Deutsches Reich. Der Geschäftsordnungsausschuß des preuß. Abgeordnetenhauses setzte am Freitag die Beratung über die Abänderung der Geschäftsordnung zum Schutze gegen eine grobe Verletzung der Ordnung des Hauses fort Es wurde zunächst die in der Presse aufgeworfene Frage erörtert, ob die Ausweisung und Ausschließung eines Abgeordneten überhaupt rechtlich zulässig oder gegen den § 105 bes StG.B. verstoße. Alsdann wurde der Vertrete^ Die heutige Nummer umsaht 16 Seiten. -mittags: 4.00 Uhr. SB. ■ v Cf o Q js g ■? s 7 A Og Weit in jeder ywlnwhtee kusstaUungsWremu.preiswer die BröhV scheUnw .-Druckerei nsgemeinde. oq? lSüd-Anlaqe). j dcn 25. April 1910: t. e-igt. -R <*. S O z > 1*^*2 •* Aus Hessen. Die Freifahrtkarten für die Ab g eordneten der Zweiten Kammer sind in Darmstadt ein- getrofsen und zur Ausgabe gelangt. Tie Karten gelten zur Fahrt vom Wohnort der Abgeordneten noch Darmstadt und zurück, wobei auch etwaige Umwege mit günstigeren Verbindungen Berücksichtigung finden. tembe. L !. April: um 8 Uhr: GelegenheÜ -onntaqnach Ostern M zur heil. Aeichl. ul. Aiesse. r HI. Kommunion. Predigt. it Predigt. darauf Andacht für die S(ii 5 g. i. T., 22. April. Die drei Luftschiffe wurden hier um 3 Uhr/vom Main herkommend, sichtbar, vorcm „b. - , dann „Z. 2" und weit zurück „M. 1". „Z. 2 überholte dann . P 2" an der Waldesgrenze. . .. Dornburg v. d. H„ 22. April. Tie drei Luft,chifse wurden von hier um 3 Uhr in westlicher Richtung gesichtet, ,,o. 2 voran. Als Landungsplatz für die drei Luftschiffe Ut vorgesehen das tueite Feld am sogen. Kirschoaumchen auf Gonfenheimer Gemarkung an der Frankfurt-Homburger Bahnlrnre. würden, setzten wir wenig Vertrauen, denn dann hätten sie ja mit ungünstigem Winde zu kämpfen gehabt Rasch ging es also gegen 3 Uhr über Butzbach und Friedberg nach Homburg. Eine aufregende Fahrt, denn es war zu besorgen, dre Luftfahrer würden eher am Ziele anlangen, und gleichzeitig wurde eifrig der Himmel abgesucht, ob die ^rci doch vielleicht den Weg über die Wetterau nehmen mochten^ „Ww flog, was rund das Äug' besah, wie flog es in die tfcrne!" Eine Autofahrt ist unter Umständen wohl noch aufregender als eine Kreuzung durch die Lüfte. Welche Widerstände und Besorgnisse, namentlich für solche, die noch nicht gewohnt sind, ihren Weg über das geängstigte Land und vielleicht I auch über Leichen mit dem nötigen Wagemut dahinzurasen. Nie ist es uns Heller zum Bewußtsein gekommen, wie trostlos es zum Beispiel mit einem Hühnerverstand bestellt ist. Das dumme Federvieh begreift die heranstürmende Gefahr zwar, erblickt aber das einzige Heil unglncllicherweise in einer eiligen Flucht geradeaus vor uns her. Was aber firu, Hühnerbeine! Das dumme Tier mo^ dann zweifeln, ob die Flucht auf diese Weise sortzusetzen sei, blickt ängstlich rechts und links und macht gerade in dem Augenblick den für sein ! Leben entscheidenden Schritt auf die Seite, als unser Auto mit Windeseile es gerade noch Jtrcift „lieber fernen ~cip ivea muß ich jagen, kann es nicht sachte berfeite tragen , I henkt der Autolenker. Dann kommen mildere Eindrücke. Die Obstbäume der Wetterau stehen in einer Blüten fülle von I wunderbarer Pracht. Ein sttller Tag, selbst die Sonne blickt Heinde. u' Ganittte: ‘ röe. Koffer, ^»konfirmierten au? hwabe s»» Mölsheimer, onnvmierten aus becSitfa«. isfeld. iüt «**«'•* . - Gatter 91»§(elbi • «erfaminlung und Sibel. ÄS KM K, bCfiiebE^t 4 klammer bcnt^r91"’9 btt v. Jena. v , e n ,, Hornburg, 22. April. Huf dem Landungsplätze der Lu^: schiffe sprach der Kaiser den Jnfpekteur der Verkehrstruppen Generalleutnant Freiherrn v. L Y n ck e r und den Kommaiweur des Lustschifferoataillons Mafor Grost. Die Maiestaten mit der Prinzessin und Gefolge begaben sich, tote schon Automobilen zur Saalburg, nahmen tm Saalburgrestaurant dcn Tee und kehrten zu Fuß auf dem Lmdenweg zurück. Zur Abendtafel bei Ihren Maie,täten waren puster, den Damen und Herren der Umgebung die mit den Luftschiffen, eingetroffeuey Offiziere geladen. Die Rückreise. Homburg v. d. H., 23. April, 8 Uhr vorm. Die Ab^ fah r tsz ei t der Luftschiffe ist noch nicht bestimmt,. da das Wetter sehr unsicher ist. Das Militarluftschiff, das einen kleinen Schaden erlitten hat, wird nach K^^iger Ucbernachwng auseinandergenommen und mit der Bahn nach Köln zurua befördert. Lieber den Aufstieg der beiden anderen Luftfteuzer ist noch nichts bestimmt. Z. ll tritt die Rückreise burd) die Luft, att, der Parseval wird aber iebenfalls auch mit der Bahn zuruckgeschickt werden, * • s j O?? irr listen und 2 ehemalige Progressisten die Hauptrolle sprelen, sondern die gemäßigten repub litauischen Blockelementt, wie sie sich um Bourgeois und vor allem um Poincars scharen. 9hir in der Beantwortung dieser Frage kann das Jntereste liegen, daß wir an dcn jetzigen Wahlen zur französischen Deputier te n kämm er nehmen. Hornburg v. d. H., 23. April. .Der Kaiser vertteh fol-^ aende Auszeichnungen: dem General-Adjutanten ‘5reibcrrn v o n ®Tn ter bi= tinigl. Krone zum roten Werotben 2. tlalfe, dem Major Groß sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift, beut Major Neumann die königl. Krone zum roten .Adlerorden 4. Klasse.---------------------------------- .. —> Homburg v d. H., 22. April. „P. 2" ist gegen 33.A Uhr ^landet. „Z. 2" und „M. 1" manöverieren noch über dem “Ä*. 22. April. tW.B.) T« Landungsplatz wl die Luftschiffe ist auf den freien Feldern bei dem neuen Bahnhm vorgesehen. Zur Hilfeleistung bei der Absperrung trasen da^ hiesige Bataillon des Regiments Nr. 80, die hier anwesenden ~urt schifser, ferner Gendarmerie und freiwilligeFeuerwehr von Hom- bürg dn. Das Wetter ist trüb. Um 3 Uhr wurden die Luft^ ckstffe am Horizont in der Richtung auf Oberursel ftchtbar Der Kaiser und Gefolge traten vom komglickfen Schloß her Automobilen kurz nach 3 Uhr auf dem Landungsplatz ein. Kurz nachher erschienen daselbst auch die Kaiserin und bie Pnn- zessin V i k t o r i a L u i s e. Zur Absperrung waren Iowischen itoch drei Kompagnien des 81. Infanterie-Regiments aus ö‘r ’ ftut anaetommen9 „Z." und „P." langten um 3.3o über dem an, M." lag etwas zurück. Um 3.45 landete „P. glatt, Kaiser lind die Kaiserin begaben sich sofort zur Gonoet machte eine Schleife über Homburg. Inzwischen kam auch , M heran und ging um 4.07 nieder, sodann „Z." um 4.27. Mit den Luftschiffen sind eingetrossen der Inspekteur der ^^ehrstruvfmi v. Lyncker, ferner u. a. Mafor -L-cherenberg undMafor Frör v Blomberg, beide vom Generalstab, und Haupttnami zriede im berliner Baugewerbe. Berlin, 22. April. Nachdem die drei Zentralverbände der Maurer, Zimmerer uni) der Laugewerblichen Hilfs--, arbeitet, sowie der Christliche Bauarbeiterverband sich bereits mit dem Schiedsspruch des Berliner Gewerbegerichts einverstanden erklärt hatten, hat heute auch die Hauptversammlung des Verbandes der Baugeschäfte von Berlin und Umgegend dem .Schiedsspruch gleichfalls > zuaesttmmt. In geheimer Abstimmung nahmen ine Maurer den Schiedsspruch mit 2040 gegen 1358 Stimmen, W Zimmerer mir 103 gegen 43 Stimmen, die Bauhilfsarbeiter mit 1100 gegen 200 Stimmen an. Damit ist der Friede im Berliner Lohngebiet auf drei Jahre bis zürn 1. April 1913 gesichert. m Im Lohngebiete Berlins sind etwa 35 000 Bauarbeiter beschäftigt, die nach den Verbandsbeschlüssen täglich einen Streikt)ertrag von je einer Mark leisten. Die Anleiheooriage im öftere. Abgeordnetenhaus. Wien, 22. April. Bei der fortgesetzten Verhandlung über die Anleihevorlage begründete Landesverteidigungsminister von Georgi im Abgeordnetenhaus die Notwendigkeit der militärischen Ausgaben in der kritischen Periode des Winters 1908/09 und erklärte: , Wir haben keinen Krieg gehabt, weil unser Niaß-, gebendster Faktor keinen Krieg haben wollte und weil wir uns durch unser achtungsgebietendes Auftreten den Frieden errungen haben. Ter Minister legte ziffernmäßig dar, welch' großen Segen die militärischen Bestellungen für Industrie und Gewerbe, sowie die Arbetterschaft, namentlich angesichts der ungünstigen industriellen Kon- junkttir, bedeuteten. Er hob die großen Opfer an Menschen und Geld hervor, die ein Krieg verursacht haben würde. „Wir verhüteten zahllose Menschenopfer und hoben unsere Wehrmacht mit verhältnismäßig geringen Mitteln bedeutend." Nachdem das Haus die Anleihevorlage in zweiter Lesung angenommen hatte, wurde nach langen Auseinandersetzungen die Einberufung der nächsten Sitzung auf Samstag 10 Uhr angeordnet. Nr. 94 Erstes Blatt 160. Jahrgang Samstag 23.April1910 Der Sietzener Anzeiger /szrciör Ä ® monatlich7bPf.,viertel- erscheint täglich, außer V Ar . . T ▲ AA IW »■ iss ÖL Mk zxH-G A^4 W& 4 Ai «sssinlAJ1Z17Ti Czl zl U änf.rtIiÄe§ Mütterlein ober eine junge schone, Gebiete ber beuijajen Luftschiffaljrr gehabt: ein tiettbetoerb eT-L.aqt ihre Fingerzeige gewährten, bamit kein schlimmer der brei verschiedenen Lnftjchifs-Typen, ber aber, wie gleich » guten Einorücke des Tages trübe, bemerkt sein mag, kein ernst zu nehmenbes unb entscheiben- unlul . zelnen Fahrzeuge für ftchftud unentbehrlich, babie neuen iuf.^^ ,-t aud? Z 2" aufgestiegen. Augenblicklich fliegen bic Ersinbungen wetteren Erfahrungen ausgesetzt lverden - von der Bickendorfer Halle auf Köln zu. müssen, die bann nutzbringenb verwenbet werden können, p 22 Upttl, 11 Uhr 50 Min. Die Luftschiffe haben mn Die gesttige Fahrt der Kölner Luftschiff-Flotte hat bisher u U6r 35 Min. die Fahrt rheinaufwärts angetieten. einen vollen Erfolg gehabt, unb wenn man auch vor nutz- K ö l n, 22. April, 12 Uhr 2o Mm Die drei Luftschine lofen wn Äfem Gebiet- rechtzeitig w«n°n muß. palsi-rt-n um 11 Uhr 50 Min M>nn. Um 12 Uhr 5 so ist doch für die Beurteilung des gestrigen Unternehmens Donnes überflogen, voran „Z. 2 und „M. 1 , dann etwa o einzig und allein die Wetterlage maßgebend. Vielleicht Kilometer zumck „P. 2 br.: ^schisse wurden nm hatte man erneu gun,tigeren l.ag abwarten können, denn die Uhr 45 Min über Andernach gen. tel und pasil-rten um Lustlchisse haben wegen ungünstiger Wmdlage der Gesahr 12 Uhr 4^-,n^uo-r^ einer Uebernachtung aus freiem Felde ausgesetzt werden - Lob lenz, 22. April. Die drei Luftschiffe trafen um 1 Uhr müssen. Falls bei der Rückfahrt daraus schlimme folgen I -^r e{n und nahmen sodann die Richtung landeinwatts cntitcben würden, dürfte man jedenfalls den Kais er iimjtInQ(ß zu. _ dafür verantwortlich machen. Denn wie ein Schisfsfuhrer Lingen, 22. April. Soeben, 1 Uhr oO Min., Passierten au? hoher See die volle Kommandogewalt keinen Augenblick brei Luftschiffe Bingen. .. . . her tob geben barf, so müssen auch bie Führer der Luft- M a i n z, 22. April. Um 2 Uhr 15 Mm. tamm i>i brei irWÄ1*» - säsv— Leben, sondern auch der .Aufwand unb dre ^ofpiung i^ern- n b c r g denkt der Autolenker. £ Wer gestern sich bie Gelegenheit verschaffen konnte, bem interessanten Schauspiel in Homburg näher zu kommen, hat es gewiß getan. Wir erhielten bie Nachricht von den Fahrten völlig überraschenb am späten Vormittag, nach ben Ausstiegen in Köln. Ta wurde rasch em Automobil gewonnen, das uns dem Schauplatz näher führen sollte. Zn die Meldung, daß die Lustschiffe auch über Gießen fahren des Ministeriums des Innern um. An 3 f u n f t ersucht, welche Organe zur Verfügung gestellt nmrden, falls der Präsident des Abgeordnetenhauses die Behörden um Unterstützung Kur Durchführung einer Ausschließung oder Ausweisung aurufen würde. Tie Auskunft lautete dahin, daß das Verbleiben eines Ausgeschlossenen oder Ausgewiesenen rechtswidrig sein würde, die örtlichen Organe der Polizeiverwaltung durch Vermittelung des Ministeriums des Innern zur Beseitigung der Rechtswidrigkeit herangezogen werden könnten. Darauf wurde die in der ersten Lesung entworfene neue Fassung des § 64 der Geschäftsordnung mit 10 gegen 4 Stimmen vorbehaltlich einer redaktionellen Verbesserung durch den Unterausschuß angenommen. Eine Novelle zum preutzr,chen Wohnungsgeldzuschuß-Gesetz ist am Freitag dem preußischen Äbgeordnetenhause zugegangen. Bekanntlich war im Vorjahre die Regelung nur eine provisorische. Die Novelle schlägt vor, vom 1. Juli ab die Reichstarife für Preußen -in Anwendung zu bringen. Es werden 510 Orte herauf- und 100 Orte herabzusetzen sein. Beamte, für welche die Einführung der neuen Ortsklasseneinteilung eine Verringerung ihrer Bezüge bedeuten würde, bleiben bis zu einer Versetzung im Bezüge ihrer bisherigen Bezüge. Die Konservative Korrespondenz" schreibt: Es erscheine fraglich, ob das Bestreben des Herrenhausaus- fchusses, die Schwierigkeiten der preußischen Wahlgesetzreform auszugleichen, von Erfolg sein werde. Tie „Neue Polit. Kvrr." sagt, die Regierung werde ohne die Mittelparteien die Vorlage nicht annehmen. Es sei jedoch nicht unwahrscheinlich, daß wenigstens ein Teil der Freikonservativen und vielleicht sogar einige Nationallibe- rale für die Vorlage stimmten. Der Budgetausschuß derbadischenZweitenKam- mer lehnte einstimmig die Forderung von 150000 Mk. für Umwandlung von Eisenbahnwagen 3. Klasse !in solche 4. Klasse ab. Aus Schwerin (Mecklenburg) wird gemeldet: Die Großherzogin ist kurz nach 2 Uhr von einemPrin z en entbunden worden. Lus P o se n wird amtlich gemeldet: Bei der Reichs- tagsersatzstichwahl im Wahlkreis e Stadt Pos en wurden im ganzen 34 309 gültige Stimmen abgegeben; hiervon entfielen auf Nowicki (Pole) 20059 Stimmen und auf Oberbürgermeister Wilms (nationallib.) 14 250 Stimmen. Nowicki ist somit gewählt. Ausland. Der Wiener Gemcinderat wählte den ersten Vize- Mrgermeister Neumayer mit 129 von 146. Stimmen zum Bürgermeister. I Das russische Unterrichtsministerium brachte im i Ministerrat eine Gesetzesvorlage über die P r i v a t s ch u l e n ein, in welchem u. a. angcordnet wird, daß in den Privatschulcn alle Fächer, mit Ausnahme der Religion und Muttersprache, in r u s s i- scher Sprache vorgetragen werden müssen. In nichtrussischer Sprache dürfen in den Mittel- und Volksschulen alle Fächer, ausgenommen Russisch, Geschichte und Geographie gelehrt werden, falls die Schule nur für Kinder eröffnet werde, welche ein und , dieselbe nichtrussische Sprache reden. Nichtchristen und Sektierer , Dürfen Schulen nur für ihre eigenen Religionsgenossen eröffnen. Vie Reichrtagrersatzwah! in Friedberg-Büdingen. Durch das unerwartete Ableben des Grafen Oriola ist .der 2. oberhessische Reichstagswahltreis plötzlich vor die Motwendigkeit einer Ersatzwahl gestellt worden, aber, trotzdem der Wahlkreis parteipolitisch außerordentlich zerklüftet /ist, mit rechter Freude zieht keine der beteiligten Parteien j— die Sozialdemokratie vielleicht ausgenommen — in den I Wahlkampf. Tas liegt zum Teil an dem tragischen Ableben Ides Grafen Oriola, der als Mensch allgemein hochgeschätzt war, hauptsächlich aber daran, daß die Wahl aller Voraus- 1 sicht nach nur für etwa lya Jahre zu erfolgen hat. ' " Trotzdem hat die Ersatzwahl große politische Bedeutung, ida sie gewissermaßen als Vorspiel der nächstjährigen all- ; gemeinen Reichstagswahlen anzusehen ist und sich aus ihr 'namentlich für die künftige Parteigruppierung in Hessen mancherlei Schlüsse werden ziehen lassen. Bei der Kürze der seit dem Ableben des Grafen Oriola verflossenen Zeit hat allerdings noch keine Partei irgend -welche Beschlüsse gefaßt und namentlich sind noch keine 'Kandidaten aufgestellt worden. Was bis jetzt darüber in verschiedenen Zeitungen erschienen ist, beruht lediglich auf Annahmen, die allerdings teilweise durch die tatsächlichen Verhältnisse eine gewisse Stütze finden. Was zunächst den Bund der Landwirte anlangt, so werden bis jetzt zwei Leute als für eine .Kandidatur in Betracht kommend genannt. Der eine davon ist der .Friedberger RechtsanwÄt v. Helmolt, Wahlkreisvorsitzender des Bundes der Landwirte. Als weiterer Kandidat des Bundes kommt Dr. Becker-Sprendlingen in Betracht, der ftühere Abgeordnete für Offenbach-Dieburg. Man hofft in manchen Kreisen des Bundes, daß auch die National- liberalen und das Zentrum seiner Kandidatur zustimmen würden und dadurch vielleicht schon im ersten Wahlgang der Sieg errungen werden könnte. Die Entscheidung über die Kandidatur des Landwirtebundes wird übrigens vielleicht — um nicht zu sagen wahrscheinlich — schon morgen fallen. Zn der nationalliberalen Partei sind bis jetzt zwei verschiedene Strömungen vorhanden und es ist noch ungewiß, welche die Oberhand erlangen wird. Die eine Richtung will mit dem Bund der Landwirte Hand in Hand gehen.und wäre der Aufstellung von Dr. Becker nicht abgeneigt. Der in den letzten Tagen bekannt gewordene Tlustritt des Dr. Becker aus dem Zentralvorstand der nationalliberalen Partei im Reich und aus dem Landesausschuß der Partei in Hessen könnte vielleicht bei den jetzigen Befürwortern der Kandidatur Becker abkühlend wirken, wenn nicht einwandfrei nachgewiesen wird, daß der Austritt keineswegs aus parteipolitischen Erwägungen heraus erfolgt ist. Die andere Strömung in der nationalliberalen Partei geht dahin, entsprechend der Parteientwickelung in der Reichspolitik mit der fortschrittlichen Voltspartei zusammenzugehen, wobei die Auswahl des Kandidaten zunächst offen gelassen wird. Genannt wird für den Fall des Zusammengehens der beiden liberalen Parteien besonders Justizrat Windecker in Friedberg. Nach der Mitteilung eines Führers der fortschrittlichen Volkspartei im Wahlkreis erstreben die Freisinnigen grundsätzlich ein gemeinsames Vorgehen der beiden liberalen Parteien und haben sich in diesem Sinne bereits schriftlick) an den Wahlkreisvorstand der nationalliberalen Partei gewandt. Jedenfalls würde unter den festgestellten Voraussetzungen der Aufstellung von Justizrat Windecker nichts im Wage stehen. Hauptbedingung der Volkspartei für das Zusammengehen der beiden Parteien ist nach den uns gewordenen Mitteilungen, daß der Bund der Landwirte nicht in diese Abmachung einbezogen wird. Auch der hessische Landesausschuß und die Berliner Zentralleitung der freisinnigen Partei wünschen ein Zusammengehen der beiden liberalen Parteien, letztere allerdings unter der Voraussetzung, daß bei den Ersatzwahlen für Dr. Delbrück (im Wahlkreis Usedom-Swine- münde) und Dr. Hermes (im Wahlkreis Landeshut-Jauer- Bolkenbain) die Nationalliberalen zugunsten der fortschrittlichen Volkspartei auf die Aufstellung von Sonderkandida- turen verzichten. Wenn die liberale Einigung nicht zustande kommt, stellt die fortschrittliche Bolkspartei, die übrigens morgen ebenfalls eine Vertrauensmännerversammlung abhält, unter allen Umständen eine eigene Kandidatur auf. Tas Zentrum, das über 2000—2500 Stimmen im Wahlkreis verfügt, hat bis jetzt noch keine Stellung zu der Ersatzwahl genommen, doch geht die allgemeine Meinung dahin, daß es wohl die Kandidatur des Bundes der Landwirte unterstützen wird. Von der Sozialdemokratie verlautet bis jetzt nur, daß der Wiederaufstellung ihres seitherigen Kandidaten Busold gewisse Schwierigkeiten bereitet würden. Wie aber auch ihr Kandidat heißen wird, es ist sicher, daß er mit etwa 8000 Stimmen in die Stichwahl kommen wird, und es wird aller Anstrengungen bedürfen, wenn der Wahlkreis nicht an die Sozialdemokratie verloren gehen soll. 48. Verbandstag der hessischen Vorschub und- Ureditvereine. d. Alsfeld, 22. April. Unter dem Vorsitz des Verbandsdirektors, Justizrat Dr. H a r - nier--Kassel, traten am Donnerstag abend 8 Uhr etwa 70 Vertreter der auswärtigen Vorschuß- und Kreditvereine zu einer Versammlung zusammen. Die Mittellungen über die Geschäftsergebnisse des Jahres 1909 wurden von dem Alsfelder Verein begonnen. Eine lebhafte Aussprache veranlaßte der Quittungs- und Scheckstempel. Der Verbandsanwalt Dr. Crueger - Charlottenburg besprach das Gesetz über den Quit- tungsstempel und empfahl, von den sogen. „Platzanweisungen", die stempelfrei seien, Gebrauch zu machen. Lebhafte Erörterungen knüpften sich auch an die Frage der Diskontierung von Buchforderungen. An praktischen Erfahrungen innerhalb des Verbands fehlt es bis jetzt noch. Aus den Vorträgen der einzelnen Vereinsvertreter ist zu entnehmen, daß die Vereine in einer langsamen Vorwärtsentwicklung begriffen sind. Der Verband zählt 23 Vereine mit etwa 20 000 Mitgliedern. Der Gesamtumsatz beläuft sich auf ungefähr 550 Millionen. Der Kasseler Kreditverein mit 3064 Mitgliedern und über 170 Millionen Jahresumsatz ist der größte; Schlitz mit 125 Mitgliedern und l1 /2 Millionen Umsatz ist der kleinste Verein. Mehr als 50 Millionen setzen um: Marburg (139 Mill.) und Gießen (60 Mill.); es folgen Friedberg (39 Mill.), Bad-Nauheim (31 Mill.), Fulda (26 Mill.), Butzbach (14 Mill.) und Alsfeld (11 Mill.). Am Freitag, vormittags um 9 Uhr, nahmen die Verhandlungen, besonders die Mitteilungen über die Geschäftsergebnisse, ihren Fortgang. Wichtige Berichte und Besprechungen lösten einander ab, so der Bericht über Hilfs-, Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenpensions-Kassc, das Gesetz betr. Sicherung der Bauforderungen, Bedingungen für Heimsparkassen u. a. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten, wie Rechnungsrevision, Neuwahlen und Festsetzung des Voranschlags usw. schloß die zweite Versammlung um 2 Uhr. Ein gemeinsames Mahl vereinigte die Teilnehmer in den Räumen des Alsfelder Kasinos. Abends um 8 Uhr sand im großen Saale des „Deutschen Kaisers" ein Kommers statt. Aus Stabt umS Land. Gießen, 23. April 1910. ** Tageskalender. Kolosseum: Täglich Vorstellung. Kinematograph: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich Vorstellung. * ** Eine hessische Prinzessin im Kloster. Die verwitwete Großfürstin Sergius, eine geborene Prinzessin Elisabeth von Hessen und bei Rhein, legte nach einer Meldung aus Moskau gestern dort das Gelübde ab, sich dem Dienste der Nächstenliebe zu widmen. ** Aus dem Militärwochenblatt. Befördert: Frhr. Schenck zu Schweinsberg (II Berlin), Oberlt. der Res. des Leib-Garde-Jnf.-Rgts. (1. Hess.) Nr. 115, zum Hauptm.; die Lts. der Reserve Meinberg (II Berlin) des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Hess.) Nr. 116, Fredersdorf (I Berlin) des Jnf.-Rgts. Prinz Carl (4. Hess.) Nr. 118, Jacobi (I Berlin) des 5. Hess. Jnf.-Regts. Nr. 168, v. Lorentz (Rawitsch), Wagner (Posen) des Leibgarde-Jns.-Regts. (1. Hess.) Nr. 115, zu Oberleutnants d. Res. befördert. Vizefeldwebel F l o r e t (I Essen) des Leibgarde-Jnf.-Regts. (1. Hess.) Nr. 115, zum Leutnant der Res. befördert. Die Leutnants d. Res. L i tz i n g e r (Ludwig) (I Darmstadt) des 6. Rhein. Jnf.-Regts. Nr. 68, Hoffmann (Worms) des Jnf.-Leib-Regts. Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, Schnitzel-Groß (Mainz) des Jnf.-Regts. Prinz Carl (4. Hess.) Nr. 118, Trümpert (Gießen) des 2. Hess. Feldart.-Regts. Nr. 61, zu Oberleutnants d. Res., Mayer (Worms) der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots, Kuhl (I Darmstadt) der Landw.-Jns. 2. Aufgebots zu Oberleutnants d. Landw. befördert. Die Bizefeldwebel Geßler (Hanau), des Leib-Garde- Jns.-Regts. (1. Hess.) Nr. 115, Kay ser (Worms), des Jnf.- Regts. Prinz Carl (4. Hess.) Nr. 118, zu Leutnants d. Res. befördert. Vizewachtmeister Bültemann (Frankfurt g. M.), des Hess. Train-Bats. Nr. 18, Zulauf Morms^, Oberlt. der Res. des Jnf.-Leib-Regts- Großherzogin (3. Hess.) Nr. 117, Bickelhaupt (Erbach), Oberlt. der Landw.-Jnf. 1. Aufgebots, Scheibe! (Gießen), Lt. der Landw.-Fußart. 2. Aufgebots, der Abschied bewilligt. Die Oberärzte d. Res. Dr. B r ün i n g (Gießen), Dr. G ernsheim (Worms) und der Oberarzt der Landw. Dr. W e h m e r (Darmstadt) zu Stabsärzten befördert. ** Stadttheater. Auch in diesem Sommer werden eine Reihe von Operettengasifpielen stattftnden und zwar vom 16.—30. Mai solche mit dem Personal des Emser Kurtheaters und vom 14. Juni bis 2. August regelmäßig jeden Dienstag solche mit dem Personal des Großh. Kurtheaters Bad-Nauheim. Im Abonnement werden im Ganzen zehn Vorstellungen gegeben werden, davon drei mit dem Emser und sieben mit dem Nauheimer Ensemble. .Aufgelegt wird ein Abonnement auf alle zehn Vorstellungen und Teilabonnements für die erste oder zweite Hälfte der Vorstellungen und außerdem werden Gutscheine eingeführt. Die Vorstellung im Vollabonnement stellt sich billiger als im Teilabonnement. Wiederholungen im Abonnement finden nicht statt, auch soll keines der im letzten Sommer gegebenen Stücke wiederholt werden. Zur Aufführung sind unter Vorbehalt von Aenderungen vorgesehen: Geschiedene Frau, Graf von Luxemburg, Madame Sherry, Mikado, Frühlingsluft, Opernball, Schöne Helena, Zigeunerbaron, der arme Jonathan, Wiener Blut. — Näheres wird noch bekannt gegeben. ' JugendgerichtsbarkeitundFürsorgeerzie- h u n g. Im Anschluß an den von der Zentrale für private Fürsorge zu Frankfurt a. M. veranstalteten Kursus in der Kinderfürsorge findet am 12. Mai eine Beratung über das Thema: „Die interlokalen und interstaatlichen Beziehungen in der Jugendgerichtsbarkeit und der Fürsorgeerziehung" statt, an der die Jugendrichter, die Jugendgerichtshilse, die Vormundsck-aftsbehörden, wie die Organe Der Fürsorgeerziehung gleichmäßig interessiert sind. Bei der lebhaften Binnenwanderung von jugendlichen Personen, besonders in den süddeutschen Lärchen, erscheint eine Erörterung dieser Fragen um fo wichtiger, als sich in der Praxis. Unstimmigkeiten und Lücken heransgestellt haben, die eine Verständigung über organisatorische Verbesserungen durch Zusammenschluß der einzelnen Instanzen ebenso nötig erscheinen lassen, wie die Vorbereitung gesetzlicher Reformen. Anmeldungen sind zu richten an die Zentrale für private Fürsorge, Frankfurt a. M., Stiftstraße 30. "Eine originelle Art, einen scheidenden Kommilitonen zur Eisenbahn zu bringen, betätigte gestern spät abends eine hiesige Korporation. Die Mitglieder hatten ihren Kouleur- bcuder in einen Kinderwagen gesteckt und so zum Berliner Schnellzug 12.31 Uhr bis auf den Bahnsteig gedrückt und in zahlreicher Anzahl den sonderbaren Transport in Kneipjacken begleitet. Bis der Zug den Bahnsteig verlassen hatte, sangen die Burschen und Fuchse mit Harmonikabegleitung dem Scheidenden ein Abschiedslied. Die zahlreichen Reisenden im Zuge schienen offenbar Gefallen an dieser Art studentischen Abschieds zu finden. Als das Lied verklungen war, verließen die jungen Herren lautlos und still den Bahnhof. Scheiden tut weh! ** Die Durchführung der großen Mühl- gaffe ist, wie uns im Gegensatz zu unsrer gestrigen Notiz mi gelt eilt wird, für die nächste Zeit nicht zu erwarten, da die Verhandlungen zwischen der Stadt und Gerbermeister Plank seit etwa drei Monaten ruhen. > Lich, 22. April. Ein ungemein hoher Preis, wie er hier noch nie erreicht worden ist, mußte bei einem Geländ everkauf kürzlich bezahlt werden. Es handelt sich um ein etwa ach t Klafter großes Hausgärtchen an der Grenze der Stadt, das sich obendrein noch nicht einmal als Bauplatz besonders verwerten läßt, das mit 500 Mark verkauft wurde. Die Klafter kommt also rund 60 Mark zu stehen. Von der außerordentlichen Höhe dieses Betrages kann man sich erst recht einen Begriff machen, wenn man bedenkt, daß hier für gutes Land die normalen^ Höchstpreise nur 3 bis 4 Mark die Klafter betragen. — Unser! Turnverein ist jetzt dem Beispiele der größeren Vereine! des Gaues Hessen gefolgt und hat das Keulenturnen eingeführt. Bei seinem 50jährigen Jublläum im Sommer gedenkt der Verein schon eine Musterriege im Keulenschwingen zu stellen. »r. Aus dem Kreise Lauterbach, 22. April. In der heutigen öffentlichen Sitzung des Kreisausschusses wurde das neu gewählte Kreisausschußmitglied Rittmeister Freiherr Hans Riedesel zu Eisenbach durch den Vorsitzenden, Kreisrat v. Bechtold, verpstichtet. lieber einen Antrag des Konrad Lachmann III. von Frischborn auf Erteilung eines Wandergewerbescheines wurde der Beschluß auf einen später anzuberaumenden Termin vertagt. Sodann kam der Einspruch deS evangelischen Kirchenvorstandes von Herbstein gegen den Voranschlag der dortigen Gemeinde vom Jahre 1908 zur Verhandlung. Dieser Fall, der allgemeines Interesse beansprucht, beschäftigte den Kreis- ausschuß wiederholt und hat schon zu einem vorläufigen Vergleich geführt (Januar 1909). Während die Gemeindevertretung der überwiegend katholischen Stadt Herbstein auch heute zu einem Vergleich geneigt ist, will der evang. Kirchen--! Vorstand den Rechtsweg weiter verfolgen. Der Sachverhalt ist: Die evang. Kirchenvertretung von Herbstein beanstandet einige Punkte im Gemeindevoranschlag, welche Ausgaben füraus-! schließlich katholische Kultzweckc betreffen(Reparieren undStimmen der Orgel, Dienstleistungen bei Prozessionen und Festläuten, Besoldung deS Organisten und Balgtreters, bauliche Unterhaltung kirch. sicher Gebäude (einschl. Pfarrhaus), Ausgaben für Dienst-- leistungen zugunsten des Pfarrers, Besoldung de§ Kirchendieners) als nicht zu Recht bestehend. Sic stutzt sich dabei auf Bestimmungen eines Gesetzes von 1872, das nach Ansicht des evangelischen Kirchenvorstandes die Bestreitung kirchlicher Bedürfnisse ausschließlich den Kirchengemeinden, bezw. Parochianen auferlegt. Von dem Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Herbstein wurde an Hand von Urkunden, die bis 1581 zurückreichen, nachzuweisen versucht, daß bie Gemeinde Herbstein niemals Verpflichtungen für dauernde Leistungen an die Kirche übernommen habe, die entsprechenden Ausgaben der alten Belege seien als freiwillige und von Fall zu Fall bewilligte anzusehen. Die strittigen regemäßigen Ausgaben der Gemeinde Herbstein für kirchliche Zwecke seien erst seit 1852 nachweisbar und deshalb könne selbst ein Verjährungsrecht nicht vorhanden fein. Der Rechtsbeistand dev katholischen Kirchenbehörde wies dagegen darauf hin, daß hiev wohlerworbene Rechte der Kirche und privatrechtliche Verpflichtungen der Gemeinde Herbstein vorliegen müßten, worüber die urkundlichen Belege höchstwahrscheinlich bei einem früheren Brande verloren gingen. DaS Gesetz von 1872 und ein entsprechender Reichsgerichtsentscheid machen Ausnahmen, d. h. ließen alte Kirchenrecht« bestehen. Es läge hier eine Ersitzung des RechtSzustandes durch die katholische Kirchengemeinde Herbstein vor. Außerdem habe die Aufsichtsbehörde die strittigen Ausgabepositionen im Voranschläge der Gemeinde Herbstein niemals beanstandet. Ein Beschluß des Kreis-! ausschusseS über die Angelegenheit soll in der nächsten Sitzung» harbeigefuhrt werden. ? Vom Vogelsberg, 21. April. Günstige Aus sichten eröffnen sich in diesem Jahre für den Jäger, indem Hasen und Rebhühner gut überwintert und die Witterung für den ersten Nachwuchs äußerst günstig ist. Vor einigen Jahren fetzte ein Jagdpächter am Hof Zwiefallen Fasanen ein. Sie haben sich jetzt schon bis in das Jagdgebiet per .Gemeinden Burkhards und Kaulstvs verbreitet. x Bad-Nauheim, 22. April. Unter dem Vorsitz, von Bürgermeister Dr. Kayser fand gestern eine Sitzung' der Stadtverordneten statt, der auch Kurdirektor! Freiherr v. Starck als Vertreter des Staates teilweise bei< wohnte. Der Vorsitzende machte die Versammlung zunächst: mit zwei Gesuchen bekannt, die die Bürgermeisterei an die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. um möglichste Berücksichtigung der einheimischen Bauhandwerker bei den neuen Bahnhofsbauten und an die Verwaltung der Butzbach-Licher Eisenbahn zwecks Verlegung des Frühzugs, an den die Züge der Main-Weser-Bahn keinen Anschluß haben, gerichtet Hai. — Für das mitteldeutsche Verbands schießen, das int Sommer in unserer Stadt abgehalten wird, bewilligten die Stadtverordneten der Schützengilde einen Ehrenpreis von 60 Mark. — Ende September kommt das Tuber ku l o s e m u s e u m der hessischen Landesversicherungsanstalt hier zur Ausstellung und zwar in der Turnhalle. — Ein Gesuch der Sanitätskolonnc an die Stadtverwaltung, wonach sie bei einigen Mitgliedern der Kolonne Alarmeiu- richtungen anbringen soll, wurde der hohen Kosten wegen vorerst ab gelehnt. Im Interesse unseres Bades, das in Bezug auf die Einrichtung von Sanitätskolonnen an sich schon anderen Städten gegenüber noch weit zurück ist, läge; esi wenn in hex Hinsicht Haid. eine. beftiehtgenhe LÄMS I22EB putz I Montag, 25. April 1910 D13/ pneumatic Diese Schute- Marke bedeutet: das Wüste der Vollendung! frei ans Haus (2266 B. Nuhn, Lollar 8 mittags. (a »/ g evang. Schwesternfiaus, i tiieeeext, ionarmesatr. I. UiOfMettiM Das Beste vom Besten der hoohentwickelten Reifentechnik. Peinlichst sorgfältige Auswahl der P.ohmaterialicn. Von ersten Fachleuten ständig überwachte Präzisionsarbeit. Langjährig geschulter Stamm intelligenter Arbeitskräfte. ERFOLG ÜBERRASCHEND 03481) 4 deutsche Schäferhunde, 5 Wach, alt, Rüde lAbstg. d. d. berühmten Wetzlarer Polizeihund«, in. Stammb. Dreien), zu verkauf. Schäfer, Asterweg 59. W! den 1 ’äl beste 03483) Belg. Riesen Hasen, sow. Kartoffeln au verkaufen. Schützenstraßc 37. Luftschissahrt. Die Wetterlage. Auf unsere Anfrage teilt uns der Leiter der hiesigen Wetterdienststelle Albert Peppler mit: Die Fahrt der Lenkluftschiffc nach Homburg ist unter der denkbar ungünstigsten Wetterlage angetreten worden. Das zu durchfahrende Gebiet lag völlig im Bereich einer mit ihrem Zentrum Über der Ostsee lagernden Zyklone, die mit zunehmender Hohe rasch sich verstärkende, böige Nordwcstwindc hervorrief. Bereits die Wetterlage am 21. April mahnte zu größter Vorsicht, da eine rasche Ansdehnung des Tiefdruckgebietes über Deutschland zu befürchten war. Tic Voraussagen der öffentlichen Wetterdienststellen stellten bereits für den gestrigen Tag starke bis stürmische Luftbewegung mit Regenfällen in Aussicht. Wie gefährlich die gestrige Wetterlage tatsächlich war, geht daraus hervor, daß gestern nachmittag in ganz Süddeutschland starke, anhaltende Niederschlage cinqetretcn sind, so in Karlsruhe die außerordentliche Regenmenge von 31 Millimeter nach den heutigen Wettertelegrammen. Das Gebiet der starken Niederschläge mit Böen und Gewitterbildungen reichte bis nordwärts von Worms, wo gestern ebenfalls Gewitterregen eingetreten sind. Dabei erwies sich der Nordwcst für die Fahrt nach Homburg günstig, aber für-die Rückfahrt wegen seiner Stärke von mehr als 10 Meter in der Sekunde , ist er wenig geeignet. Heute früh herrscht vielfach in Westdeutschland böiges Wetter mit Schneeschauern, und die Windstärke nimmt mit der Höhe zu. Auf alle Fälle sind die Aussichten für die Rückfahrt wenig günstig. Eine neue Zyklone ist heutt morgen von Nord Anrücken begriffen und stellt für moraen — • * — — naai xycitcn (für Damen 8 Uhr abends, für Herren 3/t9 Uhr abends). Neuanmeldungen daselbst und in der Wohnung des Herrn Prof. G-. Trautmann (Moltkestr. 6) werktags (äusser Mittwoch) zwischen 1 und 2 Uhr nachmittags. Nehmen See täglich ein Likörgläschen Dr. Hommel’a Haematogen unmittelbar vor der Hauptmahlzeit! Ihr Appetit wird reger, Ihr Nervensystem erstarkt, die Mattigkeit verschwindet und körperliches Wohlbefinden stellt sich rlischest ein. Warnung; Man verlange ausdrücklich den Namen Dr. Hommel. D6/, Trockenes, kurzgeschniltencs Abfallholz (Schwarten) auiu Feueranmachcn liefert für Mk. 1.15 pro Zcntn. verblüff snd • schnell. Kleine TageHchronik. Auf einen auf dem vor Dessau stehenden Posten wurde am frühen Morgen gestern ein Schuß abgegeben. Die Kugel z e r r i st dem Soldaten zwei Finger. . "Ui Beilin wurden drei Burschen verbastet, d,e vor sieben Jahren in der Warschauer Straße einen Raubansall ausgefuhrt l'“U 2icr Dieb, der die Juwelen aus der U s P c n S k y - K a t h c- bralc gestohlen hat, ist heute in der Person eines I ungen -bauernd mit Namen Femin ermittelt worden. Die geraubten Kostbarkeiten hatte der Dieb vergraben. In einer Kohlenmine bei Amsterdam (Ohw)^wurden durch eine Explosion 18 "Arbeiter getötet, «echs Lerchen sind bereits geborgen.___‘ Gießeucr Strafkammer. Gießen, 22. April Ter hautediebnadl im Gießener Schlachrhos besckstistigte die Strafkammer. Angeklagl waren die Metzgergesellen K. P. I. aus^ Ober-Ursel, Cbr. Fr. Rob. B. aus iÄerdrngen (Württemb.) und S. E. aus Kranz berg im Taunus, sowie der jjt Homburg v d. H. wohnhafte Metzger I. G. V. aus Lbersttidten. X ist geständig, in der "Nacht zum 31. Dezember v. I. mit B. und E. einen Diebstahl in der Weise aus geführt zu haben, daß er mit Hilfe der andern in das Gebäude der Häuteverivertungsgesellfchafl cingesstegen ist und 16 Kalbs felle herausgeworfen hat, die in den Keller eines hiesigen Wirts verbracht wurde. Am andern Tag fuhr B. damit nach Hornburg v. d. H., um sie zu verkaufen. Da er keinen Absatz sand, begab er sich zu einem Verwandten des I. nach Oberstädten, wo sie ihm der Mitangeklagte V. für 60 Mark abnahm. Aus gleickre Weise entwendeten I. und B. Anfang Januar drei Rindshäute, die I. ebenfalls zu V. brachte und dafür 30 Mark erhielt. Ferner stahl I. seinem Meister zweimal Därme und Speck und in Gemeinschaft mit B. etwa 80 Pfund Salzfleisch, was von V. ebenfalls abgenouunen wurde. Tie Untersuchung ergab, daß I. seinem früheren Meister auch 50—60 Mark Kundengelder unter sckstagen hat und B. ist geständig, den Bruder des V. um 30 Mark betrogen zu haben, indem er angab, er sei von V. beauftragt, für ihn 30 Mark zu erbitten. Im allgemeinen haben die jungen Leute mehr Geld verbraucht als sie verdienten: besonders I. war dem Trunk ergeben. Er saß halbe Nächte hindurch in Wirtschaften und wurde schließlich von seinem Meister wegen Trunkenheit entlasten. I stammt aus guter Familie, scheint aber erblich belastet zu fein. Er ist weder in der Schule noch in der Lehre borroart«- gefommen, wurde häufig bestraft, was seinen Angehörigen Anlaß gab, ihn nach Amerika verbringen zu lassen. Er konnte auch dort feinen festen Fuß fassen und kam als Kohlenzieher wieder zirrück: er machte später wieder in derselben Eigemchaft die Reise nach Baltimore und kam abermals zurück. Zwischendurch wurde er mehrfach wegen Unredlichkeiten bestraft. Ter Sachverständige hielt ihn zwar für geistig minderwertig, doch ist er für fein Tun und Treiben verantwortlich zu machen. B. und E. waren geständig, nur wollen sie von I. verführt worden lein. V. bestritt, von dem unredlichen Erwerb Kenntnis gehabt zu haben, da feine Bedenken durch die Angaben des I., der die machen aus einer Konkursmasse erworben haben wollte, zerstreut worden leien. Der Antrag des Staatsanwalts lautet gegen I. auf 6' 2, Jahre Gefängnis, B. sollte 4 Jahre und E. 6 Monate Gemngms bekommen, während er gegen V. wegen gewerbsmäßiger Hehlerei auf 31/2 Jahr.' Zuchthaus plädierte. 'Das Gericht hielt I. des schweren Diebstahls in vier Fällen für überführt: es erkannte aber unter Berücksichtigung seiner geistigen Minderwertigkeit und der ihm fehlenden sittlichen Widerstandskraft nur auf 2 Jahre 2 Monate Gefängnis. B. wurde unter Freisprechung in einem Fall, für drei Diebstähle zu 1 Jahr 7 Monaten Gefangms verurteilt E. Tain nur in einem Fall in Betracht, der mit einer durch die Unten'nchungslfaft für verbüßt erklärte Gefängnisstrafe von 4 -Wochen geahndet wurde, während V. in drei Fallen mangels Beweises freigesprochen und für einen Fall der Hehlerei mit 0 Monaten Gemngnis belegt wurde, woron-r 1 Monat Unteriuchungs- haft angerechnet wird. I. und B. wurden die bürgerlichen Ehrenrechte auf 5 Jahre abgesprochen und jedem 2 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Bezüglich des E und V. erfolgte die Aushebung des Haftbefehls und ihre Freilaflung. l^rnbro1 frÄudgelnct von bem stehen, die Fahrt beffci uiiicrblicben. Voilsläniiiges Sägewerk, bar), Vollgattcr, 2 Kreissägen weg. Ausg. d, Geschäfts sof. z. oerf. Dass, wird auch für 2500 Mk. be: triebdr. aufgeft, unt. günst. Zah" (ungC’beb. Kann i. Betr. beucht, w. Schr. Ang. u. 2390 a. d. G. Anz. erb. In verkaufen 03377) 9icue Kücken-Einrichtung zu verkaufen. Astcrwcg 50. 2391' Dalien u. fchönes Birkenholz zu Ganenbänken noch ab- zugeben. Nabrungsbcrg 0. Privat- Tanz-Unterricht erteilt zu jeder Tageszeit Karl Schmidt, Tanzlehrer, 31 Wetzs eingiisse 31. (342 Hospiz ” ttB r Verhandlung. Diejer sfa' prucht, beschäftigte den lhep schon zu einem üorlüu^g 9). Während die ©enietnb iholiichen Stadt Herbstein ein jt ist, will der evang.llirL: : verfolgen. Der Sachveö: ig von Herbstein beanftanx chlag, weiche Ausgaben füra- reffcnCNeparieren unbSti mr > pfiionenunbfrfttöiitcn, S, bauliche Unterhaltung^ tu?), Ausgaben für Die:!. :et§, Vesolbun- des siirchi tietjtnb. Sie stützt sich b:j s von 1872, das nach Aq ides die Bestreitung kirchiih: n Kirchengemeinden, bta ,6111 Vertreter der evangelish r )C an Hand von Urfunbcn,: uveisen versucht, daß die tslichtungen für dauernde& men habe, die entsprech^- >n als freiwillige und doiuc Die strittigen regemäbigen -»• für kirchliche Zwecke |eun b deshalb könne selbst m.c Ter Nechtsbeilta^ d sbagegm SXÄg • Ä"5«: VTSiSS sh.it lot in *•*■* 21 April ®üÄcr, ’ " • iSsvssj '•22 Avril. .F'sand gestern e?sta"' tretet . '^^comlntdas^'^ z-vc-r t« ^tüC^larr ,. tetai*teaiiiiW8iBfca Die Proben zu 1. dem üniversitätsstiftuugsfest am 1. Juli 1910 2. dem 91. Vereinsstiftungsfest im Juli 1910 mit Choranfführungen haben begonnen. Nächste Probe in der neuen Aula der Universität: Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Allgemeine Wetterlage seit gestern früh: Die nordöstliche Zyklone ist langsam osttvärts im Abzug nach Rußland begri|>en und ruft in ganz Deutschland lebhafte kalte Nordweftwinde hervor, die heute morgen strichweile Schnee bringen. Heftern sind un Süden veffens Gewitter nicdergegangen (Worms 7 Mm. Regen), während in Oberhessen nur strichweise Regen eintrat. In eut>iue)t- und Siiddeiuschtaiid sind uugeroöbulid) starke Regen geiallcu. — Eine neue Zyklone rückt von England heran und bringt neue Regeickälle. _ v nr ., Wetteraussichten in Hessen am Sonntag dem 24. llpnl 1910. Starker bis stürmischer Südwest, Regen- ober Schneesalle, etwas milder. Vriginttl-Vrahtmeldungen. R B. D a r in )t n b t, 23. April. In den Möbelschreinercien von Glückert, Ehrhardt und Ziegler haben heute 130 Möbel- schreiner bic Arbeit eingestellt. . Berlin, 22. April. Der Minister des königlichen Hauses und der Finanzminister richteten an die Stadt Berlin die Frage, ob sie das Opernhaus erwerben wolle, das der bisherigen Bestimmung dauernd nicht mehr geividmet werden könne. Der Magistrat hat beschlossen, über den Kauf des geschichtlichen und künstlerischen Baudenkmals in Beij- Handlungen mit der Krone und dem Fiskus zu treten. 03395) Erbicnreiier billigst ab- Angehen. Marburg. Str. 82. 0342.) Em vollst. Bett und ein kleiner Gasherd zu verkaufen. Näheres Lcltcrswcg 25. Wl.jiuigeZnci!l!libc!i,n°ch, flciloflcn, zu verkamen. (03411 I. (5. Deuker, Rodbeim a. b. B. 03440) Ein KanarieuHahn, vrima Bornnfler, billig zu verkaufen. Huncrmund, Wolkenflasse 19. Ein gcbr. 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Tanzunterricht für die H rren Studierenden jeden Dienstag und Freitag, abends 8 Uhr. Gefl. Anmeldungen nehme jederzeit entgegen. Privatunterricht nach Wunsch. Beginn des Unterrichts Freitag den 29. April. Hochachtungsvoll Willi. Will 2402 Universität«-Turn- u«d Tanzlehrer. Calino will nicht mehr arbeiten, humoristisch, Knüppel des Zollbeamten, ergreifendes Drama, Schrecken des Asphaltarbeiters, humoristisch, Liebe des Pascha Sohnes, spannendes Drama, Gott schütze mich vor meinen Freunden, humoristisch, Sohn des Zollwächtcrs, ergreifendes Drama, Ein Mann in Stücke geschnitten, humoristisch, Tonbild: Sehnsucht, gesungen von E. Berger, Berlin. Der Ausbruch des Aetna, eine authentische Aufnahme de§ feuerspeiendenBerges. 03423 Kolosseum Giessen. Walltorstr. 36—38 Dir.: Albert Ravvmann = :: Telephon ölt Täglich abends 8 Uhr große Vorstellung __ gJEIp* Spezialitäten-Programm Heute Samötag Gastspiel der Internat. Sängerin Les Ferndetti, sowie das Niescnprogramm. Morgen Sonntag — 2 grotze Vorstellungen 4 n. 8 Ubr nachmittags ermäßigte Preise. Im vorderen Restaurant: Konzert der taöiiiito lamdmitzü-Kaiellc Anfang Nachmittags 1 Uhr. Eintritt frei. Von 11—1 Uhr: Frühschoppen-Konzert. (06186 Es ladet ergebenst ein ' Direktion Albert Ravpmavo. QriasHr-fisÜflk^il Hiermit gestatten wir uns, unsere verehrl. Mitglieder zu dem am Sonntag, dem 24. April, nachmittags t/z4 Uhr stattfindenden Anrndem ergebenst einzuladen. D51, Der Vorstand. V. Grosse Bundes Ausstellung [les Mitteldeutschen Gtflüg8h.hiBCtazriHßitt! bei WM M Allknltors o. I Laji am 23., 24 , 25. April verbunden mit Volksbelustigung, Tanz u. Preisschießev- Sonntag 4 Uhr: Vortrag des Redakteurs Nagel, anschllch» 2394 IW Verbandstag. Lang-Göns. Sonntag den 24. April 1910 Grosses Konzert Restaurant Büsch (grosser SaiL Konsum-Dcrkin Größen-Wir Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflichl- Sonntag den 31. Mai l. I., nachmittags 2 Uhr Generalversammlung bei Gastwirt Heinrich Brück. Tagesordnung: 1. Rechnungsablage für 1909. 2. Verschiedenes. Der Vorstand. £ H. Meyer, Direktor. K. Siegfried, Lagerholz