Nr. 24« Zweites Blatt 160. Jahrgang Donnerstag 20. Oktober 1910 Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag». Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UnwersuätS - Blich- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Die „Gießener Kamiliendlätter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „tondwirtschaftlichen Seit- fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: e^5L Redaktion: e-qK 112. Tel.-AdruAnzergerGießen. Mark. Nichttätige Gesellschaften mit beschränkter Haftung bestanden am 30. September 1909 2479; von ihnen befanden sich 1970 mit 305,16 Millionen Mark Stammkapital in Liquidation und 509 mit 72,11 Millionen Mark Stammkapital in Konkurs. Die Geschästsergebniffe der deutschen Attien- gesellschaften im Zähre 1908 09 Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht in einem Er- pänzungshest zu den „Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reick-s" eine eingehende Arbeit über die finanzielle Gebarung Der deutschen Aktiengesellsä>aften im Jahre 1908/09. Diese Arbeit ist eine Fortsetzung der erftmalig für 1907/08 bearbeiteten Statistik. Von den am 30. Juni 1909 vorhandenen 5187 Aktiengesellschaften (mit Ausschluß der in Liquidation oder in Konkurs befindlichen) tarnen für die Rentabilitätsstatistik 4579 sogenannte reine Erwerbsges-ellschaften in Betracht. Denn auszuscheiden waren alle (Mel Hefa ft en mit nicht-wirtschaftlichen Zwecken, solche, die satzungsgemäß die Gewinnerzielung oder Dividendrmoerteüung ausschließen oder beschränken, endlich solche, deren Bilanzen nicht oder lückenhaft veröffentlicht wurden, ohne daß durch Rückfragen Aufklärung zu erzielen war. W Das einge^ahlte Aktienkapital der 4579 Gesellschaften betrug am Tage des Bilanzabschlusses 13 200,57 Millionen Mark. Die echten Reserven beliefen sich auf 2858,64 Millionen Mark = 21,7 vH. des eingezahlten Aktienkapitals. Bon jenen 4579 Gcsell- ^aften waren für 3060,62 Millionen Mark Obligationen im Die Statistik für 1908/09 verzeichnet: a) 3688 Gesellschaften mit Jahresgewinn, b) 809 mit Jahresverlust und c) 82 ohne Jahresgewinn oder -Verlust. Bei den Gesellsck>aften zu a) bellet sich der Jahresgewinn aus 1233,05 und bei denen zu b) der Jahresverlust auf 118,53 Millionen Mark, so daß der Jahresmehrgewinn von sämtlichen 4579 reinen Erwerbsgesellschaften, 1114.52 Millionen Mark betrug. Vergleicht man diesen Betrag mit dem eingezahlten Aktienkapital, so ergibt sich für die Gesellschaften eine Rentabilitätsziffer von 8,57 vH. und wenn man zweckmäßig erweise das ganze Unternehinungskapital (Aktienkapital + echte Reserven) berücksichtigt, eine Ziffer von 7,03 vH. (gegen- über 10,11 und 8,35 vH. für 1907/08). Will man die Geschaftsergebnisse der Aktiengesellschaften vom Standpunkte der Aktionäre aus kennen lernen, so bieten die Zahlen für die ausaeschütteten Dividenden einen gewissen Anhalt. Von den 4579 reinen Erwerbsgesellschaften verteilten im Jahre 1908/09 3271 Gesellschaften Dividende. Dies taten im Zahre 1907/08 von 4578 Gesellschaften 3425. Die Dividendensumme betrug im Jahre 1908/09 959,70 Millionen Mark gegenüber 1022,60 Millionen Mark im Vorjahre. Auf das Mvidende- berechtigte Aktienkapital aller reinen Erwerbsgesellschaften machte dies 1908/09 7,38 vH. unh 1907/08 8,07 vH. aus. Dieselbe Quelle enthält eine Uebersicht über die Aktiengesellschaften, Gesellsck^aften mit beschränkter Haftung und sonstigen in deutschen Handelsregistern eingetragenen juristischen Personen am 30. September 1909. An diesem Tage waren im Deutschen Reiche 5222 tätige, d. h. nicht in Liquidation oder Konkurs befindliche Aktiengesellschaften mit einem nominellen Aktienkapital vön 14 737,33 Millionen Mark vorhanden; hierunter befanden sich 98 Kommanditgesellschaften auf Aktien mit 600,94 Millionen Mark Kapital. Die 5222 tätigen Gesellschaften hatten im Deutschen Reiche 1943 eingetragene Zweigniederlassungen, die sich auf 679 Gesellschaften verteilten. Bis 1 Million Mark Aktienkapital wiesen 2820, darüber hinaus 2402 tätige Aktiengesellschaften aus. Am 30. September 1909 waren 368 nichttätige Aktiengesellschaften einschließlich Kommanditgesellschaften auf Aktien vorhanden, nämlich 288 in Liquidation und 80 in Konkurs mit 356,43 und 47,23 Millionen Mark Aktienkapital. Von den erstmalig von der Reichssbatistik behandelten Gesellschaften mit beschränkter Haftung gab es an jenem Tage 16 508 mit einem Stammkapital von zusammen 3538,52 Millionen Mark, von diesem Betrag entfielen 1500,29 Millionen Mark — 42,40 vH. auf Sacheinlagen. Jene 16 508 Gesellschaften hatten im Deutschen Reiche 982 eingetragene Zweigniederlassungen, die sich auf 587 Gesellschaften verteilten. Von den 16 508 tätigen Gesellschaften mit beschränkter Haftung hatten 3479, also etwa ein Fünftel, ihr Stammkapital nur aus den gesetzlichen Mindestbetrag von 20 000 Mark festgesetzt. 15 334 Gesellschaften hatten ein Stammkapital unter und 1174 Gesellschaften ein solches über 1 Million Aus Stadt und Land. Gießen, 20. Oktober 1910. ** Ruhestandsversetzung. Der Großherzog hack den evangelischen Pfarrer und Dekan, Kirchenrctt sWentin Schrimpf zu Butzbach auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste und unter Verlerhung der Krone Kum Ritterkreuz 1. Klasse des Ikirche und Schule. Gießen, 19. Okt. Der Vortrag des Herrn Erzberger- Basel nn Gasthaus &um Löwen über „Kommt Christus nxh einmal“ oder „Wann kommt die Vergeltung" erfreute sich eines ziemlich guten Zuspruck)s. Es erscheine heutzutage fast als Ironie, so führte der Vortragende aus, wenn man von einer Wiederkunft Christi spreck>e, in einer Zeit, wo die Tatsache bezweifelt werde, ob denn Christus überhaupt gelebt habe. Das erste Kommen. Clxristi könne keinem Zweifel unterliegen. Wie aber steht es mit dem zweiten Kommen unseres Heilandes? Wer die Bibel genauen auf diese Frage, prüfe, dem werde die klare, unzweideutige Antwort zuteil, die and) Christus selbst seinen Jüngern als letztes Trostwort gegeben hat: „Ich will wiederkommen!" Die Propheten des alten Testaments und die Apostel bezeugen es. Die Wiederkunft Christi sei wörtlich aufzufassen. Das zweite Kommen Christi sei sür den Gläubigen die Zeit seiner Belohnung. Wann Christus wiederkomme, das wisse niemand. Doch werde an gewissen Zeichen, die Christus selbst anaibt, die Zeit seines 2. Kommens erkennbar sein. Trum müsse allen Christen zugerufen werden: „Wachet!" Aus Ob er Hess en, 19. Okt. Gestern tagte im Hotel Drapp zu Friedberg die Evangelische Konferenz für das Großherzogtum Hessen (die sog. Friedberger Konferenz). Der angekündigte Vortrag des Professors Wurster zu Tübingen, früher am evangelischen Predigerseminar zu Friedberg, über das Thema: LebenoigeGemeinden, eineLebens- frage b e r evangelischen Kirche, hatte eine große Anzahl Geistlicher und Laien angelegen. Der Vortragende führte aus: Lebendige Gemeinden sind nicht bloß kirchlich, sondern vor allem seelsorgerlich und karitativ tätige. Sie zu bekommen, ist eine Lebensfrage der deutschen evangelischen Volkskirche; denn nur dann bekommen wir in unseren Gemeinden soziale Gebilde mit anziehender und zusammenhaltender Kraft; nur dann kann die erforderliche ganze Arbeit auch wirklich geleistet werden; nur dann wird die Gemeinde bewahrt vor innerlicher Lähmung und äußerlicher Zerreißung durch Richtungsunterschiede; nur dann kann das allmählich zunehmende Zurücktreten der ftaatlid^i Rechtshilfe statt zu schaden, Vorteile bringen. Das Prinzipale Mittel hierzu bleibt die lebendige, überzeugte Wortverkündigung, wobei der Pfarrer Hilfsarbeit aus der Gemeinde sich verschaffen muß. Besonders ist mannigfaltige Mitwirkung der Gemeindemitglieder nötig zur Liebes- und Zuchtübung (nicht im Sinne von Kirchenzucht), zu einer alle Klassen und Stände verbindenden Geselligkeit. Die Hilfe muß auf dem Wege der Freiwilligkeit gefunden werden. Die freien Vereine sind als Hilfsmittel und Uebungsfeld der Gemeindepflege wichtig. Umfang und Art der Arbeit, ebenso das Maß direkter tätiger Beteiligung des Pfarrers richtet sich nach den Gemeindeverhältnissen. Drei Stücke rät der Vortragende anzustreben: 1. Seelsorgerhilfe (Jugendfürsorge), 2. Gemeindediakonie in weitestem Sinne, 3. Abhilfsmittel, Beschaffung eines Gemeindehauses und Anlage und Führung eines genauen Seelenregisters. Aus der ©rftarfung des Gemeindelebens erhofft der Vortragende heilsame Folgen für Gottesdienst und Wirksamkeit von Predigt und Religionsunterricht. Reicher Beifall lohnte die einfachen und klaren Ausführungen. Direktor Dr. Eger sprach den Dank der Versammlung aus und leitete eine Generaldiskussion ein, welche jedoch keine besonderen Momente zutage förderte, da der Vortragende sein Thema gründlich bv, handelt hatte. Bisher ist in Hoclwerrats- und Landesverratssachen für daZ Hauptverfahren der vereinigte zweite und dritte Strafsenat des Reichsgerichts zuständig. Dazu lag der Antrag vor, das Haupt- verfahren in erster Instanz vor dem zweiten Strafsenat, in zweiter Instanz vor dem vereinigten dritten und vierten ©traf* |enat statt finden zu lassen. Der Antrag fand nicht die Mehrheit^ Ter Ausschuß vertagte sich hierauf auf Donnerstag. Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhefsen Die Reichsversicherungrordnung. :: Berlin, 19. Oktober. Der Reichsversicherungsausschuß begann heute nach Erledigung des Buches über die Beziehungen der Versicherungsträaer zueinander und zu den Gemeinden und Armenverbänden Die Beratung des letzten Buches, das Dom Verfahren handelt. In einer allgemeinen Besprechung trug ein Mitglied der nationalliberalen Partei noch einmal die bekannten Bedenken vor, die gegen die Mitwirkung der Versicherungsämter als untere Instanz in strittigen Fällen bei der Unfallversicherung erhoben werden. Staatssekretär Delbrück bezeichnete das als Etikettenfrage. Das Reichsversicherungsamt müsse entlastet, dem Versicherten aber doch die Möglichkeit geboten werden, zweimal vor einer paritätisch besetzten Instanz seine Interessen zu vertreten. Ein anderes nationalliberales Ausschußmitglted erwiderte hierauf, man möge den ehrenamtlich tätigen Herren der Berufsgenossenschaften nicht durch Einschränkung der Selbstverwaltung die Ärbeitssreudigkeit nehmen. Das Reick)sversichernngsamt müsse Rekursinstanz sein. Ministerialdirektor Caspar legt dar, daß der Umfang des Apparats des Reichsversicherunasamts keine weitere Belastung dulde. 165 Personen seien dort schon an der Rechtsprechung beteiligt, trotzdem seien kolossale Reste zu erledigen. Die Einheitlichkeit der Rechtsprechung sei bei solchem Umfang nicht gewährleistet. Es sei vielleicht zu empfehlen, Nichtbeachtung von Erkenntnissen des Reichsversicherungsamtes als Revisionsgrund anzusehen. Ein Zentrumsredner hält eine Entlastung des Neichsversicherungsamles für untunlich, solange nicht das Versicherungsamt die von der Regierung vorgeschlagene Form erhalte. Der Staatssekretär gibt sich der Hoffnung hin, daß ein Ausgleich der konkurrierenden Interessen bei der Ausgestaltung der Versicherungsämter sich erzielen lassen werde. Es werde sich darum handeln, in welcher Form der „ständige Stellvertreter" beschlossen wird. Ein Vertreter der Konservativen begründet nochmals die ablehnende Haltung feiner Fraktion gegenüber den Versicherungsämtern. Weiterberatung: Donnerstag vormittag. Die Meile Lesung der Zuftizgcsetze im Ausschuh. :: Berlin, 19. Okt. Der Strafprozeß ausschuß änderte in feiner heutigen Sitzung in Konsequenz feines gestrigen Beschlusses über die Berufungssenate in Strafkammern den § 99 des Gerichtsverfassungsgesetzes, ging aber weiter und nahm einen Antrag an, daß die Berufungssenate außerhalb der Haupt Verhandlung in der Besetzung von 3 Mitgliedern einschließlich des Vorsitzenden entscheiden, in der! Hauptverhandlung mit 5 Mitgliedern besetzt sein müssen. Im § 99 war weiter bestimmt, daß die Bestimmung über die Zusammensetzung der Berufungssenate, namentlich darüber, welcher Oberlandesgerichtsrat Mitglied fein soll und wie der Vorsitz zu regeln ist, durch den Präsidenten des Oberlandesgerichts erfolgen soll. Zu § 118 lag der Antrag vor, auch FrauenzuSchöffen zuz ul assen, fanb aber nicht die Mehrheit. Ferner wurdä beantragt, die Mitglieder des Ausschusses, dem die Auswahl der Schössen übertragen ist, auf Grund allgemeiner, gleicher, geheimer und direkter Wahl durch die volljährigen Einwohner des Amtsbezirks nach den Grundsätzen der Verhältniswahl wählen zu lassen. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Die Regierungsvorlage bestimmt, daß Volksschullehrer zu dem Amte eines Schöffen nur bei den Jugendgerichten berufen werden können. Der Ausschuß hatte in der ersten Lesung diese Bestimmung gestrichen und damit den Lehrern ganz allgemein die Berechtigung gegeben, Schöffe zu werden. Nack) heftiger, zmn Teil persönlich zugespitzter Aussprache wurde die Regierungsvorlage mit 15 gegen 13 Stimmen wiederhergestellt, da ein Zentrumsmit- 9 lieb, das in der ersten Lesung für das Schöffenrecht der Lehrer gestimmt hatte, durch ein anderes ersetzt worden war und auch die Polen gegen den Beschluß erster Lesung eintrateik Heiligendamms Geschichte. In aller Munde ist neuerdings Heiligendamm, und es könnte sich als Badeort wohl kaum etwas Besseres wünschen, wenn nicht ein Häkchen dabei wäre. Es wird sich dieses Häkchen aber sicherlich bald beseitigen lassen. Eine alte Sage meldet, wovon Heiligendamm fernen Namen bekommen hat. In einer Nacht wütete! ein furchtbarer Sturm wohl von Nordwesten oder Nordosten her. Da überkam die Mönche des Zisterzienserklosters Doberan die Angst, es könne die Ostsee über ihr Kloster herfallen und es mit allem, Ivas darin, zerstören. In ihrer Not fdyitften sie heiße Gebete zum Himmel empor: der erhörte sie auch und warf am Seestrande aus -Steinen einen Wall auf, der seitdem das Land dort vor der See schützt. Das ist der heilige Damm. In der Tat zieht sich, wie jedem, der Heiligendamm besucht hat, bekannt ist, ein aus Gerölle bestehender Damm, der „Strandwall", daselbst am Meeresufer hin. Heiligendamm ist das älteste aller deutschen Seebäder, gegründet 1793. Davon zeugt ein zur Feier des,50jährigen Bestehens des Bades auf dem Ktrrplatz ausgerichteter Findlingsblock mit der Inschrift: „Friedrich Franz I. gründete hier Deutschlands erstes Seebad 1793/1843." Dazu muß vemerkt werden, daß HeUigendamm noch viele Jahre nach seiner Gründung nur .eine Badeanstalt für Doberan war. Von Doberan begab man .sich im Wagen oder zu Pferde oder zu Fuß nach Heiligendamm, um dort M baden, und „Seebad Doberan" hieß der Ort, wo die Badegäste wohnten. Mit der Zeit ttnirbe das anders. Zuerst wurde ein Badehaus errichtet, bann ein Restaurationshaus, endlich ein Kur- gedäude, dem eine Reihe von Villen sich anschloß. Lange war ADtiligenbamm grobherzogliches Eigentum, 1873 kam es in den Besitz einer Aktiengesellschaft, wurde 1885 Eigentum eines Barons von Kahlden und ging von diesem auf seine Erben über. Zuletzt ist es, wie bekannt, in Hände geraten, die besser weit davon geblieben wären. Heiligendanrm galt früher für ein Seebad, in dem ein sehr exquisites ^Publikum verkehrte. „Großherzogs" pflegten im Sommer bart au fein, und der mecklenburgische Landadel suchte jnit Vorliebe diesen Badeort auf. Es wurde erzählt — doch was wird nicht alles erzählt! —, daß dort die Glücksgöttin Fortuna gern ihr Rädchen rollen ließ. Seit Jahren schon hat sich aber Heiligendamm dem großen Sommerfrischlerpublikum erschlossen, von dem es fleißig besucht toirb, und gewiß mit Reckst, denn es Ilieat in entzückender Landschaft. Zu den Reizen bieser Strandlandschaft gehört besonders hoher Erchen- und Buchenwald. Als zwei Sehenswürdigkeiten ngentümlidyer Art gelten der Spiegelsee unb der Gespensterwald. Letzterer hat seinen Namen davon, daß an seinem Rande infolge der Einwirkung deS Seewindes bas Stamm- und Astwerk der Bäume skelettartig hervortritt. Solchen Gespensterwalb bekommt man übrigens auch sonst noch an ber Ostseeküste sehen. Heiligendamm ist leicht zu erreichen, seit bte Rostock—Wismarer Bahn über Doberan geht, unb im Sommer eine Straßen- dampfbahn den Verkehr zwischen Doberan unb Heiligerldanun vermittelt. Auch gibt es in der Saison einen starken DampfSr- verkehr zwischen Heiligendamm und den anderen mecklenburgischen Seebädern. Ich bin oft in Heiligendamm gewesen, einmal — Um 1891 — mitten im Winter. Die Chaussee verschmähend, wühlte ich als Fußwanderer von Warnemünde aus den Landweg über Elmenhorst unb Rethwisch nach Doberan. Es war um bie Jahreszeit ein böser Weg, besten letzten Teil ich im Finstern, ohne baß mir auch nur ein Stern leuchtete, surücklegte. Ich übernachtete in Doberan unb wanderte anderen Tages nach Heiligendamm, wo eine wunderbare Winterlandschaft sich meinen Augen erschloß. Im November vorher aber hatte ein Orkan getost, wie er selten vorgekommen ist. Ter Steg und die Badehütten in Heiligendamm wurden zerstört, ia, über den Strandwall war die empörte See aesprungen und hatte viele Waldbäume erttwurzelt. Nun ja, das Kloster Doberan existierte ja nickst mehr, und keine Mönche gab es dort, um bie See durch Gebet zur Ruhe zu bringen. Trotzdem war zuM Glück, wenn Heiligendamm auch schwer zu leiden gehabt hatte, Doberan selbst verschont geblieben. Warnemünde. Johannes Trojan, — Eine mysteriöse Krankheit. Im Jahre 1445 brach während der Kämvie zwischen Richard III. unb Heinrich VIL von England eine mörderlsche Seuche aus, bie bis dahin völlig unbekannt geblieben war und bie nach kaum 100 Jahren wieder so spurlos verschwand, daß man sie heute kaum noch dem Namen nach kennt. Es ist dies, wie Prosessor v. Linstow in der Zeit schritt Hannoverland- mitteilt, der sogenannte.Englische Schweißt eine Krankheit, deren Namen man nur in den wenigsten medizinischen Lehrbüchern findet. Der Englische Schweiß befiel bie Menschen ohne alle Vorboten; er begann mit einem kurzen Schüttel- tröst und Zittern, in Händen und Jüßen wurde Kribbeln oder Amelsenkriechen empfimben, bann traten Kovstchmerz und Schlas- sucht am, eine tödliche Angst befiel die Kranken, es zeigten sich Atemnot unb Herzklopfen, und nun brach ein heftiger, übelriechender schweiß aus, ber der Krankheit den Namen gegeben hat. Tie Rranfeiijpnrben von Erbrechen befallen, Schmerzen im Nacken, in den Schultern, in den Beinen traten auf, und unter Jrrereden und großer Schwäche trat der Tod ein; in 24 St linden war meistens alles entschieden. Die wenigen, die am Leben blieben, waren mindestens 8 Tage lang noch hinfällig imb kraftlos und das einmalige Ueberflehen der Krankheit schützte in ferner Weise vor Rückfällen. Ergriffen wurden besonders kräftige Alenschen des mittleren Alters, Kinder und Greife blieben säst ganz verschont, fünfmal nacheinander — zliletzt 1551 — trat in England diese Krankheit in Form einer mörderischen Seuche auf, bie viele Tausende in kurzer Zeit hinraffte. Im Jahre 1529 griff der „Englische schweiß" auch auf dem Festland über; er erfchien zuerst in Ham- bürg, wo er m 14 Tagen 2000 Menschen hinraffte, unb durchzog dann ganz Deiitschland; in Preußen allein sollen der Krankheit 80000 zum Opfer gefallen fein. In Göttingen wütete sie besonder» furchtbar; ein Manuskript der bortiaen Universitätsbibliothek berichtet darüber näheres. Nach Profeffor v. Linstow ist es nicht zweifelhaft, daß die Krankheit durch einen sich im menschlichen Körper außerordentlich rasch vermehrenden Bazillus verursacht wurde. Seit 359 Jahren ist die Seuche völlig verschwunden; ihr Neuauttreten aber ist keineswegs eine Unmöglichkeit, denn auch von anderen Bolkskrankhelten ist es bekannt, daß sie nach langer Suibe plötzlich wieder erscheinen unb ihr furchtbares Zerstörungswerk von neuem beginnen können. — Rußland als Pionier der Luftschiff ahrt. Ein nicht mmber neues als zweifelhaftes Faktum verkündet die ,No» 'vose Wremja" der staunenden Welt: die Vorherrschaft Rußlands m ber Geschichte der Lu'tschiffahrt. Die russische Zeitung stützt sich dabel auf eme im Münchner deutschen Museum befindliche alte russische Handschritt, in der es heißt, daß im Jahre 1731 der Be- amte Rrjafutfin in Njasan eine .Kugel" mit ,übd riechendem tauche gefüllt und dadurch den leibhaftigen Bösen angelockt hätte, mit dessen Hilfe er hoch in die Luft geflogen wäre. Tiefe Tatsache wurde bedeuten, daß in Rußland schon fünszig Jahre vor Mont- golfier em Luftballon aufgeftiegen sei. Ebenso seien auch die ersten Monoplane russische Erfindung gewesen. Sie wurden in Rußland von den Marineoffizieren A. M. Moshaiski und P. D. Kusminski angefertigt, der erstgenannte demonstrierte seinen Flugapparat bereits im Jahre 1878. General Skobelew bat damals Moshaiski, feine Erfindung streng geheim zu halten. Bald darauf starb jedoch Mofbaiski und seine Erfindung geriet in Vergessenheit; das gleiche Schicksal traf auch den Apparat Kusminskis. T" Gesichtszüge unb Umgebung. Es ist eine all* gemente er^xmung, baß sich bie Gesichtszüge imb wohl auch ber ubnge Ausbruck mit ber Zeit verändern, wenn er dauernd und aitsschlteßlich mit Leuten anbercr Rasse oder auch nur anderer Watwitalitdi verkehrt. Leute, bie sehr lange fern von ihrer Heimat gelebt haben, glerck-en auch in ihrem ganzen Aeußem mehr den Bewohnern tbrer zweiten als denen ihrer eigentlichen Heimat. ?lm allersonberbarften unb auffälligsten zeigt sich diese Erscheinung Es, ist oft bekundet worben, daß Missionare, die Jahrzehnte lang m China gelebt unb gewirkt hatten unb habet vEicht weit tm Innern in fast ausschließlicher Berührung) mit Dem Voll unb m nur sehr seltener mit Europäern standen, in ihrer Körperhaltung und in iljren Gesichtszügen einen vollkommen ckgneslschen Habitus angenommen hatten, so baß sie über- haupt rncm mehr als Europäer zu erfcmien waren. Noch stärker zeigt sich dieser Vorgang der Anähiilichung an eine fremde Rasse r er tnbern von Europäern, die sich bauernb in China nieber» gelaßen haben, auch wenn beide Eltern aus Europa flammen Er- klaren laßt sich diese Erscheinung wohl überhaupt nicht, unb man konnte zum Veraleich nur an bie Behauptung erinnern, daß Ebe- LÄ lange, unb innige Ehe miteinanber geführt haben, schließlich auch äußerlich einander ähnlich zu werden be- gmnen. Äußerem könnte man daran glauben, daß die Gesicht^ bdbung eines Kindes angeblich durch die Eindrücke beeinflusst wrrd, unter baten bie Mutter während ber Schwangerschaft Mt, vember bis 6. Dezember in einem sogenannten „Palais de Stern haus er erlitt heut« abend einen Schlagan- T <1 I I attth frnzr-r * rc_ .______ •.. /-» »t , Auergesellschaft Berlin 0.17 Ueberall erhältlich I deren Mitteilung nur ein geringer Teil des Bedarfs an Besen- unb Bürstenwaren unter Berücksichtigung der kilometrischen Gängen der zum Tirektionsbezirk Mainz gehörigen preußischen Strecken, das ist etwa ein Fünftel des Bedarfs, von den preußischen Ge- | sängnisanftalten bezogen. Tie übrigen Mengen würden in öffentlicher Ausschreibung üergeben, wobei nach Möglichkeit die hessisches Firmen berücksichtigt würden. Tie Kammer glaubt luernach von weiteren Schritten absehen M können, umsomehr, als die üant Bllndesrat erlassenen Bestimmungen für die Verwertung der Ar- beitskrast der Gefangenen ausdrücklich vorschreiben, daß int ter allen Umstanden bei Lieferungen der Gefangenenanstalten für die Staatsverwaltung eine Unterbietung der freien Arbrit zu vermeiden ist. "Warnung vor einer Pariser Ausstellung. In deutschen Gewerbekreisen wird zurzeit für ein Pariser Ausstellungsunternehmen geworben, das — abweichend von dem französischen Titel — als „Internationale Ausstellung für Gewerbe, Industrie, Hygiene, Nahrungsmittel, Getränke usw.u bezeichnet wird und das in der Zeit vom 24. No- Kommerzienrat Dr. Adolf Clemm in Mannheim, ber 1 bereits gelegentlich de§ Universitätsjubiläums der Umversitäts- Charite" zu vorgeblich wohltätigen Zwecken stattfinden bibliothek zur Ausgestaltung der Bibliothek seines ^ll. Die „Ständige Ausstellungskommission für die Deutsche verstorbenen Bruders, Professors Dr. Wilhelm Clemm, dieI Industrie^ muß von einer Beteiligung abraten. Die dort Summe von 3000 Mk. zugewendet hatte, hat jetzt sehr pur Ausgabe gelangenden „Auszeichnungen* sind ohne Wert, dankenswerter Weise eine weitere Siimme von 2000 Mk. zur I öffentlicher Gebrauch wäre daher in Deutschland un- Verfügung gestellt. Sie soll vor allem dazu dienen, bie I HattEjaft bezw. strafbar. Verdienstordens Philipps d'es Großmütigen, mit bom 1. November 1910, in den Ruhestano versetzt. **NeueAmtsb e-eich nun g. Der Großherzog hat durch Allerhöchste Entschließung vom 24. v. Mts. im Einvernehmen mit der Königs. Preußischen Regierung bestimmt, daß bei den Hessischen Beamten der Hessisch-Preußischen Eifenbahugemeinschoft die AmtsbeFieichnung „Eisen- lbahn-BQUInspektor" und „Eisenbahn-Bau- und Betriebsinspektor" künftig toegfällt und die Regie- rungsbaumeister auch nach ihrer etaismäßigen'Anstellung diese Amtsbezeichnung weitersichren werden. Den bereits zu Bauinspektoren ernannt en Beamten wird die! Wahl gelassen, ob sie ihre bisherige Amtsbezeichnung beibehalten oder in Zukunft die Amtsbezeichnung „Regienmgs- baumeister" führen wollen. ** Erledigt ist die Stelle eines Hauptsteueramtsassistenten hei Großh. Hauptsteueramt Offenbach. " Schenkung für die Landes Universität. Geh. vermischtes. * Das Schicksal des Ostseebades Heiligen« dämm, das durch die.Verhaftung des Schriftstellers John- Marlitt ungewiß geworden war, blldete gestern bett Gegenstand der Verhandlungen einer seitens der Gläubiger Marlitts gewählten Sanierungs-Ausschusses. Die Sanierung des Badeunternehmens soll unter allen Umständen durch- geführt werden, während man sich über eine etwaige Sanierung der Verhältnisse Marlitts selbst noch nicht schlüssig geworden ist. Marlitt, der übrigens in Rostock seinerzeit wegen Konkursvergehens nur zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt worden war, scheint das Opfer seiner kaufmännischen Unerfahrenheit geworden und vielfach auch wucherisch ausgebeutet zu sein. Die Hypothekengläubiger, unter denen sich auch Fürst Hohenlohe^Oehringen mit 150000 Mark befindet, dürften bei einer etwaigen Zwangsversteigerung wesentliche Ausfälle nicht erleiden. Beim Kauf des'Bades Heiligendamm standen Marlitt folgende Mittel zur Verfügung: ein Terrain in Suhl im Werte von 100000 Mark, Terrains in Michendorf bei Berlin im Werte von 200000 Mark, Guthaben an Berliner Häusern 200 000 Mark, Guthaben ian den Schöllerschen Damenwohnungen in Char- lottenburg 380000 Mark. Außerdem hat Marlitt 200000 Mark bar angezahlt. k. 4. e^*^ige Geldbeförderungsmethode hat bie Poftbehorde von Forbach längere Zeit geübt. T/e bei Klemrosseln gelegene Grube de Mendel brauchte alle 14 Tage größere Betrage für Lohnzahlungen. Tas Geld, dessen Hohe ledesmal zwisck>en 500 000 Mark und 1 Million Mar! toUTbc^..einer Bank in Forbach abgehoben .und ber Zostbehörde zur Beförderung nach Kleinrosseln anvertraut. Tie Geldsacke wurden dem Postillon von einem Postbeamten übergeben unb in einem Holztasten gelegt, der sich unter hem Kutscht befand. Dieser Kasten wir mit einem einfachen Schloß versehen, das aber nicht schloß, so daß das Geld .für die Begleü- perfonen leicht zu erreichen war. Wemi das Geld «in den Käst« nuht hineinging, wurden die übrigen Säcke einfach zu den anderen weitere Erwerbung von Papyri, die der Universität •• In Amerika verstorbene Hessen. Joh. Gießen bekanntlich bereits sehr hübsche Erfolge gebracht hat, F. Schmidt, 89 Jahre alt, aus Rodheim, in Elgin. Anton zu ermöglichen. lBerg, 90 Jahre alt, aus Gundheim, in Akron; er wan- Theater-Verein. Für das laufenbe Vereinsjahr I berte schon 1847 nach Amerika au§, nachbem er, wie ameri- nimmt Musikalienhänbler E. Challier am Neuenweg An- konische Blätter berichten, in schwindelnder Höhe bei Er- Meldungen neuer Mitglieder nur noch während dieser Woche richtung des Ludwigdenkmals in Darmstadt durch Fertigung an. Auch in diesem Winter wird der Verein im Stadttheater der nötigen Schlosserarbeiten seinen Meistertitel erworben hatte, drei Operngastspiele de§ Darmstädter Hoftheaters und der Ferdinand Welb, 58 Jahre alt, in St. Louis, wo er Direktor Hofmusik veranstalten, deren erstes voraussichtlich bald statt-1 des Deutschen Theaters war. finden wird. Abonnements zu ermäßigten Preisen für die ** Der Ausbruch der Maul- und Klauen- bret Vorstellungen erhalten nur die Mitglieder des Vereins, s euch e ist gemeldet aus: 1. Abbau Vierzighuben, _ , I Kreis Preuß.-Eylau, Regierungsbezirk Königsberg; 2. Pos- senhain, Kpeis Naumburg a. S., Regierungsbezirk w* j™ • r «Ai m ♦ IMerseburg; 3. Gora, Kreis Berent, Regierungsbezirk Srotzere Geschäfts - Anzeigen Äst f«.... MH»«., mh. «... i»°«... s..«., »ätsä«?. vormittag zu bestellen. Nur dann ist es möglich, der Satz. Bezirksamt Wunsiedel, Regierungsbezirk Oberfranken, tun ausstattung der Anzeigen diejenige Sorgfalt angedeihen zu I Oktober 1910. lassen, die zu einer guten Wirkung erforderlich ist. L . § Ruppertenrod, 19. Okt. Mit dem Vernichtungs- , krieg gegen das Mauseheer hat man jetzt in unserer Ge- imetnoe Ernst gemacht. Das Vergrftungsmrttel, Mäuse- mPY nf. ft; o A sr.v s-« ^4. k4. zu- c. • lyphusbazillen, wird von der Gemeindeverwaltung diesem Lafore Ctabt ^eßen in den Gemeindegliedern kostenlos verabreicht. Unter Anlei- nmrh^n im gJi?ft .Zunahme gebracht, t^ng eines Landwirtschaftslehrers geschieht die Zubereitung am Zm eX t ?M kleine Brotbrocken.' Wie nötig' die Musevertilgunä gegen 1081,25 Mk. im Vor- erscheint, das offenbaren die leer gefressenen Stellen der 1957 m h ^a|erTie rU, ,n'te Jun9 von Ingenieur-Anwärtern m Zeitgeber noch die Parliere am Dienstag abend nach Berber Flotte. Beider zweiten Werftbivision in Wilhelms- lassen der Arbeit eine Ahnung hallen. In Nauheim werden Haven gelangten 119 Ingenieur-Anwärter zur Einstellung in bon der Arbeitseinstellung hauptsächlich die staatlichen Neu- die Flotte, die den Ersatz des Marine-Jngenieurkorps des bauten, wie Wandelhalle, Salinengebäude usw. betroffen, Jahrganges 1910 zu bilden haben. Zunächst erfolgt deren mehrere größere Privatbauten. Als Gründe für die infanteristische Ausbildung, ehe sie an Bord der Schiffe rum Arbeitseinstellung werden angegeben, daß der allgemeine Maschinendienst kommandiert werden. 8 putsche schiedsgerichtsspruch für das Baugewerbe von den l iDer Snmhpnnftpnffttpr . .. r Arbeitgebern noch Nicht unterschrieben worden bezw. noch ~ enattentater Werner wurde dieser nick)t von Berlin eingelloffen sei, wofür die Frist bis Diens- £ 9 . bu^ r^nen_ ^f(^!Qnro^t mU§ Kafferslautern im tag abend gestellt sein sollte, doch wußten hie Arbeitnehmer Su°öinS™am ^ÖUS bc^L Nechtsanwalt ist von den hiervon nichts! Seither wurde hier und in Friedberg ein Eltern Werners angenommen worden, welche vermögende Stundenlohn von 45 Pfg. gezahlt, jetzt werden 50 Pfg ver- Leute sind. Werner wird im Provinzialarresthaus besonders ^ngt. Der jetzige Sllmdenlohn ist nach allgemeiner Anbewacht. sicht und auch bei der Mehrzahl der Streiken- ** Staatliche Bedarfsdeckung durch die Straf- b ein den Zeitverhältnissen angemessener und nur anstalten. Eine Mainzer Firma der Bürsten-, Besen- uich widerwillig haben die etwa 150 Maurer von Ober-Mörlen Pinsellabnkation führt Klage darüber, baß sowohl bie Militär- auf Befehl der Frankfurter Gewerkschaftsführer die Arbeit behorben ctts auch die Eilenbahndirektion einen großen Teil medergelegt. Angesichts der porliegeiiden Tatsache bat an Ersten usw aus den staatlichen Sllafanstalten die Badedirektion im Einverständnis mit dem Ministerium decken, was einen großen Schaben für die freien Gewerbetreiben-! den Arbeitaebern niifnptpiff hnü sio ar r. ■<. Kriegsministerium in Berlin und der Eisenbahn- s^^^ ^br^s entschieden fein. Morgen Donnerstag direktion Mainz eingezogen. Das Kriegsminifterium teilte P . e!5e.^ratuiig der Arbeitnehmer für den Kreis Friedlich daß bie Militärverwaltung schon seit 'Jahren den Bedarf an tn Flneoverg statt, in welcher über weitere Maßnahmen Pinsel- und Mrstenwaren auf Ersuchen des Herrn Ministers beraten werden soll. d-s 3mrmi in. der .SEs«h°_ v-n S.tra.ftmstatten b^iehe: sein-, ± Friedberg, 19. Okt. Der in den weitesten Krei- und hinterläßt eine Witwe mit vier noch schulpflichtigen Kindern. xAus dem Seentale, 19. Okt. Wenn anderwärts über das Verschwinden des Eisvogels und der Elster geschrieben wird, so trifft das für die Täler des Jls- und Seenbaches nicht zu. An ^den Ufern dieser Bache ist der Eisvogel noch immer anzütreffen und in den Erlen ihres Oberlaufes ist die geschwätzige Elster noch ein häufiger Gast. Lin besuch im verlassenen rlönigsschlotz in Lissabon. Zwei Wochen sind versllichen, feit König Manuel sein Königsschloß in Lissabon in hasttger Flucht verließ, aber noch immer liegt ber langgestreckte, schöne Bau in dumpfer Einsamkeit, unb Tobesftllle herrscht in den Räumen, wo vordem das Hosleben seinen Glanz entfaltete und Uniformen glitzellen. Mit langsamen Schritten gehen bie Wachtposten, Marinesoldaten der jüngsten Republik, auf unb ab vor den Mauern, hinter denen unberührt noch heute bie Unordnung in den Königsgemächern die Geschichte vm ber Ueberraschlung unb eilfertigen Flucht des jungen Königs erzählt. Dem englischen Korrespondenten Pereival Philipps ist es vergönnt gewesen, diese Räume zu betreten, die auf strengen Befehl ber Regierung unverändert gelassen werden sollen, bjs ein Kommissar ber Republik ein Inventar der vorhandenen Gegenstände ausgenommen haben wird. Die einzige Granate, bie innerhalb! des Königsschlosses explobielle, hat sich durch die Wand des Empfangszimmers ihre verheerende Bahn gegraben und das ganze Gemach verwüstet. Nur ein Haufen Trümmer unb Schutt ist von dem 3immer übrig. Auf dem staubbedeckten Teppich liegen bie Scherben zerstörter, kostbarer Sövresvasen, und die Glastüren des Schrankes, der im Empfangsraum steht, sind geborsten und zersplittell. Tie Geschoßteile haben die Tür zum Musikzimmer gesprengt unb hier in ber Einrichtung weitere Verheerungen an- gerichtet; auch im benachballen Billarbzimmer noch zeugen Schutthaufen und zerstölle Gemälde von der Vemichtungsllaft der verhängnisvollen Granate. Nur die brei Elfenbeinkugeln auf dem Billard liegen noch genau rin der Stellung, ,in der sw der König nach der letzten Partie im Schlosse verlassen hatte. Eine kleine Granate drang ins Musikzimmer, durchbohlle ein Bild, aber das Geschoß kam nicht Mr Explosion. Im Thron- fgal ist fein Schaden angerichtet, der Thronsessel ist verhängt, Schutt unb Staub aus den Nachbarzimmem hat sich jauf ben Stoff gelegt. Dem Thron gegenüber leuchtet an ber Wand ein großes Stachsbildnis der Königin Amelia. Die Privatgemächer des Königs liegen auf ber aoberen Seite des Hofes; von dem einzigen Fenster des Schlafzimmers sieht man hinab auf die Fluten des Tajo. Hier muß ber König bas Bersten des ersten Geschosses gehört haben unb hastig vom Lager aufgesprungen Jein. Alles im Zimmer ist in beispielloser Unordnung. Tie .Bettücher sind zurückgeworfen, unb das Nachtgewand des Königs liegt ba» neben. In einer Ecke des Zimmers lehnt siiedlich in seiner Scheide der Säbel bes Monarchen. Am Fußeiche des Bettes unb auf einem Stuhle liegen in wilder Unordnung allerlei Uniformen, darunter eine Marineuniform: man hat sie wahrscheinlich dem König gebracht, als er aufsprang, aber er schob sie beiseite und zog die unauffällige Zivilkweidung von Auf dem Nachtische steht noch die kleine Weckuhr in ihrem Lebergehäuse, unb daneben liegen zwei ober drei vergessene Ringe. Auf dem Toiletll- tisch sieht man ein halbgefülltes Zigarrettenetui und unter dem Tische ein Paket portugiesischer Zigaretten. An einem Kleider- ftänber in ber Ecke des Gemaches hängt des Königs Zhlinber uiid sein Frack . . . Alles zeugt davon, daß die 'Flucht Hals über Kopf geschah, unb baß in der Verwirrung niemanb daran dachte, persönlick/e Gebrauchsgegenftänbe mitzunchmen. Es ist leicht, sich die Szene zu vergegenwälligen. Neben dem Schlafzimmer ist xm kleiner Raum, in dem anscheinenb ein Kammerdiener schlief. Auch hier bekundet die Unordnung des Bettes unb der Garderobestücke die Haft, mit ber man auffprang. Auf dem Boden des Zimmers liegen Uniformen umher: man sieht es im Geiste vor sich, wie der Insasse des Raumes emporfuhr, in wilder Eile ein paar Kleidungsstücke überstreifte. Mm König stürzte unb bann zurück- Arte, um ein paar Gegenstände zur Flucht zusammenzuraffen. Im Arbeitszimmer bes Königs liegt auf dem Schreibtisch noch ein Brief, den ber König geschrieben hatte; er ,ist mit Manuel unterzeichnet und sollte wohl am nächsten Morgen aufgegeben werden. Auf dem Tisck-e stehen zahlreiche Photographien, ins- bewndere Aufnahmen vom Leichenbegängnis König Eduards, bann Ailder, die in Windsor ausgenommen sind und Marmel im Jagbloftüm barstellen. Tie Wände dieses Zimmers sind mit Schränken verstellt: hier ruhten in Schublaben bie ausländischer Ehrenzerchen des Königs. Einer ber Kästen steht halb .offen, unb über allerlei kostbaren Juwelen sieht man hier den Hosenbandorden liegen . . . Berechtigung finde dieses Verfahren in den Anregungerr,'welcheI Vr 0en weitesten Krei- Mr Lösung ber Frage ber Verwertung der Arbeitsllaft der dSL beliebte Bterbraueretbesitzer Georg fang en en in den Verhandlungen des Reichstags (Sitzung vom T £ 11 -T.t.t abc;;t ciiiCii Sch 7 u u u n - 18. Februar 1892), ber Bubgetkommission (16. Sitzung vom ' a 'x,ar sofort tot. Er war in Frankfurt gewesen 26. Novcmbcr 1889) und dem § 22 des BinidcsrntsbcschlusseL CT Geld rinkassiert Ijattc, als er noch etara fönhia 298n»CttoB? M (GntralblÄt für das Tcutfche Reich. Schrrtte von seiner Behausung entfernt war, ereilte ihn Seite 308) gegeben sind. Bei der ErsenbahnjureNion wird nach der Tod auf offener Straße. St. ist Mitte der Vierzigei! Paketen geworfen. Diese idyllischen Zustände dauerten eine ganze Zeitlang. Eines schönen Tages unterlag der Kutscher Roland der Versuchung. Er eignete sich zwei Geldsäcke an, in denen sich 50 000 Mark in Papier und 30 000 Mark in Gold befanden, und übergab sie einem Spediteur. Der Diebstahl wurde sofort bemerkt, Roland wurde verl)aftet und hatte sich dieser Tage por der Strafkammer in Saarbrücken zu verantworten. Im Lause der Verhandlung wurde verschiedentlich darauf hingewiesen, das; es ein großer Leichtsinn der Postverwaltung sei, derartig hohe Summen auf so primitive Weise zu befördern. Der Gerichtshof erkannte gegen Roland rocgcn schweren Diebstahls auf eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren. * Baumwollsamen als Nahrungsmittel. In Lancashire betrachtet man die Baumwolle als das einzige Produkt der Baumwollpflanze, eine Ansicht, die von vielen geteilt wird. Die Tatsackw aber, schreiben die „Daily News", daß der Baumwollsamen von beträchtlichem Wert ist, dürste vielen unbekannt sein. In verhältnismäßig neuester Zeit erst tmrrde der Wert des Baumwollsamens richtig erkannt und die Anschauung hat sich endlich Bahn gebrochen, daß der Baumwollsamen außerordeirtlich nahrhaft ist und dabei sogar heilsame Eigenschaften aufweist. In der Nähe Liverpools sind nun ausgedehnte Werke errichtet worden, die sich mit der Erzeugung eines Fetts beschäftigen werden, das aus Baumwollsamen gewonnen wird. Dieses Fett soll sogar dem aus tierischen Quellen gewonnenen Fett überlegen sein. * Die Unzufriedenheit in der Heilsarmee. In jüngster Zeit hat eine ganze Reihe von alten und sehr geachteten „Stabsoffizieren" der Heilsarmee hat der Wirkungsstätte langer Jahre endgültig den Rücken gekehrt. Dieser Umstand gab zu allgemeiner Nervosität in der ganzen „Armee" Veranlassung, die durch die Tatsache noch erheblich verstärkt wird, daß es den einzelnen Mitgliedern dieser ausgedehnten Organisation unmöglich ist, irgend welche Einzelheiten über Vorfälle obiger Art in Erfahrung zu bringen. In den Parteiorganen werden derartige Nachrichten in der Regel gar nicht abgedruckt, und wenn sie in äußerst dürftiger Form erscheinen, so sind sie von einem so dichten Schleier des Geheimnisses umgeben, daß kein Uneingeweihter ans der ganzen Angelegenheit klug werden kann. Unter den Offizieren, die augenblicklich aus den Diensten der Heilsarmee ausgeschieden sind, befindet sich manche Kraft, die sich ungeteilter Hochschätzung in allen Kreisen erfreute. Tas macht diesen Rücktritt, an welchem acht langjährige Mitglieder beteiligt sind, um so bemerkenswerter. Da nun die Hchlsarüree, führt der „Tiailh Chronicle" au-s, eine Wohltätigkeitsanstalt ist, die hon der großen Oeffentlichkcit in einem Abhängigkeitsverhältnis steht mit Rücksicht auf freiwillige Beiträge und Spenden, wäre es endlich am Platze, daß Ursache nnt> Wirkung dieser aufsehenerregenden Vorfälle innerhalb der Leitung der Heilsarmee dem großen Publikum ihrer Gönner bekannt gemacht würden. * T er Kummer einer Hundertjährigen. Frau Mary Carter, in Shouldam Thorpe in Norfolk ansässig, feierte rmlängst ihren hundertsten Geburtstag. Nur ein Kummer guält die alte Dame und es wird erzählt, daß sie unlängst bitterlich darüber geweint habe; der Kummer nämlich, daß sie weder ihren Vater noch ihre Mutter gekannt hat, die zu früh gestorben waren. Die alte Frau war auch niemals Zeit ihres ganzen Lebens in einem Eisenbahnzug. Ihr Leben spielte sich so idyllisch ab, daß sie niemals nötig hatte, einen Eisenbahn zug zu benutzen . . . Der einzige Luxus, den sich die Greisin gestattet, besteht in einem halbenPfundBonbons wöchentlich. * Lebendig verbrannt ist ein Farmer in der Grafschaft Kent am vergangenen Sonnabend. Der Landwirt bemerkte zu seinem Entsetzen, daß ein Stall, in dem sich eine Anzahl seiner kostbaren Pferde befand, Feuer gefangen hatte. Ter Landwirt bemühte sich nun energisch, die Tiere vom Feuertode zu retten, brachte auch mehrere glücklich ins Freie. Als er aber wieder den brennenden Stall aufsuchte, um die noch darin befindlichen Tiere herauszuzerren, wurde er von dem dichten Rauch derart betäubt, daß er besinnungslos zu Boden fiel und inmitten der hochauflodeimden Flammen ein furchtbares Ende fand. * Det gr awsaMe Druck fehl erkeu^es. hinter der Überschrift „Sieben Menschen in Berlin verbrannt" berichtete die Kl. Pr am Samstag über das Brandunglück in Berlin^ bei dem 7 Personen ums Leben kamen. Zum Schluß l)eißt es: „Die Feuerwehr hat die ganze Nacht gegraben, bis sie die Leichen fand. Tie Liste weist folgende Namen auf. . ." Hier folgen dann aber nicht etwa die Namen der 7 Opfer, sondern die der — sozialdemokratischen Offenbacher Stadtverordneten-Kandi- daten. Und dann heißt es: „Das Aussehen der Leichen spricht dafür, daß der Tod nicht durch Verbrennung, sondern durch Erstickung erfolgt ist." Märkte. l?.0. Wiesbaden. Viehboi-Marktbericht vom 19. Okt. Auftrieb: Rinder 30, Kälber 17 Schafe 65, Schweine 479. Tendenz: Rinder schleppend, Kälber mittelmäßig, Schafe mittelmäßig, Schweine mittelmäßig. Uebersland: Rinder Uebersland, Kälber ausverkailft, Schale ausverkanst, Schweine Uebersland. Preis Durch- pro 100 Pfd. schnittsprels 94 93-96 53 90-91 48 90 86 84—88 44 85-91 49 88 80-81 43 80 74—78 39 32 76 67 Färsen, Kühe. Vollfleischige ansgemästete Färsen höchst. Schlachtivertes . . . . . . . . 47—52 Vollsteischige ansgemästete Kühe höchst. Schlachtivertes bis zil 7 Jahren. . 42—44 Vebenb* Schia.bl- aewlchr Aeltere ausaemäslete Kühe imb wenig gut entwickelte inngereKühe u. Färsen 37—41 Mäßig genährte Kühe nnd Färsen . . 31—34 67—68 Kälber. Ochsen. Vollfleischige, ansgemästete. höchsten Schlacht,vene?, höchstens 6 Jahre alt 51—55 Junge, fleischige, nicht ausgemästete rind ältere ansgemästete 47—50 Mäßig genährte junge und gut ge- iiährte ältere.........42—46 tebenb» Schlacht- lOO'Bhlllb gewicht - von-viSvon-biZ Feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saiigkälver 62-67 103-112 64 107 Mittlere Mast- und giüe Saugkälber . 54—60 92—100 57 96 Geringere Saugkälber 45—52 75—87 48 81 Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthammel 39—40 78—80 39 79 Schweine. Vollsteischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht........ 57—58 73—74 57 73 Vollsteischige Schweine über 2 Zentner Lebendgewicht........ 57—58 73—74 57 73 Fleischige Schweine ...... 54—56 71—72 55 71 Saueu 50—00 65—00 50 65 Limburg a. d. Lahn, 19. Okt. Fruchtmarkt. Turcl)- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassanischer) 16,70 Mk., weißer Weizen (anqebaute Fremdsorte) 16,20 Mk., Korn 10,90 Mk., Gerste: Fiittergerste 0,00 Mk., Braugerste 00,00 Alk.. Haier, alter, 6,80 Mk., neuer 0,00 Mk., Erbsen 0,00 Mk^ Kartoffeln 6,00-6,50 Alk. Sandet. — Der Stand der Reichsbank ist, so schreibt die „Deutsche volksw. Korr.", nach dem letzten Bericht vom 17. Okt. gegen die vorige und ganz besonders gegen die vorvorige Woche erheblich besser. Tie Goldbestände haben um 38 Mill. Mark zugenommen, und der Bestand an Wechseln und Schecks hat um 158 Mül. Mark abgenommen. Ter Goldbestand betrug am 15. Oktober rund 695 Mill. Mark, der Bestand an Wechseln und Schecks rund 1186 Mill. Mark. Hat danach der Goldbestand auch bei weitem noch nicht die Höhe, die er haben sollte, wenn wir uns auf unsere Währung etwas zugute halten wollen, so zeigt doch seine rasche inrb ganz erhebliche Besserung einmal, daß jetzt bei der Reichsbank auf diesen Posten in der Bilanz ein Hauptgewicht gelegt wird, sodann, daß es auch in Perioden schlechteren Geldständes Möglich ist, die Goldbestände rasch aufzufüllen. Da schließlich auch der Bestand an Lombardforderungen gegen die vorvorige Woche um weit mehr als die Hälfte sich vermindert hat, ist zu hoffen, daß in der nächsten Zeit einy weitere Versteifung des Geldstandes nicht eintreten toirb. Nach den Erfahrungen früherer Zeiten ist unsere Geschäftswelt auch schon damit zufrieden, wenn im Herbst der Diskont nicht über 5 Prozent steigt, aber andere Kulturländer zeigen uns, daß auch dieser Satz eigentlich nur in ganz seltenen Situationen erreicht! werden sollte. Meteorologische veobachtungen der Station Siehe«. Wetter CD $1 bis 18. Oktober --- + 12,2 ° ---- + 7,2 eC. 19. Das Beste ist stets das Billigste 21S 9“ 89 90 96 10 10 10 8 SSE still Okt. 1910 S z ÖD Regen Bed. Himmel Scotts Emulsion zu nehmen, und ob sich nicht auch hier der Spruch bestätigt: l)as Kelle ill stets das Killiglle. Man verlange daher ausdrücklich: Scotts Emulsion mit unserer bekannten nebenstehenden Fischerschutzmarke. Höchste Temperatur am Niedrigste , , Niederschlag: — 3,1 mm. 744,7 742.5 741,0 Star echt mit dieser Marke—demFischer — dem Harantie- zeichen bei Scott» schen Verfahrens! 2? sf ’ 2 I 2 still VI ITA P TFAZ in jeder beliebigen Schriftart und Kartonsorte, -------sowie mit Zirkeln aller studentischen Vereinigungen liefert zu mäßigen Preisen die Brüh?sehe Univ.-Druckerei, 19. 19. 20. 8,8 I 8,4 7,9 Wie für jedes bekannte und eingeführte Präparat, so wird auch für Scotts Emulsion eine Reihe von vielfach minderwertigen Nachahmungen angeboren. Hierüber laufen oft Klagen bei uns ein, zumal nach Gebrauch dieser Nachahmungen der gewünschte Erfolg ausgeblieben ist. Deshalb sollten alle Eltern, die es gut mit ihren Kleinen meinen, wohl überlegen, ob es nicht vorteilhafter ist, das in allen Fällen bewährte Originalpräparat 18. 18. 11.2 10,6 8,4 ’S «e Die Fleischnot. Ein Wort an die Hausfrauen. Von H. K a e m p f f e r. (Nachdruck verboten.) Wenn es eine Lust zu leben sein soll, so ist es sicher keine Litst, heute Hausfrau zu sein. Die hohen Fleischt- preise verbittern ihr das Leben! Und noch immer hört sie, daß die Preise „voraussichtlich" weiter steigen werden. Eine Prophezeiung, die noch stets mit durchaus unerwünschter Eile und Sicherheit eingetroffen ist. 90)er „der Mensch lebt nicht vom Brot allein", ja, die Mehrzahl der Menschen nicht einmal vom Gemüse, und deshalb ißt man nach wie vor Fleisch und befahlt seufzend den hohen Preis. Oft wird ja allerdings die stärkere Heranziehung der billigen und „nahrhaften" Hülsenfrüchte bef fleischnotleidenden Menschheit empfohlen, und noch immer erhält sich mit großer Hartnäckigkeit die Sage, daß der ausgiebige Genuß von Hülsenfrüchten dem menschlichen Organismus besonders zuträglich sei. Das ist eine der vielen landläufigen Redensarten, die auch durch den steten Gebrauch nicht wahr werden. In ihrer witzigen Art sagen die Verfasser des „Appetit-Lexikons" von den Hülsenfrüchten: „Hülsenfrüchte sind Leute von Gewicht, mit denen ohne Anstoß nur ein sturm fester Magen und auf die Dauer nur eine ganz, charakterlose Zunge fertig KU werden vermag. Dem starken Stickstoffgehalte, der sie an Nahrhaftigkeit dem Getreide überlegen und dem Fleische naheKU oder völlig ebenbürtig macht, steht nämlich eine ebenso starke Schwerverdaulichkeit und, was schlimmer ist, ein ebenso starker Geschmack gegenüber, der keinem Menschen zu jeder Zeit und keinem auf die Dauer zusagt." Der große Nährstoffgehalt der Hülsenfrüchte ist also eine rein theoretische Wahrheit und nur Holzschläger und Leute mit ähnlich beneidenswert kräftiger Körperkonstitution werden eine überwiegend aus Hülsenfrüchten bestehende Nahrung auf die Dauer vertragen rönnen. Wo ist also der Mann, der die deutsche Hausfrau durch eine rettende Tat vom Druck der Fleischteuerung befreien kann? Der Minister, der die Grenzen für die Vieheinfuhr aus dem Auslande öffnen läßt? Er „erwägt", aber solche Erwägungen führen meist dazu, im Herzen der Hausfrau jene überaus unangenehmen Empfindungen zu erwecken, die schon den seligen Tantalus befielen, als die Götter in der bekannten raffinierten Weise mit ihm ihr Spiel trieben. Selbst ist die Frau! Mit dem Kopfe zu wirtschaften, nicht nur mit den Händen, das ist die Kunst, welche die Hausfrau heute zur höchsten Vollkommenheit entwickeln muß, wenn sie den Fleischpreisen Trotz bieten will. Ist sie in dieser Kunst Meisterin, so wird es ihr auch gelingen, selbst mit einem Gemüjegericht jene versöhnlich-heitere Stimmung bei ihren Tischgenossen auszulösen, die uns sonst nur angesichts eines saftigen, wohlgelungenen Bratens überkommt. Das ist die Hausfrau, welche bei der Wissenschaft in die Schule gegangen ist. Die Beziehungen der Dame Wissenschaft zur Küche sind viel intimere als man gewöhnlich glaubt, unbewußt manchmal ordnet sich die Hausfrau ihrer Leitung unter, vielleicht auch einmal mit Widerstreben, meist ist aber der Vorteil auf ihrer Seite. Beim Einrauf ihres Töpfchens Liebig's Fleisch-Extrakt denkt sie wohl sehr selten daran,welcheStudien und Versuche nötig waren, um das Produkt so herzustellen,wie sie es heute in die Hand bekommt. Die richtige Anwendung dieses Fleisch-Extraktes — das ist das Geheimnis der sparsamen Hausfrau! Mit seiner Hilfe macht sie Gemüse itnb Hülsenfrüchte schmackhaft und bekömmlich und ermäßigt damit die Ausgaben für das teure Fleisch. Eine kräftige Fleischbrühe, die beste Vorbereiterin des Magens für die weitere feste Nahrung — wie einfach ist sie mit Liebig's Fleisch- Extrakt herzustellen! Das Rezept: Koche für 10 bis 20 Pfg. Markknochen unter Beifügung von Suppenkräutern aus nnb füge der durchgegossenen Brühe, ja nach Menge 5 bis 10 g Liebig's Fleisch-Extrakt zu. Nudeln und anbere Einlagen kann man natürlich ebenfalls hinzugeben. Diese Suppe steht einer aus frischem Ochsenfleisch hergestellten in keiner Weise nach, ist jedoch nur ein Drittel so teuer wie jene. Das genannte Präparat selbst ist nichts anderes als reine eingedickte Bouillon ohne jeden fremden Zusatz, und darauf beruht seine geschmackverbessernde, Appetit und Verdauung fördernde Wirkung auf die Speisen. Es ist erstaunlich, wie schon ein geringer Zusatz des Extraktes einer großen Schüssel Gemüse kräftigen vollen Geschmack verleiht, und wie bleich- süchtige Suppen unter seinem Einfluß zu Träftigen Magenweckern erstarken. Mit diesen Vorzügen bereinigt das Extrakt den, die Wirtschaftskasse zu entlasten. Wie schon an- gedeutet, kann man häufig ein knappes Fleischgericht durch schmackhaftes Gemüse ergänzen, ebenso kann man mit seiner Hilfe aus Fleischresten pikante Bissen Herstellen, denen selbst Feinschmecker Anerkennung zollen müssen. Daß auch schwächliche Saueeu und ähnliche Begleiterscheinungen des Bratens von feinen Diensten im weitestgehendem Maße profitieren können, ist ja selbstverständlich. Wenn man die stets im Haushalt gebrauchte Bouillon aus Liebig's Fleisch- Extrakt statt aus frischem Fleisch herstellt, sieht die Rechnung beispielsweise so aus: 10 Pfund Rindfleisch kosten nach heutigen Preisen mindestens 9 Mark, die daraus gewonnene Bouillon läßt sich in derselben Güte aus 1/4 Pfund Liebig's Fleisch-Extrakt herstellen, das 2.25 Mark kostet: man erspart also, wenn man auf den Fleisch kauf verzichtet, 6.75 Mark! Die Beispiele und Rezepte ließen sich ins Ung enteff ene vermehren, doch möge es der sparsamen Hausfrau überlassen bleiben, die hier aegebenen in der Praxis auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Sie wird dann bei einigem Geschick und Nachdenken bald herausfinden, daß ihr eine Hilfe in oer Fleischteuerung bereits erstanden ist, lange bevor an eine solche im heutigen Sinne zu denken war. Justus von Liebig war es, der geniale Chemiker uni) Menschenfreund, dessen weitausschauender Blick schon vor 50 Jahren erkannte, was den sleischarmen Ländern nottut D8%0 Schneiderinnen erhalten Engros • Preise Raupenleim, Pergamentvapier und Kordel empfiehlt Kreuz Drogerie, Aua. Noll, Bahnhofstraße 51. (atilS Moderne Kleider-Besätze und Spitzen-Stofie findet man stets in gross. Auswahl und preiswert bei A.Holterhoff Söhne Selterswee 20 Nähmaschinen Neuenweg 46 4SM Eigene Reparaturwerketätte Zubehörteile stets auf Lager 6ebr. 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Insoweit Rechte zur Zeit der Eintragung des Ver- steigerungsvermerkS aus dem Grundbuche nicht ersichtlich waren, sind sie spätestens im Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Abgabe von Geboten bei dem unterzeichneten Gericht anzumelden und, wenn der Gläubiger ividerspricht, glaubhaft zu machen, widrigenfalls sie bei der Feststellung des geringsten Gebots nicht berücksichtigt und bei der Verteilung des Versteigerungserlöses dem Ansprüche deS Gläubigers und den übrigen Rechten nachgesetzt werden. Diejenigen, welche ein der Versteigerung entgegen» stehendes Recht haben, werden ausgefordert, vor der Erteilung des Zuschlags die Aufhebung oder einstweilige Einstellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls für das Recht der Versteigerungserlös an die Stelle deS versteigerten Gegenstandes tritt. ___Bezeichnung der Grundstücke. Grundbuch für Allendors a. d. Lda. Band XII Bl. 634: nacht Tel*n 4», Auch ohne jeden Zusatz von Bohnenkaffee ist Kardinal-Malzkaffe® ein vorzügliches, würziges und wohlschmeckendes Getränk. Er ist überall zu haben Prima SpeisekarloReln in den verschiedensten Sorten für den Winterbedars empfiehlt zu billigsten Tagespreisen (5408 KMelW. tttWr Steinstr. 48. Tel. 581. Prima Saatrogaea (Petkuser) empfehlen (5745 Gebrüder Rosenbaum, Telephon 118. Heinz\ Kre vert Blockstrasse 11 Telephon 323 Feine Mass-Sehneiderei Engi. Dmnen-Eostüme Biber. rJ.“"1 ■ lädier ^MecfceT ' --‘■UO In hernn empfiehlt ,orro«=* 1. Flur 3 Nr. 380 == 438 qm Hosreite hint. d. Linde 4500 Mk. 2, Flur 3 Nr. 381 — 306 qm GraSgarten daselbst ohne Emsih 3. Flur 3 Nr. 384 = 306 qm Grasgarten daselbst 7500 Mk. 4. Flur 2 Nr. 394 = 825 qm Acker auf der Sandkaute. 260 Mk. 5. Flur 3 Nr. 528 = 1206 qm Wiese aus der MühlwieS. 400 Mk. (Sesb BersicheruugSstand 53 raufend Policen. W, Allgemeine Renlen-Anflalt gegründet 1833. zu Stuttgart Neorgasikert 1855. 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Novbr. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die der AnnaZinh, jetzt verehelichte Gottwald, zugeschriebene, nachstehend verzeichnete Parzelle verfteinett: 1/411 — 47 qm Hosreite in der illndenaasse. Giehen, oen 21. Sevt. 1910. Grotzherzogliches Ortsgericht. Gros. K 115/10. (BeA. Donnerstag den 10. Novbr» 1910, nachm. 3 Uhr, werden in unserem Amtszimmer die den Heinr. Rühl II. Eheleuten von Gienen zugeschriebenen, nach, stehend verzeichneten Parzellen! versteigert: l/998*/io «= 110 qm Hosreite in der Neustadt. l/9986/i0 —139 qm Grabgarten das. Gietzen, den 5. Oktober 1910. Grotzh. Ortsgericht Giehen. Gros. K 116/10. (B’/t, Donnerstag den 17. Novbr. 1910, nachm. 3 Uhr, wird in unserem Amtszimmer die dem Georg Bill von Nieder - Weisel zugeschriebcne, nachstehend ver- zeichneie Parzelle versteigert: o/lS^/ioo = 243 qm Hosreite hinter dem Steeg, zwischen der Chaussee und dem Mittelweg. Gietzen, den 5. Oktober 1910. Grotzh. Ortögericht Gietzen. _________Gros._________ werden blitz-1 JKHmme blank mit Schellfische । n • « ää jluSvcttauf p tit 'ii . i62 Seltersweg 83. MvOI*Q W£1116311618 Nachmittags 3—5 Uhr freihändig zu herabgesetzten Marktplatz 21 Telephon 46 Preisen noch 2 Tage. 22. Cftober, nachmittags 3 Uhr. Versteigerung der Restbestände im Laden (SelterSweg 83). Gut erhaltenes Büfett (f. Eßzimmer, student. Korp. od. sonst. Vereine) 150 Mk., gr. Standspiegel 40 Mk., SosaS 40 und 30 Mk., Schreibtisch 30 Mk., Waschtisch (m. w. Marmoraussatz) 20 Mk. Plüsch- und andere Stühle, Tische (darunter gr. Ausziehtisch 40 Mk.), , Bilder (Mühle am Bach, Windhof usw.), Figuren, Ständer, Kleiderschrank 18 Mk., jn Küchen- od. Glasschrank 20 Mk., Bett 35 Mk., III Nachttischchen, Bettvorlagen, GaSlüsterS, Ul 1 kompl. WirtschaftSbüfett (m. Majollkaauffatz) 120 Mk., Gläser rc. Die gekauften Sachen müssen nunmehr abgeholt werden, da am Samstag geräumt werden must. - für Frack-, fiehrack- und Smoking-Anzüge m empfehlende Erinnerung. Anfertigung nach Matz.