Nr. LSS Drittes Blatt 160. Jahrgang Erscheint täglich mit Ausnahme bt5 Sonntags. General-Anzeiger für Gberhefien Die „Oietzener FamilienbiStter" werden dem ,Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Uretsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtfchastlichen Seit-. fragen" erscheinen monatlich zweimal. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen. Donnerstag LZ-. September 1910 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen SW 4 jZ Universitäts - Buch- und Steindruckereü W M ti 8 R. Lange, Gießen. Die Reichrversicherungsordnung. :: Berlin, 21. Sept. Der Reichs Versicherung saus schuß setzte seine Beratung fort frei § 561, der den Begriff der Fabrik im Sinne der Unfallversicherung festlegt. Die Sozialdemokraten Mollen darunter auch die Gast- und Schankwirtschaften verstehen, sofern mindestens zehn Arbeiter regelmäßig beschäftigt werden. Dieser Antrag wird von der fortschrittlichen Volkspartei unterstützt, aber gegen diese und einige zersplitterten Stimmen abgelehnt. Ebenso fällt ein Antrag der Arbeiter, schon Betriebe mit drei Arbeitern statt mit zehn als Fabriken versicherungspflichtig zu machen. 8 561 wird nur unwesentlich geändert. Ein konservativer Vertteter beantragt die Einschaltung eines § 561a, wonach kaufmännische Unternehmen, in denen weniger als fünf Personen ständig beschäftigt werden, der Unfallversicherung nicht unterliegen sollen. Von der Regierung wird hiergegen auf die Unzuträglichkeiten hingewiesen, die sich ergeben, wenn man eine Zahl als Kriterium des Begriffs Kleinbetrieb annimmt Die Entscheidung solle auch in Zukunft dem Reichsversicherungsamt überlassen werden. Der Antrag wurde abgelehnt. Die §§ 562 bis 565 werden mit einer nicht wesentlichen Aenderung angenommen. Zu § 566 beantragen die Sozialdemokraten, auch Unfälle auf dem notwendigen Wege nach und von der Arbeitsstätte als Betriebsunfall in die Versicherung aufzunchmen. Ferner sollen, wie die Arbeiter und Bettiebsbeamten, auch Betriebsunternehmer, die allein oder höchstens mit drei Arbeitern arbeiten, der Unfallversicherung umerliegen. Beide Anträge werden abgelehnt, ebenso ein Zentrumsantrag, der die Versicherungsgrenze für Bettiebs- beantte auf 5000 statt auf 3000 Mk. festsetzen wollte. Bei § 568 wollen die Sozialdemokraten die Unfallversicherung auch ausdehnen auf Erkrankungen, die durch die Arbeit im Betriebe hervorgerufen oder verschlimmert worden sind. Von fort- schrütlicher Seite wird empfohlen, wie in England die Entschädigung der Gewerbekrankbeiten durch ein Spezialgesetz zu regeln. Die Regierung gibt eine entsprechende Entschließung anheim, hat aber erhebliche Bedenken gegen einen Antrag des Zenttums, der dem Bundesrat die Ermächtigung erteilen will, die Unfallversicherung auf einzelne Gewerbekrankheiten auszudehnen. Die Anttäge werden abgelehnt. Um den sozialdemokratischen Mitgliedern, die dringend wünschen, an der Llbstimmung über die Budgetbewilligung auf dem Magdeburger Parteitage teilzunehmen — u. a. ist es neben Molkenbuhr der bcchische Radikale Eichhorn —, diese Möglichkeit zu geben, wird hierauf die heutige Ausschußsitzung schon nach Zuständiger Dauer abgebrochen. Weiterberatung: Donnerstag vormittag. Aus dem Sttafprszehausschutz. [:: Berlin, 21. Sept. Der Strafprozeßausschuß setzte heute die Beratung des Abschnittes über das schleunige Verfahren fort. Nach §412 ist die Hauptverhandlung spätestens auf den nächsten Werktag anzuberaumen. Sind die Beweismittel zur Stelle, so soll sie gleich nach der Vorführung stattsinden. Der folgende Absatz dieses Paragraphen, der die Zuziehung von Schöffen zur Verhandlung ausschließt, wird durch folgende Bestimmung ersetzt: ,Lann hiernach die Sache nicht auf die Tagesordnung einer Sitzung des Amtsgerichts gesetzt werden, so unterbleibt dre Zuziehung von Schöffen zur Verhandlung. Diese Maßnahme kann nicht angefochten werden." Bei § 413 wurde die zur Erörterung gestellte Frage, ob in schleunigen Verfahren, in allen Fällen oder auch nur, wenn ein Vergehen den Gegenstand der Verhandlung bildet, von Amts wegen em Verteidiger bestellt werden soll, verneiM. Bei § 414 wird der zweite Absatz dahin aügeändert, daß der Richter die Sache zum ordentlichen Verfahren verweisen oder die Verchandttrng aussetzen muß, wenn der Angeklagte auf seine Verteidigung nicht genügend vorbereitet ist. Nach der Regierungsvorlage müßte der Angeklagte das glaubhaft machen. Der Rest des Abschnittes über das schleunige Verfahren, §§ 415 bis 423, wurde nicht geändert. Der vierte Abschnitt des vierten Buches handelt vom Strafbefehl. Es lag der Antrag vor, zu diesem Abschnitt folgende Leitsätze anzunehmen: Der Erlaß eines Strafbefehls ist auch zulässig auf Antrag des Privatklägers wegen eines Vergehens, das im Wege der Privat klage verfolgt wird. Die Bezeichnung einer bestimmten Strafe ist nicht erforderlich. Beantragt der Privatkläger eine bestimmte Strafe, so kann der Amtsrichter trotzdem eine niedrigere Strafe festsetzen; in diesem Falle steht dem Prrvatkläger der Einspruch gegen den Strafbefehl zu. Dieser Antrag entfesselte eine sehr lebhafte Aussprache, fand aber dabei so wenig Unterstützung, daß er schließlich zurückgezogen wurde. Man versprach sich davon keine Verminderung der Privatklagen, auch keine Verminderung der Kosten und ebensowenig eine Vereinfachung des Verfahrens. Zur Beratung der einzelnen Paragraphen lag ein Antrag vor, gegen Jugendliche den Erlaß eines Strafbefehls ganz auszuschließen: ein Unteiantrag will ihn bei Uebertretungen zulassen. Diese Anträge wurden angenommen, ebenso ein Antrag, auch die Festsetzung einer Buße durch Strafbefehl zuzulassen. Bei § 425 wurde hinzugefügt: „Oeftentliche Zustellung des Strafbefehls findet nicht statt. Ist hiernach die Zustellung des Strafbefehls an den Angeklagten nicht möglich, so hat der Richter die Sache zum ordentlichen Verfahren zu verweisen." Beim § 427 wurden Zweifel geltend gemacht, ob ein erhobener Einspruch beim Ausbleiben des Angeklagten im Termine durch Urteil verworfen werden oder als zurückgenommen gelten soll. Die Regierungsvorlage hat ersteres vorgeschlagen; es wurde dabei belassen. Weiterberatung: Donnerstag. 7. Sitzung Großherzoglicher Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protokoll-Auszug. Gießen, den 12. Sept. 1910. Anwesend sind die Herren: Kommerzienrat Heichelheim als Vorsitzender, Kommerzienrat Grünewald als 2. stellvertr. Vorsitzender, Dürbeck, Kommerzienrat Heyligenstaedt, Jhring, Noll, Ramspeck, Rühl, Stammler und der Syndikus. 1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben : a) Fleischteuerung. In einer gemeinsamen Eingabe an die Großh. Regierung haben die hessischen Handelskammern gebeten, daß zur Beseitigung der ein getretenen Fleischteuerung Erleichterungen durch die Einfuhr von Schlachtvieh und ausländischem Fleisch und Fleischwaren geschaffen werden. b) Veredelungsverkehr. Die Handelskammer hatte Bedenken nicht geltend zu machen gegen die Zulassung des zollfreien Veredelungsverkehrs mit aus ausländischen Erbsen her- gestellten Erbsenmehl zur Herstellung von Erbswurst, mit ausländischen, zu Kleider- und Mäntelteilen zugeschnittenen wollenen, halb-, baumwollenen und leinenen Wirkstoffen und gefärbten leinenen Geweben zum Besticken. o)FrachtermäßigungenfürdasLahn-,Dill-u. Sieggebiet. Auf die gemeinsamen, mit den übrigen Handelsvertretungen des Lahn- und Dillgebietes an den Herrn preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten gerichteten Eingaben vom 9. und 10. April ist der Handelskammer von der Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. folgender Bescheid zugegangen: Im gramen des Herrn Ministers der öffentlichen Arbeiten teilen wir Ihnen ergebenft mit, daß mit Gültigkeit vom 1. Oktober d. I. der Ausnahmetarif für Eisenerz und Manganerz aus dem Lahn-, Dill- und Sieggebiet usw. nach den im Tarif genannten Stationen dieser Gebiete und des Ruhrgebiets der Streckensatz von 1,5 Pf. aus 1,25 Pf. ermäßigt wird, vorbehaltlich jedoch einer Revision der Frachtsätze aus Anlaß der Abkürzungen und Verschiebungen, welche durch die Bahn Weidenau-Dillenburg und durch eine geplante Verbindung Creuzhagen-Olpe-Meinerz- hagen herbeigeführt werden würden. Ferner erfährt zum gleichen Zeitpunkte der Ausnahmetarif für Steinkohlen und Koks usw. zum Betriebe von Eisenwerken 1. eine Aenderung insofern, als die für das Siegerland bestehenden Einheitssätze 1,4-ft 6 auch nach Stationen des Lahn- und Dillgebietes durchgerechnet werden bis zur Eröffnung der Neubaulinie Weidenau-Dillenburg vorbehaltlich einer anderen Regelung für die Folgezeit, und 2. eine Ergänzung insofern, als der Tarif a) auf die Steinkohlen- und Koksbezüge der Eisenerz-Bergwerke und b) auf rheinische, hessen-nassauische und oberhessische Braunkohlenbriketts zum Betriebe der Generatoren der Siemens- Martin-Werke ausgedehnt wird. Den übrigen Anträgen auf Ausdehnung des ermäßigten Eisenerztarifs auf Blei-, Zink- und Kupfererze, auf weitere Herabsetzung der vorgenannten Steinkohlen- und Kokstarife und ihre Ausdehnung auf die Gießereien des s. -. Notstandsgebiets und auf Ermäßigung der Frachtsätze für Roheisen hat dagegen nicht entsprochen werden können. d) Unterstützung von Tarifanträgen. Nach An-^ horung der jeweilig in Betracht kommenden interessierten Steife hat bte Handelskammer bei der Kgl. Eisenbahndirektion Kattowitz bezw. bei der Kgl. Preuß. und Großh. Hess. Eisenbahndirektion Mainz folgende, bei der Ständigen Tarifkommission gestellten Anträge befürwortet: Aufnahme der gebrauchten leeren Mineralflaschen, unter bte bedeckt zu befördernden Güter, Versetzung von verdünnter durch Beizen von Etsenwaren stark verunreinigter Salzsäure in ben Sp^ialtaris III, Aufnahme von Glyzerinwasser mit einem? Glyzeringehalt von höchstens 20 Prozent in den Spezialtarif III, von mehr als 20 bis höchstens 50 Prozent in ben Spezialtarif I, Beförderung von Glyzerinwasser in Kesselwagen, Verfrachtung von Futtergemischen nach Spezialtarif III. e) Winterfahrpl an-Entwurf der Btebertal- frahn. Die von ben beteiligten Kreisen hierzu vorgebrachten Wünsche wurden unter Befürwortung zur Kenntnis dä Großh. Kreisamts Gießen gebracht. f) Geschäftsbedingungen für den Kartoffel- Handel. In der am 8. September l. Js. in Frankfurt a. M. stattgehabten Vertreterkonferenz der Hess. Handelskammern wurden in gemeinsamer Beratung mit hinzugezogenen Sachverständigen die Wünsche und Abänderungsvorschläge zu dem von der Landwfttschaftskammer für das Großherzogtum ^gearbeiteten Entwurf von Geschäftsbedingungen für den Kartoffelhandel festgestellt. 2. Neuregelung dergesetzlichenBestimmungen über die Konkurrenzklausel. Die Handelskammer kann die auf eine allmähliche gänzliche Beseitigung der Konkurrenzklausel hinzielenden Bestrebungen, wie sie in den Vorschlägen und Grundsätzen des preuß. Herrn Ministers für Handel und Gewerbe klar zum Ausdruck kommen, nicht gutheißen. Sie ist der Ansicht, daß ein großer Teil der Geschäftswelt die KonkurrenzNausel nicht entbehren kann und daß ein Verzicht auf eine solche vertragliche Vereinbarung für sie eine schwere Schädigung bedeuten würde. Sie ist ferner der Ueberzeugung, daß schon nach der gegenwärtigen -Rechtslage allen billigen Anforderungen entsprochen wird und kann deshalb eine Aenderung der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen nicht empfehlen. Wenn sie dennoch an eine Beurteilung der neuen Vorschläge des Handelsministers herantritt, so geschieht dies, um die Möglichkeit einer Einigung mit der Regierung nicht von der Hand zu weisen und in der Erwartung, daß, wenn eine den Absichten der Regierung entgegenkommende Form gefunden wird, diese Angelegenheit durch die gesetzgebenden Faktoren auf absehbare Zeit oer Erledigung zugeführt wich. Unter Ablehnung des Vorschlages, worin für die über die Dauer des Dienstverhältnisses hinausgehende Beschränkung in der Betätigung des Angestellten ganz allgemein die Entschädigungspflicht des Prinzipals ausgesprochen wiro, glaubt die Handriskarnmer in Uebereinstirn- mung mit den übrigen hessischen Handelskammern folgenden Vermittlungsvorschlag machen zu sollen: Die geltenden Bestimmungen sind dahin zu ergänzen, daß 1. als Regel die Geltung der Konkurrenz klausel auf ein Jahr beschränkt wird und 2. daß eine vertragsmäßige Ausdehnung der Geltung der Konkurrenzklausel über diese Zeit gestattet wird unter der Voraussetzung, daß der Unternehmer dem Angestellten für die Dauer der Geltung eine Entschädigung nach ben Grundsätzen des Handelsministers zu zahlen hat. Durch eine solche Regelung würde einerseits den Interessen des Unternehmers Rechnung getragen, anderseits den Wünschen der Angestellten in weitgehendem Maße entgegengekommen werden. Die Anwendung der Klausel auf längere Zeit als ein Jahr würde sich alsdann nur auf Fälle beschränken, in denen dies die Verhält* nisse unbedingt erfordern. Mit der Forderung des Konkurrenz«' Verbots gegenüber Lehrlingen konnte sich die Handelskammer nicht einverstanden erklären. 3. Sicherungsübereignung. Einer Anregung der Handelskammer Leipzig Folge gebend, hat der Deutsche Handelstag die amtlichen Handelsvertretungen ersucht, sich darüber zu äußern, ob die Einführung einer Eintragspflicht für Sicherungsübereignungen ohne Besitzübertragung zu empfehlen ist. Die lieber«* handnahme von Sicherungsübereignungen, d. h. Verträge, in denen der Schuldner einem Gläubiger, bisweilen auch einem angeblichen Gläubiger, zur Sicherung der dem Gläubiger zustehenden Forderung sein Warenlager, fein Handwerks-, Gewerk- Gewerbe-, Haus- und Wirtschaftsgerät verschreibt, d. h. zu eigen überträgt, aber selbst im Besitz behält, habe zu einer erheblichen Gefährdung des Kreditverkehrs geführt. — Die Handelskammer befürwortet, daß solche Verträge ohne Rücksicht auf die Höhe des Wertgegenstandes zu ihrer Gültigkeit der Eintragung in einer beim Amtsgericht zu führenden öffentlichen Liste bedürfen. 4. Die deutsche Eisenbahnfrage. Um in den weitesten Kreisen der Bevölkerung Aufklärung darüber zu schaffen, welche großen Vorteile in nationaler volkswirtschaftlicher unb Die Mgmaschine im Manöver. Ans Paris wird gemeldet: Die großen Herbstübungen der französischen Armee stehen im Zeichen der Flugmaschine und des Lenkballons, und mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt die Oeffeittlichkeit die Leistungen der Militäraviatiker. Schon die ersten Manövertage haben gezeigt, welchen großen Einfluß die Flugapparate auf die taktische Abwicklung der Kämpfe gewinnen können, unb zugleich scheint der Beweis erbracht, daß die kriegerische Verwendbarkeit der Flugmaschine den Lenkballon bei weitem übertrifft. In den ersten Kämpfen haben die Aeroplane bei einem heftigen Winde von über 30 englischen Meilen in der Stunde ihre Aufgaben gelöst, während die Witterungsverhältnisse die Lenkballcms an ihre Ankerplätze fesselten unb ihr Aufsteigen überhaupt unmöglich machten. Schon eine kurze Skizzierung der Manöveridee läßt ahnen, welche Bedeutung eine glückliche Erkundung durch die Flugmaschine für ben Ablauf der Operationen, gewinnen mußte. Eine feindliche Armee von 30 000 Mann ist bei Rouen gelandet und dringt durch die Picardie überraschend in der Richtung auf Paris vor. General Picguard, der die Verteidigungsarmee befehligt, kann dem Feinde am ersten Tage nur 10 000 Manu entgegenstellen, die erst im Laufe des zweiten und dritten Tages ausreichende Verstärkung empfangen. Seine Ausgabe war, den Gegner so lange als möglich aufzuhalten, um dar Paris Zeit zur Sammlung einer größeren Armee zu gewinnen. Picguard wählte als Verteidigung den Angriff und stieß mit seinen 10 000 Mann energisch gegen den überlegenen, Feilch vor. Alles mußte darauf ankommen, die eigene Schwäche möglichst lange zu verbergen, um den Gegner aufMhalten. Am Morgen gegen 6 Uhr begann der Angriff der kleinen Verteidigungsarmee. Natürlich war das Streben beider Führer darauf gerichtet, möglichst rasch erschöpfende Informationen über Stärke und Stellung des Feindes zu erlangen. Auf beibeit Seiten erhielten sofort Lenkballons und Flngmaschineu ihre Aufträge. Aber ach, das Wetter war so stürmisch, daß fein Lenkballon seinen Schuppen verlassen konnte, und über der Gegend lag ein so dichter, schwerer Nebel, daß auch die Flugmaschinen nutzlos waren. Seuhiant Aquaviva von der angreifenden Armee, den „Blauen", unternahm einen Erkundigungsversiich, aber schon bei 50 Meter Höhe war der Nebel so stark, daß jeder Ausblick unmöglich blieb. Er kehrte zurück, um auf günstigere Gelegenheit yu. warten. Major Hirschauer, der die Oberleitung der Flugmaschmen im Manöver inne hat, befahl, daß erst mit dem schwinden des Nebels neue Kundschafter- flüge versucht werden: sollte^ Die fceiben Gegpex waren also. zu Beginn des Kampfes auf die gewöhnlichen Rekognoszierungsmittel angewiesen. Erft gegen halb zehn, als die beiden Armeen bereits miteinander in Fühlung getreten waren und ein großartiger Artilleriekampf einsetzte, lichtete sich der Nebel. Einen Augenblick später war Leutnant Aquaviva auf seiner Maschine, neben ihm der Offizier, der beobachten sollte. Trotz des heftigen Windes stieg der Apparat sofort bis zu 1000 Fuß Höhe auf und nahm Richtung auf den Feind. Beim Gegner wurde man sofort auf die Flugmaschine aufmerffam und begrüßte sie mit Gewehrfeuer, aber das Erscheinen des Apparates war so plötzlich und sein Flug so schnell, daß das Feuer wirkungslos blieb. Der Aeroplan überflog die feindlichen Stellungen, kreiste über dem gegnerischen Hauptquartier und hatte in tttrzer Frist die ganze, feindliche Stellung erkundet. Die Motormittailleuse, die in der Nähe in einem Gehölz auf der Lauer lag, nahm sofort die Jagd nach der Luftpatrouille auf. In rasendem Tempo sauste sie hinter dem Flieger her: bann kam plötzlich ein „Halt!", blitzschnell arbeiteten die Bedienungsmannschaften, das Geschütz wurde aufgerichtet, der „Telemeter", der die genaue Entfernung der Flugmaschine angeben sollte, so schnell iafö möglich eingestellt. Doch alles war umsonst. Ehe das Geschütz schußsertig wurde, war die Flugmaschine, die mit einer Schnelligkeit von über 80 Kilometer dahinglitt, aus Sichtweite entschwunden. Die Folgen dieser glücklichen Erkündungsfahrt ließen nicht lange auf sich warten. Der Führer der „Blauen", der nun über die Stellung des Gegners und dessen Schwächen genau orientiert war, stieß sofort mit aller Energie vor und drängte die „Roten" in kürzer Zeit zurück. Inzwischen war auch Leutnant Bellanger aufgestiegen: auch er vollendete mit restlosem Erfolg seinen Flug und entging dem feindlichen Feuer. Der Augenblick, an dem zuerst die Flug- maschine über dem Kampffelde erschien, brachte buchstäblich einen kurzen Stillstand des Geseckftes. Offiziere und Schützen, die Bedienung der Geschütze, ja selbst das Hauptquartier, alles stand da, die Augen und die Feldstecher auf die wundervolle Erscheinung in den Lüften gerichtet, die dort oben in den Höhen wie ein mächtiger Vogel ruhig und schnell dahinglitt. Auch Latham nimmt am Manöver teil, er ist dem Stabe des General Michel zugeteilt, wie auch Paulhan, der seine Uniform als Unterleuttrant der Reserve angelegt hat, das verletzte Handgelenk jedoch noch in der Binde tragen muß. Später wurden sowohl das Automobü- geschütz wie auch die Automobilmitrailleuse gegen Latham mobrlr- fierf, der einen Flug unternommen hatte. Wer auch hier versagten die Geschütze. Sie kamen zu spät, die Flugmaschine war flftÄer. Dje Offiziere aber vertreten die Ansicht daß b.uH Fiasko der Flugmaschinenjagd auf den Mangel an Hebung zurück- geführt werden muß. Sie nehmen an, daß durch fleißiges lieben büe Bedienungsmannschaften flinker und sicherer arbeiten und dann ihr Ziel auch besser erreichen toerben als bisher. Jedenfalls hat die Flugmaschine den Triunrph des Tages errungen und die Lenkballons völlig in den Hintergrund gedrängt. * Sada Vaecos neues japanisches Theater. Soda Bacco, die berühmte japanische Tragödin, bereu hinreißende! mimische Kunst auch in Europa verdiente Triumphe feiern konnte, steht nun vor der Erreichung ihres Lebensziels: binnen kurzem wird in Daka ihr neuerrichtetes Bühnenhaus feierlich eingeweiht werden, von dem eine Regeneration des japanischen Theaters und der japanischen Dramatik ausgehen sollen. Denn in dem zarten, zierlichen, gebrechlichen Körper der kleinen Japanerin wohnt ein unerschütterlich starker Wille. Ihre Reisen nach Europa, ihre Berührung mit dem Bühnenwesen der westlichen Kulturländer hat sie rasch die Mängel unb die Primitivität des japanischen Theaters erkennen lassen unb fortan galt ihr Streben dem hohen Ziel, ben Farbenreizen ihres heimischen Theaters die höhere Form des Dramas anzufügen. In ihrem neuen Hause wirb mit allen Traditionen des japanischen.Theaters kühn gebrochen, bte Vorstellung, die sonst zwölf Stunden dauert, wird auf drei Stunden verkürzt, und wo früher auf niedrigen Bänken die Zuschauer; kauerten, ihren Tee tranfen, ihre Mahlzeiten einnahmen und ihre Pfeifen rauchteir, werden künftig in einem nach europäischem Muster gebauten Theater die Japaner die große Kunst der Bacco berounbem können. Das Bühnenhaus ist zlvar aus Holz konstrurett, aber es enthält seine Parkettfauteuils, seine Logen und Galerren wie in Europa, im Winter wärmt Zentralheizung die Räume, elektrisches Licht erhellt Bühne unb Zuschauerranm. Aber der reformatorische Ehrgeiz bescheidet sich nicht mit dem neuen Gewände. Statt der endlosen japanischen Theaterstücke iverben nach ben Regeln der Dramatik gebaute Stücke über die Bretter gehen: Sada Aaccos Theat^er soll im fernen Osten eine Pflegestätte europäischer Theaterkunst werden. Als Eröffnungsvorstellung ist die „Kameliendame" von Dumas in Aussicht genommen; wahrscheinlich wird sie eine besondere Bearbeitung erfahren, um Stoff unb Atmosphäre dem japanischen Empfinden näher zu bringen; es steht noch nicht fest, ob das Werk überhaupt in europäischen! Kostümen herauskommt, oder ob aus der „Kameliendame" eine Chrysanthemendame wird, die als leidende Geisha Hebt und ftirbri 1 Märkte. Durchirr lach Meteorologische Beobachtungen der §MoiHken. Iten Wetter c 6* Sonnenschein l. Septbr. — 4- * » == 4- 20. bis 21. 20. 21 F KiHig, gebrauchsfertig, pikant sind Jn Schlüssel-Tuben >r Willkommen f.d.Teetisch,^.Frühstück etc. \ L TURgPABSTs 2” 9“ 2 2 3 10 10 üt nh 12,5° 3. 5,6 VC. 56 56 54 48 42 37 32 751,7 753,7 754,4 4.7 6,7 7,6 72—73 72—73 70—71 85 78 72 67 ft 72 72 70 103 94 86 80 84-87 77-80 21. 21. 22. ni t fr Sept. 1910 5*8* 5$ 5 itl iu ht len R hl h fa h I* n lön 85—87 78—83 62 56 48 40 -! nl 51 46 - 41 90 86 80 «»Feinste Mayonnaise VtV Anchovy-Paste & Sardellen-Butter 6. Eingänge. -..1Ya) ollbesch w erden in Italien. Jn zahlreichen fallen hat die italienische Regierung Zolltarifangelegenheitcn, die aus diplomatischem Wege angebracht worden sind, aus formalen Gründen^ abgewiesen. Es sind deshalb in dem Reichsamt des Innern die für das italienische Zollstreitverfahren maßgebenden Vorschriften und die dabei zu beobachtenden Förmlichkeiten in emem Merkblatt zusammengestellt worden. Die beteiligten Kreise werden hiermit auf dieses Merkblatt aufmerksam gemacht, über dessen näheren Inhalt Auskunft auf dem Sekretariat der Handelskammer erteilt wird. - , %-Ü-ü delssachverständige. Der dem Kaiser!. Konsul« rn Chikago zugeteilte Handelssachverständigc Dr. Quaiidt wird m der Zeit vom 9. September bis 19. Oktober eine Reihe von Handelskammerii besuchen, um den Interessenten persönlich auf Wunsch Auskunft über die wirtschaftliche Erschließung und Ent- tvrcklung der pazifischen Küste der Vereinigten Staaten von Amerika mw deren Bedeutung für den deutschen Ausfuhrhandel zu geben. Aus dem Reiseplan geht hervor, daß der Handelssachverstandige am 4 Oktober in Hanau, nachmittags 4 Uhr, am 5. Oktober in Frankfurt a. M., vormittags 10 Uhr, und am 13. Oktober, nach- UNttags 5 Uhr, in Cassel auf dem Sekretariat der betreffenden Handelskammern zu sprechen sein wird. c) Bon unterrichteter Seite sind der Handelskammer noch Mitteilungen zugegangen über die internationale Jndustrie- und Gewerbeausstellung in Turin 1911, die internationale Ausstellung von Neuheiten und Patenten der Eisen- und Maschinen- utbuftnc ln Budapest 1911, sowie über zweifelhafte Firmen in Aegypten, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Griechenland, Gro^- britannien^Italien, Niederlande, Oesterreich-Ungarn, Rumänien Rußland, Schweden, Schweiz, Spanien, Tunis und Türkei. Näheres hierüber erfahren Interessenten auf dem Sekretariat der Handelskammer. ni ri n k Jn p k Xlebcnbe Schlacht, aewrchc NE N W Feinste Mast- (Vollmilchinast) und beste Saugkälber......... 60-64 100-107 Mittlere Mast- und gute Saugkälber . 54—59 90-98 Geringere Saugkälber...... 46—51 76—85 Schafe. Mastlämmer und jüngere Masthammel 40-00 80-00 Schweine. Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner Lebendgewicht........56—57 Vollfleischige Schweine über 2 Zentner- Lebendgewicht ........56—57 Fleischige Schweine.......54—55 5« LZ. 45 i 88 96 werden müsset. Sämtliche Besucher stehen unter dem Eindruit * der durch die Plakate festgenagelten beschämenden Tatsachen. Da- her ist es nicht nur das Rechit, sondern mehr noch die Pflicht 1 eines jeden ehrlichen, redlichen Besuchers, dazu beizutragen, daß 1 den unlauteren Elementen einmal gründlich das Handwerk qc- 1 legt wird. Wenn man einerseits vielleicht denkt, die "Urheter 1 hauptsächlich in unreifen Personen und dummen Jungen zn sehen so sprechen andererseits viele Anzeichen dafür, daß auch die er- ‘ wachsene Menschheit einen Teil der Missetäter stellt. Denn nicht nur sind einzelne Seiten oder Seitenteile, namentlich mit Dar- : stellungen des Nackten, aus den Zeitschriften hcrausgeschnitten 1 oder gleich ganze Hefte und Bücher mit fortgenommen, sondern ' auch die Zeitungen und verschiedene Bücher weisen allerlei Aus- '■ schnitte von Artikeln auf, welche für junge Leute gar kein Interesse 2 haben; besonders auffallend ist das Ausschneiden von Stellen- ' gesuchen und -angeboten in den Tageszeitungen. Hoffentlich wird den Spitzbuben und Vandalen — wer sie auch immer sein mögen < — möglichst bald ihr unsauberes Treiben unterbunden und werden ? einmal einige als abschreckende Beispiele einer schweren gcricht- üchen Bestrafung zugeführt. 51 Färsen, Kühe. Vollfleischige ausgemästete Färsen höchst. Schlachtivertes........46—50 Vollfteischlge ausgemästete Kühe höchst. Schlachtwertes bis zu 7 Jahren. . 40—44 Sichere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngereKühe u. Färsen 35—39 70—75 Diäßig genährte Kühe nnd Färsen . . 30-34 66-68 Kälber. u o 0 u I. n 19 |tr i> 6 kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinbe. Gottesdtenft in der Synagoge (Süd-Anlaae). Samstag den 24. September 1910:' Vorabend: 6.00 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Schrifterkläruug. Sabbatausgang: 7.05 Uhr. B Vsraelitische tteligionsgeselljchaft. Gottesdienst. L-abbaNeier am 24. September 1910: Freitag abend 5.50 Uhr. Sqmstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbat-Ausgang 7.05 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens Sonntag 5.00 Uhr, bie übriqe« Tage 5.15 Uhr, abends 6.00 Uhr. 9 Gießener Strafkammer. ) ( Gießen, 20. Sept. Radfahrerpech Satte der Fabrikarbeiter G. V. von Usenborn. Er fuhr in H IT 8 enhain eine steile Straße hinab, die dazu noch eine Kurve macht, wobei er einen Kollegen umfuhr, der einen Schlüsselbein- l75?LerlTtL ^ie Schöffengericht feststellte, hat der Angeklagte rechtzeitig geschellt, was der Verletzte überhört hat Es konnte kein lchuldhaftes Verhalten feststellen und ließ Freisprechung e^olgen. ^er Verletzte als Nebenkläger und die Stantsanwalt- schaft erhoven Berufung. Es gelang der Nachweis, daß der An- Ä brnem Fußsteig gefahren hat und zwar in einem ^empo, daß er die Herrschaft über das Rad verlor. Die Straf- kammer erkannte wegen fahrlässiger Körperverletzung in einheitlicher Begangen,chast mit Uebertretung der Radfahrerverordnung aut eine Geldstrafe von 10 Mark und in eine an den Verletzten -u Eende Geldbuße von 40 Mark, die sich aus der Differenz oes^Krankengeldes zwischen dem Lohn des Verletzten zusammensetzt k.O. Wiesbaden. Viehhof-Marktbericht vom 21. Sept 'Austrieb: Rinder 78, Kälber 276, Schafe 56, Schweine 392. Tendenz: Rinder gedrückt, Kälber und Schafe flott, Schweine mittelmäßig. Preis pro 100 Pfd. finanzieller Hinsicht ein Zusammenschluß der deutschen Eisen- auf föderativer Grundlage im Gefolge haben wird, be- fchlietzt die^Handelskammer, im kommenden Winterhalbjahr in den größeren Städten des Kammerbezirks Vorträge zu veranstalten. Die ersorderlichen Mittel hierzu werden bereit gestellt. v- ^-Einführung von Vieh-Expreßzügen. Die Handelskammer Fnedberg hat mitgeteilt, daß von einem Jnter- lZ!^ten ihres Bezirks darauf hingewiesen worden sei, daß die .Viehbesürderung auf der Strecke Hamburg—Cassel—Frankfurt Ä- 1 ^ause der Jahre immer schlechter geworden sei. lLilguterzüge brauchten heute etwa fünf Stunden mehr als zur Zeit ihrer Einführung. Die Folge davon sei, daß das trans- i^o^Erte Vieh viel länger unterwegs sein müsse und darunter ^eide. _ Abhilfe verspreche man sich durch Einlegung von Vieh- Cxpreßzugen zwnchen Hamburg und Frankfurt a. M., der einer- ,stits in Kreiensen die Viehtransporte von Berlin und anderseits in Hannover die von Bremen, Oldenburg und von Leer auf- zunehmen habe. Nachdem fcstgestellt worden ist, daß auch in Viehhandlerkreisen des Kammerbezirks über die langsame Vieb- beforderung genagt wird, beschließt die Handelskammer gemeinsam mit der Handelskammer Friedberg, wegen Einführung von Lleb-Eppretzzugen auf der Strecke Hamburg-Cassel—Frankfurt a. M. und Berlm—Castel—Frankfurt a. M., welche auch die Viehwagen der strecke Fulda—Gießen in Gießen aufzunehmen Hatte, zuständigen Orts vorstellig zu werden. vernrncbtes. * ^eber.eineHeldentatdeutscherSeeleute, U'r^4T'i auch ein geborener Gießener befand, berichtet dre „Deutsche Zeitung für Chile". Der besonders qe- nannte Offizier ist Herr Karl Schneider aus Gießen. Wrr geben den Vorfall, der sich Mitte August abspieltc, nach der genannten Zeitung im Auszug wieder: . , 7 x, Samstag nachmittag hat sich im hiesigen Hafen ein sehr beklagenswertes Unglück Augetragen. Der hier in deut- MN Kreisen bestens bekannte und wegen seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften hochgeschätzte Kapitän Voß von der deutschen Bark „Thekla" war am genannten Tage von ,einem auf der Reede liegenden Schiffe an Land gekommen, da er beim Marineamt zu tun hatte. Trotz des hohen Seegangs ging die Fahrt in dem von vier Mann geruderten Boot glücklich vonstatten. Im Laufe des Nachmittags wurde indes das Meer so stürmisch, daß Kapitän Voß stundenlang zögerte, die Rückfahrt zu unternehmen, schließ- Uch aber sich doch gegen 5 Uhr entschloß, seine Bark wieder aufzusuchen. Mit vier seiner Matrosen und seinem dritten Offizier, der sich gleichfalls an Land aufgehalten hatte, uhrervon der Muelle Prat ab, doch hatte das Boot kaum )T rr cm £ zurückgelegt, als es durch die Wellen geschlagen wurde und kurz darauf kenterte. Obwohl alle Insassen des Bootes schwimmen konnten, gelang es doch nur dreien von den Matrosen, sowie dem dritten Offizier, bis zu einem in der Nähe liegenden Dampfer zu gelangen und sich da festzuhalten, indes der Kapitän und ein Matrose, namens Kain, untergingen. Zwar hatten die )ter wackern Seeleute a[(e$ mögliche versucht, ihren Kapitän owie den anderen Kameraden mit sich zu ziehen. Es war ein furchtbarer Kampf, den die Männer bei der wilden See zu kämpfen hatten. Indes der eine Matrose nach wenigen L-ekunden verschwand, gelang es den übermenschlichen An- trengungcn der vier Mann, den Kapitän bis an das glück- licherweise heruntergelassene Fallreep des alten Dampfers e?“?* nheranzubringen, doch da war es mit der >rraft zu Ende. Während die Schwimmer sich an die Treppe klammerten und den schon regungslosen Körper des Kapitäns heraufzubringen trachteten, kam eine schwere Woge angerollt, die jeden weiteren Rettungsversuch vereitelte. Mn hiesiges Blatt meldete gestern, daß die Mannschaft des „Kapitan Prieto" den Verunglückten Hilfe gebracht habe. Das ist der blankste Unsinn, denn auf dem genannten Schiffe befindet sich keine Seele. Der alte Kasten liegt schon lange da d^lußen im Hasen als ein herrliches Zeichen südameri- lanrscher ^uderlichkeit, als eine Gefahr für die Schiffahrt und als Beweis dafür, daß die Gesellschaft, der er gehört, zwar fein Geld zum Abwracken hat, aber zu faul und zu ^iergielos ist, um sonst irgend etwas mit der halbverfallenen Kiste anzustellen. Genug, die vier Seeleute saßen da die ganze Nacht in ihren nassen Kleidern frierend und hungernd auf dem Schiff und konnten erst Tags darauf abgeholt ^rden. ^n emer furchtbaren Lage befand sich die Mannschaft der „Theklatue vom Schiffe aus das Unglück mit- ansah, aber gar nichts tun konnte. Die beiden großen Boote der „Thekla" waren am Kap Horn vom Sturme weq- gerisjen worden und das einzige Boot, das noch vorhanden war eben die Gig, in welcher der Kapitän kam. Hingegen konnte sich die Mannschaft der Bremer Bark „Anna" aus- zeichnen, insbesondere der erste Offizier des Schiffes. Trotz n ®ee Machte er mit seinen braven Leuten inner- halb 10 Minuten ein Boot zu Wasser, und mit diesem gelang r* verk95aufKusischen- Stundenlang bemühten sich Kapitan Koster samt seinem ersten Offizier mit Wiederbelebungsversuchen, doch war alles vergeblich. Es ist mehr wie wahrscheinlich, daß Kapitän Voß nicht ertrunken ist sondern einem Herzschlaae erliegen mußte, war er doch seit erwiger Zeit schon herzleidend. ’ Z " d e m Kapitel Feldgendarmen Tie Beschiverde aus Langsdorf wird wohl denselben Feldgendarmen betreffen, über welchen sich auch am Tage zuvor bei ** Rötbges das Publikum zu beschweren batte. Dort wurde eine i Anzahl Herren, die hinter der feuernden Batterie au? einem w ü st en Erdtzügel neben der Straße standen, angeherrscht: „weg ba worauf dem betreffenden Herrn Gendarmen erklärt wurde, daß lveder hier Flurschaden gemacht, noch das Aälitär gehindert werde, er also kein Recht habe, hier etwas zu befehlen, worauf er seine schroffe Aufforderung wiederholte und schlleßltch behauptete, „ich habe Sie gebeten, wegzugeheick. Darauf mußte er sich sagen lassen: Las haben tsie jiid)t getan; wenn Sie bitten, ist es was ganz anderes. Dem Sprecher ging er noch eine Weile wie ein Löwe nach. Man hörte im Pnblikuni sehr partikularistische Reden, wie man sie sonst in Hessen nicht gewöhnt ist. Es wäre gut, wenn diese Feldhüter besser instruiert lvürden. Gerichr-faal. R.-B. Darmstadt, 20. Sept. Vor der Strafkammer wurde heute der 37jahnge Taglöh,ler Adam Müller von hier ? r eme»Cf A-emer 9erau äugewgten Messerverletzung zu eine m t p?eJrtngn l.f unter Anrechnung von 5 Wochen Unter» rn s ^er Angeklagte hatte sich unmittelbar ÄJCp,ölJ ?°- d.,J. geschehenen Tat aus einem Fenster des am^Nück/n^R-ä- ,hr's^ÖT 9sfhlV3t unb ^hr schwere Verletzungen nrfpen'r Beckenbrüche :c. davongetragen, so daß er 10 Wochen St? •? rCn^aUt l,,!b einen Helfen Arm behalten hat, während b"rä) einen Stich in den Unterleib nt Lebens- jVreJ!te' lQn9e 3eit im Krankenhaus behandelt wurde und noch fcfionüngSbebudtig ist. Tie (eit 10 Jahre» bestehende k 6el6:1; zuletzt denkbar traurig, jedes der betdett nab dem anbereit die Schuld, Am fraglichen Tage tvollte die Frau mit den Kindern attszteheit und den Manu zttrücklassen • es eulstaud ein Streit, und Müller griff zum Messer. ' 1 em Luftlchiffahrt. Zum Flug über den Simplon h München, 20 Sept DerFlug über deuSimplon- Oieft^ aur '?äteTe Seit verschoben werden. Gestern abend erklärte Wtenczicres, der inzwischen in Briea emgetroftm ist, datz zur Ausführung des Planes ein wocken^ ^uim. bcr Gegend nötig sei. Eine Ueberfliegung d^s noch^verfrüh^ ,CBi9Cn 6tanbe beT Augschiffahrk Rundfahrt „P. 6". München 19. Sept. Das Luftschiff „P. 6" unter der Führung des Oberleutnants Stelling stieg heute nachmittag S/, Uhr zu einer drerstundtgen Fahrt nach dem oberbaherischen Ge- ?’rfe bl.£ »Unze Länge des Starnberger- sees ab, dann nach Kochel, hier in unmittelbarer Nähe der Vor- alpen weiter, wo sich vom Herzogstond ein prächtiger Ausblick b°t. inmn nach (Staffelfee und kehrte über Murrau und Starnberg awch München zuruck wo es gegen 5«/2 Uhr glatt landete. Die gmize strecke betrug 135 Kilometer, die höchste.höhe 1000 Meter. Ueberlandslug Lindpaintncr. München, 19. Sept. Der Münchener Flieger Lind- »atntner unternahm heute nachmittag vom Flugplatz Puch- »etm aus cmen U ebcr l a nd f l u g noch München, wo er uher der Oktober-Festwiese kreuzte und vom Publikum stürmisch begrüßt tourbe. Lindpamtuer kehrte ohne Zwischenlandung nach Puchheim zurück. Mißgeschick französischer Ballone. , Paris, 20. Sept Der Lenkballon „Liberte" erlitt bei • dem Manövcrgelände nach Meudon bei Paris einen Motorfäaten und mußte in der Nähe vvn Contoise landen. .Absturz Vollmöllers. Cannstatt, 20. Sept. Bei einem Flugversuche ist gestern abend Hans Vollmöller aus einer Höhe von 10 15 "gestürzt. Seine Verletzungen sind nicht ' M w e r. Die Flugmaschine ist vollständig zertrümmert. Kleine Nachrichten. 0 r f' 2?' Sept. Leo Stewen wird am Sonntag bofe er35(ri1rnb6on oE .Kubikmeter loslassm, in ber Hoffnung^ ä s ÄttÄ * ** Ochsen. _ ^wichr Vollfleischige, ausgemästete, höchsten on-blsvon-bis Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 49—53 89—92 Junge, fleischige, nicht ausgeniästete und ältere ausgemästete......44—48 Niäßig genährte junge und gut genährte ältere.........39—43 * W arnung vor Adoptionsvermittlern. Seit einiger Zett erscheinen in den verschiedensten Zettungen, die ihren Anzeigenteil nicht von Schwrndelmseraten freihalten, besonders ^.Nemen Stadten und auf. dem Lande, Anzeigen, in denen ein Lt9 t9 f e6 11 n ö u n g angeboten wird. Wer L ute ! F^bet, erhalt ein sehr verlockend abgesaßtes hekto- .®c^eTben Cl^er Firma aus Rhenen in Holland, welche aufzahlt, wie viele Kinder und mit welchen Summen sie schon schließlich nebenher zu bemerken, daß 2 Mcrrk Aufnahmegebühr und 5 Mark für die Auskunft, zulammen allo 7 einzuschickcn wären, die zurückerstattet wür- den, wenn das Geschäft mcht zustande käme. Der Firma ist um das Geld zu tun. Der Betrogene kann sowohl aus das zu adoptierende Kind, wie auch auf bie Zrrruckgabe der emgesandten 7 Mark lange warten. Er wird -^0'Zwch das andere je zu Gesicht bekommen. Aber Nicht nur nn Auvlande, sondern auch im Deutschen Reiche gibt Weise inserieren und aus dem für eine Auskunft geforderten Beträgen die Mittel zum Lebensunterhalt wenn ft? 6anbcIn ift Elchen Gesckfäftsleuten, auch Gebühren emgezogen, aber kein Kind vermittelt .^9en' ^bil ihnen nicht nachzuweisen ist rin ffiinb'^ btt4 6EmÜ6t Wm' bEn Auftraggebern r r, * ® eJ y ame Testament e. Allerlei Merkwürdiges von seltsamen testamentarischen Verfügungen erzählt Pearsons Weeklv ^°^en Aufsatz Als vor kurzem der 80 jährige bereitete sein letzter Wille den Erben nicht wenig Kummer, -tenn der alte Herr haßte seine Verwandteii von ganzem Hnzen und hatte verfügt, daß sein gesamtes bei Tode^öss^nü'^^gendes Effektendepot am Jahrestag seines O . usfentlich verbrannt werden sollte. Zu seinem Glück konnte hierrrh^pCJ^meh'5bb i?CrfCT bcim Erbschaftsgericht seine Demission tifnnp Crben hatten ihm angedroht, eine nfpSl Brandstiftung einzureichen und so legte er sein Amt meder- Sinnvoller war das Testament, das Fräulein Ä üeaStcan^ft?a$v:b ^hinterließ ihrem Arzt eine große vcr- Kiste, dw der hunger oes Aeskulap, froher Erwartungen Er war nichk wenig enttäuscht, als er in der Bülen, Mixturen und Medizinm fand, die er seiner bieCfpfh‘nmft?reitb\ bCTr20 ^ab,re verorbnet hatte. Aber Wamste unb unbeTTnlicfjftc letztwillige Verfügung ist wobt wP.P» ^^^ichischen Leutnants von Pap, ber vor Ighrni ?^,^_.^.^orbung fernes Bruders zum Tob durch ben Strang se^^LÄ^^bE- Der Morber bestimmte, daß nach seinem Tobe miV ^c^^??^9raphlsch aufgenommen werben ?Lte. Das grauenhafte Bild sollte bann seinem Vater, einem ber $Jttt ihn lcft ^den, benii ber Sohn behauptete, daß 12,0 l 7,3 | 7,8 Kuverts mit Firma äsäs v illll I II Hl« druckerei,Giefien,Schulstr.7 z_.. Eingesandt. “s;» unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei ^lfßcnfr ^sehalle-Ver-ein hat sick; genötigt gesehen ver- ™ t013n,ben LnbvltS m bem Lriez mm-r am (settersweg auSzuhangen: uim.t , "5^ .^.^Echähle im Lesesaal machen Aiistellung von ^e^ fS59M^9fnnnU|1Trr^> Jtf>C