7r. »28 Zweites Blatt 160. Jahrgang Donnerstag SO. September 1910 Erscheint tSglich mit Ausnahme dcL Sonntags. Dir „tttftmr FamiltenblLttrr" werden dem ,9lnaetfler* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Siehrn" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen -ett- fragen" erschemen monatlich -wermal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesjen RotattonSbrud und Verlag der vrühllch« UniversitätS - Buch- «nb Steinbruckerri. L. Lange, vießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- ftraße 7. Expedition und Verlag: bL Rebattionre^SIIL. Lell-Adru AnzeigerLieh«, Zum Bierteljahreswechsel achen wir darauf aufmerksam, daß im kommenden Winter ne gute und gewissenhafte Führung durch die Hochflut »litischer Ereignisse doppelt nötig ist. Den Reichstag erden eine ganze Reihe sozialpolitischer Gesetze beschäftigen, id die Wandlungen in den politischen Parteien vor den ichsten Neuwahlen werden klar ins Rüge gefaßt werden üssen. Der Gießener Anzeiger wird, unabhängig und »beeinflußt von einer besonderen Parteirichtung, an nichts «rübergehen, was den Leser interessiert, und wird über die rrlamentarischen Verhandlungen wiederum sehr ngeh end berichten. Daneben soll der unterhaltende Ceii imer mehr ausgebaut werden durch sorgsame Ruslese der teressantesten Romane in den 4mal wöchentlich erscheinen- n Gießener Familienblättern und durch treue Lpiegel- lder der Vorkommnisse aus aller Welt, vor allem aber lt das Interesse der Gießener Rnzeigers der hessischen 'lmat und demgemäß einer treuen pflege des provin- ellen und lokalen Teiles, so daß unser Blatt allen ißerhalb Hessens erscheinenden Zeitungen für hessische Leser bedingt voranstehen muß. Der heimischen Landwirtschaft etet die monatlich zweimal erscheinende, fachmännisch ge- tete Beilage Landwirtschaftliche Zeitfragen eine Fülle -eckmäßigen Stoffes. Da der Gießener Rnzeiger auf len Gebieten sachlich auf der höhe der Zeit ist und t freimütiger Kritik nicht hinter dem Berge hält, freut er sich immer steigender Beliebtheit bei den Lesern e bei den Inserenten, wir bitten unsere Freunde, beim etteljahreswechsel in Bekanntenkreisen unser Blatt zu lpfehlen und uns damit in der Werbung neuer Leser HUflich zu sein. Rlle Briefträger, sämtliche Zweigstelleninhaber und : Geschäftsstelle in Gießen, Schulstraße 7, nehmen Bellungen auf den Gießener Rnzeiger entgegen. Heu hin- tretende Leser erhallen die Zeitung bis zum viertehahres- fang kostenlos zugestellt. Die Hummern der Gießener imilienblatter seit Beginn des neuen Romans werden m nachgeliefert. Verlag u. vedaltton der Gießener Anzeigers. Roosevelts Sieg. Die Agttationsreife, bie der Expräsident Roosevelt End« lgnft durch die Vereinigten Staaten unternahm, um gegen * Korruption der Bofseswirtschast, gegen den Payne Al- ich-Tarif unb gegen Die Uebermacht der Trusts zn Felde ziehen, bedeutete für ihn einen persönlichen Erfolg. Und mn er sich dabei auch nicht ausdrücklich an die Spitze der Msurgenten" stellte, die dieselben AÄe verfolgen, so stete er ihnen doch mit seiner Reise so große Dienste, ß sie schon bald darauf bei den Wahlen zu den einzelnen aatskongresjen zmn Teil sehr gut gegenüber ihren Geg- m, den Regularen, ab schnitten, wenn es auch infolge rfer Zerklüftung im republikanischen Lager oen Demo- iten gelang, sogar in den Hochburgen der Republikaner, den New-Englandstaaten, Siege genug zu erfechten. Demo- iten und republikanische Insurgent en berühren sich aber in eien politischen Forderungen so stark, daß für die ün Düember in der Union stattfindenden allgemeinen ongreßwahlen die Gefahr vorlaa, daß große Teile s insurgentischen Flügels der Republikaner ins derno- atische Lager übergehen wurden, wenn es nicht bis dahin lang, die Einigkeit innerhalb der republikanischen Partei if einer mittleren Linie wiederh erzu stell en, die Insurgenten und Regulare, wenn auch erst nach Kaltstellung der auf Hochschutzzoll und Trustpolitik eingeschworenen Parteibosses, in gleicher Weise befriedigte. Expräsident Roosevelt hat auf seiner Agitationsreise ein solches Programm zu entwickeln versucht, doch gingen seine Forderungen hierbei so weit, daß sie wohl bei den Farmern des Westens begeisterte Aufnahme fanden, es aber zweifelhaft erscheinen mußte, ob Roosevelt damit auch in dem von den Trusts beherrschten Osten und namentlich im Staate Newyork Anklang finden würde. Wenn sein Schützling, der Präsident Taft, nicht einmal mit den Rooseveltschen Reformplänen einverstanden ist, so daß es darüber nicht irur Differenzen zwischen den einstigen intimen Freunden gab, sondern auch verlautet, daß, falls Roosevelt sich im Fahre 1912 als Kandidat für die Präsidentschaft wieder aufstellen ließe, Taft gegen ihn kandidieren wolle — um wieviel weniger werden die Maladore der Schutzzoll- und Trustpolittk, nie „reichen Räuber" und Häupter der Korruption, wie Roosevelt sie nannte, die Sherman, Ballinger, Wickerham usw., die als Bosses in der republikanischen Partei bisher eine unbeschränkte Herrschaft aus übt en, mit den Rooseveltschen Reformplänen einverstanden sein! Die Antwort auf die Frage, ob die neue Partei unter Roosevelt in den Oststaaten bereits ein solches Gewicht hatte, daß sich, um die Einheit der Republikaner nicht zu gefährden, die Regulären chr unterordnen mußten, konnten erst die Verhandlungen des Newyorker Staatskonvents geben, die am Dienstag in Saratoga begannen. Trug doch bisher die republikanische Partei im1 Staate Newport eine so ausgesprochene konservative Färbung, daß man von der Haltung ihres Staatskonvents gegenüber Roosevelt und seinen Insurgenten unbedenklich auf die Haltung der Partei in den übrigen Ostmarken schließen kann.. Ja, noch mehr! Mußte doch schon die Wahl des zeitweiligen Vorsitzenden, für welchen Posten das Wahlkomitee den jetzigen Vizepräsidenten der Union, Sherman, vorgeschlagen hatte, obwohl sich ein Mann wie Roosevelt darum beworben hatte, darüber Aufschluß geben, wie es um das Ansehen des Expräsidenten bestellt sei, und ob er auf Erfüllung seiner reformatorischen Forderungen rechnen könnte. Bei der vorgestrigen Tagung des republikanischen Konvents für den Staat Newyork ist nun Roosevelt Mit 562 Stimmen gegen 452, die auf Sherman fielen, zum zeitweiligen Vorsitzenden gewählt worden, ein Zeichen dafür, daß auch im Staate Newyork seine Ideen und damit aleich- zritig die Ideen der Insurgenten siegreichen Einzug gehalten haben. Dennoch muß man im Zweifel sein, ob es Roosevelt gelingen wird, alle Teile seines fortschrtttlichen Programms aus dem Konvent durchzusetzen, mag davon noch so sehr die Einigkeit der republikanischen Partei, der Ausfall der allgemeinen Kongreßwahlen und die Wahl des künftigen Präsidenten abhängen. Ob Roosevelt zum Gouverneur des Staates Newyork gewählt wird oder ein anderer, vielleicht der Zeitungskönig Hearst, mit dem er ja kürzlich xn Verbindung trat, hat nur symptomatische Bedeutung unb ist schließlich nicht so wesentlich wie die Beantwortung der Frage, ob es Roosevelt gelingt, die Einigkeit zwischen ,^Insurgenten" und „alter Garde" auf Gruno eines bestimmten Programms wiederherzustellen. (Die Führer der alten Garde bewahrten bisher ein sehr bezeichnetes Stillschweigen über ihre Pläne, doch lassen die Beleidigungen, die die Persönlichkeit stchosevelts in Saratoga von dieser Seite aus erfuhr, wohl erkennen, wie man seine jetziae Popularität unterminieren will. Dann aber wäre die Spaltung in der republikanischen Partei, die man jetzt in Saratoga überbrücken will, da, und die Demokraten dürsten bei den Kongreßwahlen im November leichtes Spiel haben. Saratoga, 28. Sept. Auf Vorschlag des früheren Präsidenten Roosevelt haben die Republikaner Henry L. Stirn- sow als Kandidaten für den Gouverneurs posten des Staates Newyork aufgestellt. Stimsow hatte seinerzeit den Zuckertrust mit Erfolg wegen Betrugs bekämpft. 23. Hauptversammlung der Evangelischen Bundes. O Chemnitz, 28. Sept. In der geschlossenen Abgeordnetenversammlung am Dienstag nachmittag, an ber ungefähr 1000 Delegierte teilnahmen, wurden wichtige Organisationsfragen behandelt und wurde über den Jahresbericht gesprochen. Am Anfang erörterte Prof. D. Schulze von der Universität Königsberg die apologetischen Aufgaben des Evangelisches B undes. Ter Redner wies zunächst darauf hin, daß sich der Evangelische Bund neben der Abwehr gegenüber Rom die Verteidigung des Glaubens gegenüber modernen christentumsfeindlichen Strömungen angelegen sein läßt und immer mehr betreiben will. Diese Verteidigung muß nun auf das Wesentliche am Christentum beschränkt werden, wenn anders sie etwas ausrichten soll. Durch die Zurück- führung der überlieferten Formen deshalb auf ihren religiösen Gehalt wird insbesondere dem Jndifserentismus entgegengewirkt werden, der vielfach wenigstens darin begründet ist, daß manche sich in jene nicht mehr finden. Gegenüber denjenigen, welche dem Christentum grundsätzlich widerstreben, genügt diese Methode der Reduktion nicht. Vielmehr ist das Vorurteil, unter welchem man es bekämpft, daß es nämlich mit der modernen Wissenschaft unvereinbar sei, zurückzuweifen. Es ist zu dem Zweck zu zeigen^ daß nicht die Naturwissenschaft, sondern die n a t u r a l i st i s che Weltanschaungesist,womitdasChristentum(auf den Grund gesehen) sich nicht verträgt. Und es ist Hand in Hand mit dem wieder er wachenden Idealismus diese letztere als eine einseitige, bie Wirklichkeit nicht vollständig be* rücksichtigendei«u erweisen. Was ferner das Verhältnis des Christeir- tums zur Geschichte betrifft, so gilt es, eine maßlose Kritik zurückzuweisen, welche alles, selbst das Dasein Jesu, leugnen zu können glaubt. Aber darüber will die Frage nach der Bedeutung deS Geschichtlick>en, vor allem wieder bei der Person Jesu, für den Glauben ins Auge gefaßt werden. Man muß habet zwischen Vergänglichem und Unvergänglichem gehörig mrterscheiden. Endirch und vor allem bedarf es der Darbietung einer christlichen Welt- und Lebensanschauung. Nur wenn es gelingt, etwas Ganzes ccet die Stelle des Naturalismus (und jeder christentumsfeiudlichcL Philosophie) zu setzen, wird er (sie) überwunden. An die Darlegungen, die lebhaften Beifall fanden und für die wichtige apologetische Arbeit des Bundes von wegweisender Bedeutung waren, knüpfte sich eine interessante, förderliche Aussprache. Am Abend fand unter abermals gewaltiger Beteiligung bie unter Leitung von Amtsgerichtsrat P a r-e r - Chemnitz stehende, durch Orgelspiel und Gesang verschönte zweite Volks versammlNHg statt. Erster Redner des Abends war Pfarrer Pröbftring-' Lüdenscheid. Sein Thema hieß: Mehr Verständnis für Organisation. Er führte n. a. aus: Dem überstarken Ulttamvntanismus vermag nur ekn starker Protestantismus das Gegengewicht zu halten. Ein schwacher, xnv einiger Protestantismus provoziert geradezu den Angriff. Seine Schwäche ist die beständige Ursache des korffessiouelleu Unfriedens. (Sehr wahr!) Rom hat nur vor einer realen Macht Respekt. (Beifall.) Aber der Protestantismus organisiert sich nicht so leicht wie der Katholizismus. Hier hat der Evangelische Bund seine besondere Aufgabe. Und der Ultramontanismus erkennt sie viel richtiger als manche evangelische Kritiker; er sucht darum zu trennen, was der Evangelische Bund eint. Den zweiten Vorttag hatte Prof. D. Schian vvn der Lche versftät Gießen übernommen Über das Thema: Mehr Teilnahme am Leve« der Die Reformation schuf neu die christliche Gemeinde; Met katholische Kirche kennt sie als selbständig nicht. Erst als die Christen sich wieder ihres eigenen Prieftettums bewußt wurden als eine Schar von Gleichbegnadigten unb Gleichberechtigten, da entstanden Gemeinden. Dennoch trotz mancher Fortschritte btt letzten Jahrzehnte: evangelische Gemeinden, wie sie sein sollten, sind unsere Gemeinden noch immer nicht oder doch mir zu kleinem Teil. Was muß geschehen, bannt wir sie bekommen? Sicherlich vielerlei. Eins aber gilt vor allem: Lebendige Gemeinden können wir um keinen Preis haben, wenn wir nicht Menschen, Christen haben, die sich in der Gemeinde und für die Gemeinde regen wollen. (Lebhaftes Bravo!) Mehr Teilnahme also am Leben der Gemeinde! Wir schwelgen in Individualismus, wir waten förmlich in Persönlichkeitskultur, wir schwimmen in lauter Subjektivismus. Was einer auf die feinste Form gebracht hat, bringt der andere auf die allerfeinste. (Sehr wahr!) Aber geht darüber nicht die Kraft verloren: das Leben, wie es ist. anzufassen und zu meistern, Menschen zu sein innerhalb deS Mcnschriigeschlechts. Wir brauchen die Berührung mit den anderen, auch mit den schlichten Christen voll kindlichen Glaubens Meifall), mit den Stemmen der Väter vergangener Tage. Drum sucht das Laben der Gemeinde! Vor allem im Tun der Siebe, im helfenden Schaffen, im fürsorgenden Teilnchmen. Helft selber mit! Das ist wirkliches, lebensfähiges, lebensfreudiges Christew- tum. Gemeindegottesdienst! Innerlich zwingen muß der Gö- meindegottesdienft, daß man auch sonst am Leben der Gemeinde trilnehme, chre Glieder kennen lerne, ihre Nöte zu verstehen. Die Tellnahme am Gemeindeleben muß sich in der Arbeit für Eine Gedächtnisausstellung der Berliner Akademie. Zwei verstorbenen Meistern, dem Maler Franz Skarbina tb dem Raumkünstler Jos. M. Olbrich, ist die erste der dies- hrigen Ausstellungen der Berliner Akademie der Künste ge- :cht. Von Skarbina sind fast ein viertel Tausend große Bilder, »stelle, Gouaschen und Zeichnnnaen vorhanden: von Olbrich ntwürfe unb Studienblätter, Dorumente inner unermüdlichen, e versregenden Erfindungskraft, Photographien und Pläne seiner ichtigsten Bauten, ein paar Teppiche und Dekorateonsmuster, im ein Schreibtisch und Stuhl aus dem Besitz des Geheimrats loalb, erlesene Arbeiten seiner Schmuckkunst, ein wundervolles bernes Tischbesteck, Gläser unt> Schalen, endlich ein entzückender, üank und zart in Gold und Weiß gegliederter Toilettentrsch it fernen Kämmen — alles nur disiecta manbra einer weit breiteten Schönheitswelt, die aber doch ein köstliches Bild von m Wesen dieses wundervollen, früh verstorbenen Künstlers er» hen lassen. Der Eindruck, den man von Skarbinas Kunst hält, ist nicht so glücklich. Es sind zu viele,gleichgültige Ar- iten, besonders aus den letzten, den Verfall anzeigenden Jahren s Künstlers, wahrend einige wichtige Frühwerke fehlen, die für iS Verständnis von Skarbinas historischer Bedeutung notwendig nb. Skarbina ist nämlich schon in den 70er Jahren als Nw- .ralift und Revolutionär aufgetreten. 1878 erregte er mit einem cht ausgestellten Werk „Das Erwachen in der Morgue" Schauder tb Entsetzen bei allen gutgesinnten Kunstverrinleuten. Von (enzte ist schon der junge Maler ansgeganaen. Skarbinas Wesen, cne scharf beobachtende, kühle, bewegliche Att ist Mendels Tente Toment verwandt, freilich ohne dessen geniale Hingabe an den -toff, das dämonische Ringet: um bie Tiefen der Aufgabe. Gewiß nb die Werke der 70er Jahre sehr bart, sehr grell, in der harakteristik zur Karikatur entartend. Aber sie haben einen harten Blick fürs Leben, eine naive, unbekümmerte Freude an w Wirklichkeit, ein kühnes, kräftiges Draufgängertum. Tie Mitte der 80er Jahre — die Partfer Zeit — ist wohl ckarbinas beste Zeit. Von 1886 sind feine beiden Hauptwerke Ter Jischmarkt in Blankenberghe" und der „Pere Jean-Baptiste", n alter Mann mit einem Tragekorb auf dem Rücken. Sein Bestes hatte er in ruhig sachlichen, das Charakteristische harf betonenden Wirllichkeitsausschnitten geleistet, aber er entdeckte auch die Schönheit des Berliner Sttaßenle^ens, dies Gewirr vielgestaltiger Erscheürungen, von Hellen Schaufenstern umrahmt, von blitzenden Lichtern und huschenden Schatten überspielt. Daneben war fein bewegliches, stets neue Motive aufspürendes Talent in der stillen Landschaft unb in der zierlichen Feinhell vornehmer Interieurs heimisch. Immer hohler und eintöniger wird Skarbina in r großen Formen, farbig grell und zeichnerisch matt; nur in Reinen Naturausschnllten, in hübschen Genreszenen und Straßen- blldern bewahrt er feine Schneidigkell des Vortrags, zeigt bi Einzelhellen eine geistreiche Eleganz und pikante Wirkung. Sv hat er in gelegentlichen Arbeiten bis zu feinem Tode noch Gutes geschaffen, aber der große einheitliche Zug war auS feinem Werke völlig verschwunden und die unkünsllerifchen, vittuoseTihaften Lei- fhntgen überwogen. Für Skarbinas bäte und herschwankendeS, unselbständiges Talent wäre der enge Anschluß an die künstlerisch gefestigte Spähre der Sezession von großem Nutzen gewesen. So mußte er bei den Siegen der Sezession, der er den Boden berritet, müßig und unzufrieden beiseite stehen. Als ein Führer bei diesen Triumphen auf kunstgewerblichem und architektonifchem Gebiet aber erwies sich Jos. M. O l b r i ch, neben Peter Behrens die genialste Erscheinung unter den Modernen Kunsthandwerkern. Srin früher Tod war, wie vorher der Eckmanns, ein großer Verlust für die junge Bewegung, bam er fing eigentlich erst an, eine harmonische Reife in seinen genialen, über quellen den Schmuckformen zu entfalten. Der Wiener „Sezessionsstil" und ber Darmstädter Künstlertraum, das sind die beiden großen Siegestaten in Olbrichs kurzem Leben. Aber es sind mehr wundervolle Orgien einer exotischen Schönheit, die hier geschaffen wurden, feierliche Tempel für Künstler, Priester und Halbgötter, nicht „Heimstätten für Menschen". Sein HauS der Wiener Sezession mit ber aolbenen Kuppel und den maurischen Ornamenten war ein phantastischer Märchentraum, fein Warenhaus Tietz in Düsseldorf eher ein gothischer Dom, ein edler, weihevoll stolzer Raum voll Schönheit und hoher Größe. Er liebte es, in Farben und Formen seiner Zimmer einen schweren Stimmungs- rarisch von bunter Pracht zu entfesseln, in wundervollen Teppichen, schillernder Intarsien und fafylniereiibcn Mustern sich auSzuleben. Dieser gewaltige, erhabene SchönhellSgeist durchströmte alles, was seine kunstvolle Hand berührte, waltete in den hieratischen Pfeilerstellungen feiner Bauten wie in kaprlliösen, Türmen mit ihrer nervösen Ungeduld und schlanken Elastizllät; er leuchtete ebenso stark aus seinen Silbergeräten und gläfemat Schalen, aus fernen feingliedrig edel geformten Schmuckstücken, wie aus ein paar Kämmen, eurem Schirmgriff oder einem Schuhknöpfer, den er entworfen. Tiefe ein wenig geschmäcklerisch-preziösen. eckig- schlanken, rassig-vorne Innen Formen werden von einem wundervoll einheitlichen Lebensgefühl, einem erlesenen Geschmack durchatmet, passen sich aber erst langsam und allmählich bem alltäglickMn Gebrauch an. So entstehen beim in ber Darmstädter Zell bie ganz individuell und apart gestalteten Landhäuser und Arbeiter- häuier, die von allem üppigen Schmuckbedürfnis befreit sind unb die ebelfte, schüchtern zarte, herrlich geläuterte Kunst des Meisters zeigen, lieber alles, was O. geschaffen, ist ein fünfter Geist des Ernstes und ber Anmut auSgegoffen; selig sind sie in sich selbst, diese gefällig wuchtigen, zarten und doch nervig kraftvollen Formen^ „Kunstgebllde der echten Art". Schon jetzt, kaum ein Dezennium, ein Luftrum feit sie entstanden, ist die etwas gezwungene, leicht ins Spielerische entartende Zellstimmung von ihnen geschwunden. Sie haben einen klassischen, zelllosen Wert. Der Farbenpoet Olbrich, der romantische Träumer und Stimmungskünstler, der eine Tempel-, Priester- und AdelSTunft zu schaffen unternahm, er verschwindet fast hinter dem großen Genie der Raumbildung, dem Gestalter von „Raumgedichten", die einen tiefen ©trat und eine unbegreifliche Schönheit in sich bergen. Dieser Meister ber Innenarchitektur, ber alle Gegenstände in bie große Harmonie feiner Zimmer und Säle ein^ufügen wußte, tritt aus dieser Gedächtnisausstellung, von allen Schlacken des Endlichen heftete, als ein unsterblicher Heros hervor. Drt P. L. — Die Passionsspiele in Oberammergan Haven mit .bem Spiele am Montag ihr Ende erreicht. Den insgesamt 59 Aufführungen wohnten 225 000 Besucher bei. Die Einnahme betrug 1758 000 Mark. Die Saison war trotz ber schlechten Wetterverhältnisse dieses Sommers vorzüglich unb hat bie bä» JahreS 1000 an Besuchern bedeutend übertroffen. Im gongst schätzt man die Einnahme, welche durch die PafsionSspiele in daS Torf gebracht wurde, auf 8'4 Millionen Mark. Im Jahoi 1920 wird das Spiel wiedcrholl werden. ** Die hessischen Staatsbeamten 8nri«s nn Königreich -wachsen die Höhe von rund 42 000 Mark 5/555‘ ch^tt freudigem Beifall nahm die Versammlung von! La^em großartigen Zeugms deutsch-protestantischer Opferwilliq- ^-UN Jahre der Borromaus-Enzl)Nika Kenntnis. Die Feststadt ,zwer sich ausschließende Begriffe vom Glauben, zwei verschiedene Quellen der Sittlichkeit und Tatkraft, zwei entgegengesetzte Methoden der Bildung". (Sehr richtig!) Wenn nun trotzdem, wie das hier meinerseits geschieht, eine gemeinsame Weltanschauung von Ultramontanismus und Pro- testant^mus behauptet wird, steigt in nicht wenigen Köpfen unwillkürlich der Verdacht auf: ja, was für ein Protestantismus Je r“? i?er Protestantismus ist kein eindeutiger begriff., << w scheiden zwischen einem religiösen und einem kulturellen Protestantismus. Der Protestantismus, um den es sich in der gegenwärtigen Erörterung handelt und allein handeln kann, ist der im Evangelium wurzelnde. Der Papst in Rom und der Papst m ^ena verkündigen (Heiterkeit), jeder in seiner Weise, ihren Gläubigen die Leugnung Christi als die Konseguenz der Leubuung des Papstes und als die Konseguenz der Leugnung Christi die Leugnung Gottes. Wir aber, achte ich, hören das alles Mit verschränkten Armen, well wir das E v a n g e l i u m k e n n en, das jene beide nicht verstehen. (Sehr wahr!) Treten wir hinaus in den großen Sttom des Gegenwartslebens, rollen wir die letzten Fragen der Menschheit auf, die Frage nach Gott, die Mage nach der Ewigkeit. Da schen wir, daß dem Ultramontanismus wie dem christusgläubigen Protestantismus, beiden Gott der Erste und der Letzte ist; beiden leuchtet über die Zeit die Ewig- r beides, Gott und Echigkeit, haben sie auf Grund einer spezrftschen S elbsto f fen b a r ung Go tt es. Diese Selbstoffenbarung Gottes erkennen sie in einer eigenartigen Geschichte, I ■ -Deren Kern und Stern ihnen Jesus von Nazareth ist. Ultramontanismus wie Protestantismus sind des lebendigen, Welt-! mächtigen Gottes gewiß; beide kennen wirlliche Gebote Gottes. I Sie stehen beiden geschrieben in dem trotz seiner menschlichen Vermittelung göttlichen Dekalos. Beide bekämpfen um des sechsten Gebotes willen die bei Hoch und Niedrig sich regende Laxheit. I «(Bravo!) .Bis ins .Kulturelle hinein erstreckt sich das Gemein- llame. Die Bitte aller Bitten ist beiden: Dein Reich komme. Hier spitzt sich nun die Msferenz in und trotz der Gemeinschaft an her Stelle, wo im Protestantismus der Glaube an lChrrstus steht, steht im Katholizismus der Gehorsam gegen die richtig!) In der Identifizierung sagen wir: der! vapsllichen Krrche mit der Kirche Gottes steckt die Seele des Katholizismus; hier wird recht eigentlich der Katholizismus geboren; hier stehen wir an dem Wui^elpunkt, wo der Katholizismus und der evangelische Protestantismus auseinandergehen. Priesterliche Weltherrschaft will der Katholizismus, der von Kentt so gut wie der des Mittelalters. Eine gewaltige Macht JE Ultramontamsmus, aber ein noch gewaltigerer Wahn. I (Sehr wahr!) Wird die Kirche zum äußerlich herrschenden, die! ureigene Freiheit aller anderen Faktoren tötenden Machtfaktor ererben, verstanden als Priesterschaft, als die vom Papst bis zum letzten Kaplan einheitlich organisierte Hierarchie, entfaltet sich dre so verstandene Kirche als Staat — dann wird die Weltbeherrschung Gottes geradezu verkehrt in ihr Gegenteil. (Sehr richtig!) y fVrafl? btt ?an3En Aiig-l-g-nheit ist auch bir A obm "^EM-t-n ftobtitom Kranvmhaus«, inttttbalb ber stäbtisch-n Vertretung er- örtert ttjewn nnro, Nicht unerwähnt geblieben Wir schon jetzt zum LuLd^ck bringen zu sollen. ®eÄbab es E nUr Ä Unterrichtszwecke hinaus der Universllätsstadt die «*■ ää“ ffllt umtbestrns eine Mtllws War! zu v-rcmWgg-n smb. Itc Ler- " Der Zirkus Althosf, der heut- abend auf dem Zuxplatz an der Lahn seine Produktionen mit einer Gala- Vorstellung eröffnet, wird als äußerst leistunqSfähiq ae- schildcrt. Der Zirkus Althoff ist ein reelles Unternehmen mtt einem Marstall von 30 Pferden und von dem Künstler, personal wird nur gediegen gearbeitet. 5. ^^r>ern Ohmtal, 28. Sept. Wie wenn uns der Herbst entschädigen wollte für die Unbilden des verregneten Sommers, so herrlich ist jetzt das Wetter geworden. Warmer Sonnenscheln, wie so selten im Sommer, liegt seit Besinn ^eser Woche über den herbstlichen Feldern. Wohl kommt der endliche Umschlag sehr spät, aber doch nicht zu spät für den Landmann. Alle Hände sind jetzt mit der Kartoffelernte beschäftigt. Es ist eine Hauptsache, daß die Knollen ltC0Cfe^!.nr ?ier^ener kommen, denn die Fäulnis hat neben dem Mausefraß vielen Schaden angerichtet. Die diesjährige Kartoffelernte steht der vor- und vorvorjährigen um die volle nur halbe Erträge werden zu den Kellern gebracht. Um besten haben sich bewährt die roten Kattoffel- jorten, voran die „Weltwunder". — Unserem Nachbartal, dem -1 l ?• l L ■ ke^er Grummeternte noch im Rückstände sich befindet, kommt das herrliche Wetter -sehr zustatten. Gibt es nun doch noch gutes Grummet. Ebenso vermag man letzt un oberen Vogelsberg und im Kreise Lauterbach noch mi Felde stehenden Hafer und andere Frucht einzuernten. Die Kornsaat, die nun überall emsctzt, erhält die Grundbedingung Schoen" ®Cbei^nS: ^ck-neS Saatbeet; denn „Koen in , P. r - - l Jcchre -------- versammelten sich in Darmstadt I ->te Staatsbeamten a. D., um über weitere Maßnahmen tzur VerbesserungihrerLagezu beraten. Die Versamm- lung war gut besucht, namentlich aus höheren Beamten- tteisen. Der erste Vorsitzende, Rechnungsrat a. D. Derfch, erftattete den Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes und Ibekwgte daber, daß man selbst in den Zeiten finanzieller Hochflut nicht seiner Beamten im Ruhestande gebührend gedachte, als 1897 nochmals, und zwar stark aufgebessert wurde. Ebenso müsse es als eine Zurücksetzung angesehen werden, daß vor wenigen Jahren bei Bewilligung von Wohnungsgeld die RuhestandSoeamten einfach leer ausgegangen seien. — Nachdem noch der Vorgänge zugunsten einer Besserstellung der Pensionäre und deren 5Mterblie- benen rn anderen deutschen Staaten und in Oesterreich ae- bacht wurde, verbreitete sich Wg. Dr. Osann in längerer Rede über den Stand der Sache bei der Regierung und den Standen. Geh. Justtzrat Römheld legte in rechtlicher und moralischer Hinsicht das Wesen der Pension eingehend dar. Prof. Dr. Weis und Geh. Oberschulrat Greim beleuchteten in sachlicher Weise die Unzufriedenheit und den Notstand unter den Pensionären, denen auch StationSvor- steher Heyd er und Lehrer Hechler beipflichteten. Nach Erstattung des Kassenberichts und geschäftlicher Mitteilungen schloß die Versammlung. luses&ÄÄiswu'eyjH •» — ***»*"»** ■teren Lebensinteressen aufs aller engste zusammen gehört. Aber! ' I :: Berlin, 28. Sept. toib lebendig ist. Es darf nicht resüos mit allem aufgeräumt I ö svar t/! 9 toröben, was rwch der gänzlichen Individualisierung unseres Lebens e Sette wurde bemängelt, daß der widersttebt, sondern der einzelne muß sich mieber zur Gemein-'---------------- "" .'chast finden. Laßt uns wollen! Die Gemeinde hat ein Recht aus uns! Geben wir uns der Gemeinde! gibt zwei Strömungen in der geschichtlichen Entwickln^ des Katholizismus, die wir als episkopale und kuriale bezeichnen. Die episkopale, die priesterlich-sakramentale Strömung ist die ältere. Ein Gregor der Große kannte den kurialen, den theokratisch-politischen Katholizismus nicht, ein Nikolaus der Erste «tollte ihn nicht, ein Bernhard von Clairvaux und ein Franz von Willst bekämpften ihn, ein Dante, wie ein Occam zeugten wider An, ja, im Mittelalter gab es eine Zeit, wo der Kurialismus als Abfall vom alten, wahren katholischen Kirchenrecht gewertet wurd^« Des Ringens Ende war der Sieg der jüngeren, der konsequenteren! Sttömung. (Sehr wahr!) Heute ist der Katholizismus ultta- üi-ontan. > Mißverstehen Sie mich nicht. Auch ich habe Sympathie für den religiösen, den priesterlich-sakramentalen Katholizismus. iAber mißverstehen Sie auch diesen nicht. Auch dieser Katholizis- vms ist mit dem evangelischen Protestantismus unvereinbar. .(Bravo!) Es liegt nicht nur ein gewollter Gegensatz, es liegt auch Selbsterkenntnis zugrunde, wenn die ulttamontanen Historisch- politischen Blätter 1909 es für völlig verfehlt erklären, daß man >,ein£ gemeinsame religiöse Grundlage suche," und dem wehren,! „daß man für das öffentliche Leben die katholische Weltanschauung I nls solche ausschalte und sie aufgehen lasse in der allgemein christ-1 Iid)en Weltanschauung". Töne, die in diesem Jahre widerhallten ui dem Fastenhirtenbrief des gelegentlich dem konfessionellen Frie- " v- ” - *■/ “ - — den das Wort redenden Erzbischofs von Köln. Dem entspricht ö-werten Male seit dem Bestehen ihres im vergangenen 'auf unserer Seite die Erkenntnis, der D. Hackenberg in Worms et en Vereins versammelten sich in Darm 1909 Ausdruck gab, wenn er sagte, Katholizismus und Protestan-!^ tismus repräsentierten Dom vorderen Vogelsberg, 26. Sepk. Röllr, die die Wespen, von denen man nicht eine einzige zum Zeichen erblickt, als Obstschädlinge ausübten, haben in diesem Herbste die Stare übernommen. Tie Zwetschen, die bei uns in einzelnen Gemarkungen ganz gut gediehen, werden von ihnen stark heimgesucht. Die Stare picken die süßen Früchte an und werfen sie maflenhaft zu Boden. Dabei sind sie so ungeniert, daß Steinwürse sie kaum von ihrer Zwetfchenvertilgung wegscheuchen. Schriftwechsel zwischen Ministerium und StäöTroegTn des Vertrags über Verpflegung armer Kranfen in den hiesigen Universitätskliniken. i. Die .Kündigung des sog. Kliniksvertrags dürch den Staat hat in der Bürgerschaft berechtigtes Aufsehen erregt. Da sich die öffentliche Meinung in der nächsten Zeit noch öfters mit der Sache befassen w-ird, drucken wü nachstehend den darüber entstandenen Briefwechsel zwischen Staat und Stadt ab, damit sich jedermann selbst ein Bild von ber Sache machen kann. Zu Nr. M. d. I. Darmstadt, am 10. Juni 1910. Das Iroßherzogliche Ministerium des Innern an Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Ter zwischen der Stadt und ber Großherzogl. Landesimi- berntat über die ärztliche Behandlung und Verpflegung der ber Stadt Zur Last fallenden armen Kranken mit Wirkung vom 1. 1885 abgeschlossene Vertrag vom 27. Juli 1886 hat sich nach em! gehender Prüfung der vorliegenben Verhältnisse im Lauf kr Znt finanziell derart ungünstig für die Staatskasse gestaltet baü gegenwärtigen Finanzlage des Staats weüerhin nickn aufrecht erhalten werden kann. ... — 6759 Verpflegungstage ^Mmt aber sind hie Leistungen der Kliniken für die Otts» armen noch rächt.^schöpft, da auch in sämtlichen Polillinikvi bet ber uurbulatorischen Behandlung die verordneten Arzneimittel ^-^Eudeten Verbandsstoffe für die Ortsarmen andreren Fa- nttlienangehorigen zurzeit noch unentgeltlich abgegeben werden Wenn schätzungsweise hierfür nur der mäßige B?ttag ^n 1000 Mark Migenomm-en wird, ermäßigt sich die städttsche Vergütung auf 1,33 Mark pro Verpflegungstag. Nach ber von unserer Buchhaltung aufgestellten hier an- ttegend^i Berechnung stellen sich . aber die Sei b ft kosten für mündeftenl^M Mütifen ^r 1908 mir m i n e ften § 3 Mark für den Tag. Hierbei sind die 6^ft,« Behandlung, der allgemeinen Verwaltung, der bau- 11^01 li^techalttmb, sowie der Aufwand für Verzinsung und Til> ftädtts<^ eingerechnet. Tie Selbstkosten ui Krankenhäusern stellen sich im allgemeinen nicht billiger wesentlich höher, wie eine uns vorliegN mit anderen Universitäts- nnnfni mi« Marburg, Heidelberg und Bonn befindet sich twp ^ttks^sA . Die Kommunalstände des Regiermigs- bezirks Kassel zahlen für die Behandlung der Kranken des Land hit chirurgischen und Augenllini! Pauschsunnne von 48 000 Mark. In - ^)rt§a4y?n^ei? Pflegegeld von 2,50 Mark fA ff» ^adtverwaltung neben einer Pauschal- vergntung^von Z8 500 Mark weüerhin eine Entschädigung von tt der Bevöllerung für Behandlung ber innen m den Freisprechstunden der Kliniken entrichtet. Was mm die Verpflegung der auswärtigen Orts- w bie ^adt gesetzlich die vorläufige Fürsorge zu übernehmen hat, anlangt, so werden diese jiirjeit in den Siu von 1 40 Mark pro Tag verpflegt. Die städtische Armen^Deputlttion hat nun wiederholt darum nachaesiubt hen in den Fällen herabz-usetzen, in denen kein höherer Ersatz geleistet wird. Bei anderer Gelegenbeit tt vnn hrr bteds das Ansttnen gestellt worden, den Tariffatz wieder arI* Suna dÄ ^bsusetzen und den Ausfall Ein- zieyung des Ersatzes zu übernehmen, um die Armenverwolkima m^ernü^r^Ärü^" befreien. Es ist hierauf zu erwidern, daß der Staat Feinen ausreichenden Anlaft w tt» mS+rtE ber gesetzlich obliegenden Armenlastm ja überrtebmerr Es liegt mithin kein Grund vor, die aus- warttgen Ortsarmen btlltger als die Einheimischen in den fej“1S15 städtischen Mitteln erhallen, kommt die Verpflichtung der llrmenverwaltung, die fraglichen Kosten m nbei- nehmen, formell und rechnerisch dadurch zum Ausdruck daß bic Armenvernxlllung an das Krankenhaus die tarifmäßigen Säkc zu zahlen hat und der Ausfall bei dem Srmenbubaet rottU38<)&tr WormS kommt Merfei btt Slnfat b« «fr d^cgetag unb bei ber Stabt Darmstadt ^«"«^"Ermngstarrs zur Sntoenbung. In ben Jahr« srnb un Jahresdurchschnitt 375 auStoärtme ton kr Stabt emgttmefene Ortsarme mit 6401 Pffeqetaaen' uerbfftet ^^^"Echnittszahlung auf 1,25 Mark für tat Menetag gestellt hat. Diese Kranken bitten Erbies L em sehr geringes Lehrmtere se für die Universität Ans ben angegebenen Gründen kann eine Derpfleanna .v finVe6«191"" ®46en füt »olge niÄXftatt“ ÄnsukS unS WgunHntS solchen S^italFerfcrSett aWternK 2. Dis SerFS ftTgiiWg ist Vttechin^r 'iL.fiÄaH Olnffnftwk hrtH F\A Äon AWavI RtO > . .____. . . — '* ___t i niO CITI* durchschnttll. 1 M. 10 Pfg. 5 - Mk. 12 Pfg. 4. 24 060 5. 6. — Mk. 53 Pfg. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. X Sept. Bettet KS 1910 Oü a) in der Medizinischen Klinik Höchste Temperatur am 27. bis 28. Septbr. = 4- 17,6*0. = + 8,8 *C. SiiebviQÜe in der Medizinischen Klinik auf. . Niederschlag: — 0,0 mm. 4,80 0,105, 0,15, 0,09, 2 4 10 4 400 „ 59 060 Mk. 0,27, 0,31, 0,15, 0,1076 0,375 0,46 0,24 0.1076 20 300 Mk. 10 800 , Frauenklinik . . . Chirurgischen Klinik Augenklinik . . . Jrrenklinik . . . a) b) c) d) e) b) c) bi . 42031 VerpflegungStage . 30665 „ . 61178 . 34839 , . 29478 c s jährlichen Aufwand von 50 000 Mark. Sodann trägt die Staatskasse im Interesse des Unterrichts und der Universität den Zuschuß zwischen Selbstkosten und Pflegegeldtarif, der sehr beträchtlich iift, bei den städtischen Krankenhäusern durch Zuschüsse aus der <2tadtkasse gedeckt wird und in einer Stadt von der Größe und Bedeutung Gießens auf etwa. 50 000—60 000 Mark veranschlagt „ „ Frauenklinik auf....... „ , Chirurgischen Klinik aus . . . . „ „ Augenklinik auf........ „ „ Klinik für psychische und nervöse Krankheiten aus . zusammen 198191 VerpflegungStage. Nach einer Berechnung der Gr. akademischen Administrationskommission stellen sich für die Kliniken die Selbstkosten pro Verpflegungstag für 1908 VISITKA R TEN m jgder beliebigen Schriftart und Kartonsorte. t ■■ . - ■■ - - sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen liefert zu mäßigen Preisen die Brühr sehe Univ.-Druckerei. Sonnenschein Bew. Himmel. Nebel Israelitische Heügion$gejeHfd)aft Gottesdienst. Sabba 1 feier am 1. Oktober 1910: Freitag abend 5.35 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 6.50 Uhr. . 4,14 Mk. 4,39 , 3,96 3,15 , a) in der d) . , C) , , d) , , e) , , Hierbei sind die Gebäude-Unterhaltungskosten, die Verzinsung und Tilgung des Baukapitals von rund 4 400 000 Mk. und die Pensionen der Beamten nicht eingerechnet. Die wirklichen I ndi vidualko sten für einen Verpflegungslag (Auslagen) berechnen sich für einen Kranken 3. Klasse etwa wie folgt: 1. Auslagen für Medikamente und Verbandstoffe durchschnittlich für 1 Verpflegungstag: a) in der Med. Klinik: Medik. 0,34, Verband-. 0,055, zus. 0,395 Mk. <5 — "d K Z üv 3. Die Wäschekosten betragen nach dem Voranschlag für 19>)8 der Zentralwaschanstalt: 23 868 Mk. bei 198191 Pflegetagen, mithin im durchschnittlich 1,5776 5 ~ 1,5776 Mk. — Mk. 31,5 Pfg. Nicht gerechnet sind bei diesem Anschlag von 3 Mk.: a) die Kosten für ärztliche Behandlung; b) die allgemeinen Verwaltungskosten (Gehalte der Direktoren, Vergütung und Verköstigung der Assistenzärzte, Gehalte der Verwalter, der Gehilfen, der Maschinenmeister und des technischen Personals sowie des Dienst- und Aufsichtspersonals). gez. Hombergk. PI Durchschnitt . . . - - • • - Für Weißzeug, Kleider, B e t t w e r k sind 1908 tm Voranschlag angesetzt . . * - •• Für Mobiliar und Hausgerat Für Reinigung, Wasser undUnterhaltung (nursachliche Ausgaben) . Für Schreibmaterialien und Drucksachen (nur sachliche Ausgaben) . Mediz. Klinik auf 1,348 Mk. Frauenklinik » 1,248 e Chirurg. Klinik M 1,04 , Augenklinik e 0,98 , Jrrenklinik e °>ÖB8 » - 5,484 Alk. werden kann. Der Staat hat für die Erbauung der Kliniken mehr ccksi 4 Mill. Mark verausgabt, wobei nicht übersehen werden soll, daß sich auch die Stadt an den Bauplatz-Kosten beteiligt hat. Außerdem erfordern die Kliniken zu ihrem Betrieb einen jährlichen StaatH- zuschuß von rund 350 000 Mark. Andererseits steht aber aikfy fest, daß die jetzigen Kliniken zu der steigenden Frequenz und dem Ruf der Universität ganz wesentlich beigetragen haben und noch beitragen. Menn nun die Stadt etwa durch Errichtung eines eigenen Krankenhauses in eine gewisse Konkurrenz mit den Kliniken erntreten und diesen das nötige KrankenmaLerial entziehen wollte, dann würde per ohne Zweifel alsbald einsetzende Rückgang in der Freguenzziffer gerade die vitalsten Interessen der Stadt am ersten und schwersten treffen. Unser Vorschlag geht hiernach dahin, den bestehenden Vertrag mit Wirkung vom 1. April 1911 an aufzuheben und die von der Stadt eingewiesenen Kranken, ohne Unterschied ob es einheimische oder auswärtige Arme sind, zu den jeweiligen Tarifsätzen in den Kliniken zu verpflegen. Sollte dieiStadtverordneten-Versammlung jedoch einer vertraglichen Regelung den Vorzug geben wollen, so wären wir bereit, bei dem guten Verhältnis, das zu allen Zeiten zwischen Stadt und Universität bestand, Ihren etwaigen Vorschlägen wohlwollend entgegen zu sehen. In Rücksicht auf die staatliche Finanzlage, die uns dringend veranlaßt, das seitherige Abkommen zu kündigen, können wir nur auf der Grundlage der Selbstkosten eine finanzielle Vereinbarung treffen. Wegen Aufstellung des Voranschlags ersuchen wir um eine umgehende Antwort. gtfr. Hombergk.. Vom Ministerium aufgestellte Berechnung der Selbstkosten für einen Verpflegungstag für ortsarme Kranke der Stadt Gießen (§ 1 und § 9 des Vertrags von 1886). Hm Jahre 1908 sind in den mit 729 Krankenbetten aus- gestatteten Universitätskliniken an Krankenpflege geleistet worden: tag ergibt von..... ...... 7. Sodann sind Mr Instrumente, Apvarare, Bandagen usw. Laboratorien in 1908 auf- gewendet worden rund .... 25 000 Mk. für sonstige sachliche Ausgaben der Kliniksverwaltungen rund ... 7 000 w 32 000 Alk. wovon die Hälfte für UnterrichlS- und wissepschaftliche Zwecke angenommen werden soll ... . 16 QQQ „ bleiben im Interesse der Kranken 16 000 Mk. oder im Durchschnitt pro Verpflegungslag . . Summe . . . Gegen viele Hautteiden, wie juckende Dermalofen, Schuppen «80a ß a (Psoriasis), Seborrboea des fl B eggx Kopsesu.Gesichts.Hautjuck., 0 UM o Oll P O eins., eitrige u. entzündl. Acne F lllPSl lGesichtsmckel), Furunkulose, ■ fl B B H H W 0 B B Hchtbvons.Prurigo blinder, B MM MM B B w U B B chron. Ekzeme tjuckende Knöl chen) usw., verordnet Herr Dr med.S., Spezialarzt s.Hautl., m.best.Erf. Zucker's Patent-Medizinal Seife, L Stck.50Pfg.<15°/oig)u.l.50Mk.t35°/oig, stärkste Form), imVerein mit Zuck°^-Creme 75 Pfg. u. 2 Mk. in sämtl. Apotb., Drog. u. Pars. im Durchschnitt pro Tag . . . . — Mk. 30 Pfg. Die Gehalte und die Verköstigung der Kran k e n - schwestern, Wärter, Wärterinnen, Weißzeugverwalterinnen und Nähmädchen berechnen sich nach Voranschlag auf mindestens 100 000 Mk. und im Durchschnitt für 1 Tag . — Mk.50,5Pfg. Hierbei sind Dienst- und Küchenmädchen, Pförtner, Hansburschen, Diener usw. nicht eingerechnet. Für Heizung und Beleuchtung sind im Voranschlag 1910 vorgesehen 114 800 Mk., was eine durchschnittliche Aufwendung pro Verpflegungs- — Mk. 03 Pfg. 3 Alk. - Psg. d) „ u Frauenklinik: c) „ y Chirurg. Klinik d) , , Augenklinik: e) , , Jrrenklinik: Gießen, den 1. Juli 1910. Vericht der Bürgermeisterei Gießen an Großherzogliches Ministerium des Innern Darmstadt. Den Empfang des Schreibens vom 10. Juni d. I. beehren wir uns hiermit ergebenst zu bestätigen. Wir sind in der Prüfung dieser wichtigen Angelegenheit begriffen und werden in Bälde den zuständigen Kommissionen und der Stadtverordneten - Ver- sammlung Vorlage machen. Ta es für die Entschließung der Stadtverordneten - Versammlung von Interesse fern wird, zu wissen, welche jährliche Pauschvergütung anstelle der gegenwärtig zu entrichtenden 10 000 Mark seitens Groß- herzogl. Ministeriums beansprucht werden möchte, so ersuchen wir ergebenst um gefällige Rückäußerung hierüber. Wir erlauben uns schon jetzt, zu bemerken, daß die dem Schreiben vom 10. Juni d. ,Js. zu Grunde liegende Berechnung der auf ®nm5 Vtttrkigs^mI.Mwrr 1885 Wyer seDmssbSM Öten Leistungen insofern nicht völlig zutreffend ist, als dtue für psychische und nervöse Krankheiten in die Statistik mit einbegriffen worden ist. Es erscheint uns zweifellos, diese Klinik dem Vertrage nicht unterfällt. gez. Keller. Handel. to'. Frankfurt a. M., 28. Sept. Der HattöelSssch^ verständige bei dem Kaiserlich-Deutschen Konsulat in Chicago , Dr. Quandt, wird am 5. Ott., vormittags von 10 Uhr ab im Sitzungszimmer der Handelskammer anwesend sein, nm Interessenten Auskunft über die wirtschaftliche Erschließung Nnd Entwickelung der pazifischen Küste der Vereinigten Staaten von Amerika und deren Bedeutung für den deutschen Ausfuhrhandel zu geben.____________________________________________ Kirchliche Nachrichten. Israelitische BdigionsgemeinOc. Gottesdienst in 0er Synagoge (Süd-Anlage), Samstag den 1. Oktober 1910: Vorabend: 5.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Schrifterttäruug. Sabbatausgang: 6.50 Uhr. Lungenkranke! SCHÖMBERG bei Wildbad, württbg. Schwarzwald. B Leit. Arzt: Dr. med. Bandelier. Spezialarzt f. Lungenkr. B Sommer-uWinterkuren.- Mäßige Preise. Prospekte frei. P 27. „ 28. 28. 2” 752,5 17,4 10,1 68 SSW 2 28. L" 751,6 10,5 9,0 95 E 2 29. 7” 750,4 7,5 7,5 98 W 2 im 77. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Mainzlar und Staufenberg, den 28. September 1910. Die Beerdigung findet Freitag den 80. September, nachmittags nm 1 Uhr, in Mainzlar statt. 08085 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hmscheiden unserer guten Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Fllw Margaretha Laval, geb. Röhlll sagen wir auf diesem Wege, besonders für die liebevolle Pflege der evangel. Schwestern, unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Löwengasie 9), 29. September 1910. 5377 la. Saatroggen „Petkuser“ sowie schmselsm. Alllumiak Thomasmehl, 5349 Kamit offeriert Fritz Rumpf, ZozelSgaffe9, Telephon375. Montags, Mittwochs n. Freitags Hofbäcker Noll. ““l Rechtskonsulenten Sippel & Stoppel, Sonneuttraße 31, Tel. 634, erteilen Rat in Rechtssachen, empfehlen sich in Anfertigung von Gesuchen, Steuerdeklarationen, Einziehung von Außenständen, Vertr. in Ervschaftssachen vor Gericht. Aufstellung von Vermög.-Verz. rc. Versäumen Sienicht bet Blutarmut u. Appetitlosigkeit Seibel’s Hahr- u. Kräftigungs-Likör zu probieren. -Vi Fl. M. 8.50, */» Fl 2JL 1.50. GermauiaDrogerie Carl Äeibel, Franks. Straße 39. 5198) Telephon 593. T ödes-Anzeige. Heute mittag entschlief nach langem, schwerem Leiden unser lieber Gatte, Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel Herr Ludwig Schlapp IV. Todes-Anzeige. Gestern früh 5 Uhr entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unser innigstgeliebter Sohn, Bruder, Schwager und Enkel Georg Ott im 10. Lebensjahr. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Ott. Gießen, Leihgestern, den 39. September 1910. Die Beerdigung findet Freitag den 30. September, nachmittags 3 Uhr, in Leihgestern von Klausegaffe 3, aus statt. [08095 Me । W» erhalten Sie trotz steigenden A niQnfl h greifen Kaffee in seit- ■ rlllinllB U berrger hochfeiner Qualität. nillUUU U Spezialmarke ML 1.30. ßWWWWWMWWMWWMMWWMMWW («J L. Kalkhvs Nüchf. tiratisproben werden in fast allen einschlägigen Geschäften abgegeben. D1 ’/• Der beste Malzkaffee der Gegenwart! 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