Die heutige Nummer umfatzt 16 Seiten. Politische Wochenschau. Gießen, 24. S^ptt Die Häupter der sozialdemokratischen Radikalen wissen es ganz genau, auf welchem Boden ihre Früchte am besten gedeihen: he säen nicht und sie ernten nicht, sie negieren nur, und die Erfolge häufen sich von selbst in ihren Scheunen. Der alte Bebel prägte den weisen Satz: „Die Ne- aierer haben schon immer viel mehr erreicht als die positiv Arbeitenden". An der Richtschnur dieser Sentenz würden zwar alle, dre int Lebenskämpfe es zu etwas bringen wollen, sich jämmerlich zum Abgrund tasten, aber aus dem Höhlenreich der Zukunstsstaatsmänner klingt der Grundsatz wirklich einleuchtend. Haben die Sozialdemokraten irgend etwas Positives geleistet, um die Wahlerfolge der letzten Wochen und Monate cm sich m reißen? Wo sind ihre Taten und Verdienste? Herr Bebel hat recht: wnm man ohne Arbeit alles erreichen kann, wäre es töricht, sich zu Plagen. Von welcher Art die auf dem Felde der Negation geernteten Früchte der Sozialdemokratie aber sind, lernte man freilich in Magdeburg kennen. Die alte Philosophie von Lübeck Dresden und Nürnberg blühte in neuem Glanze und siegte über die neuen Lehren der badischen und süddeutschen Modernisten. Die Budgetbewilliger wurden „aufs Schärfste" getadelt, und da ihr Wortführer erklärte, man könne nicht wissen, ob die jeweilige Lage später eine Bewilligung oder Verweigerung des Budgets erfordern werde, erdachte der Genosse Zubeil flugs einen neuen Gegenzug, und der Parteitag verkündete seinem Anträge entsprechend, daß bei einer etwa wiederholten Budgetbewilligung die Voraussetzungen für das Aus s chlu ß v e r f a h r en gegeben seien. Die Partei, die ihr Fortbestehen und Wachsen zumeist auf leere Kundgebungen stellt und von der grundsätzlichen Unzufriedenheit lebt, schürte das Feuer wieder einmal um bloßer Phrasen willen. Ob .die Sozialdemokraten dem Staate ein Budget bewilligen oder nicht, kann dem Staate im Grunde gleichgültig sein, denn auf ihre Stimmen mehr oder weniger kommt es nicht an. Der Genosse Dr. Frank meinte, auch der sozialdemokratischen Partei bringe ein solcher Schritt weder Schaden noch Nutzen, und tu der Tat würde das rote Schwungrad dadurch schwerlich gehemmt werden, und die theoretischen Konsequenzen würden wohl kaum einem Proletarier den Kops zerbrechen. Die öffentlichen, zum Teil wieder sehr schroffen Auseinandersetzungen auch auf diesem Parteitage haben die süddeutschen Revisionisten nicht überzeugt, und der alte Pratiker Bebel hätte sich sagen können, daß gerade der offene Kampf, diese brutale „Vergewaltigung" der Modernisten die Gesamtpartei mehr schädigen muß als die stillschweigende Duldung erischen Ansichten. Der Magdeburger Parteitag wird er letzte sein, der sich mit dieser Budgetfrage be- t hat, und wenn vor zwei Jahren in Nürnberg »gierte unter der Führung des Abgeordneten Segitz mit einer offenen Entgegnung wider den Parteitagsbeschluß als Budgetbewilliger oas Feld behauptet haben, so werden heute die .in Magdeburg vergewaltigten Revisionisten ebensowenig geneigt sein, sich vor den radikalen Intelligenzen zu ducken. Derrn die etwaige Einleitung des Ausschlußverfahrens würde nach den bestehenden Parteisatzungen ihre großen Schwierigkeiten haben und neue Parteitagsbeschlüsse erfordern, womit die Streitfrage wiederum zur allgemeinen Aussprache gestellt würde. Was ergibt sich als Lehre für die ni ch t dem Zukunftsstaate Nacheifernden? Der ganze Streit war wieder von der Art der allen Literatengezänke, wie sie bei der.Sozialdemokratie gang und gäbe sind, Rechthaberei, Demütigung und Unterdrückung Andersdenkender wurden sportsmäßig betrieben. Die Revisionisten und Budgetbewilliger sind nicht nur die schwächste Gruppe in der Partei, sondern auch die Getretenen und Geschlagenen, was nicht hindern wird, daß man sich beim Einfangen neuer Parteianhänger vereinigt und verträgt. Die sozialdemokratische Reinkultur vertreten die Bebel, Ledebour, Zubeil, die es sich mit den politischen Arbeiten möglichst leicht machen, am gegenwärtigen Staat zerstören, was sich zerstören läßt, ohne sich ein rechtes Bild darüber zu machen, wie sie es denn schließlich zuwege bringen wollen, die Menschheit dem Erdenglücke näher zu bringen. Ihre Hoffnung ist der Unverstand der Menge, dia nie verlöschende Unzufriedenheit, und was sie als ihre idealen Ziele bezeichnen, Freiheit, Duldsamkeit, Brüderlichkeit, das wird von ihnen täglich in den Staub gedrückt. „Kadavergehorsam" — nach dem Ausspruch des Mainzer Revisionisten Dr. David, der die Mehrheit der hessischen „Genossen" hinter sich hat — das ist die Losung, die der sozialdemokratische Partellag wiederum ausgegeben hat. Und jene Modernisten, die sich schüchtern gegen die Fesseln der Unfehlbaren auflehnen, bleiben doch immer im Banne der alten Illusionen, so daß auch mit ihnen das nationale Bürgertum keine Gemeinschaft haben kann. Möge es von praktischer Bedeutung für die Zukunft werden, wenn die „Freisinnige Zeitung" ihre Besprechung des Magdeburger Parteitages mit dem gesperrt gedruckten Satze schließt: „Auf keinen Fall wird sich der tiefe Gegensatz zwischen der gesamten Sozialdemokratie und den bürgerlichen Parteien mildern lassen." Die Zeit heilt Wunden, so denken die Revisionisten, und indem sie nach der stürmischen Abendsitzung ihrer' französisch-englische Auseinandersetzungen. Die Wendung in der türkischen Anleihefrage spitzt sich immer mehr zu einer offenen Reibung zwischen den Fran-» zosen und den Engländern zu. Die Franzosen suchen da» bei natürlich auch wieder einmal Deutschland eins aus-, zuwischen: London, 23. Sept. Das auswärtige Amt erklärt, daß seitens Sir Ernest Cassel's und der türkischen Nationalbank im Zusammenhang mll den in Pqris ae* führten Verhandlungen betreffend die Anleihe an die Türkei nichts unternommen werde außer mit voller Kenntnis und Billigung des Auswärtigen; Amts. „Daily Graphic" verurteilt die Campagne wilder leumdung und die Einschüchterung, durch welche die französisches Zeitungen die Aufnahme der türkischen Anleihe in London zur verhindern suchten ; wenn die Franzosen die Anleihe nicht wollten, so sei das ihre Sache. Aber das sei kein Grund, der die Türken) verhindern könnte, die Anleihe anderwärts zu erhalten oder den England verhindern könnte, sie zu gewähren. Paris, 23. Sept. Die französischen Blätter; setzen ihre Ausfälle gegen die türkische Regierung uny gegen Sir Ernest Cassel fort. Das „Journal des D6-, bats" schreibt: „Das Konstantinopeler Kabinett hat vielleicht erwartet, daß? die Nachricht von dem Abschluß des Anlehens durch die ottomanische; Nationalbank bei den Pariser Finanzleuten eine wahre Bestürzung Hervorrufen, würde, und Sir Ernest Cassel glaubte, als Schstds-^ richter in die Verhandlungen eingreifen zu Kirnen. Beide haben sich stark geirrt. Vergeblich haben einige Berliner Zeitungen behauptet, daß die englische Regierung unter der Hand das) Unternehmen Sir Ernest Cassels begünstige. Diese kindischen Versuche, zwischen Frankreich und England Zwietracht zu säen^ haben den verdienten Erfolg gehabt. Es bleibt jetzt nur dey Berliner Markt übrig; dagegen haben wir nichts. Die deutschen Lieferungen werden dann mit deutschem Gelde bezahlh werden." Dem „Siecle" zufolge sei in berufenen Kreisen dasj Gerücht verbreitet, daß Str Ernest Cassel seinen Vertrag nunmehr der Deutschen Bank überlassen wolle, welche das Anleffen zu 4t/2 anstatt zu 4o/0 übernehmen würde: Es wäre nicht erstaunlich, wenn die deutschen Finanz! euttt versuchten, shre Hand auf den türkischen Staatsschatz zu legato aber Frankreich und England könnten dann die Regierung voq Konstantinopel nicht mehr als die eines befreundeten und freien) Staates, sondern nur als eine Vasallin der Trippel-Allianc^ ansehen. Sie müßten der türkischen Regierung je- den finanziellen Bei stand verweigern, durch welchen ihre militärische Macht zu einer gefährlichen gesteigert werdet könnte. politische Tagesschau. Das Bankgewerbe im Kampfe gegen die Bucketshaps. Unter dem verkehrsüblichen Ausdruck „Bu ck e t s h o v s"- werden bekanntlich sogenannte „Bankfirmen" verstanden^, welche kapitalschwache, mit Börsengeschäften nicht hinläng-, lich vertraute Personen zur Eingehung spekulativer Börsen«, geschäfte, insbesondere von Prämiengeschästen, anreizen und zwar verschiedentlich unter Anwendung von Mitteln dep Propaganda, welche nach den .Anschauungen des solidere In dem Schreiben des Papstes heißt es u. a. wörtlich: Vor zwei Tagen hat ein öffentlicher Beamter bei der Ausübung seines Amtes sich nicht damit begnügt, feierlich an dik Äcederkehr des Tages zu erinnern, an dem die geheiligten Rechte der päpstlichen Souveränität mit Füßen getreten wurden, son- dern er hat auch ferne stimme erhoben, um die Lehren des katholischen Glaubens, den Stellvertteter Christi auf Erden und der Kirche, selbst zu verhöhnen und zu schmähen^ ZnDem er tm Namen Roms spricht, das nach seinen feierlichen Erklärungen der gelehrte, friedliche Sitz des Papstes sein sollte, hat er direkt unsere geistige Jurisdiktion angegrif« sen und, indem er soweit ging, Akte unseres apostolischen Amtes der ostentlichen Verachtung preiszugeben und die Pettus und seinen Nachfolgern durch unseren Herren Jesus Christus übertragener Mission Mit gotteslästerlichen Gedanken und Wor- n.ru bestrerten, kwt er gewagt sich auch öffentlich gegen das göttliche Wesen der Kirche aufzulehnen, gegen die Wahrheit ihrer' Dogmen und gegen die Autorität ihrer Konzilien. Und da mit bem Hasse gegen.die Kirche natürlich noch ein entschiedeneren Haß leder Aeußerung christlicher Frömmigkeit sich verbindet, hat m?.nmchtiig^ügert, in boshaften Aeußerungen das religwse Gefühl des gläubigen Volkes zu beleidigen. Angesichts einer solchen Menge gottloser Behauptungen, die eben- o wohlfeil wie gotteslästerlich sind, können wir es nicht unten- lasten, laut und mit gerechtem Unwillen Protest zu erheben und» gleichzeitig durch Ihre Vermittelung, Herr Kardinal, die Aufmerk- amkeit unserer römischen Söhne auf die fottwährenden, immer, tatteren Beleidigungen zu lenken, die der katholischen Religion auch von Seiten der öffentlichen Autoritäten — sogar am Sitze des Papstes — zugefügt werden. Wir flehen zu Gott, daß zur Ehre der ewigen Stadt dtesä unerträglichen Angriffe sich nicht erneuern. Als Beweis unseres besonderen Wohlwollens erteilen wir Ihnen, Herr Kardinal, unseren apoftolischen Segen." In der Rede des Bürgermeisters Nathan hieß eH u. a. : „So ifl das Rom, das mir die Ehre erweist, es heute repräsentieren. Aber ein anderes Rom, der Vertreter der Vergangenheit, schließt sich nicht weit von hier in eine M au er ein, die noch enger ist als die Belisars, und will die Gedanken unterdrücken in der Furcht, daß es wie die einbalsamierten Kadaver des alten Aegypten bei der Berührung mit der frischen Lust in Staub zerfalle. Bettachtet, Mitbürger, vas Rom, wie es ein Jahr vor dem Einmarsch unserer Truppen gewesen ist. Sankt Peter bereinigte in einen monumentalen Majestät die Vertreter des Dogmas zu einem Konzil: sie kamen, um zu bestätigen, daß der Papst, in birettec, Vertretung und Nachfolge Jesu wie Gottes Sohn selbst unbeschränkte Macht über die Menschen habe und seine Dekrete, mit Unfehlbarkeit ausgestattet, aller menschlichen Beurteilung entzogen seien. Vergleichet jene Tatsachen mit der heutigen Lage und ermesset, welchen Wea wtt zurückgelegt haben! Schaut das damalige Rom an 'toto dann das heutige, und sagt, ob wir nicht Ursache haben, diesen Tag zu feiern!" Erstes Blatt »vv. Jahrgang Samstag «4.September»»10 NGietzener Anzeigers B-rlog u. Expedition 51 Verantwortlich für den S-M Seneral-Anzeiger für Gderheffen MW bis vormittags 9 Uhr. Rotatlonstznlck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindrulkerei s. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulitrafte 7 SebW^r1>-n __ _______________ r ’ a Anzeigenteil: H. Beck. Gegner am nächsten Tage doch wieder, als sei nichts vorgefallen, bei den Verhandlungen erschienen, hegten sie im stillen wohl dieselben Gedanken wie vordem in Nürnberg, als sie ihrer Gegenmeinung noch zum Schlüsse offen Ausdruck verliehen hatten. Aber heute wirken die Neuwahlen für den Reichstag gar zu verführerisch. Und so sah man gestern tu der Magdeburger Versammlung das seltsame Schauspiel, daß alle die verfehmten Dogmenverächter ihre radikalen Züchtiger voll Herzlichkeit an die Bruderbrust drückten, Müller, Frank, Hildenbrand, Ulrich, all die großen Wortführer der Süddeutschen gegen den alleinseligmachenden „Kadavergehorsam", traten in theatralischem Zuge mit Oelzweigen nacheinander vor den Thron der Berliner Päpste und drückten ihre yerzi- liche Sympathie für die Kämpfer gegen die preußische Reaktion aus. Nur schade, daß die redegewallige Rosa Luxemburg mit ihrem Antrag, den polittschen Massenstreik ins Werk zu setzen, auch hier wieder das schöne Wld mit grellen Pinselstrichen befleckte, unt) die darauf folgende Aussprache bewies, welch tiefe Gegensätze im Grunde die Geister scheiden. Der rasende See, der nach Opfern schrie, wurde ^war mühsam wieder geglättet, aber in der Tiefe bleiben oie Drachen der Zwietracht:- „Die Rachgötter schaffen im stillen — Zeit ift's, die Unfälle zu beweinen, wenn sie — auf einem der nächsten Parteitage — nahen und wirklich erscheinen." Vie Regentschaft in Persien. '£ Loudon, 23. September. Zu der Meldung von dem Tode des Regenten von Persien telegraphiert der Teheraner Vertreter der'„Times", daß, ttotzdem der Tod Vorauszusehen war, anscheinend keinerlei Vorkehrungen getroffen worden seien, um die Schwierigkeiten zu überwinden, die der Tod nach sich ziehen mußte. Nicht weniger als vier Personen werden als wahrscheinliche Nachfolger des Regenten genannt, Nasr et Mull, Sardar Assad, Ain El Dowleh und der gegenwärtige Premierminister. Von diesen ist der erstgenannte in Conttexeville, und es dürste zum mindesten sehr fraglich sein, ob er sich fe überreden lassen würde, die Regentschaft zu übernehmen. Die Ernennung Sardar Assads würde wahrscheinlich auf großen Widerstand stoßen. Uebriaens würde natürlichf eine besonders interessante Lage entstehen, wenn ein Bakhtiari zum Regenten>gemacht würde für den Kajar Schah. Ain El Dowleh soll gerade nach dem Süden geschickt werden, um dort den Aufstand zu unterdrücken, die Regierung ist gerade damit beschäftigt, ihn mit den nötigen Truppen und dem nötigen Geld für die Expedition auszurüsten, und da er in dem Ruf steht, die Niederwerfung von Aufständen besonders gut zu verstehen, so würde man ungern die Ausgabe jetzt ftn letzten Augenblick einem anderen Mann anvertrauen. Obendrein scheint in Mazandaran wieder eine Revolution ausgebrochen zu sein, wo ein gewisser Arnir Mukar- rem zusammen mit Reschid es Sultan, angeblich im Namen des abgesetzten Schah, wieder Kämpfe begonnen haben. Der verstorbene Regent stand in feinem 76. Lebensjahr. Sein letztes Erscheinen in der Oessentlichkeit war gelegentlich des Geburtstages des jungen Schah am zweiten September. Er sah damals schon sehr krank und schwach aus und machte auf die Mitglieder des diplomatischen Korps den Eindruck, oaß es mit ihm schnell zu Ende gehe. Nachher verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Der Korrespondent fügt hinzu, daß allgemein anerkannt werde, wie Azad el Mulk feine schwierige Steilung mit außerordentlichem Geschick ausgefüllt habe. Der verstorbene Staatsmann hatte eigentlich niemals ein wichtiges Amt in der persischen Regierung belleidet, er war unter der Regierungszeit des vorvorigen Schahs eine Zeit lang Groß-Siegelbewahrer und dann begleitete er jenen Herrscher gewöhnlich aus seinen europäischen Reisen. Nichtsdestoweniger übte er einen ganz ungewöhnlichen Einfluß aus und war allgemein geachtet, well seine Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit allgemein erkannt wurde. Weiter glaubt man, daß er verschiedentlich den 6eiben letzten Schahs anriet, dem Voll zu gestatten, ein Wort in der Verwaltung des Landes mitzusprechen, und daß er bis zu einem gewissen Grade so für das Entstehen des ersten persischen Parlaments mitverantwortlich war. In feinem Haufe war es, wo im Jahre 1908 die berühmte Beratung stattfand, kurz vor dem Bombardement des Parlamentsgebäudes durch die Truppen des Schah. Diese Beratung hatte den Zweck, einen letzten Einigungsversuch zwischen den beiden Parteien zustande zu bringen, well Azad el Mull wohl erkannte, was für eine Gefahr der Schah für sich selbst herausbeschwor, wenn er weiter darauf bestand, mit Gewalt vorzugehen. Der nette Regent. Teh eran, 23. Sept. Der Medschlis wählte Nasr el Mulk, der sich gegenwärtig in Europa aufhält, zum Regenten. ___________________________________________ Lin Protest des Papstes. Rom, 23. Sept. Aus Anlaß der zum Gedächtnis des Jahrestages der E i n n a h m e v o n R o m am 20. September von dem Bürgermeister Nathan gehaltenen Rede richtete der Pap st an den Kardinalvikar ein Schreiben, in dem er feinem tiefen Bedauern und seiner Entrüstung Ausdruck gibt, gegen die Rede Protest erhebt und die Aufmerksamkeit der Katholiken von Rom und der ganzen Welt auf die fortgesetzten, sich immer mehr steigernden Beleidigungen der katholischen Religion auch seitens der öffentlichen Autoritäten, am Sitze des römischen Pontifikats lenkt. angenommen, der National- Der Antrag, der mit den Interessen der kleinen Unternehmer, namentlich der kleinen Bauhandwerker, begründet wurde, wird abgelebnt k Inwurde aus Antrag der Sozialdemokraten folgende Bestimmung neu ausgenommen: r Berussgenossenschast zu einer Zeit, für die sie leistungspflichtig ist, die Fürsorge für den Verletzten nicht übernommen und ha. für diese Zeit eine zuständige Kasse geleistet, so ist die Berufsgenossenschaft für diese Zeit an die Bestimmungen der Kasse in bezug auf die Erwerbsfähigkeit des Verletzten gebunden. Bei § 607 wird durch Annahme eines Antrags der Sozialdemokraten die Rente auch den unehelichen Krn- bern zugesprochen. Weiterberatung: Samstag. Deutsches Ueich. !Der Kaiser und die Kaiserin sowie die Prinzessin Viktoria Luise sind am Freitag um 7.30 Uhr von Wildpark nach Rominten abgereist. Vorher emp- sing der Kaiser den Reichskanzler von Bethmann-Holl- weg, welcher den Monarchen bis zur Fürstenftation des Bahnhofes Wildpark geleitete. Aus Emden wird gemeldet: Am Freitag vormittag wurden im Hotelzimmer, das der der Spionage verdächtige Engländer Trench bewohnte, zwanzig Photographien und Karten von Kiel, Wilhelmshaven, den Nordseeinseln, den Forts von Borkum, des Emserwassers mit der Angabe, wie die Fahrwassertonnen liegen usw., gefunden. Sie lagen in der Matratze des Bettes ansgebreitet und wurden bei der Reinigung des Zimmers entdeckt. 2luslanö. 3n Lissabon eröffnete der König die Session der Cortes; die Thronrede hebt die guten Beziehungen zu den anderen Viächten hervor und betont, daß das Kabinett fest entschlossen sei, das liberale Programm durchzuführen, indem es ein Gesetz zur Abstimmung bringen werde, durch welches die Stellung der religiösen Gemeinschaften geregelt werde. Ans Stadt nnd Land. Gießen, 24. Sept. 1910. Entlassung zur Reserve. Der jedem ehemaligen Soldaten noch freudig in den Ohren klingende Refrain des alten Soldatenliedes „Parole heißt Heimat, Reserve hat Ruh!" erschallt heute wieder durch alle Garnisonen des Reichs und pflanzt sich fort bis ins entfernteste Gebirgstälchen. Der langersehnte Tag der ^Entlassung zur Reserve ist gekommen und stolz singt er: „So lebt denn wohl ihr Kameraden, Die ihr noch länger dienen müßt, Bis daß man auch von euch, kann sagen: Seht dort den stolzen Reservist!" Der Zauber des Mllitärlebeus liegt hinter ihm und heimwärts eilt der Reservemann. Die Kameraden geben ihm zur Bahnstation der Garnison das Geleite, die Musik des Regiments spielt „Muß ich denn zum Städtlein hinaus", und davon eilt der Zug. „Nach der Heimat möcht ich wieder" hatte er so ost gesungen. Jetzt hat er die Eisenbahn wieder verlassen, er steigt die Höhe hinan und vor ihm liegt das liebe Heimatdorf. „Was glänzt so steundlich in der Ferne, es ist mein teures Vaterhaus; idj war Soldat und war es gerne, doch jetzt ist meine Dienstzeit aus." So singend kommt er mit aufgerollten Achselklappen, den Reservestock und die Reserveflajche schwingend im Dörfchen an. Auch hier ist die Freude über das Wiedersehen groß Abends sammelt sich die Jugend im Wirtshaus um die Reservisten, und aus vollen Kehlen schallt der Gesang- „Drum Brüder stoßt die Gläser an, es lebe der Reservemann". Die Reservisten erzählen von ihrem Militärleben, renommieren wohl audj ein wenig von ihren Heldentaten, aber man hört es heraus, sie sind stolz darauf, Soldat gewesen zu sein. Die jungen Burschen aber sehnen den Lag herber, der and), sie ins Soldatenleben führt, sie wollen es ja den alten gleichmachen und daun ebenfalls als Re- ervisten heimkehren. Die enllassene Reserve ist es, auf die das Vaterland in der Stunde der Gefahr baut. Mit Stolz schauen daher auch die Alten und Jungen auf den Reservemaun. Jetzt geht er hinaus ins Alltagsleben. Tie Schule der Mllitärzeit wird aber in ihm unvergessen bleiben und wird ihm das Pflichtgefi'rhl für Heimat und Vaterland, für Kaiser und Reich wachhalten. In diesem Sinne schließt auch das bekannte Reservelied: gelehnt oder zurückgezogen und § 584 unverändert Zu den folgenden Paragraphen liegen Anträge liberalen vor, die sich auf die Berechnung des Jahresarbeitsverdienstes in gewissen Fällen beziehen. Angenommen wird davon ent Antrag zu § 588, der sicher stellen will, daß auch bei Personen, die schon vor dem Unfall dauernd teilweise erwerbsunfähig waren, mindestens das tatsächlich verdiente Entgelt zu Grunde gelegt wird. Zu § 597 beantragt die fortschrittliche Volkspa r r ej_ folgende Zusatzbestimmung: Ist ein verletzter Betriebsunlernehmer, auf den nach § 569 die Versickferungspflicht erstreckt ist, bei keiner reichs- gesetzlichen Krankenkasse oder Ersatzkasse versichert, so hat die Eu^genossenschaft dem Verletzten, so lange er in den ersten Wochen nach dem Unfall erwerbsunfähig ist, eine Geld- ü 6 u n 9 gewähren, deren Höhe gleich drei Viertel t0C5 von der maßgebenden Ortskrankenkasse ge- wahrten Krankengeldes sein muß Garrkierstcrudes als verwerflich KU bezeichnen sind; die so gewonnenen Kunden werden von diesen Geschäften durch eigennützige Raterteilung oder ungetreues Verhalten bei der Ausführung erteilter Aufträge und bei der Abrechnung geschädigt: ergeben sich trotz alledem aus der Geschäftsverbindung doch noch Ansprüche für den Kunden, so weiß der Bucketshopinhaber sich ihrer Erfüllung nicht selten unter irgend welchen Vorwänden, häufig auch unter Berufung auf die Bestimmungen des Börsengesetzes zu entziehen Meist sind die Inhaber dieser Geschäfte, obwohl sie ihre Niederlassung am Sitze einer Effektenbörse haben, zu deren Besuche nicht zugelassen, so daß das Börsenehrengericht nicht gegen sie einschreiten kann. Der Zentralverband des Deutschen Dcknk- und Bankiergewerbes (E. V.) zu Berlin bittet uns, das .Publikum in dieser Sache aufzuklären. Das Vorgehen des Zentralverbandes gegen einen der berüchtigsten Berliner Bucketshops, die Firma „Merkur des am Donnerstag verhafteten Otto Sattler, hat diese Frage wieder auf» gerollt; der Zentralverband hat in diesem sowie in einer Reihe anderer Fälle den Geschädigten bei der zivil- und strafrechtlichen Verfolgung ihrer Ansprüche mit seinem banktechnischen und juristischen Rate erfolgreich zur Seite gestanden. Der Verband beabsichtigt jedoch eine noch durchgreifendere Bekämpfung des hier geschilderten Hebels. Am letzten Donnerstag hat in Berlin ein vom Verbarrdsvvrstand eingesetzter, aus namhaften deutschen Bankiers und Bankleitern bestehender Ausschuß in mehrstündiger, eingehender Beratung das vorliegende Material sowie die zur Abhilfe gemachten Vorschläge geprüft. Bei den Erörterungen, welche unter dem Vorsitze des Kommerzienrats Albert Staeckel-Berlin stattfanden, waren die Teilnehmer der Konferenz sich darüber einig, daß das mitunter geradezu betrügerische Verhallen der in Betracht kommenden Geschäftsleute sich nicht immer aus jedem einzelnen Beschwerdefall nachweisen lassen wird, wohl aber dann, wenn es gelingt, eine Ueberficht über den gesamten Geschäftsbetrieb der betreffenden Firma zu erlangen. Es wurde deshalb für erforderlich erachtet, bei dem Zentralverband des Deutschen Blank- und Bankiergewerbes eine Zentralste lle zu schaffen, welche das aus allen Teilen Deutschlands eingehende Beschwerdematerial zu sammeln, zu prüfen und das weitere zu veranlassen hat. Diese Zentralstelle, welche aus einer Keinen Anzahl kaufmännischer Mitglieder, sowie dem Syndikus des Zentralverbands gebildet sein wird, hat die Aufgabe, sich mit den staatlichen und kaufmännischen Behörden sowie mit den Organen der öffentlichen Meinung in ständiger Fühlung zu erhalten; sie soll im Rahmen ihrer Aufgabe auch Privatpersonen und deren Rechtsbeiständen nach Möglichkeit .Auskunft erteilen und namentlich Material entgegewnehnren. Alle für diese Zentralstelle bestimmten Mllteilungen sind unter der lieber» ichrift „Bucketshop-Angelegenheit" an den Syndikus des Zeutralverbarrdes des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes, Herrn Rechtsanwalt Otto Bernstein zu Berlin 9LW., Dovotheenstr. 3 II, zu richten. Berlin, 23. Sept. Dem „Lokalanzeiger" zufolge wurde heute nachmittag der ungarische Staatsangehörige Otto Sattler, Direktor des Bank-, Kommissions- und Finanzierungs- üiftituts „M erkür" wegen dringenden Verdachts wiederholten Betruges bei Böfiengeschästen verhaftet. Die .^vindeleien sollen mehr als eine Million Mark aus machen ♦ Flugtechnik und KolonialpolitiL In Frankreich will die „Nallonale Luftliga'" die Fortschritte der Flugtechnik für die Kolonien verwerten und sich mit dem Ministerium der Kolonien in Verbindung setzen, um alsbald in den afrikanischen und asiatischen Besitzungen Frankreichs, im Sudan, Kongo, Madagaskar, Cochinchina, Tonking, Luftlinien einzurichten. In der dem Kolonialmmisterium überreichten Denkschrift wird fest- gestelll, daß die ungeheuren, ausgedehillen, kolonialen Gebiete zurzeit noch jedes raschen Verkehrsmittels entbehren. Das fast völlige Fehlen von Eisenbahnen und fahrbaren Wegen verursacht es, daß die schnellsten Transporte in diesen wellen Regionen sich zurzell höchstens in einer Schnelligkeit von 4—6 Kilometer pro Stunde vollziehen. Die Flugmaschine mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 Kilometer würde also sowohl für den direkten Verkehr zwischen den Städten wie für die Bedürfnisse der Post und des Mllllärs unberechenbare Dienste leisten. Der Flugapparat wlld die Entfernungen zwischen heute well voneinander getrennten Gegenden auf wenige Stunden verkürzen, und dadurch werden sich nicht nur die Beziehungen zwischen den Städten einer Kolonie selbst völlig verwandeln, sondern auch die Beziehungen, ganzer Kolonien zu der Metropole. Auf diese Weise würden sich, binnen wenigen Jahren z. B. die Gebiete Tschad, die heute so schwer zugänglich sind, binnen vier oder fünf kleinen Tagereisen mit der algerischen Küste in Verbindung bringen lassen. .Die „Nationale Lustliga" hält es daher für ihre Aufgabe, sofort die Linien zu studieren, auf denen sich in sehr naher Zukunft die kolonialen Flugapparate bewegen können. Ohne Zweifel ist es möglich, mit Hilfe der flugtechnischen Fortschritte in fernen und wellen Kolonialgebieten die Ueberwachung zu verschärfen und auch in entlegenen Gegenden die Gewalt des Mutterlandes sichtbar und überraschend zu zeigen. .....Und mache später, wenn ich. kann. Die Hebung als Landwehrmann/" ♦ 3um Friedberger Bombenattentat. Gestern vormittag fand eine längere Vernehmung des Werner durch Oberstaatsanwalt Lang in Gegenwart des Gerichtschemikers Dr. Popp, Frankfurt a. M., statt, in der es sich darum ge- -andelt haben lull, Dr. Popp Anhaltspunkte für die Nachprüfung eurer bereits abgegebenen Begutachtung zu geben. Dem Vernehmen nach sollen die Fragen des Sachverständigen an Werner und dessen Antworten neue Dtomente über die Art und Weise der Herstellung der Bomben gegeben haben. Bisher konnte die Voruntersuchung noch nicht beantragt werden, weil durch das Amtsgerrcht Zweibrücken wegen der Ausführung des Diebstahls n ?er Pulverfabrik St. Ingbert noch Erhebungen vorzunehmen rnd. Werner ift immer noch sehr gedrückter Stimmung, er antwortet auf alle an ihn gerichtete Fragen, hat aber das Bestreben, ovrel als möglich von der Schuld von sich abzuwälzen. Er chiebt die Urheberschaft für die Idee und die Art der Ausführung der Verbrechen auf Winzch. Es steht fest, daß besonders die Friedberger Tat emgehend zwischen Wingeß und ihm vorbereitet U>orden war, doch versichert er ausdrücklich, daß der Gedanke und die Idee zur Ausführung der beiden Attentate von Wingeß herruhrt. ' ~ ö D * , ." Ta6 eskalender.: G ieß euer Festf aal: Täglich abends 81/* Uhr: Vorstellung der Budapester Orpheum-Geselljchast. Klnematograph: Neuer Spielplan. Biograph: Neuer Spielplan. * ** Lah nkanalv erein. Nachdem das Protokoll der Verhandlungen der Vertreter der preußischen und hessischen Regierung, die s. Zt. in Sachen des Lahnkauals in Gegenwart )er dazu eingeladenen Interessenten im Regierungsgebäude in Gießen stattfanden, vorliegt, wird der Lahnkanalverein eine Mitglieder zu einer Hauptversammlung nach Limburg einladen, um Bericht zu erstatten. " Das Museum des Oberhess. Geschichtsvereins und die W. Gail-Stistung wurde kürzlich wieder mehrfach von angesehenen auswärtigen Fachgelehrten besichtigt; ihr Urteil über unsere Sammlungen war eine uneingeschränkte Anerkennung. In der Tat ist im Museum eine Fülle schöner und oft seltener Altertümer vereinigt, die gerade von Einheimischen vielfach noch nicht gewürdigt wird. Reu Die Reichsversicherungrordnung. :: Berlin, 23. Sept. Der Reichsversicherungsausschuß lehnte in seiner heutigen Sitzung gegen die Stimmen der Nationalliberalen und der Rechten den § 582 ab, der eine Befristung der Zahlung kleiner Unfall- renten (der sogenamtten Schnapsrenten: Renten von Vs der Vollrente und darunter) vorsieht. Damit will) auch § 583 hinfällig. Nach § 584 wlld die Unfallrente nach dem Jahresarbeits- , verdienst berechnet, den der^Verletzte während des letzten Jahres im Betriebe bezogen hat. Soweit er 1500 Mk. übersteigt, wird er nur mit einem Drittel angerechnet. Anträge auf Heraufsetzung des Betrages für die volle Anrechnung, die mit der Verminderung des Geldwertes begründet wurden, wurden abaufgenommen sind wertvolle römische Funde aus Eberstadt; ferner Waffen, Fayence, Porzellane, ein Brokätvorhang mit dem Großh. Wappen, und als eine intereffante Erinnerung, eine Trompete, die vor dem Zuge der Studenten geblasen wurde, als sie 1846 den Auszug nach Staufenberg unternahmen. Zu erwähnen ist noch eine wesentliche Bereicherung der Münzensammlung durch den Erwerb einer Privat- sammlung. ** Reservisten von der Marine in ihren schmucken Uniformen passierten gestern nacht unseren Bahnhof. Es waren Mannschaften von der Matrosen- und Werft- division. Sie hatten 900 Mann stark von Wilhelmshaven aus die Reise in die Heimat angetreten, die allerdings für die meisten nicht bis hierher ging. Die Leute mußten hier in Gießen einige Stunden der Nacht zubringen und reiften mit den Frühzügen auf den oberhessischen Linien weiter. ** Der Turnverein veranstaltet morgen in seiner Turnhalle sein alljährliches Ab turn en, zu dem umfassende Vorbereitungen getroffen sind. Das Einzel-Wetturnen findet am Vornuttag statt, während am Nachmittag Schauturnen und Konzert ist. Bei der für den Abend vorgesehenen Preisverteilung werden ebenfalls neben Konzert turnerische Aufführungen und Vorträge des Sängerchors geboten, woran sich ein Tanz reiht. Tie in letzter Zeit stark gewachsene Damen- Abteilung, sowie die Fechtriege beteiligen sich ebenfalls mit einigen Vorführungen an dem turnerischen Teil des Tages. ** Die Aepfelerute ist in unserer Gegend jetzt im vollen Gange. Der Segen, den die Besitzer von Obstbaumstücken eincmten, Ü6 er trifft bei w-ellem die bisherigen Schätzungen. Die nächsten Wochenmärtte auf Oswalds- garten werden uns nicht nur große qualitätsreiche, sondern auch billige Vorräte von Aepsel bringen. •• Kraf tf a hrzeugführer. Dem Monteur Jean Peines von der Firma Friedr. Linker, Ludwigstraße 16, wurde die Ermächtigung zur Ausbildung von Kraftfahrzeugführern vom Kreisamt erteilt. ** Reblausherd. Bei bcr kolonnenweisen Untersuchung der Weinberge in der Gemarkung Wimpfen wurde am 19. d. Mts. in Gewann Hedringsberg eine Reblausverseuchung sestg-stellt, deren Ursprung bis jetzt noch nicht ermittelt werden konnte. — Die Maul- und Klauenseuche ist auSge- brochen in Schwalibogowko, Kreis Wrefchen, Regierungsbezirk Posen; Königsaue, Kreis Aschersleben, Re- gierungsbezirk Koeslin, am 21. Sept. - Eine merkwürdige Geschichte. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten wurde eine Blitzableiteranlage am Schlachthausbau, die ursprünglich an Schlossermeister Ho hm ei er vergeben war. an einen Anderen vergeben, weil H. für die Dachdeckerarbeit nachträglich eine weitere Forderung gestellt habe. Wie uns Schlossermeister Hohmeier mitteilt, sei diese Arbeit in der Arbeitsausschreibung nicht angeführt gewesen. Außerdem habe er (Hohmeier) den Blitzableiter schon vor einiger Zeit angebracht. — Das Baugesuch Schön, von dem in dem gestrigen Sitzungsberichte die Rede ist, rührt von Schreinermeister E. Schön her. — Leihgestern, 24. Sept. Morgen Sonntag hält der Turnverein „Frisch Auf" hier sein Abturnen, verbunden mit einem Wetturnen der Zöglinasriege, ab. Dazu sind auch einige auswärtige Vereine eingeladen. An das Turnen schließt sich ein Tanz an. Peiskirchen, 23. Sept. Bei der heutigen Obstversteigerung wurden für Zwetschen hohe Preise erzielt. Aepfel wurden für die diesjährige Ernte im Durchschnitt gut bezahlt. — Heute wurde die Ouellsassung für die Wamerlc11ung in Angriff genommen. r. Burkhardsfelden, 22. Sept. Der Landwirt Friedrich Döring wollte gestern in der Scheuer von dem Drefchwagen auf das Scheuergerüst steigen, glitt dabei aus und fiel so un glück lick), daß er einen Schädelbruch und mehrere Rrppenbrüche davontrug. Der Verunglückte wurde nach Anlegung eines Notverbandes nach Gießen in die Klinik verbracht. Die Aerzte geben nur geringe Hoffnung, den Mann, bjer Vater von 5 Kindern rst, am Lebert zu erhalten. x Treis a. d. Lda., 22. September. Beim Obsitz i e b st a h l endlich erwischt wurde vor einigen Tagen von einem Obstbaumbesitzer ein hiesiger hoch betagter Einwohner, der schon seit Jahrzehnten im Verdacht steht, die alljährlich hier vorgekommenen Qbstdiebstähle ausgeführt zu haben. Da er selber Obstzüchter ist, konnte er den Verkauf des gestohlenen Obstes unauffällig bewerkstelligen. Verschiedenen Obstbesitzem sind in diesem Jahre wieder kleinere vollbehangene Baume total geplündert worden, ohne daß die Täter abgefaßt werden konnten. = Alsfeld, 23. Sept. Das hiesige K r e i s a m t hat folgendes A u s s ch r e i b e n erlassen : Rach einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes lehnt die französische Regierung neuerdings die Entlassung von Fremdenlegionären, solange sie dienstfähig sind, grundsätzlich ab. Sonach sind künftig alle Gesuche dieser Art aussichtslos. Bei dieser Sachlage erscheint es dringend erwünscht, mit allen Mitteln dem Eintritte von jugendlichen Reichsangehörigen in die sranzösi- che Fremdenlegion entgegenzuwirken. Wir empfehlen Ihnen deshalb, die Lehrer zu veranlassen, die Schuljugend und namentlich auch die Fortbildungsschüler über das wahre Wesen dieser Einrichtung in möglichst weitgehendem Maße zu belehren und unter Hinweis auf die unabsehbaren Folgen für das ganze spätere Leben vor dem Eintritte auf das eindringlichste zu warnen. Diese Besprechungen werden am besten in der Volksschule an die Betrachtung der franzö- schen Kolonie Algier, in der Fortbildungsschule an die Belehrung über die Militärdienstpflicht angeschloffen g.- Hungen, 23. Sept. Wie im vorigen Jahr bereitete auch heute nachmittag die Prinzessin Hermann zu ^olms-Braunfels, die den Sommer über im hiesigen Schloß wohnt, den Schulkindern sämtlicher Klassen eine große Freude, indem sie sie mit ihren Lehrern zu sich in die Parkanlagen kommen ließ und jedes Kind mit einer Bretzel und einigen finnigen Gaben beschenkte. Die Kleinen vergnügten sich dann im Park noch längere Zeit bei frohem Spiel. = j8übingen, 23. Sept. Der Fürstlich Mnburg und Budingtsche Baumeister Karl Tamm, der feit 1891 am fürstlichen Bauamt tätig ist und es seit 1895 selbständig leitete, ist gestern gestorben. — B a d - R a u h e i m, 23. Sept. Bis zum 22. Sept, sind 32038 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 3149 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 22. September 414666 abgegeben. । < i 1 t i i ! i i t i c s 0 0 r ( D n il il b i i e f g b ■ii * n d 11 b (t 3 * S; ®IifaBet5ett. ® neun in eine unbeschreibliche Begeisterung. Die Menge schwenkte o brach in laute Beifallsrufe aus. In den höheren Luftschichten herrschte vollständige Windstille so daß Chavez rm Gleitfluge niederging. Er war auf den unten roetjenöen heftigen ^1^ nicht vorbereitet. Der Apparat verlor das Gleichgewicht, kippte um und begrub Chavez unter sich Die Mitkämpfer Chavez. An der Flugkonkurrenz nahmen außer Chavez, wie wir bereis bei Eröffnung der Fliegerrennen mitgeteüt haben, noch bie .Franzosen L atham (Antoinette), A ub ru n (Bleriot), Vailet «Blerwt), Cattaneo (Farman), der Amerikaner ^k?^-?^L.liZ-arman) und der Deutsche Wieneziers (Ble- riot) teil. Merkwürdig ist, daß sich kein Wright-Flieger zu der Konkurrenz eingefunden hat. Schluß der Simplonflüge. o d 23. Sept. Wey mann ist in Bria Um 3 Uhr 43 Min. nachmittags zum Fluge über den Simplon a u f a e st i e g e n. Mailand, 23. Sept. Nach Meldungen aus Brig lanbete Weymann nach einem Fluge von 13 Minuten: er gedenkt heute nicht mehr aufzusteigen und ließ seine Maschine in den Schuppen bringen. Brig, 24. Sept. Es wird gemeldet, daß die Konkurrenz der A l p e n f l i e g e r b e e n d e t ist, nachdem um 11 Uhr nachts der letzte Bewerber W e y m a n n die Erklärung abgegeben hatte, nicht mehr zu starten. Sein Farmanapparat könne sich nicht über 1300 Meter erheben, eine Höhe, die für das Ueber- fliegen der Alpen nicht ausreiche. Gericht-saal. w Kiel, 23. Sept. Das Kriegsgericht der Aufklärungsschiffe verurteilte den Obermaschinisteu der Alarme Granzow wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu zwei Jahren 10 Tagen Zuchthaus. Granzow versuchte während der Anwesenheit russischer Kriegsschiffe im Kieler Hafen einem russischen Maschinisten Geheimbücher zu verkaufen und gewährte ihni dabei Einblick in die Bücher. Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag dem 25. Sept. 1910: Wolkig, nur strichweise etwas Regen, windig, kühl. Griginar-Drahttireldnirgen. Karlsruhe, 24. Sept. Wie die „Badische Landes- zeitung" hört, beabsichtigt das Unterrichtsministerium an der Technischen Hochschule in Karlsruhe einen Lehrstuhl für Flug- und Luftschiffbau zu errichten; e8 ist gelungen, für diesen Lehrstuhl den ordentl. Professor Johann Schütte an der Technischen Hochschule in Danzig zu gewinnen. Schütte wird seine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule in Karlsruhe im Sommersemester 1911 beginnen. Johannisthal, 23. Sept. Die Flugmaschine Dorners wurde heute früh durch Brand vernichtet. Paris, 24. Sept. Im Lager von Chalons werden im Laufe des Oktober Schießversuche auf lenkbare Luftschiffe veranstaltet, die mehrere Tage dauern toerbei^ Paris, 24. Sept. An 2000 Bedienstete der Untergrundbahn hielten eine Versammlung ab, in der sie beschlossen, bei Ablehnung ihrer Forderungen erst auf die Mitteilungen des Ausschusses in den Ausstand zu treten. Die Elektrizi-, tätsar beiter teilten mit, daß sie sich ihnen sofort anschließen würden. Wien, 24. Sept. Der Kaiser ist nach Maria-Zell abgereist. Besonders für Hausfrauen ist es von großem Interesse zu erfahren, daß die heute allgemein beliebten und vorzüglich bewährten Rex - Konservengläser und Rex - Vorratskocher auf der Brüsseler Weltausstellung 1910 mit der goldenen Medaille aus gezeichnet worben sind. Es ist dies ein erfreulicher Erfolg der deutschen Industrie, der den Weltruf der Rex-Gläser und Vorrats kocher bestätigt. Für bie Herstellung von Konserven im Haushalt sind bie Rer-Fabrikate von ber größten Wichtigkeit. J5275 Mundwasser Benachrichtigung! 5276 Küche fehlen. Zu haben bei I -HW dfaarflectiien iS Auf der Brüsseler Weltausstellung 1910 wurden Rex-Konserven- gläser und Rex-BorratSkocher mit der ■— goldene» Medaille .—......... ausgezeichnet. Diese hohe Ehrung ist ein Beweis für den Weltruf der Rex-Gläser und Rex-Borratskocher und sollten dieselben in keiner Weinfässer frisch entleerte froeinnrün), 200 »in allen Größen empfiehlt [5246 Wilhelm Koblcrmann, Küferei, Neustadt 12. Auch kann gekeltert werden. Hermann Mettenheimer Kreuzplatz 3. Bestellungen auf Taffeiäpfel la. Qualität, beste Sorten in Packungen von ea. 25 Psd. an, nimmt entgegen 5257 Fr. Ruoff Domäne Konrads darf, Post Stockheim, Oberhessen. Farbechte Zöpfe, Dreher, Locken, Haaruhrketten, ToupetS, Scheitel u. Perücken werd, billigst angefertigt.. Zöpfe werden gefärbt bet 5242 y H. Tichy., Seltersweg 43 Ecke Goetheslraße. Prim Lpeisekackffelll empfiehlt zu billigst. Tagespreisen KartchliMiilllng IreAer Steinstr. 48. (68M) Telephon 581. Versäumen Sienicht bet Blutarmut u. Appetitlosigkeit Seibel’s Nähr- u. Kräftigungs-Likör zu probieren. Vi Fl. M. 2.50, */o Fl. M. 1.50. Germania-Drogerie Carl Seibel, Franks. Straße 39. 5198) Telepyon 593. 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