Nr. 196 Zwettes Blatt mb den Prinzregenten. Rach dem stürmisch angenommenen Hoch sang die Versammlung die bayerische KöniaShymne. Oberbürgermeister Wolfram (Augsburg) dankte dem Lokal- komllee für die fteundlichen Worte seines Vorsitzenden. ES sprachen noch eine Reihe anderer Redner, worauf der Begrüßungsabend geschloffen wurde. Die Beratungen der Hcmptversamnll mg nahmen heute vormittag 11 Uhr mit der ersten geschlossenen Versammlung in bei Konzerthalle des Stabtgartens ihren Anfang. Auf den Ehren- Plätzen waren eine große Anzahl katholischer Parlamentarier und bekannter Persönlichkellen des öffentlichen Lebens erschienen. Der Präsident des Lokalkomitees Justizrat Reifert eröffnete die Versammlung mll kurzen Worten: „Gestern war Parade, heute wird es Ernst. Als Präsidenten dieser Versammlung schlage id) Ihnen den Reichstags- und Landtagsabgeordneten Marx vor" (Stürmische Zustimmung). Dieser stimmt seiner Wahl zu. Als erster und zweiter Vizepräsident wurden Gras von Schönburg- Glcutchau und Regierungsrat Karl Speck-München gewählt. Zunächst wurden an Papst, Kaiser und Prinzregenten, sowie an die zurzeit in Fulda tagende Bischofskonferenz -. Hd. des Kardinal Kopp längere Huldigungstelegramme gesandt. Sodann erstattete der ständige Kommissar der Deutschen Katholikentage Graf Droste-Vischering den Jahresbericht. Der frühere Abgeordnete Justizrat Bachem (Köln) begründet dann die alljährlich wiederkehrende Entschließung ntr Römischen Frage. Bachem führt zur Begründung aus: Man hat neuerdings wieder die Frage aufgestellt, ob das Papsttum wirklich von Christus eingesetzt sei. Von gewisser Seite ist diese Frage natürlich verneint und behauptet worden, daß an der Kllche und dem Papst- tume nichts Göttliches sei. Ich meine, für ein Auge, das nicht von vornherein das Licht des Glaubens ablehnt, und nicht von vornherein die Zeugnisse der Bibel künstlich beugt, ist der Beweis geführt. Noch bedeutungsvoller ist der Beweis, daß das Papsttum immer noch existiert. Der jetzige Heilige Vater ist der 268. Wer könnte es wagen, für eine weltliche Dynastie eine solche Dauer überhaupt auSzudenken. Noch heute steht bet Stuhl Petn fester als alle Dynastien der Welt. Wie kann man ba an bem a örtlichen Ursprünge des Papsttums zweifeln. Das Papsttum ist ein wabreS Wunder der Wellgeschichte. Gewiß wird auch bic lttrche von Menschen regiert, die Menschen sind und Menschen bleiben, vom Priester biß hinaus zum Papst. Sie alle haben ihre Schwächm und iljrt Fehler, aber der Lärche und ihrer höchsten Leitung ist der göMiä-e Beistand versprochen bis anS fcibe der Tage. Das zeigt sich wllksam auch in unseren Tagen. Wir wollen znm Papsttum stehen in guten und schlechten Zellen. In Frankrnch hat man jetzt mit der Kllche völlig gebrochen. Auch das zurzell offizielle Spanien hat soeben einen Bruch vollzogen, von bem man nicht weiß, zu welchen Konsequenzen er führen wird. Aber die äußere Stellung des Papsttums ist nicht entscheidend für seine weltgeschichtliche Bedeutung. Dll Gegner frohlocken zu frühzeitig, sie glauben jetzt schon von dem Untergänge des Papsttums reden zu können. Auch in Deutschland erfahrt das Papsttum Angriffe von allen Sellen und besonders in jüngster Zell. Umsomehr müssen die deutschen Katholiken sich zusammenschließeti, um Papst und Kirche zu verteidigen, umsomehr werden wll durch bie Katholiken für das Papsttum Treue leisten. Die Entschließung wird unter stürmischem Beifall einstimmig angenommen Graf Galen begründet hierauf einen Antrag auf Unterstützung der BonifaziuS-Vereine, die bekaiuitlich als Gegenstück zum Evangelischen Verein der Gustav-Adolf-Stiftung die Unterstützung der Katholiken in der Diaspora sich angelegen sein lassen In dem Anträge werden alle Katholiken ersucht, bas Werk der Bonifazinsvereine Weller zu unterstützen In der Begründung führte der Anttagsteller aus, daß der Kampf zwischen Glauben und Unglauben immer.schärfer werde. Religion und Glaube und mit ihm katholische Lebensanschauung und Sitte werde von Tag zu Tag mehr gefährdet. Besonders groß seien bie Gefahren in der Diaspora: bort könnte ihnen nur durch Aufbietung fast übermenschlicher Anstrengungen begegnet werden. Viele Arbeiter aus Südbeutschland, bie in die nördliche Diaspora wandern, würden durch Mangel an katholischer Seelsorge und infolge der Eingehung gemischter Ehen Nicht nur im Glauben gleichgültiger, sie fielen auch ab. — Der Antrag wird schließlich einstimmig angenommen, ebenso ein weiterer des Domkapitulars Düster- lv a l d - Köln, der die Unterstützung des Vereins vom Heiligen Lande verlangt, unter Bezugnahme auf die Einweihung der katholischen Kirche und Wohltätigkeitsanstalten in Palästina. Zu Rednern für bie erste öffentliche Versammlung wurden bestimmt der österreichische Minister Eben hoch, Pwfessor Wagner (Augsburg) und Lehrer Bornewasser (Köln), Damll Woß bie erste geschlossene Versammlung. Gleichzeitig tagte im Schießgrabensaale bie große Versammlung der katholischen Lehrer urxb Lehrerinnen unter dem Vorsitze des Rektors Brück- Bochum, des Vorsitzenden des Verbandes der katholischen Lehrer Deutschlands. Auch der Bischof Ritter von Lingg, der das Ehrenpräsidium dieser Versammlung übernommen hatte, war in chr in Begleitung zahlreicher hoher geistlicher Würt^nträger erschienen. Man bemertte ferner den Tllnlarbischof von Argos in Brasilien, Amalckms Dahlmann, und den Bischof von Würzburg. Viel bemerkt wurde bie Anwesenheit des früheren Kommissars der Katholllentage, des Fürsten zu Löwenstein, im Dominikanerkleide. Die Versammlung wurde eröffnet vom Lehrer unb Gemeindebevollmächtigteu Mayr. Er wies auf die Gefahren hin, die von verschiedenen Vertretern der Wissenschaft aus dem Glauben drohten. Dagegen sei viel Pionierarbeit nötig, unb Pioniere der christlichen Weltanschauung seien bie Lehrer unb Lehrerinnen. Rektor Brück- Bochum führte aus, die Teilnahme des Klerus an der Versammlung zeige, wie neuerdings das Verständnis für Schulangelegenhellen wachse, namentlich hier in Bayern, während anderwärts eure ganz unverzeihliche Gleichgültigkeit für Schulfragen bestände, bie doch so ungeheuer wichtig seien. Noch erfreulicher wäre es freilich gewesen, wenn die gesamte katholische bayerische Lehrerschaft hier ein Zeugnis ihrer katholischen Ueberzeuguitgstteue abgelegt hatte. (Sehr richtig.) Die bayerische katholische Lehrerschaft, sei in ihrer Mehrheit treue und überzeugte Katholiken, aber besser wäre es, wenn das vor aller Well bekundet würde. Dadurch würde der Anschein vermieden, der tatsächlich anderwärts herrscht, als wenn bie katholische Lehrerschaft Nicht auf katholischem Standpunkte stände. Eine geschlossene katholische Lehrerschaft würde auch ein fester Schutz sein in den Schulkampf en der Zuhmft, dll noch schärfer ernsetzen würben, auch im katholischen Bayemfalbe. Das alte Sprichwort habe noch immer seine Gültigkell: Sage nur, mit wem du umgehst, und ich will dir fagen, wer du bist (lebhafte Zustimmung). Die Zugehörigkeit mit einem Verein, der katholische Interessen nicht Dertreieu will unb kann, führt leicht dazu, daß das katholische Bewußtsein Schaden leibet Ich lasse aber die Hoffnung nicht sinken, daß in dieser Beziehung gr Zukunft Wandel geschaffen wird. (Lebhafter Beifall.) Bischof von Lingg: Ich danke für bie llebertragrmg des Ehrenpräsidiums, ich wäre aber auch gekommen, wenn ich nicht eingeladen worden wäre (lebhafter Beifall). Sie haben die christliche Schule aufs Programm gesetzt und ba muß ich dabei fern. Das Herz geht mir auf hier unter Ihnen, nur eines betrübt mich: Warum ist nicht bie gesamte katholische Lehrerschaft hier versammelt? Auch ich bin überzeugt, daß ihre große Mehrzehl ttrchliche Gesinnung hegt, aber aus Gründen, die ich Nicht berühren will, hier fernbleibt. Möge Ihre Versammlung diesen Fehler ausmerzen, damll m Zukunft bie gesamte katholische Lehrerschaft an den Versanmi- lungen tellmmmt Ihnen aber rufe ich zu: Älltt, Mut, da sich an die Kirche halten, iverben Sie auch deren Schicksal teilen: Die Pforten der Hölle werden Sie nicht überwältigen (stürmischer Beifall). Noch ein Beispiel von mir selbst: Ich war ein lebhafter Knabe und habe vor 60 Jahren manchen Streich gemacht. Wieder einmal hatte ich einen solchen verübt, der an sich harmlos war, aber schlimm hätte ausfallen können. Am nächsten Tagen ging Ein dänischer Dichter über Deutschland. As. Kopenhagen, im August. Hermann Bang, der zu den gelesensten der jetzt lebenden nor- dischmi Verfasser gehör: und bekanntlich auch in beutftben Landen einen hohen Ruf genießt, hat sich wiederholt in Deutschland aus längere Zell aufgehalten und die deutschen Verhältnisse einem Studium unterzogen, das sich durch Genauigkeit und Bestreben nach Unpartellichkell in hohem Grade auszeichnet. So ist denn Hermann Bang tatsächlich dazu gelangt, über das „moderne Deutschland" llrtellc abzugeben, bie durch ihre logische Schärfe überraschen; Ü3ang hält es Mich für seine Pflicht, möglichst dahin zu wirken, daß bie verkehrte unb vielfach von Vorurteilen beeinflußte Beurteilung deutscher Verhältnisse, bie noch in Dänemark zu flliden ist, einer gesünderen Auffassung weiche. Hiervon zeugen bie ausgezeichneten Vorträge, bie Herr Bang, nach der Rückkunft von feinem letzten Aufenthalt in Deutschland, seinen Landsleuten über „Das Deutschland des 20. Jahrhunderts" gehalten hat. Die Vorträge waren geistreich und interesfatt unb wohl geeignet, ine freundnachbarlichen deutsch-dänischen Beziehungen zu fördern. Es dürfte auch deutsche Leser interessieren, von den Ausführungen Hermann Bangs näheres zu erfahren. Es seien deshalb einige besonders hemeröenswerte Stellen aus seinen Vorträgen wiedergegeben. „Deutschland ist unser Nachbar", — so führte Hermann Bang znr4 —, „uns so nah und doch so fern! Zehn Stunden dauert bie Reise zwischen unseren Hauptstädten, — in zehn Stunden sind wir in dem Herzen des mächtigen Nachbarreiches, unb doch — wie wenig kennen es die Dänen! llnsere Handelsbeziehungen bringen uns bem deutschen Volke nicht näher; denn diese Hanbelsbeziehungen bestehen leider nur bann, baß uns einige deutsche Haiidlungch reisende alljährlich besuchen, wellet nichts! Auch verbinden uns nicht in besonderem Grade geistige Interessen mit Deutschlam», weder die ältesten unter uns, hie das jetzt geschwundene Deutfä)- lanb, das Deutschland Jenas, das Deutschland Weimars geliebt haben, noch die „Mittelaltrigen", die zur Fahne der gallischen Kunst schworen unb bie blauen Hügel von sJJioiitinartrc lieben, unb für die Paris bic „Fanfare des Herzens" ist. Und auch das jüngste, mehr blinde als feljenbe Dänemark, dessen Egoismus mll seiner Unwissenl>ell wetteifert, kennt das moderne Deutschland nicht. Die in Dänemark übliche Auffassung von Deuts'chlaiid bauen leider noch aus bem Jahre 1875, nicht aus 1910. Am meisten trennt das dänische Herz von dem deutschen noch der Grenzpfahl an der Königsau! Aber hin möchte idi meine Landsleute eindringlich bitten, Vergangenes, waS der Mschick)te angehört, zu vergessen; wir müssen bie Urheber unsereS Heids vergessen unb klar in die Welt schauen! Das neue Deutschland wollte nicht nur ein kräftiges, sondern auch ein reiches Land sein. Es eiferte der Industrie anderer großer Läiider erfolgreich nach, und die dem scheu Kaufleute geben von Land zu Land und verkaufen. Sie befolgen immer treulich den Grundsatz des geringen Nutzens im Einzelfalle, und sie oerfaufen immer mehr, well ihre Ware immer und immer besser wirb! Die beutfebe Ware ist bie beste der Well geworben, well kein Volk wie die Deutsche 'eS versteht, in die geheimsten Maschllien- ftnessen einzudnngen. Die Maschinen sind die Gedanken der Deutschen geworden. Die deutschen Philosophen sind durch einen nicht allzu gewaltigen Saltomortale ebenso hervorragende Techniker geworden, wie sie früher Philosophen waren. Deutschland ist daS erste europäische Land, das aus dem Handel unb der Industrie eine Wissenschaft gemacht hat. Ms die Deutsä-en bei ihrem Vorbringen die Grenze erreicht hatten, sahen sie das Aicer. Das war gerade um bie Zell der Thronbesteigung des jungen energischen Kaisers Wilhelm 1L Er wollte zweierlei. Das eine davon wußte er zuerst vielleicht gar nicht mal selbst. Er wollte zunächst übers Moer hllmus! Heber* dies aber wollte er ebenso energisch den Frieden. Den Frieden wollte dieser „Garde-Lohengrin"! Er erdroht sich den m betten verhau^ltyr über mich und I Petri, gekrönt von einem glanzenden Bau • der römisch-katholischen Da formte ich nun Kirche. (Lebh. Beifall.) Wenn jeinsrithe^n Jah?endann ftt Alech^A börem Aber ich fühlte gegenüber den geschilderten Verhältnissen gerade jetzt eine solche ,cä, das &ers 3rttexte nnr, mft welcher ~iri>e bec Lehrer und der machtvolle begeisterte Veranstaltuna, ein kraftvolles Bekenntiiis un' mrAfSr Eue Zukunft kümmerten. Das hat sttes Festhaltens am heiligen katholischen Glauben notwendig Tir oure Vorlesung wirkte (Zustimmung.) In einem Rundschreiben an die Oberhirten der mft einem Appell, un Amte des Lehrers die christliche Welt- mast verleugnen, aber sie wird andere nicht verletzen und kränken." anichauung hochzuhalten. Die Rede wurde mft großem Beifall Wir erheben aber energischen Protest dagegen, aufgeiwmmen und hierauf die Versammlung geschlossen. I daß man von einigen Seiten diesen Anlaß benufct, um die kon- Um 5 Uhr abends trat in der Festhalle die erste öffent- M^uktte Spaltung zu vertiefen, die katholische Kirche und ihr liche Hauptversammlung zusammen, zu der der Andrang ‘ äu l^!chiniplen und Unfrieden zu säen. Wir warnen :des Publikums 'trotz strömenden Regens ganz außerordentlich mar, ® ??r, PQur hiele!n. Wege weiterzugehen. — Was folgt mit Rücksicht auf die Ankündigung, daß der österreichische Acker- Katholiken aus dielen Vorgängen der letzten Zeit? Die bauminister über bie >,Gewinnung der gebübeten Katholiken" ^^hnung, uns um so fester an den Mittelpunkt unserer Kirche, ^sprechen werde. Auch der Bischof von Augsburg und die übrigen 0^ ^apostolischen Stuhl anzuschließen. Krieg dem Unglauben Bischöfe sowie die arideren Ehrengäste hatten sich vollzählig ein- Zuutuw, aber Liebe und Erbarmen dem irrenden Bruder, gefunden. Viel bemerft wird die ausfällige Tatsache, daß die «ei un|er Wahl|pruch. Hoch über uns aber schwebe die ^ochulfrag e diesrnal in den Vordergrund der Verhandlungen I Kreuzevfahne Mit der unverwischbaren Inschrift: In diesem Zeichen .gerückt erscheint, und zwar nicht nur dadurch, daß man die heute ?e9enJ ^ Redner bittet den Bischof von Augsburg um vormittag abgehaltene große katholische Lehrerversauimlung in- ore Grteilung des bischofüchen Segens. Darauf nahm mit jubeln- ■izenierie, sondern auch insofern, als man heute abend in der ersten I öen Za^afen begrüßt -öffentlichen Versammlung die Schulftage an die erste Stelle der' Themata gestellt hat. Der Grund ist wohl darin zu suchen, daß IILr^U9^ur9 biner der Hauptwortführer der deutschen Lehrer- versammlungen, Landtagsabgeordneter Oberlehrer Schubert, wohnt, der auf den Deutschen Lehrerversammlungen in München -Strafjburg offen für die konfessionslose Schule eingetreten ist. Befondns sein Auftreten auf der Straßburger Tagung erregte Stotzes Mißfallen in Zentrumskreisen, da kurz vor dieser Tagung. —----. bie Elsaß-lothringische Lehrerschaft, die sich zu einem großen Teil Brunnen gesehen, auf jüu3 katholischen Lehrern zusammensetzt, einmütig dem Deutschen sagt: da soll unser K< 78-82 56 it 74 71 71—73 71—78 68—70 63-66 72 66 49 45 40 46 43 37 31 45 43 56 54 50 104 94 86 80 72 72 69 64 1910. 63 56 51 40 88 84 79 83 79 (I Darmstadt), des Jnf.-RegtS. Prinz Karl (4. Großh. Hess.) Nr. 118. Versetzt: Bünger (Frankfurt a. M.), Oberlt. der Landw.-Jns. 1. Aufgebots, zu den Res.-Osfizieren deS Füs.-Regts. v. Gersdorff (Kurhess.) Nr. 80. Der Abschied bewilligt: Reichert (Frankfurt a. M.), Oberlt. der Landw.- Jnf. 2. Aufgebots, mit der Erlaubnis zum Tragen der Landw.-Armee-Unisörm; Schneider (Worms), Lt. der Res. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden! Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Langsdorf, 21. August. Daß es gerade der Darmstädter Automobilklub gewesen ei, der die bekannten „10 Gebote für Fuhrleute" veröffentlichte, und daß dieser dabei mit Polizeiunierstübung gehandelt habe, war mir nicht bekannt, als ich meinen Artikel gegen den Automobilunfug schrieb. Ich hatte in verschiedenen Zeitungen, zuletzt in der „Hungener Landpost", diese „10 Gebote" bemerkt, und daran Aergcrnis genommen. Denn wer gibt diesen Leuten das Recht, uns Bauern und den Fuhrleuten Vorschriften zu machen? Oder bilden sie sich schon ein, darum, weil die deutschen Fürsten auch Automobil fahren, darum stelle der Automobilklub schon eine staatliche Einrichtung und Autorität dar? Nur gemach: Quod licet Jovi, non licet bovi — und dann die Revolverstelle! Welcher Esel hat denn nicht längst schon bemerkt, daß das einzig und allein nichts weiter sein soltte, als eine Persiflage, eine Verspottung der „10 Gebote für Fuhrleute" ? Wer kann so dumm und voreingenommen sein, anzunehmen, ich hätte im Ernst enipfohlen: „Gehe aufs Kreisamt, erwirb dir einen Wafsenpaß" (der doch erst nach Feststellung der Personalien und des Zweckes verliehen wird), „und hernach einen tüchtigen Revolver —und dann der Ulk „daß du dich wehren kannst, wenn das moderne Ungeziefer dich überfällt". Die ältesten Kühe lachen darüber, weirn sie hören, das hätte ich alles in tatsicherem Ernste ausgesagt. Nun, derselbe Staatsanwalt, der den Automobilmoro zu Dietzenbach zu untersuchen hat, soll ja auf Antrag des Darmstädter Automobilklubs auch den „Ernst" dieser Sache prüfen. — Interessant ist mir noch, daß, der Darmstädter Automobilklub überhaupt sich der Sache angenommen hat. Wen habe ich denn in Wirklichkeit angegriffen? Die anständigen Automobilisten? Wo steht das geschrieben.? Von einer „übermütigen Faul en z er bände", die im Auto daherrast, habe ich gesprochen. Der Darmstädter Automobilklub - wird doch diese Leute nicht mit seinem blanken Schilde decken wollen? Wäre es der Fall, er würde keine Lorbeeren dabei ernten. , , , Ich möchte noch bemerken, daß es sonderbar anmutet, wenn man hört, die Polizei habe an Autofahrten tellgenommen, um einen Ueberblick über die Verhältnisse des Fährverkehrs auf den Straßen zu gewinnen. Warum, setzt sich denn der Herr Polrzec- kommissar nicht auch einmal auf einen Bauern-, Mr st-oder Frachtwagen, um auch einmal die Sache von der anderen: Seite ans zu betrachten? U. A. w. g. Köhlsr-Langsdors. pro 100 Pfd. schnittspreis Gebend« Schlacht- pro lOOPsund gewicht , Ledend» Schlacht« geivicht Jahre soll der Deutsche Katholikentag in Mainz abgehalten werden. 4- Bingen, 21. Aug. Der Verein hessischer Ziegeleibesitzer hielt heute früh im Starkenburger Hof eine Wanderversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Rücker, Weinsheim bei Worms, begrüßt die zahlreich Erschienenen, namentlich auch die außerhessischen Kollegen und das damit bekundete rege Interesse am Zusammenarbeiten. Die Mitgliederzahl hat sich in dec kurzen Zeit des Bestehens verdoppelt. Von der Verstulimlung wird besonders gewünscht, für die Einführung des Legitimationszmanges der ausländi- ist und somit kein Grund zu Befürchtungen mehr Oberkleen, Weiperfelden, Ebersgöns, Griedelbach, Espe und vorliegt. Cleeberg wird hier eine größere Molkerei erbaut. r. Reiskirchen, 20. Aug. Die Tochter eines hiesigen , Wiesbaden, 22. Aug. Im Paulinenschlößchen findet Landwirts verletzte sich beim Fruchtladen derart am ^mmenden Monat eine völkerkundliche Ausstellung Fuße, daß sie nach Gießen in die Klinik verbracht roerben Qu§ ben Gebieten der Baseler Mission statt, die, teils Dollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtwertes ....... 44—47 72-/7 Dollfleischige, jüngere / 42—44 70 72 Färsen, Kühe. Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst. Schlachtwertes ....... 4o-48 82—84 Vollstelschige ausgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bis zu 7 Jahren. . 40-46 77—82 Aeltere ausgemästele Kühe und roemg gut entwickelte st'mgereKühe u. Färsen 35—39 71—7b Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 29—34 64—68 Kälber. Märkte. Gießen, 23.Aug. Marktbericht. Auf heutigem Wocbeii- markte kostete: Butter pr. Pfd. 1.20-1.25 Mk., Hüpnereter 1 St. 8—9 Pfg., Enteneier 1 Stück 9 Pfg., Käse pr. St. 6—8 Pf., Käsematte pr. St. 5-6 Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80•-!.,00 SWL Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk„ Hahnen pr. Stuck 0,80—1,80 Mk^ Eliten pr. Stück 1,80-2,20 Alk., Ochsenfleisch pr. Pfd. 84—92 Pfg., Rindfleisch pr. Pfulid 80-84 Pfg., Kühfleisch ?0 Pfg., Schweine- lleisch pr. Pfimd 80—96 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 86—88 Pitz, Hammelfleisch pr. Pfd. 60-84 Pfg. Kartoffeln (neue) pr.D00Kg. 7.00 bis 8.00 Alk., Zwiebelli per Ztr. 6,00-8,00 Alk., Milch per Ltter 20 Pfg., Gurken per 100 Stück 2.50-3 Mk. Birnen per Pfund 15. bis 30 Pfg., Aepsel per Pfd. 10-15 Pfg., Zwetschen per Pfd^ 20 Pfg., Rüste 100 Stück 50 bis 60 Pfg., per Ztr. 0—00 Mk^ Bohnen per Pfd. 10-15 Pfg. Marktzeit von 7—1 Uhr. F.C. Wiesbaden. Viehhof-Marktbericht vom 23. Aug. Auftrieb: Rinder 83, Kälber 47, Schafe 34, Schweine 297. Tendenz: Rinder, Kälber, Schafe und Schrveme mittelmäßig. Preis Lurch- Frankfurt a. M., 22. Aug. Nach den hier eingetroffenen Meldungen ist Lindpaintner, der bereits vor Mamchemr in Sicht kam, aber wegen des schweren Gewitters umkehren mußte, kurz vor Worms gelandet, von wo er die Absicht hatte, nach dem Gewitter nach Mannheim weiter zu fliegen. Frankfurt a. M., 22. Aug. Um .7,25 Uhr kam Wien- cziers auf seinem Antoinetkeapparat in außerordentlich rascher Fahrt von Hattersheim zurück, und hatte auf dem Flugplätze infolge des außerordentlich starken Windes eine schwierige Landung. Mannheim, 22. Aug. Lindpaintner ist um 7,47 Uhr auf dem Flugplätze gelandet, er war zuerst in der Nähe des Wald- hofes niedergegangcn, dann aber wieder aufgestiegen. Ochsen. von-biSvon-bis Dollfleischige, cmsgemastete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 48—51 87 —89 Junge, fleischige, nicht allsgemästete und ältere ausqemästete 43—47 83—8o Mäßig genährte junge und gut ge- nährte ältere......... 39—42 78—81 Bullen. deS 4. Lothr. Jnf.-Regts. Nr. 136; Cramer (Gießen), Lt. der Landw.-Jns. 2. Aufgebots; Klctt (Frankfurt a. M.), Lt. der Res. de§ Jnf.-Regts. Markgraf Ludwig Wilhelm (3. Bad.) Nr. 111, behufs Streichung in den Listen aus jedem Militärverhältnis entlassen. Ischen Arbeiter auch in Hessen einzutreten. Ein Vortrag des ** L eh r e rp e r s o n a l i en. Uebertragen wurde dem Ingenieurs Pöttl-Kaiserslautern über Neuerungen an Schülwnttsaspiranten Kail Freihöffer aus Alsfeld eine Ziegeleimaschincn wurde mit großem Beisall ausgenommen. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ra in rod; dem Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurde noch eine Schulamtsaspirantcn Wilhelm Görg Lindpaintner, die aber alle kaum über den tm Butzbach, 22. August. Unser Krtegerveretn Ytelt12au=e bcr ätzten Woche schon zur Berühmtheit gewordenen gestern seine Hauptversammlung unter dem Borfttze des eim er Damm binauskamen. Widrigkeiten aller Art Medizinalrats Dr. Vogt ab. Der Verem, der letzt 66^ahre ' 'die kühnen „Segler der Lüfte" immer und besteht und 224 Mitglieder zählt, verfügt über ein S>er^ immcr nieder an der erfolgreichen Durchführung der wage- rnvgen von rund 4100 Mark. mutia unternommenen Fahrten. Friedberg, 22. August. (Zum Zarenbefuch.) Tie bei den Luftschiffen, hängt auch bei den Flug- Ehrenwache für den Zaren wird nrcht mehr wie der ^schinen, und bei ihnen sogar noch mehr, die volle und früheren Fürstenbesuchen von dem Garderegrment. Nr.1151 nbebinqte Sicherheit immer noä) von vollständig zuver- ausgeübt, sondern es sind aus jedem der fünf heottcheni arbeitenden Motoren ab. Das ist gewiß einwand- Jnsanterie-Regimenter je 32 Mann nebst ie emem Leut- . baber die französischen Flieger haben ihre nant ablommandiert, die unter Befehl des Hauptmann nen Mge doch nahezu unter den gleichen Bedingungen Schmitz (Offenbach) stehen. Jnb Umstünden gemacht. Die Ursache der mangelhaften L. Aus der Wetterau, 22. August. In dem Städt- Erfolge ist auch nicht mit der Ungunst der Witterung von chen Münzenberg wurde anstelle des steckbrieflich Der* $runt) aus erklärt, die wohl ein oder den anderen Fehlfolgten, ui,'getreuen Bürgermeisters Metzger der seitherige schlag entschuldigen mag. Entschieden aber ist es zu loben, Beigeordnete Landwirt Wetz mit großer Stimmenmehrheit ö|e Zeitung, die an sich ja nicht gerade ei.ne glückliche gewählt. — In Beienheim wurde der Knecht des Land- $anb bekundet hat, nicht aus die Aussiihrung von Flügen Wirts Weitzel vom Pferd ins Gesicht geschlagen und fd^er drängte, oder, daß die Fli eg er m ah vo ll genug waren, verletzt. — Im Lssenheimer Wäldchen fand gestern das unb if)r Leben nicht zwecklos aufs Spiel setzten. Dekanatsmissiousfest für das Dekanat Friedberg Sonst bleibt allerdings an der Leitung wenig lobens statt. — Die Gemeinde O bb o r nh o f en läßt größere Feld- ^^s übrig und das einzige Mal, wo sie tatkräftig vor- bereinigungsarbeiten ausführen, die zu rund 6000 Mark! , qing {ie ju. Un^eiit dot. Denn daß die Polizeibeamten veranschlagt sind. I im Rechte waren, als sie die Zuschauer vom Aufstiegplatze R. B. Darmstadt, 22. Aug. Der Großherzog herunter auf die Landstraße drängten, das haben die spateren von Baden wird morgen früh in Darmstadt eintreffen Unfälle zur Genüge bewiesen. und aus dem Griesheimer Triippen-Uebungsplatz eine Be- Trotz der wenig bemerkenswerten Ergebnisfe hat dieser sickstiqunq der 38. Kavallerie-Brigade vornehmen. erste deutsche Ueberlandflug jedoch beachtenswerte und wert- R B Darmstadt, 22. Aug. Eine außerordent- volle Aufgaben erfüllt. Er hat deutlich ge-eigt,wie wcnt l i ck e s v a n i s ch e G e s a n d s ch a f t zur Ueberreichung des wir in der Praxis noch zuruck sind, äu^lerch aber hat Ordens vom goldenen Blies an den Großherzog traf heute auch die Augen des’ naefimittaa hier ein Ter Großherzog, ui desien Begleitung und lo auch bei uiw größere -Leilnayme sur ore sich Staat^sminister Ewald, der Divisionskommandeur Exz. der Flugschifsahrt gewecktt Vielleicht ^nden sichh v Skranß Oberstallmeister Jrhr. v. Riedesel, General- und mehr gebefreiidrge Grunds die durch Prersbewerbe abjutant, Generalmajor Hayn u. a. befanden, empfing am Mieger MS-MMMMWffWWZ SÄÄffi’Ä’S SS IX!tWlS8Ä «»Ä** n. furrttiirficn Jnsanken oas Großkreuz des! * „ _. stil" sch en Lndwrgs ordens und dem spanischen Frankfurt °M, 22 Aug. Trotz des w-mg gunttgen Äesandteic Polo de BernabS das Äroßlreuz des Wetters ftartetcil -ndv at utn e r uml Uhe , CrdensPl iliPPsdeSGrobmütigen oerlrehem zum Ucherlaudslug. Um 2 Uhr 14 Mm. 1% Sek. ftug Ären ? Mainz, 22. Aug. Nachdem die lmkSrhimisch«n cirers aus. Lindpaintner passierte 2,26 Uhr Festungsanlagen von Mainz voUendet sind, beginnt man M Ueberlaiidstug Mainz. mit den Vorarbeiten zu den rechtsrheinischen Lesepigungen. Mainz, 22. .Aug. Lindpaintner ist um 4,21 Uh Eine Landstrasse, die an die Uebersührung in Weisenau an- Grobcu Sande bei Mainz wieder aufgestiegen, beschrieb eine fließt und von Gin-Heim durch den Wald bei Bischvf-Hemi WH und schlug daun die Richtung nach Nrer-leui cui. Mt „ach Rüsselsheint sührt, soll angelegt werden. — I»' nächsten I über Worms, nach Mannheim zu sahren., - Karlofselmarkt. Bericht vom W. August Mk. 3.20-3.50. Willich: Nieren, Aulstns Jutt Mk. -.80. m t • ^riihiielbe 9)if, 6.00, Frührojti —ik. 6,00, Runde' Eierkartojseln M!k. 6.00, Nieren, Poulsens Juli Mk. S.00. Neue lange illlk. 6.00. Plaidt: Nieren Paulsens Juli Mk. 3.20. Pt annheim: Frühe wcwe Kagerkroue, .Ick. ~.