Donnerstag 23. Juni 1810 Zweites Blatt Nr. 144 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 160. Jahrgang rechtfertigt sich damit die dringende Bitte, alle Sonderwümckh: auszugeben und die Vorlage in ihrer jetzigen Gestalt anzunehmen. In dem Marie, in dem dieses X>au5 hierzu bereit sein wird, läßt sich hoffen, daß diesmal auch das andere .Haus seinen '.Beitritt nicht versagen wird, um nach 10 jähriger Arbeit dem Lande und den Gemeinden auf diesem wichtigen Gebiete die Rul-e und dtc Arbeitsmöglichkeitcn ;u verschaffen, die sie brauchen und fordern. Die Kammer steht vor dem Abschlüsse einer ncuen^Stadteordnung und einer neuen Landgemeindeordnung. Sichern rtte den Neubau durch ncueGrundlagendcs wirt sch östlich en ^.cb en s unserer Gemeinden. Wollen und Können sind hier eins. Möge ehrliches Wollen und Können dem großen Werke mast fehlen. (Beifall.) Auf Antrag des Abg. Molthan wurde darauf die Sitzung abgebrochen und die nächste Sitzung auf Donnerstag vormittag 9 Uhr anberaumt mit der Tagesordnung: Generaldebatte über baS Gemcindeumlagengesetz. Rotationsdruck und Verlag der Brüh Gehen UnwersuätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Die „Gietzener Zamiltenblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS „Kreisbloit für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal. Aus Staöt und €an$. Gießen, 23. Juni 1910. Aus dem Strafprozetzausschuh. :: Berlin, 22. Juni. Der Ausschuß für die S t r a f v r o z e s; o r d n u n g beriet heute das Kaoitcl: Eröffnung des Hauptoers ährens beim § 201 weiter, der ebenso wie § 202 unverändert blieb. Bei § 203 wurde die Beschlußfassung über den zweiten und dritten Absatz ausgesetzt, worin bestimmt ist, daß die Anklageschrift gleich nach Eingang vom Vorsitzenden dem Angeschuldigten und Verteidiger mitzuteilen ist, und wonach der Angeschuldigte auf das Reckt der Einwendung aufmerksam gemacht werden muß. Tie §§ 204—207 blieben unverändert. 8 208 erhielt un ersten Absatz nach einem ZcutrumZantrage folgende Fassung: •* Abonnements-Konzerte unserer Regiments- kapelle. Besondere Umstände fügen es, daß eines der fast historisch stets an einem Donnerstag statlfindeiiden Konzerte in dieser Woche ausnahmsweise auf den Freitag gelegt wird. Der Wnnsck, einen hervorragenden Gast den Abonnenten vorzustellen, der vielseitige Verpflichtungen zu losen hat, veranlaßt Obermusik- meister Löb er, den morgenden Freitag zu wählen. Paul W e s ch k e, Kgl. preußischer Kammermusiker und Lehrer an der Hochschule für Musik in Berlin, einer der ersten Posaunisten Deutschlands, befindet sich auf einer Kunstreise, die ihn auch nach Gießen führt. Das Beste, um den Künstler hier einzuführen, dürfte nachstehender Bericht des bekannten Berliner Kritikers Tr. P. Ertel sein: Das Tonkünstler-Orchester hat inzwischen auf den Halenseer Terrassen Schluß gemacht. Das letzte Konzert war reich an Ovationen aller Art für das Orchester und seinen Dirigenten. Einen glänzenden Erfolg hatte der Solist des Abends, Kammermusiker Paul Weschke. Was dieser Künstler aus seinem Instrumente leistet, grenzt ans Wunderbare. Nach der Höhe zu erreicht er das zweigestrichene F, in der liefe dringt er mit den Pedaltönen bis zum Eontra-F vor. Dabei überbrückt er die fast unmögliche Grenze zwischen dem Eontra-8 und dem Groß-F. Seine Virtuosität m schnellen Passagen, so z. B. in Variationen über den „Karneval in Venedig", grenzt an Zauberei. Er ist einet der größten lebenden Künstler atu der Tenorpojaunc. Selbstverständlich wurde er glänzend geehrt. x Bobenhausen, 22. Juni. Gegenwärtig toirb hier an der Errichtung einer neuen Molkerei gcarfneitet, die int Laufe des Sommers wohl fcriiggesbellt werden dürfte. Den benachbarten Molkereien zu Groß-Eichen bedeutet das einen Liefcrungsverlust an Milch von ca. 2000 Liter Für die hiesige Gemeinde ist die Erbauung einer Molkerei von größtem Nutzen. (.) Mücke, 22. Juni. Eine Reih cvonNeubauten, die bereits crufgeschlagen und unter Dach gebracht worden sind, schließen den Gürtel enger, der Merlau mit Mücke und Mücke mit Flensungen verbindet. Tic Zeit rückt ersichtlich näher, in der diese drei Orte eine einzige größere Ortschaft bilden. Der bedeutende Verkehr unseres Bahnhofes übt auf die Bautätigkeit um Mücke einen immer stärkeren Einfluß aus. Es berührt dabei eigentümlich, daß unsere Babnhofanlagen im Vergleich zu anderen mir beträchtlich tl einer ent Verkehr — wie z. B. Nieder-lHemüuden — sich im Rückstände befinden. Obgleich in Nieder-Gemünden eine Wasserleitung der Gemeinde vorhanden ist, hat der dortige Babnhof seinen eigenen stolzen Wasserturm Eine Bahnsteighalle zieht sich vor dem genannten Bahnhofe her. Dazu verschönern gärtnerische 'Magen die nächste Umgebung. n. Schotten, 22. Juni. Der hiesige Zweigverein vom Vogelsberger Höhenklub stiftete für die unverschuldet in Not geratenen Landsleute in Obermock- stadt den Betrag von achtzig Mark. — Wie unser Vogelsberg als Aufenthalt für Sommerfrischler immer mehr geschätzt wird, beweist die Tatsache, daß schon jetzt vor Beginn der Ferienmonare ein großer Teil der Sommerwohnungen von Gästen besetzt ist. Auch das Lehr er heim ist seit gerannter Zeit bereits gut besucht. Die Bevölkerung des Vogelsbergs sollte sich in ihrem eigenen Interesse immer mehr für den Fremdenverrehr einrichten. Reichelsheim i. d. Wett., 22. Juni Vom 9. bis 11. Juli findet hier ein großes K r i e g e r s e st mit Tenk- malsweihe statt. Das Fest verspricht, den Vorarbeiten nach zu schließen, großartig zu werden. Das neue Denkmal ist von Bildhauer Zimmer, Bah KreuLnach augchertigt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraß« 7. Expedition und Verlag: e^5L Skbaftiorces® 112. Tel.-AdruAnzergerGießrn, „Stellt fick nach Eröffnung dcs Hauptverfahrens heraus, daß die Tat nicht strafbar ober nicht verfolgbar ist, oder treten llm- tände neu hervor, welche die Verurteilung ausgelchloticn crichrtuen lassen, so rann das Gericht, so lange nickt in eine XJauptter- Handlung eingetreten ist, nach A n h ö r u n g d e r b r oz e tz- bet e i 1 i g t c n , die Angeklagten außer Venolgung setzen. Die 8§ 209 und 216 wurden angenommen. Ter nächste Abschnitt betrifft die Vorbereitung der H a u p t v e r h a n d l i, n g. Die 88 210—22b wurden tm wcsent- licken nach der Regierungsvorlage gebilligt. Damit ist auch dieser Abschnitt erledigt.. Der nächste handelt von der vauptver- Handlung selbst. Nächste Sitzung: Donnncrstag. Die Reichsvcrsicherungrordnung. :: Berlin, 22. Juni. Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesien des Zentrums zur Annahme gelangen. Ministerialdirektor Caspar betonte gegenüber einem weiteren Zentrumsantrage, wonach zur Gründung einer Betriebskrankenkasse die Zustimmung des ständigen Arbeiteraus- 'chusses, oder, wo ein solcher nicht besteht, der Mehrheit der Versicherungsyflichtigen erforderlich ist, daß einer solchen Bestimmung sehr schwere Bedenken cntgegenstehen. Ein Mitglied der fortschrittlichen Bolkspartci legte dar, daß die kleinen Betriebskassen immerhin eine Gefährdung der Versicherten mit sich bringen. Der Redner wies bie Vorwürfe gegen seine Partei scharf zurück und betonte gegenüber verschiedenen Angriffen, daß ja auch die Verbündeten Regierungen verschiedene Anträge der Reichspartei entschieden abgelehnt haben. Die Volkspartei sei nicht Regierungspartei. Sie habe hier Schlimmeres zu verhüten, wo Schlimmes nicht hintanzuhalten ist. Das Gesetz zur Annahme zu bringen, sei Sache der Regierungsparteien, der Konservativen und des Zentrums. In der Abstimmung wurden die Zentrumsanträge angenommen. Darauf wurde der ganze § 2 57 abgelehnt, ebenso die 88 258 und 259. Die Betriebskrankenkassen sind damit gefallen. Ein Regierungsvertreter gab darauf die Erklärung ab, daß das Gesetz ohne die B e t r i e b s k r a n k e n k a s s e n für die Regierung unannehmbar sei. Allgemein wurde darauf der Ansicht Ausdruck gegeben, daß es in zweiter Lesung gelingen müsse, eine Form für die Zulassung der Betriebskrankenkassen zu finden. Gin Mitglied der Volkspartei erklärte, daß an der Ablehnung des 8 257 infolge der gestellten Anträge wieder die Herren von der Rechten und vom Zentruni schuld seien. Infolge der Aussicht, die Betriebskrankenkassen wieder ins Gesetz zu bringen, wurde § 260 beraten, der bestimmt, daß eine Betriebskrankenkasse nur errichtet werden darf, wenn sie die anderen Kassen nicht gefährdet, und wenn ihre Leistungsfähigkeit gesichert ist. Der Paragraph wurde nach Ablehnung einiger Äbänderungsanträge unverändert erhalten, ebenso § 261. Die 88 262—269 über die Jnnungskrankenkassen bleiben unverändert. § 270 bestimmt, daß die vorher getroffenen Festfetzungen nicht gelten für Betriebskrankenkassen, die für Betriebe des Reichs ober der Bundesstaaten errichtet werden. Die Vertreter der Volkspartei bemängelten, daß diese Kassen eine Ausnahmestellung einnebmen sollen. Vertreter des Zentrums, der Sozialdemokraten und der Polen schlossen sich diesen Einwendungen an. Ein Regierungsvertreter verteidigte die Vorlage. Trotzdem wurde 8 270 abgelehnt. 8 271, der die entstehenden Streitig leiten regelt, wurde a n - genommen. Die 88 272—276 über die Gleicklvertigkeit der Leistungen Wurden nur unwesentlich abgeänbert, ebenso bie weiteren Paragraphen über Vereinigung, Aus scheiben, Auflösung und Schließung. Bei 8 280 wurde die Bestimmung g e st richen , wonach eine allgemeine Orts- oder eine Landkrantenkasse geschlossen wird, wenn ihr Mitgliederstand nicht nur vorübergehend unter 500 sinkt. Die 88 281—292 wurden angenommen. Nächste Sitzung: Donnerstag. ** 7 5. Geburtstag. Wie schon kurz nntaeteilt wurde, feiert der Senior der Gießener Professorenschaft, heilnerat Professor Dr. Heß, am 23. d. M. sein 40jäh- rigeS hessisches Dien stjubilä um, verbunden nut seinem 7 5. Geburtstag. Ta die Vorlesungen an diesem Ehrentage ausfielen, hatten es sich seine derzeitigen Schüler nicht entgehen lassen, schon am Tage zuvor ihrem hochverehrten Lehrer eine Huldigung darzubringen. Fleißige Hände hatten den Hörsaal in einen kleinen Wald um gewann beit: Eichen guirlanden schmückten die Wände, im Buchen- und Tannengrün prangte der Katheder und Fichtenbäurnchen füllten Ecken und Nischen aus. Kunstgerecht aus Fichtenzweigen geschnitten hier eine große: 75., dort mitten prt Grün ziert die Tafel der Spruch: Heil sei dem Manne, der heut auf ein langes Leben zurückschaut. Das er dem Walde geschentt, nimmer ermüdend im Fleiß; Heute danken cs dir von deinen Schülern die letzten, Siehe, heute danket dir auch Deutschlands herrlicher Wald^ So hatten die Studierenden der Forstwissenschaft die kleine Jubelfeier vorbereitet. Als dann der Jubllar seine alte Lehrstätte aufsuchte, strahlte sein Gesicht vor Fronde über die unerwartete Ueberraschuug, und als ihm daraus einer seiner Schüler im Namen seiner Kommilitonen ein großes Blumenbukett mit sämtlichen Namen auf grüner Schleife überreichte und seine Ansprache in die Worte aus- [lingen ließ: „Unser hochverdienter Lehrer und väterlicher Freund, Herr Geheimerat Prof. Dr. Heß horridoh!!!", lvurdc der greise Herr zu Tränen gerührt. Tief ergriffen dankte er in bewegten Worten und hob anerkennend das vorzügliche Verhältnis hervor, das während der 40 Jahre seines Wirtens stets zwischen Lehrern und Studierenden der Forstwissenschaft geherrscht habe. Wie die schäumende, fofenbe Welle allmählich an den Felsen sich bricht und verlandet, o müsse auch er, von dem Felsen der Zeit gemahnt, allmählich der Ruhe gedenken. — Aber wenn er nun auch kommenden Herbst in den wohlverdienten Ruhestand süch zurückziehen wird, so möge ihm noch ein langes Leden beschieden sein, um sich an der Ernte seines segensreichen Wirkens zu erfreuen. Der Ausschuß für die R e i ch s v e r s i ch e r u n g s o r d n u n g setzte heute die Beratung des Kapitels: B e t r i c b s k r a n k e n- kaffen und Jnnungskrankenkassen fort, (xine nu3=> gedehnte Debatte setzte beim 8 257 ein, der bestimmt, daß ein Arbeitgeber für jeden Betrieb, in dem er mindestens f ünf - hundert Versicherungspflichtige beschäftigt, eine B e t r i c b s - krankenkasse errichten kann, aber auch eine gemeimame lur mehrere Betriebe, in denen er dauernd zusammen mindestens fünfhundert Versicherungspslichtige beschäftigt. Die Nationalliberalen beantragten u. a., die Mindestsatz! auf 200 herabzusetzen; die Konservativen schlugen die Mindestzahl 50 vor, während die Sozialdemokraten die Zahl hessische Zweite Kamm«. R.B. Darmstadt, 22. Juni. Die Zweite Kammer der Stände ist heute vormittag zu einer Sommertagung zusammengetreten, deren Hauptaufgabe die Beratung und Erledigung des Gesetzentwurfs betr. die Gemeindeumlagenreform, bilden soll. Am Regierungstische nahmen Platz: Staatsmiirifter Dr. Ewald, Finanzminister Dr. Braun, Minister des Innern v Hombergk, sowie die Geheimerate Dr. Becker und Best und Geh. Oberi'inanzrat Knell. Die aus 10 Uhr anberaumte Sitzung wurde um IO3,» Uhr vom Vizepräsidenten Kvrell mit der Mitteilung eröffnet, daß Präsident Haas die Kammer einberufen batte in der Erwartung, es werde ihm möglich fein, die Verhandlungen selber wieder zu leiten. Dies sei aber bei feinem jetzigen Zu stand doch nicht der Fall und so müsse er, Korell, noch einmal das Präsidium führen. Vizepräsident Korell vollzieht zunächst die Vereidigung des neu in das Haus cingetretcncn fortschrittlichen Abg. Dr. W o l f - Gonsenheim, der an Stelle des bisherigen Abg. Dr. Frenay gewählt wurde. Das Hans verweist daraus nach Eintritt in die Tagesordnung eine Reihe „zur- vorläufigen Beratung, im Plenum" gestellten Vorstellungen und Anträge an den zuständigen Ausschuß. In betreff des Anttags Köhler über die Schiffahrts abgaben teilt Staatdminiltcr Dr. Ewald mit, daß die Regierung der abgeändertcn preußischen Vorlage zugestimmt habe, die den Wün scheu der Einzelstaaten wesentlich entgegengekommen sei. Der Antrag Köhler sei damit hinfällig geworden, lieber die Gründe zu der Stellungnahme der Regierung in dieser Frage toerbe er bei der späteren Beratung über die Schiffahrtsabgaben näher zurücttommen. Abg. Köhler erklärt daraus, daß er nach dieser Mitteilung des Ministers seinen Anttag zurückziehe. Es entspann sich nunmehr eine längere Besprechung über: Geschäftslage. Abg. Molthan iZentt.) schlug vor und wurde dabei von mehreren anderen Rednern unterstützt, zuerst die Beratung der Gemeindeumlagenreform vorzunehmeu und zu diesem Zweck heute nur eine längere, einleitende Rede des Finanzministers entgegenzunchmen. Von anderen Rednern wurde vor- geschlagen, überhaupt nur die Gemerndeumlagenvorlage zu erledigen und alle übrigen Beratungsgegenstände von der Tagesordnung abzusetzen. ~ _ Abg. Eidach (frei).) bittet, bei der Eile der coache wenigstens und) die Vorlage in betreff der Nebenbahn von Kreuznach (Landesgrenze) nuck Sprendlingen zu erledigen. Abg. Dr. Osann wies darauf hin, daß der von ihm und seinen Freunden eiugebrachte Antrag bezüglich der B o r r o - mäus-Enzhklika doch nicht bis zum Herbst zurückgestellt werden könne. Er bitte, denselben jetzt zur Verhandlung zu bringen. Das Haus trat daraus ht die Beratung der Gemeiudeumlagenreform ein. Zur Begründung der Vorlage nahm zunächst das Wott teile meist verloren. , . , Ein Mitglied der Reichspartei erklärte di e A n t r ag c des Zentrums für unannehmbar Wennwlche Er- chwerungen in das Gesetz hineingetragen werden, so ist eine endgültige Annahme des Gesetzes nicht zu erwarten. ^.ie fort- chrittliche Volkspartei, oder wenigstens einzelne ihrer Mitglieder, eien überhaupt gewillt, das Gesetz zu Fall zu bringen. Es lei die Frage, ob sich eine Weiterberatung überhaupt empiehle. Ein Mitglied der Konservativen erklärte für feine Pattei, daß sie den § 257 abletznen werde, falls die Anträge 1000 in Vorschlag brachten. Das 3 e n 11 u m forderte die Mindestzahl 100. Außerdem beantragte es folgenden Zusatz: „Für landwirtschaftliche Betriebe genügt die Zahl von zwanzig dauernd beschäftigten Versicherungspslichtigten." Ein Zentrumsmitalied warf dem Staatssekretär vor, er tzeige eine gewisse Animosität gegen die Landwirtschaft. Mini- terialbireltor Easver wies diese Auffassung zurück. Nach den statistischen Darlegungen eines sozialdemokratischen Vertreters werden die chronisch Kranken von den Betriebskrankenkassen möglichst und mit Erfolg zurückgewmen. Bei den zusammengelegten Bttriebskrankenkassen gehen die Vor- Finanzminister Dr. Braun: Im Einverständnis mit dem ■ Minister des Innern habe ich mich als früherer Minister des ; Innern zum Wort gemeldet. Das Gemeindefteunwesen berührt am unmittelbarsten den Interessenbereich des Ministeriums des Innern. Dem Finanzausschüsse, besonders dem Berichterstatter 1 Abg. Molthan möchte ich namens der Regierung für die Raschheit, Gründlichkeit und Sachkenntnis, mit der der Bericht erstattet worden ist, banten. Der reiche Inhalt des Ausschußberichtes hübet für sich allein die verheißungsvollste Grundlage für^das diesmalige Gelingen der Zusammenarbeit von Negierung und Ständen. Trotzdem möchte ick noch durch einen kurzen Rückblick auf die Vorgeschichte des Entwurfs einige Ergänzungen machen. Ursprünglich erschien eine Neugestaltung des Gemeindesteuer- Wesens nicht schwierig. Das am 30. März 1901 auf nur 2 Jahre erlassene Gesetz, das ein Provisorium dar stell en sollte, hat sich als recht dauerhaft erwiesen, denn das neue Gesetz kann erst am 1 April 1912 in Kraft treten. Als nach dem Tode des Lrtaats- ministers Rothe die Leitung des Arinisteriurns des Innern an mich überging, mußte man fick bei der Frage, was in der Ge- meinbefreucrreform geschehen solle, darüber klar sein, daß cm vorbehaltloses Eingehen nur die schließliche Stellungnahme der Zweiten Kammer bei der Schärfe der vorlwndenen Gegeniätzc zwischen beiden Häusern und der Aussichtslosigkeit eines glatten Nachgebens aus einer oder der anderen Seite tatsächlich einen Verzicht auf die Weiterarbeit bedeuten müsse. Einen solchen schloß aber das von niemand bcftrittenc Bedürfnis einer Reform aus. Der vermittelnde Vorschlag des verstorbenen Geheünerats St. C. Michel erwies sich als der richtige Weg, ohne Verlassen der Hauptiprundsatze des Entwurfs dem nächsten Landtag eine neue Vorlage zu machen und für fie auch auibem in der Ersten Kammer erivachsenen Material die Elemente zu enttichmQi. Die Bedenken der Mehrheit der Ersten Kammer gipfelten in dem Verlangen, die Gemeindesteuern mehr als (Rein-! Ertragssteuer und nicht in dem vorgeschlagencn Umfang als (Brutto-) Vennögenssteuern zu gcftattCTi. Mit besonderem Nachdruck war dies für die Grundsteuer betont worden. Auf dem Gebiete der Gewerbesteuer bestand über deren Reformbedürftigleit schon früher an sich volles Einvernehmen zwischen der Regierung und den beiden Kammern. Man erkannte allseitig an, daß bei der Veranlagung der Gewerbesteuer mehr individualisiert werden müsse. Was aber hierzu der richtige Weg sei, darüber gingen die Meinungen weit auseinander. Auf dein Gebiete der Kapitalsteuer wurde im anderen Hanse der Vorzug der gcgciuvärtigeit Kapitalrentenswuer vor der vorgeschlagenen Kaoitaivermögenssteuer in Konseauenz des allgemein eingenommenen Standpunktes ebenfalls betont. Was weiterhin die Einkommensteuer betrifft, so weist der frühere Aus- schußbericht der Ersten Kammer auf die große Wichtigkeit hin, von der in der Frage der Verteilung des Stcuerbedarfs der Gemeinde ber Verlwltnisanteck der Einkommensteuer ist. Wenn der frühere 'Ausfchußberickt der Ersten Kammer in seinem Schluß- wott den Wunsch ausgesprochen hatte, in das Gesetz auch die Kreis- und Provinzialsteuern, sowie die Gemeindeabgaben em- bezogen zu sehen, fo schien es richtiger, hiervon im Hinblick au, die Sckmieriakeiten abzustehen, die schon der Versuch eines bloßen Ilmlagengcsetzes gezeitigt hatte, und die noch zu steigern sicher nicht zweckmäßig gewesen wäre. Dagegen ist dem weiteren Bedenken entsprochen worden, das in dem früheren Dorlchlag, die Geltungsdauer des Gesetzes auf 6 Jahre zu befchranken, das Anerkenntnis erblickt hatte, daß ein bedenklicher Sprung ms Dunkle gemacht und das bisherige Provijorrnm durch, cm neues ersetzt werden solle. Der neue Entwurf Verzichter auf eine der^ artige beschränkende Vorschrift. — In der Hoffnung, nunmehr etwas dauernd Brauckchares gridtaffen zu haben, soll ruhig ao- gcwattet roerbvn, ob der Er'olg, der in der Politik schließlich allein über das Richtige oder Unrichtige einer Maßregel entscheidet, diese Hoffnung rechttettigt oder nick:. geschlagene Fassung kann, dem ftimmt auch der Ausrcknßbcricht bei, allerdings feinen Anspruch darauf machen, eine vollkommene intb ideale Lösung der wichttgen Gefetzesmaterie in sich zu bergen. Sic stellt aber gegenüber dem geltenden Rechte eine fo bedeutsame Verbesserung dar, daß ihre Annahme und damit das Zustandekommen der Reform im Interesse der Gemeinden und einer gerechteren Verteilung der Steuerlasten sich dringend empichle. Ist ixe» zutreffend, [o «nb wohl wenige "solch c Arbeiten werden in der ganzen Gegend zu ftnben sein Es verdient nock hervorgehoben zu werden, daß der von Apotheker .Hempel neu gegründete Verein ehemaliger 116 er Regiments-Kameraden, der Mitglieder aus mehr denn 20 Orten zählt, sich mit den Spielten ren des 1.,'Bataillons, Regiment Kaiser Wilhelm, an dem Feste Beteiligt, und an dem Denkmal einen Kranz zu Ehren seiner gefallenen Kameraden niederlegt. [] Marburg, 22. Juni. Der Bericht über das vor- jälfrige Geschäftsjahr der Marb-urger Kreisbahn, die vom Sudbähnhof aus nach Dreihausen führt, ist erschienen. Die Gesamtlänge der Bahn beträgt 16,64 Kilometer, die Gesamtbaukosten betrugen 1622 484.19 Mk., die durch den Staat, den Bezirksverband und den Kreis aufgebracht wurden. Es wurden insgesamt befördert 131577 Personen, wodurch eine Einnahme von 41388.94 Mk. erzielt wurde. Der Güterverkehr in Höhe von 23 957 t brachte eine. Einnahme von 23.512.80 Mk. Den Gesamteinnahmen von 73 853.22 Mk. standen 62 201.13 Mk. Ausgaben gegenüber. Durch den in Aussicht genommenen Anschluß der Bahn an die Strecke Gießen-Fulda dürfte die Rentabilität der Bahn erfyeblicf) steigen. Landwirtschaft. 8 A u § dem Oh in tat, 22. Juni Die Heuernte ist in vollem Gange. Sie liefert em vortreffliches Ergebnis. Tie dies- jährige Heuernte übertrifft an Quantität die vorjährige um mehr Q[§ das Tod nette. Das herrliche Sonuenmetter liefert eine ganz vorzügliche Qualität. Dabei schreitet die Arbeit sehr rasch »ort. Angesichts dieser trefflichen Futteraussichten lind die Preise bei den Heugrasversteigerungen sehr niedrig; sie bleiben nicht selten um 50 Prozent hinter den vorjährigen zurück. Das gibt der Viehzucht, bei der ohnehin die Preise seither aus ansehnlicher Höhe standen, einen weiteren Antrieb zum Fortschritt. 3 — Frankfurt a. M., 22. Ium. Tie Landes-Obst, ün d G a r t e n b a n -A us st e l l u n g, die vom 7.—16.0 k t o b e r in der Fe st halle stattfinden wird, bildete die Tagesordnung einer kürzlich in Limburg a. d. Lahn abgehaltenen Sitzung des Vorstandes des Nassauischen Landes-Obst- und Gartenbau-Verems. Gartenbaninspektor Jungs-Geisenheim erstattete Bericht über die Vorarbeiten: Es könne mit Bestimmtheit gesagt werden, van die Ausstellung an Umfang und Reichhaltigkeit alle ähnlichen Veranstaltungen in den letzten Jahrei: übertreffen dürste. Für den Ortsausschuß berichteten die Obergärtner Kraus und Berg über die lebhafte Teilnahme, die die Ausstellung in den Kreisen der Landschastsgärtnereieu und Bindereien besonders in Frankfurt a. M. gefunden hat, so das; ailch diese Ausstelluiigsteile sehr günltige Aussichten haben. Nachdem sich iroch Direktor Modlniger Frankfurt ft. M. in ähnlicher Weise über die Aussichten der Beschickung des industriellen Teiles auSgesvrochen hatte, machte Kommerziell- rat de Neiliville einige Mitteilungen über die Finanzierung des Unternehmens. Tttrche und Schule. X Friedberg, 22. Juni. Die Evangelische Konferenz sür das Großherzogtum Hessen hielt heute im .Hotel Trapp ihre 5) a u p t D c r ) q m m I u n g ab. Pfarrer Dr. Diehl- Dar m st a d t berichtete über die Stellungnahme der Geistlichen zur von den Lehrern verlangteit Aushebung des § 50 des Schulgesetzes, betreffs Organistendienst usw. Er kommt nach ausführlicher Behandlung der Frage und geschichtlicher Beleuchtung zu dem Schluß, daß die Loslösung der Schule vom Organistendienst im staatlichen und kirchlichen Interesse liege und eine Pflicht der Gerechtigkeit gegen die Lehrer sei. Man werde selbst auf bem Lande mehr Organisten bekommen können, als man brauck-c. Der Vorsitzende des hessischen Organisten- und Chordirigentenvereins, Reallehrer Müller- Friedberg verliest die Hauptpunkte des Beschlusses der Generalversamm- Inng dieses Vereins. Dieser fordert die Aushebung des § 50, die Anstellung der Organisten von der Kirchenbehörde auf Grund der Befähigung zum Organistendienst, Gehaltsregulierung, Pensionsfähigkeit, Auszahlung des Gehalts durch den Zentralkirchenfonds und Steigen des Organistengehaltes nach den Dienstjahren. Mehrer Dollinger- Ober-Gleen verlangt, daß § 50 fällt im Interesse beider Stände; die Verfügung des Oberkonsistoriums habe Miß- stimmung in den Kreisen der Organisten hervorgerufen. Schließlich wird einstimmig folgende Entschließung angenommen: „Mit Rücksicht daraus, daß bei der Reichhaltigkeit der Tagesordnung die Frage nach der kirchlichen Stellung der Organisten usw. immöglich erschöpfend behandelt werden kann, beschränkt sich die Hauptversammlung auf folgende Entschließung, in der ihr das mindest zu fordernde zum Ausdruck gebracht scheint: „daß eine Beseitigung der einseitigen V e r!p f l i ch t u n g^der Lehrer zur Nebernahme kirchlicher Funktionen nad),§ 50 des Schulgesetzes entweder durch Aufhebung des § 50 oder doch wenigstens durch Maßnahmen der kirchlichen und staatlichen Praxis auch im kirchlichen Interesse dringend zu erftreben ist." —In einer anschließenden öffentlichen Versammlung, die gleichfalls stark besucht war, sprac!' Pfarrer Lie. Zur h eller-Frankfurt a. M. über „Die neuesten Angriffe und die Existenz Jesu und die Aufgaben der evangelischen Kirche." 45crid?t$faal. w. Hamburg, 22. Juni. Das Schwurgericht verurteilte den 20jährigen Gastwirtsgehilfen Magnus und den 21 jähriges Arbeiter Burghard, die am 3. April 1910 den 77 jährigen Uhrmacher Lessau gemeinschaftlich getötet und beraubt hatten, zu je vierzehn Jahren Zuchthaus. w. Oldenburg, 22. Juni. Der 20 jährige Buchdruckerlehrling Denker wurde heute mittag vom Schwurgericht wegen Ermordung seines Bruders zum Tode und wegen Tötung der Eltern zu je lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Von den Geschworenen wurde die Frage nach der Ermordung des Bruders bejaht, dagegen die Frage nach der Ermordung der Eltern verneint und auf Tötung von Verwandten in aufsteigender Linie, infolge Störung bei Begehung des Verbrechens, erkannt. Der Allensteiner Mordprozetz. 4 Allen st ein, 22. Juni. Die Angeklagte erscheint heute wegen eines in der Rackst erlittenen schweren Krampfanfalles etwas später an Gerichtsstelle. Verteidiger Reckstsanwalt Bahn beantragt, ein Fräulein Neugebauer als Zeugin zu laden. Herr v. Gäben habe mit der Dame ein Verhältnis unterhalten, und zwar noch bis in den Sommer 1907 hinein. Bei dem Verkehr mit der Zeugin soll v. Gäben Neigungen masochistischer Art gezeigt haben. Er soll der Zeugin gegenüber auch wiederholt von seinem Verhältnis zu Frau v. Schönebeck gest-rochen haben. Ferner soll er ihr gegenüber geäußert haben, es sei kein Verbrechen, einen Menschen niederzuschießen, es gebe überhaupt kein absolutes Reckst und kein absolutes Verbrechen. Die Zeugin soll vernommen werden. Hauptmann Beutel moser bekundet noch, daß v. Göben sich seines Wirtes in Berlin, der krank war und eine zahlreiche Familie hatte, in rührender Weise angenommen habe und noch nach iernem Weggange von Berlin für ihn sorgte. Hauptmann v. Haffken (Erfurt) und Hauptmamr v. Müller (Stuttgart), die den Bureirkrieg für den General stab bearbeiteten, haben dem Zeugen erklärt, das; sie Einzelheiten über verschiedene Gefechte, so namentlich über das am Spionskop, von v. Gäben erhalten, hätten, so daß sie amtebmen mußten, v. Gäben sei selbst an der Schlacht beteiligt gewesen. Schriftsteller v. Loßberg erklärt noch, daß Gäbens Stärke namentlich die Patrouillenritte waren, die er mit 10 bis 12 Mann unternahm. General Botha verdantte diesen Patrouillenritten sehr viele Mitteilungen über die Bewegungen des Feindes und mar geradezu begeistert davon. v. Gäben hat an den Zeugen Beutelmoser einen Brief geschrieben, in dem er sich als Täter bekennt und in dem es weiter Deren * Hüte u n b Schleier sind als krönendes Glied der beu= rigen Mode anzusehen. Jene werden noch von Tag zu Tag größer. Allerdings gestaltet sie die Mode heute flacher, oft in Form und toarmerung io flach, daß man glaubt, einen Eierkuchen oder Don Quixotes berühmtes Barbierbecken vor sich zu haben und nicht eine moderne Tamenkopibedeckung. Die Schlichtheit, ja Spärlichkeit der Garnierung gleichen die Modisten durch Kostbarkeit des Materials und der Hutiormen wieder au§. Roßhaar in allen, besonders hellen und zartfarbtgen Tönungen ist die Losung. Neben ihm ist es nur den haarfeinsten Panamageflechten gestattet, sich sehen zu lassen. Die vorübergehende Neigung, die sich im frühen Frühling bemerkbar machte, sehr grobes, hartfarbiges Stroh zu tragen, chwmdet bereits wieder. Tie Formell der Hüte eignen sich nicht ür grobe Geflechte. Was die obenerwähnte Schlichtheit der Garnierungen betrifft, fo druckt sich diese in einer gewissen Dürftigkeit aus. Es kommt vor, daß em Hut, der beinahe einen Meter im Durchmesser hat, nur zwei oder drei flach auf den Rand gelegte Rosen als Schmuck aitfroeift. Auf anderen zieht sich ein schmales Sammet- ober Atlasband ganz flach aufgelegt in Arabesken über Kops und Rand. Zwischen seinen Verschlingungen rtihen einzelne verstreute Blütett oder Blütentuffs; wieder bei anderen umgibt ein blattloser Blumenkranz den flachen, aber immer sehr weiten Kopf, ober eine Federkrause legt sich um diesen hemm. Der Hut schwebt so auf dem Kopf, daß er nach rechts hinten herabzugleiten scheint, dabei aber doch infolge der Wölbung seines Randes baS Gesicht vollständig beschattet. Links vorn wirb der Rand ein wenig nach oben geschwungen. Bei solchen Niesenhüten legt man meist überhaupt keinen Schleier an. Wo dies im Wagen und Automobil boch geschieht, wählt man ein sehr weitmaschiges Tüllgewede, das, in Ser Farbe mit ber Garnierung übereinftimmenb, sich fest ums Kinn legt. Gemusterte Schleier, in benen man bie seltsamsten Erfindungen macht, werden nur zu den für ältere Damen immer noch beliebten, gleichfalls ans Roßhaar ober Bast hergestellten Turin- tocgnes, die nach hinten zu schwinbelnbhoch steigen, getragen, ober zu ben gleichfalls sehr modernen, über den Hinterkopf gezogenen, das Gesicht umrahmenben Hütchen, von benen em ungeheurer Feberstutz nach hinten iuegftrebt. heißt: Vergesse» Sie mich möglichst und verschwenden Sie kein Mitleid an mich, ich bin dessen nicht mehr wert. Leben Sie wohl für immer und haben Sie Dank für das warme Interesse, das Sie noch an einen Verlorenen verschwenden! Es wird dann nochmals der Oberförster Kölner vernommen. Der Vorsitzende hält ihm vor, daß er von einem seiner Wald- Wärter einen Vorfall erfahren habe, der sich auf die Angeklagte beziehe. Es handle sich um ein Zusammentreffen mit einem! Herrn. Der Zeuge erwidert, daß der Vorfall sich im Sommer 1907 ereignet habe und daß er den Namen des betreffenden Herrn kenne. Die Angeklagte behauptet, daß sie zu der fraglichen Zeit nur zu Herrn v. Göben in einem Verhältnis gestanden habe. Die Verteidiger verlangen, daß der Zeuge den Namen jenes Herrn nenne. Nach längerem Zögern nennt der Zeuge unter großer Bewegung den Namen eines hochstehenden öerrn in A 11 enstein. Die Angeklagte erflärt, daß der Herr ic nur gelüßt habe. Es wird beschlossen, den betreffenden Mald- roärter als Zeugen zu laden. Der Psychiater Freiherr v. Schrcnck-Notzing, der auf Antrag der Verteidigung Herrn v. Gäben in der llntersuchungs- baft beobachtet hat, wird dann, teilweise unter Ausschluß der Oesfentlichkeit, über das vernommen, was .Herr v. Gäben ihm über fein Verhältnis zu der Angeklagten, die Beweggründe und die Ausführung der Tat gestanden hat. Der Zeuge hat den Eindruck erhalten, daß er es nicht mit einem Geisteskranke n zu tun batte, nur war das Gedächtnis Gäbens nicht ganz zuverlässig. Während der Aussagen des Zeugen wird die Angeklagte von einer Schwäche befallen, so daß eine Pause gemacht werden muß. Nach dieser erscheint sie nicht wieder und bittet, von der weiteren Anwesenheit im Gerichtssaale während ber Vernehmung des Freiherrn v. Schrcnck-Notzing entbunden zu werden, da sie nicht vor Mämrern die Auseinandersetzungen über ihr intimes Verhältnis zu Gäben mit anhären fönne. Auf Zureden des Vorsitzenden erscheint sie aber wieder im Gerichtssaale. Freiherr v. Sckwenck-Notzing erzählt, daß v. Gäben^ihm gestanden habe, er habe unter dem suggestiven Einfluß des Schwurs unter dem Tannenbaum die Tat begangen. Hauptmann Schl vifer erklärt, es habe auf ihn einem niederschmetternden Eiirdruck gemacht, daß v. Gäben für die Tai, die er begangen und die in seinem Gehirn geboren wurde, eine Frau verantwortlich machte, bie er angeblich lange heiß geliebt hatte. Entweder war v. Gäben nicht ber, für ben ihn seine Freunde hielten, oder er war geisteskrank. Im Namen aHcij Freunde Gäbens glaube er sagen zu dürfen: Wir hoffen uitb glauben zuversichtlich, daß das letztere der Fall war. Hieraus wird die Verhandlung auf morgen vormittag 9V< Uhr vertagt. * Der Grund. Alter Herr (zum Bummler, der eben seinen Kumpan, ber ins Wasser gefallen war, nrit Lebensgefahr gerettet hat): „Das war eine brave Tat, mein Lieber!" — Summier: „Ach ivat, bet Schafskopp hatte ja meine Tobakspfeife in der Tasche!" Kleine Dageschronik, Der bekannte Graf P ü ck I e r - Klein-Tschirne, der in dem Sanatorium Friedenhain bei München untergebracht war, ist aus der A n st a 1 t e n t w i ch e n. In Koblenz wurde gestern unter großer Beteiligung die achte Generalversammlung des Deutsch-evangelischen Frauenbundes eröffnet. Bei Wermelskirchen (Rheinland) wurde der Mörder Charles P e r r i n verhaftet, der monatelang der Schrecken des bergischen Landes gewesen ist und viele Einbrüche und Kirchen- ränbereien verübte. Petrin stammte aus Toulon, wo er erst vor einigen Monaten einen Sergeanten meuchlings mit dem Bajonett erstach. In Mannheim bat gestern ein junger Kaufmann namens Wer n z die 17 Jahre alte aus Mainz gebürtige Else Schmitt, Mitglied einer Damenkapelle, aus Eifersucht durch mehrere Sttche in die Brust und in den Rücken getötet. Ter Täter wurde verhaftet. Aus La Grave (Haukes Alpes) wird gemeldet, daß ein deutscher Professor, der die Besteigung des Gletschers L a m c g e in Begleitung des 15jährigen Sohnes eines Führers unternahm, mit diesem aus einer Höhe von 300 Metern a b g e ft ü r z t ist. Beide erlitten Schädelbrüche und waren sofort tat. Die Leichen wurden nach La Grave gebracht. • In Calais werden heute nachmittag sämtliche 27 ertrunkenen Seeleute 7» Regen Beb. Himmel Bew. „ t» 22, 22. 23. 744,2 744,2 । 746,8 । 2 I 4 i 2 ! Juni = -s- 22,3 ° 0. „ = + 11,3 °C. m S 2 c- eojä 21,0 14,5 | 78 15 9 12,1 : 90 15,4 10,5 | 81 I 1 I I 1 Höchste Temperatur am 21. bis 22. Niedrigste „ , 21. , 22. Niederschlag: — 11,1 mm. ttiuuer sche vaoeanslau. Mass erwärme der Lahn 1 6 0 B.