Nr. 168 Der Gletzenr Anzeiger erschemt tägkrch, außer Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich KirbenrLLmiUeidlätler, ituwntrt wöchentl.Rrair- blattfurben XreisGiehrn (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- wir^chastlrche Seitfragen Ferniprech - Anschlüße: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen Auzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnurnmer bis vormittags 9 Uhr. Erftes Blatt 160. Jahrgang Donnerstag Äl.Juli 1910 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen K. Neurath; für Stadt u. Land" und „Gerichts- Rotatiotisöntrf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Zteindruckeret R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftrahe 7. y^genied^^ed? Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pfdurch diePostMk.2.—viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Ehefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goey; für »Feuilleton* und „Vermischtes" Der Maka-Ausstand und seine schnelle Niederwerfung. Im Süden Kameruns tl-ohnen die auf der niedrigsten Kulturstufe stehenden Mcrka, denen man sogar Menschenfresserei nachsagt und deren völlige Unterwerfung bisher dem Gouvernement noch nicht gelungen ist. Trotzdem hatten sich dort einige Faktoreien niedergelassen, um mit den Maka Handelsgeschäfte $u treiben. Obwohl sich die Sache Zunächst gut anließ, verhehlte doch das Gouvernement 'den dort ansässigen Kaufleuten niemals die Gefahr, in der sie sich im Falle eines Eingeborenen-Aiufstandes -befinden -würden, ja es machte ihnen sogar den Vorschlag, das Mcrka- lauä nördlich des Npong-Flusses Zu sperren, scch jedoch von Lieser Maßregel ab, da die Kaufleute erklärten, daß eine Sperrung Mischen Jaunde und Dume eine außerordentliche .'Erschwerung, ja teilweise Vernichtung des Handels in den hauptsächlichsten Gummibezirken mit sich bringen würde. Und doch wäre eine solche Sperrung des Makalandes durch Militärposten, wenn man sich vorerst! nicht Zu einer völligen ^Niederwerfung der Maka entschließen wollte, dringend notwendig gewesen. Denn im Mai erhoben sie sich rn alter ihrer Wildheit, ermordeten den Kaufmann Airno -B retschn eider und griffen Zweimal die Station Dume an, so daß sich Hauptmann M a r s ch n e r, der diese Station lömmwrdierte, schließlich zurückziehen mußte. Dennoch unternahm er fortgesetzt Vorstöße ins Makaland, und es -ist nur seiner Energie zu danken, daß der Aufitand Glicht größere Ausbreitung annahm, wobei Zahlreiche Menschenleben und viele Millionen an Handelswerten vernichtet worden wären. Trotzdem hätte sich Hauptmann Marschner mit seinem schwachen Kommando farbiger Soldaten kaum auf die Dauer halten können, falls ihm nicht weitere Unterstützung wurde. Leider aber ist Dume mit der Küste nicht telegraphisch verbunden, so daß Hauptmann Marschner seinen Bericht über den Ausbruch des Aufstandes per Boten nach Akoloninga schicken mußte, von wo aus die telegraphische Uebermittlung nach der Küste, nach dem Gouvernement möglich ist. Als der jetzige Unterstaatssekretär von Lindequist Kamerun am L. Juni verließ, wußte man dort noch nichts näheres von der Ermordung Brerschneiders, geschweige denn vom Maka- laufftand und der bedrängten Lage des Hauptmanns Marschner. Vielmehr wurden diese Ereignisse an der Küste erst am 17. Juni bekannt, und Zwar -nicht im Gouvernement (!), sondern dem Vertreter der afrikanischen Companie in Plan- rtation, der sie brieflich seiner Gesellschaft nach Berlin mitteilte. So wissen wir über die Vorgänge im Makaland, da die Beförderung der Briefe von Kamerun nach Deutschland ca. 4 Wochen in Anspruch nimmt. Ausführliches erst seit einigen Tagen. Am Dienstag abend aber ist nun, ebenfalls bei der Afrikanischen Companie in Berlin die erfreuliche Nachricht eingegangen, daß der Makaaufstand bereits erloschen ist, daß Hauptmann Dominik ihn niedergeschlagen hat, und sich die Befürchtung, daß Faktoreien ausgeraubt seien, nicht bestätigt hat. Da wegen der oben geschilderten Werkehrsverhältnisse Nack)richten aus dem Makalande geraume Zeit brauchen, um zur Küste Zu gelangen, scheint die Niederwerfung des Aufstandes überraschend schnell vor sich gegangen Zu sein. Wir wissen aus dem oben genannten Privatbrief, daß Major Dominik, der militärische Komman- dant von Südkamerun, der sich am 17. Juni in Jfiunde aufhielt, telephonisch von der am nämlichen Tage an der Küste bekannt gewordenen gefahrdrohenden Lage unterrichtet wurde und sich sofort mit 120 Soldaten nach Dume in Bewegung setzte. Wir wissen vorläufig aber nicht, wie sich die Operationen weiter abgespielt haben, sondern können nur auf Grund der oben genannten Kabeldepesche annehmen, daß Major 'Dominik noch Zur rechten Zeit im Aufstandsgebiet angelangt ist, um das Schlimm>ste Zu verhüten. Unblutig wird der Aufstand wohl kaum beendet worden sein, wenn auch der Name des Majors Dominik allein bei den SchwarZien von Südkamerun einen Klang hat, der sie erzittern läßt. Wohl heißt es am Schlüsse des Kabeltelegramms „die Schwarzen hoben nach dem Erscheinen Major Dominiks und seiner Truppen um Ruhe und Frieden gebeten", aber die Worte vorher „Major Dominik hat den Aufstand niedergeworfen", weisen doch zur Genüge darauf hin, daß die menschenfressenden Maka ihm Widerstand geleistet haben und nicht gleich bei seinem Erscheinen Zu Kreuze gekrochen sind. Daß es gelungen ist, in so kurzer Zeit des Aufstandes im Makalande, über dessen Einzelheiten man ja freilich noch weitere Nachrichten abwarten muß, Herr Zu werden, ist hoch^ erfreulich. Weniger erfieulich dagegen wirkt auch hier wieder die völlige Ahnungslosigkeit unseres Gouvernements Kamerun und demzufolge aiafy des Reichs ko lonialamts, auf dem noch am 17. Juli der Bericht des Vertreters der Afrikanischen Companie als Kü st e n t l a t s ch, als haltloses Gerücht, das sich an die Ermordung des Kaufmanns Bretschneider knüpfe, bezeichnet wurde. Man muß nunmehr dach darauf dringen, daß Die in dem von den unruhigen Maka bedrohten Südlamerun gelegenen Stationen mit der Küste telegraphisch verbunden werden, wenn man sich in Rücksicht auf die Kaufleute nicht dazu entschließen kann, das Makagebiet Zu sperren oder gar gegen die Menschenfiesser jetzt zur Strafe den Vernichtungskrieg zu führen. Line Reise Kaffer Wilhelms nach Wien Wien, 20. Juli. Wie die Korrespondenz „Wilhelm" znverläßlich erfährt, wird Kaiser Wilhelm am 20. September in Wien eintreffen. Für den Aufenthalt sind zwei Tage in Aussicht genommen. Vorher wird der Kaiser am 17., 18. und 19. September auf Einladung des Erzherzogs Friedrich in Bellye an Jagden teilnehmen. In die Zeit des Wiener Aufenthalts des deutschen Kaisers fällt beiläufig das 25jährige Jnhaberjubiläum des Husarenregiments Nr. 7, das im September 1885 dem damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen verliehen wurde. Während seines Wiener Aufenthalts wird der Kaiser eine Abordnung dieses Regiments unter der Führung seines Konunandeurs, des Obersten Freiherrn v. Schoenberger, in Schönbrunn empfangen. Die Abordnung wird dem Monarchen einen Ehrensabel mit entsprechender Inschrift als Widmung des Regiments überreichen. Das Offizierskorps hat die Absicht, eine Abordnung zur Uebergabe des Ehrensäbels nach Berlin zu entsenden, erhielt jedoch auf eine diesbezügliche Anfrage die Slntivort, daß der Kaiser ohnehin zur Zeit des Jubiläums in Wien fein und die Abordnung in Schönbrunn empfangen werde. Apolitische Tagesschau. Die Ansiedlung in Pofen und Westpreußen. Die Nachfrage nach Ansiedlerstell'en in Posen und Westpreußen ist, wie man uns aus Posen schreibt, in diesem Jähre besonders stark, so daß nur der kleinste Teil der Antragsteller befriedigt werden kann. Der Ansiedlungskom- mission steht nicht soviel Land zur Verfügung als sie gebrauchen könnte, namentlich die Pachtstellen fehlen. Bei dem regen Zuzuge von deutschen Bauern aus dem Westen nach! dem Osten wäre es angebracht, daß die Ansiedlungskommission ihre Aufteilungsaktion beschleunigt und eventuell neue finanzielle Mittel Zugeteilt erhält. Hier heißt es noch immer, daß Zwangsentergnungen polnischen Besitzes nicht beabsichtigt seien, da das gewünschte Land von den Polen bisher freihändig gekauft worden ist. Es scheint aber nicht genügend brauchbares Ansiedlerkand vorhanden zu sein, denn es ist beabsichtigt, weiteren Staatsbesitz im Kreise Schwetz und im 'Kreise Lissa (hier vermutlich die Herrschaft Reisen) Zu parzellieren, auch ein Teil der Kennemannschen Besitzungen soll Ansiedlungszwecken dienlich gemacht werden. Die Reise des neuen Landwirtschaftsministers im Ansiedlungsgebiete dient lediglich informatorischen Zwecken und hat mit einer beabsichtigten Aenderung der Ansiedlungspolitik nichts zu schaffen. Frhr. v. Schorlemer kennt die Verhältnisse im Osten gar nicht und ist bemüht, aus eigener Anschauung die Verhältnisse kennen zu lernen. * Die Privatbeamtenverficheruug. Man schreibt uns aus Berlin: Zum Stande der Privatbeamten-Versicherung erfahren wir, daß die dem Reichstage versprochene Vorlage bereits recht weit in der Vorbereitung gediehen ist und man versuchen will, die Vorlage so schnell fertigzustellen, daß sie dem Bundesrate schon nach der Erledigung der Haushaltsberatungen Zugehen kann. Du auch der Bundesrat die Vorlage so schnell als möglich verabschieden wird, kann man damit rechnen, daß sie bereits Weihnachten dem Reichstage vorliegen wird. Eine andere Frage ist die, ob es gelingen wird, die Vorlage auch in der nächsten ^Session Zu verabschieden. Der Reichstag ist bereits jetzt aus dem Frühjahr her stark bepackt mit sozialpolitischen Vorlagen. In Abgeordnetenkreisen mürbe, erst jüngst die Befürchtung ausgesprochen, daß die Verabschiedung der Reichsversicherungsordnung kaum möglich sein werde und daß hie Privatbeamten-Versicherung vermutlich das gleiche Schicksal teilen werde. Allerdings soll nicht vergessen werden, daß der Reichskanzlerseineganze Kraft einsetzen will, um die Verabschiedung der beiden Vorlagen Zu ermöglichen, da ohne diese Vorlagen er kaum in der Lage sein wird, sein Wahlprogramm für die lReichstagswahlen durchzusetzen. * Zentrum und Liberalismus. Im „Tag" plädiert Julius Bachem im Anschluß an einen Artikel der „Rordd. Allg. Ztg.", die zur Einigung der bürgerlichen Parteien aufgefordert hatte, für die Aufnahme des Zentrums in den Block aller positiven nationalen Elemente. (Eine deutsche Akademie in Weimar. In dem Verlag für Literatur, Kunst und Musik in Leipzig veröffentlicht Professor Wilhelm Schölermann (Weimar) eine Broschüre, in der er für die Gründung einer deutschen Akademie in Weimar eintritt. Der Verfasser ist der Ansicht, daß diese Akademie nicht im wirren hastenden Getriebe irgendeiner Großstadt erstehen soll, sondern im ruhigen Weimar, auf klassischem Boden. Sie foll erstehen aus den schon vorhandenen Anfängen, den bereits bestehenden staatlichen Anstalten für Kunst und Wissenschaft, die zu einem einheitlichen Ganzen ausgebaut und vereinigt werden können, zu einem geistigen Mittelpunkt, in dem alle Fäden kultureller und künstlerischer Bestrebungen zu- sammengetaufen sind. Darüber, was die Akademie soll, gibt Professor Schölermann in nachstehenden Ausführungen Auskunft: 'Die Deutsche Akademie zu Weimar hat die Aufgabe, das heimische Geistesleben der Vergangenheit und Gegenwart zu pflegen, die in Weimar bereits bestehenden staatlichen Anstalten für Kunst und Wissenschaft einheitlich zusammenzuschließen und die Gesamtheit der ihr zur Verfügung stehenden Bildungsmöglichkeiten zu Lehr- und Unterrichtszwecken der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Neben der Pflege wertvoller Ueberlieserungen soll sie vornehmlich das Geistesleben der Jetztzeit in seinen Erscheinungsformen würdigen und der deutschen Kultur ein dauernder Born der Verjüngung werden. 'Die Weimarische Akademie hätte ihre Ausgabe auch darin zu sehen, daß sie künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten, insbesondere solche, deren Herstellung bezw. Herausgabe wegen hoher Kosten oder aus anderen Gründen mit Schwierigkeiten verknüpft ist, in geeigneter Weise unterstützt. Selten mögen in zwei eng benachbarten Städten, welche zueinander gehören wie Kette und Einschlag, sich eine solche Zahl gei^tig^bedeutender Menschen zusammenfiiiden, wie in Weimar und Jena, dem Sitz der thüringischen Landeshochsckwle. Nur mit dem bedeutsamen Unterschiede, daß sie in Jena durch jahrhundertealte Tradition in korporativem Zusammenschluß vereinigt werden, während sie .fit Weimar wunderlicherweise bisher noch nicht zu einer Gesamtheit gelangt sind, vielmehr, mit manchmal wirklich starrer und zwerchfellerschütternder Konsequenz, ,,getrennt marschieren" und nicht vereint schlagen! Leider ohne jeden Zusammenhalt leben und schassen sie nebeneinander; vielfach sogar als gleichgesinnte getreue Nachbarn und gemeinsame Steuerzahler, d. h. also in gemeinsamem Schmerz, ohne etwas voneinander zu wißen. Dieser Zustand ist töricht und komisch. Es wird Zeit, daß ihm ein Ende bereitet wird, je eher, desto besser. 'Denn er ist ganz sinnwidrig und unverantwortlich. Wir brauchen nur zu wollen, und er hört auf zu sein. Mit der Gründung einer Republik von die^ manches Neue bieten. So war es zwar bekannt, daß Ibsen 1850 und 1851 in Christiania mit seinem aufopfernden, früh verstorbenen Freunde Ole Schulerud zusammen ein Zimmer bewohnte, neu aber ist es, daß lange Zeit auch Schuleruds Bruder den kleinen Raum als dritter Insasse teilte. Um die Hausleutc; darüber zu täuschm, daß sie kein ordentliches' Mittagessen hatten, gingen die beiden Studenten mittags immer fort, als ob sie eilt Restaurant,aufsuchten. Inzwischen bereitete der zwölsjährige Knabe den Kaffee, der nebst Butterbrot das wirkliche Mittagessen dev Drei bedeutete. Den Zins zu beschaffen, bot stets große Sck)wierig- keiten. War aber irgendwie ein Darlehen aufgettieben worden, Mm lebten die drei Stubengenossen herrlich, denn in solchen Gluckssällen gab es Eier, Hering und Wurst. Ibsen hatte damals sein erstes Drama „Catilina" aus eigene Kosten, das heißt eigentlich aus Schuleruds Kosten, unter einem Pseudonym drucken laßen; die unverkauften Exemplare (und es waren nur elf äb- gesetzt) lagen int Zimmer. Der kleine Schulerud las eines, ohne zu wissen, daß es von Ibsen sei, und dieser freute sich, weil eA dem Knaben gefiel. Unter den wenigen, welche die Kammer bet freunde aufsuchten, war der Student Wildgaard, der mit Markus Thrane das erste sozialistische Blatt Norweges geqrünbet hatte; xvbfen lieferte Zeichnungen, vermutlich auch^ Aufsätze für dieses prgan. Zugleich gab Ibsen mit Botten-Hansen und Vrnje damals felbst eine radikale Wochenschrift heraus, für die er neben Artikeln, die jetzt in den „Nachgelasscmen Schriften" veröffentlicht wurden, auch karikierende polittsche Zeichnungen bei- steuerte. . —. Ein am tlich anerkanntes Gedicht des Kladderadatsch. Am Zeug haus in Berlin ange schlagen ist, und zwar in goldenen Lettern, ein Gedicht, das der „>Äad- dercchatsch" in seiner letzten Nummer dem Andenken der Köntgini ^m)e gewidmet hat. Das Gedicht hat nur zwei Strophen, von denen die zweite folgendermaßen lautet: „Der Wetterstrahl, der Deutschlands Glück zersplittert. Zerschlug auch dir das königliche Herz, Und heute noch, nach huiidert Jahren, zittert In unserer Seele leise nach der Schmerz." Der Kommandant des Zeughauses, General v UJre^OnV ??kfo 1?!r& F. Z. berichtet, bet der Redaktion des „Kladderadatsch anfragen lassen, ob er dieses Gedicht an- s ch l a g e n l a s s e n d ü r f e, was natürlich bejaht wurde Infolgedessen sieht man nun an der Außenseite des Zeughauses am Portal das für diesen Zweck in Gold,chrrft gesetzte Gedickst, mit einem Rahmen von frischem Grün umgeben unb links von einer schwar-.- merßen rechte bon einer blau-gelb-roten Schlosse flankiert So erfteulich es ist, wenn em General sich über bureaukratffche Bedenken hlnwegzusetzen weiß, so bedenklich ist es vom Standpunkte dsi, ^sist aus, wenn er, wenn auch um eines guten Zweckes willen, Gedichte anschlagen laßt, die in der Form nur sehr mittelmäßigen Gedicht im „Kladderadatsch" war wahr- itey reine „^sene Künstlern und Gelehrten ändert sich diese lächerliche Zersplitterung und Einspännerei. Als Ganzes wandelt sie sich in ein machtvolles Zentrum geistigen Lebens. Nach solchem Zentrum richten sich, die Hoffnungen 'Deutschlands und die Blicke der gebildeten« Welt. So würde in Weimar die Vereinigung unter folgenden Gesichtspunkten ins Auge gefaßt werden können: Die Weimarische Akademie bildet eine wissenschaftliche Genossenschaft unter Aufsicht des Staates und unter dem Schutz Fr‘nF9J' Hoheit des Großherzogs. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog ernennt ihm geeignet erscheinende Gelehrte und Künstler zu Mitgliedern der Akademie; zunächst solche, die in Weimar oder an der Landesuniversität Jena enttoeber an staatlichen Anstalten für Kunst und Wissenschaft tätig sind, aber in unabhängiger Stellung sich den von der Akademie zu verfolgenden Zielen erfolgreich widmen. Nach Begründung der Mademie ergänzt und vergrößert sie sich selbst durch Zuwahl neuer Mitglieder, bie der Bestätigung des regierenden Großherzogs bedarf. Es würden demgemäß als Mitglieder der Weimarischen Akademie zunächst in Betracht kommen: die jeweiligen Leiter der wissenschaftlichen, gelehrten und künstlerischen staatlichen Institute Weimars und Jenas, sowie solche von nicht staatlichen, gelehrten oder literarischen Gesellschaften, Sammlungen oder Bibliotheken und Archiven. Um nur einige zu nennen: Die der Goethe-Gesellschaft, des Goethe-Nationalmuseums, des Goethe-Schiller-Archivs der deutschen Schiller-Stiftung, der deutschen Shakespeare-Gesellschaft, der Großherzoglichen Bibliothek, des Nietzsche-Archivs, die Vertreter des Jenaischen Archäologisck^en Instituts, sowie der Philosophischen Fakultät im allgemeinen (Philosophie, Germanistik Kunstgeschichte, Aesthetik), des weiteren die Direktoren der künstlerischen Lehranstalten Weimars, also der Kunstschule, des Kunst- Gewerbe-Seminars, der Musikschule usw. (Wenn diese Liste unvollständig sein sollte, bitten wir um Vergebung — sie will lediglich Beispiele anführen und erhebt auf Vollzähligkeit keinen Anspruch.) Der hier schon früher einmal aufgetauchte Gedanke einer oder Theater-Akademie in Weimar ließe sich ebenfalls fetzt organisch angliedern. Letztere könnte naturgemäß zu einer Veredelung des Sprachstils auf der Bühne führen und, was reichlich so wichtig, zu einer künstlerischen Stilreform Kulissen-Dekorations-Unwesens! Denn was wir im ganzen noch schmerzlich entbehren müssen, ist eine sinngemäße, vornehm gestimmte -vheaterdekoration, beim Hintergrund sowohl wie in der Stimmung des Gesamtspiels im klassischen Drama und gesellschaft- lichen Schauspiel und Lustspiel. Ist doch für einigermaßen künst- leristne Naturen heute das Ansehen und Anhören einer Theatervorstellung Nicht selten eine Quelle unsäglicher Komik — oder unsäglichen Leidens. Gerade in dieser Hinsicht könnte Weimar wieder vorbildlich werden und, tote für seine Zeit Meiningen, sich zu einer Hoasschule deutscher Schauspielkunst entwickeln! — Jb seins Lebensweise als Student. In der ttorwegifchen Tageszeitung „Verdens Gang" veröffentlicht der greise Hotelier I. Schulerud Eriunernngen an Henrik Ibsen, Folgende Sätze sind dabei an die Adresse des Liberalismus gerichtet: Die Liberalen waren doch nicht immer so. Wie oft sind die Ma tional liberalen mit dem Zenttum Msam menge gang en, Äim. „Positiv zu schaffen", auch in Fragen ersten Ranges, wie kbenn Bürge-rliclien Gesetzbuch ftir das Deutsche Reich. Und wie Mn I?übcrt sie die Unterstützung der Zentrumswähler für fcfrte Kandidaten angenommen, z. B. int Gr o ßherzo g tum Hessen, wo allerdings die Gegenleistung wiederholt ausge- blieben ist oder nicht gewährt werden konnte. Auch der Freisinn hat früher häufig genug, wenigstens in der Abwehr, gemeinsame Sache mit dem Zentrum gemacht. Und was die Wahlen pnlangt, so ist mehr als ein Zettel Eugen Richters durch mente Hände gegangen, in welchem er mit äußerster Knappheit Windthorst darlegte, wie das Zentrum (zuweilen schon im ersten Wahlgange) verfahren ntüsse, um dem freisinnigen Kandidaten Mr Mehrheit zu verhelfen. Was v. Bennigsen und Eugen Richter unbedenklich übten, kann doch auch die Herren Paaschc und Pachmck-e nicht wohl schünden. Wenn es mit der „Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte" Ernst werden soll, so muß vor allem und von allen die Gleichberechtigung des Zentrums anerkannt werden. Das Zentrum ist da und bleibt da. Und schließlich kann man es ihm doch nicht verübeln, daß es sein und daber sein will. Zerreiben läßt es sich nicht, und ausschalten kann man >es auf die Dauer auch nicht. Der Versuch ist dem Fürsten Bismarck beim Kartell und dem Fürsten Bülow beim Block mißglückt. Fährt man fort, das politische Zusammenwirken mit dem Zentrum als etwas geradezu Kompromittierendes, als etwas Entehrendes hinzustellen, so wird die Stimmung gründlich verdorben intb die „Zusammenfassung aller positiv schaffenden Kräfte", zu denen doch das Zentrum gehört und gehören muß, aufs äußerste erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht. Wenn das so weiter geht, so muß das Zentrum schon aus dem Gebote der Selbstachtung darauf verzichten, den Liberalen irgendwo und irgendwie an die Seite zu treten. * Der gegenwärtige Stand der österretchlschen 2ueavnougytbailten. Die „N Fr. Pr." schreibt: Der Kiel für die ersten beiden Dreadnoughts unserer Marine auf den Hellingen des Stabi- limento Tecnico zu Triest ist Mitte Mai dieses Jahres gelegt worden. Diese Schiffe werden nach den von der Marineverwaltung überprüften und angenommenen Konstruktionsplänen einstweilen auf private Rechnung der Werft erbaut. .DieseSchiffe gehen abersofortin das Besitzanrecht der Krietzs- marine über, sobald die ersten Raten der mit etwa 58 Mrll. per Einheit veranschlagten Baukosten erlegt sein werden, was natürlich nicht früher geschehen kann, als bis die beiderseitigen Delegationen die bezüglichen Vorschläge der Marineleitung angenommen, die Bedeckung der Kosten votiert haben und die Finanzverwaltnug hie erforderlichen Geldmittel sichergestellt haben wird. Um eine Verzögerung in den für die Flotte nötigen Schiffsbauten hintanzuhalten und gleichzeitig den großen und kostspieligen Werftbetrieb nicht einschränken zü müssen, hat sich die Werft entschlossen, die ziemlich bedeutenden Summen, jdie schon der Baubeginn erfordert, aus eigenem aufzubringen. Infolge dieser Entschließung konnte bereits im November vorigen Jahres an die Materialbeschaffung geschritten werden, die vollständig im Jnlande erfolgte und an der die heimischen Hüttenwerke partizipierten. Im Mai wurde nach dem Freiwerden der zweiten Helling der Werft von San Mareo durch die am 12. April ä:folgte Stapellassung des Kriegsschiffes „Zrinhi", der letzten EinhÄt der Radetzky-Klasse, mit der eigentlichen Baulegung des ersten Dreadnought begonnen, so daß gegenwärtig, nach sechswöchentlicher Bauzeit, bereits die ersten Rudimente des neuen Stahlkolosses, nämlich der Kiel, die untersten Platten des Triplebodens, sowie die Längs- und Querspanten der Bodenkonstruktion auf den Stapelunterlagen liegen. Das übrige Baumaterial steht an Ort und ^Stelle bereit. Trotz des um etwa 6000 Tonnen größeren Deplazements wird angesichts der vom Stabilimento bisher stets bewiesenen großen Erfahrung und Terminvünktlichkeit im Kriegsschiffbau in Marinekreisen mit Bestimmtheit angenommen, daß, sofern keine unvorhergesehenen Störungen eintreten, nach vierzehn- bis fünfzehnmonatlicher Bauzeit für den Schiffsrumpf die Stapellassung unseres ersten Dreadnought im August oder September 1911 gewärtigt werden kann. Eine Gesamtbauzeit von 36 bis 40 Monaten zu Grunde legend, dürste dieses 22 000 Tonnen-Schiff dem-, nach im Herbst 1913 in Dienst gestellt werden können. Das unmittelbar neben dem Typschifse in Bau gelegte Schwesterschiff, der zweite „Dreadnought", der etwas langsamer und mit Verwertung der bei dem „Dreadnought I" gemachten Erfahrungen gebaut wird, dürfte etwa ein halbes Jahr später stapellauffähig bezw. ausrüstungsbereit werden. * Die Vorgeschichte des russisch-japanischen Abkommens. Die Wiener „Politische Korrespondenz" erhält aus Petersburg aus kompetenter russischer Stelle über die Vorgänge, die zu dem russisch-japanischen Uebereinkommen führten, folgende Aufklärungen: Die Verhandlungsanfclnge reichen etwa zwei Jahre zurück und setzten mit dem Besuch des jetzigen japanischen Verkehrsministers Baron Goto in Petersburg ein. DaS^Anerbieten ging somit von japanischer Seite aus. Goto trat zunächst an den Finanzminister Kokozew mit der Frage heran, ob Rußland die Hand zu einer rationellen Regelung der wechselseitigen Verkehrsinteressen im mandschurischen Eisenbahngcbiet bieten würde. In der Zusammenkunft deS russischen Finanzministers mit dem Fürsten Ito in Chardin bekundete sich auf das klarste das Entgegenkommen Japans, um in einer neuen Vereinbarung die letzten Ueber- bleibsel der nach dem Friedensschluß von Portsmouth in Schwebe befindlichen oder noch nicht klargestellten Punkte des Uebereinkommens aus dem Jahre 1907 nunmehr endgiltig zu liquidieren. Sachlich falsch ist daher die Annahme, daß der bekannte Neutralisierungsvorschlag für die mandschurische Eisenbahnregion, mit welchem der amerikanische Staatssekretär Knox erst im November 1909 hervortrat, den Anlaß zum Abschluß des jetzigen russisch-japanischen Uebereinkommens gegeben hätte. Dagegen kann nicht geleugnet werden, daß von den angedeuteten Tatsachen eine gewisse beschleunigende Wirkung ausgiug. Eine Entstellung der wirklichen Verhält- nlsse liegt auch in der Behauptung, daß das neue Abkommen eine Spitze gegen die Vereinigten Staaten berge. Vielfache und sehr eingehende Unterredungen zwischen dem russischen Finanzminister und dem Botschafter der Vereinigten Staaten in Petersburg haben im Gegenteil eine vollständig befriedigende V erständigung über die Amerika berührenden Fragen in dieser Angelegenheit herbeigeführt. Deutsches Reich. Der „Vorwärts" veröffentlicht die vorläufige Tagesordnung des diesjährigen sozialdemokratischen Parteitages in Magdeburg, der am 18. September beginnt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Die Wahlrechtsfrage, Berichterstatter H. Borchmann, die Reichsversicherungsordnung, Berichterstatter, H. Molkenbur, die Gene sfenfchaftsf rage, Berichterstatter H. Fleißner, die Maifeier, Berichterstatter H. Müller. 2luslaH&. Aus Ko n stanti n o vi?l wird gemeldet: Eine militärische Mission unter Marschall Abdullah-Pascha, dem kommandierenoen General des 24 Armeekorps, ist nach Deutschland abgereist, um den Manövern beizuwohnen. Wie das Schatzamt in Washington bekannt gibt, wird ant 29. Juli eine Versammlung der Bankiers von New- y o r k stattfinden, um eine ^Bereinigung zur Regelung der Umlaufsmittel nach den von Mc. Veagh befürworteten Grundsätzen zu schaffen. Veagh schlug am 17. Juli vor, in Dublin und New Hampshire eine Vereinigung zu schaffen, um in Zeiten des Geldmangels im Herbst und während der Periode des Umsatzes der Ernte Ersatznoten auszugeben: wie es heißt, sollen in kurzer Zett auch in Chicago und Boston derarttge Vereinigungen geschaffen werden. Aus Stadt und LnnS. Gießen, 21. Juli 1910. •• Das russische Kaiserpaar ins Oberhessen? Wie uns aus Friedberg drahtlich gemeldet wird, verlautet bestimmt, daß das russische Kaiserpaar mit Familie Anfang August dort eintreffen und im Großh. Schloß für längere Zeit Aufenthalt nehmen wird. Die gegenwärtig im Schloß und im Schloßgarten mit Beschleunigung ausgeführten Ausbefferungsarbciten und Neuanlagen sollen im Hinblick auf diesen Besuch vorgenommen werden. *' Vereinfachung im Justizdienst. Zur Vereinfachung des Geschäftsbetriebes hat das Ministerium der Justiz ein größeres Ausschreiben erlassen mit Rücksicht darauf, daß die periodisch erscheinenden Uebersichten und Listen im Lause der Zeit derartig gestiegen sind, daß für nötig erachtet wurde, die bestehenden Vorschriften einer Prüfung zu unterziehen, inwieweit derartige Vorlagen ohne Schädigung dienstlicher Interessen entbehrt werden können. Zu unterbleiben haben sonach von jetzt ab z. B. Berichte über die für die Bibliotheken neu erworbenen Bücher, die jährlichen Berichte und Uebersichten über die Geschäftsführung der Hypothekenämter, die Uebersichten über die Fälle der bedingten Begnadigung und des bedingten Strafaufschubes, Verzeichnisse über die an die Landesuniversität abgelieferten Leichen, Uebersichten über die anhängig gewordenen Haftsachen, Uebersichten über den Stand und die Prüfung des Depositenwesens, die Listen der zu Geschworenen und Hilfs- geschworenen geeigneten Personen u. w. Eine große Anzahl von Uebersichten und Berichten sind in Zukunft nicht mehr jährlich, sondern in größeren Zwischenräumen zu liefern. Weitere Vereinfachungen stehen bevor. • • Historische Kommission. Der Großherzog hat den Oberlehrer Lio. theol. Fritz Herrmann zu Darmstadt und den katholischen Pfarrer i. P. Dr. Peter Bruder zu Dieburg zu Mitgliedern der Historischen Kommission für das Großherzogtum Hessen ernannt. * * Ueber das religiofe Moment im mobernen Roman wird, worauf wir von geschätzter Seite aufmerksam gemacht werden, im nächsten Wintersemester Prof. Schian an der Landesuniversität eine Vorlesung halten. * * Erhebungskosten der Landwirtschafts- kammer-Bei träge. Das Mitglied der Landwirtschaftskammer für Hessen, Hensel-Dortelweil, hatte in der Landwirtschaftskammer den Antrag gestellt, an die Regierung das Ersuchen zu richten, auf die bisher in Ansatz gebrachten Gebühren der Finanzämter für die Erhebung der Beiträge zur Landwirtschaftskammer zu verzichten. Dieser Antrag wurde in der Kammer einfiiinmtg angenommen. Das Großherzogliche Ministerium hat ihn jedoch durch folgende Entschließung abgelehnt: „Großherzogliches Ministerium der Finanzen hat b-ei der mit unserer Einwilligung vorgenommenen Festsetzung der Gebühren für die Tätigkeit der Großherzoglichen Finanzämter für die Landwirtschaftskammer den tatsächlichen Aufwand für Gehilfen gehalte und Vergütungen sowie für Formulare ermittelt und diesem Ergebnis einen mäßigen Zuschlag zugesetzt für, solche Kosten, die außerdem für diese Tätigkeit der Staatskasse erwachsen, aber nicht ziffermäßig sich berechnen lassen. Als solche kommen in Betracht die Kosten für die Tätigkeit der Vorstände der Finanzämter und die allgemeinen Bureau- koften, insbesondere die Ausgabe für Miete, Heizung, Beleuchtung, Reinigung der, Bureauräume usw., ebenso die Kosten für die mit der Ausführung verbundenen Nebenarbeiten, wie Schriftwechsel mit den Bürgermeistereien und sonstigen Behörden, Erledigung der Berufungen und weiteren Berufungen gegen die Landwirtschaftskammer-Beiträge (Art. 40 letzter Abs.). Da auf Grund des Artikels 43 letzter Absatz des Landwirt- schastskammergesetzes die Landwirtschaftskammer verpflichtet ist, den durch die Tätigkeit der Finanzämter entstehenden Aufwand des Staates zu ersetzen, so hat Großherzogliches Ministerium der Finanzen es abgelehnt, die fstr diese Tättgkeit festgesetzten Gebühren zu ermäßigen/' * * Erledigt sind: Eine Lehrerstelle an der eoang. Schule zu Nierstein, eine mit einem kctth. Lehrer zu be- etzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gabsheim. ** Studenten und politische Vorträge. Im Case Ebel sand heute der dritte der durch Studenten der Landesuniversität veranstalteten politischen Borträge statt. Dr. jur. Meuser machte die persönliche Bemerkung, daß ihm vom Rektor der Landesuniverfität nahe gelegt worden ei, um seine Exmatrikulation einzukommen, du er als Einberufer der Versammlung gegen das Statut der Landesuniverfität gefehlt habe. Diesem Wunsche habe er auch enffprochen. Die Anzeige über die Streichung seines Namens in der Universitätsmatrikel sei ihm infolgedessen bereits zu- gegangen. Der relegierte Student Schmitt erblickt darin, wie er in einer persönlichen Bemerkung ausführt, eine ungleiche Behandlung in der Beurteilung eines und desselben Vergehens und widerruft die im „Gießener Anzeiger" von ihm erschienene Erklärung, wonach er seine Bestrafung als zu recht bestehend anerkannt hatte. Darnach erhielt Oberlehrer Dr. Str eck er-BadMauheim das Wort zu einem Vortrag: „Die Aufgaben der fortschrittlichen Volks- wrtei." Er führte aus: Die Ziele einer Partei, also auch der fortschrittlichen Volkspartei, seien Ideale, deren Verwirklichung in absehbarer Zeit nicht zu erwarten stehen. Von jeher stehen sich, so führte er aus, zwei Staatsaufassungen gegenüber, die konservative und die liberale. Nach iberalen Grundsätzen rnüsse es dem Einzelnen möglich sein, ein geistiges Sein, also auch sein polittsches Denken, in )en Strom des allgemeinen Staatslebens einmünden zu lassen. Wo das dem vernünftig denkenden Staatsbürger nicht möglich gemacht wird, sei die Form des Staatswesens nicht die richtige. Die Anschauungen der fortschrittlichen Volkspartei seien unvereinbar mit den Prinzipien der rechtsstehenden konservativen Partteien, hie das Polk in tischer Unselbständigkeit und Bevormundung erhalten wollen. Das fei aber keineswegs national, denn in der freien Entfaltung aller Kräfte müsse der Hebel für den kulturellen Aufschwung eines Volkes erblickt werden. Weniger verschieden sei die fortschrittliche Bolkspartei von der Sozialdemokratie. Es sei wohl möglich, in vielen Punkten eine große Strecke gemeinsam mit ihr zu marschieren. Doch müsse immer betont werden, daß seine Partei das historisch Gewordene berücksichtige und stets mit dem rechne, was zur Zeit erreichbar sei. Alles Gewaltsame sei von vornherein ausbeschlossen. Nach diesen mehr allgemeinen Gedanken ging der Redner auf die besonderen Punkte des Programms über: Wahlrecht, Schule, Kirche, Wirtschaftspolitik. In wirtschaftlichen Fragen stehe seine Partei auf dem Standpunkte, daß sie nicht in dem Maße in den Vordergrund geschoben kverden dürfen, wie dies von anderen Parteien geschehe. Das Koalv- tionsrecht, das nur auf dem Papiere stehe, fei bem Arbeiter in weitesten Umfange zu gewähren, ebenso, die Fortführung der sozialen Gesetzgebung zu fordern. Alle Maßnahmen, die die Bessergestaltung des Handwerks und die Lage des kleinen und mittleren Bauernstandes zu heben geeignet seien, würden von feiner Partei wirksam unterstützt. Vom Schutzzoll habe aber nur der Großgrundbesitz Vorteile. Die den kleinen Manu am schwersten treffenden indirekten Steuern müssen durch direkte ersetzt werden: Einkommensteuer, Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer. Ein Zusammenschluß aller liberalen Kreise mit Einschluß der Sozialdemokratie sei das beste Mittel, der drohenden Reaktion mit Erfolg entgegenzutreten. — An der freien Aussprache beteiligten sich der Stadtverordnete Krumm und der frühere Student M. S ch m i t t. Da angeblich kein nationalliberaler und ultramontaner Redner sprechen wird, soll für dieses Semester fein weiterer Vortrag in Aussicht genommen werden. — Selbstverständlich sind die Anschauungen des Herrn Dr. Strecker, ebensowenig wie die des Herrn Krumm, die unsrigen. Aus unserer objekttven Inhaltsangabe werden die Leser leicht sehen, wo die Krittk, die wir uns ersparen wollen, einsetzen müßte. ** Verein der Freundinnen junger Mädchen. Auf der Nationalkonferenz des Vereins, die im vorigen Monat in Weimar stattfand, wurde eine neue Organisation des großen Werkes beschlossen. Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich von jetzt an nicht mehr in Berlin, sondern in Schloß Schönberg in Hessen, wohin alle Zuschriften zu richten und von wo auch alle Drucksachen, vor allem die Ratgeber für junge Mädchen, zu beziehen sind. Vorsitzende ilt Fürstin Marie zu Erbach-Schönberg, stellvertretende Vorsitzende Frau Julius Schniewind-Elberfeld. •’ Der Großh erz og von Hessen und derPhoio- graph. Eine amüsante Episode ereignete sich in Filey in der Nähe von Scarborough, wo der Großherzog und die Großherzogin von Hessen zurzeit weilen. Während die königlichen Besucher das tägliche Seebad nahmen, kam ein Preffe- photograph herangeschlichen und knipste die beiden Hoheiten, die nur recht simpel bekleidet waren. Das Attentat wurde jedoch vom Großherzog bemerkt, der ganz verwirrt ausrief: „No, na!" Der Photograph machte später am Tage dem Großherzog seine Aufwartung und überreichte ihm die Platten, mit einer Entschuldigung, die dieser lächelnd annahm. *’ Die An 1 agemusik unserer Regiments kapelle fällt seit längerer Zeit gänzlich aus, was wohl darin seinen Grund hat, daß die Kapelle in diesen Festmonaten meistens auswärtig tätig ist. Es würde sich vielleicht empfehlen, die dadurch ausfallenden Promenadekonzerte an Wochentagen nachzuholen. ** Monako im kleinen. Eine AutomaLeuj- Ausstellung besitzt nunmehr auch Gießen, eine Errungenschaft, auf die es wahrlich nicht stolz zu sein braucht. Denn ausgestellt sind lediglich Spielapparate, die dazu bestimmt sind, denen, die nicht alle werden, die Zehnpfennigstücke aus der Tasche zu ziehen. Einzelne Gerichte haben ja «allerdings entschieden, daß es sich bei den fraglichen Apparaten um Geschicklichkeitsspiele handle, aber wer einmal den Betrieb ansieht, wird eher zu der Ansicht neigen, daß es richtige Glücksspiele sind. Das Glück ist selbstverständlich fast ausschließlich auf der Seite des Unternehmers, während die Spieler in den allermeisten Fällen lediglich ihr Geld los werden. Kindern ist ja der Besuch, wenn sie nicht in Begleitung Erwachsener sind, verboten, und Angetrunkenen und Kindern — eine reizende Zusammenstellung! — ist nach den aushängenden Plakaten die Benutzung der Spielapparate untersagt, aber die jungen Leute zwischen 14 und 20 Jahren sind zugelassen und das sind die Mters- Haffen, bei denen in erster Linie ein Geschäft zu machen ist. Und einträglich muß das Geschäft sein, bezahlte doch z> B. der hiesige Unternehmer für jeden Automaten nicht weniger als 80 Mk. Stempelsteuer. Wie viele Groschen müssen da auf Nimmerwiedersehen verschwinden, bis nur dieser Betrag aus den Taschen der Besucher herausgeholt ist, und wie viele edlere Genüsse könnten mit diesem Gelde bestritten werden! Wir beobachteten z. B. gestern abend, wie ein junger Mann einmal 1.10 Mk. bekam. Fünf Minuten später war der Gewinn fort und noch mehr dazu. „Wenn ntan etwas gewonnen hat, muß man aufhören", meinte er. Da ist es doch schon besser, nicht erst anzufangen. Wir wiffen nicht, ob es möglich sein wird, auf Grund der bestehenden Gesetze der sog. Ausstellung ein Ende zu bereiten. Umsomehr aber sollten Eltern, Schule und Lehrherren daraus achten, daß die Jugend von der durch die „Ausstellung" hervorgeruse- nen Sucht nach leichtem Gewinn frei bleibt, da sie nur Herz und Gemüt des Herauwachsenden Geschlechts vergiftet. ** Unwetter. Die in unserer Umgebung, besonders in der Richtung nach Lich und Hungen zu, in der 2. und 3. Mittagsstunde am Montag gefallenen außergewöhnlichen, wolkenbruch- artigen Gewitterregen sind nach den Messungsergebnissen die stärksten dieses Sommers in der besonders betroffenen Gegend gewesen. Es sind, wie uns mitgeteilt wird, an einzelnen Orten 30 — 35 Millimeter Rege nm enge gemessen worden — hohe, in unserer Gegend selten erreichte Zahlen. ** Obst- und Gemüseverwertungskurse. IDer Landwirtschaftskammer-Ausschuß für Oberhessen wird in Großen-Buseck vom 9.—11. August und in Hungen vom 16.—18. August Obst- und Gemüseverwertungsürrse abhalten. Neben Belehrung über die Zusammensetzung, die Ernte und Aufbewahrung, sowie den Versand des Obstes soll in erster Linien seine Verwertung im Haushalt gelehrt und durch Vorführung der Fruchtsaft-, Gelee-, Marmelade-, Mus- und Latwerge-Bereitung erlernt lverden. Weiterhin wttd das Einmachen von Obst, sowie das Dörren von Obst unb Gemüse und die Verivertung der Ge-, müsearten gezeigt werden. Da die Zahl der Tellnehmerin.nen an den Kursen beschränkt ist, sind Anmeldungen baldigst bei der betreffenden Bürgermeisterei oder dem Landwirtschaftskammer-Ausschuß in Gießen zu bewirken. Bei der Zulassung tvird in erster Linie berücksichtigt, ob die Eltern oder Ehegatten der Kursistimum beitragspflichtig zur Landwirtschaftskammer oder Mitglieder des Obstbauverrins. sind. *• Wreseck, 20. Juli. Am nächsten Sonntag unternimmt her Gesangverein „Iugendgrun d" einen Familien- ausflug auf die nahe gelegene Karlsruhe, um seinen außerordentlichen Mitgliedern Gelegenheit zu bieten, die Leistungen des Vereins beurteilen zu können. Es werden nur im letzten Jahre einstudierte Lieder von bekannten Komponisten zu Gehör gebracht, Werke von Pauli, Neff, Geller, Schauß u. a., darunter die Preis- chüre vom Reform-Gesangswettstreit in Großen-Lindcn. + L i ch, 20. Juli. Am kommenden Sonntag feiert der hiesige Turnverein sein 50jähriges Jubiläum und verbindet damit zugleich die Weihe einer neuen Fahne. Für den Nachmittag ist ein Volksfest auf der Hardt geplant, denr sich dann eine Feier in der Turnhalle anschließt. Die Musik wird von bet* Kapelle der Leib-Dragoner Nr. 24 aus Darmstadt ausgeführt. Einige ältere Mitglieder des Turnvereins, die sich um seine Entwicklung besonders verdient gemacht haben, werden am Festtage zu Ehrenmitgliedern ernannt. Der Verein ist, wie viele andere größere Vereine des Gaues Hessen, kurze Zeit nach Aushebung der „Turnsperre" ins Leben gerufen worden. Von den Mitbegründern lebt nur noch der fürstl. Mühlenverwalter R e i n- muth, der sich trotz seines hohen Alters noch großer Rüstigkeit erfreuen kann. -f- Ortenberg, 20. Juli. In diesen Tagen trat der langiährrge Postbriefbote R. Hirzel hier in den wohlverdienten Ruhestand. In Uniform, geschmückt mit verschiedenen KriegSmedaillen, wollte Hirzel seinen in Paris wohnenden Sohn besuchen. An der französischen Grenze angekommen, ivurde der Reisende von Grenzwächtern festgehalten, bis aus der Heimat Zivilkleider verschrieben waren, in denen er die Reise fortsetzen konnte. 8. Ulrichstein, 20. Juli. Der Steuerbote Horst stürzte vor Ober-Seibertenrod mit seinem Fahrrad so unglücklich, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte.—Am kommenden Sonntag beginnt hierher Jakobimarkt, einer der größten Märkte im Vogelsberg. 8. Groß-Felda, 20. Juli. Dem Sattlermeister Völzing dahier, dessen ausgestellte Arbeiten (besonders Pferdegeschirre) auf der Frankfurter Sportausstellung berechtigtes Interesse und Aufsehen erregten, wurde vom hessischen Ministerium angeboten, auf Staatskosten eine Studienreise zur Brüsseler Weltausstellung zu machen. + B a d' - Nauheim, 20. Juli. Zu einer ständigen Einrichtung ist in unserer Badestadt ein Uniontheater geworden, das durchweg vorzügliche kinematographische Vorstellungen bietet und daher sich eines für kleinstädtische Verhältnisse außerordentlich guten Besuchs erfreut. Das Theater will den Kinematographen auch in den Dienst der Erziehung und des Unterrichts stellen. Da das nur durch unanfechtbare und wertvolle Bilder geschehen kann, unterliegen die Programme der wöchentlich regelmäßig veranstalteten Schüler v orst eil uugeit der Begutachtung der hiesigen Schulen. — 'Das 50 jährige Jubelfest des hiesigen Tur n- v er eins ist auf den 6. und 7. August festgelegt worden. An verschiedene Vereine des Gaues „Hessen" sind Einladungen zu einem Musterriegen-Wetturnen ergangen. R. B. Darmstadt, 20. Juli. Bei dem nahe gelegenen Schlosse Braunshardt, wo die Königin Luise einen großen Teil ihrer Jugendjahre verlebt hat, wurde am hundertsten Todestage der Königin ein D e n k m a l e n t h ü l l t. Als Vertreter des Kaisers und der Kaiserin rrahm der preußische Gesandte, Freiherr v. Rücker-Jenisch, als Vertreter des Großherzogspaares Flügeladjutant Oberleutnant v. Schröder an der Feier teil. Nachdem zahlreiche geladene Gäste aus Darmstadt, die Spitzen der Ortsbehörden, die Schuljugend und die Vereine vor dem Denkmal Aufstellung genommen, wurde die Feier abends 6 Uhr mit einem von den Schulkindern gesungenen Choral eingeleitet. Dann hielt Dekan Schneider aus dem nahegelegenen Ort Weiterstadt die Weiherede, in der er ein Bild von dem Leben und Wirken der Königin entwarf. Die Stifterin des Denkmals, Frau Oberst v. Hohmeier, überwies es dann mit kurzen Worten der Gemeinde Braunshardt, in deren Namen Bürgermeister Schmidt dankte. Die Vertreter des Kaiser- und des Großherzogpaares legten Kränze nieder, worauf die Feier mit einigen vom Verein „Frohsinn" vorgetragenen Gesängen ihren Abschluß fand. Die Darmstädter .Teilnehmer an der Feier folgten darauf einer Einladung der Fürstin von Hanau ins Schloß zu einem Festmahl. — Das Denkmal ist vom Bildhauer Beinhorn in Wittert in einer Höhe von nahezu 4 Metern angefertigt und besteht aus vier Säulen aus Sandstein, in deren Mitte sich auf einem Postament die Marmorbüste der Königin erhebt mit der einfachen Inschrift „Königin Luise". Der Denkmalsentwurf war f. Zt. auch dem Kaiser und dem Großherzog zur Genehmigung vorgelegt worden. Bingen, 18. Juli. Der Zweigverband Großherzog- titm Hessen im Zentralverband deutscher Bäckerinnungen „Germania" hatte heute in Bingen feinen ersten V er- tretßrtag. Um halb 11 Uhr begannen die Verhandlungen, denen etwa 400 Bäckermeister beiwohnten. Anwesend waren dar Präsident des Zentralverbandes „Germania" Bernard-Berlin, Vertreter der Handelskammer Darmstadt, der Zentralstelle Darmstadt, der Bäckerinnungen Frankfurt am Main, Mannheim, Ludwigshafen, des pfälzischen Verbandes usw Die Anwesenden wurden von dem Vorsitzenden Siegmund-Oppenheim begrüßt. Dann widmeten ihnen Worte der Begrüßung Kreisrat Steeg für den Kreis und Beigeordneter Fischer für die Stadt. 21 Innungen waren durch Delegierte vertreten. Der Vorsitzende erstattete den Bericht über den Zweigverband. Die Einnahmen betrugen bis jetzt 1624,49 Mark, die Ausgaben 979,64 Mark; der Zweigverband hat also einen Kassenbestand von rund 644 Mark. Dabei zählt er 1177 Mitglieder in Darmstadt, Mainz, Worms-Stadt und Worms-Land, Alzey, Bingen, Gießen, Eberstadt, Offenbach, Oppenheim, Pfungstadt, Bad-Nauheim, Lampertheim und in einer Reihe Sanborte. Der Zutritt anderer Plätze steht in Aussicht. Als Vorort wurde Darmstadt gewählt mit der Begründung, daß der Sitz der Handwerkskammer und der Sitz der Regierung sich in Darmstadt befänden, daß ferner Darmstadt zentral gelegen sei. Bei der Vorstandswahl erhielten Weber 29, Finger 25 Stimmen; damit war Weben gewählt. Als Kassierer und 2. Vorsitzender wurde Finger, als Schriftführer Olbert, sämtlich in Darmstadt, gewählt. Mühlheim a. M.," 19. Juli. Hier fand am Samstag die Ergänzungswahl zum Gemeinderat statt. Schon 1904 und 1907 siegten die Sozialdemokraten, so daß sie von 15 Sitzen 12 inne hatten. Dieses Jahr scheiden die drei letzten Zentrumsleute aus. Das Bürgertum stellte diesmal gar keine Liste auf, und so wurde wieder die sozial mo- kratische Liste mit 555 von 1058 Wählern gewählt. Sämtliche 15 Mitglieder des Gemeinderats sind nun Sozialdemokraten, ein Fall, der in Hessen noch nie zu verzeichnen war. Ebenso fand in Hessen noch nie eine Ge- meindewahl statt, bei der den Sozialdemokraten das Feld kampflos überlassen wurde. Mühlheim ist auch die erste Gemeinde in Hessen, in der von der Behörde ein Beigeordneter auf drei Jahre ernannt wurde, nachdem wiederholt ein Sozialdemokrat gewählt worden war. ü Marburg, 20. Juli. Vom 31. Juli bis 3. August begehen die Bewohner unserer Vorstadt Weidenhausen wieder einmal ihr Grab en fest. Es ist dies eine Ermnerungsfeier an die vor langer Zeit erfolgte Trockenlegung eines großen Sumpfgeländes bei Weidenhausen, das als fruchtbares Gartenland Eigentum der Weidenhaufer Bürger, der sog. Erlen- graben-Gesellschast, geworden ist. Bei dem Fest spielt nach altem Herkommen der „Grabentanz" eine Hauptrolle. * Ein unzerstörbarer Geldschrank. Der Kampf des „Geldschrankknackers" gegen den Geldschrank erinnert an den der Kanone gegen die Dreadnoughts. Auch die Panzerung des Geldschrankes wird immer mehr verstärkt, aber in demselben Maße wachsen die Mittel der Verbrecher, auch diese Widerstände zu überwinden. Wie Max de Nansouty im „Temps" mitteilt, ist es aber nun gelungen, einen neuen Geldschrank herzustellen, der unzerstörbar ist und allen Sprengstoffen oder Durchbohrungsversuchen Widerstand leistet. Dieser Geldschrank besteht au§ einem Kompositum von Stahl und Magnesia und hat die Form einer massiven Granate, in deren Mitte sich eine Höhlung befindet, die dazu bestimmt ist, die Wertgegenstände aufzunehmen. Dieses Behältnis wird durch zwei übereinander gelegte Stahlscheiben von 62 und 125 mm Dicke verschlossen. Das Ganze wiegt 2000 kg. Man hat diesen Geldschrank durch Dynamit zu sprengen versucht, aber Ladungen von 14 zu 250 g hatten nicht die geringste Wirkung. * Hundemode in Lönbon. Unter den Damen der Londoner Gesellschaft sind die stichelhaarigen Terrier gegenwärtig sehr in Mode gekommen, seit dem Tobe König Ebwards, dessen Lieblingshund „Cäsar" bekanntlich zu dieser Rasse gehörte. Cäsar ist dadurch, baß er in dem Leichenzuge des Königs erschien und dadurch, baß die Zeitungen so vieles über seine Treue und seine Anhänglichkeit an seinen Herrn zu erzählen wußten, außerordentlich populär geworden. So kommt es, daß die stichelhaarigen Terrier die kleinen Spitze, die in den letzten Jahren am beliebtesten waren, so schnell verdrängen konnten. Die Preise für die Terrier sind jetzt rasend hinaufgegangen, man zahlt jeden Preis, von zehn bis hundert Guineen für einen solchen Hund, je nachdem, ob er Cäsar besonders ähnlich sieht. Die Amerikanerinnen, die während des Sommers zum Besuch hier weilen, machen natürlich die Mode auch schon mit, und sie werden, wenn sie in die Heimat zurückkehren, eine ganze Armee dieser Tiere mit hinüber nehmen. Kleine Tageschronik. Auf der Heimfahrt nach Amerika sind am Mittwoch in Berlin etwa 180 Mitglieder des Schwäbischen Sängerbundes aus Brooklyn angekommen, um einige Tage in Berlin zu verweilen. Am Donnerstag veranstaltet die Leitung des Berliner Sängerbundes, die die Begrüßung auf dem Bahnhof übernommen hatte, ein großes Gartenfest zu Ehren der Brooklyner Sänger bei Kroll. In der Wolssschen Zelluloidwarenfabrik in Nürnberg sind sämtliche Arbeiter in ben Ausstand getreten, weil die Firma 30 an dem vorjährigen Streik beteiligte Arbeiter, in dessen Verlauf es bekanntlich zu heftigen Zusammenstößen zwischen Ausständigen und Arbeitswilligen gekommen ist, entlassen hat. Die Firma lehnte die Vermittelungsvorschläge des Magistrats ab. In Zoppot verhaftete 'die Polizei drei elegant gekleidete jugendliche Erpresser in der Wohnung einer älteren Dame, die am Sonntag aus Breslau als Kurgast eintraf. Die Burschen, anscheinend Mitglieder einer internationalen Erpresserbande, nahmen in den letzten Jahren der Dame unter fortgesetzten Todesdrohungen 12 000 Mk. ab. Die Burschen waren der Dame von Breslau aus gefolgt. Aus Aachen wirb gemeldet: Am Mittwoch vormittag fuhr ein Güter zug auf dem Bahnübergang dicht bei Wahlheim einem Personenzuge, der mit vom Truppe n- übungsplatz Eisenborn heimkehrenben Soldaten besetzt war, in die Flanke. Der vorletzte Personenwagen wurde stark beschädigt, der drittletzte aus dem Gleis geworfen. Die Zahl der zu Schaden gekommenen Personen ist noch nicht festgestellt. In einem Keller der Wiener Möbelfabrik Müller im Bezirke Margareten brach am Mittwoch nachmittag ein Brand aus, welcher die ganze Fabrik bedroht. Es gelang, ben Brand einzudämmen. Der Schaden wird auf 150.000 bis 200 000 Kronen geschätzt. Bei den Rettungsarbeiten erhielten zahlreiche Feuerwehrmänner Brandwunden, andere wurden infolge Gasvergiftung ohnmächtig. Aus K i s ch i n e w wird gemeldet: Durch Regengüsse während der letzten Nacht wurde die Stadt überschwemmt. In den niedrig gelegenen Stadtteilen mußten die Einwohner durch die Fenster flüchten. Der Bahnhof bildet den Mittelpunkt der überschwemmten Gegend. Der Straßenverkehr ist gehemmt, die Brücken sind überflutet. Mehrere Häuser sind eingestürzt. Aus Newyork wird gemeldet: Der Präsident der Chicago-Indianapolis und Laisville-Eisenbahnge- sell schäft ist von einem Einbrecher, der .in sein Haus eindrang, erschossen worden. handel. ^DerneuePostpaketvertragzwischenDeutsch- lanb und China, der ben Austausch von Paketen auf der Basis des Weltpostvereines regelt, sieht vor: Erstens: Den Postpaketaustausch in beiden Richtungen und mit allen Orten mit den Postanstalten in China und zwar bis zum Gewicht von zehn Kilo mit der Einschränkung, daß das Gewicht von Paketen nach Orten mit chinesischen Postanstalten, die nicht an einer Ersenbahn ober Dampfer an le gestelle liegen, auf drei Kilo be* febrärttt werden kann, wenn die chinesische Behörde dies wünscht. DreVorausbezahlung kann tünftig auch nach Orten mit chiae- mojen Postanstalten stattfinden, sofern die Orte an einer Eisenbahn an einer Dampferanlegestelle liegen; dagegen werben die Werterveforderungskosten nach wie vor von dem Empfänger ein» gezogen Ferner ist künftig auch nach Orten mit chinesischen PostaMtalken Wertangabe gestattet, deren Höchstgrenze voraussichtlich 1000 Franks ober 800 Mark betrage. Schließlich wird für den Verlust ober die Beschädigung von Postpaketen für die gange Beförderungsstrecke nach den allgemeinen Grundsätzen, br im Weltpostverein bestehen, Gewähr geleistet. Wien, 20. Juli. Die am 20. Juli in Zahlungsschwierig- rcüen geratene Börsenfirma Goldberger u. Pollak wurde fettens der Börsenkammer für insolvent erklärt. Die Höbe t)cr Verbindlichkeiten ist noch unbestimmt. iriärlte. ke. Frankfnrta.M. V i e h h o s-M a r k t b e r i ch t vorn 21.Julck Auftrieb: 36 Ochsen, 110 Kühe und Färsen, 700 Kälber, 94 Schale' 886 Schweine. Tendenz: Kälber und Schafe geräumt, Schweine ruhig, bleibt Ueberftanb. Preis pro 100Pfd. Lebend- Schlachtgewicht Kälber. Mk. Mk. Feinste Mast-(Vollmilchmast) u. beste Saugkälber 55—60 92—IOC Mittlere Mast- und gute Saugkälber .... 50-54 84-91 Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthammel . . . 37—00 72—03 Aeltere Masthammel und gut genährte Schale 35-00 73—00 Schweine. Vollfleischige Schweine über 2 Zentner Lebendgeivicht ........ 54.00—56.00 69.00—00.00 Vollsleischige Schweine bis zu 2 Rentner Lebendgewicht......... 54.00—56.00 69.00—71.00 Vollsleischige Schweine über 2* 1/, Zentner Lebendgewicht........ 55.00-56.00 70.00—72.0g Fleischige Schweine....... 53.00—55.50 68.00—71.00 Limburg a. d. Lahn, 20. Juli. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauischer) 17,00 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 16,20 Atk., Korn 11,00 Mk., Gerste: Futtergerste 0,00 Mk., Braugerste 00,60 Mk.. Hafer 7,60 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln, neue, 9,00—0,00 Alk. Mchentl. Ueberstcht der Todesfälle L ».Statt Gießen. 29. Woche. Vom 10. bis 16. Juli 1910. Einwohnerzahl: angenommen zu 31,860 (inkl. 1600 Mann Militär Sterblichkeitsziffer: 16,34 °/00, nach Abzug von 7 Ortsfremden: 4,90 °/0:. Kinder Es starben an : Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Lungentuberkulose 1(1) 1 (1) _ Darmkatarrh 1 1 _ Stimmritzenkrampf 1 — 1 Blutvergiftung 1(1) — — 1 (1) Blinddarmentzündung 1 (1) 1 (1) — Nierenentzündung KD 1 (1) — — Gehirnschwund 1(1) 1 (1) — Limgenentzündung 1 1 _ __ Herzleiden 2(2) 2(2) — — Summe 10 (7) 7 (6) 2 1 (1) 21 nm.: Die in Klammern gcfcijti.; Zissern geben an, nne viel der Todes fälle in der betretenden Krankheit auf von auswärts nact) Gießen gebrachte Kranke kommen. Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) L. A. Wenn Sie sich nicht gütlich einigen können, wenden Sie sich an einen Rechtsanwalt. Der Ausgang eines event. Prozesses wird wohl von einem Sachverständigen-Gutachten abhängen. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Verlauf der Witterung seit gestern früh: Tie gestern im Westen angekündigte Zyklone ist rasch unter starker Entwickelung nach den britischen Inseln gezogen, in weitem Umkreise bis Süddeutschland starke bis stürnusche Südwestwinde, Trübung und neu beginnenden Regen hervorrufend. Der Luftwirbel wandert ostwärts und leitet eine neue Regenperiode ein. Wetteraussichten in Hessen am Freitag dem 22. Juli 1910: Regenfälle, kühl, böiger West. Berlin, 21. Juli. Nach Mitteilungen aus Haiffa soll vorgestern ein Deutscher der dortigen Kolonie im Fellachendorf Hereh »durch Eingeborene erschossen worden sein. An die Kaiserliche Botschaft in Konstantinopel sind sofort die erforderlichen Weisungen ergangen. Paris, 21. Juli. Während des Urlaubs des Ministers des Auswärtigen Pichon wird der Botschafter in Petersburg Luis die auswärtigen Angelegenheiten leiten. Paris, 21. Juli. Ein Bataillon der Fremdenlegion ist von Sidi bei Abbas nach U d s ch d a abgegangen. L i s s a b o n, 21. Juli. Wie aus Macao gemeldet wird, sind die portugiesischen Truppen Herr der Insel Ko lo van geworden. 16 Personen wurden von ihnen befreit und 44 Piraten gefangen genommen. flf । ■ ■ r*" liefert billigst die Brühl’scho Kuverts mit Firma kää K 84/10. (B8V7 Donnerstag den 1. Septbr. 1910, nachm. 3 Uhr, werden in unserem Amtszimmer die dem Heinrich Abel und Ehefrau geb. Ornau zugeschriebenen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 13/50,3 = 150 qm Grabgarten am Sandtauterweg links hinter den Gärten. 13/50,t = 213 qm Hofreite daselbst. Gießen, den 20. Juli 1910. Großherzogliches Ortsgericht. Gros. Neue Kartoffeln, „Kaiserkrone", gibt ab per Nachnahme inklusive Sack ab Berstadt pro Zentner 3.25 AU. (3895 Hofgut Utphe, bei Berstadt. H. Jacobi. Telephon: Hungen Nr. 8. qoooooooooq K 22/10. (ßa/e Donnerstag, 28. Juli 1910, nachm. 3 Uhr werden in unserem Amtszimmer die den Carl Rühl Eheleuten in Gießen zugcschrie- benen, nachstehend verzeichneten Parzellen versteigert: 1/858 — 337 qm Hofreite in der Scheppeneck. l/8598/io — 502 qm Grabgarten mit Häuschen daselbst. Gießen, den 22. Juni 1910. Großherzogliches Ortsgericht. Gros. Der Appetit wird ungemein befördert durch Mel’s Nähr- und Kräftigungslikör ’/i Fl. 2)1. 2.50, Vs Fl- 2)1. 1.50. Germania-Drogerie Carl Seibel, Franks. Straße 39. Telephon 593. (2640 Neue Kartoffeln, Perle von Erfurt und Kaiserkrone versendet unter Nachnahme per Zentner 3.25 Mk., bei größeren Bezügen Preisermäßigung, f3061 Wilhelm Watzenborn, Södel (Wetterau). Telephon 1, Amt Wölfersheim Mel- oad Xheittweitie kaufen Sie gut und preiswert bei Carl Sdiwaab 39 Gutscheine. Sehenswert Sehenswert. 3995 Cafe Amend Dr. Kübel. zu verm. Gietzen. W- Dürbeck. MM 1111 Schützenhaus. gegen U 6 Zimmer Stellung. Neustadt 50. 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