Nr. 63 VuSnahmi be9 GonntagD. ®fe „Ätefitnei gomlltenbiatter* »erbe* bem efflnje1ger- atermal wöchentlich detgelegt. daS „Kreisblati füi e» Kreil Sietzen" eroetmal wöchentlich. Die w£anöu>lrl|d)aftltd)tn Leit» Irageo* «Idjetnen monallld? iroeunaL 160. Jahrgang Mittwoch, 16 März 1910 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Gberhesjen NotaOnn-bewl en* Berlag bet Br0bHitai Unieerlitätf • Bud> «nb Steindruck er et. St. 8 e * g e, öiefecn. StehnFtion 6n>ebtrton «nb T ruderet: 6ffnrf» ftvaQe ?. ExpediNon unb Verlag: fcge# 5L Dieöartlorue^v iia. Tel.-Ad AnzetgerGießei^ 2 Deutscher Relchstaq. 68. Sitzung, DienStag, 16. März. Am Tische des Bundesrats: v. Bethmann Hollweg, Delbrück, v. Schoen, Kraetk«, LiSco, Wahnschaffe, Hamman. Das Haus ist stark besetzt. Präsid-nt Graf Schwerin-Löwitz eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten. Die Abstimmung über die Ostmarlenzulage. Die Abstimmung beim Postetat ergab die Beschluhunfähigkeit des Hauses. Heute wurde die Ostmarlenzulage durch Hammelsprung mit 154 gegen 140 Stimmen angenommen. Da - gegen stimmten das Zentrum, die Sozialdemokraten, die Polen und der Abg. Traeger (23p.). Die Resolutionen zum Etat des Reichskanzlers. Abg. Ledcbour (Soz.): Ich erhebe Protest dagegen, daß gestern das Gehalt des Staatssekretärs bewilligt wurde, und daß wir heute über die Re solutionen gesondert beraten sollen. Der Präsident hat geschäfts ordnungswidrig gehandelt. (Unruhe.) Ich beantrage, über die drei elsaß-lothringischen Resolutionen sofort abzustimmcn und die Be ratung der andern bis zur dritten Lesung zu verschieben, damit wir bald zur auswärtigen Politik kommen. DaS vom Präsidenten eingeschlagene Verfahren entspricht nicht dem Brauche des Hauses und ist auch durchaus irrationell. Denn nachdem wir gestern 6% Stunden über Elsaß-Lothringen gesprochen haben, stehen diese Resolutionen heute wieder zur Debatte. Präsident Graf Schwerin: Ich habe gestern mitgeteilt, wie verfahren werden soll. Widerspruch wurde nicht erhoben. Sachlich habe ich gegen den Vorschlag des Abg. Ledebour nichts einzuwenden, aber es liegen zu den Resolutionen bereits Wortmeldungen vor. Das Haus soll entscheiden. Der Antrag Ledebour wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Tie internationale SchicdSgerichtSbewegung. Die Abgg. Prinz Schönaich-Earolath (Natl.), Eick- hoff (Vp.), Dr. Arendt (Rp.), Fürst Hatzfeldt (Np.) und Schwärze-Lippstadt (Zentr.) haben eine Resolution eingebracht, die den Reichskanzler ersucht, nach dem Beispiel zahlreicher anderer Staaten zur Unterstützung der Bestrebungen für die internationale Schiedsgerichtsbewegung (Interparlamentarische Union) eine Beihilfe in den nächstjährigen Etat einzustellen. Abg. Prinz zu Schönaich Carolath (Natl.) begründet die Resolution. Diese Union, die nicht zu verwechseln ist mit der Friedensbewegung, dient dem gleichen Zwecke wie die Fürstenbesuche und Ministerkonferenzen, und es gehörten ihr Parlamentarier aller Länder und aller Parteien an. Eine Unterstützung dieser Union dient dem Ansehen des Deutschen Reiches. (Beifall.) Abg. Eickhoff (Vp.)' unterstützt die Resolution. Die Interparlamentarische Union dient dem Völkerfrieden und leistet ernste tüchtige Arbeit auf diesem Gebiet, die von den meisten Regierungen auch dankbar anerkannt wird. Sie bildet eine wertvolle Ergänzung der Haager Konferenz. Wenn ein Schiedsgerichtsvertrag mit den Ver. Staaten bisher nicht zustande gekommen ist, so liegt die Schuld wohl nicht an Deutschland. Der Senat hat den Vertrag abgelehnt. Der Staatssekretär v. Schoen hoffte aber, die Schwierigkeiten zu überwinden. Wie steht es damit? Staatssekretär des Auswärtigen Frhr. v. Schoen: Der Reichskanzler teilt die Sympathie, die sein Amts- Vorgänger den Bestrebungen der interparlamentarischen Union entgegengebracht hat, und welche ihren besonderen Ausdruck gefunden hat bei der Tagung rm September hier in diesem Hause. Die Anregung, zur Unterstützung dieser Bestrebungen eine Beihilfe in den nächstjährigen Etat einzustellen, wird der Reichskanzler mit gebührender Rücksicht in Erwägung nehmen. (Beifall.) Ein gewicht-geS Wort wird dabei aller- dingS wegen der Reichsfinanzen der Schatzsekretär mitsprechen. Bezüglich der Verträge haben wir im allgemeinen die Gewohnheit, diej-nigen, welche nicht sofort in Kraft treten, dem Hause zur Kenntnis zu bringen. DaS ist namentlich der Fall gewesen bei den Verträgen höherer Bedeutu.-g, welche aus intet- nationalen Kongressen und Konferenzen zustande gekommen sind, so z. B. die auf der Haager Friedenskonferenz und auf der Sec- kriegskonferenz zustande gekommenen Verträge. Die sofort in Kraft tretenden Verträge werden wir ja zuweilen dem Hause nicht rechtzeitig vorlegen können. Wir sind aber gern bereit, in solchen Fällen sie im ReichSgesetzblatt zu veröffentlichen. Die freudige Aussicht des Abg. Eickhoff, den Schiedsgerichtshof in Wirksamkeit treten zu lassen, welcher unserer Initiative auf der Haager Friedenskonferenz entsprungen ist, teilen wir vollkommen. Die Verhandlungen mit Amerika zwecks Abschlusies eines Schiedsvertrages wird keineswegs abgebrochen. Unsere Vorschläge bezüglich eines solchen Vertrages liegen der Bundes- regierung in Washington vor, sie hat aber die Vorschläge jetzt noch nicht beantwortet Ministerialdirektor v. Körner: Die Ausführungsbestimmungen zur Schiedsklausel in dem Vertrage mit Oesterreich-Ungarn sind inzwischen zum Abschluß gelangt. Die Sachlage ist so, daß, sobald eine strittige Frage zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland ouftritt, jederzeit das Schiedsgericht zusammentritt. Auf der Wiener Konferenz haben auch eine Anzahl strittiger Fragen ihre Er- ledigung gefunden. Es sei in Aussicht genommen, von Zeit zu Zeit diese Konferenz zu berufen, um einerseits den immerhin schwerfälligen und kostspieligen Apparat des Schiedsgerichts möglichst zu vermeiden, andererseits aber mich, um eine möglichst gleichmäßige Anwendung des Vertragstarifs herbeizuführen. Die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers. Die Sozialdemokraten ersuchen in einer Resolution um Vorlegung eines Gesetzentwurfs, wonach der Reichskanzler für seine Amtsführung dem Reichstage verantwortlich ist, diese Verantwortlichkeit sich auf alle politischen Handlungen und Unterlassungen des Kaisers erstreckt und die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers von einem Staatsgerichtshof geregelt wird. Abg. Ledebour (Soz.): Der Kernpunkt ist, daß der Reichskanzler zu entlasten ist, wenn der Reichstag cs verlangt. Das ist die Waffe, die der Reichs- tag haben muß, wenn endlich an Stelle des bureaukratischcn, das demokratische RegierungSsystcm treten soll. Die selbstherrliche Entscheidung des Monarchen muß beseitigt werden. Eine einzige Persönlichkeit — man sie auch noch so viel Talente auf allen möglichen Gebieten von Kunst und Wissenschaft haben — ist gar nich! imstande, innerhalb der höfischen Umgebung das richtige Urteil zu finden. Unsere Parteiregierung vertritt nur die wirtschaftlichen Interesten des Großgrundbesitzes. Wir haben eine Politik der Maßregelung und Unterdrückung. Die Bureaukratie bietet alle Mittel auf, um jede Opposition zu vernichten. Angehörige der Opposition werden von allen öffentlichen Aemtern ferngehalten Wir haben cs mit einem Parteircgiment schlimmster Art zu tun Gegen die konservative Partei wagt es die Regierung in Deutsch- land nicht, zu regieren, obwohl diese Partei hier immer nur eine schwache Minderheit bildete. Das deutsche Bürgertum bcsindet sich infolge seiner künstlich herbeigeführten Unreife noch in einem unpolitischen Dämmerzustand. Tie Regierung kriech» vor jedem Willensausdruck der Konservativen in sich selbst zurück Sie befindet sich in einer gottgewollten Abhängigkeit Fürst Bülow fiel zwisck)en den beiden Stühlen zu Boden, weil er sich mit den Liberalen binfuliert hatte. Sein Kollege, der unbe fangen /einen Platz einnahm ist schlauer. Er sagte sich: Du darfst dich nur mit den Konservativen vinkulieren, sonst macht es ein Kollege mit mir so wie ich mit Bülow. Wir kämpfen um den demokratischen Parlamentarismus. Aber keine einzige bürgerliche Partei unterstützt uns. (Tr. Müller-Meiningen widerspricht.) Nein, Dr. Müller, Sie blicken immer noch mit Liebe und Sehnsucht nach der Bülowära zurück. Von unserer Negierung werden Sie kein parlamentarisches Negime erhalten. Ta können Sie warten, bis Sie schwarz werden. Wir werden mit allen Macht Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, den Kampf gegen die herrschende Negierung führen. Wir können aber nicht siegen ohne eine Mehrheit der bürgerlichen Parteien. Wir richten erneut den Appell an Sie, Seite an Seite mit uns den Kampf gegen die Junker zu führen. (Beifall b. d. Soz.) Auch die andern Resolutionen zum Etat des ReichSkanzlers werden mit zur Verhandlung gestellt. Die Sozialdemokraten ersuchen noch für diese Tagung um eine Novelle zum Wahlgesetz, die die Erledigung der Nachwahlen innerhalb eines Zeitraumes von 60 Tagen nach Erledigung des Mandats vorschreiben soll. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Wirtsch. Dg.): Ich will nicht vom Wahlrecht, nicht von der Junkerherrschaft, nicht von den Pfaffen, auch nicht von den Juden reden. (Heiterkeit und Achl links.) Ich werde mich streng an das Thema halten. Die Resolutionen betr. Elsaß-Lotbringen lehnen wir mit Rücksicht auf die gestrige Erklärung des Reichskanzlers ab Wenn der Abg. Naumann gestern Baden und Bayern, die 1870 mit Preußen Schulter an Schulter gefochten und gesiegt haben, Elsaß-Lothringen gleichstelltc, so muß er schon weit von der Höhe nationaler A ns chauungherab geglitten fein. (Sehr richtig I rechts.) Tie Resolution betr. die Schiedsgericht« nehmen wir an. Die Sache hat zwar nicht übermäßige Bedeutung, aber man macht da ganz hübsche Reisen zu Tagungen. (Heiterkeit.) Die Resolution bete. Nachwahlen lehnen wir zwar nicht prinzipiell ab, die Sache ist aber noch nicht genügend geklärt. Ebenso die Resolution betr. das Verantwortlichkeitsgesetz. Abg. Prinz zu Schönajch-Earolath (Natl.): Die Veröffentlichung von Verträgen im „Reichsanzeiger" oder dem ReichSgesetzblatt genügt uns nicht, denn wer liest diese Blätter. Tie Erklärung des Staatssekretärs betr. der interparlamentarischen Union begrüßen wir als ein Entgegenkommen. Der Hinweis auf den Schatzsekretär entsprang wohl nur konstitutionellen und kollegialen Gesichtspunkten. Die N e s o l u t i o n über die Kanzlerverantwortlichkeit wird gegen die Rechte angenommen. Einstimmig angenommen wird die Resolution Prinz Schönaich- Carolath, ferner die elsaß-lothringischen Resolutionen mit Ausnahme der sozialdemokratischen. Abg. fiunert (Soz.) empfiehlt die N e s o l u t i o n seiner Fraktion, wonach die einzelnen Neuwahlen innerhalb eines Zeitraumes von 60 Tagen nach Erledigung des Mandats vorgenommen werden sollen. Parteipolitische Gründe sind oft ausschlaggebend für die Festsetzung der Neuwahl. Ter Redner verweist auf die Nachwahlen in Lands- bcrg-Soldin und Halle. In Halle wartete man die Rückkehr der Studenten ab, um sie als Wahlhelfer benutzen zu können. Anderswo bemüht man sich, die Saisonarbeiter ihres Wahlrechts zu berauben. Die Wahlverschleppungen führen immer zu Wahlbeeinflussungen und zwar zugunsten der Reaktion. Staatssekretär Delbrück: Nach dem Wahlreglement hat sofort eine Neuwahl stattzufinden, falls ein Mandat erledigt wird. Tie Neuwahl ist innerhalb eines Zeitraumes zu bewirken, der die Möglichkeit gibt, alle erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Es kann keinem Zwei- fei unterliegen, daß es nicht dem Sinne dieser gesetzlichen Bestimmungen entspricht, wenn eine Ersatzwahl übermäßig verschoben wird. Zweifelhaft ist mir aber, ob die Frist von 60 Tagen ausreicht. Man kann die Fälle, in denen eine Ersatzwahl statt- sindet, nicht mit denen einer Neuwahl nach Auflösung deS Hauses in Parallele stellen. Findet eine Neuwahl statt, dann erfahren das die Behörden sofort tele- graphisch, es kann also auch gleich mit den Vorbereitungen begonnen werden. Das bedeutet einen Zeitgewinn von 8 bis 10 Tagen. Für die Ersatzwahl ist mehr Zeit erforderlich. Nach meinen Erfahrungen kann man 90 Tage als notwendige Höchstzahl annehmen. Ter Reichskanzler wird es sich angelegen fein lasten, dahin zu wirken, daß im Verwaltungswege dafür gesorgt wird, daß die Ersatzwahlen möglichst beschleunigt werden. Abg. Bebel (Soz.): Tiefe Ausführungen sind in keiner Weise zutreffend. Was bei einer Neuwahl möglich ist, ist auch bei einer Ersatzwahl zu erreichen Es darf nickt Vorkommen, daß ein Wahlkreis manchmal jahrelang nicht vertreten ist. Wenn die Herren von der Regierung die Sache auf die leichte Achsel nehmen, dann muß der Reichstag selber dafür sorgen, daß Abhilfe geschaffen wird. Staatssekretär Delbrück: Ich habe grundsätzlich anerkannt , daß die Nachwahlen so schnell wie möglich bewirkt werden müssen. Innerhalb 60 Tagen ist das schwer zu erreichen. Wenn alles klappt, brauchen wir immerhin 90 Trge. Wenn ich erkläre, daß wir in der gewünschten Richtung tätig sein werden, so nehmen wir die Angelegenheit nicht auf die leichte Achsel. Abg. Dr. Arendt (Rp.): Die Frage ist von allgemeiner Bedeutung. Auch die Ersatzwahlen müssen möglichst schnell herbcigeführt werden. Die Erklä- rung deö Staatssekretärs hat uns aber durchaus befriedigt. Wir haben volles Vertrauen zu ihm. Man könnte die Ersatzwahlen er- heblich beschleunigen, wenn man den alten Wunsch des Herrn von Kardorf erfüllen und nach englischem Muster ständige Wählerlisten cinfühien würde. DaS würde eine Erleichterung für unser ganzes Wahlverfahren fein. Abg. Kunert (Soz.): ES bleibt also alles beim alten. Abg Dr. Paasche (Natl.): Mit der Tendenz der Nesolution sind wir im wesentlichen einverstanden. Wir würden aber einen längeren Termin als den von 60 Tagen vorziehen. Inzwischen ist ein Antrag Ablaß (Fr. Vp.) eingegangen, wo- nach die Frist von 60 auf 70 Tage verlängert werden soll. Staatssekretär Delbrück: Sie können versichert fein, daß es dem Reichskanzler völlig gleichgültig ist, ob die Frist 70, 75 od^r 90 Tage beträgt. Aber alle Parteien haben ein Jntereste daran, daß die Frist nicht zu kurz beniesten ist, denn erfahrungsgemäß sind die Listen um so schlechter, je schneller sie ausgestellt worden sind. Die Nesolution wird darauf mit dem Abänderungsantrag Ablaß gegen die Rechte angenommen. Damit ist der Etat des Reichskanzlers erledigt. Ter Etat des Auswärtigen Amts. Abg. Graf Kanitz (Kons.): Der Reichskanzler steht im Begriff, eine Rornreise anzutreten. Wir wollen ihm unsere besten Wünsche mit auf den Weg geben. (Heiterkeit.) Unter dem Treibund haben die Völker Europas eine wichtige Kulturarbeit leisten können, Industrie und Handel haben sich mächtig entwickelt. Ter Wohlstand ist allerorten gestiegen. Ti« Arbeitslöhne haben sich sogar vielfach verdoppelt. Einer Befestigung bedarf der Treibund n i ch t. Er hat bisher alle Quertreibereien, alle Minier- arbeit siegreich überstanden, er wird auch künftig bestehen. Ter Reichskanzler wird in Rom die Versicherung abgeben können, daß auch er von der hohen Bedeutung des Dreibundes durchdrungen ist, und ich darf die berechtigte Hoffnung aussprecken, daß man in Rom die Versicherung des Reichskanzlers mit Wohlwollen aufnehmen wird. In diesem Sinne wünsche ich dem Reichskanzler eine glückliche Reise und eine gesunde W i e- der kehr. (Beifall unb Heiterkeit.) Die Beziehungen zwischen Oe st erreich und Rußland waren im vorigen Jahre eine Zeitlang ernstlich bedroht. Ter Politik des Fürsten Bülow ist es zu verdanken, daß die Kriegsgefabr abgewandt wurde. Die Wirren auf dem Ba'kan sind aber noch nicht beseitigt. Es ist ganz unbegründet, wenn hier und dort die Ansicht verbreitet wird, daß gewisse Bestrebungen einzelner Balkanstaaten von der russischen Regierung unterstützt werden. Die Unruhen im Balkan dauern ununterbrochen fort. Erst heute früh haben wir wieder eine Nachricht von einer bedenklichen Bewegung gehört. Kurz und gut, das Feuer unter der Asche glimmt immerfort noch. SJagu^r^^s. kommt die nicht ganz berechtigte Haltung Griechenlands in' der Kreta. Frage. Da wird es die wichtigste Ausgabe unserer Politik fein, den Ausbruch der Flamme zu verhindern. — Nun S u Marokko. Die ManneSmann-Frage ist in der Budgetkommission glücklich erledigt worden. Ich habe nicht die Ab. sicht, heute noch einmal darauf einzugehen. Es wird vielfach bedauert, daß Marokko durch seine neueste Finanzoperation von neuem in eine abhängige Lage von Frankreich geraten ist. Man möge sich vergegenwärtigen, daß die sämtlichen Finanzoperationen von Marokko von der marokkanischen Staatsbank ausgeführt werden, über welche in der Algeciras-Akte ganz ausführliche Vorschriften enthalten sind. An der Staatsbank haben die Mächte, die die Algeciras-Akte unterzeichnet haben, je einen Anteil. Bei der Sach- läge kann man unserer Regierung keinen Vorwurf daraus machen, daß sie den Finanzoperationen ruhig zugesehen hat. In bezug auf die Beziehungen zu England sind wir daran gewöhnt, daß nicht gerade sehr angenehme Auseinandersetzungen über die beiderseitigen Flottenpläne ftattfinben. Alljährlich behandeln wir dieses Thema hier bei der auswärtigen Politik und geben die Versicherung ab, daß uns jede Absicht fern liegt, irgendwie aggressiv vorzugehen. Jetzt nach der Erklärung des ersten Lordö der Admi. ralität stehen wir wieder auf dem alten Fleck. Alle diese Friedens- versicherunaen von unserer Seite haben eigentlich keinen rechten Zweck (Sehr richtig! rechts), und sie können ebenso gut unterlassen werden (Zustimmung rechts.) Wir müffen es der Zukunft überlassen, daß in England mit der Zeit eine bessere Einsicht zur Geltung gelangt. Es ist ja nur eine Frage der Zeit, daß England in die Reihe der Länder einrückt Bei der nächsten Wahl ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die jetzt bereits beinahe zur Mehrheit gelangte unionistische Partei eine toeitcre Verstärkung erlangt. Für uns ist das ja leider nicht gleich günstig, denn jede Aenderung des englischen Freihandels muß für unsere Exportindustrie nachteilig wirken. (Hörtl hört! links.) Darüber besteht gar kein Zweifel! Wir haben so und so oft das H a n d e l s p r o v i sor i u m mit England verlängert, und man hat sich niemals gegen die Verlängerung ausgesprochen, weil wir alle davon überzeugt waren, daß ein Fortdauern des jetzigen Zustandes für uns das Allergün- stigste sein wird. Wenn nun England von dem Freihandelsprinzip abweicht, so ist es ganz selbstverständlich, daß das für unsere Exportindustrie ein schwer empfindlicher Nachteil sein muß.''«^br richtig!) Das wird in noch erhöhterem Maße gutreffen, roemN—-• England seinen Kolonien eine bevorzugte Stellung einräumt, wie zu erwarten ist. Wir haben gegen das Handelsabkommen mit Amerika gestimmt. Es kann leider nicht auSbleiben, daß Amerika nicht bloß in kommerzieller Beziehung alle anderen Länder überflügelt, sondern auch das politische Ueoergewicht erlangt. Nach meiner lieber« zeugung müßten zwei Länder, die in gegenseitigem Handelsverkehr siehen, annähernd den gleichen Zolltarif haben. Warum geben wir nicht auch unseren Zollbeamten die Ermächtigung, die Zollsätze in jeber_ Höhe festzusehen und eine solche Bestimmung als Gesetz zu erklären? Frankreich geht in feinen Zugeständnissen an Amerika jedenfalls nicht so weit wie wir, ebensowenig Kanada. Wahrscheinlich wird zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada demnächst der Zollkrieg ausbrechen. Wenn wir gegenüber Amerika den Generaltarif anwenden würden, so wäre das noch lange kein Zollkrieg, denn dieser besteht erst bei Zuschlagzöllen. Sehr unangenehm für unsere Industrie sind auch die französischen Zollerhöhungen. Andere Länder sind gegenüber Frankreich viel bester daran als wir, da wir uns durch langfristige Verträge die Hände gebunden haben. Ich will gegen Frankreich zwar keine Represtalien empfehlen, aber Maßnahmen halte ich doch für nötig, um uns gegen di« französischen Zollerhöhungen zu sichern. Jeden- falls bat sich hier wieder gezeigt, wie schädlich für un8 Tang- fr i ft i ne Verträge sind. In Fragen, luo die Machlslclluug Deutschlands dem Auslande gegenüber zur Geltung gebracht werden soll, lvird daS Auswärtige Amt uns stets hinter sich haben. Wir hoffen, daß es in demselben Geiste weiter geleitet wird, in dem eü früher dem Auslände gegenüber für die Machtstellung Deutschlands cingetreten ist. (Beifall rechts.) Abg. Dr. Ctresemann (Natl.): Der Eindruck der vorjährigen Verhandlung deS Auswärtigen Etats hier im Hause »var ein tiefes Gefühl der Genugtuung über das, was durch die geschickte Führung Deutschlands in der Orientfrage erreicht worden ist. (Sehr richtigI) Wie tief dies Gefühl ging, zeigte die Rede, die bei jener Gelegenheit Frhr. v. Hertling als Redner der von ihm geführten Zentrumspartei hielt und in der er zu einer Zeit, wo innervolitisch die schärfsten Gegensätze bestanden, zwischen seiner Fraktion und dem damaligen Leiter der auswärtigen Politik zum Ausdruck brachte, daß wenn der Dank vielleicht auch nicht erwünscht sei, er doch seine Anerkennung über das Geleistete zum Ausdruck bringen müsse. Was damals ängstliche Gemüter besorgten, daß die Sympathien, die Deutschland im Orient sich erivorben hatte, vielleicht verloren gehen könnten unter der Politik der Nibelungentreue zu Oesterreich, daS ist nicht cingetrofsen. Viel- leicht ist das ein Verdienst der Persönlichkeiten, die als Träger des deutschen Namens und auch als Träger deutscher Wissenschaft und Technik gewirkt haben; ich brauche nur den Namen von der Goltz zu nennen. Aber es zeigt sich doch, daß eine Politik der Stärke, der tatkräftigen Entschlossenheit, Sympathien und Achtung verschafft. (Sehr richtig!) Und eS hieße doch den Tatsachen Gewalt antun, wenn man verkennest wollte, daß sich in dieser Beziehung in weiten Kreisen der öffentlichen Meinung eine gewisse Beunruhigung geltend gemacht hat. In der Presse und öffentlichen Meinung begegnen wir der Auffassung, daß deutsche Interessen im Auslände nicht mit der Festigkeit und Energie wahrgenommen würden, die sie verdienen. Das hat ja das Auswärtige Amt selber aus- gesprochen durch die Verössentlichung beS Weißbuches über die Bergwcrksinteressen in Marokko, die nur zu erklären und wie viele meiner Freunde meinen, überhaupt nur zu entschuld!- gen war unter dem Gesichtspunkt, daß das AuSlvärtige Amt eine Flucht in die Oefsenllichkeit suchte gegen die, wie wir zugeben, vielfach über das Ziel hnrauSgehende Angriffe. Es klingt so oft heraus aus Presse und öffentlicher Meinung, daß die Gegenwart uns in der Welt nicht so dastehen lasse wie in der Zeit Bismarcks, daß dcrErfolgsich selkenereinstellt. Gewiß, das mag einen Kern der Berechtigung haben, aber eS wäre unrecht, bestochen eine Kritik an den Persönlichkeiten zu üben, die die Auswärtige Politik zu führen haben. Seit wir in die Weltwirtschaft eingetreten sind, haben sich die Reibungsflächen außerordentlich vermehrt. Sine ira et Studio müssen wir prüfen, wie unsere Staatsmänner, die h>'ute unter schwierigen Verhältnissen unsere Politik zu lenken haben, unsere wirtschaslSpcl'tischen Interessen vertreten haben. Unsere weltwirtschaftlichen Verhältnisse kommen am besten zum Ausdruck in unserin Verhältnis zu England. Man darf nicht einsei >g in teil bcu.,11 Ländern jioei ö>on- kurrenten sehen, die sich auf jeden Schritt bekämpfen. ES gibt manche, die glauben, daß daS Bild, das England der Gegenwart bietet, einmal das Bild sein wird, das Deutschland in der Zukunft zeigen wird. Die deutsche Industrie würde daran kein Interesse haben, eine fortgesetzte Exportpolitik zu treibeft und die Bedeutung der Landwirtschaft herabzudrücken. (Zustimmung bei den Nat.) Wir können nicht alles auf die eine Karte des Verkaufes setzen, wie England. Wir wollen uns nicht gegenübertreten wie zwei Konkurrenten, die sich aus dem Geschäft drängen wollen. Dem Weltfrieden und jeder wirlschasllichen Entwicklung ist mehr gedient, wenn wir Schulter an Schulter gehen und uns verständigen. (Zustimmung.) Eine gemeinsame wirtschaftliche Kampagne ist wichtiger als eine Verständigung über daS Dtaß der Rüstungen. Wenn wir das herausschaffen, was von ExaltadoS zu Angriffen benutzt wird, so werden wir auch zu einer nationalpolitischen Verständigung kommen. Wir stehen gegenwärtig auf dem Standpunkt, den auch Fürst Bülow hier vertreten hat, daß wir uns da« selbstverständliche Recht wahren, über unsere eigenen Angelegenheiten Nicht mit dem Auslande zu devat ticreii. Der Redner bedauert die Zurücksetzung des bürgerlichen Elements in der diplomatischen Karriere. Unsere diplomatischen Der- freier fassen sich seht um elektrische Einrichtungen, die Vergebung von S raßenbahn schienen und Telephonanlagen zu künnnern. Die wichligst.'n Staatsakte sind die Handelsverträge geworden. Unter diesen Gesichtspunkten ist doch der Hochadel nicht gerade dazu berufen, uns zu vertreten. Goethe hat ein Wort aus dem Englischen übernommen: Das Kind ist der Vater beS Mannes. Er meint da- mit, daß die Erziehung der Kinderstube von bleibendem Wert ist. Wir verlangen, baß etwas von der kaufmännischen Kin. derstube auch bei denen sich zeigt, die Verträge abzuschli.'ßen haben, die für unser Wirtschaftsleben von größter Bedeutung sin Den Männern, die hinauSgehen als landwirtschaftliche oder industrielle Sachverständige, sollte auch ein« Sicherheit für die Zukunft gegeben werden. Bei nur kommissarischer Beschäftigung für einigeJahre kann man nicht die richtigenPersönlicbkciten finden. Das Institut bet Handelssachverständigeu im Auslande sollte man immer mehr auSbauen. Hierbei bebaute ich auf das lebhafteste, daß der Fonds für nicht kontrollierbare Ausgabe n gekürzt worden ist von der Kommission. Das ist eine ganz falsche Sparsamkeit. Es sind z. B. Mittel notwendig, um ber Vergiftung der öffentlichen Meinung entgegenzutreten. (Sehr uahrl) Erst vor kurzem habe ich aus Aegypten Mitteilung bekommen, tote dort gegen uns gehetzt wird, wie dort die Verhältnisse in Deutschland in das ungünstigste Licht gerückt werden. Wir mit unfern großen kommerziellen Interessen unterhalten dort ein Wochenblätlchen und können keine Tageszeitung gründen. Wir brauchen gar nicht zu verheimlichen, daß wir von unterer Regierung erwarten, daß sie in solchen Fällen einspringt. Das macht baS Ausland auch. Dieser Posten muß darum wieder eingestellt wer- den, auch wenn der R e i ch s s ch a h s e k r e t ä r dadureh einen WermutLtrop f e n in fein .1 goldenen Becher der Sparsamkeit bekommt. (Heiterkeit.) Nach Kanada müssen wir einen H a n d e l s s a ch v e r st ä n d i g c n hinaussenden. DaS Institut der Berufskonsulate bedarf beS weiteren Ausbaus. Die Art der Erledigung von Anfragen durch unsere Konsulate und durch daS AuSlvärtige Amt ist unendlich kleinlich. So machen deutsche Konsuln die Erteilung einer Auskunft abhängig von ber borstigen Einsendung des Portos. (Hört! Hörti) Eine Firma erhielt von unserm Generalkonsul in Pariß auf eine Anfrage, toic c5 mit einer dortigen im Gange befindlichen Bewegung zugunsten des Exports nach Frankreich stehe, die hektographierte Auskunft: Wir können Ihnen keine Auskunft geben, wenden Sie sich an die Auskunftei Schimmelpseng in BerlinI (Hörti Hörti) Auf eine Anfrage über die Verhältnisse in Neuseeland erhielt eine Firma die Auskunft, baS könne sie in MeycrS Konversationslexikon Seite soundso nachsehen. (Hörti Hört! und .Heiterkeit.) Was soll ber Mann aber machen, wenn er nun einen VrockhauS hat? (Heiterkeit.) Tatkraft und Entschlossenheit wird oft - bei der Wahrnehmung deutscher Interessen beim Auswärtigen Amte vermißt. Ein Mann, dem beim Burenkriege sein Hab und Gut zer- stört wurde, erhielt auf seine Eingaben 1905 vom Unterstaatßsekre- tär v. Loebell die Antwort: der Reichskanzler hielte diesen Fall für sehr wichtige, und im Februar 1909 erhielt er die Antwort, seine Forderungen lägen der englischen Regierung vor. Seitdem herrscht wieder vollständiges Schweigen. Der ErwerbundVerlustderReichSangehorig- k e i t muß endlich geregelt werden. Merkwürdig ist das Ver- halten des französischen Senats. Wir finden im handelspolitischen Verkehr mit Frankreich leider wenig Entgegenkommen. Mit welcher Liebe und Anerkennung der französischen Kultur haben wir ohne jeden Chauvinismus die deutsch-französische Kunstausstellung begrüßt; wie eigenartig waren aber die Klänge, die von der Seine herüberkamen anläßlich ber Einladung zur Jubelfeier b_«r Berliner Universität l (Sehr richtigl) ES überkommt uns kein Gefühl der Genugtuung, wenn wir von Marokko sprechen. Wir sind politisch dort nicht die Maß- gebenden, das wird zu ertragen sein, aber die wirtsck)aftliche Betätigung sollte uns dort frei bleiben. Das müssen wir fordern. Die Rechtsfrage in der ManneSmann-Affärc ist bestritten. Ich vertrete einen andern Standpunkt als gestern Herr Haußmann, nachdem offiziöse Organe in Deutschland eine ganz andere Meinung über die Beschlüsse ber Budgetkommission zur Schau tragen, als wir sie damals uns dachten, als wir dem Antrag Gamp zustimmten. (Hörtl Hört!) Man hat persönlich die Brüder ManneSmann angegriffen und eS so hingestellt, als ob sie eine journalistische Mahal la ausgerüstet hätten, die nun in Deutschland für sie Stimmung machen, für sie kämpfen soll. (Hört! Hört!) Es wurde verbreitet, daß die sogenannte öffentliche Meinung lediglich darauf zurnckzusühren sei. Das muß ich zurückweisen. Ein Volk, das angewiesen ist auf die Weltpolitik, auf die Erschließung neuer wirtschaftlicher Gebiete, sollte feine ö-reub« haben, eine gewisse ästhetische Befriedigung, wenn eS die E n e r g i e u n d T a t k r a f t in Betracht zieht, mit der die Bruder Mannesmann als deutsche Pioniere tätig maren. (Beifall.) Wenn das ein Überschuß an Temperament war, so wollen toir uns freuen, daß es noch Menschen gibt, b-> einen solchen Ueberschuß an Temperament haben. Wenn man die Weise vergleicht, wie die Regierung vorging und die Gebrüder Mannesmann, so muß man bei den Brüdern Mannesmann sagen: am Anfang war die Tat. Sie haben gleich erkannt, daß Mulay Hafid der kommende Mann war. Bei allen ihren Bestrebungen in Marokko hatten sie nur daö deutsche Interesse im Auge. Sie haben uns erst auf die rechte Spur gewiesen. Tas Auswärtige Amt stellt sich nun auf den Standpunkt der höchsten Objektivität. Ob dieser Standpunkt von weltpolitischer Tragweite' ist, ist mir einigermaßen zweifelhaft. Ich weiß nicht, ob auf diesem Gebiete eine internationale Parität besteht, ob auch andere Staaten so objektiv sein würden, z. B. Frankreich, wenn es sich nicht um Gebrüder, sondern Frercs handelte. (Sehr gntl) Wie hat sich denn England seine Suprematie gesichert? Tort versteht man, Konzessionen herauszuschlagen. Selbstverständlich hat man im Auswärtigen Amt nach bestem Gewissen ge- handelt. Wir können aber nicht daran Vorbeigehen, daß maßgebende Sachverständige, ein Kronsyndikus und Mitglied der Haager Konferenz, sich für die Rechte der Gebrüder Mannesmann erklärt haben. ES liegen deutsche Interessen vor, wenn auch andere Kapitalien mitbeteiligt sind. Tas ist ja eben das Zeichen der neuen Zeit, daß das Kapital kein Heimatland kennt. Die Gebrüder ManneSmann haben erst auf Anregung von anderer Seite andere Nationen herangezogen. Sie wollten zunächst die Sache als Deutsche machen. Sie wollten uns Deutschen Einfluß sichern. Es muß Eindruck machen, wenn ein Mann wie Geheimrat Kirdorf, obgleich er finanziell ganz andere Interessen hat, sich für die Ansprüche ausspricht. Wir haben uns in der Dudgetkommission auf den Antrag Gamp geeinigt. Wir sehen darin die Aufforderung, aus den deutschen Rechtsansprüchen s ovielherausz ii holenwie nurmöglich. Wenn man jetzt aus der Sache eine Chamade machen will, so ist das jedenfalls nicht die Auffassung meiner politischen Freunde. (Zustimmung bei ber Nationalliberalen.) Man hat das Vorgehen der Gebrüder etwas orientalisch genannt, das formalistische Recht sei nicht genügend zur Geltung gekommen. Das ist kein Vorwurf, wenn man die Verhältnisse berücksichtigt. Man darf die Politik nicht vom Standpunkt der Schöffengerichte betrachten, sonst wäre unsere ganze Diplomatie eine einzige Diebesgeschichte. Gegen die Gebrüder ManneSmann läßt sich aber nicht der leiseste Schatten eines Vorwurfes geltend machen. Wir wollen keine zwecklose Prestigepolitik! wir wollen aber auch nicht den Vorwurf in der Welt aufkommer lassen, daß deutsche Interessen nicht genügend gewahrt werden. (Lebhafter Beifall.) Abg. Kaempf (Freis. Vp.): Langfristige Handelsverträge liegen durchaus im Interesse der Industrie. Wenn England setzt zur Schutzzollpolitik übergeben will, was ja selbst Graf Kanih als «in schweres Unglück für uns empfindet, so ist nicht zum wenigsten die Entwicklung daran schuld, die unsere Wirtschaftspolitik genommen hat. Dasselbe gilt von Amerika. Amerika zahlt uns jetzt nur zurück, was wir ihm selbst durch unsere Agrarpolitik angetan haben. Ich bin anderer Ansicht als Herr Stresemann, der verlangte, daß toir uns mit England weltwirtschaftlich einigen sollen. E i n gesunder Wettbewerb kann dem geschäftlichen Leben beider Nationen nur dienlich fein. Der Redner bespricht unsere wirtschaftspolitischen Verhältnisse zu Rußland und bedauert die ganz ungerechtfertigt« Art, wie deutsche JudeninNuß- l a n d behandelt werden, wenn sie als Geschäftsreisende dorthin kommen. Diese Behandlung widerspricht auch den Bestimmungen des mit Rußland abgeschlossenen Handelsvertrages. Frankreich hat sich in dieser Beziehung der Interessen seiner jüdischen Mitbürger energisch angenommen; das sollte auch endlich in Deutschland gegenüber Rußland geschehen. (Beifall links.) Nach weiteren Ausführungen der Abgg. Scheidemann (Soz.), v. Dziembowski-Pomian (Pole) und Hansen (Däne) vertagt das HauS die Weiterberatung auf Mittwoch 11 Uhr. Schluß 8 Uhr. 8. ordentliche evangelische Landcrsynode. R.B. Darmstadt, 15. März. Tie 7. Sitzung wird um 91/4 Uhr durch Präsident v. S t a m m cröfftret. Die Synode tritt zunächst in die zwertc Lesung des Voranschlags des evangelischen Zentralkirchenfonds für 1910—14 ein. Tie Positionen werden nach den Beschlüssen der ersten Lesung angemommen. Zur Rubrik 10 (Beiträge zu den TekanatsbibliothLten) lag eine Anfrage des Syn.-Avg. L ü h l vor, bett, die Aushebung des Tekanatslesezirkels. Oberkonsistorial-- rat Euler beantwortet' die Anfrage dahin, dass die nächsten Konferenzen der Tekane sich mit dieser Fwagc befassen werden. Syn.- Abg. Lühl bleibt bei seiner Forderung, die Lesezirkel aufzulosen. Zur Position Witwen- und W a i s e n v e r s o r g u n g gibt Öbervonsistiorialpräsident D. Nebel die Erklärung ab, daß das Oberkonsistlorium bereit fei, die Mchrforderung von 30 000 Mark zu bewilligen, also dem Beschluß der Si)node zu entspreck;en. Tes längeren wird über eine Anregung des Syn.-Abg. Widmann gesprvchm, die Psingstkollelte für die Lutherstiftung, die ein Stipendium für bedürftige Theologiestudierende darstellt, auszuheben und dafür eine Kollekte sür das Krüppelheim oder für eine bedürftige Eemeiirüe einzuführen. Verschiedene Redner stimmen dem Syn.-Abg. Widmann darin bei, daß es einigermaßen peinlich ist für die Pfarrer, die Kollekte für Theologiestudierende zu empfehlen. Anderseits wird vor Aufhebung der lillollekte dringend getoarnt, da die Luther st istung den Betrag unter keinen Umständen entbehren kann. Bei Rubrik 21, W i twe n - und Wa if eng elber, werden 192 000 Mark eingestellt. Weiter wird beschlossen, bis zum In- krasttreten der neuen Gesetzesvorlage den vollberechtigten Psarrers- witwen jährliche Zulagen von 200 Mark auszahlen zu lassen. Ter Rest der Ausgaben wird angenommen. Zu den Einnahmen errtsteht eine längere Aussprache beim „BeitiM des Staates zu den Vedürsnissen der evangeliscl)en Kirche". ^^Wstorialrat Tr. Ber n b eck erstattete einen Bericht über c.«^Wirkungen des GdiguugS- verfahren gegen K., um ihn vom gänzlichen Ruin zu beiuatjrcn; er war ber Ansicht, daß K. unter ber Hypnose der Ängeflagten stehe lind sehr beschräiift sei. Ter Sachoerstänbige, ber auch int Ent- münbtgnngSvcrfnhven K. zu begutachten Ijatie, hielt ihn zwar für geichä'lc-iähig, jedoch für geistig nnnberincrtig. Ein Frankfurter Mrinunalbcaintcv bezeichnete ben I. als schlecht beleumundet; er ist Idjon mehrmals bestraft unb war auch schou zweimal in Amerika; er wollte ben Anschein eriveckeu, als fei ei jebesmal ausgemanberk, um bie Verjährung einer gegen ihn schwebenben Untersuchung ab- zuwarteti. Cent Geschäft besteht barin, baß et einen Ausläufer bat, ber fiel) erfimbigt, wo es etwas zu flicken gibt. Vermögen besitzt er ferne; eS war nicht einmal niöglicli, bic Kranfenfassenbeiträge fernes Ausläufers zu pfänden. Auch W. imb ferne Frau besitzen fein Vermögen. ))lls um 10 Uhr abends noch sieben Zeugen zu hören waren, wurde die Verhaudliiug auf Douuerstag mittag 3*/, Uhr vertagt. enthält 1 Jeder^fc. f Umschlag’^^fe gilt als Gutscheir? würzt famos i ipen,Saucen,Gemüse, Fleischspeisen etc^^Jede ?Wta—— ^^^as^Gtandflüscha (ßericbtsfaaL ♦» 8 o nt Konkursverwalter des O b er-M Ick - städter Spar- und Borschußvereins wird uns geschrieben: Durch verschiedene Zeitungen macht in letzter Zeit eine Notiz die Runde, wonach der srühcre Rechtsanwalt Klarenaar in Gießen von der Konkursverwaltung des Vorschuß- und Kccditvereins Ober Mockstadt zu Unrecht in den Konkurs getrieben und um zirka 30000 Mark geschädigt worden sei: dktlN durch ein von dem Oberlandesgerickt Darmstadt bestätigtes und rechtskräftig gewordenes Urteil des Landgerichts Gießm sei festgestellt worden, daß die in Frage kommenden Wechselprotest- Urkunden von den mit der Protesterhebung betrauten Beamten der Gerichtsschreiberei Nidda falsch ausgenommen worden und daher ungültig seien. Tiefe Darstellung ist schon um deswillen unzutreffend, ivcil in dem hier in Betracht kommenden Neckstsstreit zwischen den Konkursmassen Ober-Mockstadt und Emil Burk- Gießen weder das Landgericht noch das Oberlandesgericht über die angebliche Ungültigkeit der Protesturkunden irgend ivelche Feststellung getroffen, vielmehr diese Behauptung ganz unberücksichtigt gelassen und aus anderen Gründen zu aunsten der Ober- Mockstädter Kasse entschieden haben: zudem schwebt der Prozeß infolge der von dem Konkursverwalter der bisher unterlegenen Konkursmasse Burk eingelegten Revision gegenwärtig noch vor dem Reichsgericht, so daß von einem rechtskrästigen Urteil überhaupt nicht die Rede sein kann. Sollten aber wirklich jene Protesturkunden für ungültig erachtet werden, was sehr unwahrscheinlich ist, und aus diesem Umstande von irgend einer Seite Entschädigungsansprüche gegen die Konkursmasse der Ober-Mock- städter Kasse mit Erfolg hergeleitet werden können, was aus mancherlei Gründen schwer denkbar ist, so wäre dieser in letzter Linie der hessi'che Fiskus, der für seine Beamten cinzustehen hat, haftbar und schadenSersatzpslichtig. Dies zur Berichtigung jenen Notiz und zur Beruhigung aller Beteiligten! Wiesbaden, 16. März. Der Prozeß des Kammersängers Hensel gegen die Intendantur des hiesigen .Hoftheaters ist auf gütlichem Wege beigelegt worden. Hensel nahm eine Klage zurück und zahlte die Strafe von 1000 Mark, >ie Intendantur dagegen billigte ihm den bisher versagtet! Ur» aub zu einem Gastspiel in Amerika zu. Berlin, 15. März. Gegen das frersprechende Urteil über den Grafen Pfeil hat der Gerichts Herr des 17. Armeekorps von Mackensen in Danzig Berufung eingelegt. — Gegen die Einbrecher, die auf die Juwelierfrau Richter in der Potsdamer Straße einen Raubanfall verübt hatten, wurde heute abend das Urteil gefällt, 9tt>tze erhielt ein Jahr Zuckst- haus zusätzlich, Kühne neun Monate Gefängnis, Stähe drei Monate Gefängnis zusätzlich und Syz zwei Jahre Zuchthaus zusätzlich und fünf Jahre Ehrverlust. Dresden, 15. März. Das Schwurgericht verurteilte die Fabrikarbeiterin Anna Agnes, verehelichte Martinka, in Pirna, welche daselbst während der Nacht zum 3. Dezember ihren im Bett schlafenden Ehemann durch einen Revolverschuß zu töten versuchte, wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Zuchthaus und den Handarbeiter Jakob Zabikki wegen Beihilfe zu neun Jahren Zuchthaus: außerdem beide zu acht Jahren Ehrverlust und Stellung unter Po lizeiau stickst. RcichsgcrichtHbrief. (Nachdruck verboten.) js. Leipzig, Marz 1910. Uebergang der Tierhalter Haftung beim Verkauf einer Kalbin. In dem nachstehenden Urteile drückt das Reichsgericht aus, baß der Uebergang der Tierhalterhaftung erst nach vollgültigem Abschluß, des Kaufs stattfindet. Die prozeßgeschichtlichen Vorgänge sind folgende: Am 30. Januar 1906 führte der Beklagte von dem Viehmarkt« in Nördlingen seine Kalbin fort, um sie in die Einstell-- wirtschaft des Händlers zu bringen, an den er sie auf dem Markte verkauft hatte. Ain Ausgange des Marktes forderte der Kläger, ein städtischer Maurer, der an dorn hier fraglichen Tage mit der Erhebung des Viehstandgeldes betraut wär, von dem Beklagten Zahlung des Standgeldes. Der Beklagte ersuchte, um das Geld seinem Geldbeutel entnehmen zu können, den Kläger, die Kalbin am Stricke sestzuhalten. Ter Kläger entsprach dem Ersuchen, kam aber alsbald in.it betol sich unruhig verhaltenden Tiere zu Falle. Er geriet mit dem rechten Fuß unter dasselbe und erlitt einen Knöchelbruch. Wegen der Folgen des Unfalles fordert« der Kläger von dem Beklagten als Tierhalter durch die Klage vom 18. Januar 1907 Ersatz, wobei er die ihm gewährte Unfallrente in Abzug brachte. Der Beklagte beantragte Klageabweisung. Das Landgericht in Neuburg a. D. erkannte den Klageanspruch dem Grunde nach füpberechtigt, und das Oberlandesgericht Augsburg wio§ die Berufung des Beklagten zurück. Nuumebr ist auch die vom Beklagten beim Reichsgericht eingelegte Revision zurück gewiesen worden. Das Reichsgericht legt in feilten Entscheidungsgründen dar, daß der Beklagte zur Zeit des SchadenSeintritts ivoch Hatter der Kaidin im Sinne deS 8 333 B. G. B. gewesen ist. Dies habe der Be- rufungsrickkter damit festgestellt, daß nach den Willenserklärungen von Verkäufer und Käufer eS erst in der EinsteUungSwirtickiaft gegen Zahlung des Kaufpreises zur Be s i tz ü b e r g a b e kommen sollte. Im Weiteren führt das Reichsgericht aus, daß der Unfall des Klägers auf das der tierischen 9?atur der Kalbin entspringende Verhalten zurückzuführen sei. Ein eigenes Verschulden des Klägers sei nach den Feststellungen dcS Berufungsgerichts nicht anzunchmen. Universitäts-Nachrichten. Mannheim, 14. März. Der Dozent an der Handels Hochschule in Berlin, Dr. Albert Cal m es , hat einen Rus als hauptamtlicher Dozent für Handelswissenschaslen an die .Handels- Hochschule in Mannheim für das Sommersemester angenommen. Vcrmifcbtcs. * Für zweitausend Millionen M a r k M i l ch. Im Deutschen Reicks werden nach Sommerfelds Feststellung in seiner Arbeit über Milch und Milchprodukte (Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig) etwa 25 Milliarden Liter Milch von 101/? Millionen Kühen — abgesehen ron der Ziegen- und >SchasSmilch — hergestcllt, l ies entspricht der oben genannten Summe, wenn der Wert eines Liters Milch mit nur 9 Pfg. angenommen wird. Das heißt, es wird weit metyr Milch verkauft als Kohle und fast doppelt so viel wie Roheisen. Der jährlickpc Milchverbrauch der Bevölkerung in den deutschen Großstädten ist je Kopf mit über 100 Litern anzusetzen. Mit seinem Kuhoestand — her ja hauptsächlich für die Milchgewinnung in Frage kommt — steht aber Deutschland nicht einmal an der Spitze der europäischen Staaten, wie aus folgender Statistik (von Mohr) ersichtlich. ES kommen ans je 100 Einwohner in Deutschland 18,6 Kühe, in Frankreich 20,3, in Holland 18,8, in der Scki-vviz 22,3, in Norwegen 31,7, in Schweden 34,7, in Dänemark sogar 41,4, in Oesterreich dagegen mir 17,9. • 5 o r ft iv e i e n in 5t i n u t i di o u. Als Tsingtau vor zivöti Jahren von Deutschland beietzt wurde, waren die Hügel in feiner Umgebung vollkommen waldlos und imfruditbar, nur hier und da nut verkrüppelten Kielern und Unterholz bestanden. Es wurde so- lort em umiangreicher Aufsorstungsplan entworfen und in Angriff aenommen lieber diele Arbeiten gibt das kaiserlich japanische Forstamt einen bödift anerkennenden Bericht, der von der „Deutschen Hapan-Posl" übersetzt miedet gegeben wird. Demnach sind heilte bereits 2965 Morgen nufgeforftet, und zwar zur Halile mit Akazien, zur zweiten mit Kielern, L'nvdien, Walnuß, Eichen, Elchen, Ahorn und Erlen. Das Resultat ist ein so günstiges gewesen, daß man beute bereits mit dem Berkaulc von Holz beginnen kann. Kleinere Zweige werden als Brennholz verkauft, einige Hölzer finden aber auch schon in den Bergwerken Verwendung. Ten beiden größten Schwierigkeiten, der Ranpeugciahr und dem Diebesgelüst der Ehineseu ist schließlich doch nut Eriolg entgegen- gearbeitet worden. Der Berkau' und Export von Akazien verspricht eine bedeutende Einnahmequelle in den nächsten Jahren zu werden. Das günstige Resultat bat die chiiieüsche Regierung veranlaßt, ebenlallS Ailfforstungsarbeiten ztt unternehmen und zwar unter Leitung deutscher Fachleute. Diese Arbeiten konzentrieren sich in der Hauptsache um Mukdeu, wo eriolgreiehe Versuche bereits mit Akazien gemacht sind und weitere nun auch mit anderen Bäumen gemacht werben sollen. 625 Morgen sind bereits öa'ih bereit gestellt worden, und ivcitere 24 710 sollen zu Aufforstungszwecken augekaust werden. * Der Ianuskopf in her Kirche. Einem in der Pariser Gesellschaft sehr bekannten und beliebten Maler ist dieser Tage, wie der „Gaulois"" erzählt, ein amüsantes Mißgeschick widerfahren. Er War zu einem Abeiidscst eingeladen, zu dem vorschriftsmäßig jeder mit einer besonderen „Kopsmaske" erscheinen sollte. Der Künstler, der über eine kahle Platte von ungewöhnlichen Dimensionen verfügt, Hatto die gute Idee, sich von seiner Gattin, die gleichfalls Malerin ist, das rosige Gchicht eines uuschulds- vollen BabyS al freSoo auf die Hinterfront seines Schädels malen zu lässen und erzielte mit diesem „zweiten Gesicht" auch einen vollen Heiterkeitserfolg. Für den nächsten Vormtttag war er zu der kirchlichen Trauung eines Bekannten geladen, stand aber so spät auf, daß er „nur eben schnell Toilette machen und in die Kirche fahren konnte. Dort hatte er sich kaum auf seinem' Platze niedergelassen, als hinter und neben ihm unterdrücktes Kichern und halberstichtes Sadjen laut und immer allgemeiner wurde. Im Umsehen fand er zahlreiche Blicke kramp!haft verzogenen Gesichter auf sich gerichtet, ohne sich erklären zu können, was ihm diese Aufmerksamkeit verschaffte. Endlich näherte sich ihm einer der gravitätischen Kirchenschweizer: „Mein Herr, darf ich Sie bitten, mit mir zu Tottimeit!" — „Weshalb? Was wollen Sie?" — ,^ch muß Sie dringend bitten — in Ihrem eigenen Interesse."' Widerwillig folgte Iber Künstler dem Manne in die Sakristei. „Also wollen Sie mir nun endlich sagen. . .?" — „Der Herr müssen sich das Kind vom Kopf bmrntcrtun!" — „Wo — ? 2Ä füll ein Kind vom Kopf . . . Mensch sind Sie verrückt?" Aber da er sich gleichzeitig unwillkürlich den Kopf befühlte, dämmerte ifrm im selben Augenblick der Sachrarhalt aus, und die Kdmck der- -Situation ließ ihn in ein schallendes Gelächter ausbrechm. Zum Glück waren Wasser, Seife und .Haudtud. schnell zur Hand, und nod, ehe das Brautpaar die Kirche betrat, erglänzte der seines Bildfcksmucks beraubte Schädel wieder im alten Glanze einer blankpolierten Billardkugel. Kleine Tngcschronik. Professor Eduard Müller, Direktor der medizinischen Poliklinik in Marburg, tumbe von bet Wärterin einer Klinik ui Breslau bittet) Revolverschüsse verletzt, -tie Wärterin nahm darani Gilt und starb. Im neuen Rixdorfer st äb tisch en K ra n k e n h auf e trat ein Teil der feft eingestellten Krankenwärle r tu den A u s st a n b eilt weil den Wärtern, die fick) wiederholt llrlaubS- übericbicitiingcn zu schulden kommen ließen, gekünbigt tvorbcn tvar. In der Kasse bes Landgerichts in Ak ü n st e r (Westfalen) wurden vergangene Nacht 90"0 Mk. gelt ob len. Tie Diebe durchbrachen von den Bnreai.räumen ans eine dicke Mauer zum Kassenrannr. Zn einem Dorle in der Nähe von Koni tz vernichtete anr Samstag eibctib ein Schadenteuer 17 Häuser. V i e r Ai e ti s ch e n sanden tu den Flammen ihren Tod. Die Dortbewohner wollten einen Häusler, bei dem der Brand ansgebrochen tvar in die glommen stoßen, da man ihn beschuldigte, bas; ev den Brand gelegt habe, wurden aber von der Polizei verhindert. Bei einem in den WirtschastSränmen des großen Wbiteleyschen Warenhanses zu London aiisgebrochenen Brande tnusnen la Fener- wehrleuie infolge Rauchverantung ins Hospital überführt werden. Fünf Angestellte verloren infolge des Rauches und der Hitze das Bewubtsein. ^miüendlacbriditcn. Geboren. Herrn Paul Leibling in Butzbach ein Sohn. — Herrn Lehrer Wenzel in Grimberg em Sohu. Verlobt. Frl. Elilabethe Hosmann in Leusel mit Herrn Heinrich Krug in Cchwabenrod. — Frl. Sophie Ritigshansen m Nidda mit Herrn Willi Weber in Rödelheini bei Frankfurt a. M. — Frl. 'Marie Groth in Echzell mit Herrn Heinrich Namnann m Friedberg. — Frl. Anna Sann in Büßield mit Herrn Heinrich Friedrich in Erbenhausen. — Frl. Bella JonaS in Gladenbach nut Herrn Julins Goldschinidt in Marburg a. d. Lahu. G e Ü o r b e n. Frau Auna Marte Reinhardt, geb. Müller, in Wetzlar-Niedergirmes. — Herr Franz Witzel hi Nieder-Mörlen. - Herr Wilh. ^lmbrosiiis in Btskirchen. — Herr Johannes Salten- berger VIII. in Maibach. — Herr Gottfried Panz in Butzbach. — Frau Elijabethe Zimmer, geb. Breuuiug, Bingmühle, Grün berg. — Uran Jvhannette Ritter in Grünberg. — Frau Elara Fischbach, geb. Reiseunarth in Wetzlar. — Herr Otto Wagtier m Atzbach — Herr Oberst Albrerut " Seyd in Darmstadt. — Herr Heinrich Hornivius in Blitzenrod — Herr Johannes Wilheln, Hahn m Lauter. — Herr Martin Dietz in Schwalheim. — Herr Wilh. Fisch- bach in Wetzlar Gutschein.. ■Kinder- Hervorragend bewährte i mehl Nahrung. z Die Kinder gedeihen = ?... । vorzüglich dabei -= "Kranken- u. leiden nicht an kost. Verdauungsstörung. W Sie irr®en wenn Sie glauben, daß nur frische Fleischbrühe angenehm schmecke. Den gleichen Wohlgeschmack hat eine Bouillon aus OXO Bouillon- Würfel der Comp^ Liebig. — Preis 5 Pf. :-*w**w Kalk- u. Msnnor-Wsrkß und tapfziegelei X Aug. Gabriel jr., Giessen Telephon 84 [733) Telephon 84 la. Qualitäten, JDIaffcnfabrirationen, BahUistiluß. ■Slacheldrahl imGeHeehW Drnhtnesl chtc 4° und 6-eckig, Stacheldraht, Krampen rc. Gartcngjeriite aller Art kaufen Sie am vorteilhaftesten bei |U1S Rodheimer Strafte 42. 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