Erstes Blatt 160» Jahrgang Dienstag 26. Juli 1910 Nr. 172 Der Sietzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZamilienblätter; zweimal wöchentl.Areis- blatt für bcn Kreis Gitten (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Landwirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. *«rw ä ä Bezugspreis: W j£ WA d monatlich 75Pf^ viertel- Giehener Anzeiger» WM Verantwortlich für den SenerÄ-Lnzeiger fit Sberhesjen W8 Rstationrdnick und Verlag der SrShl'schen Unio.-Vuch- und Sterndruckerei R. Lange. Redaktion, (Erpebition uns Druckerei: Schulftratze 7. Anzei'g-nie^?'H? Beck. politische Tagesscha«. Abg. Strefemann über Baffermanns Rücktrittsgedanken. Der Abgeordnete Strefemann legt in der „Nationallib. Korresp." dar, was an den Gerüchten über Basfermanns Mcktrittsabsichten wahr ist: Wann und wo hat Bassermann jemals offiziell erklärt, daß er zurückzutreten gedenke? Niemals. Vor einem Jahre hat der Abgeordnete Fuhrmann in einer Versammlung in Ostpreußen erklärt, die Kämpfe um die Reichsfinanzreform hätten Bassermann gesundheitlich so mitgenommen, daß es zweifelhaft sei. ob er bei den nächsten Wahlen wieder kandidieren werde. In diesem Jahre hat Bassermann eine ihm gebotene Kandidatur in Saarbrücken für 1911 ab gelehnt. Wie kann man daraus als Tatsache folgern, der Führer der National liberal en wolle aus der Politik ausscheiden? Im vorigen Jahre und diesmal erhielt Bassermann telegraphische Anfragen von einer großen Anzahl Zeitungen, ob sein Rücktritt definitiv sei. Soviel ich weiß, hat er keiner einzigen eine be- jahende Antwort gegeben. Was fest steht ist folgendes: Bassermann glaubt ein Anrecht darauf zu haben, sich von der Politik auf einige Jahre zurückziehen zu können, weil sein Gesundheitszustand ihm ein Ausruhen wünschenswert erscheinen läßt und weil er es hart empfindet, seine persönlichen Neigungen, die ihn auf weite Reisen und die Betätigung manches künstlerischen und wissenschaftlichen Triebes hinausführen, dauernd dem Mandat zürn Opfer bringen zu müssen. Das hat Bassermann seinem engeren Freundeskreise schon während der Aera Bülow wiederholt ausgesprochen; damit hängt vielleicht zusammen, daß er den neuen Kräften in der Fraktion nicht nur Spielraum ließ, sondern sie geradezu anspornte, sich auf den ihnen naheliegenden Gebieten parlamentarisch zu betätigen. Auf Wunsch seines politischen Freundeskreises Hut Bassermann versprochen, sich nicht festzulegen, sondern eine endgültige Entscheidung erst vor den nächsten Wahlen selbst zu treffen. Die politische Lage würde Bassermann nicht zum Rücktritt zwingen, sondern im Gegenteil veranlassen, zu bleiben, da die nationalliberale Partei gerade in jetziger Zeit und nach dem Rücktritt Hiebers seiner Persönlichkeit mehr als je bedarf. An einer anderen Stelle fährt Strefemann fort: Gewiß hat Bassermann Gegnerschaft auch in den eigenen Reihen. Welcher Parteiführer hätte sie nicht? Zeit seines Lebens wurde Bassermann gehaßt von dem Abgeordneten von Worms, der ihm die Führerschaft nicht verzeihen konnte; wegen seines sozialpolitischen Programms grollten ihm Kreise der Großindustrie. Gerade jetzt läßt der Reichskanzler alle Minen springen, um die Großindustrie für sein Programm der Sammlung zu gewinnen, der Zentralverband deutscher Industrieller sekundiert ihm dabei, was Wunder, wenn aus den geographischen Zentren der Groß- ;nbuiirie Kritik an dem nationalliberaien Führer geübt wird, der nicht in einer formalen Sammlung der bürgerlichen Parteien, sondern in der tatsächlichen Anerkennung der Gleichberechtigung des Liberalismus die Gewähr einer Zurückdrängung der sozial- oemottatischen Hochflut erwartet? Hinter Bassermann und seiner Politik steht die ganz überwiegende Mehrheit der Parteigenossen im Lande, das wird der Parteitag in Kassel denjenigen! zeigen, die mit Vergnügen auf eine Unterwerfung der national- liberalen Partei unter den Willen der „Kreuz-Zeitung" hoffen, die vielleicht vor Kassel noch die Güte hat, kundzutun, wer außer Bassermann noch das Mandat niederlegen muß, um die nationalliberale Fraktion wieder bündnisfähiger zu machen. * Konfessionen und Feuerbestattung. Wie uns mitgeteilt wird, wurden im Jähre 1909 insgesamt 4779 Verbrennungen in deutschen Krematorien vorgenommen. Von den eingeäscherten Personen waren 3727 evangelisch, 401 katholisch, 38 alt kath olisch, 220 israelitisch, 65 freireligiös, 68 Dissidenten, 11 anderen Bekenntnisses (Buddhisten usw.) und bei 349 Personen war ein Bekenntnis nicht anzugeben. Das männliche Geschlecht war im ganzen in 2977, das weibliche in 1802 Fällen beteiligt. Gegen das Vorjahr 1908 ist allgemein eine Steigerung der Bestattungen in Krematorien zu konstatieren. Die Verbrennungen nahmen um 729 zu, und im ganzen wurden überhaupt bis jetzt auf allen 24 deutschen Einäscherungsstätten bis Ende 1909 2 3 0 0 0 Personen verbrannt. Alle Krematorien mit Ausnahme der von .Heilbronn und Karlsruhe wiesen eine Steigerung des Betriebes tauf. Bemerkenswert ist, daß auch in England, wo man sich bisher int allgemeinen ablehnender gegen die Feuerbestattung verhielt, die Zahl der Verbrennungen zugenommen hat. 1909 wurden 855 Personen eingeäschert, was eine Zunahme von 60 gegen das vorhergehende Jahr bedeutet. Im ganzen wurden seit der Eröffnung des Woking- Krematoriums im Jahre 1885 bis Ende 1909 8121 Feuerbestattungen vorgenommen. Kürzlich wurde eine „Crema- tion Society" in Edinburgh gegründet, die die Errichtung eines Krematoriums in der City von London zum Zweck hat und eine ausgedehnte Propaganda betreibt. Es ist zu erwarten, daß ein Feuerbestattungsgesetz nun auch in Preußen vorgelegt werden wird, und es wird sich nach dessen Verabschiedung zeigen, ob das Bedürfnis nach Feuerbestattung wirklich so groH ist, wie es den Anschein hat. Vielleicht behalten die Stimmen nicht Unrecht, die die Bewegung eine vielfach künstlich angefachte nennen und eine Ueberproduktion von Krematorien befürchten. * Internationale Industrie, und Gewerbe-Ausstellung Turin 1911. Das Präsidium des deutschen Komitees für die Turiner Ausstellung teilt uns folgendes mit£ Von den 3500 qm, welche von dem deutschen Komitee in der Maschinenhalle belegt worden sind, wurden bereits 3200 qm vergeben. Durch Entgegenkommen der italienischen Ausstellungsleitung sind außerdem 700 qm zur Verfügung gestellt, mit dem Bemerken, daß eine weitere Ausdehnung nicht möglich ist. In der Maschinenhalle sind also .nur noch 1000 qm zu vergeben. In bei" Elektrizitätshalle waren 1000 qm belegt, von denen bis jetzt rund 700 qm vergeben sind. Auch in tue) er Halle sind ebenfalls noch nachträglich 500 qm zur Verfügung gestellt, so daß noch über 800 qm disponiert werden kann. Von dem 10 000 qm umfassenden deutschen Jndustriepalast sind bis jetzt 3000 qm fest übernommen. Der deutschen Industrie ist noch reichlich Gelegenheit geboten, sich an dem friedlichen Wettbewerb mit den fremden Nationen zu beteiligen, unter denen besonders die englische und französische eine außerordentliche Tätigkeit entwickeln, * Mängel in der Post-Organisation? Ein rheinischer Postdirektor schreibt der „Rhein.-Westf. Zeitung": Niemand wird dem verstorbenen Generalpostmeister von Stephan die Verdienste um den Weltpostverein bestreiten. Hier hat er Großes geleistet. Völlig verfehlt und eine Quelle des Verdrusses ist aber seine Personal-Organisation geblieben. Entgegen dem kaufmännischen .Grundsätze: einige wenige, tüchtige Kräfte als Leiter teuer zu bezahlen, im übrigen mit möglichst billigen Arbeitskräften zu arbeiten, war seine Organisation darauf bedacht, möglichst wertvolle, koistspielige Arbeitskräfte für die einfachsten Beschäftigungen anzustellen. So waren z. B. unter Stephan die Schalterbeamten nur höhere Beamte, Leute, die das Abitur mit „gut" unter Befreiung vom mündlichen Teile gemacht haben mußten! Solche Arbeitskräfte mußten Freimarken verkaufen! Neuerdings ist ein großer Fortschritt gemacht, aber der Fortschritt ist noch immer nicht radikal genug gewesen. Jetzt sitzen statt der höheren die mittleren Beamten am Schalter, am Fernsprecher, am Morseapparat, am Briefsortierspind. In jedem kaufmännischen .Geschäfte erledigen die entsprechenden Arbeiten Lehrlinge und junge Mädchen, Hausdiener und Laufburschen. Weshalb wird nicht der ganze Markenverkauf an Unterbeamte und Automaten, 'noch besser gegen Prozente an Gewerbetreibende abgegeben? Feder Beamte kann ein Lied singen davon, welche Arbeitskraft täglich mit dem Aufstellen des Bestandnachweises, der Uebergabe an den Nachfolger, dem Nachzählen durch diesen vergeudet wird! Weshalb müssen mittlere Beamte, also Leute, in der Mehrzahl versehen mit der Berechtigung zum Einjährig-Frei- willigen-Diertste, zur Bedienung der Telegraphenapparate ausschließlich verwendet werden? Im Heere und in der Marine bedienen das umfangreiche moderne Telegraphensystem „mit allen Schikanen" doch einfache Gemeine, Handwerksburschen, Matrosen, Schiffer, Kellner usw. Weshalb müssen eben diese mittleren Beamten solch geradezu primitive Tätigkeiten ausführen, wie das Verteilen der Briefe für Abholer in die Fächer? Eine Tätigkeit, die jeder Lehrling in einigen Tagen erlernt! Ist der Dienst des Geldbriesträgers, der täglich Tausende von Mark auszahlt, Aufträge einlöst, Aufträge protestiert, die Anweisungen zu den bezahlten Nachnahmen ausfertigt, nicht viel umfangreicher und anstrengender, als der eines mittleren Beamten, der einen ganzen halben Tag nur Postanweisungen oder Einschreibebriefe annimmt und mitunter stundenlang vor langer Weile fast umkommt? Auf verschiedenen großen Postämtern wird das Sortieren der gesamten Briefpost, eine rein mechanische Handarbeit, von Unterbeamten besorgt. Weshalb geschieht das nicht auf allen Aemtern? Dreiviertel der Stellen für mittlere Po stund Telegraphen beamte können von Unter-. beamten besetzt werden, denen eine entsprechende Ausbildung, unter gleichzeitiger Vereinfachung des viel zu umständlichen Dienstbetriebes, zuteil werden muß. Die jetzt vorhandenen mi fieren Beamten müssen aufgeb rauch t und allmählich in besser bezahlte, verantwortungsvollere Stellungen übergeführtwerden. Neue Anwärter für die mittlere Laufbahn dürfen für die nächsten 10 bis 20 Jahre nicht angenommen werden. Jedes Post- und Telegraphenamt müßte die offenen Stellen mittlerer Beamten aus den tüchtigsten (nicht etwa den dienstältesten) Unterbeamten ausfüllen. Rechnet man bei 33 000 Assistenten, daß allmählich 28 000 Stellen mit Unterbeamten besetzt werden, die ia rund 1000 Mark jährlich weniger kosten, so kommen allmählich 28 Millionen Mark Ersparnisse pro Jahr heraus. Der ewig unzufriedene Postassistent verschwindet dann, und zu der Unterbeamtenlaufbahn wird sich eine Fülle tüchtiger Leute drängen, die dann nachher einen Stand zufriedener, selbstbewußter, staatstreuer Beamter abgeben. 3m Schweizer Denkbaren". 4 Luzern, 24. Juli. Im Vestibül des prächtigen Schweizerhof-Hotels am gleichnamigen Quai in jLuzern hängt seit dem heutigen Sonntag ein neuartiger Fahrplan aus, ein Fahrplan, wie er dereinst vielleicht all die Pläne der Eisenbahnen, Alpenposten, Dampfschiffstrecken und elektrischen Bahnen überflügeln wird, der erste Luftschiffahrplan der Welt. Er hat freilich zurzeit noch ein beschränktes Programm : Luzern — Rund um die Rigi oder den Pilatus — und zurück nach Luzern. Er kennt auch« nur zwei Fahrkarten^ eine M 200 und eine zu 300 Francs. Für 200 Fr. eine Stunde, für 300 Francs zwei Stunden im ershen lenkbaren Luftschiff der Schweiz, rund um den Vierwaldstätter See. Der Hotelportier aber, der künftighin die Gäste fragen wird: Bitte, wohin fliegen Sie? wird sich immer mit Stolz daran erinnern, daß die schweizerische Hotelindustrie es gewesen ist, die das neue Verkehrsmittel zuerst in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat, nachdem die Düsseldorfer Pläne zusammen mit der „Deutschland" im Teutoburger Walde vorläufig gescheitert sind. Wir Deutschen hätten also eigentlich Grund, mit gemischten Gefühlen die heutigen ersten und, wie gleich porweg bemerkt sein mag, glänzend gelungenen Aufstiege des schweizerischen Denkbaren" zu nennen, wenn nicht die begründete Hoff- mntg bestände, daß er nur der Platzhalter für Graf Zeppelins lange aber bisher umsonst ersehnte Schweizer Z-Schfff sein wird. Man weiß, daß die allerersten Fahrten des württembergischen Grafen ins schweizerische Nachbarland hineingingen, und daß die rührige Fremdenstadt Luzern als erste voller Begeisterung für des Grafen Werk und in kluger Voraussicht der damit verbundenen Förderung der gewaltigen Schweizer Fremdenindustrie den Gedanken aufgriff, eine feste Luftschiffhalle am Vierwaldstätter See zu errichten und darin einen „Zeppelin" für regelmäßige Fremdenfahrten zu stationieren. Allein, erst wollte der Graf seine deutsche Stellung unangreifbar machen, und ehe nicht im Vaterland eine feste Luftschifflinie bestand, wollte er nicht eine solche im Auslande schaffen. Unb' über den großen Fahrten und den widrigen Zwischenfällen aller Art kam die kleine aber kaufkräftige Schweiz ins Hintertreffen. 'Vielleicht denkt man heute in Friedrichshafen anders über die Sache, nachdem die Dinge den nun einmal unabänderlichen Verlauf genommen haben, und man bedauert dort vielleicht, daß über dem Ehrgeiz, der die FriedrichA- .hasener Kolosse nach Berlin und Düsseldorf, aber «auch ins Verderben trieb, die rechnerischen Unterlagen für kurze Fahrten weniger beachtet wurden, die auji Wert und Geltung haben, wie das Beispiel in Luzern beweist. Denn die tüchtigen Geschäftsleute hier riskieren nicht ins Blaue hinein so etwa eine Million, die Deutschland glatt in den Schoß gefallen wäre, und die nun die französische Industrie verdient. Aber die Halle stand, die Schweiz wartete und wartete und die Gäste wollten bedient sein. So ist es denn gekommen, daß heute die Luzerner: Vive Deutsch de la Meurthe! riefen, statt: Hoch Zeppelin!, und daß ihre Kapellen die Marseillaise spielten statt der WachtamRhein, als sich die „A st r a I" leicht und sicher in die blauen (Lüste erhob. Für die 'Schweizer war es auf alle Fälle ein historischer Moment, denn Vies ff eine Land und Volk hat seinen Ehrgeiz, und nachdem die Mav- seillaise verklungen war, sang man mit entblößten Häuptern die ernste Weise: Rufst du mein Vaterland! — kleben den Städten aber« die unser Schiller uns allen lieb und teuer gemacht hat, über den herrlichen See, die alte viel- türmige Stadt, das Rütli und die Tellskapelle hin zog der gelbseidene Riesenvogel seine Kreise, und aus luftiger Höhe sahen wir hinab ins sommerliche Schweizerland, hinüber zu den fernsten Türmen und eisigen Höhen. Als dann der Gotthard aber seine Schneehcrube zeigte, da grüßten wir int stillen doch den deutschen Rhein, der dort seine Quellen hat und grüßten den greifen Recken, der ihn in Sturm und Not Hinauf und hinunter fuhr., Und der alte weißbärtige Deutsch de la Meurthe war, als wir langsam wieder herniederschwebten, der erste, der dem Vertreter des Deutschen Luftschiffbaues, dem Direktor C o l s m a n n von der Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppelin die Hand zum Gruß entgegenstreckte, gleichsam zum Zeichen dafür, daß es in dem gemeinsamen Streben nach der Eroberung der Luft keinerlei trennende Momente gibt. Und als ich später beim Festmahl Direktor Colsmann um fein jachverständiges Urteil über den erfolgreichen Konkurrenten bat, hielt er keinen Augenblick mit seiner vollen Anerkenn nung zurück über die Ruhe, Eleganz und technische Sicherheit der „Astra I" und ihrer Führer, zu denen heute auch der bekannte Erbauer der stanzösischen „Lenkbaren", Ingenieur Kupfer er ..(Paris), sich gesellt hatte. Danach sprachen wir länge über die Ereignisse der lebten Zeit, aber auch über die unvergeßlichen Bodenseetage und über den schönsten Tag der Friedrichshafener, den von Tegel. Wir kommen wieder! so schloß der ungebeugte Mhrer der gestrandeten „Deutschland", und der heutige Tag kann nur eut neuer Ansporn für uns sein, die Scharte auszuwetzen. Auf Wiedersehen, wenn's nach Baden-Baden, der ersten deutschen Passagierluftschiff-Station, geht! Dann sauste sein Auto nach Friedrichshafen zurück, während uns ein lauer Sommerabend hinaus auf !den See trieb., Und mit Beleuchtungsspiel und Feuerwerk, mit viel Musikkapellen, leuchtenden Bergfeuern und fröhlichen Schweizer: Liedern feierten die Nachkommen der Eidgenossen den denkwürdigen Tag. Der Schweizer Lenkballon „Astra I" gehört zü den sogenannten Ballonettlustschissen, und zwar zum unstarren S y st e m und ist aus den Werkstätten der Astta-Gesellschaft im Paris hervorgegangen. Der Ballonkörper, aus gummiertem Baum^ Wollstoff „Continental" hergestellt, hat eine Lange von 60 Metern. Sein größter Durchmesser mißt 12,50 Meter; der Ballonkörper faßt 4500 Kubikmeter. Zur Erhaltung der prallen Form dient ein Ballonett im.Innern des eigentlichen Ballvnkörpers, welches durch einen Ventilator, der seinerseits vom Motor angetriebenz wird, mit Luft gefüllt wird um dadurch den Druck im ganzen Ballonkörper auf 20 bis 25 Millimeter zu erhalten. Der 30 Meter lange Gondelträger, in welchem die eigentliche Gondel zur Aufnahme der Passagiere eingebaut ist, ist aus Stahlrohren hergestellt. Am Bug des Gondelträgers befindet sich der zwei- flüglige, 6,5 Dieter im Durchmesser haltende Holzpropeller, welcher von einem vierzylindrigen 110 Ü?-Motor „Clement-Bayard" an- getrieben wird. Am Heck des Gondelträgers ist das dollflächige Seitensteuer, während oben am Heck des Ballonkörpers die Sta- bilitätsflofsen in Form von birnenförmigen Ballonetts angebracht sind. Zwischen Ballonkörper und Gondel im vorderen und hinteren Drittel befindet sich je ein doppelflächiges Höhensteuer. Die ordnungsmäßige Bemannung des Luftschiffes besteht aus fünf Mann, und zwar einem Chefpiloten, zwei Hilsspiloten und zwei Mechanikern. In der geräumigen Gondel haben 8 Passagiere Platz. Die Astra-Luftschiffe nehmen, gestützt auf die Erfolge der „Ville de Paris", des „Element-Bayard I" der „Ville de Nancy" und der „Espana" unter den Motorballons den ersten Rang ein. ^Das Luzerner Komitee hat die größte Garantie für die Passagiere in den kurzen Fahrten geschaffen. Aber auch die anderen Probleme; Gelände, Geld und Ballons wurden mit anerkennenswerter Schnelligkeit gelöst. Der Platz gegenüber der Promenade mit den gewaltigen Hotels Schweizer-Hof, National, und Montana ist für die Halle wie geschaffen. Er ist für 15 Jahre gemietet. Die Kosten für die Halle betrugen 300000 Franks. Sie ist 100 Meter lang, 28 Meter hoch und 46 Meter breit. Die Französische Luftschifsahrtsgesellschaft übernahm die Lieferung von zwei lenkbaren Ballons, die als „Ville de Lucerne" N. I und II erscheinen werden. Der heute aufaestiegene ist derselbe, der schon in Pau als „Astra" mehrere erfolgreiche Flüge unternahm. August Scherl arbeitsmüde. M-mr f di reibt uns aus Berlin. Durch die Blätter geht die Nachricht, daß foerr 91 u g u ft Sd) crl sid) demnädist ins Privatleben zurückziehen werde uitb das Unternehmen für 35 Millionen Mark verkauft werden soll. Ein Witzblatt nannte einmal Wertheim, Aschinger und Scherl die drei neuen Schutzheiligen des modernen Berlin. Zwar ist es nid)t in ehr das .Haus Scherl allein, das die zur Weltstadt gewordene preußisd)e Residenz mit geistiger Nahrung versorgt. Der „Lokalanzeiger" muß sid) tiiit Ullstein und Mosse in die Herrschaft teilen. Immer> hin ist sein Einfluß groß. Es darf gesagt werden, daß der „Lokalanzeiger" im Vergleid) zu der demokratischen Morgenpost" und dem in der Iernsatemerstraßc .erschei- nendcn Organ, das sid) die Vertretung internationaler Interessen und die Umwerbung der Sozialdemokratie zur .Hauptaufgabe gemad)t hat, konservativ ober, besser gesagt, gouvernemental angehaucht ist. Die Strömungen der inneren Politik berühren freilich die Scherlsche Presse nur sehr wenig. Jeder neue Minister erhält bei seinem Amts- antritt das Zeugnis, daß die Regienrng mit seiner Er- ncnnimg eine ausgezeid;nete Auswahl getroffen habe und daß jetzt alles schön und gut sei. Dann wendet sich das Interesse lieber dem jüngsten Scnsationsprozesse oder einer Erdbebenkatastrophe zu. Hat der „Lokalanzeiger" keine Meinung, so hat sie der „Tag" dafür in beliebiger Auswahl für jeden politischen Standpunkt, natürlich mit Ausnahme des sozialdemotratisd)en. Die mit so großem Geräusch in Szene gesetzte „Sd)erlsche Emporlesebivliothek" ist wieder eingeschlafen. Alles ist ihm eben nicht geglückt. Wenn Herr Schert fid)' jetzt wirklich ins Privatleben zurückzieht, lvird die Oeffcntlichkeit nichts davon merken. Denn seine Schöpfung bleibt und ihn selbst hat sie nie gekannt. Nur ein paar unter den Tausenden von Angestellten kommen mit ihrem menschenscheuen Chef in per- sönliche Berührung und in der Berliner Gesellschaft spielt Herr Scherl keine Rolle, will auch keine spielen. Wie es heißt, lvird er sid) fortan ganz der Durchführung seines S d) u e l l b a h u s h st e m s widmen. Dies Steckenpferd ist recht kostspielig. Ein vielfacher Millionär kann sich allerdings eine solche Liebhaberei leisten, kann Patente auf- kaufen, bereit materielle Verwertung sehr fraglich ist, und Bersuchsstredken Bauen lassen. Damit aber die emschre- nigen Schnellbahnen gebaut werben können, die den Berliner in 4 Stunben nach Mündfen und in lJ/2 Stunden nach .Hamburg bringen, müßte erst ein Riesenpump angelegt werden. Wenn Morgan, Rockefeller und die anderen Dollar- könige ihre Geldschränke ganz und gar für DeutsWand ausräumten, dann ginge es vielleicht, vorausgesetzt natür- lick), daß vorher die technische Durd)führbarkeit dieses interessanten Projektes bewiesen märe. Wir werden es aber kaum erleben, auch nicht Herr Scherl, obwohl er noch in verhältnismäßig jungen Jahren von der Arbeit seines Lebens Abschied nehmen will. folgen des russisch japanischen-vertrages. Petersburg, 25. Juli. Bei den Verhandlungen wegen clioniger Zollerhebung von Transitwaren auf dem Wege von Wladiwostok itad) der Mandschurei handelt es sid) nur um die russische Bahnstrecke Wladiwostok-Pogranitsch- naja. Die bisher unklaren Bestimmungen über den Transit- .'»oll dieser Strecke sollen gesetzlich geregelt werden. Den Transitverkehr aus Deuksd)land über Sibirien imd) der Mandschurei berühren die Verhandlungen nid)t ebensowenig die Frage der offenen Tür in der Mandschurei. * Peking, 25. Juli. Die in auswärtigen Blättern verbreiteten Gerüchte von der Ausweisung russischer Untertanen aus den Grenzgebieten durch chinesische Behörden entbehren jeglicher Begründung. Deutsches IXeAcbf Aus Molde wird gemeldet: Der Kaiser hielt am Sonntag vormittag Gottesdienst an Bord der „Hohen- zollern" ab und besichtigte die „Westfalen". Gegen Abend unternahm der Kaiser einen Ausflug nad) der höhe oberhalb Molde. Die Begegn u n g zwischen Aehrenthal und von K i d e r l e n - W ä ck) t e r finde! erst am 27. und 28. Juli in Marienbild statt. Der russische Minister des Auswärtigen Iswolski wird nach einer Blättermeldung im September ebenfalls mit dein deutschen Staatssekretär der auswärtigen Angelegenheiten v. Kiderlen-Wächter zu- sammenireffen. Es gilt in Petersburg, wie von dort gemeldet wird, für möglich, daß zu gleicher Zeit auch die Zusammeniunst des Zaren mit Kaiser Wilhelm skaktfinden dürfte, von der in russischen hoskreisen immer bestimmter gesprochen wird, obgleid) der Ort der Zu- fammenUinft nock) nicht genannt ist. Wie die „Kreuzzeitung" meldet, wurde zum Unter* staatssekretär des Staatsministeriums der bisherige Regierungspräsident zu Merseburg Geh. Oberregierungs- rat v. Eisenhart-Rothe ernannt. Die Betriebseinnahmen der preußischste s s i s ck) e n S k a a t s e i s e n b a h n e n im Personenverkehr sind, wie die „Nordd. Allaem. Ztg." berichtigend meldet, in den beiden Monaten Mai und Juni 1910 zusammen gegen die gleiche Zeit des Vorjahres nicht um 1,8 Proz. sondern um 8,1 Proz. g c ft i e g c n. Wie aus gutunterrichteten Kreisen in Chemnitz gemeldet wird, hat der Vorstand des nationalliberalen Laudes- vereiuS für das Königreich Sachsen gestern in Leipzig beschlossen, Sang jammer aus der Partei aus - zuschließen.__________________________________ Ausland. Wie aus Paris gemeldet wirb, ist am Montag abenb König Ferdinand von Bulgarien nach Koburg abgereist. Nach der letzten Statistik des französischen Ministeriums des Innern über die französischen Generalratswahlen sind 1412 Wahlergebnisse bekannt. Davon entfallen aus die Konser- Valiven 191, aus die Progressisten 163, auf die Republikaner, Radikale. sozialistisch ° Radikale und soziallstische Republikaner 883, auf die geeinigten Sozialisten 36. Stichwahlen sind 139 erforderlich. Die Konservativen gewinnen 3b und verlieren 4.3, die Progressisten gewinnen 19 und verlieren 43, die Republikaner und Radikalen gewinnen 72 und verlieren 59, die geeinigten Sozialisten gewinnen 20 und verlieren 2 Sitze. Den Konstantinopeler Blättern zufolge begnadigte der Sultan anläßlich deü V e r s a s s u n g s t a g e s 300 kriegsgerichtlich Verurteilte, darunter Würdenträger des alten Regimes. Der Sultan stiftete einen neuen Orden, den Tugendordc n. Nach Nachrichten, welche der Pforte zugehen, verhafteten die Behörden in Haiffa 14 Personen, ivelche der Ermordung des Deutschen Unger verdächtig sind. Die Ordnung ist ge- sid-erl. Das nad) Haiffa entsandte Kanonenboot ist nad) Beirut zurückgekehrt. Der bulgarische Gesandte Sarasow lenkte in keundschaftlich llusmerksamkeil der Pforte auf den ourng m -i jedii i • ch buIßärtf cher Flüchitlinae nach Bulgarien, der eine Folge der rücksichtslos durd>gcführtetr Entwaffnung der mazedonischen Bevölkerung sei. Er erhielt die Zusicherung, daß die Pforte das Notige veranlassen werde, da- mit der Auszug der Bulgaren aus Mazedonien aushöre. Aus dem evangelischen vund. Straßburg, 25. Juli. Die fünfte Jahresversammlung des Evangelischen Bundes nahm in ihrer gestrigen ersten, von über tausend Personen besuchten Versammlung nad) einer Rede des Professor Liz. N i e b e r g a l l - Heidelberg über das Thema: Was haben lvir aus Grund des letzten Papsthandets als Protestanten zu lernen und als Eoangelisd)e zu tun, folgende Entschließung einstimmig an: Die fünfte Landesversammlung des Hauptvereines Elsaß des Evangelisd)en Bundes spricht ihr tiefstes Bedauern aus über die Schnlähiingen, die das Oberhaupt der katholischen Kirche im (Weifte unbelehrbarer Unversöhnlichkeit in dem Borro- mäus-Rundschreiben gegen die Führer, Fürsten und Völker der Resormation ausgesprochen hat: denn dadurd; hat der Papst nicht nur die heiligsten Empfindungen aller echt Evangelischen verletzt, sondern and) den tuns s o notigen Frieden mit unseren katholischen Volksgenossen aufs schwerste gefährdet. Die Versammlung bittet darum alle Evangelischen, sich immer im Geiste der Reformation zu stärken und zu einigen, je mehr sie von romisd)er Seite verkannt und verdammt wirb; denn das ist allein die rechte Abwehr des alten bösen Feindes. Ebenso bittet sie aber, daß niemand von uns die katholischen Volksgenossen entgelten lassen wird, was uns ihr kirchliches Ober^ Haupt angetan hat, sondern mit den Besten unter ihnen nad) wie vor Fühlung und Verständnis zu suchen. 2ltis Staöt mtO» Land. Gießen, 26. Juli 1910. Tageskalender für Dienstag, 26. Juli. Stadt- theater : „Der arme Jonatha n". Anfang 8 Uhr. *’ Ordensangelegenheit. Der König von Preußen hat feinem Generaladjutanten, General ber Kavallerie von Scholl, Generalkapitäli ber Schloß- unb Leibgarde und Kommandeur der Leibgendarmerie (einem geborenen Darmstadter) die Erlaubnis zur 9lnlegung des Großkreuzes des hessischen LubivigSordenS verliehen. * * Ein weiterer Sparerlaß. Das hessisd;e Ge- amtminifterium hat in einem Ausschreiben für sämtliche Behörden neue Grundsätze zur Ausführung ber Verorbnnng betr. die Tagegelber, Reisekosten und Umzugskosten der Zivilbeamlen von 1879, 1902 unb 1906 erlassen. Danach lönnen Reise lösten unb Tagegelber nur beansprucht werden, wenn ber Orc ber Geschästsvornahme rninbeftenS 2i/2 km von bem Amtssitze entfernt ist unb das Geschäft einschließlich der Zeit für Hin- und Rückfahrt einen Zeitaufwand von mehr als 3 Stunden erfordert. In letzterem Falle können nach) § 1 wohl Reisekosten, aber feine Tagegelber beansprucht werben. Für die Frage, ob ganz- ober halbtägige Tagegelber zu verrechnen sind, ist der Umstanb maßgedenb, ob zwischen der Zeit der Abreise unb Rückkehr mindestens 6 Stunben ober weniger liegen. Bei mehrtägiger Abwesenheit werben für ben Tag ber Hin- unb Rückreise nur halbe Tagegelber gewährt, für Reisen zur Ableistung bes Dienst- cibes ober Vorstellung bei Versetzungen werben Weber Tagegelder noch Reisekosten gewährt. Bei mehrtägiger Dauer eines Dienstgeschäftes gilt ber Beamte im Dienst als ab- wesenb; es ist daher bei Berechnung ber Tagegelder und Uebernachtungsgebühren gleich, ob er während dieser Zeit ein ober mehrere Male an seinem Wohnort übcrimdüctc, nur darf bnrch bie periobische Rückkehr nicht eine höhere Summe berechnet werben, als die gesamten Stoffen betragen hätten, wenn er ckicht zurückgekehrt wäre. Reisekosten sind bare Auslagen; für Fahrrabbenutzung können über 20 km 2 Mk., bis dahin 1 Mk. in Ansatz gebracht werden. War Benutzung ber Bahn möglich, so kann der Fahrradsatz auch beansprucht werden, wenn jenes Transportmittel billiger gewesen wäre. Personen, die nid)t dekretmäßig angestellt sind, erhalten bei auswärtiger kommissarischer Verwendung keine Umzugskosten — Kilometergelder und einen Panschalsatz —, sondern nur Ersatz ihrer Äirslagen. $ 19 regelt bie Vergütung der Miete bei Ver- etzungen. Tagegelder und .Reiselösten finb damit so bemessen, baß sie als ein Aequivalent für die MWesenheit aufgefaßt werben können, nicht als ein Mittel, um durch häufige Dienstreisen den Gehalt noch zu erhöhen. * • Die Ko hl enl iefernngen für sämtliche staat- ichen Behörden Hessens sind vom Ministerium an die SyndikatSfirma „Kohlen-Vereinigung", Gesellschaft m. b. H. in Mannheim, Ziveignieberlassling Offenbach a. M., übertragen worben. Em AuSschreiben be** einzelnen Behörden inbet sonach nicht mehr statt. • • Erlebigt ist bie Stelle bc§ Kassebieners bei ber HauptstaatSkasse. * * Preisbewerb u n g über Gegenstände der Bürge r k u n d e. Das Präsidium der Hassia fordert auf, ihm Ausätze einzureickien, die zu Vorträgen in ben Vereinen bienen können. Sin Vortrag soll bie Dauer von 35—45 Minuten nicht über- chreiten. Die Behandlung bes Stoffes muß volkstümlich unb für ben gemeinen Mann gut verständlid) sein. Statistisches Material ist auf ein möglidöt geringes Maß zu beschränken. Jeder Vortrag öll mit kurzer Nutzanwendung im Sinne monarchisch-vaterlän bischer und kamerabscl)astlid)er Bestrebungen sd)ließen. Für die beste Bearbeitung jedes Vortragsgegenstandes werde ein Preis von 50 Mark ausgesetzt. Der Aufsatz wird damit Eigentum dcs Verbandes. Die Arbeiten sind bis zum 1. September an Dr. Vogt in Butzbad) einzureichen. Die Zuteilung des Preises erfolgt durch den geschäftsführcnden Vorstand. Aussätze, die nid)t preisgekrönt werden können, erhalten die Verfasser zurück. Vorerst sind Arbeiten über die nachstehenden drei Gegenstände erbeten: 1. Notwendigkeit des Staates, 2. Die konstitutionelle Monarckste und ihre Vorzüge vor anbereit Regierungsformen, 3. Die Verfassung des Deutschen Reiches. * "Die ftubentif d)cn öffentlichen Vorträge sollen im Wintersemester fortgesetzt werden, nachdem ein Redner der nationalliberalen Partei sich bereit erklärt hat, über die Ziele einer Partei zu sprechen. * • Klin i ks da uten. Das Gelände, auf dem die Augen- nnb die Chirurgische Klinik ihren Platz erhalten haben, wird jetzt mit einer Abgrenzung versehen. Entlang der Friedrichstraße und der Klinikstraße wird eine Sockelmauer mit Pfeilern aus Bruchsteinen errichtet. Zwischen den Pfeilern sollen Holzgitter gezogen werden. * * Markwald G r ü n i n g e n—D orsgill. Man chreibt und von Grüningcn: In heutiger Zeit sucht man Altes zu erhalten durck; Gesetz und Privatbestrebungcn. Man chützt und sammelt Denkmäler, Bauten, Bäume, Urkunden, Sitten und Gebräuck)e, Volkslieder u. a. in.. Auch die Märkerschaft Grüningen—Dorfgill hat gerettet, was noch zu retten war von einem Rest alten BoÄsrechts unb früherer Baueritsreiheit, wie fid) solche [in Hessen fast nur nod)l in ber nördlichen Wetterau bis heutigen Tages in Form von Markwalbgenossenschaften erhalten haben. Was fid) uirch Jahrtausende hinburck). erhalten hat, hat ein Recht aus Bestand unb Schutz. Diese Bestrebung der Märker- fdjaft hat man zu verhiubern versucht und sie bei ben Behörden als — man erschrecke nicht! — revolutionäre Umtriebe stempeln wollen. Es war bem selbstlosen Teile der Märkerschaft von vornherein klar, baß man in bezug auf bie technische Verwaltung des Wakbes und die Anstellung eines Forstwartes unter den jeweiligen Gesetzen stehe, unb nur in ber Verwaltung ber Einnahmen unb Ausgaben unabhängig fei, wie solches ja im § 83 bes E. G. z. B. G. B. ausgebrückt ist. Auf Grund dieser Reck)tsan- schauung arbeitete der am 2. April gewählte fiebenköpfige Vorstand eine Satzung aus, bie am verflossenen SamStag von der Generalversammlung ber Märkerschaft burchberaten unb genehmigt ward. Es stehen nun Gesetz unb Recht friedlich nebeneinander wie Hock)deutsd)- unb Dialekt. Möge dieser auf altem Rechtsboden wurzelnden Satzung eine Tange Dauer beschert fein, den Märkern zum Segen unb ben kommenben Geschlechtern ein Mittel zum besseren Verständnis altgermanischer Rechtsverhältnisse. • • Preisgekrönte Polizeihunde. Bei der Polizei-- Hunde-Prüfung, die am Sonntag in Friedberg stattfand. schnitten die Gießener Polizeihunde sehr gut ab. Es erhielten nämlich den 1. Preis deutsche Schäferhündin Lora, Besitzer Schutzmann'K. Neuz, Gießen; 2. Pr. Terriers, Bes. Gendarmerie- Wachtmeister Karl Glaub, Grebenau; 3. Preis deutsche Schäferhündin Minka, Bes. Schutzmann Wilh. Seitz, Gießen; 4. deutsche Schäferhündin Zilla, Bes. Schutzmann Gg. Klos, Gießen; 5. Preis deutsche Schäferhündin, Bes. Wilh. Trau- müller, Düdelsheim; 6. Preis deutsche Schäferhündin, Bes. derselbe. * " Besitzwechsel. Das Haus Bleich st raße 26 ging heute durch Kauf für den Preis von 47 500 Mk. an S. Ganß hier über. * Zurückgenom m e n wurde der Haftbefehl, der in der letzten Sitzung der Strafkammer gegen den Kaufmann Walter in Düsseldorf wegen unenlschuldigten Ausbleibens erlassen wurde. Er hatte nämlich die Ladung zum Termin nicht erhalten, was sich inzwischen aufgeklärt hat. * * Von Tanzfreuden in Langd wird uns unternt 25. b. M. geschrieben: „Ein seltenes Fest, das noch lange bie Zungen unserer Frauen in Tätigkeit erhalten wirb, vereinigte gestern jung und alt im Saale des Herrn Gastwirt Ronthaler.^ Ein Jünger Terpsichores hatte während langer Wochen bie Jugend unseres Dorfes vom 9.—17. Jahre in ber edlen, Kunst des Tanzens unterrichtet unb zeigte nun gestern ben staunenden Müttern, Vätern unb Tanten bie hervorragenden. Leistungen ihrer auf diesem Gebiete hoffnungsvollen Kinder. Der Ball, zu bem alle Mädchen in weißen Kleidern unb gelben Schuhen erschienen, bot ein recht schönes Bilb unb bauerte von 4 Uhr nachmittags bis spät nad) Mitternacht. Um 9 Uhr abends bewegte sid) ein stattlicher Fackelzug mit der Musikkapelle an der Spitze durch unser festlid) gestimmtes Dorf. Zum ersten Male sahen wir Langder and) gestern einen Kotillvn. Das Sackhüpfen entlud nicht endenwollende Lachfalven. Die Langder werben noch lange an biesen schönen Tag denken, der ihnen so viel Freude bereitete und der sie — das sei and) gesagt — schr viel Geld kostete. Der Kursus allein kostete 10 Mk. Für Saalmiete, Klavierstimmen und andere Ausgaben ließ sich der Tanzlehrer von jedem Kiiwe etwas über 2 Mk. geben. Dazu kommen noch die neuen Kleiber unb Schuhe, so baß man jedem Vater wohl eine Ausgabe von 25—30 Mk. redmen darf. Für die 34 Schüler ergibt das einen Betrag von über 700 Mk. Rechnet man dazu; den von dem Tanzlehrer erhobenen Eintritt mit etwa 50 Mk., so darf man behaupten, daß etwa 81)0 Mk. den Kursus bezahlt machen und gestern Langb verlassen Imben. Es ist nur erstaunlich, mit welcher Kaltblütigkeit die Menschen so oft das Geld zum Fenster hinauswer-fen. Ein Tanzkursiis für die Kinder auf dem Dorf ist wohl unbestritten überflüssig und unangebracht. Jeder Pfennig aber, der dafür anSgegeben wird, ist eine Verschwendung. Wie sich eine solche aber in unserer schweren Zeitlage rechtfertigen läßt, ist schwer zu sagen. — Unrecht hat der Schreiber biei'cr1 Betrachtung gerade nicht. **Dte Maul- und Klauenseuche ist ausgc- brochen in Merzweiler, Kreis Hagenau, Bezirk Unter-Elsaß, am 23. Juli. -1. Klein-Linden, 25. Juli. Auf eine herrliche Rheinreise blicken Dkitglieder unseres Kriegervereins zurück. Gestern früh fliegen 63 Personen in Gießen in den Zug, um nach Bingen zu fahren. Hier wurde die Rheinanlage besichtigt und das Leben am Strom bewundert. Um 11 Uhr wurde der Schnelldainpfer „Wilhelmine^ bestiegen und nun begann die Fahrt bis Koblenz. Diese Schiffahrt war für die oberhessischen Landleute der schönste Teil des Ausfluges. Rach dem um 2 Uhr erfolgten Eintreffen in Koblenz ging es durch die Stadt bis zum Kaiserdenkmal am deutschen Eck. lieber die Schiffbrücke begab man sich nach Ehrenbreitstein, um mit der Straßenbahn nach Arenberg zwecks Besichtigung der Anlagen am sogen. Roten Hahn zu fahren. Bei der Einkehr in Ehrenbreitstein warf ber Leiter ber Fahrt einen Rückblick auf bie Einbrücke des TageS. Um 8 Uhr wurde die Heimfahrt angetreten. 4 Lich, 24. Juli. Der Sturm in der Nacht auf Samstag, ber bie Begleiterscheinung eines heftigen Gewitters war, hat in ber hiesigen Gemarkung großen Schaben angerichtet, wenn seine Wirkung auch nicht an die bes Unwetters ooiii 11. Mai b. Is. heranreicht. Das Obst gelangte massenhaft zu Fall. In den Wäldern, besonders aus der Hardt, wurden zahlreiche Bäume entwurzelt. -b. W ab-Sa lzh a u s en, 24. Juli. Die Kurverwaltung hatte heute cittfdneben einen Glanztag Das am Nachmittag veranstaltete Konzert wie auck) baS am Abend abgebrannte Feuerwerk verliefen aufs beste. >Ab- wcichenb von ber Gepflogenheit, allvierzehntägig Jnstru- mentalkonzertc zu veranstalten, hatte man heute nachmittag ben Gesangverein Orpheus zu G e i ß - N i b b a zu Ge- sangsvoriragen berufen. ES herrsckit über bie Leistungen bes Vereins nur eine Stimme beS Lobes. DaS Programm wies 12 Chöre auf. Besonberen Erfolg erzielten einige Nefssd)e Lieber, wie „Das Röslein im Neaartal", „Die Lore vom Rhein"; sehr fein ausgearbeitet war bie Heimatliebe von Neff. Zwei Waldlieber, mit Frische vorgetrageu, erzielten burchsd)lagenben Erfolg. DaS Liebdien tm Grabe biibctc einen Glanzpunkt beS 2. Teils. Ein Herr Buchhvl^ erfreute zwischenbiird) mit seiner vorzüglichen Baßstimme mit etlichen von großem Beifall begleiteten Solovorträgen. Der Besuch beS Konzerts war so stark, baß ber geräumige Kurfaal bie Zuhörer nicht alle zu faffen vermochte. Beim Abbrenneu beS Brillcrntfeuerwerks war eine nach Tausenbeu zählenbe Menschenmenge auweseub. — Dienstag, 23. Juli, findet ein Kinberfest statt. 0 Schotten, 24. Juli. Die gestrige Familien- konferenz auf bem HoherobSkopf war trotz des unfreundlichen Wetters außerordentlich gut besucht. Außer den Lehrerfamilien ber Bezirke Schotten, Ulrichstein, Herbstein unb Gebern bes Lanbcslehrervereins waren auch viele nichthessische Lehrer erschienen, bie zurzeit im Vogelsberg in Sommerfrische sind. — Die Wälder des Vogelsbergs geben dieses Jahr einen so reichlichen Himbeerertrag, wie er seit vielen Jahren nicht erreicht worden ist. Da üuch Verhältnis- mäßig gute Preise bezahlt merben, hat die ärmere Bevölkerung eben ein hübsches Nebeneinkommen. Die Forstbehörde ist in weitgehendstem Maße entgegenkommend. Auch die s-8 r o m = beeren, die hier anfangs September reifen, haben gut angesetzt. — Weit zurück ist man im hohe n Vogelsberg noch mit der Heuernte. Die meisten Bergmiesen harren noch der Mahd. O Rebgcshain, 25. Juli. Mit einem für unsere Gemeinde verhältnismäßig hohen Kostenaufwand (6060 bis 7M0 ML) ist hier ein S ch u l 1) auserweiteru n g s b au norgcnommen ivorben. Die zum alten Schulst aus gehörende Scheuer ist für Schul zwecke um geb aut worden unb im Rohbau bereits fertiggestellt. Im Herbst tonnen die neuen Raume bezogen werden. Unsere Schule gehört zu den stärksten einilaffigen Schulen des Großherzogtums. Sie -ählt gegen 80 Schüler, eine hoste Zahl im Verhältnis zur Gesamtbevülkerung unseres Ortes, die nur rund 300 Seelen beträgt. O Engelrod, 25. Juli. Der Flachsbau geht im hohen Vogelsberg von Jahr zu Fahr mehr zurück uno macht Dem Anbau von Winterroggen Platz. Unsere Gemeinde ist die einzige des hohen Vogelsbergs, in deren Gemarkung noch eine geringe Fläche mit Flachs bepflanzt wird. -o. Mainz, 25. Juli. Die hiesige Zollbehörde glaubt einer neuen A r t von Sch m u g g e l an Taba i' an s .Holland auf der Spur ? elm , Löberstraße 6) Führer und Prospekte auswärtiger Städte, (Gebirge lifto. ab. II. a. find dort in großer Auswahl Hilfsmittel für Reifen zur Brüsseler Weltausstellung, nach,München und dem bayrischen Hochland vorhaitden, ebenso das deutsche Hoteladreßbnch, das Lexikon der Bäder, Lustkurorte und Heilanstalten tts 1 v. Eiseiibatinunsälle. Halle, 25. Juli. (Amtlich.) Beim Umrangieren des dnrch- gebendeit Wagens Lcipzig-Mpslowitz, nachmittags 1 Uhr 30 Min. cuf dem Bahnhof Eilenburg von dem Eilzitg 175 aus den I' 8 ii g 10 7 f u hr die Rangierlotomotivg mit dem umzusetzett den. Wägete und den Reservewagen, die sie schob, gegen ben, hebenden Zugteil des Zuges 107 auf. Rach dem Anprall mel beten s ich vier Reisende, die ganz leicht verletzt waren Hautabschürfungen usw. erlitten l-atten, ihre Reise aber fort setzen konnten. An den drei Wägete wurden die Stoß- iiub Sugroi ridjtungcn beschädigt: es wurden Ersatzwagen eingestellt. Der O-Zug 107 fuhr mit 27 Minuten Verspätung weiter. S tu 11 g a r t, 25. Juli. (Amtlich.) In der Nacht zum 24. b. M ist der S ch n e 11 j u g N r. 2, F r i e d r i chs h a f e n Ul m , bei der Ausfahrt von Bieberach, infolge Einstellens einer un- richtigen Fahrstraße, auf das neben dem Betriebsgleis liegende, nach der nächstfolgenden Station Wartlmnsen, noch nicht ange-- schlossene Zuglcis, das künftige zweite Gleis, geraten. Das Zugpersonal hat die rechts aufgestellten Haltesignale nicht beachtet, und der Zug ist auf diesem Gle>is bis in Nie Nahe der Station gefahren. Die Lokomotive setzte über den auf dem Gleis angebrach ten Schwellenabschluß weg und entgleiste. Der Bahnpost- wagen entgleiste mit einer Achse. Die übrigen Wagen blieben auf dem Gleis. Der Zug wurde als Sonderzug nach (Stuttgart) weitergeführt. Personen sind nicht verletzt. Der Betrieb auf der Bahnlinie wurde nicht gestört. Dagegen konnten die Züge auf der Schmalfpurbahnlinie Ochsenhausen—Bieberach während einigen Stunden nur zwischen Ochsenhausen und Warthausen verkehren. f Dermifcbkf. * Selbstzünb c n b c Zigarren und Zigarette n. Der Juoustrie ist es wieder einmal gelungen, her Steuerbehörde auf legalem Wege ein Schnippchen zu schlagen und ihre Anpassungsfähigkeit an veränderte Verhältnisse darzutun. Die Zigarren-- und Zigarettenindustrie hat einen Ausweg gesunden, um die Zündholz st e u c r z n e r * s P ar en: es werden nämlich neuerdings, wie die „Bossische Zeitung" mitteilt, s e lb st zü n d e n d e Zigarren und Zigaretten hcraestellt, die an einem Ende mit einer braunen Zünd mässe versehen sind und durch Reibung an einer Reibfläche in Braud gesetzt werden. Diese Zigarren und Zigaretten, deren Geschmack und Geruch von der Zündmasse nicht beeinflußt sein soll, haben besonders bei Jägern, Sol daten, wie überhaupt bei Leuten, die vielfach im Freien sind, Anklang gefunden, da die Entzündung selbst bei stürmischem Weiter ohne weiteres möglich ist. Selbst der gewiegteste Steuertechniker kann diese Tabaksprodukte nicht unter das Zundsteuergesetz bringen, da nach diesem als steuerpflichtige Zündwaren nur alle mit einer Zündmasse versehenen Stäbchen oder Spänchen aus Holz, Stroh, Pappe, gepreßten Pflanzenfasern oder ähnlichen Stossen gelten. * Eine S t u d e n t e u e m p ö r u'n g in Straßburg. Ans Straßburg wird der „F. Z." berichtet: In der Montag Vorlesung des Professors der Romanischen Sprachen C l o ä 11 a ereigneten sich lebhafte Kundgebungen wegen des Verhaltens Elootlas im Doktorexamen. Letzten Samstag sanden mündliche Doktorprüfungen statt, in denen auch Prof, (iloetta zu prüfen hatte. Entgegen allem Erwarten ließ Civetta einen der Kandidaten durch fallen, ein anderer erhielt eine weit schlechtere Note, als allgemein erwartet worden war. Dabei äußerte noch Prof. Eloötta zu einem der Kandidaten, er fei a l s Elsaß- Lothringer unfähig, das Französisch s o aus- z usp rechen, daß er es unterrichten könnte. Die Stubcntcn- schast ist bereits seit Wochen über bas ihrer Ansicht nach zu rigorose Verhalten Cloettas währenb der Prüfungen aufgebracht. Das beweist die auf die Vorkommnisse von SamStag jo rasch folgende außerordentliche Kundgebung in bei: Vorlesung am Mon tag. Kaum hatte Prof. (Sloetta den Hörsaal betreten, als ein langanhaltenbes Scharren, Pfeisen und Johlen ihn begrüßte. Prof, (iloetta verließ ganz betroffen sofort wieder den Saal. Unter lautem Hollo und erneutem Pfeifen folgten ihm die Studenten. Da fiel) unter den Aufgeregten auch Angehörige anderer Fakultäten befanden, befürchtete an an erneute und weit heftigere Tumulte. Prof. (Sloetta ist geborener Italiener und war früher in Breslau, von wo er, als Nachfolger für Prof. Gröber aut den Lehrstuhl für romanische Philologie an die Straßburger Universität berufen wurde. * Der Angestellte feiner Fra u. Herr HanS Mahler, ein Newhorker, befindet sich in einem Dilemma, weil er einen Vertrag nicht erfüllen will, durch den er sich verpflichtete, fein Leben lang für ein wöchentliches Salair für seine Frau zu tm beiten. Um die Sache noch zu verschlimmern, ist er sogar in die Dienste einer Konkurrenzfirma übergegangen. Herr und Frau Mahler kamen vor einigen Jahren von Wien nach Newpork, wo die Frau eine Konditorei eröffnete. Das Gefchäft ging fo flott, daß Frau Mahler es in eine Aktiengesellschaft umwände!te und einige Aktien ihrem Gemahl gab, die meisten aber für fich behielt. Daraus schloß sie mit ihrem'Manne beit oben erwähnten Vertrag. Nach einiger Zeit verlangte ber Herr Gemahl eine Gehalts erhöhnng, bic ihm aber von der Frau „Prmzipalin" rundweg abgeschlagen würbe, da sie der Meinung war, daß 60 Mart wöchentlich bei voller Penfion vollkommen genug seien. Da aber ließ sich dem Mahler'fchen Geschäft gegenüber eine Konkurrenz fivma nieder, die die Dienste des Herrn Mahler höher bewertete, und dieser nahm die ihm angebotene Stellung an. Die Fran ist nun gegen ihn klagbar geworden nnb führt als aggravierenden llmstand an, daß ihr Gatte, wenn er nichts zu tun hat, sich in bic Labentür stellt und sie auslacht. Das Gericht hat Zeit verlangt, nm die knifflichc Rechtsfrage zu entscheiden. * Der Schn tz i in A cf e r. Die Bewohner des kleinen Städtchens ß a u v c l in Delaware sind ans ihrer friedlichen Ruhe aufgefchreckt: Asburp Haninwud, einer inrev ärmsten Mitbürger, ber sich redlich plagen niußte, um fein kärgliches Brot zu erwerben, ist über Nacht zum reichen Wanne geworben. Hammond besitzt einige kleine Felder, die er mit eigener Hand bewirtschaftet. Vor einigen Tagen, als er mit Schaufel und Hacke draußen nn ber Arbeit war, stieß er beim Graben auf eine Art Backsteingewölbc. Mit der Hacke öffnete er das morsche Manerwerk und fuhr ziulächst in abergläubüchem Schrecken zurück, denn vor ihm lag ein qrinfenbc§ Skelett. Dann aber, als der erste Anfall von Furcht überwunden war, sah er am Uopie des Gerippes einen Leberbeutel liegen und an den Füßen einen zweiten Sack. In dem einen fand er einen Hänfen von spanischen und amerikanischen alten Gold- mit) Sibermünzen, und mich der zweite Beutel war mit Geld gefüllt. Die jüngste Münze in dem Haufen stammt and dem Jahre 1821. Er trug einen Beutel zur Bank und erhielt für den Inhalt rund 75 000 Mk. Als er wenige Tage später auch den zweiten verkaufte, der ihm über 60 000 Mk. ein brachte, war fein Geheimnis bereits bekannt, und von allen Seiten strömten die Nachbarn und Freunde herbei, um die unheimliche Schatzkammer zu besichtigen. Seitdem ist mit der Bevölkerung von Laurel eine seltsame Veränderung vor- geqangen: von morgen« früh bis spät in die Nacht sieht man überall die Männchen und Wciblciu mit wildem Eifer in ihren Feldern und Gärten graben und über Nacht sind die Faulsten bie Fleißigsten geworden. Kleine Dageschronik. lieber das Unwetter am vorigen Freitag abend laufen aus den M o f c l o r t e n nnb von den anliegenden Höhen noch fortgesetzt Einzelheiten über die schrecklichen Verheerungen rin. Tausende von Bäumen wurden entwurzelt. In Platten stürzte der Kirchturm ein: Guterwagen wurden umgeworsen. Der Schaden in Osann, Monzelfeld und Platten wird auf über 100 000 Mark geschätzt. In Herzig wurden das Schulbaus und eine Fabrik völlig abgedeckt. In Weiskirchen deckte der Sturm eben falls das Schulhaus ab und in PfaI selb wurde ein zum Aufenthalte ber Reifenden dienendes Gebäude umgeworfen. Vom O b e r rhci n wird star k e s Steige n des W assers und Hochwasser gemeldet. Am Niederrhein sind weite Flächen unter Wasser. Von den Getreidefeldern sind nur die Achten sicht > bar; stellenweise wird der Verkehr durch Kähne vermittelt. Aus Essen wird gemeldet: Die u h r und die E m s ch e r führen schweres H o ch w ässe r mit sich. Der Damm, der bei der Emschregulierung errichtet worden ist. ist an drei Stellen ge brochen. Das überflutende Wasser richte: großen Schaden an. Aus einer Festlichkeit der freien Gewerkschaften in Essen, die von ctiua 10000 Personen besucht war, brach am Sonntag nachmittag eine große Schlägerei aus. Als die Polizei erichien, wurde sie angegriffen und beschimpft. Zahlreiche Steine wurden geworfen und etwa 100 R e v o l ve r s ch Ü s s e abgegeben. In Düsseldorf erdrosselte die Fran des Fabrikarbeiters Krüger i In- c b c i b e it M i u b c v, einen sechsjährigen Knaben und ein einjähriges Mädchen. Ein Streit mit ihrem Manne soll bic Ursache sein. Die Frau wurde verhaftet. Aus München meldet man: Von bcm\100 Jahre alten P f a l z g r a s c n s ch l o s f e N e u c n b ii r g, das als Kaserne- rn c n t für daS 15. Jnsanlerieregimcitt diente, ist der Nordbau vollständia ausgebrannt. Ein Soldat wurde unter dem Verdachte der Brandstiftung verhaftet. Auf der Strape zwischenn Ehe m n i tz nnb Z w i ck a u erlitt daS Automobil eines Ehemnitzer Unternehmers bei einer Kurve einen Schaden and schlug um. Der Ehaufscur wurde getötet, die übrigen Insassen leicht verletzt. Aus Geb w cile r wird berichtet: Der Großindustrielle Edouard de B a r y s ist nach längerer Krani- heit gestorben. Ans der Kieler Föhr de sind am Sonntag während der stürmischen Witterung beim Segeln vier Personen er* t r u n k c n. Aus Danzig wird gemeldet: Am Sonntag nachmittag sind bei Bohnsack infolge ber stürmischen See vier Fischer er- trunken, unter ihnen Vater und Sohii; zwei andere Fischer, bie gleichfalls ins Wasser gefallen waren, wurden gerettet. In San Sebastian ivurben burdi die heftige Brandung, welche an der Küste herrschte, n c u n Perso n c n ins M ccr gerissen. Drei KÜndcr und ein Mann ertranken, die übrigen wurden nur mit großer Mühe gerettet. Märkte. Gießen, 26. Juli. Marktbericht. 9luf heutigem SBocbcn- marfte kostete: Butter pr. Pfb. 1.20—1.25 Tlf., Hü hu er ei er 1 St. 8—9 Vfg., Enteneier 1 Stück 9 Pfg., M'äfe pr. Sl. 6—8 Pf,, Kasematte pr. St. 5—6 Pfg., Dauben pr. Pr. 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hahnen vv. Slüek 0,80—1,80 Tlf., Euteu vv. Stück 1,80—2,20 Mk., Ochseilüeifch pr. Pfb. 80—88 Pfg., iltilldslcisch pr. Psuild 80—84 Pfg., Kulifleisch 70 Psg., Sduvchic- flcifcl) pr. PUlnd 80—96 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 86—88 Pfg., Hauiuielsleisch pr. Psd. 60—84 Pfg. Kartoffeln pr. J00 Kg. 7.00 bis 8.00 Pik., Zwiebeln per Ztr. 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Kirschen per Pfimd 40—50 Pfg., Nüsse 100 Stück 50 bis 60 Pfg., ner Ztr. 0—00 Mk. Ma ritzen von 7—1 Uhr. fc. Frankfurt a. M., 26. Juli. Heu- uiid St roh markt. Angefahren luarcn 11 Wagen Heil und 0 Wagen Stroh. Man notierte: Heu (neue«) 8,30—3,80 Alk., Stroh (Kornlangstroh) 0,00 bis 0,00 Pik., Wirrstroh 0,00-0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft flott. Die Zufuhren waren aus Oberhessen, TannnskreiS und dem Kreis Dieburg. Amtlicher Wetterbericht. Verlauf der Witternng seit gcfteni früh: Die wes.">' e Zpkloiie ist ostwärts nach der Nordsee gezogen und bei f:c.iem Süd west sind bisher nur geringe Regen gefallen. Kalte Nordwinde über Westeiiropa haben bis weit nach Nlilteldeulfchland Abkühlung gebracht. — Es besteht noch keine Llussicht auf eine Unterbrechung nördlicher Zyklonen. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch dem 27. Juli 1910: Starke nordwestliche Winde, kühl, Regenschauer. N. B. Darmstadt, 26. Juli. Gegenüber den Versuchen mehrerer Blätter, einen politischen Gegensatz zwischen den Abgeordneten Bass ermann und Dr. Osann zu loustruieren, können wir zuverlässig mitteilen, daß beide Abgeordnete nach wie vor im freundschaftlichsten Verhältnis zu einander stehen und erst in den letzten Tagen eine Zu- lammciüunft hatten. Asthma. Jeder Asthmatiker versuche in. ncneifnnbcnicn Apparat. Broschüre und Versuch vollständig foitcmrci. lss,s/7 L. Röth I., Fabr. chir. Instrumente Darmstadt, Soderstraße 5. Heute: Schweinefleisch 50 Psg. \"B*h NMiiufe, 21t Gartcnstraßc 28, ?,u verkaufen. (1741 Näh. Bureau Horst, Riegclvfad. erstklafs. Fabrikat, ■ühifibaum, matt, Jugendstil, säst neu, preiswert zu verkaufen. (06024 Zu erfragen in der <35cfcünft^5 stelle des Gießener Anzeigers. AcgMtc SoloHciiii'iditMna, faß neu, billig zu verkaufen. (4016 Wo ? sagt d. Geschäftsst. d. 6). A. Schlosserei fchüsts billig zu verkaufen. Schriftl. Angeb. mit. 06061 a. d. Geschäftsstelle b. Gieß. 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Juli, abends 0 Uhr, in ber Restauration Herbert Wallenfels (XXX)XX Mmls-AttfiimlW Beschlußfassung über die Vcr teilnug der Ehrengabe der ^tadt Gießen. V""/7kWM«SL !><*»• loTMtniKl. 7/isitenfawten liefert rauch and billigst ßräblscbc Oaiw^OruckereL Vevgebung. Für bic Klinik für psychische und nervöse Krankheiten in Gießen soll die Lieferung von 40 Nmtr. Ta,«ttcnschcitholz auf dein Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben merben. Die Bedingungen liegen an den Wochentagen von 4 bis 6 Uhr nachmittags in bem Verwaltungs-Bureau zur Einsicht offen. Angebote find verschlossen nnb mit entsprechender Aufschrift versehen biß zum Eröffnungstermin: Mittwoch den 10. August 1910 mittags 12 Uhr in dem vorerwähnten Bureau abzugebcn. Der Zuschlag erfolgt bis zum 17. August 1910. Gießen, den 21. Juli 1910. Gr. Dirsstion der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten. Sommer. ß» lUBMlBMMtM«—ir ■ II I ■»«MMJWJimilWimal'IMIW M JWI.WI—w.«». Äiirltiche ^efontiniiioei S Stäi UW. Jugendfest. Daö diesjährigeJugcndscft, zu dem etwa 3000Kindcr nttgcmcl1 bet tvarbeit sind, soll Donnerstag den 28. ds. Mts. int Philosophen nmlb abncbaltcn werden. Der Festziig stellt sich iiartimiiiano *2 Uhr in der Ost und Süd-Anlage aus und nimmt feinen Weg durch bic Kaiser Allee nach dem Festplatz. An den Eingängen zum Festvlatz wird zur Bestreitimg der Kosten von allen nicht zum Zuge gehörenden Festtetlnehntern ein Eintriltageld von 30 Psg. erhoben. Im Vorverkaitf, der bis zum 28. Juli mittags 12 Uhr dauert, werden Eintrittskarteti zu 25 Pfg. abgegeben. Boiverkaui^stcUett ßnd eingerichtet bei E. Balser, Mäusburg 11, F. Kühn, Selterstveg 36, W. Klee, Marktplatz, L. Fuhr, Sonnenstraße 25, Ehr. Franz. Ploct straße 8 und Earl Bourgeois, Marktplatz 1. Die vorher gelösten Karlen sind an den Kassciistellciiini Walde vorzuzeigen._______]P- 7 Die nm Fitgendfeit teilnebmeiiden Schülerinnen der Höheren und (^rmcitertcn Mäbchcuschule versammeln firb Donnerstag den 28. Juli um F/« Uhr nachmittags aus dein Hofe der ^)ürgeriiieiftcrei. _________ßw/7 Das nm 15. lfd. Mts. fällige Pachtgeld der ^riebvtertel vp. für 1910 kamt bis Ende ds. Mts. noch ohne Mnhnkosteii zur Stndi knsse beznblt werden. __j;w 7 ~ Qas 2. Ziel Gemeindesteuern und Kanal Gebühren, die Beitrage zur Land- und Forstivirtschaftlichen Bcrussgeiwsienfchast, sowie die Beitrage zur Landwirlschaslskaimiier können imterbnlb der nächsten 10 Tage noch ohne Kosten bezahlt werden. (B**/7 Biograph Plockstraße 12 06174 Plockstraße 12 Schfiagea«! SchSager! Elo Utiesduell Sweaters für die Reise für Knaben und Mädchen in B’wolle und Wolle (a”/7 in hervorragend. Auswahl A. Salomon & Cie. Zum 3ugendfesf üw empfehle Knaben- und Üläddien-Stieiel braun und sdiwarz in bekannt guter, haltbarer Ware und größter Buswahl Tagespreisen 3931 SchBagor! Schlager 4072 Dörmer. D,6/7 la lile 3 An Per 40 187.63 3917 35 000.— 3 156.85