{60. Jahrgang Verlag u. ^Petition 51 einem gü>rihlichen Ende zu führen. Ich roerbe aber mit Schaper erst dann einen Vertrag ab- schließen, nacl-dem ich die Zustimmung meiner Kollegen in bei A. W. Hofmann. 14. Dezember 1886. politische Tagesschau. Ein Reichstagsabgeordneter im Gefängnis. Erster via» Adresse tüt Depesche«: Anzciger «irfcnu Hochverehrter Herr Geheimrat! Endlich erhalten Sie die versprochenen Photographien. Die Sendung hat sich so lange verzögert, weil ich immer hofft«. Ihnen noch eine Photographie meiner Gruppe von der Ausstellung beilegen zu können, es ist aber .bis jetzt noch feine gemacht worden, die ich versck-enken möchte; sobald dies geschehen ist, erhalten Sie dieselbe nachgesandt. Ich bin jetzt mit aller Liebe an der Statue Liebigs und gebe Mch Miwia An» 'daß ßiiß wie die archepeu, damit ELetutiv-Kommission erhalten habe.. Mit bestem Grube der Ihrige IX. F. Schaper an H. von Rügen. Berlin, den F. Schaper. VIII. A. W. Hoffmann an H'. v. Rügern Berlin, den 10. Dezember 1886. HochgeelpTter Herr und Freund! Vielen Dank für Ihren Brief und den einliegenden Plan. Ich habe mü Schaper nochmals konferiert und gestern den einliegenden Brief von ihm erhalten. Sie wissen, daß ich von Anfang an seine Ansicht geteilt habe. Der Gedanke, dem Denkmal zu Liebe, den Haupteingang der Aula mit Strauchwerk zu verdecken, ist mir ein schreckenervegender. Man hat den Versuch in unerfreulichster Weise in Berlin gemacht, indem man dem VegaS'scheu Schüler-Denkmal einen grünen Hin- grund gegeben hat, wodurch Schinkels Monument so ver- imftaltet worden ift, bah das Schillerdenkmal als ein öffentliches Aergernis dasteht. Schaper untentrannt unterdessen eine Arbeit nach der anderen Und wird, wenn das Gießener Comittz auf dem Platze besteht, mit halber Kraft und halbem Interesse an die Sack-e herantreten. Was mich anlangt, so glaube ich getan zu haben, was ich tun konnte, um ein Werk, dem ich 13Jahre meines Lebens gewidmet habe, zu Donnerstag, 15. Dezember 1910 Ver«O4prei4: monatlich 75 Ps^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestell«. Zeilenpreis: lokal 15 Pf^ auswärts 20 Plenniq. Ehesredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den Sur Geschichte der Gießener Liebigdenkmals. II. VI. sr. W, Hofm-ann an H. von Rügen. Berlin, den 7. November 1886. Hochverehrter Herr und Freund! Ich beeile mich Ihnen mitzuteilen, daß ich soeben eme Zn- schnmenkmlst mit Prof. Schaper gehabt habe. D-er selbe sagt mir, daß er sich nach reiflicher Ueberlegung für Marmor entschiedeil habe. Es fehlt nun zum Abschluß emes Vertrags nur noch die Entscheidung der Platzfrage. Säsoper Ijält noch wie vor an der Ansicht fest, daN das Denkmal entert grünen Hintergrund haben müsse. Er will aber die Möglichkeit, ob ein solcher vor dem Unwersüätsgebaude geschaffen werden könne, nochmals in Erwägung ziehen. Er bittet deshalb um einen kleinen Situationsplan, aus dem mau aber die Maße genau ersehen könne. . . Würden Sie die Güte haben, mir einen solchen Plan, der mit in Linien ausgeführt zu sein braucht, öu übersenden. Mü hochachtungsvoll em Gruße freundschaftlichst bei Ihrige QL W. Hoffmann. VII. F. Schaper an A. W. Hoffmann. Berlin, den 9. Dezember 1886. auch sehr gering sein und das Laubwerk immer etwas dünnes und durchsichtiges behalten. Das Maß des Universitätsgebaudcr von dem Straßentrottvrr wird 25 Meter sein. 10 Meter toürbf man als Abstand des Denkmales von dem Trottoir, um einen genügenden Abstand zur Betrachtung zu haben, brauchen. Zehr Meter müßte die Straße vor dem Gebäude selbst breit fein. 4—5 Meter müßte man für die Rückenansicht des Denkmales haben. Es würde also ohne eine empfüidliche Beschränkung des Raumes für Bepflanzung überhaupt kein Platz sein. Man sollte dich in erster Linie für eine wirkungsvoll, erfreuliche Aufstellung des Deuimales sein und ist dann nod)i die Umgebung in Bezichung zum Denkmal zu setzen, so ist das gewiß wünschenswert; das geschieht aber meiner Ansicht nach zur Genüge schon dadurch, daß das Denkmal in Gießen steht. Sollten Sie, hochverehrter Herr Geheimrat, diese meine Ansichten noch einmal zur Geltung bringen können, so würde ich Ihnen sehr dankbar fan. Hochachkungsvoll und ergeb en st Hochgeehrter Herr Geheimrat! Das Material für die Ausführung des Liebigdenkmals b^ treffend, möchte ich Sie hierdurch noch einmal ersuchen, doch Ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß das ganze Denkmal in tiroler Marmor aus geführt werde. Noch auf meiner letzten Reise im Herbst habe ich mich an Ort und Stelle von der außer- videmlichen Güte dieses Materials überzeugt. Es stehen im Lintschgau Arbeiten seit mehreren Jahrhunderten, welche an der Oberfläche fast unverändert sind und nur die Farbe ist nock) wesentlich schöner geworden, da sie einen toarmen goldigen Ton bekommen hat. Wie glücklich wäre ich gewesen, hätte ich dies herrliche Material für mein Goethedenkmal gehabt. Die klimatischen Verhältnisse im Bintschgau sind feine besseren als bei uns, da Kälte und Wärme, Schnee und Regen mindestens so stark wechseln als bei uns. Wie viel mehr ein Denkmal aus Marmor den Beschauer befriedigt und immer zum Genüsse bin- 4ieht, als ein broncenes, welches nur zu bald ein unerfreuliches Ansehen bekommt; haben Sie ja selbst Gelegenheit genug gehabt zu beobachten. Ich würde natürlich bei der Wahl für Marmor bitten, dafür zu wirken, daß das Denkmal in den Anlagen auf- gestellt wird, da die Wirkung des Marmors im Grünen wesentlich erhöht wird. Vor dem Universitätsgebäude würde das Denkmal zu ungünstig stehen, da es daselbst fast Nordlicht hat, also nie recht gut deleuckstet wird, was aber für Bronce fast noch empfindlicher ist. Eine Pflanzung zwischen dem Denkmal und dem Universitätsgebäude ließe sich nicht wohl anbringen, denn erstens kann man den Eingang eines momnnentalen Gebäudes nicht mit Busch- ober Laubwerk verdecken, wie man dies leider hier in Berlin dem Schiller zu Liebe mit der herrlichen Freitreppe des MhaMjelhaules gnnMt Hal tM KvesteM wiühe her Matz dafür Ausrufen begleiteten. Mit Genugtuung erzählte Wetterle auch^ daß er im Gefängnis zugeschmuggelte Zigaretten geraucht habe. Am 29. Januar brachte der Gefängnisoirektor dem Gefangenes eine große Sck)achtel: „Gemeinsam öffneten wir. Das Paket cutt hielt einen herrlichen großen Blumenstrauß, weißes Flieder und rote Nelken, mit einem breitenSei^ de nbanb in den elsässischen Farben gebunden. Eins Karte war beigefügt mit den kurzen Worten: „Von Ihren Landest ausschustkollegen." Tags zuvor war das herrliche Blumengewinde während der Eröffnungssitzung unseres kleinen Parlaments auft einem Pulet aufgestellt und bezeichnete so den Platz dessen, dep nicht anwesend sein konnte." Als Abbe Wetterte aus dem Ge^ sängnis am 17. Februar entlassen wurde, begrüßte ibn draußen: der Ruf: „Vive l'Alsace!" und der deutsche Reichstags* abgeordnete bemerkte zu diesem Gruß: „Der Ruf freut mich 70 Anhänger deS Ministerpräsidenten Venizelos sind, darf rtlan nicht daran zweifeln, daß dieser, wenn im Januar R« griechische Nationalversammlung zusammen getreten ist, ftne feststehende Mehrheit hinter fid) hat und damit in die Lage versetzt wird, fein Revisionsprogramm in ganzem; Umsange zu verwirklichen. Daß die erste ariechLsche Nattonalversammlung am 25. Oktober aufgelöst und einer zweiten, nun gewählten, Phch men mußte, lag daran, daß trotz des Zusammen- brml>s der alten Personenparteien eines Theotokis, Rhal- fys, Mavromichalis und Zaimis bei den Augustwahlen ihre Parteivcrhältnisse so ungeklärt geblieben waren, daß Venb- zews keine feste Mehrheit hinter sich hatte. Es ging das wir Genüge daraus Hervar, daß, als am 22. Oktober der «ttmicrmüdfta: die Vertrauensfrage stellte, mit Ausnahme von 160 alle Abgeordneten den Saal verließen und die Versammlung dadurch beschlußunfähig machten. So wurde der Streit, der dem Ministerpräsidenten An- loß zur Stellung der Vertrauensfrage gegeben hatte, ob nämlich die Krone oder die Nationalversammlung selbst das Privileg der Auflösung habe, durch die Tatsachen zu- amisten der Krone entschieden. Die Parteigänger der Theotokis, Rhallys und Mavromichalis sahen darin, da die griechische Versassungsurkunde keine Bestimmung über die Auslösung der Nationalversammlung enthält und die Regierung hier lediglich nach Analogie der für die Abgeordnetenkammer geltenden Vorschriften vorgegangen war, einen Staatsstreich und Verfassungsbruch, doch traten die revolutionären Unruhen, die man aus diesem Grunde damals befürchtete, nicht ein. Die obengenannten Parteien, die sich wohl nad) den Augustwahl en ihrer Schwäche bewußt waren und namentlich im Heer und in der Flotte allen Boden verloren k-atten, begnügten sich vielmehr damit, gegen die Auflösung der WaträmalDerfammhing dadurch feierlichen Widerspruch ernzulegen, daß sie beschlossen, sich an der Wahlbewegung nicht zu beteiligen. Wie weit diese Wahlenthaltung bei den jetzigen Wahlen tatsächlich geübt worden .ist, läßt sich aus den bis heute vorliegenden Meldungen noch nicht seststeUen. Auch die Frage, ob Theotolisten, Mavromichalisten und Rhalliisten etwa vereinigt, wie sie planten, unter republikanischer Flagge an den Wahlen teilgenommen haben, bleibt vorläufig unbeantwortet. Als sicher kann nur gelten, daß sich die Opposition in der neuen Nationalversammlung ans den thessalischen Agrariern und sonstigen, mit dem Regierungspro- arcmrm unzufriedenen Abgeordneten, den „Unabhängi-gen", rusammenjetzt, während die revisionistische Mehrheit nicht nur direkte Anhänger des Ministerpräsidenten enthält, sondern auch Zaimisten, die die Regserungspolitik bei den Dahlen unterstützten. ____________________________________ Reichstaasabg. Wetterle, der bekannte Franzosenfreund, erzählt in feiner Broschüre „Zwei Monate Gefängnis — Erinnerungen und Beobachtungen" (Colmar i. E., Verlag von I. B. Jung u. Cie.) Geschichten, die wie eine Schilderung aus einem fidelen Gefängnis anmuten. Er berichtet, daß er als Gefangener jeden Morgen in der Gefängniskapelle seine Messe lesen durfte. Als er sich zum Antritt seiner Strafe meldete, wurde ihm vom Gefängnisdirektor alles Geld ab genommen; seine Uhr aber burttc er behalten, weil es nur eine Stahluhr war. Auf die Frage des Abg. Wetterls: „Und wenn sie aus Gold gewesen wäre?" antwortete der Gelängnisinspektor: „Dann würde ich Sie gebeten haben, uns die Uhr zur Anf- betvahrmig anzuvertranen." — „Warum?" fragte Wetteritz und der Gcfängnisinspektor erwiderte: „^hnx, weil nirgends s o viel ae stöhlen wird wie im Gefängnis!" In der Zelle, die Abbö Wetterlä zwei Monate lang bewohnte, befanden sich fünf Maueranschläge. Eine der drei Hausordnungen enthielt den — wie Wetteritz sagt — entzückmden Satz: „Es ist dem Gefangenen verboten, sich durch einen Fluchtversuch ober Selbstmord der Strafe zu entziehen." Auf einen Hinweis erwiderte der Wächter: ,/Denken. Sie nicht, daß das ein Witz sein soll." — Mit Vergnügen den ko Wetteritz an seinen Aufenthalt im „Gasthaus der Regierung" zurück: „Die Zeit vergeht rasch im Gefängnis für diejenigen, die es verstellen, sie anzuwendeii. . . . Und dann war da das köstliche Gefühl der Freiheit — ja Wohl, wahrhaftig der Freiheit! — beim Manne, der sonst nie sich selbst gehört, beim Sträfling der Presse, der immer und überall verpflichtet ist, zur bestimmten Stunde Mairuskript zu liefern und der jetzt hinter den Mauern seiner Zelle jeden Morgen mit dem fröhlichen Ge danken erwachte: Heute werde ich schreiben, aber zu meinem Vergnügen; ich werde studieren, aber einfach, um mich zu zerstreuen. Meine Arbeit wird kein Pensum sein, sondern eine Erholung. Und wenn ich mich langweile,, mm, bann werde ich sinnen fmb träumen." Seine besten 'Freunde waren es, die es fast erreichten, dem Abgeordneten Wetteritz ,chas Gefängnis müUelig zu machen", indem sie mitleidig, mit gerührtem Blicke, hundert Fragen stellten und dabei die lustigsten Antworten mit trostlosen X. H. von Rügen an F. Schaper. Gießen, den 20. Dezember 1886. Verehrtester Herr und Freund! Wie soll ich Ihnen danken für die mir übersandten Phot^t graphieu nach Ihren wunderschönen Werken? Sie haben mip dadurch eine recht große Freride bereitet, meine Kunstsammlung um herrliche Beiträge bereichert und mich zum herzlichsteni Tanke verpflichtet. Indem ich Ihnen dieses ausspreche, danke» ich Ihnen zugleich für Ihre Briese vom 9. und vom 14. Dezember« itnb habe mich inzwischen bemüht, die Müglieder vom Liebigs Komitee für Ihre Wünsche M stimmen. Tarin sind jetzt alle einverstanden, daß das Denkmal ans! dem von Ihnen enväblten tiroler Marmor ausgeführt werder lewer aber scheint die gleiche Uebereinftimmung hinsichtlich de^ Wahl des Platzes kaum zu erreichen. Ich selber bin ja mit Ihnen! und Herrn Geheimrat Hoftnaim überzeugt, daß der Platz inti Grünen der Anlage weit günstiger ist, als jener vor der Aula, aber die hiesigen Herren wollen das nicht zugestehen, dennochi werde ich nicht ermüden, immer wieder für die Aufstellung in beu Anlage zu sprechen und Ihre Wünsche unb Gründe zur Geltung zlU bringen- Sollte dieses Ziel jetzt nicht erreichbar fein, so wird es geiviß gelingen, wenn Sie demnächst Ihren Entwurf in natürlicher Größe im Umriß auf Papier zeichnen lassen, diesen Umri8 hierher senden und wir ihn hier auf Bretter geklebt, ausschneiden, uni> diese Silhouette bann an Ort und Stelle aufrichten lassen, bemtf nur so läßt sich den Herren eine genügende Vorstellung von bet; späteren Wirkung des Denkmals geben. Es freut mich, daß Sie jetzt mit Liebe an der Statue LiebigZ arbeiten und hoffe ich, daß es mir hier gelingt, auch Ihre Wünsch^ zu erfüllen. Bitte grüßen Sie Herrn Geheimrat Hosmaim und dessen FrarE». Gemahlm von mir und halten Sie sich wohl und heiter. In Hochachtung und Treue Ihr ergebenster H. v. Rügen. Glücklichenveise brangen Schaper und seine Anhänger, bar* unter A. W. Hofmann und H. von R i t g e n mit ihrer Ansicht durch. Am 28. Juli 1890, 17 Jahre nach Beginn der aui rin Liebig-Denkmal in Gießen gerichteten Bewegung, wurde das» Meisterwerk Sck-apers a,n per von ihm gewünschten Stelle in ba> Anlage ytthüllt^ N. Sommer. zeigt im letzten Jahre einen überaus erfreiiliäjiert Rückgang, den wir als den ersten Erfolg der auf biet Fürsorge für die verwahrloste Jugend gerichteten Bestre-. bungen begrüßen können. Es sind nämlich im Jahre 1909 in Deutschland wegen Verbrechen und Vergehen gegeit Reichsgesetze nur 49 703 Personen int Alter von weniger als 18 Jahren verurteilt worden gegen 54 074 t I. 1908 und 55 211 i. I. 1907, so daß im letzten Jahre eine Ab-i nähme um 4371 oder 8,1 v. H. stattgefunden hat^ während die allgemeine Kriminalität nur um 0,8 v. H.. gesunken ist. Nicht verschwiegen darf allerdings werden-, daß ein Teil des Rückganges darauf zurückzuführen feilt wird, daß durch die Unterbringung zahlreicher auf Abwegegeratenen Jugendlichen in Fürsorgeerziehungsanstaltew. einem bedeutenden Teile der mit verbrecherischen Neigungen Behafteten die Möglichkeit entzogen ist, diese Neigunae« zu betätigen. Inwieweit etwa ferner der Rückgang Der Verurteilten auf eine mildere Handhabung der Strafjustizl seitens der neuen Jugendgerichte zurückzuführen ist- wird sich erst zeigen, wenn die genaueren Ergebnisse der Kriminalstattsttk, insbesondere hinsichtlich der Freisprech^. ungen, vorlikgeü. Von 100 Verurteilten waren 9,13 jugendlich gegen 9,99 i. I. 1908, 10,19 t I. 1907, 10,34 L I. 1906 unb 9,97 im Durchschnitt der voraufgegangenen 13 Jahre. Amr größten war, wie stets, der Anteil der Jugendlichen an den Verbrechen u s w. gegen das Vermögen mit 15,5 v. H. aller Verurteilten, aber der Rückgang ist hier schon seit Jahren ofsensichMch, da der Anteil L I. 1906 19,0, 1907 18,2 und 1908 17,1 v. H. betragen hat. Immerhin sind ru>ch 36 749 (im Vorjahr 38 824) Jugendliche wegen Eigentumsdelikte bestraft. Der Diebstahl spielt banuiter die Hauptrolle. Bei den Verbrechen usw. gegen die Per soitz hatten die Jugendlichen einen Anteil von 5,1 v. H. allen Für den Ausgang der Wahlen scheint neben diesem Umstande und der Tatsache, daß ft£nig Georg sich wiederholt mit Venizelos solidarisch erklärt hat, die Rundreise sehr ins Gewicht gefallen zu sein, die der Ministerpräsident im November durch Griechenland unternahm, und auf der er in zahlreichen Städten fein Programm entwickelte. Er stellte hier die Forderung auf, daß die neue Nationalversammlung so schnell wie möglich mit der Revision der Verfassung zu Ende kommen müsse, um dann noch einige wichtige Resormgesetze zu votieren. Unter diesen ist hervorzuheben: die Herabsetzung der indirekten Steuern, die Errichtung eines neuen Ministeriums für Ackerbau und ! Gewerbe, die Lösung der thessalischen Agrarfrage, die Errichtung von Kreditbanken und die Crnführung von Maßregeln zur Verringerung der Auswanderung, sowie vor allem eine durchgreifende Reform in Heer und Marine. Athen, 14. Dez. Die Ruhe wurde bisher nirgends gestört. Wahrscheinlich werden die Anhänger Venizelos mindestens 300 (Stimmen auf sich vereinigen. Nach einer Meldung der Zeitung „Athenia" erklärte Venizelos, die Kammer werde sich ausschließlich mit der Revision der Verfassung zu befassen haben. Dec fitem» erscheint tätlich, autzer Sonntag«. - Beilagen: viermal wöchentlich KützenerFamlllenblatter, »we,mal wöchentüUrei5- blatt für de« Xrcis Sietzev (Dienstag und Freitags; iiveimal monatl. Land» vtttschastliche Stitfiaaai ,>ernsprech - Anschlüße: ür die Redaktion 112, einverstanden sind, daß dieselbe in Marmor ans geführt werden imb baß bann entsprechend auch rin Platz aufgefunden werde, baf das Denkmal bann zu der entsprechenden Wirkung bringt. Herr Geh. Rat Prof. Hofmann wollte diese Angelegenheit in Ördirung bringen, was auch mm nm des Kontraktes Wille« wünschenswert wäre. Hoffentlich ist Ihnen Ihr Aufenthalt hier in Berlin gut bei kommen unb Sie denken noch mit Genuß daran. Ich bin auch froh, daß der Ausstellungstrnbel hinter uns liegt und denke nun um so fleißiger zu arbeiten. Mü hock)ack)tungsvollem Gruß ergebenft F. Schaper. w __ politischen Teil: August General-Anzeiger für Oberhessen innaijine1 »en Lnzrigni votattie Mannschaften der Wehr nur mit blauen Kitteln bo Heibet, die jetzt durch Tuchblusen ersetzt werden sollen. Bei ujrcr Gründung zählte die Feuerwehr 46 Mann und znr- i eit 70. r- ®rcf5L5bQ-.®tI^cI.m Bruhn, der im letzten Ses- fronsabichnitt feiner Fraktion angehörte, ist nunmehr wieder der deutschen Resormpartei beigetreten, der er bereit früher angel)ört hat. Die deutsche Reformpartei besteht nunmehr aus vier Mitgliedern. 3” Erfurt traten in einer Maschinenfabrik fämt* nche lo20 organisierte Metallarbeiter wegen Kündiauna bie einem Kollegen gegenüber erfolgte, in den Aus- Kan d. Eine Abordnung der deutschen Zündholzfabri- Ian t en suchte den Staatssekretär des Reichsschatzamts aus um ihm die ungünstige Lage zu schildern. Sie empfahlen einmal die Besteuerung aller Zündholzersatzmittel und sodann die Schaffung eines Monopols, an das die brs- herigen Fabrik en verpachtet werven sollen. Hessen-Nassau. Schlüchtern, 14. Tez. Zur Errichtung eines Kreis- ranken Hauses fliftete Freifrau von Stu m m auf Schloß RamHolz die Summe von 200 000 Rik. Dem Krankenhaus )"oll eine chirurgische Klinik angegliedert werden. Freifrau o. Stumm hat erst kürzlich einen größeren Betrag für die Rrmen des Kreises Schlüchtern gestiftet. 2liulan0e SBie das Reutersche Bureau erfahrt, wird der russische ^HnfUßrobef5 Aeußern, Sasso now, zu Ans^g des vachires Lahres. Paris such London besucheu, ^Das Ans StaOt uud LcinS. Gießen, 15. Dezember 1910. — Kranzspende im letzten KonzertvereinS- konzert. Von unserem Berichterstattee über das letzte Konzeit deS KonzertoeremS werden wir gebeten, ausdrücklich mitzuteilen, daß die Bemerkung im letzten Satze der Besprechung, die an die mitgeteilte Ueberreichung emcS Lorbeerkranzes an Herrn Havemann eine Kritik dieses Vorganges knüpfte, auf unzutreffenden Voraussetzungen beruhte. Tie Kranzspende war nicht von dem Konzertverein anßgegangen, sondern von privater befreundeter Seite, die in keinerlei Beziehungen zu dem Vorstand deS Konzertvereins steht. Tarnst entfallen alle Bedenken, die die Bemerkung zum Ausdruck bringen wollte. •• Maul- und Klauenseuche. Neue Ausbruche der Seuche sind gemeldet aus Hof (Viehhof), Regierungsbezirk Oberfranken, bei Händlervieh. Landkreis (Stehen. = Großen-Buseck, 14. Tez. Zu der Messerste ch e r e i am Sonntag abend wird unS geschrieben: Von einer Schlägerei kann nicht die Rede sein. ES war ein Wortwechsel zwischen einem gewissen Karl Wagner und dem Verletzten Heinrich Walter, der durch die Mutter deS elfteren beigelegt worden mar. Ten Christoph Harbach ging die ganze Sache gor nichts an. Er hat sich ohne weiteres hineingemischt. Der Verletzte hat ihm gleich die kurze Antwort gegeben: „Tu bist mir überhaupt nicht recht. Aus Hessen. Die Stadtverordnetenwahleu in Fried- 5ery. Aus Friedberg wird uns geschrieben: Bei den diesjährigen Stodtverordnetenwahlen hatte die national- liberale Partei der fortschrittlichen KZolks- Partei den Vorschlag gemacht, die drei ausscheidenden Stadtverordneten wicderzuwählen, an Stelle des ausscheidenden Volksparteilers Trapp einen anderen Volksparteiler auszustellen und die »toei neu zu wählenden Stadtverordneten derart zu verteilen, daß der eine der nationalliberalen Partei, der andere der Volkspartei angehören sollte. Ein größeres Entgegenkommen war nicht möglich, doch hat gleichwohl die Volkspartei den Vorschlag aogelchnt, indem sie darauf bestand, daß statt des von ihr aufzustellendcn neuen Kandidaten ein Sozialdemokrat aus den Stimmzettel gesetzt werden sollte. Nach Ablehnung dieses Vorschlages durch die nationalliberale Partei traten sämtliche politischen Parteien für die Wiederwahl der drei aus- scheidenden Stadtverordneten ein, während die nationalliberalen Oberlehrer Dreher, Zimmermeister Füller und Rentner Georgi, die vereinigten Sozialdemokraten und Voltsparteiler Gastwirt Jhl, Seminarlehrer Leuchtgens und Kaufmann Ulrich ausstellten. Das Ergebnis der Wahl am Dienstag war, daß die drei a u s s ch e i d e n d e n Stadtverordneten mit großer Mehrheit, der Nationalliberale Füller mit 552 Stimmen, der Sozialdemokrat I h l mit 524 und der Volkspartester Leucht- jgcn 5 mit 496 gegen 493 Stimmen, die Georgi erhielt, gewählt wurden. Der Nationalliberale Verein Gießen hat folgende Entschließung gefaßt: Der Verein hat mit großem Bedauern au5 den Zeitungsnotizen entnommen, daß schon wieder eine große Zahl von mittleren Baubeamten dem Schicksal der Entlassung anheim gefallen ist. Im Interesse derselben und der Zukunst ihrer F-amilien, sowie im Interesse des Anseheils unseres Hessenlandes ersuchen wir die nationalliberale Fraktion der Hess. 2. Kammer, aufs dringendste für anderweitige Anstellung, bezw. Verwendung der schwer Betroffenen bei Großherzoglicher Negierung mit aller Energie einzutreten. Wir erwarten zuversichtlich, daß auch noch eventuellen weiteren Maßnahmen auf Entlassung^ in diesen sowie anderen Beamienkategorien mist Nachdruck entgegen gearbeitet wird. Eine jeweilig andere Verwendung der Entlassenen ober für spätere Entlassung in Aussicht genommenen Beamten in staatlichen Betrieben muß auf alle Fälle ermöglicht werden. F-E. Frankfurt a. M., 14. Mz. Eine außerordent- liaje Hauptversammlung der „Bereinigten Landwirte von Frankfurt und Umgegend" fand beute unter dem Vorsitz des Gutspächters Siel) mann» Numpenhcirn statt. Sie war sehr start besucht. Vertreten waren Ortsgruppen aus den Kreisen Frankfurt a. M., Hanau, Gelnhausen, Wiesbaden-Land, Höchst a. M., Ober* ^nu§, Usingen, Offenbach, Gießen, Friedberg und Büdingen. Ter Sekretär dec LandwirtschastSkammer Darmstadt Dr. Hamann berichtete über „Die Ko st e n ber 'Mildjer jeugun g". Nach dem Vortrag steht der heutige Milchpr^is ducchschuilt^ich unter den Pcodubions- ipjten. Nach von dem Redner gemachten Erhebungen stellten sich tin vergangenen Jahre die Pcoduktionskosten der Milch bei 'Keinen Abmelkwictfchasten auf 17,2 bis 18 Pfg. für das Liter, bei Betrieben „mit Zulassen" auf 16i/o P,g., in remen Zuchtbetrieben auf 16 P g. ohne F-racht und ohne Berechnung des Futters, Streusirohs und des Düngers 3m Juli 1910 kamen die Pcoduk.ionskoften des Liter Milch auf 18,7 Pfg. Der Redner vertrat die Ansicht, daß eine Aenderimg m dec Viehhaltung eintreten mus,e. Voc allen gingen feien reine Abmeluvirtschasten wegen ihrer hohen Produktionskosten nur in der Nähe der Gcojsiiädte angüngia ^te vorteilhaftesten Betriebe seien die Wirtschaften ,mu Zulassen" und reine Zuchtwiclschaften. Hierdurch würde uor al.em eine Eiuschr^una b.r Milchprcbuttton erreicht penn der deutsche Sauer sei nicht allein MilchproduzeiU lunDecn auch Fle.schpr.d.z.nt. In d.r sich anjch.ießenben eingeheiiden Vefprecyung stellte dec Landwirt Weith-Nceder- ivuli|tai)t den Antrag, vom 1. Januar 1911 ab einen Auftcblaa der Milch von 16 auf 18 Pfg. für bas Liter vorzunehmen Die parlamentarische tage in Oesterreich. Wien, 14. Dtz. Das Abgeordnetenhaus lehnte mehrere Anträge der Tschechisch-Radikalen auf Absetzung der Vorlage betr. bie Reform der Geschäftsordnung von der Tagesordnung ab und begann die zweite Lesung dieser Vorlage. Der Ministerpräsident, von den Tschechisch-Radikalen mit Lärm und Abzugrufen empfangen, erklärte, die Regierung werde dafür eintreten, daß die Geschäftsordnungsreform auch im Herrenhause sobald wie möglich ertediat werde und rechtzeitig in Kraft trete. (Lebhaster Beifall und Händeklatschen.) Der Präsident rief mehrere tschechisch-radikale Abgeordnete, welche während der ganzen Rede des Miiristerpräsibenten lärmten, zur Ordnung. Schließlich wurde die Vorlage mit Mehrheit angenommen. Der Dudgetausschuß nahm in fortgesetzter Beratung ein dreimonatliches Budgetprovisorium an. Abgelehnt wurde der Antrag auf eine Auiecheermachtigung von 25 800 000 Kconeii zur Tilgung der allgemeinen Siaats- schuld, uiid angenommen die Eifeubahninveslitutiousanleche von 109 200 000 ML Prag, 14. DeA. Wegen Nichterledigung des Budgets und der Steuervorlagen infolge der fortdauernden deutschen Obstruktion un Landtag schließt der Landes- voranschlag Bödmens 1911 mit einem Defizit von rund 50 Millione n Kronen ab, welches durch Erhöhung verschiedener Landesumlagen gedeckt werden soll. während der Landwirt Puth^Sergen einen Aufschlag voy 16 auf 19 Pfg befürwortete. Direktor Hirschel - Fried, berg schlug eine Entschließung vor, dem Vorstand zu übei> lassen, die Höhe des Aufschlags und den Termin, etwa Ende Januar 1911, zu bestimmen. Er meinte, daß bet Vorstand über die Höhe und die Zeit des Ausschlags am besten unterrichtet sei, wie auch zu Beginn dieses Jahres der Borstand nicht für eine Erhöhung der Milch in Frankfurt und Wiesbaden mit Recht zu haben gewesen. Die Verhalt, nisse lagen zurzeit sehr günstig, um aufzuschlagen, vor allem arbeiteten die Molkerei-Genossenschaften in Ober« Hessen, im Odenwald, in Kurhessen und in Nassau zieh bewußter wie früher und lieferten nicht unter Preis die Milch in die Großstädte. Nur die Genossenschaft Meder- Wöllstadt ließe sich einen geringen Pr».is (153/* P g für ba3 Liter) zahlen, gäbe aber ihren Lieferanten nur 13 Psg. 10 000 Liter gingen täglich von Niederwöllstadt nach Frankfurt a. M Die Molkerei-Genossenschaft Of.h.im liefere 4000 Liter nach Frankfurt, erhalte aber für das Liter 16Vs Pfg. Der Antrag Hirsche! wurde einstimmig ange. nommen. Betreffend den Vereinsbeitrag für 1911 würbe der Antrag des Landwirts Hcnsel^Dortelweil, daß der Bei. trag für 1911 zweimal erhoben werden soll, wenn der projektierte Milchausschlag glatt durchgesetz: roirb, angenommen. Wegen Verhandlungen über den Treber preis sind die „Vereinigen" mit dem .verband der vereinigte« Brauereien von Frankfurt und Umgegend" in Verhandlungen getreten. Der „Verband" habe diese Verhandlungen dilatorisch behandelt. Es habe den Anschein, daß die Brauereien den Treberpreis erhöhen wollten. Tie Versammlung war der Ansicht, unter allen Umständen de« alten Preis festzuhalten, sollte eine Erhöhung statt- finden, bann soll den Brauereien kein Treber abgenommen und andere Futtermittel als Ersatz benutzt werden. Das Frankfurter Brauhaus hatte nutgeteüt, daß im kommenden Jahre die Treberprei.se dieselben seien, wie seither. Ein Antrag der Ortsgruppe Bommersheün, die landwirlschaftliä-cn Vereinigungen niöchten dahin wirken, daß während der Erntezeit Lanowirte und deren Gchülfea möglichst nid)t zu militärischen Uebungen einberufen werden, wurde den Laudwirtschaftskammern Kasieh Wiesbaden und Darmstadt als Ma*«icü überwiesen. Zur Automobilstage. Mg. Köhler- Langsdorf schreibt uns: Es war mir sehr lieb, daß Sie die Vorstellung deS Hessischen Automobilklubs zum Abdruck brachten. Nur bemerkt man auch in dieser Vorstellung wieder das Lehrhafte, daS den Herren „Studierten" gegenüber den gelernten Fuhrleuten so schlecht m Gesicht steht. I ch bitte nun alle Fuhrleute, in bie* s e n Blättern auch öffentlich Stellung z u n e h. men. Unter anderen sordere ich den Herrn Bürgermeister Keil z u Ettingshausen, einen sog. geborenen Fuhrman^ auf, hier öffentlich darzulegen, was beim Ueberholen Fuhrmanns, brauch war und ist. Dies Urteil gilt mir alles; das der am deren, der Herren Akademiker, nichts! (ßcrid^tsjaaL München, 14. Tez. Im Doriener Bierkrawakk- Prozeb wurde ein Augetlagier zu einem Jahr und 8 Monaten Geiängius, neun Angeklagten zu 3 bis 9 Monaten Ge'ängniL, drei Angeklagten zu 1 bis 6 Wochen Hast verurteilt. Zwei Angellagti wurden ireige'prochen. Lin gehcimniboolles verbrechen. Berlin, 14. Dos. Einem noch völlig in Dunkel gehüllten. Verbrechen, wie es in !>eü Kriminalgeschichte Berlins feiten ütr&eidjnrt steht, ist, wie wir gestern schon kurz müteilten, die 68 Jahre alte Rentnerin Margarete Hoffmann in der Blumenthalstraße 1 -um Opfer gefallen. Die Frau, die dort feit fünfzehn Jahren wohnt, lebte für sich allein und litt ost an Versolgungstvahn. Sell dem 7. d. M. hatte man sie nicht mehr gesehen. Mittags wollten sie zwei Verwandte, die vorher schon zweimal vergeblich Einlaß begehn hatten, besuchen. Als ihnen wieder nicht geöffnet wurde, holten sie euiot Schutzmann. Man brach die Tür auf und fcurd Frau Hoffmann auf dem Gesicht in einer Blutlaä-e in ihrem Bette liegend lot auf, Frau Hossmann war die Witwe eines Inspektors. Schon in jungen Jahren verlor sie ihren Mann durch den Tod. In ihren allen Tagen war sie etwas wunderlich. Sie galt für reich, zumal sie ich es Jahr eine größere Sommerreise machte. Außerhalb des vauses baue die lehr iandere unü eigene alle Dame jehr guten Verkehr. Am Mittwoch voriger Woche hörte gegen ein Uhr nachmittags der Ingenieur Werner, der unter Frau Hoffmann wohnt, üt deren Behausung einen dumpfen Fall und gleich baraich Hilferufe. Er ging zur Pförtnersfrau Mieska, die im Erdgeschoß wohnt, teilte ihr seine Wahrnehmung mit, begab sich mit ihr zu Frau Hoffmann hinauf und klopfte bei dieser an. Eine Stimme antwortete,^daß nicht geöffnet werde, man Hörle noch wiederholt TritteinderWohnung. Frau Mieska holte einen Schutzmann von der Straße, erzählte ihm, was sie gehört hatte, und ging mit ihm wieder hinauf. Auch jetzt wurde gesagt, daß nicht geöffnet werde. Frau Mieska wollte nun der alten Dame, deren Siünme sie zu neme^men glaubte, zuredem um sie zum Oessnen der Wohnung zu veranlassen. Sie sagte ihr. Ito habe etwas in ihrer Wohnung liegen lassen, das sie gerit haben möchte, wurde aber kurz ab gewiesen. Hetzt verlangte bai Schutzmann Einlaß, weil er glaubte, daß Frau Hoffmann erkrankt sei, und droh Le, daß er den Hauswirt holen werde. Auch das nützte nichis. Der Bcamie erhielt zur Antwort, daß der Hauswirt nichts in der Wohnung zu suchen habe. Er holle letzt einen Schlosser und ließ die Vordertür öffnen. Während dies geschah, horte man, daß die Tür, die nach dem hinteren Ausgang fuhrt, verschlossen wurde. Naäidcm man auch dies« geöffnet halte, fand man den Au s gan g an der Hinteri tr epve offen. Jetzt nahmen der ^ämtzmann und die anderen 2eute an, daß die wunderliche alte Frau die Hintertreppe hinunter* gegangen fei und sich entfernt habe. Die Veranlassung dazu! konnte man sich zwar nicht erklären, aber man suchte sie eben m der Wunderlichkeit der Dame. Äm Laufe des Nachmittags wurde Frau MieSka -n dem gegenüberliegenden ScylävMrmeistec an den Fernsprecher gerufen, Eine Stimme, die sie für eine männliche hielt, teilte ihr mit, Frau Hofsmann sei fassungslos zu dem Anrufer gekommen und müsse bei ihm bleiben, bis sie wieder gesund sei. Auf die Frage der Frau, wer denn dort sei, antwortete die Stimme: „DaS gebt Sie nichts an!" Seit die,er Zett hat die Pförtners trau von der alten Dame nichts mehr gehört. Frau Mieska bei richtete dem Hauswirt, was vorgefallen war, und man nahm an, daß sich Frau Hoffmann in ein Sanatorium begeben habe. Dabei, ließ man es bewenden, und man kümmerte sich nicht mehr nm die Angelegenheit, bis gestern nachmittag gegen 1 Uhr zwei Kousinen der Fnm Hoffmann, Tochter eines höheren Zollbeamten aus Sagan, kamen, um ihre Verwandte zu besuchen. Ein Schutzmann ließ wieder offnen Als man sich rum die Wohnung genauer anjabk fand man, daß im Berliner Zimmer ein antiker Nähtisch u mi A_e wo cf en und daß aus dem Verlikow im Vorderzimmer eine Schublade herausgenommen war. Sonst war alles in Ordnung. Zufällig faßte Frau Mieska in das Bell der alten Dame, das sauber -urecht gemocht und zugcdeckt war. Jrtztz fand sie .. _ - die Leiche unter der Decke, • blCc.ouf«H ^tte, aber mit dem Gesicht nach unten, fn einekf Stoben Menge getonncnes. Blut lag. Die Lobe war rillig ü-. flfibrt Die ^rnrrinaljwfiKt brr Oter(d)CkiT»t tmb ®ewmte bei (rrfcniT'jngdbiemled nraren bald ;ur Stelle. Die Todesursache .jdct) in der Ahnung festHustellen iror unmöglich, iveil die s’eiilie stark verwest war Dr. Strauch konnte nnstlveilen nur 7lun Heine Schnittverletzungen $ivi|dKit dem vierten iuü> fünften Ringer der linken £>anb unb am Ballen, des kleinen Fingers der rechten 5)and Nachweisen. Bemerkenswert ist, wie die B B.-Ztg. mitteilt, daß der Briefkasten der Toten bis Sonntag noch gefüllt, gestern mittag dagegen teer tu a r. Das Polizeipräsidium schreibt für Mitteilungen, die zur Aus- Hänlng des Verbrechens dienen können, eine Belohnung von dreitausend Mark aus. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gieren. WekteranSsiciuen in öefien nm Freitag dem 16 Dez. 1910: Volkia, geringe Niederschläge, mild, südliche Luftströmung. Letzte N«ou»fr. o- Arb. oerr Gut. Salär Reise w. verg. Ang. m. Zeugn. u. Pbotogr. u.lSMa.d. Gieß. Anz erb. Zuverlässiges Mädchen, welch, kochen kann, häusliche Arbeiten besorgt für kleine Familie gesucht Gute Behandlung. Briese! Frau Wcisl, Offenbach a. M., 6813| Domsiraße 18. 1 «eucrBadeo,cn i. MobleuuetAfl. 1 Eelbükochapparat 1 ©adoicn wenig gebraucht gibt billig ab 6823 Wilb Dürbeck, Neuenweg 18 67701 Siebeiijäbrige FuchSstute (Däne), weil überzählig, btflig zu verkaufen. Näheres Steinstraße 48. Bin krSstigks Ärbkilsuftr-, weil überzählig, steht zu verkauf. ?tah. Sdiiitzenstr. 18. i(fr,! Med, u. Frauenkliniken. Bcss. Atädchcn vom Lande in kleinen Beamten- haush. nach Wievbadett aes. (•I<**e Shch. b. Paul, Licher Str. Ä 62«i9i 2-Btmmer-Wodliung zu ver-, mieten. Frankfurter Straße 93. i Schütte 2-^im.-Wohnung sos. zu verm. 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