Nr. 1(37 Erscheint »glich mU Ausnahme des Sonntags. In den schweren Kämpfen des deutschen Mittelstandes Brüsseler Weltausstellung fyfO. Holland und England. Zwar waren die H-olgen der vergangenen, wirtschaftlich schwachen ^zahre noch zu spüren, aber im Einklang mit der zunehmenden Befestigung der Weltmarktlage, der besseren Beschäftigung von Großschiffahrt, Großindustrie, Gewerbe und Verkehr hob sich allmählrch wieder die Kaufkraft der Bevölkerung Hat auch der Riesenkampf im Baugewerbe hier und da auf die Lage des st lern Handels unliebsame Einwirkungen geäußert, so konnte dadurch das Gesamtbild wenig verschoben werden. Von der Besse- rung der wirtschaftlichen Verhältnisse zogen nicht zum wenigsten die Gegner des deutschen Kleinhandels Vorteile, jedoch waren die Mittel, unter deren Anwendung sie die Bevölkerung heranzogen, oft durchaus verwerflicher Natur. So nutzten insbesondere die Konsumvereine nach der im Geschäftsjahr eintretenden Neuregelung der Reichssinanzen die dadurch geschaffene neue Besteuerung der Lebens- und Genußmittel in unerhörter Weise zu einem Kampf gegen den selbständigen Kleinhandel aus. Zweifellos wirken Die neuen Steuergesetze in mancher Hinsicht drückend auf die Bevölkerung, aber es war unerhört, wie die neue Belastung und die dadurch entstandene Mißstimmung den Konsum- Vereinen als Mittel demagogischer Verhetzung gegenüber dem Kleinhandel erschien. Durch systematisch betriebene Vortrags- arbert, verbunden mit der Vorführung von Lichtbildern, durch Flugblätter usw. suchten sie der Bevölkerung in übertriebener Schwarzmalerei vor Augen zu führen, wie notwendig es gerade jetzt sei, durch Eintritt in den Konsumverein die Steuermehr- belastung wieder auszugleichen. Sie suchten durch den unerhörten Vorwurf ihre Reihen zu vermehren, daß der Kleinhandel aus der neuen Steuergesetzgebung für sich nur einen neuen Vorteil zu erringen suche, indem er seinerseits die schon verteuerten Güter durch besonders hohe Aufschläge weiter verteuere. Gegen diese Beleidigung unseres Standes legen wir an dieser Stelle nochmals Verwahrung ein, umsomehr, als unsere Gegner gar nicht in der Lage waren, mehr als der Kleinhandel der Kundschaft Vorteile zu gewähren. lieber die Aussichten des Verbandes besagt der Geschäftsbericht: Gerade in schwieriger Zeit bewähren sich unsere Zusammenschlüsse, und man darf in wirtschaftlich aufwärtsgehenden Zeiten nicht vergessen, was kommen würde, wenn unsere Organisationen Nicht beständen. Sie sind so dringend notwendig, daß die Zeit- Verhältnisse selbst für ihren Bestand sorgen. Wankelmütigkeit und Kleinmütigkeit sind allerdings geeignet, die Stoßkraft der Gesauit- bewegung herabzudrücken, und deshalb ist es nötig, daß feder ^.^bandskollege mehr und mehr die Ueberzeugung gewinnt, er sei Glied einer großen Sache, für die einzutreten nicht nur ihm persönlich lohnend, sondern auch Ehrenpflicht für ihn sei. Nicht bieiemgen dürfen Recht behalten, die dem Kleinhandel so oft kleinlichen,^ elenden Krämergeist Vorwersen, sondern wir wollen zeigen, daß wir moderne, tüchtige Kaufleute sind, die sich nicht irre machen lassen an dem Werk, welches sie sich letzt vor zwölf Zähren auf dem Boden der Selbsthilfe geschaffen haben. körper zu legen, beim wir finden eine Anzahl recht künstlerisch gearbeiteter Kronen, dre sich symmetrisch der Innendekoration an- ichließen. Der Marineattach-6 befaßt sich auch noch, was eigentlich nicht zu seinen Obliegenheiten gehört, mit der industriellen Krise in Deutschland und übertreibt dabei die bekannten Tatsachen gewaltig. Er vertritt die Ansicht, daß die deutschen Steuerzahler schließlich die Geduld verlieren müssen und daß die Sozialdemokraten daher einen immer größeren Anhang gewinnen werden. Dann gibt das „Paris- Journal" folgende Schlußfolgerungen als die des Marine- attachss, ohne indessen erkennen zu lassen, ob auch der Wortlaut und in gewisser Hinsicht auch der Sinn hinreichend respektiert ist: „Deutschland hat ein kolossales Werk hervorgebracht, das der Bewunderung aller würdig ist; aber man muß es nicht nach der Außenseite beurteilen, die sehr glänzend erscheint. Und wie alle Länder, die plötzliche Evolutionen ausgesetzt sind, hat das Deutsche Reich seine Krisen; es hat eine sehr tiefgehende Krise, die das Ergebnis seiner Uebervölkerung ist. Die Marine ist kräftig und die Armee ist stark. Noch einige Abänderungen in der Mentalität des Offizierkorps, die die Dinge von zu hoch aus anschauen, und der militärische Bau wird für seine Bestimmung vorbereitet sein, nämlich für den Krieg. Ja für den Krieg! Wenn die Landgebiete den deutschen Bürgern mangeln, wenn das Geld in den Kassen des Reiches ausbleibt und wenn diese beiden Tatsachen die einzigen Klippen sind, um zu der Hegemonie über die Welt zu gelangen, um die so oft von dem kaiserlichen Neklamemacher gepredigte Sendung der germanischen Einheit zu erfüllen, so ist es nicht unmöglich, daß man auf der anderen Seite des Rheins denkt, daß man durch den Krieg auch den Sieg versucht, der den Raub der Länder der Besiegten und die Auferlegung neuer Milliarden gestattet, die die Nation dringend notwendig hat Aber gegen Iven? Gegen die allein, die reiche, schlecht ausgebeutete Besitzungen haben und über nicht verwendete Geldreserven verfügen. Besonders gegen die, die arglos sind und die edle Naivität zeigen, an den Weltfrieden zu glauben, die auf dem weichen Kopfkissen des Traumes einschlafen, auf dem das Bewußtsein der Wirklichkeiten sich abschwächt und auf dem die männlichen Energien Schiffbruch leiden." Ob die sran'ösische Botschaft diesen unfreundlichen und tendenziösen Ausstreuungen ihr Augenmerk z-uwenden und eine Richtigstellung veranlassen wird? Die Lage des deutschen Kleinhandels. ch Hannover, 18. Juli.. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: ^^112. Tel.-Adru AnzeigerGießen« Die „-letzev.er Familiendlatter" werden dem .Anzeiger." viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt Jfir den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seih fragen" erscheinen monatlich zweimal. _ Island hat sich in Brüssel auf der Weltausstellung zum ersten Male tn amtlicher Form an einer Ausstellung beteiligt, poan weiß nicht recht, was die Regierung veranlaßte, einen derartigen Schritt zu unternehmen, aber es scheint doch, daß - Industrie von der Notwendigkeit einer Vertretung m Brüssel rn dem Llngenblick überzeugt war, in dem man erfuhr, daß Deutschland sich in so weitem Maße in Brüssel em-- finden werde Aus diesen Gründen gab sich die Regierung alle erdenkliche Muhe, eme möglichst starte Beteiligung in Brüssel SU erzielen. Man könnte nun nicht behaupten, daß die Bemühungen der Regierung einen besonders auffallenden Erfolg gehabt hatten, denn, wenn man die englische Ausstellung durch- waiidert, dann fällt auf, daß so überaus viel freier Raum vor- uAb ** swingt auch sofort in die klugen, daß die Abstellung sehr geschickt arrangiert wurde, denn einen regel- re^ten Einblick in die vertretenen Industriezweige bekommt man nidjt, weil der englische Kaufmann und der englische Industrielle immer noch bon einem Mißtrauen beseelt sind, das nicht mehr L§^Uiaß ist, und das sie in jedem Konkurrenten einen Spion erblicken laßt. Die englische Abteilung ist in der großen Jndüstriehalle ^^gebracht an erster Stelle, wenn man vom Haupteingang aus die Weltausstellung betritt. Das war übrigens die Bedingung, die die englische Regierung stellte, und die schon um deswillen' auf- lallNi mutzte, weil die englische offizielle Beteiligung sehr spät angemeldet wurde, jedenfalls erst in einem Stadium, in dem andere Länder schon recht weit mit ihren Arbeiten vorgeschritten waren. England besetzt 20 000 Quadratmeter und hat, wie alle anderen Staaten, seine Maschrnenindustrie in der gemeinsamen großen Maschinenhalle untergebracht. Aeußerlidb präsentiert sich die englische Mteilung außerordentlich geschmackvoll, weil man eine gleichmäßige dekorative Ausstattung gefuiiden hat. Man hat nämlich j>en Plafond mit lichtblauer Seide behangen imd in der Anlage insofern ein einheitliches Bild geschaffen, als man die ein- fdmen Stände vollständig gleichmäßig Herstellen ließ und dadurch kaleidoskopartige Bilder erzielte, die auf das 9luge bejond«s eumnrfen. Die englische Ausstellung ist deshalb vom asthettfchen Standpunkt aus die schönste, die man in Brüssel antrifft, wenn ihr auch jebe Eigenart abgeht. Durchwandert man die sehr übersichtlich gestaltete Abteilung, • einem, forort auf, daß alles aus die praktische Verwendbarkeit zugeschnitten ist, so daß man der Abteilung den kommerziellen Hintergedanken sofort anmerkt. Man findet da Deutsche Kolonien. . U e 6 er bi e Diamantenlager bei Lüderitzbucht hat fich der Leiter der Bohrkolonne „Süd" des südweftafrikanischen Schutzgebietes Geologe Dr. Range in der Julisitzung der Deutschen Geologischen Gesellschaft ausführlich geäußert. Der Vor tragende gab als wahrscheinlichste Theorie für die Herkunft der Diamanten an, daß primäre Lagerstätten, vermutlich Schlöte aus Kimberley-Gestein, entlang der heutigen Küste, jetzt vielleicht unter dem Meeresspiegel liegend, oder auch auf dem Lande, von jungen Wuftensedimenten verhüllt, der Wirkung der Meeresbrandung anheimgefallen und sekundär in den Kiesen, aus welchen sie heute gewonnen werden, abgelagert sind. Seit Enweckuna ^^5^bnlagerstätten sind bis zuvi 31. Mac b. I. rund 936 000 Karat Diamanten gefördert worden. Für 1910 ist eine Jahresproduktion von etwa 900 000 Karat zu erwarten Das britische Südafrika produzierte 1907 reichlich 5 Millionen Karat Diamanten. Es ergibt sich daraus, daß Deutschland mit einem knappen Fünftel an der W e l t p r o d u k t i o n bet et li gt i st. Da unsere Diamantenlagerstätten nach dem Urteil aller Sachverständigen, die längere Zeit dort weilten, noch aus Jahrzehnte hinaus lohnenden Abbau in ähnlicher Höhe gestatten, so ist die Bedeutung des deutscheti Diamantbergbaues durch die angegebenen Zahlen genügend gekennzeichnet. Marmorlagerstätte bei Adamaua, Schutzgebiet Kamerun. Der Geologe Dr. Mann hat in Adamaua bei Bidja (100 Kilometer nordöstlich von Garua an der Tamdfifäen Grenze) sehr ausgedehnte Marmorlager entdeckt. Es handelt sich meist um dickbankigen, reinweißen, daneben aber auch um grauen Marmor. Für Bildhauerzwecke erscheint der erste bei seiner gleichmäßigen Farbe, seiner Durchsichtigkeit und seinem guten Bruch hervorragend geeignet Mehrere Kisten mit Proben Sur näheren Untersuchung befinden sich auf dem Transport An Ort und S^lle könnte der Marmor zu Bauzwecken, ferner Zur Kalkbereitung, sowohl als Ersatz für Zement als auch zur Dungung, Verwendung finden; tn dieser letzten Eigenschaft ist er befanders für die in Adamaua beabsichtigte Tabakkultur von Halle zweistöckig errichtet hat. Treppen führen zu einet Galerie, mnter der man Ausstellungszimmer anlegte, um intimere Wirrungen für einzelne Gruppen erzielen zu können. . Durchwandert man die holländische Jndüstriehalle, so fällt eurem sofort auf, daß die Landespro dickte fast zwei Drittel der gesamten Ausstellung ausmachen. Die Maschinen und die schönen pruste sind anderwärts untergebracht, so daß man dem landwirtschaftlichen Eharakter der Heimat ganz besonders Rechnung tragen konnte. Gleich am Entree wird man auf den Charakter des Landes hingewiesen durch die vielen Modellboote, die ausgestellt sind, unb die man dadurch zur plasttschen Darstellung brachte daß man eine Mondnacht auf der See erstellte, die man mit allerlei Fahrzeugen zu beleben verstand. Man findet dann Pyramiden von Likören, unzählige Stände mit Kakao unb sonstigen Landesprodukten. Auch bie weltberühmten keramischen Produkte von Delft sind ausgestellt. Im Hinteren Teil des Parterreraumes befindet sich dann die wichtigste Abteilung der holländischen Ausstellung. Es handelt sich hier um eine Kolonialabteilung, die ihren Höhepunkt in der Abteilung für Holländisch- Jnbien findet. In außerordentlich übersichtlicher Weise wird hier gezeigt, wie erfolgreich Holland kolonisiert hat. Bei den Darstellungen fehlt auch nichts, um den Besucher mit den besonderen Verhältnissen der Kolonie bekamst zu machen. Vom Anbau des Zuckerrohres an bis zur Ausnutzung der Betriebsverhältnisse wird alles erläutert, was für die Kolonisation Indiens in Betracht kommen konnte. Auch die kleinen Jndustrieii der Eingeborenen werden uns vorgeführt. Wir erfahren da, daß Teppiche fabriziert lverdni aus von Fasern .hergestellten Geweben, und daß das indische Holz zu allen möglichen Gegenständen Verwendung findet Auch der topographische Dienst wird veranschaulicht, und es wird uns durch Tabellen nachgewiesen, wie sich der Handel der Kolonien in den letzten Jahren entwickelt hat. Man erfährt da auch, daß Holland in seinen Kolonien recht lobenswerte soziale Einrichtungen getroffen hat, die auch im Lande selbst eine beackstenswerte Stufe erreichten. DaS wird an der 9lusstellung bewiesen, die die Stadt Amsterdam liefert unb in der sie ihre kommunalen Einrichtungen in geradezu mufter gültig er Weise vorsührt. Auf der Galerie endlich hat Holland in einigen Zimmern rtne kleine Ausstellung für Raumkunst errichtet, die für uns Deutsche sehr lehrreich ist, da sie beweist, daß die Bestrebungen deutscher Künstler auf ästhetische Ausgestaltung der Jnnenräume das holländische Kunsthaiidwerk befruchtet haben. Es sind etwa ein Dutzend Zimmer, die uns gezeigt werden, und wir möchten besonders auf ein Bibliothekziimner Hinweisen, dessen Einrich- ■ tung außerordeistlich geschmackvoll ist. Einen besonders großen : Wert scheinen die holländischen Archstekten auf die Beleuchtungs- Zranzöflsche „Enthüllungen" über Deutschland. O Paris, 18. Juli., Heber bie deutschen MctrinEerhältnisse mit Ausblicken auf die Lage im1 Reiche im allgemeinen bringt das „Paris- Journal" Auszüge mls einem vertraulichen Berichte des bisherigen Marineattaches der französischen Botschaft in Berlin, dre zwar nichts besonders Neues enthalten, aber in der Zusammenstellung eine jedenfalls nicht freundliche Absicht bekunden. Mlerdings kann man in dem Artikel nicht recht unterscheiden, wus von dem Attache selbst geschrieben worden ist und was die Zeitung hinzugesetzt hat. Es würde zu weit führen, den Darlegungen in ihrer ganzen Ausdehnung zu folgen, was auch irberflüssig wäre; einige besonders charak- tertstische Stetten 5einigen zur Würdigung dieser Beobachtungen: „Die Marine-Verwaltung existiert sozusagen gar nicht, cs gibt nur ungeheuer viel Geschreibsel. Auch fehlt es an jedem Kontroll-Organ; von solchen wollen die hohen Milüär- und Marine-Behörden nichts wissen aus Furcht vor Einmischungen, die ihre Unabhängigkeit vermindern könnten. Die Presse hat heftig das Verwaltungspersonal der Arsenale angegriffen In diesen Diensten herrscht absolute Gleichgülttgkeit. Keine Spur von Ueberwachung über das untergeordnete Personal, und die Arbeiter leisten bei weitem nicht, was man von ihnen verlangen könnte Alle diese Beschwerden, die sich gegen den vorher sehr beliebten Admiral von Tirpitz richten, werden von den Zeitungen veröffentlicht; der Kaiser scheint indessen das Vertrauen, das er stets m den Leiter der Marine gesetzt hat, zu bewahren. Das Land protestiert gegen die Verschleuderungen, die durch die Kieler Skandale ans Tageslicht getreten sind, und natürlich bedient man V dieser, um Herabsetzungen der Marine-Kredite zu verlangen. Aber Wilhelm II. will sich auf keine Abstriche in dem Programm einlassen, dem er zur Annahme verhalfen hat. Kein Argument kann gegen seinen Willen aufkommen unb auch gewisse Anerbietungen des liberalen englischen Kabinetts waren nicht im- stande, eine Verminderung der Seerüstungen durchzufetzen. Die festgestellte Ziffer wird erreicht und für alle Zeit festgehalten werden. Ueberdies darf kein Fahrzeug mehr als zwanzig Jahre, von der Kiellegung an gerechnet, im Dienste bleiben. Unter solchen Verhältnissen ist jebe Hoffnung vergeblich, daß die Marine-Kredite! herabgesetzt werden könnten; und um das Volk bei dem Näherkommen der Wahlen zu beschwichtigen, wird man sich verpflichtet sehen, das FmaNzprogramm der liberalen Partei wiederaufzu-^ nehmen. . Man hält immer die eiserne 'Disziplin der englischen und der deutschen Manne Fallen von Zuchtlosigkeit in der französischen gegenüber. Aber bei den fremden Marinen verschweigt man eben ^fachen, die bei ihnen Vorkommen. In England sind viel- rch Kanonen-Beschädigungen vorgekommen, die in Frankreich nie - verzeichnen gewesen waren. In Deutschland ist die iszchlin weit davon entfernt, unter den Schiffsmannschaften, oellos zu fein, aber man verbirgt das sorgfältig. Systemattsch rden alle ernsten Tatsachen erstickt. Man sehe doch .r die offiziellen Statistiken nach; im Jahre 1909 hatten Prozent des Effektiv-Bestandes an U n t e r 0 f f i - ’ren und Soldaten Bestrafungen nachzuweisen ,ht man die Vorstrafen ab, so bleibt immer noch ein Prozent- von 2,62 Prozent von kriegsgerichtlich Verurteilten, darunter 1 Prozent wegen schwerer Vergehen gegen die Disziplin. 0 wieviel wird dabei noch vertuscht! Die Statistik ergibt, daß - em Fahrzeug von 600 Mann durchschnittlich vier Kriegsrichte im Jahre 1909 zusarnmentreten mußten. Die Zahl der ahnenflüchtigcn in der deutschen Marine ergibt einen Prozentsatz jon 0,75 Prozent, während die Ziffer in der französischen Marine gar nicht in betracht kommt. Natürlich sind die Fälle von 'Desertionen meistens auf schlechte Behandlung seitens der Unteroffiziere zurückzufthren. Der Militärattache wohnte selbst einem empörenden Austritte bei, in dessen Verlaufe ein Unteroffizier einen Matwsen mißhandelte, ohne daß der deutsche Offizier, der den Attache begleitete, darüber das geringste Erstaunen bekundete Auch die Schiffsunfälle werden in Deutschland grundsätzlich verschwiegen oder in den Berichten abgemildert. Wenn Deutschland nicht das Glück hätte, Küsten mit sehr feinem Sande zu besitzen sondern wie Amerika unb Frankreich mit Klippen besetzte, so würde es seit zwei Jahren bedeutend mehr Fahrzeuge emgebüßt haben, als die anderen Marinen." ftchland war es Holland, das seine Ausstellung und zwar in vollständig fertigem Zustande. Aller- " Zeremonie fand reichlich drei Wochen nach der vng statt. Holland wollte sich dabei int Anfang an ber Weltausstellung überhaupt nicht beteiligen, denn die General,. ewilligten zuerst den Kredft für bie Negiemngs- üertretcr in Ä nicht, und es hat eines sanften Druckes von Brusfel aus bedurft, um diesen Beschluß, den man um deswillen red)t unangenehm empfand, weil er die im Gange befindlichen EimgungsverHandlungen zwischen Belgien und Holland hätte bedrohen rönnen, rückgängig zu machen. Dieser Versuch ist denn mich gelungen, und Holland hat sich in außerordentlich würdiger 203'0116 an ber Worlds Fair beteiligt. Naturgemäß kann seine Beteiligung nicht mit dem Maßstab gemessen werden, mit dem man die Ausstellungen großer oder kleinerer Industriestaaten bewertet. Holland ist kein Industriestaat, und wo Industrie vor- handen ist, hat sie sich zu einer nennenswerten Bedeutung für Den Welthandelsmarkt nicht entwickelt. Diesen Umstand voraus- g^etzt, muß man deshalb sagen, daß Holland ganz Respektables geleistet hat. Die holländische Abteilung ist in einem recht seltsamen Batt, der gerade der deutschen Jndüstriehalle gegenüberliegt, unter» gebracht, dieser Backsteinbau zeigt seine Schönheit allerdings voller S0nnenbeleuchtung oder am späten Wend, wenn elektrischen Lichtes sich auf ihn ergießt und ber bunfle Hintergrund der nahegelegenen Landstraße ihm die richtige Perspektive gibt. Das hohe Gebäude erinnert an das Holland pks IT Jahrhunderts, an die alten berühmten Baumeister, die in Hartem geivirkk haben, unb die vielen Giebel kennzeichnen so recht den Nationalcharakter der Holländer, denn sie symbolisieren das Konservative und Zurückhaltende. Ta der Bau gerade an ber Grenzlinie zwischen dem höher gelegenen Aus st ellun g sgelä nd e, das zur Gemarkung Brüssel gehört, und der niederer gelegenen Sbene von Lolbosch, die zu Jxelles zählt, gelegen ist, hat man eine burgartige Brücke erbaut, von ber aus man den Eingang erreicht. Die Brücke wird von zwei Löwen flankiert, denselben Löwen, die das niederländische Wappen zieren, unb die ja auch Beggren gewissermaßen als Landessymbol beibehalten hat. So einfa.ch das Gebäude, das übrigens die Wappen sämtlicher holländischer Provinzen trägt, sich von außen gibt, so prunkvoll ist die ^snnenbeforation. Man hat hier mit Farben nicht gespart unb Antiken der äußeren Hülle gerade hier * u! Aodern gearbeitet, so daß teilweise eine satte Farbenpracht entsteht. Im Gebäude selbst geht es etwas eng zu, weil man die um die Erhaltung seiner Existenz-gegenüber der andringenden Hochflut der Konsunroereine, Warenhäuser usw. ist diesem im letzten Jahrzehnt ein mächtiger Helfer erstanden in der deutschen Rabattsparvereinsbewegung. Sie ist in ca. 550 deutschen Rabattsparvereinen organisiert, von denen die Mchrzahl mit über 60 000 Mitgliedern dem Verbände deutscher Rabattsparvereine in Hannover angehört. Diese Vereine zahlten im verflossenen Geschäfts- fahr etwa 30 Millionen Rab att an die barzahlende Kundschaft aus, ein Zeichen, wie bedeutsam die Bewegung für den bisher noch nicht organisierten Stand der Konsumenten geworden ist. Die auffättigen Erfolge der Bewegung sind wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, daß sie es verstanden hat, sich von allen politischen, religiösen und sonstigen Bestrebungen fernzuhalten. Sie hat ihr Augenmerk lediglich auf die wirtschaftliche Hebung des deutschen Kleinhandels gerichtet, über dessen Lage der Verband seinem demnächst in Freiburg L Br. zusammentretenden Verbandstage einen Geschäftsbericht unterbreitet in dem einleitend für bas Jahr 1909/10 eine langsam^ wirtschaftliche Besserung festgestellt wird. Dann yeißt es weiter: Zweites Blatt Jahrgang Mittwoch 20. IM 1910 AAA A A A A M Rotationsdruck unb Verlag ber BrühNchen ©ivRciicr Uitwifict ’^^*«k*** General-Anzeiger für Gberhesfen Wichtigkeit Das Lager befindet sich unweit des Mas Lue, eines schiffbaren Nebenflusses des Kebi, so daß Abtransport zu Schiff auf dem Benne-Niger bis zum Meere möglich ist. Allerdings ist bi* * Schiffbarkeit des Flußweges, besonders im Oberlauf des Benuö mit seinen Nebenflüssen, auf kurze Zeit des Jahres beschränkt. 2lus Sfaöt rind CanX Gießen, 20. Juli 1910. •• AuS dem Militärwochenblatt. Zum Besuch deS 1. (85.) Lehrgangs der Feldartillerie-Schießschule wurden Hauptmann v. Henning auf Schänhoff vorn Feld-Art.- Neg. 61 und Oberleutnant v. Tümpling vom F.-A.-N. 61 kommandiert, ferner zum 1. Lehrgang für Leutnants Leutnant v. Reichenau, F.-A.-N. 25, und zum 2. Lehrgang die Leutnants van der Elst, F.-A.-R. 25 und v. Jlfemann, F.-A.-N. 61. •• Für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag dem 21. Juli, nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung vorgesehen: 1. Baugesuch Gustav Belitz für Ecke Ebel- und Wilhelmstraße. 2. Errichtung von Bedürfnishäuschen. 3. Ieldbereinigung links der Lahn; hier Weganlage bei der Gail'schen Dampfziegelei. 4. Bebauungsplan für das Gebiet zwischen Marburger Straße, Ost-Anlage, Moltkestraße und Kaiser-Allee. 5. Festsetzung des Preises für Grundstücke des Stadterweiterungsfonds, die zll Straßenanlagen verwendet wurden. 6. Gesuch der israelitischen Neligionsgesellschaft, bctr. Anlage eines israelitischen Friedhofes. 7. Beerdigung von Leichenteilen aus der Anatomie auf bcm alten Friedhöfe. 8. Aufstellung von Aufnahmebehältern auf dem alten Friedhöfe für abgängigen Grabschmuck. 9. Anstrich des Gebäudes Leihgesterner Weg 13. 10. Vergebung von Arbeiten und Lieferungen. 11. Genehmigung von Rechnungen. 12. Beleuchtungsanlage in der höheren und erweiterten Mädchenschule. 13. Fortbildungsklasse an der höheren und erweiterten Mädchenschule. 14. Voranschlag für die Oberrealschule und das Realgymnasium für 1911. 15. Beschaffung von Einrichtungen zur Brauchbarmachung deS bedingt tauglich erkannten Fleisches. 16. Ausführung der Trichinenschau durch ein Trichinoskop. 17. Genehmigung von Handabgaben aus den Stadtwaldungen. 18. Bestellung von Frauen als Armenpflegerinnen. 19. Eingabe deS Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen Leipzig, KreiSverein Gießen, um anderweite Festsetzung des Ladenschluffes. 20. Gesuch der historischen Kommission des Großherzogtums Hessen um Beitritt der Stadt Gießen. 21. Gesuch der Vereinigung für staatsbürgerliche Erziehung in Köln um Gewährung von Zuschüssen. 22. Gesuch des Gießener Fußballklubs 1900 um Gewährung eines Zuschusses zur Anlage eines Spielplatzes. 23. Gesuch des Johannes Cüsters um Erlaubnis zum Wirtschastsbetriebe im Hause Ludwigstraße 55. 24. Desgleichen des Heinrich Decker für Crednerstraße 34. 25. Desgl. deS Karl Pfeil für Plockstraße 5. ** Brllige Briefe nach Amerika. Folgende Schiffe befördern Briefe nach den Vereinigten Staaten von Amerika zum Preise von 10 Pfg. für je 20 Gramm: „Kaiser Wilhelm II." ab Bremen 19. Juli, „Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 26. Juli, „Amerika" ab .Hamburg 28. Juli, „George Washington" ab Bremen 2. August, „Cincinnati" ab Hamburg 4. August, „Kronprinzessin Geeilte" ab Bremen 9. August, „Kronprinz Wilhelm" ab Bremen 16. August, „Kaiserin Auguste Victoria" ab Hamburg 18. August, „Prinz Friedrich Wilhelm" ab Bremen 20. August, „Kaiser Wilhelm II." ab Bremen 23. August, „Cleveland" ab Hamburg 25. August, „Kaiser Wilhelm der Große" ab Bremen 30. August. Postschluß nach Ankunft der Frühzüge. Alle diese Schiffe außer „Cincinnati" und „Cleveland" sind Schnelldampfer oder solche, die für eine bestimmte Zeit vor dem Abgang die schnellste Beförderungsgelegenheit bieten. Es empfiehlt sich, die Briefe mit einem Leitvermerk wie „direkter Weg" oder „über Bremen oder Hamburg" zu versehen. Die Porto- ermäßtgung erstreckt sich nur auf Briefe, nicht auch auf Postkarten oder Drucksachen, und. gilt nur nach den Vereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Gebieten AmeriÄs, z. B. Canada. -r. Heuchelheim, 18. Juli. Die hiesigen Landwirte haben mit der Kornernte schon in der vorigen Woche begonnen. Namentlich an der Sommerseite sieht man schon die Garben zusammengestellt. Die Aehren stecken voller kräftigen Körner. So kann der Landwirt dieses Jahr auf eine gute Kornernte rechnen, denn auch die Regenfälle im vorigen Monat haben wenig geschadet. Dagegen hört man beispielsweise die Korporativausste'lluug der Bradforder und süd- schottrschen Wollwebereien und eine Kollektivabteilung der Londoner Konfektionshäuser. Es wird dem Besucher die Verarbeitung der Wolle zum Kleide vom Schafe an durch alle Entwicklungsphasen hindurch gezeigt, und um einen möglichst großen Effekt zu erzielen, hat man sogar ein kleines Bild ausgestellt, das ein eit Ausschnitt aus dem englischen Unterhause bildet. Diese Szenerie gibt Gelegenheit, die hohe Entwicklung der englischen Konfektion zu zeigen, denn man führt die berühmtesten Volksvertreter vor, und sie sind es, die die neuesten Produkte der englischen Herren- schneü)er tragen. Auch 52 englische Baumwollspinnereien bieten eine recht beachtenswerte Sammelausstellung, wenn auch absichtlich vermieden worden ist, den Besucher ganz in die Geheimnisse der englischen Spinnereien einzuführen. Hand in Hand mit dieser Abteilung geht eine sehr schöne Ausstellung irischer Spitzen. Ganz beträchtlich aber ist die Fayence-Industrie vertreten. Man findet hier wirklich hervorragende Kunstgegenstände, und es fällt auch auf, wie die englische Töpferei sich allmählich derart entwickelt hat, daß diese Industrie einen künstlerischen Anstrich bekam. Man betrachte nur die in brennend Rot gehaltenen Gegenstände, und man wird von der Richtigkeit dieser Behauptung'überzeugt sein. Selbstverständlich mußte auch die englische Grubenindustrie, dir! ja trt Belgien ganz besondere Interessen zu vertreten hat, aus^- ftellen. Der Staat hat sich dieser Gruppe ganz besonders angenommen, Modelle der bekanntesten Bergwerke anfertigen lassen und ein ungeheures, statistisches Material zusammengetragen. Man hat natürlich auch das gesamte Rettungswesen, alle Vorkehrungen für die Hygiene und die Wohlfahrt der Grubenarbeiter dargestellt. Wir können an dieser Ausstellung doch noch manches lernen, namentlich was die Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer anbetrisft. Wir würden deshalb den Vertretern unserer Staatsbehörden das eingehendste Studium gerade dieser Gruppe auf das Angelegentlichste empfehlen. Daß die Seemacht Englands in dieser Ausstellung auch zur Geltung kommen müsse, war na- Ärltch, daß aber eine derartige Bescheidenheit geübt wurde, »ie man sonst England in maritimen Dingen nicht nachsagen /arm, hatte man doch nicht erivartet. Man zeigt uns die Modelle von Rieseno zeandalnpfern, und auch fast jeder Typ der englischen Kriegsschiffe ist durch irgend ein Modell vertreten, die englischen Dreadnoughts aber wird man vergeblich suchen, desgleichen eine zuverlässige Statistik über die .Entwicklung der englischen Seestreitkräfte in dem lebten Jahrzehnt. Warum die Regierung gerade hier mir Halbheiten gearbeitet hat, ist nicht recht erklärlich, denn den Fachleuten ist der Entwicklungsgang der englischen Marine doch hinlänglich bekannt, und es ist bedauerlich, daß diese Abteilung der englischen Ausstellung der Bedeutung auch der englischen Handelsmarine nicht vollkommen, gerecht wird. vttle Klagen über Mäuse, die zahlreich in unserem Felde vorhanden sind. zj. Li ch, 19. Juli. Gestern ging in dem nach Stein- bach und Albach zu gelegenen Teile unserer Gemarkung ein molkenbruchartiger Regen niedet, wie er stärker in diesem regen- und gewitterreichen Sommer hier noch nicht gefallen ist. Er richtete an den Feldfrüchten, die heute noch teilweise unter Wasser stehen, beträchtlichen Schaden an. Das „Hohlwasser", die von Steinbach und Albach herkommende und hier in die Wetter fließende Albach, stieg in wenigen Minuten ganz außergewöhnlich an und überschwemmte die Hattenröder Straße. Heute noch schießt daS Wasser in großen Mengen au§ den Dramageröhren der von dem Unwetter besonders betroffenen Feldmark den Ableitungsgräben zu. Sehr viel gutes Ackerland und viele Feldfrüchte, besonders Dickwurzeln, sind weggeschwemmt worden. — Die Frühkartoffelernte, die für viele Leute hier eine Haupteinnahmequelle eröffnet, hat mit dieser Woche begonnen, etwas später wie in früheren Jahren, was aus die feuchte Witterung der letzten Wochen zurückzuführen ist. Es werden jetzt noch 4 Mk. für den Zentner bezahlt. § Burkhards, 19. Juli. Gestern nachmittag gegen l/22 Uhr entlud sich über dem sogen. „Hillersbachtal", woselbst viele Leute mit Heumachen beschäftigt waren, ein furchtbares Gewitter. Das Wetter kam ganz plötzlich; es war wie finstere Nacht, der Regen, vermischt mit dicken Hagelkörnern, schoß in Strömen nieder, dazwischen heftige elektrische Entladungen. Pferde und Kühe waren durch das Aufschlagen des Hagels kaum zu halten. o. Bad Salzhausen, 19. Juli. Nächsten Sonntag, 24. Juli, nachmittag gibt der schon mehrmals preisgekrönte Männergesangverein „O rp h e us" - G e iß - N i d d a (Dirigent Lehrer O. Lentz) hier ein Konzert. DaS gut gewählte Programm weist in erster Linie neue Tonschöpfungen von A. Neff und I. Brodt auf, darunter die Preischöre: „Das Röslein im Neckartal", „Heimatliebe", „Liebfrauenmilch" und das Lieblingslied unseres Großherzogs: „Das Liebchen im Grabe". Mehrere Lieder sind Dichtungen deS Amtsrichters Karl Pusch-Ortenberg. X Bad - Na u h eim, 19. Juli. .Heute mittag wurde vor einer zahlreichen Menschenmenge das nach den Planen von Professor Jobst-Darmstadt an den neuen Kolonnaden aus Muscheltalk errichtete Bene ke-Den km al enthüllt. Im Verlauf des letzten Jahres waren durch Spenden und Konzertveranstaltungen für das Denkmal rund 10000 Mk. gesammelt worden. Die heutige Feier fand in Anwesenheit der staatlichen und städtischen Behörden, von Vertretern des Hess. Ministeriums und der medizinischen Fakultät der Universität Marburg statt, wo Professor Beneke als Lehrer tätig war. Nach einem Choral der Knrkapelle hielt Prof. Dr. Groedel die Festrede, in der er das Leben und das Werk des hochverdienten Professors würdigte, der als erster Badearzt noch in kurhessischer Zeit den heutigen 9hlf unseres Weltbades begründen half. Der Redner übergab dann im Namen des Komitees für Errichtung eines Beneke-Denkmals das Denkmal der Stadt Bad-Nauheim, für die es sich nach der Enthüllung als ein neuer monumentaler Schmuck zeigte. Darauf sprachen noch Geheimrat Dr. Es er für die Kurverwaltung, Bürgermeister Dr. Kayser für die Stadt, deren Ehrenbürger der Gefeierte schon viele Jahre ist, und Dr. Sched el im Namen des Aerztevereins. Es folgten dann noch Vertreter der Universität Marburg mit kurzen Ansprachen, darunter Professor Beneke, ein Sohn des Gefeierten. Ein zweiter Sohn, Major Beneke, dankte für die Familie allen, die am Zustandekommen der seinem verewigten Vater gewordenen Ehrung mitgewirkt haben. — Das Denkmal, eine künstlerische Schöpfung von vornehmer Wirkung, ist ein Brunnen, der aus 20 Oesfnungen einem Bassin Wasser zuführt. Der Hauptteil zeigt das Bildnis des Gefeierten und tragt folgende Inschrift: „F. W. Beneke, Professor in Marburg, Arzt in Bad-Nauheim 1857—82. Begründer der Bäd er-B eh and l un g Herzkranker und Begründer der Kindevheilstätten an der See." Das Ganze wird von der Göttin der Gesundheit als Abschluß gekrönt, die der Heilung suchenden Menschheit in einer Schale die heilkräftigen Wasser darreicht. m. Friedberg, 19. Juli. Der Sohn des Maschinenbauers Karl R e u ß von hier verunglückte auf der Chaussee von Ober-Wöllstadt nach Friedberg. Er wollte mit seinem Fahrrad Nicht Uninteressent war es zu beobachten, auf welche Weise sich die Vertreter der großen englischen Tageszeitungen! und Revuen, die dieser Tage zu einem Kollektivbesuch der Weltausstellung hier weilten, über unsere deutsche Ausstellung aussprachen, die sie eingehend besichtigt haben. Sie lobten die Methodik, die zu Tage trete, und, interessierten sich ganz besonders für unsere Unterrichtsausstellung und unsere Raumkunst. Auf letzterem Gebiet scheinen sie der Ansicht zu sein, daß wir auf dem besten Wege sind, tonangebend für viele fremde Länder zu werden, da der vielbegrüßte organische Stil bald gefunden sein müsse. Im allgemeinen scheint also auch England unseren Erfolg in Brüssel nicht in Frage zu stellen. Ein wertvolles Zugeständnis! I. W. * — Ein gründlicher Abfall. Herr Ludwig Fulda beabsichtigte, wie wir den „Leipz. Nenest. Nachr." entnehmen, im Winter d. I. in Paris eine Reihe von Vorträgen über Moliepe und Rostand zu halten. 'Diei Gesellschaft, an die Fulda sich gewandt hatte, machte Ludwig Fulda in höflicher Form darauf aufmerksam, daß Moliöre und auch Nostand in Frankreich bereits ziemlich bekannt seien; sie hätten kaum rroch eine Einführung durch einen Deutschen notwendig. Eine Pariser Zeitung km'ipst daran Pie Bemerkung, ob es in Deutschland gar keine Dichter gäbe, über die ein deutscher Schriftsteller vor Franzosen zu sprechen wisse. — Eine gute Lehre für den so franzosenbegeisterten deutschen Schriftsteller ! 1— Neuerungen in der Berliner Medizinischen Fakultät. Die Zulassung zur Habilitation in der Berliner medizinischen Fakultät wird demnächst eine wichtige Aende- rung erfahren. Der Kultusminister hat der Fakultät mitgeteilt, daß eine Aufhebung der geheimen Stimmenabgabe bei der Abstimmung über die Zulassung neuer Privatdozenten geplant sei. Die Fakultät hat in ihrer letzten Sitzung die Mitteilung entgegengenommen, ohne darüber vorläufig in weitere Verhandlungen einzutreten. Eine endgültige Beschlußfassung wird noch erfolgen. Doch steht schon jetzt fest, daß der Einführung der öffentlichen. Stimmenabgabe von feiten der Fakultät kein Widerstand entgegengesetzt werden dürfte. Die Mitteilung des Ministers ist nm so interessanter, als die Fakultät selbst erst vor nicht zu langer Zeit aus eigener Initiative die geheime Stimmabgabe vorgeschlagen und eingeführt hat. Bekanntlich hat die Fakultät vor kurzem dem Ministerium noch einen tiefergehenden Beschluß, die Habilitation betreffend, übermittelt, der die Einführung einen Kündigungsfrist vorschlägt. Ein ministerieller Bescheid ist über diese Frage noch nicht eingegangen.. einem ihm entgegenkommenden Automobil ausweichen und kam in die durch das Automobil verursachte Staubwolke Er verlor die Uebersicht über die Fahrbahn, fuhr einen Kilometerstein art und wurde vom Rad geschleudert. Er wurde schwer verletzt nach Hause gebracht. — Für die am nächsten Sonntags, 24. d. M., hier stattfindende Hundeschau sind 100 Preise aufgebracht worden. 150 Preise werden ausgegeben. Auch findet eine Polizeihunde-, Vorführung, Prüfung und Prämiierung statt. Q Fauerbach v. d. H., 19. Juli. Im vergangenen Jahr wurde hier aus Anregung von Lehrer Rau ein Turnverein ins Leben gerufen, der jetzt gegen 100 Mitglieder zählt. Nach der Versetzung deS Lehrers Nau leitet ein Oft* Heimer Vorturner die Turnstunden. Der Verein hat sich dem Gau „Wettercm" angeschlossen. — Auch der um dieselbe Zeit gegründete Turnverein in Hoch-Weisel ist dem Gau „Wetterau" beigetreten. R. B. Darmstadt, 19. Juli. In Michelstadt i. O. starb gestern der 6jährige Sohn des bärtigen Dienst- lnechtes Weber. Da Der Verdacht besteht, daß der Tod des Kindes infolge Mißhandlung durch den eigenen Vater erfolgte, hat sich die Staatsanwaltschaft zur Feststellung des genauen Tatbestandes nach dort begeben. O Niederhörlen, 18. Juli. Heute gegen 1 Uhr zog ein heftig es Gewitter über unser Dorf. Das Anwesen des Landwirts Hinn wurde vom Blitz getroffen und stand binnen wenigen Augenblicken in Flammen. Wohnhaus, Scheuer und Stallungen brannten ab. Auch in Niedereisen- hausen schlug der Blitz in ein Haus ein und zerschmetterte eine Anzahl Schicfersteine auf dem Dach. Sport. = Radfahren. Am letzten Sonntag veranstaltete der Gan 9a des Deutschen Radsahrerbundes seine Fernfahrt. Der Start erfolgte morgens 5.10 Uhr in Marburg in Gruppen zu fünf Mann mit je drei Minuten Abstand. Die Strecke führte von Marburg nach Gießen, Wetzlar, Herborn, Dillenburg, Eibelshausen, Laasphe, Wallau, Biedenkopf, Cölbe, Marburg Ziel = 150 Kilometer. Der Radklub „Germania" Gießen beteiligte sich mit acht seiner Mitglieder,, von denen nachstehende Herren in der Junioren-Abteilung die silberne Gaumedaille errangen: F. Linker, 6 Stunden 21 Minuten, Eberle 6 St. 24 Min., Reich 7 St. 4 Min., L. Weinrich 7 St. 7 Min., E. Lauer 7 St. 10 Min., Reibe ling 7 St. 16 Min. In der Senioren-Abteilung wurde C. Muhl in 6 Stunden 48 Min. Zweiter und Chr. Pfund in .7 St. 25 Min. Dritter. ----- Lollar, 20. Juli. Der hiesige Militärbrief-i taubenverein „W i c d e r s e h e n" hielt am letzten Sonntag seinen Preisflug von Göttingen, 120 Kilometer entfernt, ab. Die Tiere wurden 7l/2 Uhr vormittags in Göttingen ausgelassen und die ersten erreichten schon 9 Uhr 15 Min. vormittags ihren Schlag. Preise erhielten: Gärtner Otto MAler den 1., 3., 6., 7., 9., 10., 11. und 12., Landwirt Hch. Seipp den 2. und 8, Bahnarbeiter Karl Junker den 4., Hüttenarbeiter Georg Wißner den 5. Preis. Die Vereinsmitglieder sind gern bereit, junge Brieftauben zu billigen Preisen an Leute, die dem Verein beitreten wollen, abzugcbeu. Auch Interessenten aus der Umgegeird können dem Verein beitreten. <9erid?ts$aa8. rm. Vom Oberlandesgericht. Einsam Gerichtssitz wohnender angestellter Techniker wurde als Sachverständiger über die Ursachen eines in seinem Dienstbezrrk vorgekommenen Betriebsunfalles vernommen und machte hierfür di übli.che Forderung als Sachverständigen-Honorar gelterrd. Die Forderung wurde vom Oberlandesgericht abgelehnt mit der B, grundung, daß sich die Aussage des Technikers als eine amtlü Auskunft Über Vorkommnisse darstellt, die sich in feinem amtlich. Wirkungskreis ereigneten. Die Aussage liegt in dem Pflic^ Wirkungskreis des Beamten, der hierfür, wie für seine übr- amtliche Tätigkeit durch seinen Gehalt entschädigt ist. Ein. Erf von Tagegeldern und Reisekosten könnte nur ■cintrcten, wenn ? Vernehmung außerhalb seines Wohnsitzes stattgefunden hätte. Nach Art. 5 des Gesetzes über die Hess. Hypothekenb a i ist die Bank von allen Staats- und Kommunal steuern befreit. I einer Beschwerdesache stand nun die Frage zur Entscheidung, o. die Bank auch von der Zahlung des hessischen Urlundenstempel^. befreit sei. Während nun baä Landgericht die Frage bejaht^ kam das Oberlandesgericht zu der gegenteiligen Ansicht, da bed hessische Urkunden stempel nicht als Staatssteueran- zusehen sei. Die durch da)s Urkundengesetz vorgeschriebcnen ,Abgaben haben nach seiner Entstehungsgeschichte teils den Cl-arakter einer Gebühr, teils einer Steuer, ohne daß jedoch der Chacakter; der letzteren überwiegt. [] Marburg, 19. Juli. In Anwesenheit eines großen Zeugenaufgebots beschäftigte sich heute die Ferienstrafkammer im Wiederaufnahmeverfahren mit einer Angelegenheit, die in der Gießener Und Wetzlarer Gegend lebhaft erörtert wurde. Der Gemeinderechner K. von Rodheim, ein wohlhabender Mann und Inhaber zahlreicher Ehrenämter, war 1908 von der Strafkammer zu drei Monaten Gefängnis! verurteilt worden, weil er 4700 Mark ehemalige Mündelgelder, die er für dir tümerin in Wetzlar abgehoben hatte, um sie a1 einem besseren Zinsfuß bei der Darmstädter 23an* anzulegen, in fein Pult verschloß und für sich bera- Angeklagte, der von dritter Sette angezeigt worde J geltend, daß es nur eine Nachlässigkeit von ihn das Mädchen durchaus nicht gesclwdigt worden ? richt war der Ansicht, daß er auf alle Fälle ech .^u. A begangen habe, weil er ohne jede Sicherheit den' en gegenüber eigenmächtig borgegangen sei. Die Frage untreue berliege, müsse jedoch vemernt werden, weil eine chädigung nicht beabsichtigt und auch nicht borgekommen sei. Deshalb wurde das erste Urteil aufgehoben unt> der Angeklagte zu 5 00 Mark Geldstrafe oder 50 Tagen Gefängnis verurteile Dcnmicbtcs. *Eine, Groß "-Meierei. Alexander Peacock, ein ameri* konischer Millionär, hat den Plan für eine Meierei vollendet, die ihn das nette Sümmchen von 200 000 Mk. kosten wird. Sie wird in der Nähe von Pittsburg angelegt werden, 155 Morgen umfassen und mit einem Stamm von 150 von Kanada eingefaßten Milchkühen eröffnet werden. Der Stall — oder man sollte richtiger sagen: das Hotel für Kühe — wird ebenso hübsch, wenn nicht hübscher, sein wie ein Landhäuschen, und mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet werden. „Bade-> zimmer für Kühe" klingt lächerlich, aber es entspricht nichtsdestoweniger den Tatsachen. Die Badezimmer werden es den Kühen ermöglichen, im Winter sowohl wie im Sommer ihr Bad zu nehmen, und außerdem werden ihnen auch täglich die Zähne gebürstet werden. Motorwagen mit den neuesten Gefrierapparaten werden die Milch dieser Kühe in Pittsburg verteilen. Mr. Peacock hat nicht die Absicht als Philanthrop zu scheinen: der Preis per Quart wird 7y2 Pence (ca. 70 Pfennige) fein, womit Mr. Peacock die Unkosten zu decken hofft. * Die Boy Sco uts haben pm Samstag zu Fuß ettie Depesche vom Mansion House, London, an den Mayor von Brighton und dessen Antwort zurückgebracht. 110 Scouts waren) in Paaren in Abständen von je i/2 Meile zwischen London und Brighton stationiert. Der Empfänger der Depesche verließ das illöansion House um 9 Uhr morgens und überlieferte ferne Depesche an den nächsten Posten. Dann lief einer der ScoutS damit zum folgenden Posten und so fort. Um 2.45 nachmittags wurde die Depesche in Brighton abgeliefert, und dtt Antwort erreichte London um 8.32 abiends. Einige 50 der Scouts, die an der Hebung teilgenommen hatten, wurden nachher vom Lord Mayor und, seiner Gemahlin im.Mansion House bewirtet. • Ein Bürgermeister, her lesen und schreibe,, lernt. Das Examen des Bürgermeisters von Lutzan, einer Rasbarsdadt von Eernowicz, in den beiden. Elernentarfachern ,,3d)rcÜ)cn" und „Lesen", des vor einigen Tagen statt faird, erregt in ganz Oesterreich tue ungciriibtcfte Heiterkeit. Me Vorgeschichte, die zu diesem einzigartigen Vorfall führte, ist folgende: In Lutzan wurde vor mehreren Monaten der Bauer Simeon Berezahn zum Bürgernreistcr gewühlt. Berezahn ist ein Mann von 50 Jahren, der in der Landwirtschaft siäi-erlich mehr Bescheid wußte, als in gelehrten Dingen. Als nämlich die Bürgermeisterwahl durch den Negierungskommissar bestätigt werden sollte, und der Bürgermeister seinen Namen unter die Bestätigung zu sehen hatte, stellte es sich heraus, daß er weder lesen noch schreiben konnte. Die Wahl war also ungültig. Berezahn reichte zwar bei dem Landesausschuß ein Gesuch ein, ihm diese für einen Bürgerrneisterposten an scheinet unnotwendige Gelehrsamkeit zu erlassen, hatte aber damit fein Glück Es wurde ihm aufgegeben, binnen drei Monaten lesen und schreiben zu lernen oder das Amt einem anderen zu überlassen. Der Kandidat vertiefte sich nun in die Abgründe des Wissens. Als nun vor einigen Tagen die Neuwahl vorgenommen wurde, vereinigten sich alle Stimmen wieder auf unseren Berezahn. Der Regierungskommissar, der diesmal schon gewitzigt war, fragte den Bürgermeisterkandidaten vorsorglich, ob er letzt schon lesen und schreiben könnte. Berezahn erwiderte eirtrüstet: „Selbstverständ- lich!" Der Kommissar hielt es aber anscheinend nicht für so selbstverständlich, sondern er forderte .ein Examen. An der Spitze des Gemeindcaussckmsses zog nun Berezahn wie ein Triumphator in die Bezirkshauptmannschaft, wo die Prüfung begonnen wurde. Berezahn las ganz „fließend" aus einer Kinderfibel mehrere Sätze vor und schrieb nach Diktat einen Aufsatz, der ihm zwar in der Schule ein Ungenügend" eingetragen hatte, der aber doch als ausreichende <->ühnc erkannt wurde. Die Prüfungskommission erftärte auf eine Anfrage des Regierungskommissars jedenfalls, daß Berezahn für einen Bürgermeister nun völlig ausreichend „gebildet" sei. Jetzt wurde er auch von dem Regierungskommissar betätigt. Er empfing dies Zeugnis mit den Worten: „Die Bül- bang, die verdammte * Städte auf der Sommer reise. In einer Reihe von englischen Städten besteht ein alter Brauch, der noch heute mit dem glücklichsten Erfolge innegehalten wird und der sozialen Reformatoren beachtenswerte Anregung bieten kann. An einem bestimmten Datum int Sommer reist die ganze Stadt in die Sommerfrische. _ Nicht etwa die vermögenden Bürger, die sich eine Sommerreise leisten können: nein, die ganze Stadt bis bmab zu dem kleinsten Arbeiter reift ins Seebad oder in die Berge. Es ist eine alte'Sitte, die diese sommerlick-e Massenauswanderung möglich macht. Das ganze Jahr über wird von der Stadtbehörde von jedem Familienvater ein besonderer Beitrag erhoben, der als Reservefonds für die Sommerferien gilt. Wenn dann die Zeit der Reife herannaht, tritt die ganze Bevölkerung sozusagen auf Kosten des Stadtsäckels ihre Fahrt in die Sommerfrische an. Tie Stadt Oldham z. B., ein Mittelpunkt der Baum- wollindustrie, erhebt im Jahre für rund 4 Millionen Mark solcher Feriengelder, in Blackburn sammelt man jährlich über 3 Millionen. Die Bevölkerung wird dann in Reisegesellschaften cin- gcteilt, die Stadt stellt besondere Ferienzüge, die in Abständen von je einer halben Stunde abgelassen werden, die Behörden bekümmern sich um die Unterkunft am Reiseziel, und durch die große Zahl der Teilnehmer wird es möglich, die Kosten der" ^ommerreise auf ein Minimum zu beschränken. Ursprünglich reiften diese Städte meistens nach Blackpool oder Yarmouth oder nach anderen englischen Seebädern. In den letzten Jahren aber slnd die,e reckenden englischen Städte bis nach Frankreich und sogar in die Schweiz vorgedrungen. Im vergangenen Jahr z. B. konnte Präsident Fall iß res in Paris 700 Einwohner von Burnley begrüßen. Es waren alles Arbeiter mit Frauen ü!nd Kindern. Während der Ferienzeit bleibt nur d i e Polizei in den verödeten Städten zurück. An allen Aemtern prangt dann die Inschrift: „Der Ferien wegen geschlossen." Natürlich handelt es sich dabei nur um kleinere'Städte, in denen eine solche Stockung des Lebens möglich ist. Insbesondere sind es Gemeinden in Laneashire, die dem alten Brauch treu geblieben und ihn den modernen Verhältnissen entsprechend aus- gebaut haben. * Gegen die Fliegen. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses in Middlesborough, Mr. Alfred Mattison, hat einen Feldzug gegen Fliegen eröffnet, indem er einen Preis von zehn Pfennigen für 50 Exemplare der gewöhnlichen Haussliege oder 12 Exemplare der großen blauen Schmeißfliege ausgesetzt hat. Bis Mittwoch abend waren bereits 60 000 Fliegen abgeliefert, wofür ca. 120 Mk. bezahlt wurden. Die „Strecke" eines einzigen „Jägers" betrug ca. 1200 Fliegen der verschiedensten Gattungen. Die Zahl der abgelieferten Fliegen wäre zweifellos nock> viel größer gewesen, aber die Angestellten des Derrn Mattison hatten genug vom Zählen und Sortieren der Fliegen für einen Tag und ersuchten die Fliegenfänger, am nächsten Tage wieder zu kommen. Mr. Mattison hat inzwischen weitere 200 Mk. auf sein „Fliegenkonto" abgeschrieben. _________ Handel. — Der Ausfuhrhandel Deutschlands hat in der ersten Hälfte des laufenden Jahres eine bisher nicht dagewejcne Höhe erreicht. In den Monaten Januar bis Juni 1910' wurden für 3541 Millionen Mark Waren ausgeführt, d. i. für 502 Millionen Mark mehr als in den gleichen Monaten des Vorjahres. Die Einfuhr hat sich nur um 97 Millionen Mark, nämlich von 4165 auf 4262 Millionen Mark gehoben, so daß sich für das erste Halbjahr 1910 nur ein Einfuhr-Ueberschuß von 721 Millionen Mark — 20 Prozent ergibt, während im ersten Halbjahr 1909 der Einfuhr-Ueberschuß 1126 Millionen Mark --- 27 Proz. betragen hatte. Märkte. th. Gießen, 20. Juli. Der gestrige Rindviehmarkt hatte einen Auftrieb von ca. 1500 Stück Großvieh und 350 Jung- tiereit und Kälbern. Der Vorhandel hatte diesmal nicht denselben Umfang als bei den letzten Märkten, weshalb auch am Markt selbst ein stärkerer Auftrieb in qualitätsreichen Tieren in allen Viehgattungen vorhanden war. Der Milchviehhandel bewegte sich bet den alten hohen Preisen in den gewohnten Bahnen, obgleich im allgemeinen Käufer ans weiteren Gegenden nicht anwesend waren, außer einem solchen ans der Provinz Sachsen, der 40—50 schwere Simmentaler Fahrkühe für Posen kaufen wollte. Er traf aber in befriedigender Ware kaum die Hälfte der Tiere an. Jungvieh war nur mäßig aufgetrieben; es ging glatt ab. Fette Rinder waren zu den seitherigen Preisen, anzubringen. Fette Kühe, die in prima Ware schwach vertreten waren, mußten sich einen Preisabschlag von 5—6 Mk. für den Zentner gefallen lassen und konnten kaum an den Mann kommen. Für Kälber waren wieder Frankfurter Einkäufer Abnehmer, so daß unsere heimischen Metzger recht hohe Preise anlegen mußten. Bezahlt wurden stir das Stück Milchkübe 1. Qual. oöO vis 600 IHf., 2. Qual. 450 bis 525 Mk., 3. Qual 370—430 Mk. Jungvieh je nach Alter und Form 120 bis 22 > Mk. (Gehandelt mürbe der Zentner Schlachtgewicht: Felle Rinder 1. Qual. 80 bis 82 Mk. (einzelne extra schivere Tiere bis 85 Alk.), 2. Qual. 77 bis 79 Alk., fette Kühe 1. Qual. 67 bis 72 Alk., 2. Qual. 63—66 Mk., 3. Qual 58 bis 62 Mk. Kälber 1. Qual. 85-90 Mk., 2. Qual. 76 bis 82 Alk., 3. Qual. 68 bis 74 Mk. Fette Ochsen müssen von den Metzgern immer noch mit 86 bis 88 Alk. der Zenlner Schlacht- gewicht in prima Ware bezahlt werden, die 2. Qualität ist unter 83 Mk. nicht zu haben. In geringwertigen Kühen blieb der Markt überständig, der sich langer hinauszog als sonst. Tic Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise ____________________am 18. Juli 1910. Höchste Schlachtviehpreise in F r a n k i u r t a. Ü)L Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 83—91 Alk. V,Kg. Schlachtgew. 92—100^1 7, , „ 69-71 „ 7t Kg. 80-88 Pfg. 7, , 86—88 , 7, „ 60-96 , Getreidepreise in Mannheim Brotpreise in Gießen Weizen 100 Kg. 21.00-21.25 Mk. Roggen 100 Kg. 16.00—16.25 Mk. Weißbrot 2 Kg. 62 Pfg. Schwarzbrot 2 Kg. 54 '13fg. Vüchertisch. — München und das bayerische Hochland. Der Verein zur Förderung des Frenidenverkehrs in München und im bayerischen Hochlande hat zwei bübfdjc Orientierungsschriften herausgegeben, die allen Besuchern dieses Gebietes gute Dienste tun werden. Die erste Schrift „12 Tage in München" bringt in gedrängter Kurze alles Wissenswerte über Baverns Hauptstadt und deren nähere Umgebung; die zweite Broschüre „Vierzehn, Ausflüge ins baperische Hochland" bildet einen zuverlässigen Führer für das ganze Alpengebiet zwischen Salzburg und Lindau. Eine übersichtliche Karte sowie 14 trefflich ausgesührte Ansichten vervollständigen den letztgenannten Prospekr. Die Schristck>en sindj kostenlos durch die Amtliche Auskunftsstelle der Kgl. Bayerischen Staatscisenbahncn im Internationalen öffentlichen Verkehrsbureau in Berlin, Unter den Linden 14, zu beziehen. Daselbst werden, auch alle Auskünfte über Bayern bereitwilligst unentgeltlich erteilt. Fanrilien-Nachrichten. Geburten: Herrn Rechtsanwalt Bergheimer in Al-chtt- eine Tochter. Verlobte: Fräulein Marie Hornrnann in Bellersharn m 1 Herrn Heinrich Graulich in Reinhardshain. — Fräulein Berti.a Hassel mit Herrn Ferdinand Michel, beide in Wetzlar. - Fräulein Marie Noll in Alsfeld mit Herrn Friedrich Blath in Hedersleben. — Fräulein SDiaria Lang in Hungen mit Herrn August Naleppa in Trais-Horloff. Gestorbene: Herr Otto Herrnbrodt in Ober-Mockstadt. — Herr Georg Knierirn in Alsfeld. — Herr Johannes Renning in Ruppertsburg. — Herr Andreas Feick in Uellershausen. — Fräulein Alice Nottle in Ostheim. — Fräulein Theodore v. Ploenniee in Darmstadt. — Fran Katharine Franz Witwe, geborene Haub, Fran Henriette Kippenberger, geborene v. Saini George, Herr Oskar Blady, Fran Regina Macrcmder, geb. Jnuncl, sämtlich in Wetzlar. — Herr Georg Schacker, Fran Lina Salzer, geb. Ruppersberg, beide in Marburg. — Frau Susaima Geitz, geb. Klotzbach, in Biedenkovf. — Herr Ludwig (Sanftem in Friedensdorf a. d. Lahn. — Herr Christoph Stieler in Eisenach. — Herr Johannes Adolph m Hutzdors.' Wöchentl. Ueberstcht derCodessatte L ö. Stabt Eichen. 28. Woche. Vom 3. bis 9. Jun 1910. Einwohnerzahl : angenommen zu 31,800 linkst 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 16,34 "/„, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 8,17 "Ar. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: un 1. Lebensjahr: Gallenblasen-Ent- zündung 1 (1) 1 (1) — Bauchfellentzündung 1 (1) — — Lungenentzündung 1 — — Schlagfluß 2 2 — Nierenentzündung 1 1 — Krebs 1 1 — Zuckerkrankheit 1 (1) 1 (1) — Altersschwäche 1 (1) 1 (1) — Lebensschwäche 1 (1) — 1 (1) 111 h । : l Summe 10 (5) 7 (3) 1(1) 2(1) unm.: Die m Klammern gesetzirn Ziffer:i geoeit an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach ...irvi'Ti iii’b-.nrfit? Kranke kommen. Verantwortlich für „Feuilleton" und „Vermischtes": I. V.: A u g u st G o e tz. Meteorologische Beobachtungen der Station Sietzen. Juli 1910 Regen 20,9*0. 14,9 6C. Höchste Temperatur am 18. bis 19. Juli Niedrigste , , 18. „ 19. „ Niederschlag: — 2,0 mm. Temperatur der Lust Absolute Feiichtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Krad der Bewönuing in Jehnrel der sichlb. Hiinnietssl. Wetter 19. 2 ’6 744,6 18,1 12.8 83 NW 2 10 19. Gib 746,3 17.4 127 86 NW 2 10 20. • 747,6 14,5 10,2 84 WSW 2 10 Hunderte von blühenden Kindern sterben in jedem Lommer an Brechdurchfällen. Hiergegen bietet eine rationelle ^äugllngsernahrung mit „Kufete" und Milch den besten Schutz. „K u f e k e" macht die Milch leichter verdaulich und verhütet btc Darmgärunaen. Uebcrbaupt macht „Kusel e" und sein reicher Gehalt an Nährstoffen den gesamten Organismus und damit auch den Magen und Darm widerstandsfähiger gegen *lrankheitskeime. ■EMenste Haasgerit! I Pi eis. kaufen « . Offerte. Besichtig, uns. grossstädL eingericht Fabrik- W compl. Zimmer-Einricht. sehenswert u. lohnend. Bei ■ vergüt. Lief, frei Wohnung unt. Garantie, fast überall W Conr. Sauer Söhne, Fntda. 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Juni 1893 können nebst den Mustern bei der Verwaltung der Klinik nachmittags von 3 bis 5 Uhr eingesehen werden. Angebote und Proben — getrennt und verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen — sind bis zum Eröffnungstermin Montag den 25. Juli 1910, vorm. 11 Uhr auf der Verwaltung der Klinik abzugeben. Zuschlagsfrist 10 Tage. Gießen, den 12. Juli 1910. Großh. Direktion der Universitäts-Uugenklinik. Vossius. (gis/7 Spazierstöcke hervorragende Auswahl letzter Neuheiten 1 Schönes Geschenk für Herren -- Casseler Sdiirmfabrik &i „Ich war am ganzen Leibe mit Flechten behaftet, welche mich durch das ewige Jucken Tag u. Nacht nicht in Ruhe ließen. Nach einer Einreibung von kaum 14 Tagen mit Siirfcr'ä Patent - Medizinal Seife waren meine Flechten voll ständig verschwunden. Ihre Seife ist nicht 1.50 Mk., sondern 100 Mk. wert. Sergeant M. in G." ä St. 50 Pf. (15%ig) u. 1.50 M. (35°/oig, stärkste Form). Dazngeb. Zuck°^tz- Creme 75 Pfg. u. 2 Mk., ferner Znckooh-Seife, m. vollst, einger. 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