Samstag 19. Marz 1910 160. Jahrgang Drittes Blatt Nr. 66 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. int Weitz«! iciüft waren Freitag, 18. Marz, mit einer Prüfung, die davon Zeugnis abtogte, daß die nt das Auge gefaßten Ziele vollauf erreicht waren. Lewer , sonnten nur wenige Kur si st innen teilnehnien, etwa der dritte Teil derer, die sich aus Oberhejsen gemeldet hatten; dafür war aber die Ausbildung umso gründlicher. In dem evangelischen Schwesternhaus lernten die Teilnehmerinnen die Pflege der Kranken und wurden vow den Schwestern, die sie auch in die Häuser der Gemeinden begleiteten, tn allem für sie wissenswerten unterwiesen. Den ärztlichen Unterricht, nach der theoretischen und praktischen Seite, leitete Dr. Richter, die religiöse Unterweisung, sowie die Einführung in die Versicherungsgesetze lag in Händen des Pfarrer Schwabe; dazu hatten die Leiterin der Haus- haltungsschule, Fräulein A. Deutsch, und die leitende Schwester des Säuglingsheims, El. Dietlen, bte Unterweisung in der Bereitung der Krankenkost, sowie der Pflege und Ernährung der Säuglinge übernommen. Man sieht wohl, daß in dem Vierteljahr der Ausbildung ein reicher Stoff zu bewältigen war; und es ist nur zu wünschen, daß Alles, was mit Mühe erlernt wurde, unserer heben Landbevölkerung recht zu gut kommt. In vielen Landesteilen Deutschlands, wie dem Rheinland, Brandenburg, Posen, Westfalen, Sachsen und Altenburg bestehen solche Kurse schon Jahre lang, und die in ihnen ausgebildeten Helferinnen wirken auch nach dem Urteil der Aerzte trefflich. Hoffentlich schwindet auch in unserem Lande bald das Mißtrauen, welches der neuen Einrichtung jetzt noch von manchen Seiten entgegengebracht wird. Die Helferinnen können und sollen mit Nichten die Dienste einer ausgebildeten Pflegerin oder Schwester ausüben, sondern in den abgelegenen Orten, wo eine volle Pflegekraft aus verschiedenen Gründen nicht eingestellt werden kann, freiwillig und gelegentlich zuma bei Unglückssällen oder jäh ausbrechenden Krankheiten ein- treten und dem Arzte da, cho er es anordnet, zur Seite stehen. Bei ihrer Tätigkeit unterstehen die Helferinnen der Aufsicht der Orts geistlich en und des die Ausbildung veranstaltenden Vereins. ** Stenographie. In einigen Tagen werden Wieder eine große Anzahl von Knaben und Mädchen aus der Schule entlassen, die sich einen Beruf gewählt haben, der von ihnen immer fteigenbe Fertigkeit im Änfertigen schriftlicher Arbeiten verlangt. Ihnen, seien es nun Kaufleute oder Bureaugehifien, kann nicht warm genug die Erlernung der Stenographie und der Besuch eines Schrechmaschinenkursus empfohlen Werden, denn die Kenntnis der Schnellschrift gibt ihnen zlveifelhohne einen bedeutenden Vorsprung. In vielen Gefchästen wird heute icfron die Kenntnis der Schnellschrist gibt ihnen zweifelsohne einen be- zur Bedingung gemacht, und das wird immer mehr der Fall sein, je mehr der Nutzen der Schnellschrist im geschäftlichen Leben erkannt Wird. Es sei d! ah er auf die durch den Gabels- berget Stenographen-Verein und den Damenverein Gabelsberger am 4. April zu eröffnenden An fäng erkursus und den mit ihm gleichzeitig beginnenden Schreibmaschinenkurftls ** Eine elektrische Ueberlandzentrale int Ob erwesterwald. Mau schreibt uns aus Höhn i. W. von beteiligter .Seite: Die Gewerkschaft Alexandria hat sich entschlossen, auf ihrem Werke eine elektrische Ueberlandzentrale von 7500 Pferdekraft für 5000 Kilowattstunden zu errichten, derart, daß sie das Werk auf 15 000 Pferdekraft mit 10 000 Kilowattstunden jederzeit vergrößern kann, sobald ein solches Quantum verlangt werden sollte. Dadurch daß die Lignit-Gasslammkohle dieser Zeche in Generatoröfen auf Gasgewinnung verarbeitet bezw. verfeuert wird, um die großen Turbo-Dynamo zu betreiben, i die Gewerkschaft in der Lage, den elektrischen Kraft- und Lichtstrom so außerordentlich billig Herstellen zu können, daß sie ihn zu, 6 bis 8 Pfg. für die Kilowattstunde am Schaltbrett an die Gemeinden, industriellen Werke usw. im Radius von 70 Kilometer des Werkes abgeben kann. Schon in 40 Kilometer Radius des Werkes kommen >alle Ortschaften un Fabriken, z. B. von Höhn bis Wetzlar-Gießen, Koblenz Neuwied, Betzdorf-Siegen, Limbura-Ems in Frage und e dürfte daher ° bei Bekanntwerden dieser Ueberlandzentrale die ganze elektrische Erzeugung, die bei Vollbetrieb auf 40 000 000 Kilowattstunden für das Jahr eingerichtet wird, schon bis zu diesen Städten KU dem billigen Satze bald vergriffen fein. • X. Lich, 18. März. Heute sand hier die öffenttiche Schluß? feier der vor fünf Jahren durch unseren bisherigen Pvovinzial- direktor Geheimerat Dr. Breidert ins Leben gerufene Ackerbauschule im Saale des Marienstistes statt. Landesökonomierat Müller-Darmstadt wohnte der Schlußfeier als Vertreter der Regierung, Regierungsrat Dr. Merck als stellv. Vorsitzender des Aufsichtsrates bei. Auch die übrigen Mitglieder des Aufsichtsrates, Detoiromiepat Hoffmann-Hofgill, Bürgermeister Hvller-Ober- Hörgsrn, Bürgermeister Dörmer-Lich und der Vorsteher Oekonomie- Ueber die geschäftliche Lage bei der Erledigung der < preußischen Wahlrechtsvorlage schreibt die „Kreuzztg". Da der Entwurf Verfassungsänderungen enthüll, so ' ist nach Ard 107 der Verfassungsurkunde eine wiederholte l Abstimmung erforderlich, die frühestens nach 21 Tagen stattfinden kann, also alsbald nach Beendigung der parla- 1 men torischen Osterferien. Die neue Verhandlung vollzieht sich geschäftsordnungsmäßig in denselben Formen wi.e die 3. Lesung, es sind also Pbän derungsan- träge nicht ausgeschlossen. Gleich wohl wird es voraussichtlich die Rücksicht auf die Geschäftslage verbieten, in diesem Stadium der Angelegenheit eine Aende- rung an den bisherigen Beschlüssen vorzunehmen. Denn erfolgte eine solche Aenderung, so wäre die Vorlage nicht mehr' dieselbe, die in der gestrigen Schlustabsttmmung angenommen ist. Es wurde also, um der Vorschrift der Verfassung zu genügen, eine nochmalige Abstimmung nach 21 Tagen erforderlich sein. Denn das verfassungsmäßige Erfordernis zweier Abstimmungen ist doch so zu verstehen, daß es eine identische Vorlage sein muß, auf die sich die beiden Abstimmungen beziehen. Das ergibt sich aus dem Sinne der Bestimmung, diese wurde ihren Zweck, besondere Kautelen gegen übereilte Beschlüsse zu schaffen, gänzlich verfehlen, wenn bei der zweiten Msttmmung vielleicht neue eingreifende ,Aen- derungen der Verfassung in den betreffenden Gesetzentwurf fjiiieingcbradTt werden könnten, ohne daß dann eine Wiederholung der Abstimmung erforderlich wäre. Ta nun ohnehin, falls das Herrenhaus eine Aenderung an der jetzigen Vorlage übernimmt, bei der erforderlichen Weiterberatung im Abgeordnetenhause die dreiwöchentliche Frist für die erforderliche zweite Abstimmung wiederum gewahrt werden muß, so wird es, um mit der Vorlage noch in ttefer Session zum Abschluß zu gelangen, voraussichtlich nicht möglich sein, etwaige Verbesserungen, über die sich die Mehrheitsparteien einigen, bei dieser Gelegenheit in den Entwurf aufzunehmen. Mau wird zunächst die Stellungnahme des Herrenhauses abzuwarten haben, die in diesem Falle um so bedeutsamer und um so wichtiger ist, als das Herrenhaus keine Wahlkörperschaft ist, also ben Brägen des Wahlrechts unbefangener und staatsmännisch freier gegenüber steht, als die aus politischen Wahlkämpfen heraus geborenen Parteien des Abgeordnetenhauses. Dazu schreibt das konservative Blatt noch weiter: Es scheint uns im h ö ch st e n Maße wünsche n s - wer t zu sein, daß in der Frage der Dritte lung eine Uebereinftimmnng zwischen den Parteien d e r R e ch t e n erzielt wird, und das ist im weiteren Verlauf der Verhandlungen wohl auch zu erwarten. Der Führer der Freilonservativen hat ja erklärt, seine Fraktion fei bereit, auf Anträge einzugehen, die einen Mittelweg zwischen der Dritlelung nach Urwahlbezirken und nach den Gemeinden bedeuten würden, und der Führer der Konservativen versicherte daraufhin, daß seine Partei sich an der Auffindung eines solchen Weges gern beteiligt habe, bis zuletzt leider ohne Erfolg. Hoffentlich gelingt as in der nächsten Zeit, in dieser Frage ein alle Teile befriedigendes Resultat zu erzielen. Grundsätzliche Disfe- renzeii liegen hier nicht vor. Sollten aber in der nächsten Beratung im Abgeordnetenhause die taktischen Schwierigkeiten nicht zu beheben sein, so wird das Herrenhaus den Streit zu schlichten haben, und wir vertrauen darauf, daß es dazu den richtigen Weg finden wird. ie . • ■ liefert billigst die BrühPsche Kuverts mit Firms «ihmgen der Anstalt zusammen wurden von 31 Schulern besucht. Ter Zugang von ©djiiilern wird zweifellos wackpen, lobald die guten Leistungen der Schule unter der Bevölkerung bekannt^ werden und den Anreiz zum Besuch der Schule geben. Will iboaj fein Vater, daß fein Sahn, der die väterliche Wirtschaft einmal übernehmen soll, weniger gut ausgebildet ist, als der sahn des Nachbars. Lehrern und Schülern wurde nach der Prüfung verdiente Anerkennung zuteil. Den Lehrern die Anerkennung, daß sie offenbar mit ganzer Hingebung gearbeitet und den Schulern, daß sie guten Willen gezeigt und durch ihr gutes Verhalten 'ihren: Lehrern die schwere Arbeit erleichtert hätten. Der Vertreter der Regierung war durchaus befriedigt von dem Resultat der Prüfung. — Regierungsrat Dr. Merck gedachte in seinen Ausführungen des Gründers der Anstalt, der nun schon die Provinz verlassen, dem man zu Dank verpflichtet sei für das große iJn- teresse, das er immer dieser seiner Gründung entgegengebracht. Im HoNändisckftN Hof vereinten sich nach Schluß der Feier die Väter mit ihren zur Entlassung gekommenen Söhnen, sonne alle die übrigen Herren zu einem fröhlichen Trunk, bei dem noch manches beherzigenswerte W-ott gesprochen wurde. Auch diese Schlußfeier fand in harmonischer Weise ihr Ende. lz. Vom Vogelsberg. 18. März. Das Verbrennen der Hecken im Frühjahr ist eine Unsitte,.die gar nicht genug bekämpft werden kann. Schon jetzt sieht man allenthalben in den Gemarkungen die Feuer rauchen, die viele Hecken mit ihrem dichten Bestände von vorjährigen dürren Gräsern zerstören. Und gerade dieses Untergrab der Weiß«- und Schwarzdomhecken bildet eine viel begehrte Niststätte der meisten Singvögel. Es wäre doch zu wünschen, daß bald etwas mehr Natursinn und Verständnis für des Menschen Freunde Ms tpr Tierwelt Platz ■griffe. Denn nicht mir jugendliche Uebxltäter sind es, )ie das dürre Gras der Hecken anzündien, sondern häuftg sieht man auch Erwachsene am Werke, in unüberlegtem Tun den kleinen Sängern ihre- Schutz- und Wohnplätze Märkte. Gießen, 19. März. Marktbericht. Aul heutigem Wocben- marfte kostete: Butter pr. Pfd. 1.20—1.30 Mk., Hühnereier 1 St. 7—00 Big., Enteneier 1 St. 0 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Erbsen p. Pfd. 00—00 Pfg., Linsen v. Psd. 00—00 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80—1,00 Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. 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