Nr. 292 Urfcheini flttffl® rrtti «u-nahm, be9 GonntagL. rte «Sletzene, Samtllenblötter* ««de» dem ,91njctgere itermal wSchentltch betgdegt, da» „Kretsblan füi de» Kreil Lietzen- iroetmal wöchentlich. f)t« „£anörotrtfd)aftlid)ee bett» fragco* erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für OberheUn Redaktion. Exveditio» and Druckerei; ftrah» f. ttipebttton an6 Verlag; bL Redaktion:^« 112. Tel.-Adr^ AnzeigerGletze» 160. Jahrgang Dienstag, 13 Dezember 1910 dTäkL A jA jA AA AA <^v^l Jk Jk A Xk Rotantmfbmd 0* Vertag de» «r ühNche, H)icnvncr zimmer noch die Frage der Gebr. Mannesmann von Zeit zu Vizepräsident Schultz: Ich rufe den Abg. Scheidemann zur Ordnung. zur Ausübung der Seepolizei liegt noch zum Anlaufen der sogenannten Häfen. Im vorliegenden Fall .ft ein folge eines Mandats des Sultans dem sämtliche Vertragsmächte zugestimmt Vizepräsident Schultz: Sie dürfen auch auf eine Beleidigung nicht beleidigend antworten. Das verstößt gegen die Ordnung des Hauses. ALg. Luttmann: Der Snm der englischen Abruftungsvorschläge ist.- Wir muffen die Herrschaft auf dem Kontinent haben, auf dieser Basis treten wir in Abrüstungsverhandlungen ein! Wir Deutsche wollen aber Herren im eigenen Hause sein. Wir haben von unseren Worten gegen Dernburg um so weniger zurückzunehmen, als er durch den Vertrag mit der Kolonialgesellschaft dem Reichstag einen Schlag ins Gesicht versetzt hat. Ein daS Reich so schädigender Vertrag war noch nicht da. Das sagt ja auch der liberale Dr. Rohrbach. (Dec Reichskanzler erscheint im Saale.) Der Reichskanzler, den Abg. Ledebour bewundert, der könnte mir leid tun! (Sehr gut! rechts, Lachen links.) Wir danken dem Reichskanzler, daß er energisch gegen die Sozialdemokratie vorgehen will. Leider gehen der badische Minister v. Bod- mann und der bayrische v. Fraunhofer nicht denselben Weg. lSehr gut! rechts und im Zentr.) Wie weit es schon ist, zeigt das Beispiel der Freien Studentenschaft in Leipzig, wo der Sozialdemokrat Eduard Bernstein einen Vortrag hielt, bei dem ein Herr ausgewiesen wurde, weil er ein Kaiserhoch ausbrachte. (Hört, Hört! rechts.) Nun hat Professor Lamprecht behauptet, die Versammlungsteilnehmer seien Deutsche gewesen. Nein, es waren fast ausschließlich Russen und Leute mit Namen wie Apfelbaum, Bernstein usw. (Heiterkeit rechts.) Die rechnet man nicht zu den Deutschen. Das verbitten wir uns. (Lebhafte Unruhe links.) Dann erschien in der Berliner „Tribun e" ein Titelbild, das geradezu eine Gotteslästerung ist. Es zeigt den ehemaligen König von Portugal. Darüber ist der liebe Gott mit einer Zipfelmütze dargestellt, und er sagt: Da geht schon wieder eines von meinen Instrumenten flöten! — Wir sind mit dem Kanzler ganz einverstanden, wenn er mit aller Schärfe gegen solche Auswüchse vorgeht. (Beifall rechts.) Staatssekretär des Auswärtigen v. Kiderlen-Wächter: Die Abgg. Lattmann und Bassermann haben sich nach der Angelegenheit des Hafens von Agadir erkundigt. Am Sonnabend hat der Herr Reichskanzler meine Antwort in Aussicht gestellt. Damals lag uns aber noch kein amtlicher Bericht darüber vor. Seitdem ist dieser Bericht eingetroffen. Wie bekannt, stehen Frankreich und Spanien die Ausübung der S e e p 0 l i z e i an der Südmarokkanischen Küste in» erneuert wird. In völlig versagenden Freisinn die Finanzreform zu machen. Ob die Heranziehung des Zentrums gern oder ungern geschah, darauf kommt eS nicht an; mit dem Ge- mirt werden derartige Fragen nicht entschieden. Es ist ja genau dieselbe Geschichte wie damals, als Bismarck zur Schutzzollpolitik überging. Auch da versagte der Liberalismus trotz der redlichsten Mübe Bismarcks, die Sache mit ihm zu machen; Bismarck hat damals auch sicher nicht gern seinen Frieden mit dem Zentrum geschloffen. (Lebhafter Beifall rechts.) Als früher von den Liberalen mit bewilligte Steuern weniger ergaben, als geschätzt war, hat man nicht von Blamagen geredet. Daß wir heute schon die Erbschaftssteuer haben, wird völlig verschwiegen. (Lebh. Zustimmung rechts.) Wenn die „Vossische Zeitung" sagt der Freisimr habe in Labmu-Wehlau gesiegt, weil der schwarz-blaue Block die Erbanfallsteuer abgelehnt, aber die Zündholzsteuer angenommen habe, so sind die Wähler einer Lüge anheimgefallen, denn das eine hat mit dem andern nichts zu tun. Rechnet der Freisinn Gatten und Kinder zu den „lachenden Erben"? (Sehr gut! rechts.) Auch Herr v. Gerlach, der den Liberalen doch nahesteht, schreibt in der „Welt am Montag", daß die Liberalen bereit waren, die gleichen Steuern wie die Rechte zu bewilligen. Das hat auch Abg Eickhoff selber zugestanden. Wenn die Wahrheit durch die Hetze des Hansa-Bundes durchdringt, werden wieder die vernünftigen Elemente in den Vordergrund treten. Allerdings sind auch Fehler geschehen, z. B. in der preußischen Wahlrechtsfrage. Die Konservativen sollten sich entgegenkommender erweisen. Die Sozialdemokraten stellen die vreuhische Zivillistenerhöhung demagogisch dar; der König erhält doch Theater mit Hunderten Angestellter und bestreitet viele Kulturaufgaben. Wenn die Genehmigung des Reichstags zum Verkauf des Tempelhofer Feldes erforderlich ist — sie i st erteilt worden von der Kommission und vom Plenum durch Annahme der Resolution. Die Sache wird nur im Interesse des Spekulantentums aufgebauscht. Als Dernburg die Felder in Südwest verkaufte, schwiegen die Herren. Warum sprechen denn die Sozialdemokraten diesmal nicht von den Kosten der Ernährung der Soldaten? (Abg. Scheide mann (Soz.): Weil wir keine Wiederkäuer sind wie Siel — Heiterkeit links) Abg. Lattmannr Ach, Herr Scheidemann, Ihre Schindangerrede . . . (Unruhe links.) haben, und das diesem Mandat kein Mandat geschlossenen französisches Schiff in Ausübung bet ^eepolizei, speziell in Verfolgung von Waffenschmuggel in den Hafen eingelaufen. Die französische Regierung hat uns ausdrücklich erklärt, daß mit diesem Anlaufen ein anderer Zweck nicht verfolgt worden sei, daß ganz besonders von einer Eröffnung des Hafen- nicht die Rede sein könne. Nachdem uns die französische Regierung diese loyale Erklärung gegeben hat, haben wir die Gelegenheit benutzt, erneut unser Einverständnis mit der französischen Regierung darüber festzustellen, daß die Eröffnung eines der geschlossenen Häfen nur vom Sultan mit Zustimmung sämtlicher Vertragsmächte erfolgen kann. Dabei halten wir es für eine selbstverständliche Voraussetzung, daß alle Maßnahmen, ganz besonders aber die Festsetzung des Termins für eine solche Eröffnung, so rechtzeitig mitgeteilt werden müssen, daß die Be- vorzugung der Interessenten des einen Staates gegenüber den Interessenten des anderen ausgeschlossen ist. Ich glaube, wir können also den Spezialfall von Agadir vollständig beiseite legen und haben keinen Anlaß von Beunruhigung. Ter Abg. Bassermann und auch der Abg. Frhr. v. Gamp haben dann mb- Deutscher Reichstag. 99. Sitzung, Montag, den 12. Dezember. Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück, Wermuth v. Kiderl en- Wachter, v. Heeringen, v. Tirpitz' Kraetke, Dr. LiSco, v. Lindequist, Wackerzapp. Vizepräsident Schultz eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 25 Minuten. Erste Lesung des Etats. Dritter Tag. Staatssekretär des Neichsjustizamts Lisco: -1 s?£CL Scheidemann hat in der Freitag-Sitzung die Rede des Stadtverordneten Wendel in Frankfurt a. M., die am 1. September gehalten wurde, erwähnt. Er hat mitgeteilt, daß gegen Wendel ein Ermittelungsverfahren wegen Majestätsbeleidigung einae- leltet^worden fei. Er bat das in Verbindung gebracht mit der Rede de- Herrik von Heydebrand. Nach dem „Vorwärts" hat ^Heidemann erklärt, „daß nach der Denunziation des Herrn von Heyde- brand die Broschüre, die die Rede enthielt, sofort beschlagnahmt wurde . Diese Annahme des Abg. Scheidemann schien mir von Unfang an wenig glaubwürdig, wenn ich ihm auch guten Glauben zugestehen will. ES schien mir aber unmöglich, daß auf Grund der Denunzia- hon oder vielmehr der Ausführungen des Herrn von Heydebrand, die eine .Denunziation genannt wurden gegen Wendel vorgegangen win soll. Ich habe mir das Aktenmaterial verschafft und kann fesistellen daß die staatSanwaltschaftliche Behörde in Frank- Mitte Oktober mit dieser Angelegenheit bcfafjt hat. Ev sind bereits Anfang November bestimmte An- ordnungen getroffen worden, und es sollte das Verfahren gegen ^endel wegsn Maiestatsbeleidiaung eingeleitet werden. Wenn die ^ache sich etwas verzögert hat, so ist daran lediglich schuld, daß inzwischen auch der Oberreichsanwalt mit dieser Sache befahl $ann ist die Beschlagnahme erfolgt. Wenn das zu- wlllg so geschehen ist, daß es mit der Rede des Herrn von Heydebrand zusammenfiel, so stelle ich fest, daß irgend eine Veran- layung durch Die Heydebrandsche Rede nicht gegeben worden ist u 3 be hör d e n sind sich ihrer gesetzlichen Pflicht durchs gewußt und sind nicht abhängig von Anregungen aus diesem großartige Bahnbauprogramm erinnern und wie es ihm gelungen ist, auch daS K a p i t a l für die Kolonien immer mehr heranzuziehen. (Bravo! links.; Wir wiffen heute mit positiver Bestimmtheit, daß unsere über, seeischen Besitzungen ein wertvoller und von Fahr zu Jahr auf* nabmefähigerer Absatzmarkt für unsere deutsche Volkswirtschaft sind. Sie sind zugleich eine verheißungsvolle Quelle für den Bezug der R 0 h m a t e r i a l i e n. Wer könnte heute angesichts der Baumwollnot, welche immer mehr kritisch wird, ange- sichts des Wollbedarfs, der immer mehr zunimmt, noch daran zweifeln, daß es geradezu eine Lebensfrage für weite Zweige unserer Industrie, vor allem für die Textilindustrie und zwar ebenso für die Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer (Sehr richtig!) ist, daß wir unsere Nohmaterialien aus den Kolonien beziehen, und daß wir uns mehr und mehr unabhängig machen von ausländischen unkontrollierbaren Spekulationen und Monopolbestrebungen. (Sehr richtig!) Immer mehr bringt die Erkenntnis durch, daß mit den Jahren ein großer Teil des deutschen Rohstoffsbezugs aus unseren Kolonien gedeckt werden kann und muß. Ich betrachte es als eine der vornehmsten Aufgaben der Kolonialverwaltung, auf dem beschrittenen Wege energisch weiter zu gehen und Hand in Ham) mit den Interessentenkreisen der Heimat, langsam und nach gründ, licher Prüfung dem Notstand abzuhelfen, welcher heute schon einige der wichtigsten Zweige unserer Industrie bedroht oder zu bedrohen anfängt. Im engsten Zusammenhänge mit den Absatz mark» ten, zu welchen unsere Kolonien erweitert werden muffen, unr den Rohprodukten, welche aus ihnen bezogen werden sollen, steht das großartige von mir vorhin bereits erwähnte Bahnbau- Programm meines Vorgängers. • . In der Budgetkommission wird Ihnen eine umfangreiche B a u m w 0 l l e n d e n ks ch r i f t vorgelegt werden, in der die Untersuchung enthalten ist, wie bem, augenblicklichen Uebelstam e in bezug auf die Baumwolle abgeholfen werden kann. —ie Entwicklung der Schutzgebiete dürfte sich nicht zum wenigsten widerspiegeln in dem Stande der Finanzen. Die Finanzlage der Schutzgebiete hat sich erheblich gebessert; ich glaube ohne Uebertreibung sagen zu können, daß sie auf einer guten, solchen und gesun d e ri Basis beruht. Ten Ausgangspunkt dafür bildet das Jahr denn 1907 sind die Ausgaben für den Militaretat lloch aus 3n- leihen und nicht aus den laufenden Einnahmen gedeckt worden. Abg. Luttmann (Wirtsch. Vgg.): Der Etat ist erfreulich. Anstatt dies anzuerkennen, sucht die Linke, der das Nörgeln zum Lebenselcment geworden ist, das Volk zu verhetzen. Ebenso fehlerhaft wie eine Ab- nangigteit des Kanzlers von Zentrum und Konservativen wäre die von _bcn Radikalinskis. (Lebhafte Zustimmung rechts un-» im Zentr.) Bulow war vom Liberalismus zu sehr abhängig. Mit der Enzyklika usw. will man gläubige evangelische Gemüter graulich machen. Die Liberalen haben ja früher auch mit dem Zentrum Politik gemacht, ohne daß man von einem rosaschwarzen cher grünschwarzen Block sprach. Ebensowenig wie das Zentrum -ich durch die Mitarbeit an der Fmanzreform von seinen Grund, 'ätzen entfernt at und die Polen von ihren polnischen Bestrebungen, haben wir von unserer nationalen Politik auch nur ein Titel- chen aufgegeben. Daß die Finanzreform mit dem Zentrum ge- macht wurde, ist doch die Schuld der Liberalen. Es ist doch notwendig, die Herren an unsere vertraulichen Beratungen imBun desratSzimmerunterdemVor- sitz des Reichskanzlers zu erinnern. (Hört! hört! rechts.) Dort haben wir tagelang daran gesessen, wie wir die Finanz- reform ohne das Zentrum machten und alle drei Parteien der Rechten haben damals willig innerhalb des Blocks gearbeitet und sich die größte Mühe gegeben, den Block zu erhalten. Aber sobald der Schatzsekretär eine Steuer vorschlug, da erklärten die Freisinnigen: Nein, die nicht — und wenn er dann sagte: Ja, Sie wollen doch ‘-ine Finanzreform machen, bitte, schlagen tiie doch eine Steuer vor, bann sagten Sie: nein, das geht uns nichts an, das ist Sache der Regierung! (Stürmisches Hört, hört! und Heiterkeit rechts, Unruhe links.) Es ist eine ganz falsche Darstellung, als wenn erst infolge Branntwein« und Erbschaftssteuer die Zuziehung des Zentrums zur positiven Arbeit sich als notwendig herausstellte; schon lange Wochen vorher hatten wir es von Tag zu Tag in steigender Weise empfunden, daß es nicht möglich war, mit dem an den unteren, in sämtlichen Bureaus. Es ist selbstverständlich, daß in einer Behörde mit der Zeit sich da und dort Reformbedürfnisse einstellen. Diesen Reformbedürfnissen ist Rechnung getragen worden Und w'ird auch künftig Rechnung getragen werden. Aber die Organisation im ganzen, die große Organisation, die haben wir a u 5 einer großen Zeit; die stammt noch vom Fürsten Bismarck und daran wollen wir nicht rütteln l a f s e n. (Beifall rechts.) Wenn ich damit gesagt haben will, daß diese Behörde Vertrauen verdient, so möchte ich besonders hervorheben, daß gerade das Auswärtige Amt auch Vertrauen braucht; (Sehr richtig!) und gerade deshalb, weil es Vertrauen braucht, bitte ich Sie, Wünsche, Anträge und Beschwerden incht hier im Plenum, sondern in der Kommission vorzubringen. (Sehr richtig! rechts.) Ich verspreche Ihnen, daß ich in der Kommission mich immer gern und offen mit Ihnen darüber aussprechen werde. (Lebhafter Beifall rechts, im Zentrum und links.) Staatssekretär des Reichskolonialamts Dr. v. Lindequist: Meine Herren, da ich zum ersten Male die Ehre habe, den Etat des Reichskolonialomts und der Schutzgebiete zu vertreten und da der Vorredner auf ihn eingegangen ist, sei mir gestattet, auch meinerseits einige Bemerkungen zu machen und einige Mitteilungen über den jetzigen Stand der finanziellen und wirtschaftlichen Entwicklung unserer Schutzgebiete. Ich muß das etwas allgemeiner halten, nachdem der Abg. Latt- mann mit ziemlich harten Worten über meinen Vorgänger gesprochen hat. Wenn das gegenwärtige Entwicklungsstadium der Kolonien zusammengefaßt werden soll, so könnte man das nach meiner Meinung am besten mit den Worten tun: Es geht vorwärts! Es geht aber nicht nur hier und da und sporadisch voran, sondern es geht auf allen Gebieten und in allen K olonien vorwärts; mit alleiniger Ausnahme vielleicht, nich' ganz fo stetig wie in den anderen Kolonien in Südwestafrika, wo die Entwicklung infolge des Aufstandes und bann später infolge der Diamantenfunde eine etwas schwunghafte gewesen ist. Aber trotzdem haben wir gerade infolge der Diamantenfunde die erfreuliche Erscheinung, daß dieses Schutzgebiet augenblicklich was die eigenen Einnahmen des Schutzgebietes betrifft, an der Spitze unserer Kolonien marschiert. Wenn ich die Hoffnung hege, daß das Vorwärtsgehen, das Aufstreben unserer kolonialen Entwicklung kein vorübergehendes sondern ein andauerndes ist, so finde ich die Begründung dafür nicht nur in den Zuständen draußen, sondern ebenso sehr in dem lebhaften Interesse, welches das deutsche Volk neuerdings unserer Kolonialpolitik entgegenbringt und in dem Interesse für unser überseeisches Neudeutschland. Man wird heute wohl der Ueberzeugung sein können, daß die überwiegende Mehrheit unseres deutschen Volkes durchdrungen da- von ist, daß wir Kolonien haben müssen. Der Pes- s i m i Z m u s, der noch vor wenigen Jahren bestand, ist Gott sei Dank dahin und hoffentlich ein für allemal verschwunden. Es wäre verfehlt, wenn man etwa die Kritik, die ich an und für sich nur freudig begrüßen kann, die sich hier und da vielleicht etwas scharf äußert, als Kolonial Müdigkeit ansieht. . Ich sehe darin viel mehr, wenigstens soweit sie sachlich und objektiv war, ein erfreuliches Symptom für das immer stärker werdende Interesse an kolonialen Dingen. Wenn in dieser Beziehung in den letzten Jahren ein so gründlicher Umschwung eingetreten ist, wie wir ibn , vor kurzer Zeit noch kaum für möglich gehalten haben, so ist ; dies m. E. zweifellos in erster Linie neben anderen günstigen ■ Umständen dem ersten Staatssekretär des Reims» [ kolonialamtes z u danken. (Stürmisches, sich wieder- ; bolendes Bravo! links.) Ihm ist es gelungen mit der Vorstellung aufzuräumen, daß unsere Kolonien nichts wert stnd, ! daß das deutsche Volk an ihnen keine Freude zu haben braucht ' und daß sie dem deutschen Volke keinen dauernden Nutzen bringen. t (Erneutes Bravo! links.) Ich glaube, die Verdienste dieses . ersten Staatssekretärs, meines Vorgängers, sind so große und i dauernde, daß dagegen das, was andere vielleicht andqrs ' beurteilen, wo sie mit ihm nicht übereinstimmen, doch in den . Hintergrund tritt. (Bravo! links.) Ich will in dieser Beziehung nur an das großzügige und berührt. Ich kann in dieser Beziehung nur wiederholt betonen, daß wir es auch heule noch als das Wünschenswerteste betrachten, daß die G e b r. Mannesmann sich mit den anderen Interessenten, speziell mit der Union des Mins, an der ja auch bedeutende deutsche Firmen beteiligt sind, einigen. Unter welchen Voraussetzungen wir auch heute noch eine solche Einigung für möglich halten und bereit sind, dahingehende Verhandlungen zu unterstützen, habe ich noch vor kurzem die Gebr. Mannesmann wissen lassen. Auf die Details der Sache hier einzugehen, verbietet sich, denn ick würde dadurch nur die Jntereffen schädigen können, die wir schuhen und fördern wollen. Aus demselben Grunde mutz ich es mir versagen, auf die vergangenen Phasen der Affäre Mannesmann einzugehen. Kommt eine Einigung nicht zustande, so wird in letzter L.nie das Warum für alle diese strittigen Fragen die internationale Schiedsinstanz fein, welche in den Entwurf des maroHanifd)en Berggesetzes vorgesehen ist, und die so gewählt werden wird, datz sie jegliche Garantien für eine unparteiische Entscheidung bieten. Ich kann noch keine amtlichen Mitteilungen über oas Berggesetz machen, ehe eS vom Sultan und den Mächten angenommen ist. Das beruht auf i n 1 c r n a t i 0 - naler Vereinbarung. Ich mutz aber leider hier sagen, daß wir haben konstatieren müssen, daß an anderen Stellen Indiskretionen begangen worden sind zugunsten von Interessenten. Jnfolgedeffen haben wir eS nicht nur für unser Recht, sondern auch für unsere Pflicht gehalten, nach Mitteilung an zuständiger Stelle unseren Jntereffenten diese Bestimmungen aus dem Entwurf mitzuteilen. Wir wollen es nicht zu lassen, datz unsere Interessenten ins Hintertreffen kommew (Beifall.) Der Abg Wiemer hat die Frage Reorganisation und Reform deS Auswärtigen Amtes berührt. Ich hatte vor zwei Jahren schon die Ehre, den Herren zu sagen (Heiterkeit b. d. Soz.), datz das Auswärtige Amt gut und zuverlässig arbeitet. Eine besonders begeisterte Aufnahme haben damals meine Ausführungen nicht gefunden. (Große allseitige Heiterkeit.) Trotzdem kann ich den Herren auch heute wieder- holen, nachdem ich jetzt mehrere Monate hier an der Spitze dieses Amtes stehe, daß mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit, mit Treue und auch mit Erfolg überall in diesem Amt gearbeitet wird, nicht nur an den oberen Stellen, sondern gerade auch von Marokko zu, die Schlafkrankheit fouen die schon letzt m Ostafrika und Kamerun gestehenden Ein. ruhtungen der. MÄ35*B die MisstonSgesellschaften m steigendem Maße die ärztliche Versorgung der Eingeborenen auf ihr Programm gesetzt haben. Ich bin mw der großen Be! deutuna der Missionen für unsere Kolonie boll be- und verkenne mcht, daß sie in manchen Gebieten einen jehr schweren Stand haben. Erfreulicherweise ist das Verhältnis der Regie, ^ug zur Mission zurzeit sehr gut. Beide muffen Hand in Hand arbeiten zur kulturellen Hebung her Schwarzen. Ter Ein» Un ”c.?e,Xerfn Ausdehnung der Selb st Verwaltung Aufmerksamkeit geschenkt; es ist aber meine Ab. icht, in dieser Frage bcbutsam und mit reiflicher Ueberlcgung vor. ffS'krflr11-- ”! ^bem einzelnen Falle genau geprüft werden, ^?^Eniffe in der betreffenden Kolonie genügend borge- smd m^>esondere auch hinsichtlich der finanziellen Lei. stungSsahlgkeit. Eine besonders erfreuliche Folge des erstarkten allgemeinen Interesses an den Kolonien ist die größere finanziellen Ergebnisse der Bahn in Deutsch-Sübwefiafrika gewesen. DaS tritt besonders bei der Südbahn hervor, von der wir glaubten, daß sie noch längere Zeit Zuschüffe erfordern würde. ES bat sich jedoch ergeben, daß wir mit Ueberschüffen von 142 000 21arf werden rechnen können. Je schwieriger eS für die Schutzgebiete werden wird, die großen Verpflichtungen zu erfüllen, die ihnen durch die Anleihen aufcrlegt worden sind, um so wichtiger ist eS für die Verwaltung, rechtzeitig für eine genügende Alimentation der Bahnen zu sor. $en. Hierzu sollen auch die Vorschläge zur Hebung der Landwirt, schäft dienen, damit in dem VerkehrSbereich der Bahnen neue Werte neben den alten geschaffen werden. Es muß daher die Produktion von Anfang an systematisch in bestimmte, den Verhältnissen entsprechende neue Wege geleitet werden. Zu diesem Zwecke soll in unseren Kolonien eine Ausgestaltung und Organisation des landwirtschaftlichen Ver- i u ch S w e s e n S vorgenommen werden. Für die meisten Zweige des Ackerbaues, Baumwolle, Futtermittel, Getreide, Tabak, ist es unbedingt notwendig, daß systematisch exakte Versuche gemacht werden, btc aber zu teuer sind, als daß die Privaten sie allein machen konnten. Es wäre ein zu großes Risiko für sie. DaS gleiche gilt für ' ■ _XIT die Viehzucht J und die Viehhaltung^ Das landwirtschaftNche Versuchstoesen soll rmmal den Ansiedlern neue Erwerbsquellen erschließen, dann aber auch den Eingeborenen zugute kommen. Das gilt besonders hin- nchtlich der Einführung der Düngung und des Pfluges. Bisher ist ein einheitlicher landwirtschaftlicher Dienst nur in Kämerun vorhanden gewesen. ES ist jetzt den Bezirks. Infolgedessen kann erst 1908 als einlgermaffen ' ftofnfaW Fahr herangezogen werden. Nach der Veranschlagung des Etats von 1911 haben die eigenen Einnahmen der Schutzgebiete sich um 7 200 000 Mark gesteigert. Eine Vergleichung zwischen den Jahren 190S und 1911 ergibt in diesen vier Jahren eine Steigerung von 20 Millionen in den eigenen Einnahmen, von 'denen ein Teil auf die Diamantfunde in Deutsch-Südwestafrika zurückzuführen ist. Naturgemäß sind mit den Einnahmen auch die Ausgaben gestiegen, von denen 3 700 000 Mark auS dem AuS. gleichsfonds gedeckt sind. Schon verschiedene Vorredner haben hervorgehoben, daß die Belastung des Reiches durch die Kolonien erheblich zurnckgegan- gen ist. Nach dem Etat für 1911 wird der Reichszuschuß zu den Kolonie sich um 3,2 Millionen Mark verringern. Eine weitere Entlastung wird aber auch dadurch herbeigeführt, daß baß Schutzgebiet Kamerun den Vorschuß, welchen daS Reich seinerzeit gewährt hat, jetzt vollkommen zurückzahlen wird. Außerdem ver- zinst daß afrikanische Schutzgebiet vom 1. April 1911 an zum ersten Male das Eisenbahndarlehen, daS seinerzeit vom Reiche gewährt wurde, was eine weitere Entlastung von 1,4 Millionen I Mark bedeutet, die freilich nicht dem Etat der Schutzgebiete, sondern dem der Reichsschulden zugute kommeL—Hm ganzen würde danach die, Belastung deS Reiches ~ für die Kolonien um 5 Millionen Mark zurückgehen. Ich mochte aber dabei bemerken, daß für das Jahr 1911 eine Ersparnis in Anrechnung kommt, die aus dem Etat von 1908 stammt und durch die Verminderung deS Truppenkontingents für Süd- toeft erzielt ist. Es erscheint zweifelhaft, ob im nächsten Jahre mit Rücksicht darauf ein gleich günstiges ErgeMiS j\u exzielen fein wird. In, Südwestafrika ist eS namentlich durch die Einnahme auf den Diamanten» Eingeborenenkommissare A tontet ausgedehnt werden. Mittel dazu werden angefordert. Es ist bereits gelungen, für Südwestafrika zwei besonders geeignete Eingeborenenkommissare zu gewinnen. Nach tote vor wird es die Sorge der Kolonialverwaltuna sein, den Gesundheitszustand der Eingeborenen zu heben. Auch im vorliegenden Etat finden Sie nicht unerhebliche Summen für die ärztliche Fürsorge, für den Bau von Lazaretten und die Bekämpfung von Seuchen, vor allem der Schlafkrankheit. Der nicht unbedeut nde ärztliche Apparat kommt den Emgeborenen voll zugute. In Deutsch-Ostafrika sind im letzten Jahre nicht weniger als 25 000 Eingeborene behandelt werden In Kamerun haben wir 17, in Ostafrika 19 Lazarette. In nnn aaa0 XU1Ü c in cin€m Bahre nicht weniger als 900 000 Eingeborene gegen Pocken geimpft worden. Für die Bekämpfung der Schlafkrankheit sind in Ostafrika schon über eine Million Mark auSgeg-ben worden. Es ist gar nicht auszudenken, wohin diese schreckliche Volksseuche geführt hätte wenn die Regierung nicht so energisch für die Eingeborenen ein- Getreten toarc. Wenn auch die Hauptaufgaben der Missionen auf dem Gebiete der Christianisierung liegen, so begrüße ich es doch mit Freuden, daß daneben auch r Erzbergev (Zenft-.)?'* , .-'Der vorliegende Etat ist die beste Rechtfertigün^ für dle'HnS teien, die für die Reichsfinanzreform gestimmt haben. Auch wir sind vollkommen einverstanden mit der Tätigkeit des Schatzsekretär-i. Möge er dem Reiche noch lange erhalten bleiben! (Beifall im Zentrum und rechts, Lachen der Soz.) " " Die Haltung Bassermanns beweist, daß die Nationale liberalen neue Steuern wollen. Was uns die Militär- und Ma« rine-Verwaltung vorlegen, genügt den Nationalliberalen nicht. Herr B a s, e r m a n n entwickelt sich zu einem Zivil-Moltle! (Heiterkeit im Zentrum und rechts.) Die ganze liberale Agitation gegen die Fmanzrefom? ebnet nur den Weg der Sozialdemokratie. (Lebhafte Zustimmung rechts und im Zentrum.) Deutschland marschiert sozial an der ®P.i^.e* (Lebh. Beifall.) Und dabei haben in Frankreich die Sozialisten viel mehr Einfluß als bei unS; dort muh man ja ®oä,QlbemoTrat fein, um Ministerpräsident zu werden. (Heiter, reit; Zuruf deS Abg. Ledebour: Driand ist ein herunter« gekommener Sozi a l d e m o kr a t!) Ich will nicht die boshafte Frage stellen, wieviel Briands es bei uns in Deutsch- land gäbe, wenn Sie hier (Erzberger zeigt auf den Bundesrats- nsch) faßen! (Heiterkeit.) Die Abgg. Daffermann und Wiemer haben hier über Enzykli ken gesprochen und Angriffe daran aernupst. Wie muß das beruhigend wirken auf 25 Millionen katholischer Deutschen, wenn hier an dieser Stelle die Sache nach ihrer religiösen Seite behandelt wird von Leuten, die sie gar nichts angeht und die davon keinen blauen Dunst verstehen. (Stur« Mischer Beifall im Zentrum.) Und Sie rühmen noch die barba» rrsche Austreibung der Klo st erbt ü der aus Portugal. Die maßgebenden Herren in Portugal werden es sich' überlegen, an den von der Monarchie eingegangenen Völkerrechte lichen Abmachungen das Geringste zu rütteln. 8,UF inneren Politik. Der Reichskanzler erklärte, daß ej i 'mir ctne Partei von der gemeinsamen Arbeit cwszu>< fchliehen. Gibt eS eine schärfere Desavouierung deil ©ulowfchen Blockpolitik ? Er sagte weiter, daß er ®om schlage zu Ausnahmegesetzen nicht mache. Da fehlt der konsequente Nachsatz, daß alle bestehenden Ausnahmegesetze aufa Phöben werden. (Lebhafte Rufe Aha! links.) Oder soll diese Su< sage nur ein Schutz für Sozialdemokraten fein? Herr Bassen wann hat ein Bündnis mit dem Zentrum abgelehnt^ Wer bat ihm denn eins angeboten? Es gab eine Zeit, da er mit dem Zentrum recht gern arbeitete. Auch im Wahlkampfe in Lab iau- W e b lau haben die Freisinnigen vor dem „bon Rom geleiteten Zentrum" gewarnt. Reizen Sie uns doch nicht, sonst konnten wir einmal unsere Mappe aufmachen und nachweisen! wieviel freisinnigeStich Wahlkandidaten schon zi; Zentrumsabgeordneten den Weg gefvudeii haben und um Hilfe gebeten haben. (Stürmisches Hört! Hört! und GW lachter rechts und im Zentrum; lebhafte Rufe: Kopsch ! — Abg« Kopfch widerspricht.) Beruhigen Sie sich, Herr Kopsch, ich habe Sie ja gar nicht genannt! (Große Heiterkeit.) Was man selbst hienn man in Wahlnot ist, soll man andern nicht so furchtbar übel nehmen. Was haben d i e Sozialdemokraten nicht schon alles den Wählern vorgemachtl Man kann ihre 3 u< f ? engebrochene Theorien schon gar nickst mehr aufzahlen. DaS Wort .Zukunstsstaat" sagt alles. Jetzt macht die Sozialdemokratie wieder ungeheure Anstrengungen mir Der, Qiftung der jungen Rekruten. Der Redner ersucht den Kriegsminister um das Material fite bie Kommission int Falle Dammann. Er erörtert die Frage bei Tempelhofer Feldes, wobei er gegen die Stadt Berlin Stellung nimmt. Als er in feinen weiteren Ausführungen von der bett logenen Agitation des Hansa-BundeS spricht, ertönt bonnernbei Beifall im Zentrum unb rechts. [6er Jngen eine Reihe bon landtolrtschaftlichey. Afsifizyteq bez- | geg . worde.n. Auch ist eS möglich gewesen,. r "" der Kantschukproduktioa durch Einrichfung einer Kautschukinspektion e'nc'fT"werTvollen Dienst zu leisten. Bisher hat der landwirtschaftliche Dienst in den meisten übrigen Kolonien in den Händen der Bezirksverwaltungen gelegen. Das hat sich als ein Uebelstand erwiesen, obwohl in einzelnen Fällen sehr Tüchtiges geleistet worden ist. So in Togo. Aber es sind doch mit der Zeit Mißstände entstanden. In Teutsch- ostafrika ist bereits im Lause beß Jahres in Daressalam dem Gouverneur ein landwirtschaftlicher Beirat beigegeben worden. In allen tropischen Kolonien muß vor allem der Daum- 'w oll frage ganz besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. In dem Etat für Deutsch-Ostafrika sowie für Kamerun sind deshalb gesteigerte Mittel für den Baumwollbau angefordert. In Deutsch-Ostafrika sollen außer einer landwirtschaftlichen Versuchsstation in dem aussichtsbollen Klima am KUimandscharo mehrere Baumwollenzuchtftellen errichtet werden. In Kamerun sollen an zwei Orten ebenfalls Zuchtftellen errichtet werden. Von ganz besonderer Wichtigkeit ist auch der erzieherische Einfluß infolge der Knappheit des Landes und der Dichte^ der eingeborenen Bevölkerung. ES sollen hier in den nächsten fünf Jahren fünf Stationen angelegt werden, und atoar aus Mitteln, die für die Wohlfahrtspflege zur Verfügung stehen werden. In Südwestafrika ist gleichfalls ein dringendes Bedürfnis, bte Produktion bon Feldfrüchten, den Futterbau unb den Gartenbau auf höhere Stufe zu heben. Auch die aussichtsvollen Versuche mit Tabak sollen fortgesetzt werden, zu welchem Zwecke dauernd ein landwirtschaftlicher Beirat dem Gouverneur beigegeben und außerdem auch speziell ausgebildete Beamte verwendet w.erden. Das gleiche gilt pjc Pen landwirtschaftlichen Beirat in d Nen-Guinena, ' am falschen Platze sehr leicht von ihnen als Schwache angesehen wird. (Sehr richtig!) Ich habe daher bei der Behandlung der Eingeborenen von jeher den Grundsatz verfolgt: gerecht lunb wohlwollend, aber fest! Ich habe in einer mehr , ' I als zwölfjährigen vraktischen Tätigkeit im deutschen und britischen die nickwärtigen Verbindunaen loiftungSfähig hätten." Die Afrika gefunden, daß dieser Grundsatz richtig ist und ich werde Bahn nach dem Kilimandscharo ist so weit borgedrungen, mich auch in Zukunft bon ihm leiten lassen. Die deutsche Herr- daß der Verkehr von der englischen Uganda-Bahn unabhängig ge- schäft wird den Eingeborenen nur Segen bringen, wenn entgegen worden ist. Ob sie in gleicher Weise fortgeführt werden kann, muß den früheren ewigen Reibereien und Kriegen Ruhe und Ordnung die weitere Entwicklung zeigen. Die Usambara-Bahn hat wie die herrscht. Deswegen muß wirklichen Unbotmäßigkeiten streng ent- Zentralbcchn die Betriebskosten gedeckt unb sogar eine Verzinsung gegengetreten werben. Anbererseits sollen sich aber auch bie des Arbeitskapitals mit 1 Prozent ermöglicht. Auch die anderen Weihen, Beamte wie Offiziere, gesagt sein laffen, baß Heber- Bahnen werden voraussichtlich die Betriebskosten decken. Bezüg- schreitunaen, Grausamkeiten gegen Eingeborene mit der ganzen lich der Bahn in das Gebiet des Baumwollbaues sind Erkundungen Schärfe des Gesetzes geahndet werden. (Beifall.) Um Mißver- -.m Gange. Der Ausbau des wichtigen Hafens von Duala ständniffe zwischen Weißen und Eingeborenen zu berrinnern. geht tüchtig vorwärts. Wenn auch die bisherigen Bahnunter- -- nehmmigen in Kamerun die finanziellen Kräfte des SchutzaebietcS ganz in Anspruch nehmen, darf sich die Verivaltung doch nicht der Aufgabe entziehen, zu erkunden, wie der außerhalb deS Verkehrs bleibende Teil des Landes im Süden am vorteilhaftesten durch eine Bahn erschlossen werden kann. Auch in dieser Hinsicht sind Vorarbeiten im Gange. In T 0 g 0 wird bie Bahn Atapame demnächst erreicht haben. Hier soll Halt gemacht unb bie Fortsetzung vorläufig vertagt werden. Für 1911 konnte für diese Bahn eine Verzinsung des ArbeitSlapitalS bon 1,8 Prozent eingestellt werdeii. Ganz besonders erfreulich sind die gelbem bent Fiskus möglich gewesen, bie Ausgaben vollkommen 'aus den Einnahmen zu decken und sogar noch für werbende Anlage Zuschüsse vorznsehen, und zwar für 1910 6 Millionen Mark, Kriegsminister v. Heenngern erklärt zum Falle Damman, daß dessen Angaben richtig feiert: l£r halte aber trotzdem den Spruch des Ehrenamts für richtig toegen persönlicher Dinge, die in der Kommission zu erörtern seien, Staatssekretär Dr. b. Lindeqmst nttnnd Dernbura gegen Angriffe Erzbergers in Schutz. Gegen 8 l^c vertagt das Haus die Weiterberatung auj / Beteiligung dcS deutschen Kapitals art Erschließung, woran ganz zweifellos mein-m Vöräkkri^ em großes Verdienst gebührt. Alle Dkaßnahmen müssen unter, bleiben, die geeignet sind, Kreise des Handels, der Industrie uns Landwirtschaft abzuschrecken, Kapital in den Kolonien cnwleaen Ten Ausführungen des Abg. Lattmann :wer bie Ver k r.5 g e mit b er Kolonial gesell schäft kann ich nicht beiftimmen. Auch ich halte mit Herrn Speck die Budgetkommissicn für den richtigen Platz, diese Frage zu erörtern. Ich bin bemüht gewesen, Ihnen ein möglichst objekti, beS Bild bon der Entwicklung der Kolonien in der neuesten Zeit zu geben und glaube, baß es im allgemeinen lein ungünstiges ist. Die weitere Lerminberung der ReichSzuschüsse' , ist auch mein ernstliches Bestreben; aber ich bitte Sie, mich banlto mi sehr zu brängen. Ich bitte nicht zu bergessen, welche orefen Lasten die Kolonien für Verzinsung unb Amortisation der Ko. lonialanleihen aufzubringen haben. Wir werden die übernommen nen Pflichten nur erfüllen lönnen, wenn wir neue Gin» nahmequellen erschließen. Naturgemäß werden diese zmn Teil auch in Besteuerung der Eingeborenen be- stehen müssen, und da müssen wir mit der allergrößten Vorsicht vorgehen. (Sehr richtig!) Unser überseeischer Besitz ist noch eine zarte Pflanze unb bedarf noch der pfleglick>en Hand der Heimat.. Andere Kolonialstaaten zahlen jetzt noch erheblich mehr als wir an ReichSzuschüssen. Daß das deutsche Volk und der hohe Reichstag in den schweren und trüben Tagen, die über unsere Kolonialpolitik hereingebrochen waren, nickt an der Zukunft unserer Kolonien verzweifelt haben, daS gilt heute belohn! zu werden. (Beifall.) —' Abg. Graf v. Mielzhnski (93oTe)rT Dte Sorge um die Zukunft klang aus allen Reden heraus. Das unzufriedene Volk droht mit dem roten Wahlzettel. Es schreit nach büraerlicher Freiheit. Die Regierung aber kommt mit Au»« nahmegesetzen. Wie demagogisch Hetzen die Freisinnigen, die in den SundStagen der Blockpolitik, als die Bülowsonne lächelte, alle Prinzipien zu opfern bereit waren. Hätten sie über die Gesinnung der Nationalliberalen Illusionen gehabt, die gestrig, Rede Bassermanns hat alle vernichtet. In fast allen Bevölke» rungskreisen herrscht ein großes Mißtrauen gegen bit> Justiz, W.u; Pol^n finden keine Gerechtigkeit. -------- -Abg. Werner (Refp.H-^- Den sozialdemokratischen Reden wäre Deuischlönb 6er tt* barmlichste Staat. Die Herren sollten sich einmal in der Welt um» fthen, dann würden sie wie Liebknecht in Amerika kuriert werdew Was Herr Dernburg getan hat, lag im Interesse der Großbanken, aber nicht bes brutschen Volkes. ' ~ < , Staatssekretär des ReichsfuftizanüeS Dr. Llscol' Die Ausführungen beS Grafen MielzynSki sinb geradj vertrauen in die Justiz zu .erfMlUiB, too ble Plantagenwirtschaft neuerdings große Äusbeh- -. J. - ■; ... , r. . «U«g anpimmt. Die Kolonialverwaltung hofft, bei ihren Bestre. wahrenb für 1911 6 Millionen veranschlagt sinb. Die Gesamte bungen zur Durchführung bieseS umfangreichen landwirtschafte ^tlastung bcS Reiches von 1908 bis 1?11 betragt nicht weniger als lichen Programms auch ferner auf bie Unterstützung bet beutschen Mark, bas ist mehr als bw Halste (Hört! Hort! rechts landwirtschaftlichen Organisation. Aehnlich erhoffen wir Forde, und links). Trotzdem dieses sicherlich nicht ungünstigen Ergeb- rung und Anregung in bezug auf bie übrigen wirtschaftlichen Ge- nisses wrrb es notwenbig sein, auch in Zukunft mit größter Vor- biete von den neuerdings bestehenden wirtschaftlichen Kom- sich zu verfahren, wenn die Finanzlage der Kolonien gesund Missionen. bleiben soll, da in den nächsten Jahren den Schutzgebieten durch Ich habe schon vorhin angedeutet, tote unser landtoirtschast- die Verziniung und Amortisierung der Eisenbahnanleihen erheb- licheS Programm besonders auch die Eingeborenenarbeit unb Uche Lasten erwachsen werden. Gegenuberneuengröße- ren Projekten werden wir nnS der größten Zurück- c Eingeborenenkultur Haltung befleißigen müssen. Die Handelsstatistik erweist eine 'o.röcIT 'oH- Aufrichtung bet beutschen Herrschaft haben außerorbentliche Zunahme bcS gesamten Hanbcls ber Schutzge- . ^roße Mission für bie unserer Sorge anvertrau- biete. Sie ist im Jahre 1910 von 138 Millionen beS Vorjahres Eingeborenen übernommen, unb wir können sie nicht besser er- auf 177 Millionen, also um nicht weniger als 39 Millionen ge- aI®..tornn ^ir neben ber Durchführung bet Christianisierung stiegen. Dabei kommt allerbingS bie sprunghafte S t e i g e - P 8*r[orge für bie Gesunbheit ber Eingeborenen ihnen auch rung bes Hanbels infolge berDiamantenfunbe unb?.? Urbeit lieb unb lohnenb machen, inbem wir auch die große Einfuhrsteigerung von Baumaterialien in Betracht, aber Diejenigen eingeborenen Stämme, bie an regelmäßige Arbeit noch auch abgesehen bavon ergibt sich immer noch ein sehr erfreulicher ^ub, hierzu erziehen. Um uns mit ben Eingeborenen Zuwachs. In den Jahren 1904 bis 1907 ist der Gesamthandel um fDjeblich auSeinanderzusehen, ist eS von ganz besonderer Wichtig- 30 Prozent, 1907 bis 1909 um 40 Prozent gestiegen. Die Aus- ^aß wir sie richtig behandeln. Ich glaube mit dem fuhr ist 1903 bis 1906 jährlich um 11,3 Millionen, 1906 bis 1900 Reichstage emS zu sein, wenn ich in Befolgung der Grundsätze, um 10,3 Millionen gestiegen. Auch die Einfuhr ist infolge der er- Welche in der Kolonialverwaltung von jeher maßgebend gewesen höhten Tätigkeit und des vermehrten Anbaues in den Kolo- "rw, und denen mein Vorgänger in ganz besonders prägnanter nicn ständig im Steigen begriffen. (Lebh. Zustimmung.) und beredter Weise Ausdruck verliehen hat, erkläre, daß ich tief Auf dem Gebiete des E i s e n b a h n b a u e S herrschte in- davon du.r.chdnmgen bin, daß wir die Eingeborenen C folge der guten Witterung in den Jahren 1908 bis 1910 lebhafte menschlich und gerecht ■ AtUeit, und um keinen Stillstand aufkommen zu laffen, sind im behandeln muffen, {Beifall.) nicht bloß weil wir bTeTesIrS^ $ a b- Etat für 1911 42 A Millionen, davon 37% Millionen auf Anleihe, baren Mensch enmaterialS zur Nutzbarmachung unserer angeforoert worden. Die Verwaltung hat ganz besonderen Wert Kolonien, für Handel, Industrie und Landwirtschaft bedürfen, daraus gelegt, daß die wichtigsten ZugangSstrahen auSgebaut wer- sondern auch aus höheren, idealen und ethischen Gesichtspunkten, oen. Das Ergebnis der neuen Bahnen hat im allge- Ich meine, daß dies die Würde einer kulturell fo hochstehenden meinen den Erwartungen entsprochen, aun) Teil. ste^ iojzgr^ioch Nation wie der deutschen unbedingt verlangt. (Beifall!) Damit übertroffen..) I ist nun nicht gesagt, daß den Eingeborenen in allen Dingen - 3« Ostafrika 7 w nachgegeben werden muß. Abgesehen von der von unseren Be- wird die Zeniralbahn hoffentlich schon in drek'Mhren rhren^End- griffen und unserer Charakterveranlagung so ganz Verschiebern vunkt erreichen, also ein Jahr früher als angenommen worden Art her Ejngeborenen dürfen wir nicht vergeffen^ daß ist. Die Voruntersuchungen für die Linie bis zum Tanganika /" ibergroße Milde unb Weichheit haben einen guten Fortgang genommen. Im Hinblick auf baS ( ---— — - — Rcformprogramm des Kongostaates und im Hinblick auf bie 1 , c Schlaftranshcit ist biefe Linie von besonderer Bedeutung. EF ist ^'Eino^borermn eine Pflicht ber Humanität, für den Kampf gegen J I >ingeoorenen Giessen 5684 Marktstrasse 24/26 je ■ ■_y- Mein n hat begonnen. Schuhwaren in guten Qualitäten zu billigsten Preisen Kunftgewerbehaus Mitglied der Rabatt-Spar-Vereinigung. a'r Grösste Auswahl in Weiknachts-Gesohenken öS i 1 Warnung M Aufklärung! gegenüber Flockstr. Seltersweg 22 I Regenschirms für Damen u. Herren bringen wir in hervorragender Auswahl und grösster Preiswürdigkeit. 4.25 5.25 6.25 a*/iJ r * ■ !I Portemonnaies Zigarrenetuis Brieftaschen Aktenmappen Kupeekoffer, Rohrplatten- n. Bügel- koffer in allen Grössen u. Preislag. Reisetaschen, Schulranzen f. Knaben und Mädchen, Rucksäcke etc. etc. •; r Damentaschen Reisenecessaires Schreibmappen Led. 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Zur Ausführung kommen etwa 200 qm Buchenriemen tn Asphalt, etwa 160 qm Buchenparkettafeln auf Sandbettung, etwa 33 lfde. m eichene Trittstufen u. dergl. Los II. Liefern und Einbauen von 18 Stück Feuerhähnen mit Zubehör. Verdingungsunterlagen und Zeichnungen können auf dem Neubaubureau, Licher Straße 106, eingesehen u. erstere ohne Zeichnungen dorther, soweit der Vorrat reicht, gegen Erstattung der Selbstkosten bezogen werden. Die Angebote! sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, porto- und besiellgeldfrei bis zum Eröffnungstermin am 20. Dezember 1910, vormittags 11 Uhr, auf dem Neu- baubureau, Licher Straße, einzureichen. KeKanntmachung. Bctr.: Die Veranstaltung von Verlosungen innerhalb be3 Großherzogtums. Die Faselmarkt-Kvmmiffion m Butzbach beabsichtigt mit dem am 9. März 1911 in Butzbach statt finden den Fasennrrrkt eine Verlosung von Vieh und landwirtschaftlichem Geräten zu (verbinden. I IsinMMerei Giessen I GJebr. Grieb i^d,ö.tucn^T0^c4' Bismarck 4. lUuU|9|luu!L strafte 11 (Ecke Ludwigüratze) Bullen-Verkauf. Nächsten Mittwoch den 14. Dezember, nachmittags 1 Uhr, verkauft die Gemeinde Nieder-Bessingen auf der Bürgermeisterei dahier einen zum Schlachten abgängigen Bullen in öffentlicher Versteigerung. Nieder-Bessingen, den 9. Dezember 1910. Großherzogl. Bürgermeisterei. Großh. Ministerium des Innern bat die nachgesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß bis zu 11000 Lose zu 1 Mark das 5tüd ausgegeben werden dürfen und mirrdestens 60 Proz. des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose nach Abzug eines Betrages von 250 Mark für Prämiierungszwecke zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Großherzogl Eier zum Backen Frische Siedeier Vorzügliche Butter zum Backen Feinste Süssrabmtafelbntter täglich frisch Nähmaschinen hervorragende deutsche Fabrikate Kassetten eigener Fabrikation Wasch- und Wringmaschinen Gießen, 10. Dezember 1910. Großherzogliches Kreisamt Gießen. t)r. U s i n g e r. Bekanntmachung. Bet r.: Schweineseuche in Rüddingshauserr. Die in den Gehörten des H. Magel VI. und der Karl N i c o l a i Witwe zu Rüddings Hausen ausgebrochene Scbweincseuche ist erlösche n. Die Sperre ist aufgehoben. Gießen, dcu 11. Dezember 1910. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Langermann. Bekauurmachuttg. Unter Bezugnahme auf die Artikel 34 und 35 deS^Berg- gesctzes in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. September 1899 wird hierdurch öffentlich bekannt gemacht, daß die Gewerkschaft Friedrich zu Hungen mit dein Braunkohlen- Bergwerk „Friedrich) III." in den Gemarkungen Bellersheim, Feldbeim und Obbornhofen, Kreis Gießen, beliehen worden ist. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihung müssen bei Meldung des Verlustes des Vorzugsrechts binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen die Bergwerkseigentümerin geltend gemacht lverden. ' Lehrend dieser Frist ist die Einsicht des Situationsrisses bei der Bergmeisterei Darmstadt jedem gestattet. Dl3/ii Darmstadt, den 7. Dezember 1910. Groß herzogliche Obere Bergbehörde. ______________________Hölzinger.________________Berkes. Bekanntmachung. In der Zeit vom 12. November bis 10. Dezember 1910 Ivurden in hiesiger Stadt gefunden: 5 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Gummischuh, 1 Stativ zu einem Photographieappavat, 1 Damenuhr und 1 Brille; verloren: 1 kleine schwarze Handtasche mit ca. 4 Mark Znhalt, 1 Armband, 1 Kontobuch, 1 Portemonnaie mit 6 Mark Inhalt, 1 braunledernes Portemonnaie mit ca. 20 Mark und 2 Lotterielosen Inhalt, 1 schwärchederne Handtasche mit 10 Mark und 1 Taschentuch Inhalt, tebn Strangchen blaue Nähseide, 1 Portemonnaie mit 37 Ptark Inhalt und 1 silbernes Perlenarmband. Sie Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben chre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Tie Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jebem Wochentag von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nafr mittags bei unterzeichneter Behörde Zimmer Nr. 1 erfolgen. Gießen, den 10. Dezember 1910. Großherzoglichcs Polizeiamt Gießen. Gebhardt. Fnßfelle liir Lungenkranke (Medizinische Klinik, Klimkstraße). Sprechstunde: Jeden Mittwoch abend von 5—^7 Uhr. Unentgeltliche Untersuchung von Lungenkranken und Angehörigen von Lungenkranken. D», Ausgabe von Attesten für Ausnahme in Heilstätten. Ratschläge für Kranke und ihre Angehörigen zur Vermeidung von Ansteckung. Voit Praktische Weihnachtsgeschenke. Klubsessel allcFonnen bequem u. solid ausgeführt i nur eigenes Fabrikat. a10/r | taheimer & Jung Frankfurt a. M. SchiUerstrasse 25. I