Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten. über Ton Da Herr v. Bethnrann-Hottweg in erhobenem versprach, die auswärtige Politik im deutschen Interesse „nachhaltig, aber loyal" vertreten zu Mollen, kann man den Aktendeckel über der Marokko-Mappe einstiveilen zu- schlagen, lieber Herrn v. Schoen aber ivöM sich kein sonnig heiterer Himmel; jeden Tag können neue Stürme losbrechcn, 2lrbeiter!unbgebimgcn zum 18. März. Aus Berlin wird berichtet: Der Friedhof den Märzgefallenen wurde ihn Laufe des Freitag voic 22 700 Personen (im Vorjahre 14 500) besucht; diese legten insgesamt 346 (198) Münze nieder, von denen bei 52 (11) Wie Schleifen wegen ihrer Jnschrislen entfernt wurden. Der Friedhof wurde um 6 Uhr geschlossen. Nach Schließung des kleinen Friedhofes der Märzgefallenen kam es abends anr Landsbergplatz und in der Landsbergerstraße zu Zusammenstößen zwischen den Rückkehrenden und der Schuhmannschaft. Unter den 1500 Personen, welche in Bewegung waren und abwechselnd Arbeiterlieder fangen, Hochrufe ans das Wahlrecht und Pfuirufe aus die Polizei aus^ brachten, befanden sich au f f a l l e n d bi e l e j u n g e Bur- Der rauflustige Herr, der seine Bedeutung offenbar weit überschätzt und für den Gipfel preußischer Ritterlichkeit halt, was nur geschmacklose Karikatur heranSsordernder Holofernes Tölpelei ist, bat eine Lehre erhalten, die überall befriedigen muß. Der Vorsitzende seiner eigenen Parier hat ihn'öffentlich preisgeben müssen, niib das ist mehr als der Ordnungsruf, der ihm verspätet zuteil wurde. Die konservativen werden im engeren Mtcife sich über die nache wolil noch weiter unterhalten, nnb sie lverden sich ernstlich zu fragen haben, ob dem Tatendrang des Herrn, der schon mehrmals unnütze und peinliche Auseinandersetzungen veranlaßt hat, für die Zukunft nicht kräftigere Zügel angelegt lverden könnten. Zwar wird Herr v. Oldenburg sür eine solche Anregung wohl auch wieder „sich jederzeit, zur Verfügung" stellen, aber dann könnte, ihm der Frak- lionsvorstnnd in einer geeigneten Form das begreiflich machen, lvas der Mgevrdnele Haußmann unter Einheimsung eines Ordnungsrufes öffentlich ausrief, daß Don Quichot- terie im Reichstage sich nicht breit machen darf. wolle der Kanzler möglichst schnell und schmerzlos diese unerquickliche ^ache hinwegtommen, an deren Einfädelung er ja schuldlos ist. politische Wochenschau. Gießen, 19. Mrz. Die Parlamente sind in die Osterferien gegangen, und Herr v. Bethmann-Hollweg kann heute abend seine Romreise antreten, uim den wiederholt verschobenen Antrittsbesuch beim König Bittor Emanuel und beim Papste abzustatten. Er kann an seine diplomatische Aufgabe, die wohl auf die weitere Sicherung des Dreibundes und besonders die bessere Gestaltung des Verhältnisses zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn gerichtet ist, mit umso größerer Sicherheit rind festerem Selbstgefühl herantreten, als die Haushaltsbcra tung des Ausivärtigen Amtes im Reichstag Verhältnis^ mäßig sehr kurz abgetan worden ist. Der Kanzler hat mit kräftigen Worten die uneingeschränkte Verantwortung auch für diesen wichtigen Zweig der Reichspolitik sür sich in Anspruch genommen. Das ist das wichtigste Ergebnis der zweitägigen Beratung, aus der im übrigen nicht viel heraus gekommen ist. Der Reichstag hat seine Schuldigkeit getan, indem er, den wiederholten amtlichen Andeutungen gemäß, davon Abstand nahm, das Ansehen unserer amtlichen auswärtigen Politil vor der Welt zu beeinträchtigen. Aber das darf doch mit allem Nachdruck öffentlich festgestellt werden, daß das Auswärtige Amt in der letzten Zeit, die ^allerdings mancherlei Anforderungen gestellt hat, sich nicht mit Ruhm bedeckt hat. Wir haben die bekannte En.schließung des Ausschusses bereits in diesem Sinne gedeutet. Aber auch in der Vollversammlung des Reichstags hat der Staatssekretär v. Schoen noch manches Achselzucken über sich ergehen lassen müssen. Zwar haben der konservative Graf Kanitz und Herr v. Dirksen von der Reichspartei der Führung unserer auswärtigen Geschäfte anerkennende Worte gewidmet, aber die nationalliberalen Herren Stresemann und Arning haben mit desto größerem Freimute sich zu Sprechern der bitteren Volksstimmung gemacht, die beim auswärtigen Amt so ost die mangelnde Tatkraft und Entfchlossenheit bei der Wahrnehmung deutscher Interessen vermißt hat. Herr Liebermann v. Sonnenberg von der wirtschaftlichen Bereinigung legte seinem Unmut noch weit weniger Zügel an als die nationalliberalen Abgeordneten. Das brachte dann den leicht erregbaren Kanzler auf die Beine. Mit überraschender Heftigkeit hielt er den Schild über seinen „verdienstvollen Staatssekretär". Was er vorher über die Angelegenheit der Brüder Mannesmann gesagt hatte, war nicht viel neues. Er hielt sich an den auch von Deutschland autgeheißenen Beschluß vom 20. August 1908, mit welchem die Mannesmann'schen Bergrechte im Widerspruch stünden. Mit dürren und kurzen Worten erklärte er, daß er sich zu einem Bruch dieses Vertrages nicht hergeben wolle. Berühmte und anerkannte Rechtslehrer vertreten bekanntlich einen anderen Standpunkt. Wir hatten den Eindruck, als denn das Volk, das über den Reichslagsverhandlungen die aus allen politischen Lagern DeulschlandS laut gewordenen Warnungssignale nicht oergef'cn hat, wird wachsam bleiben. Der Kanzler, der eben erst durch die völlige Beiseiteschiebung seiner Wahlrechtsvorlage eine offene Niederlage erlebt hat, mag aus den paar auswärtigen Pressestimmen, die sich anerkennend über sein Verhalten ausdrücken, sich fein falsches Bild über feine Lage machen. Auch die deutsch-konservativen lassen sich ja zweifellos in ihrer Stellungnahme von inner- politischen Rücksichten leiten. Die dentschc auswärtige Politik braucht eine feste Hand, die allen redlichen Deutschen in der Welt eine kraftvolle Stütze fein muß, braucht einen Mann, der feine deutsche Karte abgibt und dem Staatssekretär Dernburg nochmals begreiflich machen mag, daß man auch in Kam er n n die deutsche Sprache nicht beleidigen darf. Es darf dort nicht wieder Vorkommen, daß ein farbiger Händler, der in deutschen Lauten sprechen will, zum Gebrauch der englischen Sprache angehalten wird. Der deutsche Sprachverein aber würde sich ein Verdienst erwerben, wenn er die letzten Kanzlerreden nach den darin vorkommenoen absonderlichen Fremdworlen ab.uchcu wolllc! In deutschen Landen wird nicht „extrahiert" und nicht „vinkuliert", nicht „apprafondiert" und nicht „diskreditiert". Dann schon lieber nach Bülows Beispiel ein paar Stellen aus Büchmann! Schon haben im Reichstag einige Redner und danach auch einige mißgelaunte Zeitungen die sprachlichen Ungetüme des neuen Kanzlers, der sonst gute deutsche Sätze zu sprechen weiß, derb bewitzelt. In der Schlußsitzung des Reichstags hat sich, bevor der Präsident seinen friedlichen Osterwunsch aussprach, noch ein unerfreulicher Vorgang abgespielt, der eine Siedehitze von Erregung hervorrief und auch in der Presse mit Heftig- leit besprochen wird. Der Held dieser Aufregung ist der westpreußische Abgeordnete v. Oldeuburg-Januschau, und der Gegenstand, um den es sich handelt, ist wiederum der bekannte Ausspruch über die militärische Erhabenheit Preußens in der Geschichte, den, tote alle Welt durch die Zeitungen erfahren hat, der bayerische Kriegsminister in der bayerischen Kammer als eine Geschmacksverirrung und Entgleisung bezeichnet hat. Wie daraufhin der Elbinger Abgeordnete nut dem Minister einen Ehrenhandel einleiten und den versammelten Reichstag zum Zeugen seiner unangebrachten Auseinandersetzungen machen konnte, ist uns schlechthin unverständlich. Wenn auch der Abgeordnete Müller-Meiningen auf die Erklärung des bayerischen Bundesratsbevollmächtigten besser nicht in so spitziger und herausfordernder Form gesprochen hätte, so waren die Kollegen deS selbstgefälligen Herrn aus Westpreußen doch zweifellos berechtigt, ihm ihre Meinung zu sagen. Herr v. Oldenburg freilich rief später, die Sache gehe nur ihn und den bayerischen .Kriegsminister an, aber bann hätte er für seine Privatangelegenheiten eben den Reichstag nicht in Anspruch nehmen Dürfen. Sein parlamentarisches Ansehen ist durch sein neuestes Rededuell zweifellos nicht gewachsen, und der Vizepräsident Spahn hätte unbedingt sofort mit einem Ordnungsruf einschreiten müssen, als Herr von Oldenburg sich darauf verflieg, feinen drei Widersachern den „Ehrenstandpunkt in persönlichen Sachen" abzusprechen. politische TagesSchau. Ein Fürst, der feine Zivilliste erhält, sondern noch zuzahlt. Der regierende Fürst Georg zu Schaumburg- Lippe hat seinem Minislerinm durch einen vom 7. Marz, 1910 datierten Erlaß mitgeteilt, daß er, um die Aufbesserung der Beamten - und Lehrergehälter zu ermöglichen, bei? LandeSkässe aus seinem eigenen Vermögen bic Summe von 100000 Mark zur Verfügung stelle, mit der Bestimmung, daß diese Summe solange in Anspruch genommen werden könne, bis die regelmäßigen Einnahmen, wieder die zum Ausgleiche des durch die Gdhältererhohun • gen erstehenden Mehrbedarfs erforderliche Höhe erreicht, haben. Der Fürst fügt hinzu, daß er mit dieser Zuwendung feinem Lande und seiner Beamtenschaft einen erneuten Beweis feiner landesväterlichen Fürsorge und Zuneigung geben wolle. Seine Landeskinder haben, so schreibt dazu die „D. Tagesztg.", ilrsache, ihm dafür um so bantbarer zu sein, als! der Fürst zu Schaumburg-Lippe wohl der einzige von allen europäischen Monarchen ist, der nicht nur keine Zwilliste bezieht, sondern für das Vergnügen, ein Ländchen von 340 Quadratkilometern und 41992 Bewohnern (nach der Zählung vom 1. Dezember 1905) verwalten zu dürfen, noch jährlich aus seiner eigenen Tasche seit einigen Jahren un gefähr 200000 Mark zuzahlt! Allerdings ist der Fürst in der glücklichen Lage, diese Zahlung ohne besondere Schwie rigtciten leisten zu 'können, da er bekanntlich zu den reichsten deutschen Souveränen gehört Nr. 66 Erstes Blatt 160. Jahrgang Samstag 10. März 1910 Der A 9 m^atli'ch7öV"oiertel- ViBICOBLO.BS'Hxp'A wirtschaftlicheSeitsragen ’Sr K J W effl ’Mr >r ▼ w W ” Chefredakteur: A Goetz. Fernsprech.Anschlüsse: K ■ ^antwortlich sür den für d.e Redaktion 112, _ ** politischen Teil: Ananst General-Anzeiger für Gberheffen Z-M Annahme von Anzeigen v <5. Heß; für den jiir Oie Tagesnnnnner Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.'vuch- und Steindruckerei R. Lange. Nedaklwn, Lxpedltion und oruaeret: Schltlstraste r. hii..ej(,enteil: H. Beck, bis vormittags 9 Uhr. " GieSzcner Stadttheater. Das Konzert. Lustspiel von Hermann Bahr. Ziemlich bald nach der Berliner Uraufführung, die einen recht dankbaren Zuhörerkreis fand, wurde uns Bahrs neuestes Lustspiel „Das Konzer t" gegeben, über das wir gelegentlich der Berliner und der Mainzer Ausführung eingehend berichteten. !Auch hier fand das lustige ^Stückchen trotz mancher Schwächen eine freundliche Ausnahme, an der die gute Darstellung einen wesentlichen Anteil hatte. Ohne sich durch besondere Tiefe and-- zuzeichnen, behandelt das Merkchen in manchmal platter, manchmal aber auch recht geistvoller Art die Liebeleien eines Pianisten, die von einer stillen, klugen Frau gutmütig übersehen werden, !bis sie durch den Gatten einer der „seltsamen Geschöpfe" bestimmt ;totrb, ihren Mann in seinem „Konzert" zu überraschen und ihm «eine Trennung vorzuschlagcn, damit er sein „Delfinchen" heiraten könne. Aber weder Delfine noch auch der Pianist sind damit zufrieden, und so ziehen denn die alten Paare wieder in altem Frieden heimwärts, nachdem der Musiker so im Vorüber gehen mit einer anderen Sä)ülerin kosende Worte tauscht. Die Aufführung war, wie schon gesagt, recht gut und fand auch leb hafte Anerkennung. Rudolf Göll spielte den Pianisten mit dem liebenswürdigen Reiz, der diesen Mann seinen Schülerinnen als das Ideal eines Mannes erscheinen läßt, und schuf so die .köstliche Gestalt eines kindlich unselbständigen Mannes, der sich bloß in der Nähe schmachtender Fraucnaugen wohl fühlt. Seine wackere Frau wurde von Lore Scholz mit treffender Lebensechtheit aufs glücklichste wiedergegeben. Besonders gelang cs ihr, das mütterliche Mesen sehr geschickt herauszuarbeiten, so daß sie in Wahrheit der Pol ihrer Ehe ist, wie Dr. Iura der seinen. Der etwa- sehr unwahrscheinlich anmutcndc Dr. Jura, ein toller Geselle, wurde von Karl Bolck gespielt, und es gelang dem hochbegabten Künstler dank einer klugen Mäßigung, dieser Gestalt den Schern eines wahren Menschen abzugewinnen. Sein kleines, kindliches Frauck»en war bei (Vusty Ney sehr gut aufgehoben. Fesch und nett war Fränzi Kock als Eva, drollig und humorvoll Hermann Norden als Pollinger. Von denckibrigen Darstellern, die sich unter Direktor Steingoetter^ Leitung zu einem schönen Gesamtbild vereinten, sind nameicklich noch Ada Pauly lFrau Pollinger) und Elly Gühnc (Frau Floderer) zu erwähnen. ■'v- — Die kostbarste Gabe, die Paul tzeyse zu seinem 80. Geburtstage empiaiigeii hat, ist ein Album, ein in roten (Saffian gebundener Foliant mit Widmungen von Fürsten, Staatsmännern, Dichtern und Künstlern. Das erste Blatt gehört dem Kaiser, der mit kräftiger Hand darauf schrieb: „Dem Dichter von (solberg sein dankbarer Wilhelm, Deutscher Kaiser, König von Preußen". Das ziveile Blatt war dem Regenten Luitpold emgerauml, der darauf den eigenhändig ilnterzcichueten Eintrag machen ließ: „3n Ihren Jugenderinnerungcu bezeichnen Sie es, Mein lieber Doktor Paul Heyse, als eine besondere Gunst des Geschickes, daß Ihr Leben in jungen Jahren nach Alünchen verpflanzt wurde. Auch für Plüncheu erblicke ich in dieser Fügung eine besondere Gunst des Schicksals und iviinsche von Herzen, daß ivir uns dieser Gunst noch manches Jahr erfreuen dürfen". Die Prinzen Rupprecht und Leopold begnügen sich mit dem Eintrag ihres Namens. Prmz Ludivig schreibt: „Alles, was man tut, soll man zur rechten Zeit, am rechten Platze und in der rechten Art und Weise tun". Tie Hunderte von Einträgen machen das Buch, in das auch Fürst Bulow und der jetzige Reichskanzler sich cin- gezeichnei, zu dem Fritz Aug. v. Kaulbach, Defregger, Hans Thoma, Knaus, HanS v. Bartels u a. künstlerische Beiträge geliefert haben, zu einem Unikum von hohem Werte. — I n dem Wettbewerb für den Monumental- brunnen der Deutschen in Buenos-Aires hat, wie aus Berlin gemeldet wird, das Preisgericht irach zweitägiger' Beratung die Entscheidung gefällt. Den ersten Preis erhielt der Entwurf des Stuttgarter Bildhauers Gilstav Adolf Bredow. Der zweite Preis fiel dem gemeinsamen (Entwurf des Charlottenburger Architekten Wilhelm Bo u rein und des Berliner Bild Hauers Hermann Hosäus zu. Den dritten Preis erhielt der Darmstädter Bildhauer Heinrich Jobst, den vierten Prof. Hugo Lederer (Berlin). — Entführung i t a l i e n i f ch e r st u n st f ch ä tz e nach England. Aus Rom, 17. März, wird bem B. T. gemeldet: Peinliches Ausselwn erregte hier der Umstand, daß in London u e u n wertvolle Statuen in den Handel kamen, die den versunkenen K a i s e r s chi s f e n im Nemisee entstammten. Die Statuen feine Diana und acht Nymphen) waren von einem engischen Antiquar um eine riesige Summe an den König Eduard verkauft worden. Die Angelegenheit erschien hier völlig unbegreiflich, da fortwährend eine Anzahl Karabimerie den Nimsee überwacht, um eine unerlaubte Hebung der untergegangenen Kunftschätze zu verhindern. Es hat sich nun herans- gestellt, daß Taucher aus Civitavecchia, angeblich „im Auftrage des Ministeriums", im Nimsee arbeiteten und allerlei Kost- barfeiten der Tiefe entrissen. Es scheint, daß es sich hierbei um die nach England geschmuggelten Statuen handelte. — Eine etrusk i sch e Toten st ad t. Aus Italien bringt in letzter Zeit fast jeder Tag dem Altertumsfreund eine erfreulich. Kunde. Auch auf dem umstrittensten aller Gebiete, der Geschichte des dunklen Etturiervotks, wird jetzt, wie das B. T. meldet, manches durch neue Funde ausgehellt. Soeben geht uns wieder die Nachricht von einer bedeutungsvollen Entdeckung zu. In B o l o g n a hat man eine hochinteressante etruskische Totenstadt ausgefunden, von der man »vertvolle Ergebnisse erwartet. Bisher wurde ein Grab auSaegraben, das ein wohlerhal tenes Skelett, außerdem prächtige Basen, Statuetten und ein Würfelspiel enthielt. .'Die Ausgrabungen sollen in großem Umfang fortgesetzt werden. DK. Der Dieb deS i l l e t" entdeckt! Einern Telegramm aus Sau Fraueiöeo zufolge hat ein junger Dialer den Diebstahl des vor einigen Tagen in San Francisco ver- schlvundenen Gemäldes von M i l l e t cingestandeu. Er behauptet, daß er das Gemälde nur genommen habe, um es zu kopieren und beabsichtigte, eS wieder an feinen Platz zu schaffen, nachdem er mit der Kopie fertig geworden sei. TuS Gemälde hat keine nennenswerte Beschädigung erlitten. — Eine interessant« Na turvrschei nnng. An! den Untergang Pompejis erinnert bis zu einem gewissen Grade eine Naturerscheinung, bic sich in den letzten Tagen in N e w - Orleans gezeigt Hai Ticke schwarze Wolken erschienen plötzlich in großer Höhe über der Stadt, nfa sie den Hellen Dpg in beinahe völlige Nacht verwandelten. Außerdem siel allerorten ein seiner Staub, der den Bewohnern daS Atmen außeriordcnt^. (irt ersclMerte Auch die bekannten Erscheinungen im Leben der Tierwelt ängst'lichles Umherflieaen ber Vögel, Unrnhigwerdwi aller aHnstiere nsw. - eigte sich. Wie vonz Meteorologen behauptet n>irb, müssen in Mexiko und Zentralamerika große Vulkanansst brüche stattgefunden haben. Die dabei in große Höhe geschleuderten Staubmasseir sind von heftigen Luftströmungen erfaßt unb bis nadj New^OrlemiS getrieben worden. - Westafrika im Altertum. Die Kenntnis, die die, alten sstömer von den Ländern im Süden des Atlas hatten, scheint doch erheblich ausgedehnter gewesen zu sein, als bisher gewöhnlickx, aeqlaubt wurde. Mit der Frage, wie weit diese Kenntnis gereicht' hat und wie sie ben Tatsachen entsprach, beschäftigt sich ein Buch, des Kapitäns R. Avelot: „L’Afriqac occidentale an temps den Antonius“, das vor kurzem in Parts erschien. Avclot geht von der Nauiengebung des PtolemänS für die Küste und das Innere Mest- afrikaö, sowie von seinen Berichten über die dort wohnenden Stämme aus und kommt dabei ztim Restiltat, daß die Kenntnis der Römer von Westafrika etwa btS zu einer Linie reichte, die von der Jtisel Sherbro am Atlantischen Ozean quer durch den Niger bogen nach Say läuft. Diese Kenntnis soll ztl einem Teil auf direkten Erfahrungen, zum anderen auf Erzählungen von Eingeborenen beruht haben, die an der Küste mit den römischen Handelsschisfen tn Berührung kamen. Der Fluß Tarad des Ptole- inänS ist nach Llvelot der Senegal, den die beule dort wohnenden Wolof als Tdar kennen, Kap Arsinarion soll Kap Berde fein und der Fluß Nta der Gambia, an dessen Quelle ein Hügel noch heute Niafwa, d. u Haupt des Nia, heißt. Die „schwarzen Getuler", / chen, junge Mädchen und 5t rüde r. Der Verkehr var zeitweise lahm gelegt Der Zusammenstoß, zu dem es hier und da mit der Schutzmannschaft kam, die nicht ölank gezogen hatte, hatte eine Reihe von Sistierungen zur Folge. In Magdeburg kam die von den Metallarbeitern geplante Straßenkundgebung nicht zur Ausführung. In Kiel erklärte das sozialdemokratische Preßorgan: .Nachdem der Massenstteik am Dienstag großartig gelungen sei und die ausgesperrten Arbeiter mit über 34 000 Mark hätten entschädigt werden können, sollten derarttge Stteiks so lange fortgesetzt werden, bis ein allgemeines Wahlrecht erreicht sei. Ans Hessen. R. B. Darmstadt, 18. März. Das Finanzministerium hatte an den 1. Ausschuß der Zweiten Kammer der Landstände eine längere Zuschrift wegen Umgestaltung des Gemeindeumlagenwesens gerichtet. Zn gemein- sanier Beratung beschlossen die hessischen Handelskammern an ihren Vorschlägen, welche sie auf dem letzten Hessischen Handelskammertag in Mainz bezüglich der lünftigen Ausgestaltung der Gewerbesteuer der Großh. Negierung unterbreitet haben, festzuhalten. Dieser Standpunkt der hessischen Handelskammern ist in einer nochmaligen Eingabe der Großh. Negierung unterbreitet worden. Durch den Anschluß der dem akratischen Organisation an die neue fortschrittliche Volkspartei ist, wie man in einigen Blättern liest, dieLandesorganisaüon der hessischen Linksliberalen wesentlich gestärkt worden. Die fortschrittliche Volkspattei wird bei den Reichstagswahlen 1911, wie m allen hessischen Wahlkreisen, auch int Wahlkreise Mainz- Oppenhelm mit einem eigenen Kandidaten in den Wahlkampf treten. / Deutsches Reich. Wie aus Berlin berachtel w'iro, wird Generaloberst von der Goltz au, besondere Befehl des Kaisers die deutsche Armee uitb das TeupchL Reich bei den Feiertichleiten vertreten die in Buenos Aires ut der zweiten Hälfte des Mai aus Anlaß der Jahryundertfeier der argenlmcsäM Unabhängig keits- etHänmg stattsinden. Jn einer Beiprechung der letzten Ausführungen desReichs - kanzlers schreibt das Wiener „Fremdenblatt": Gestern ist der Reichsunrzler mit dem beitimmten Ausspruch aufgetteten, er wolle die Verantwortung für die gesamte auswärtige Politik tragen. Tie loyale Art, die ihn nicht säubern ließ, die ganze Verantwortturg dem Reichstage gegenüber auf sich zu nehmen, hat ihn auch in seiner diplomatischen Stellungnahme zur Maroklvaffäre bestimmt, das sichert seiner Rede so starke Stiirhingen. Im Reichstage und nicht minder im Auslande ist man der Meinung, daß er ein Mann der loyalen Pflichterfüllung ist, der da gesprochen hat. Es gibt keine bessere Bürgichaft für eine bestimmte stetige und besonnene Richtung der auswärtigen Politik, als zu wissen, daß sie von einem solchen Geiste geführt wird. Tie Stärke der deutschen Politik liegt gerade in solcher Loyalität gepaart mit Stetigkeit. Ter deutsche Reichstag hat zu dieser Politik sehr oft seine Zustimmung bekundet. Um den Veteranen von 1870 wie 1895 so auch jetzt ■nad)! 40 Jahren den Besuch der Schlachtfelder zu er= leichtern, bestimmte der Kaiser, daß auf den Strecken der preußisch-hessischen Staats- und Reichseisenbahnen während des Monats Mai bis Ende Dezember^ der Fahrpreis für die Reisen der Kriegsveteranen nach dm Schlachtfeldern und zurück auf ben Militärfahrpreis herabgesetzt werde. Für die 3. Klasse werden eine Militärfahrkarte, für die 2. Klasse zwei Militärfahrkarten zu lösm sein; auch wird die Benutzung der Schnellzüge ohne Zuschlag freigegeben. Tie näheren Bestimmungen werben rechtzeitig bekannt gemacht. Ausland. Aus Prag wird gemeldet: Wegen der ungerechtfertigten Entlassung eines deutschen Schülers aus der hiesigm gemischtsprachigen Kunstgewerbeschule waren sämtliche deutsche Schüler dieser Anstalt in den Aus st and getreten. Am Freitag wurden von dem tschechischen Professorenkolleginm drei deutsche Schüler als Leiter des Streikes ausgeschlossen; die übrigen erhielten eine Rüge. Ter französische Senat setzte am Freftag die Beratung des neuen Zolltarifes fort. Bei der Nr. 350, Glas- und Kri st all waren, verlangte G u e r i n die Aufrechterhaltung des Tarifs von 1892 und erklärte, die vorgeschla- genen beträchtlichen Erhöhungen schienen sich hauptsächlich gegen Deutschland und Belgien zu richten. Der Bericht- 'erstatter und der Vorsitzende des Ausschusses erhoben Widerspruch hiergegen und versicherten, der Ausschuß habe die französischen Interessen schützen, aber keineswegs die eine ober andere Nation treffen toolten. Auf Vorschlag des Handelsministers wurde die Nr. 350 genehmigt unter Streichung der sechs letzten Artikel betr. Reflektoren, Lampenschirme und Glasglocken, für die die Satze des Tattfs von 1892 aufrecht erhalten wurden. Die englische Regierung gibt bekannt, daß brei» waren nach Avelot ein Zweig der westlichen Berber, die »roten Aethwpier" die Fulde und die »Aethwpier des Niger" ein Gemenge aus Mandmgostämmen. Wenn diese Erklärung richtig ist, düttle das Negergebiet zur Zeit des Ptolemäus sich noch viel weiter nach 91orden ausgedehnt haben als heute. — Rostands vChantecler"ziehtschon nicht mehr! Trotz aller Reklame läßt, wie man aus Paris schreibt, der Andrang zu ben_ Vorstellungen im Theater Porte Samt-Martin so stark nach, daß die Direktion mit der Absicht umgeht, das Stück im nächsten Monat abzusetzen. Rostands Gläubiger sollen in 'Heller Verzweiflung sein. — Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. Der zweite deutsche Kongreß für Säuglings schütz in München wird am 20. und 21. Mai stattfinden. Aut der Tagesordnung steht u. a.: Ter Säuglingsschutz in der Reichs- versicherungsordnung (Regierungsrat P i st o t aus Darmstadt). Gleichzeitig hält auch die bayerische Zentrale für Säuglings- sürjorge eine Sitzung ab. — Am 20. März begeht der ordentliche Professor Tr. theol. Martin Kähler in Halle seine 50jährige Dozenlenfeier. Er ist am 6. Januar 1835 zu Neuhausen bei Königsberg i. Pr. geboren. — Prof. Ton. B. M a c m l l l i a n will im Juli 191) aufbrechen, um das >906 von Peary unter 83 Grad dl bis 102 Grad W gesichtete Erockerland westlich von Grantland zu 'erforschen. — Knud R a s m u i s e n, der erst kürzlich von einem fast zweijährigen Aufenthalt in Nordgrönland zurückgekehrt ist, hat sich das Studium der zentralen Eskimos im nördlichen Amerika als neues Ziel gewählt. — Seinen 70. Geburtstag begeht am 20. ds. der Geheime Justizrat Prof. Dr. jur. Paul Krüger an der Universität Bonn. Der Gelehrte wirkte von 1870—72 rn Marburg und liest seit 1888 in Bonn. — Semen 70. Geburtstag begeht am 22. März der Zoologe Geh. Neg.-Rat Prof. Dr. phil. et med. Franz Eilhard Schulze in B e r l i n. Der Forscher ist am 22. März 1840 in Eldena bei Gret'swald geboren. — In Berlin ist am 18. ds. der Romanist, ord. Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität und Mitglied der preuß. Akademie der Wissenschaften, Dr. Adolf Nobler, im 75. Lebensjahre gefror b c n. Er stammte ans Hirzel bei Zürich und lehrte seit 1867 in Berlin. — Im 71. Lebensjahre ist in Berlin der Gesang- pädagoge Giovanni Lampe rti gestorben. Italiener von öeburt, lebte er seit etwa 30 Jahren in Deutschland, meist in Dresden und seit etwa; 5 Jahren in Berlin. prvzentige Schabbonds im Bettage von 21 Millionen Pfund zum Kurse von 99y2 zur Ausgabe gelangen. Aus Petersburg wird bettchtet: Im Zusammenhänge mit der Präsidentenkrisis in der Reichsduma behaupteten die Blätter, Chomjakow habe das Präsidium niedergelegt, nachdem er vom Ministerpräsidenten infolge des Umstandes, daß am 17. März viele Tumaabgeordnete beim Erscheinen des Unterrichtsministers die Rednettttbüne und den Saal verlassen hätten, ein Schreiben erhalten habe. Ferner behaupteten die Blätter, Chomjakows Rücktritt sei durch das nicht immer wohlwollende Verhalten der Regierung zum Dumapräsidium veranlaßt worden, die in der Reichsduma einen die Wirksamkeit des Staatsmechanismus beinahe erschwerenden Apparat sehe. Offiziell wird demgegenüber erllärt, der Ministerpräsident habe aus dem erwähnten Anlasse an Chomjakow überhaupt nichts ge- schrieben, und die Behauptung, die Regierung verhalte sich dem Präsidium gegenüber nicht wohlwollend, sei völlig falsch; die ihr zugeschriebene Ansicht über die Reichsduma widerspreche den tatsächlick)en Umständen. Wie aus Sofia gemeldet wird, sind die den Mazedoniern nahestehende Presse und einzelne oppositionelle Parteiorgane über den bevorstehenden Besuch des Königs von Bulgarien und seiner Minister in Konst antinopel sehr aufgebracht und erklären, der Besuch sei geegn die Interessen des bulgarischen Volkes gerichtet und in einem Zeitpunkte unzulässig, wo die ganze Nation infolge des Blutbades in Rustschuck, das wegen einer Türkin unter bulgarischen Bürgern angerichtet worden sei, in Auftegung und Trauer sei. Aus Täbris wird gemeldet: Wie verlautet, haben sich Sattar Khan und Bagir Khan, nachdem ihnen gewaltsame Entfernung durch persische reguläre Truppen angedroht worden war, sich bereit erklärt, sich mit ihren Reitern nach Teheran zurückzuziehen. Die Regierung zahll die Reisekosten int Bettage von je 3500 Toman. Aus Stadt und Land. Gießen, 19. März 1910. Buß- und BeLtag. Hessen hält am Palmsonntag seinen Buß- und Bettag. Auch die, die im allgemeinen den Polizeischutz eingeschränkt haben wollen, machen vor dem Buß- und Bettaae Halt. Mit vollem Recht! Das ist diesem Tage eigen, daß sich der Landessürst zum Volke neigt; er gibt die Texte an, über die gepredigt werden soll. Offenbar drückt sich hierin der Grundgedanke des Tages aus: allgemeine Beugung vor Gott; Fürst und Volk sind vor dem Allmächtigen eins. In der Tat, so wenig sich in der Familie der Vater von den ©einen trennt und trennen läßt, so wenig lassen sich Oben und Unten in Staat und Volk scheiden. Beide haben ihren Anteil am allgemeinen Glück und Leid, aber auch an der gemeinsamen Verantwortung und Schuld vor Gott. Tie Gegenwart mit ihrem durch und durch sozialen Empfinden ist tief durchdrungen Don der Solidarität der Interessen und der Verantwortung aller. So kommt jener christliche Gedanke zu Ehren, daß einer des anderen Last mittragen soll. Es kann nur nützlich sein, wenn sich ein Volk darauf besinnt, wie viel noch daran fehlt, bis mir auf der Höhe unserer Pflicht stehen. Viöge der Buß- und Bettag dazu mitwirken! Wie viel ist noch zu tun, bis die oberen Klassen sich ihrer Verantwortung gegenüber vom Geschicke Minderbegünstigter voll bewußt sind! Wie viel mehr Wachsamkeit sollten wir gegen die entsittlichenden Einflüsse beobachten, welche wie eine verheerende Flut in das Volksleben einbrechen! Welche Hingebüng erfordert die Jugendfürsorge in unserer Zeit, und wie sehr fehlt es da überall, nicht zum mindesten in den Familien selbst! Wenn der Reichstag sich mit der Bekämpfung des Schmutzes beschäftigen muß, welch einen Blick läßt uns das in gewisse liebel» stände tun! So findet sich Stoff genug, der die Menschen zur Besinnung und zu ernstem Nachdenken veranlassen mag. Die, die für eines ganzen Volkes Besinntag nichts als ein Lächeln ober einen Witz haben, verstehen weder die Zeit, nocy sich selbst. Der Buß- und Bettag ist mitten in dem hastenden Treiben ein ernster Haltepunkt; er erinnert an jene Säule mit der Inschrift: Sta viator! Steh' stllle, o Wanderer, besinne dich auf dich selbst! * ** Tageskalender. Stadtt Heater: Sonntag nachmittag 31/, Uhr: „Narziß", abends 77z Uhr: „Tantris der Narr". Kolosseum: Täglich Vorstellung (Ringkämpfe). Kinematograph: Täglich Vorstellung. Biograph: Täglich Vorstellung. * * * Lehrerpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der höheren Bürger- (Mädchen-) Schule zu Büdingen Elisabeth Lerch auf ihr Nachsuchen, unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste. • ** Landeshypothekenbank. Der Gerichtsschreiberaspirant Gg. Hill aus Storndorf und der Finanzaspirant Wilh. F e y h aus Wallernhausen wurden zu Bankassistenten bei der Landeshypothekenbank ernannt ** Ans dem Militär-Wochenblatt. Riedesel Frhr. zu Eisen dach, Lt. im Hus.-Regt. Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg (2. Kurhess.) Nr. 14, vom 29. März bis 30. Juni 1910 zur Dienstleistung beim Herzog von Sachsen-Meiningen kommandiert. Welter, Geh. Kriegs- rat, Jntend.-Rat von der Intendantur des 18. Armeekorps, Kieselbach, Rechnungsrat, Proviantamtsdirektor in Mainz (Armee-Konservenfabrik), auf ihren Antrag mit Pension in den Ruhestand versetzt. Garnison-Verwaltungsinspektor Rach in Stade nach Gießen versetzt. ** Die Aussichten für das Baugewerbe liegen in unserer Stadt in diesem Jahre weit günstiger als zu An- fang der Bausaison in den beiden letzten Vorjahren. In folgenden Stadtteilen, bezw. Straßenzügen sind neue Wohnbauten bereits genehmigt unb teilweise schon begonnen: In der Schwarzlach: Weserstraße (2 Häuser), Ederstraße (Doppelhaus), Marburger Straße (2 und 1 Doppelhaus); Seltecs- berg: an der neuen Vetcrinärklinik (2 und 1 Doppelhalls), Wllhelmstraße, Friedrichstraße, gegenüber der Augenklinik, (1 Doppelhaus), Liebigstraße (Villa), Ludwigstraße (Villa); Stephansmark: Gocthestraße, Bismarckstraße, Kepplerstraße (1 Doppelhaus), Gutenbergstraße; jenseits der Lahn: Rod- heirner Straße gegenüber bem Schlachthof (1 Doppelhaus). Innenstadt: Wallthorstcaße, Löwengasse, Seltersweg (2 eoent. lloch 3 Geschäfts- und Wohnhäuser), Neustadt (2). Hiernach wlrd die diesjährige Balisatson mit 26 Neubauten für Wohnzwecke, darunter 6 Toppelhäliser, ihren Anfang nehmen. Mit Staats- und Gemeindeballten von größerer Ausdehnung sieht es allerdings weniger gut ans. Die Stadt wird zwar in allernächster Zeit mit den Arbeiten für den Wasserturm in der Nähe der .Schönen Aussicht" beginnen. * * 91 n sämtlichen hiesigen Schulen beginnen heute die Osterferien, die 14 Tage dauern. Am Montag, 4. 9lpril, beginnt das neue Schuljahr. • • Kreisturnfest. Die beiden der deutschen Turner- schaft angehörigen hiesigen Turnvereine haben für den am 24. April stattfindenden Kreisturntag den Antrag gestellt, bei der Wahl des Festortes für das übernächste, 19 12 zu feiernde Kreisturnfest Gießen zu wählen. ** Verband der hc f f i j djien Detai kl i sten-Verein«!. In der am Donnerstag ftattgefmtbenen Ausschuß- Sitzung legte Kaufmann. A. I. Supp-Darmstadt infolge Ar- beitdüberbäufung und anderweitiger starker Inanspruchnahme das Amt des 1. Vorsitzenden nieder. An seine Stelle trat Kaufmann Wilh. Kalbfuß-Tarmstzadt. Herr Supp, dessen Verdienste um den Verband alffeitige Anerkennung fanden, wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Den Bericht über die seitherige Tätigkeit des Vorstandes erstattete noch Herr Supp. Die weiteren Punkte der Tagesordnung!: Hansa-Bund, Ter neue Gemeindesteuergesetz-Entwurf, Anschluß an die Interessengemeinschaft, Regelung des Äusser kaufswesend im Grvßh. Hessen, Vergebung staatlicher Lieferungen unter Umgehung des Zwischenhandels, Kaufmännische Fortbildungsschulen, gaben zur regen Ausspvack)e> und entsprechenden Beschlüssen Veranlassung. Der Inhalt des Verbandsorgans wurde allgemein als sech: gut und praktisch anerkannt, da er neben den sachlichen Ausführungen manche Handhabe zur Selbsthilfe bietet. — 'Ter Verbmwstag findet am; 22. Mai in Friedberg statt. ** Kinematograph. Man schreibt uns: Das Theater lebender Photographien bringt mit seinem heutigen Programm- wechssl Schlager ersten Ranges. Besonders hervorzuheben sind „Die Liebe des Hauptmanns d'Armagnac", eine historische Handlung in 30 Bildern, sowie „Tie Ehre seiner Geliebten" und „Die Seele des Vaters'", welch letzteres sich an der Wasserkante! abspielt. Sehr interessant und belehrend ist auch die mikroskopische Aufnahme „Tic Entstehung der Fliege und ihre Gefahr für den Menschen", sowie die Naturaufnahme „Aus den Höhen vm Engadin". Ten Freunden des Humors ist mit „Sie wählt sich einen Mann" und „Ein Pechtag" Rechnung getragen. Ten Schluß des Programms bildet das Tonbild „Madame JneogNitv". ♦* In Amerika verstorbene Hessen. Frau. Marg. Eliza Klinziug, 64 Jahre alt, geb. Hörschelmann in Brooklyn, Joh. Groninger,51 Jahre alt, in Brooklyn, Adam Arnold, 79 Jahre alt, in Baltimore, Gg. Christian Heß, 65 Jahre alt, in Pittsburg, Maria E. L 0 ch m a n n, geb. Heyl, 88 Jahre alt, aus Hainichen i. Oberhessen, in Alleghany. △ Große n-L ind en , 18. März. Zwei Gesangs- we tt st reite finden hier im Monat Mai statt von den Gesangvereinen Harmonie und Germania. Der eine Wett- stteit ist am Pfingstmontag, der andere am 29. Mai. ----- Alsfeld, 18. März. An der städtischen höheren Bürger-(Mädchen-)Schule zu Alsfeld unterrichteten im Schuljahr 1909/10 einschließlich des Direktors Tr. Pitz zehn Lehrkräfte, darunter fünf weibliche. Die Zahl der Schülerinnen betrug 89, es traten eine Schülerin ein und fünf aus. Aus Alsfeld stammten 78, aus anderen hessischen Orten acht und aus nichthessischen Orten drei Schülerinnen. = Butzbach, 18. März. Die la n despolizeilich eAbnahme der Strecke Rockenberg-Bad-Nauheim, der neuen Nebenbahn von Butzbach nach Bad-Nau- heim, ist auf Donnerstag, 31. März, festgesetzt worden. = Bad-Nauheim, 18. März. Die Gemeindesteuern mürben für 1910 nach dem Haushaltungsvoran- schlage wieder wie im vorigen Jahre mit 123,6% festgesetzt. = Friedberg, 18. März. Für die Leitung der Bahnhofsumbauten hier unb in Bad-Nauheim wird vom 1. April ab eine Großh. Eisenbahn-Bauabteilnng mit dem Sitze in Friedberg eingerichtet werden. Zum Vorstand der' Bauabteilung ist Eisenbahn-Bau- und Bc- triebsinspektor Sarrazin von Frankfurt a. M, bestellt worden. L. Friedberg, 18. März. Heute fand in unserer; Stadt der Schulen verschiedene Ei^tlassungsfeiern statt. Die Feier am Prediger-Seminar war von Angehörigen der Kandidaten nnb vielen Geistlichen von hier und auswärts stark besucht. Zur Aufnahmeprüfung ins Seminar hatten sich 24 Schulpräparanden ein gefunden, die auf keiner Präparandenanstalt waren. Nach der schriftlichen Prüfung wurden zwölf junge Leute entlassen, so daß nur zwölf die mündliche Prüfung mitmachten. Das Prüfungsergebnis wird ihnen schriftlich mitgeteilt werden; von der Präparandenanstalt Lich kommen 41 Präpa- raitSen in die Unterklasse. —0. M ain z, 18. März. Als G es ch en k de s Gr 0 ß- Herzogs ist für den hiesigen Stadtpark, einem Gesuch des Verschönerungsvereins entsprechend, ein prächtiger Damhirsch aus dem Groß-Gerauer Tierpark des Großherzogs eingetroffen. Später sollen einige junge Tiere nachfolgen. Die durch die Blätter geganenc Nachricht, sämtliche Rehe im Stadtpark seien eingegangen, war unrichtig; nur vier Tiere sind vereitdet, eines infolge Ueberfütterung durch die Parkbesucher. Mehrere Rehe werden demnächst auch aus Bosnien emtresfen, da der dortige Schlag widerstandsfähiger ist. — In einer Wirtschaft fand eine Kellnerin zusammengeknittert in einem Kuvert 16 Hundertmarkscheine., Nur die Neugier verhinderte, daß sie das Papier wegwarf,! denn sie vermutete einen „Liebesbrief" darin. Den Geldfund meldete das Mädchen ehrlicherweise sofort an und der Verlierer hat sich nun auch, gemeldet. Der Mann hatte keine Ahnung von feinem Verlust, erst durch die Zeitung wurde er veranlagt, seine .Taschen zu revidieren. Q Marburg, 18. März. Dem in den Ruhestand versetzten Marburger Universitäts-Kurator Geh. Oberjustizrat Prof. Dr. Schollmeher wurde die Würde eines Ehrendoktors verliehen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und ben Nachbar st aaten. Bei der Bürgermeifterwahl in Maibach wurde Herr H. Möckel, ein Enkel des verstorbenen Bürgermeisters Saltenberger, cinftimmig mit 37 Stimmen gewählt. Herr Möckel zählt erst 28 Jahre und dürfte somit der jüngste Bürgermeister in bO er Hessen, vielleicht in ganz Hessen sein. — Im Alter von 96 Jahren starb die älteste Einwohnerin, Frau Elisabeth Jung, in O ck stad t. — Ter ehemalige Landwirt und Weber Herr Phllipp Heil in Schlitz starb im 89. Lebensjahre. Ter Verewigte erfreute sich bis ans Ende seiner Tage seltener Geistesftische und körperlicher Rüstigkeit. Gerichtssaal. Berlin, 18. Marz. Die Strafkammer verurteilte die aus Berlin stammende Masseuse Jvsefine B e n d l wegen verleumderischer Beleidigung des Chefs des Militärkabinetts, Frhrn. v. Lyncker, zu acht Monaten Gefängnis. Die Airgeklagte behauptete, in Ndonte Carlo den angeblichen Conte Hochberg kennen gelernt zu haben, der dem französischen Kriegs- minister Piquart versprochen habe, Festungs- unb Mobilisieruugs- pläue, u. a. den Plan der Festung Metz, für zwei Millionen Franks zu verkaufen. Der angebliche Conte Hochberg sollte, wie die Angeklagte nach einem Bilde erklärte, identisch fein mit dem Frhrn. v. Lyncker. Bei der Gegenüberstellung mit dem General widerrief sie aber diese Behauptung Durch umfangreiche Ermittelungen der politischen Polizei wurde festgestellt, daß die ganze abenteuerliche Geschichte völlig erfunden ist. Berlin, 18. März. In dem Prozeß gegen den Reisenden Karl W 0 l l w i tz wegen Tötung seiner Geliebten, der Frau Wiesen er. wurde heute nachmittag das Urteil gefällt. Wollwitz Hotel Grossherzog von Hessen. Vollständig renoviert und neu ausgestattet. Mit allem Komfort der Neuzeit versehen. 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Nach Schttitz der Versammlungen zogen die Teilnehmer nach der prenßttchcn Gesandtschaft, wurden aber, kurz bevor sie die Gesaiidttchast er reichten, von einer Schutzmannskette aufgehalten. Die Meng? wandte sich nach der inneren Stadt zu, wo sie sich unter Hoch^ rufen auf das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht zerstreute. Paris, 19. März. Auf Gouadcloupe kam es zu einem Zusammenstoß zwischen den Truppen und aus ständigen Arbeitern, wobei 3 Personen getötet und 12 verletzt wurden. Konstantinopel, 19. März. Der Minister des Innern forderte die Presse auf, Angriffe auf die bulgarische Regierung zu unterlassen, acet auch keine enthusiastische Ar titel anläßlich des bevors1el)enden Besuches des Königs von Bulgarien zu bringen. Athen, 19. März. In Tessalieu besetzten Bauern die Güter einiger Großgrundbesitzer auf gewaltsamem Weg, wurden aber von Gendarmen wieder vertrieben Die griechische Regierung erneute aus diesem Anlaß ihre der türkischen Regierung gemachten beruhigenden Mitteilungen. ' tvurbc zuzehnjährigemZuchthausund zehnjährigem Ehrverlust unter Anrechnung einjähriger Untersuchungshaft verurteilt. Leipzig, 18. März. Der Zimmergeselle Georgi wurde vom Schwurgericht wegen Mordes zum Tode und Sum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und wegen Diebstahls zu 'mci wahren Zuchthaus verurteilt. Georgi hatte am 4. Aug. 1909 den Oberregierungsrat Frhr. v. Wöhrmann in Prödel erschlagen ^StSgar t, 18. März. Das Kriegsgericht verurteilte den Leutnant v. Gräv enitz vom Dragonerregiment Nr. 26 wegen Mißhandlung Untergebener in 53 Fällen, sowie wegen vor'chriftswidriger Behandlung und Beleidigungen zu vier Monaten Festungshaft. Die Öffentlichkeit war wegen Gefährdung militärdiettstlicher Interessen während der Dauer der Verhandlung aU§°R ö^ni^ bergi. Pr., 18. März. Der Strafsenat des Oberlandesgerichts beschloß aus Antrag der Verteidiger Dr. Salz- mann-Allenstein und Hahn-Berlin, die verhaftet gewesene Frau von Schönebeck gegen eine Kaution von 50 000 Mark aus der Untersuchungshaft zu entlassen, indem er annahm, daß ein dringender Verdacht der Anstiftung zum Morde nickst Dortege.nc^, M^rz. Das Zivilgericht sprach den Bischof Turinaz frei, der von einer Anzahl VolksschullehrervereiNi- mingen verklagt worden war, weil er ein Kollektivschreiben der französischen Bischöfe mtterzeichnet hatte, in dem der Gebrauch bestimmter Schulbück)er unterlagt wurde. In der Urteilsbegründung wird erklärt, daß die Klage der Vereinigungen unzulässig fei; die Volksschullehrer hätten jeder persönlich gegen den Bischof vorgehen müssen. vermischtes. v Zu dem Brand des Ems er Kurtheaters erfahren wir noch, daß das Bühnenhaus nur sehr wenig gelitten hat, daß aber der prächtige Zuschauerraum vollständig zerstört ist Auch der Vorhang hat dem Feuer widerstanden. Bei dem Sturz des großen Kronleuchters wären unt ein Haar der Branddirektor Pfeffer, sowie der Wachtmeister Schmidt zerschmettert worden, die in nächster Nähe standen. Die angrenzenden Gaschöse selbst sind mir wenig beschädigt worden und können den Betrieb vollständig aufreckst erhalten. In der Nacht sind die Flammen noch einmal aus dem bewachten Trümmerhaufen emporgeschlagen, sie wurden aber bald bewältigt. — Mit dem 2ßid)crauTbau wird schön am Montag begonnen werden. Die Ursache ist noch immer nickst ausgeklärt. Kleine TdflC@(6rottiL Gin großer Seidendiebstahl wurde in der gestrigen Nacht in dem Seideneugrosgeschäft von Moritz Perl in Berlin verübt. Die Diebe stahlen für annähernd zehntau, end Mark Seidenstoffe und Seidenbänder. . Der Ruthenberg'sche Ballon, der nach (einem letzten Unfall m einem Schuppen zu Hamburg untergcbrackst war, ging gestern in Flammen auf, weil ein Arbeiter aus Unvorsickstigkeit eine Ätlampe umwarf. . t .. m , Von einem großen Schadenfeuer wurde gestern früh die Putzwollfabrik von Jacobsohn Gebrüder in Berlin heimL>L>L>L> Panther-StlCfd Vorzüge neuzeitlicher :: .. y ..... 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Rcchnungöablagc. 3. Voruandswahl. 4. Verschiedenes. V7/3) Der Vorstand. 30000000000