Schritten des bulgarischen Gesandten in Konstantinopel führten, erwiderte Kiderlen: „Ich war in den letzten Tagen in Bukarest anderweitig beschäftigt und konnte die politischen Ereignisse nicht eingehender verfolgen. Ich glaube, daß diese Vorgänge zu lokalen Erscheinungen gehören, die ohne ernste Folgen wieder zu verschwinden pflegen. Ich bin Übrigens, wie gesagt, im Augenblick nicht weiter über d-ie politische Lage orientiert, da ich erst in einigen Tagen die Geschäfte übernehmen werde." Auf seiner Weiterreise ist der Staatssekretär am1 Mittwoch früh 7 Uhr in Marienbad eingetroffen. Der Staatssekretär wohnt ccks Gast der Stadt Marienbad in her Villa „Luginsland^. Die Villa ist im Besitz der Stadt Marienbad, ein Vermächtnis des verstorbenen Dr. Hcklb- mayer. Sie ist in altdeutschem Stil erbaut, mitten im Park gelegen auf dem Wege zum „Bellevue" und hat auch vor einigen Jahren — allerdings nur eine Nacht — Kaiser Franz Josef beherbergt, als er zum Besuche des verstorbenem Königs Eduard hierhergekommen war. Als der Erblasser die Villa der Stadt vermachte, knüpfte er an dieses Vermächtnis die Bedingung, daß die Stadt sie nur an fürstliche Persönlichkeiten vermieten dürfe. Diese Bedingung hat die Stadt nicht zu erfüllen vermocht, denn die fürstlichen Mieter wollten sich nicht einstellen. Jetzt nimmt der deutsche Staatssekretär hier sein Absteigequartier. Um 10 Uhr begab sich der Staatssekretär zum Grasen Aehrenthal und verblieb zum Frühstück bei ihm. Herr v. Kiderlen-Wächter trifft am Freitag in Berlin ein und übernimmt feine Amtsgeschäfte. Herr v. Schoen reift an demselben Tage nach Berchtesgaden. Der Gesandte beim päpstlichen Stuhl v. Mühlberg ist in Berlin ein* getroffen. Wien, 27. Juli. Das „Fr e m den blatt" schreibt: Der Staatssekretär v. Kiderlen-Waechter ist heute zu einem Besuch beim Grafen v. Aehrenthal in Marienbad eingetroffatj Diesem Zusammentreffen dieser beiden Staatsmänner wird man nicht bloß die Bedeutung einer Höflichkeitsvisite und die eines freundschaftlichen Gedankenaustausches zwischen Diplomaten beilegen, die einander seit vielen Jahren kennen, und die an eine Vas Sojen in Berlin. Wir haben kürzlich die Ansichten Roosevelts über den angeblich erzieherischen Wert des Boxens wiedergegeben und der Meinung Ausdruck gegeben, daß diese „Kunst* in unserem Kulturprogramm nicht zu stehen brauche. Der Berliner „Lok.» Anz." macht nun einige Feststellungen, denen auch wir mit Interesse folgen können, wobei wir allerdings zu einem anderen Ergebnis gelangen, als der Mitarbeiter des Blattes, der sich die Berliner Boxerschule angesehen hat und u. a. also schreibt: Nun ist es aber Tatsache — und viele dürsten erstaunt sein, es zu hören — daß in Berlin nicht nur mehrere sogenannte Boxerschulen bestehen, sondern daß es in der Reichshaupt- stad t eine ganze Menge Menschen gibt, die durchaus gute Boxer sind. Und da ist es für die Entscheidung der Frage, ob das Boxen eine Brutalität oder ein gesunder, wohltuender Sport ist, von Interesse, sich einmal solch einen Boxklub naher anzusehen. Wie sehen die Leute aus, die den Drang in, sich Wen, boxen zu lernen? In Berlin W. ist eine solche Boxerschule. Ein Engländer deutscher Herkunst leitet sie. Joe Edwards ist der „Leichtgewicht- Champion von 1900". Also ein regelrecht professioneller Faustkämpfer: schlank, kultiviert, mit den Manieren eines Mannes der besten Stände; anscheinend 22 Jahre alt, tatsächlich 33. Ein Mann, den man für alles mögliche in der Welt halten würde; junger Bankbeamter, Rentierssohn, — alles mögliche. Nur nicht für einen professionellen Boxer — nach unseren landläufigen Begriffen. Aber sehen wir uns seine Schüler an. Abends zwischen acht und zehn. In der Parterrewohnung eines Hauses in Berlin W. ein großer Saal. Bilder von Faustkämpfern an den Wänden, eine Reihe Keiner Ankleide- garderoben, in der Ecke abgegrenzt eine Dusche. Und diese Conditio sine qua non des Boxingsaales: mehrere „P u n c h i n g - b a g s". Die Schüler sitzen oder stehen umher: einige „arbeiten ’ bereits an dm ,,Bags"; alle harren der Eröffnung der Stunde. Im ganzen haben sich heute, da es Sommer ist, nur acht Schuler eingestellt. Eine außerordentlich interessante Gesell- haupt gilt der Satz für das Boxen: Die beste Abwehr ist der — Gegen hieb! Nun weiter: „Time!" Und weiter geht's. Klatschend sausen die Hiebe auf Geficht und Körper. Aber diese Hiebe scheinen zu wirken wie erfrischende Massage; die Augen glänzen, blicken gespannt in die des Gegners. Sämtliche Muskeln im Körper spielen. Geschmeidige Bewegungen, künstlerische Stellungen entwickln sich. Da — einer hat den Boden berührt. Aber in der nächstens Sekunde ist er wieder auf den Beinen. Er lacht, die Zähne blitzen. H-eidi! los auf den andern. Und wieder prasseln die Hiebe. Und in den Fingern, den Muskeln des Zuschauers zuckt es. Mit hinein! Auch boxen! — Wo ein Sport um Geldes' willen ausgeübt wird, muß eine gewisse Brutalität sich ein- schleiiben. Auch unser großer Sport, das Pferderennen, tarnt/ brutal sein. Und die sogenannten „Fliegerrennen"? Und die Ringkämpfe? Wer aber diesen Männern — gebildeten; Männern — die an dem Abend da draußen in Berlin W. boxten, gesagt hätte, sie müßten aufhören, denn was sie da täten, sei brutal, der wäre — na, zum mindesten ausgelacht worden. Ein bißchen Begeisterung muß bei einem solchen Bericht ja sein, und der Berichterstatter wird ja nicht hmausgeboxt, sondern vielleicht gar freundlich und mitteilsam ausgenommen worden sein. Die gebildete Boxergesellschafj einschließlich des Bäckergesellen wollte etwas lesen. Uns deucht aber, das sachliche kurze Stimmungsbild über den Kampf, die freundliche Ermahnung, daß man nicht mit der Nasenspitze parieren dürfe, die schöne Wendung von der erfrischenden Massage werden das Verlangen: „Mit hinein, auch bo^en!* nicht zu einem allgemeinen machen. Man bewahre unS rechtzeitig davor, daß diese amerikanische Kunstpflanze auch noch in unsere Spezialitätentheater überführt wird! schäft, wie man sie in einer ähnlichen Mischung wo anderst kaum in einem Raume beisammen finden dürfte. Ein Mediziner, 35 Jahre alt; ein griechischer Rechtsstudent von 25 Jahren: ein dreißigjähriger Leutnant der Garde- Artillerie; ein Bäckergeselle; ein Groß kauf mann der Seidenbranche; ein „kleinerer" Warenhausbesitzer: ein achtzehnjähriger Jüngling der Hochschule und Dr. M. D., ein bekannter Kunstkenner. Der Bäckergeselle vertraut den anderen an, daß er Boxen lernt, weil er „während des Streiks mächtigeScuge gekriegt hälte". Merkwürdig, wie leicht der Mensch mit den Kleidern auch gleich das ganze Äeußerliche abstreift. Alle diese Männer im weißen Drillich mit nackten Armen und Beinen scheinen auch den Klassenunterschied, der sie sonst voneinander trennen würde, abgestreift zu haben. Ernstlich, eifrig sind sie bei der Arbeit, einander helfend, unterstützend. Vorläufig allerdings bekämpfen sie noch den schon erwähnten „Punchingbag". Das ist ein Ball, der einem luftgefüllten Fußball nicht unähnlich sieht und der in Manneshöhe von einer Deckenwand oder einem Ringe herabhangt. Auf diesen Ball nun „punched" oder schlägt sowohl der Lernende wie auch der Boxer selbst ein. Der Ball fliegt gegen die Deckenwand und prallt von Dort natürlich so schnell und gewaltig zurück, daß der Schüler schleunigst sich „ducken" oder zur Seite springen muß, um nicht ins Gelsicht getrosten zu werden, oder aber den Ball sehr schnell und mit voller Wucht wieder treffen muß. Wenn ein guter Boxer einen solchen Ball bearbeitet, dann hört es sich an wie niederprasselnder Regen. Hier üben die Schüler erst mal die verschiedenen Hiebe: den „graben Hieb", den „Seitenschwung" und den fürchterlichen „Haken", ein Hieb, der durch die Muskeln des Rückens ausgeführt wird, während die Armmuskeln — der Arm bildet dabei einen rechten Winkel — steif und gespannt bleiben. Endlich aber geht's zum Kampf. Zwei Schüler stehen sich gegenüber, riesige, dickgepolsterte Fausthandschuhe aus den Händen. „Time!" ruft der Lehrer. Die Hiebe prasseln. „Stop !" Kaum angefongen, müssen die beiden schon aufhören. „Mein Herr, wenn Sie die Hiebe mit der Nasenspitze parieren, dann setzt es noch Blut. Und Sie, mein Herr, merken Sie sich das: Man soll nie versuchen, das Gesicht eines ManneS zu treffen, der größer ist. Dann immer nur den Körper. Ist der Gegner aber schwerer, dann nicht angreifen, sondern aufmerksam abwarten, bis er sich eine Blöße gibt. Heber» — Orientierung in der Lustschi fsa h'rt. Man bittet uns Um Aufnahme der folgenden Notiz: Jedes Verkehrsmittel braucht seine Wegweiser. Die Schiffahrt wäre heute, wenn sie nicht zu den schwersten Katastrophen führen soll, ohne See- zeichm, ohne Baken, ohne Leuchttürme nickü mehr möglich. Der Fußgänger, derRadfahrer, das Automobil brauchen Wegzeichen. Auch die Luftschiffahrt hat sie nötig. Ein Luftfahrzeug, baS nirfü ander der frühere Hebertetiiftintmlrng brr Änschauungcn aitzuknühfen in der Laqe sind, sondern man wird, wenn auch keine aktuelle Frage Anlaß zu der Entretme in Marienbad gibt, doch deren Wert 'nicht unterschätzen. Besonders aber wird der Staatssekretär, seiner ganzen Laufbahn entjprechend, seine Auslassung in der Behand- •Iirng der Orientfragen zur Geltung zu bringen vermögen, also derjenigen Fragen, an welchen unsere auswärtige Politik -zumeist interessiert ist. .Herr v. Kiderlen-Wacchtcr ist einer der besten Kenner des europäischen Ostens. Als gewiegter Oricntpolitiker tritt daher der neue Staatssekretär den Berliner Posten an, bringt aber als eine markante Persönlichkeit, die man längst in ihm erkannt hate, auch in den weiteren Gesichtskreis des neuen Amtes eigene Gesichtspunkte mit. Tie Konscrcnzen dieses hervorragenden Diplonraten mit dem Grafen Aehrenthal werden sicherlich wertvoll sein. Eine gewisse Wesensähnlichkeit wird auch von den beiden Männern behauptet, die ihnen ein Zusammenarbeiten leicht und erwünscht machen muss. Unmittelbar wichtige Entschlüsse sind aller- diirgs in Marienbad nicht zu fassen. Die allgemeine politische Lage hat sich erfreulicherweise geklärt und beruhigt: namentlich Deutschlands Beziehungen zu den Weststaaten sind in der günstigsten Entwickelung, von der soeben erst die gehaltene bedeutsame Rede des Ministerpräsidenten Asquith über die F l o t t c n r ü stu n g e n Zeugnis gegeben hat. Ein günstiges Prognostikon darf man auch fiir die Balkan-Situation stellen. Die gemeinsame Auffassung der deutschen und österreichisch-ungarischen Politik, welche zu Ende des vorigen Sommers Lei. Bethmann- Hollwegs Antrittsbesuch in Wien fcstgcstellt wurde, hat keine Veränderung erfahren, weder bezüglich der Türkei noch .Kretas. Es liegt demnach für die verbündeten Kaisermächte kein Grund zu einer neuerlichen Stellungnahme vor. Die Lage der Türkei ist allerdings nicht frei von Schwierigkeiten. Das Werk der inneren Konsolidierung setzt sich aber, ungeachtet solcher Schivierig- kciten, die sich einerseits ^neuestens in Albanien und Mazedonien durch die Nationalitäten-Fragen, andererseits durch den bisweilen zu stark betonten türkischen Nationalismus ergaben, doch stetig durch. Oesterreich-Ungarn und das Deutsche Reich verfolgen diese Entwicklung mit vollen Sympathien für den türkischen Vcrsassungs- staat. Staatssekretär v. Kiderlen-Wächtcr wird sich mit dem Grafen Aehrenthal in solchen Anschauungen zweifellos begegnen. Die, heutige Zusammenkunft in Marienbad wird eine neue Bürgschaft daiür bieten, daß die auswärtige Politik der beiden Reiche in voller Uebcreinstimmung und in frischem Zuge miteinander geht. poliftfcbc Tagesschau. Das Wirtschaftsprogramm der neuen Kolonialleitung. Der Staatssekretär des Reichskolonialamts hat, wie wir bereits mitteilten, beschlossen, eine ständige Kommission zur Unterstützung der Kolonialverwaltung in wirtschaftlichen Fragen zu schaffen. Dieser Beschluß, mit dem v. Lindequist feilt neues Amt einleitet, ist mit großer Befriedigung $u begrüßen, da die in Aussicht genomürene Einrichtung die dauernde Fühlung^ zwischen Verwaltung und Praxis gewährleistet. Das Schreiben, das der Staatssekretär in der Angelegenheit unterm 25. an die Berliner Handcls- l' a nt in c r gerichtet hat, lautet wie folgt: „Die große Anzahl wirtschaftlicher Fragen und Ausgaben, die von der Kolonialverwaltung auf dem Gebiete des Handels und der Industrie zu lösen sind, läßt es mir erwünscht erscheinen, in steter Fühlung mit Männern des praktischen wirtschaftlichen Lebens zu sein, die besonders Sachkenntnis in ihrem Fache mit weitem Blicke lur das Wohl des Ganzen vereinigen. Das Zusammenarbeiten mit solchen berufenen Vertretern der lvirtschaftlichen Praxis erscheint mir der beste Weg, um die Entwicklung unserer Kolonien zu förberu und ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen mit den Bedürfnissen der heimischen Volkswirtschaft in Einklang zu bringen. Gewiß fällt der Privatinitiative, dem Flciße, der Tüchtigkeit uird der Kopitalkraft dcc> einzelnen Siedlers, Kaufmanns und Pflanzers die Hauptaufgabe zu, und nichts liegt mir ferner, als Für die geographische Erschließung wirkt in ähnlicher Weise bereits seit Jahren mit gutem Erfolg die landeskundliche Kommission, während fiir die rein landwirtschaftlichen Fragen mit dem Deutschen Landwirtschaftsrat und der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, insbesondere deren vor Jahresfrist gegründeten Kolonialabtcilnng, engere Fühlung genommen worden ist, die sich als sehr nützlich erwiesen hat. Ter Handelskammer wäre ich zu Dank verpflichtet, wenn sie aus ihrer Mitt." oder ihrem Bezirke mir zwei für die „Ständige Wirtschaftliche Kommission der Kolonialverwaltung" geeignete Herren wählen und mit der Erklärung, daß sie die Wahl genommen haben, gefälligst bald benennen würde. Die von Handelskammer Erwählten werden von mir zu Mitgliedern Kommission ernannt werden." Litte AbschiedLfeier fiir Herrn v. 5choen. Berlin, 27. Juli. Zur Abschiedsseier für den cheidenden Staatssekretär Freiherrn v. Schoen hatten sich heute abend die Beamten des Auswärtigen Amtes im großen Saale des Kaiserhofs zahlreich versammelt. Als Senior der Tafelrunde brachte der Direktor der Rechtsabteilung, Wirkl. Geheimerat v. FrantziuS, das Hoch auf den Kaiser auS. Er gedachte hierauf in längerer Rede der Verdienste des Freiherrn v. Schoen um die Entwickelung des seiner Leitung unterstellten Amtes. Freiherr v. Schoen dankte voll tiefer Bewegung und schloß mit einem Hoch auf die Zukunft des Auswärtigen Amtes. eine Bevormundung der wirtschaftlichen Tätigkeit in unseren Kolonien. Aber dieser, letzteren sind seitens der Verwaltung in den der .Kultur wenig erschlossenen kolonialen Gebieten in viel höherem Maße als in alten Kulturstaaten noch die Wege zu ebnen. Die von der Verwaltung zu schassenden Grundlagen für die wirtschaftliche Betätigung, wie beispielsweise Ausbau von Vertehrsstrasum aller Art, Ausdehnung der Geldwirtschaft, eine für die Schutzgebiete geeignete Regelung und Organisation des Kreditwesens, Nutzbarmachung der Eingeborenen für die wirtschaftliche und kulturelle Arbeit, Organisation des Arbeitsmarktes sind noch nicht vollendet, wenn auch bereits beachtenswerte Fortschritte erzielt wurden. Aber auch über diese gruirdlegenden Ausgaben hinaus hat die Kolonialverwaltung noch weitere für die .Kolonialwirtschaft zu erfüllen. Die Produktion selbst, die in entwickelteren Ländern in der Regel ihre eigenen Wege geht, ist zunächst noch mit Rat und Tat zu unterstützen durch Einrichtungen, welche die Kräfte des Einzelnen übersteigen. Die Verwaltung wird hier zunächst richtunggebend sein müssen, und dies umsomehr, wenn sic die bezeichnete Aufgabe, die Kolonien in Ucbercinstimmung mit den Bedürfnissen der deutschen Volkswirtschaft zu entwickeln, erfüllen >vill. Es sei hier nur an die Produktion der Kolonialwaren und der für die deutsche Industrie notwendigen Rohstoffe, wie Wolle, Baumwolle usw., erinnert, bezüglich deren auch weiter auf die parallel laufende Tätigkeit des verdienstvollen Kolonialwirtschaftlichen Komitees gerechnet wird. Dazu kommen ferner Fragen des Finanz- und Zollwesens. Bei der Lösung dieser Aufgaben können sachverständige Fach- leute aus dem praktischen wirtschaftlichen Leben mit reichen Kenntnissen und Erfahrungen in ihrem Geschäftsbereiche die Kolonial- verwaltung in hohem Maße unterstützen. Aus vorstehenden Erwägungen beabsichtige ich, eine ständige Kommission zur Unterstützung der Kolonialverwaltung in wirtschaftlichen Fragen der gekennzeichneten Art zn sckiafsen. Es ist beabsichtigt, die Konrmission von Zeit zu Zeit zn gemeinsamen Sitzungen unter dem Vorsitze des Staatssekretärs einzuberufen, auch in einzelnen Fällen Gutachten von den Mitgliedern zu er- bitten. Lin neuer „König von Montenegro". Der römische Korrespondent der „Moruing Post" sagt, daß nunmehr and), nicht der geringste Zweifel darüber mehr 'bestehen könne, daß der,F ü r st v o n Montenegro dem Drängen nachgeben und den Königstitel annehmen werde, und -zwar im Laufe des nächsten Monats. Der »Korrespondent erfährt aber, daß der Fürst die Krone mehr als Qtncn Tribut an seine eigene Person und als eine Anerkennung seiner besonderen Stellung als Doyen unter den Vatkanfürsten ansieht, und nicht als eine Bestätigung der Theorie, daß Montenegro der erste serbische Staat sei. Daher sei auch keine Rede davon, daß der Titel König von Senta von ihm gewählt werden würde. Derselbe Korrespondent hört, daß das Ministerium Tomanovitch gleich nach den Festlichkeiten im nächsten Monat zurücktreten werde, und zwar aus drei Gründen: Erstens weil der Premierminister gegen die Annahme des Königstitels ist, zweitens weil die politischen Gegner, die gegenwärtig wegen der angeblichen Beteiligung an der Verschwörung gegen den Prinzen Nicholas im Gefängnis sitzen, mit in die Amnestie einbegriffen werden sollen und drittens weil man in einem kleinen Lande wie Montenegro der Ansicht sei, daß ein Ministerium, das drei Jahre nm Ruder war, einem anderen Platz machen müsse. Das neue persische Kabinett. Zu der Neubildung des persischen Kabinetts tele- araphiert der Vertreter der „Times" in Teheran, daß mit Ausnahme des Premiers Mustaif el Mamalik und des Ministers des Innern Firman Firma keiner der neuen .Herren bisher einem persischen Ministerium angehürte. Huessein Kuli Khan Nawab war eine Zeitlang Sekretär der persischen Gesandtschaft in London. Er spielte eine hervorragende Rolle in der nationalistischen Bewegung und war einer der ührenden Geister der revolutionären Regierung des vorigen Jahres. Dabir El Mulk ist Justizminister geworden, und Kavam es Sultaneh Kriegsminister. Der erstere war bisher Unterstaatsselretär im Ministerium des Innern und der andere Unterstaatsselretär im Kriegsministerium. Hakim et -Vtutf, der Finanzminister, ist ein Mitglied des Parlaments ebenso wie Assad Ulla Mirza, der Minister für Posten und Telegraphen. Der letztere richtete kürzlich einen sehr charfcn Angriff auf die Regierung, der er vorwarf, die Vorschläge der ausländischen Berater der Regierung nicht genügend berücksichtigt zu haben. Der Korrespondent'meint, es sei unter den Umständen schwer zu jagen, ob dieses neue Kabinett sich als besser als das vorige erweisen werde. Der Erfolg des neuen Kabinetts werde zweifellos davon abhängen, wie es demselben gelinge, die finanzielle Frage z.u lösen. weiß, wo cs sich befindet, ist irr der schwierigsten Lage. Es kann auf die See, über die Grenze, in Gebirge uird Sümpfe verschlagen werden, wenn es nicht halb gelingt, die Orientierung wieder zu gewinnen. Wie schwer bas ist, weiß jeder praktische Luftschifscr. lieber dem flachen Lande, wo nicht Flüsse und Eisenbahnen Anhaltspunkte geben, wo aber bewohnte Dörfer und Gehöfte in Menge vorhanden sind, mit denen man sich jedoch durch Zuruf wegen des Motorgcräusches nicht verständigen kann, oder über großen Wäldern, wo man ein einsames Forsthaus antrifjt, dessen Lage aus den gleichen Gründen nicht scstzustellcn ist, ut der Luftschiffer hilflos, sobald die Orientierung wegen Fahrt in Wolken einmal auf längere Zeit verloren gegangen ist. Hier setzt nun das Orienti-'rungsfvstcm des Direktors des Kaiserlichen Aero-Klubs Rittmeisters von Frankenbcrg ein, das nunmehr praktisch ausgeführt ist und an dessen Ausbreitung jeder mitarbcUeii kann. Jede Provinz hat ein Zeichen, eine Zahl und ebenso jeder Ort einen Buchstaben, so daß mit Hilfe des Siynalbuches sofort, wenn beispielsweise eilt einsames ForsthauS neficbtet wird, festgestellt werden kann, wo der Luftschifscr sich befindet Z. B. findet sich auf dem Dache der Schütte-Lanzschen Luftschiffahrt in Rheinau bei Mannheim das Zeichen: 49 a i Mit der Anbringung solcher Zeichen in der Weise, daß sic gut von oben gelesen werden können unb in der Nacht beleuchtet sind, kann sich jeder das größte Verdienst um das neue Verkehrsmittel erwerben. Z. B. kann jeder Hausbesitzer bei Neubauten ober Dachreparaturen auf dem Dache ohne jede Kosten andersfarbige Ziegel, wie dies ja jetzt auch schon bidfad) geschieht, einleg en lasten, jn dem Pflaster von besonders ausfallenben Plätzen können Gemeinden das Zeichen einpflastern lassen usw. Es bietet sich eine unendliche Möglichkeit, ohne jede besondere Aufwendung von Mitteln lwlfend einzugreifen. Welches Zeichen für jeden Ort auf gestellt ist, ist aus dem Signalbuch, erschienen unter dem Titel: Orreiiüerungs-Tafeln fih Luftschiffahrt, System von Franken berg, Vereinigte Verlagsanstalten Gustav Braunbcck & Gutenberg- Druckern Aktien^sesellschaft, Berlin W. 35, zu ersehen. Nähere Auskunft erteilt gern Rittmeister von Frankenberg, Berlin W, Nolleitdorsplatz. Kaiserlicher Aero-Klub. ., . o dins Landschaft. August Rodin ist seine Landschaft gestol'len worden. Glicht etwa ein Kunstwerk, das der berühmte Bildhauer in feinen Mußestunden gemalt hätte, sondern biß wundervolle Aussicht, die die Hand der Natur rund um seine Villa in Mcudon-Elamart geschaffen hat. Der Fleck Erde, den sich der Meister für seinen Wohnsitz und sein Atelier ausgewählt hatte, ist eine der malerischsten in der ganzen llmgegoird von Paris. Von seinem Garten aus hatte er den herrlichsten Blick aus ein Tal, durch das die Seine ihren grünnmbuschten Pfad schlingt und hinter dem der Mont Valerien im Nebelduft aufragt. Die re lüfte Freude, die beste Erholung, die schönste Anregung zu neuevi Schaffen bot ihm dies wundervolle Natnrbild, von dem er sich nicht träumen ließ, daß es ihm eines Tages gestohlen werden könne. Aber eines Morgens sah er eine Anzahl Arbeiter auf dem Grundstück graben, das gerade vor dem seinen liegt. Dann kam eine Menge Maurer, und es dauerte nicht lange, da erhob sich eine solide Mauer, die sich als ein gewaltiger Zaun bon einigen 100 Fuß Länge und etwa 70 Fuß Höhe darstellte. Was bedeutete dies wunderliche, furchtbare Bauwerk, das ihm auf emmal den Blick in Gottes freie Natur abschnitt und ihn wie hinter Kerkermauern schmachten ließ? Nun, es war einfach ein riesiges Reklameschild, ^aus dem einige findige Fabrikanten ihre neuesten, weltbeglückenden Erzeugnisse in möglichst großer Schrift möglichst weithin über das Land allen Augen sichtbar machen wollten. Rodin war außer sich. Er wandte sich an den Gemeinderat von Meudon und bat, diese unerhörte Verschimpfierung der Landschaft zu verbieten. Der Gemeinderat hielt eine Sitzung: die Bewohner von Meudon veranstalteten eine Versammlung, in der sie Protest gegen diese Reklamemauer einlegten. Ob aber alle diese Beschlüsse von Erfolg begleitet sein werden, ist noch fraglich. Rodin hat ledenfalls noch einen anderen Schritt getan; er ist Mitglied des Vereins zum Schutze der Schönheit der Landschaft geworden und hofft nun auf Erlösung seiner Pein durch diese mächtige und einflußreiche Gesellschaft. — Kurze Nachrichten au- Kunst ».Wissenschaft. > e r I) a r t H a u p t m a n n teilte dem Gemcindevorftand von Agnetendorf mit, baß er die bestimmte Absicht habe, seinen bisherigen Wohnsitz Agnetenbon zum 1. Oktober b. I. vollstänbig aufzugeben Der Dichter gebenkt, entweber sich im Grunewalb oder an der Riviera dauernd nieberzulassen. Der Weggang Hauptmanns von Agneteiiborf wird von der Gemeinde auf das herzlichste bebauert. Nach Gerhart Hauptmann wurde übrigens kömgäberg eine neue Straße in der Villenkolonie Oberteich-Maraunenhof benannt. Aus dem englischen Unterhause. London, 27. Juli. Im Unterhaus erklärte Premierminister Asquith bei der zweiten Lesung der Gesetzesvorlage, betreffend die Erklärung bei der Thronbesteigung, die Vorlage sei nicht zu Parteizwecken cingcbracht, sondern nur zu dem Zwecke, den König von der Notwendigkeit zu entlasten, beim Beginn seiner Regierung in der Oeffeiltlichkeit eine Erklärung abzugebcn, welche für Millionen seiner lopalen Untertanen kränkend sein würde. Die Regierung habe sich gesagt, daß jeder Vorschlag zu einer Acnderung der Erklärung unvermeidlich Anlaß zu erheblichen Mißverständnissen und zur Opposition geben würde. Asquith besprach alsdann die Einwürfe, die davon ausgchen, daß die voracschlagene Erklärung die protestantische Thronfolge nicht ausreichend zu sichern vermöge und ebenso die gegen den von bet Regierung vorgeschlagenen Wortlaut erhobenen Bedenken: Die protestantische Thronfolge sei durch die Gesetzgebung von 1689 vollkommen sichergestellt. Die ErNärung bei der Thronbesteigung bedeute an sich tatsächlich teilte Sicherung, und der Vorschlag, sie abzuschaffen, würde jedoch einen ernsten Widerstand Hervorrufen. Er gebe zu, daß die in dem vorgescblagenen Wortlaut erhobenen Einwände nicht ohne Gewicht seien und beantrage daher folgende Abänderung des Wortlauts an Stelle desjenigen der Gesetzesvorlage: Der Souverän solle sich feierlich selbst als getreuen Protestanten bekennen und versprechen, nach seinen besten Kräften die Gesetze zu halten und aufrecht zu erhalten, welche die protestantische Thronfolge als einzig mögliche sichcrftellen. Asquith kündigte sodann an, daß er am Freitag eine Erklärung über die Vetokonferenz abgeben werde. R o b e r t e s (liberal) beantragte die Ablehnung des Gesetzentwurfes bctreffeitb die Erklärung bei der Thronbesteigung. Ballon r erklärte, er könne nicht einsehen, wie die protestantische Thronfolge dadurch gefährdet werben könne, daß der König sich als getreuen Protestanten erkläre, während er sich die Freiheit der Aktion Vorbehalte; er würde dem Vorschlag nicht entgegen-, treten, den Asquith heute gemacht habe. Der Chefsekretär für Irland gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß eine Form für die Erklärung gefunden sei, welche die protestantische Thronfolge vollauf sichere und dabei keine religiöse Gemeinschaft verletze. Der Antrag auf Z u r ü ck w e i s u n g des Gesetzentwurfs wurde sodann mit 410 gegen 84 Stimmen abgelehnt und die Bill zum zweiten Male gelesen. Deutsches Reich. Ein neuer Militär-Flugapparat der bekannten Automobil-Firma Dion-Bouton wird in den nächsten Tagen den Abgeordneten des französischen Kriegs- Ministeriums vorgefüyrt werden. Der Apparat erhält eine Tragfläche von 90 Metern und ist mit zwei Holzschrauben ausgerüstet, die die Maximal-Geschwind-igkeit von 300 bis 400 Umdrehungen erreichen. Der Motor wird aus z-wei Gruppen von vier Zylindern bestehen und eine Kraft von 90 HP entfalten, daher ziemlich schwer sein. Ein besonderes System soll bei Unfällen einen langsamen Gleitfluc; ermöglichen, der Zeit ließe, einen Landungspunkt im Umkreise von zwanzig Kilometern zu wählen. Zwei Passagiere sollen mit ihm 600 bis 700 Kilometer in den Lüften bleiben können. Er ist auch dazu bestimmt, außer Explosivstoffen ein Maschinengewehr an Bord zu nehmen. Man erklärt bereits, daß beim Gelingen der Proben dieses Flugapparats die Lenlballons für Kriegszwecke ein überwundener Standpunkt sein werden. Das Wolff'sche Bureau schreibt: Durch einen Teil der Presse geht die Nachricht: Vor einigen Tagen fand auf der Kieler Föhrde an Bord des großen Kreuzers „Blücher" eine M e u t e r e i statt. Die Nachricht ist erfunden. Das Schiff verließ am 12. Juli Kiel und befindet sich zurzeit im Verbände der Hochseeflotte in -en norwegischen Gewässern. Aus Braunschweig wird gemeldet: Der Herzogregent und die Herzogin sind Mittwoch mittag nach siebenmonatiger Abwesenheit hier eingetroffen und von den Spitzen der Behörden feierlich empfangen worden. Das Publikum bereitete den Heimgetehrten einen herzlichen Empfang. Aus Lissabon wirb amtlich gemclbet: Die Portugiesen nahmen bisher 14 Piraten gefangen und befreiten fünf Frauen uitb drei Kinbcr, die auf der Jnfel Koloman gefangen gehalten worben waren. Ans 5taöt nn- Land. Gießen, 28. Juli 1910. Titelverleihung. Der Groß Herzog hat dem Rechner der Spar- und Leihkasfe zn Alsfeld Gg. Karl Weber den Charakter als „Rendant" erteilt. ** Hessische Dreimarkstücke. Die neugeprägten hessischen Dreimarkstücke mit dem Bildnisse des Groß- Her z o g s Ernst Ludwig sind nunmehr zur Ausgabe gelangt. ** Aus dem M ili t är w o ch en b la tt. Jlse^ Oberst und Chef des Generalstabes >des 18. Armeekorvs, zum Kommandeur des Niedersächs. Fußart.-Regts. Nr. 10, von Hofacker, Württemberg. Oberst, kommandiert nach Preußen, bisher Kommandeur des lllanen-Regts. König Wilhelm I. (2. Württ.) Nr. 20, dem Generalstab der Armee überwiesen und zum Chef desiGeneralstabes des 18. Armeekorps ernannt. Zur Dienstleistung kommandiert Frhr. von Hammer st ein--Equord, Oberstleutnant im 1. Garderegiment zu Fuß und Militärattache bei der Botschaft in Rom, vom 2. bis 22. September 1910 zur Hess. (25.) Div., v. Struensee im Gren.-Regt. König Friedrich Wilhelm IV. (1. Ponnn.) dir. 2, mit Patent vom 19. August 1900 in das Jns.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, Balthasar im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, mit Patent vom 17. Mai 1901 in das Jnf.-Regt. Prinz Moritz von Anhalt-Dessau (5. Pomm.) Nr. 42, Hauvti inann Trupp im Jnf.-Leibregt. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, Lichtschlag, Hauptmann und Berwaltungs- mitglied bei der Art.-Werkftatt in Lippstadt, zur Pulverfabrik bei .Hanau, Heinrichs, Hauptnr und Verwalt.- Mitglied bei der Pulverfabrik bei Hanau, zur Jnsp. der technischen Institute der Art. — verseht. — Der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt: Oberleutnant Anger im Jnf.^Regt. Prinz Carl (4. Hess.) Nr. 118 mit der Erlaubnis zum Tragen der Regts.-Uniform. — Zu Oberärzten befördert die Assistenzärzte b. Res. Dr. Weckerling (II Darmstadt), Dr. K e 11 n e r, Dr. W a l l e n st e i n uno Klein (Mainz), zic Assistenzärzten befördert die Unterärzte der Reserve Dr. Klein (Gießen) und Dr. Ebner (Mainz). Zum Oberveterinär befördert Veterinär Dr. Kr a - nich beim Garde-Drag.-Megt. (1. Hess.) Nr. 23. Oberveterinär Karsted t. beim Großh. Artilleriekorps, 1. Hess. Feldart.-Regt. Nr. 25, zum Ulau.-Regt. Großherzog Friedrich von Baden (Rhein.) Nr. 7 versetzt. — Befördert Gr. v. Hardenberg (Torgau), Lt. der Res. des Leib.-Drag.- Regts. (2. Hess.) Nr. 24, zum Oberleutnant, Bizefeldwebel Dörbecker (Marburg) zum Leutnant der Landwehr-Infanterie 1. Aufgebots, die Leutnants Hein (Wiesbaden), Moench (I Darmstadt) der Res. des Hess. Traiu-Bats. Nr. 18, Schönberger (Mainz) der Landw.-Jnf. 1. Auf- gebob5 zu Oberleutnants. — Angestettt: Pennrich «Mainz), Lt. a. D., zuletzt im damal. Füs.-Regt. von Gers-- borff (Hess.) Nr. 80, als £t. mit Patent vom 19. Juni 1901 bei den Offizieren der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots. — Ter Abschied bewilligt: Jacobi (I Darmstadt), Oberlt. der Landw.-Feldart. 2. Aufgebots, Richrath (I Darmstadt), Lt. der Landw.-Fußart. 2. Aufgebots. ** Geldautomaten sind Glücksspiele. In der letzten Zeit bat die Polizei in Offenbach, Mainz, Gießen und anderen Orten die modernen Spielhöllen kurzerhand zugemacht. Daß infolgedessen die neue Landplage in kurzer Zeit verschwunden sein wird, kann kaum bezweifelt werden. Ein äußerst interessantes Urteil in der Sache wurde Mitte März dieses Jahres in Zweibrücken (Pfalz) gefällt. Nicht weniger als 1 03 Angeklagte standen vor der dortigen Strafkammer, vier Automatenhändler, die übrigen Wirte. Es war die prinzipielle Frage zu entscheiden, ob die bekannten Automate Glückspiele und demnach verboten sind oder ob es sich um Spiele handelt, bei denen die Geschicklichkeit beim Gewinnen oder Verlieren ausschlaggebend ist. Die .Händler, die ihre Automaten in den Wirtschaften ausgestellt hatten, wurden als die Veranstalter des verbotenen und gewerbsmäßigen Glückspiels, als das es die Staatsanwaltschaft äussaßte, angesehen, die Wirte waren der Beihilfe angeklagt, weil sie die Lokale zur Verfügung stellten. Als Sachverständiger fungierte Prof. D. Kockel, der Leiter des Jnsrituts für gericht- Uche Medizin m Leipzig. Sein Gutachten ging dahin, daß es sich bei den Automaten, bei denen gewonnen wird, wenn das Geldstück in ein bestimmtes Fach hüpft, und verloren, wenn es, wie gewöhnlich, m einen „toten Gang" gerät, nicht um Geschicklichkeit, sondern um Zufall handle. Damit war die Frage entschieden und die Veranstalter mußten bestraft werden. Das Gericht erkannte gegen die vier Händler auf je einen Tag Gefängnis. Die Wirte mußten dagegen freigesprochen werden, da ihnen das Gegenteil ihre'- Behauptung nicht nachzuweisen war, wonach sie der Meinung waren es handle sich um Geschicklichkeitsapvarate. Diese Entschuldigung wird für sie natürlich in Zukunft nicht mehr gelten und den Händlern nutzte sie schon damals nichts, weil sie infolge ihres Berufs mit der Natur ihrer Objekte vertraut sein müssen. Es handelte sich um die Systeme Hansa, Goldene Elfe, Elite, Helvetia, Viktoria Komet, Trabant, Gloria und Minerva, lauter Namen, die auch die nun in Hessen gebräuchlichen Apparate tragen. Im übrigen spült der Name keine Rolle. Zu betonen ist dabei, daß dem Gericht nicht ein etwa besonders geschickter Spieler maßgebend ist, der immerhin derartige Apparate zu seinem Vorteil zu'handhaben verstehen mag, sondern der gewöhnliche Gast, auf den es ja auch abgesehen ist. In diesem Sinne hat man in Zweibrücken entschieden. — Daubrinqen. 27 Juli. Heute beging der bei der Firma Karl Emmelius, Gießen, beschäftigte Herr Hch. Wagenbach sein 2 5jähGgeS Jubiläum als Betriebsführer der Filiale Sanbringen. Seit einigen Jahren ist Herr Wagenbach der dritte Betriebssührer der Firma, der sein Jubiläum feiert. L. Fri e dberg, 27. Juli. Auf Anordnung der Behörde wurde heute mittag der hier bestehende Spiel-Automat, dessen Unternehmer auch in Offenbach und Mainz solche Geldspiel-Automaten aiifgefteGt hatte, geschlossen. Hier war er 3 Wochen in Tätigkeit. R. B. Höchst i. O., 27. Juli. Vergangene Nacht wurde in die Diensträume des Am t s g e r ich t s g e b ä u d e s ein gebrochen. Heute finden Nachforschungen durch Kriminalkommissar Daniel mit einem Polizeihund statt. Es ist dies innerhalb weniger Wochen der dritte derartige Einbruch in Höchst, wozu noch verschiedene in der unmittelbaren Umgebung kommen. Der erste Einbruch erfolgte im Hause des auf Urlaub befindlichen Forstmeisters und der zweite bei dem Wirt und Metzger Stockum. Tie Einbrecher erbrachen verschiedene Behältnisse, sotten aber nichts von besonderem Wert gefunden haben, da die Gelder unter sicherem Verschluß ausbewahrt werden. Der im Hause wohnende Oberamtsrichtcr Seibert und seine Familie, die über den Dienstränmen im Anrtsgerichtsgebäude wohnen, haben nichts auffälliges bemerkt. — Von anderer Seite wird noch dazu berichtet: Ms der Tat verdächtig wurden festgenommcn: Ter Steinhauer Georg Ehmiq, 35 Jahre alt, verheiratet, und wegen Wilddieberei vorbestraft und noch nicht lange in Freiheit, sowie der ebenfalls wegen Wilddieberei bestrafte Wilh. Rummel, ledig, etwa 28 Jabre alt. Ferner wurde als dringend mitverdächtig der L. Wolf verhaftet, der wegen Verdacht, den Einbruch im Gasthaus verübt zu haben, festgenommen war, aber wieder freigelassen werden mußte. Die hinterlassenen Spuren tsowie das Verhalten des Polizeihundes gegenüber den Tätern, lassen darauf schließen, daß man die gefährlichen Gesellen, die noch einige Genossen haben dürften, endlich erwischt hat. X. Hanau, 28. Juli. (Tel.) Infolge eines AuS- standes der Stra ß en b a hn b ed ie n st e ten ruht heute der gesamte Straßenbahnverkehr. Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters finden Einigungsverhandlungen statt. Die Niederdeutsche Sank in Konfurs. Die Niederdeutsche Bank ist nunmehr ihrem Schicksal erlegen. Ter Konkurs ist bereits verhängt und der persönlich hastende Direktor der Bank, Ohm, ist heute auf Antrag des Untersuchungsrichters verh aftet worden. Damit ist die mit vielen Mühen angestrebte Hilfsaktion seitens der Banken in die Versenkung gefallen; nicht nur die Aktionäre gehen infolgcdejsen gänzlich leer aus, sondern auch die Gläubiger dürften den größten Teil ihrer Forderungen einbüßen. Es wird aus Dortmund gemeldet: Dortmund, 27. Juli. Es erregte nicht geringes Aussehen in der Stadt, als heute, morgcn^Polizeibeamte das Gebäude der Niederdeutschen Bank besetzten. Schon am Sonntag waren die Bücher beschlagnahmt worden, da der dringende Verdacht der Bilanzverschleierung vorlag. Das Aktienkapital des Institutes beträgt 12 Millionen Mark, die Verbindlichkeiten weit über 50 Millionen. Die Höhe der Aktiven konnte bisher noch nicht genau festgestellt werden und die Prüfung dürfte noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Doch ist »5, so schreibt die „Nationalztg.", sicher, daß die Einleger nm einen großen Teil ihrer Depositen kommen und auch die Aufstchtsratsmitglieder dürften ihres Vermögens fast gänzlich verlustig gehen. Durch den Zusammenbruch des Institutes sind folgende Städte, in welchen die Bank Filialen unterhielt, besonders betroffen: Bedburg, Brandenburg, Hamburg, Horrem, Paderborn, Münster t. W., Hannover, Gelsenkirchen, Essen-Ruhr, Hoerde, Emden, Osnabrück, Kloppenburg, Melle, Bramsche, Coesfeld, Velde, Bremerhaven, Göttingen, Burgsteinfurt, Emsdetten, Lehrte, Lüdinghausen, Bremervörde, Godesberg und Warendorf. Dazu kommen die Agenturen in Bentheim und Lehrte und die Sommeragenturen in Norderney und Borkum. * Das bekannte Neichstagsmitglied v. Oldenburg - I a n u s ch a u hat, wie der „Konfektionär" mitteilt, das dem Rittergutsbesitzer Lenz gehörige Rittergut Lichterfelde bei Eberswalde zum Preise von V/2 Millionen Mark angekauft. Der Besitz hat eine Größe von etwa 4000 Morgen und grenzt an das königliche Jagdrevier Schorfheide-Hubertusstock. * D i e H a m b u r g - A m e r i k a - L i n i e hat die Werft Blohm und Voß mit dem Bau eines großen, nach dem System der Dieselmotoren betriebenen Schiffes beauftragt, welches für die Fahrt zwischen Hamburg, Neuyork und Philadelphia bestimmt ist und zwischen 8000 und 9000 Tonnen Ladung nimmt. Der Abschluß erfolgte auf Grund eines vorher zwischen der Hamburg- Amerika-Linie und der Standard-Oil-Companie geschlossenen Vertrages, wonach diese das für den Betrieb des Motorschiffes nötige Petroleum liefert. Das Motorschiff soll eine Geschwindigkeit von 1272 Meilen erhalten. Kleine TageSchronik. Die ,,H o h c n z o l l e r n" mit dem Kaiser ist am Dienstag vormittag in Bergen eingetroffen. Aus Metz, 27. Juli, wird gemeldet: Nachdem der starke Wind der letzten Tage sich etwas gelegt hatte, ist „Z. 1" heute, vormittag 9,20 Uhr aufgestiegen und hat über Metz und Umgegend manövriert. Gegen 10 Uhr 35 Mm. landete das Luftschiff wieder. Um 10,14 Uhr^ war auch „M. 2" aufgestiegen, der kurze Zeit im Osten der Stadt kreuzte. Die Blätter melden aus Stegen bei Gruneck: Hier brach bei heftigem Ostwind Großfeuer aus, das fünf Wohnhäuser samt allen Nebengebäuden in Asche legte. Der Schaden ist bedeutend. Die gesamte Ernte verbrannte. Das Feuer entstand dnrfch spielende Kinder. Aus Leipzig wird gemeldet: Vor einigen Tagen wurden von der hiesigen Kriminalpolizei der 29 jährige Arbeiter Friedr. Koppius und sein 22 jähriger Bruder Fritz Koppius verhaftet; sie sandten dem Inhaber der Firma I. I. Weber Erpresserbriefe, die die Unterschrift „Argus R." trugen. Da noch andere belastende Momente bei den angestellten Untersuchungen zutage kamen, wird geglaubt, der Aufklärung der F r i e d r i ch's ch e n M o r d a n g e 1 e g e n h e i t auf der Spur zu sein, die im .Dezember 1908 viel besprochen wurde. Aus O f e n p e st meldet man: Durch die Ueberschwem- mung wurde besonders das siebenbürgische Komitat Szolnvk- Doboka betroffen; viele Orte sind vollständig vom Verkehr abgeschnitten, so daß die Zahl der Ertrunkenen weit größer sein wird als 25, wie amtlich angegeben wurde. In Deesl sind mehrere Personen in ihren Wohnräumen ertrunken. Aus Toulon meldet man: Ein großer Waldbrand, der bedeutende Verluste verursacht, wütet seit Dienstag auf dem Gebiet der Gemeinde Baudot (Departement Var) an der Küste. Die Seepräsektur schickte Truppenabteilungen zur Hilfe, doch konnte das Feuer infolge des starken Windes noch nicht gelöscht werden. Die Ausdehnung des Brandes beträgt über zwei Kilometer. Auch bei Marseille ist in den Waldungen von Carry und Saurset ein bedeutender Waldbrand aus geb roch en, der sich etwa über hundert Hektaren erftreckL Märkte. fc. Frankfurt a.M. Vi e y yoM a rk 1 bericht vom 28. Juli, Auftrieb: ‘20 Ochsen, 1 Bulle, 50 Kühe, 723 Kalber, 109 Schafe, 1088 Schweine, 4 Ziegen. Tendenz: Kälber abgesetzt, Schafe ruhig, Schweine aus-- verkauft. Preis vro 100Pfd. Lebend- Schlachtgewicht Kälber. Mk. Ml. feinste Mast-(Vollmilchmaft) u. beste Saugkälber 59—64 98—106 Mittlers Mast- und gute Saugkälber .... 53—58 90-96 Geringere Saugkälber......... 50—52 84—88 Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthammel . . ♦ 36—37 78—80 Schweine. Pollsteifchige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht ........ 56.00 — 57.00 70.00—71.00 Volstlenclnge Schweine über 2'/, Zentner Letzendgeivicht ........55.00-57.00 70.00-72.00 Felljchweme über 3 Ztr.Lebendgew. . 55.50—57.50 71.00—73.00 Fleischige Schweine.......53.00—54.50 68.00—70.00 Verlauf der Witterung seit gestern früh: Tas südwestliche Hochdruckgebiet ist ostwärts geiuaubert und hat sich über ganz Vtorb- und Südeuropa ausgedehnt. Demgemäß ist die Aufheiterung voii längerem Bestaiid. Bei östlicheiii Winde slergen heute vormittag die Temveraturen inieber an. Tie westliche Zyklone dringt, wenn auch langiam, vor und bringt morgen Trübung und Regen., Wetteraussichten in Hessen am Freitag deiil 29. Jiili 1910: Wolkig und geringer Regen, strichweise Gewitter, rnarm. Köln, 27. Juli. Der „Kölnischen Zeitung" wird aus Berlin telegraphiert: Italienische Blätter meldeten, Italien trage sich mit A b r Ü st il n g s p l ä n e n, werde aber darin von Deutschland gehindert. Man kann annehmen, daß Italien mit derartigen Vorschlägen nicht an Deutschland herantrat und daß dieses daher auch nicht Gelegenheit hatte, zu ihnen irgendwie Stellung zu nehmen. B a d O e y n h au s c n, 28. Juli. Bei einem gestern abend von der Kurverwaltung veranstalteten Feuerwerk sprang ein Feuerwerkskörper in den Behälter, in dem die übrigen Feuerwerkskörper: aufbewahrt wurden. Es entstand eine Explosion, durch die eine Fran getötet und drei weitere Personen! schwer verletzt wurden. Mannheim, 28. Juli. Gestern abend 10^ Uhr entstand in der badischen Anilin- und Sodafabrik zu Ludivigshafen Groß feuer. In einem Fabrikationsgebäude entstand infolge einer Explosion ein Brand, der in kurzer Zeit das Gebäude völlig vernichtete. Menschen kamen nicht zu Schaden. Aschaffenburg, 28. Juli. Am Büchelberg rmirbe die Leiche einer etwa 30- 40 Jahre alten Frau geftinden, die mehrere Schilßwunden im Hinterkopf hatte. Die Personalien der Toten konnten noch nicht festgestellt iverden. Die Leiche lag an derselben Stelle, an der vor einigen Jahren die Telephonistin Haas ermordet worden ist. Colmar, 28. Juli. Rittmeister T a e ß l e r vom 14. Dragonerregiment hat stich infolge mißlicher Vermögensverhältnisse geftent mittag erschossen. Bitterfeld, 28. Juli. Gestern abenb 10 Uhr machte der nenerbaute Luftkreuzer P. 6 unter Oberleutnant Stelling einen Probeflug. Nach 20 Minuten Fahrt bis zu 250 Meter Höhe erfolgte glatt die Landung. Paris, 27. Juli. Im Prozesse gegen Rochette und Genossen wurde das Urteil gefällt. Es lautet gegen Rochette auf zwei Jahre Gefängnis und 3000 Fres. Geldstrafe, gegen Leeacheus auf vier Monate Gefängnis und 1000 Fres. Geldstrafe, gegen Erevceoeur und Demayer auf 5000 Fres. Geldstrafe und gegen Eapdeville auf 2000- Francs Geldstrafe. Paris, 28. Juli. Die Handelskammer in Rheims hat bei der Regierung Widerspruch gegen bic Erhöhung der deutschen Zölle aus Wein usw. erhoben. vom Sterbehaus in Krofdorf aus statt. 4112 Laubach, 27. Juli 1910. Lieh, 4110 Die Beerdigung findet Freitagden29. Juli, nachmittags3i/J Uhr statt. nach Alter Krofdorf, 27. Juli 1910. Die Beerdigung findet Samstag den 30. Juli, nachmittags 3 Uhr, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden im von 7 1 Jahren zu sich zu rufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Ludwig. Nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertragenem Leiden ist uns heute morgen um 8 Uhr unser guter, hoffnungsvoller Sohn, Bruder und Enkel stuck, med. Heinrich Rinn im 21. Lebensjahr durch einen sanften Tod entrissen worden. Im Namen der tief trauernd en Hinterbliebenen: Heinrich Rinn. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meine innigst- geliebte Frau, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Frau Marie Ludwig, geb. Zimmer ■ - - t v ■ . , O : . V" ' Heute morgen verschied sanft im 78. Lebensjahre Es W mein lieber Gatte, unser guter Vater, Schwieger- W ■ vater und Großvater I Herr Konrad Breitstadt. | Die trauernden Hinterbliebenen: Margarethe Breitstadt geb. Lemmer ga und Kinder. 4114 W Gießen, Wetzsteinstraße 46, den 28. Juli 1910* H El Die Beerdigung findet Samstag nachmittag 31/2 Uhr H M von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. ebunff: Umgebung: J 141 14.11 LI VJ Sonnenstr. 6. für Büdingen unc Büdingen. eneral-Vertret er VISITKA R TEN in Jeder beliebigen Schriftart und Kartonsorte■ , — sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen liefert zu mäßigen Preisen die Brühl'sehe Univ.-Druckerei. Weltaiier FÄartoto Perle und Krührosen ver, sendet per Ztr. zu 3.— Mk I triff Sack unter Nachnahme K. Haub, 3917 Echzell (Wetterau). Bahnhofstrasse 27. Fernspr. 231. (a*/7 Frische ÜBiÄM in 5- ii. 8-Psund Kisten u. 10- und 15-Pfund-Körden, Pfund 20 Pfg., per Schoppen 13 Psg. 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