„ Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch S6.Oktober 1910 KÄS /Wt A Ä-g- 9 11 ItiOt A<>t LÄLLmL xJf IVIIVI Iv€ 44 V eV- lt|vV ssswss Ferndrech - Anschlüsse: M Br ™ ” a M Chefredakteur: A Goetz, für die Redaktion 112, X\Jy jp Verantwortlich für den Verlag u. Expedition KL v* 9 * *• ytJU < < ** politischen Teil: August gE Seneral-Anzeiger für Gberhessen WM bis oorrnittags 9 iihr. notatton5drvck UN- Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- UN- Ztein-nickerei R. Lange. Re-aktion, Expedition UN- Druckerei: Zchulstratze 7. 8nzeigenteU^'L>"Beck. Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten. Das Kaiferpaar in vrlissel. Brüssel, 25. Okt. Das deutsche Kaiserpaar ^nd die Prinzessin Viktoria Luise sind heute, 2 Uhr 20 Minuten, hier eingetroffen. Auf der Einzugsstraße hatte sich eine ungeheure Menschenmenge eingefunden, die auch die Balkons, Fenster und Dächer besetzt hielt. Aus dem Bahnsteig hatte bte Ehrenwache von den Grenadieren mit Fahne und Musik Aufstellung genommen. Der König in belgischer Generalsunisorm, mtt der Kette des Schwarzen Adlerordens und dem Bande des Großkreuzes des Noten Adlerordens, war mit den Spitzen der Militärbehörden und dem Bürgermeister von Brüssel, Max, erschienen. Der Kaiser, in der Uniform der Leibhusaren mit dem Bande des Leopold-Ordens, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise entstiegen dem Wagen. Nach herzlicher Begrüßung durch das belgische Königspaar ließ sich der Kaiser das Gefolge vorstetlen und richtete freundliche Worte an den Bürgermeister der Stadt Brüssel. In der vorderen Bahnhofshalle hatten Schulkinder Auf- stellung gefunden, die in die belgische und die deutsche Nationalhymne einsttmmten. Im Empfangssalon des Bahnhofs dielt eine Eskorte der Guides mit Standarte, die dann den Galawagen zum königlichen Schlosse geleitete, Im vierspännigen Wagen folgten die Kaiserin und die Königin, Prinzessin Viktoria Luise auj dem Rücksitze. Artillerie salutierte mit 71 Schuß. Aus dem Einfahrtswege bildeten Truppen Spalier. Im Schlosse wurden die Majestäten von der Gräfin von Flandern empfangen, außerdem von dem Prinzen und .der Prinzessin Karl Anton von Hohen- zollern. Während des Einzuges des Kaisers und der Kaiserin manövrierte der Lenkballon „Ville de Bruxelles" über dem königlichen Schloß. Um 4 Uhr nachmittags stattete der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise der Gräfin von Flandern einen einstündigen Besuch ab und nahmen bei ihr den Tee. Hierauf begaben sich die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise nach der St. Gudula-Kirche, die sic 'ingehend bestätigten. Um 5 Uhr nachmittags empfing )*c Kaiser im Staotschloß das gesamte diplomatische Korps, )as ihm von dem deutschen Gesandten v. Flotow vorgestellt vurde. Später sah Kaiser Wilhelm den König Albert ängere Zeit in seinen Gemächern. Um 7 Uhr abends sand m Schloß Galadiner statt. Ein Trinkspruch bc8 Königs Albert. Bei der Galatafel brachte König Albert folgenden Lmnkspruch aus: Ich empfinde wahrhafte Freude, Eure Kaiserlichen Majestäten 1 eute in Brüssel willkommen zu heißen. Indem Sie uns gleich int ersten Jahre unserer Regierung einen Besuch in unserer Hauptstadt abstatten, erweisen Eure Kaiserlichen Majestäten uns •ine Ehre, die uns hoch erfreut. Die Königin und ich sehen in Dcmfelben ein neues Zeugnis der Gefühle, deren ganze Herzlichkeit der uns im vorigen Frühjahre in Potsdam bereitete liebens- vürdige Empfang schon hat erkennen lassen: aber dieses Zeugnis ^schränkt sich nicht auf die Königliche Familie von Belgien. Ich bin überzeugt, der deutsche Kaiser hat auch den Belgiern )ie Sympathie ■ zeigen wollen, die er für ein tatkräftiges, zugleich für die Kunst, das Ideal und für den Fottschritr Hegeistertes Volk der Arbeiter empfindet. Und dieser Achtungsbeweis des Herrschers des großen Nachbarreiches, wo eine gewaltige Be- wlkerung uns das Schauspiel unablässiger, glänzender Arbeit üetet, wird noch erhöht dadurch, daß an seiner Seite Ihre Majestät Ole Zukunft des westfälischen Bergbaues. Bei der Einweihung des neuen Oberbergamtsgebäudes in Dortmund am Dienstag hielt der preußische Handelsminister eine Rede, in der er zunächst auf )ie vor achtzehn Jahren erfolgte Feier des hundertjährigen die Kaiserin erscheint, deren Name Wohltätigkeit und Nächsten liebe bedeutet, und die liebenswürdige Prinzessin, welche die An mut ihrer 18 Jahre in dieses Schloß bringt. Das belgische Voll wird das freundschaftliche Interesse, das ihm von Eurer Kaiserlichen Majestät zuteil wird, in hohem Maße zu schätzen wissen. Es sieht und begrüßt in dem Kaiser ebenso den weit ausschauenden wie erleuchteten Monarchen, der den glänzenden Aufschwung seines Landes auf allen Gebieten menschlicher Tätigkeit so mächtig zu fördern gewußt hat. Es wünscht nicht weniger aufrichtig als ich, daß die zwischen den beiden Herrscherhäusern bestehenden vertrauensvollen Beziehungen die Freundschaft der beiden Nationen noch mehr stärken mögen. Was mich anbelangt, der ich mit Eurer Kaiserlichen Majestät durch Verwandtschaft wie durch Zuneigung verbunden bin, wie Eure Majestät in Potsdam zu erwähnen die Freundlichkeit hatten, so kenne ich den ganzen Wett der Gefühle, die Sie der Königin und mir bezeugen, und es drängt mich, zu sagen, daß sie in uns lebhafte Dankbarkeit erwecken. Ich bin glücklich, die Gelegenbeit zu benutzen, Eurer Kaiserlichen Majestät die heißen Wünsche zum Ausdruck zu bringen, die ich für Ihr Glück hege, und dafür, daß Ihre Regierung fortsahre, ruhmvoll und fruchtbar zu fein, und daß Ihre edlen Bestrebungen dazu beitragen mögen, den Frieden d e r Welt zu festigen und so allen Nationen zu nützen. Ich erhebe das Glas zu Ehren Eurer Kaiserlichen Majestäten und Ihrer erhabenen Familie und trinke auf die Wohlfahrt Deutschlands. Seine Majestät der Kaiser, Ihre Majestät die Kaiserin, sie leben hoch! Tie Antwort des Kauers Der Kaiser antwottete auf den Toast des Königs in deutscher Sprache mit folgendem Trinkspruch: Die tiefempfundenen Wotte der Freundschaft, die Eure Majestät zugleich im Namen Ihrer Majestät der Königin an uns, die Kaiserin, meine Tochter und mich gerichtet haben, sind wie sie aus warmen Herzen gekommen, zu warmen Herzen gedrungen. In lebhaftester Freude gedenken wir des Besuches, den Eure Majestäten uns im vergangenen Frühjahr in Potsdam abgestaltet haben, und es war uns eine liebe Pflicht der Dankbarkeit, zu seiner Erwiderung so bald wie möglich hierher zu eilen. Ter glänzende Empfang, der uns von Euren Majestäten und dem belgischen Volke inmitten dieser herrltck>en Hauptstadt bereitet worden ist, hat uns im Innersten gerührt und stimmt uns zu um so herzlicherem Tanke, als wir in ihm einen Ausdruck des engen Bandes erblicken dürfen, das nicht nur unsere Familien, sondern auch unsere Völker umschlingt. Mit freundschaftlichster Sympathie verfolgen und begleiten ich und ganz Deutschland die staunenswerten Erfolge, die auf allen Gebieten von Handel und Industrie dem rastlos tätigen Volke Belgiens beschieden sind und deren Krönung wir in der so glänzend gelungenen Weltausstellung dieses Jahres begrüßen. Den ganzen Weltkreis umspannt Belgiens Welthandel und friedliche Kulturarbeit ist es, in der sich allüberall Deutsche und Belgier begegnen. Mit gleicher Bewuw- derung erfüllt uns die Pflege idealer Güter, in der Belgiens Dichter und Künstler sich einen so hervorragenden Platz erworben haben. Mögen die vertrauensvollen und freundnachbarlichen Beziehungen, von denen erst in jüngster Zeit die Verhandlungen unserer Regierungen einen so erfreulichen Beweis gegeben haben, sich immer enger gestalten. Möge von Eurer Majestät Regierung Heil und Segen ausströmen auf Ihr Königshaus und Ihr Volk, das ist mein aus tiefstem Herzen kommender Wunsch, mit dem ich rufe: Ihre Majestäten, der König und die Königin der Belgier leben hoch ! Der Kaiser verlieh eine Reihe von Ordensauszeichnungen. Bestehens des Oberbergamts Dortmund und auf den ungeheuren Aufschwung hinwies, den der westfälische Bergbau, besonders in den beiden letzten Jahrzehnten, genommen. Nachdem der Minister dem Oberbergamt seine Anerkennung ausgesprochen hatte, fuhr er [ort: Es geziemt aber heute wohl auch, den Blick in die Zukunft zu lenken, und da ist der Horizont nicht ganz frei von Wolken, ime es bei dem hoben Staude des Erreichten scheinen könnte, weder >ür das Cberberqaint noch für den Bergbau in diesem Bezirk. Ein Punkt ist es hauptsächlich, der den Wohlmeinenden mit ernster Sorge er'ullen dürfte, das ift bie Arbeiterfrage. Je mehr die staatliche Gesetzaebung, je mehr die Freiwillige Fürsorge deS Bergbaues zum Wohle der Bergarbeiter getan, um so weiter scheinen wir uns von dem Ziele eines gedeihlichen BerhältnisseS zwischen den Unternehmern und Arbeitern, von einem vertrauensvollen Zusammenalbeilen dieser beiden Teile zu entfernen. Muß es nicht beiremden, zu sehen, wie die W a h l e n z u r Knappschaft ausschließlich von politischen Gesichtspui.kten beherrscht tourbe»? Oder wie für die Wahlen der Sicherheitsmänner nicht vor allem die Sachkenntnis und Erfahrung der Gewählten, sondern das Maß ihres politischen Radikalismus entscheidend waren und so die besten Absichten Gefahr laufen, in ihrer Wirkung in ihr Gegenteil verwandelt zu werden? Eine andere Frage ist, die manchem von Ihnen schwere Gedanken macht und die ich hier nur leise streifen will. Wie werde,i sich die Absatzverhaltnisse nach Ablauf des jetzigen Kohlensyndikates gestalten? Wird dessen Erneuerung gelingen oder wird ein Konkur renzkampf ausbrechen, der mit der allgemeinen Preissenkung auch eiujii tiefgreifenden Einfluß auf die Bergarbeiter- löhne zur Folge haben würde? Ich hege die Zuversicht, daß der rheinifch-westftilische Bergbau, der schon schwere Zeiten überwunden hat, sich ihnen gewachsen zeigen ivird. Das Oberbergamt wird die Rücksicht auf die gebotene Sicherheit des Betriebes zu verbinden haben mit der Rücksicht au< die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit, und es soll den berechtigten Interessen der verantwortlichen Unternehmer und Betriebsleiter nicht tninder gerecht werden als den Ansprüchen der Bergleute auf möglichste Minderung der Gefahren und Schädlichkeiten des Bergbaues und auf eine gesunde auskömmliche Existenz. Die Auflösung des griechischen Parlaments. Trotzdem Vewizelos von der Kammer ein Vertrauens* vottrm erhielt, löste er das Parlament auf: Athen, 25. Okt. Die Kammer nahm das Vertrauensvotum, für Venizelos mit 208 Stimmen gegen 31 Stimmen bei 27 Stimmenthaltungen an. Ventzekos erklärte, er werde sich die Lage überlegen, ba. viele Abgeordnete aus Gefälligkeit für ihn stimmten. Man glaubt, er werde bei der Absicht beharren, die Kammer auf- hulösen. Athen, 25. Ott. Das Parlament wurde aufgelöst. Die Wahlen für die neue revisionistische Kammer sind auf den 28. November, die Eröffnung der Session aus den 8. Januar 1911 festgesetzt. Au» Hessen. Der Bittschriften-Ausschuß der Zweiten Kammer wird am kommenden Frettag unter dem Vorsitz des Aba. Breidenbach zusammentteten, um einige Vorlagen zu erledigen. U. a. sollen beraten werden: die Vorstellung der Witwe Paul I. aus Nonnenroth bei Gießen bett. Rentenbewilligung, die Vorstellung der Steinbrucharbeiter zu Asch- bach bett. Ausbeutung des Granitsteinlagers und die Vorstellung des Verbandes Hessischer Privatarchitekten bett, die Privatarbeiten der staatlichen Baubeamten. chuldi Gieszener Stadttheater. Sappho Von Franz Grillparzer. G i e ß v*n, 26. Ott. Dieser süße, flirte Rausch, dieses leuchtende, blühende ^eben, gab der gestrigen Aufführung der Sappho, das dem Dichter von all seinen Werken das liebste war, den stimmungsvollen, lauschigen Rahmen. In ihm die ragende, lch erniebrigenbe und — zu sich selbst Hurückgekehrt |— leigende Große der erhabenen Frauengestalt, die üb-er sich )inaus ins Ewige, Unendliche wächst. Gertrude Bau- neister-Felsegg lieh dieser Frau den Leib und hauchte hr den lebendigen Odem ein. Gut in ihrem Spiel, warm unb innerlich in ihrem Empfinben, gab sie Natur. Daß nne leibige Erkältung sie an bet vollen Entfaltung ihrer iimmlichen Mittel hinberte, siel bei ihrer beseelten, schöpferisch erfaßten Darstellung nicht ins Gewicht. Das Gebet and die Sapphische Ode, die zweite von den beiden erhaltenen, arifjen ans Herz. Neben dieser gereiften Kunst Der Mann, der ,nt seiner Liebe zwischen zwei Frauen chwankt, von denen die eine über Geist, die andere über Fugend verfügt, wiro wohl — sofern er nicht ist wie Burü- )ans einfältiger Efel — der lieben dummen Jugend nach- 'olgen, wie es auch Ibsens Baumeister Solneß tut. Die I fugend, die ist nun einmal das schöne, reiche, holde, he- •örenbe Leben, bas uns nicht los läßt, bas lacht und lockt unb -ins selig und gütig macht. Unb achtets bie Jugenb, wenn -in anberes Herz darüber bricht, unb achtet es bas Leben, renn ein Dichter an ihm zugrunbe geht? An bem Leben zer- chellt bie Kraft der Sappho, unb in ber lesbischen Dichterin verkörperte Grillparzer, der damals noch gescholtene -mb gebemütigte Dichter Grillparzer seine Ansicht über bas öos des Dichters, über bas „malhenre b’etre poste", ftne -r es nennt. Sappho unb Solneß — beide gehen unter, oeibe an der Jugend, die auch bas Leben ift Auch Sappho Dürbe sich — im gleichen Zwiespalt — für bie Jugenb -ntschieben haben, für das brausende, blutvolle Leben, für )05 einfältige, glückselige Sein, für das geistarme, un- chuldige Genießen, denn hoch über aller Weisheit und iller Vernunft steht bc& reine, nackte Dasein als höchstes Aut. hatten die übrigen Mitwirtenden einen schweren Stand. Karl Marx spielte den Phaon, warmherzig wie stets, aber an einzelnen Stellen — beim stummen Sinnen z. G. — etwas gleichförmig. Seine Sprache war edel, aber überhöht. Als Melitta, als das süße, geistesarme Ge- schöpschen, war Hilde Engel recht lieb und auch recht nett, aber sie verfiel hin und wieder in einen weinerlichen Ton, der ihrer Leistung starken Abbruch tat. Zudem fehlten häufig die vermittelnoen Ucbergänge, bie hier ent* schiebene Beachtung verdienen. Hier müßte ber Regisseur schärfer einseden. Rolf Gunolt spielte ben Rhamnes ebenfalls einorucksvoll, aber auch nicht ganz ohne Ueberhöhung. Etwas weniger abfichtliche Gewalt wäre vorteilhafter. Elly Gühne als Eucharis unb Karl Volck als Landmann fügten sich ebenso wie die ftummen Spieler passend in den Rahmen. Ueberhaupt: ber Rhythmus der Sprache wirb nicht — unb bas gilt für bie gesamte Dar- ftertung — burch sing en ben Tonfall erschöpft. Besonbers zu erwähnen ist noch die einfache, rtug abgestimmte Ausstattung, wie benn bie Ausführung, bie von Kurt Gühne geleitet würbe, einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. N. » Direktor Gregors Pläne. Hans Gregor, ber neue Direktor ber Wiener Hos- oper, äußette sich bem Vertreter eines Berliner Blattes gegenüber über seine nächsten Zukunftspläne: „Ich freue mich königlich auf meinen neuen Wirkungskreis Ich bin ausschließlich zur künstlerischen unb administrativen Leitung ber Wiener Hofvper berufen unb für den Dirigenten Weingartner wird ein Ersatz gefunden werben müssen." Ueber seine Pläne für die Zukunft befragt erklärte Gregor: „Ich will vorerst auf dem neuen Boden vertraut werden, ehe ich eigentlich künstlerische Initiative entroierte und darin habe ich weitgehende Vollmachten, da meine mündlichen Ver Handlungen mit dem Oberhofmeister Fürsten Montennovo, zu dem ich am Freitag nach Wien berufen worden bin, mich aufs angenehmste überraschten. Ich muß sagen, daß die Vollmachten, die ich in Wien erhalten habe, weit über das hinausgehen, was ich erwarten zu können glaubte. Auch in Bezug auf Neu Engagements und Neu-Juszenierungen. Besoirdere Pläne habe' ich auch in dieser Hinsicht nicht, doch werde ich auch in Wien das Prinzip verfolgen, das ich bisher gehabt habe: fein Star-System, sondern gute, einheitliche Ensemble-Wirkung. Was aus der „Komischen Oper" (in Berlin) werden wirb, weiß ich im Augenblick noch nicht. Ich möchte gern, ehe ich nach Wien gebe, hier mein Haus bestellen und hoffe, einen annehmbaren Käufer für mein Theater zu finden, das mein ausschließliches Eigentum ist." * Ueber die Zukunft ber Berliner „Komischen Oper" verlautet, es habe sich bereits eine Gesellschaft aus Berliner unb Wiener Theaterdirektoren zur Uebernahme des Theaters gebildet. Das Haus soll in ein Gastspiel-Theater umgrivandelt werden, das für bestimmte Monate des Jahres an fremde Gesellschaften vermietet wird. U. a. soll Direktor Jarno dieser Aktiengesellschaft beigetreten fein. Gregor wird Anfang November auf längere Zeit nach Wien reifen, um dort die ihm bevorstehende Aufgabe unb das verschiedene Personal zu studieren. Sein Vertrag ist aus zehn Jahre abgeschlossen. Mitbestimmend für die Berufung Gregors war, daß man in Wiener Ho streifen lebhaft wünschte, das gute Verhältnis zu dem Berliner Generalintendanten v. Hülsen, das durch Weingartners Konflikt mit der Wiener Hofkapelle getrübt wurde, wieder herzustellen. — Die internationale Tuberkulvsekonfereirs in Brüssel beschloß ihre Arbeiten mit der Ernennung von korrespondierenden Mitgliedern unb der Einsetzlrng von zwölf bau er nb en Ausschüssen für die hauptsächlichsten wissenschaftlichen unb sozialen Fragen, bie für die Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit in Bcttackft kommen. Die Bcrick^e sollen als Ergebnis des ersten Jahrzehntes ber Tätigkeit der Internationalen Vereinigung gegen die Tuberkulose dem im September 1911 in Rom stattfindenden Kongreß gewidmet werden. — KurzeNachrichtenausKun st u. Wissenschaft. Der Zeichner Johannes Klinger, der, wie gemeldet, vom Gvoßherzog in die Künstler ko lonie nach Darmstadt berufen war, hat um Zurücknahme seiner Berufung gebeten, da er sein Berliner Atelier nicht aufgeben möchte. Seiner Bitte ist entsprochen worden. — Der kürzlich verstorbene Che^ mifer Hofrat Dr. Caro, Ehrendoktor bei- Universität Heidelberg, hat dem dortigen chemisck>en Institut 10 000 Mark hinter- raffen. — Die Gesellschaft deutscher Naturforscher und 91 er 8 t e hat dem Oberleutnant Filchner 1000 Mark zur Beschafftlng meteorologischer Instrumente für seine Südpolarexpedition bewilligt. — Der königliche Lotterie- meister und königlick>e Ballettmeister der Hosschule in Hannover, August Lindner, früher in München und Wien, ift an ben Folgen, einer Nierenoperation, gestorben^ Deutscher Reich L 5 Gi Gi Ausland. Die Pforte hat den Minister Pichon davon verständigt, daß sie den in Smyrna verhafteten Tunesier Kittani gemäß der französischen Forderung an die ägyptischen Behörden ausliefern werde. Sie werde ferner die Lokal- oehörden beauftragen, die Privilegien der in der Türkei wohnhaften Algerier zu respektieren. Minister Pichon h a t Mm weitere bestimmte Mitteilungen ersucht. Der türkische Finanzminister hatte, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, am Dienstag eine längere Unterredung mit dem deutschen Botschafter. In Madrid eröffnete am Dienstag der Jnfant Carlos den Kongreß zur Bekämpfung des Mädchenhandels. Der Justizminister hieß die Teilnehmer des Kongresses willkommen. Die Infantinnen Maria Isabella und Maria Delapaz wohnten der Eröffnung bei. Unter dem Vorsitz des Reichstagsabgeordneten von Dircks en sand sodann die erste Sitzung statt. In Montevideo entdeckte man eine revolutionäre Verschwörung; die Hauptanstifter wurden verhaftet. Es soll sofort eine Depeschenzensur eingeführt werden, um die Verbreitung beunruhigender Nachrichten zu verhüten. Die Regierung ergriff alle Maßnahmen, um die Ruhe zu sichern. Letzte Nachrichten. S Steinberg (Kr. Gießen), 26. Okt. Gestern abend setzten halbwüchsige Burschen einen auf einer abschüssigen Straße stehenden mit Dung beladenen Wagen in.Bewegung. Dabei wurde das fünfjährigeTöchterchen Softe der Arbeiter Freund Eheleute «von dem Wagen erfaßt unb totgedrückt. Öll ■ an tai s lv, an I «1 Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten invesien tun Donnerstag öem 27. Oktober 1910: Meist heiler, vereinzelt Morgennebel, kühler, östliche Winde. (ßerictytsfaaL rm. Darmstadt, 25. Okt. Der Hausierer und Natur- henklmdige Joh. Herzberge aus Queckborn hat in der letzten Zett in der Gemarkung Bieber bei Offenbach an einem minber- lahrigen Mädchen unzüchtige Handlungen vorgenommen. Nach Ansicht des Sachverständigen ist er geistig minderwerng. Er muß aber seine Verfehlung mit sechs Monaten Gefängnis büßen. ö 26. Okt Hier wurde ein Redakteur hu 4000 Mark sowie zur Festhaltung im Gefängnis bis zur Zahlung des Geldes verurteilt und zwar wegen Beleidigung des Gerichtshofes, weil er im August, während der Fall Crippen noch nichtabgeurteilt war, gemeldet hatte, daß Crippen seine Frau vergiftet habe und bereits geständig sei. , London, 25. Okt. Vor dem Geschworenengericht in Old- bauey begannen die Verhandlungen gegen Miß Le Neve, welche der Teilnahme an der Ermordung der Frau Crippen angeschuldigt ist. Eine dichtgedrängte Menge füllt die Halle, vor allem ist das weibliche Publikum stark vertreten. Kronanwalt M'u r r eröffnete die Verhandlungen und wiederholte die im Prozeß Crippen erfolgte Beweisaufnahme. Auf die übliche an sie gerichtete Frage erklärte die Angeklagte sich als nicht schuldig. Nach längerer Verhandlung wurde die Angeklagte von den Geschworenen freig e sprachen. " Das Unwetter in Süöitaüen. Rom, 25. Okt. Nach den neuesten Nachrichten sind He Beschädigungen in der Nachbarschasi des Vesuv nicht groß. Die Meldungen von Ischia bestätigen, daß das Unglück nicht so bedeutend gewesen ist, wie man nach den ersten Gerüchten über die Zerstörung Casamissiola und einen großen Teils von Ponte d'Jschia glaubte. In Casamissiola stürzten nur etwa 15 Häuser ein, hundert andere wurden allerdings beschädigt, ebenso das Elektrizitätswerk. 10 Menschen sind umgekommen. In Laceoameno und Ischia ist kein Sck-aden zu verzeichnen, dagegen ist die V e r w ü st u n g an der Küste von Amalfi und besonders in den kleinen Fischerdörfern Cetara Majori sehr groß gewesen. Der Minister Sächi ist in S al erno cingetrosfen und sckstifte sich auf einem Schleppdampfer zur Besichtigung der Küste ein. Die Zeitungen veranstalten jnit den neuesten Nachrichten über das Unwetter in Süditalien Sonderausgaben. Nach ihnen wurden die Städte C a s s a m i c c i o l a und Ischia auf der Insel Ischia nicht zerstört. Dagegen sollen in Cetara, in der Provinz Salerno, 200 Menschen umgekommen sein. Bis heute mittag waren 14 Leichen aus den Trümmern geborgen. Salerno, 25. Okt. Minori hat durch die Ueber- schwemmun^ s e hr gelitten; man fand bisher vier Tote unter den Trümmern. In Majori sind viele Häuser ein» gestürzt. 20 Menschen wurden beim Einsturz erschlagen. Die Straße von San Salerno nach Positano ist unterbrochen, da mehrere Brücken zerstört sind. „ Die persische Frage. u, Teheran, 26. Okt. Ueber die Zurü ckz-ieh u n g der un russischen Truppen wird berichtet, das Kabinett fei v bereit, den Wünschen der rilssischen Regierung betreffend die Anerkennung des Statusquo in Bezug auf die Autom 0 - bile zu entsprechen, welche die Russen vor einigen Monaten aus der Straße Julfa-Tädris eingeführt Hütten, ohne Ein- uhrzölle zu bezahlen, wogegen der gegenwärtige Finanz- Minister später energisch Protest erhoben habe. Die Anerkennung des Statusquo hängt jedoch, wie es heißt, von gewissen wichtigen Bedingungen ab, von denen die hauptsächlichsten sind: 1. Rußland muß sofort nach der formellen Geflügelzüchtern eine willkommene Gelegenheit sein, gutes Junggeflügel zu erwerben. Igr Kreis Alsfeld. A Alsfeld, 25. Okt. Die Provinzial-Kaninchen- AuSstellung war mit 100 Nummern beschickt. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis: I. Jungtierklasie: Ehrenpreis: Hch. Marx-Butzbach und Hch. Benner-Gießen; 1. Preise: Peter Schmidt-Alsfeld, Hch. Schmidt - Gießen, 2. Preise : L. Bernhardt - Gießen, P. Schmidt - Alsfeld, W. Jakobi-Stammheim, O. Hahn-Vadenrod, Hugo Klingel- höser-Alsfeld, 3. Preise: Hch. Benner II.-Gießen, P. Riediger- Alsfeld, E. Ulrich-Butzbach, ft. Reitz-Stockhausen, H. Klmgel- höfer-Alsfeld und I. Eder - Alsfeld. II. Zuchttierklasse : 1. Belgische Riesen Ehrenpreis der Stadt Alsfeld Hch. Marx- ; Butzbach, 2. Preise: Fr. Faust-Brauerschwend, Ö. Hahn- Badenrod, Th. Rühl-Altenburg, W. Jakobi-Stammheim; 2. deutsche Riesen-Schecken: I. I. Rühl-Altenburg 3. Preis; 3. Silber: Ehrenpreis Hch. Marx-Butzbach, 1. W. Jakob» Alsfeld, 2. L. Harnisch I. - Watzenborn » Steinberg, Wilh. Jakobi-Stammheim, 3. Jak. Nolte-Gießen, K. Heil-Gießen und L. Harnisch-Watzenborn; 4. französische Widder: Verbands-Ehrenpreis: Hugo Klingelhöser-Alsfeld; 1. H. Klingel» böfer-Alsfeld, 2. K. Reitz-Stockhauien, 3. Klingelböfer-Als- ield; 5. Angora: 2. O. Hahn-Vadenrod; 6. Holländer: 3. Hch. Koch-Alsfeld.1 -tt- Eifa bet AlSseld, 25. Okt. Ein hier bediensteter Knecht aus Wernges wurde bei der Kirchweih am vergangenen Sonntag, nachts um 2 Uhr, durch einen Alsfelder Knecht namens Blum in den Unterleib gestochen. Der Täter, der sich auf dem Rückwege von einer benachbarten Kirchweih befand und in betrunkenem Zustand unruheftlftend in das Lokal eindrang, ist ein übel beleumundeter Mensch. Er wurde am Montag früh in Alsfeld verhaftet. Der Gestochene liegt im Alsfelder KreiSkrankenhaus. An seinem Auf» kommen wird gezweifelt. Hesien-RaffaL. [] Marburg, 25. Okt. Em auf heute abend in dem großen Saal des Restaurants Quentin einbernfene öffentliche Volksversammlung mit der Tagesordnung „Der Ausstand der Brauereiarbeiter in der Brauerei Bopp" konnte nicht stattfinden, weil trotz ausdrücklicher Mietung und Bezahlung der Miete, wie es im Flugblatt hieß, in letzter Stunde der Saal verweigert wurde. Das Lokal ist kürzlich in das Eigentum der Brauerei Bopp übergegangen. X Niederwalgern, 25. Okt. Hier fiel gestern ein Kind in ein Waschf a ß und ertrank. O Bottenhorn, 24. Okt. Ein großes Fest für unser Dorf war die heutige S ch u l einwe i h u n g. Die alten Räume, die erst 1878 in Benutzung genommen wurden, erwiesen sich schon lange Zeit als zu klein und der Gesundheit von Lehrern und Schülern schädlich. Das neue dreiklassige Gebäude kann dagegen als ein Muster feiner Art bezeichnet werden, sowohl ivas äußere, als auch innere Einrichtung an» belangt Ansprachen bei seiner Weihe hielten außer den beiden Lehrern, Stotz und Krause, Landrat Dr. Daniels aus Biedenkopf und Kreisschtllinspektor Prem er aus Gladenbach. Ersterer gedachte der Gemeinde Bottenhorn als Bau» Herrin, die auch auf anderen gemeinnützigen Gebieten schon viel Anerkennenswertes geleistet habe, und schloß mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser, während Prerner sich mit Worten ernster Mahnung an Lehrer und Schüler wandte. Die Feierlichkeiten rourben sehr gehoben durch die Mitwirkung des hiesigen Posaunenchores und eines neugebildeten gemischten Chores. iv Frankfurt a.M., 25. Okt. Der Umstand, daß sich die Kaimauer des im Bau begriffenen Osthafens auf einer Strecke von 70 Metern verschoben hatte, rief Beunruhigung hervor und führte zu einer Anfrage in der heutigen Stadtverordnetensitzung. Stadtrat Franze konnte jedoch die beruhigende Versicherung geben, daß die Aus- bauschung nur 38 Meter betrage und zum Stillstand gekommen ist. Die Ursache ist in einer Rutschfläche unterhalb des Fundaments der nahegelegenen Brotfabrik zu suchen. Kardinal Kopp hat demnach seinen Bries von der „Verseuchung" des Westens selbst ausdrücklich bedauert. Lustschiffahrt. Landung des Ballons „Amerika". c. - 2? r! t 25. Okt. Ein Telegramm aus Montreal bewgt, daß der bisher verschollene Ballon „A m e r i k a" im N o r - ^ent.rL niedergegangen ist. Die Fahrer sollen wohlbehalten )etn und sich bereits auf dem Wege nach Quebec befinden. St. Louis,25. Okt. Vom Bureau des Aerollubs zu i derben die Zeiten und Entfernungen der neun bisher gelandeten und ausgesundenen Gordon Bennett-Ballons folgendermaßen angegeben: B „Düsseldorf" (deutsch) 42 Stunden, 1100 Meilen. „Germania" (deutsch) 43 Stunden, 1040 Mellen. „Helvetia (schweiz.) 45 Stunden, 850 Meilen. „Azurea' (schweiz.) 42 Stunden, 772 Meilen. „Harburg" (deutsch) 27 Stunden 46 Min., 750 Mellen. „X? eobc }ce" (sranz.) 34 Stunden 36 Min., 725 Mellen. „St. Lours' (amerck.) 28 Stunden, 550 Meilen. "Andor (ftanz.) 22 Stunden 20 Min., 410 Meilen 'zMs lwn Population Club" (amerik.) 14 Stunden 32 Min., 31a Merlen. . Am den Mühsalen und Gefahren, die unsere Landsleute in den Waldern Kanadas zu bestehen hatten, gibt folgendes Telegramm iwch em gutes Bild: Bei den Landtags st ichwahlen zu Leipzig er» Hielt am Dienstag Zoephel (Natl.) 14452, Bammes lSoz.) 7780 (Stimmen. Zoephel ist somit gewählt. Dio Straßenbahnangestellten in Bremen haben in einer Versammlung die von ihren Beauftragten mit der Aufsichtsbehörde getroffenen Vereinbarungen angenommen lund beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. In einer öffentlichen Versammlung des Ka- Lholischen Frauenbundes in Düsseldorf hielt Kardinal Fischer eine Rede, in der er u. a. sagte: Ich nehme um so bereitwilliger an Ihrer Versammlung teil, als in der letzten Zeit etwelche Schatten auf das Wirken des Vereins zu fallen drohen. Sie wissen, wohin ich ziele, ich denke an einen von hoher Stelle rührenden Brief, der jüngst durch eine tadelnswerte Indiskretion in die Oeffentlichtest gedrungen ist. Ich weiß ganz bestimmt und bin autorisiert, c 5 hier auszusprechen. daß der hohe Verfasser des in Rede stehenden Briefes die in demselben eingeflochtenen scharfen Ausdrücke bedauert und daß er durckxius nicht die Absichten hatte, die man ihm unterstellt. Ich weiß namentlich und erkläre es auf das allerbestimmtesde, daß er die treue tirdy liche Gesinnung des Frauenbundes in keiner Weise bezweifelt, ihn vielmehr auch für die Zukunft seines Vettrauens ausdrücklich versichert. fianöcL Berlin, 25. Okt. In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank führte der Präsident auf Grund des Bankausweises vorn 22. Oktober aus, die Rückflüsse hätten sich befriedigend gestaltet und der Stand i, sei wieder normal. Die Diskontierungen, insbesondere auch , in Berlin hätten nachgelassen. Die Frage der Diskonterhöhung stehe daher zunächst nicht zur Erwägung. Ob man mit dem jetzigen Satze bis zum Jahresschluß auskommc, hänge von den Ansprüchen an die Bank und von der Be» | wegung der Devisenkurse ab. Der Ueberschuß des Goldimports über den Export belief sich bis 23. Oktober 1910 auf n 145 Millionen Mark, hiervon erhielt die Reichsbank 70 Mill. Mark. Griglnal.vrahtmelSungen. Eine Ministerkrifis in Frankreich. Paris, 26. Okt. Trotz der Erklärung des Ministerpräsidenten Briand, daß er an keine Umgestaltung des Kabinetts denke, wird voraussichtlich eine teilweise Kabinettskrisis wegen der im Ministerium bestehenden Meinungsverschiedenheiten über den vom Minister der öffentlichen Arbeiten ausgearbeiteten Gesetzentwurf über die Errichtung eines Eisenbahnerschiedsgerichts kommen. Mehreren Ministern geht der Entwurf nicht weit genug. Wahrscheinlich wird es zum Rücktritt Vivianis kommen. Kleine Tnaesckironik. Der Schnellzug 121 Metz-Gießen überfuhr am Dienstag morgen auf v>ent Ueberwege am nördlichen Flügel des . Bahnhofes Hetzerath bei starkem Nebel infolge noch- i maliger Oeffnung der ^bereits geschlossen gewesenen Zug. schranke ein Fuhrwerk. Der Fuhrmann wurde ge» tötet, der Wagen -zertrümmert. Im Koblenzer Ausstellungssaal wurden bei einem Einbruch eine Menge historisch wertvoller Gegen^ st ä n d e gestohlen. Bei einem Einbruch in das Pfarrhaus zu Habscheid bei Trier erbeuteten Diebe 15 000 Mark in 20-Markstücken. 80 Goldstücke trugen das Bildnis Kaiser Fredrichs. Bei Sterling in Tirol ist man beim Setzen von elekttischem Leitungsmasten aus g o l d - und silberhaltiges Quarz- g e st e i n gestoßen, das reichen Gewinn erhoffen läßt. Tas Metall ist bis zu einer Stärke von 6 Mlllimeter eingesprengt und weißt einen Goldgehalt von 2 Gramm auf einen Kilogramm Gestein auf. Der Postmeister Kämmerer vom Briespostamt Nürnberg wurde unter dem Verdacht der Unterschlagung amtlicher Gelder in Höhe von etwa 40000 Mark in Untersuchungshaft genommen. Das Gepäck des Prinzen Heinrich von Bayern wurde während der letzten Jtalienreise zwischen Mailand und München von Dieben geplündert. In Herzogenrath ist ein von Aachen kommender Klein bahnwagen mitten im Ott in der Nähe der Kirchs entgleist. Ter Wagen beschädigte die Umfassungsmauern der Kirche entgleist. Der Wagen beschädigte die Umfassungsmauer der Kirche und stürzte gegen einen Laden. E i n Mann tourbegetötet. Von den Passagieren des vollbesetzten Wagens wurden, soweit festgestellt ist, 22 teils schwerer, teils leichter verletzt. Aus Stadt und Land. Gießen, 26. Oktober 1910. ** Lehrerpersonalien, lieber trag en wurde dem nchulamtsaspiranten Hch. Frey aus Sulzhcim eine Lehrerftelle an der Gemeinde,chule zu K.'lein-Auheim, dem Schul- -amts-aspiranten Joh. I l l y aus Hamm eine Lehrerstelle an der Gemeind es chtlle zu Astheim. Erledig ist die mit einem evang. Lehrer z-u besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde- schu.le zu Dirlammen. Mit der Stelle ist Organisten-- und Lektorendienst verbunden. ** Geheimerat Karl Pückel ist, wie wir schon telegraphisch mitteilten, in der b ergangen en Nacht plötzlich im Alter von 67 Jahren gestorben. Er war Vortragender Rat und Mtnisterialrat im Ministerium der Justiz und seit langen Jahren auch Vorsitzender der Prüfnngskom- mrsston für das juristische Staatsexamen. Geheimerat Pückel war in Bndrngen geboren und gehörte dem hessischen Richter- 4tande seit Cmde 1871 an. Er war zuerst Assessor beim Amtsgericht Homberg, dann in ^Vilbel, wo er 1880 Amtsrichter wurde. 1881 wurde er Landgerichts rat in Gießen Im Jahre 1893 wurde er als Landgerichtsrat nach Darmstadt versetzt und ein Jahr darauf zu.m Oberlandesgerichtsrat betm Überlandesgericht berufen. Am 2. Mai 1896 erfolgte seine Berufung als Ministerialrat beim Ministerium des Innern und der Justiz; bei der Trennung der beiden Mi- mfterien blieb Pückel beim Justizministerium. Der Ber- ewrgte war bis zuletzt sehr rüsttg und in der Darmstädter Gesellsckwft aff gemein geschätzt und beliebt. Er führte auch ber der am vorigen Donnerstag beendeten mündlichen Prü- rung für das zweite juristtsche Examen noch bis zum Schluß den Vorsitz, so. daß sein jetziges Ableben recht unerwartet kommt. "Juseum für Völkerkunde. Zu der Notiz über dre Erossnung des Museums, die in der Montagsnummer enthalten war, sei mttgeteilt, daß der Konservator des Museums Herr A v. Schultz ist. Stadttheater. Es sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Abendvorstellung am nächsten Sonntag („Försterchristei*) auSnahmSlveise um 8 Uhr statt 71/» Uhr beginnt wegen des nachmittags im Theater stattfindenden Konzertes des Konzertvereins. — Arn Montag, 31. Oktober, findet, wie schon erwähnt, daS einmalige Gastspiel der Schlaftänzerin und Mimikerin Madeleine Tr il bg statt, zu dem Abonnenten gegen Vorweis der Ermäßigungskoupons ermäßigte Eintrittspreise genießen. Madeleine Trilby singt und tanzt, bezw. versinnbildlicht im Traumzustande klassische und moderne Werke berühmter Meister aus Vergangenheit und Gegenwart, illustriert schauspielerisch Gedichte und Monologe aller Art in künstlerischer Vollendung und stellt alle menschlichen Empfindungen und Leidenschaften in plastischer Pose dar. — Der Darbietung deS Gastes, die auch in Kreisen der Wissenschaft Interesse erregen dürfte, geht eine Aufführung des Schwanke? „Im weißen Rößl" voraus. *♦ Die Maul- und Klauenseuche ist ausge- ^^5AEn^nd erloschen in Dresden (Schlachtviehhof) E/2 >Okt. — Die Seuche ist au s gb r o che n in De u t s ch- ho s, Meis Schildberg, RegierungÄbezirk Posen, am 23. Okt. Kreis Büdingen. »Tü b i n g e n, 25. Okt. In der heutigen Kreis- ? ^2U lU u? 9 die von der Wahlkommission bestätigte Wahl des Sparkassenrechners Ringshausen öum Beigeordneten der Stadt N i d d a für ungültig erklärt uud Muhlenbefttzer Ludwig Erk als Beigeordneter bestätigt Die Kosten der Reklamationen wurden der Stadtkasse auferlegt. 29 Okt. In Verbindung mit der am A- und 30. Oktober hier stattftndenden Provinzial- Geflug el-Au ssteklung veranstaltet der Landwirt- !H°!iskammer-Ausschuß für Oberhcssen eine I u n g g c s l ü - gzebenausrjf11 s°'s"°2?^^^szuchtstatronen. Zu dieser ähanhnH8PJUlb s17o = r-bhuhnfarbige Italiener, 11,20 toa =T'3 unb ,2A Wto