Nr. 271 Srveltes Blatt 160. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme des bonnlagS. Die „Otetzener Famillendlätter" werden dem ,9ln^tfler* oiermal wöchentlich bcigelegl, daS „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirttchaftlichen Seit- fragen" erscheinen nwnatttch zweimal. Gich«r A«zetzer General-Anzeiger für Oberhessen Sreitog, 18. November 1910 Rotationsdruck und Verlag der vr üblichen UnwersuätS - Brich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 5L Redaktion: «El 12. Tel.-Adru AnzergerGreßen. Das spanisch-marokkanische Abkommen. Madrid, 17. Nov. Das spanisch-marokkanische Abkommen enthält folgende Punkte: 1. Die Verwaltung des Telles des Riffgebietes, der von spanischen Truppen besetzt ist, sowie von'Alhucemas und Fenon. Die Verwaltung schließt in sich die Ernennung der lokalen marokkanischen Behörden nach vorheriger Verständigung zwischendenKommissarenSpaniensunddesSul- tans; die Organisation einer Eingeborenenpolizei, die von spanischen Offizieren ausgebildet wird; die Einrichtung eines Zollamtes in Melilla; die Erhebung von Markt- und anderen Abgaben, die bestimmt sind, die Polizei zu unterhalten, und mi deren Einziehung spanische Beamte beauftragt werden, schließlich Iiäumung des von spanischen Truppen besetzten Gebietes an dem Tage, wo das Poli^eikorps vollzählig sein und für fähig gehalten wird, die Ruhe, die Freihell des Handels und die Erhebung der Abgaben sicherzustellen. . 2. Die Sicherheit Ceutas: Der Sultan von Marokko verpflichtet sich, keine Stellungen zu befestigen, welche Ceuta gefährlich werden könnten. Spanien ernennt und «entläßt den Kaid des Grenzgebietes nach vorheriger Mitteilung an den Magh- sen. Diesem Kaid liegt ob die Jurisdiktion in einem Teilgebiete vom Flusse Ruan, die Organisation einer Eingeborenenpolizei, die von spanischen Offizieren ausgebildet wird und die die Ordnung an diesem Telle der Grenze aufrecht M erhalten hat, sowie die Errichtung eures Zollamtes, sobald Spanien es verlangt. 3. Tie Zahlung einer Entschädigung von 65 Millionen Pesetas an Spanien als Ersatz der militärischen und der Flottenausgaben. Die Entsä)ädigung ist zu bezahlen in 75 Jahresraten von je 2 545 000 Pesetas. Als Garantie dienen 55 Prozent der dem Maghsen zustehenden Bergwerksabgaben. 4. Tie Ernennung eines Kommissars durch den Sultan, der beauftragt ist, Spanien das Sainte Croix la Mineure zu übergeben. Tie Ernennung soll so erfolgen, daß der Kommissar am 1. Mai des kommenden Jahres von Mogador abrcifl. Anträge an die hessische Zweite Kamm«. Der Zweiten hessischen Kammer ist eine Vorstellung der Katharine Karle von Lauter bett. Entschädigung für entzogene Wasserkräfte zugegangen. Durch die Erbauung der Wasserleitung Lartter-Bad-Naitheim blieb aus einmal das Wasser aus, das bisher ihre Mühle gespeist hatte. iy3 Jahre darnach, im Jahre 1907, erhielt die Frau eine Entschädigung von 4500 Mk. Sie klagt nun darüber, daß diese Entschädigung viel zu gering sei und sucht dies zahlenmäßig nachzuweisen. Der Abg. Köhler- Langsdorf stellt folgenden Antrag: Die Zweite Kammer wolle beschließen, dem Gesetzentwurf, die Landgemeindeordnunb betreffend, einzufügen: Artikel 24 a. Zufolge Mehrheitsbeschlusses der Gemeindevertretung kann von dieser bestimmt werden, daß den ein» geheirateten, int Orte vorhandenen, inländischen und über 25 Jahre alten Ehegatten von Ortsbürgertöchtern auf deren Antrag das O r t s b ü r g e r r e ch t, wie es in Art. 24 festgestellt ist, verliehen wird. In der Begründung dazu führt Köhler aus, schon das Bestreben, der allgemeinen Landflucht entgegenzuwir- ken, sollte dahin führen, seinem Anträge zuzustimmen. Er fährt dann wörtlich fort: Denn man bedenke doch, daß z. B. in meiner Heimatgemeinde Langsdorf infolge dieses etwa zum Gesetz erhobenen Antrags eine jede Ortsbürgertochter — wenn ich so sagen darf — um 1000 Mark in ihrem Werte steigen würde; diewell mll dem sogenannten Ortsbürgernutzen in dieser Gemeinde eine Jahresrate von mehr als 60 und 70 Mark verbunden ist. Und das wäre in vielen, wohl Hunderten Gemeinden mehr oder minder der gleiche Fall. Die Moabiter Stratzenkrawalle vor Gericht. -4 Berlin, 17. Nov. Zur heutigen Sitzung finit eine Reihe von Beweisstücken herbeigeschafft und vor den Richtertisch niedergelegt worden, die auf den Krawall Bezug haben. Man sieht eine Anzahl ein? gebeulter und eingeschlagener Schutzmanns Helme, zerrissene Jacken, Steine und ähnliche Sachen. Es wird in der Vernehmung der Angeklagten fortgefahren. Die Angeklagte Frau Sattler soll den Schutzleuten „Bluthunde" zugerufen Haden. Die Angeklagte bestreitet das entschieden. Sie sei stets hn ihrer Wohnung und garnicht auf der Straße gewesen. Die Anzeige rühre von Hausgenossen her, die das aus Rache getan hätten. Die Angeklagte erzählt, sie habe gesehen, daß Polizeibeamtc, namentlich Kriminalbeamte, auf die Leute mit Knüppeln eingeschlagen haben. In der Wie les - straße in der sie wohne, sei überhaupt kein Menschenandrang gewesen, sondern nur Leute, die sich seit Jahren vor die Tür zu stellen pflegten, um Luft zu schnappen. Die Polizeibeamten seien wie die wilden Tiere auf die Leute losgegangen. Es wird hierauf der Angeklagte Schlosser Paul Schulz vernommen. Vors.: Ihr Vater soll mit Ihnen entzweit ge- gewesen fein, wie Sie mit Ihren Freunden sich der Bewegung anschlossen, während Ihr Vater Bürgervereinler ist. Ihr Vater soll Steu rerheber sein? Ange kl.: Jawohl. Vors.: Und ührt der Zwist aus der angedeuteten Ursache her? Angekl. : Jawohl. Vors.: Der Angeklagte Schreiber Wandt soll zu Ihnen gesagt haben: Nimm einmal einen Stein und wirf eine Scheibe ein. Angekl.: Jawohl. Vors.: Sie haben dann auch nach einer Laterne geworfen? Angekl.: Ja. Der Angeklagte Wandt weist darauf hin, daß es in der Anklage heiße: Durch das Treiben der Jugendlichen fei die Dunkelheit eingetreten und dadurch der Aufruhr um so gefährlicher geworden. In der Oldenburger Straße war aber gar fein Menschenandrang. Es waren rur acht Personen, während in der Anklage steh«: eine Menge. Er habe den Untersuchungsrichter gleich darauf hingewiesen, daß man von einer Menge nicht sprechen könne. Was die Geschichte mit dem Steine anlange, so seien von einem jungen Manne Steine verteilt worden. Er habe Schulz einen gegeben, ihn alber nicht aufgefordert, damll zu werfen. Schulz fei erregt gewesen, weil die Beamten ihm folgten. Aus verschiedene Fragen des Vorsitzenden erwidwt der Angeklagte, et habe allerdings den Eindruck gehabt, daß in der Wiclesst raße vom Publikum heraus zunächst auf die Schutzleute geschossen wurde und daß erst einige Sekunden später vier oder fünf Schüsse seitens bei Polizei auf die Menge abgegeben wurden. Vors.: Sie meinen also in Erwiderung auf die vorher gefallenen Schüsse aus dem Publikum? Angekl.: Ja, den Eindruck hatte ich. — Angekl. Monteur Albrecht schildert in unverfälscht bayerischem Dialekt, daß er an dem betreffenden Tage etwas über den Durst getrunken hatte. Er fei auf der Wache gefesselt und geschlagen worden. Vors.: Sie sollen „blaue Hunde" geschimpft haben. Angekl.: Von blauen Hunden habe ich nicht gesprochen. Ich bin angetrunken gewesen und mag da wohl ein Lied vom blauen Himmel gesungen haben. (Große Hellerkeit. Der Vorsitzende bittet dringend, die Heiterkeit zu unterlassen, da es sich hier um seht ernste Dinge handele.) Vors.: (zum Angeklagten) Sagen Sie mal, es ist doch ein großer Unterschied, ob jemand in lustiger Stimmung ein Lied vom blauen Himmel singt oder ob er zusammen mit einet Menge, die mit der Polizei in Konflikt gekommen ist, auf der Straße pröblt. Ang ekl.: Ich habe mich nicht in einer Menge befunden, ich war ganz allein, ich habe auch ganz allein gekneipt. Rechtsanwalt Bruno Blau bittet den Angeklagten zu fragen, wie viel er getrunken habe. Angekl.: Na, es mögen 2o GlaS Bier und auch Kognak gewesen sein. Vors.: Wie viel können Sie im allgemeinen zu sich nehmen? Angekl.: Das war an jenem Abend für meine Verhältnisse schon etwas zu viel. Der Angeklagte bekundet weiter, er sei nicht Sozialdemokrat und bekümmere sich nicht um Politik; er gehöre zu der fr genannten gelben Partei. Vors.: Ich glaube, alle Prozeßbeteiligten werden damit einverstanden sein, wenn wir die beiben Parteigruppierungen zum deutlichen Unterschiede mit gelb und rot bezeichnen. R.-A. Cohn: Ich bin damll einverstanden, bitte aber den Angeklagten zu fragen, was er unter gelber Partei versteht. Angekl.: Ich verstehe unter Roten diejenigen, welche gegen die Arbeitgeber arbeiten, die Gelben dagegen legen Wert darauf, zusammen mit den Arbeitgebern zu arbeiten. R.-A. Cohn: Ist es richtig, daß die Firma Siemens u. Schuckert nur Mitglieder des gelben Bundes an» nimmt? Angekl.: Jawohl. Vors: Sie haben ja allerdings eine Mitgliedskarte des gelben Bundes zu den Akten überreicht. Sind aber nicht viele im gelben Bunde, die an sich anderer Meinung sind»? Angekl.: Ich bleibe im gelben Bunde, weil ich da mein besseres Fortkommen finde. Mögen andere darüber anders denken, ich bleibe jedenfalls darin. Der Angeklagte T r o p k o w s k i betont, daß er sich noch nie mit Politik besaßt habe. Seine Arbeitgeber seien stets mit ihm zufrieden gewesen. Besonders müsse er noch betonen, daß der Suff bei ihm an allem schuld sei. — Barbier E i s e n r e i ch wird beschuldigt, gerufen zu haben: Haut ihn. Der Angeklagte gibt das zu, will aber nicht gewußt haben, wer damit gemeint gewesen fei Gr habe in bet Aufregung gehandelt, ledoch keine bestimmte Person im Auge gehabt. Auf Befragen des Vorsitzenden erwidert der Angeklagte, wenn er gewußt hätte, daß das Publikum gegen die Polizei vorgehen wolle, würde er nicht mitgemacht haben. Weller führt der Angeklagte aus, er habe ju einer Versammlung der Heilsarmee gehen wollen und wisse nicht was er mit der Aeußerung gemeint habe. Glasmaler W e n d t hat den Ruf des Eisenreich „Haut ihn!" gehört, wahrscheinlich hat der Angeklagte damit Schutzleute ge- meint. Vors.: Wie kamen Sie zu einem gefabelten Revolver? ring eil.: Den habe ich mir von einem Freunbe am 29. September gekauft. Vors.: Sie wußten boch aber, daß in diesen Tagen schwere Unruhen erfolgten, und da laufen Sie mit einer geladenen Waffe umher. Angekl.: Es war nur eine Patrone bnn, und bie bat der Verkäufer hineingelegt, um mir den Lauf gu zeigen. Ich hatte kein bestimmtes Ziel im Auge. Vors.7 Was haben Sie denn mit der Steinschleuder bezweckt, die bei ^hnen gefunden wurde? Angekl.: Die hatte nichts zu bedeuten, jeder Mensch, der sie sieht, muß bas bestätigen. Vors.: Sie haben zuerst gesagt. Sie hätten überhaupt keinen Revolver. Angekl.: Ich wollte zunächst überhaupt nichts sagen. Die Beamten b-jeit sich auf ber Polizei sehr konfus benommen und sich barüber gestritten, wer mich überhaupt vernehmen soll. Vor s.: Da haben Sie ben Beamten also ein Märchen ausgetischt: An- g et I.: Genau so, wie bie Beamten das Märchen erfunden haben, daß ich mich an den Krawallen beteiligt hätte. Kunstmaler Weidemann erklärt, daß er nichts mit ber Sache zu tun habe. Er sei erst auf bie Straße gekommen, als bie Unruhen vorüber waren. Er habe bann mit einigen Kollegen gekneipt unb sei bann festgenommen unb auf bie Wache gebracht worben. Dort sei er von ber Polizei sehr unsanft behandelt worben. Zwei Tage später sei er nochmals aufs Revier gegangen unb habe sich, ba fein Vater selbst Kriminalbeamter fei, als er hörte, daß ihm Beamtenbeleibigung zum Vorwurf gemacht werde, bei ben Beamten entschulbigt. Er fei aber trotzdem nach dem Polizeipräsidium gebracht worden und fei dort mit Pennbrüdern in eine gemeinsame Brause gebracht worden. Vors.: Sie meinen also, baß man nur von Exzessen ber Schutzleute sprechen kann? Angekl.: Jawohl. Vors.: Haben Sie zerschlagene Scheiben ober zerschlagene Laternen usw. gesehen? Der Angeklagte erklärt, er habe nur zwei zerschlagene Scheiben eines Warenhauses gesehen. R.-A. Heinemann: Sie meinen also, von einem geplünderten Warenhaus kann keine Rede sein? Angekl.: Keine Spur. Darauf trat bie Mittagspause ein. Nach ber Pause erklären sich noch einige Angeklagte kurz zu ihren schon gemachten Aussagen. — Rechtsanwalt Rosenfeld bittet, an den Angeklagten Sens die Frage zu richten, ob fein Revolver, den er bei sich hatte, schon gebraucht war. Der Angeklagte verneint das. Erster Staatsanwalt Steinbrecht: Ich begreife nicht, wenn ber Angeklagte, der kurz vor der Heirat stand, sein Geld nicht besser verwerten konnte, als sich einen Revolver zu kaufen. — Angekl. Senf: Ich hatte stets eine Waffe bei mir Ich war lange Zeit im Auslände. In der Schweiz war ich geradezu verhaßt. Hier in Berlin hatte ich kurz nach meiner Mckkehr einen Zusammenstoß. Deshalb trug ich eine Waffe bei mir. Staatsanwalt Sel zner: Nachdem nunmehr die Angeklagten sich sämtlich geäußert haben, müssen wir erneut dazu Stellung nehmen, intoieroeit noch weitere Haftentlassungen erfolgen können. Es ist nicht leicht, jetzt, wo bie Angeklagten natürlich alles abstrellen und die Polizei belasten, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Immerhin liegt bei einigen Angeklagten bie Sache doch einigermaßen klar. Was den Angeklagten Eisen- reich betrifft, so ist er Mormone. Er gehört also einer Sekte an, die gegen jede Gewalt sei. Was die Angeklagten Wandt unb Schulz betrifft, so hat sich Schulz zwar erfjeblidj strafbar vergangen, indem er eine Laterne zertrümmerte, aber immerhin läßt sich ein Beweis dafür, daß er absichtlich an der Zusammenrottung teilgenommen hat, nicht führen. Er hat seine Tat offenbar in Leichtsinnigkeit aus geführt, ohne daß ihm eine vorherige Absicht unterstellt werden kann. Tie Staatsanwaltschaft würde also einverstaiiden sein, falls er bei seinen Eltern Aufnahme findet, ihn aus der Hast zu entlassen, dagegen sind wir gegen die Haftentlassung des Angeklagten Wandt. Bei ihm liegt die Sache wesentlich schlimmer. Rechtsanwalt Heinemann: Ter allgemeine Eindruck ist ja nun vorüber. Ich glaube, man kann nicht sagen: die Angeklagten haben keinen guten Eindruck gemacht. Es ist ja richtig, daß Beleidigungen in einer Kneipe nicht fr schwerwiegend, wie angesichts einer großen Menge sind. Aber es ist ja andererseits auch verständlich und man hat es ja auch bei dem Angeklagten Eisenreich, ber Mormone ist, gesehen, daß die Beleibigungeni nur in ber Aufreaung gefallen sind. Der Verteidiger tritt dann für die Haftentlassung von Miersch, Solkow und Wandt ein. Rechtsanwalt Dr. C o hn tritt für die Angeklagten Miersch und Heide ein und bittet ebenfalls um deren Haftentlassung. — Rechts anwalt Liebknecht stellt den Antrag, den Angeklagten Gastwirt Pilz und Kratzelt aus der Haft zu entlassen. Was Pchz Dom Wettfampfe der Völker um das Zündholz Von Dr. Ernst Schultze -Gr oßborstel. So klein und unscheinbar das Zündholz aussieht, so unentbehrlich ist es doch heute unter den meisten Völkern für jedermann. Große Mengen davon werden verbraucht, und so ist bie Streich- Holzindustrie in vielen Ländern ein blühendes Gewerbe geworden. Lange schon wird das Zündholz nicht mehr auf dem Wege der Handarbeit hergestellt, sondern durch Maschinen, die man ij mer mehr vervollkommnet hat. Ter maschinelle Arbeitsprozeß zur Herstellung eines Streichholzes zerfällt gegenwärtig in etwa 19 verschiedene Teile. Aber fr einfach auch bie einzelnen Maschimenhandgriffe zu sein scheinen, so kommt doch in der Güte der gelieferten Ware die Anstelligkeit ober bie Dumm hell, bie Gelehrigkeit ober die Unbildung ber Arbeiter zu voller Geltung. Taher ist es denn auch Japan, als es die Einfuhr europäischer Zünbhölzer durch Selbstherstellung dieser Ware zu unterbinden suchte, zwar gelungen, dies im eigenen Lande erfolgreich zu tun, weil die Transportkosten bei einer so billigen und so viel Raum fortnehmenden Ware wie dem Streichholz immerhin nicht unwesentlich ins Gewicht fallen — aber auf dem Weltmärkte hat sich ber japanische Wettbewerb nur in wenigen Länbern Asiens einigermaßen wirkungsvoll erwiesen. Auf den europäiscl-en Märkten findet man japanische Zündhölzer saft nie, ja es scheint nun, als wenn sie auxi) aus den a|iaii]djen Märkten zum Teil verdrängt werden sollten. Bereits in den 70er Jahren wurden in Japan Fabriken zur Herstellung von Zündhölzern gegründet, unb schon 1880 Probuzierten diese so viel, daß nicht nur der inländische Markt bamit verborgt, jonbern bereits für 5d OUU $en (1 v-en = 2,09 Mk.) ins Ausland ausgeführt werden konnten. Aber bie Ware stellte sich als allzu schlecht heraus, unb ba biefe in ben nächsten Jahren noch ftärter hervortrat, |o wurde fte schllltjlich unvertautzich. Infolgedessen sank der Wert der Ausfuhr bis zum Jahre 1884 auf 2öüU XJen. Erst buru) bipjen jajanen btuugaiig lernten bie Fabrikanten, baß es besser sei, etwas teurer zu arbeiten, dafür aber auch bessere und gleichmäßigere Streichhölzer zu liefern. Unb erst seit bieser Lehre ist die Ausfuhr japanischer Streichhölzer gestiegen, so baß sie 1892 die ftattliclje Summe von 5 Millionen, 1906 sogar schon 10,91 Millionen $en betrug. In ben nächsten Jahren ging die Ausfuhr — uamenllich iniotgc der .Wirljchafts- krisis — etwas zurück, so baß sie 1908 nur 9,46 Millionen Den ausmachte. Immerhin ist das eine sehr nette Summe, unb bie weißen Völker sind über diesen Wettbewerb, der sich namentlich in Jnbien und Australien, aber auch sonst in Ostaffelt (dagegen in Amerika und Europa nur in geringem Maße) geltend macht, keineswegs erfreut. Ter schlimmste Feind des japanischen Zündholzes ist sein s ch w e b i s ch e r Kollege. Schweben hat infolge der großen Waldungen, bie früher dort zur Verfügung standen, unb infolge bes vorzüglickMn Bilbungsstanbes feiner Arbeiter schon lange eine ausgezeichnete und billige Ware liefern können; daher ist seine Streichholzfabrikation niemals in eine so üble Lage geraten, wie bies gegenwärtig von einem großen Teil ber japanischen Streichholzfabriken gilt. In Osaka und in Kobe, den beiden Hauptmittelpunkten des japanischen Zündholzgewerbes, haben in letzter Zell nicht weniger als 30 unter insgesamt 124 Zündholzfabriken den Betrieb eingestellt. Als Grund wird von japanischen Autoritäten angegeben, baß in China und auf anderen ^Märkten Ostasiens japanische Zündhölzer insbesondere durch den s ch w e b i s ch e n unb deutschen Wettbewerb zurückgedrängt worden seien. Jinolgedeijen zeigte,die Ausfuhr japauiicher Zündhölzer im letzten Jahre bie bedenkliche Mnähme von 40% gegenüber bem Vorjahre. Der Beginn dieies ^iuckganges ist jchon im Jahre 1907 zu finden, als die allgemeine Wirtschaftskrisis auch auf ben ostasiatischen Länbern schwer lastete. 1906 hatte bie Ausfuhr japanischer Streichhölzer ihren Höchststand erreid>t; sie betrug damals 10 915 905 Den, während sie 1896 erst 4 986 260 Den unb 1901 7 392 869 Den ausgemacht hatte. 1907 sowohl wie 1908 betrug die Zündholzaussuhr jedoch l1/» Millionen Den weniger; und es fdj-eint, baß die schwere Krisis, unter der sie gelitten, noch immer nicht überwunden ist. Um darüber hinwegzutommen, ist nun der Vorschlag gemacht worden, die Züiibholzsabriken in Kobe und Osala, die besonders schwer unter dem Rückgang ber Ausfuhr zu leiden gehabt haben, in eine einzige große Gesellst,an ooer meuigucuo zu einem Kartell zu verschmelzen. Besonders gern möchte man diesem Kartell ein Monopol )ür die Anfuhr von ^nnd^^zern uer)d>a|icn. Ob die japanische Regierung darauf eingehen wird, ist ledoch mehr als fraglich. Die Sorgen des japaniichen Zündholzgewerbes sllid auch augenblicklich nieijt auf einem anderen Gcbwle zu suchen: das Holz, das man für bie Zündholzfabrikation braucht, droht erheblich teurer &u werden-. Durun sind die jchwedischen Zünbholzfabriken schuld. Diese haben nämlich im Lause der Jahre im eigenen Lande fast alles Holz niedergeschlagen, daS sich für bie Zündholzfabrikation eignet, und sind nun auf bie Benutzung ausländischen Holzes angewiesen. Aus dem nördlichen Rußland haben sie in den letzten Jahren erhebliche Mengen von Holz beizogen, aber die Wälder beginnen sich nun auch dort zu lichten, und ba man bisher einen vollwertigen Ersatzstoff für das Holz ber Zünbhölzer noch nicht gefunden hat, (trotz mancher z. B. mit Papier bargestellter Versuche), so haben bie Sck)weden danach Ausschau halten müssen, wo sie sonst auf der Erde billiges und geeignetes Holz finden könnten. Dabei ist ihr Blick auf Japan gefallen. Der schwedische Streichholztrust, ber 1906 durch den Zusammenschluß von 19 Fabriken gebildet wurde und der sich für ben Verkauf schwedischer Zündhölzer gerade im Ausland als sehr erfolgreich erwiesen hat, Hal die Gelegenhell geschickt ergriffen, die sich für ein Einbringen in Japan durch den Wunsch der japanischen Zünbholzfabriken ergab, ausländisches Geld für ihren Betrieb auszn- nehmen. Tie Schweden haben sich dadurch einen Einblick irr die Geschäftslage der japanischen Streichholzfabrikation zu verschaffen gewußt unb haben sich alsdann bereit erklärt, gewisse Summen in den japanischen Fabriken anzulegen. Indessen mochten sie sich nicht dazu entschließen, wie die Japaner dies forbericii; bie Hälfte des Kapitals der japanischen Streichholzfabrik-Gesellschaft zu übernehmen, die man in Osaka bilden wollte, dagegen sind bie Verhandlungen nach anderer Richtung erfolgreich fort- besetzt worden, unb es wird den Sckvveben nun möglich sein- lavanijches Holz zu erhalten, das einstweilen dort noch billig ist. Allerdings werden sich bie Japaner damit stark ins eigene Fleisch schneiden. Denn wenn auch bie Holzvorräte in Japan einstweilen noch ausreichen, so wird sich boch zweifellos halb eine Preissteigerung bemerkbar machen, unb die unvermeiblickie Folge mürbe sein, baß bet Preis des Holzes alsbamt nod) für bie japanischen Fabriken in die Höhe geht und daß sie dadurch vom Regen in bie Traufe kommen. Gewiß wird sich durch Einführung noch besserer Maschinerie unb durch bessere Einübung der Arbeitet und Arbeiter innen viel leicht auch in Japan noch eine weitere Verbilligung erzielen lassen. Daß sich dies im Laufe des letzten Jahrzehnts ganz erheblich bemerkbar gemacht hat, ist au5 ber Menge be*> beschäftigten Ar« beiter im Vergleich zu ben von ihnen fertiggtifeUteit Zündhölzern ersichtlich. 1898 waren in japanischen Streichholzfabriten 19 908, anbelange, so sei er zur Stellung einer Kaution in Höhe von 3000 Mark bereit. Staatsanwalt S c l z n er ist damit einverstanden, wenn außer den von ihm beantragten Haftentlassungen auch der Angeklagte Littmeüi entlassen wird, da er durch den Verteidiger gehört habe, daß die Frau des Angeklagten in den nächsten Tagen Familienzuwachs erwarte. Im übrigen müsse darauf hingewiesen werden, daß die Staatsanwaltschaft i n m e h r als 2 00 Fä l -- len das Verfahren überhaupt eingestellt habe. In allen übrigen Fallen müsse der Haftbefehl aufrechtcrhaltcn werden. Tas Gericht beschließt nach längerer Beratung, die Angeklagten Eisenreich, Miersch und Liewicki aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Die Haftbefehle gegen die übrigen Angeklagten werden aufrecht erhalten, weil die Gründe, die zu ihrer Inhaftierung führten, noch heute maßgebend sind. Um Vs4 Uhr werden die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt. Stadt rind Land. Gießen, 18. November 1910. ** Ordensangelegenheiten. Der Groß Herzog hat den nachbenamrten Personen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von dem Kaiser von 'Rußland verliehenen Ordensauszeichnungen erteilt: des Weißen Adlerordens: dem Staatsminister, Minister des Großherzoglichen Hauses und des Aeußerst und Minister der Justiz Dr. Karl Ewald; des St. Annenordens erster Klasse: dem Finanzminister Dr. Dr.-Jng. Ernst Braun und dem Minister des Innern Friedr. von H o nr b e r g k zu Bach: des St. Stanislausordens 2. Klasse: dem Ministerialsekretär Legatronsrat Dr. Wilh. Neidhart; des St. Stanislausordens 3. Klasse: dem Regierungsassessor Dr. Gust. Heß und dem Ministerial-Kanzleiinspettor Aug. Winkler; der kleinen goldenen Verdienstmedaille am Bande des St. .Annenordens: dem Ministerialkanzlisten Karl Kling, der großen fifbcrnen Medaille am St. Wladimir-Ordensband e dem Leibkutscher Karl Schneider und dem Leibfahrer Gg. L a u n; der kleinen goldenen Medaille am St. Annen-Ordensbande den Hofkutschern Joh. Weiß- gerb er und Hch. Zulauf sowie dem Hofwagenwärter Ludw. Metzger; der kleinen silbernen Medaille am St. Stanislaus-Ordensbande dem Hofcutscher Joh. Traut- mann sowie den Hofstallbeiknechten Hch. Bauer und Bal. Pfeiffer. — Der Kaiser hat dem Stationsleiter bet dem Gouvernement von Togo, Großh. Hessischen Professor Adam Mi schlich, die Erlaubnis zur Anlegung des ihm vom König von Sachsen verliehenen sttttterkreuzes erster Klasse des Albrechtsordens erteilt. ** Zu Forstassessoren wurden ernannt die Forstreferendare Hch. Gärtner aus Offenbach a. M., Eberhard Metzger aus Gießen, Gg. Olbert aus Darmstadt, Ernst Ruckelshausen aus Ehringshausen und Friedr. .Schwalb aus Büdingen. ** Zur Stadtverordnetenwahl schreibt man uns: Der Stadtverordnete Helm war von dem Vorstand des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei der Hauptversammlung als Kanoidat zur Wiederwahl vorgeschlagen worden, aber in der geheimen Abstimmung einem anderen Kandidaten um wenige Stimmen unterlegen. Nachdem Landgerichtsrat Holzapfel eine etwaige Wahl abgelehnt hat, tritt nunmehr Herr Helm als Inhaber der nächsthöchsten Stimmenzahl an seine Stelle und wird auf dem Zettel der Fortschrittlichen Volkspartei der Wählerschaft vorgeschlagen werden. ** Das Gastspiel der französischen Gesellschaft Roubaud, .die hier seit Jahren ein .gern gesehener Gast ist, entfesselte auch gestern abend wieder die Begeisterung namentlich der Jugend, die sich in ziemlicher Stärke ein- gefunden hatte. Im „Bürger als Edelmann" erzielten die Herren, rit den „Verschrobenen Frauenzimmern" die Damen den nachhaltigsten Erfolg. Die Herren D u p a r c (Jourdain), R. Da- morös (Musiklehrer), Guiree (Covielle), Lame (Philosoph), .Dlrrand (Tanzlehrer), ebenso ipie Marthe Gravil, lauter alte Bekannte, spielten wie auch die Herren C u n y ((Monte), M o r e l i e (Dorante) und die Damen G l i n e u r (Frau Jour- Arbeiter beschäftigt, darunter 5442 männliche und 14 466 weib- -Arbeiter; das Zahlenverhältnis der beiden Geschlechter ist bis heute ungefähr das gleiche geblieben. Diese 19 908 Arbeiter 'lieferten 22 226 289 Gros Zündhölzer im Werte von 6 445 164 Den. 1903 betrug die Zahl der Arbeiter 20 886> die Menge der gelieferten Streichhölzer 32 392 739 Gros, ihr Wert 9 872 591 Den. Im Jahre 1907 wurden 23 715 Arbeiter beschäftigt, die eine Menge von 57 125 761 Gros im Werte von 15 078 132 Den JcrtigfteUten. Während also die Zahl der Arbeiter von 1898 bis '1907 sich um weniger als den fünften Teil hob, vermehrte sich die Leistung auf mehr als das 2V2 fache, und ebenso stieg der Wert der fertiggestellten Zündhölzer auf etwa den 2Vs fachen Betrag. Eine ähnliche Steigerung der Produktivität der Arbeit werden sich die japanischen Zündholzfabriken auch jetzt für die Zukunft als Ziel setzen müssen, denn sie roerben nun noch von einer neuen Seite her bedroht: von Indien aus. Die Ausfuhr japanischer Zündhölzer dorthin hat sich allerdings in den letzten Jahren ungefähr auf der gleichen Höhe gehalten, sie betrug in indischer Währung im Jahre 1903/04 ebenso wie im Jahre 1907/08 etwa 2 400 000 Rs. In derselben Zeit aber ist die Einfuhr schwe- t sicher Zündhölzer nach Indien von 646 854 Rs. auf 1 976 575 Rs. ewachsen, also auf mehr als das dreifache! Die englische Einfuhr trat dagegen völlig zurück: sie betrug im Jahre 1903/04 314 470 Rs., im Jahre 1907/08 dagegen nur noch 204 005 Ms. Einstweilen ist also die Ausfuhr japanischer Streichhölzer (zu denen übrigens in diesem Falle von der indischen Statistik auch die Einfuhr aus den Strafts Settlements hinzugerechnet wird) noch etwa den 5. Teil größer als die aus Schweden. Macht der schwedische Wettbewerb indessen auch nur annähernd dieselben Fortschritte wie in den letzten Jahren, so würde das japanische Streichholz- gewerbe schon dadurch den indischen Markt zu verlieren in Gefahr fein. Nun kommt aber noch hinzu, daß die indische Regierung bestrebt ist, Streichholzfabriken im eigenen Lande zu fördern. Namentlich setzt man große Hoffnungen auf die Begründung einer mit den neuesten Maschinen ausgestatteten Fabrik, die im Pendschab von einem Berliner, Herrn A. Roller, errichtet werden soll. Sie ist das Eigentum einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 170 000 Rs. und wird alle die Fehler zu vermeiden suchen, die es bisher mit nur ganz wenigen (8 oder 10) Ausnahmen den Streichholzfabriken in Indien unmöglich gemacht haben, mit dem ausländischen Wettbewerb zu konkurrieren. Meist hatte man sie an ungünstigen Stellen angelegt oder hatte nicht die nötigen Sachverständigen. da in) und Suzanne Gravil (Torirnene) mit gutem HumvVund glänzender Charakteristik. Das Zusammenspiel war^wie bei einer Sondergesellschaft nicht anders zu erwarten ist, genau abgestimmt und tadellos eingerichtet. Das folgende Stückchen von den „Gezierten" wurde ebenfalls sehr ansprechend wiedergegeben, aber die Att, wie der Schluß gekürzt worden war, mußte verblüffen. Was Moliöre genau begründet hat, sollte Roubaud nicht unbegründet lassen: La Grange und Tu Croisy verschwinden doch nur, um drei oder vier Raufbolde (spadassins) zu holen und nicht wie die Regie vermuten ließ, ohne jeden Grund. Was wir im übrigen über den Stil der französischen Aufführung zu sagen haben, das wurde schon im vergangenen Jahre gesagt. —ti. *• Eine Neuerung im Schulbetriebe wird durch einen Erlaß des preußischen KultuZmin i steriu mS angeordnet. Es sollen nämlich künftig in allen Schulen an den Tagen, an denen Turnunterricht oder Turnspiele nicht stattfinden, 5—10 Minuten lang Hebungen vorgenommen werden, die geeignet sind, den nachteiligen Folgen des anhaltenden Sitzens der Schüler und Schülerinnen nach Möglichkeit vorzubeugen. Sie sollen die Atmung vertiefen, die Verdauung und den Blutumlauf beleben, die Haltung verbessern usw. Die Uebungen sind im Freien vorzimehmen und dürfen nicht in die Pausen gelegt werden, gehen vielmehr zeitlich auf Kosten der anderen Stunden. In einzelnen Anstalten aller Schulaaltungen ist die Einrichtung bereits erprobt und zwar mit einem Erfolge, der die allgemeine Einführung rechtfertigt. Kreis Lauterbach. ^Lauterbach, 17. Nov. Für die ausscheidende Hälfte der Mitglieder des Kreistags des Kreises Lauterbach sanden in der Zeit vom 10. bis 17. d. Nits, die Ergänzungswahlen durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände statt. Es wurden gewählt: für den 1. Wahlbezirk Lauterbach Bürgermeister Weller, Maar; für den 4. Wahlbezirk Stockhausen Bürgermeister Eichenauer, Stockhausen; für den 6. Wahlbezirk Grebenhain Bürgermeister Ganß, Crainfeld; für den 8. Wahlbezirk Schlitz Bürgermeister Zinßer, Schlitz; für den 11. Wahlbezirk Qu eck Bürgermeister Heil, Queck. Für die verstorbenen Mitglieder Bürgermeister Schmalbach, Crainfeld, und Bürgermeister Schrimpf, Schlechtenwegen, wurden Bürgermeister Ganß, Crainfeld, und Bürgermeister Eichenauer, Stockhausen neu gewählt, während die übrigen Mitglieder dem Kreistag schon seither angehörten. Tie Ergänzungswahlen der von den 5 0 Hö ch st b est euerten des Kreises zu wählenden Kreistagsabgeordneten findet am 23. d. Alts, statt. Es scheiden aus Rittmeister Baron Hans Niedescl und Kaufmann Louis Möller von Lauterbach. — Ter Enkel des Backhaus'jchen Ehepaares hier, der 17jährige Gymnasiast Voigt aus Fulda, der vor einigen Wochen den Raubmord- versiich verübt hat, ist, wie man von glaubhafter Seite erfährt, auf dem Wege nach Amerika verhaftet worden. Der Dampfer ,George Washington" des Norddeutschen Lloyd soll ihn an Bord gehabt und in Cherbourg ausgesetzt haben, damit er nach Deutschland zurückgebracht werde. Da über den eigentlichen Vorgang bei der Tat verschiedene Ansichten herrschen, ist es nur zu begrüßen, daß der Täter dingfest gemacht werden konnte, um nähere Aufklärung über den Vorfall zu bekommen. n. Schlitz, 17. Nov. Der hier am Mittwoch abgehaltene sogen. „Kalte Markt" erfreute sich dank der günstigen Wttterung eines zahlreichen Besuches. Zwischen den Berkaussständen drängten sich in den Nachmittagsstunden tzcharen von Marktbesuchevn, namentlich viele Schlitzerländer „Mäderchen" in ihrer kleidsamen bunten Nationaltracht und junge Burschen in ihrem blauen Wams, der mit großen weißen Knöpfen verziert ist. Auch der am gleichen Tage stattfindende preußische Buß- und Bettag hatte viele Gäste aus den preußischen Orten her- gejührt, vor allem aus Salzschlirf und Fulda. Die indische Regierung hat soeben eine ausführliche Untersuchung veröffentlicht, die von Mr. R. S. Troup, einem Beamten der Forstverwaltung von Indien, zusammengestellt worden ist. Troup schätzt, daß die gegenwärtige Nachfrage nach Zündhölzern in Indien mehr als 50 ziemlich großen Streichholzfabriken neben den wenigen schon bestehenden Beschäftigung geben könnte — ja er spricht sogar die Hoffnung aus, daß der ziemlich ausgedehnte Zündholzhandel im Persischen Golf, der bisher in den Händen der Schweden lag, von Indien erobert werden könne. Jirdien besitzt seiner Ansicht nach verschiedene natürliche Vorteile für die Streichholzfabrikation: vor allem reichliche Mengen von Holz, billige Arbeitskräfte, billigen Wassertransport usw. Besonders macht er darauf aufmerksam, daß sehr viel minderwertiges Holz vorhanden sei, das für andere Zwecke ungeeignet ist, sich aber für die Zündholzfabrikation sehr gut eignet Auch könne das Holz ganz frisch zu Streichhölzern verarbeitet werden, was von großer Bedeutung sei, da eine längere Lagerung gerade in Indien die Gefahr mit sich bringen würde, daß die Holzlager durch Insekten zerstört oder doch unbrauchbar gemacht würden. Auf der anderen Seite hebt Troup auch die Schwierigkeiten hervor, die sich der Streichholzsabrikation in Indien entgegenstellen werden. Chemikalien sind dort teurer als in Europa. Das feuchte Klima gewisser Teile des Landes (namentlich auch in Birma, wo riesenhafte Waldungen wachsen) würde kein kleiner Hinderungsgrund sein, obwohl vielleicht besondere maschinelle Vorrichtungen für geeignete Trocknunysmethoden geschaffen werden könnten. Vor allem sind aber die Waldungen in Indien einstweilen anders zusammengesetzt als die meisten Wälder Europas. Letztere ent halt en in der Regel vorwiegend bestimmte Baumarten oder sind ganz und gar aus solchen zusammengesetzt. Die indischen Wälder dagegen sind aus den verschiedensten Bäumen gemischt, es ist also weit schwerer und mühevoller, bestimmte Baum- arten abzuholzen und die gefällten Stämme fortzutransportieren. Alles in allem glaubt Troup jedoch mit Sicherheit sagen ;u dürfen, daß die Vorteile die Nachteile erheblich überwiegen. Es ist also zu erwarten, daß in Indien eine Anzahl neuer Streichholzfabriken entsteht, so daß die Einfuhr aus dem Auslande, namentlich aus Japan und Schweden, stark zurückgedrängt werden wird, und daß Indien vielleicht schon nach wenigen Jahren seinerseits unter die Streichholzaussuhrländer einrückt. Die schwerste Sorge wird dadurch wohl nicht den Deutschen und nicht den Schweden, sondern den Japanern bereitet werden. Kreis Schotten. .4- Laubach, 18. Nov. Dio beiden Ortsgerichtsmänner PH. Hch. Stotz und Karl K i r ch e r schieden auf ihren Antrag aus dem Ortsgericht aus. An ihrer Stelle wurden Hch. Chr. Jochem II. von hier als Ortsgerichtsmann und Frd. Frank als Ersatzmann verpflichtet. Den beiden Ansscheidenden wurde von dem ltzroßherzog das Ehrenzeichen „für langjährige treue Dienste" verliehen. — Tie Wahlmänner des Bezirks Laubach wählten als Vertreter zum Kreistag den bisherigen Vertreter Rechner Hch. Konr. Göbel. — Die 50 Höchstbesteuerten des Kreises Schotten treten am 24. d. M. zur Wahl von 4 Abgeordneten in Schotten zusammen. Kreis Friedberg. Okarben, 17. Nov. Verschiedene j u n g e B u r s ch e n von Griesheim bei Frankfurt, die sich am preußischen Buß- und Bettag hier einen vergnügten Tag machten und bei dieser Gelegenheit ein Glas über den Durst tranken, mißhandelten, weil sie durch ihr eigenes Verschulden den Zug nach Frankfurt 9 Uhr 29 Min. verpaßten, den Hatte- stelien-Vorfreher Sommer und den Bühnsteigschassner Krllß Auf die Hilferufe der Mißhandelten eilten Leute aus der nächstgelegenen Restauration herbei und verwiesen die Radaumacher zur Ordnung. Bei der Antunst des Zuges am dem Frankfurter Hauptbahnhof wurden die Burschen verhaftet. lHan lese den Eichener Anzeiger gröhle und reichhaltigste Tageszeitung Gberheffens. Alle Briefträger, sämtliche Zweigstelleninhaber und die Geschäftsstelle in Gietzen, Schulstratze 7, nehmen Bestellungen auf den Giehener Anzeiger entgegen. Starkenburg und Rheinhessen. R. B. D arm stad t, 17. Nov. Das Großherzogliche Hoflager ist heute vormittag von Jagdschloß Wolfsgarten wieder nach Darmstadt verlegt worden. Auch Prinz unb Prinzessin Heinrich werden noch einige Zeit in Darmstadt bleiben. — Eine angenehme Ueberraschung hat der Kaiser von Rußland der Zarin bei der Rückkehr nach Rußland bereitet Der Zarin hatte bei einem ihrer Besuche im Neuen Palais besonders gut ein Pastellbild des Großherzogs gefallen. Auf Befragen erfuhr der Zar, daß der Künstler, der hiesige Kunstmaler Adolf Beyer, noch ein zweites, ganz ähnliches Porträtbild des Groß- Herzogs angesertigt habe. Der Zar ließ dieses Bild durch Herrn Hosmarschall Frhrit. v. Ungern-Sternberg erwerben und sofort nach Sarsloje-Selo senden, wo der Zarin bei ihrer gestrigen Antunst das Bildnis ihres Bruders als erster Gruß aus der Heimat enlgegenwinite. d. Mainz, 17. Nov. Drei Ha ndwerksbur scheu trafen heute nacht einen fremden Fuhrmann, der sich in Mainz einen vergnügten Tag gemacht hatte. Die Handwerksburschen führten den Fuhrmann in verschiedene Wirtschaften und plötzlich waren sre verschwunden. Der Fuhrmann bemerkte, daß ihm sein autgefülltes Portemonnaie verschwunden war und machte sofort auf der Polizei Anzeige. Schutzmann Schmitt 11. ließ nun [einen Hund „Teil" Witterung nehmen, dann gings hinaus durch verschiedene Straßen. Nach ungefähr 20 Minuten drang der Hund in einen entfernt liegenden Hof in der Weintorstraße ein. Dort holte er einen der Handwerksburschen, der sich unter einem Wagen versteckt halte, hervor, bei dessen Untersuchung sich das ge,whlene Portemonnaie mit Inhalt vorfand. Hessen-Nassau. () Marburg, 17. Nov. Zu der am Montag unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Redlich beginnenden Schwurgerichtsperiode liegen folgende Falle vor: Sattlermerster Herrn. Hänschen aus Marburg, Todschlagsversuch; Arbeiter Alb. Warsika aus Sardovia und Arbeiter A, Ium s ch i ck aus Tunjastovecke, Raub; Knecht Dan. Neebe unb Spengler Justus Lankel aus Sterzyausen, Sittlichkeitsverbrechen; Arbeiter Rommel aus Borten, Raub. — Ein internationales Damenlomitee veröffentlicht in der Fuldaer Zeitung einen Aufruf zum & au einer katholischen Elisabeth kirche in Marburg. Die Marburger sbatholtten haben schon vor Jahren in der Nähe der Elijabethiirche, welche der evangelischen Gemeinde zu- steht, ein großes Baugelände zu gedachtem Zwecke erworbm. <ßcrid?i»faaL Berlin, 17.. Nov. Der Beleidigungsprozeß Dr. meb. Kremer gegen den Geh. Regierungsrat, vorjährigen Rektor der Berliner Universität Prof. Dr. Erich Schmidt und den Archivar Dr. Minde-Pouet anläßlich der Herausgabe der Heinrich von Kl e ist b riese endeie heute naa) mehrstündiger Verhandlung vor dem Schöftengericht am Amtsgericht Berlin Mitte mit einem Vergleich, in dem die Parteien die gegenseitig erhobenen Vorwürfe mit dem Ausdruck des Bedauerns zutticknahmen und sich bereit erklärten, die gerichtlichen Kosten je zur Hälfte zu tragen. Plauen (Vogtland), 17. Nov. Wie die „Neue Vvgt- ländftche Zeitung" meldet, ist der Weber Robert Gerbeth ans Untertriebel i. V., der am 17. August seine 77jährige Schwiegermutter getötet hatte, vom Schwurgerrcht zr Plauen wegen Totschlags zu 14 JahrenZuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden. R. B. Darmstadt, 17. Nov. Das Kriegsgericht der hessischen Division oerurteiltc heute den Gemeinen des Leibgardo- Drag.-Rgt. Nr. 23 Johann Ziergiebel aus Zeilhard! i.O. wegen Fahnenflucht, Ungehorsams, Preisgabe von Dlenftgegen- stäirden und Unterschlagung zu acht Monaten G e s ä n g u r s. unter Anrechnung von zwei Wochen Untersuchungshaft, und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Der im dritten Jahr dienende Angeklagte kam dem Befehl, sich s. Zt. in das Lazarett zu begeben, nicht nach und ging dann aus Furcht vor Strafe flüchtig. Er entledigte sich seiner Uniform durch Weg- wersen unb Vertauschen gegen Zivilkleider, hielt sich einige Zeit in Luxemburg auf und stellte sich dann der Behörde. Überall erhältlich Auergoscllschaft, Berlin 0.17 zur Amtliche Bekamltmachmrgeu der Stadt Gießen Darmstädler Hübel nur die Dauer von 6 Jahren anoerweit der Rodheimer Straße am Schlachthof- Gärtnerei Lsuiz geeiter mrr Kaifcr-Allec 13. 09665 Telefon 124. 5. gennnnleu xeriiuu dorthin einzureicoeir (BV* cui Buch/ em vanotörochen. lß^/u und Liushilislellner, 1 Zimmermädchen. bul!Xv Lu haben bei 'i 2. a 4. weltberühmt durch ihre Formenschönheit, Solidität und ihren billigen Preis liefert Ihnen vollständigfrei ins Haus unter Garantie D24/e] von 10 Jahren das Saasen. Erft vor wenigen Wochen wurde die Erinnerung an den Kalendermann, den Schulmeister Justus, ein geborener Grünberger, auf dem Veitsbcrg bei Saasen festlich begangen und heule schon ist der Verkauf des alten S ch u l h a u s e s auf dem Veits berg, in dem Justus gewohnt hat, angez-eigt. Tas Haus soll noch im November zum Verkauf kommen. Hat denn die Gemeinde Saasen nicht so viel für ihren vortrefflichen alten Schulmeister Justus übrig, daß sie die alten Schulgebäude als Eigentum behält, damit diese in dem Zustand verbleiben, wie sie der Kalendcrmann verlassen hat. Wir wissen nicht, was die Gemeinde Saasen veranlaßt, diese ehrwürdige Stätte in andere Hände zu geben. Wir hoffen, daß von der Regierung schon aus dem Gründe der Denkmalspflege Veranstaltungen getroffen werden, daß die alte Schulhofreite der Gemeinde als Eigentum verbleibt. x)ii den Wagen der imötiiajeii Vttagenbahn wurden m der Zeit vom 12. September biß 15. 'Jtoucuibvv ds. Is. nachstehende Gegensiande oeiiuiöeii: 4 Bamenschirme, 5 Spazicrstvcke, 1 Damcnhandiasche, 1 Strickbeutel, 2 aar Dainenhandschuhe, 1 Reiseiaiche, 1 Ledermappe, Die zur Grweiierung der Schlachthoianlage erforöeruche Herstellung von qm Aipvalt uuoooeu wu Samsrag den 26. November, vormittags 10 Ubr, öffentlich vergeben werden. Die Unterlagen liegen auf unserem Hochbauamt zur Einsicht offen. Angebote aus Vordruck, der daselbiS erhältlich, üuö b.s zum VIS ITKA RTEN ln iecLer beiichigen Schriftart und Kanonsorte, - r——sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen fyfert zu mäßigen Preisen die BrühTsche Univ.-Druckerei, verpachtet. Zusammenkunft aus eingang. Die am 27. Oktober ^kirchliche Nachrichten. lLva.uje.ifche vjetiuiiiue. 26. Sonnrag nach T'rinitatis, den 20. November: Totenfest. Gottesdienst. In der Staöu.rehu Vormittags SV, Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Beichte und heil. Abendmahl für die Militärgememde. Pfarrer S ch ,v a b e. Naci mittags 2 Uhr: Ninderkirche für die Alarkusgememde. (Dl*/U Ludwig Steinhäuser. katholische Gemeinde. Gottesdienst. Samstag den 19. November: Nachmittags um ö Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit heil. Beicht. 1 Sonntag den 20. November. Dermifcbte». * Tie totale Mondfinsternis in der Nacht zukn Donnerstag konnte in Berlin trotz des teilweise bewölkten Himmels gut beobachtet werden. Besonders bei dem Eintritt der totalen Verfinsterung war der Himmel vollkommen klar. * Ein hartnäckiger Gast. Eine amüsante Episode von allnl weitherziger Gaslireiheit erzählt Vico Mantegazza in der .Nastone" von einem eiitieriiten Verwandten, dem italienischen Eommendatore Znccani, der jahrelang m London ein großes Hans machte. Zuccani hatte m London eine Spiegelfabrik gegründet, wurde dann aber Bankier, verdiente Millionen und erbaute fich am Euston Lqnare ein schloßartiges Heim, das durch teilte Gastfreibett besonders in der italienischen Kolonie berübint war. Wer immer zur Zeil des Tiners ins Haus kam, blieb ohne Umstände auch zu Tisch, und sehr viele besuchteit Zuccani häufig, weil man eben dort gut und bequem essen konnte. Blanche kamen monatelang last täglich, aber den Rekord hielt doch ein hartnäckiger Gail, der, Ohne mit Zuccani näher bekannt ztl sein, jahrelatig täglich zuin Diner erschieti. „Sehen Sie/ so erzählte Zuccani einst lächelnd, und wies auf diesen treuen Freund, »den habe ich vor zwei Jahren emmal zu Tisch entgeladcn, und er nahm ohne weiteres an, daß die Einladung auf ewig gelte. Er fehlt nie." Wenn der Eommendatore verreiste oder einmal außerhalb seines Hauses aß, so wurde dem hartnäckigen Gast allein jein Tmer serviert, und wenn er selbst — was übrigens seltener vorkam — -verhindert war, dann verfehlte er nie, durch einen Brr ei höflich imilzmeilen, daß es ihm „beute zu seinem größten Bedauern nicht möglich sei, der liebenswürdigen Einladung Folge zu leisten". N.lt der Zeit fühlte er sich heiniisch und begann die Dienerschaft zu tnianutfieren. Paßte ihm das Meliü nicht, so wandte er sich ohne weiteres an den Hausmeister und äußerte vorwurisvoll: ,Ja, schämen Sie sich denn gar nicht, an der Tafel eines Zuccani eine solche. Wirtshauskost zu servieren?" Unö der freimütige Gast- Heber amüsierte sich köstlich, winkte dem Haushofmeister zu, und Las beaniinnöete Gericht kam nicht meljr auf den Lisch. * Ameisenspinnereien. Tas bisweilen beobachtete Zusammenspinnen zweier benachbarter Blätter durch Ameisen ist Milcht das Werk eines einzelnen Tieres» sondern einer ganzen Menge von Arbeiterameisen. Diese stellen sich, wenn der Ptan zur Arbeit gefaßt ist, auf dem einen Blatt in einer Reihe auf, wobei sie den Kopf dem anderen Blatt zuwenden. Indem sie sich an dem ersten festkrallen, ziehen sie das zweite mit ihren Ober- liesern heran — so lange, bis die beiden Blätter sich berühren. Ist dies erreicht, so eilen andere Ameisen herbei; jede von ihnen jträgt eine Larve zwischen den Oberkiefern. Diese Ameisenlarven fl)ab en sehr enrwickelte Spinndrüsen und ihrer bedienen sich die Arbeiterameisen wie eines Weberschiffchens: indem sie die Larven Zum Totenfest empfehle in geschmackvoller Ausführung Kränze, Buketts re. in natürlichem und künstlichem Material bei billigster Berechnung. ICircbc und Schule. Dresden, 17. Nov. Die „Sächsische Volkszeitung" schreibt: Wie bekannt, führte wegen der durch die Schristdes M s g r. de Math i e s dem König z u g e f ü g t e n Verunglirnp-- fung der Bischof Dr. Alohs Schäfer unmittelbar beim Papst in einem Brief, den der königlich sächsische Kammerherr, päpstliche Geb. Oberkämmerer Exzellenz Ernst von Schönberg überreichte, Klage. In einem eigenhändig abgefaßten Schreiben antwortete daraus der Papst, der erst durch den Brief des Bischofs Kenntnis von der Angelegenheit erhielt, daß er mit dem Bischof über die schwere Ungerechtigkeit, die dem König zugefügt worden ist, tief betrübt sei und daß er sobald als möglich einen öffentlichen Widerruf und eine Entschuldigung seitens desMsgr. de Mathies herbeiführcn werde. Zum Totenfest empfehle in grosser Auswahl Wald-, Natur-präparierte, sowie trische Kränze, frische Chrisan- themam-Blamen usw. zu billigen Preisen. [6293 Car3 Voäk, Friedhofsgärtnerei iJeher Strasse 7 Herbstkontroll-Versammlung. Es haben aus der Stadt Gießen auf dem Hofe der alten Kaserne am Landgraf Pbilipp-Blatr zu erfchclucn: L Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamte der Reserve. lKlemer Dienstanzug),- 2. Die Mannschaften der Reserve, sowie die zur Disposition der Lruppenieile und Ersatzbchöröen Enilassenen aller Waffen, einschließlich nur Garnisonöienstfahigen und zeitig Feld- und Garulsondienst u n fähigen- 3. Dieienigen der Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, tucldjen em besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbsttontrollversammlung zu geht,- und zwar: 23. vtovember, 2 Uhr nachmittags, Jahrgänge 1903 und 1904 aller Waffen, sowie die unter Nr. 3 Ausgeführten iLanöwei r I. Aufgebots>, denen em besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Kontrollversammlung zugeht. 24. November, V llbr vormittags, Jahrgänge 1905 und 1906 aller Waffen. 24. November, 2 llbr nachmittags, Jahrgänge 1907 bis 1910 aller Waffen, sowie die oben unter Nr. 1 Aufgeführteit aller Jahrgänge und Waffen der Reserve (Cfiuicrc vp.). Jur die auf Bahubof Gießen beschäftigten Beamten und Arbeiter auf Babnbof Gießen. 26. November, l) Ubr vormittags. Sämtliche Mannschaften, soweit sie nicht von der Bahn als nnablömmlich bezeichnet werden. Tie Eriatt-Rcjcrvijtcu baden bei der Hcrbntontrouver- fammlung u i ch t zu cricycincn. Es wird folgendes erinnert: 1. Befreiungsgesuche find bis spätestens 8 Tage vor dem Appell durch den Bezirtsfeldivebet des Haupimeldeamts eitizureichen und müssen durch die Burgermeiiteiei bezip. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein. Berücksichtigung kann nur m den dringendsten Z allen stattfindew <;ufammenkunft auf dem Schiffenberger Weg, Ecke der Bergstr. Mtttoch den 23. November, nachmittags 2l/2 Ubr beginnend, werden verschiedene Grundstücke der Armeittasse und des städtischen Hospitals am Hohleichweg, bei dem Schlachthvs, iin Neustadterfeld und in der Schwarzlach e,,; Sin """ u cv-'(*—x——-- _ _______ stattgefundene Verpachtung von Triebviertel und sonstigen Grundstücken iit genehmigt. Die Pächter tut den aufgefordert, binnen 6 Tagen auf der Bürgermeliteret, Zimmer vir. 15, Bürgschaft zu leinen. B15/u zftädtischer jtfrbeitsnaehuteis giessen Aflerweg 9. Es können eingestellt werden: a. bei hiesigen Arbeitgebern: 1 Garnier, 1 Schneider, 2 Schlößer, 1 Schuhmacher, 1 Spengler, 2 Möbelfchreiner, 2 Dienstmädchen, 3 Laufmadchen. Lcbrtingc: 1 Kellner, 1 Jriseur. Gau- uns Schauttvtttschattsperional: IKöchin, IHausbursche. b. bei auswärtigen Arbeitgebern: 1 Schmied, 1 Glaser, 1 Spengler, 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 1 lanmvtrtschafil. Knecht, 1 landw. Diennmagd, 1 Dienstmädchen. ES tuaic» arbeit: 3 amtier, 1 Gärtner, 1 Steinmetz, 2 Buchbinder, 1 Küfer, 1 Wagner, 1 Eisendreher, 3 Bauschreiner, 1 Schmied, 2 Bau- tcbloiier, 3 Heizer unö wiaschininen, 4 Annreicher unö Weißbinder, 2 Knechte, 4 ^ansburschen, 12 Laglöyner, 4 'Putz- unö Vnunruueit, 3 Waichsrauen, 2 ^aiidttiilgSgehilsen, 2 Schreiber, 2 Kassierer oder üagerarveiier, 1 Adressenschreiber. Lcbrttuge: 1 Schloner. Gatt- u. schantwttttchaftsvcrional: 7 Kellner, 10—12 Lohn. zwischen den beiden Blätkern immer wieder hin- und herführen, weben sie diese allmählich zusammen. In den „Archives des Sciences Phhsiques" ergänzt der Lausanner Naturforscher E. Bugnion diese von Franz Doflein gemachte Beobachtung noch durch die Schilderung, wie die Ameisen in Fällen, in denen die Lücke zwischen den Blättern zu breit ist, so daß die Prozedur in der geschilderten Weise nicht ausgeführt werden kann, förmliche Ketten bilden, die den Zwischenraum überbrücken und die oft aus Ninf bis sechs Individuen bestehen. Jedes Insekt hält seinen Vordermann mit den Oberkiefern bei der dünnen Taille gepackt. Solcher Ketten werden viele nebeneinander gebildet und es können auf diese Weife Blätter zusammengesponncn werden, die durch Zwischenräume vvn mehreren Zentimetern getrennt find. ^Diplomatisch. . Aber, lieber Mann, es ist sehr unrecht von dir, daß du so über die Schwiegermütter schimpfst — es gibt doch auch gute!" — „Ereifere dich nur nicht, Elise! Ich habe ja nichts gegen deine Schwiegermutter — ich schimpfe ia nur über die meine!" Montag den 21. November, abends 8 Uhr: Versammlung der konsirmterten weiblichen Jugend der Dchtthansgemeinde. Donnerstag den 24. November, abends 8 Uhr, im MarkuSsaal: Bibelstunde. Bilder ans dem Leben Jesu. _ Pfarrer Schwabe. Freitag den 25. November, zur Feier des Ge bnrtstages Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs: Vormittags 98/< Uhr: Vereinigter Zivil- und Niilitärgottesdieitst. , Pfarrer Schwabe. Nachstkünftigen Sonntag den 27. November, als am 1. Advents findet jm Hanptgottesdienit Beichte und heil. Abendmahl für Ncatthans- und AlarkuSgemeinde gemeinsam statt. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Weitere Abeiidmahisfeiern werden gehalten am 2. Advent für bie Matthäusgememde und am 3. Advent für die Markusgenieinde, jedesmal im Abendgottesdienst, wozu besonders auch die fonftr- mierte Jugend eingeladen wird. 3n der Zohanne5kirche. Vormittags S'/r Uhr: Pfarrer A u s f e l d. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. _ , Pfarrer Ausfeld. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. 3n der alten Friedhosstapelle. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Abends 71/, Uhr: Versammlimg der konfirmierten männlichen Jugend der Lnkasgemeinde. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johaunessaal. Montag den 21. November, abends 8 Uhr: Versammlung deS Frauenvereins der Johannesgemeinde im Johannessaal. Mittwoch den 23. November, abends 8 Uhr: Bibel-iMisflons-f stunde im Johannessaal. Pfarrer Ausfeld. Nächstkün'ttgen Sonntag den 27. November, als am 1. Advent, findet im Hauvtgottesdienst Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Weitere Ak-endmahlsfeiern werden gehalten am 2. Advent für die Lukasgemernde und am 3. Advent für die Johannesgemeinde, jedesmal im Avendgottesdieust, wozu besonders auch die fonftr- mierte Jugend eingeladen wird. Nächstkümtigeii Sonntag den 27. November wird in beiden Kirchen eine Kollekte zum Besten der Kirchenkassen erhoben werden. Heute, Freitag den 18. November, nachm. 51/, Uhr: Versammlung der konfirmierten werblichen Jugend der Johannes gemeinde im Johannessaal. Srädt. Wohnuttgsuachwcis Gießen, Asterweg 9. 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Messe mit Predigt. Mililärgoltesdieust. Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre: darauf sakramentalische Brudci. schafts-Andacht. Freitag den 25. November, am Geburtstage Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs, ist um 91/, Uhr Attlitargottesdienst. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Arttkel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Zu Ihrem in Nr. 267 Blatt 2 veröffentlichten Artikel „Einbrecher und Nachtwächter, ein zeitgemäßes Thema für Gießen" möchte ich als Leser Ihres gcsch. Blattes folgendes bemerken. Meiner Beurteilung nach wäre eine Organisation des Nachtwachdienstes durch die Bezirks vereine vollständig verfehlt. Was nützen der Allgemeinheit vier Nachtwächter, die je mit einem Fahrrad und Polizeihund ausgerüstet sein sollen? Rcin gar nichts. Oder denkt vielleicht der Schreiber des Artikels, daß sich die Einbrecher erst auf der Straße so lange aufhalten und sich verdächtig machen, bis der Nachtwächter aus seinem Fahrrad mit Polizeihund ankommt? Bei sämtlichen erwähnten Einbrüchen (Hoffmann-, AZilhelmstraße und Ost-?lnlage) steht fest, daß der oder die Einbrecher von der Rückseite der Häuser gekommen sind und auch ihren Wea wieder zurück genommen haben, irifolgedessen könnte nur ein Nachtwachdienst in Frage kommen, der die Grundstücke (Häuser, Gärten usw.) von Zeit zu Zeit gründlich nachsehen würde. Nach meiner Erkundigung bei der hiesigen Wach- und Schließgesellschaft hat dieselbe fünf Wächter im Dienst. Wenn eben die 9111 gemein6cit eine größere Sicherheit wünscht, sollten sich hauptsächlich die Villenbesitzer dieser Organisation anvertrauen. Durch vermehrte Anschlüsse bei der Wach- und Schl^eß- gesellschaft wäre es ihr möglich, auch mehrere Wächter einzustetlen und die Sicherheit würde dadurch eher erhöht werden als durch einen Nachtwächter mit Fahrrad. Der Leiter der hiesigen Wach- und Schließgesellschaft bedauert nur, daß ihm noch soviel Mißtrauen entgegen gebracht wird, was ja durch verschiedene Vorkommnisse bei Anderen Gesellschaften teils wohl gerechtfertigt wird. Der Beweis ist aber auch gebracht, daß sich das hiesige Institut bei seinen Abonnenten des größten Vertrauens erfreut. „Sanella“ vegetabiler Reform-Buuer-Ersatz, iemuc ^üanzeii-Bunei-Mar' narine, schäumt und bräunt wie Naturbutter, ä Piunö 90 Pfg. Darmstädter Möbel - Einrichtung shaus Ifldwig Stritzmg« Kunstgewerbliches Etablissement für Innenausstattungen Telephon 1441 DARMSTADT EelDrichstr.67 Portofreie Zusendung meines Prachtkataloges. Jeder Koutrollpflichtigc ersieht öie Jahreötlasse, zu der er gehört, auf Dem Teckel seines Militarpasseö. Die Wiiluärpan'e nut einnetlebier roter Knegsbeoröerung bezw. Pavnotiz unö Führungszeugnis finö mttzubringen. Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen, Stocke, Schirme, Pfeifen unö Zigarren unö vorher weg- zutegen. Sämtliche Mannschaften stehen während des ganzen Kontrolltages bis emschließtich Acitteriiacht unter dem Militär- gesep. Demgemäß werden auch llnpunltlichkeit und Ver- fäumnts der Kontiollverfammlung bestraft.iß15/,. Montag, 21. November, vormittags 9 Ubr beginnend, werden etwa 130 städtische Tricbvicrtel zwischen KaiserMllee und Mittelweg gelegen sowie ein eingefriedigter Garten am oberen Eichweg aut 6 Jahre meistbietend verpachtet. Zusammeittunst auf der Kaiser-Allee, Ecke der Wolfstraße An demselben Tage, nachmittags 2‘/2 Uht beginnend, werden verschiedene Grundstücke unö Gärten der Stadt, der Armenkasse unö des Hospitals auf dem Nahrungsberg, am Altenfeldweg, am öttegelpfad, auf dem Settersbreg und am Aulweg auf öie Dauer von G Jahren anderweit verpachtet. Candwirtfdiaft München, 17. 9Zr>D. Nach amtlicher Mttteiluna wird die Einfuhr von Schlachtrindern und Schlacht- schweincn aus Frankreich nach Bayern in einigen Tagen mit der Maßgabe gestattet werden, daß wöchentlich eingebracht werden dürfen: in den Schlachthof Augsburg 100 Rinder und 100 Schweine; Hof: 50 Rinder und 200 Schweine; Kaiserslautern: 100 Rinder und 200 Schweine; Ludwigshafen: -150 Rinder und 200 Schweine; München - 500 Rinder und J400 Schweine; Nürnberg: 300 Rinder und 400 Schweine und «Regensburg: 70 Rinder und 100 Schweine. Ter Einführende 'bat spätestens fünf Tage vorher bei der Schlachthofdirektion des -Bcsttmmungsortes unter Angabe der Stückzahl anzufragen, ob die Zulassung nach Maßgabe des Wochenanteils gestattet werden ftann. Die Pflege der Stimme erweist sich immer mehr als ebenso notwendig wie diejenige etwa der Hände und der Zähne. Unter allen Mitteln, die eine klare freie Stimme schaffen, wohltuend auf Hachen und Half wirken, üblen Geruch aus dem Munde nehmen, hat sich keines nur annähernd so verbreitet und behauptet, als die in ihrer Wirkung unvergleichlichen Wybert-Tabletten. Sie gehören zum eisernen Bestände jedes Haushaltes, wie Seife und Zahnpulver. Die lange ausreichende Schachtel kostet in allen Apo- heken 1 Mark. Depot in Giessen: Peliknn-Apotheke, Kreuz 2 Kuoerts mit Firma billigst vrühl'sche Unioersitätr-Vruckerei. R. Lange. Gießen Die Samen rönnen aut dem Bureau des ElektrizitälSwertes und der ^.iratzenoaun, Lahn«.rage 28, in rrmpiang geno.mnen iveroen. In ocr Zen vom 21. bis euucyi. 30. uomcuibcr lüiu werden die sänulichen uaot. «ttraircutanuie gcivutt. Wahrend dieser Liett huö öie r/tucmauvcrschlüsse an Grund- I stllcksenuvnfsermigen oerschlossen zu hauen. Z»r MtrirdiML „®iuge, keine Politik betreibende Wähler" haben gestern empfohlen, zwei seitherige verdienstvolle Stadtverordnete wieder zu wählen. Wo bleiben die übrigen seitherigen verdienstvollen Stadtverordneten? Der ruhig überlegt und versönlich denkenden Wählerschaft können wir nur empfehlen, sich durch politische Streitigkeiten und einseitige Jnteressenpolitik nicht beirren zu lassen, sondern in erster Linie für die Männer cin^iitrcten, deren seitherige erfolgreiche Tätigkeit Bürgschaft dafür bietet, daß sie die Interessen ihrer Vaterstadt kennen und zu vertreten wissen. Wir empfehlen daher zunächst die Wiederwahl sämtlicher seitherigen Stadtverordneten, nämlich die Herren: Rentner Karl Brück Fabrikant Herrn. Eichenauer Kommerzienrat L. Emmelius Spenglermeister K. Ang. Faber Justizrat Wilh Grünewald Rentner Friedr Helfrich Weirrhändler Friedr. Helm Architekt Ludw. Huhn Reallehrer Karl Jan» Schreinermeister Karl Orbig Die Auswahl der drei weiteren Herren überlassen wir dem gesunden Sinn der Bürgerschaft. »-/u Viele Freunde einer ruhigen EulMung der ML Beamte denkt daran, welche Stadtverordneten für Euch ein- getreten find, als nach der letzten Stadtverordneten- wahl man Vorwürfe gegen Euch häufte, weil Ihr an der Agitation Euch beteiligt hättet! D,/t, Denkt daran, wer jeweils gerecht und freimütig für Euch das Wort nimmt! Aus rein sachlichen Gründen empfehlen wir zur Wahl die seitherigen bewährten Stadtverordneten: Fr. Hclm H. Eichenauer Grünewald Sie haben dem Wohle der Stadt treu gedient, sind unabhängige Männer und haben Anspruch auf den Dank der Wählerschaft. Den Machenschaften kleiner Jnteressentengruppen wird es nicht gelingen, sie zu verdrängen. Viele Wähler. Zum Totenfest empfehle Kränge und Kreuze in geschmackvoller Ausführung bei billigster Preisstellung. Otto Müller, Handelsgärtnerei u. 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