Freitag 18. März 191V 160. Jahrgang Erstes Blatt GiehenerAnzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Annahme von Anzeige« wr ot= T-ü-snumm-r Notationrdnick unö Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei H. Lange. bis vormittags 9 Uhr. 3 Bezugspreis: monatlick7öM., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf., auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den volitifchen Teil: August Goetz; für „Feuillc- ton" und „Vermischtes" K. Neurath; für „©labt u. Land" und „Gerichts- Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulftratze 7. Nr. 65 Ter Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Biennal wöchentlich SiehenerFamilirnblätter; iroetrnal wöchentl.Areir- blatt sürden Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monotl. Land- wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen Anzeiger Gießen. Die heutige Nummer umfafjt 14 Seiten. Die Unterschlagungen Duez. O Paris, 17. März. Die strafgerichtliche Untersuchung gegen den betrügerischen Liquidator hat bereits mehrere interessante Feststellungen möglich gemacht. Zunächst kann kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß Duez einen großen Teil der oon ihm unterschlagenen Millionen irgendwo in Sicherheit gebracht hat, da die Nachforschungen und Zeugenaussagen den schla- ; nden Beweis dafür erbracht haben, daß Duez weder in Börsenspekulationen, noch für seine persönlichen Gelüste und Genüsse mehr als höchstens anderthalb Millionen verbraucht hat. Sein eigener Schwager, der für ihn die Börsengeschäfte besorgte, schätzte seine Verluste in Paris und namentlich in Brüssel, wo Duez in Goldminen spekulierte, auf höchstens eine Million. Die Aussagen dieses Zeugen stimmen im wesentlichen mit den in Börsentreisen herrschenden Ansichten überein, da bei Ausbruch des Skandals dort versichert wurde, daß Verluste einzelner Spekulanten, die eine Million übersteigen, in den letzten Jahren überhaupt nicht vorgekormncn sind. Die schwierigste Aufgabe besteht nunmehr für den Untersuchungsrichter und die Polizeibehörden darin, das Versteck ausfindig zu machen, das Duez sich für die gestohlenen Millionen gesichert hat. Geradezu verblüffend ist das einfache Verfahren, das Duez für seine Unterschlagungen benützte. Zunächst machte er alle Einzahlungen bei der Caisse de Depote et Consig- nation in seinem eigenen Namen und nicht für jede der ihm anvertrauten Liquidationen getrennt. So war es ihm möglich, aus der Kasse alle beliebigen Beträge abzuheben, ohne hierfür irgend Jemanden Rechenschaft abzulegen. Er tat dieses denn auch in ausgiebigster Weise und zog beispielsweise mit einem Male zwei Millionen zurück, die er von dem Verkaufspreise des College Stanislas vorerst deponiert hatte. Um den Schein zu wahren, als wären die zwei Millionen noch in der Kasse, ließ er alle drei Monate der Liquidation die entsprechenden Zinsen buchen und die mit der Kontrolle seiner Geschäftsgebahrung betrauten Sachverständigen begnügten sich sonderbarerweise mit dieser Buchung, ohne weiter danach zu forschen, ob das Tepote auch wirklich noch in der Kasse vorhanden war. Nur so war c/> Duez möglich, die begangenen Unterschlagungen so lange Zeit hindurch zu verschleiern. Er zeigt sich übrigens gut gelaunt und antworte! mit selbstbewußtem und überlegenem Lächeln auf die indiskreten Fragen, die der Untersnchungsrichter ihm stellt, da er seiner Sache sicher zu sein glaubt. Sollte es jedoch den Gerichtsbehörden gelingen, die gut versteckten Millionen ausfindig zu machen, dann dürfte Duez zweifellos viel von seiner frohen Zuversicht cinbüßen. Die weiblichen Bekanntschaften scheinen Duez nicht sehr teuer gekommen zu sein, da die bevorzugteste unter Jemen Maitressen, eine Madame Poirier, seit vier Jahren nur 1500 Frcs. monatlich, zusammen also 72 000 Frcs., von ihm erhalten hat, indes er seine Geschenke auf eine halbe Million schätzte. Bei der erwähnten Dame sind für etwa 200 000 Frcs. Wertpapiere und Schmuck gefunden worden, über deren Ursprung sie aber dem Untersuchungsrichter rechtskräftige Beweise erklärte, daß der vorerwähnte tzonorarenrpfänger seinem Kabinett Nicht mehr angehört habe, als er als Anwalt in den Liquida lums- angclegenheiten sungierte. Ministerpräsident Briand verwahrte sich dagegen, das man einen Skandal, der aus den Verfehlungen einzelner Personen entstanden sei, gegen das ganze Regime aus- beuten wolle und wiederholte sodann seine gestern in bet Kammer abgegebenen Erklärungen. ______________________ Deutsches Reich. Wie wir aus Berlin hören, ist eine Korfu reise für dieses Jahr endgültig aus dem R e i s e p r o g r a m m des Kaisers ausgeschaltet worden. Der Kaiser wird seine alljährliche N o r d l a n d s f a h r t unternehmen. Der Grund für den Nichtbesuch von Korfu dürfte in den verwickelten griechischen Verhältnissen und in der Behandlung der griechischen Königssamilie seitens des griechischen Volkes zu suchen sein. Auch Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich werden auf der Rückreise von Jerusalem griechisches Gebiet nicht betreten. Der Bundesrat stimmte dem Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen wegen Aenderung verschiedener Justizgesetze zu. Zur dritten Beratung des Haushalts des Reichsamts des Innern beantragen die bürgerlichen Parteien des Reichstags, in den nächstjährigen Haushalt Mittel zur Unterstützung des deutschen Schillerbund cs zur Gründung und Erhaltung jährlicherNationalfe st spiele iür die deutsche Jugend am Weimarischen Hoftheater einzustellen. Tie „Nordd. Allg. Z g " meld.st: Der GesandteGraf Henckel v. Donnersmarck in Kopenhagen ist auf^ Ansuchen von seinem Posten abberufen worden. Ter Kaiser verlieh dem Gesandten aus diesem Anlaß in Anerkennung der geleisteten Dienste den Charakter als wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz. Aus Magdeburg wird berichtet: Der Verband der Metall industriellen, der davon Kenntnis erhalten hat, daß am Freitag, 18. März, während der Arbeitszeit eine Wahlrechtskundgebung geplant ist, hat beschlossen, alle Arbeiter, die daran teilnehmen, auf drei Tage auszusperren. Allen polnischen Zeitungen ist nach einem neueren Beschlüsse des Verbandes der polnischen Zeitung s ve Heger vom 1. Mai d. I. an bei Vermeidung einer entsprechenden Konventionalstrafe die Annahme deutscher Privatannoncen verboten. Und dies geschieht, trotzdem das Enteignungsgesetz bisher nicht angewendet worden ist. Nach Mitteilungen Hardens in der „Zukunft" soll Graf Aehrenthal bei seinem Besuch in Berlin auf seine Bitte die Zusage erhalten haben, daß mit Rücksicht auf die Forderung der Polen und Slawen in Oesterreich und auf die dadurch gefährdete deutsch-österreichische Bundespolitik die Enteignung im Osten vorläufig nicht verwirklicht werden soll? Die russische Regierung hat nach einer Mitteilung des Auswärtigen Amts den Kaiserlichen Botschafter in St. Petersburg davon benachrichtigt, daß die Beschießung der deutschen Luftballons „Schlesien" und „Tschudi" durch russische Grenzsoldaten zum Gegenstand einer gerichtlichen Untersuchung geworden ist. Auch hat die russische Regierung durch Befehl an die Verwaltung des russischen Grenzwachkorps vom 10. August (a. St.) 1909 eine frühere Verordnung in Erinnerung gebracht, wonach es der Grenzwache streng verboten ist, auf Luftschiffe, welche die Landesgrenze überfliegen, zu schießen. beizubringen versprach. Paris, 18. März. Im Senat erklärte Le Pwvost de Launay, daß bei den meisten Liquidationen die für Liquidatoren und Anwählte gezählten Honorare sehr beträchtliche Summen daritellten. Sv habe ein Angehöriger des Kabinetts des I u st i z m in i st er s 103000 Franks! Ho nv rar erhalten, und er ziehe ans diesen Tatsachen den Schluß, daß die Politik bei allen diesen Sachen eine unheil- vvlle Rolle gespielt habe. Ter frühere Justizminister Balle ICleiitc» Feuttieton. — Ein interessantes Jug endwerk von Rubens tauchte kürzlich auf einer Versteigerung im Wiener Dorotheum auf und konnte für einen geringen Preis für das dortige Hofmuseum ciworben werden. Es i|t das Bildnis eines Prinzen aus dem herzoglichen Hause der Gonzaga in Mantua, bei denen der junge Rubens auf seiner Jtaliensahrt in den Hofdienst trat. Und zwar ist es ein Stück jenes großen Altarwerkes, das Rubens damals im Auftrage des Herzogs Vincenzo für die Kirche Santa Trinita in Mantua schuf. Bei der Besetzung dec Residenz durch die französische Revvlutiousarmee wurde die Kirche als Heulager benutzt. Man schaffte die Gemälde heraus und ein französischer Händler zerschnitt das Alta^ werk des Ztt'bens, um es besser befördern zu können. Doch wurde das schon zerschnittene Werk noch festgehalten, und dir Dreifaltigkeit, sowie der unterste Teil mit den Bildnissen des Herz-ogs Vincenzo, seiner Gemahlin intb Eltern befindet sich nock heute in Mantua. Andere Teile waren verschollen. Tie Söhne und Töchter des Herzogs, sein Windspiel, und ein Soldat, dem Rubens seine eigenen Züge geliehen haben soll, waren hier dar- gestellt. Tas Bildnis des einen Prinzen ist nach einer Mitteilung der „Post" nun wieder aufgetaucht. Wie die Architeftnr- imb Figuren-Stücke int Hintergründe beweisen, gehört es zu dem Mantnaer Mtar. — Henry T hv d e. Nach einer aus Berlin stammenden Meldung, die wir bereits mitgeteilt haben, wird Geheimerat Professor Tr. Henry Thode, int nächsten Jahre aus feinem Lehramts an der Universität Heidelberg scheiden. Als sein Nachfolger ivird bereits Professor Tr. Karl 9teummtn, der zurzeit in Kiel, vordem in Heidelberg und Göttingen wirkende, aus Mann- heim gebürtige Kunsthistoriker genannt. Geheimerat Thode, der zurzeit in Santa Margherita weilt, teilt der Bad L. Z. zu der obigen Nachricht mit, es handle sich um blo ße-Gerüchte: es sei noch nichts beschlossen. I — Von dem Taschent eleg r aph o h ne D raht, eine Erfindung des Pros. Cerebotani, über den wir schon kurz berichtet haben, wurden dem „Tag" jetzt nähere Einzelheiten Witgeteiit. Ten Gedanken zu seiner Erfindung gab dem Gelehrten, wie er launig erzählte, eine falsche Zeitungsnotiz. Als tr tor etwa Jahresfrist in München einen Vortrag über seine Forschungen .auf dem Gebiete der mechanischen Fernwirkungen mit Hilfe geringer elektrischer Energiemengen gehalten hatte, behaupteten französische Blätter plötzlich, vor allem das Journal, er hätte den drahtlosen Taschentelegraphen erfunden. Das genannte Blatt brachte dami sogar in einem spaltenlangen Artikel eine ausführliche Beschreibung des Apparates. Cerebotanis Zuschrift an das Journal, des Inhalts, daß der beschriebene Telegraph nur der Phantasie Les Artikelschreibers entsprungen sei, wurde nicht beachtet. Und so blieb Professor Ccrebotani, wie er erklärte, nichts weiter übrig, als den drahtlosen Taschentelegraphen wirUich zu erfhtbelT. Ter Apparat, der von verblüffend einfachem Bau ist, ruht in einem zierlichen Holzkästchen. An der Vorderseite zeigt er eine Art Zifferblatt, auf dem statt der "Zahlen Buchstaben verzeichnet iinb. Ein Zeiger dreht sich um eine Achse im Mittel- puntt des Blattes into weist auf die telegraphierten Buchstaben. Tie von Professor Cerebotani angestellten Versuche gelangen vorzüglich. Tas Wesentliche an, dem Fernschreiber ist, daß nach jeder Buchstabenmeldung eine selbsttätige Ausschaltung erfolgt, wodurch der Telegraph zwar langsamer als die jetzt gebräuchlichen, dafür aber mit unbedingter Sicherheit arbeitet. An eine bestimmte Entfernung ist er nicht gebunben. Professor Cerebotani ist Priester an der Münchener Frauenkirche. — Leipziger Theaterbrief: Maeterlincks „SDZaria Magdalena". Aus Leipzig wird uns geschrieben: Maurice Maeterlincks dreiaktiges Drama „Maria Magdalena", von dem wegen des Zensnrverbvts in Preußen schon so viel die Rede gewesen ist, hat nun seine Uraufführung im Leipziger NeuenTheater erlebt. Nach allem, was im voraus über dies neue Werk Maeterlincks berichtet worden war, versprach dieser Astend ein seltenes Ereignis zu bieten. Bei der Ausführung sah man sich indessen, p weit der Wert des Stückes in Frage kommt, in seinen Erwartungen sehr getäuscht, und mer das überraschend Künstlerische in der szenischen Ausgestaltung und in der Darstellung sicherte einen stärkeren Erfolg. Tie Umivandlnng im Wesen des schönen Weilüs von der Buhlerin zur Büßerin tritt in den Vorgängen auf der Bühne wirksam und überzeugend hervor und darin liegt ter innere Wert des ersten Aufzuges vor al .ent. Ter zweite Auszug führt in die Villa der Maria Magdalena. Mau sieht, wie sie ixm Berns selig am Halse hängt. Doch sie liebtjtun schon aanz im Sinne der Lehre Christ , nicht mehr mit den Sinnen, sondern nur nock- mit der -Seele. Tie Erscheinung des auferweckten Lazarus fällt ein wenig gewaltsam in diesen Auszug. Ter dritte Auszug spielt bann in dem Hause Josefs von Arimathia. Tie Aus Belgrad wird gemeldet: Der Divisionskommandeur, Oberst Goiko witsch ist zum Krieg s m in t ft er ernannt worden .. 21h$Icih&. Die Blätternachricht von dem nahe bevorstehenden B e -- f u cf) e des Königs von England in Ko n st a n t i- nopel wird in den Steifen der Pforte sowie von der englischen Botschaft in Konstantinopel als falsch erklärt. Ebenso ist die Nachricht türkischer Blätter falsch, daß Adnural Howe dem Sultan ein Handschreiben des Königs Eduard überbracht habe. Tie Londoner Frauenrechtlerinnen versuchten am Tonnerstag dadurch Reklame für eine Versamm- htng zu machen, daß sie eine Dampfspritze mieteten und als Feuerwehrleute verkleidet durch die Straßen des Westens rasten! Wer wünscht, daß es Bei uns in Deutschland auch einmal so weit kommen möge? ! Im Zusammenhang mit den Zwischenfällen in der letzten Sitzung der russischen R e i ch s d u m a legte C h o m r a- kow sein Amt als Präsident nieder und meldete diesen Entschluß brieflich dem ersten Vizepräsidenten: außerdem machte er in der heutigen Sitzung des Aeltestenrates hiervon Anzeige und übertrug darauf den Vorsitz infolge der-Krankheit des ersten Vizepräsidenten Fürsten Wolkonski dem zweiten Vorsitzenden, Schiedowski. Aus Konstantinopel wird gemeldet: We.qen der unter den Bauern Thessaliens herrschenden B e w c - a u n g gegen die m o h am ed auis ch en Grün db es i tz er hat b-te Pforte unter Berufung auf die durch den Vertrag vom Jahre 1881 von der griechischen Regierung übernommene Pflicht, dre Rechte der Mohamedaner Thessaliens zu schützen, sowie unter Berufung auf die gute Behandlung her in der Türkei lebenden hellenischen Staatsangehörigen, das griechische Kabinett aufgefordert, Maßregeln zum schütze der Grundbesitzer zu treffen, widrigenfalls die Pforte genötigt feinmürbe, alle bestehenden türkisch- griechischenVerträge zu kündigen. Nach Benachrichtigung der Pforte hat die griechische Regierung versprochen, die Rechte der Mohamedaner zu schützen, nötigenfalls sogar durch Entsendung von Verstärkungen nach Thessalien. , " Aus Fez wird vom 11. d. M. gemeldet: Der Maghzen bezahlte gestern der schcrifischen Truppe 41 Tage rückstän- big en Sold aus, nachdem eine in der Wohnung des Mai iv ©urbaret, der die Truppe kommandierte, vorgenommene Haussuchung hunderttausend Francs in Gold Zusage gefördert hatte, die aus u n t e r s ch l a g c n e m S o l d c und aus Verkäufen von Patronen, die für die Truppen bestimmt waren, herrührten. Der Kaid ist bereits vor der Haussuchung verhaftet worden. Wie aus Washington gemeldet wird, verteidigte in einer Ansprache Präsident Taft im Traffic-Klub die dem Kongreß zugegangene Eisenbahnbill gegen den Vorwurf, sie sei nur im Interesse der Bahnen abgefaßt. Er erklärte, daß die Bahnen allerdings ein Recht hätten, in dieser Angelegenheit gehört zu werden. Er arbeite darauf hin, daß die Eisenbahnen ihr Geschäft gesetzmäßiger führen könnten, bei Uebertretungen aber auch die Strenge des Gesetzes zu fühlen bekämen. Wie der Mitarbeiter der New Port World in Washington von angeblich bester Quelle erfahren haben will, soll Japan der Botschaft Vorschläge zur Weitergabe an das Staatsdepartement übergeben haben, welche darauf hinzielen, eine Verständigung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten erreichen, so daß beide Länder zusammen im fernen Osten eine vorherrschende Rolle spielen würden, unter Aufrechterhaltung Gefangennahme Christi ist erfolgt. Verns will ihn befreien, meint Magdalena einwilligt, ihm aitzngehören. Aber sic weist Berus ab und läßt die Kreuzigung geschehen. Die Anlehnung der Hcnwlnng an die ber „Maria von Magdala" von Heyse ist offenbar, doch ist die Ausführung und Gestaltung derart, daß die Legende in ber „Maria Magdalena" in durchaus eigener Form erscheint Man vermißt in dem Ganzen einen genialen Zug, einen kraftvollen Impuls, ber mächtiger ans Herz greift. Tie Aufführung gelang in allen Teilen überraschend gut. Die Bühnen- bifber wirkten schön und einheitlich. H. Gr. : — VonderHamburgerSüdsee-Expeditio n l^a i im „Globus" ein neuer Bericht vor, der sich mit ber Erforschung der vier Südwestinseln dev Karolinengruppe beschäftigt. Tie Inseln, die bisher die Namen Merir, Pulana, Sonsocol und TobK führten, werden nach sorgfältiger Prüfung genannt: Meliöl, Bur, Songosor und Togobei. Melickl, das vor einigen Jahren Dom Taifun zerstört wurde und dessen aus etwa 100 Seelen bestehende Bevölkerung daher nach Pelan übergefiedelt war, hat einen trostlosen Anblick: der ganze Sudteil des Eilandes gleicht mit seinen grauen Baumruinen eher einem Masten- als einem Laubwald. Die Insel, die noch nicht wieder besiedelungssähig ist, zeigte nur geringe Reste menschlicher Wohnungen. Mit Bur verhält es sich ebenso. Svngosor umfasst zwei Inseln, von denen die kleinere Farm genannt wird und unbewohnt ist. Auf der Hauptinsel liegen vier eng zusammengebräugte Dörfer mit etwas über 300 Einwohnern. Hier herrscht eine gewisse Fruchtbarkeit, die zu ber Armut ber anderen Insel in Gegensatz steht. Die Landung auf ber vierten Insel Togobei erfolgte unter eigenartigen Umständen. Kaum betraten die Europäer das Land, so wurden sie Don Frauen umringt, die singend und tanzend mit abwehrenden Gebärden! zur Umkehr aufforderten. Besonders unheimlich wurde die Sage, als beim Betreten des Geisterhauses der Priester unter Toben imb Schlagen die Bevölkerung in Auflegung versetzte, so daß alles geduckt sich niederkauern und schweigen mußte, so lange er sprach. Bald aber stellte sich heraus, daiß die so wild erregten Bewohner überaus friedliebend fiitb, feinen Krieg kennen und einzig nur der Liebe leben. Tie 2 Kilometer lange Insel zählt nahezu tausend Einwohner. Sie erkennen nur einen Gott an, wollen von Dämonen nichts wissen und setzen ihre Toten in riesigen! Holzkisten, also Särgen, bei, die man über die See hinaustreiben läßt. Tie größte Merkwürdigkeit der Insel besteht darin, daß das ganze Innere vor Zeiten mit den Händen sozusagen mis- DcS Prinzips der offenen Tür unter gleichzeitiger Garantie der gleichen Behandlung des Handels aller Nationen. Dazu hat der japanische Botschafter in Washington nach einer späteren Meldung erklärt, von den von der „New Bork World" mitgeteilten Vorschlägen Japans an die Vereinigten Staaten nichts zu wissen.________________________ 21 us Stadt und Land. Gießen, 18. Marz 1910. •* Tageskalender für Freitag, 18. März: «Stabt- theater: „Das Konzert." Anfang 8 Uhr. •• Für den hessischen Buß- und Bettag, der nach alter, frommer Sitte wiederum am Sonntag Palmarum -zu begehen ist, hat der Groß Herzog die nachfolgenden BibclsleUen als Predigttexte bestimmt: für den Vormittag: 1. Korinther, 10, 12: „Wer sich läßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle-; für den Nachmittag: 2. Timotheus 1, 7: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht.- Auch in diesem Jahre soll der Ertrag der am Sonntag ,Palmarum in den evang. Kirchen zu erhebende Kollekte 'zur Unterstützung von hilfsbedürstlgen evang. Gemeinden unseres Landes, die an Orten nut überwiegend kath. Bevölkerung bestehen, verwendet werden. ** D er preußische Eisenba. hnrninister von Breitenbach ist heute in Begleitung des Ministerialdirektors Wiesner hier cingetro>,en uno im Hotel Groß- Herzog von Hessen abgestiegen. Die Herren begeben sich «morgen früh nach, Wetzlar zur Besichtigung der neuen >Bahnhofsanlagen. * * Sie staatliche Prüfung von Krankenpflege- Personen im Diakonissenhaus Elisabethenstift zu D a r m [labt beginnt in diesem Jahre am Montag, 11. April. • * Schlußsitzung des Thcat erbau-Ausschusses. Der Erweiterte Ausschuß des.Komitees zur Errichtung eines Theater- und Saalbaues zu Gießen Halle sich am Mittwoch abend im Stadtverordneten-Sitzungssaale recht zahlreich zu [feinet letzten Sitzung versammelt. Der Vorsitzende, Kom- !nierzlenrat Heichelheim, erstattete den Schtutzbericht, aus idem besonders hervorgehoben zu werden verdient, daß es infolge der außerordentlichen Opferwilligkelt der Gießener Bürgersschaft und anderer Gönner möglich ivar, zum Theaterbau die Summe von 410 000 Mk. zu stiften. Mil warmen Worten des Dankes wurde denn auch der großen Zahl von Stistern und allen denen gedankt, die das schöne Unternehmen mit Rat und Tat unterstützt und gefördert halten. Mit allgemeiner Befriedigung wurde verschiedentlich darauf hin- gcwlesen, datz unser Stadttheater in allen Teilen als wohl- gelungen zu bezeichnen ist, welches Urteil auch von der großen Zahl Auswärtiger, die das Theater besucht oder besichtigt haben, vorbehaltlos geteilt wird. Da das bei der Bildung !des Ausschusses gesteckte Ziel nunmehr erreicht und alle da- smlt verbundenen Arbeiten erledigt sind, konnte die Auflösung [des Ausschusses mit der Ueberzeugung erfolgen, em schönes gemeinnütziges Werk zur allgemeinen Besriedigung gelöst zu haben. j ** Das Re.algymnasium von Gießen halte noch dem JahreSoeriK für das jetzt zu Ende gehende Schuiia.hr ein- iMirßiicy seiner Vorschule im Ansang des wahres einen Besuch, von 399 Schülern und 12 Schülerinnen; 18 Schüler traten ein und 35 aus, so daß am Moe des ^SchMahres ine Answus .noch von 394 Schülern und Schülerinnen, vesuchl^ war. Von der Gesamtzahl der Schüler (429j waren 3/1 (11 Schülerinnen) evangelisch, 19 katholisch und 21 (1) israelitisch. Aus Gießen waren 500 (9), aus anderen hessischen Urten 77, aus anderen Deutschen Staaten 32 (3) und aus dem Ausland 2. Die Reise- ^chrüsung bestanden am 28. Seplemver v. I. ein und am *24. Fevr. 1910 zehn Schüler bezw. Schülerirrnen. Die Ober» Realschule halte 559 Schüler und 12 Schülerinnen. 40 kamen im Lause des Schustahres hinzu und 68 traten aus, fo daß der ^Bestand am Schluß ms Schutsohres 543 velrug. Von der Gesamtzahl der Schüler (611) iraren evangelisch 4v4 (12), tacholisch 36 uno israelitisch 41. Aus Gießen waren 354 (3), aus anderen (hessischen Urten 150 (2), aus anoeim deutscl)en Staaten 6o (7) und aus dem Ausland 2. Dte Reifeprüfung destanden im Hervst 71909 zwei und und im Frühjahr d. VS. zwölf Schüler. An beiden Anstalten und der Vorschule wirkten einschließlich des Direktors ^Geh. Schulrat Dr. Rausch 45 Lehrkräfte, nämlich 30 Oder- slehrer, 6 Reallehrer, 5 provisorische Lehrer und 3 Hilfslehrer. -Das neue Schuljahr beginnt am 4. April. * * Dte Fru yj a y r s l o n r r o l rv ers am m lun g en für den Lanvwehroezirk Gießen finden am o. April und den folgenden Tagen start (s. Kreisblatt). | gehoben wurde und so eme Reihe dünenähnlicher Hügel entstand, Zwischen denen die mit Taro bebauten Felder liegen, ßlur so war auf dem kümmerlichen Sandboden die Pflege des Taro möglich, der ihre Vauptnayrung ist. Die Beoölterung dieser vier Südwestinseln ist sprachlich uiid körperlich mit den Zentrat-Karo- 1 iniern eng verwandt, steht aber zu der des nahegelegenen Pelan in einem deutlichen Gegensatz. — Kleine Chronik ans Kunst und Wissenschaft. Der öslerrelchijche Geschichlsjorscher, Mitglied des Herrenhauses, Geh. Rat Alexander Freiherr von Helsert ist im Alter von 90 Jahren i n W i e n gestorben. — Pros. Eduard P s l u e g e r, der bctaunte Phhsiolog, ist in Bonn im Alter von 81 Jahren gestorve n. Pflueger, em geborener Hanauer, habililierte sich 1858 au der Berliner Universität, folgte aber bereits 1859 einem Rui nach Bonn, wo er seitdem als Professor der Physiologie mSDirektor des physiologischen Instituts gewirkt hat. — Geheun- -rÄ^Proü Tr. Alois R l 11 e r von S ch m i o, vormals Ordinarius der Apologetik, ist im Alter von 85 Jahren miolge eines Schlaganfalles ist Müncyeu gestorben. — Ter bekannte Zeichner Tom Bro w n e ist gestern ui London im Alter von 58 Zähren g e st o r b e n. — Im alten Schlosse zu Straßburg wurde am lö. März öie von der Gesellschaft für Lunftireunde uerannalteie Elsässische P o r t r ä t - A u s st e l lu n g eröstnet. Sie enthalt Bildnisse hervorragender Elsässer und solcher Personen, die mit dem Elsaß geschichtlich m Berührung gekommen sind. Beginnend nut dem io. Jahrhundert, verfolgt sie die Geschichte des Landes durch drei Jahrhunderte und schließt mit dem Anfang des 19. Tie Aus- lielluiig dauert vom 15. März bis du. April. — In der jährlichen Generalversammlung der „Eongregatwnal Union" von England und Wales m Lincoln wurde beschlossen, in Zukunft auch Frauen als Geistliche zuzulassen, wenn sie nur über die für männliche Kandidaten vorgeschriebenen Bedingungen verfügen. — Paul H e i) f c hak als Ausdriick des Tankes für bie ihm zu feinem 80. Geburtstag zuteil gewordenen Ehrungen dem Magistrat der Stadt Aiünchen 'Mark 8uü0 für die Aruien der Stadt und dem Mimcheuer Jouinatisten- und Schriitsiellerverem Alark 1000 für dessen gemeinnützige Einrichtungen überiuieien. — Eine Bereinigung der Freunde des Goetheyaujes hat sich m Weimar gebildet, die das GoetheGiationalmuseum reichhaltiger gestalten wollen. — Aus Ehristiania kommt dte tzlach- -richt, daß Proiessor Fridtjof i)l n n f e n in diesen Tagen dte Jetzte Land an em größeres hi st orisch-geographisches ^W e rk legt. Das Wert wird den Titel tragen „Nord i in Diebel beim" und behandelt die Erforschung der nördlichsten Bezirke der Erde von den frühesten Zetten bis zum Schlug des 16. Jahrhunderts. *' Die Ve r gebung'dcr Fleischlieferung an die Kliniken ist, wie uns tniigeteilt wird, noch nicht erfolgt, wird aber in den nächsten Tagen vor sich gehen. ** Im A lpen v er e in, SektionGiesten, hielt gestern abend Obevamtscichter Wünzer von Wald-Michelbach einen Vortrag über Mittel- und Hochgebirgswanderungen. Ter Redner, der im südlichen Hessen, in dkord-Baden usw. als warmherziger Verkünder der Schönheiten unserer heimischen Berge und des Hochgebirgs betairnt ist, gab zunächst eine anschauliche Schilderung eines Ausflugs von Salzschlirf in die hohe Rhön, zur iagenunüvöbcnen Dlilseburg und erzählte ferner von einem Herbstausflug nach dem Zillertal mit Besteigungen der Ms- sichtberge Riffler und Kraxentrager. Wenn der Redner am Eür- gang seines fesselnden Vortrags feine Vortragsweise insofern als altmodisch bezeichnete, als er auf Lichtbilder, Photographien usw. zur Unterstützung des gesprochenen Wortes verzichtet, so wird wohl jeder der gespannt lauschenden Zuhörer das Gefühl gehabt haben, daß des Redners Vortragsart die wertvollere ist. Tenn Herr Wünzer führte in freier Rede prächtige Landfchastsbilder am Auge der Zuhörer vorüber. Tie Glitteilung beachtenswerter touristischer Leistungen wechselte mit prächtigen Naturschilderungen und b-er humorvollen Wiedergabe kleiner Reiseerlebnisse, wie sie beide nur der erzählen lann, der wie Herr Wünzer mit offenem Auge und warmem Herzen in den heimischen Bergen und den Alpen wandert. Tie Hörer belohnten den emstündigen prächtigen Vortrag mit lebhaftem Beifall, dem der Vorsitzende der Sektion, Prof. Hedderich, herzliche Tankesworte folgen ließ. Das liebenswürdige Versprechen des Redners, auch in Zukunst gelegentlich die Sektion als Redner zu besuchen, wurde allseitig mit großer Freude ausgenommen. ** Deutscher und österreichischer Alpenverein, Sektion -Oberhessen. Die dritte Monatswanderung führte am letzten Sonntag eine stattliche Anzahl von Sektwnsgenossen von Butzbach über den Hausberg und durch das besonders für Frühjahrswanderungen empfehlenswerte Solmslal nach Braunfels. Der sechsstündige Marsch bot den Teilnehmern viel Anregendes und war trotz des Frühregens, der bis zur Ankunft in Butzbach angehalten hatte, vom Wetter überaus begünstigt. Auf die nächste Wanderung ins Dill- und Lahntal fei jetzt schon hingewiesen. ** Vom Kolosseum wird uns geschrieben: Die gestrigen Kämpfe zeigten wiederum die hervorragenoe Klasse der hier versammelten Ringer. Während der erste und letzte Kampf nur kurze Augenblicke dauerte, gab es int Treffen zwischen Grammer (Bayern) und Eigemann (Rheinland) einen harten S«.rauß. Scharf gingen bic beiden aufeinander. Angriff und Parade wechselten in interessanter Reihenfolge und rjfjen das zahlreiche Publikum zu lauten Beifalts- tundgevungen hin. Nach 30 Almuten mußte der Kampf unemschieden abgebrochen werden. Weltmeister Weber besiegte feinen Gegner Nielsen (Finnland) schon nach 2 Minuten mit Schuuerdrehgriff aus dem Stande. Uno Martz o n a l d (Schottland), per sich a.s beachtenswerter Gegner entpuppte, warf den Polen Subanofs nach 3 Minuten mit „cetnture ä retours en tourbillon". Heute ringen: Mac- donaid (Schottland) gegen Karzurky (Ungarn), Pierre le Boucher (Frankreich) gegen Grammer (Bayern), sowie der neue Kampf Oster (Luxemburg) gegen Jes Nieisen (Finnland). Das Ergebnis vom ersten Tage wurde für ungültig erklärt. ** Scheidenkatarrh ist unter dem Rmdviehbestand in Dorf-Gill ausgebrochen. Da die Krankheit ansteckend ist, hat das Großh. Kreisamt besondere Bestimmungen zur Unterdrückung der Krankheit angeordnet, die im heutigen KreiSblatt veröffentlicht werden. Lich, 17. März. Die Festspielwoche geht ihrem Ende entgegen, ^lur noch 3 .Aufführungen der Vaienanoi- schen Fep.preie finden statt. Der .Andrang zu diesen letzten Aufführungen verspricht sehr groß zu weroen, denn noch dauert das lebhafteste Jnteres,e für die glanzvollen Darbietungen ungefchwacht fort und .Anmeldungen von Vereinen auck) aus entlegenen Orten Laufen ein. Nicht nur Militär- und Kriegervereine, auch Gesang-, 9iaofahrer- u. a. Vereine haben zum Teil Mann für Alaun die Festspiele besucht. Ganz besonders lebhaft war auch die Bkei-tgung der Schulen aus vielen Orten. w Frankfurt a. Al., 17. März. Heute abend gegen 7 Uhr tötete sich im Wartesaal des hiesigen Hauptbahnhofs die ca. 50jährige Musiklehrerin Elisabeth Pfeiffer durch einen Schuß m den Mund. sj Laasphe, 17. März. Wie sich jetzt herausstellt, haben die gewaltigen Schneefälle im letzten Winter in Den Wittgenstemer Forsten Hunderte von Fichtenstämmen in der Mitte durchgeknickt, so daß sie nur noch als Brennholz verwertet werden können. — In Eiserfeld wurde cm Falschmünzer verhaftet. ** Kleine Mitteilungen au§ Hessen und den Nachbar paaten. i-icr ui uer genügen Notiz üöer Gelände-Bc f i tz w echfs-el mitgctciltei Verlauf des Grundstückes Ecke der Lntzwigstraße und des Leiygesterner Weges erfolgte pn Frau Karl (nicht Georg) Buderus Witwe. GericytSjeraL. Münster i. W., 18. März. Das Schwurgericht verurteilte den aus Holland gebürtigen Stallschweizer Ionk - mann, der anT 12. Januar aus Eifersucht die Dienst- magd Ammermann int Bette durch einen Revolverschuß tötete und den Gutspächter Kleymann durch einen Schuß so schwer verletzte, daß er an den erhaltenen Verletzungen dato daraus starb, zum Tode und zu 15 Jahren'Zuchthaus. Braunschweig, 18. Marz. Der Harzburger Hotelbrand hat getzt vor dem hiesigen Schwurgericht seine Sühne gefunden. Der Hotelbesitzer Buchheister, Der den Braud angelegt hatte, um dura.) die Versicherungssumme seine schlechten Vermögensverhäitnisfe auszubessern, muroe zu fünf Jahren Zuchthaus und zehn Jayren Ehrverlust, seine Gye,rau zu vier Jahren Zuchthaus uno acht Jahren Ehrverlust und Der Arbeiter' Heinrich Buchheister zu einem Jahr Zuchthaus verurteilt. Vermischtes. * Eine kaum glaubliche Geschichte der Entbehrungen, die ein Leuchtturmwärter ouiuräiuaau^en hat, wird aus Rewyork gemeldet. Es scheint, daß der Wärter des Leuchtturmes yiorwalk un Long Island Sund während des stürmischen Wetters nicht mit genügenden Lebensrnitteln versehen werden tonnte, und bau sein Gehilfe, der am Beginn des Monats seinen Dienst antreten sollte, nicht erschien. Der Wärter beschloß daher, den Betrieb des Leuä-tturmes allein aufrecht zu erhalten; aber feine Lebensmittel wurden knapp, und als schließlich am vergangenen Freitag ein Boot an den Leuchtturm anlegen konnte, fand man den unglücklichen Mann saft verhungert vor. Seit mehreren Tagen hatte er fich nur von Hundekuchen ernährt. Er war zu schwach, um zu stehen und kroch feinen Rettern buchstäblich entgegen. Die Sache hat großes Aussehen erregt und wird von dem Leuchtturm- Amt genau untersucht werden. * Der Whisky in England. Das Nationalgetränk der angelsächsischen Rasse dies- und jenfeits des Ozcans hat seine Heimat in Irland, wo man schon un 14. Jahrhundert Whisky brannte. Auch der Name, der „Lebenswasser" bebcuLt, ist irischen Ursprunges. Ter damit bezeichnete Branntivein aber har sich längst auch in Schottland, später in England und Nordamorila eingebürgert, und die Produktion ist noch immer im Steigen. Wie dieser Tage im englischen Unterhaus auf die Anfrage eines Abgeordneten von amtlicher Seite mitgetcilt wurde, sind im Jahre 1909 zur Whiskyfabrikation verbraucht worden (wir rechnen die englischen Gewichtsmaße in deutsche um): in Irland 54157 Zentner Malz und 100 000 Zentner ungemalztes Korn, in Schottland 207 600 bezw. 132134 Zentner, in England 19 021 bezw. 54 150 Zentner, außerdem aber noch in England 23 250 Zentner Reis, 1093 533 Zentner Melasse und 20 304 Zentner andere Materialien. Kleine Tageschronik. Eine interessante Zwillingsgestalt wird in Castans Panoptikum in Ber 1 in gezeigt. Die Gestalt, die fich Frank Lentini nennt und einer Zwillingsgeburt entstammt, hat zwei regelrecht und vollkommen ausgebildete Unterkörper. Das vierte Bein ist jedoch nur in ganz kleinen Anfängen ausgebildet. Ein zweiter Oberkörper fehlt ihm dagegen vollständig. Die beiden Unterkörper sind in der Hinteren Beckenwandung verwachsen. In einem Steinbrua) bei H a r o h e i m in Baden verursachten Funken, die aus dem Feuer einer Feldschmiede in einen offenen Vorratsraum für Sprengpulver getragen wurden, eine Explosion, durch die sieben Arbeiter schwer verletzt wurden. Einer von ihnen ist bereits g e st o r b e n. Die Telephonverbindüng England-Frankreich wird um zwei neue Kabel vermehrt, von denen das eine England, das andere Frankreich legt. Jedes Kabel wird vier Drähte enthalten. Mit der Legung des ersten Kabels wird bereits im Mai begonnen werden. Der SranS des tturtheaiers in Ems. Ein im Karser-Eafo zu Gms gestern vormttmg aus- gebrochener Brand griff auf das Kurtheater über. Es ist vollständig ausgebrannt. Der Br.and war um 3 Uhr gelöscht, lieber die Ursache ist noch nichts Genaues, bekannt. Auf unsere telephonische Anfrage werden uns aus Ems folgende interessante Einzelheiten über den Brand des Kurtheaters mitgeteilt, dessen Leiter bekanntlich Direktor Steingo etter ist: Das Feuer braci) in dem mit Möbeln gefüllten Hinterhause des Hotels Kais er Hof aus, ohne daß man bis jetzt die Ursache hätte seststellen können. Binnen kurzer Zeit hatte das verheerende Element einen riesigen Umfang angenommen. Dicke, schwere Rauchwolken wälzten sich gen Himmel und eine fürchterliche Glut erfüllte die angrenzende Römerstraße. An den Möbeln hatte das Feuer reiche Nahrung gesunden . dann über die Brandmauer hinweg den Theatersaal ergriff. Die Feuerwehr arbeitete mit größter Anstrengung, aber erst nach dem Eintreffen der Feurwehr des Blei- und Ailberwerkes gelang eI mit 11 Schlauchleitungen, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Bei bem Umfang aber, den es zu nehmen drohte, begann man um 1/212 Uhr das Hotel auszuräumen und innerhalb einer Viertelstunde war mit Hülfe vieler hilfsbereiter Härrde daS. Inventar in Sicherheit gebracht. An dem Theatersaal war allerdings nicht mehr viel zu retten. Tas Da chbrach zusammen und der 20 Zentner schwere Kronleuchter stürzte mit lautem .Getöse zu Boden, lieber ihm brach das Gebälk zusainmen. Die .Seitenwände und die Pfeiler hielten. Nur durch das unermüdliche Arbeiten der Feuerwehr gelang es, auch hier des Feuers. Herr zu werden. Dies lvar um so mühseliger, als. ein frischer Wind die Flammen beständig belebte. Heute ist der Ort, der fo viele Einheimische und Kurgäste so oft in froher Runde vereinte, ein Bild traurigster Venvüstung. Ter Schaden beträgt xtwa 75 000 Mark, ist aber durch Ber-i stcheruug bei .der Nassauischen Brandlasse gedeckt. Ter Besitzer null die Meder Herstellung derartig beschleunigen, daß mit Beginn der Spielzeit, im Juni, menigfijens in einem Provisorium ge- ,Vielt werden, kann. ■ . I - . . Ans eine Anfrage beim Bureau des Stadttheaters wird uns mitgeteilt, daß Direktor Steingoetter sich heute nach EmS begibt, um mit dem Kurdirerior über die zu ergreifenden Maßnahmen zu beraten. Vorläufig ist es nicht möglich, einen Ueberblick über die Lage zu geioinnen oder die nötigen Schritte im voraus zu bestimmen. Murtte. § Grüubcrg, 17. März. Den heutigen Ostermarkt be° günftigie weniger schönes Wetter, wie es senyer herrschte. Der Schwelnemarkt >var mittelmäßig befahren, da der uiinrft der frühen Ostern wegen sehr frühe fiel. Trotz sehr Hoyer Pretfe ging der Handel recht flott. Alan bezahlte für das Paar Ferkel im Alter von 10—12 Wochen 80—90—95 Mk., mittlere Sorte 65 bis 75 All., geringster 50—60 Äck. Auf dem Rindvtehmartt betrug der Antrieb ca. 40 Stück. Auch hier zeigten sich hohe Preise bei mittelstarker Handelsbewegung. 11 Marburg, 17.'März, yeute wurde hier der Frühjahrs- Pserdemarkt abgehalten. Aufgestellt waren 176 Pferde, darunter 8 Fohlen. Das Geschäft gmg flott. Amtlicher Wetterbericht. Oessentliche Werterdieuststelle Gießen. Allgemeine Wetterlage fett Donnerstag früh: Die nördliche Zyklone hat ihren Weg ostwärts nach Finnland fortgefetzt und strichweise bereits gestern geringen Regen gebracht. Die Temperaturen, dte bei ficllemveije Harem yunniel (Gteßen, Frankfurt) unter u Grad gesunken waren, sind gegen geftern nur wenig verändert. Auch heute morgen fällt ui vielen Gegenden bereits Regen. Dentjchland kommt jetzt m den Bereich der lallen Äiord- winde der Zykloiienrückseite, fo daß empftndlich kühles Wetter emtritt. Wetteraussichten in Hessot am Samstag dem 19. Marz 1910: Regen, sirichiveife auch m den Niederungen Schneefälle, starker Norüwest, sehr kühl. fg. | Murcia-Blutapfelsinen I hochfeine, ovale, dünnschalige Früchte Dtzd. 60 li.lOO Pf. y Valencia-Apfelsi säen per Dtzd. 30, 40, 50, 60, 70 und 90 Pfg. I a,s/3 Zitronen Dtzd.60il.80Psg. Frische Trauben Pfd. so Pfg. 8 Pariser Kopfsalat 3 Kopf Pfg. Neue Aegypter Zwiebeln | 10 Pfd. 1.30 M!., 5 Pfd. ro Pfg., ä Pfd. 15 Pfg. ! G Rabattmarken. G ,^-j Qeit „oni i. Avril 1910 bis Ende März 1911 sollen aus dem hiesigen Wochcnmarkt eine Anzahl Verkautsplatzc ver- 6ebEM AnÄöie biernns sind bis soatestonS 22. d. Mts vormitiaaS 12 Uhr, bei der Riirgermenterei eiNLureichen, wmelbff auch die Bedingungen und r'lngeboisformulare erhältlich 'ind.-------------- Stadt. 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Es können eingestellt werden: B18/3 1 Wageulackär'er^l Schlosser, 3 Dienstmädchen, 2 Lausmädchen, 1 '^bdüt^l«udjbin&cv, 2 Schlosser, 2 Bäcker, .1 Glaser, 1 Kaufmann, 2 Schreiner- 1 Stuttateur, 1 Tapezierer und Polsterer, 1 Gärtner, 2 Schneider, 1 T^^oncx. b bei auswärtigen 2lrbeitgeber n: 2 Schmiede, 2 Steinbrecher, 1 Gärtner, 1 schreiner, 1 -±>0(1110^, 1 Rahmenglaser, 2 Schneider, 2 landw. Knechte. 1 landwirisch. Dienstinädcheii. Lehrlinge: 2 ^djiniebe, 1 (Sattler. IB^ckerZMÄ'ger, 1 Blankgläser, 1 Rahmenglaser, 1 Maschinenschlosser, 2 Bauschlosser, 1 Jagd- ob. Waldaufseher, 2 Handlnngs/ nrhilfen 1 Schreiber, 1 Elektromonteur, 2 Spengler, l Küfer, 1 Schmied, 1 Kernmacher, 2 Schreiner, 3 Maurer, 2 Weißbinder, 1 Schuhmacher, 1 Krankenpfleger, 1 Gartenarbeiter, 1 'Aus lauter, 5 Hausburschen, 7 Arbeiter, 4 Juhrknechte, 3 x-auffraticn, 1 Waschfrau, 1 Strickerin, 1 Flicksrau. K- Weise per Flasche von Mk. 1.20 an. Reellste Bedienung zugefichert. Jak. Steinm©yer Ich eröffnete Blockstrasse 1311 ein Röntgen-Institut | Sprechstunden: wochentags 723—14 Uhr DcliliilntmalhlNlg. Bekanntmachung. | Betr.: Tie Ausführung des Reichsgesetzes der Gewerbeordnung ^)-e an(ä(jHcf) des Wettbewerbes eingeretchten, nicht 8 vom 30. Juni 1900. . - ,^- ämiierten und auch nicht anqekausten Pläne können bei dem D Wir bringen hiermit zur Kenntnis der Jnteres,enten, daß p^mnerlen^no ouu) niaji « । * ( | im Jahre 191.0 an den nachbezcichneten Tagen die Vorschriften "adtischen Ttcchauamt dahier - fte w g g h | über die Mindesttnchczeit und Mittagspausen der Gehilfen, Lehr- werden. W h K linge und Arbeiter (§ 139 c der Gewerbeordnung^ keine Anwen- Gießen den 18. März 1910. , Sn^a^&Äbi^O ZMUchMt AckittMMs ilJltB« | bürfen Emgetr. Genossenschaft mit be|chrankter Haftpflicht. 'n?3 Wochentage vor Ostern 23., 24. und 26. März 1910, | D o e r i n q. ft n a g- |!;' b) 1 Wochentag vor Himmelfahrt 4. Atai 1910, c) 2 Wochentage vor Pfingsten 13. und 14. Mai 1910. d) 14 Wochentage vor Weihnachten 9., 10., 12.—17. und bis 24. Tezember 1910, e) 1 Wochentag vor Neujahr 31. Tezember 1910. Eine Anzahl weiterer Tage, an denen Ausnahmen von gesetzlichen Vorschriften gewährt werden können, bleiben für vvrhergesehene Falle Vorbehalten. Gießen, den 14. März 1910. Großherzoglichcs Polizeiamt Gießen. R e i n b a r t. ________________ Letzte Nutz mtb Breunholzversteigernug im Fürstlich Stolberg Wcrnigcrödischcn Forstrevier Gedern. Dieuotag den 22. Marz int Jontbezirk Gedern auv UM- den Ä’ÄÄnÄi SmÄ S.ttÄÄ Di- F-stwirtfchast ,u bem am 10. ... 11. Juli 1910 Beiirkskeieaerfest, von 40-49 cm Dm. Ahorn: 1,63 Jsttn. linier 2a cm Dm., 3,10 Jstm. von 25—39 cm Dm., 0,89 J-stm. vmi 40—49 cm Dm., 0,43 0cr6unhcn mit Fahnenweihe, soll vergeben werden. Bewerber werben gebeten, ihre Angebote bis zu». 1. April ________ — BolkartShaiitt. Erlen: 1,19 Affin, unter 25 an Dm., 1,54 F,tm von mic einzureichen. Rokanntmaelrunn. ®ombcc£>a-b-17- .9Här«1910:.. . t1688 ♦ *111* Wl Derbstangen: Eichen 0,05 Z-stm.; Buchen 0,65 Fstm.; Eschen^ Der Vorsitzende des Kneqerverellis. Der Voranschlag der Gemeinde Großen-Li.toen pro 1910 g,49 Ast.u : Ahorn Nj. liegt vom 19. d. Mts. an während acht Tagen zur Em- trenn'bolz"Buchen: 169 Nm. Scheit I. KU 70 Rm. Scheit irßL; sicht im» Entgegennahme e.wmger Emw°nd.mgen h.er offen „ Rm «n-pp-l- Großen-Llndcn, am 17. Mar^ 1910. g JJ. . 9 ;)hnpttnüppel. Nadelholz: 29 Rm. Scheit: 40 Rm. stnuvvel^ Großh. Bürgermeifteret Grotzen-Lmden. 9 Nm. Reiserkuüvpel. Das Holz wird aut Wimich vorgezelgt. Das PJ • oeun Brennholz kommt zuerst zum Ausgebot. Nähere Auskunft durch - --------1 Förster Jochem und s>or,tschutz Oberheim in Gedern. Zuialnme - kunft 9'/,. Uhr vormittags im Bergwirtshauv tn Gedern. ID1 /3 Gedern, den 16. März 1910. Der ObertörUer: SH in ne 16 örter. •! 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In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Karl Schäfer in Lollar ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen da? Schlußverzeichnis der bei der Verteilung zu berücksichtigenden Forderungen — und zur Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögensstücke — der Schlußtermin auf Montag den 11. April 1910, vormitt. 10 Uhr, vor dem Großherzogl. Amtsgerichte Hierselbst, Zimmer 14, bestimmt. Gießen, den 15. März 1910. Kranz, als Gerichtsschreiber des Großh. Amtsgerichts. b,8/s Versteigerung. SamStag den 19. ds. Mts., mittags um 12 Uhr, wird ein herrenloser Pin ich erb und aus Gr. Polizeiamt versteigert. Gießen, den 18. März 1910. Kimmel, (1629 Polizeiwachtmeister. empfiehlt (01994 Chr. Faber, Dampfziegelci, __________Leihgestern.__ MkutslheMrMe Selterswcg 83 Tcleph. 729 empfiehlt ft-sches ©ClllÜfc. Direkter Import aus dem mittäglichen Frankreich. (02197 Berkaus bekannt weit unter hiesigen Marktpreisen. 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Marz, Cafs Ebel (oberer Saal) Vortrag des Herrn KreiSamtmann Löhlein zu Offenbach: „Als Tourist auf die kanarischen Inseln.“ Damen und eingeführte Gäste willkommen.(vtf/s ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Pitt SMitalsr Giessen. Direktion: Hermann Stelngoetter. Freitag den 18. März 1910 Anfang 8 Uhr 20. Freitag-Abonnem.-Yorstellung. ns- Novität! -&a „Bas Konzert“ Lustspiel in 3 Aufzügen von Hermann Bahr. Anfang 8 Uhr. Ende geg. IO3/, Uhr. Sonntag den 20. März 1910 Nachmittags 31/» Uhr Kleine Preise! Kleine Preise! „Narziss“ Drama in 5 Auszügen von A. E- Brachvogel. Anfangs Uhr. Ende geg. 6'/° Uhr. Abends 7Vg Uhr Gewöhnl. Preise! Gewöhnl. Preise! Gntscheinc haben Gültigkeit. Gastspiel von Herrn Hans Baumeister vom Gr. Hoftheater Darmstadt „Tantris der Narr“ Drama in 5 Akten von Ernst Hardt. SInfJ’/sUbr. Ende geg. 10 V, Uhr. Tie ,A' ivöi 1 uns Psarr iung, lani habet Der! 2 inüiig Aosc der C ivendi H einem sei, d< sprech ringet sehe i ivichti uberlc gönne der < 'Art d seiner Erblit vor, i Leben derar ’ vorru ivndc ! liefet ; ttächt erhlid < Refor ■ erblici 5 es di unser Uch filou lilb „Ifllti 3Nr Hess brüt geben Koz. einnc gleich im F 2 tion jbenb Schon es ha sonder fatnmi noch t hatte geford meist wesend sichten tarn cs Weft. wesen i Ne I 'n Win begründ Jarmb Tchulc Misse -Leyer, Zen ba. Krieg Garnier arine L'h Hit ?e,en - Schale, «'n eiq Sm H die tz»« ^rnibc $ooo Mark. Nns B