Uunst, Wissenschaft und Leben. — Das HanauerStavelotTryptichon inLondon. 3n den kunstinteressierten Kreisen Deutschlands hat im Dezember v. I. ie Nachricht Aussehen erregt, daß ein sich im Besitze einer Hanauer jamilie befindliches sehr wertvolles frühmittelalterliches Kunstwerk um Preise von 400 OvO Mk. nach Amerika vertäust worden sei. Ls handelte sich um ein T r y p t i ch o n, ei» wertvolles, emailliertes ueiflügeliges, etwa 40 Zentimeter hohes Altärchen, dessen Mittel-- eil etwa aus dem 8. Jahrhundert, die beweglichen Flügelteile aus >em 11. Jahrhundert stammen. Der den Kauf vermittelnde Kom- uissionär halte den Namen seines Auitraggebers nicht genannt, roch vermutete man, daß der bekannte amerikanische Millionär Ao rg an der Käufer sei. Diese Vermutung hat sich als zutreffend cwiesen. Ein in London weilender Hanauer hat das Flügel» Utärchen im Brüischen Museum vorgesunden, wo es in einein schranke steht und als ein Geschenk I. Prerpont Morgans be- eichnet ist. — Wie das Tryptlchon nach Hanau kam, ist uich intereflant. Als 1705 der letzte Fürslabt der Benediktiner- !lbtei Stavelot-Malmedy fliehen mußte, nahm er die wertvollen ölücke seines Klosters mit, worunter sich auch das Flügelaltärchen resand. Er kam auf seiner Flucht nach Hanau und fand m der Ellie Waltz gastliche Aufnahme, der er bei feinem Tode auch das vertvolle Kleinod vermachte. — Ein Tauber durch Ehrlich-Hata geheilt. Aus Kopenhagen wird gemeldet: Mit Ehclich-Hata 606 wurde hier M, sehr interessanter Erfolg erzielt, nämlich die teilweise Teilung syphilitischer Taubheit. Em junger Mann, 'er stocktaub war, erhielt nach halbjährlicher Behandlung mit Queck- ilber eine Einspritzung mit Ehrlich-Hata. Der Patient hört etzt laute Zurufe. Man hofft in kurzer Zeit eine vollständige Teilung zu erzielen. — Klein-Dorrits Urbild f. Während man sich n England bereits znr Feier des 100. Geburtstags von Eckens rüstet, hat der Tod eine der letzten Persönlichkeiten ^ahingerasft, die dem englischen Meister der Erzählung nahe landen und in seinem Werk Unsterblichkeit gefunden haben. 3nr 81. Jahre starb zu Southsea Mrs. G. M. Hayman, die dickens fiir die Heldin seines letzten Romans „Klein Dorrit" rls Vorvild gedient haben soll. Sie gehörte zu dem nahen sieundestteise des Dichters, und die Tradition, daß sie st kiein Dorrit porträtiert sei, ist bald nach dem Erscheinen dieses „Schwanengejangs" von AllLens ausgetreten und von Wu160* Jahrgang - Dienstag 2?.September 1910 erscheint täglich, außer - ö * Aviv SoimtagL. - BeUagen: Q Bezugspreis: SBSVJIvIlvIlvl 4lllvlUa Ferusprech-Anschlüsse: H M ™ ▼ W M auswärts 20 Pfermig. für die Redaktion 118, f\^7 Chefredakteur: A. Goetz. Verlag u. Expedition 61 jflpr w- M xäJjF Verantwortlich für den :--ZU für Cbecheffen GW w °°rmü.°gs 9 Uhr. wit» Oerfag 6er vrühl's-hen Unkv.-Vuch- und Steinöruderei H. Lange. Bebaftioit, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7 --n, „ Anzeigenteil: H. Beck. Neue schwere Ausschreitungen nutz Stratzentämpfe in Moabit. Meldung über Ausschreitungen Lusstcmlnger Kvhlenarbetter der Firma Kupfer u. Lo ae- feilen sich heute Nachrichten über wiederholte Tumulte allerschwerster Art. 43 Polizeibeantte wurden dabei verletzt, und eine Kirche wurde, wie es heißt, erstürmt, weshalb und zu welchem Zweck, werd nicht gesagt; wahrscheinlich, wollte ine Menge fid> darin verschanzen. Es ist klar, baß diese unerhörten Vorgänge zahlreiche gerichtliche Nach- spiele haben toerben. Berlin, 26. Sept. Auch am Montag vormittag kam es in Moabit zu eurem ernsten Zusammenstoß zwischen Streikenden und Schutzleuten. Zwei Schutzleute wurden durch Steinwurse bedenklich verletzt und einige Streikende durch Säbelhiebe verwundet. Die Polizei erläßt eine amtliche Warnung, daß bei etwa notwendigem polizeilichen Einschreiten Rücksicht auf etwa anwesende Frauen und Kinder nicht genommen werden kann. Die Angriffe gegen Arbeitswillige der Kohlenfirma Kupfer il Lo. haben tagsüber noch angedauert. Als heute mittag mehrere leere Kohlenwagen nach dem Kohlen- M rn der Sükingerstraße zurückkehrten, wurden der Rutscher und die Dtitfahcer eines Wagens von Arbeitern jer Löweschen Fabrik, die sich gegenüber dem Kvhlenplatz befindet, mit Steinen beworfen. Als einer der Mitfahrer erheblich am Kopfe verletzt wurde, gab der Rutscher einen Revolverschuß auf die Menge rb. Die polizelliche Begleitmannschaft, verstärkt durch Lachmannschaften, ging nun energisch gegen die Angreifen- )on vor und trieb sie auf das Löwesche Fabrikgrundstück Zurück. Da sich das Werfen mit Steinen vom Hofe des .Zabrikgrundstüctes und von den Fenstern der Fabrik gegen )ie Schutzmannschast fvrtsetzte, ging diese mit )lanker Waffe vor und räumte den Vorhof. Die Arbeiter zogen sich Mrück, als sie durch die Fabrikspfeife rach chren Arbeitssälen zurückgerufen wurden. Einer der polizeiofsiziere zu Pferde wurde von Steinen am linken inie getroffen. Die Berliner Blätter melden ferner: Im Zusammen- -ang mit den Streikunruhen in Mvabit trat die Polizei, >ie den Kohlenplatz von Kupfer u. Co. mit zwei Ossi- ieren und 50 Mann ab gesperrt hatte, dem Ansturm der mfgeregterr Menge mit der blanken Waffe entgegen. Als >ann aus der Vtitte der Duncultanten heraus, die, alles .orsichniedertretend, bald hie bald dorthin stürmen, mehrere Revolverschüsse fielen, war das Signal n einer förmlich en Straßen schlacht gegeben. Es >auerte etwa eine halbe Stunde, ehe alle Straßenzüge ge- ämnt und für den Verkehr gesperrt waren. Gegen 9 Uhr abends hatte sich wiederum in der Zicking erstraße und in den Querstraßen eine gewaltige ILenschenmenge angesammell, die unter Zohlen gegen die öeamten vorging. Diese wurden mit Steiners und Bierseideln beworfen, es fielen wieder mehrere Schüsse; ein Leutnant wurde durch einen Steinwurs un Kopfe schwer verletzt. .Abends um 10 Uhr war >as Straßenbild ruhiger, doch trat hin und wieder der üngere Janhagel aufieizwd hervor. Kurz nach 12 Uhr sammelte sich in der Beußelstraße eine nach Tausenden zählende Menschenmenge an Das Gedränge war lebensgefährlich und die Polizei fast völlig machtlos. Mit den Feuermeldern wurde Mißbrauch getrieben. Gegen V2I Uhr wurde die Reformkirche in der Beußelstraße von der Menge gestürmt. Die starken Kirchentüren wurden von der Menge zertrümmert und durch die wertvollen Fenster sausten Dutzende von faustgroßen Steinen. Auf der Straße herrschte vollständige Dunkelheit. Die P 0 l i z e i hatte inzwischen Hilfs- mannschaften requiriert und rückte gegen die erregten Massen mit der blanken Waffe vor. Die Zahl der verletzten Polizeibeamten wird auf 4 3 angegeben, die der Tumultanten ließ sich bis in die frtoeite Morgenstunde noch nicht feststellen. Der Sieg öes Sozialdemokraten in Frankfurt a. Oder. Die Hoffnungen für die Stichwahl im Kreise Frank- sirrt a. d. Oder waren gering; der Entscheidungskampf führte gestern zu einem neuen Siege der Sozialdemokratie. Seelow, 26. Sept. Bei der heutigen Reichstagsersatzstichwahl im Wahlkreise Frantfurt-Oder-Lebus wurde der Sozialdemokrat Faber mit einer Mehrheit von 172 Stimmen gewählt. Für Winter (Rall.) wurden 15 625, für Faber (Soz.) 15797 Stimmen abgegeben. Bei der Hauptwahl am 15. d. M. war Winter mit 7754 Stimmen mit Faber in die Stichwahl gekommen, der 14 319 Stimmen aufbrachte. Der wnservative Arbeitersekretär Dunkel halle es nur auf 6595 Stimmen gebracht. Die Konservativen haben sämtlich für den nationalliberalen Kandidaten gestimmt, und es gelang, für diesen noch rund 1200 Sllmmen mehr zu gewinnen. Der Sozialdemokrat erhielt dennoch eine knappe Mehrhell. Die Belegung öes Werslardeiter-Ausstanöes. Erfreulicherweise sind Aussichten vorhanden, daß der große Ausstand der Werstarbeller, bei mit all seinen Folgen ein nationales Unglück bedeuten würde, friedlich beigelegt werden kann. Wir erhalten folgende Meldungen: Berlin, 26. Sept. Die Beilegung des Werftarbeiterslleiks ist zwar in Aussicht, jedoch noch nicht sichergestelll. In der heutigen (Atontags-) Sitzung, die auf Einladung des industriellen Verbandes abgehalten wurde, machte sich auf beiden Sellen eine versöhnliche Stimmung geltend. In verschiedenen Punkten wurde durch beiderseitiges Nachgeben eine Uebereinstim- mung erzielt Die Sitzung, die um 5 Uhr begonnen halle, schloß erst kurz vor 10 Uhr abends. Die Weiterberatung wurde dann in Anbetracht der vorgerückten Stunde auf Mittwoch nachmittag vertagt. Sowohl die Delegierten der Arbeiter, wie die Vertreter der Arbeitgeber sollen zunächst die einzelnen von beiden Sellen gemachten Vermittclungsvorschläge noch getrennt beraten, um in der gemeinsamen Sitzung am Aiillwoch endgülllge Beschlüsse zu fassen. Berlin, 27. Sept. Heute begannen hllr die Verhandlungen zur Bellegung des Werftarbeiter st reiks in Hamburg. Ueber chren Inhalt wird .strengstes Stlllschweigen beobachtet Außer den Vertretern der freien Gewerkschaften nehmen auch solche der Hirsch-Tunckerschen Gewerkvereine und der chrisllichen Ge- werkschasten an den Besprechungen teil, Tagesschau. Das künftige Verhalten der sozialdemokratischen Revifiovistev. Der ,^Vorwärts" läßt sich aus Magdeburg melden: & ,e m11 ^ank erklärte dem Genossen Fischer vom Brüsseler Peuple, der ihn offiziell interviewte: Wir werde n d em P a r t e i t a g s b e s ch l u ß F 0 1 g e l e i st e n, die Frage aber, ob die Budgetbewilligung eine Frage des Prin- zips oder der Takllk ist, de mJnternationalen Kongreß unter br eiten. Sollte dieser unsern Standpunkt nicht teilen, so wäre allerdings das letzte Mittel erschöpft Der „Vorwärts" bemerkt dazu: -Wir nehmen vor allem mit Vergnügen Notiz von dem Willen der Mmderheit, sich dem Beschlüsse des Parteitages zu unterwerien. Zu bedauern ist, daß diese Erklärung aus dem etwas ungewöhn- lichen Wege eines Interviews erfolgt, statt daß sie vor dem Forum des Parteitages bekannt gegeben wurde. „Was nun den Appell an die Internationale anbetrifft, so mochten wir vorläufig bezweifeln, daß er erfolgen wird. Genosst orank erklärte in Magdeburg, daß er wohl bereit gewesen wäre, um Indemnität nachzusuchen, wenn er sicher wäre — „die Majorität hinter sich zu habend Das legt dre Vermutung nahe, daß er auch an die Internationale nur dann appellieren würde, wenn er dort der Zustimmung sicher ist. Diese Hoffnung wird er indessen wohl bald aufgeben müssen, wenn er sieht, wie energisch die ausländischen Genossen sich die Budgetbewilliger von ihren Rockschößen abschütteln.- Um dies zu bekrästtgen, zitiert das Zentralorgan eine sozialdemokratische Preßstimme aus Wien und Auslassungen des französischen Führers Jaurös. Frank gibt auf diese Veröffentlichung eine sehr gewundene Erllärung ab. Er ersucht die Frkf. Ztg. um die Feststellung, daß er sich so bem Genossen Htscher-Brüssel gegenüber nicht geäußert habe. Bezüglich der Konsequenzetl, die sich für die Süddeutschen aus dem Magdeburger Beschlüsse ergeben, habe er sich Fischer gegenüber, der chn unmittelbar nach der entscheidendeni Sitzung darüber fragte, genau so geäußert wie in der Sitzung selbst. Es sei durch das Fischersche Interview also durchaus nicht etwa eine neue Situation geschaffen worden. Ein neuer Hofgänger ist in Baden entdeckt worden, der, allen Verboten zum Trotz, die GratulationseouD der Bürgermeister beim Großherzog mitgemacht hat. Der verstockte Sünder ist der sozialdemokratische Bürgermeister von Hagsseld, Genosse Wurm. Der Karlsruher „Volkse fremw" hat chn antelegraphiert, nicht etwa, um ihn zu beglückwünschen, sondern um nach dem Grunde seiner Handlungsweise zu forschen. Wurm hat gelassen erklärt, die Wahrung der Interessen seiner Gemeinde hätte chn be* stimmt, sich von dem Empfang der Bürgermeister der tleineu Gemeinden Badens durch den Großherzog nicht auszu- jchlleßen. „Unglücks-Wurm", so schreibt das „Berl. Tgbü", dem wir diese Attttellung entnehmen, „wie werden sie mit dir umgehen!" * Die neuen Militarforderungeu. Aus Berlin wird uns geschrieben: Die Verhandlungen zwischen dem Reichsschahämt und dem Kr i e g s m ini st er iu m über die Aufstellung des neuen Militär haus Halts und die Feststellung der neuen Quinquennatsvorlage sind zufriedenstellend . für beide Ressorts verlausen. Es hat eine Einigung auf der mittleren iLinie stattgefunden, nachdem das Kriegsministerium einige minder wichtige Forderungen seines Haushalts zurückgezogen hatte und auch die Militärvorlage auf das notwendigste Maß beschräntt worden war. Hiermit sind die größten Schwierigkellen für die Haushallsausstellung besellcht, da die Wünsche der übrigen Ressorts chon an und für sich bescheiden waren. Mt der Aufstellung ihrer Familie immer sestg eh alten worden. 9wch ein arideres Mitglied der Famllie Hayman ist in dem Buche verewigt worden, nämlich der kleine Bruder der Verstorbenen, der durch einen UnjaU zum Krüppel geworden war und schon als Kind starb. Die rührende Gestalt dieses kleinen Jungen hat Züge zu der Figur von „Klein Tim" geliehen. — Das geräuschlose Gewehr im 17. Jahrhundert. Vor einiger Zell erregte das geräuschlose Gewehr, eine Erfindung des Amerikaners Maxim, berechtigtes Aufsehen. Es scheint jedoch, als bewahrheitet sich auch bei dieser Erfindung das Wott, daß alles schon dagewesen sei. Wenigstens berichtet der aus Speyer stammende Johann Joachim Becher in seinem 1682 in Frankfurt a. M. erschienenen Buche „Narrische Weisheit" im 21. Kapitel des ersten Teiles über einen Knalldämpser am Gewehre, der von einem gewissen D 0 u s 0 n oder T 0 u s s 0 n erfunden worden sei. Man schießt nach seiner Angabe aus dem Rohr mll gewöhnlichem Pulver und Blei, ttotzdem gebe es wegen der eigeillünllichen „Bereitung des Rohres" keinen Knall. Zur Zeit dieser Erfindung Toussons scheint man sich mit der Frage des knallschwachen Pulvers beschäftigt zu haben, denn Becher streicht die eigeillümliche Laufkonstruktion heraus, indem er von ihrem Erfinder sagt: „Er nimmt gemein Ptllver und gemein Bley in der ordinari-Ladung, und thut weiter nichts dazu, schießt so stark als ordinari, juiü> wird doch kein Knall gehöret, und besteht die Kunst allein in dem Rohr, dessen Sttucktur den Knall supprimiert. Ich habe^ zwar selbst den Effekt dieses Rohres nicht gesehen, aber Se. Hoheit, der Prins Rupprecht, haben mir etliche Mal gesagt, daß sie dergleichen Rohr haben, und die Probe damit gethan, wie es mir dann auch Douson selbften bekräfftiget." F. M. Feldhaus, der lli den „Technischen Moimtsheften" auf diese verschollene Erfindung hinweift, meint, es sei kaum an ihrer Wahrheit zu zweifeln. Becher war ein namhafter Gelehrter, und der Pfalzgraf Rupprecht, in dessen Diensten Becher stand, war in allen mechanischen Künsten so bewandert, daß seine Angaben wohl glaubwürdig erscheinen. — Hervor ragen de Leistung eines Polizeihundes. Von den vielen Polizeihundstückchen verdient eine neuere Leistung des Hagener Polizeihundes Roland hervorgehoben zu werden, weil sie für den außerordentlich feinen Geruchssinn eines guien Hundes einen erstaunlichen Beweis liefert. In der Nähe von Schwerte wurde, so berichtet die „Kötu, Ztg.", kürzlich, abends gegen 11 Ufe I dem Direktor eines Ziegelwerkes offensichtlich in böswilliger I Absicht ein schwerer Stein durch das Fenster des im ersten Stockwerk befindlichen Schlafzimmers geschleudert. Der Direttor, der eben das Zimmer betreten und Licht gemacht hatte, blieb unverletzt und ließ den Stein unberührt im Zimmer liegen. Anderen Tags, also 12 Stunden nach der Tat, traf der Polizeihund Roland ein, der den Stein beroch, dann die Treppe hinunterlief und nun die Spur auf dem vor dem Hause herfihrenden Weg aufnahm: An der Stelle, von der aus der Stein geworfen worden war, blieb der Hund einen Augenblick stehen, um dann die Spur weiter über einen großen Hofraum in ein Haus hinein zu verfolgen, in dem etwa 30 Ziegelarbeiter wohnen. Roland flieg ohne Zögern eine Treppe hinan und führte den Schutzmann in einen Raum, in dem sich 18 Arbeiter befanden. Nachdem das Tier alle beschnuppert hatte, blieb es vor einem holländischen Arbeiter stehen, der nach einem kurzen Verhör auch eingestand, aus Aerger den Stein gegen den Direktor geschleudert zu haben. — Rudolf Dellinger si Rudolf Dellinger, der kaum noch bekannte Operetlentomponist und frühere Direktor des Dresdener Residenzlheaters, ist in der Samstagnacht in der städtischen Heil- und Pflegeanstalt in Dresden nach langem Leiden gestorben. Dellinger hat ein Alter von 54 Jahren erreicht. Seine Operette „Don Les ar' ist noch unvergessen, aber der Name des unglücklichen Komponisten ist im breiteren Publikum nicht mehr bekannt. it. Mainzer Stadttheater. Mma Saccnr, die bekannte Berliner Operrttensängerin als Gast in Sidney Jones reizender Operette „Die Geisha", zog das Publikum mächtig an. Alma Saccur, unterstützt durch die Mittel ihrer klangvollen, wohllauten Sttmme, belebte die Gestatt der freundlichen, weh- muisvollen Geisha mll edler Kraft und schuf ein prachtvolles Bild der lieblichen Japanerin, das in dem Auftritt mll Rogllulld Faifar und dem rührenden Liede ,F) tanz du kleine Geisha" eine erstaunliche Höhe erreichte. Von den Damen ist chr nur Frl. Slllosy als „Lady Seanwre" nahe gekommen, die mll flotte^ Zügen die abenteuerlustige Engländerin festhielt. — KurzeNachrichtenausKunstLWissenschaft. Der frühere Professor der Astronomie an der Kopenhagener Universität, Thiele, ist int Aller von, 72 Jahren in Kopenhagen gestorben v Deutsches Reich. i Eine am Montag in Re mich (Luxemburg) ab- ^gehaltene, aus allen Kreisen der Bevölkerung zahlreich besuchte Versammlung betreffend die Mosel - und Saar- -iKanalisierung nahm folgende Entschließung an: ' Die Versammlung bedauert, die am 7. April im Preußischen 'Abgeordnetenhaus bekannt gegebene Entschließung des Preußischen tStaatsministeriums, wonach die Kanalisierung der Mosel und der Saar mit Rücksicht auf die Interessen der rheinisch-westfalischen Visenindustrie und des vreußischen Eiserrbahnfiskus zurzeit nicht sso wird man ohne weiteres zugeben, daß sie mit früheren Ausführungen von ihm völlig übereinstimmt. Nachdem ^3) Bebel auf dem Magdeburger Parteitag den Tatsachen ^sprechend bemerkt hat, der Minister habe mit seiner Aeußerung vom 13. Juli von seinen früheren Erklärungen gegenüber der Sozialdemokratie kein Jota zurückgenommen, darferwartetwerden,daßderMißbrauchauf- hört, der mit den Worten des Ministers von sozialdemokratischer Seite getrieben wird, nicht minder aber darf erwartet werden, daß die Organe der rechtsstehenden Parteien bei ihren Erörterungen mehr als bisher auf den übrigen Inhalt jener Rede und die früheren Ausführungen des Ministers berücksichtigen. Darnach kann fein Zweifel bestehen, daß der Minister nach wie vor ein entschiedener Gegner der politischen Ziele der Sozialdemokratie ist. Ausland. Der türkische Groß Wesir Hakki Pascha ist am Montag in Wien eingetroffen. Nachrichten aus Petersburg zufolge soffen Chiles e n ein r u s s i s ch e s S ch i s f auf beni Sungari, 20 Kilometer von Chardin entfernt, überfallen, die Besitzer ^ermordet und die Kasse geraubt haben. *■ Aus Mitrowitza wird gemeldet: Zwischen einer türkischen Grenzwache und einer serbischen Bande, ^die wahrscheinlich aus Schmugglern bestand, hat ein Kampf (stattgefunden, bei dem vier Serben erschossen wurden. Bei 1 E l a s s v n a kam es zu einem Kampfe zwischen den Truppen /und einer griechischen Bande, welche die Grenze über- ifchritten hatte. Zwei Griechen wurden getötet, einer wurde verwundet. Heev und Llotte. Dresden, 26. Sept. Der Kaiser enthob mit Aller- .höchster Kabinettsordre vom 26. September den General Don Broizem von seiner Stellung als kommandierender General des 12. Armeekorps und ernannte auf Grund des "Vorschlages des Königs den General der Infanterie d'E l s a, bisher von der Armee, zum kommandierenden General des 12. Armeekorps. General von Broizem wurde in Genehmigung setnes Abschiedsgesuches mit Pension und Erlaubnis .zum Tragen der Generalsuniform zur Disposition gestellt .unter Belassung ä la suite des Gardereiter-Regimentes; der König versieh chm den Orden der Rautenkrone. Ans StaOt nnd Lanö. Gießen, 27. Sept. 1910. Die Grundbuch anleg ungin Hessen. Einer vom Landgerrchtsrat Welker m Darmstadt ausgestellten Statistik entnehmen wrr folgendes: Im Sommer 1900 wurde mit der Anlegung des reuchsrechttichen Grundbuches angefangen, am J. September 1910 waren über 85 Prozent aller hessischen Gemarkungen, auch Mainz und Worms mit /dem Grundbuch versehen, in etwa 15 Prozent aller Gemarkungen, bamnter Darmstadt, Offenbach und Gießen, ist 'das Grundbuck) noch anzulegen und in etwa 3 Prozent aller Gemarkungen mußten einzelne Grundstücke von der Anlegung ausgenommen werden. In Starkenburg sind von den gesamten 447 Gemeinden 422 mit dem neuen Grundbuch versehen, 25 sind noch ohne Grundbuch, M sieben Gemarkungen mußten einzelne Gnuröstticke von der Anlegung ausgenommen werden. In Oberhesfen steffen sich diese Ziffern in gleicher Reihenfolge auf 502;- 412; 90 und 16 und in Rheinhessen auf 183; 133; 30 und 7. Im ganzen Großherzogtum auf 1132; 967; 165 und 30. — Von 53 Amtsgerichtsbezirten sind 17 mit dem neuen Grundbuch versehen. * * Orden und Titel. Der Großherzog hat dem stellv. Vorsitzenden des Verbandes der Verpflegungsstationen in Hessen und Hessen-Nassau, Landrat v. Gröning zu Gelnhausen und dem kath. Pfarrer und Dekan Anton Kuhn in Bürstadt die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüttgen verliehen, sowie dem Oberlehrer an der Realschule zu Michelstadt PH. Wahl den Charakter als Professor erteilt. * * Techn. Hochschule. Der Großher^og haben Mergnädigst geruht, am 24. September d. I. den Privatdozenten an der Universität Würzburg Dr. Wilhelm Pinder mit Wirkung vom 1. April 1911 an zum ordentlichen Professor der Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule in Tarmstadüzu ernennen. * * Dekan Der Großherzog hat der durch die Dekanatssynode des Dekanats Zwingenberg für den Rest der im Jahre 1913 ab lau send en Wahlperiode vollzogenen Wahl des Pfarrers Karl Zaubitz zu Bensheim a. d. B. zum Stellvertreter des Dekans des Dekanats Zwingenberg die Bestätigung erteilt. * * Steuer wesen Der Groß Herzog hat den Steuerkontrolleur Finanzassessor Rich. Schnupp zu Friedberg zum Revisionskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Mainz und den Hauptsteueramtsassistenten Wich. Rübe zu Offenbach zum Bezirkskasseassistenten bei der Bezirkskasse Mainz I ernannt. * * In den Ruhestand versetzt wurden die Bahnwärter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Joh. Barth I. in Büdesheim und Jos. Dietrich zu Ober- bimbach. "Veränderungen im 18. Armeekorps. Schreiber, Hauptm., mit dem 1. Oktober 1910 in das 5. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 168 versetzt, bis dahin bei der Haupt. Kadettenanstcklt, vom 1. Oktober ab zur Vertretung eines Adjutanten des Kommandos des Kadettenkorps für die Dauer dessen Erkrankung kommandiert. — v. Rostken, Hauptm. im Füs.-Regt. v. Gersdorff (Kurheff.) Nr. 80, als Verwalt.- Mitglied zur Gewehrfabrik in Danzig versetzt. ** Prüfung für den höheren Finanzdienst. Mit Ermächtigung des Großherzogs wurden nachstehende Beamte zu Vorsitzenden und Mitgliedern der Prüfungskommission für den höheren Finanzdienst im Nebenamt ernannt: I. Vorsitzender: Ministerialrat und Vorsitzender der Ministerialabteilung für Steuerivesen Geheimerat Dr. Becker; II. Mitglieder: Ordentlicher Professor der Staatswissen- schasten an der Landesuniversität Dr. jur. et phil. 93 i e r m e r; Erster Hauptstaatskassedirektor Dexheimer; Obcrsinanzräte Weißenbruch und Frenz, vortragende Nate bei der Abteilung für Steuerwesen des Ministeriums der Finanzen. ** Verleihung von Ehren-Urkunden an unselbständige Handwerker. Die Handwerkskammer zu Darmstadt wird, wie int Vorjahre, an unselbständige Handwerker, Gesellen, Gehilfen usw., die mindestens 25 Jahre in demselben Betriebe ununterbrochen tätig gewesen stttd, Ehren-Urkunden verleihm. Bei dem wirtschaftlichen Aufschwung, den eine große Zahl Berufsgruppen in den zwei letzten Jahrzehnten genommen hat, ist ein öfterer Wechsel in dem Personal wie früher zu verzeichnen. Ein Aushalten von 25 Jahren bei einem Meister gehört zu den Seltenheiten und setzt Treue, Fleiß, Ehvlichteit und rechtschaffenen Sinn voraus. Diesen Personen zur Anerkennung und anderen zur Aneiseruilg sollen die Ehretr-Urkünden verliehest werden. Die Verleihung erfolgt alljährlich an Weihnachten. Die Anträge zur Verleihung sind von der gewerblichen Korporatton, der der Arbeitgeber angehört, bei der Handwerkskammer zu Darmstadt bis spätestens 1. November jeden Jahres einzureichen. Den Anträgen ist ein ausführlicher Lebenslauf des zur Auszeichnung Vorgeschlagenen, sowie ein von dem Betriebsinhaber ausgestelltes, ortspolizeilich beglaubigtes Arbeitszeugnis, das gleichzeitig den Nachweis der 25jährigen ununterbrochenen Dienstzeit in ein und demselben Betriebe enthalten muß, sowie ein von der Polizeibehörde ausgestelltes Leumundszeugnis beizuschließen. * * Besitzwechsel. Das Anwesen der Georg Eule^ Erben, zum goldenen Stern, Walltorstraße 33, wurde von H. Baurnann käuflich erworben. * * Militär trans Porte. Gestern abend kamen die Mannschaften des Jnfanterie-Lehrbataillons, die zur Reserve entlassen werden, in einem größeren Trupp von Potsdam hier an. Es wäret: Mannschaften der Regimenter aus Nassau, der Rheinprovinz und Eljaß-Lothringen. — Eine Anzahl berittener Jäger kam aus Elsaß hier durch, um nach Hause zurückzukehren. — Heute abend um 7i/2 Uhr fährt ein Militär-Sonderzug hier durch, der Reservisten aus Norddeutschland in die Heimat befördert. * * Ein alter Schacht. In der Sandgrube des Herrn Hch. Winn unterhalb der Liebigshöhe stießen Arbeiter gestern auf starte eichene Bohlen, die etwa 8 Meter unter der Erdoberfläche in aufgeschüttetem Boden sich befanden. Man vermutete, daß man es mit einer Grabstätte z-u tun hätte und benachrichtigte sofort den Konservator Dr. Kramer. Unter dessen Leitung wurde die Sache untersucht und festgestellt, daß es sich um einen Schacht handelte, der unter dem Abhang des Triebs nach der Germania zu laufend im vorigen Jahrhundert vielleicht zu dem Zwecke der Wasserausfindung angelegt sein muß. Dennoch war es gut, daß man Dr. Kramer von dem Vorkommnis in Kenntnis gesetzt hatte. Wenn in solchen Fällen dies stets geschieht, können wertvolle Ausschlüsse für die Wissenschaft erzielt werden, was aber unmöglich ist, wenn erst in unsachlicher Weise mit Schippe und Axt gearbeitet wird. = Wieseck, 26. Sept. Die hiesige GemeinderatL- wahl endigte bei schwacher Wahlbeteiligung — von etwa 600 Wählern stimmten nur rund ein Viertel ab — mit den: Siege dec sozialdemokratischem Kandidaten, die zwischen 97 und 108 Stimmen erhielten, während auf die bürgerlichen Kandidaten zwischen 18 und 43 Stimmen entfielen. Gewählt wurden Heinrich Oßwald, Wilhelm Luh und Balth. Wacker. Die sozialdemokratische Partei hat nuninehr die Mehrheit im Gemeinderat. # Klein-Linden, 26. Sept. Die heutige Versteigerung des Gemeindeobstes erfreute sich regen Zuspruches von Steiglustigen. Die erzielten Preise waren nicht schlecht, obgleich bei dem reichen Ertrag der Bäume die Käufer zu preiswerten Winteräpfeln kommen. Lich', 26. Septt Die von Tanzlehrer Schneid« Laubach in sden Sommermonaten hier veranstalteten Tanz. kUrse für Kinder unb Erwachsene wurden am Samstag abend durch einen Baff im Heiland scheu Saale beendet, der sich eines schönen Verlaufes erfreute. Besonders wurden die .fleinen sechsjährigen Schüler unb Schülerinnen bewundert, die sich flott im Saal bewegten. An den Kinderball schloß sich am Sonntag eine Nachfeier mit Tanz an, woran »sich auch die hier einquartierten Soldaten aus Wiesbaden in großer Zahl beteiligten. b. Bellersheim, 25. Sept. Unser seitheriger Bürgermeister Bopp wurde bei der Bürgermeisterwahl einstimmig wiedergewählt. Der Gewählte versieht sein Amt schon viele Jahre und die einmütige Wiederwahl ist ein Beweis seiner allseitigen Beliebtheit. O Laub ach 26. Sept. Die Verpflichtung und Beeidigung des neugewählten Bürgermeisters N. Ritter durch das Kreisamt Schotten findet nächsten Dienstag, 4. Ott., auf dem Rathause statt. Me im unteren Stock des Rathauses gelegenen beiden Zimmer werden zn Amtszimmern des Bürgermeisters, der feine Bureaustunden hier abhalten wird, bestimmt. L. Bad-Nauheim, 26. Sept. Der südliche Flügel unseres Bahnhossempfangsgebäudes ist nun bis zum Dachstuhl fertiggestellt. Nach seiner Vollendung wird man den nördlichen Flügel neu erbauen und bann wird wahrscheinlich der mittlere Tell (das jetzige Stationsgebäude^ abgebrochen und neu aufgebaut. x Bad-Nauheim, 26. Sept. Die hiesige Ortsgruppe des Oberhessischen Ob st Lauvereins veranstaltete von Samstag bis heute eine Obst- und Gartenbauausstellung in Len Räumen des Saalbaus Thalysiew Los. Der Eröffnungsfeier am Samstag wohnten u. a Kreisrat Schliephake und Bürgermeister Dr. Kayser bei. Die Ausstellung zerfällt in 11 Gruppen, etwa 65 Klassen und 75 Aussteller. Vom feinsten Tafelobst bis herab zum Wirtschastsobst ist alles, was es in unserer gesegneten Gemarkung an Obstsorten gibt, in geschmackvollster, bas Herz und Mge erfreuender Weise zusammengestellr. ‘ Gestern unb heute wurde die Ausstellung sehr gut besucht. Heute gelangten zahlreiche Ehrenpreise zur Verteilung. — Am Mittwoch wird hier in der Turnhalle der Stadtschule die Ausstellung des Tuberkulose -Wandermuseiuns der Landesversicherungsanstatt eröffnet. L. Bad-Nauheim, 25. Sept. Den vielen Touristen^ die von Süden her dem Friedberger Promenadenweg entlang nach Nauheim kommen, repräsentiert sich unsere Badestadt gerade nicht schön. An Jahrhunderte alten rußigen Gebäuden vorüber führt der Weg zu den Parkanlagen. Das wird nun schon mit dem nächsten Sommer anders werden. Verschwinden werden diese alten Siedehäuser, verschwinden die alten Salzlagerhäuser, aus denen die Salinenknappschast schon vor drei Jahrhunderten das Salz aus weiten, geflochtenei- Trockenkörben hervorbrachte; zum Teil werden auch die von Schwarzdornreisig erbauten Gradierwerke, wie auch die unschönen, hölzernen Brücken über die Ufa weggenommen: stehen bleiben wird, gleichsam als Wahrzeichen Alt-Nauheims, nur die alte Salinenschmiede mit ihrem eigentümlich geformten Schlote. Jenseits des Bahndammes wird man du Salzgewinnungsgebäude errichten. Keine Steinkohlenlager werden aufgestapelt werden, sondern dir mächtigen Oefen wird man mit der heimischen Braunkohls aus dem nahen fiskalischen Bergwerk Melbach Heizen. A^ dem großen frei werdenden Terrain wird ein neuer Stadtteil entstehen; zunächst das viel umstrittene Riesenhotel (aber ohnr Badewasser-Abgabe). Von der Baubehörde sind die Arbeiten zur Erbauung der Salinenwerke ausgeschcleben. An dieses Gebäude anschließend, das von der Ufa bis zum Karls- brunnen reicht, kommt die große, seit vier Wochen in Angriff genommene Trinkturmanlage zu stehen. ft- Friedbcr g, 26. Sept. Bankdirettor Mey er, der bei dem Attentat auf die Reichs bank durch Wingeß uni) Werner verletzt wurde, ist heute abend aus ber Sommerfrische wieder hier eingetroffen. Die auf ihn abgegebene Kugel konnte noch nicht entfernt werden, sie machte ihm' bisher keine Beschwerden. w. Frankfurt a. M., 26. Septbr. Der Zar von Rußland, der Großherzog von Hessen, Prinzessin Heinrich von Preußen, Prinz Waldemar von Preußen, Prinzessin Luise von Württemberg und Prinzessin von Battenberg besuchten heute vormittag mit Gefolge den Zoologischer Garten. Nach dem Diner im Hotel „Englischer Hof" wurdr um 31/* Uhr die Rückreise nach Friedberg angetreten. w. Hanau, 26. Sept. Der bei den: Tonwerk Sterb- fritz bei Schlüchtern beschäftigte Maurer Hufnagel am Sterbfritz wurde durch herabstürzendes Gestern erschlagen Sport. ** F u ß b a l l. Ter G i c ß e n e r S p o r t v e r e i n von 19(X weilte Sonntag mit feinen Mannschaften auswärts und könnt überall gut abschneiden. Die erste Mannschaft spielte in Mar bürg gegen den V. f. B. Dlarburg und gewann sicher mit 2:( Toren, während die 3. Mannschaft, die gegen die erste Mannschai: des F.-K.-Wetzlar in Wetzlar spielte, knapp m:t 2:1 Tow unterlag. Auf den nationalen olympischen Spielen in Hombuu v. d. H. gewann H. Noll Gießen die süddeutsche Meisterschaft tir Wettsprung. Des wetteren wurde er in: Dreikampf und Kugel stoßen erster, während er im Diskuswerfen und Hochsprung der 2. Platz belegte. Im Dreikampf konnte außerdem noch H. Clariu- vom Gießener Spottverein von 1900 den 3. Platz belegen • Laubach, 26. Sept. .Zwischen dem Fußballk'lul des Gymnasrums Lu Friedberg und dem hiesigen fwü gestern em Wettkampf statt. Friedberg gewann ein und Laubai drei Wettspiele^ Schwurgericht. th. Gießen, 26. September. Heute vormtttag eröffnete Landgerichtsrat Neuenhagen bi- erste Verhandlung der diesmaligen Tagung des Schwurgerichts fw Oberhessen, die sich gegen den 30 Jahre alten, wegen ähnliche' Vergehen vorbestraften Dienstknecht Wilhelm Müller uoi Ruppertsburg, zuletzt in Bettenhausen wohnhaft, richtete. Er is geständig, versucht 51t haben, am 4. Juli d. Is., vormittags un 11 Uhr, auf freiem Felde eine 66 Jahre alte Witwe von Atuschen heim zu vergewaltigen. Die Anklage vertrat Staalsanwal Trümperi und die Verteidigung führte Rechtsanwalt Schneider Es waren 11 Zeugen und als medizinischer Sachverftandige^ Kreisajiistenzarzt Dr. Laugermann-Gießen zu hören. Die Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgte, ergab daß der Angeklagte die rohe Tat unter dem Einfluß des vorhc' aus Anlaß eines Kriegerfestes in Birklar mehr wie reichlich ge «offenen Alkohols begangen hat, doch war nach der Bekundung der Zeugen der Angeklagte mcht so betrunken, daß bet Begehun- der Tat dessen freie Willensbestimniung ausgeschlossen war. Dre Geschworenen bejahten die Schtlldfrage, bewilligten abe entgegen der Ansicht des Anklagevertreters dem Anqeklaglc' mildernde Umstände, worauf der Gerichtshof auf zwei Jahre Ge vermischtes. * Wegen des Raubanfalles auf deu Rech- ^Lngsführer der Grube Marigen bei Metz, Aber den wir gestern berichteten, sind bisher drei Täter Verhaftet worden, alle Italiener, die früher schon auf der Grube besäKfttgt waren und deren einer mit den dortigen Verhältnissen genau vertraut war. Von dem geraubten Gelbe ist pisher noch nichts gefunden worden; wahrscheinlich liegt es pn Walde von Joumont versteckt. Der Ueberfall hat in der ganzen Umgebung große Erregung hervor gerufen. Die Polizei hatte Mühe, die drei Verhafteten vor der Volkswut zu ichützen. Der Rechnungsführer, der einen Stich in den Kopf Malten hatte, befindet sich auf dem Wege der Besserung. * Cholera und Biergenuß. Daß das Bier einen ^wissen Schutz gegen hie Cholera bietet, zeigt folgende Statistik des Hamburger Cholerajahres 1892: In der von vem Kaiserlichen Gesundheitsamt veranstalteten Enquete, die sich auch auf den Beruf der Erkrankten erstreckte, ist fest- vestellt, daß nur 10 Brauer unter insgesamt 1095 Brauern tot der Cholera erkrankten. Die nächst günstige Zahl weist ^die Berufsgruppe Beherbergung und Erquickung aus, nämlich 146 Erkrankungen unter 12603 Personen oder 12 unter Lausend Ungünstiger sind dann fast alle anderen Berufe- so entfielen auf 1000 Erwerbstätige in dem Tavezieraewerbe 16 Cholerafälle, in der Fleischerei 18, in derVersnttiauna Dort mathematischen usw. Instrumenten 18, Reichs- Staatsund Kirchenbeamte 18, in der Bäckerei und Konditorei 20 usw. 21, in bei Buchbrn^rei und Kartonagen- sabrrk 23, Korbmacher 24, um Schiffsbau 28, in der Tffcb- lerer und Parkettfabrik 29, Maurer 29, Drechsler 34 in her Zimmerei 39, in der Böttcherei 43. ö4' " der , * Sin ^beachtens werte Ruderleistung ^urde von zwei Mädchen, Mitgliedern des Furnivall-Ruder- Clubs in Hammersmith, zustande gebracht. Die beiden Ätadchen beschlossen, ihre Ferien in einem Ruderboot zu- zubringen, welchen Vorsatz sie auch wirklich ausführten, äm Samstag dem 3. September „schifften" sie sich auf der Themse ein und ruderten — immer gegen den Strom da fte ja nach Oxford steuerten — wacker drauf los, bis Ne 103 englische Meilen zurückgelegt hatten und nach acht Tagen in Oxford einttafen. Hier gesellte sich ein anderes Mädchen zu ihnen, worauf sie dieselbe Strecke wieder zu- ruckruderten. Die Mädchen langten gestern im Bootshaus ihres Clubs in Hamuiersmith (Vorort Londons) ein und hatten demnach insgesamt eine Sttecke von 206 ena lisch en Meilen zurückgelegt. * Uebei baä Abenteuer eines Nachtwandlers berichten die Londoner Zeitungen folgendes: Eine englische Dame befand sich mit ihrem 15jährigen Sohn auf der Heimreise von Paris nach London. Die beiden schliefen Dienstag nachts im Paris-Calais-Expreß-Zug, als sich der Junge plötzlich im Schlaf erhob und den Zug ttotz der rasenden Geschwindigkeit desselben verließ, um der Strecke entlang im Mondschein zu wandern. Der Zug fuhr mit der Schnelligkeit von 60 englischen Meilen in der Stunde. Zu spät bemerkte die Mutter die Abwesenheit ihres Sohnes. Und da sie ihn ttotz eifriger Suche im Zug nicht auffinden konnte, zog sie die Mtleine, brachte den Zug zum Sttll- stand und begab sich mit dem Zugpersonal auf die Sttecke, auf die Suche nach ihrem"Jungen. Richttg wurde derselbe in ziemlicher Entfernung, rüstig wandernd, angetroffen und wies nur ganz leichte Verletzungen aus. Wie ein Wunder erschien es den Beamten, daß der Knabe gar keine ernsten Verletzungen erlitten hatte und sich immer noch in einem schlafenden Zustand befand, was die Mutter auch aufzu- ttären in der Lage war, da man es mit einem Nachtwandler zu tun hatte. * Cin Glücklicher. „Nun, liebet Freund, wie gehts mit der berühmten Kocherei deiner jungen Frau?" — „Ach, denk' dir, Fritz, sie ist für zwei Wochen zur Schwiegermama auf Besuch. Ich habe Leibgettchtsferien!" Kleine TageSchronik. Der frühere Schiffer Lens in dem Rheinorte Wellen, der als einer der ersten Deutschen eine Flugmaschine konstruierte, verübte Selbstmord, da seine Hoffnungen auf seine Erfindungen sich nicht erfüllt haben. Die Kolmar-Jourd a n-Aktien-Gesellschaft für Uhrenfabrikation in Pforzheim stiftete anläßlich ihres 25jährigen Geschäftsjubilnums 100000 Mark zu Gunsten der Arbeiter für Ferienbeihilfen, ferner 30 000 Mk. für Schulzwecke und 10 000 Mik. für unverschuldet in diot geratene Angehörige von Gewerbe und Industrie. Au die Angestellten und Arbeiter wurden außerdem 40 000 Mark verteilt. Die Gemeindeverwaltung von T e m p e l h o f hat die Verträge mit dem Militärfiskus bezw. der Deutschen Bank, betreffend den Erwerb des westlichen Teiles des Tempelhofer Feldes mit allen gegen zwei Stimmen angenommen. In dem Walde bei Zewelin (Pommern) wurde der 13 jährige Hütejunge Krüger erschossen aufgefunden. Als Mörder wurden sein 12 jähriger Spielkamerad Trederund dessen 25 jähriger Oheim verhaftet. ifängnis erkannte, aus die 10 Wochen der Untersuchungshaft in An-' rechmmg kommen. th. Gießen, 27. Sept. Der Totschlag in Rodheim v. d. H. Heute vormittag verhandelte das Schwurgericht gegen heu ton 4. Drucker 1888 geborenen Maurer Karl Schmidt und JERa*?- .18$° geborenen taubstummen Schuhmacher Wüh. Schmidt, bei&e unbeftraft und von Rodheim v. d. Höhe vXie Anklage vertritt Gerichtsassessor Neuro tb' KarlSchmwt wird von Ikchtsanwalt Raab, Wilh. Schmidt von Mechtsanwalt Kochs verteidigt. Ms Tolmeffcher für den taub- der Direktor Ritzett, als medizinische Sachverständige Medizinalrat Tr. Haberkorn und Kreisarzt Sfr 0dS'riebbCr9 1Dt ^°atC Eesend. Außerdem sinh neun Zeugen iind beide geständig. Der Tatbestand der Vnllage ist: Um 29. August abends war der Taubstumme Vetter fr E Lauschen der Zimmermann Schmidt Eheleute gekommen, dn: als -cnnfer mit seiner Familie Nicht im besten Einvernehmen lebte, um )einen Geburtstag mit seinen Vettern, den Söhnen des zu feiern. Man saß zusammen, da betrat der Mater des Karl Schmidt die Stube, er war schwer angetrunken zog einen sogenannt^i Knicker aus der Tasche und drohte, daß Gesellschaft abschlachten werde. Der Taubsttmime MH Schmidt packte den Betrunkenen und nahm ihm das Messer tob Spater gab er es ihm zurück. Schmidt sen. steckte es wieder stn ferne wasche, wobei er taumelte und durch einen Stoß des ^Taubstummen zu Boden geworfen wurde. Wilh. Schmidt trug den Onkel aus dem Zimmer und warf ihn die Treppe ^munter. Die Eheftau Schmidt, die den Vorfall mitangeseben Pfrto, 6e6te darauf den Wüh. Schmidt und ihren Sohn, den M§ angeklagten Karl, auf, den alten Mann zu verhauen. Der Taubstumme ging die Treppe hinab und nun soll der alte Schmidt Messer gegen ihn gezogen haben. Wilhelm Schmidt Mte hinter der Treppe einen Spazierswck vor und schlug damü krafttg mif seinen noch am Boden liegenden Onkel ein, dieser erhob sich und kroch schon blutend auf Händen und Füßen in Jein ju ebener Erde befindliches Schlafzimmer, verfolgt von dem Taubstummen. Im Zimmer schlug der letztere unbarmherzig weiter !mif sein Opfer em, so daß der 2 Daumen statte Stock zersplittette Karl Schmidt, der dies mit ansah, lief an das Scheunentor, holte von dort einen armdicken Prügel aus Birkenholz, der als Stütze des Tores diente, und eilte in das Zimmer seines Vaters. Dieser lag mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden vor seinem Bette. K. Schmidt schlug auf seinen wehrlos daliegenden Vater mit dem schweren Knüppel so lange los, bis dieser nur noch röchelte Ohne sich wetter um' den tödlich Verletzten zu kümmern,' ließ man ihn ut seinem Blute liegen und ging nach oben in das Zimmer der anderen Familienmttglieder, die am andern Morgen das Familienhaupt tot mit zettrümmettem Schädel vorfanden. Die Verhandlung wird um 1 Uhr mittags unterbrochen und Ml 31/2 Uhr fortgesetzt. Sie wird vor 8 Uhr schwerlich zu Ende tzehen. n - S^'^Es aewohnten Spazierrittes in den Sünen Norderney gemeldet wird, v. Bülow vttt Vferde mkd zog sich eine Quetschung der linken he^gestttlt sei^' toaTisat dürfte der FLrst wied.ep Bei einer Explosion in einer Drogenhandlung in Skiern JK111 en eben Feuerwehrleute schwere Brandwunden; zwei von ihnen wurden tödlich verletzt, des Klosters Fil aret wurde vom ®cnvt lu Kiew für schuldig befurchen, acht Jahre hindurch größeretrügereien und Unt erschl agungen in Höh< bon rthalb M 1 lli 0 nen, sowie Schulden auf Rech "^3 Klosters ,in^)öhe vow anderthalb Millionen gemacht zu haben. Das Urteil hängt 'vom Metropoliten fcn Kiew av. mCrattt05ato Wurde der Gehilfe des Polizei- Meisters Gelews ko zum Tode verurteilt. Er hatte drei Arrestanten, untN ihneii einen deutschen Untertanen, zu Tode peitschen laisen. Bei dem Internationalen Pferderennen bei Flamen- t> 0 r g stürzte das d eutsche Pferd »E 0 n r a d i" mit Freiherrr erlitt 'jBandCn^eim' der eine Gehirnerschütterung Beim Training für das Auto mo bilr ennen um der Vanderblld-Pokal verunglückte auf der Insel Long- Island der Renn fuhr er Robert sen ; sein Wagen schluc bei einer, Kurve um. Robertsen wurde bewußtlos aufgehoben' man hofft chn am Leben zu erhalten. Der M e ch a n i k e r , sowie ein Journalist, ,die im Wagen satzeu, kamen mit dem Schrecken davon. Handel. Zur Erhöhung des ReichsbankdiskoutS. Berlin, 26. Sept. In der heutigen Sitzung des Zen- tralausschusses der Reichsbank führte Präsident Va ven stein nach Vorlegung des per 23. September abge- schlosfenen Bankausweises aus, daß nach der Zusammenstellung an bresem Tage noch eine steuerfreie Notenreserve von 35 Millwnen gegen 86 Mülionen im Vorjahre vorhanden gewesen sei. Der Status der Bank sei noch leidlich, besonders wett das Reich keine großen Ansprüche an die Bank gestellt habe. Aber bte Lage des offenen Geldmarktes, das Anziehen des Privatdiskonts und der hohe Satz des Ultimogeldes von 53/4 Prozent gegen 5 Proz. des Vorjahres mache eine Diskonterhöhung notwendig. Die Geldknappheit sei offenbar keine vorübergehende wegen des Ullimos, sondeni eine andauernde und zum Teü durch die übermäßige Ausdchnung des Spekulationskredits hervorgerufen. Deshalb sei eine Erhöhung um ein ganzes Prozent notwendig, auch zu dem Zweck, damit die Kredttansprüche an die Reichsbank auf das unbedingt notwendige Maß eingeschränkt werde. Bei einer Erhöhung um Vr Prozent würde iyi kurzem eine weitere .Erhöhung notwendig werden. Märtte. fc. Frankfurt a.M., 27. Sept. Heu-und Strohmarkt Angefahren waren 6 Wagen Heu und 4 Wagen Stroh. Man notierte: Heu 3,30—8,50 Mk., Stroh (Kornlangstroh) 2L0 bis 2,50 Alk., Wirrstroh 0,00—0,00 Mk. Alles per 50 Kilo. Geschäft glatt. Die Zufuhren waren aus Oberheffen und dem Kreis Dieburg. GrisinaL-DrahtmeLVnrrgen. Petersburg, 27. Sept. Dec Fina nzminrster dementiett die Nachricht, daß eine Umwandlung der fünf, prozentigen Staatsanleihen in viereinhalbprozentige beab* stchtigt sei. Paris, 26. Sept. Der Miatiker Mähren schte heut« früh 6,15 Minuten den Flug nach Brüssel mtt einem Begleiter fort. „La Caoba“ Fehlfarben,vorzüglicheOlualitätszigarre,nur IVPsg. G. C.V0II1 Giessen, Blsmarckslraße 16 (Ecke ^udwigstraße). 495^ . f 5314 ausgeführt. (4478 Billigste Preise für sämtliche Manufaktur waren [5324 versteigert: VeWWWW den besha flüssige Metalh putz reinigtopotzl Metalle verblüffend schnell. Willst bu Visitenkarten liefert rasch and billigst 1 ßrähl'echti üefi^Otecfcetei, Schirme!!! Alle Reparaturen u. Neubeziehen werden gut und billig in eigener Werkstatt Besonders preiswert: Anzüge nach Mass in den neuesten Dessins la. 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Sept, nachmittags 3 Uhr, vom Portale des neuen israelitischen Friedhofes aus. (5333 Stets d. neuest. Stoffmuster (einfarbig) Ueber 100 verschiedene Farbeutöue Sack’s Schirmfabrik Inh. Heinrich Blervert. Gießen, Marktttratze 19. Filiale: Bad-Nauheim. —■ Neuheiten für die ~ Herbst- und Winter-Saison in fertigen Herren-, Jünglings- u. Knaben-Anzügen, Paletots — Wettermänteln, Capes, Joppen etc...... tzruMWü.MMMlermt n. bew. Methode ert. gewissenh. Otto Gutjahr, ehem. Hoboist im ^nf Regt. „Kais. Wilh." Nr. 116, >1 Gießen, Goethestr. 63III. Käuler und Teilhaber mit Mk. 10 000 Ms 300 0(11) suchen Kauf ob. Beteiligung durch A. Mttller, Cassel, 5326 Große Rosenstr. L Besuche u. Rücksprache kostenfrei. L um 1 Uhr: eine Partie Stroh- und Filzhüte. IL um 2 Uhr: Möbel aller Arten 1 Grammophon mit Platten 1 Ztähmaschine, 1 Pferd, drei Kastenwagen 1 Part. Sattler- unü Schuowareu, 1 Schreibtisch, 1 Partie Miftüeetsenster, 16 Lorbeerbäume u. 0. a. Geißler, KerichlssMieher. 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