Ur. 296 Sflnftes Matt 160. Mrgang 6dd)etm figHtt mit lutna^me des Sonntagt. Die wett8cnei .VomiltenblÖttef* werden dem .Anzeiger« viermal roöchentltcb betgelegt, da» „Kretsblatt (1t ben Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Lanbwtnlchaftltchei, Lett- frage«" erscheinen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Samstag, TL Dezember 1910 Rotationsdruck und Verlag bet Brühklch« UnwersitätS • Bilch- und Skeindtuckeret, R. Lange, Gießen. Redaktion, Exvedition und Druckerei: Gchul- straße 7. Expedition und Verlag: 6L Redaktion. 12. Tel.-Adr.: AnzergerGieß«. hessische Zweite Komm«. Darmstadt, 16. Dez^ Dm Negierungstische: Minister des Innern v. Homberg'k, Kehcimerat Wilh. Best. . Vizepräsident Kor eil eröffnet die Sitzung um 9 Vs Uhr bei schwach besetztenr Hause. Es wird sofort in die Tagesordnung kingetreten und nrit der Beratung der Landgemeindeorduung fortgefahren. Art. 2—12 werden genehmigt gegen zwei Stimmen, letzterer mit einem Zusatzantrag Köhler, ferner'Art. 13 und 14. Bei Art. 15 kommt 2lbg. Nebel (Zentr.) auf seinen gestern angekündigten Antrag, betreffend die Ortssatzungen, zurück. Es müsse ein Weg gefunden werden, die Ortssatzung aufzuheben oder abzuändcrn, falls eine Zweidrittelmehrheit des Gemeinderats dasselbe beschließt. Er beantragt einen entsprechenden Absatz 5 ein- zu. schieben. Abg. Reh (f. Dp.) richtet an die Regierung die Anfrage, ob seine Auffassung richtig sei, daß die Aufhebung dieselben Voraussetzungen erfordert, wie der Erlaß von Ortssatzungen. Abg. Tr. Winkler (natl.) beantragt eine Acnderung dahin, daß die Beschlüsse des Gemeinderats beim Fehlen eines Gemeinde- .hauses in der Amtsstube des Bürgermeisters aujäulegen sind. Abg. Tr. Glässing (natl.) bekämpft den Antrag liebel als unpraktisch, ebenso Minister des Innern v. Hombergk als volitisch bedenklich. Letzterer bestätigt die Auffassung des Abg. R e h hinsichtlich der Aufhebung der Ortssatzungeu. Tie Regierung müsse unbedingt das Recht des Einspruches sich wahren, schon deshalb, weil sich in neuerer Zeit der Genreinderat immer mehr aus politischen Elementen zusammensetze. Ten Antrag Dr. Winkler könne er zur Annahme empfehlen. Abg. Hebel (Zentr.) bleibt bei seinem Antrag. Der Ausschußantrag wird mit der dlbänderung Tr. Winklers angenommen; der Antrag Nebel abgelehnt. | Tie Art. 16—22, Allgemeine Bestimmungen über die Angehörigen der Gemeinde, ihre Rechte und Pflichten, werden ohne wesentliche Tebatte gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an genommen, desgl. Art. 23—32, die Erwerbung des Ortsbürgerrechtes betr. Zu Art. 33, Allgemeine Vorschriften über die Rechte der Ortsbürger am Gemeindevermögen, macht Abg. Tr. Heiden- reich (natl.) längere Ausführungen. Es herrschten unhaltbare Zustände und Unstimmigkeiten wegen der Nutzungen in den Ge meinden. Ter Staat solle das Gesetz einer Revision unterziehen 'unb die Nutzungen beseitigen. Abg. Tr. Winkler (natl.). Die Regelung der Angelegenheit nach dem Beschlüsse des Ausschusses sei durchaus vernünftig und sachgemäß. Eine Ablösung von Gesetzeswegen dürfe nicht geschaffen werden. Er ist gegen den Vorschlag des Vorredners. Tie Sache sei nicht so wichtig, daß man als letzte Instanz nicht den Provinzialausschuß gelten lassen könne. Geheimerat Best: Ter Vorschlag Tr. Heidenreichs sei beachtenswert. Tie Regierung sei der Ansicht, daß die Iiegelung des Ortsbürgerrechtes einem späteren Gesetze Vorbehalten werden soll. Tas verursache jedoch so große Vorarbeiten, daß er bitten müsse, vorerst dem jetzigen Gesetzentwürfe zuzustimmen. Der Meinung des Abg. Tr. Winkler, das Ortsbürgerrecht sei nicht so wichtig, müsse er widersprechen. Es handele sich oft um so große Streitobjekte, daß der Verwaltungsgerichtshof unbedingt als letzte Instanz angerufen werden müsse. Abg. Köhler (wild) begrüßt die Erklärung der Regierung, daß sie das Ortsbürgerrecht nicht anbasten wolle. Abg. Tr. Heidenreich wolle Altbewährtes ruinieren; ihm müsse er widersprechen. Eine Kollission der Auffassungen der alten und neuen Zeit zu vermeiden sei nicht so leicht. Der Vorschlag Tr. Heidenreichs 'führe zur Zerstörung des Volkstums. Es sprechen noch Abg. Tr. Winkler (natl.), Ministerialrat Best, Abg. Tr. Heidenreich, der nochmals für seinen Antrag eintritt. Er wolle die Mißstände beseitigen, die sich aus dem Gesetze von 1852 ergäben. Abg. liebel (Zentr.) spricht nochmals als Berichterstatter. Die Ausführungen des Dr. Heidenreich enthielten einen wahren Kern, doch ginge Dr. H. von einer falschen lzistorischen Voraussetzung aus. 'Das Ortsbürgerrecht sei ein erworbenes Recht und schwer zu beseitigen. Die Beseitigung wirke unsozial und komme den Reichen zugute. 'Der Ausschüiß habe mit seinen Vorschlägen das Richtige getroffen. Ter Ausschußantrag wird angenommen, der Zusatzantrag Winkler abgelehnt. Art. 34 fallt aus. Art. 35 wird angenommen, desgl. 36 und 37. Art. 38 bis 44, Zusammensetzung und Wahl des Gemeinderats werden ohne Tebatte genehmigt. Bei Art. 45, Wahlb er echt i g un g tritt Abg. Köhler (Wild) dafür ein, daß die Eingesessenen besser behandelt werden, als die neu Zugezogenen. Mit dem Ortsbürgerrecht müsse ein besonderes Wahlrecht verbunden werden. Geheimerat Best widerspricht den Ausführungen des Vorredners. Tas Interesse ,ter Einwohner an der Gemeinde erkenne man daran, daß sie eine Zeit lang in der Gemeinde gewohnt Hütten. Abg. Köhler (Wild) will nur biej eiligen geschützt wissen, die von jeher in ihrer Heimatgemeinde ansässig wanest. Ter Artikel wird mit einer kleinen redaktionellen Aenderung gegen 12 Stimmen angenommen, desgl. Art. 46. Art. 46 betrifft das Ruhen der Wahlberechtigung, er wird ohne Aussprache angenommen. Art. 47 bestimmt, 1. daß zuMG e meinderat wählb ar sein soll ejder Wahlberechtigte, dessen Wahlberechtigung nicht ruht. 2. Nicht wählbar sind: Aktive Militärpersonen, der Kreisrat und dessen Stellvertreter, Bürgermeister und Beigeordnete usw. 3. Staatsbeamte und Volksschulleihrer beburfen zur Annahme einer auf sie gefallen en Wahl der Erlaubnis der vorgesetzten Dienstbehörde. — Statt dieses letzten Absatzes der Regierungsvorlage beantragt der Ausschuß die Annahme folgenden Satzes: Insoweit im Dienst befindliche Staatsbeamte nicht von der Wählbarkeit ausgeschlossen, sind, bedürfen sie zur Annahme einer auf sie gefallenen Wahl der Erlaubnis des vorgesetzten Ministeriums. Abg. Dr. Wolf-Gonsenheim beantragt, den letzten Sah des Artikels 47 in der Regierungsvorlage zu streichen. Dagegen beantragt Abg. Bach (Natl.), ben letzten Satz nach der Regierungsvorlage wieder herMstellen und den Ausschußantrag ab- Kulehnen. Abg. Tr. Wolf-Gonsenheim (Freis.): Aus vielen Paragraphen des Gesetzes spreche eine Bevormundung der Gemeinden. Das Haus wolle alte Zöpfe, die die Regierung selbst habe abschneiden wollen, beibehalten. Ter dickste sei die Forderung, den Lehrern und Geisttichen das passive Wahlrecht vorzuenthalten. Man dürfe die Lehrer nicht mehr so beurteilen, wie vor 300 Jahren, wie es die Oberhessen täten. (Oho!) Die Kammer wolle den Artikel 47 abschaffen. Abg. Bach (Natl.) begründet seinen Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage. ^>chon früher seien die Lehrer leine Gemeindebeamten gewesen und seien es auch heute nickst, ha die Gemeinde nur das Grundgehalt bezahle, der Staat aber 2/3. Man dürfe deshalb diesen Beamten nach nicht einen Teil ihren vürgerlichen Reckste nehmen. Von den 26 Bundesstaaten gewährten, außer Hessen nur Elsaß-Lothringen, Preußen und Mecklenburg den Lehrern nicht das passive Wahlreckst. Alle übrigen Bundesstaaten seien einstimmig der Meinung, daß Nachteile sich auS dem passiven Wahlrecht nicht ergeben hätten. Der Redner verliest sodann einige Aeußerungen aus verschiedenen Bundesstaaten. Das sonst so fortschrittliche Hessen stehe in diesem Punkte selbst hinter Mecklenburg zurück, wo an einem Orte ein Lehrer sogar Vorstand des Gemeinderats sei. Man solle die schon herrsck^nde Verbitterung nicht nocki vertiefen unb verschärfen. Es handele sich um eine prinzipielle Angelegenheit, um die Beseitiaung einer Ausnahmebestimmung. Man solle den Grundsatz^aufrecht erhalten: Gleiche Pflichten, gleiche Rechte. Minister des Innern v. Hombergk: Tie Regierung stehe noch auf ihrem alten Standpunkte und würde eine Differenzierung zwischen Stadt und Land bedauern. Zu den Lehrern habe er das Vertrauen, daß sie sich, wenn ihnen das passive Wahlreckst gewährt iuütte, ans Standesinteresse desselben würdig zeigen würden. Die Erlaubnis der vorgesetzten Behörde sei beizubehalten. Abg. Köhler (wild): Das beste Mittel, die Lehrer von politischen Umtrieben abzuhalten, sei, ihnen das Gemeinderatswahlrecht zu geben. Au vielen Lehrern hätte man eine gute Stütze, Fortschritte in der Gemeinde zu fördern. 9tbg. Dr. H eidenreich (natl.) kann mit feinen Parteigenossen nicht übereinstimmen. Wenn der Minister die Frage näher kenne, würde er das Interesse der Gemeinde in den Vordergrund stellen, nicht die Stellung der Lehrer. Der Einfluß der Lehrer int Gemeindeleben, besonders bei kleinen Gemeinden, sei sehr groß; eine Parteilichkeit könne leicht Platz greifen. Deshalb sollee der Lehrer über den Parteien stehen. Nur dann könne er eine segensreiche Tätigkeit aus üben und werde seiner Wirksamkeit als Lehrer nicht entzogen. Nicht die Frage des Staatsbürgerrechtes der Lehrer, sondern lediglich die Frage des Gemeindelebens und der Schulverhältnisse Hütten den Redner zu dem Vorschlag bestimmt, den derzeitigen Zustand belassen zu wollen. Die Lehrer hätten durch ihren Drang zur Oeffentlichkeit die Ausmerksam- teit auf sich gezogen: dieser Drang müsse beschränkt werden. Der Redner hält es für seine Pflicht, der Stimmung der Kreise Ausdruck zu geben, die er hierzu vertreten habe. Abg. Raab (Soz.): Geistliche und Lehrer seien mit den anderen Ortseinwohnern vollständig gleichberechtigt. Mit dem Minister stimme er darin überein, baß es besser sei, wenn die Lehrer öffentlich in den Gemeinden mitarbeiteten, als wenn sie hinter den Kulissen als Schieber die Sache doch besorgten. Für die Gemeinden sei es von größtem Vorteil, wenn die Lehrer, die oft die einzigen Gebildeten im Dorfe seien, in ihrer Verwaltung mitarbeiteten. Ter Art. 47 sei in Bezug auf die nötige Erlaubnis seitens der vorgesetzten Dienstbehörde eint versteckter Bestätigungs- Paragraph, den er beseitigen wolle. Abg. Wolf-Stadecken (Bb.) spricht gegen das passive Wahlrecht der Lehrer. Wenn diese ihn deswegen haßten, so sei sei ihm das egal. Er wolle die Lehrer vor den schmutzigen Wahlagitationen bewahren. Es treffe durchaus nicht zu, wenn behauptet würde, die Landgemeinden fürchteten die Intelligenz der Lehrer. Es sprechen noch die Mgg. Bach (natl.) und Köhler- Langsdorf (wild). Abs. 1 des Art. 47 wird nach der Regierungsvorlage an- nommen, Abs. II ab gelehnt mit 21 gegen 20 Stimmen, desgl. der Antrag .Heidenreich. Abs. III wird nach der Regierungsvorlage angenommen. Der Antrag Kohler wird einstimmig angenommen. Die Eingaben der beiden Lehrervereine werden für erledigt erklärt. Art. 48 betrifft die Verwandtschaft unter den Gemeinderatsmitgliedern. Abg. Köhler-Langsdorf beantragt eine Erweiterung der Verwandt!chaftsgrade. Art. 48 wird nach der Fassung des Ausschusses genehmigt. Der Antrag Kohler abgelehnt. Die Art. 49 bis 54 werden genehmigt. Schluß der Sitzung gegen 1/s2 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag den 20. Dezember vormittags 10 Uhr. (Eine Ohrenzeugin über eine Aeutzcrung Bismanfs. Bismarck soll bekanntlich beim Ausbruch des französischen Krieges eine Aeußerung getan haben, daß er Elsaß- Lothringen aus dem Kriege mitbringen werde. Auch der bekannte Heinrich von Poschinger gibt diese Aeußerung in feinem neuesten Bismarckbuch „Also sprach Bismarck" folgendermaßen wieder: Es war am 9. August 1870 in Homburg, wo Bismarck mit dem bayerischen Bezirksamtmann Siebert eine Unterredung über den Elsaß hatte. Nach Heinrich von Poschinger spielte sich der Vorgang folgendermaßen ab: Siebert sagte (beim Mschied Bismarcks vor dem Aufbruch nach Saarbrücken): „Wenn Sie zurückkommen, so bringen Sie uns doch Elsaß-Lothringen mit!" Daraus Bismarck: „Verlassen Sie sich daraus, lieber Herr Kollege, was gemacht werden kann, wird gemacht." Diese Unterredung spielte sich im Hause, des Bezirksamtmannes von Homburg, Siebert, ab, der späterhin Re- gierungsrat in Neustadt a. H. wurde. Bismarck war hier im Quartier und hat hier einige sehr schöne Stunden verlebt. Bei der Unterredung war auch die Gattin des Regierungsrates Siebert anwesend, die vor einigen Monaten verstorben ist. Sie hat aber über diese Unterredung, wie über die ganze Kriegszeit, ein Tagebuch geführt, das die Unterredung authentisch wiedergibt. Wir lernen den wahren Charakter der Unterredung durch eine Zuschrift der Tochter der Frau Regiemngsrat Siebert, Fräulein Lina Siebert, kennen, die sie an die „Sp. Ztg." richtet, und in der sie das betreffende Tagebuchblatt ihrer Nkutter wortwörtlich mitteilt. Es lautet folgendermaßen: „Die Heine interessante Episode mit Bismarck spielte sich in den Tagen ab, als der König von Preußen Quartier im Bezirksamtsgebäude in Homburg (Pfalz) bezogen hatte. Alle Zimmer waren besetzt. Meinem Vater blieb für die Amtsgeschäfte nur ein Stehpult nahe dem Bureaufenster, von welchem Platze aus er Bittstellern, Beschwerdeführern usw. durch das offene Fenster auf die Straße hinaus Bescheid erteilte. Diesen Platz räumte er am zweiten Tage Bismarck, welcher mit zwei Herren in Zivil geheime Verhandlungen zu führen hatte, auf eine falbe Stunde ein, indem er selbst das Bureau verließ. Frau Siebert schreibt nun: Als Bismarck mit seinen Begleitern wieder herauskam, bedankte er sich in liebenswürdiger Weise böi meinem Manne für dessen diskretes Verhalten, bei welcher Gelegenheit mein Manu zu sagen wagte: „Exzellenz werden uns doch Elsaß-Lothringen wieder zurückbringen ?" Als Bismarck mit den Schultern zuckte, wurde mein Mann eifrig und bemerkte: „Man wird doch die uns geraubten Provinzen wieder zurücknehmen?" worauf Bismarck meinte: „Nun, nun, wir wollen die Haut deS Bären nicht verteilen, ehe wir ihn erlegt haben," 2lus Scaöf uiiO £anö« Gießen, 17. Dezember 1910. ** Eine Lehrerkonser enz wurde am Freitag in befl. Stadtmädchenschule unter dem Vorsitze des KreisschulinspektorS Professor Dr. Alles abgehalten. Lehrer Linden st ruth hielt eine nrusterhafte Probelektion in Naturlehre. Der Unterricht trug in erster Linie der Sclbsttätigkeit der Schüler Rechnung. Die Versuche zeigten die Wasserverdrängung der Körper, Gewichtsverlust fester Körper int Wasser, Bestimmung des spezifisches Gewichtes fester und flüssiger Körper und die Anwendung aufs praktische Leben, Wasserdruck und Rohrbrüche bei Wasserleitungen, Auflösung von Salz und Zucker im Wasser. Die Lektion befriedigte die Zuhörer sehr, besonders wurden auch die praktischen Apparate bewundert, die Lehrer Lindenstruth zum Teil selbst angefertigt hatte. Eine von ihm hergestellte große Zeigerwage ermöglichte es den Kindern, vom Platz aus die Wiege- rcfultatc abzulesen. Danach wurde den Lefaern ein wahrer Kunstgenuß durch die Gesangsv orträge der Mädchen-Klasse des Lehrers T r a u t m a n n geboten. Ten beiden Lehrern, Linden- ftruth und Trautmann, dankte der KreissckMlinspektor namenZ der Konferenzteilnehmer. Von den weiteren Besprechungen sei in erster Linie der Hinweis auf die Fremdenlegion und die Aufklärung der deutschen Jugend mitgeteiU. In der Versassungs- tunte soll im Fortbildungsunterricht bei Behandlung der Wehrpflicht auf die große Gefahr hingewiesen werden. Lehrer Storck- Altenstadt ist bereit, in Heimatpflegeverei neu, Volksbildungver- ciiien und Kriegervereinen über die Fremdenlegion Vorträge zut halten. — Auch mit den Maßnahmen gegen die Schund- literatur befaßt sich die Konferenz. Ter Vorsitzende empfiehl-; die Verbreitung eines Flugblattes, das der Schulvorstand zu Darmstadt farausgegeben hat. Es fordert das Elkemfaus auf, kräftig gegen die Schundbück.er aufzutreten. Hauptlehrer Schaaf- Gießen teilt mit, daß die Gießener Schulbehörde von Duckchcurdlern, die derartige Schriften feil hielten, keine Lehrmittel für die Schule bezogen. Diese freien Lehrmittel erfordern jährlich 4000 bis 5000 Mk. Dem Lesebedürfnis muß durch Schüler- und VolkS- bibliothekett entgeztengekommen IDerben. — Das Leichen singen findet nur noch patt in Trais und Lang-Gons. Die .Kreisschul- tommission fat beschlossen, einen neuen Katalog für die Kreislehrerbibliothek herzu stellen. — Andere Besprechungen behandelten noch die Volkszählung, llebenueifung ter Volks schiller in andere Orte und die Ausgabe von Zeugnissen für Fortbildungs- schiller. Ein Ausschuß wurde mit der letzteren Frage betraut, An die Konferenz schloß sich ein Essen im Hotel Schütz. Dabei begrüßte ter Senior der Lehrer des Bezirks, Schneider- Heuchelheim, unter lebhaftem Beifall den neuen Kreisschulmspekto« Professor Tr. Alles. ’• D i e Hauptlehrerprüfung bestanden die Lehrer H. Schmidt aus Usenborn und A. Klingler in Darmstadt, früher in Wicftck. ' Kun st verein. In der Gemälde-Ausstellung wurde ivieder ein vollständiger Wechsel der Gemälde vorgenommen. Es gelangten neu zur Ausstellung Kollektionen von P. Segtffer- Kallsruhe, G. Wustmann-Leipzig, der Freien ^Bereinigung Weimarer Künstler und eine Nachlaß-Kollektion deß 1857 verstorbenen Hamburger Künstlers Julius Bakos, der in München studierte und danach daS Atelier des Genfer Maler- Alexander Calames besuchte. Bakos unternahm Studienreisen in die Schweiz, nach Paris und Barbison und später suchte er wieder seine Vaterstadt Hamburg auf. Mit dieser Kollektion ist dem Wunsche einiger Kunstfreunde Rechnung getragen, Kunstwerke aus alter Schule im Kunftoerein auszustellen. Ferner haben die Ausstellung beschickt: R. Lipps, W. Heubach, S. Neumann-München, E. Firnrohr.Karlsruhe, M. Frey- Frankfurt. C. le Feubure-Toelz usw. Von der einheimischen Künstlerin Ottilie Kowarzik sind 5 Bilder ausgestellt. Die Kollektwn des Pros. L. Dettmann gelangt im Januar zur Ausstellung, da der Künstler beabsichtigt, die bereits schon hier befindliche Kollektion um einige Bilder zu vermehren, die gegenwärtig in Hamburg und Köln ausgestellt sind. Landkreis Gietzen. A Allendorf a. d. Lda., 16. Dez. Das hessische Tuberkulose-Wander-Museum ist heute hier im Saale des Gastwirts Ranft am Bahnhof eingetroffen unb steht den Orten der Rabenau zur Besichtigung fr et Ltch, 16. Dez. Unsere Stadt hat mit 2739 Einwohnern gegen die vorige Volkszählung ein Mehr von 120 Personen aufzuweisen, eine für die hiesigen Verhältnisse recht hohe Zahl, besonders wenn man bedenkt, daß früher Jahrzehnte lang die Einwohnerzahl stehen blieb oder gar abgenommen hat. Die Bevölkerungszunahme ist auf die stärkere Frequenz der Präparandenanstalt, vor allem aber auf die in den letzten Jahren in unserer Stadt erfreulicherweise immer mehr steigende industrielle Tätigkeit zurückzirführen. 2$. Muschenheim, 16. Dez. Gelegentlich der Feld- bereinigungSarbeiten in unserer Gemarkung wurden an der Stelle, wo sich einst das Gräberfeld des römischen Kastells Alte bürg befand und wo vor etwa einem Jahrzehnt schon bedeutende Ausgrabungen vorgenommen worden find, wieder eine Menge kleinere AltertumSfunde gemacht, aber feine von größerer Bedeutung. ES waren in der Hauptsache nur Scherben, kleinere Ziegelstücke (terra sigillata) und Teile von alten römischen Weinbechern, dis bei Schleifungsarbeiten an die Oberfiäche kamen. r. Hungen, 16. Dez. Die letzter Tage durch betx schiedene Blatter gegangene Nachricht, daß die elektrischen Trieb wagen Friedberg — Hungen und Hungen — Mücke ad 1. Januar laufen würden, trifft nicht zu. Wie man uns mitteilt, dauert es noch mindestens bis Februar, es kann aber auch März drüber werden ; solange wird es noch bis Aur Fertigstellung der Wagen dauertt. Die neuen Wagen kommen nach Limburg, die dortigen hierher. Kreis Schotten. r. Schotten, 16. Dez. Nun sollen auch an bett hiesigen Kreis st raßen Obstbaumpflanzunaett mngenommen werden. In wirtschaftlicher Hinsicht ist oieA zu begrüßen, doch ist es schade um die schönen Alleen, die fallen müssen. n. Gedern, 16. Dez. Wie sehr der Wunsch der Lehrersck>aft nach Anerkennung und Einreihttng als Staatsbeamte, und Auszahlung der Gehalte aus der Staatskasse Ochs en. 48 86 44 76—79 39 76—86 45 81 69-70 37 69 60-67 39 78 51-53 66-68 52 67 51-53 66—68 52 67 ist, -öcolls (?:: ulsion Märkte. 32 29 50 44 82 77 63 61 95 83 75 Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfrage« bleibe« unberücksichtigt.^ Vollfleischtge Schweine biSzu 2 Zentner X.'et>cn5fleiDtd)l........ ‘■bollfieiidige Schweine über 2 Zentner Vebenbgeiuidit........ Tendenz: Rinder langsam, Wälder flau, Schafe mittelmäßig, Schweine gebrückt. Preis Durch. pro luu Pfd. schnttlspreiß fc. Frankfurt a. M., 16. Tez. fceu- und Strobmarkt. Angeiabren^ roarcn^ 8 Wagen Heu^ und 2 Wagen Stroh. Man “ A “/* , St rod (Äoruloiiflflroh) 2,60 bis 0,0/ Mk., Wirrslroh 2,30-0,00 Mk. Alles ver 5" Klio. Geschä'ii tlott. — Die Zufuhren waren aus Oberheffen und dem Kreise yanau. 'Mittlere 'JJlaft- und gute Saugkälber . 47—53 78-88 Geringere Saugkälber 42—46 72—18 « d) a * e. 'Masllämmer u. jüngere Masthammel 89—00 78-00 Schweine. fc Wiesbaden, 16. Dez. Heu- und Strohmarkt Angeiahren waren 13 Wagen Heu und Stroh. Man notieUe: Heu 6.20-7.4» Mk., Stroh (Nlchtstroh) 4.60—5.00 ü)lf —' rZruckt markt. Haier 14.60—15.00 Alt. Alles für 100 Kilo. Limburg a. d. Lahn, 14. Dez. Nruchtmarkt. Dnrch- 'chinttspreis pro Malter. Roter Weizen (nahamscher) 16,8) Mk 'feiner Weizen «anaebante ftrembforte) 15,80 Mk., Kon, 11 uO Mk" leerste: Futtergerste 9,00 Mk., Braugerste 11,25 'M, Hafer Mk. 7,00 Erbsen 0,00 'Mk^ Kartoffeln 5,60-6,60 Att. F.C. Wiesbaden. V i e h h o f-M a r k t d e rr cht vom 16. Dez Auftrieb; Rinder 75, Kalber 86, Schafe 24, Schweine 265. Weitung. Der Betreffende kann, wenn er völlig hergestellt . wieder emgeftedt werden. Seme Militärpflicht regelt sich un ädrigen nach den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften. Nr. 100. Geschäftliche Empfehlungen geben wir im Briefkasten grundsätzlich nicht. Wenden Sie sich an eine tüchtige Schlosserei. Üärsen, Kühe. Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst. Schlacht wertes 42—49 Bollstenchige ansgemästete Kühe höchst. Sd)lachtwertes bis zu 7 Jahren. . 36—39 Aeltere ansgemästete Kühe und wenig gut entwidelte läugereKühe u. Färjen 30—35 _ Vläßig genährte Kühe und Färsen . . 28—30 60-62 Kälber. Bollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 47—50 85—87 Jnnae, fleischige, nicht auSgemduete und ältere ausgemästete 42—46 81—84 Achtzig genährte juiige und gut genährte ältere.........38—41 Sptelplan des Eietzener Ztadtthraters. Direktion: Hermann Steingoeuer. Montag den 19. Dezember, abends 8 Uhr, bei erhöhten Preisen (Abonnenten zahlen gegen Ablieferung des zweiten ErmätzigungskuponS ermäßigte Preise): Einmaliges Gastspiel Rtta S a c ch e t t o in ihren Tanzpoesien. Dazu: »Kollegen*. Eharakter- Komödie in 1 Akt von Annie Neumann-Hoier. Ende 10 Uhr. Dienstag, 20. Dezember, abends 8 Uhr: 11. Tienslags-Abonne- ments-VorNellung: »Das Opferlamm.* Hierauf: »Emer Klasse.* Ende 10'/, Uhr. Mittwoch, 21. Dezember, abends 7 Uhr (10. Mttt- ipochS-Abomlements-Borstelliing), unter Mitipirkimg der Kapelle des hiesigen Infanterie-Regiments: »Den König druckt der Schuh.* Märchen-Operette in 4 Bildern von Jose«a Metz. 'Musik von Bognmil Zepler. Ende 9‘/4 Uhr. Sonntag den 25. Dezember 1. Weihimchtsfeiertag). abends 71/, Uhr, bei kleinen Prellen: „lieber unsere Kraft.* Schauspiel in 2 Aufzügen von Björnsljerne Bchrnson. Ende 9*/, Uhr. 'Montag, 26. Dezember (2. Wechnachls- ieiertag), nachmittags 3V, Uhr, bei kleinen Preisen: »Der dunkle Punkt.* Ende 58/4 Uhr. Abends 71/, Uhr, bei kleinen Preisen: -Tas Opferlamm.* Hierauf: »Erster Klaffe.* Ende 10 Uhr. Dienstag, 27. Dezember (3.Weihnachtsseierlag). nachmittags 31/, Uhr, bei kleinen Preisen: »Die Mäusekömgin" ober »Wie der Wald in die Stadt kam*. Ende n Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen: »Tie Jörster-Ehristel.* Ende 10 Uhr. Jeinste Mast- (Vollm »Ich mast) und beste Saugkälber......... 54-60 90—100 57 Sur edJt mit duser Marte — bem Fisch« — drmAenuzeichen br» Scott scheu versahreat. Eeck mehr oll drei Kohrzefmten hat fid) der Weltruf von Scotts Emulsion all vortreffliches Stürkungsmittel bei Entkräftung, llederarbeitung. Abgespannlheil und dergl. bchouvtet. Diele Wirkungl» traft ist zunächst dem einzigartigen, Mlübertrefflicden Scottlchen Verfahren gujuftfirewen, fob.inn der Verwendung flUrfeinHer Rohstoffe, die vollkommen leicht rcrdaulich u. j wohlbekömmlich gemacht sind. £^niio ist zu versieh en ist, das zeigt besonders deutlich die viel- äestaltige Zusammensetzung der hiesigen Lehrerbesoldungen, ein Zustand, toie er sicherlich den heutigen Zeitverhaltnissen nicht mehr entspricht. Hier werden nämlick) bezahlt zur Lehrerbesoldung Der 3. Stelle auS der Graf Christian-Ätiftung 205.71 Mk., aus der Stol- bergischen Rentkasse zur Besoldung der 1. Stelle 104.57 Mark, für Frucht und bar 51.84 Mk., der 2. Stelle 109.71 Mark, der 3. Stelle 90.86 Mk.: aus der Armenkasse zur 1. Stelle 37.71 Mk., zur 2. Stelle 4.29 Mk. (!); aus der Gemeindekasfe zur 1. Stelle 942.12 Mk., zur 2. Stelle 947.25 Mk., zur 3. Stelle 569.68 Mk., aus der Kirchenkasse zur 1. Stelle 100 Mk. und zur 2. Stelle 100 Mk. Zu diesen Zuschüssen aus Kassen kommen nun endlich noch die Alterszulagen aus der Staatskasse. Dabei ertönt in unserer ßeit immer lauter der Ruf nach Vereinfachung! aller Betriebe. Hier könnte so manch alter Zopf der Schere verfallen. bei groß und klein so außerordentlich beliebt. Scott» Lmulstoa wirb von nnl »uNchlietzliL im groß« verkauft, und zwar nie lose nach Gewicht oder Matz, sondern nur io versiegelten Orianurlflaschen in JUrton mit unserer Schutz« warte bischer mit dem Dorsch). Scott 4 Dowue, G. m. b 0- Frankfurt a. TL LeftandteUe: Feinster Medizinal-Ledertran 160.0, prima Slyzertn »0.0.nnterphotphorigsaurrr Äalf «^.unlerphoipdorig- faurei Natron SA puld. Tragant SA feinster arav Gummi pulv. 3A Wasser 129A Ällohol HA Hierzu aromatrsche Emulsion mit Zimt», Mandel- und GaulchuiaLl je 1 Lroplea. ßanöcL M Konkurse in Hessen. Ueber da« Vermögen des Zimmermamis Heinrich Gölz in Auerbach wurde am 3. Dez. das Konkursverfahren eröffnet. Rechtsanwalt Tr. ReuS in Zwingeilberg rourbe zum Konkursverwalter ernannt. Konkurs- forbenuigen sind bis znm 7. Jan. bei bem Amtsgericht Zwingen- berg anzlnnelben. — Ueber bas Vermögen bes GennisehändlerS Johan,t Hantel in Gießen wurde am 26 November bas Kon- kursversahren eröffnet. Kaufmann LoiuS Althofs in (Lietzen wurde znln Konkursverwalter ernannt Konkursforbernngen fmb blS zlml 13. Jan. bei bem Amtsgericht Gießen anzmnelben. — Ueber ben Nachlaß bes Beter Wilhelm Dorn zu V i l b e l, vev- Norden am 8. Juni, wurde am 9 Dez. das Koukursverfahren eröffnet. Bürgerineisterelfekretär Berg in Vilbel wurde zum Kon- kursverivalter ernannt. Konkursforderrmgen sind bis zum 10. Jan. bei bem Amtsgericht Vilbel anzmnelben. — Ueber ben Nachlaß des am 5. Oktober verstorbenen Franz Keller, Müller in B i ck e n b a ch würbe am 13. Dez. das Konkursverfahren eröffnet Jak. Nickels V. tn Zwingenberg rourbe zum Konkursverwalter ernannt Konkurtzforberungen sinb biS zum 14. Jan. bei dein Amtsgericht Zwingenberg anzumelden. verübte der Schweizer O K. von Molschleben, der zu Gelnhaar m Diensten stand. Der Angeklagte verschwand aus seinem Dienst und mit ihm eine Taschenuhr mit zwei Ketten, ein schwarzer Anzug und verlchtedene Kleidungsstücke, sowie das für den betreffenden Dag zurechtgelegte Haushaltungsaeld. Ein Teil der Sachen hat er aus einem verschlossenen Koffer genommen. ErI.Toiicrte'^'^eu“800-^3^Mk * P; Va b Monaten Gefängnis verurteilt, woraus'^ - “** - • ' ' - -- - ' TunT Wochen Untersuchungshaft m Anrechnung gebracht werden. Ferner wurden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte aus 3 Jahre abgesprochen. Eine gefährliche Situat!o« I hatte ein Gendarm aus WeningS durchzumachen, als er Zigeuner I über die Grenze brachte. Es begegnete ihm ein weiterer Trupv, I ben er ebenfalls über die Grenze weisen wollte. Drei junge Leute I riefen ihm zu, er möge Zurückbleiben; als er aber doch auf sie I zuging, erhob einer drohend ein Gewehr, ein zweiter fuchtelte I chit einem Dolche in der Lust herum und ein dritter schotz mit I - nc^n Revolver, ohne jedoch zu treffen. Schließlich verschwanden sie im Walde. Am anderen Tage wurden drei der Zigeuner, die man für die Täter hielt, verhaftet. Alle drei leugneten. Da die Leute mir der Statur nach zu erkennen waren, mußte mangels Beweises Freisprechung erfolgen. Eine Aauferei SL brc ^ojenfafeme zu Utphe, beschäftigte zum Schlust in später Abendstunde die Strafkammer. Einige russische Arbeiter besuchten die dortigen polnischen Arbeiter. Sie nmrben frech und ver- > fuchten in den Schlafsaal der weiblichen Personen einzudringen, weshalb sie zurückgewiesen und zum Verlassen des Lokals aufgefordert wurden. Es gab eine Rauferei und einen Tumult, währenddessen auch das Messer eine Rolle spielte. Ein Arbeiter erhielt dabei einen Stich in den Arm und in den Kopf. Da nicht festftand, daß der zum Verlassen Auffordernde zu seinem Vorgehen berechtigt war und auch den Angeklagten das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit nicht nachzuweisen war, erfolgte wegen Dausfrledensbruck)s Freisprechung. Wegen Körperverletzung bekam F G. und N. G. 4 Wochen Gefängnis, woraus je ein Monat Untersuchungshaft angerechnet wird. W. K. wurde frei» gefprochen. Sicher und schmerzlos wirkt bad echte Radlauer'schc Hsibner» augcnmittel. Fl. 60 Pfg. Nur echt auS der KroncnMpotbcke, Berlin W. 8. Devot in den meisten Apotheken und Drogerien. (slM/e --- Frankfurt a. M., 16. Dez L Die gwße Geschaftsftille, die schon in der Vorwoche der Börse das Gepräge gab, bat sich in den letzten acht Tagen noch stärker fühlbar gemacht, doch nicht nur bei uns, sondern auch an allen übrigen Märkten ist die Unternehmungslust swrk zurückaegangen. Der Grund für diese Erscheinung ist wohl darin zu suchen, daß zum Jahresschluß allenthalben Entlasturmsbedürs- ms besteht. Schon mit Beginn der Geldversteifung zum Herbst hat em langsames Zurückebben der spekulativen Bewegung eingesetzt und eg sind größere Hausseverpflichtungen zur Lösung gekommen. Das gleiche gilt von Newyork und London wo außer den Geldfragen auch die politischen Einwirkungen zu einer ausgiebigen Entlastung geführt haben. Die Anl-aufung großer Engagements in einzelnen Händen ist dabei unterblieben es hat vielmehr eine Verteilung im Effektenbesitz statlgefunden! durch welche die Markte eine wesentliche bessere Grundlage halten haben. So unerfreulich auch der jetzige! Zustand vollständiger Untätigkeit fein mag, so ist er doch sehr geeignet, die großen Weltmärkte in besserer Verfassung in das neue Jahr hinübergehen zu lassen. Insbesondere dürfte den deutschen Börsen der Jahreswechsel keine unanaenehmen Ueberraschungen mehr bringen Schon der Umstand, daß die G e l d a n s p a n n u n g für überwunden gelten kann, hat den Märkten eine sichere Grundlage gegeben und die Verminderung der Engagements, die in letzter Zeit stattgefunden hat, tragt auch dazu bei, die Geldansprüche zum Jahresschluß weder zu ermäßigen. Daraus erklärt es sich auch, daß trotz der drückenden Geschästsunlust, die Kurse eine bemerkenswerte Widerstandskraft gezeigt haben. Die Preisbewer- tung einer ganzen Anzahl von Jndustriepapieren zeigt, wie zäh das Kapital an seinem Besitz festhält in der Erwartung einer weiteren Besserung der Wirtschaftslage. Wenn auch die wirtschaftlichen Verhältnisse» m Amerika zurzeit noch zu wünschen übrig lassen, so fehlt es doch auch nicht an Ausblicken auf eine Wendung zur Besserung. Wie unsere Großindustriellen über die Marktlage denken, das geht aus den offiziellen Belichten der Essener und Düsseldorfer Montanbörse und aus den Erklärungen in der Hauptversammlung der Rombacher Hüttenwerke hervor, in der die Lage ziemlich gut und bezüglich Amerikas vielleicht sogar etwas zu optimistisch geschildert wurde Zuversichtliche Ansichten über die künftige Richtung der Konjunkturkurve scheinen aber auch in anderen Kreisen zu bestehen, denn nicht nur die letzten Wochenberichte der Großbanken und der großen Privatbankfirmen waren optimistisch gehalten, sondern es lagen auch- aus den Kreisen der rheinisch-westfälischen Privatkapitalisten verschiedentlich Kauflimite in Montanpapieren vor, die den Abgaben eines außerhalb der Börse tätigen Großspekulanten ein Gegengewicht boten und eine stärkere Senkung des Kurswertes verhinderten. In anderen Industrie- papieren waren die Umsätze sehr gering, nachdem die Divi- dendenspekulation schon in den Vorwochen zu größeren Kurssteigerungen geführt hat. Dagegen hat sich die Aufmerksamkeit der Börfe erfreulicherweise wieder mehr den inländischen Anleihen zugewendet. In den Ausführungen des Staatssekretärs erblickte die Börse einen Anhaltspunkt dafür, daß die Regierung ernUich gewillt ist, den Markt der heimischen Anleihen aufzubessern. Sollte sich das angekündigte Programm des Staatssekretärs durchführen lassen und sollten die Finanzen des Idnches und der Bundesstaaten sich weiter in der bisherigen Mchtung entwickeln, so wird man der Aufwärtsbewegung am Anlagemarkt iwdj eine größere Dauer in Aussicht stellen können. Fremde Fonds konnten sich ebenfalls meist etwas befestigen. Aus den übrigen Gebieten hat eine nennenswerte Bewegung nicht statt- gefunben. Privatdlskonto 43/*%. Standesamtsnachrichten. (BrofoeivBufecL Sterbefälle: Dezember 9. Pauline Wagenbach, titt Jahr alt. — 12. Anna Margarete Pfeiffer, 77 .Jahre alt. 12. Heinrich Walter, Weißbinder, 18 Jahre alt. — 15. Ottch Lepper, 6 Monate alt. — 15. Katharine Trehwald, 20 Jahre alt, WafcenbonvSteinberg. Aufgebote: Dezember 13. Friedrich Otto Möcklin, Kauf- mann in Saarbrücken, mit Maria Auguste Elisabeth Sommerlats zu Watzenborn. St erbe fälle: Dezember 8. Jakob Maid, Rechner betf Spar- und Darlehenskasse zu Watzenborn-Steinberg, 67 Jahre alt, Kreis Friedberg. △ Friedberg, 16. Dez. Sehr rasck entwickelt sich der vor einigen Jahren einverleibte Stadtteil Fauerbach. In den letzten Jahren sind verschiedene Straßen angelegt und fast ausgebaut worden. Wenn sich der Friedhof nicht an der Hauptstraße befände, würde Friedberg und sein neuer Stadtteil vollständig Zusammenhängen. Die Beamten und Arbeiter der Zuckerfabrik wohnen faft alle in Hauerbach. Ein schmuckes Pfarrhaus ist erbaut und die Kirche renoviert worden. Auch durch den neuen Güterbahn h o f, den Fauerbach erhält, wird die Bautätigkeit immer mehr aesteigert. Die Eingemeindung hat Friedberg und Fauerbach große Vorteile gebracht. L. Friedberg, 16. Dez. Eine auch für unsere Stadt sehr zeitgemäße Poli^eiverordnung hcit der hiesigen Stadtverordnetenversammlung vorgelegen. Berschieoene Vorkommnisse haben die städt. Polizeiverwaltuna dazu geführt, den Erlaß einer Verordnung auszuarberten betreffs der Bedienung der Gäste durch Kellnerinnen. Die Stadtverordneten haben den vorgeleaten Entwurf gutaeheißem Die Hauptpunkte sind 1. die Bedienung der Gäste durch Kellnerinnen darf nur bis 11 Uhr abends erfolgen; 2. den! Kellnerinnen ist verboten, sich zu den Gästen zu setzen; 3. erstgenannte dürfen die Gäste nicht durch irgendwelche Art zum Trinken nötigen. Damit dürfte dem Unwesen der Kellnerinnen die Hauptspitze abgebrochen sein. — Heute bat man angefangen, die letzte Hand an die Beseitigung der vor einigen Wochen auf der Kaiserstraße entstandenen Erdrutschung zu legen. Da die Fläche )etzt trocken ae*J worden und keine Senkung mehr zu befürchten ist, hat man mit der Neupflasterung begonnen. Gießener Strafkammer. Gießen, 16. Dezember. Unterschlagungen zum Nachteil seines PrinWals des Besitzers des Parkbotels ru Bad-Nauheim ließ sich her Buchhalter K. O. B. aus Frankfurt a m^UabnmJ.omiTten- J5fierte öon Kurgästen nach und nach 1075,90 Mk ein unb verlchwand heimlich. Teilweise entschädigt Aotelbelitzer durch den Kassenbestand von 123 Mk. unb 22,75 Mk. rückständigen Lohn. Der Angeklagte wurde zu 4 Monaten Gesangnis, unter Anrechnung von 3 Wochen Untn- suchungshaft verurteilt. Wegen gewerbsmazigen Glücksspiels steht der Schweinehändler Jos. Ad. W. aus Colomna in Ga- ugien unter Anklage. Er hat im letzten Sommer zu Bad-Nauheim verschiedenen fturgaften in ganz kurzer Zeit sehr erhebliche Geld» betrage abgewonnen, weshalb man ihn des Falschspiels bezich- Ä m ben größeren Badestädten als -Aieler bekannt und ist auch mit einer Anzahl von Gegenständen zum Falschspiel ausgerüstet. Der Angeklagte wurde zu einer durch die Unter- siickmngshaft als verdutzt zu erachtende Gefängnisstrafe von zwei I wcpnaten verurteilt. Diebstahl im Nrickfall l-edrnd. sarlLchr- pro 1U0 Plu.id twtÄUi» •"“SÄ?** x Bad-Nauheim, 16. Dez. Sehr zu klagen haben in unserer Gegend die Jager. Ueberall stoßen sie im Felde auf verendete Hasen. Ein Jagdpächter konnte deren bei Ostheim und Nieder-Mörlen allein 100 zählen. Daß rapide Absterben wird auf eine Lungenseuche zuruckgeführt, die unter ben Hasen stark verbreitet ist. Die Hasenfelle sind im Preis beträchtlich gestiegen. m. Dad-Nauhe-im, 17. Dez. Mit dem 1. April 1911 soll hier ein öffentlicher Arbeitsnachweis ins Leben treten, dessen Leitung die Bürgermeisterei übernimmt. Eine VorbespreäMna über die sehr wünschenswerte Ein- richtung findet nächsten Dienstag auf der Bürgermeisterei statt. m. Nieder-Mörlen, 17. Dez. In unserer kleinen Gemeinde gibt es eine so große Anzahl alter Leuten wie kaum in einer großen Stadt. 11 Greise und Greisinnen I stehen in dem Alter von 80—90 Jahren und sind meistens körperlich und geistig ihrem Alter entsprechend noch sehr oei der Hand. Unter den Alten befinden sicb auch zwei 1848er, Philipp Zimmer und Joseph Adewill, die den badischen Feldzug und auch 1864 den schleswig-holsteinischen Feldzug mitgemacht haben. Hessen-Nassau. )f Marburg, 16. Dez. In dem Klageverfayren, das der Magistrat als Aufsichtsbehörde der Ortskrankenkasse gegen den Vorstand der letzteren wegen Rückerstattung der für Beschickung von Vertreter- tagen usw. verausgabten Gelder angestrengt hat, wurde heute das erstinstanzliche Urteil dahin verkündet, daß die Gelder nebst 4 Proz. Zinsen bis zum 1. Januar an die Kasse zurückzuerstatten sind. Der Vorstand hat sofort Berufung eingelegt. — Heute benutzten einige Studenten die Abwesenheit der Kondukteure der P f e r d e b a h n dazu mit den Wagen d a v o n z u f a h r e n. Sic forderten unterwegs die Passanten eifrig zum Mitsahren auf, bis die nachetlenden Kondukteure wieder ihre Platze einnahmen. Vergehen im Amt liegt dem Schulverwalter Gg. R. in Gedern zur Last Es stehen ?rer Falle unter Anllage. Obwohl er erst kürzlich' durch das nämliche Gericht wegen gleichen Vergebens bestraft worden er ™ Mitzhandlungen der Schulkinder hin- reißen Er ist nach Aniicht der Zeugen sonst ein guter Lehrer er neigt aber zu Zornesausbrüchen. Das Gericht hielt nur Miß^ banblungen bezw Ueberschreitun§ des Züchtigungsrechts in zwei pallen sur erwiesen, wofür ic oO Mk. Geldstrafe angeseiat er- schienen. Im übrigen erfolgte Freisprechung rZlellchlge Schweine 50—51 64—66 50 65 lleberfianö: Rinder Ueberftanb, Halber langsam geräumt, 3d)aie Ueberftanb, Schwerne Uebenianb. Die oberhefsischen volkrzählungsergebnisse. Kreis Gienen. Gemeinde Grünberg. Zahl der Hauschaltungen 550, Ein- 2223, davon sind 2142 evangelisch, 81 katholisch. I (1905: 2164.) Kreis Alsfeld. Gemeinde Alsfeld. Einwohnerzahl 5001. (1905: 4613.) Gemeinde Eudorf. Zahl der Haushaltunaen 75, Einwohnerzahl 392, davon sind 377 evangelisch, 15 katholisch (1905: 375.) Kreis Büdingen. Gemeinde H i tz k i r ch e n. Zahl der Haushaltungen 78, Ein- ^wochnerzahl 342, davon sind 341 evangelisch, 1 katholisch (1905: Kreis Friedberg. .. Gemeinde Burg-Grafenrode. Zahl der Haushaltungen 117, Einwohnerjabl ol2, davon sind 482 evangelisch, 10 katholllch 18 israelitisch. (1905: 473.) ®aneini>e Ober-Wöllstadt. Zahl der Haushaltungen Idol. Emtvohnerzahl 847, davon sind 66 evangelisch, 781 katholiich Gemeinde Ockstadt. Zahl der Haushaltungen 300, Einwohnerzahl 1454, davon sind 21 evangelisch, 1443 katholisch (1905: 1329.) Kreis Lauterbach. Gemeinde Wall en rod. Zahl der Haushaltungen 146, Einwohnerzahl 691, lämtlich evangelisch (1905: 687.) Börsen-Wochenbericht. über»» slnricht. R-ferenfen. künstl. Möbel za wohlfeilen . efnuericbL Fa rert u. lohnend- s «I 8i n 81 «r sr 61 h 83 ?ö n ittt wie Stu. l(!B' Ufc >nnf. 3 fit’ N* Ctu; Ud‘ DOR len: t ■ chiS- m!L ilü um Um Ide tme ft* h =rr N a LS 12. to? M k aü Geschw. 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Schwalb. = 16,86 „ -- 66,12 „ = 129,16 „ = 0,95 ,, ----- 12,60 „ == 23,60 „ = 41,04 „ Grubenholz Holzversteigerung. Donnerstag oen 22. 0. Mts., vorm. von 9 Uhr au, soll im Großen-Busecker Gemeindewald Distrikt Alteberg und Oeleberg nachverzelchneteS Holz versteigert werden: Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Daubruigen für daS Jahr 1911 liegt vom 20. dS. Mts. ab 8 Tage auf dem Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht offen. Daubringen am 16. Dezember 1910. Großh. Bürgermeisterei Daubringen. Holz-Submission. Nachverzeichnetes Holz aus den Waldungen der Gemeind? Großen-Buseck soll auf demSubmissionswege vergeben werdeni 5 Flchtenstämme von 30—40 cm Durchm. — 8,52 Fstnv ^Imbeuöcr Nm. Kiefer-Scheiter r , Knüppel , , Stock Wellen, Reiser Flchten-Stämme mit 0,62 Fstm. , Stangen , 1,98 w sämtliche Hbend-JWäntel und Caillenkleider Die Gebote sind getrennt nach Sortimenten anzugeben, da eine Zusammenrechnung nicht stattsindet. 18 „ , 25—29 109 „ „ 20—24 386 „ „ 12—19 1 Kiefernstamm mit 45 26 Kiefernstamme von 25—29 Die zur Errichtung eines neuen Güterschuppens mit Abfertigungsgebäude nur Bahnhof Bad-t)laubeim erforderlichen Erd', Maurer-, Asphalt-, Stucker- und Steinmetzarbeuen mit iDidtciiol- lteferung sollen in einem Lose vergeben werden. Berdingungs unterlagen liegen im Dienstgebaude der Bau-Abteilung zur Einsicht aus und können, so lange der Vorrat reicht, zum Preise von Litt. 180 (portofreie Einsendung des Betrages) bezogen werben. Die Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen an die Eisenbahn-Bauabteilung Friedberg portofrei ein- rufenden, woselbst die Eröffnung am 7. Han. 191X vorm. 10'/, Uhr erfolgt. Zuschlagsfrist 3 Wochen. BWu Grotzh. Hess. Eisenbahn-Bauabteilung Friedberg. Jackenkleider in englischen Stoffen