Utz ’tUltt . Ucn " rZZA^ ^^-Uravvwauu^ im i und Umgegend e. V c bis abends 7 Mr. , S» Psg. iftc. -r durch die Aui-itellunk ar, am ioflenannten Guleniopi: zeihund-Prüsung. ~ _____ IM mwald. 26. »ai ir-Konzert m Wald gen Infanterie - Rtgimcnt Leitung dies Obetwi’ , Löber. , W ■ung iw Saal' Eintritt 40 Pff- IJdtosi :h abend m-lte ergebenst ein^ E MP» sauftüiiruug kirche , e TJju Ifte. nm- J. S. Bs^ ' J. S. Bach ‘-■f/CbonSoli., G Boeto Sn****’?* -sssfe*-*; KK Begleit»0® X *ti^*£* — r^iotreisei111 Gies!>i** 'ic«»'“8?Ch6 8 lt6,; 4 -b,"b,.$».!«* „flef*“15 Nr. 118 Zweites Blatt 160. Jahrgang Dienstag 24. Mai 1910 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener Zomtlienblättef werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „KreUblati für dev Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seit- fragen" cdehernen monatlich zweimal. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen UnwersitätS - Buch- und Cteindnickerel. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e<9&1» Redaktion: e^l 12. Tel.-AdruAnzeigerGießen. Argentinien. Aus Berlin wird uns geschrieben: „Al gran Pueblo Argentino saludlautete der Auftrag, mtt dem der Generaloberst Frhr. v. d. Goltz vom Kaiser namens der deutschen Nation noch dem La Plata entsandt wurde, um am Tage der hundertsten Wiederkehr seiner Unabhängigkeitserklärung das argentinische Volk zu begrüßen und Zeugnis abzulegen von der engen Verbindung, wie sie seit langen Jahren zwischen Deutschland und Argen- •tinien besteht. Auf der Ausstellung, die am 25. Mai, dem Jubiläumstage, in Buenos Aires eröffnet wird, bei der Flottenparade, tvo Deutschland durch die Kreuzer „Bremen" und „Emden" vertreten sein wird, — überall wird es sich zeigen, daß Deutschland in Argentinien die erste Rolle spielt, während der schöne Brunnen, den in Buenos Aires lebende Deutsche der Stobt gestiftet haben, hoffentlich noch lange ein Zeichen für diese freundschaftlichen Beziehungen von Nation M Nation sein wird. Cs war im Juli 1515, als der spanische „Reichspilot" ?Zuan Diaz de Solid längs der südamerikanischen Ostküste segelte, um eine Durchfahrt nach dem Stillen Ozean zu finden. Hierbei stieß er auf eine weite Bucht, die er und feine Begleiter zunächst für die ersehnte Durchfahrt halten mußten, bis sich herausstellte, daß sie die Mündung eines Riesenstromes, den man La Plata nannte, war und das Einfalltor in ein überaus fruchtbares, großes Land darstellte. Auf dem La Plata drangen dann die Spanier in das Land und eroberten es in langen, fast das ganze Jahrhundert in Anspruch nehmenden Kümpfen von den dort lebenden Indianern. Die heutigen Republiken Argentinien, Uruguay und Paraguay wurden als La Plata-Provinzen der spanischen Krone unterstellt, spanische Ansiedler ließen sich dort immer mehr nieder, so daß das Land zwar spärlich bevölkert war, aber schon unter spanischer Herrschaft die Grundzüge zu seiner späteren ungeahnten Entwicklung in sich trug. Spanien, dessen koloniale Mißwirtschaft ja bekannt ist und zum Verlust fast aller seiner Kolonien geführt hat, sollte die Früchte dreier Entwicklung nicht ernten. Es war im Jahre 1806, als die Engländer unter Popham infolge der Allianz Spaniens mit dem napoleonischen Frankreich sich Buenos Aires bemächtigten und die Einwohner aufforderten, sich von Spanien unabhängig zu machen. Aber dieses Anerbieten sand danrals noch wenig Anklang.. Erst die Besetzung Spaniens durch die Franken im Zu- sammcnhang mit der Mißwirtschaft des franzosenfreundlichen Vizekonigs Liniers und seines Nachfolgers Cisneros ries int "Jahre 1809 die nceolen Argentiniens gegen Spanten auf oie Schanzen und ließ sie, aufgestachelt durch die Einflüsterungen englischer Kaufleute, die Fahne der Revolution erheben. Am 25. Mar 1810 — das ist die Geburtsstunde der argentinischen Republik — bildete sich in Buenos Aires unter Cornelio Saavedra eine provisorische Junta, die die Regierung an sich riß und damit das Signal zum Abfall von Spanien gab. Zwar versuchten die «panier, die in ihrer Verblendung alle Vermittelungsvor- schlüge zurückwiefen, noch bewaffneten Widerstand, aber sie wurden in den Schlachten von Cotagaita (24. Oktober) uitd von Tupiza (17. November 1810i so glänzend aufs Haupt geschlagen, daß es mir der spanischen Herrschaft in Argen- linicn ein für allemal vorbei war und in den nächsten Jahren auch Paraguay und Uruguay das spanische Joch abschüttelten. Seitdem hat Argentinien eine alle Hoffnungen weit übertreffende politische und wirtschaftliche Entwicklung genommen. Wohl har es in dem Jahrhundert seines Bestehens als Republik nicht an inneren Kämpfen, namentlich in den ersten Jahrzehnten, gefehlt und auch nicht an Kriegen und Differenzen mir den Nachbarstaaten, aber die inneren und äußeren Verhältnisse Argentiniens haben sich stetig mehr und mehr gefestigt, so daß heute Argentinien neben Chile und Brasilien wohl die einzige südamerika- nische Republik ist, die auch vom europäischen Standpunkte aus die größte Beachtung verdient. In weit höherem Maße gilt aber diese ihrem wirtschaftlichen Aufschwung. Als Humboldt und Darwin das Land besuchten, bot es zwar auf dem Gebiete des Ackerbaues und der Viezucht Wirtschaftsmöglichkeiten, es fehlte aber an Intelligenz und an Kapital, sowie an Menschenkräften, um diese Möglichkeiten rrunft, Wissenschaft und Leben. — Paulsens Grabschrift. Eine eigenartige Gedächt- nistafel für den im Sommer 1908 in Steglitz verstorbenen Berliner Professor der Philosophie Dr. Friedrich Paulsen i|t letzt in der Kirche zu Langenhorn (Kreis Husum), seinem Geburtsorte, angebracht, worden. Der von dem Verstorbenen selbst verfaßte und am 10. Oktober 1905 niedergeschriebene Text, der sich bei dem Testamente vorfand, lautet: „Zum Andenken an D. Dr. Friedrich Paulsen, geboren allhier zu Langenhorn am 16 Juli 1846, wo seine Eltern waren Paul Fr. Paulsen und Christine, geb. Sietelfen, seine Lehrer Küster S. Brodersen und Pastor C. Thomsen, gestorben zu Steglitz bei Berlin (am 14 August l'J08>, nachdem er an der Berliner Universität durch 33 Jahre als Lehrer der Philosophie und Pädagogik gewirkt Hal. Der Wahrheit und der gesunden Vernunft Freund, Feind der Luge und dem Schein, ein Anhänger der guten Sacke, auch der nicht siegreichen, der Ehre der Welt nicht allzu begierig, nicht im Gefolge des Willens zur Macht, der Heimat treu, den Eltern und Lehrern seiner Jugerck dankbar zugetan, lebte er in einer Zeit, die von dem allen das Gegenteil Hielt, und verließ daher nicht unwillig diese Welt in der Hoffnung einer besseren." — Die Internationale Vereinigung gegen die Tuberkulose halle ihren Vermaltungsausschuß zum vorgestrigen Sonntag zu einer außerordentlichen Sitzung nach Berlin berufen, um zu einigen wichtigen Fragen Stellung zu nehmen. Tie Sitzung fand im ReichstagSgebäude statt; den Vorsitz führte der Präsident des ReichSgejundheusamts, Bumm. Anwesend waren außer dem Generalsekretär Prof. Pannwitz der Geh. Lbermedizmalrat Kirchner vom Kultusministerium, Direktor Freund von der ^undesveriiche- rungsanstall Berlin, Generalarzt Werner, Pro. Nietner, die Regierungsräte Weber und Hamel vom ReichsgesundheitsanU u. a. Von außerdeutschen Staaten waren Oesterreich, England, Frankreich, Schweden, Holland und Dänemark vertreten. In großen Umrissen wurden die Geiichtspuukte erörtert, nach denen die internationalen Tnbertulose-Konferenzen in Brüssel und Rom organisiert werden sollen; auch die Beteiligung an der im nächsten Jahre in Dresden stattftndeuden Intern atro nalenHygiene-Aus st ellung ausyibeinen. Heute zahlt Argentinien, oeyen Flächeninhalt etwa fünfmal ,o groß ist, wie Deutschland, zwar auch nicht mehr als 6i/2 Millionen Einwohner, aber man muß es diesen lassen, daß sie, unterstützt durch die europäische, namentlich deutsche Einwanderung, es verstanden haben, Argentinien mit Riesenschritten der w.rtschästiichen Kultur zuzuführen. Argentinien ist jetzt die Kornkammer der Erde und die Hauptempore des Fleisch- und Viehhandels geworden. Was nun speziell die wirtschaftlichen Be'iehungen Argentiniens zum Deutschen Reiche anbetrifiL so steh., es bti unserer Einfuhr mit 343,4 Millionen Pesos (ä 4.05 ML.) an fünfter Stelle und übertrifft damit sogar Frankreich. Unsere Ausfuhr nach Argeniinien dagegen, bei der wir nur von England und den Vereinigten Staaten übertroffen werden, beziffert sich auf 37,8 Millionen Pesos. Tas würde nun an sich für die engen freundschasllichen Beziehungen mit Argentinien nicht viel zu beoeuten haben, wenn nicht — und das sichert Deutschland bei den jetzigen Jubi- läumssestlichleiten die Hauptrolle — gerade unsere Landsleute in Argentinien die eigentliche Intelligenz darstellten, der die Republik in der Hauptsache ihre jetz.ge günstige kulturelle und nnrtjchaMche Entwicklung za danken yat. Deutsche Lehrer und Professoren wirken an oen argentinischen Mittel- und Hochschulen, deutsche Ingenieure bauten die argentinischen Eisenbahnen, deutsche Handelshäuser beleben den tommerziellen Verkehr Argentiniens, und deutsche Schisfahrtgesellschaften sorgen für seine Verbindung mit den überseeischen Ländern. Deu.sche Osf'ziere waren es auch, die das argenftuische Heer reformierten und dort noch heute tätig sind. So erfreut sich Deutschland, dessen politische Beziehungen zu Argentinien nie getrübt waren, am La Plalastrom der größten Wertschätzung. Tas Jubiläum, das Argentinien am 25. Mai feiert, ist gleichzeitig ein Tag, an dem man gerne der deutschen Erfolge in Argentinien gebend, unter dem Wahlspruch der großen Hamburger Schisfahrts- gesellschajt: „Mein Feld ist die Welt". Aus dem Sttaspcozeß-Äusschutz. :: Berlin, 23. 9)lai Der Strafvrozeßausschuß trat heute nachmittag wieder zu einer vierstündigen Sitzung zusammen und wirb nun ununterbrochen bis in den Juli tagen. Heute wurde der siebente Abschnitt: Beschlagnahme und Durchsuchung begonnen (§§87 bis 107) und die Beratung bis einschließlich § 99 gefördert. Doch wurde der zweite Absatz des § 92 ausgesetzt. Morgen soll in Gegenwart des heute abwesenden Staatssekretärs des Reichsjustizamts verhandell werden. Es handelt sich hierbei um eine lex Erzberger. Ter erste Absatz des § 92, der angenommen wurde, besagt, daß Sachen in amtlicher Verwahrung nicht in Beschlag genommen werden dürfen, wenn die oberste Dienstbehörde erklärt, daß die Beschlagnahm.' dem Wohle des Reichs oder eines Bundesstaats Nachteil bereiten würde. Der zweite Absatz, dessen Beratung auf morgen vertagt wurde, lautet: „Tas gleiche gilt von Schriftstücken und anderen Sachen, die sich in Verwahrung einer gesetzgebenden Versammlung befinden, wenn die Erllärung von dem Vorsitzenden der Versammlung oder seinem Stellvertreter abgegeben wird." Hierzu liegen Anträge der fortschrittlichen Volkspartei und der Polen vor, die die Beschlagnahme oder Durchsuchung von Schriftstücken und anderen 3ad)en, bie s i ch in eine ni Dien st - gebäubc einer gesetzgebenden Versammlung b finden, untersagen wollen, wenn nicht die Genehmigung dazu durch das betreffende Parlament bezw. seinen Präsidenten ausdrücklich erteilt ist. Diese Anträge wollen also auch die Pulte derAbgeordnetenim Parlament gegen Durchsuchung sichern, ein Fall, der bekanntlich bei der Kolonialaf faire Wistuba, die zur Auslösung des Reichstags im Dezember 1906 führte, akut geworden ist. Zu § 88 wurde eiwAntrag Mayer-Kaufbeuren (Ztr.) angenommen, wonach Schriftstücke an und von Rechtsanwälten und A e r z t e n, welche entweder Mittellungen des Verdächtigten an sie ober Auszeichnungen über Verhandlungen mit ihnen enthalten, nicht zwangsweise beschlagnahmt werden dürfen. Ein weitergehender Antrag Gröber (Ztr.), der dahin ging, daß Papiere im Gewahrsam von zeugnisverweigerungsberechtigten Personen überhaupt nickt beschlagnahmt werden bürten, und ein Antrag Stadthagen (Soz.), der bei Rechtsanwällen und Aerzten jede Durchsuchung nach solchen Papieren untersagen wollte, wurden abgelehnt. Zu § 89 wurde ein von der fortschrittlichen Volkspartei gestellter und hernach von Gröber (Ztr.) ausgenommener Antrag angenommen, wonach bei einer Beschlagnahme, wenn sie nicht vom Richter angevrdnet ist, binnen drei Tagen die Bestätigung ein- iDiirbe int Anschluß an einen Bericht des Regierungsrais Weber besprochen. Eine eingehende Aussprache knupsie sich an die Anregung, den Uniersuchungsbe'und bei Lungenkranken in Form einer einheitlichen Zeichen» und Kurzschrift niederzulegen und dadurch die Versiändigung zwischen den einzelnen Kultursiaalen zu erleichtern; auch öie otagc einer internationalen Tuberkulose-Statistik soll roeuer verfolgt werden. — Der verschwundene Rezeß. Der Bürgermeister a. D. A. Ouehl veröffentlicht unter dem Titel „Was man als Bürgermeister erlebt" «Halle a. d. S., Gustav Moritz- ein «eines Büchlein mit einer Reihe luftiger erlebter Geschichten aus dem Reiche Bureaulratii. Unter der oben stehenden Ueberschritt erzählt er folgendes spaßhafte Begebnis: Im Archiv der Regierung zu B. fehlte seit längerer Zeit der Rezeß der Gemeinde Neudorf. So ein Rezeß ist ein großes, starkes, in Leder gebundenes Buch, das den Besitzstand einer Gemeinde nachweist. Er enthält die einzelnen Liegenschaften der Bauern und Meinen Grundbesitzer aus den frühem Aufzeichnungen und nach der Zusammen- und Umlegung und stellt eine gar wichtige, schwer zu ersetzende Urkunde dar, die sorgfältig gehütet werden muß. Zu seinem Glück konnte der diensteifrige Registrator nachweisen, baß bas kostbare Buch dem Rechnungsrat Schulze übergeben worben war, ber folgerecht für die Wiederbeschaffung einzutreten hatte. Schulze, ,st)ic Bombe" genannt, stand im 69. Lebensjahre, hatte es bei der Artillerie bis zum Wachtmeister gebracht und befand sich nach 20 jähriger Militär-Dienstzeit und 29 jähriger Zivllanstellung vor dem 50 jährigen Tienstjublläum. Das sollte gefeiert werden, und durch eine Sammlung seiner Amtsgenossen war als Ehrengeschenk ein Lehnstuhl in Aussicht genommen worden, nicht etwa um dem würdigen Schulze das Sitzen im Amtszimmer bequemer zu machen, sondern um seine Gedanken aus den in ber Häuslichkeit zu verlebenden Ruhestand zu lenken. Schulze war einer von den vielen, die bestimmt annehmen, daß ohne sie der königliche Dienst versagen würde. Er dachte denn auch noch gar nicht an Pensionierung. Erst wollte er sein 50 jähriges Ämtsjubiläum begehen, bann noch einige Jahre arbeiten, bie in Aussicht stehenbe Gehaltserhöhung mitnehmen, und bann würbe sich das Weitere finden. Nur der I 'Jcatborfer Rezeß machte ihm ernstlich Sorge. Der Regierungs- geholt werden muß, mit der 'Folge, daß sie samt ohne weiteres aufgehoben ist. Bei § 94 wurde ein Antrag Gröber (Ztr.) angenommen, wo nack bie Post- und Telegraphenbehörden offene Sendungen in geschlossenem Umi'drfag vorzulegen und bie Staatsamoaltschaft oie ihr vorgelegten Salbungen, ohne sie zu öffnen, dem Rickter zu übergeben bat. Bei § 95 wurde beim ersten Absatz auf Antrag Gröber (Ztr. beschlossen, daß, wenn eine Sendung ausgeliesert ober über bie Beförderung einer Sendung ober beren Inhalt Auskunft erteilt wirb, bie Beteiligten von der Behörde, welche die Anordnung getroffen hat, unverzüglich zu benachrichtigen find. Weiterberatung: Dienstag vorrnillag. 21 u> £iaOi utiO Land. Gießen, 24. Mai 1910. ** Neuwahlen für den Kreistag. Im Laufe dieses Jahres ge./cn die Mandate der 1901 gewählten Kreistags. bgeordneten zu Ende, so baß eine Neuwahl siattzufinden hat. Es scheioen aus: Üandgerichtsoireklor Bücking, Kommerzienrat Heyligenstaedt, Geh. Justizrat Hirschhorn und Bauunternehmer Winn (von den 50 Höchstbesteuerten im Kreise gewählt), lernet Geh. Justizrat Dr. Gutfleifcy, Bürgermeister Horst in Nieder-Bessingen, Bürgermeister K'reillng in Heuchelheim, Bürgermeister Leun in Großen Linden, Bürgermeister Schneioer in Utphe, Stadtverord neter Wallenfels in Gießen und Bürgermeister Zimmer in Grünberg (Bevollmächtigte der Gemeinde-Vorstände). ** Aus dem M i l i t ä r w o che n b l a t t. 8u dem vom 19. Mai bis 18. Juni ftattfinbenben 2. Lehrkursus bei ber In santerie-Schießschule wurden bie Hauptleute Baither vom In fanterie-Regiment 118 und Henriei vom Infanterie-Regimen.' 117 kommandiert. ** Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt tourbc der Lehrer an der Gemeinbeichule zu Michelau, Kreis Büdingen, Karl Keiser auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste; der Lehrer an der Gemeinde schule zu Groß-Rohrheim Val. Krebs auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit: bie Lehrerin an der Volksschule zu Mainz Marie Stein auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. ** Fahrrad maroer. Gellern würbe in der Edei ftraße an einer Wirtschaft ein „Gritzner-Fahrrad" mit der Polizei-Nr. G. 1820 gestohlen, während der Eigentümer in bei Wirtschaft verweilte. In ber Frankfurter strafte wurde ebenfalls aus einer Hofrelle ein Fahrrad mit der Fabrik-Nr. 535 303 und ber Polizei-Nr. 4272 gestohlen. In beiden Fället' handelt es sich um unbekannte Täter: diese Zellen tragen vielleicht zu ihrer Feststellung bei ** Die Maul- und Klauenseuche wat am 15. Mai überall im Deutschen Reich erloschen. n. Offenbach, 23. Mai. Der hiesige Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs feierte am Samstag im Hotel Tegenharbt sein 1. Stiftungsfest, das einen prächtigen Verlauf nahm. Architekt: Faber-Frankfurt und Kceisrat Bocckmann-Büdingen überbrachten die Glückwünsche ihrer Zweigvercine. Ten Glanzpunkt der Feier bildete die hier ge.ammelte Spende für Obermockstadt, deren Höhe auch die Erwartungen weit übertraf. 3500 Ml. konnten dem Leiter der Hilfstatigkeit durch den Vorsitzen den, Lehrer Tern, übergeben werden, der dann auch nicht versäumte, für den rührigen Sammelleiter zugunsten der notleidenden oberhessischen Volksgenossen sowie der mildtätigen Einwohnerschaft Offenbachs herzlichen Tank zu sagen. Kreisrar Bo e ck m a n n dankte im Namen der unver schuldet in Not Geratenen und sagte eine gerechte Verteilung aller Gaben zu. Kreisassisten?,arzt Dr. Zinß er widmete sein „Frisch auf" dem Vorsitzenden Dern, der um das Zustandekommen der Sammlung sich ganz besondere Verdienste erworben habe. th. Wetzlar, 23. Mai. Die Bauten für die hier zu errichtende Unteroffiziers chu le sind von ber Stadt dem Architekten S ch e ll e n b e r g - Wiesbaden gemeinsam mit dem hiesigen Architekten Müller Übertragen worben. Zur Ausführung ber Bauten hatten sich etwa 180 Firmen aus ganz Deutschland gemeldet. s. Marburg, 23. Mai. Der Entwurf zur Erbauung einer elektrischen Straßenbahn bürste wohl kaum in absehbarer Zeit verwirklicht werben, ba ber Magistrat eine dies bezügliche Vorlage nicht zu stellen gedenkt. — In bcr El i s a b e t h- kirche starb gestern nachmittag währeiid des Gottesdienstes eine ältere Tarne, ohne baß bie Umsitzeiiben es bemerkten. Ale bie Betreffenbe nach bem Gottesbienft sitzen blieb, würbe man erst auf sie aufmerksam. Präsident, ber Dezernent, selbst ber sonst so nachsicktige Ober- regierungärat hatten ihm, zwar wohlwollenb, aber boch mit Nach bruck Vorhaltungen beshalb gemacht. Aus ihn war der Rezeß ausgetragen, auf ihm blieb er hängen, so fehr Rat Schulze auch beteuerte, ihn längst wieder abgeliefert zu haben. Unter biesei amtlich-drückend en Gewitterschwüle rückte das Jubiläum immer näher. Es fehlte nicht viel, so wäre die höhern Orts erbeten. Auszeichnung für den Jubilar rückgängig gemacht worden. Wie alltäglich erschien „bie Bombe" am Jubiläiimstaye pünktlich um 8 Uhr im Amtszimmer, biesmal festlich gefleibct, Fraa, weiße Binde unb Zylinberhut fehlten nickst. Um 10 Uhr erschien bet Regierungspräsibent mit einigen Räten, um bem Rechnungsrat Schulze ben Roten Abler-Orben mit ber Zahl 50 zu überreichen und in einer Ansprache die Verdienste des getreuen Beamten in Gegenwart jmn zugezogenen Vertretern der Beamtenschaft zu würdigen. Schutze bankte gerührt unb konnte nicht umhin, bei seinem bedrückten Herzen wegen des verschwundenen Rezesses bem Wunsche unb ber Hoffnung auf baldiges Wiederfinden Aus bruck zu geben. Den Schluß ber feierlichen Hanblung bilbetc bie Uebergabe bes kostbaren Lehnstuhls an ben Jubilar. Schulze mußte sich von seinem alten Stuhle erheben unb ben neuen pro bieten. Aber, obwohl er sich über bas Geschenk für bie gute Stube babeim sichtlich freute, lobte er gcruljrt boch ben allen, ber zwar unschön unb hart sei, immerhin ihn mehr als 25 Jahr- in Freub unb Leib getragen habe. Aller Blicke wendeten sich nach dem einfachen Holzstuhl. Es siel aus, baß er mit Büchern bc lastet war und dadurch ziemlich hoch erschien. Nach bem (Stintbc befragt, erklärte Schulze, eine harte Unterlage fei nach viele: Richtung hin zuträglich und angenehm. Das veranlaßte felbft den Regierungspräsidenten, sich ben Stuhl näher anzusehen. Abei als bie)er gerüdt würbe, fiel ein bickes Buch krachend zu Boden. Diensteifrig mürbe es von mehreren Beamten aufgehoben; bei Regierungspräsident sah bie Aufschrift unb verkündete sie zum Erstaunen unb Entsetzen aller Anwesenden mit ben einbtucksvollen Worten: „Gemeinbe-Rezeß von Reubotf." — Die nächste größer- Arbeit bes Rechnungsrats Schulze, ber alten, brauen „Bombe", war sein Antrag auf Versetzung in den Ruhestand. Vie Hochzeitrfeierlichketten in Lich. (Bon unserem Sonder-Berichterstatter.) y. Lich, 23. Mai. Tas Städtchen Lich mit seinem Wahrzeichen, dem Turme bei der Marienkirche, und dem im schönen Schloßpark hinter Bäumen versteckten Fürstensitze, ehrwürdig und lieblich, ernst und heiter zugleich inmitten eines Kranzes von blühenden Bäumen, mir fr schon anmutig aus jeden, der es in gewöhnlichen Tagen sieht. Wird aber gar wie heule ein übriges getan, Tannen und Maiengrün, Fahnen mit) Standarten dem Alltagsbilde hinzugefügt, dann streitet das alle „Lichom" mit der Landschaft um den Schönheitsprei, Schloß und 3tat)t, lohne die stattliche Marienkirche sind seitlich geschmückt. Flaggen in solmsischen, stolbergischen, hessischen und deutschen Farben wehen von dem Äblosse und den Gebäuden, die Straßen mit ihren altertüm.ichen Häusern prangen im Tannengrün. Ter Hochzeitsfeier der Prinzessin Torothca zu Solms-Hohensolms-Lich mit'dem Prinzen Hermann zu Stolberg-Wernigerode gilt der Fest- fchmück. Zahlreiche fürstliche Hocbzeilsgäste sind im Laufe des heutigen Tages eingetroffen. Ter Bräutigam traf am 21. im Schlosse ein, kurz nach 4V2 Uhr nachmittags am gleichet! Tage der G r o ß h e r z o g von Hessen, von London' kommend. Er hatte den D-Zug 2 Uhr 28 Min. in Wiesbaden verlassen und war mit dem 9üito direkt nach Lich gefahren. Großherzog und Großherzogin werden im Laufe des 25. Mai nach Darmstadt zurückkehren. Ter. Großt-erzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin hat gestern abend wegen plötzlick)er Erkrankung an Halsentzündung seine Teilnahme an den Festlichkeiten abgesagt und seinen Adjutanten v. .Heintze als Vertreter hierher entsandt. Das Schloß^und die Gasthäuser der Siadt vermögen die Geladenen nicht zu fassen. Auf dem nahen Solms-Laubach- ischen Sch vsse A.nsb rg bat ein Teil der Gäste Quartiere bezogen. Doch nun) Liefe reichten nicht aus. Da wußte Großherzog Ernst Ludwig Rat: er stellte bereitwill gst s ine beiden auf Station Lich haltend eu Salonwagen zur Per ügung, und zehn Herren schlugen hier während der Festtage ihr .Heim auf. Auch Fremde aus nah und fern, aus dem Solm- fer Lände sowohl, wie aus dem übrigen Oberhessen und dem Kreise Wetzlar, aus Frankfurt a. M., Tormstadt, Hanau, Gelnhausen, vom Rhein sind zahlreich erschienen, um die Festtage hier mit zu verleben. Heute, am Vorabend des Hochzeitstages, fand im Schloßgarten am Teiche eine glänzend verlaufene Soiree mit Aufführungen statt, nachdem vorher der Tee in den Salons des Schlosses eingenommen worden war. Weit über 100 Personen waren geladen, darunter auch der Provinzialdirektor der Provinz Rheinhessen, Geheimerat Dr. Breidert-Mainz. Tie Braut trug bei dieser Gelegenheit ein prachtvolles Brillant-Kollier, ein Hochzeitsgeschenk ihres Bruders, des Fürsten. Als die Glocke vom Kirchturm, der neben der mittelalterlichen Kirche einsam und trutzig sich erhebt, die 9. Stunde verkündete, da sammelten sich am Rathause die hiesigen Vereine: Gesangverein „Cäcilia" u. „MLnnergüariett", die Freiwillige Feuerwehr, der Turn und der Kriegerverein und zogen vor das Schloß, um dem Brautpaar ein Ständchen zu bringen. Nachdem der erste Ehor ver klungen war, hielt Bürgermeister Doermer eine Ansprache an die Verlobten. Dem ersten Lied Prinz-Bräutigam dankte zwischen Standesherrschast und Bevölkerung besonders pries. Unter .Hochrufen endete die Huldigung und der viclhunderkköpfigc Zug bahnte sich mühevoll einen Weg durch den Menschenwall, der das Schloß umgab. Im Schlosse iaud schließlich ein Tanz statt, bei welcher Gelegenheit der Großherzog dem Fürstlichen Oberförster Kuntzc Hohensolms den Verdienstorden 1. Klasse Philipps des Großmütigen verlieh. Lich, 24. Mai. Ter heutige Hochzeitstag wurde cingeleitet durch ein Ständchen, das die Kapelle des KaHer Wilhelm-Regi- ments aus Gießen dem Brautpaare im ^-chloßgarten dar- brachie. Uni 9 Uhr wurde von den Gästen das Frühstück im Eßzimmer und Landschafts'immer d.'s Schlosses Eingenommen und turz vor U ? Uhr in dem Zimmer des Fürsten die Ehepakten in Anwesenheit des Präsidenten Lohmann-Wernigerode und des Kammerrat Freiherrn Löw von und zu Steinfurth von dem Brautpaar abgeschlossen, woraus die standesamtliche Trauung durch den Großh. Standesbeamten Karl Vogt IV. vollzogen wurde Tie Fürsten zu Stolberg-Wernigerode und zu Solms-Hohensolms-Lich waren Trauzeugen. Um IS Uhr versammelten sich die Herrschaften in der am nördlichen Eingang der Kirche befindlichen Seiten- lapelle, wo sie das Brautpaar erwarteten und wohin sie mit Automobilen vom Schlosse durch die geschmückten Straßen an spalierbildenden Ehrendamen, Vereinen und Schulen vorbei sich begehen hatten. folgte ein zweites, worauf der und das ernte Einvernehmen MW, HricdhosrlapLlle uno Sladttirchlurm. Gießen, 24. Mai. In der gestern abgehaltenen Versammlung der Evangelischen G e s a m t g e m e i n d e - V e r t r e t u n g stand die Angelegenheit des Eigentumsrechts an Siaokkirch urm und der alten Friedhofskapelle zur Beratung und Beschluß- fasfnng Zn einer erneuten Verhandlung der Vertreter der Stadt und der Kirchengemeinde vor Großh. Kreisamt ist ein neuer Vergleich vereinbart worden, den der Vorsitzende, Kärchenrat D. Schlosser, auf einstimmigen Beschluß des Kirchenvorstandes zur Genehmigung empfahl. Er gab dabei einen Ueberblick über die gesamte Sachlage, aus dem wir bei dem lebhaften Interesse, das dieser Angelegenheit in der Bürgerschaft entgegengebracht wird, im Nachfolgenden das Wesentliche mitteilen. Die Verhandlungen, so führte er aus, sind veranlaß durch das Staatsgesetz vom 6. August 1902. Dies Gese wurde erlassen, um in die durch die geschichtliche Eittwicklunc der letzten hundert Fahre vielfach verwirrten Besitzver hältnisse an den kirchlichen Gebäuden Klarheit zu schaffet und deren Ordnung ohne richterliche Prüfung der viel fach verwickelten Rechtslage zu ermöglichen. Waren c zunächst die vielfach ganz unerträglichen Verhältnisse ii Rheinhessen, wo durch die Napoleonische Gesetzgebung das gesamte Kirchengut für Staatseigentum erklärt, und bann beim liebergang der Provinz an Hessen den bürgerlichen Gemeinden überwiesen worden war, die dies gesetzgeberische Vorgehen dringend nötig machten, so lagen doch in den übrigen Provinzen die Tinge vielfach nicht anders. Früher waren ja bürgerliche und kirchliche Gemeinde völlig eins Die Sorge für Befriedigung der religiösen Bedürfnisse war genau ebenso die Aufgabe des Gemeinderats, als z. B. die Fürsorge für Schulwesen, Gesundheitspolizei usw. Wo Kirchen und Pfarrhäuser zu bauen waren, lag das selbstverständlich dem Gemeinderat ob. Dementsprechend standen sie int Grundbuche vielfach auf den Namen der „Gemeinde", da es eine „kirchliche" neben einer „bürgerlichen" Gemeinde nicht gab. Tas wurde im Laufe der Zeit anders. Mit der zunehmenden Konfessionsmischung der Gemeinden traten bürgerliche und kirchliche Gemeinden auseinander, und infolge dessen entwickelte sich eine setbständige kirchliche Verwaltung. Dabei wurde aber vielfach versäumt, dieser Scheidung auch im Grundbuch Rechnung zu tragen und die kirchlichen Gebäude auch^aus den der kirchlichen Gemeinde zu überschreiben. Tiefe Sachlage war sogar meist ganz unbekannt; z. B. wußte man hier in Gießen bei den Verhandlungen über die Ablösung der Beitragspflicht der Stadt zu den kirchlichen Bedürfnissen, die im Fahre 1884 geführt wurden, zwar von dem Stadtkirchturm, daß er auf den Namen der Stadt stand, hielt es aber für selbstverständlich, daß die Kirche selbst Eigentum der Kirchengemeinde sei. Erst int Jahre 1893 wurde entdeckt, daß auch sie im Grundbuch auf die Stadt eingetragen mar, woraus die Stadtverordnetenversammlung ohne weiteres in die lieber)d)rcibung einwilligte, während sie die Rechtsverhältnisse bezüglich des Turms noch nicht für genügend geklärt hielt. Für diese lieber» schreibung auch des Turms bot nun das genannte Gesetz die Möglichkeit. Denn es bestimmt in feinem grundlegenden Artikel 1: „Steht bei dem Inkrafttreten dieses Gesetzes das Eigentum an einem Gebäude, das gottesdienstlichen Zwecken gewidmet ijt (Kirche, Kapelle, Bethaus) oder als ^sarr- wohnung bient, der bürgerlichen Gemeinde zu, oder ist ein solches Gebäude auf den 'Namen der bürgerlichen Gemeinde oder auf die Gemeinde ohne weiteren Zusatz im Grundbuch eingetragen, so geht das Eigentum an dem Gebäude auf die betreffende Kirchengemeinde über, falls diese den Eigentumsübergang vor dem Zeitpunkt, in welchem das Grundbuch für das Grundstück als angelegt anzusehen ist, beantragt und die bürgerliche Gemeinde nicht binnen drei Monaten nach der Zustellung des Antrags Widerspruch erhebt." Es ist wohl von niemand ernstlich bezweifelt worden, daß bezüglich des Stadtkirchturms die von dem Gesetz auf- gestellten Erfordernifse völlig §utreffen, und daß unsere Kirchengemeinde nur in ihrem Recht war, als sie den Antrag auf Ueberschreibung stellte. Etwas anders steht es mit der alten Friedhofskapelle. Dem Kirchenvorstand war es freilich nicht zweifelhaft, daß der in Artikel 5 des Gesetzes geforderte Nachweis eines „kirchlichen Benutzungsrechtes" bezüglich dieser widerspruchslos zu führen sein werde, und daß sie sich daher als „ein Gebäude, das gottesdienstlichen Zwecken gewidmet ist", darstellte. Tenn Leichenfeiern ohne gottesdienstlicksen Charakter kannte man zur Zeit der Erbauung der Kapelle überhaupt nicht; Leichengottesdienste waren Gottesdienste im vollen Sinne des Wortes, d. h. kirchliche Gemeindefciern. Das wird ja auch unwidersprechlich durch die Tatsache dar- getan, daß sie wie jedes andere gottesdienstliche Gebäude, z. B. nach ihrer Restauration von dem Superintendenten aus eigener Machtvollkommenheit und ohne den Stadt- vorftand zu fragen, der vielmehr wie alle anderen nur dazu eingeladen wurde, eingeweiht wurde. Der Kirchenvorstand mußte aber doch mit der Möglichkeit einer anderen Auffassung und bei der mit dieser Sachlage nicht vertrauten Bürgerschaft auf eine weniger entgegenkommende Stimmung rechnen, und war darum von vornherein bereit, sich bei bc*t zu erwartenden Bergleichsverhandlungen auf die Sicherung der Benutzung der Kapelle im seitherigen Umfang zu beschränken und einen Rechtsstreit zu bermcibcn. Bestimmend war für ihn dabei nicht die Sorge um den Aus- gang des Rechtsstreits, als vielmehr die Erwägung, daß doch der weitaus größte Teil unserer Mitbürger Mitglieder zugleich der bürgerlichen und der kirchlichen Gemeinde sind, und daß ein solcher Prozeß eigentlich jeden Bürger in einen unerfreulichen inneren Widerstreit zwischen seiner bürgerlichen und seiner kirchlichen Eigenschaft bringen würde. Mit solchen Gesichtspunkten sind wir in die Behandlung dieser Angelegenheit eingetreten. Da sie aus mangelnder Sachkenntnis vielfachem Mißverständnis begegnet sind, hielt ich es für meine Pflicht, sie Ihnen noch einmal etwas ausführlicher darzulegen. Wir haben in dieser Sache ein gutes Gewissen, daß wir nicht ans Eigennutz, und weil es tins nach Streit gelüstet hätte, sondern in einfacher Erfüllung unserer Pflicht gehandelt haben. Umsomehr freuen wir uns, daß die zwischen der Stadt und Uns gepflogenen Verhandlungen, wenn auch nicht ganz ohne Schwierigkeiten, doch einer friedlichen Erledigung cnt- gegengeführt werden konnten. Tic Versammlung nahm nach kurzer Aussprache darüber den Vergleich einstimmig an. Dadurch ist der Kirche das Eigentumsrecht am S t a d t k i r ch t u r m , der Stadt das an der alten Fried hofskapelle, und beiden die bisherigen Benutzungsrechte, der Stadt bezüglich des Stadtkirchturms, der Kirchengemeinde bezüglich der Fried- hossrapelle, gesichert. Es ist zu hoffen, daß nun auch die Stadtverordnetcnvcrsammluiig dem Abkommen beitreten werde. Brände Heringsdorf, 23. Mai. Tic Kaiser Wilhelm-Brücke steht seit 6> 2 Uhr in Flammen. Das Feuer erhielt durch mchrers explodierende Benzinbehälter, die unter der Brücke lagerten, besondere Nahrung. Ten vereinten Wehren von Heringsdorf, Abl- beck und Bansins gelang cs, die Gefahr von der linken Seite der Brücke abzumenden. Auf dem Brückenkopf sind das Wächterhaus und das Musikzelt vollständig niedergebrannt. Bautzen, 23. Mai. /Priv.-Tel.> Heute nacht ist die 300 Arbeiter beschäftigende Papierfabrik in Obergurig einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen. Ein Feuerwehrmann wurde erheblich verletzt. Getreide-Wochenbericht der Preisbericht,:ellc des Deutschen Landwirtschaftsrats vom 10. bis 23. Mai 1910. Tic günstige Gestaltung der Ernteaussichten in den meisten Ländern hat in Verbindung mit drängenben und zum Teil nn- reiwilligen Verkäufen Rußlands zu einer allgemeinen Verflauung nid zu scharfen Preisrückgängen geführt. Von amerikanischer Seite unternommene Versuche, die Preise mit Hilfe mehr ober icniger berechtigter Saatenstandsklagen zu stützen, blieben ziem- .icT erfolglos, und mich bei- Umstand, daß die russischen Offerten tnrl) Erledigung größerer Zwangsverkäufe zeitweise etwas mehr Festigkeit zu befunben schienet!, vermochte die Unternehmungslust n keiner Weise anzurcgen. Sehr empfindliche Rückgänge haben die Getreidepreise während der letzten 14 Tage auch in Teutsch-- .anb erfahren. Tie Nachgiebigkeit der ausländischen Weizen- Verläufer und die seit ungefähr 14 Tagen herrschende fruchtbare Witterung waren auch hier die treibenden Faktoren für die rasch jorbringenbe Abwärtsbewegung. Wenn der Saatmstand nach der amtlichen Berichterstattung um die Mitte Mai nicht den tad) der günstigen Turchwinterung gehegten Erwartungen ent- prach, so ist dabei zu berücksichtigen, daß die Wirkimg der kurz oor der amtlichen Erhebung einsetzenden Witterung in den Berichten vom 15. Mai noch nickst zum Ausdruck kommen konnte. Mehr Beachtung sand die Feststellung, daß kaum in einem anderen Zähre so wenig Umackerungen nötig waren, wie in diesem. Auf dem Berliner Lieferungsmarkte verlor Weizen per Juli seit 14 Tagen ungefähr 17 Mark, per September 14 Mark, während Mai, für den immer noch einiges Interesse besteht, nur 10 Mark ctngebüßt hm. Zu Andienungszwecken herangezogener Plata- weizen entsprach nickt den kontraktlichen Anforderungen. Nicht minder schwach mar die Stimmung für Roggen, denn der Absatz des ziemlich ftärtoi Angebots gestaltet sich schwierig, zumal bei der warmen Witterung niemand Roggen auf Lager nehmen will. Die Provinz ließ infolgedessen Juli verkaufen, wodurch dessen Wert um 12 Mark herabgedrückt wurde. Etwas geringer war der Rückgang für September, da die billigen Preise hier und da zu Käufen benutzt wurden. Hafer war aus der Provinz dringenb angcboten und selbst zu wesentlich billigeren Preisen schwer verkäuflich. Die rückläufige Preisbewegung für Futtergerste hat gleichfalls weitere Fortschritte gemacht. Mais blieb zwar weiter unbeachtet, ohne indes fDubcrltdi int Preise nachzugeben. Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide nnr letzten Markttage in Mark pro 1000 kg je nach Qualität, wobei das Mehr ( + ) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist, wie folgt: Königsberg Weizen 212 (— 12) Roggen Hafer 146 (- 8)' 143'/.. (- 9) Danzig 227 (— 2) 158 (— ) 160 (- ) Stettin 212 l— 9) 141 (— 10) 150 (- 7) Vosen 208 (— 16 • 141 (- 7) 148 (- 2) Breslau 205 (- 11) 141 (— 71 H) 147 (— 5) Berlin Piagdeburg 211 (- 11) 144 (- 165 - — 5) 210 (— 9) 146 (- o) 165 (— ) Leipzig 212 (— 8) 152 (- 2) 162 (— 5) Dresden 212 (- 10) 150 (— 4) 157 (— 6) Braunschweig 203 (— 11) 148 (- 3) 160 (- 3) Rostock ) 140 (- 8) 150 (- 6> Hamburg 208 (— ) 155 (- ) 173 (+ 3) Tüst'eldorf 215 (- 7) 160 (- ) —— (- ) Frankfurt a.M. 202'/, (- 20) 155 (- 71/.) 157'/, (- 5) Pianiiheiin 212'/,X(-12V,) 162'/.. (- 4) 162'/. (— 27,) Straßburg 215 (-7'/,) 170 (- 2'/J 175 (— ) Stuttgart 230 (—2*/..) 170 (— 5) 160 (- 5) München 214 (— 10) 158 (- ) 155 (- ) Weltmarktpreise: Weizen : Berlin 9)lni 211.50 (- 9.75), Juli 198.25 (— 16.75), Sevt. 188 50 (— 14.00). Budapest Oki. 166.45 (— 10.90). Paris Akai 21)5.60 (-> 1.15). Liverpool Juli 152.70 (— 12.55). Chicago Mat 170.60 (— 6.95). Roagen: Berlin Mai 14h.00 (— 7.25), Juli 147.00 (— 11.75),J Sept. 148.25 (— 10.50). Hofer: Berlin Juli 148.00 (— 9.00) Alk. Märkte. F.C. Wiesbaden. B i e h b o f - M a r l t b e r i ch t vom 23. Mai. Austrieb: Rinder 70, Kälber 68, Schafe 38, Schweine 318. Tendenz: Rinder gedrückt, Kälber mittelmäßig, Schafe mittel» mäßig, Schweine mittelmäßig. Preis Durch- pro 100 Pfb. schnittspreis redend, schlacht. pr0 100 Pfund gerutan ... Lesend' schlacht, vou-dlävon-bls stcwlchc Ochsen. Vollfleischige, auSgcniäftete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 42—46 76—80 44 78 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 37—41 71—74 39 72 Mätztg genährte junge und gut genährte ältere 33—36 C6—70 34 68 F ä r i e n, K ü h c. Vollfieu'chige ausgemästete Färsen höchst. Schlachtwertes 40—46 72—80 43 76 Bollflelschige ausgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bis zu 7 Jahren . . 34—38 65—69 36 67 Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte tzuigereKühe u. Färsen 30—34 60—65 32 62 Mäßig genährte Kühe nnd Färsen. . . 24—3j 49—60 27 54 Kä Iber. Feinste Plast- 3 ® c*5:e,5."o - C’cr.-'-r - D -iS: fC-Scr V* 2 •2» e-,5 8 ä i o 2 C. & er V o 5 ä 2 e V 9 g 2 • or 5?« 5 ? o" > - e - c; r. r. er- v 2 5 V >ri ~ ; - c _ c. 2 "c‘7 2 »ft« c- - c : - = ®2 2 3 I C2 C* -• »- - ttn 2 —r - k?S=2 2' c=' =a’t gcrö^S- - 5 s*- z 2 u = 2 5 ’ ne»“*8 e c-' - - I = 2 io ^tcn ;n - ä?lncnk , so« antSil^.^ng Ut W?^ni,rflet Men, b[le2r ?btr lc. rusjischy. e Untern fr5 "'ehr ki'e «uS^Qshit S»i>h4 Lr^ÄL Lb- 8'tferunn >! kurz druck f UMben br- ^icinMeman^ MsZ Vg'ÄE K"Sr KL'L^ 9) ) 10) 7) • 7, ' 8) Öl ' 8)- ■ 4) 3) ■ 8) • ) ■ ) ■ w • 4i • 2-/,) • 5) Haier U6 (- 8)v 160 (_ ;■ loO (- 7) 148 (- 2) 147 (- 5. 165 '- 5j 165,- । 162 (- 5) 157 (- 6, 160 (- 3( 150 (-.61 173 (-(- 3 "" (~ ) 157'/, (- 5) 162!.', (- 2V) 175 (- ): 160 (- ä) > 155 (- ) in Mai 211.50 (- 9.75), 14.00). Budapest Lli. - 1.15). Liverpool 0 (— 6.95). Ologqen: .00 (- 11.75),I <5tp.’. 8.00 (- 9.00) M. beridjt ucm 23.3?.. 3d)iveiuc 318. mäßig, Lchaie mittel' tzrrrS Turch- M Psd. \d)n\n»vvti§ t6» LLlatzu yxo M'LillNd . Scotti- ■bläDOn-blo c.croi4: -46 76—80 44 78 -41 71-74 39 72 -36 66-70 34 68 -46 72-80 43 76 -38 65- 69 36 67 •30 -60 92-100 58 -55 85 -93 53 -50 73-83 47 -42 82- 84 41 96 89 78 83 ,-55 68-70 54 69 69 67 , 55 68-70 54 '-54 66-68 52 eichte». nüe. en ' s-ÄSÄ !«uK K-i--L- &> Ss .ä’iS'Ss -MS »cheieN'^ ,Tm-. 6. Mal'- w** Vieße. -Lredigl- nsl- it ,,„d flin.'fj VÄ-«" 3 2 5 FZ 2 » — L ' D S’* - CC A_ — *0 ZF ®a2 ■WiS! sS” r T3-S . 3,f? h? = 2=> — re ^C=. — o — er 5.S«' 2 x - ' i=t 5* <3 2 ZF?. o — ZF s *• w 3 — Co X C a-x 2 2« Lee - 5£,= x — 5'2 2 2 ” ä F - 2 cp;$,x = 5-2; P .^x«K -2 %• csÄS-I = 5 2 S — «• 2 — □ £äS3 =• - Pa Sä'? — -e 2.5 x ~"2 = a'a’S.'='P- ’* CrQ-, 5 r» 2 = Ä Z,«K sä». 5 2 = X X -5-2 _-. - <=*- —• C-- 2 er S' ä giö Ä -Z < e 2. X'ö" -»__Cu X e — j 3- -- »■ — X f’ « -P X 2. d 6) ri,X. —— cu 'co Ö- 2 - 3 2 er *? - 2 2 A2" -2x2 Otä L.-Z-9 it?= & er - X e => X 15 x ce re 2 •e o« I üc. o — o. 2.x- er * cu z- _ O s ■ CD <$o C9>5 2.s er — ■c = 2.x» äÄ t<- ' X.3. CD Co — — 2. c — • 2^a Ti \S SP x er = 3*Sa 8 a a i'-)? r-4 a «6 er Oer o 2 —- — ■x?= S öS T?e —.«er o 2 ' r?S62 ay a>ö, er ne — X5 ® 3<- 2. Cp x O cs' I C? — x cu 2* er ec CX1 re X. — er X«Co -- 2 x. e — re x" = & = Z-L° a e — « a r? C —- S‘?2 -. 5 S‘2 o y£,= CD CD o CD o S- e ct "*1® OCX 88S SCO D- O CD ZL2 I I I Cffi< OCTO o X CT«-. o S- ö> 2 S. x c.*» ZLS a-x^Ä- X 2.^ er — X : L X r» ro L-4--S ZL-LK sS • er “ •2*^ c x CT* * ~ «c- OUCT« O CT-” CT«Z Vor *BgS »°c: o ® CT Lrs^R CD —CT— P23 •=r?r r^CTe e; co -o re re ===:O —a ~ r-L —- X re — X. X CTX^ ct 6)0 — ^a.gaÄ.«* “ O rt CT n e : 6' o 2- X: re -e S n. — «> & CT er —- — — - 530« O- - — P.CT oP e °o ^2.0 x -r, 9 X3* fe- o A- gs °2 Ö2 ^CT-c. 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