lachen. M ochenübersicht. lh s, alles rollt, renstangeaus, wieder da. ” dessen 1 ”tnion‘. Htz Mdmtli40^ e Amend. Täglich irliiifl der ii. SiMapelli. Eintritt frei. I® Mittwoch, Samstag u. g-7,4 Uhr ab Konzert. ßMU. :utt Rüw-ch ilw-üoraert Lniang ‘/£ U&L—. ’ wonatliche (. Anabole untn M Am. erbeten. firniß 1111, eil«, ^chlagersilm, forot, 1 ünzusehen. ^ergeante«, i,en. 8 Snbianer=Storno, ./caielih* lenve*®3),,.-»" MA?r H'mvien E^" < Ä** »bi •« Ki^ Mittwoch ÄÄ. Juni 1910 160. Jahrgang Zweites Blatt Nr. 143 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag?. d 3nr Frage öes Notariatrwesenr in Hessen toirb uns aus juristischen Kreisen geschrieben: Die Ausführungen in Nr. 140 dieses Blattes „Zur Frage der Verstaatlichung des Notariats" sind, zum we- nigsten was die Verhältnisse in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen anlangt, in vielen Punkten unzutreffend und geeignet, über diese auch für die Allgemein beit bedeutungsvolle Frage falsche Ansichten zu verbreiten. In Rheinhessen, wo das Notariat schon lange Zeit besteht und sich eingebürgert hat, liegen die Verhältnisse ja etwas anders, aber auch für dort scheinen die in dein Artikel angedeutcten Folgen einer Verstaatlichung des Notariats übertrieben. Im nachstehenden werden auf Grund der Erfahrungen, die eine mehrjährige Tätigkeit auf dem Gebiet der freiwilligen Gerichtsbarkeit, besonders auch des neuen Grund- buchrechts dein Einsender gewähren, nur die Verhältnisse in Starkenburg und Oberhessen besprochen Öjcr hat sich die Bevölkerung meist noch nicht an das Notariat gewöhnt; ein Grund hierfür mag die Verquickung mit her Rechtsanwaltschaft childen. Für Die vielen Amtsgerichtsbezirke, innerhalb deren kein Notar seinen Amtssitz hat, kommen bis jetzt notarielle Akten meist nicht in größerem Umfange in Betracht, vielmehr werden hier nach wie vor die Beurkundungen in d'er Regel vor den Amtsgerichten vorgenommen. Aber auch da, wo ein 9rotar vorhanden ist, gehört es zurzeit noch zu den Seltenheiten, daß vor diesem auch nur der überwiegend größere Teil der Beurkundungen er- in den Ortskrankenkassen mittragen nüißcn. Beschlüsse werden noch nicht gefaßt. Nächste Sitzung: Mittwo ch. Die „Gießener Lamttienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal. Poung dazu schreiten, seine Absicht in die Wirklichkeit umzusetzen. Er stieß anfangs aus große Schwierigkeiten, man hielt ihn für einen Autographenjäger. Mit der Zeit aber begann sich eine Reihe von Gelehrten und von berühmten Schriitstellern für die Samin lung zu interessieren, die Bibliothek wuchs an, schließlich niußte Poung den Buchern ein ganzes Haus in Minneapolis cinräumen, und heute ist die Arbeit bereits so gewaltig angewachsen, daß der Bibliothekar mit seinen acht Assistenten ihr kauin gerecht werden kann. In den Hauptstädten aller Länder hat Poung seine Agenten und unter der Förderung der akademischen Kreise Amerikas ist heute eine Wellbibliothek von vielen hunderttausend Bänden zusammen. — Die Entvölkerung Spaniens. Gineni verhältnismäßigen Bevölkerungsrückgang unterliegen mit Ausnahme von Italien alle romanischen Staaten; am härtesten davon betroffen sind aber Spanien und Portugal. Ter Bevölkerungsrückgang Lpaiiiens hängt aber int Gegensatz zu dem Frankreichs weniger mit dem Rückgang der Geburten zusammen, als mit der immer mehr steigenden Auswanderung, die durch die Mißwirtschaft des Landes veranlaßt ist. Wie die „Zeitschrift für Sozialwifsenschaft" berichtet, betrug die Zahl der svamschen Auswanderer im Jahre 1904 etwa 40 ÖOO, 1906 aber bereis 122 000. Diese Menschenmasse ergießt sich hauptsächlich nach ben spanisch sprechenden Republiken Südamerikas, besonders nach Argentinien. In diesen Staat wanderten 1906 von den 122 000 spanischen Auswanderern aÜein 73 000 ein. Diese Steigerung der Auswanderung hat in Spanien zu einer richtigen Beoölkeruugsnot geführt. Don 1887 bis 1900 wuchs denn auch Spaniens Bevölkerung nur um eine Million, nämlich von 17 auf 18 Millionen, und für die Volkszählung, die demnächst stattfinden soll, wird überhaupt keine Zunahme mehr, sondern ein Rückgang erwartet. — Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wisseuscha f t. Seinen 70. Geburtstag begeht am 23. ds. der Geograph, Geheimra: Prof. Dr. Hermann Wagner in Göttingen. Sein Geburtsort ist Erlangen. 1864—76 war er Gymnasiallehrer in Gotha und zugleich von 1868 ab bis 1876 Redakteur des Statistischen Jahrbuchs im Gothaer Almanach. Ostern 1876 folgte er einem Rufe afe Ordinarius der Geographie nach Königsberg und 1880 nach Göttingen. — In Al i ch l e bei P r a g ist der Geschichtsforscher Professor Julius I u n g im 59. Lebensiahr gestorben. Rotattonsdruck und Verlag der vrühl'schen UnwersftätS - Buch- und Siemdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: 112. Tel.-Adr_- AnzeigerGießen. Bei Inanspruchnahme deS Notars erwachsen, da go- wöhnlich zur Abgabe an das Gericht Ausfertigungen der aufgenommenen Urkunden hergestellt werden müssen, meist für die Rechtssuchenden mehr Kosten als bei Erledigung durch das Amtsgericht. Ein Vorteil für die Bevölkerung liegt nur darin, daß sie bei dem Notar nicht so streng an Amtsstunden gebunden ist, wie bei dem Gericht, aber cui entgegenkommender Richter kann hier in weitem Umfange berechtigte Wünsche der Bevölkerung berücksichtigen, was zweifellos auch an den meisten Gerichten geschieht. Auch könnte durch Einrichtung von Gerichtstagen an entlegener Orten geholfen werden. Sicherlich können auch viele Rrch- ter, die lange an einem Orte ihres Amtes walten, von srch sagen, daß sie „Berater und Vertraute" der Rechtssuchcn- den sind, und auf eine rasche Erledigung wird nrcht nur im Dienstaufsichtswege hingewirkt, sie liegt and) rm Interesse des Mchters selbst. ft-ommt aber eine schuldhafte Schädigung durch einen Richter vor, dann hastet er selbst und der Staat, so daß die Bevölkerung vor Schaden bewahrt bleibt und nicht auf den guten Willen des Staats, einzuspringen, angewiesen ist. T t. Die wirtschaftliche Vereinigung verlangte u. a daß eine besondere Ortskrankenkasse errichtet werden rann auch für solche Gewerbszweige, deren Mehrheit aus Wanderarbeitern besteht, 5 B. Zieglern. Nach einem wetteren Anträge der wirt- itt ältlichen Vereinigung sollte die Errichtung durch die höhere Verwaltungsbehörde erfolgen usw. Ein Redner der fortschrittlichen Volkspartei stimmte der Tendenz dieser Anträge zu, totes aber darauf hin, daß die Frage bei den Ersatzkassen zu regeln sein wird Em Vertreter der Verbündeten Regierungen unterstützte diese Ansicht. Ter Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigung zog darauf leine Anträge zurück. § 250 wird unverändert angenommen. S 251, der u. a. bestimmt, daß die oberste Verwaltungsbehörde die erforderliche Mindestzabl von Mitgliedern bis auf 3000 erhöhen kann, wurde gestrichen. § 252, her fcitrht, daß die Mindestzahl nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre berechnet wird, wurde angenommen. § 253 erklärt, daß die allgemeine Ortskrankenkasse besonders als beeinträchtigt gttt, wenn die <>ahl der Mitglieder, die ihr bei Zulassung besonderer Ottskrankeir- lassen verbleiben würden, nicht inmdestens 1000 erreicht D^r Paragraph wurde dahin abgeänbert, daß als Mtndestzahl 500 festgesetzt werden. Tie wetteren §§ 254—256 über die besonderen Ortskranken- des tzauptversahrens. In § 195 wurde nach einem Zentrums antrage neu etn- gefügt: „Tie Bezeichnung der Beweismittel soll erkennen lasten, für welche Anklagebehauptungen sie angeboten werden. ' Ferner wurde ein § 195 a neu eingeschaltet, der besagt: .Sobald die Anklageschrift eingegangen ist, hat sie^dcr Vorsitzende, in den vor den Amtsgerichten zu verhandelten Strafsachen der Amtsrichter, dem Angeschuldigten und dem Verteidiger initzuteilen. ., _ Bei der Mitteilung ist der Ange,chuldigte unter Bestimmung einer F r i st daraus hinzuweisen, daß er innerhalb der nommen. § 192 wurde nach Anträgen des Ze n tru ms. tut 1. Absatz olgendermaßen formuliert: „Ter Angeschuldtgte ist in der Dor- untersuchung zu vernehmen und aufzufordern, btc zu seiner laftung dienenden Tatsachen und Beweismittel zu bezeichnen: Die bezeichneten Beweismittel hat der Untersuchungsrichter, wenn sie von Bedeutung sind, zu erheben. War er von einem Richter noch nicht vernommen, so ist er zu vernehmen, sobald ihm die Eröffnung bekannt gemacht ist." ,, , . , Der zweite Absatz beginnt: „Bevor der Untersuchungsrich^r die Voruntersuchung abschließt, hat er dem Ungeschuldigtew mündlich mitzuteilen, welche Verdachts gründe sie-er* geben hat " Aus Antrag des Zentrums wurde hinzugefugt: „Der Verteidiger ist zu dem Termin zu laden. § 193, der von der Ausdehnung der Voruntersuchung über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus handelt, wurde angenommen, ebenso § 194 nut einem Zentru msantr a g e: „öat der Untersuchungsrichter einen Angeschuldigten außer Verfolgung gesetzt der Untersuchung^ hast erlitten hat, so steht dies einem Gerichtsbefchluste gleich. Tann beriet man einen neuen Abschnitt: Eröffnung sonders deutlich bei Der Versteigerung der Gemäldesammlung des verstorbenen Sir Frederick Mavoin erkennen, die in den letzten Tagen bei Lhnstie ftottfanb. Während die einst viel gerühmten Werke einiger englischer Akademiker, die vor einem halben Jahrhundert das Entzücken des Publikums gebildet, nur geringe Preise erzielten, wurde für eine Landschaft Constables »Feuer bei Reyland" der riesige Preis von 194 800 Alk. gezahlt. Das Werk, das 1H36, ei» Jabr vor dem Tode des Künstlers, gemalt wurde, war von seinem bisherigen Besitzer für 15 000 Mk. erworben worden. In den letzten 15 Jahren erfolgte bann die ungeheure Preissteigerung, die die Werke des großen Entdeckers bet englischen Landschaft erfuhren Nachdem schon für die .Mühle von etratforb“ und „.tie Mühle von Arundel" auf ben Versteigerungen der Sammlungen Huth und Gaskell gegen 190 000 Mk für jedes Bild angelegt worben waren, ist auf der Versteigerung Mavpm der höchste Preis, der je für einen Constable gezahlt wurde, erreicht worden. Dagegen erzielte em einst hochgefeiertes Bild des Akademikers Früh, ,Amy Aobsart und Janet", bas Mappin für 8600 Mk. erworben hatte, nur 1632 Mk. — Eine einzigartige Büchersammlung besitzt ber Amerikaner James Carleton Young aus Minneapolis, ber nun in Paris eingetroffen ist, mn Verhandlungen zu führen, die auf ben Ausbau seiner Büchersammlung abzielen. Tie 9lrbett eines ganzen oeben§ Unb einen großen Teil seines ansehnlichen Vermögens hat Air. Poung feinem Plane geiuibmet, ber Errichtung einer Bibliothek, in ber bic Werke aller lebenben Schriftsteller aller Völker gesammelt werden sollen. Aber bie Bibliothek Youngs ist mehr als eine einfache Zusammenhäufung von Büchern, bie (Örunbbebmgung für die Aufnahme eines Werkes ist, baß der Verfasser in bas Buch eine handschriftliche Eintragung macht, nicht etwa nur ein Autogramm, sondern einige besondere Bemerkungen, die uch auf das Werk ober den Verfasser beziehen. Von Jugend auf hat sieh Poung mit diesem Plane beschästigt. Er ist viel gereift, hat fast alle großen Bibliotheken Europas besucht und Dabei gefunden, daß ui ben meisten Bücheisammlungen ber Ehrgeiz in Dem Wunsche gipfelt, möglichst viele Bände zu besitzen. Im Gegensatz bazu wollte er eine Bibliothek begrünben, deren Enbziel nicht in einer großen Zahl, sondern in einem möglichst hohen Werte der einzelnen Bücher bestehen sollte, unb daraus entstand auch der Gedanke, von jedem Verfasser eine handschriftliche Em- tragung in das Buch zu verlangen. Erst tm Jahre 1891, so berichtet Marie Anne de Booet in einem englischen Blatte, konnte ICunft, wissen,chast um» Leben. — Die Eingebung des Musikers. Das oft zitierte Wort ,Es bildet ein Taleitt sich in der Stille" scheust bet ben Musikern nicht so allgemein ziiziitreffen, wie bet anderen schonenden Geistern. Dlmcrigo Scarlatti weist in einem interessanten Aufsatz in Ars et Labor auf bic merkwürdige Vorliebe hin, die eine Reihe großer Musiker für eine lärmende Umgebung haben. Im Gegensatz zu anderen Geistesarbeitern suchen Ite gern eine lebhafte Umgebung auf. Gespräche, Trubel unb Geräusche sinb ihnen willkommen, unb eine große Reihe noch heute berounberter Meister- ,verte der Tonkunst sind unter Umständen entstanden, Die doii_ jeoer .Ruhe des Schaffens" und von weltabgeschiedener, einsamer-elbst- oerfenfung weit entfernt sind. Wenn Cimarofa komponierte, so verlangte er Lärm um sich zu haben, am liebsten war es ihm, wenn er seine -Eingebungen inmitten eines Kreises olaubernber unb scherzender Freunde auf das Papier bringen konnte. Berlioz komponierte seine herrliche Orgelsonate „Der Abschied der ocbaier" im Hanse des Architekten Duc, inmitten einer Gesellschaft, die voll Eifer und durchaus nicht geräuschlos am Whistspiel sich ergötzte. Als Gluck in seiner Heimatstadt Weidenwang weilte, ließ er sein Spinett ms Freie tragen; in unmittetbarer Nachbarschaft des Viel)- Marktes wurde das Instrument aufgclteUt und hier komponierte Gluck beim Gebrüll der Ochsen und beim Gefchrei ber '-Berfawer. Paer schuf seine besten Kompositionen, wahrend er mit brcuuDen scherzte ober stritt, mit leinen Mmbern spielte ober mit ber Köchin unb mit seiner Frau allerlei häusliche Angelegenheiten ordnete. Gounod schrieb mit Vorliebe während seiner Reffen, in der Postkutsche ober in ber Eisenbahn. Das berühmte »Gebet deS 'Moses von Rossini entstand in einer Viertelstunde un Kreise einer lustig scherzenden, lärmenden Gesellschaft von Freunden, die 'm Häme des Dictsters Trottola zusammen gekommen waren. Trottola brachte Rossini die Verse, Rojsim begann zu lesen, der Dichter lurchtete eine allzu strenge Kritik und sagte zu Rossini: .Meister, ich habe daran mehr als eine Stunde gearbeitet". „Unb td) werbe ~u bie Musik in einer Biertelstunbe schreiben", antwortete Ros nm. Gr hielt fein Wort: eine Viertelstunde später war bas ,-Lebet des Moses" komponiert. — Ein riesiger Preis für einen .Constable". Die große Wandlung, bie mit der neuen Wertung der Kunstwerke auch in ben Preisen des Kunsthandels eingetreten ist, ließ sich be* richtet wird. Die Attssührirngen in dem erwähnten Artikel über die Folgen der Verstaatlichung des Notariats sind deshalb unzutreffend. Eine Vermehrung der zurzeit vorhandenen richterlichen Beamten einschließlich der dauernd richterlich verwendeten Assessoren, deren definitive Anstellung nur aus finanziellen Gründen unterbleibt,^wäre m. E. überhaupt nicht erforderlich, die GerichtsschreibergehUfen müßten vielleicht an einzelnen Gerichten vermehrt werden, obwohl auch das teilweise durch rwtmer ausgedehntere Verwendung von Schreibmaschinen umgangen werden könnte. Eine „bedeutende Vermehrung der Beamten" ist sicher nicht erforderlich- Hiermit entfällt auch die angebliche Vermehrung der Diensträume durch Vergrößerung der Amtsgerichtsgebäude usw. Die meisten der von Notaren auf- gonommenen Urkunden müssen in Urschrift oder Mschrift an das Amtsgericht abgegeben werden, so alle Testamente, die in Grundbuchsachen errichteten Urkunden, Ehevertrage, die in das Güterrechtsregister eingetragen werden sollen und so weiter. Für diese muß also jetzt schon Raum vorhanden sein. Und wieso, wie in dem Artikel behauptet wird, eine Vergrößerung der Bibliotheken erforderlich werden soll, ist ganz unerfindlich, denn die Amtsgerichte sind doch auch jetzt schon mit den von den Notaren bearbeiteten Sachen befaßt, müssen also auch in ihren Bibliotheken tue erforderlichen Werke besitzen. Was speziell die G r u n d - buchsachen nach neuem Recht anlangt, so bedeutet die Aufnahme der Urkunde durch den Notar für den Richter meist keine wesentliche Arbeits- und Zeitersparnis. Denn einfache Sachen sind auch bei Gericht rasch ausgenommen, und bei schwierigen Angelegenheiten erfordert die Nachprüfmrg durch den Richter mefsl dieselbe Zeit wie die Ausnahme, und die .Hauptsache, die Eintragung in das Grundbuch, liegt in jedem Fall dem Mchter (Grundbuchamt) ob. Die N o t a r i a t s g e b ü h r e n , die im Falle der Ver- staatlichung des NotarnatS dem Staate, statt jetzt dem Notar, zu fließ en, sind recht bedeutend, und es dürfte wohl nicht, wie es in dem Artitel heißt, „rechnerisch srch leicht nachweisen lassen", daß für den Staat kern frnanzreller Vorteil, sondern eine Mehrbelastung des Budgets herbei- geführt würde. Aber aus diesem Gesichtspunkt wird bie Verstaatlichung ja zwar nicht verlangt,^sondchm um die Be- völlerung vor schweren finanziellen Schädigungeir zu bewahren, wie sie in jüngster Zeit durch zwei Notare vev- ursacht worden sind, und für die der Staat dann em» springen soll. _________ ____ Die Reichsversicherungrordnung. :: Berlin, 21. Juni. Der Ausschuß für die R e i ch s v e r s i ch e r u n g s o r d n u u g bc- aßte sich heute zunächst mit den §§ 249—256, die von ben b e -5 sonderen Ortskrankenkasien behandeln. Wo bei^nkraft- treten dieses Gesetzes eine Ortskrankenkasse für einzelne ober mehrere Getoerbsziveige oder Betriebsarten oder allein tur Ver- 'icherte eines Geschlechts besteht, wird sie neben der allgemeinen Ortskrankenkasse als besondere Ortskrankenkafse unter besonderen Bedingungen zugelassen. Nach § 250 wird eine besondere Ortskrankenkässe nur zugelassen, roenn 1. sie mindestens 500 Mitglieder zahlt, 2 ihr Fortbestehen die altgenteilte Orts- und bie —anbkrankenkaste des Bezirks nicht beeinträchtigt, 3. ihre satzungsmäßigen Leistungen denen ber maßgebenden Ortskrankenkasse mindestens gleichwertig mb ober binnen sechs Monaten, gemacht werben, unb 4 roenn sie nicht über ben Bezirk bes Versicherungsamts h,nausreicht. lassen werden unverändert genehmigt. Die §§ 257—270 handeln von ben Betriebs- un Innungski ankenkassen. .hierzu wurden zahlreiche Ab- änberung5anträge eingebracht. Staatssekretär Delbrück erklärte, daß es ebenso verkehrt fein würde, oic Betriebskrankenkassen gänzlich zu beseitigen, als auch sie über ein gewisses Maß auszudehnen. Die Besonder- heilen eines Betriebes lassen die Errichtung einer Betriebskranken- tasse wünschenswert erscheinen. Ein Zusammenschluß verschiedener Betriebe würde die Orts- und Landkrankenkassen schwer schädigen. Von ber fortschrittlichen Volkspartei, dem Jen- trum, den Polen unb ben Sozialbemokraten würbe ber <2tanD- punft vertreten, daß die Betriebskrankenkassen überhaupt eine Schädigung der Ortskrankenkassen bedeuten wegen ber Möglichkeit einer Auswahl der Risiken. Tatsächlich ist bie Krankenziffer bei ben Betriebskrankenkassen erheblich geringer als bei ben Ortskrankenkassen. Die großen Ar beitgcber sind dadurch Die Fremdenlegion. Obwohl die deutschen Zeitungen fortdauernd eindringlich junge, abenteuerlustige Leute warnen, fick für den Dienst in ber Fremben- legion antoerben zu lassen, gehen doch immer toieber beittsche Lan- beskinber in bie Netze ber Werber. Wie neuerdings bekannt gc^ werben ist, scheinen sich in Berlin französische Werber oufzuhatten, die unter ben glänzendsten Versprechungen junge Deutsche in das Verderben zu locken suchen. Der Dienst bei ber Fremdenlegion wirb als „leicht unb angenehm" geschildert, bic „Verpflegung sei reich tief)"; unb bie „Avancementsaussichten" sollen überaus „gute" fein. Reichliche Werbegelber werben üerforofoen. Alle biese glänzenden Versprechungen erweisen sich als eitel Schwindel. Die, bie Den Lockungen erlegen sind, bereiten später, wenn es kein Zurück mehr gibt, ihren Leichtsinn. Die Zeitschrift „Nach bcin Dienst" veröffentlichte kürzlich eine lehrreiche Schilderung eines jungen Berliners, ber, von einem französischen Werber für bie Fremdenlegion eingefangen, in letzter Stunde noch glücklich dem sicheren Verderben entronnen ist. Der Berliner habe, so erzählt bas Blatt, in der Friedrichstadt einen gut gekleideten Franzosen kennen gelernt, der ihn in vornehmen Restaurants reichlich bewirtete. Er habe ihn gefragt, ob er nicht willens sei, in bic Fremdenlegion cinjutreten, habe ihm 400 Franken (320 Mark Werbegeld versprochen und das Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesjen Leben bei der Truppe ote höchst anqruchm geschildert. Drrrch solche Versprechungen betört, fei er im März vom Potsdamer Batzahvfe mit dem Schnellzuge nach KÄn gefahren. Im Zuge sei ihm ein fenrgeklcidcter Herr anfgesallen, den er auf der Weiterfahrt von Köln nach Nancy Mieder getroffen habe. Es war offenbar ein Werber. Der Fremde, ein Franzose, habe ihn in Trier und Metz mit Wein fast betrunken gemacht. In Novcant sei er zwei deutschen Gendarmen entwischt, die ihn nach Papieren gefragt hätten. Schnell sei er in den abführenden Zug gedrungen, der Franzose ihm nach. Von Metz sei er über- Dieben Hofen nach Luxemburg gefahren. An der französischen Grenze sei der junge Mann in Longwy von französischen Dragonern erwartet und aus dem Zuge geholt worden. Man habe ihn stark betrunken gemacht, und dann sei er von einem französischen Offizier nach Nancy geführt worden. Tort sei er in die Kaserne des 24. Infanterie-Regiments gebracht, wo tüchtig weiter gezecht worden sei. Schließlich habe ihm der Franzose, der ihn von Nancy mit begleitet habe, verschiedene Papiere zur Unterschrift vorgelegt. Er habe unterschrieben, ohne natürlich zu wissen, was. Es war der Vertrag zum Eintritt in die Fremdenlegion, wie er erst später gesehen habe Im Rekrutierungsbnreau sei er alsdann mit vielen anderen jungen Leuten — meistens verbummelten Menschen — unter- sucht worden. Damr bube man ihn zum Generalkommando geführt, wo man ihn über allerlei militärische Tinge befragt habe. Sodamr sei er in die Kaserne zurückgebracht worden, wo man ihm vnd den anderen ,,Ausgemusterten" ein Gewehr gegeben habe. Es seien Bajonettierübungen gemacht worden. Die es schlecht machten, seien arg gequält worden. „Man legte ihnen 60 Pfund Sand oder Stein in den Tornister und lies; sie damit 2 Stunden in der Mittagssonne, mit dem Gewehr im Arm, Kurzschritte marschieren. Sie waren so erschöpft, daß sie sich kaum ausrecht halten konnten." Angesichts solcher Quälereien sei dem jungen Deutschen der Gedanke an schleunige Flucht gekommen. Er sei Unbemerkt über den Zaun, der nm den Kasernen Hof war, gesprungen, und habe sich int Park von Nancy versteckt. Glücklicherweise habe ihn niemand gesunden, und in der Nacht sei er 28 Kilometer weit nach Pont-u-Mousson gelaufen, wo er in den Weinbergen die zweite Nacht verbracht habe. Am nächsten Morgen fei er weiter geflohen. Er sei einem französischen Gendarmen in die Arme gelaufen, habe sich aber durch schnellste Flucht retten können. „Meine Freude," so schlicht der junge Mann seine Erzählung, „als ich die deutsche Grenze wieder erreicht hatte, war grenzenlos." Es sei hier wiederholt, was schon oft an dieser Stelle gesagt worden ist.- Auf der Hut sein vor beit französischen Werbern! Deutsche sind zu schade für die Fremdenlegiott! Der Ailenstemer Mordprozeh. ■4 Allenstein, 21. Juni. Die Angeklagte macht am 13. Verhandlungstage wieder einen sehr müde n Eindruck: sie scheint sich von ihrem .0eitrigen Anfall nicht sehr erholt zu haben. Zeuge Hauptmann v. d. Schulenburg gibt an, daß Herr v. Gäben schon als Fähnrich in der Familie seines Schwiegervaters verkehrte. Er war in seinem Leben korrekt, und man konnte es nicht für möglich halten, das; er sich irgendwie vergessen konnte. Seine Untergebenen hingen mit ungewöhnlicher Liebe ttn ihm. Er verachtete den Klatsch, auch wenn er ihn selbst Jbetraf. Als der Zeuge nach Allenstein kam, warnte ihn ein lunger Offizier, er möge seine Frau nicht zu viel mit Fran v. Schönebeck verkehren lassen, das sei kein geeigneter Verkehr für sie. — Zeuge Stabsarzt Filbry bekundet, daß sich ihm gegenüber Herr v. Gäben schwärmerisch über Frau v. Schönebeck ausgesprochen habe. Sie sei ein Engel und nicht imstande, etwas schlechtes zu tun. Um den Mann sei es nicht schade, denn er sei Lin viehisch brutaler Kerl gewesen. — Hauptmann Schloifs (Charlottenburg) lernte Herrn v. Göbcn in Berlin kennen und traf ihn bann auf dem Dampfer „König" auf der Ausreise nach Afrika wieder. Es war davon die Rede, daß Herr v. Gäben wegen eines Duell es ins Ausland gehe und der Zeuge war daher )vie aus den Wolken gefallen, als Herr v. Gäben später selber 'zugab, von einem Duell sei niemals die Rede, gewesen. Herr v. (Wöben hat bann in einem Briefe den Zeugen gebeten, ihm eine Stellung bei einer afrikanischen Gesellschaft tzu verschaffen. Ruhmredig war der Hauptmann nicht, dagegen hat der Zeuge von anderen erfahren, daß er sich im Burenkriege außerordentlich ausgezeichnet .hatte. — .Hauptmaim G s ch w i n b t bezeichnet Herrn v. Gäben als einen überaus beliebten Offizier. Was er für richtig erkannt hatte, führte er durch bis zur Lebensunklugheit. Den Z-raueu gegenüber war er zurückhaltend, aber diese Zurückhaltung war wohl mehr anerzogen, innerlich war er leidenschaftlich. — Oberstleutnant T ö ring hat von feinem Balkon aus beobachtet, daß Frau v. Schönebeck einen Verkehr mit öcrfrfncbcncn Personen unterhielt, der sich nicht schickte. Naeh der Tat hat Herr v. Göbeu dem Zeugen gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß er einen Selbstmord für ausgeschlossen halte, es kämen wohl Einbrecher in Betracht. — Divisionspfarrer Merensky (Metz), in dessen väterlichen Haus v. Gäben viel verkehrte, bezeichnet diesen als einen wahren Gemütsmenschen. Als die Nackwicht von der Mordtat kam, hat der Zeuge angenommen, daß er nur in Wahnsinin -oder Hypnose gehandelt haben könne Der Zeuge ist bann aus Mitgefühl nach Allenstein gefahren und hatte in der Untersuchungshaft eine Unterredung mit Herrn v. (Wöben, v. Gäben zeigte tiefe Reue. Es wurde davon gesprochen, wie seine Ehre und die Ehre der Armee gerettet werden könne. An Frau v. Schönebeck habe Herr v. Gäben nur einen Augenblick gezweifelt, als sic mit der Tat nichts zu tun hoben wollte. Es fönnc feine Rede davon sein, daß er mit v. Gäben darüber gesprochen habe, wie dessen Sehen gerettet werden könne, denn sein Leben war verwirkt, das wußten .beide. — Oberförster Körner bekundet, daß der Major einen äußerst festen Schlaf halte. 1896 stürzte der Major mit dem Pferde. Als der Zeuge das der Angeklagten erzählte und hinzu fügte, der Major hätte sich den .Hals brechen können, habe dic AngeUagte nur gesagt: Majors gibt cs genug, bann heirate ich eben einen anderen. Einmal hat der Beuge nad) einem Besuche der Angeklagten und des Herrn v. Gäben im Jagdhausc das Zimmer in Unordnung und leere Kaffeetassen imb Champagner- flaschen vorgefunden. Der Zeuge hat bas den beiden vorgehalten und gedroht, es im Wiederholungsfälle dem Major zu schreiben, der damals in Karlsbad war. Irgendwelche Mitteilungen über das Verhältnis der Angeklagten zu Herrn v. Göbcn habe er dem Major nicht gemacht, da er nichts positives wußte. — Hauptmann Brüggern ann (Itzehoe, bekundet, daß Herr v. Göbcn sich im Generalstabe nicht wohl fühlte, weil er in die kriegsgeschichtlichc, nicht in die strategische Abteilung aufgenommen wurde. Er lebte erst wieder auf, als er beit Auftrag nach Mazedonien bekam. Nach Südwestafrika wurde er nicht mitgenommen, weil er wiederholt am Schwarzwasscrfieber gelitten habe. - Da Frau v. Schönebeck Weber erschöpft ist, wird dic Wcitcrverhandlung auf morgen früh vertagt. Gießener Strafkammer. )( Gießen, 21. Juni. Der Einsturz des Neubaues an der Veterinärklinik. (Fortsetzung.) Den Angeklagten ist zur Last gelegt, daß sie bei der Leitung und Ausführung des fraglid>en Baues derart gegen dic Regeln der Daukunlt verstoßen haben, das; daraus Gefahr für anbera erwuchs und der Bau am Weihnachtsabend v. I. einstürzte, «nd daß sie gleichzeitig durch Fahrlässigkeit die Körper-Verletzung der Frau des Ingenieurs Fuhrig verursacht haben. Der Angeklagte Pf. halte an den Schlossermeister Sch. hier Baugcländo verkauft und sich die Maurerarbeiten für die darauf zu errichtenden Bauten Vorbehalten Er übertrug die Ausführung der Maurerarbeiten dem Angeklagten St. gegen einen Arbeitslohn von 3,80 Mark für den Kubikmeter Mauerwerk, während er selbst die Matcriallieferimg behielt. Es war der allseitige Wunsch, den Bau noch vor Eintritt des Winters unter Dach ,;u bringen' weshalb Ende Oktober, noch ehe die Baugenehmigung vorlag, mit dem Ausschachteu begonnen wurde, was den Beteiligten' schon Strafbefehle eint rüg. Nach Erteilung der Äeuchnngung ivutbcn die ‘Sixorrerarbeiien sehr rasch ansgeführt, wobei, lote sich ein als Zeuge vernommener Maurer au^briufte, bei der Herstellung des Fundaments schon gesündigt wurde. Die Fundamentmauern sollen nämlich oben weit breiter gewesen sein als unten. Die Anklage behauptet, es seien auffallend viele Backsteinstückc dazu verwendet worden, die int Märtel geschwommen hätten und keinen Halt hatten. St. gibt zwar zu, viele Backsteinbrockcn verwendet zu haben, die von einem Abbruch herrührten, doch sei dies nicht in einem höheren Maße erfolgt, als dies bei anderen Bauten der Fall sei. Das ungeheuer rasche Anwachsen des Baues bei der ungünstigen Witterung, das teilweise minderwertige Material, das nicht fachgemäße Aufführen in Verbindung mit dem Abweichen van dem Bauplan zeitigten Mängel, die man durch Einziehen einer Schiene zu beseitigen suchte. Schon beim Anlangen im zweiten Stock zeigten sich bedenkliche Risse in dem Mauerwerk, die bis in das Fundament reichten. Als der Zimmermeister im ersten Stock das Gebälk legte, nahm er Ausbuchtungen wahr und die Treppenhauswände waren aus dem Blei. Um nicht^anf Un- liebsamkeitcu zu stoßen, wie er sich ausdrücklc, habe er St. seine Bedenken nicht mitgeteilt, sondern dem Bauleiter S. später schriftlich Mitteilung gemacht. Als er dann im nächstfolgenden Stock das Gebälk legte, habe ihm S. bemerkt, es sei gut, daß er ihm geschrieben habe: er habe inzwischen die Bauleitung niedergelegt. Beim Legen des Gebälks hatte es sich herausgcstellt, daß das Mauerwerk bereits dermaßen aus dem Lot war, daß das Gebälk nicht mehr paßte. Als er den Angeklagten St. darauf aufmerksam machte, habe ihm dieser gesagt, cs ging ihn dieses nichts an, er möge sein Maul halten. Ter Zimmermeistcr hat ihm darauf erklärt, er werde das Gebälk für den Mansardenstock nicht mehr legen. St. gibt zu, die Risse wahrgenommcn zu haben, er habe sich aber nichts dabei gedacht, da derartige Risse häufig vorkämen. Er habe sic mit Zement zugeschmiert, aber nicht, wie dic Anklage annimmt, um sic zu verdecken, sondern um zu sehen, ob sie sich vergrößerten. Trotzdem die Risse immer bedenklicher wurden, ließ St. Weiterarbeiten. Die Maurer beklagten sich, cs bliebe ihnen keine Zeit zur richtigen Arbeit, da dem St. alles zu langsam ginge. Als ein Maurer, die Gefahr erkennend, den Arbeitern im 4. Stock zurief, sie sollten die Arbeitsstellen verlassen, habe ihnen St. gesagt, sie sollten machen, daß sic an ihre Arbeit kämen. St. behauptet, er habe nicht gegen das Verbot des Bauleiters weitergearbeitet, der Gehilfe des letzteren 'habe vielmehr erklärt, das Weiterarbeiten sei gestattet worden: auch der Neffe des Angeklagten Pf. habe auf das Weiterarbeiten auf seine Verantwortung gedrängt. Noch ganz kurz vor dem Zusammenbruch, als bereits eine Ecke, die abgcsprießt war, zusammcn- brach, mutete St. den Arbeitern zu, im vierten Stock weiter- zuarbeitcn, sie erkannten aber die Gefahr und verließen den Bau, der etwa eine Viertelstunde später in sich zusarnrncilstürzte, tiie dachmäßig hergestellten Wände des Nachbarhauses im dritten Stcd durchschlug und dabei die Frau des Ingenieurs Fuhrig verletzte. Nach den Angaben der Frau hörte sie einen Knall, der Glasaufsatz des Küchenschrankes flog herunter und gleichzeitig wurde sie von einer Masse Backsteine begraben, woraus sie sich nur mit Mühe herausschaffen konnte. Sie konnte sich noch bis auf die Treppe schleppen, um die Mitbewohner aufmerksam zu machen und brach dann zusammen. Außer Hautverletzungen auf dem Rücken trug sie eine schwere Fußverlctznng davon, die ihre Aufnahme in die Klinik nötig machte. Da der Mittclfußknochen aus feiner Lage gekommen war und dic Heilung nicht von statten ging, war eine Operation und die Beseitigung eines Knochens erforderlich. Auch hierdurch ist keine wesentliche Besserung cin- getreten; )ic muß besonderes Schuhwerk mit Metalleinlagen tragen und ist in der Gebrauchssähigkeit des Fußes behindert. S. bestreitet, sich strafbar gemacht zu hoben, da er rechtzeitig auf dic Beseitigung der Fehler gedrängt und dann das Weiterarbeiten verboten habe. Schließlich habe er dic Bauleitung nieder- gelegt und dieses dem Bauamt angezeigt: allerdings hat er die Gründe, die ihn zur Niedcrlegung der Bauleitung bewogen haben, dem Bauamt nicht angegeben, sonst würde dieses das Weitrri arbeiten untersagt haben. Pf. bestreitet, daß ihn die Sache etwas anginge, da er die Arbeiten dem St. übertragen habe: doch hat er mit St. wegen Einziehung des Trägers verhandelt, auch hat er dem Bauherrn gegenüber die Ausführung deS Banes üben nommen. Ebenso bestreitet St. seine Schuld, indem er behauptet, den Weisungen des Bauleiters nachgekommen zu sein. Alle drei geben zu, sich geeinigt zu haben, dem Bauherrn den eingcstürzten Bau bis in gleiche Höhe unentgeltlich wieder aufzubauen. Nach der Vernehnmng der Zeugen, deren Aussagen für St. am ungünstigsten fein dürften, wurde dic Verhandlung auf nächsten Freitag vormittag 8 Uhr vertagt: es soll dann mit der Vernehmung der Sachverständigen begonnen werden. Universitäts-Nachrichten. 11 Marburg, 21. Juni. Tie jetzt alltäglich ftnttfinbcnbcn studentischen Fäßchenpartien wurden heute, wie seit nunmehr sieben Jahren cingesührt, durch die mit der Bismarck-Feier verbundene R i e s e n f a ß p a r t i e der gesamten Marburger Studentenschaft unterbrochen. Von 3 Uhr nachmittags an zog eine Korporation nach der anderen, manchmal auch mehrere zusammen, mit Musik nach den unweit des BismarckturmeS befindlichen Anlagen dec Weintrantseiche. Es mochten unter Hinzurechnung auswärtiger Gäste wohl 15—1800 Studenten sein, die sich hier bei Musik, Gesang und Becherklang vortrefilich unterhielten. Nach eingetretener Dunkelheit ging es unter Fackelschein hinauf zum Bismarckturm, von dessen Zinnen auch bald weithin ins Lahntal sichtbar, die Flammen zum Himmel loderten. Nach beendetem Festakt, bei dem die Chargierten des Korps „Teutonia", die stad. jur. Hensen und Elias, Ansprachen hielten, bewegte sich ein endloser Fackelzug die BiLmarck-Promenade entlang hinunter in dic Stadt, wo bann auf dem Kämpsrasen die übliche Schlußseier stattfand.__________________ Vandem und Reisen, Vüder und Zommersrischen. — Eine genußreiche kleine Reise über die Tauernbahn nach Triest, Adelsberger Grotte, St. Canzian, Abazzia, Fiume, Venedig, Gastein und Salzburg zeigt Pros. Dr. Mister ans ©tutt- gart im Anzeigenteil unseres Blattes au. ______________ Hochwasser. Köln, 21. Juni. Vom Kaiser ist dem Obcrpräsi- dium folgende Drahtnachricht zugegangen: „Voll innigem Mitgefühl mit den von der entsetzlichen Wettcrkata strophe betroffenen Personen im schönen Ahrtalc, deren Schaden an Blut und Gut in seinem ganzen, so traurigen Umfange jetzt zu übersehen ist, ist es auch mir ein Bedürfnis des Herzens, zur Linderung der größten Not auch meinerseits ein Scherflcin bcizutragen. Ich habe daher eine Summe von 10000 M k. zu Ihrer Verfügung gestellt und meiner Schatulle zu Ihrer Verfügung an Sie angewiesen." Koblenz, 21. Juni. Von heute früh ab ist zwischen Remagen und Adenau die Personenbeförderung in vollem Umfange aufgcnommen worden: bei Nicder-Adenau., zwischen Dümpelfeld und Leimbach, wird eine solche bis auf weiteres durch Umsteigen vermittelt. Düsseldorf, 21. Juni. Dic Stadt bewilligte 6000 Mark für die durch das Hochwasser geschädigten Bewohner des Ahrtales. Sport. Internationale Segelwettfahrt auf der Unterelbe. Cuxhaven, 21. Juni. An der heute von dein Norddeutschen Regattavcrein veranstalteten internationalen Segelwettfahrt auf der Unterelbe beteiligten sich zehn Jachten. Der Start, der nm eine halbe Stunde verschoben wurde, fand nm 11 Uhr 30 Min. statt. Als erste Jacht ging „Westward" um 3 Uhr 25 Min. 38 Sek. durch das Ziel mit 20 Meter Vorsprung vor „Hamburg", der etwa 3 Mm. später „Anna Agens 3" und „Meteor" folgten. Als letzte Jacht des Feldes ging „Germania" durchs Ziel. Nach der Regatta fand an Bord des Dampfers „Amerika" die Preisverteilung und ein Festessen statt, bei dem der Bürgermeister Dr. Burchard ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Luftschifsahtt. Verunglückter deutscher Ballon. O f e n p e st, 21. Juni. Bei orkanartigem Sturme stürzte gestern abend der am Sonntag in Leipzig aufgesttegene Luftballon „Plauen" in der Ortschaft Suekocsd nieder. Die Insassen, der Leipziger Arzt Dr. A l b r a ch t, der Fabrikant Müller aus Greiz und Kaufmann K r a ufj ans Reichenbach, sielen heraus. Dr. Albracht erlitt eine Gehirnerschütterung und einen Rippenbruch und Müller einen Arm- brnch. Krauß blieb unverletzt. Der Ballon wurde mit dem vierten Insassen, dem Handschuhfabritanten Wiener aus Chemnitz, durch den Wind emporgeschnellt und fort getragen. Wiener landete erst heute morgen wohlbehalten bei Windstille in Csavvly. Die Verletzten werden im Bajacr Kranl'enhause gepflegt. Die Luftschiffer hatten eine Ballonfahrt zum Plattensee unternommen, wurden aber vom Wind ergriffen und nach Südungarn bis in die Nähe der S-todt Basa getrieben. vermischtes. * Vogelkäfige im Sonnenbrand sind cht trauriges Zeichen für die Gleichgültigkeit und Herzenshärte ihrer Besitzer. Man denke sich die armen Vögel, die früher von Baurn zu Baum flattern, sich nach Belieben schattige Plätzchen aussuchcn konnten, nun dazu verurteilt, in unerträglicher Gluthitze sdpitzlos auszuharren, während der dies Elend gar nicht bedenkende Eigentümer des Vogels seine werte Persönlichkeit jedenfalls sorgfältig ins Kühle fetzt und durch einen kühlen Trunk noch weiter für seine Behaglichkeit sorgt. Die Polizeibeamten sollten das Heraus hängen von Käfigvögeln in den Soimenbranb als Tierquälerei gilt Anzeige bringen, denn es ist eine öffentlich begangene, Aerger- nis erregende Quälerei, die als eine rohe Mißhandlung angesehen werden muß. * Das Kind auf der Flugmaschine. Der jüngste Held der Flugkunst ist ein vierjähriger kleiner Amerikaner, den nur ein Zufall zum Flieger gemacht hat. Mit seiner neuerfunbenen Flugmaschine unternahm Charles Abergasty zusammen mit seiner Frau bei stürmischen Winde einen verwegenen Aufstieg. Als der Apparat 200 Fuß hoch in den Lüsten schwebte, sahen bic Eltern mit Entsetzen vom oberen Rande der Flngmaschine ihren Jungen herabblickcn. Das Kind hatte sich auf der Maschine verkrochen und war beim Aufstieg nicht gesehen worden. Bei dem furchtbaren Sturme war an eilte Wendung nicht zu denken, weil das Kind dabei herabfalleit mußte. Schließlich gelang die Um kehr, aber bei 10 Meter Höhe legte sich der Apparat auf bic Seite, so daß der Junge abstürztc. Zum Glück siel er in ein Gebüsch und kam mit einigen Kratzwunden davon. * Verdient die Saatkrähe Schutz? Die Frage muß entschieden mit „ja" beantwortet worden, beim ihre Nahrung besteht hauptsächlich in Feldmäusen, nach denen sie besonders gierig ist, in allerlei Gewürm, speziell Regenwürmern, Acker- schneckcn, Insekten und deren Larven, vornehmlich Engerlingen, denen sie entweder hinter dem Pfluge nachgeht oder infolge ihres feinen Geruchs in der Erde nachspürt und sie mit dem Schnabel' aushebt. Die Saatkrähen bekämpfen dic Maikäfer zuweilen syste- matisch derartig, daß einige die Käser von den beblätterten Zweigen abfdjüttcln, während andere sie Dom Boden auflefcn unb verzehren. Aas verschmähen diese Krähen selbst bei Nahrungsmangel. Durch Angehen von Getreide, Hülsenfrüchtcn, Kirschen und Beeren werden sie hin und wieder örtlich etwas lästig, welcher kleine Nachteil aber vielfach durch den großen Nutzen aufgewogen wird, den sie durch die massenhafte Vertilgung der genannten Acker- schädlinge stiften. Eine umfangreiche Saatkrälxmsicdllmg besteht feit vier Jahren bei Berlin in der Jungfernheidc an der Berlin- Tegeler Chaussee, in der manche Kiefer als Nistbamn ein Dutzend Nester trägt. Hinsichtlich des allgemein anorfarmton Nutzens, den diese Krähen in der Land- und Forstwirtschaft stiften, läßt man sic. trotz des täglich von früh bis spät bau mi beit, für menschliche Ohren kaum erträglichen wüsten Schreiens und Zankens doch! ungestört gewähren. E. K. Handel. — Französische Handelskammer in Berlin. Tic Errichtung einer französischen Hairdelskamnrer in Berlin nnrd von dem französischen Nationalökönomen Leon Adam in dem in Berlin erscheinenden >Joucmal ä Allmagnc befürwortet. Seit 1882 sind 33 französische Handelskammern an wichtigen Plätzen des Auslandes'ins Leben gerufen worden. Herr Adam führt aus, daß die Schaffung einer solchen Handelskammer in Deutschland im Interesse beider Länder liege. Berlin, 21. Juni. In der ersten Aufsichtsratssitzung des neuen K a l i s y n d i k a t s wurde berichtet, daß der Msatz im Juni nvrnral sei. Tie Frage der Preisfeststellung unter dem neuen Kaligcjetz und der zukünftigen Organisation wurden eingehend besprochen. Beschlüsse sollen nach dem So lanntwcrden der Aussührungsbejstimmnngen erfolgen. Verantwortlich für den Politischen Teil i. V.: R. L a n g c. Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen. c ■-C Wetter cS Z Md Q- v* 5 jQ b» Juni 1910 — cn •2‘t K z eo Id -oto * E 2 C COji 21.1 21.j 22.1 I 2” 747,7 S" 746,4 7” 746,2 21,0 | 7,6 | 16.2 110,0 I 14,0 j 9,9 | I 41 73 84 Höchste Temperatur nm 20. Niedrigste , , 20. Il SE | 2 ; 0 Sonnenschein E । 2 5 Bew. Himmel SE | 2 10 ! Beb. , bis 21. Juni =•+ 21,4 ’C. , 21. „ = 4- 7,0 eC. Erdbeeren sind jetzt reichlich auf dem Markt Frische Erdbeeren und Flammeri, gekocht aus Mondamin und Vollmilch, geben eine köstliche Nachspeise. Mondamin muß gut 10 Minuten lang kochen, um den schönen nußartigen Geschmack und die volle Nährkraft zu entfalten. Nur gute Vollmilch verwenden! Rezepte gr. u. fr. von Brown & Polson, Berlin C. 2. Kranken -Kindermehl kost. Hervorragend bewährle Nahrung. « Die Kinder gedeihen => vorzüglich dabei -- u. leiden nicht an Verdauungsstörung. sagen innigen Dank 3439 Die trauernden Hinterbliebenen Giessen, Diezstrasse 7, den 22. Juni 1910. Für die bewiesene Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Gatten, Vaters, Schwiegervaters, Grossvaters, Schwagers und Onkels Herrn Konrad Junker schwerem i 1910. rn morgen unsere liebe Mutter, Großmutter und Die Beerdigung findet Donnerstag abends )U statt. 05186 geb. Rohrbach Alter von 69 Jahren. 3432 Leiden uns« Großmutter Uhr entschlief nach tangerem Mutter, Schwiegermutter und Familie Bcbling. Helheim, den 21. Juni 1910. Die Beerdigung findet Donnerstag, ig§, vom Sterbehause Sandweg auS Ämra Marie Sack Alter von 78 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Eisschränke Eismaschinen Fliegenschränke Gartenmöbel Giesskannen Beerenpressen Osten Gasherde Sensen Sicheln Wetzsteine Drahtgeflecht Hacken Bohnenschneidemaschinen Herde Baubeschläge Emil Fistor Nachf. Marktstrasse 10 Marktstrasse IO Gelegenheitskauf: Ein Waggon la. amerik. und irische Oefen, soweit Vorrat reicht, 40—50 °/0 unter regulärem Preis ! 3197 Philosophenwald. 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